„Das Evangelium des Blutes“ und andere Geheimnisse der katholischen Kirche

Rollins - Cantrell - Das Evangelium des Blutes - 2

Wer diese unglaublich dicken Thriller, in denen irgendein wichtiger Gegenstand aus der Vergangenheit, der die Welt verändern kann, und den jetzt mehrere verfeindete Gruppen wollen, blöd findet, kann „Das Evangelium des Blutes“ von James Rollins und Rebecca Cantrell getrost ignorieren. Denn dieser über sechshundertfünfzigseitige Roman wird ihn nicht bekehren.
Das titelgebende „Evangelium des Blutes“ ist von Jesus höchstpersönlich mit seinem Blut geschrieben und es könnte, in den falschen Händen, die Geschichte der Menschheit verändern. Die richtigen Hände sind natürlich in der katholischen Kirche und bis das Evangelium dorthin gelangt, müssen die Archäologin Erin Granger, Single, jung und taff,
Sergeant Jordan Stone, Neuntes Ranger-Bataillon, vorher in Afghanistan stationiert und ihr Love-Interest, und Pater Rhun Korza, Gesandter des Vatikans und Sanguinarier, weshalb er als büßender Vampir ziemlich unverletzbar ist (Silberkugeln und Sonnenlicht helfen nicht), innerhalb von drei Tage in Israel, Bayern (inclusive einem Kampf gegen Fledermäuse und Vampire in einem in einem See gelegenem Nazi-Bunker), St. Petersburg (inclusive einem heimlichen Besuch der unterirdischen Erimitage-Lagerräume) und in Rom zahlreiche Abenteuer erleben. Der Höhepunkt des Romans ist dann unter dem Petersdom.
Die Geschichte beginnt in Israel mit einem Erdbeben. In Masada wird dabei ein Zugang zu einer fast zweitausend Jahre verschlossenen Gruft offengelegt, in dem der mumifizierte Körper eines damals eingeschlossenen Mädchens (deren Sterbedatum zunächst einige Rätsel aufgibt), ein Eisernes Kreuz aus dem Zweiten Weltkrieg in ihrer Hand und ein geöffneter Sarkophag, in dem ein Buch lag, das sie bewachen sollte, sind. Das Buch war das von Jesus geschriebene, besonders machtvolle Evangelium. Unsere Helden nehmen die Spur auf, die sie zunächst nach Süddeutschland führt.
Das könnte sich jetzt in den üblichen Bahnen eines Abenteuer-Thrillers mit viel Action und einigen historischen Geheimnissen bewegen, wenn James Rollins und Rebecca Cantrell nicht die Hälfte ihrer Charaktere zu Vampiren machen würden. So ist Rhun Korza einer dieser Blutsauger, der allerdings seine Gier nach Blut zügeln kann. Die beiden erfinden eine herrliche, historisch gesättigte Parallelwelt, in der all die Sagen und Legenden über Vampire und andere nicht menschliche und nicht tierische Wesen mehr oder weniger wahr sind. Und viele bekannte Charaktere, die in unserer Realität schon vor langer Zeit gestorben sind, wie Grigori Jefimowitsch Rasputin, quicklebendig auftauchen.
Insgesamt liest sich „Das Evangelium des Blutes“ wie die Vorlage für einen Fantasy-Thriller voller Kämpfe, fantastischer Begegnungen und schneller Ortswechsel, der demnächst im Multiplex um die Ecke läuft. Strandlektüre eben, die am Ende schamlos eine Fortsetzung ankündigt.
Für Ende Juli ist diese Fortsetzung „Das Blut des Verräters“. (Innocent Blood – The Blood Gospel 02, 2014) angekündigt.
In den USA ist bereits der dritte Band „Blood Infernal“ (2015) erschienen, der das Ende der „The Order of the Sanguines“-Trilogie ist. Aber Rollins und Cantrell schließen weitere, in dieser Welt spielende Geschichten nicht aus.

James Rollins/Rebecca Cantrell: Das Evangelium des Blutes
(übersetzt von Norbert Stöbe)
Blanvalet, 2014
672 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
The Blood Gospel
William Morrow, 2012

Hinweise
Homepage von James Rollins
Homepage von Rebecca Cantrell
Meine Besprechung von James Rollins‘ „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ (Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull, 2008)
Excuse Me, I’m Writing: Interview mit James Rollins und Rebecca Cantrell über „Das Evangelium des Blutes“ (Januar 2013)
The Big Thrill: Interview mit James Rollins und Rebecca Cantrell zu „Blood Infernal“ (Januar 2015)

One Response to „Das Evangelium des Blutes“ und andere Geheimnisse der katholischen Kirche

  1. Meine Begeisterung für das Buch war recht überschaubar. Das Ganze stellenweise zu vorhersehbar und etliche Klischees verbraten, von denen halt einige dabei waren, die ich nicht mag. Beim nächsten reicht der Erwerb als günstiges Gebrauchtbuch für mich.

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