Neu im Kino/Filmkritik: „Infidel“ – der gute Christ und die bösen Moslems

Hätte Doug Rawlins (Jim Caviezel) in der Live-TV-Sendung seine Klappe gehalten oder sich etwas diplomatischer ausgedrückt, wäre ihm das alles nicht passiert. Aber ein wahrer gläubiger Christ muss auch in Kairo in einer Talkshow dem Publikum erklären, wer der einzig wahre Gott ist. Und das ist nach Ansicht des christlichen Bloggers Rawlins natürlich Jesus Christus.

Einige Moslems sind über diesen Missionierungsversuch so verärgert, dass sie ihn aus seinem Hotel entführen und über einige Stationen in den Iran verschleppen. Dort soll ihm der Prozess gemacht werden.

Währenddessen versucht seine Frau Liz (Claudia Karvan) ihn zu retten. Nach einem tragischen Unfall ist sie ungläubig geworden. Sie arbeitet in einer wichtigen Position im US-Handelsministerium. Trotzdem will ihr die US-Regierung bei der Befreiung ihres Mannes nicht helfen. Also reist sie auf eigene Faust in den Nahen Osten.

Cyrus Nowrastehs „Infidel“ ist ein Film mit einer Botschaft, die allerdings denkbar ungeschickt präsentiert wird und deren Präsentation für ungewollte Lacher sorgt. Das beginnt schon damit, dass „Infidel“ strukturell einfach ein Kalter-Kriegs-Thriller ist, in dem die bösen Russen durch die bösen Moslems ausgetauscht wurden. Wobei in „Infidel“ alle Moslems böse sind. Wenn sie im Westen leben, treiben sie selbstverständlch ein doppeltes Spiel und bereiten in ihrem Keller Terroranschläge vor.

Damit sind die Fronten klar verteilt und die Story kann sich von sattsam bekanntem Plot-Point zu vorhersehbarem Plot-Point hangeln. Mit erfolglosen Ausbruchsversuchen, weicheierigen Karrierebeamten und etwas Action. Vor allem am Filmende, wenn Rawlins aus dem Gefängnis befreit werden soll.

Die Figuren sind so eindimensional geschrieben, dass man sich nie für sie interessiert. So wird immer wieder behauptet, dass Rawlins ein hundertfünfzigprozentig christlich überzeugter, wortstarker Blogger ist. Aber viel erfahren wir nicht über seinen Glauben. Das was wir erfahren, bewegt sich auf dem Niveau von Binsenweisheiten und dem nett vorgetragenem Versuch, andere dazu zu bringen, sich Jesus Christus bedingungslos zu unterwerfen.

Für einen theologisch interessanten Disput mit seinem Folterknecht Ramzi (Hal Ozsan) reicht das nicht. Wobei Ramzi sich auch nur dafür interessiert, dass Rawlins seinen Glauben verrät. Dabei verlässt er sich im Zweifelsfall nicht auf Worte, sondern auf Schläge und Psychoterror. Die Ankläger und Richter bei dem Schauprozess mit schon vorher feststehendem Todesurteil sind an so einem Disput selbstverständlich ebenfalls nicht interessiert. Ihnen geht es nur um Herrschaft, Unterdrückung und Unterwerfung.

Infidel“ ist ein ‚faith based‘-B-Actionthriller der billigen Sorte. Das liegt vor allem daran, dass Nowrastehs Film ein ärgerlicher ideologischer Quark ist, der nie den nihilistischen Charme anderer B-Pictures versprüht. Diese Actionkracher können mit den Worten ‚Vergebung‘ und ‚Gnade‘ auch nichts anfangen. Aber sie behaupten nie, die christliche Botschaft, die ja eine Botschaft der Liebe und des Verständnisses sein soll, zu verkünden.

Infidel (Infidel, USA 2020)

Regie: Cyrus Nowrasteh

Drehbuch: Cyrus Nowrasteh

mit Jim Caviezel, Claudia Karvan, Hal Ozsan, Stelio Savante, Isabelle Adriani

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Kinostart: 22. Juli 2021

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Infidel“

Metacritic über „Infidel“

Rotten Tomatoes über „Infidel“

Wikipedia über „Infidel“

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