Spider-Man Noir reist von New York über „Berlin bis Babylon“

Gut, in dem Spielfilm „Spider-Man: Far from Home“ besuchte der Schüler Peter Parker mit seinen Mitschülern Europa und gerät dort in einige Abenteuer, die das Einschreiten von Spider-Man erfordern. Aber normalerweise verlässt Parker seine Heimatstadt nicht. Dort kämpft er gegen Bösewichter. Und das ist in New York ein Full-Time-Job.

Als er in „Berlin bis Babylon“ bei den Ermittlungen in einem Mordfall die Museumskuratorin Dr. Huma Bergmann, – jung, gutaussehend und intelligent – , kennen lernt und die Spur nach Europa führt, zögert er. Er mag die Nazis zwar nicht, aber die bedrohen nicht seine Nachbarschaft, sondern treiben im fernen Europa ihr Unwesen.

Spätestens jetzt ist ein erklärender Einschub nötig. Denn die von Margaret Stohl geschriebene und von Juan Ferreyra formidabel gezeichnete Spider-Man-Geschichte „Berlin bis Babylon“ gehört zur hier auch schon abgefeierten Noir-Reihe von Marvel. In ihr erzählen verschiedene Autoren und Zeichner neue, eigenständige Geschichten mit den bekannten Marvel-Helden. Eine Anknüpfung an die Schwarze Serie, also die Phase Hollywoods, in der Noir-Krimis gedreht wurden, und an die alten Pulps ist explizit erwünscht. Und so spielt „Berlin bis Babylon“ 1939, wenige Tage vor Kriegsausbruch. Peter Parker ist Privatdektiv; so ein richtiger Hardboiled-Dick, der seinen Sam Spade und Philip Marlowe studiert hat. Und die Geschichte wird, bis auf wenige Farbtupfer, in Schwarz-Weiß erzählt. Denn damals beherrschten SW-Filme den Markt.

Nach kurzem Zögern und etwas Zureden – schließlich müssen für den Kampf gegen die Nazis alle Kräfte mobilisiert werden (ich denke da an den Humphrey-Bogart-Film „Agenten der Nacht“ [All through the Night, 1941]) – fliegt Parker mit Huma zunächst nach London. Von da aus geht es weiter nach Berlin zu einem Kurzbesuch auf der Museumsinsel und dann nach Babylon. Auf dem Gebiet der Ausgrabungsstätte Uruk soll seit Jahrhunderten ein Kristall versteckt sein, der in den falschen Händen das Ende von Allem bedeuten würde. Selbstverständlich wollen die Nazis den Stein haben.

Berlin bis Babylon“ orientiert sich kaum am klassischen Noir, sondern mehr an pulpigen Abenteuergeschichten und Serials, in denen der Held durch haarsträubende Abenteuer stolpert und Erholungspausen nur beim Umblättern einer Seite entstehen. In den achtziger Jahren erlebten diese Geschichten mit den „Indiana Jones“-Filmen eine Renaissance. Und ein Indiana-Jones-Abenteuer könnte Peter Parkers Abenteuer auch sein. Auf seiner Suche begegnet Parker auch alten Bekannten, wie den jetzt für die Nazis kämpfenden Electro.

Trotzdem ist dieses „Spider-Man Noir“-Abenteuer perfekt für Neueinsteiger und Pulp-Fans. Da ich mehr ein Pulp- als ein Spider-Man-Fan bin, hoffe ich jetzt natürlich auf das nächste Abenteuer von PI Peter Parker. Gerne wieder gegen böse Nazis.

Margaret Stohl/Juan Ferreyra: Spider-Man Noir: Berlin bis Babylon

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini, 2021

124 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Spider-Man Noir (2020) # 1 – 5

Marvel, 2020

Hinweise

Wikipedia über Margaret Stohl

Marvel über Spider-Man Noir

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