Bin ich „Durchschaut“? Weißt du wirklich, ob ich lüge?

Spätestens seit der grandiosen TV-Serie „Lie to me“ (mit Tim Roth als menschlichem Lügendetektor Dr. Cal Lightman) wollen wir „Das Geheimnis, kleine und große Lügen zu entlarven“, so der Untertitel des Sachbuchs „Durchschaut“, kennen lernen.

Dass das nicht so einfach wie in der TV-Serie geht, können wir uns denken. Immerhin sind auch Profis, wie Polizisten und Psychiatern, teilweise erschreckend schlecht im Erkennen von Lügen.

Trotzdem verspricht „Durchschaut“-Autor Jack Nasher, der zur Zeit Professor für Führung und Organisation an de Munich Business School ist, dass man nach der Lektüre seiens knapp 180-seitigen, eher großzügig gelayouteten Ratgebers Lügen mit neunzigprozentiger Sicherheit erkennt.

Nicht schlecht?

Und das scheint sogar richtig einfach zu gehen: man achtet auf das Gesicht, die Stimme und die Körpersprache und schon läuft’s.

Zur Sicherheit gibt es noch den Nasher Universaltipp: Belügen Sie den Lügner!

Sagen Sie ihrer Frau, dass Sie sie beim Seitensprung erwischt haben und schon wird sich ihre Stimme und ihre Körpersprache verändern und sie wissen, ob sie wirklich mit einem anderen Mann ins Bett gehüpft ist. Sie können es auch nur nach der „Wink mit dem Zaunpfahl“-Methode andeuten und aufgrund ihres veränderten Verhaltens wissen Sie, was los ist.

Es gibt aber ein kleines Problem bei der Methode. Ich meine nicht, dass Sie zum Schwindler werden müssen, um andere Lügner zu entlarven (Obwohl das auch ein Problem ist.), sondern dass Sie andere Leute beschuldigen und mit Vorwürfen konfrontieren, die vielleicht falsch sind. Mit etwas Pech wird ihre Frau, die Sie jetzt für einen Eifersüchtling hält, in die Arme eines anderen Mannes flüchten, und Sie haben es verkackt, weil man Sie für jemand hält, der ständig, grundlos Leute beschuldigt.

Es kann auch sein, dass Sie ihre Signale falsch interpretieren. Sie glauben, dass sie lügt, dabei ist sie nur über die vollkommen haltlose Anschuldigung empört. Aber, wie es so schön heißt: Shit happens.

Nein, da nimmt man sich besser eines der vielen von Jack Nasher im Anhang auf über zwanzig Seiten genannten Bücher, die als wissenschaftliche Lektüre teilweise trockenes Brot sind und keine eindeutigen Antworten liefern. Oder Paul Ekmans „Ich weiß, dass du lügst – Was Gesichter verraten (Telling Lies, 1991, erweiterte Neuausgaben 2001 und 2009). Ekman, ehemaliger Professor für Psychologie an der University of California in San Francisco und von der American Psychological Association zu einem der einflussreichsten Psychologen des 20. Jahrhunderts ernannt, war die Inspiration für den von Tim Roth gespielten Dr. Cal Lightman in „Lie to me“. Er war auch Berater der Serie.

Jack Nasher: Durchschaut

Heyne, 2012

224 Seiten

8,99 Euro

Erstausgabe/Gebundene Ausgabe

Heyne, 2010

Paul Ekman: Ich weiß, dass du lügst – Was Gesichter verraten

(übersetzt von Hubert Mania)

Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2011

512 Seiten

11,99 Euro

Originalausgabe

Telling Lies

W. W. Norton, New York, 1991 (erweiterte Neuausgaben 2001 und 2009)

Hinweise

Homepage von Jack Nasher

Wikipedia über Jack Nasher

Homepage von Paul Ekman

Wikipedia über Paul Ekman (deutsch, englisch)

 

 

One Response to Bin ich „Durchschaut“? Weißt du wirklich, ob ich lüge?

  1. nachgebloggt sagt:

    Ich fand das Buch von Jack Nasher erfrischend geschrieben und ihn als Typ echt cool, denn ich hatte ihn 2011 im Interview und ihn da etwas näher kennen gelernt. Toller Typ, der hoffentlich noch mehr schreiben wird.

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