Neu im Kino/Filmkritik: Der Auftragsmörder „Mr. Long“ bekocht ehrliche Menschen

Die ersten Minuten von „Mr. Long“ sind nicht repräsentativ für den gesamten Film. Aber grandios. Zuerst tötet ein Auftragskiller in Taiwan in einem Lagerraum eine Gruppe Männer. Dann wird er mit einem neuen Auftrag nach Japan geschickt. In Tokio soll er in einem Nachtclub einen Gangster ermorden. Aber der Anschlag geht schief und, als die Schergen des Gangsters ihn ermorden wollen, kann er flüchten.

In einer verlassenen Wohnsiedlung taucht er unter und ab jetzt verlässt SABU („Unlucky Monkey“, „Monday“, „Happiness“) in seinem neuesten Film „Mr. Long“ die Gefilde des düsteren Hongkong-Thrillers der John-Woo-Schule, die er in den Minuten makellos bediente. Bis zum blutigen Finale porträtiert SABU eine Geheimschaft armer, aber hilfsbereiter und freundlicher Menschen, die den schweigsamen Killer, den sie Mr. Long nennen, in ihre Gemeinschaft aufnehmen und, weil Mr. Long ein begnadeter Koch ist, verhelfen sie ihm zu einer fahrbaren Garküche. Damit eröffnet sich für ihn eine neue berufliche Perspektive und die Möglichkeit auf ein neues Leben. Weil Mr. Long kein japanisch spricht, erfolgt diese Annäherung an einen Jungen, seine Mutter und die Bewohner des Viertels stumm, mimisch und mit Gesten.

Mr. Long beginnt, nachdem er bis jetzt niemals über sein Leben nachdachte, über sein Leben nachzudenken. Gleichzeitig will er zurück nach Taiwan. Das nächste Schiff, das er benutzen kann, verlässt den Hafen erst in fünf Tagen.

Diesen über mehrere Tage anhaltenden Schwebezustand, in dem der Killer sich langsam öffnet, erzählt SABU feinfühlig,mit viel Humor, einem tiefen Humanismus und Glauben an das Gute im Menschen. Das ist dann mehr ein Märchen und weit ab von dem eiskalten Gangsterthriller, den man in den ersten Minuten erwartet.

Mr. Long“ erlebte seine Premiere auf der diesjährigen Berlinale im Wettbewerb.

Mr. Long (Mr. Long, Japan/Taiwan/Hongkong, China/Deutschland 2017)

Regie: SABU

Drehbuch: SABU

mit Chen Chang, Runyin Bai, Yiti Yao, Sho Aoyagi, Masashi Arifuku, Taro Suwa, Ritsuko Okusa

Länge: 129 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Mr. Long“

Rotten Tomatoes über „Mr. Long“

Wikipedia über „Mr. Long“

Berlinale über „Mr. Long“

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