Auf der KrimiZeit-Bestenliste steht Sara Grans „Die Stadt der Toten – Ein Fall für die beste Ermittlerin der Welt“ seit Juli, Kritiker feiern den Krimi euphorisch ab und inzwischen taucht der Roman auch auf etlichen Nominierungslisten, unter anderem für den Hammett- und den Shamus-Preis, auf.
Genug Gründe also, um sich dieses Werk einmal genauer anzusehen. Die Story klingt zwar nicht sonderlich spektakulär: eine Detektivin soll einen während des Hurrikans Katrina in New Orleans verschwundenen, geachteten Staatsanwalt finden. In der zerstörten Stadt beginnt sie sich umzuhören und wird schnell von Jugendlichen auf offener Straße beschossen. Aber wenn alle „Die Stadt der Toten“ zu einem Meisterwerk hochjubeln, muss es ja etwas geben. Da gibt es die Erzählerin Claire DeWitt, die sich selbst „die beste Detektivin der Welt nennt“, in der Vergangenheit anscheinend viele spektakuläre Fälle aufklärte, entsprechend teuer ist, das Werk des französischen Privatdetektivs Jacques Silette bewundert, der in einem rätselhaften Buch, dem „Détection“, seine Grundsätze formulierte und, obwohl einige ihn für einen Scharlatan halten, eine Schar treuer Anhänger um sich scharrte (Pablo De Santis lässt grüßen) und die zuletzt in einer psychiatrischen Klinik war. Nicht aus beruflichen Gründen. Bei ihren Ermittlungen vertraut sie nicht nur, wie andere Privatdetektive, auf tapferes Herumfragen, rumgeschubst und zusammengeschlagen werden und ihre kleinen grauen Zellen, sondern sie erspürt den Täter, legt I-Ging-Münzen und deutet ihre Träume. Sie ist anscheinend ziemlich abgedreht.
Das könnte ein interessanter Ansatz sein, vor allem weil Sara Gran den Privatdetektiv-Roman nicht mit Fantasy kreuzt (Sorry, keine Zauberer, Hexen und Untoten. Auch kein Freund Harvey.), sondern sie wohl eher etwas Spaß innerhalb der Genreregeln haben will. Dummerweise wird nie klar, warum Claire DeWitt die, wie sie sich selbst mehrmals, vollkommen unironisch nennt, beste Privatdetektivin der Welt ist. Sie wirkt eher wie der altbekannte Privatdetektiv mit einigen Marotten.
Außerdem ist der Fall arg dünn und die Lösung, dank der wenigen Verdächtigen, arg naheliegend.
Sara Gran erzählt „Die Stadt der Toten“ in einer nüchternen Prosa, fernab von jeglicher Ironie und Wortwitz, die sich schnell weglesen lässt und ungefähr soviel Eindruck erzielt wie eine laue Sommerbrise.
Da ist nichts, was mich gespannt auf die nächste Ermittlung von Claire DeWitt warten lässt.
Am Ende von „Driver“, dem auch erfolgreich verfilmten Überraschungserfolg von James Sallis, taucht der namenlose Fluchtwagenfahrer, den alle nur Driver (also Fahrer) nennen, unter. Er war in eine böse Geschichte geraten, hatte Ärger mit der Mafia bekommen und einige Menschen starben.
In der Fortsetzung „Driver 2“ lebt er ein zurückgezogenes Leben in Phoenix. Da bemerkt er, dass er verfolgt wird und als er sich zu wehren beginnt, steht er vor der Frage, wer seine Verfolger beauftragte.
Wie die anderen Romane von James Sallis ist auch „Driver 2“ ein Spiel mit den Formen des Noirs und Gangsterromans, in dem James Sallis einerseits die bekannten Genreregeln befolgt und sie andererseits, quasi von innen heraus, aushöhlt. Das macht über die Länge einer längeren Kurzgeschichte, einer Novelle, wirklich Spaß; – auch wenn ich beim Lesen immer die Verfilmung „Drive“ von Nicolas Winding Refn mit dem grandiosen Ryan Gosling als Fahrer im Kopf hatte und „Driver 2“ fast schon als rudimentäres Drehbuch für „Driver 2“ gelesen habe.
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James Sallis: Driver 2
(übersetzt von Jürgen Bürger und Kathrin Bielfeldt)
Ein Mann wird in der Einöde von einem Truck verfolgt. Er hat keine Ahnung, warum. Er hat nur Angst um sein Leben.
Richard Matheson schrieb diese Kurzgeschichte. Später schrieb er ein auf ihr basierendes Drehbuch, das von dem damaligen Jungregisseur Steven Spielberg verfilmt wurde. Der TV-Film war so gut, dass er sogar im Kino lief.
Noch heute gehört „Duell“ zu den archetypischen und klassischen Suspense-Geschichten, die auch als Comic ein wahrer Pageturner ist, wie die Adaption von Chris Ryall in „Road Rage“ zeigt.
Richard Mathesons Geschichte inspirierte auch Stephen King und seinen Sohn Joe Hill zu „Throttle“, einer Version von „Duell“, die in dem Richard Matheson gewidmeten Kurzgeschichten-Band „He is Legend“ erschien, und gerade im direkten Vergleich wird die Genialität von Mathesons Geschichte überdeutlich.
King und Hill erzählen von einer Outlaw-Bikergang, die gerade bei einem illegalen Geschäft einen empfindlichen finanziellen Verlust erlitt und jetzt überlegt, wie sie wieder an ihr Geld kommt. Da beginnt plötzlich und ohne einen ersichtlichen Grund, ein Trucker sie durch die Einöde zu verfolgen. Der Reihe nach bringt er die Biker um – und am Ende gibt es sogar eine Erklärung für seine Taten.
Matheson verzichtet in seiner Geschichte auf eine solche Erklärung. Der Trucker kommt einfach wie der Zorn Gottes über den Autofahrer: einen Vertreter, der den absolut nichtssagenden Namen „Mann“ hat.
In dem Comicsammelband „Road Rage“ sind diese beiden Geschichten, die beide von Chris Ryall adaptiert wurden, enthalten. Nelson Daniel bebilderte die King/Hill-Geschichte „Vollgas“. Rafa Gares die Matheson-Geschichte „Duell“, die sich optisch ziemlich weit von Spielbergs Film absetzt. Stephen King, Joe Hill und Chris Ryall schrieben einige lesenswerte Worte über die Bedeutung von Richard Matheson, wie sein Werk sie inspirierte und warum die Geschichte „Duell“ so wirkungsvoll ist.
Aber allein schon wegen „Duell“ gehört dieser Comic in jede gut sortierte Sammlung.
Raylan Givens ist ein Charakter von Elmore Leonard, der in den beiden in Florida spielenden Romanen „Jede Wette“ (Pronto, 1993) und „Volles Risiko“ (Riding the Rap, 1995) und der Novelle „Fire in the Hole“ (2001) auftrat.
Raylan Givens ist der Held der grandiosen US-Krimiserie „Justified“, die in den USA demnächst in die vierte Staffel geht, während bei uns derzeit bei Kabel 1 die zweite Staffel so wenige Zuschauer hat, dass ich nicht auf eine vollständige Ausstrahlung der zweiten Staffel wetten würde.
„Raylan“ heißt der neue Roman von Elmore Leonard, in dem U. S. Marshal Raylan Givens in Harlan County, Kentucky, Bösewichter jagt. Dabei liest sich „Raylan“ weniger wie ein Roman, sondern wie drei Episoden für „Justified“: eine sehr gelungene Einzelepisode und eine sehr locker miteinander verknüpfte, durchwachsene Doppelfolge. Leonard selbst sagt in Interviews, er habe „Raylan“ geschrieben, um den Machern der TV-Serie einige Ideen zu liefern, aus denen sie dann machen könnten, was sie wollten. Die echten „Justified“-Fans werden auch einige Verbindungen zwischen Leonards Roman und der Serie entdecken.
Dass man beim Lesen immer das „Justified“-Ensemble und die Optik der TV-Serie vor seinem geistigen Auge hat, ist kein Nachteil. Immerhin treten etliche aus der TV-Serie bekannte Charaktere auf und Raylan Givens muss sich mit mehr oder weniger sympathischen weiblichen Bösewichter herumschlagen. Es sind eine Krankenschwester, die mit dem Herausoperieren von Nieren außerhalb des OP-Raums und ohne Einverständnis des Spenders ein lukratives, aber auch sehr illegales Geschäftsmodell entdeckte (das ist die erste und auch beste Geschichte); eine Vertreterin einer Minenfirma, die auch mal gerne eine Pistole in die Hand nimmt und jemand erschießt; und eine Pokerspielerin mit den falschen Freunden.
Elmore Leonard sorgt also für viel Spaß in Harlan County und Raylan Givens, der, nicht nur wegen seines Hutes, wie ein Überbleibsel aus dem Wilden Westen wirkt, darf auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. Wenn Worte nicht helfen. Denn zuerst redet er.
„Raylan“ ist ein oft skizzenhafter, episodenhafter Roman von Elmore Leonard, der nach der ersten Geschichte auch etwas vor sich hin plätschert. Aber nach dem enttäuschenden „Road Dogs“ und dem komplett vermurksten „Djibouti“ ist „Raylan“ wieder ein Elmore-Leonard-Werk, das eben jene Elemente hat, für die ihn seine Fans lieben: eindrucksvolle Charaktere und grandiose Dialoge. Dass dabei der Plot, mal wieder, vernachlässigt wird, ist für langjährige Elmore-Leonard-Fans keine Neuigkeit.
Die deutsche Übersetzung ist für Januar 2013 bei Suhrkamp angekündigt.
Listen und auch Bücher, wie das jetzt erschienene „Die 199 besten Actionfilme & -Serien“ von Wolf Jahnke und Michael Scholten, laden natürlich zum wilden Kritisieren ein. Denn die Auswahl ist immer angreifbar; vor allem wenn der oder die Listenersteller die Liste in eigener Selbstherrlichkeit erstellen, ist die Liste letztendlich nur eine mehr oder weniger umfangreiche Liste von eigenen Lieblingen. Wenn eine solche Liste von Mehreren erstellt wird oder sogar aus bestehenden Listen herausdestilliert wird, wird die Liste objektiver, aber auch langweiliger. Ich meine, wer war bei „Die 50 besten Horrorfilme“, die aus über fünfzig Bestenlisten des letzten Jahrzehnts entstand, wirklich über die Erstplatzierten „Die Nacht der lebenden Toten“, „Der Exorzist“, „Halloween“, „Blutgericht in Texas“ und „Zombie“ erstaunt?
Ein solches Ranking machen Wolf Jahnke und Michael Scholten nicht. Sie listen alphabetisch die 199 Actionfilme und Actionserien auf, die sie für die Besten halten und ergänzten diese Filmvorstellungen um einige Interviews, Zitate aus Actionfilmen, eine Liste der schlechtesten Actionfilme und mehrere Zusammenstellungen von besonders gelungenen Actionszenen, auch aus Nicht-Actionfilmen, wie „Apcalypse Now“ (der Hubschrauberangriff auf das vietnamesische Dorf), „Ben Hur“ (das Wagenrennen) und „Lawrence von Arabien“ (der Sturm auf die Hafenstadt).
In normalerweise einseitigen Texten bemühen sich die beiden Autoren die Filme möglichst objektiv, teils schon lexikalisch trocken, vorzustellen und auch die ein oder andere, teils unbekanntere Hintergrundinformation zu vermitteln.
Das ist okay, aber ich stellte mir öfter, die Frage, warum ein bestimmter Film aufgenommen wurde. So wird bei „The Dark Knight“ viel über Comicverfilmungen, die verschiedenen „Batmans“, aber nichts über die in dem Film enthaltenen Actionszenen gesagt. Auch die von den Autoren verwendete weite Definition von Actionfilm hilft nicht wirklich weiter:
„Züge, Flugzeuge oder Autos, aber auch Motorboote kommen im modernen Actionfilm vor als Zeichen des Fortschritts, als Fluchtmittel, als Tatwaffe, als mobile Festung. Deshalb findet ‚Gladiator‘ keinen Platz im Buch, auch nicht ‚Der letzte Mohikaner‘, (…) Es geht um hochmoderne Zeiten in einer Ära der Industrialisierung, Mechanisierung und des technischen Fortschritts mit Automobilen; (…) Überhaupt geht es um echte Menschen, die leiden, schwitzen und bluten.“
Das ist eine weite Definition, die es erlaubt, Actiontrash, Actionklassiker und auch, nun, ich sage mal gute Filme aus verschiedenen Genres aufzunehmen. So findet man „Snatch – Schweine und Diamanten“ (Komödie) neben „Der Söldner“ (Actiontrash) oder „Mörderischer Vorsprung“ (guter Actionthriller) neben „Naked Killer“ (Hongkong-Action). Einen Schwerpunkt bilden dabei, immerhin sind die beiden Autoren Kinder der achtziger Jahre, die 80er-Jahre-Actionkracher, wie „Avenging Force – Night Hunter“ (mit Michael Dudikoff), “Bloodsport“ (mit Jean-Claude Van Damme), „Delta Force“, „Invasion U. S. A.“ (beide mit Chuck Norris), „Phantom-Kommando“, „Red Heat“ (beide mit Arnold Schwarzenegger) und „Rambo“ (mit Sylvester Stallone). James Bond wird mit sieben Einträgen reichlich und verdient bedacht. Aber auch „Drive“ und „Pulp Fiction“, ein „Anti-Anti-Actionfilm“ (Jahnke/Scholten), sind drin, die ich, wie „Dirty Harry“ (ebenfalls drin), nicht unbedingt als Actionfilme bezeichnen würde. Aber natürlich gewinnt jede Liste mit diesen Filmen.
Eher schon problematisch ist die die Auswahl bei den deutschen Actionfilmen und -Serien. Denn trotz anders lautender Gerüchte gibt es auch Action aus Deutschland und „Alarm für Cobra 11“, „Der Clown“ (beide aus der Actionschmiede von Hermann Joha), „Cascadeur – Die Jagd nach dem Bernsteinzimmer“ (von Stuntman Hardy Martins), „Rampage – Rache ist unbarmherzig“ (von Uwe Boll) und „Straight Shooter“ (von Thomas Bohn) zeigen, dass wir auch Action machen können. Dummerweise sind die Geschichten und die Dialoge eher gruselig und – Lokalpatriotismus hin, Lokalpatriotismus her – im Vergleich zu den besten Actionfilmen aus Hollywood und Hongkong, wie den John-Woo-Filmen „Bullet in the Head“, „Hard Boiled“ und „The Killer“, sind sie nichts, was man sich ansehen müsste. Da wird „Der 7. Sinn“, der wohl eher als Gag aufgenommen wurde, schon zu einem Highlight und die beiden, ebenfalls erwähnten, Dominik-Graf-Filme „Die Katze“ und „Die Sieger“ sind deutsche Actionfilme, die sich wirklich nicht verstecken müssen.
Warum „Invasion U. S. A.“ (Chuck Norris verhindert im Alleingang eine Invasion der Russen in die USA) und „Delta Force“ (Chuck Norris jagt Flugzeugentführer und befriedet dabei den Nahen Osten) zu den besten Actionfilmen, aber „Die City Cobra“ (Sylvester Stallone ballert im Alleingang alle Gangster die ihm über den Weg laufen und eine durchgeknallte Sekte ab) zu den schlechtesten Actionfilmen gehört, verstehe ich nicht. Denn ideologisch bedenklich (höflich gesagt) sind alle drei. Strunzdumm sowieso und Action gibt es in den Filmen überreichlich; in der „City Cobra“ sogar etliche gute Actionszenen. Zum Beispiel wenn Stallone während einer Auto-/Motorradverfolgungsjagd eine Hundertschaft Bösewichter abknallt und diese dann möglichst spektakulär von ihren Maschinen fallen.
Bei den Filmvorstellungen hätte ich mir gewünscht, dass die Drehbuchautoren immer erwähnt würden. Jahnke und Scholten tun es nur, wenn der Regisseur auch das Drehbuch geschrieben hat. Dagegen werden der Kameramann und der Komponist erwähnt. Ein Register fehlt; was natürlich dumm ist, wenn man nur den Originaltitel kennt. Und das Lektorat schlief wohl teilweise. Anders kann ich mir nicht erklären, dass bei „Assault – Anschlag bei Nacht“ John Carpenter mit James Cameron verwechselt wird, oder dass bei „Auf die harte Tour“ ausgerechnet „The Shield“ als Referenzwerk von Regisseur John Badham angegeben wird. Badham führte zwar bei einer Folge der TV-Serie Regie, aber seine bekanntesten Filme sind „Saturday Night Fever“, „Das fliegende Auge“ (einer der 199 Action-Filme des Buches), „War Games“, „Ein Vogel auf dem Drahtseil“ (Bird on a wire), „Drop Zone“ (beides keine grandiosen Filme, aber mit viel spektakulärer Action) und „Codename: Nina“ (erwähnt bei „Nikita“).
Und natürlich fehlen einige Filme, wie „Shoot ‚Em up“, und eine Auflistung der besten Autoverfolgungsjagden. Immerhin waren sie nach „Bullitt“ das Kennzeichen jedes Action-Thrillers und auch die Bourne-Filme kämen ohne eine ordentliche Autoverfolgungsjagd nicht aus.
Trotz dieser Kritik ist die Auswahl der „199 besten Actionfilme & -Serien“ insgesamt durchaus gelungen und sie regt zum Entdecken und Wiederentdecken von einigen Actionfilmen ein.
Filmkalender sind ja okay, aber für einen richtigen Krimifan auch irgendwie etwas blutleer. Ein „Mord(s)kalender“ entspricht da schon eher den Bedürfnissen und mit der neuesten Ausgabe kommt der Conte Verlag diesem Bedürfnis auch im besten Hosentaschenformat nach.
Was erwartet den geneigten Krimifan bei diesem Kalender? Außer natürlich einem gültigen Kalender für 2013. Nun, täglich sind, oft mehrere, Geburts- und Todestage von wichtigen Krimischaffenden, normalerweise mit einigen weiterführenden Informationen, aufgelistet.
Warum hab ich „Krimischaffende“ und nicht „Krimiautoren“ geschrieben? Nun, am 12. September wird Johnny Cash, der am 12. September 2003 gestorben ist, erwähnt, weil: er ist „mehrmals in Gefängnissen aufgetreten und hat mit ‚I shot a man in Reno just to watch him die‘ eine der prägnantesten Zeilen zum Thema ‚Rock und Mord‘ gesungen“. Wolfgang Menge, geb. 10. April 1924, der Drehbücher für „Stahlnetz“ und „Tatort“ schrieb, „Ein Herz und eine Seele“ erfand und eine Institution für den TV-Krimi ist, wird ebenfalls erwähnt. Dummerweise geht es ihm wie vielen Institutionen: man ignoriert sie. Aber das ist eine andere Geschichte.
Es gibt ein kleines Glossar, Linktipps, ein alphabetisches Namensregister, und natürlich eine Übersicht über die Schulferien.
Das Herzstück sind allerdings die 53 Obduktionen. Jede Woche gibt es eine einseitige Kolumne, „die sich mit einem Aspekt der kommenden sieben Tage eingehender befasst“. Manchmal, allerdings viel zu selten, ist dieser Zusammenhang offensichtlich: wenn es um den 50. Geburtstag von Uta-Maria Heim (geb. 14. Oktober 1963), der 50. Geburtstag von Ralf Kramp (geb. 29. November 1963), den 60. Geburtstag von Jan Zweyer (geb. 12. Dezember 1953), der 65. Geburtstag von Henning Mankell (geb. 3. Februar 1948), den 70. Geburtstag von Frank Göhre (geb. 16. Dezember 1943), den 125. Geburtstag von Raymond Chandler (geb. 23. Juli 1888) und den 25. Todestag von Charles Willeford (27. März 1988) geht.
Aber meistens könnten die Texte auch einfach in einem anderen Jahr gedruckt werden. So werden in anderen Obduktionen, relativ willkürlich, irgendwie interessante und wichtige Themen abgegrast, wie unvollendete Romane (ach ja, Max Allan Collins hat nicht zwei, sondern bereits drei Mike-Hammer-Romane von Mickey Spillane vollendet, der vierte „Lady, Go Die!“ erschien im Frühling und dürfte damit am Redaktionsschluss für diesen Kalender vorbeigeschrammt sein – und noch keiner wurde übersetzt), Winterkrimis, Kriminalromane und Literatur, Marianne Bachmeier und ihre Selbstjustiz im Gerichtssaal am 6. März 1981, Kitty Genovese und der Bystander-Effekt (sie wurde am 13. März 1964 auf offener Straße getötet [diese „Obduktion“ hätte daher besser in den 2014er-Kalender gepasst]), Rex Miller und das Monströse, ein Porträt von „Pulp Master“ (Uups, wurde da ein älterer Text verwendet? „dessen ‚Piss in den Wind‘ zu einem Höhepunkt des Jahres 2011 wird“), vergessene Bestseller, das Regiophänomen, Sherlock Holmes stirbt nie (Yeah!), die Premiere von „Rashomon“ am 25. August 1950 (deutsche Kinostart war erst zwei Jahre später) oder die von „Fahrstuhl zum Schafott“ am 29. Januar 1958 (allerdings erst in einer November-“Obduktion“,; der deutsche Kinostart war am 29. August 1958), einige Worte über das Gangsterpärchen Bonnie Parker und Clyde Barrow, die sich im Januar 1930 begegneten (nicht 1920, wie es im „Mord(s)kalender“ steht) und am 23. Mai 1934 im Kugelhagel starben, und eine Eloge auf George V. Higgins, der von etlichen wichtigen US-Krimiautoren bewundert wird und bei uns nur noch antiquarisch erhältlich ist.
Und alle vier Wochen gibt es den „Held des Monats“. 2013 sind es Hans Bärlach (von Friedrich Dürrenmatt), Tom Ripley (von Patricia Highsmith), Karin Lietze (von Pieke Biermann), Konstantin Kirchenberg (von Norbert Horst; immerhin war seine erste Ermittlung 2003 in „Leichensache“), Isaac Sidel (von Jerome Charyn), Jean-Baptiste Adamsberg (von Fred Vargas), Mike Hammer (von Mickey Spillane), Richter Di (von Robert van Gulik), Jane Marple (von Agatha Christie), Auguste Dupin (von Edgar Allan Poe), Lisbeth Salander (von Stieg Larsson) und Artie Wu und Quincy Durant (von Ross Thomas).
Seit ihrem Deutschlanddebüt „Hardcore Angel“ bin ich ein Fan von Christa Faust, die mit ihren Hardboiled-Krimis bei mir natürlich gute Karten hat. „Triaden“, ein Gemeinschaftswerk mit Poppy Z. Brite, erinnert allerdings eher an ihr Romandebüt „Control Freak“ über eine junge Frau, die in die SM-Szene abrutscht. Auch in „Triaden“ geht es um Sex, Sexualität und die Wandelbarkeit von Geschlechtern und Identitäten.
Die Geschichte beginnt 1937 in Hongkong und endet in der Gegenwart in Los Angeles. Aber genaugenommen erzählen Poppy Z. Brite, die vor allem Horrorromane schreibt und inzwischen lieber als „er“ angesprochen wird, und Christa Faust keine Geschichte, sondern drei Geschichten aus dem Leben von Ji Fung, der sich später Jimmy Lee nennt, und der nicht immer die Hauptfigur ist,
In der ersten und längsten Geschichte „Hongkong – 1937“, die bereits 1997 in der von Douglas E. Winter herausgegebenen Anthologie „Revelations“ (Offenbarungen) erschien, lernen wir die Jugendlichen Lin Bai und Ji Fung kennen, die von einem besseren Leben in Hollywood träumen. Im Moment bildet der strenge Meister Lau sie im Theater „Glücklicher Drache“ für die Peking-Oper aus. Nachdem Meister Lau Lin Bai vergewaltigt, bringt er ihn um und die beiden Freunde flüchten. Auf ihrer Flucht lernen sie den reichen Perique kennen und das Waisenkind Ji Fung erfährt, dass seine Mutter ihn verkaufte, um ihn vor seiner Familie, die zu den Triaden gehört, zu schützen.
Im Auftrag von seinem Triaden-Onkel sollen sie ein Päckchen nach Shanghai bringen. Dabei geraten sie in den Krieg zwischen China und Japan und Perique und Lin Bai sterben.
Ji Fung kann flüchten und im zweiten Teil „Los Angeles – 1945“ lebt er als Jimmy Lee in Hollywood und betreibt den Nachtclub Black Dragon.
Im Mittelpunkt steht allerdings Nan Blake, eine Frau, die bei einem alternden Hollywood-Star lebt (Schönen Gruß an „Sunset Boulevard“), gerne Männerkleider anzieht und lesbisch ist. Als Blake Blackline schrieb sie Geschichten für Black Mask und Dime Detective und jetzt schreibt sie für ein Hollywoodstudio Drehbücher. Auf dem Studiogelände verliebt sie sich in ein Starlet, das allerdings nur an die große Karriere denkt. Dafür geht sie auch eine Beziehung mit einem schwulen Hollywoodstar ein.
Im dritten, mit übernatürlichen Elementen spielendem Teil „Los Angeles – Gegenwart“ steht der junge Actionschauspieler Jake Ryan im Mittelpunkt. Nachdem er in Hongkong-Actionfilmen erfolgreich war, hat er einen Vertrag für mehrere Actionfilme bekommen. Die Dreharbeiten entpuppen sich als ein einziges, nervenzerrendes Disaster. Als Frischling in Hollywood, der in einem Zimmer in dem Anwesen von Nan Blake lebt, hat er keine Freunde und er hadert mit seiner Homosexualität. Nur in Miki, der für sein Make up zuständig ist und unbefangen mit seiner Homosexualität umgeht, findet er einen Freund.
Die Frage der sexuellen Identität durchzieht die drei Geschichten und sie geben den durchaus vertrauten Plots eine neue Wendung. So liest sich die erste Geschichte wie die Vorlage für einen der damaligen, in Asien spielenden Hollywood-Filme. Aber damals gab es im Film noch feste Geschlechterrollen, die von Brite und Faust hier souverän und höchst subversiv unterwandert werden.
Damit knüpfen sie auch an David Cronenbergs auf einer wahren Geschichte basierendem „M. Butterfly“ (USA 1993) über einen Diplomaten, der sich in eine Sängerin verliebt, die ein Mann ist und im Film von einem Mann gespielt wurde, an. Dabei behauptet der Diplomat, als er wegen Geheimnisverrat angeklagt wird, dass er nicht bemerkt habe, dass seine Geliebte ein Mann sei.
Dieser Diskurs über ethnische und Geschlechteridentitäten und Körperveränderungen wird in allen Geschichten auf vielfältigste Art thematisiert und gespiegelt. „Triaden“ ist deshalb auch ein Angriff auf die amerikanische Bigotterie und das Bild der heilen Familie, die aus Mann, Frau und Kindern besteht.
Die 1945 und in der Gegenwart in Hollywood spielenden Geschichten liefern auch einen Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik, zitieren Hollywood-Klatschgeschichten und bekannte Filme.
„Triaden“ ist in der Bibliographie von Poppy Z. Brite und Christa Faust ein ungewöhnliches Werk. Aber die Spuren zu Christa Fausts anderen Romanen sind deutlich; von Poppy Z. Brite, dessen Romane seit über zehn Jahren nicht mehr übersetzt werden, habe ich noch keine anderen Bücher gelesen.
Wenn Alfred Hitchcock einen Roman verfilmte, ging er mit der Vorlage oft ziemlich freizügig um. Auch bei Pedro Almodóvars Verfilmung von Thierry Jonquets Roman „Die Haut, in der ich wohne“ kann man sich, bei einem Blick auf die Geschichte schon fragen, wo die großen Gemeinsamkeiten sind und das liegt nicht nur daran, dass der Roman 1984 und der Film heute spielt.
Damals war die Schönheitschirurgie noch nicht so weit entwickelt. Doch über weite Strecken ist in Thierry Jonquets Roman der Beruf von Richard Lafargue austauschbar. Wichtiger ist, dass er in seiner Villa seine Frau gefangen hält, sie unter Drogen setzt und zum Sex mit Freiern zwingt, während er sie dabei beobachtet. Bis wir erfahren, warum er das tut, vergeht einige Zeit, in der wir einen jungen Mann kennen lernen, der eine Bank überfiel, dabei einen Polizisten erschoss, selbst verletzt wurde und sein Gesicht der Überwachungskamera präsentierte. Jetzt ist sein Porträt auf allen Titelseiten.
Und in einer Höhle hält ein Mann einen jungen Mann fest, der sich verzweifelt fragt, warum er gefangen genommen wurde und was mit ihm geschehen soll.
Erst mit der Zeit kristallisiert sich heraus, wie diese drei parallel erzählten und fast gleichberechtigten Geschichten miteinander zusammenhängen und die Lösung ist atemberaubend perfide.
Thierry Jonquet, der in Frankreich fünfzehn Kriminalromane und etliche Jugendbücher veröffentlichte, mehrere Drehbücher schrieb und einige Preise erhielt, ist bei uns fast unbekannt. Neben „Die Haut, in der ich wohne“ wurde nur „Die Goldräuber“ und „Die Unsterblichen“ übersetzt. Dabei reiht er sich mit „Die Haut, in der ich wohne“ in die Riege der guten französischen Noir-Autoren ein, die eine vollkommen schräge Geschichte absolut glaubhaft erzählen und die sich nicht scheuen, gesellschaftlicher Außenseiter und wahnwitzige Obsessionen in den Mittelpunkt ihrer Geschichte zu rücken. In Jonquets angenehm kurzen Roman ist es ein Racheplan, der in seiner Gemeinheit weit über das Alte Testament hinausgeht und der dann doch in einer Liebesgeschichte mündet, die aber letztendlich nur die gegenseitige Abhängigkeit der Charaktere auf eine neue Ebene hebt.
Almodóvar erzählt in seinem, in der Gegenwart spielendem Film eine durchaus ähnliche Geschichte, veränderte aber auch so viel, dass, ausgehend von einigen Gemeinsamkeiten, eine vollkommen andere Geschichte entstand. Vor allem ist bei ihm Antonio Banderas als Schönheitschirurg die Hauptfigur; soweit bei einem Almodóvar-Film davon gesprochen werden kann.
Die anderen Änderungen verschweige ich jetzt, um nicht den Spaß an der Lektüre zu mindern. Denn ich frage mich immer noch, ob Thierry Jonquet oder Pedro Almodovar die gemeinere Geschichte erzählt.
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Thierry Jonquet: Die Haut, in der ich wohne
(übersetzt von Holger Fock und Sabine Müller)
Heyne, 2009
144 Seiten
7,99 Euro
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Deutsche Erstausgabe
Hoffmann und Campe, 2008
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Originalausgabe
Mygale
Éditions Gallimard, Paris 1984
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Verfilmung
Die Haut, in der ich wohne (La Piel que habito, Spanien 2011)
Regie: Pedro Almodóvar
Drehbuch: Pedro Almodóvar
mit Antonio Banderas, Elena Anaya, Marisa Paredes, Blanca Suárez, Jan Cornet, Edard Fernández, Ana Mena, Roberto Alamo
Robert B. Parker hat neben den erfolgreichen Kriminalromane mit Privatdetektiv Spenser auch einige andere Romane geschrieben. Dazu gehört die kurzlebige Serie mit Privatdetektivin Sunny Randall, die eine so überdeutliche weibliche Version von Spenser war, dass sie in der Krimi-Szene niemals akzeptiert wurde. Besser erging es Parker mit dem Kleinstadtpolizisten Jesse Stone. Diese Romane weichen deutlich von der „Spenser“-Formel ab. Die erfolgreichen TV-Filme mit Tom Selleck als Jesse Stone halfen auch. Inzwischen führen Ace Atkins die Spenser-Serie und Michael Brandman die Jesse-Stone-Serie fort.
Außerdem schrieb Robert B. Parker einige Einzelwerke, wie „Wildnis“, oder den Western „Appaloosa“, der dann doch der Erste von weiteren Virgil-Cole/Everett-Hitch-Romanen war.
1979, nach fünf „Spenser“-Romanen und dem autobiographischen „Three Weeks in Spring“ geschrieben mit seiner Frau Joan H. Parker über ihren Kampf gegen den Brustkrebs, veröffentlichte Robert B. Parker seinen ersten Einzelroman: „Wildnis“. In dem Thriller kollidiert Spensers Welt mit der des erfolgreichen, glücklich verheirateten Autors Aaron Newman. Er beobachtet beim Joggen einen Mord, geht zur Polizei und kann den Täter identifizieren: den skrupellosen Gangster Adolph Karl, dem es bislang immer gelang, durch die Maschen des Gesetzes zu schlüpfen. Die Beamten freuen sich, dass sie endlich einen Zeugen haben, der vor Gericht nicht einknicken will.
Als Aaron vom Polizeirevier zurückkehrt, findet er seine Frau Janet gefesselt auf ihrem Bett liegen und eine Botschaft von Adolph Karl. Er zieht seine Aussage zurück und damit könnte die Sache, abgesehen von etwas geknickter Ehre und einigen Vorwürfen seiner Frau, erledigt sein.
Aber sein Freund Chris Hood, ein Kriegsveteran, der für den Krieg lebt, setzt ihm den Floh ins Ohr, dass sie den Gangster töten müssen. Auch damit Aaron seine verletzte Ehre wiederherstellt.
Sie beobachten den Verbrecher und als er sich auf den Weg zu seinem einsam gelegenem Wochenendhaus macht, beschließen Aaron, Janet und Chris Hood ihn und seine Begleiter während einer Wanderung durch die titelgebende Wildnis zu töten.
„Wildnis“, das jetzt in einer überarbeiteten Übersetzung vorliegt, ist ein fast schon archetypischer Thriller, in dem Parker sehr schön zeigt, was passiert, wenn kein Hardboiled-Detektiv, sondern ein Normalbürger gegen einen skrupellosen Gangster kämpfen muss. Eben diese veränderte Ausgangslage verändert auch die Diskussionen über Ehre und Selbstjustiz, die hier zwischen dem liberalen Intellektuellen Aaron Newman, der höchstens in seinen Romanen gewalttätig ist, und Chris Hood, der hier die Rolle von Spensers skrupellosem Freund Hawk übernimmt, stattfinden. Hood ist gleichzeitig, obwohl er im Korea-Krieg war, ein Kriegsversehrter, der sich nur im Krieg, im direkten Kampf um Leben und Tod zwischen Männern, lebendig fühlt. Für ihn ist die Jagd nach dem Gangster auch der Beweis, dass er noch lebt.
Allerdings ist die Art, wie in „Wildnis“ über das männliche Selbstverständnis und über seine Rolle als Beschützer gesprochen wird und wie liberale Ansichten über einen funktionierenden Rechtsstaat gegen alttestamentarische Western-Mythen, in denen ein Mann tut, was ein Mann tun muss, aufeinanderprallen, zutiefst ein Diskurs aus den siebziger Jahren, als das traditionelle Bild des Mannes heftig angegriffen wurde.
Abgesehen von diesen gesellschaftspolitischen Implikationen, der naheliegenden Überlegung, wie sehr Robert B. Parker sich in „Wildnis“ fragte, was er in so eine Situation tun würde und dem mühelosem Entdecken von zahlreichen autobiographischen Details (ein erfolgreicher Autor, der an einer Universität unterrichtet, schreibt über einen gleichaltrigen erfolgreichen Autor …), kann „Wildnis“ auch einfach als spannender Seventies-Thriller (Für euch Jungspunde: das war die Zeit vor PCs und Handys) verschlungen werden.
Obwohl Robert B. Parker in seinen Romanen immer wieder Western-Motive aufgreift, wandte er sich erst 2001 dem Western zu. Da erschienen der Spenser-Roman „Potshot“, ein Quasi-Western, und „Gunman’s Rhapsody“ über Wyatt Earp, seine Liebe zu dem Revuemädchen Josie Marcus und wie es zu der Schießerei am O. K. Corral kam.
2005 folgte „Appaloosa“, der erste Roman mit Virgil Cole und Everett Hitch, die als Revolvermänner ihre Art von Recht und Gesetz durchsetzen. Denn gerade Coles Selbstrechtfertigung, dass er sich immer an das Gesetz halte, wenn er jemand erschieße und ihn das von anderen Revolvermännern, die für Geld jeden erschießen, wird immer fadenscheiniger, weil Cole sich nur an die von ihm propagierten Gesetze hält.
Jetzt werden sie nach Appaloosa gerufen. Dort erschoss der Ranchbesitzer Randall Bragg kaltblütig den City Marshal. Virgil Cole, der in der Vergangenheit bereits mehrere Städte mit Everett Hitch (der die Geschichte erzählt) befriedete, wird von den Stadtoberen als sein Nachfolger eingestellt. Als erstes hängt Cole seine Gesetze aus – und wer sich nicht an sie hält, wird, nachdem er freundlich darauf hingewiesen wurde, erschossen. Das bekommt auch Bragg zu spüren, den sie, nachdem ein Zeuge auftaucht, verhaften.
„Appaloosa“ nimmt selbstverständlich die bekannten Themen von Freundschaft, Ehre und Verantwortung auf, die wir aus Robert B. Parkers anderen Romanen kennen und die Gespräche zwischen Cole und Hitch sind gar nicht so weit entfernt von den Gesprächen zwischen Spenser und seinem skrupellosem Freund Hawk oder ihm und seiner Freundin Susan. Entsprechend vertraut klingen sie für langjährige Parker-Leser.
Die Geschichte liest sich wie ein Best-of der aus zahlreichen anderen Western bekannten Motive und Situationen. So verhaften Cole und Hitch Bragg, sperren ihn im Gefängnis ein, müssen das Gefängnis gegen die Gefolgsleute von Bragg verteidigen, Bragg wird später aus einem Zug befreit, es gibt eine Verfolgungsjagd durch die Wildnis, eine Belagerung von Indianern, ein Shoot Out in einem Kaff und Bragg, der später versucht, die Stadt mit seinem Geld zu kaufen.
Insofern überzeugt „Appaloosa“ durchaus als zünftiger Western, der den Eindruck hinterlässt, dass Robert B. Parker sich hier beim Schreiben etwas mehr Gedanken über die Handlung gemacht hat, als bei seinen letzten Spenser-Romanen: – was vielleicht auch daran liegt, dass „Appaloosa“, nachdem sie sich bei dem TV-Western „Monte Walsh“ (USA 2003) kennen lernten, als Drehbuch für einen Western mit Tom Selleck begann und, via Romanveröffentlichung, zu einem Western mit Ed Harris, Viggo Mortensen, Renée Zellweger, Jeremy Irons und Lance Henriksen wurde, der dem Buch bildgewaltig ohne große Änderungen folgt.
Trotzdem hatte ich beim Lesen von „Appaloosa“ den Eindruck, dass mehr möglich gewesen wäre. So ist es nur ein flott zu lesender Western, in dem Robert B. Parker seine vertrauten Themen in einem anderen Setting behandelt.
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Robert B. Parker: Wildnis
(vollständig überarbeitete und aktualisierte Übersetzung, übersetzt von Ute Tanner)
Pendragon, 2012
288 Seiten
10,95 Euro
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Originalausgabe
Wilderness
Delacorte, 1979
–
Deutsche Erstausgabe
Ullstein, 1984
–
Robert B. Parker: Appaloosa
Berkley Books, 2006
320 Seiten
7,99 US-Dollar
(derzeit bei Amazon für 6,30 Euro erhältlich)
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Erstausgabe
G. P. Putnam’s Sons, 2005
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Verfilmung
Appaloosa (Appaloosa, USA 2008)
Regie: Ed Harris
Drehbuch: Robert Knott, Ed Harris
mit Ed Harris, Viggo Mortensen, Renée Zellweger, Jeremy Irons, Lance Henriksen
(Boston Film Festival: Preis für bester Film und bestes Drehbuch)
Es dauert zwar noch einige Monate, bis 2013 beginnt (wenn sich vorher nicht die Prophezeiung vom diesjährigen Weltuntergang bewahrheitet), aber die ersten Kalender sind bereits erhältlich. So auch der vom Schüren-Verlag herausgegebene „Filmkalender 2013“, der gut in jede Hosentasche passt. Für jede Woche gibt es eine Doppelseite. Täglich werden die Geburtstage und Todestage von wichtigen Filmschaffenden genannt. Die IMDB-Geburtstagsliste ist zwar umfangreicher, aber letztendlich, weil jeder Geburtstag gelistet wird, auch zu umfangreich. Jim Jarmusch, Constantin Costa-Gavras, Quentin Tarantino, Jean-Paul Belmondo, Coverboy Johnny Depp, Andreas Dresen, Nanni Moretti, Randy Newman, Yasujiro Ozu und Hanna Schygulla, die alle einen runden Geburtstag haben, werden auf zwei bis sechs Seiten ausführlicher porträtiert. Es gibt informativeTexte über Hollywoodstars im Zweiten Weltkrieg, Dinosaurier in Digital (über „Jurassic Park“, der als Blockbuster 1993 zeigte, was digital alles möglich ist), Federico Fellini schreibt über seinen Film „Achteinhalb“ (1963), Hans-Christian Schmid über „Lichter“ (2003) und einen Text über den seit dann siebzig Jahren auf der Leinwand aktiven „Batman“. Im Comic durfte „Batman“ bereits 1939 erstmals zuschlagen.
Es gibt einen großen Anhang mit Adressen von Filmarchiven, Buchhandlungen, DVD-Geschäften, Ausbildungsstätten, Institutionen, Verlagen und Zeitschriften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bei den Festivals wurden auch Filmfestivals aus anderen Ländern aufgenommen. Und sogar die Werbung, immerhin geht es um spezielle Werbung für Filmfans, ist einen Blick wert.
Langer Rede kurzer Sinn: der „Schüren Filmkalender 2013“ ist absolut empfehlenswert – und ich weiß jetzt auch, dass heute Mae West, Maureen O’Hara, Robert De Niro und Sean Penn und am Samstag Roman Polanski, Robert Redford, Patrick Swayze, Heino Ferch und Christian Slater Geburtstag haben.
Wir erinnern uns: Es gab eine Vogelgrippe-Epidemie die zum Tod von 23 Millionen Menschen in den USA führte. Seitdem ist der Verzehr von Geflügel verboten und die überaus mächtige Lebensmittelbehörde FDA wacht darüber. Tony Chu und sein Kollege John Colby wurden zu ihr versetzt. Während Colby nach einem Unfall zu einer Mischung aus Terminator und Robocop umfunktioniert wurde und er jetzt einen halben Computer in seinem Körper hat, hat Chu seit Geburt eine ganz andere Eigenschaft. Er ist Cibopath, das heißt: wenn er etwas isst, erfährt er auch gleich die gesamte Lebensgeschichte des Gegessenen. Für Ermittlungen ist das natürlich hilfreich. Chu muss nur einen Tropfen Blut von dem Opfer schlucken und er kennt den Mörder. Manchmal muss er auch in einen vergammelten Hamburger beißen. Oder in etwas noch Unappetitlicheres. Kein Wunder, dass Tony Chu absolut keinen Humor hat.
In „Flambiert“, dem vierten „Chew – Bulle mit Biss!“-Sammelband, der die Chew-Hefte 16 bis 20 enthält, gibt es eine Handvoll grandios komischer Abenteuer mit den beiden Polizisten. Es sind eher schonungslos überdrehte Episoden aus dem alltäglichen Polizistenleben und weniger eine Fortsetzung des Kampfes zwischen Chu und dem ehemaligen FDA-Agenten Mason, einem anderen Cibopathen, der anfangs der FDA-Vorgesetzte von Chu war und sich dann als sein Gegner entpuppte.
Jetzt taucht eine geheimnisvolle Schrift am Himmel auf. Was sie bedeutet, ist unklar. Jeder hat zwar seine armageddonhafte Interpretation, aber Tony und John, der auch ein ordentliches Alkoholproblem hat, sind, obwohl die Durchsetzung der Hähnchenprohibition wegen dieser Schrift nicht mehr die oberste Priorität hat, mit anderen Dingen beschäftigt.
Sie suchen den esssüchtigen Migdalo Daniel, stolpern in ein Highschool-Massaker, werden auf eine Selbstmordmission gegen einen paranoiden General geschickt, treffen dabei auf den vollkommen durchgeknallten und angriffswütigen Hahn Poyo,
werden von Antonelle Chu, Tonys ständig plappernde, bei der Nasa arbeitenden Nervschwester, zur Area 51 und den dortigen, hm, Lebewesen gebracht, sollen Undercover bei der „Kirche der Heiligkeit der ungerührten Dotter“ ermitteln und Mason probiert das Blut von Migdalo Daniel.
Die von John Layman erfundenen, absolut durchgeknallten und herrlich respektlosen Geschichten werden auch im vierten „Chew“-Sammelband „Flambiert“ von Rob Guillory mit satirisch überspitzten Zeichnungen illustriert. Sie sind das Sahnehäubchen der „Chew“-Geschichten. Die Serie war letztes Jahr wieder für einen Eisner-Award prämiert. Dieses Mal als „Beste Comic-Serie“.
Denn die Abenteuer von Tony Chu sind ein echtes Vier-Sterne-Menü – mit und ohne Fleischbeilage,
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John Layman/Rob Guillory: Chew – Bulle mit Biss! (Band 4): Flambiert
Egal was Joe R. Lansdale schreibt, es ist verdammt gut. Auch wenn er in den letzten Jahren bei seinen Einzelwerken einen Hang zur Länge hat, die es in seinen früheren Romanen, wie „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981) und „Nightrunners“ (The Nightrunners, 1987) nicht gab. Aber diese Thriller mit einem starken Hang zum Horror und einem detaillierten ausmalen blutiger Details und menschlicher Dummheit, waren für einige sicher zu gewalttätig.
Ungefähr seit seinem mit dem Edgar ausgezeichneten „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000) hat er eine Nische entdeckt: düstere Krimis mit jugendlichen Protagonisten, die in der Vergangenheit spielen, ohne sie zur guten alten Zeit zu verklären.
Auch „Ein feiner dunkler Riss“ spielt in der Vergangenheit. In Dewmont, Texas. 1958. Erzähler ist Stanley Mitchel junior, der damals dreizehn Jahre war, und der mit seiner heftig pubertierenden Schwester in einem verfallenem Haus eine Kiste mit Briefen entdeckt. Die Briefe weisen auf einen Mord hin, den Stanley aufklären will. Buster Abbot Lighthouse Smith, der uralte afroamerikanische Kinovorführer im Drive-In-Kino der Mitchels und Ex-Polizist, und die inspirierende Lektüre der Sherlock-Holmes-Geschichten helfen Stanley bei der Mörderjagd. Er hält den vermögenden Besitzer des örtlichen Kinos, den Stadtpatriarch, der auch seine Schwester anbaggert, für den Mörder.
Allerdings ist unklar, ob es wirklich einen Mord gab. Und weil Stanley ein Teenager ist, sind auch seine alltäglichen Sorgen, sein beschränkter Bewegungsradius zu Fuß oder mit dem Fahrrad, seine Ängste und das Gefühl der Freiheit während der Sommerferien, wichtig.
Auch den damaligen Beziehungen zwischen den Rassen widmet Lansdale, wie in seinen anderen, in der Vergangenheit spielenden Geschichten, viele Seiten und wer sie kennt, wird vieles wiedererkennen. Die Mtchels sind selbstverständlich und wie die Eltern in Lansdales anderen Romanen mit jugendlichen Protagonisten (ich würde sie, weil sie ziemlich Noir sind, nicht wirklich als Jugendromane etikettieren) keine Rassisten, sondern Leute, die Menschen nach ihren Fähigkeiten beurteilen und ihnen, wenn sie Hilfe brauchen, ohne große Worte helfen. Sie respektieren einfach jeden. Damit sind die zugezogenen Mitchels in der damaligen Zeit eine Ausnahme.
In „Gauklersommer“ kehrt Joe R. Lansdale nach Camp Rapture, das wir aus „Kahlschlag“ (Sunset and Sawdust, 2004) kennen, zurück. Aber der Ort ist nicht mehr wiederzuerkennen. Aus einem Sägewerk im Nirgendwo wurde eine Stadt mit einer eigenen Tageszeitung.
Carson Statler kehrt jetzt, nachdem er seinen guten Job in Houston bei einer Zeitung vergeigte und im Irak kämpfte, zurück. Bei der Lokalzeitung wird er als Kolumnist angestellt. Als er in den Notizen seiner Vorgängerin wühlt, stößt er auf ein interessantes Ereignis: die 23-jährige Studentin Caroline Allison ist seit einem halben Jahr spurlos verschwunden. Bei seinen Recherchen stößt er schnell auf Widerstände und er erhält eine DVD, auf der sein glücklich verheirateter Bruder, Professor an der städtischen Universität, mit der verschwundenen Studentin zu sehen ist.
Carson beginnt im Dreck zu wühlen – und zwei Sachen können schon verraten werden:
Carsons Bruder ist nicht der Mörder. Die Lösung ist viel perfider.
Booger, Carsons verrückter Kumpel aus dem Irakkrieg, hilft ihm am Ende gegen die Bösewichter.
Und das, immerhin ist Booger ein Geistesverwandter von Leonard Pine, erinnert mich daran, dass die restlichen Hap-Collins/Leonard-Pine-Krimis übersetzt und die ersten, die damals vor allem bei rororo erschienen, wieder veröffentlicht werden sollten. Denn in diesen Krimis tobt Joe R. Lansdale sich richtig aus, wenn er Hap und seinen schlagkräftigen, schwulen, schwarzen Kumpel Leonard (es ist unmöglich zu sagen, was für die Rednecks, die von ihm vermöbelt werden, am schlimmsten ist), mit einer ordentlichen Portion Schwarzen Humors, durch Texas und Mexiko wüten lässt.
Die Geschichte von den Losers und Max nähert sich ihrem Ende.
Wir erinnern uns: Max, ein geheimnisvoller Agent, der im Hintergrund die Fäden zieht, der auch über die CIA und andere US-Geheimdienste befehligen kann, über dessen Existenz fast niemand und über seine Pläne niemand etwas weiß, hat 1998 ein Special-Forces-Team am Khyber-Pass töten wollen. Stattdessen starben die Besatzung eines Black-Hawk-Hubschraubers und 29 Kinder. Die Männer, die eigentlich hätten sterben sollen und sich seitdem selbstironisch „The Losers“ nennen, versuchen seitdem, sich an Max zu rächen und sabotieren dabei, soweit möglich, seine Pläne. Ihre Hatz ging dabei um den halben Globus und jetzt, in „Endspiel“, dem fünften und abschließenden Band der von Andy Diggle erfundenen und hauptsächlich von Jock gezeichneten großartigen Comicserie, stehen sie kurz vor dem Ziel.
Am Ende von „London Calling“, dem vierten „The Losers“-Sammelband, gelangt Max an genug Plutonium für fünfzig tragbare Nuklearsprengköpfe. Diese will er in Prypjat (bei Tschernobyl) zusammen bauen. Die Losers versuchen das zu verhindern, aber die Männer von Max können mit den Sprengköpfen entkommen.
Im Persischen Golf ruft Max auf einer Bohrinsel (die Aufgrund einer ihm vorher bekannten Verschiebung der Arabischen Platte aus dem Wasser aufstieg) seinen Staat aus und erpresst die Welt. Wenn die Staaten nicht auf seine Forderungen eingehen, wird er Großstädten Atombomben zünden.
Die Loser gelangen auf die Bohrinsel und das titelgebende „Endspiel“ beginnt.
Außerdem erfahren wir, wie Max Max wurde.
„Endspiel“ ist das konsequente Ende eines kurzweiligen Action-Politthriller mit erinnerungswürdigen Charakteren, irrwitzigen Plotwendungen, die sich ungeniert aus dem verschwörungstheoretischem Fundus bedienen und einem fast schon etwas unspektakulär-geradlinigem Ende, das mir gerade deshalb gefallen hat. Es ist ein brachiales Actionfinale mit Leichen, Explosionen, ein, zwei gelungenen Überraschungen und, als Zugabe, einem stilechten Epilog.
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Andy Diggle/Jock/Colin Wilson: The Losers: Endspiel (Band 5)
Der US-amerikanische Polit-Thrillerautor Ross Thomas (1926 – 1995) lebte lange in Deutschland. Seinen ersten Roman „Kälter als der Kalte Krieg“ spielte dann auch an seinem Arbeitsplatz in Bonn. Später schickte er seine Helden um die Welt.
Nach Deutschland kehrte er erst 1979 zurück und, im Gegensatz zu seinen anderen Romanen, die in der Gegenwart spielen, spielt „Der achte Zwerg“ im Nachkriegsdeutschland. Dort sollen Nicolae Ploscaru, ein rumänischer Aristokrat, passionierter Lügner und Zwerg, und Minor Jackson, ein Ex-OSSler (also Mitarbeiter der CIA-Vorläuferorganisation) und Drifter, im Auftrag der Familie Oppenheimer den irgendwo in Deutschland untergetauchten verlorengegangenen Sohn der Familie, den deutschen Juden Kurt Oppenheimer, finden.
Schnell erfährt Jackson bei diesem fast legalen Unternehmen, dass Oppenheimer ein kaltblütiger Killer ist, für den sich auch die Amerikaner, die Engländer, die Sowjets und die Israelis interessieren. Jeder hat natürlich etwas anderes mit Oppenheimer vor und sie alle arbeiten miteinander, gegeneinander, belügen und betrügen sich, dass es eine reine Freude ist, während Oppenheimer eine Todesliste von unter falschem Namen untergetauchten Nazis abarbeitet.
Ross Thomas füttert die letztendlich ziemlich geradlinige Geschichte mit so viel Zeitkolorit an, dass wir ein gutes Gefühl für die damalige Zeit bekommen. Und natürlich hat Ross Thomas das in seinem zynisch-lakonischen Hardboiled-Stil geschrieben, der immer wieder für herzhafte Lacher sorgt.
Bei dieser „Neuausgabe“ hat der Alexander Verlag viel Zeit in die Übersetzung investiert. Denn die deutsche Erstausgabe von „The eight Dwarf“ hat 176 Seiten. Die Neuausgabe 352 Seiten und auch ohne penibel die Zeilen und Anschläge pro Zeile zu zählen, kann man sich ausrechnen, dass für „Der achte Zwerg“ eine Menge Text übersetzt wurde, die bei „Vierzig Riesen für den Zwerg“ unter den Tisch fiel.
Nach seinem Debütroman „Kälter als der Kalte Krieg“ schrieb Ross Thomas mit „Gelbe Schatten“ gleich einen weiteren Roman mit den Barbesitzern Mac McCorkle und Mike Padillo, die jetzt, nachdem ihre Bonner Bar zerstört wurde, in Washington ein „Mac’s Place“ haben. Aber ruhiger ist ihr Leben nicht geworden.
Denn McCorkels Frau Fredl wird entführt. Die beiden Freunde sollen, immerhin spielt die Geschichte1967 zur Hochzeit der afrikanischen Freiheitsbewegungen, einen Premierminister ermorden und so die Rassentrennung in dem südafrikanischem Land zementieren. Aber McCorkle und Padillo gehen nicht auf die Erpressung ein, weil sie glauben, dass die Entführer Fredl in jedem Fall umbringen werden. Stattdessen starten sie eine Rettungsmission, in die schnell das vertraute Ross-Thomas-Personal aus Informanten, Agenten, Doppelagenten und Washingtons Unterwelt involviert ist. Ach, und in „Mac’s Place“ trifft sich gerne die High Society und das politische Establishment.
Im Herbst setzt der Alexander Verlag mit „Die Backup-Männer“, einem weiteren Krimi mit McCorkle und Padillo, seine Ross-Thomas-Werkausgabe fort.
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Ross Thomas: Gelbe Schatten
(übersetzt von Wim W. Elwenspoek, bearbeitet von Stella Diedrich und Gisbert Haefs, durchgesehen von jst)
Alexander Verlag, 2012
288 Seiten
14,90 Euro
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Originalausgabe
Cast a Yellow Shadow
Morrow, 1967
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Deutsche Erstausgabe (gekürzt)
Der Tod wirft gelbe Schatten
Ullstein, 1970
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Ross Thomas: Der achte Zwerg
(übersetzt von Stella Diedrich, Gisbert Haefs und Edith Massmann)
Als ich die Tage vor die Haustür ging, steckte ich „I and I“, den, nach „Seelenlandschaften“, in dem er vor allem deutsche Krimiautoren porträtierte, zweiten Sammelband mit Essays und Reportagen von Frank Göhre ein.
Einige Stunden später hatte ich das bunte Potpourri aus alten und neuen Texten gelesen. Der älteste Text ist die Kurzgeschichte „Wenn Atze kommt“ (eigentlich eher eine sechsseitige Skizze), die 1975 in „Prämierte Texte des Internationalen Kurzgeschichten-Kolloquiums in Ansberg“ erschien. Der neueste ist der hier erstmals veröffentlichte Text „Welcome in Frogtown“, über die Bayou-Trilogie von Daniel Woodrell, die demnächst von Heyne als Sammelband veröffentlicht wird. Mehrere Texte erschienen zuerst im „CrimeMag“ im Netz und sind hier erstmals in gedruckter Form erhältlich.
Frank Göhre schreibt über eine Reise nach Jamaika vor über dreißig Jahren („I and I – Ein Jamaika Trip“) und einen Besuch in Amsterdam, auf den Spuren von Van-der-Valk-Erfinder Nicolas Freeling und Janwillem van de Wetering, zwei wichtigen Krimiautoren, die in den Siebzigern und Achtzigern sehr populär waren und inzwischen fast vergessen sind („Amsterdam. Was für eine Stadt, nichts als Gestank. Trotzdem herrlich“). Er schreibt über Victor Headley, einen Jamaikaner, der eine grandiose, harte englische Gangstertrilogie schrieb, die man am besten im slangdurchtränkten Original genießt („Yardie – Ein jamaikanischer Drogenkurier in London“), über Ernest Tidyman, den Erfinder von John Shaft und Drehbuchautor von „The French Connection“ („Ein tödlicher Job – Der Drehbuchautor Ernest Tidyman“), über James Crumley, den von US-Krimiautoren und Lesern kultisch verehrten Privatdetektiv-Krimiautor („Voll auf Rock’n’Roll geschaltet – Mit James Crumley on the Road“), über David Osborn, dessen Klassiker„Jagdzeit“ letztes Jahr bei Pendragon wiederveröffentlicht wurde („Jagdzeit – Die vier Karrieren des David Osborn“) und über den 1986 verstorbenen Hubert Fichte, der bei seiner Rückkehr feststellt, wie sehr Hamburg sich veränderte („Wenn das Befragen ein Ende hat – Hubert Fichte kommt nach Hamburg zurück“).
Er schreibt über den Michael-Mann-Film „Heat“, den Martin-Scorsese-Film „GoodFellas“, über Jean-Pierre Melville („Champs-Élysées – Die Nächte des Jean-Pierre Melville“) und über „Liane, das Mädchen aus dem Urwald“, einen deutschen Spielfilm von 1956, der damals wegen der Bekleidung der Hauptdarstellerin, ein Kassenhit war („Schlussakkord – oder: Ich weiß, was mit Liane, dem Mädchen aus dem Urwald geschah“).
Und es gibt zwei Abrechnungen mit dem deutschen Fernsehen. In „Ein letzter Satz“ verrät Frank Göhre in einem kleinen Rant, warum er keine Drehbücher mehr schreibt. In „Ein BR Fernsehtag – Das Programm“ schneidet er kommentarlos Zitate aus einem Gespräch mit BR-Intendant Ulrich Wilhelm über das qualitativ hochwertige Programm („Fernsehen muss klug machen.“) in einen Abriss über das BR-Programm vom 7. September 2011, das mit Panoramabildern beginnt und mit „Planet Erde“ endet. Immerhin gibt es auch eine halbe Stunde „Kontrovers – das Politmagazin“ und, weil „Sehr viele Menschen wollen anspruchsvolle Inhalte“ (Wilhelm), neunzig Minuten „Eine Liebe in Venedig“.
Spätestens seit der grandiosen TV-Serie „Lie to me“ (mit Tim Roth als menschlichem Lügendetektor Dr. Cal Lightman) wollen wir „Das Geheimnis, kleine und große Lügen zu entlarven“, so der Untertitel des Sachbuchs „Durchschaut“, kennen lernen.
Dass das nicht so einfach wie in der TV-Serie geht, können wir uns denken. Immerhin sind auch Profis, wie Polizisten und Psychiatern, teilweise erschreckend schlecht im Erkennen von Lügen.
Trotzdem verspricht „Durchschaut“-Autor Jack Nasher, der zur Zeit Professor für Führung und Organisation an de Munich Business School ist, dass man nach der Lektüre seiens knapp 180-seitigen, eher großzügig gelayouteten Ratgebers Lügen mit neunzigprozentiger Sicherheit erkennt.
Nicht schlecht?
Und das scheint sogar richtig einfach zu gehen: man achtet auf das Gesicht, die Stimme und die Körpersprache und schon läuft’s.
Zur Sicherheit gibt es noch den Nasher Universaltipp: Belügen Sie den Lügner!
Sagen Sie ihrer Frau, dass Sie sie beim Seitensprung erwischt haben und schon wird sich ihre Stimme und ihre Körpersprache verändern und sie wissen, ob sie wirklich mit einem anderen Mann ins Bett gehüpft ist. Sie können es auch nur nach der „Wink mit dem Zaunpfahl“-Methode andeuten und aufgrund ihres veränderten Verhaltens wissen Sie, was los ist.
Es gibt aber ein kleines Problem bei der Methode. Ich meine nicht, dass Sie zum Schwindler werden müssen, um andere Lügner zu entlarven (Obwohl das auch ein Problem ist.), sondern dass Sie andere Leute beschuldigen und mit Vorwürfen konfrontieren, die vielleicht falsch sind. Mit etwas Pech wird ihre Frau, die Sie jetzt für einen Eifersüchtling hält, in die Arme eines anderen Mannes flüchten, und Sie haben es verkackt, weil man Sie für jemand hält, der ständig, grundlos Leute beschuldigt.
Es kann auch sein, dass Sie ihre Signale falsch interpretieren. Sie glauben, dass sie lügt, dabei ist sie nur über die vollkommen haltlose Anschuldigung empört. Aber, wie es so schön heißt: Shit happens.
Nein, da nimmt man sich besser eines der vielen von Jack Nasher im Anhang auf über zwanzig Seiten genannten Bücher, die als wissenschaftliche Lektüre teilweise trockenes Brot sind und keine eindeutigen Antworten liefern. Oder Paul Ekmans „Ich weiß, dass du lügst – Was Gesichter verraten (Telling Lies, 1991, erweiterte Neuausgaben 2001 und 2009). Ekman, ehemaliger Professor für Psychologie an der University of California in San Francisco und von der American Psychological Association zu einem der einflussreichsten Psychologen des 20. Jahrhunderts ernannt, war die Inspiration für den von Tim Roth gespielten Dr. Cal Lightman in „Lie to me“. Er war auch Berater der Serie.
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Jack Nasher: Durchschaut
Heyne, 2012
224 Seiten
8,99 Euro
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Erstausgabe/Gebundene Ausgabe
Heyne, 2010
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Paul Ekman: Ich weiß, dass du lügst – Was Gesichter verraten
(übersetzt von Hubert Mania)
Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2011
512 Seiten
11,99 Euro
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Originalausgabe
Telling Lies
W. W. Norton, New York, 1991 (erweiterte Neuausgaben 2001 und 2009)
In der von Lax gezeichneten Version von Donald E. Westlakes erstem John-Dortmunder-Krimi „Finger weg vom heißen Eis“ (The Hot Rock, 1970), die in den USA unter Comic-Crime laufen und was bei uns nur unzulänglich als „witziger Kriminalroman“, „Krimikomödie“ oder „Krimihumoreske“ übersetzt wird, fällt auf, was für einen ausgefuchsten Plot Donald E. Westlake unter all den Lachern gut verborgen hat.
Westlake erfand John Dortmunder, als er als Richard Stark einen neuen Parker-Roman schreiben wollte. Den Plot hatte er auch schon: Parker muss einen Gegenstand mehrmals klauen. Aber Parker klaut nichts mehrmals. Er ist der Profi, der seinen Plan gnadenlos durchzieht und mit einer solchen Geschichte würde er sich zum Affen machen.
Auftritt: John Dortmunder, New Yorker, Einbrecher, Mastermind einer kleinen Gruppe Gesetzesbrecher, die bei ihren Verbrechen regelmäßig vom Pech verfolgt sind.
In „The Hot Rock“ sollen sie, im Auftrag von Major Iko, dem UN-Botschafter von Talabwo, den Smaragd von Talabwo, der in den Händen eines anderen Stammes ist, klauen. Dieser wertvolle Stein wird einige Tage in einem New Yorker Museum ausgestellt. Für den Einbruch spricht, dass sie einen Abnehmer haben und es nach einem leichten Bruch aussieht. Dagegen spricht, nun, der Kontrollwahn ihres Auftraggebers und seine fast schon unendliche Geizigkeit.
Bei dem Einbruch gibt es ein kleines Problem und Greenwood wird mit der Beute erwischt. Die anderen können entkommen.
Das ist die Initialzündung für eine Serie von weiteren, von John Dortmunder minutiös geplanten Einbrüchen, – in ein Gefängnis, in eine Hochsicherheitsklinik für betuchte Irre, eine Bank und in eine Polizeistation -, und immer kämpfen sie mit der Tücke des Objekts, die Dortmunders ausgefuchste Pläne regelmäßig in einem Desaster enden lässt.
Während man bei den Dortmunder-Romanen von einem Lachanfall zum nächsten liest (weshalb man diese Krimis auch nicht in der Öffentlichkeit lesen sollte) und auch die Verfilmung „Vier schräge Vögel/Zwei dufte Typen“ (The Hot Rock, USA 1971) von Peter Yates mit Robert Redford und George Segal eine kurzweilige Krimikomödie ist, ist der Comic wesentlich unwitziger. Dafür arbeitet Lax (das Pseudonym von Christian Lacroix) deutlicher heraus, wie ausgefuchst der von Donald E. Westlake erfundene Plot ist. Einige Lacher gibt es auch.
Nur dass aus Dortmunder bei Lax „Dort’“ wird, hätte nicht sein müssen. Denn Dortmunder ist, wie die Biersorte, Dortmunder.
Nach „The Hot Rock“ schrieb Westlake dreizehn weitere Dortmunder-Romane und einige Kurzgeschichten, die in „Thieves‘ Dozen“ gesammelt sind. Die ersten Dortmunder-Romane wurden auch ins Deutsche übersetzt. Empfehlenswert sind sie alle; – wie auch Laxs „The Hot Rock“, das in er uneingeschränkt empfehlenswerten Noir-Reihe von Schreiber & Leser erschien.
Wenn man heute von „Scarface“ redet, dürften die Meisten an Brian De Palmas gleichnamigen Gangsterfilm von 1983 mit Al Pacino in der Hauptrolle denken. Dabei ist der Film, je nach Blickwinkel ein Remake oder ein zeitgemäßes Update von Howard Hawks Klassiker „Scarface – Shame of the Nation“ (tja, den Zensoren, die viele Probleme mit dem Film hatten, musste man im Untertitel genau sagen, was von dem Gangster zu halten ist) von 1932 und dem sich etwas altertümlich lesendem Roman von Armitage Trail. In „Scarface“ erzählten sie, wie viele andere Autoren und Regisseure, von dem damals in den USA tobendem Gangsterkrieg. Das reale Vorbild für „Scarface“ war Al Capone, dessen Spitzname sogar „Scarface“ war. Der Roman und die Verfilmung begründeten, zusammen mit „Little Caesar“ (nach einem Roman von W. R. Burnett) und „The Public Enemy“, den Mythos des modernen Gangsters und seinen Wandel im öffentlichen Bewusstsein zur Popikone. Erzählt wird die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Mannes, der aus kleinen Verhältnissen kommt und zum mächtigen Gangsterboss wird.
Christian De Metter, der auch von Dennis Lehanes „Shutter Island“ eine grandiose Comicversion erschuf, nahm sich jetzt Armitage Trails Roman vor. Deshalb sehen wir auch nicht das legendäre Filmende, in dem Scarface schwer verwundet auf die Straße taumelt, zusammenbricht, stirbt und die Kamera nach oben zur Leuchtreklame „The World is yours“ schwenkt. De Metter erzählt die Geschichte von Tony Camonte in kurzen, knalligen, fast schon atemlosen Szenen von seiner Jugend über die ersten Jahre als Kleingangster, wie er im 1. Weltkrieg im Gefecht die Narbe erhielt, die ihm den Spitznamen „Scarface“ (Narbengesicht) verpasste, wie er nach dem Krieg erfahren muss, dass sein alter Boss tot ist und er unter neuem Namen zum die Stadt beherrschenden Gangsterboss aufsteigt. Doch schon während des Aufstiegs legt er das Fundament für sein Ende, das nur ein Tod im Kugelhagel der Polizei sein kann.
Als Gegengewicht zu Camontes unstetem Leben, was in einer sehr episodischen Erzählweise mündet, hat Christian De Metter die Panels streng, fast wie in einem der damals populären Comicstrips, bis auf drei Ausnahmen, immer mit drei Bildzeilen pro Seite, angeordnet.
Ein feiner Comic.
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Christian De Metter/Armitage Trail: Scarface
(übersetzt von Resel Rebiersch)
Schreiber & Leser, 2012
112 Seiten
21,80 Euro
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Originalausgabe
Scarface
Casterman/Payot & Rivages, 2011
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Vorlage
Armitage Trail: Scarface
Clode, 1930
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Deutsche Erstausgabe
Scarface
DuMont Noir 14, 1999
(nur noch antiquarisch erhältlich)
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Verfilmung
Scarface (Scarface – Shame of the Nation, USA 1932)
Regie: Howard Hawks
Drehbuch: Ben Hecht
mit Paul Muni, Ann Dvorak, Karen Morley, Osgood Perkins, George Raft, Boris Karloff
Viktor Kärppä ist zurück und, wie seine vorherigen vier Abenteuer, unterscheidet sich „Zeit des Verrats“ angenehm vom tiefsinnig-trüben skandinavischen Krimi-Mainstream-Einerlei mit depressiven Ermittlern und erhöhtem Alkoholgenuss.
Obwohl auch in „Zeit des Verrats“ ordentlich gebechert wird. Viktor Kärppä, den wir in „Der Grenzgänger“ als Privatdetektiv mit farbiger Vergangenheit, militärischer Spezialausbildung, daher guten Sowjet-Geheimdienstkontakten, viel zu guten Beziehungen in das kriminelle Milieu diesseits und jenseits des nicht mehr existierenden Eisernen Vorhangs und entsprechenden kriminellen Verwicklungen, kennen lernten, ist jetzt endgültig zum Bauunternehmer geworden.
Während eines feucht-fröhlichen Abends wenige Kilometer hinter der russischen Grenze, mit Saunabesuch und Geschäftsangeboten von Typen, mit denen er nichts zu tun haben will, wozu auch ein wenig vertrauenswürdiger Militärkamerad gehört, deponieren sie in seinem Auto vier Metallröhrchen.
Als er in seiner Garage sein Auto durchsucht, entdeckt Kärppä die Röhrchen eher zufällig. Er hat keine Ahnung, was sie enthalten. Aber er vermutet, immerhin gehörten die Russen, mit denen er den Saunaabend verbrachte, in das Halbweltmilieu zwischen Mafia, Geheimdienst und Weißer-Kragen-Kriminalität, und die finnische Polizei beobachtet ihn, dass es etwas mit dem demnächst anstehenden Besuch des russischen Präsidenten zu tun hat und er gar nicht so genau wissen will, was drin ist.
Während Kärppä versucht mit heiler Haut aus der Sache rauszukommen, will er auch seinen Schnitt machen.
Matti Rönkä erzählt auch seinen neuesten Viktor-Kärppä-Krimi im lakonischen Hardboiled-Stil. Seine Charaktere sind angenehm verkommen und herrlich frei von jeglichem Weltschmerz. Die Story gewinnt dem altbekannten Ein-Mann-verhindert-einen-Anschlag-auf-den-Präsidenten-Plot etliche neue Facetten ab. Denn obwohl Kärppä den Anschlag verhindert, falls überhaupt ein Anschlag geplant war, geht es in „Zeit des Verrats“ viel mehr um Freundschaft, Verrat, Intrige, Gegenintrige und wer wen am Ende besser aufs Kreuz legen kann.
Heute sind sie ein großes Geschäft. Hollywood benutzt für seine Blockbuster gerne Comics und etliche Comics sind explizit für Erwachsene geschrieben.
Trotzdem fällt einem, wenn man eine ruhige Stunde in einem gut ausgestatteten Bahnhofskiosk verbringt und dort für jede noch so abstruse Leidenschaft ein regelmäßig erscheinendes Magazin entdeckt, auf, dass es bislang kein Magazin, das über Comics berichtet, gibt.
Mit dem vierteljährlich erscheinendem Magazin „Alfonz – Der Comicreporter“ soll diese Lücke geschlossen werden. Schon beim Durchblättern durch das angenehm altmodisch gelayoutete und angenehm textlastige Magazin (d. h. die Bilder illustrieren den Text und nicht umgekehrt) fällt auf, vor welcher Aufgabe die Macher Matthias Hofmann und Volker Haman, in dessen „Edition Alfons – Verlag für graphische Literatur“ „Alfonz“ erscheint, stehen. Denn der Spagat zwischen Bildergeschichten für Kinder, Superheldenepen, Mangas und Graphic Novels für Jugendliche und Erwachsene ist gewaltig und wird in der ersten Ausgabe elegant und ausgewogen bewältigt. Jedenfalls in den langen Reportagen. Bei den Comicrezensionen werden dann die Superhelden zwischen „Batman“ und „Superman“ zugunsten europäischer Comics ziemlich ignoriert.
Dafür wird vorher ausführlich über den aktuellen Relaunch bei DC, die „The Avengers“-Verfilmung und den oft nicht gerade vorbildlichen Umgang von DC mit seinen Autoren geschrieben.
Es gibt mehrere Reportagen, die sich mit Comics aus dem frankobelgischen Raum beschäftigen, wie die dort jüngst erschienenen Kinderableger von bekannten Serien wie Spirou und Lucky Luke, ein Interview mit Wilbur und Didier Conrad, einen Zweiseiter über die Tour de France im Comic und die Kolumne „Lettre de France“.
Es gibt ein achtseitiges Porträt über Vicente Segrelles und seine Fantasy-Geschichte „El Mercenario“. Das alles ist gut geschrieben, informativ und macht neugierig auf die vorgestellten Comics.
Kurz gesagt: Der Einstand ist geglückt.
Die zweite Ausgabe erscheint am 4. Oktober. Angekündigt sind Interviews mit Laura Zuccheri und Francois Schuiten und eine Reportage über die Comicversionen von Literaturklassikern wie „Die Schatzinsel“ und deren Verwendung im Unterricht und eine über die in den letzten Jahren immer wieder angekündigte Rückkehr von „Yps“ an die Kioske.
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Alfonz – Der Comicreporter 1/2012 (Juli – September 2012)