Fast normaler Schulunterricht in der „Deadly Class“

Schule ist, wie wir vor allem aus US-Highschoolfilmen wissen, die Hölle. Bei uns gibt es ja nur Paukerfilme, „Fack ju Göhte“ und die eigenen, gar nicht so schlimmen Erfahrungen. Jedenfalls im Vergleich zu dem, was an US-Schulen passiert.

Für Marcus Lopez ist eine Schule allerdings in mehrfacher Hinsicht ein Fortschritt. Er muss dann nicht mehr in San Francisco auf der Straße leben, er erhält Bildung, ein Dach über dem Kopf und, in dieser Schule, sogar eine Zusatzausbildung als Profikiller. Denn selbstverständlich muss auch die Kunst des Tötens gelehrt werden. An der elitären, im Geheimen existierenden Kings-Dominion-Schule der Tödlichen Künste, in der meistens schon die Eltern und Großeltern der jetzigen Schüler das Assassinen-Handwerk lernten, steht auch die Kunst des Tötens auf dem Lehrplan.

Gerade diese Ausbildung gefällt Marcus besonders gut. Denn er will Ronald Reagan töten. Der hat nämlich dafür gesorgt, dass alle psychiatrischen Anstalten kein Geld mehr erhalten. Also entließen die Anstalten ihre Patienten und eine der Entlassenen tötete Marcus‘ Eltern.

Bevor Marcus den Präsidenten der USA töten kann, muss er sich mit den normalen Schulproblemen herumschlagen: strenge Lehrer und schnöselige Schulkameraden und -kameradinnen. Diese Blicken, auch wenn Marcus nicht direkt von der Straße gekommen wäre, auf den Neuling herab. Davon abgesehen zerfallen sie in verschiedene Cliquen, die auch von den 80er-Jahre-Subkulturen beeinflusst sind. Sie sind die Söhne und Töchter von CIA-Agenten, Arischen Brüdern, Rednecks, Drogenbossen, South-Central-LA-Gangstern und Yakuza-Killern.

Die Coming-of-AgeProbleme zwischen Krach mit diesen verschiedenen Cliquen, Freundschaften, erster Liebe und ersten (?) Drogenerfahrungen nehmen dann auch in „Deadly Class“ einen großen Raum ein.

Rick Remender erfand vor sechs Jahren die Serie „Deadly Class“, die viele Reminiszenzen an achtziger Jahre (seine Schulzeit) enthält und von eigenen Erinnerungen inspiriert ist. Obwohl er damals in Phoenix Skatepunk hörte und San Francisco ganz weit weg war. Zeichner Wes Craig und Kolorist Lee Loughridge setzen die Geschichte in bunten Hardboiled-Noir-Bildern um, die gekonnt die Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit schlagen.

Über die spannende Handlung kann ich allerdings wenig schreiben, weil der zweite Band an den ersten anknüpft.

Der dritte „Deadly Class“-Band „Die Schlangengrube“ ist für Mitte August angekündigt. Und weil die Serie in den USA seit Januar 2014 veröffentlicht wird und seitdem fast jeden Monat ein weiteres „Deadly Class“-Comicheft erscheint, ist für Nachschub gesorgt.

Inzwischen wurde aus dem Comic eine Syfy-Serie, die bei uns auf verschiedenen Streaming-Plattformen gezeigt wird. Nach dem stylischen Trailer sieht die Serie mehr nach den achtziger Jahren aus, als die achtziger Jahre jemals aussahen:

Rick Remender/Wes Craig/Lee Loughridge: Deadly Class: 1987 – Die Akademie der tödlichen Künste (Band 1)

(neu übersetzt von Michael Schuster)

Cross Cult, 2019

176 Seiten

16, 80 Euro

Originalausgabe

Deadly Class Volume 1: Reagan Youth

Image Comics, 2014

enthält

Deadly Class # 1 – 6

Rick Remender/Wes Craig/Lee Loughridge: Deadly Class: 1988 – Kinder ohne Heimat (Band 2)

(neu übersetzt von Michael Schuster)

Cross Cult, 2019

176 Seiten

16,80 Euro

Originalausgabe

Deadly Class Volume 2: Kids of the Black Hole

Image Comics, 2015

enthält

Deadly Class # 7 – 11

Die deutschen Erstausgaben erschienen bei Panini Comics und wurden von Marc-Oliver Frisch übersetzt.

Hinweise

Homepage von Rick Remender

Wikipedia über „Deadly Class“ (Comic) (TV-Serie: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Rick Remenders „Punisher 4: Frankencastle 2“ (FrankenCastle # 17 – 19, 2010)

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