Neu im Kino/Filmkritik: „Hallo Betty“ Bossi, Köchin der Nation

Kochrezepte. Und zwar nicht nur von der komplizierten Art, sondern einfache Rezepte, die die Hausfrau schnell kochen kann mit den Zutaten die gerade in der Küche sind und die der Familie schmecken, gab es nicht schon immer in Reklame-, Frauen- und Kochzeitschriften.

In der Schweiz begann dies 1956 mit Betty Bossi. Sie wurde schnell populär und das Gesicht der Zeitschrift, die ganz banal „Betty Bossi Post“ hieß und aus einer Mischung aus Kochrezepten und Ratschlägen bestand.

Dabei gab es Betty Bossi nicht. Sie wurde von der Werbetexterin Emmi Creola (Sarah Spale) erfunden für die Firma Astra, die den Verkauf von Margarine und Erdnussöl ankurbeln wollte. Die einfachen Rezepte der patenten Schweizer Hausfrau kamen gut an. Später trat sie in der Öffentlichkeit als Betty Bossi auf. Und kümmerte sich neben ihrer immer mehr Zeit in Anspruch nehmenden Arbeit auch um ihre Kinder und ihren Ehemann. Noch später wurden ihre Leistungen als ‚Köchin und Hausfrau der Nation‘ umfassend gewürdigt. In dem Moment war Betty Bossi schon ein Markenzeichen und ein großes, heute immer noch bestehendes Unternehmen.

Die am 3. September 1912 geborene Betty-Bossi-Erfinderin Emmi Creola-Maag starb am 2. Oktober 2006.

Auch „Platzspitzbaby“-Regisseur Pierre Monnard lernte mit Betty Bossis einfachen und, was der wichtigste Punkt war, immer gelingenden Rezepten Kochen.

Jetzt erzählt er in „Hallo Betty“ sehr warmherzig und mit mild pointiertem Humor die Anfänge von Betty Bossis Geschichte mit einer ordentlichen Portion Fünfziger-Jahre-Retro-Charme. Er spricht auch die mangelnde Gleichberechtigung, vor allem bei der Arbeit das herablassende Verhalten der Männer gegenüber Frauen, die schlechte Behandlung der aus Italien kommenden Arbeiter und die sich dagegen formierende Solidarisierung der Frauen an. Denn Betty Bossis Geschichte ist auch die Geschichte der Emanzipation von Emmi Creola, einer bei uns in Deutschland fast unbekannten Frau. Während sie sich nach der Zubereitung von Tiramisu erkundigt, gab es in Deutschland Toast Hawaii.

Hallo Betty (Schweiz 2026)

Regie: Pierre Monnard

Drehbuch: André Küttel

mit Sarah Spale, Martin Vischer, Rabea Egg, Viviana Zappa, Cyril Metzger, Ueli Jäggi, Morgane Ferru, Magdalena Neuhaus, Esther Gemsch, Thomas Douglas, Leonardo Nigro, Pablo Caprez, Dominique Müller

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Hallo Betty“

Wikipedia über „Hallo Betty“, Betty Bossi und Emmi Creola-Maag

Meine Besprechung von Pierre Monnards „Platzspitzbaby“ (Schweiz 2020)

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