Edgar-Preisträger 2008: John Hart – Der dunkle Fluss

September 30, 2009

Hart - Der dunkle Fluss

Bereits John Harts Debüt „Der König der Lügen“ wurde in den USA mit Lob überschüttet und für zahlreiche renommierte Preise nominiert. Unter anderem für einen Edgar als „Bestes Debüt“. Sein zweiter Roman „Der dunkle Fluss“ erhielt dann, angesichts der starken Konkurrenz etwas rätselhaft, den Edgar als „Bester Roman“.

Denn als Kriminalroman funktioniert „Der dunkle Fluss“ kaum. Die Geschichte von dem des Mordes angeklagten und vor Gericht freigesprochenen Sohn Adam Chase, der nach Jahren in der Fremde in seine alte Heimat zurückkehrt, dort gleich in etliche Verbrechen, den dorfinternen Konflikt um den geplanten Bau eines Kraftwerks und alte Familiengeschichten verwickelt wird, ist nicht neu.

Das wäre nicht weiter schlimm, wenn John Hart dem Genrefan einige überraschende Wendungen präsentieren würde. Aber die Geschichte entwickelt sich sehr vorhersehbar. Denn selbstverständlich hält die Gemeinde ihn immer noch für den Mörder. Immerhin war seine Stiefmutter die Hauptzeugin der Anklage und er wurde von den Geschworenen nur mangels Beweisen freigesprochen. Weil mit seiner Ankunft die Verbrechensrate explosionsartig steigt, ist für die Einheimischen klar, dass er für diese Überfälle und Morde verantwortlich ist. Auch für den ermittelnden Polizisten ist er der Hauptverdächtige. Chase will seine Unschuld beweisen und beginnt auf eigene Faust den Mörder seines Jugendfreundes zu suchen.

Diese Mördersuche ist für John Hart allerdings nur der dürftige rote Faden, um sich ausführlich episch geschilderter Südstaatenatmosphäre und den Gefühlen seines Erzählers Chase zu widmen. Denn die Familie Chase, alter Südstaatenadel, erinnert dabei an das Personal eines Tennessee-Williams-Stücks. Entsprechend viel kann über sie erzäht werden.

Die Handlung bewegt sich dagegen höchstens im Schneckentempo voran zu der, angesichts der wenigen Verdächtigen, gar nicht so überraschenden Enttarnung des Mörders.

Als Kriminalroman ist „Der dunkle Fluss“ uninteressant und nicht Edgar-würdig.

Aber als Symptom für den Trend zu „literarischen Kriminalromanen“ ist er paradigmatisch. Es gibt eine Kriminalgeschichte, die ein Pulp-Autor mit mehr Wendungen auf 150 Seiten erzählt hätte. Zusätzlich gibt es ein Drama über eine reiche, dysfunktionale Familie und eine Coming-of-Age-Geschichte. Immerhin erfährt Chase erst jetzt, was in seiner ach so heilen Familie alles im Argen liegt.

Menschen, die sonst keine Krimis lesen dürfen sich freuen, dass die Familiengeschichte dank der Krimibeigabe spannender als gewohnt ist und ohne schmutzige Worte auskommt.

Krimifans dagegen können „Der dunkle Fluss“, trotz des Edgars, ignorieren. Sie verpassen nichts.

John Hart: Der dunkle Fluss

(übersetzt von Rainer Schmidt)

Bertelsmann, 2009

384 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

Down River

Thomas Dunne Books, 2007

Hinweise

Homepage von John Hart

Meine Besprechung von „Der König der Lügen“ (The King of Lies, 2006)


Brenner, back in action

September 28, 2009

Haas - Der Brenner und der liebe GottHaas - Brenner-Box

Der Herr Simon sitzt in einem Tankstellenshop und brütet vor seinem Kaffee. Still, introvertiert und lange. Als er schließlich zu seinem Auto zurückkehrt, ist sein Passagier, die zweijährige Helena, verschwunden und knappe 200 Seiten später hat es einige Tote gegeben und der Brenner einen weiteren Fall aufgeklärt.

Seinen siebten Fall.

Nach einer mehrjährigen Pause.

Die ersten sechs Brenner-Fälle erschienen innerhalb weniger Jahre zwischen 1996 und 2003. Am Ende von „Das ewige Leben“ ließ Wolf Haas sogar den Erzähler der Brenner-Romane sterben, weil er, so Haas in einem Interview, mit dem Brenner fertig war. Doch nach einer sechsjährigen Pause, in der er andere Romane veröffentlichte, hatte er wieder Lust auf seinen Privatdetektiv gehabt und schrieb „Der Brenner und der liebe Gott“.

Und die neue Geschichte, quasi die Ösi-Variante von „Transporter 2“, hat es in sich. Denn Brenner arbeitet inzwischen als Fahrer für die Familie Kressdorf. Sie ist eine Ärztin, die mit Abtreibungen ihr Geld verdient. Ihr Mann ein bekannter Bauunternehmer, der gerade ein großes Bauprojekt plant, in das – immerhin sind wir in einem Krimi – auch hochrangige (und entsprechend korrupte) Politiker involviert sind. Und der Eigentümer des Hauses, in dem die Abtreibungsklinik residiert, führt einen Kleinkrieg gegen die Ärztin. Denn er ist ein fanatischer Abtreibungsgegner.

Brenner hat also, nachdem er nach dem ersten Viertel des Buches von dem introvertierten Chauffeur Herr Simon wieder zu dem introvertierten Privatdetektiv Brenner wird, eine reichhaltige Auswahl an Verdächtigen. Weil er immer noch etwas langsam, aber sehr hartnäckig ist, gibt es am Ende mehrere Tote und einen handfesten Skandal, der mit österreichischer Lässigkeit unter den Teppich gekehrt wird.

Das klingt jetzt nach dem typischen Chaos der früheren Brenner-Romane, bei denen die Geschichte kaum nacherzählt werden kann. Denn diese war oft sehr dünn und sollte besser nicht zu genau auf Logik und Wahrscheinlichkeit überprüft werden. Wegen der Sprache und den Abschweifungen mit einem Hang zur Alltagsphilosophie waren die Romane dennoch eine gute Unterhaltung für einen langen Abend.

In „Der Brenner und der liebe Gott“ ist die Geschichte dagegen ein ziemlich geradliniger Privatdetektiv-Krimi, der in dem typischen Haas-Sound erzählt wird. Weil die Geschichte dieses Mal sogar nachvollziehbar und in sich schlüssig ist, ist der siebte Auftritt von Simon Brenner auch der bislang beste Brenner-Krimi von Wolf Haas.

Aber auch der beste Brenner-Roman ist nur halb so gut wie die Verfilmungen der Brenner-Romane „Komm, süßer Tod“, „Silentium!“ und „Der Knochenmann“ des Teams Murnberger/Hader/Haas mit dem grandiosen Josef Hader in der Hauptrolle.

Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott

Hoffmann und Campe, 2009

224 Seiten

18,99 Euro

Wolf Haas: Die 6 Brenner-Romane (im Schuber)

Hoffman und Campe, 2006

48 Euro

Die Ermittlungen von Brenner

Auferstehung der Toten (Rowohlt, 1996)

Der Knochenmann (Rowohlt, 1997)

Komm, süßer Tod (Rowohlt, 1998)

Silentium! (Rowohlt, 1999)

Wie die Tiere (Rowohlt, 2001)

Das ewige Leben (Hoffmann und Campe, 2003)

Der Brenner und der liebe Gott (Hoffmann und Campe, 2009)

Die Verfilmungen

Komm, süßer Tod (Aus 2000)

Regie: Wolfgang Murnberger

Drehbuch: Wolfgang Murnberger, Wolf Haas, Josef Hader

mit Josef Hader, Simon Schwarz, Barbara Rudnik, Michael Schönborn, Bern Michael Lade, Nina Proll, Wolf Haas

Silentium! (Aus 2004)

Regie: Wolfgang Murnberger

Drehbuch: Wolfgang Murnberger, Wolf Haas, Josef Hader

mit Josef Hader, Simon Schwarz, Joachim Król, Maria Köstlinger, Udo Samel, Jürgen Tarrach, Rosie Alvarez, Johannes Silberschneider, Karl Fischer, Christoph Schlingensief, Herbert Fux, Wolf Haas

Der Knochenmann (Aus 2009)

Regie: Wolfgang Murnberger

Drehbuch: Wolfgang Murnberger, Wolf Haas, Josef Hader

mit Josef Hader, Simon Schwarz, Josef Bierbichler, Stipe Erceg, Birgit Minichmayr, Christoph Luser, Dokra Gryllus

Das ewige Leben (Aus 2011 – geplant)

Regie: Wolfgang Murnberger

Drehbuch: Wolfgang Murnberger, Wolf Haas, Josef Hader

Hinweise

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Wolf Haas

Krimi-Couch über Wolf Haas

Wikipedia über Wolf Haas

Planet Interview: Interview mit Wolf Haas (zum Film „Silentium!“ und den Brenner-Romanen, 12. Februar 2005)

Vienna: Interview mit Wolf Haas (28. August 2009)

Kriminalakte über „Komm, süßer Tod“ und „Der Knochenmann“


Wer zur Hölle ist Ben Hecht?

September 25, 2009

Hecht - Von Chicago nach Hollywood

Ben Hecht dürfte nur den Menschen etwas sagen, die bei Spielfilmen auch auf die Namen der Macher achten. Denn Hecht schrieb die Drehbücher zu „Scarface“, „Angels over Broadway“ (auch Regie), „Berüchtigt/Weißes Gift“ (Notorious), „Ich kämpfe um dich“ (Spellbound), „Der Todeskuss“ (Kiss of Death) und „In einem anderen Land“ (A farewell to arms). Bei „Vom Winde verweht“ (Gone with the wind) arbeitete er ungenannt am Drehbuch mit (In „Von Chicago nach Hollywood“ schreibt er, dass er es innerhalb einer Woche schrieb. Aber wer kann schon einem professionellem Lügner blind vertrauen?). Für viele andere Hollywood-Filme, wie „Engelsgesicht“, „Der Fremde im Zug“, „Das Ding aus einer anderen Welt“, „Rope – Cocktail für eine Leiche“, „Der Fall Paradin“ und „Gilda“, machte er im Abspann nicht genannte Überarbeitungen des Drehbuchs. Er schrieb mehrere Theaterstücke, wie das mehrfach verfilmte Theaterstück „Extrablatt“ (The Front Page), und zahlreiche Erzählungen.

Bevor er in Hollywood sein Geld verdiente, arbeitete er in Chicago als Reporter. Er erzählt in dem speziell für Deutschland zusammengestellten Sammelband „Von Chicago nach Hollywood“, wie er Reporter wurde, wie er (oft am Rand der Legalität) Bilder für Artikel besorgte, wie er seine ersten spektakulären Geschichten frei erfand und dann doch zum seriösen Reporter wurde. Diese Erlebnisse verarbeitete er in „The Front Page“ und zahlreichen Gangsterdramen, wie dem Stummfilm „Underworld“ und dem Gangsterfilm-Klassiker „Scarface“. Nach seinen Jahren in Chicago war er kurz in New York und schrieb Theaterstücke und Kurzgeschichten. Da erreichte ihn, als er sich ohne einen Cent in seinem Zimmer verkrochen hat, ein Telegramm von Herman Mankiewicz: „Was hälst du davon, für dreihundert Dollar pro Woche für Paramount Pictures zu arbeiten? Alle Auslagen werden dir erstattet. Dreihundert Dollar sind aber noch gar nichts. Millionen kannst du hier scheffeln, und deine einzige Konkurrenz sind Idioten. Lass dir das nicht entgehen!“ Hecht packte seine Koffer und zog an die Westküste.

Im zweiten Teils des Buches gibt es ein kleines Panoptikum der in Hollywood versammelten Persönlichkeiten und das fast sechzigseitige Stück „Eine sündhafte Frau“.

Das ist der Titel eines Drehbuchs von Daisy Marcher. Ein mächtiger Hollywood-Produzent, der das Drehbuch nur zufällig liest (normalerweise liest er keine Drehbücher) will dieses „Meisterwerk“ verfilmen. Als Marchers Agent Orlando Higgins erfährt, dass sie ein neunjähriges Kind ist, beschließt Higgins allen diese Tatsache zu verschweigen und treibt so seine Provision auf astronomische Höhen. Denn ganz Hollywood ist verrückt nach Daisy Marcher.

Diese Burleske ist wahrscheinlich ein ausführliches Treatment für den von Ben Hecht inszenierte Film „Woman of Sin“, der Teil des Double-Features „Actor’s and Sin“ ist.

Gerade hier hätte Helga Herborth in ihrem Nachwort über die Herkunft der verschiedenen Texte und den Wahrheitsgehalt aufklären können. Aber sie beschränkt sich im Wesentlichen, um wenige biographische Information ergänzt, auf ein Nacherzählen der bereits gelesenen Texte.

Aber diese Texte von Ben Hecht sind ein wahres Lesevergnügen. Flott formuliert, pointiert, sarkastisch, ironisch und kein Jota veraltet erzählen sie Geschichten aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts.

Ben Hecht: Von Chicago nach Hollywood – Erinnerungen an den amerikanischen Traum

(ausgewählt, aus dem Englischen und mit einem Nachwort von Helga Herborth)

Berenberg, 2009

152 Seiten

19,00 Euro

Erstausgabe (wahrscheinlich, aber unbestätigt, weil das Impressum der Neuausgabe in diesem Punkt unklar ist)

Geschichten aus Chicago und Hollywood

Wolke Verlag, 1989

Hinweise

Wikipedia über Ben Hecht (deutsch, englisch)

Kirjasto über Ben Hecht


Ein Blick hinter die Kulissen der Gerichtsmedizin

September 23, 2009

Tsokos - Dem Tod auf der Spur

Michael Tsokos ist ein richtiger Spielverderber. Bereits auf den ersten Seiten seines Sachbuchs „Dem Tod auf der Spur“ verweist er all unser TV-erprobtes Wissen über Gerichtsmediziner in das Reich der Legenden.

Denn sie nehmen die Obduktion nicht mit Taschenlampen oder in dunklen Obduktionssälen vor, hören dabei keine laute Musik (je nach Alter: Punk, Rock oder Klassik, aber nie Volksmusik), sie lagern ihre Brötchen nicht bevorzugt neben entnommen Organen und sie sind keine spleenige Gesellen mit einem makaberen Humor, sondern sie sind ganz normale Menschen, die an ordentlich ausgeleuchteten Arbeitsplätzen arbeiten.

Auch ihre Fälle sind eher nicht CSI-spektakulär.

Die meisten der von Tsokos in „Dem Tod auf der Spur“ geschilderten zwölf Fälle, in die er als Gerichtsmediziner involviert war, sind, entsprechend der Häufigkeit der nicht-natürlichen Todesursachen, Suizide und tödlich verlaufende Unfälle. Zum Beispiel wenn jemand mit einer brennenden Zigarette einschläft oder betrunken durch die Winternacht stolpert.

Sie werden bei jedem Tod, der auf den ersten Blick kein alters- oder krankheitsbedingtes Ableben ist, gerufen. Dann müssen die Gerichtsmediziner herausfinden, wie der Tote gestorben ist. Tsokos schildert nüchtern, wie sie bei einer Obduktion die einzelnen Spuren zu einem Bild formen. Dabei gibt es auch bei scheinbar klaren Fällen, wie dem Tod der siebenjährigen Jessica, immer wieder Überraschungen. Als sie starb war sie schwer unterernährt. Die erste Vermutung war, dass sie verhungerte. Aber die Obduktion ergab, dass sie an ihrer letzten Mahlzeit starb.

Selbstverständlich schildert Michael Tsokos, der Leiter des Instituts für Gerichtsmedizin der Charité und des Landesinstituts für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin, in seinem locker geschriebenen Buch auch einige Fälle, die CSI-würdig sind.

Da gibt es einen tödlich verlaufenden Jagdunfall, bei dem die Spuren zunächst in alle Richtungen deuten. Oder ein fahrendes Auto explodiert auf einer Landstraße. Auf dem Rücksitz ist ein Toter, aber von dem Fahrer fehlt jede Spur. Ein anderer Autofahrer wird, ebenfalls auf einer Landstraße, enthauptet in seinem Auto gefunden. Und es gibt auch eine Variation der Geschichte des Mannes, der vom Himmel fiel.

Neben den reinen Fällen beschreibt Tsokos auch, wie eine Obduktion vonstatten geht. Er liefert Hintergrundinformationen über die verschiedenen Todesarten. Er erzählt, eher knapp, wie die verschiedenen forensischen Wissenschaftler und die ermittelnden Polizisten zusammenarbeiten und was die moderne Wissenschaft zur Aufklärung von Verbrechen leisten kann.

Denn die Quantensprünge in der Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten haben auch dazu beigetragen, dass es heute Serien wie „CSI“ gibt, in denen nicht mehr die Arbeit von Polizisten, sondern die von Wissenschaftlern im Mittelpunkt steht.

Und so schließt sich der Kreis: die Innovationen in der Wissenschaft führen zu populären TV-Serien, die wiederum das Interesse an Sachbüchern darüber befördern und so die Erkenntnisse aus der Wissenschaft auch einem Nicht-Fachpublikum zugänglich machen.

Michael Tsokos (unter Mitarbeit von Veit Etzold und Lothar Strüh): Dem Tod auf der Spur – Zwölf spektakuläre Fälle aus der Rechtsmedizin

Ullstein, 2009

240 Seiten

8,95 Euro

Hinweise

Berliner Zeitung: Interview mit Michael Tsokos (6./7. Juni 2009)

Seite des Instituts für Rechtsmedizin der Charité

Seide des Landesinstituts für gerichtliche und soziale Medizin, Berlin


Die Turner-Trilogie von James Sallis

September 18, 2009

Sallis - Dunkle SchuldSallis - What you have left

Das erste Mal begegnen wir Turner (wie Spenser und Parker: kein Vorname) auf der Veranda seiner einsam gelegenen Hütte irgendwo im Hinterland von Memphis. Ein Mann kommt zu ihn. Bis jetzt hat er noch nicht die Zeit für einen Besuch bei dem Zugezogenen Turner gehabt. Sie sitzen zusammen, trinken, schweigen. Richtige, gemütliche Südstaatenatmosphäre; – bis Turner seinen Besucher fragt: „Kann ich irgendetwas für Sie tun, Sheriff?“ Dieser antwortet; „Um die Wahrheit zu sagen, ich hatte irgendwie gehofft, Sie überreden zu können, mir zu helfen. Bei einem Mord.“

Denn der Erzähler Turner ist ein ehemaliger Polizist. Er war auch ein Sträfling und Psychotherapeut.

Alles, was ich wollte, war, in Ruhe gelassen zu werden, und ich hatte enorme Schritte unternommen, um genau das sicherzustellen. Selten hatte ich mich beim Herumstreunen weit von der Hütte entfernt, hatte mir die Lebensmittel monatlich liefern lassen. Das letzte, was ich wollte, war, noch einmal Teil einer Ermittlung zu sein, im Leben anderer Leute herumwühlen, in ihrem Schlamassel und Fehlverhalten, im Irrsinn anderer Menschen, anderer Seelen“, erzählt Turner uns am Anfang von „Dunkle Schuld“.

Dass dieser Wunsch seines Ich-Erzählers nicht funktioniert, zeigt James Sallis in seinen drei literarisch beeindruckenden Turner-Romanen „Dunkle Schuld“ (Cypress Grove), „Cripple Creek“ und „Salt River“. Von Roman zu Roman kehrt Turner immer mehr zurück in die Gesellschaft. Im ersten Band freundet er sich mit dem Sheriff Lonnie Bates und dem Personal der kleinen Polizeistation an und verliebt sich in die Anwältin Valerie ‚Val‘ Bjorn. Im zweiten Band „Cripple Creek“ arbeitet er als Sheriff, seine Tochter taucht auf, wird seine Vorgesetzte und Val wird am Ende des Buches erschossen.

In „Salt River“ versucht Turner trotz dieses Verlustes weiterzuleben. Denn: „Sometimes you just have to see how much music you can make with what you have left. (…) I’m not sure how much I have left either. (…) As for me, I think maybe I’ve seen a few too many people die, witnessed too much unbearable sadness that still had somehow to be borne. I remember Tracy Caulding up in Memphis telling me about a science fiction story where these immortals would every century or so swim across a pool that relieved them of their memories, then they could go on. I wanted to swim in that pool.“

Aber die Erinnerungen lassen Turner nicht los. In „Dunkle Schuld“ springt James Sallis dabei kapitelweise von den aktuellen Ermittlungen in die Vergangenheit von Turner. Aufgrund dieser Struktur, in der auf den ersten Blick der Moloch Großstadt dem heilen Landleben gebenübergestellt wird, liest sich „Dunkle Schuld“ weniger wie ein stringend geplotteter Roman, sondern eher wie eine Sammlung von thematisch miteinander verknüpften Kurzgeschichten.

In „Dunkle Schuld“ wurde ein Obdachloser ermordet. Turner und Sheriff Bates finden heraus, dass er die Post vom Bürgermeister geklaut hat und es gibt eine Spur in die Welt der obskuren Filme die mit dem Aufkommen des Fernsehens verschwand.

Sallis, der alt genug ist, um einige dieser Z-Movies noch in einigen Provinz- und Autokinos gesehen zu haben, formuliert in „Dunkle Schuld“ eine kleine Liebeserklärung an diese untergegangene Welt. Weil James Sallis selbst ein Musiker ist, formuliert er in „Dunkle Schuld“ eine zaghafte Liebeserklärung an die Bluegrass-Music. In „Cripple Creek“ und „Salt River“ wird für Turner die Musik immer wichtiger. Und natürlich gibt es zahlreiche literarische Anspielungen. Wenn zum Beispiel am Stadteingang auf einem Schild „Pop. 1280“ steht, dann ist das ein deutlicher Hinweis auf den gleichnamigen Roman von Jim Thompson, den Noir und die Pulps.

Neben der Rückkehr seines Helden vom Eremitenorden zurück in die Gemeinschaft (auch wenn diese Gemeinschaft nur ein kleines Kaff ist, aus dem die Jungen flüchten) lässt James Sallis die Genrekonventionen immer mehr hinter sich. Während Turner wissen möchte, wie er nach all dem Leid, das er gesehen und erlebt hat, noch als soziales Individuum leben kann, will Sallis herausfinden, wie sehr er die Genrekonventionen dehnen kann ohne sie zu brechen.

In „Cripple Creek“ wird bei einer normalen Verkehrskontrolle ein Mann mit 200.000 Dollar erwischt. Als er gewaltsam aus dem Landgefängnis befreit wird, muss Turner zurück nach Memphis, der Stadt, in der er Polizist war, gehen.

In „Salt River“ kehrt der Sohn des Sheriffs überraschend zurück und fährt mit seinem Auto in den Eingang der City Hall. Und Eldon Brown, der mit Val als Musiker durch das Land touren wollte, kehrt ebenso überraschend zurück. Er soll einen Mord begangen haben, an den er sich nicht erinnert. Turner versucht ihm zu helfen.

Dabei entfernen sich „Cripple Creek“ und „Salt River“ so weit vom Genre, dass viele die Bücher kaum noch als Krimis einsortieren werden. Denn nachdem schon in „Dunkle Schuld“ der Krimiplot nebensächlich war, ist er in „Cripple Creek“ und „Salt River“ eigentlich nicht mehr vorhanden. Es sind in erster Linie Porträts eines Charakters und seiner pessimistisch-desillusionierten Weltsicht. Diese wird von James Sallis in knappen Sätzen skizziert. Wie ein Musiker, der sich mit zunehmendem Alter, nur noch die wichtigen Noten spielt, verknappt James Sallis seine Geschichten immer mehr. Im Original hat „Cypress Groove“ 255 Seiten, „Cripple Creek“ 192 Seiten und „Salt River“ 146 Seiten.

James Sallis erzählte mir in einem Interview, dass er das Buch immer mehr verkürzt hatte und irgendwann befürchtete, dass am Ende nichts mehr übrig bliebe.

Zum Glück hat er vorher aufgehört.

James Sallis: Dunkle Schuld

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Heyne, 2009

304 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

James Sallis: Cypress Grove

Walker & Company, 2003

272 Seiten

James Sallis: Cripple Creek

Walker & Company, 2006

208 Seiten

James Sallis: Salt River

Walker & Company, 2007

160 Seiten

Gesamtausgabe der Turner-Trilogie (Cypress Grove, Cripple Creek, Salt River) 2009 als „What you have left“

Hinweise

Homepage von James Sallis

Thrilling Detective über Turner

Eindrücke vom Berlin-Besuch von James Sallis

Meine ‚Besprechung‘ von James Sallis‘ „Deine Augen hat der Tod“ (Death will have your eyes, 1997)

Meine Besprechung von James Sallis‘ „Driver“ (Drive, 2005)


Der kriminelle Buchherbst – Teil 8: Random Murders, Part Two

September 16, 2009

Goldmann

Oktober

Tom Bale: Amok (Debüt: In Sussex bringt sich ein Mann nach einem Amoklauf um. Eine Zeugin glaubt, einen zweiten Mann gesehen zu haben. Gemeinsam mit einem Journalisten sucht sie ihn.)

November

Truman Capote: Kaltblütig (Taschenbuch-Ausgabe der neuen „Kein & Aber“-Übersetzung)

Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre (Taschenbuch-Ausgabe)

Patricia Cornwell: Totenbuch (Taschenbuch-Ausgabe eines Kay-Scarpetta-Krimis)

Deborah Crombie: Von fremder Hand/Der Rache kaltes Schwert (zwei Fälle für Superintendent Duncan Kincaid und Sergeant Gemma James)

Ruth Downie: Tod einer Sklavin (Medicus Russo ermittelt im Römische Reich; „SPQR meets CSI“ meint der Verlag)

Misha Glenny: McMafia – Die grenzenlose Welt des organisierten Verbrechens (Taschenbuch-Ausgabe des Sachbuchs aus dem Spiegel-Verlag)

Andrew Pyper: Die Stunde des Sandmanns (Journalist Patrick Rush sucht einen Serienkiller, der sich „Sandmann“ nennt. Einen ersten Hinweis auf seine Identität erhält er von einer Frau aus seinem Schreibkurs.)

Martin Cruz Smith: Stalins Geist (Taschenbuch-Ausgabe des sechsten Auftritts von Arkadi Renko)

Kim Wozencraft: Gehetzt (Zwei unschuldig im Knast sitzende Frauen flüchten aus dem Knast und die Verfolgungsjagd beginnt.)

Dezember

Stuart Archer Cohen: Der siebzehnte Engel (Taschenbuch-Ausgabe)

Janet Evanovich: Kalt erwischt (Taschenbuch-Ausgabe eines Stephanie-Plum-Krimis)

Nicci French: Bis zum bitteren Ende (Taschenbuch-Ausgabe)

Elizabeth George: Am Ende war die Tat (Taschenbuch-Ausgabe)

Caroline Graham: Ein böses Ende/Blutige Anfänger (Inspector Barnaby ermittelt)

John Twelve Hawks: Dark River – Das Duell der Traveler (Taschenbuch-Ausgabe des zweiten Traveler-Bandes)

Franco Limardi: Die dunkle Spur des Todes (Ein Ex-Soldat will bei einem Raubüberfall das große Geld machen. Aber der schöne Plan löst sich – siehe Titel – schnell in Luft auf. – Klingt nach einer Noir-Story für mich.)

Maria Masella: Wer sich ein Bildnis macht (In Genua sucht Commissario Mariani einen Serienmörder. Dabei scheint es eine Verbindung zu seiner Frau zu geben.)

Rainer Würth: Krötenwanderung (Kommissar Kolb sucht den Mörder des Leiters des Bauamtes.)

Januar

Brett Battles: Todesjagd (zweiter Auftritt des Cleaners Jonathan Quinn)

Sharon Bolton: Todesopfer (Taschenbuch-Ausgabe)

Colin Cotterill: Dr. Siri und seine Toten (Taschenbuch-Ausgabe)

Robert Ellis: Leichengift (Detective Lena Gamble soll den Mörder einer jungen, nicht identifizierten weiblichen Leiche finden. Die Medien verfolgen ihre Ermittlungen akribisch.)

Jonathan Kellerman: Jamey – Das Kind, das zuviel wusste/Exit (zwei Fälle für Alex Delaware)

Ian Rankin: Der Tod ist erst der Anfang (22 noch nicht übersetzte Kurzkrimis von Ian Rankin, acht mit Rebus)

John Sandford: Mordlust (Taschenbuch-Ausgabe)

Andreas Ulrich: Das Engelsgesicht (anscheinend eine Neuausgabe zum Kinostart der Verfilmung)

Lisa Unger: Der Fluch der Wahrheit (Taschenbuch-Ausgabe)

Februar

Jefferson Bass: Todesstarre (Ein Forensik-Thriller: Wer hat einen Physiker, der die Atombombe mitentwickelte, radioaktiv vergiftet? Bill Brockton ermittelt.)

Caroline Graham: Treu bis in den Tod/Ein sicheres Versteck (Inspector Barnaby fängt die bösen Buben)

Rainer Gross: Grafeneck (Neuausgabe eines beim Pendragon-Verlag erschienenen und mit dem Glauser ausgezeichneten Debüts)

James Patterson: Höllentrip (Catherine will während eines Segeltörns die gestörte Beziehung zu ihren drei Kindern wieder kitten. Als sie nach einem Unfall auf einer einsamen Insel stranden, müssen sie um ihr überleben kämpfen. Denn irgendjemand will, dass sie die Insel nicht wieder verlassen.)

Linus Reichlin: Die Sehnsucht der Atome (Taschenbuch-Ausgabe, Deutscher Krimi Preis 2009)

Tom Rob Smith: Kind 44 (Taschenbuch-Ausgabe des vielfach nominierten und ausgezeichneten Debüts.)

Andreas Winkelmann: Hänschen klein (heißt es nach „Tief im Wald und unter der Erde“. Eine Mutter will sich den Traum einer Familie erfüllen. Dummerweise ist der von ihr erwählte Anwalt Schneider von ihrem Anliegen überhaupt nicht begeistert.)

März

Harlan Coben: Keine zweite Chance/Kein böser Traum (zweimal Spannung von einem Meister)

Deborah Crombie: Alles wird gut (der zweite Fall von Superintendent Duncan Kincaid und Inspector Gemma James in aufwändiger Neuausstattung)

Thea Dorn: Mädchenmörder (Taschenbuch-Ausgabe)

Birgit Lautenbach/Johann Ebend: Engelstrompeten (der dritte Hiddensee-Krimi für die Inselpolizisten Kästner und Pieplow. Dieses Mal suchen sie den Mörder der alten Wanda.)

Chuck Palahniuk: Fratze (Deutsche Erstausgabe des Frühwerks von „Fight Club“-Palahniuk)

Ian Rankin: Ein Rest von Schuld (Taschenbuch-Ausgabe eines Rebus-Krimis)

Sarah Rayne: Todeskammer (Psychothriller: Georgina Grey wühlt in der Familiengeschichte herum. Gute sechshundert Seiten.)

Dan Waddell: Das Erbe des Blutes (Bei ihren aktuellen Mordermittlungen führt die Spur DCI Foster und Jenkins zurück in die Vergangenheit. Denn die Lösung hängt irgendwie mit dem Kensington Killer und seinen 1879 verübten Taten zusammen.)

April

Stefan Aust: Der Baader-Meinhof-Komplex (Taschenbuch-Ausgabe der aktualisierten Ausgabe)

Rennie Airth: Orte der Finsternis (Surrey, Sommer 1932: ein Ex-Scotland-Yard-Inspector sucht den Mörder eines Mädchens. Er glaubt an einen Serienmörder.)

Maxime Chattam: Die Gaia-Hypothese (Thriller über geheimnisvolle Experimente auf abgelegenen Inseln, Laboren in den Pyrenäen und Serienkillern. Naja, Chattam hat 500 Seiten, um das alles miteinander zu verknüpfen.)

J. F. Englert: Kaltschnäuzig – Ein Fall für den Schnüffler (Wuff!)

Joy Fielding: Die Katze (Taschenbuch-Ausgabe)

Nicola Förg: Kuhhandel („Taschenbuch“-Ausgabe eines Emons-Krimis)

Jonathan Kellerman: Knochensplitter (ein Alex-Delaware-Krimi)

Michael Koglin: Bluttaufe (Thriller über einen Serienmörder, der in Norddeutschland Ted Bundy nachahmt.)

Peter Temple: Shooting Star (Taschenbuch-Ausgabe)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche (Fischer Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 6: Hauptsächlich regional, aber mit südamerikanischem Einschlag (Edition Köln, Matthes & Seitz, Verbrecher Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 7: Random Murders, Part One (Blanvalet)


TV-Tipp für den 11. September: Mogadischu

September 10, 2009

SWR, 20.15

Mogadischu (D 2008, R.: Roland Suso Richter)

Drehbuch: Maurice Philip Remy

Buch zum Film: Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der Landshut, 2008

Nach Heinrich Breloers hochgelobtem Zweiteiler „Todesspiel“ (auch schon über zehn Jahre alt) über den Deutschen Herbst 1977, diversen Dokumentationen (zum Beispiel letztes Jahr ein Zweiteiler) über die RAF, dem noch im Kino laufendem „Baader Meinhof Komplex“ mutet „Mogadischu“ etwas akademisch an. Denn die Fakten sind bekannt. Am 13. Oktober 1977 entführt ein palästinensisches Kommando die Lufthansa-Maschine Landshut. Nach einem mehrtägigen Irrflug landet das Flugzeug in Mogadischu und die GSG 9 beendet die Geiselnahme.

Neue Erkenntnisse, wie die Beteiligung des KGB an der Entführung und was Lufthansa-Pilot Jürgen Schumann machte, als er nach einer Notlandung in Aden zwanzig Minuten verschwand, ändern nichts an dem großen Bild.

Aber Autor Remy und Regisseur Richter verarbeiteten diese Geschichte jetzt zu einem die damaligen Ereignisse konzentriert nacherzählendem TV-Spielfilm, der auch im Kino überzeugt hätte. Einziger Kritikpunkt ist die derzeit angesagte Wackelkamera

Es ist ein ernsthafter Versuch der Annäherung (an die Wahrheit, A. d. V.). Wir bemühen uns, mit Verantwortung an ein Thema heranzugehen. Die Menschen, die das erlebt haben, sollen nicht davor sitzen und sagen: Was machen die denn da? Was erzählen die da?“ (Remy in der FAZ)

Das gleichnamige „Begleitbuch zum Film ‚Mogadischu’“ von Timo Kortner nimmt eine seltsame Zwischenstellung zwischen einem traditionellem Buch zum Film, also einer höchstens sparsam erweiterten Romanfassung des Drehbuchs, und einem Sachbuch über die Entführung ein. Denn Kortner führt relativ ausführlich in das gesellschaftliche Klima während der Schleyer-Entführung ein und er fügt immer wieder erklärende Passagen ein. Dabei gibt es im Buch und im Film eine Verschiebung der Perspektive von den Tätern zu den Opfern. Der Tatsachenroman „Mogadischu“ erzählt von Menschen in einer Ausnahmesituation und wie sie versuchen, diese zu überleben. Die Entführer bleiben dagegen, bis auf den durchgeknallten Captain Martyr Mahmud, blass. Und die Ideologie der Terroristen wird höchstens in einem Nebensatz gestreift; – was sie als Bösewichter noch bedrohlicher macht.

Kortners „Mogadischu“ ist ein packendes Drama, das auch eine gehörige Portion historisches Wissen vermittelt. Ein feines Buch.

Mit Nadja Uhl, Thomas Kretschmann, Christian Berkel, Said Tagmaqoui, Herbert Knaup, Simon Verhoeven, Jürgen Tarrach

Hinweise

ARD zum Film

FAZ: Interview mit Maurice Philip Remy über “Mogadischu” (24. November 2008)

FAZ (Michael Hahnfeld), Die Welt (Eckhard Fuhr), Spiegel Online (Christian Buß), Süddeutsche Zeitung (Christopher Keil), taz (René Martens), Die Zeit (Margit Gerste) über den Film „Mogadischu“

Kortner - Mogadischu

Das Buch zum Film

Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der ‚Landshut’

Knaur, 2008

272 Seiten

9,95 Euro


Kurzkritik: Jack Ketchum „Beutegier“

September 7, 2009

Ketchum - Beutegier

Beutegier“ in drei wenigen Sätzen:

Beutegier“ ist die Fortsetzung von „Beutezeit“. Die Kannibalen sind zurück. Sie bringen in einem einsamen Landhaus in einer Mainacht in Maine mehrere Menschen um und verschleppen einige weitere. Sheriff George Peters, inzwischen pensioniert und passionierter Trinker, wird um Hilfe gebeten. Die Kannibalen werden wieder zu ihrer am Meer gelegene Höhle verfolgt.

Beutegier“ ist ein Remake von „Beutezeit“, bei dem die erfolgreichen Elemente des ersten Buches beibehalten wurden. Denn die Unterschiede sind gering. In „Beutegier“ erfahren wir mehr über die Kannibalen und wie sie zusammenleben. Einer der von den Kannibalen bedrohten Menschen ist ein soziopathischer Mörder. Das führt zu der durchaus interessanten Frage, wer schlimmer ist: die Kannibalen oder der Psychopath. Davon abgesehen ist das Blutzoll in der Frühlingsnacht, wie schon in Ketchums Debütroman „Beutezeit“, sehr hoch.

Aber im Gegensatz zu „Beutezeit“ tauchen in „Beutegier“ verdächtig viele Menschen, die nach menschlichem Ermessen tot sind, einige Seiten später wieder auf und beteiligen sich, wenn auch schwer verwundet, weiter an der Kannibalenjagd.

Also: spannend, blutig und schnell gelesen.

Aber insgesamt zu wenig neues aus der Welt der Kannibalen um vollkommen zu überzeugen.


Sunfilm will die gleichnamige Verfilmung Anfang 2010 auf DVD veröffentlichen. Und wenn der Film das Versprechen des aktuellen Trailers erfüllt, wäre das die vierte Ketchum-Verfilmung (von vier), mit der Ketchum sehr zufrieden sein kann.

Jack Ketchum: Beutegier

(übersetzt von Joannis Stefanidis)

Heyne, 2009

288 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Offspring

Overlook Connection Press, 1991

Verfilmung

Offspring (USA 2009)

Regie: Andrew van den Houten

Drehbuch: Jack Ketchum

mit Jessica Butler, Leigh Feldpausch, Stephen Grey, Amy Hargreaves, Art Hindle, Erick Kastel, Spencer List, Pollyanna McIntosh, Scott Mellema, Emma Elizabeth Messing, Andrew Elvis Miller, Will Miller, Preston Mulligan, Ed Nelson, Tommy Nelson, Taylor John Piedmonte, Ahna Tessler, Jana Veldheer, Rachel White

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Homepage zur Verfilmung

Meine Besprechung von „Red“ (DVD)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)


Der kriminelle Buchherbst – Teil 7: Random Murders, Part 1

September 2, 2009

Blanvalet

Oktober

Jeffery Deaver: Ein einfacher Mord (im Aktionspreis; Deaver veröffentlichte den Krimi ursprünglich als William Jefferies)

November

Steve Berry: Der Pandora-Effekt (Mystery-Thriller: Ex-Agent Cotton Malone sucht, um eine Gegenmittel gegen B-Waffen zu finden, das Grab von Alexander.)

Sandra Brown: Eisnacht (Taschenbuch-Ausgabe)

Jordan Dane: Assassin (Christian Delacorte soll auf Wunsch einer Mörderin seinen Vater, einen in Brasilien entführen Unterweltboss, befreien.)

Michael McBride: Reiter der Apokalypse (Auftakt einer Mystery-Trilogie)

Stephan M. Rother: Die letzte Offenbarung (Mystery-Thriller: Restaurator Amadeo Fanelli legt sich wegen den geheimen Aufzeichnungen des Apostels Johannes mit dem Vatikan an.)

Patrick Woodrow: Kalter Sog (Taschenbuch-Ausgabe. „Als hätte Clive Cussler das Drehbuch zu einem Alfred-Hitchcock-Film geschrieben.“ verspricht der Verlag)

Dezember

Dale Brown: Überschall (High-Tech-Thriller)

Robin Cook: Schock (Taschenbuch-Ausgabe eines Medizin-Thrillers)

Jeffery Deaver: Die Menschenleserin (Taschenbuch-Ausgabe)

Rob Grant/Doug Naylor: Roter Zwerg (ist SF, aber die Abteilung „Per Anhalter durch die Galaxis“ und basiert auf der BBC-Sitcom „Red Dwarf“)

Lucretia Grindle: Namenstag (Taschenbuch-Ausgabe eines in Florenz spielenden Psychothrillers)

Helena Reich: Engelsfall (Kommissar David Andel ermittelt in Prag)

Januar

Cindy Gerard: Wer den Tod begrüßt/Wer das Feuer sucht (Doppelband der unterhaltsamen Thriller mit der in Florida residierenden Bodguard-Agentur E. D. E. N..)

Laura Griffin: Der sanfte Kuss des Todes (Eine Phantomzeichnerin der Polizei muss gegen einen Serienkiller kämpfen.)

Martin Langfield: Maleficus (Mystery-Thriller: dieses Mal ist es Sir Isaac Newtons Formel für das Geheime Feuer, die eine Katastrophe verhindern kann.)

Chloe Palov: Die Saat des Feuers (Mystery-Thriller: Fundamentalistische Christen und Juden wollen, mit Hilfe der Bundeslade, die Ungläubigen aus dem Heiligen Land vertreiben. Nur zwei Menschen können sie aufhalten.)

Karin Slaughter: Verstummt (Taschenbuch-Ausgabe)

Vanda Symon: Der ungeschminkte Tod (Neuseeland-Thriller: Als die junge Polizistin Sam Shepard eine Zirkus überprüft, stößt sie auf die Spur zu einem Serienkiller. Der New Zealand Listener meint „Spannende Unterhaltung“.)

Februar

Clive Cussler/Dirk Cussler: Der Fluch des Khan (Taschenbuch-Ausgabe eines Dirk-Pitt-Thrillers)

Patrick Graham: Die Brut des Bösen (Eine FBI-Profilerin sucht ein elfjähriges Mädchen, das die letzte Hoffnung für die Menschheit gegen ein Virus ist.)

Colin Greenland: Sternendieb (Auftakt einer SF-Trilogie, die mit dem Arthur-C.-Clarke-Award und dem BSFA-Award ausgezeichnet wurde)

Mike Lawson: Hardliner (ist der dritte Thriller mit Joe DeMarco. Dieses Mal muss er einen Senator stoppen, der muslimische Attentate für seine Zwecke ausnutzen will.)

J. D. Robb: Das Herz des Mörders (Lieutenant Eve Dallas jagt einen Mörder, der Serienkiller kopiert.)

März

Katherine Howell: Ein grausames Versprechen (ein in Sydney spielender Lady-Thriller über einen Serienkiller, der eine Sanitäterin und eine Polizistin in Lebensgefahr bringt)

Tara Moss: Fetisch-Mörder/Freiwild (ein Doppelband mit einem Model als Ermittlerin)

James Rollins: Der Judas-Code (Taschenbuch-Ausgabe eines Sigma-Force-Thirllers)

Lisa Scott: Fatal (Ist der Adoptivsohn von Journalistin Ellen Gleeson vor der Adoption entführt worden? Oder hat er einen vermissten Zwillingsbruder? Gleeson recherchiert.)

April

Clive Cussler/Jack Du Brul: Seuchenschiff (Auf einem Kreuzfahrschiff entdeckt die Crew der „Oregon“ hunderte von Leichen. Sie wollen herausfinden, warum die Menschen sterben mussten und stoßen auf eine Verschwörung.)

Linda Fairstein: Tödliches Vermächtnis (Ein neuer Fall für Alex Cooper.)

Phillip Gwynne: Vor dem Regen (Der Krimi aus Australien ist das Krimidebüt eines preisgekrönten Jugendbuchautors.)

Iris Johansen: Riskante Träume (Daniel will die von Terroristen entführte Zilah befreien. Auf ihrer anschließenden Flucht kommen sie sich näher.)

James Patterson: Die 6. Geisel (Taschenbuch-Ausgabe des sechsten Auftritts von Lieutenant Lindsay Boxer und dem Women’s Murder Club)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche (Fischer Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 6: Hauptsächlich regional, aber mit südamerikanischem Einschlag (Edition Köln, Matthes & Seitz, Verbrecher Verlag)


Mörderischer Ruhrpott – die True Crime Edition

August 26, 2009

Bohn - Ein Mord genügt

Weil das Buch schon etwas länger gelesen bei mir herumliegt und ich die für eine geplante Sammelbesprechung anderen Bücher immer noch nicht gelesen habe (Warum hat ein Tag nur 24 Stunden? Warum muss ich schlafen?), gibt es heute eine Kurzkritik von Nicolette Bohns „Ein Mord genügt“. Neben „Die Macht des Bösen – Wahre Kriminalfälle aus Österreich“ von Helga Schimmer war das im Frühjahr der Auftakt der neuen Reihe „emons: True Crime“ .

Bohn schildert in „Ein Mord genügt“ neun wahre Kriminalfälle aus dem Ruhrgebiet aus den Sechzigern und Siebzigern. Es sind eher kleine, alltägliche Fälle, die allerdings alle etwas über die damaligen moralischen Standards erzählen. Bei der Schilderung der Fälle steht meist der Weg zur Tat im Mittelpunkt. Sie versucht zu beantworten, wie ein Mensch zum Mörder wird. Und warum ein anderer Mensch das Opfer ist. Insofern orientiert sie sich an dem Forschungsprogramm der Viktimologie. Die Ermittlungen der Polizei interessieren sie dagegen weniger.

Schade ist allerdings, dass ihre Schilderungen normalerweise beim Urteilsspruch aufhören und sich wie eine Zusammenfassung der, von ihr auch zitierten, Gerichtsakten und einschlägiger Zeitungsartikel lesen. Denn gerade weil zwischen den Taten und der Veröffentlichung von „Ein Mord genügt“ so viel Zeit vergangen ist, wäre es interessant zu wissen, was die damals Beteiligten heute denken. Wie sie die Ereignisse verarbeitet haben und wie sie heute leben.

Ebenfalls schade ist, dass Bohn ihre Auswahl der Fälle nicht genauer begründet. Ich vermute, dass sie die Mordfälle danach ausgewählt hat, wie sehr sie gerade aufgrund der damaligen moralische Standards, wie dem Verschweigen von Homosexualität, Gewalt in der Familie und Borniertheit, geschehen konnten. Hier hätte die Chance bestanden, die Fälle viel stärker zu einem Sittengemälde des Ruhrgebiets in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auszubauen. So bleiben sie nur eine Sammlung von neun, etwas willkürlich zusammengestellten Kriminalfällen, die ohne große Änderungen auch vor dreißig Jahren hätte erscheinen können.

Also: kein Pflichtkauf, aber auch keine Zeitverschwendung und ein okayer Auftakt einer neuen Reihe.

Nicolette Bohn: Ein Mord genügt – Neun wahre Kriminalfälle aus den 60er und 70er Jahren

Emons, 2009

192 Seiten

9,90 Euro


Inglourious Basterds: Seeßlen, Tarantino und die Nazis

August 23, 2009

Seesslen - Quentin Tarantino gegen die Nazis

Die Hunderttausend-Euro-Frage ist: Soll ich zuerst Quentin Tarantinos neuen Film „Inglourious Basterds“ ansehen oder Georg Seeßlens Buch über den Film lesen? Denn auf sechzig Seiten erzählt der Filmhistoriker und Kritiker die Handlung, ergänzt um die wenigen Szenen, die im Drehbuch standen, es aber nicht in die Kinoversion geschafft haben, haarklein nach. Da gibt’s dann im Kino keine Überraschung mehr. Aber dafür kann jedes Bild, jeder Ton, jeder Name, jeder Fetzen Dialog (und davon gibt es hier mehr als Tarantino-üblich) in die Filmgeschichte einsortiert werden. Denn erstens ist Quentin Tarantino ein Filmfanatiker, der ebenso schamlos wie gekonnt seine Vorbilder zitiert, und zweitens ist Georg Seeßlen mindestens ein genauso großer Filmfanatiker, der ebenso schamlos sein Wissen ausbreitet und jede Anspielung erklärt. Manchmal tut er dabei des Guten zuviel. Wenn Seeßlen ausführt, dass der Name des Ortes Nadine wahrscheinlich nicht von Christoph Martin Wielands Erzählung, sondern von Robert Bentons eher unbekanntem Film inspiriert sei, ist fraglich, ob Tarantino überhaupt an eines der Werke dachte oder nur einen eingängigen Namen gesucht hat. Bei der in Nadine spielenden Kneipenszene, in der deutsche Soldaten, einige Basterds und ein deutscher Filmstar ein Ratespiel spielen, kann Seeßlen richtig loslegen und ein gutes Dutzend Namensreferenzen erklären. Filmische Anspielungen, deren zahlreichen Umkehrungen und Variationen innerhalb des Films erklärt er sowieso auf den 170 engbedruckten Buchseiten.

Seeßlen ordnet Tarantinos Film auch in die Geschichte des während der Nazidiktatur spielenden Kriegsfilms ein. Dabei sei für „Inglourious Basterds“ vor allem die Variante des „Dirty War Movies“, wie „Das dreckige Dutzend“, und dessen italienische Spielart wichtig. Immerhin ist Tarantinos Film ein Remake von Enzo G. Castellaris „The Inglorious Bastards“ und Tarantino ist seit Jahrzehnten ein Fan von dem Werk. Bei Seeßlen sind die „Dirty War Movies“ vor allem durch eine unklare Grenze zwischen Gut und Böse und der damit verbundenen Abwesenheit von eindeutigen Vorbildern gekennzeichnet. Bei den italienischen Kriegsfilmen (vulgo Italo-Trash) kommt dann noch eine deutliche Verwandtschaft zum Italo-Western (eigentlich wurden die gleichen Drehbücher mal als Western, mal als Kriegsfilm verfilmt) hinzu. Der gemeinsame Nenner all dieser in einem moralischen Niemandsland spielenden Filme ist die zynische Weltsicht. Auch in „Inglourious Basterds“ sind alle Protagonisten, ohne zu zögern, bereit für ihre Ziele Gewalt anzuwenden und zu morden.

Vor allem das erste Kapitel (Tarantino hat „Inglourious Basterds“ wie üblich in einzelne Kapitel aufgeteilt) ist ohne die Breitwand-Italo-Western von Sergio Leone nicht denkbar. In ihm taucht der Judenjäger Hans Landa auf einem einsamen Bauernhof auf. Er glaubt, dass dort Juden versteckt sind. In einem langen, unglaublich spannenden Gespräch findet er heraus, wo sie versteckt sind und er lässt sie töten. Nur Shosanna kann entkommen.

In seinem deutlich von Leone inspiriertem Ensemblefilm erzählt Tarantino mehrere Geschichten, die in einem Kino in Paris explosiv zusammenstoßen. Das sind die Basterds. Eine von Lt. Aldo Raine geführte Gruppe Juden, die in Frankreich Nazis skalpieren. Das ist die Jüdin Shosanna Dreyfus, die in Paris untergetaucht ist, ein Kino betreibt und jetzt, auf Wunsch des in sie verliebten Kriegshelden Fredrick Zoller, in einer großen Premiere mit Nazi-Prominenz einen wichtigen Kriegsfilm zeigen soll. Und natürlich ist es die Geschichte des gnadenlosen Judenjägers Col. Hans Landa, der bei der Premiere die Sicherheit garantieren soll. Dazu kommt noch, quasi als Subplot die Geschichte des Filmstars Bridget von Hammersmark, die als Agentin für die Briten arbeitet.

Inglourious Basterds“, führt Seeßlen aus, „ist eine Rachephantasie, die sich um die historische Realität nicht kümmert, weil für Tarantino sowieso schon immer das Kino die bessere Wirklichkeit war. Diese Unverschämtheit, die Geschichte einfach zu ignorieren, hat bislang noch kein Film gehabt. Das Kino rächt sich nicht nur an jenen Personen, die, bevor sie selber sterben mussten, der Welt viel Unheil und Tod brachten. Das Kino rächt sich an der ungerechten Wirklichkeit selber.

Dass dies einer der wenigen Filme ist, die nicht gleichsam die Geschichte des deutschen Faschismus weitererzählen, die nicht auf den Nazi-Todeskitsch hereinfallen, die sich rüpelhaft und mühelos über die Schwere des Mythos hinwegsetzen, liegt nicht zuletzt an seiner Erzählweise. ‚Inglourious Basterds‘ ist keine Heldenreise und kein Erziehungsroman.“

Sein Buch „Quentin Tarantino gegen die Nazis“ funktioniert prächtig als schnell geschriebenes Kompendium zum Film und als Interpretationshilfe. Sicher hätte man einiges straffen und gerade das letzte Kapitel „Mr. Tarantinos Kriegserklärung“ stringenter auf einen Punkt hin formulieren können. Aber dafür liefert Seeßlen in der ersten, umfassenden Einschätzung und Einordnung von Tarantinos neuestem Film ein Übermaß an Informationen und inspirierenden Gedanken.

Wer also zuerst Tarantinos Film gesehen hat, wird nach der Lektüre von Seeßlens Buch wieder ins Kino gehen wollen. Allein schon, um die vielen in „Quentin Tarantino gegen die Nazis“ erwähnten Bezüge und Querverweise zu überprüfen.

Wenn möglich sollte spätestens dann die Originalfassung mit dem bunten (natürlich untertitelten) Sprachgemisch aus Deutsch, Englisch, Französisch und etwas Italienisch genossen werden. Denn nur dann kann der sehr unterhaltsame, episodische 150-minütige Mix aus Italo-Western und Nazi-Kriegsfilmen, garniert mit unzähligen filmischen Anspielungen, guten Mono- und Dialogen und einem grandiosen Ensemble, seine volle Wirkung entfalten.

Georg Seeßlen: Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über „Inglourious Basterds“

(Kleine Schriften zum Film: 1)

Bertz + Fischer, 2009

176 Seiten

9,90 Euro

Der Film

Inglourious Basterds (Inglourious Basterds, USA/D 2009)

Regie: Quentin Tarantino

(Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth)

Drehbuch: Quentin Tarantino

(deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)

mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)

Ein älterer Trailer mit der Rede von Lt. Aldo Raine (war glaube ich der erste Trailer)


Ein neuer Trailer, der viel vom Ende verrät (und einen anderen Film verspricht)


Und nun die Rede von Lt. Raine im Original

Oder so?

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Inglourious Basterds“

Collider: Interviews zum Film mit Christoph Waltz, Eli Roth, Samm Levine, B. J. Novak, Diane Kruger und Melanie Laurent

YouTube: Cannes-Pressekonferenz „Inglourious Basterds“ (Teil 1, Teil 2)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)


Dr. Siris zweites Abenteuer

August 20, 2009

Cotterill - Dr Siri sieht Gespenster

Mitte Juli erhielt Colin Cotterill den Dagger in the Library. „Dr. Siri und seine Toten“ war für den Barry und Dagger Award nominiert. „Dr. Siri sieht Gespenster“ erhielt den Dily Award. 2008 erschien Cotterills erster Dr.-Siri-Roman „Dr. Siri und seine Toten“ bei uns, wurde breit abgefeiert und war auch zweimal auf der KrimiWelt-Bestenliste.

Also muss Cotterill irgendetwas richtig machen. Allerdings ist sein zweiter auf Deutsch erschienener Roman „Dr. Siri sieht Gespenster“ absolut kein Buch für mich. Durch das erste Drittel habe ich mich gequält. Danach wurde es als humoristische Nummernrevue aus einem anderen Land und einer inzwischen doch sehr fernen Zeit, okay. Aber wirkliche genossen habe ich „Dr. Siri sieht Gespenster“ nicht.

Das lag nicht an dem Ort und der Zeit der Handlung: Laos in den späten Siebzigern, nachdem die Kommunisten den König verjagt haben, alles kontrollieren und vieles nicht funktioniert. Denn auch wenn ich kein großer Freund von historischen Kriminalromanen bin, sind die Siebziger noch nicht so lange Vergangenheit, um das Label „historischer Kriminalroman“ draufzukleben. Außerdem zeichnet Colin Cotterill in erster Linie ein pittoreskes Bild einer exotischen Gegend, in der weltliche Machthaber (egal ob Könige oder Kommunisten; die Kapitalisten waren da gerade nicht in Laos) nur im Einklang mit der übernatürlichen Welt leben können.

Das lag auch nicht an der Verbindung von realer und Geisterwelt. Ich bin zwar kein Fantasy-Fan, aber gegen eine gute Gruselgeschichte habe ich wenig einzuwenden. Gleiches gilt für die Geschichte von Charlie Huston, Jim Butcher oder Malcolm Pryce. Auch die in James Lee Burkes Romanen auftauchenden Geister kann ich akzeptieren.

Das lag auch nicht an Cotterills Desinteresse an dem Krimiplot. Immerhin gibt es neben der Kriminalliteratur auch eine andere Literatur. Dennoch werden Cotterills „Dr. Siri“-Romane in der Krimiabteilung einsortiert. Immerhin muss sich Cotterills Held mit einigen seltsamen Todesfällen herumschlagen.

Der 72-jährige Dr. Siri Paibouns ist nicht nur der einzige Gerichtsmediziner von Laos, sondern auch der menschliche Körper eines noch viel älteren Geistes. Seitdem Siri das weiß, hat er exzellente Beziehungen zur Geisterwelt, die in Laos immer wieder in die andere, die reale Welt eingreift. So ist auch anfangs unklar, ob der Tod von zwei Fahrradfahrern, die an einem Brunnen vor einem Ministerium gefunden wurden, von einem Menschen oder einer im Ministerium stehenden Truhe mit bösem Karma verursacht wurde. Dr. Siri glaubt an letzteres.

Gleichzeitig frisst sich ein aus seinem Käfig ausgebrochener Bär, dessen Bissspuren nicht nach denen eines Bären aussehen, durch die Straßen der Hauptstadt. Und in einer abgelegenen Provinz soll Dr. Siri die Herkunft von zwei abgeschossenen und verbrannten Hubschrauberpiloten klären. Dort trifft er den geschassten König und – eine der witzigsten Szenen des Buches – erlebt eine Parteiversammlung, die zu einer Geisterbeschwörung wird.

Die Morde werden am Ende mehr oder weniger nebenbei aufgeklärt. Im Zweifelsfall waren es irgendwie Taten der Geister gegen die Lebenden. Dabei werden Fragen nach der geschichtsinternen Logik und Wahrscheinlichkeit von Cotterill ziemlich umfassend ignoriert.

Es lag daher vielleicht an falschen Erwartungen. Denn es dauerte gut hundert Seiten bis ich akzeptierte, dass in „Dr. Siri sieht Gespenster“ nicht mit irgendwie herkömmlichen Ermittlungen gerechnet werden kann. Eher schon mit dem Vermeiden von Ermittlungen und einem betonten Desinteresse an auch nur halbwegs herkömmlichen Ermittlungen (verstanden als Handlungen die dazu geeignet sind, das Ziel [aka die Auflösung des Falles] zu erreichen).

Allerdings kann ich gut mit den Werken von Ken Bruen und James Sallis leben, die die Genrekonventionen bis zum Gehtnichtmehr (und teilweise darüber hinaus) dehnen. Denn deren Tonfall gefällt mir und sie porträtieren einen Charakter und eine Welt, die ich nachempfinden kann.

Bei „Dr. Siri sieht Gespenster“ ließen mich die Charaktere kalt und Laos wirkte auf mich wie ein tropisches Disneyland, in dem sich auch in einer Diktatur mit etwas Mutterwitz (irgendwie musste ich immer an alte Heinz-Rühmann- und Heinz-Erhardt-Filme denken) noch jedes Problem lösen lässt.

Es lag auch an der Sprache. Jedenfalls in der Übersetzung.

Colin Cotterill: Dr. Siri sieht Gespenster

(übersetzt von Thomas Mohr)

Manhattan, 2009

320 Seiten

17,95 Euro

Originaltitel

Thirty-Three Teeth

Soho Press, New York 2005

Dr. Siri Paibouns Fälle

Dr. Siri und seine Toten (The Coroner’s Lunch, 2004)

Dr. Siri sieht Gespenster (Thirty-Three Teeth, 2005)

Disco for the Departed (2006)

Anarchy and Old Dogs (2007)

Curse of the Pogo Stick (2008)

The Merry Misogynist (2009)

Hinweise

Homepage von Colin Cotterill

International Crime Authors Reality Check (Kollektiv-Blog von Colin Cotterill und anderen)


Der kriminelle Buchherbst – Teil 6: Hauptsächlich regional, aber mit südamerikanischem Einschlag

August 19, 2009

Edition Köln

September

Peter Faecke: Der Kardinal, ganz in Rot und frisch gebügelt (Kommissar Kleefisch muss sich mit den Morden an einer jungen Türkin und einer Marokkanerin herumschlagen. In Köln brodelt es mächtig zwischen den Kulturen.)

H. B. Lüttke: Ich liebe dich, Du tötest mich (Ein Lehrer verknallt sich in eine kurdische Schülerin. In einem Krimi kann das nur in Mord und Totschlag enden.)

Oktober

Adolf Streckfuß: Der tolle Hans (Criminalbibliothek 1850 – 1933 – Band IV, ein Krimi aus dem Jahr 1871 über einen Raubmord und die Beweisführung anhand von Indizien)

Ernst von Wildenbruch: Das wandernde Licht (Criminalbibliothek 1850 – 1933 – Band V, psychologisch fundierte Kriminalliteratur aus dem Jahr 1893 verspricht der Verlag)

November

Barolomé Leal: Tod in La Paz (Ein Antiquar und Privatdetektiv soll den Mord eines von Drogenhändlern Ermordeten aufklären.)

Dezember

Barbara Keller: „Sieht so eine Mörderin aus?“ (die BerlinKriminell-Macherin schreibt über ihre Begegnungen mit Frauen vor dem Kriminalgericht Berlin-Moabit. Es ist der Start der neuen Reihe „Wahre Kriminalgeschichten“.)

Bereits erhältlich

Die von Frank Göhre herausgegebene „Kriminelle Sittengeschichte Deutschlands“ (eine zehnbändige Geschichte des deutschen Krimis und des Landes von 1957 bis 1993) gibt’s jetzt im 10er-Pack für 48 Euro beim Verlag:

Egon Eis: Duell im Dunkel (1957)

Hansjörg Martin: Kein Schnaps für Tamara (1966)

Friedhelm Werremeier: Taxi nach Leipzig (1970)

-ky: Einer von uns beiden (1972)

Michael Molsner: Rote Messe (1973)

Irene Rodrian: Schlaf, Bübchen, schlaf (1980)

Helge Riedel: Einer muss tot (1983)

Peter Schmidt: Die Regeln der Gewalt (1984)

Peter Zeindler: Feuerprobe (1991)

Robert Brack: Psychofieber (1993)

Matthes & Seitz

August

Manfred Iwan Grunert: Amerikanskij Wolp (ein Kriegsreporter soll auf Wunsch der Russenmafia sterben, damit sein Doppelgänger weiterleben kann. Der Reporter versucht das zu verhindern – und der geneigte Leser darf sich durch gut 1000 Seiten kämpfen.)

Verbrecher Verlag

November

Tobias Ebbrecht: Bilder hinter den Worten – Spurensuche im Zwischenraum: Der Filmemacher Romuald Karmakar (eine Annäherung an den umstrittenen Regisseur.)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche (Fischer Verlag)


Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche

August 15, 2009

Fischer Verlag

12. August

Sigrid Neudecker: Wie war ich? – Der Mythos vom perfekten Sex (ein Ratgeber, der zu mehr Entspannung beim Geschlechtsverkehr rät. Also nix mehr mit stundenlangen Orgasmen, flotten Dreiern und Hochleistungssport im Bett. Endlich!)

Simon Schott: Der Barpianist – Kriegserinnerungen eines Überlebenskünstlers (Schott schrieb auch „Die Foldex-Krimis“)

Raffi Yessayan: Blutbad (Debüt: In Boston hinterlässt ein Serienkiller von seinen Opfern nur eine mit Blut gefüllte Badewanne. Zwei Polizisten jagen ihn.)

9. September

Helen Black: Schweigepflicht (Debüt: eine Pflichtverteidigerin hilft einer Vierzehnjährigen und stößt auf ein Geflecht aus Drogengeschäften, Kinderpornographie und Erpressung. – Tja, nun.)

13. Oktober

John Follain: Die letzten Paten – Aufstieg und Fall der Corleones (Sachbuch über den titelgebenden Mafia-Clan, geschrieben vom langjährigen Italienkorrespondent der „Sunday Times“ und des „Sunday Times Magazine“)

Robert Masello: Eiskaltes Blut (Als Journalist Michael Wilde über das Leben in einer Antarktis-Forschungsstation recherchiert, werden in einem Gletscher zwei vor 150 Jahren aneinander gekettete Leichen gefunden. Wilde will herausfinden, warum sie starben.)

11. November

Sabine Alt: Gegen das Licht (Auf einer Vernissage entdeckt die erfolgreiche Stefanie Plessen, dass es einen Zeugen für ein früheres Verbrechen gibt. Sie wird – denke ich mal – versuchen, den Zeugen zum Schweigen zu bringen.)

Felix Huby: Bienzle und das ewige Kind (ein neuer Bienzle, der sich verdächtig nach der Romanfassung seines Tatortes „Bienzle und der Tod in der Markhalle“ liest. Aber nach Hubys Biographie „Fast wie von selbst“ habe ich „Bienzle im Reich des Paten“, eine unterhaltsame Räuberpistole mit viel Berlin und Konstanz, gelesen. Ich bin also gespannt auf den neuen Bienzle-Roman. Bis dahin probier ich’s mit seinem neuen Heiland-Krimi „Null Chance“.)

8. Dezember

Yrsa Sigurdardóttir: Die eisblaue Spur (führt in ihrem vierten Fall die Anwältin Gudmundsdóttir auf ein entlegenes Forschungscamp und zu feindseligen Einheimischen.)

Carlene Thompson: Du wirst die Nächste sein (An einem einsamen See verschwindet Zoey. Jahre später will ihre Freundin Chyna Greer das Geheimnis ihres Verschwindens lösen und – Überraschung! – der Mörder wartet bereits auf sie.)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)


Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Regionen

August 13, 2009

oder einmal quer durch den Gemüsegarten, mal mit Mord, mal mit Terror, mal sogar ganz ohne Verbrechen

Edition Phantasia

August

Brian W. Aldiss: Terror (ist ein gesellschaftskritischer Science-Fiction-Roman. England wurde durch den Krieg gegen den Terror zum Polizeistaat. Der unschuldige Schriftsteller Autor Paul Fadhil Abbas Ali wird verdächtigt ein Terrorist zu sein. – Das neue Werk eines Altmeisters.)

Rex Miller: Im Blutrausch (ist der „Fettsack“-Autor auch in diesem Splatterkrimi. Jack Eichord jagt in dieser Erstausgabe einen Auftragskiller mit desolatem Privatleben.)

Liebeskind

August

Philip K. Dick: Unterwegs in einem kleinen Land (Deutsche Erstveröffentlichung eines posthum erschienen Werkes, das KEIN S-F-Roman, sondern eine Milieuschilderung der amerikanischen Mittelschicht zu Beginn der fünfziger Jahre ist.)

David Peace: Tokio im Jahr Null (Nach dem Red-Riding-Quartett jagt David Peace in Tokio einen Serienmörder.)

Rotbuch

August

Richard Aleas: Lieder der Unschuld (ein Hard-Case-Crime-Buch und der zweite Fall für den aus „Tod einer Stripperin“ bekannten Privatdetektiv John Blake)

Robert Bloch: Shooting Star (ein Hard-Case-Crime-Buch, mit diesem schönen Originalcovertext: „When Murder comes to Hollywood, only a one-eyed Private Eye can spot the Killer“)

Max Allan Collins: Der letzte Quarry (ein Hard-Case-Crime-Buch; der spannende letzte Auftrag für Collins‘ Auftragskiller)

Allan Guthrie: Hard Man (die weiteren Abenteuer des aus „Post Mortem“ bekannten Pearce. Jetzt soll er eine schwangere 16-jährige beschützen. Garantiert kein betulicher Häkelkrimi.)

Jörg Juretzka: Der Willy ist weg (aber dafür ist Juretzkas 2002 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnetes Werk wieder da.)

September

Jürgen Ebertkowski: Blutwäsche (der vierte Fall für Eugen Meunier ist sicher ein spannender Wirtschaftskrimi)

Christa Faust: Control Freak (deutsche Erstausgabe des Debüts der Autorin des von mir und vielen anderen geliebten „Hardcore Angel“)

Tropen

31. August

Jonas T. Bengtsson: Submarino (klingt nach einem gut abgehangenen Noir: zwei gescheiterte Existenzen, die nach dem Tod ihrer Mutter einen Neuanfang versuchen. In Dänemark ist’s ein Bestseller und „Das Fest“-Regisseur Thomas Vinterberg will’s verfilmen.)

Massimo Carlotto/Marco Videtta: Wo die Zitronen blühen („Carlotto und Videtta erzählen die bittere Wahrheit über unsere korrupte Gesellschaft“, sagt der Verlag. Mal sehen, ob’s stimmt.)

Mehmet Murat Sommer: Der Kuss-Mord (geschieht in Istanbul und eine Transe ermittelt im Milieu. – Könnte mir, weil’s so angenehm untouristisch klingt und der nächste Remzi-Ünal-Krimi von Celil Oker noch nicht angekündigt ist, gefallen.)

Unionsverlag

Wenig neues bei Metro, aber dafür die Gelegenheit, Lücken in der Sammlung zu schließen:

bereits erschienen

Chester Himes: Harlem-Romane (enthält „Die Geldmacher von Harlem“, „Heiße Nacht für kühle Killer“ und „Fenstersturz in Harlem“. – Sein 100. Geburtstag war am 29. Juli und niemand hat’s bemerkt.)

Petra Ivanov: Fremde Hände – Ein Fall für Flint und Cavalli (Taschenbuch-Ausgabe; die Erstausgabe erschien 2005 im Appenzeller Verlag)

Claudia Pineiro: Elena weiß Bescheid (ihr neues Buch – Besprechung demnächst)

Claudia Pineiro: Ganz die Deine (Taschenbuch-Ausgabe)

Nury Vittachi: Der Fengshui-Detektiv im Auftrag Ihrer Majestät (Die Briten benötigen die Hilfe von. C. F. Wong, der nach den ersten Toten seine Honorarforderungen beträchtlich erhöht.)

23. September

Hannelore Cayre: Der Lumpenadvokat (Taschenbuch-Ausgabe)

Frank Göhre: Mo – Der Lebensroman des Friedrich Glauser (Taschenbuch-Ausgabe eines ursprünglich bei Pendragon erschienenen Werkes)

Jean-Claude Izzo: Die Marseille-Trilogie (enthält „Total Cheops“, „Chourmo“ und „Solea“ – also, wenn sie die Bücher immer noch nicht gekauft haben, können sie jetzt zuschlagen)

Manfred Wieninger: Rostige Flügel (Taschenbuch-Ausgabe eines erstmals 2008 im Haymon Verlag erschienenen Krimis.)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)


Sherlock Holmes und der Fall der „Berliner Literaturkritik“

August 12, 2009

In der Berliner Literaturkritik ist mein, hm, Porträt von Sherlock Holmes erschienen. Der Anlass waren der Geburtstag von Sir Arthur Conan Doyle und das Erscheinen von drei Werken mit Sherlock-Holmes-Geschichten: das von David Ian Davies gelesene Hörbuch „The Adventures of Sherlock Holmes“, die Neuauflage der „Sherlock Holmes Geschichten“ (Diogenes) und die wahrscheinlich Erstauflage von „Sherlock Holmes Kriminalgeschichten“ (dtv). Das erste Buch ist ein reguläres, von Doyle zusammengestelltes Werk. Die letzten beiden sind neue Zusammenstellungen.

Doyle - The Adventures of Sherlock Holmes

The Adventures of Sherlock Holmes“ enthält:

A Scandal in Bohemia

The Red-headed League

A Case of Identity

The Boscombe Valley Mystery

The Five Orange Pips

The Man with the Twisted Lip

The Adventure of the Blue Carbuncle

The Adventure of the Speckled Band

The Adventure of the Enginieer’s Thumb

The Adventure of the Noble Bachelor

The Adventure of the Beryl Coronet

The Adventure of the Copper Beeches

Doyle - Sherlock Holmes Geschichten

Sherlock Holmes Geschichten“ (Diogenes) enthält:

Das gefleckte Band (The Adventure of the Speckled Band, aus The Adventures of Sherlock Holmes)

Der zweite Fleck (The Adventure of the Second Stain, aus The Return of Sherlock Holmes)

Der Mann mit der Narbe (The Man with the Twisted Lip, aus The Adventures of Sherlock Holmes)

Ein Skandal in Böhmen (A Scandal in Bohemia, aus The Adventures of Sherlock Holmes)

Der Bund der Rothaarigen (The Red-Headed League, aus The Adventures of Sherlock Holmes)

Der blaue Karfunkel (The Adventure of the Blue Carbuncle, aus The Adventure of Sherlock Holmes)

Der Teufelsfuß (The Adventure of the Devil’s Foot, aus His Last Bow)

Der Rote Kreis (The adventure of the Red Circle, aus His Last Bow)

Doyle - Sherlock Holmes Kriminalgeschichten

Sherlock Holmes Kriminalgeschichten“ (dtv) Zusammenstellung enthält:

Silberstern (Silver Blaze, aus The Memoirs of Sherlock Holmes)

Das Ritual der Musgrave (The Musgrave Ritual, aus The Memoirs of Sherlock Holmes)

Der Verein der Rothaarigen (The Red-Headed League, aus The Adventures of Sherlock Holmes)

Die Geschichte mit dem zweiten Fleck (The Adventure of the Second Stain, aus The Return of Sherlock Holmes)

Der griechische Dolmetscher (The greek Interpreter, aus The Memoirs of Sherlock Holmes)

Die Geschichte mit dem gesprengelten Bande (The Adventure of the Speckled Band, aus The Adventures of Sherlock Holmes)

Die Geschichte mit der Pappschachtel (The Adventure of the Cardboard Box, aus His Last Bow)


Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag

August 11, 2009

Edition Nautilus

26. August

Andrea Maria Schenkel: Tannöd (in einer Geschenkausgabe mit einem Titelbild von Tomi Ungerer. Die Verfilmung soll am 19. November starten.)

Jan Costin Wagner: Sandmann träumt (ein Kaliber.64-Buch über einen Lehrer, der sich in eine Schülerin verliebt)

Grafit

bereits erschienen

Hagemann & Stitz: Jung stirbt, wen die Götter lieben (historischer Krimi aus der Zeit, als die Römer in Germanien das Sagen hatten)

Andreas Hoppert: Der Thule-Code (Marc Hagen ist zurück)

August

Frank Bresching: Der Teufel von Grimaud (hat eine 14-jährige ermordet. Kommissar Balleroy sucht den Mörder und findet auch eine jahrzehntelang gehütete Geheimnisse.)

Ella Theis: Die Spucke des Teufels (historischer Krimi aus der Zeit, als Friedrich II. die Kartoffel entdeckte)

September

Leo P. Ard/Reinhard Junge: Mordsschnellweg (Kurzgeschichten)

Thomas Hoeps/Jac. Toes: Das Lügenarchiv (Haben Dritte-Welt-Aktivisten irrtümlich einen Kunstrestaurator umgebracht. – Die erste Zusammenarbeit von Hoeps und Toes wurde für den Gouden Stroup nominiert.)

Harri Nykänen: Ariel – Mord vor Jom Kippur (in Helsinki. Zum Glück ermittelt der jüdische Kommissar Ariel Kafka.)

Oktober

Ralph Gerstenberg: Feuer im Aquarium (Hat Al Qaida in Berlin einen Anschlag verübt? Und was hat der Arbeitslose Henry Palmer damit zu tun? Die Lösung gibt’s nach 280 Seiten.)

Michael Herzig: Die Stunde der Töchter (oder: eine Polizistin sitzt bei der Suche nach einem entführtem Raubgutkunsthändler zwischen allen Stühlen.)

Jan Zweyer: Goldfasan (historischer Krimis aus der Zeit, als die Nazis im Ruhrpott wüteten)

Pendragon

So langsam wird der Pendragon-Verlag zur Auffangstation für renommierte deutsche Krimiautoren aus den Siebzigern und Achtzigern, die in den vergangenen Jahren ganz weit abseits des Rampenlichtes standen und in den Wühlkisten überlebten. Ich sage nur Frank Göhre, Wolfgang Schweiger, Friedhelm Werremeier. Und die Renaissance der alten Helden geht weiter.

Bereits erschienen

Roger Strub: Waches Auge (ist anscheinend eine weitere Variation zum Thema „Selbstjustiz“, in dem eine Kommissarin den Mörder jagt.)

Klaus-Peter Wolf: Samstags, wenn Krieg ist (Neuauflage eines Krimis über rechtsradikale Jugendliche in der Provinz. Vor gut fünfzehn Jahren gefiel mir das Buch ganz gut.)

12. August

Günthr Butkus (Hrsg.): Mord-Westfalen II – Kriminelle Geschichten aus Westfalen (erzählt von -ky, Max von der Grün, Frank Göhre, Willi Voss, u. a.)

Sabine Ernst: Der Krieger (Kommissarin Hanna Brandt sucht in Herford einen Dreifachmörder. Die Spur führt in die Vergangenheit.)

Wolfgang Schweiger: Kein Ort für eine Leiche – Chiemgau-Krimi (Die Kommissare Gruber und Bischoff suchen den Mörder eines 59-jährigen.)

Franz Zeller: Herzlos (Debüt: In Salzburg wird munter gestorben und der ‚liebeswunde‘ Chefinspektor Franco Moll ermittelt ‚in alle Richtungen‘. – Hm.)

16. September

Sandra Lüpkes: In Hermanns Schatten – Kriminelle Geschichten aus Nordrhein-Westfalen

Robert B. Parker: Hundert Dollar Baby (Hundred-Dollar Baby, 2006 – Tja, ein neuer Spenser, in dem auch April Kyle dabei ist.)

Willi Voss: Pforte des Todes (klingt nach einem 08/15-Mystery-Thriller um eine Sekte, die weiß, wie man aus dem Jenseits zurückkehren kann. – Weil Willi Voss ein Guter ist, ist „Pforte des Todes“ sicher kein 08/15-Mystery-Thriller)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)


Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz

August 9, 2009

Nach Hollywood (schöne Bilder, aber auch zu viel Bildung) geht’s zurück in heimische Gefilde und ziemlich oft in die Vergangenheit. Werfen wir einen Blick auf die Speisekarte von zwei sehr in den Regionen verwurzelten Gasthäusern:

Emons

Im Frühling begann Emons mit einer Reihe „True Crime“ und im Herbst beginnt der Kölner Verlag mit einer „Tatort“-Reihe. Es sind klassische Romane zum Film und ich bin schon ziemlich gespannt auf das Ergebnis.

Natürlich gibt’s auch eine Ladung Regionalkrimis.

August

Udo Bürger: Bleche Botz und Klingelpütz – Kölner Kriminalfälle von 1815 – 1918

Volker Mauersberger: Kalte Wut – Der Fall Ellen Rinsche (Rekonstruktion eines wahren Mordfalls aus dem Nachkriegsdeutschland)

Renate Naber/Cornelia Ehses: Zeit der Strafe (Köln-Krimi mit einer Pfarrerin als Mörderjägerin.)

September

Rudolf Jagusch: Nebelspur (Ein Kommissar will herausfinden, warum seine Schwester vor vielen Jahren verschwunden ist.)

Dietmar Lykk: Totenuhr (ein Flensburg-Krimi)

Edgar Noske: Letzte Ausfahrt Eifel (Ähem, ein Eifel-Krimi mit Kommissar Roger Lemberg. Dieses Mal sucht er einen Polizistenmörder.)

Hannes Nygaard: Der Inselkönig (ein weiterer Hinterm-Deich-Krimi des sehr produktiven Nygaard)

Silke Urbanksi: Störtebekers Henker (ein Krimi aus dem Mittelalter)

Tatort

Martin Conrath: Aus der Traum (nach dem Tatort-Krimi von Fred und Léonie Breinersdorfer, mit Frank Kappl und Stefan Deininger)

Günther Jurczyk: Strahlende Zukunft (nach dem Tatort-Krimi von Christian Jeltsch, mit Inga Lürsen und Nils Stedefreund)

Martin Schüller: Die Blume des Bösen (nach dem Tatort-Krimi von Thomas Stiller, mit Max Ballauf und Freddy Schenk)

Martin Schüller: A gmahde Wiesn (nach dem Tatort-Krimi von Friedrich Ani, mit Franz Leitmayr und Ivo Batic)

Oliver Wachlin: Blinder Glaube (nach dem Tatort-Krimi von Andreas Pflüger, mit Till Ritter und Felix Stark)

Oliver Wachlin: Todesstrafe (nach dem Tatort-Krimi von Mario Giordano und Andreas Schlüter, mit Eva Saalfeld und Andreas Keppler)

Oktober

Sybille Baecker: Körperstrafen (auch die Schwaben morden)

Luc Bahl: Der Jakobs-Tarot (Was haben heutige Morde auf dem Jakobsweg mit Albrecht Dürer zu tun? Die Kommissare Pier und Kaiser wollen es wissen.)

Ralf Dorweiler: Badische Blutsbrüder (oder: was die Schwaben können, können die Badenser schon lange)

Edgar Franzmann: Millionenallee (Köln-Krimi über verbrecherische Umtriebe in einem Parfüm-Konzern und hilfsbereite Bettler)

Peter Freudenberger: Stiller und die Finsternis (in Aschaffenburg. Denn dort wurde während eines Ritterspiels ein bizarrer Mord verübt. Journalist Stiller recherchiert.)

Brigitte Glaser: Bienenstich (Spitzenköchin Katharina muss wieder Mörder jagen.)

Georg Gracher: Hanbalz (ein Energie-Lobbyist wird in den Alpen erschossen. Gendarmerie-Major Oskar Jacobi ermittelt.)

Hannsdieter Loy: Rosenmörder (ist der abschließende Band der in Oberbayern spielenden Rosen-Trilogie)

Manfred Megerle: Seeteufel (Am Bodensee sterben Obdachlose und alte Frauen wie die Fliegen. Kommissar Wolf ermittelt.)

Jutta Mehler: Saure Milch (In Fannis Garten wird eine Leiche entdeckt und bevor die Polizei den Falschen verhaftet, beginnt sie den Täter zu suchen.)

Antonia Pauly: Tod auf dem Mühlenschiff (ein Krimi aus dem Mittelalter)

Oliver Pautsch: Seelentöter (geht im Rheinland um: er tötet Frauen, die wie Kommissarin Broder aussehen.)

Marcus Raffelsberger: Menschenteufel (ein Wien-Krimi)

Britt Reißmann: Zimmer ohne Aussicht (ein Stuttgart-Krimi mit einem ermordeten Zugbegleiter, einem 23 Jahre zurückliegendem Bankraub und zwei Ermittlern, die auch ihre Beziehung zueinander klären müssen)

November

Thomas Roth: „Verbrechensbekämpfung“ und soziale Ausgrenzung im nationalsozialistischen Köln (Schriften des NS-Dokumentationszentrums 15, erhielt 2007 den Köln-Preis und ist mit 900 Seiten wahrlich keine leichte Lektüre)

Frank Schmitter: Die Stille nach dem letzten Satz (Niederrhein-Krimi: Hat die Mullmafia eine Journalistin umgebracht? Oder waren’s neidische Kollegen?)

Gmeiner

Der Krimiverlag aus dem Süden der Republik haut, wie immer, seine gesamtes Halbjahresprogramm an einem Tag heraus. Deshalb müssten alle Titel in der gutsortierten Buchhandlung ihres Vertrauens gegen einen geringen Obulus erhältlich sein.

Die historischen Krimis

Herbert Beckmann: Die indiskreten Briefe des Giacomo Casanova (historischer Krimi aus dem alten Preußen)

Dagmar Fohl: Das Mädchen und sein Henker (spielt im Hamburg des 18. Jahrhunderts)

Uwe Klausner: Pilger des Zorns (fallen 1416 in Mainfranken ein und Bruder Hilpert muss wieder für Gerechtigkeit sorgen)

Sabine Klewe: Die schwarzseidene Dame (läuft 1819 durch Düsseldorf)

Norbert Klugmann: Die Adler von Lübeck (ist ein neuer, in Lübeck 1602 spielender Fall, für die Hebamme Trine Deichmann)

Gerhard Loibelsberger: Die Naschmarkt-Morde (im Wien der Jahrhundertwende)

Die zeitgenössischen Krimis

Beate Baum: Ruchlos (In Dresden stirbt ein rechthaberischer Rentner. Journalistin Kirsten Bertram glaubt nicht an einen natürlichen Tod und beginnt zu recherchieren.)

Burger/Imbsweiler/Schöbel (Hrsg.): Tödliche Wasser (ist die offizielle Anthologie der „Krimitage Heidelberg“ mit Geschichten von -ky, Marcus Imbsweiler, Carlo Schäfer und Friederike Schmöe.)

Anni Bürkl: Schwarztee (Während einer Lesung in ihrem Teesalon nibbelt ein Besucher ab. Die Salon-Besitzerin sucht den Mörder.)

Norbert Horst Bosetzky (-ky): Unterm Kirschbaum (Ein Theodor-Fontane-Krimi mit Kommissar Mannhardt. – [Sorry, -ky. Wird nie wieder vorkommen.])

Anke Clausen: Dinnerparty (aka Fressen bis zum Tod. Denn bei dieser Promi-Kochshow stirbt die Gastgeberin und alle Promi-Köche haben einen guten Grund, der Gastgeberin etwas Gift in das Essen zu mischen.)

Pierre Emme: Pasta Mortale (müsste der letzte Roman des 2008 verstorbenen Autors sein)

Bernd Franzinger: Leidenstour (Kommissar Tannenberg muss herausfinden, wer den Mechaniker eines Trainingslagers für die Tour de France ermordete.)

Matthias P. Gibert: Eiszeit (In Kassel wird der Besitzer einer Eisdiele ermordet. Kommissar Lenz hält einen Investor, der ein wasserdichtes Alibi und gute Beziehungen hat, für den Mörder.)

Christian Gude: Homunculus (Kommissar Rünz muss sich in Darmstadt mit humanoiden Robotern und deren Erschaffern herumschlagen.)

Sigrid Hunold-Reime: Schattenmorellen (Eine alte Frau erinnert sich an einen Jahrzehnte zurückliegenden Mordfall. Aber auch die Gegenwart ist mörderisch. – Wird als „Frauenroman“ beworben und ist daher nichts für mich.)

Marcus Imbsweiler: Altstadtfest (Dort läuft jemand Amok. Es gibt Tote. Die Polizei, Geheimdienste und Privatdetektiv Max Koller ermitteln. – Einmal dürfen Sie raten, wer den Täter überführt.)

Paul Lascaux: Feuerwasser (ist der dritte Fall für die Berner Detektei Heinrich Müller und Nicole Himmel)

Kurt Lehmkuhl: Nürburghölle (Wurde ein Anschlag auf zwei Rennfahrer während des 24-Stunden-Rennens verübt? Der pensionierte Kommissar Böhnke ermittelt.)

Bernd Leix: Fächertraum (Dieses Mal scheint Kommissar Oskar Lindt eine ausgewachsene Herbstdepression zu pflegen. Zigarettenschmuggel und seltsame Tatorte lenken da kaum ab.)

Isabel Morf: Schrottreif (Debüt: In einem Fahrradladen liegt eine Leiche. Die Züricher Polizei und die Ladenbesitzerin ermitteln.)

Reinhard Pelte: Inselkoller (ist der Debüt-Tipp des Verlages: Kommissar Tomas Jung will herausfinden, wer eine Sylter Immobilienmaklerin ermordete.)

Harald Schneider: Erfindergeist (Wenn ein Kommissar Urlaub macht, ist die nächste Leiche nicht weit weg. Aktuelles Erholungsziel ist der Holiday Park Haßlich.)

Friederike Schmöe: Fliehganzleis (ist ein Krimi zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Aber schnell geht es noch weiter in die Vergangenheit.)

Erich Schütz: Judengold (Ein Journalist stößt bei Recherchen auf einen lange zurückliegenden Goldschmuggel.)

Willibald Spatz: Alpendöner (In Kempten wird eine alte Frau erstochen. Ein Dönerbudenbesitzer ist verdächtig und Jungjournalist Birne beginnt zu recherchieren. – Schöner Titel.)

Franziska Steinhauer: Wortlos (In Cottbus wird eine Studentin aus Haiti ermordet. Kommissar Nachtigall ermittelt.)

Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)


Will Holden Carver immer noch aussteigen?

August 7, 2009

Brubaker - Sleeper 3 - Die Gretchenfrage

Die von Autor Ed Brubaker und Zeichner Sean Phillips erfundene Saga von Holden Carver, eines guten Menschen, der Böses tun muss, geht mit dem dritten „Sleeper“-Band „Die Gretchenfrage“ furios weiter. Carver ist ein für International Operations in ein weltumspannendes Verbrecherimperium eingeschleuster Undercover-Agent. Am Ende des zweiten „Sleeper“-Bandes wurde er von Tao, dem Chef des Verbrecherimperiums, enttarnt. Aber Tao hat ihn nicht getötet. Denn der genial-skrupellose Tao ist sich sicher, dass Carver inzwischen zu einem von ihnen geworden ist. Außerdem hat Carver keine Verbindungen mehr zu seinem früheren Arbeitgeber. Denn sein Führungsoffizier John Lynch (der einzige Mann, der bei I. O. von dieser Operation weiß) liegt im Koma liegt.

Also fügt Carver sich resigniert seinem Schicksal.

Aber jetzt ist Lynch aus dem Koma erwacht und er versucht, letztendlich erfolgreich, Carver zu kontaktieren. Tao schickt Carver zu dem Treffen nach Kairo. Aber Carver hat Tao nicht alles gesagt. Er will in Kairo noch etwas anderes erledigen. Als Carver am vereinbarten Treffpunkt ist, wird auf ihn geschossen. Er flüchtet.

Carver, der abgesehen von seinem nicht existierendem Schmerzempfinden, ein gewöhnlicher Mensch ist, ist für Lynch und Tao nur ein Spielball. Sie stoßen ihn herum und sagen ihm immer nur den Teil der Wahrheit, der ihnen gerade in ihre Pläne passt. Carver weiß nicht, wem er vertrauen kann. Er weiß auch nicht mehr, auf welcher Seite er steht. Denn er hat bei den Verbrechern neue Freunde gefunden, die von seinen alten Freunden ermordet wurden. Diese halten ihn für einen Verräter. Sie jagen ihn. Sie foltern ihn. Sie wollen ihn töten. Und vor allem fragt Carver sich inzwischen, wer die Bösen sind.

Als er in Kairo seine frühere Freundin Veronica trifft, versucht sie ihn zur Rückkehr zu bewegen und sagt: „Er ist ein Terrorist, Holden. Er hat Regierungen rund um den Globus destabilisiert. Er hat Unschuldige getötet und Gott weiß was noch getan, von dem wir nichts wissen.“

Er antwortet: „Was habe ich denn deiner Meinung für I. O. getan? Regierungen destabilisiert, Unschuldige getötet und jede Menge Sachen, über die du wirklich nichts wissen möchtest. (…) Für Typen wie Lynch und Tao ist die ganze Welt nur ein Spielplatz.“

In solchen Momenten wird „Sleeper“ auch zu einem illusionslosem und pathosfreiem Spiegelbild der US-amerikanischen Politik und, immerhin erschienen die im dritten „Sleeper“-Band versammelten Einzelhefte 2004 und 2005, zu einer Metapher für den Kampf des Westens gegen den islamistischen Terrorismus. Dann ist „Sleeper“ gar nicht so weit weg von den erfolgreichen TV-Serien „24“ und „Battlestar Galactica“.

Und wenn Carver in „Die Gretchenfrage“ erzählt, wie Taos Männer nach 9/11 reisen, dann ist das eine lakonische Absage an den staatlichen Sicherheitswahn.

Am Ende von „Die Gretchenfrage“ liegen für Carver und seine Freundin Gretchen die Karten auf dem Tisch. Wie es Carver gelingt, sein altes Leben wieder zurückzugewinnen (falls er das überhaupt noch will), wird im vierten und abschließenden „Sleeper“-Band „Das lange Erwachen“ erzählt. Er ist für Dezember angekündigt.

Bis dahin ist also noch genug Zeit, die vorherigen „Sleeper“-Bände zu lesen.

Ed Brubaker/Sean Phillips: Sleeper 3 – Die Gretchenfrage

(übersetzt von Maria Morlock)

Cross Cult, 2009

152 Seiten

19,80 Euro

Originalausgabe

Sleeper 3: A crooked line

Wildstorm/DC Comics 2005

enthält

Sleeper: Season 2, 1 – 6

DC Comis, 2004/2005

Hinweise

Homepage von Ed Brubaker

Blog von Sean Phillips

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips” “Criminal 1 – Feigling” (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Criminal 2 – Blutsbande” (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips‘ „Criminal 3 – Grabgesang“ (Criminal 3: The Dead and the Dying, 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons “Point Blank” (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz” (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu” (Sleeper: All false moves, 2004)


Meine Besprechung von Martin Leidenfrosts „Die Tote im Fluss“ ist online

August 7, 2009

Leidenfrost - Die Tote im Fluss

In der Berliner Literaturkritik ist meine Besprechung von Martin Leidenfrosts „Die Tote im Fluss – Der ungeklärte Fall Denisa S.“ (Residenz Verlag, 2009) erschienen. In dem Sachbuch schreibt Leidenfrost über den rätselhaften Tod einer slowakischen 24-Stunden-Pflegerin in Österreich.