Als ob die normalen Teenager-Ängste nicht schon genug wären. Der 17-jährige Paul Roberts wird auch noch von Alpträumen über eine nahende Apokalypse heimgesucht und er kann die Geister von toten Menschen sehen. Zum Glück erzählt ihm Neil Valentine, dass er nicht verrückt ist, sondern über eine besondere Gabe verfügt und dass er sie im Dienste der „Angelics“, einer Art Orden, die gegen bestimmte Umtriebe der Geister kämpft, Nutzen müsse. Oh, und dass er, Paul, der Auserwählte sei und sie jetzt gegen die Geister kämpfen müssten, die Menschenfleisch essen und so wieder, gesegnet mit einem immensen Appetit, auf die Erde zurückkehren würden.
Selbstverständlich hält sich die Begeisterung von Paul für diese neue Aufgabe in überschaubaren Grenzen. Er hängt dann doch lieber mit seinem einzigen Freund Michael ‚Mac‘ Armstrong ab und führt mit ihm echte Nerd-Gespräche, lässt sich von seiner Schwester in aller Öffentlichkeit gnadenlos beleidigen und schmachtet Jay an, die ihr Herz für den verklemmten Paul entdeckt.
Gut, das klingt jetzt wahrscheinlich nach einer weiteren 08/15-Schulkomödie, aber „The Fades“ ist dann doch etwas ganz anderes. Es ist die geglückte Verbindung von Schuldrama, Horrorfilm (zwischen Geisterfilm- und Zombie-Horror, mit einem Schuss Weltuntergang) und Superheldenepos, garniert mit wohldosiertem Humor, im Rahmen einer sechsteiligen TV-Serie, die von der BBC produziert wurde und daher auch den Intellekt des Zuschauers auf unterhaltsame Art befriedigt.
Dass die Geschichte auf sympathische Weise in der Wirklichkeit geerdet ist und die Charaktere glaubwürdig sind, muss wohl nicht extra erwähnt werden.
Es gibt nur einen Wermutstropfen, der eigentlich ein ganzes Fass ist: nach dem furiosen Showdown in der sechsten Episode kündigt sich am Horizont neues Unheil an. Paul hat zwar John (aka der Geist Polus), der zufällig einen Weg entdeckte, wie die Fades wieder zu Menschen werden können und der sich für erlittenes Unrecht rächen will, besiegt, aber er hat damit anscheinend etwas viel schlimmeres ausgelöst und wir werden nie erfahren, was Autor Jack Thorne sich für die zweite Staffel ausdachte, weil, trotz guter Quote und Preisen, wie dem BAFTA als beste dramatische Serie, die BBC keine zweite Staffel bestellte. „The Fades“ war dann, im Rahmen des allgemeinen Spardiktats, doch zu teuer und hatte ein zu altes Publikum. Das anvisierte Zielpublikum bei BBC 3, wo „The Fades“ lief, liegt zwischen 16 und 34 Jahren.
The Fades (The Fades, GB 2011)
Regie: Farren Blackburn, Tom Shankland
Drehbuch: Jack Thorne
mit Ian De Caestecker, Daniel Kaluuya, Johnny Harris, Natalie Dormer, Lily Loveless, Tom Ellis, Daniela Nardini, Sophie Wu, Joe Dempsey
–
DVD
Edel
Bild: 16:9 (PAL)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial (57 Minuten): Extra Szenen, Unveröffentlichte Szenen, Interview mit Mac, Hinter den Kulissen, Outtakes
Über „Inspector Barnaby“ muss ich wohl nichts sagen.
Doch!
Gut, also „Inspector Barnaby“ ist eine englische Krimiserie, die auf den Romanen von Caroline Graham basiert. Also nur die ersten spielfilmlangen TV-Filme basieren auf Büchern von Graham. Danach wurden, weil die ersten Folgen sehr erfolgreich liefen, neue Fälle erfunden.
In dem am 23. März 1997 ausgestrahlten, spielfilmlangen TV-Krimi „Tod in Badger’s Drift“ (The Killing at Badger’s Drift), der auf Grahams gleichnamigem Roman basiert, ermittelte Inspector Tom Barnaby (John Nettles) erstmals in der malerischen, typisch britischen Grafschaft Midsomer und weil der TV-Film so erfolgreich war, wurde aus dem Einzelfilm eine Serie. Seinen letzten Fall löste er am 23. Januar 2011. „Fit for Murder“ war sein 81. Fall. Danach übernahm ein Verwandter von Tom Barnaby den Stab der Ermittlungen.
In den Jahren änderte sich aber wenig in der Welt von „Midsomer Murders“, wie die Serie ursprünglich in England hieß (inzwischen wurde auch dort der Titel dem internationalen Titel angeglichen und die Serie heißt jetzt „Barnaby“): alles spielt in einer lauschigen, typisch englischen Grafschaft; es gibt viele sehr skurrile Bewohner; Feindschaften werden liebevoll über Generationen gepflegt; Ausländer, Neger, Drogen (also Heroin und so Zeug) und sexuelle Ausschweifungen (hm, Homosexualität dito) gibt es nicht. Eigentlich ist alles, abgesehen von den Fahrzeugen und den Telefonen, ungefähr wie zu Zeiten von Miss Marple und Hercule Poirot. Halt sehr cozy.
Es gibt meistens mehrere Morde. Oft mit ziemlich ungewöhnlichen Mordinstrumenten und Methoden. Und der Tonfall ist immer mild amüsiert. Vor allem Tom Barnaby scheint die Arbeit nicht sonderlich zu belasten. Naja, einer muss den Job halt erledigen und wenn man noch etwas Spaß dabei haben kann, ist es in Ordnung.
In Deutschland wurden die spielfilmlangen Filme vom ZDF erst mit einer großen Verzögerung und ohne Rücksicht auf die ursprünglichen Reihenfolge ausgestrahlt. Das geht, weil die Fälle nichts miteinander zu tun haben und auch das Privatleben von Inspector Tom Barnaby angenehm ereignislos, also normal, verläuft. Er ist mit Joyce glücklich verheiratet und ihre Tochter wird erwachsen, studiert und beginnt zu arbeiten. An ihr und den von den Polizisten verwandten Computern und Handys zeichnet sich etwas Wandel ab.
Dank der chaotischen ZDF-Ausstrahlungspolitik sind auch auf den von Edel veröffentlichten DVD-Boxen, in denen immer vier Fälle sind, kunterbunt gemischt.
Die jetzt erschienene erste „Collector’s Box“ enthält die ersten fünf „Inspector Barnaby“-DVD-Boxen. Soweit ich es überblicke, änderte sich auch an der Ausstattung der ursprünglichen DVD-Boxen nichs. Es gibt nur ein vierseitiges Booklet bei „Volume 3“. Enthalten sind:
Tod in Badger’s Drift (The Killing at Badger’s Drift, GB 1997, Staffel 1, Episode 1)
Regie: Jeremy Silberston
Drehbuch: Anthony Horowitz
LV: Caroline Graham: The Killing at Badger’s Drift, 1987 (Das Rätsel von Badger’s Drift)
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Blutige Anfänger (Written in Blood, GB 1998,Staffel 1, Episode 2)
Regie: Jeremy Silberston
Drehbuch: Anthony Horowitz
LV: Caroline Graham: Written in Blood, 1994 (Blutige Anfänger)
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Requiem für einen Mörder (Death of a Hollow Man, GB 1998, Staffel 1, Episode 3)
Regie: Jeremy Silberston
Drehbuch: Caroline Graham
LV: Caroline Graham: Death of a Hollow Man, 1989 (Requiem für einen Mörder)
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Ein böses Ende (Death in Disguise, GB 1998, Staffel 1, Episode 5)
Regie: Baz Taylor
Drehbuch: Douglas Watkinson
LV: Caroline Graham: Death in Disguise, 1992 (Ein böses Ende)
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Der Schatten des Todes (Death’s Shadow, GB 1999, Staffel 2, Episode 1)
Regie: Jeremy Silberston
Drehbuch: Anthony Horowitz
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Der Würger von Raven’s Wood (Strangler’s Wood, GB 1999, Staffel 2, Episode 2)
Regie: Jeremy Silberston
Drehbuch: Anthony Horowitz
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Sport ist Mord (Dead Man’s Eleven, GB 1999, Staffel 2, Episode 3)
Regie: Jeremy Silberston
Drehbuch: Anthony Horowitz
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Der Mistgabel-Mörder (Judgement Day, GB 2000, Staffel 3, Episode 3)
Regie: Jeremy Silberston
Drehbuch: Anthony Horowitz
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Der Fluch von Aspern Tallow (Beyond the Grave, GB 2000, Staffel 3, Episode 4)
Regie: Moira Armstrong
Drehbuch: Douglas Watkinson
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Der Garten des Todes (Garden of Death, GB 2000, Staffel 4, Episode 1)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: Christopher Russell
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Ein Männlein stirbt im Walde (Destroying Angel, GB 2001, Staffel 4, Episode 2)
Regie: David Tucker
Drehbuch: David Hoskins
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Der Tote im Kornkreis (The Electric Vendetta, GB 2001, Staffel 4, Episode 3)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: Terry Hodgkinson
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Die Hexe von Setwale Wood (A Worm in the Bud, GB 2002, Staffel 5, Episode 2)
Regie: David Tucker
Drehbuch: Michael Russell
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Glockenschlag zum Mord (Ring out your Dead, GB 2002, Staffel 5, Episode 3)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: Christopher Russell
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Mord am St. Malley’s Day (Murder on St. Malley’s Day, GB 2002, Staffel 5, Episode 4)
Die DVDs sind in schicken Papp-Digipacks, die mir als altem LP-Fan natürlich gefallen, untergebracht. Außerdem ist die „Collector’s Box“ enorm platzsparend.
Ach ja, als groß angekündigten Bonus gibt es eine DVD, die jeweils die erste Folge von „East West 101“ und „The Fades“ enthält.
P. S.: Die Fans von Anthony Horowitz, dem Autor des genialen Sherlock-Holmes-Romans „Das Geheimnis des weißen Bandes“ und der erfolgreichen Alex-Rider-Agententhrillerserie für Jugendliche dürfen sich freuen: In der Box sind die sechs „Inspector Barnaby“-Filme, die auf seinen Drehbüchern basieren, enthalten.
mit John Nettles (DCI Tom Barnaby), , Daniel Casey (Sergeant Gavin Troy, 1997 – 2003), John Hopkins (Sergeant Dan Scott, 2004 – 2005), Jane Wymark (Joyce Barnaby), Barry Jackson (Dr Bullard), Laura Howard (Cully Barnaby)
Carl Hamilton ist der von Jan Guillou erfundene schwedische Geheimagent, der in mehreren Bestsellern seinem tödlichen Handwerk nachging.
Carl Hamilton ist auch der Held mehrerer Verfilmungen, vor allem aus den Neunzigern, die nicht alle in Deutschland gezeigt wurden. Die, die ich bislang sehen konnte, sind eher zwiespältige Angelegenheiten. Hamilton wurde gespielt von Stefan Sauk, Stellan Skarsgård, Peter Haber und Peter Stormare. Eine durchaus beeindruckende Liste.
Jetzt, nach einer über zehnjährigen Pause, gibt es mit Mikael Persbrandt eine neue Jan-Guillou-Verfilmung und „Agent Hamilton – Im Interesse der Nation“ überzeugt als taffer Agententhriller irgendwo zwischen James Bond, Jason Bourne und Jack Bauer. Aber mit einer eigenen, sehr düsteren Note. Denn Carl Hamilton bringt im Affekt seine Freundin um – und seine Vorgesetzten decken ihren wertvollen Mitarbeiter.
Obwohl Hamilton von Schuldgefühlen geplagt ist, geht er seiner Arbeit nach. Bei einem schief gegangenen Einsatz gegen Waffenschmuggler in Afghanistan, musste er mit ansehen, wie Sky-Shadow-Raketen der schwedischen Firma Nordfors Industries spurlos verschwanden. Eine Spur führt nach Somalia. Dort soll Hamilton, als Beobachter eines Einsatzes der weltweit tätigen Söldnerfirma Sectragon, einen schwedischen Nordfors-Beschäftigten, der sich mit den Raketen auskennt, aus einem Gefängnis befreien und sicher nach Schweden bringen. Schon während der Befreiung beginnt Hamilton die Puzzleteile zusammenzufügen: er hatte die Söldner bei dem Diebstahl der Raketen beobachtet und jetzt sollen die Raketen in Konfliktherden eingesetzt werden. Dabei versucht Sectragon von den Konflikten, die sie mit schüren, zu profitieren.
Hamilton versucht das zu verhindern – und auch Schaden von Schweden abzuwenden.
In Schweden sahen sich über 500.000 Besucher den Thriller im Kino an und nach so einem Kassenerfolg wurde nicht lange über weitere „Agent Hamilton“-Filme mit Mikael Persbrandt nachgedacht – und das ist gut so.
Denn „Agent Hamilton – Im Interesse der Nation“ ist ein spannender, actionreicher Polit-Thriller, dessen verwickelte Geschichte sich über den halben Globus erstreckt und der ein ungeschönt, zynisches Bild von der Politik und Konzernen, die Politik machen, zeichnet.
Das Bonusmaterial der DVD ist überschaubar. Eigentlich besteht es nur aus einem 15-minütigem „Making of“, das einige Impressionen und Hintergrundinformationen zu einigen Action-Szenen liefert.
Agent Hamilton – Im Interesse der Nation (Hamilton – I nationens intresse, Schweden 2012)
Regie: Kathrine Windfeld
Drehbuch: Stefan Thunberg
LV: Charakter von Jan Guillou
mit Mikael Persbrandt, Saba Mubarak, Pernilla August, Jason Flemyng, Lennart Hjulström, Alexander Nosik, Raymond Fearon, Kevin McNally
–
DVD
Ascot Elite
Bild: 2,40:1/16:9 (Pal)
Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Schwedisch (Dolby Digital 5.1)
Ein Jahr nach dem spurlosen Verschwinden von Bryan Spikes kommt Alex Forrester in die Michigan-Hafenstadt. Der True-Crime-Autor will ein Buch über Spikes und die von ihm verübten Morde schreiben. Denn, so sagt er dem Polizeichef: „Ich finde psychotische Episoden interessant. Wenn ein völlig Gesunder mörderisch kriminell wird.“
Dummerweise sind die Bewohner nicht sonderlich begeistert über den Schnüffler – und es geschieht dann halt dann das, was immer geschieht, wenn ein Außenseiter im korrumptiven Sumpf einer Stadt wühlt und sich unwissentlich (?) mit der örtlichen Weiße-Kragen-Mafia anlegt.
„Restitution – Rache kennt kein Erbarmen“ folgt diesen Genrekonventionen ohne große Innovationen, ziemlich zäh, eher holprig und weitgehend unlogisch. Dass Forrester dann noch einen überaus nervigen Nachbarn hat (Tom Arnold soll wohl eine Parodie auf John Goodmans Walter Sobchak aus „The Big Lebowski“ spielen), plötzlich die Kamera in den altbekannten Noir-Stil kippt und gegen Ende der Held sich als veritabler Einzelkämpfer entpuppt, zeigt immer wieder, wie lieblos hier einfach verschiedene Genreelemente aneinandergepappt wurden.
In den Siebzigern wäre „Restitution“ ein okayer und schnell vergessener „TV-Film der Woche“ oder ein Pilotfilm für eine eher nicht realisierte TV-Serie gewesen, mit einem Privatdetektiv der im Alleingang eine Stadt aufräumt.
Heute, und ohne die nostalgische Patina, ist „Restitution“ ein verzichtbarer Krimi mit einem viel zu langen Vorspiel (die eigentliche Geschichte beginnt erst nach über zwanzig Minuten [was vielleicht eine Hommage an „Columbo“ sein soll. Immerhin benutzt Forrester später bei Befragungen mehrmals den „Eine Frage hätte ich noch“-Columbo-Trick]), einer vorhersehbaren Auflösung, riesigen Plotlöchern und unmotivierten Stilwechseln, die immerhin, wenn von Szene zu Szene zwischen Liebesfilm, Noir, Actionkrimi und Komödie gewechselt wird, immer wieder überraschen. Dummerweise nie gelungen, aber manchmal ungewollt witzig und absurd.
Restitution – Rache kennt kein Erbarmen (Restitution, USA 2011)
Regie: Lance Kawas
Drehbuch: Mark Bierlein, Lance Kawas
mit Mark Bierlein, Tom Arnold, Mena Suvari, C. Thomas Howell, William Sadler, Michael Robert Brandon
Ungewaschene Männer, Pferde, Schlägereien und Schießereien; – das Leben im Wilden Westen muss herrlich unkompliziert gewesen sein, wenn es da nicht auch Indianer, Frauen, Strauchdiebe und Pferdediebe gegeben hätte.
Diesen Eindruck vom Wilden Westen könnte man beim Ansehen von „Western von gestern“ und alten Western-Serials gewinnen. Allerdings war der Western als Genre auch immer ein mythologischer Ort, in dem die Amerikaner Dinge verhandeln konnten, die in einem zeitgenössischen Film nicht möglich gewesen wären.
So prangert der Western „Ritt zum Ox-Bow“ die im Wilden Westen übliche Lynchjustiz an. Hauptdarsteller Henry Fonda und Regisseur William A. Wellman erkannten gleich das Potential von Walter Van Tilburg Clarks Roman „The OxBow Incident“. Auch etliche Hollywood-Produzenten erkannten das Potential des Stoffes und sie gaben kein Geld, weil sie dachten, dass niemand einen Film sehen will, der sich gegen die Lynchjustiz richtet. Vor allem nicht während des 2. Weltkriegs. Trotzdem gelang es den Machen das Geld zusammenzukratzen und innerhalb weniger Tage drehten sie den Film, bis auf wenige Bilder, im Studio und hauptsächlich an zwei Sets. Deshalb hat Wellmans Film auch immer die klaustrophobische Atmosphäre eines verfilmten Theaterstücks.
Im Mittelpunkt stehen die beiden Cowboys Gil (Henry Fonda) und sein Freund Art (Henry Morgan). Im Salon einer Kleinstadt in Nevada erfahren sie, dass Rancher Kincaid von Viehdieben ermordet wurde. Sofort wollen die Dorfbewohner den Mörder jagen und hängen. Eher widerwillig, auch um nicht selbst in das Kreuzfeuer der wütenden Einheimischen zu geraten, schließen sie sich der Posse an. Als sie die angeblichen Mörder finden, versuchen Gil halbherzig und eher passiv, die Lynchjustiz zu verhindern.
Schon damals wurde der Film von der Kritik gelobt, war sogar für einen Oscar als Bester Film nominiert, aber im Kino wollte ihn niemand sehen. Heute ist „Ritt zum Ox-Bow“, vor allem wegen seiner ernsten Thematisierung der Lynchjustiz, ein Western-Klassikern, der weniger als Western und mehr als Thesenfilm überzeugt.
Neben der Bildergalerie gibt es auf der DVD einen sehr informativen Audiokommentar und eine sehenswerte Dokumentation über Henry Fonda.
Ritt zum Ox-Bow (The Ox-Bow Incident, USA 1943)
Regie: William A. Wellman
Drehbuch: Lamar Trotti
LV: Walter Van Tilburg Clark: The Ox-Bow Incident, 1940
mit Henry Fonda, Dana Andrews, Anthony Quinn, Jane Darwell, Henry Morgan, Francis Ford
–
DVD
Koch Media
Bild: 1.37:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: Trailer, Booklet, Audiokommentar von Dick Eulain und William Wellman jr., Dokumentation „Henry Fonda: Hollywoods ruhiger Held“, Bildergalerie
Auch bei den „Trommeln des Todes“ war das Budget arg überschaubar. Fast der gesamte Film spielt in einer Western-Kleinstadt und in deren Kirche, in die die wenigen Dorfbewohner vor einem Indianerangriff flüchten.
Die Indianer zwingen auch die beiden Intimfeinde Sam Leeds (Stephen McNally), ein Glücksspieler, und den Bürgermeister und Dorfschmied Joe Madden (Willard Parker) zur Kooperation. Davor wurde Leeds, nachdem er in Notwehr einen anderen Spieler erschoss, aus dem Ort herausgeworfen, er entdeckte eine von Indianern überfallene Kutsche und ritt zurück, um die Bewohner zu warnen.
„Trommeln des Todes“ ist einer der unzähligen Routine-Western, die nicht weiter auffallen und die ihre Geschichte zügig und mit genug Action erzählen, um nicht zu langweilen. Einige Aspekte wurden sogar sehr geschickt gelöst. So bleiben die Indianer eine anonyme Bedrohung und, nachdem die Einwohner in die Kirche flüchteten, hören wir sie nur noch, außer wenn sie (natürlich immer nur einer) durch die hochliegenden Fenster hineinspringen oder, wenn es einen der raren Blicke aus der Kirchentür gibt, als vor der Tür vorbeilaufende, Kriegsschreie ausstoßende Menschenmenge. So, und mit den ständig zu hörenden Kriegstrommeln wird, wie bei einem Theaterstück, eine budgetschonende Bedrohung inszeniert. Bedrohlich ist auch der Indianerangriff auf Sam Leeds und einige der Bewohner, die kurz vor der Belagerung in der Wüste aus einem Wasserloch Wasser für die Dorfbewohner holen wollen und sie dann in einem Gebiet, wo es kein Versteck gibt, angegriffen werde.
Trommeln des Todes (Apache Drums, USA 1950)
Regie: Hugo Fregonese
Drehbuch: Milton Carruth
mit Stephen McNally, Coleen Gray, Willard Parker, Arthur Sields
–
DVD
Koch Media
Bild: 1.37:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Schon beim Vorspann wird sich der kundige Westernfan beruhigt zurücklehnen: mit Regisseur Raoul Walsh (Die wilden Zwanziger [The roaring Twenties], Entscheidung in der Sierra [High Sierra], Sprung in den Tod/Maschinenpistolen [White Heat]), Drehbuchautor Frank Nugent (Der schwarze Falke [The Searchers]) und den Schauspielern Clark Gable, Jane Russell, Robert Ryan und Cameron Mitchell sind einige Profis am Werk. Die Bilder von den verschneiten Bergen in Montana erfreuen das Auge und wenn die beiden Reiter mitten in der Einöde einen Gehängten entdecken und Ben Allison (Glark Gable) zu seinem Bruder sagt „Hier fängt anscheinend die Zivilisation an.“, dann ist mit diesem ersten Satz der lakonische Erzählton für die nächsten zwei Stunden festgelegt, die wie im Flug (hm, vielleicht besser wie eine Rinderstampede) vergehen. Auch wenn der restliche Film eher den Pfaden eines Western-Abenteuers über einen Rindertreck von Texas nach Montana, mit einigen Gefahren und einer Liebesgeschichte mit vorhersehbaren Ende folgt.
„Drei Rivalen“ ist ein Western-Abenteuer, in dem Hollywood zeigt, was damals das Fernsehen nicht leisten konnte und heute vielen Filmen fehlt: die entspannte Erzählweise, die den Schauspielern Zeit gibt, sich zu entfalten, die Bilder der majestätischen Landschaft, natürlich in Farbe und Cinemascope, die vielen Statisten, die gigantische Rinderherde, die langsam vor der Kamera vorbeizieht. Da wurden nicht einfach noch einige Tiere per Computer eingefügt, sondern einfach so viele Tiere durchgefüttert, bis das Bild voll war.
Für die deutsche Kinoauswertung wurde „Drei Rivalen“ auf 103 Minuten gekürzt. Auf der DVD ist aber die zweistündige Fassung des Films.
Drei Rivalen (The Tall Men, USA 1955)
Regie: Raoul Walsh
Drehbuch: Sidney Boehm, Frank Nugent
LV: Clay Fisher: The Tall Men, 1954 (Reprint unter dem Autorennamen „Will Henry“, einem anderen Pseudonym von Henry Wilson Allen)
mit Clark Gable, Jane Russell, Robert Ryan, Cameron Mitchell, Juan Garcia, Harry Shannon
–
DVD
Koch Media
Bild: 2.55:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0/4.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
„High Noon“ ist sicher der bekannteste Western von Gary Cooper, aber „Der Mann aus dem Westen“ ist bei Western-Fans und Cineasten viel beliebter, wie einige Zitate zeigen:
„Gary Coopers erste und einzige Begegnung mit dem Meisterregisseur Anthony Mann resultierte folgerichtig in dem ersten und einzigen wirklich großen Western seiner langen Karriere.“ (Homer Dickens: Gary Cooper und seine Filme)
„Mit Anthony Mann entdecken wir den Western als Arithmetik, wie in der ersten Mathematikstunde. Was bedeutet, dass ‚Der Mann aus dem Westen’ der intelligenteste aller Filme ist und zugleich der einfachste.“ (Jean-Luc Godard, Cahiers du Cinéma)
„’Der Mann aus dem Westen‘ (Man of the West) zählt mit ‚Nackte Gewalt‘ (The Naked Spur) und ‚Über den Todespass‘ (The Far Country) zu seinen (Anthony Mann, A. d. V.) besten Western und damit zu de Hauptwerken des Genres überhaupt.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)
Die Geschichte des superb fotografierten Films ist dann auch auf den ersten Blick entsprechend einfach und, wenn man sich genauer damit beschäftigt unglaublich komplex:
1874 hat Link Jones (Gary Cooper) die Verbrecherlaufbahn zugunsten eines bürgerlichen Lebens aufgegeben. Als er während eines Zugüberfalls mit zwei Mitreisenden in der Einöde zurückbleibt führt er sie in eine Hütte, in der sie bereits von seinen alten Freunden erwartet werden. Ihr Anführer freut sich, dass das verlorene Schaf wieder zurückgekehrt ist. Aber ist das so?
Als der Film damals in die Kinos kam, wurde er von den US-Kritikern weitgehend ignoriert, die französischen Kritiker waren begeistert und heute zählt „Der Mann aus dem Westen“ zu den anerkannten Western-Klassikern.
Der Mann aus dem Westen (Man of the West, USA 1958)
Regie: Anthony Mann
Drehbuch: Reginald Rose
LV: Will C. Brown: The Border Jumpers, 1955
Mit Gary Cooper, Julie London, Lee J. Cobb, Arthur O’Donnell, Jack Lord
–
DVD
Koch Media
Bild: 2.35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Bildergalerie, Amerikanischer Trailer, 12-seitiges Booklet mit einem Essay von Jean-Luc Godard zum Film, Wendecover
1957 erzählte John Sturges in dem Westernklassiker „Zwei rechnen ab“ (Gunfight an the OK Correal) mit Burt Lancaster und Kirk Douglas in den Hauptrollen, wie es zu dem legendären Schusswechsel am OK Corral zwischen Marshal Wyatt Earp, Doc Holliday und den Clanton-Brüdern kam.
Zehn Jahre später erzählte er in „Die 5 Geächteten“ die Geschichte weiter und bemühte sich kräftig, das Bild des edlen Wyatt Earp (James Garner) und seines honorigen Freundes Doc Holliday (Jason Robards) zu demystifizieren. Das kam damals nicht so gut an. Außerdem wurde „Die 5 Geächteten“ mit „Zwei rechnen ab“, der noch einmal all die hehren Westerntraditionen kongenial bis hin zum abschließenden Shoot Out, bündelte und gelassen, ohne verkrampfte Innovationsbemühungen erzählte, verglichen und der Film kam dabei schlecht weg.
Doch wenn man „Die 5 Geächteten“ als Einzelwerk, als melancholische Charakterstudie, betrachtet, ist er ein glänzender Western.
Die 5 Geächteten (Hour of the Gun, USA 1967)
Regie: John Sturges
Drehbuch: Edward Anhalt
mit James Garner, Jason Robards, Robert Ryan, Frank Converse, Sam Melville
In Wirklichkeit waren Butch Cassidy und Sundance Kid zwei Verbrecher, die zu Legenden wurden, und deren Leben öfters verfilmt wurde. Am erfolgreichsten von George Roy Hill, nach einem Drehbuch von William Goldman, der damit in die Topliga der Drehbuchautoren aufstieg, und mit Paul Newman als Butch Cassidy und Robert Redford als Sundance Kid. Der eine war damals schon ein Star, der andere danach.
In „Butch Cassidy und Sundance Kid“ erzählen sie das Leben der beiden Verbrecher in einem locker-flockigen Stil, bei dem die beiden einfach nette Jungs sind, die gegen die Autoritäten kämpfen, Züge und Banken überfallen, immer ihren Spaß haben und die besten Freunde sind.
Der Film war ein Kinohit. 1973 trafen sich George Roy Hill, Paul Newman und Robert Redford wieder für die ebenfalls sehr erfolgreiche Gaunerkomödie „Der Clou“ (The Sting, USA 1973), die mir nicht so gefällt. William Goldman erhielt für „Butch Cassidy und Sundance Kid“ einen Drehbuchoscar und schrieb in den nächsten Jahren die Drehbücher für „Vier schräge Vögel/Zwei dufte Typen“ (The hot rock, USA 1972), „Die Frauen von Stepford“ (The Stepford Wives, USA 1975), „Tollkühne Flieger“ (The great Waldo Pepper, USA 1975, ein schöner, unterschätzter Film mit Robert Redford), „Die Unbestechlichen“ (All the President’s Men, USA 1976, für den er seinen zweiten Drehbuchoscar erhielt) und „Der Marathon-Mann“ (Marathon Man, USA 1976, nach seinem Roman).
Die jetzt erschienene „Deluxe-Edition“ bietet genug Bonusmaterial für einen weiteren sehr langen oder zwei lange Abende. Dann weniger im Wilden Westen, sondern eher in der Dokumentarfilmabteilung mit Filmen, Interviews und Audiokommentaren zu dem Film und den historischen Hintergründen.
Und davor sieht man sich am besten, wieder einmal, den Film an.
Butch Cassidy und Sundance Kid (Butch Cassidy and Sundance Kid, USA 1969)
Regie: George Roy Hill
Drehbuch: William Goldman
mit Robert Redford, Paul Newman, Katherine Ross, Strother Martin, Henry Jones, Jeff Corey
–
DVD
Butch Cassidy und Sundance Kid – Deluxe-Edition
Black Hill Pictures
Bild: 2.35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono, Dolby Digital 2.0 Stereo)
Bonusmaterial: Audiokommentar von George Roy Hill (Regie), Hal David (Text), Robert Crawford (Produktion) und Conrad Hall (Kamera), Audiokommentar von William Goldman (Drehbuch), All das ist die Wahrheit: Das Making of von „Butch Cassidy und Sundance Kid“, Ein wilder Haufen: Die wahre Geschichte von Butch und Sundance, Entfallene Szene: „Das Zelt“ (mit optionalem Audiokommentar von George Roy Hill), George Roy Hill und die Herausforderung von Robert Redford, Geschichte unter der Lupe: „Butch Cassidy und Sundance Kid: Outlaws out of Time“, Making of von 1994, Interviews von 1994, Alternativer Abpann, 3 Kinotrailer
Länge: 106 Minuten (+ Extra-DVD mit 257 Minuten Bonusmaterial)
Ich habe keine Ahnung, ob mir die dritte oder vierte Staffel von „Death in Paradise“ noch gefallen werden, denn die Serie folgt schon in der ersten Staffel ziemlich sklavisch der bekannten Krimiformel, in der ein genialer Ermittler herausfinden muss, wer von den vielen Verdächtigen, die alle ein bombenfestes Alibi haben, den Mord in einem mehr oder weniger geschlossenem Raum verübt hat, und am Ende enthüllt der Ermittler vor den in einem Raum versammelten Verdächtigen, deren Alibis alle falsch waren, wer der Mörder ist.
Dieses Rezept hat sich seit den seligen Tagen von Agatha Christie kaum verändert und geübte Krimiseher werden auch in „Death in Paradise“ ziemlich schnell den Mörder, der immer der Unverdächtigste ist, erraten.
Aber gerade in den ersten acht Fällen, die jetzt als „Death in Paradise – Staffel 1“ erschienen sind, stimmt alles: die Fälle sind gut geplottet, der Humor stimmt, die Schauspieler sind gut und das Setting erfreut das Auge. Denn, wir ahnen es bei dem Titel „Death in Paradise“: die Krimiserie spielt nicht im kalten England, sondern auf der sonnigen Karibik-Insel Saint-Marie und der stocksteife Londoner Detective Inspector Richard Poole, der immer korrekt gekleidet mit Anzug, Schlips und Aktentasche die Wohnung verlässt, muss mit der lässigen südländischen Arbeitsauffassung seiner Untergebenen und den mangelhaften Arbeitsmitteln zurechtkommen. Während in London die Spurensicherung in kürzester Zeit Ergebnisse liefert, dauert hier alles etwas länger und niemand scheint das wirklich zu stören.
Ach, und das Essen ist auch nicht nach seinem Geschmack. Genaugenommen ist es ungenießbar. Immerhin findet er manchmal einen guten Tee – und erstaunlich viele Morde im Paradies, das für ihn die Hölle ist. Er möchte nur, so schnell es geht, zurück in sein heimatlich kühles, nebliges London und in einen urigen Pub.
DI Richard Poole wurde nach Saint-Marie geschickt, weil sein Vorgänger ermordet wurde im verschlossenen Panikraum in der Villa eines wohlhabenden Engländers. Während der Ermittlungen muss Poole sich, wie auch in den folgenden Fällen, weitgehend auf seinen Verstand verlassen. Zum Glück funktionieren seine kleinen grauen Zellen, trotz der tropischen Temperaturen, ähnlich gut wie die von Hercule Poirot.
Am Ende löst er den Fall, bekommt eine neue Kollegin, die Undercover-Polizistin Camille Bordey, und erfährt, dass er länger auf der Insel bleiben muss. Denn der örtliche Polizeichef ist hoch zufrieden mit seiner Arbeit und er wird auf seine sympathisch-bauernschlaue Art alles tun, um einen so guten Ermittler, auch gegen dessen Willen, auf seiner Insel zu halten.
In den nächsten sieben Fällen der ersten „Death in Paradise“-Staffel (keine Panik, eine zweite Staffel wird gedreht) muss Poole mit Bordey, die sich auf der Insel pudelwohl fühlt, und seinen Untergebenen Dwayne Myers, ein altgedienter Streifenpolizist, der Gott und die Welt auf der Insel kennt, und Fidel Best, der Jüngste im Team, weitere Mordfälle lösen, die weitgehend der Locked-Room-Formel folgen. So wird eine Braut an ihrem Hochzeitstag ermordet und ihre Familie ist hochgradig verdächtig.
Eine Einheimische sieht ihren Tod voraus und weil diese Prophezeiung auch eintrifft, wird Poole misstrauisch. Denn er glaubt nicht an übersinnlichen Hokuspokus.
Eine Frau behauptet, dass sie ihren Mann ermordet hat. Allerdings ist seine Leiche verschwunden und Poole glaubt, dass an dem Fall etwas nicht stimmt.
Auf der voll besetzten Fähre zur Insel wird ein Betrüger erstochen und weil der Betrüger an Poole angekettet war, hat er dieses Mal sogar ein persönliches Motiv für die Mörderjagd. Dummerweise hat er dieses Mal, weil der Betrüger die halbe Inselbevölkerung betrog, auch mehr Verdächtige als üblich.
Ein Sänger wird vor dem Reunion-Konzert seiner Band ermordet und seine Leiche wird während des Konzerts in dem Sarg entdeckt, aus dem er eigentlich entsteigen sollte. Verdächtig sind natürlich die Bandmitglieder und seine Entourage. Dummerweise haben alle ein bombenfestes Alibi.
Im letzten Fall der ersten „Death in Paradise“-Staffel wird eine Frau ermordet in ihrem Bett, mit dreißig Münzen im Mund, gefunden. Sie lebte dort unter falschem Namen und ihr echter Name steht auf der Fahndungsliste der Londoner Polizeieinheit für Organisiertes Verbrechen.
Und einen Fall müssen die Streifenpolizisten Myers und Best fast im Alleingang lösen. Denn Bordey ist auf einer Fortbildung und Poole liegt mit Fieber im Bett. Vor den Augen von Myers starb ein Taucher in einer Bucht und selbstverständlich haben die üblichen Verdächtigen ein bombensicheres Alibi. Und mit DS Angela Young erhalten sie eine hoffnungslos überdrehte, zur Hysterie neigende Hilfe, die ihnen überhaupt nicht gefällt.
Auf der DVD ist die internationale Fassung. D. h. die einstündigen Folgen wurden schon vom BBC auf jeweils 50 Minuten gekürzt. Bonusmaterial fehlt auch; aber das kann daran liegen, dass die deutsche DVD-Veröffentlichung vor der englischen DVD-Veröffentlichung war.
Death in Paradise – Staffel 1 (Death in Paradise, GB/Fr 2011)
Idee: George Thorogood
mit Ben Miller (DI Richard Poole), Sara Martins (DS Camille Bordey), Danny John-Jules (Dwayne Myers), Gary Carr (Fidel Best), Don Warrington (Commisioner Selwyn Patterson), Elizabeth Bourgine (Catherine Bordey)
Gaststars: Rupert Graves (Folge1), Colin Salmon (Folge 5), Shirley Henderson (Folge 6), Adrian Dunbar (Folge 7 & 8), David Sterne (Folge 7)
–
DVD
Edel
Bild: Dolby, PAL
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 400 Minuten (8 Folgen à 50 Minuten auf 4 DVDs)
Kaum kehrt der verlorene Sohn, verfolgt von einem skrupellosen Kopfgeldjäger, zurück in die alte Heimat und versöhnt sich wieder mit seinem Vater, wird dieser in der Poststation von einigen Strauchdieben erschossen. John Mason will jetzt die Mörder seines Vaters finden. Dummerweise ist der Bruder seiner wieder entflammten Jugendliebe der Anführer der Banditen und der würde alles tun, um die hochverschuldete, von den Eltern geerbte Ranch zu retten.
Aus dieser zünftigen Ausgangslage machen Regisseur Terry Miles und die Drehbuchautoren Joseph Nasser und Evan Jacobs allerdings nur ein belangloses, von A bis Z vorhersehbares Westernabenteuer, das man sich an einem verregneten Sonntagnachmittag wegen der Hauptdarsteller ansehen kann. Donald Sutherland als Kopfgeldjäger hat einige markante Auftritte, die er allein mit seiner Präsenz trägt. „Crossing Jordan“ Jill Hennessy als schlagkräftige Ranchbesitzerin ist ein Augenschmaus, aber in „Small Town Murder Songs“ überzeugte sie auch als Schauspielerin. Christian Slater als John Mason bleibt dagegen erstaunlich blass und er ist vollkommen deplatziert; was etwas erstaunlich ist, weil er seine Karriere mit „Im Namen der Rose“ und „Robin Hood – König der Diebe“ im Mittelalter begann, sich quer durch die Genres und Jahrhunderte spielte und oft der einzige Grund war, sich den Film anzusehen. In „Dawn Rider“ ist er fast der Grund, sich den Film nicht anzusehen.
Und das wären schon die Gründe, sich diesen mit einem arg überschaubaren Budget inszenierten Western anzusehen, der nie die Weite des Wilden Westens, sondern eher die Ärmlichkeit der Poverty Row atmet.
Ach ja, „Dawn Rider“ ist ein Remake. Die Geschichte wurde erstmals 1931 als „Galloping Thru“ verfilmt. Der Western gilt als verschollen. Die letzte Verfilmung war 1938 als „Western Trails“. Aber die bekannteste Verfilmung ist von 1935. Denn da spielte John Wayne die Hauptrolle. „Dawn Rider“ hieß der für Lone Star Western in fünf Tagen gedrehte Western, in dem die Dialoge nur die Verschnaufpause für die Pferde waren und eine zünftige Schlägerei Freundschaften festigte und beendete. In Deutschland wurde der Film nie gezeigt, aber in der Reihe „Western von Gestern“ wäre er gut aufgehoben gewesen.
Das kann von der 2012er Version der Geschichte nicht gesagt werden. Denn jetzt wird deutlich mehr gesprochen und geküsst, als geschlagen, geritten und geschossen. Obwohl auch in Terry Miles‘ „Dawn Rider“ etliche Männer sterben.
Dawn Rider (Dawn Rider, USA 2012)
Regie: Terry Miles
Drehbuch: Joseph Nasser, Evan Jacobs
mit Christian Slater, Donald Sutherland, Jill Hennessy, Lochlyn Munro, Ben Cotton
Vor hundert Jahren wurde in der auf der Insel Bastøy liegenden Haftanstalt, wo der bedrückende Film „King of Devil’s Island“ spielt, versucht, Jugendlichen mit harter Hand zu wertvollen Mitgliedern der Gemeinschaft zu machen. Dafür wurden sie auf der kleinen Insel uniformiert, mit Nummern angesprochen und nach rigiden Regeln erzogen. Wer sich unterordnete, hatte die Chance, irgendwann die Insel zu verlassen.
Eines Tages trifft Erling (Benjamin Helstad) ein. Er passt nicht wirklich zu den anderen Sträflingen. Denn er ist anscheinend älter als die anderen Jugendlichen, die teilweise noch Kinder sind oder als Kinder auf die Insel kamen, und er arbeitete vorher schon als Seemann. Viel mehr erfahren wir nicht über ihn. Auch nicht, weshalb er, oder irgendein anderer der inhaftierten Jugendlichen, nach Bastøy geschickt wurde.
Er befreundet sich mit Olav (Trond Nilssen), versucht zu fliehen, erkennt schnell, dass das über den Fjord fast nicht möglich ist.
Sein Gegenspieler ist der von Stellan Skarsgård gespielte Anstaltsleiter. Es gelingt ihm, den gläubigen Heimleiter in wenigen Szenen als einen Mann zu zeichnen, der zwar Gutes tun will, der dafür aber die falschen Mittel einsetzt und durch seinen Führungsstil und seine Entscheidungen letztendlich eine Revolte der Jugendlichen provoziert.
In diesen Momenten erinnert er an den von Burghart Klaußner in Michael Hanekes „Das weiße Band“ gespielten Pastor. Sowieso hat Marius Holsts „King of Devil’s Island“ mehr Ähnlichkeiten mit Hanekes fast zeitgleich spielendem Film, als mit Hollywoodfilmen wie „Gesprengte Ketten“, „Papillon“ oder „Flucht von Alcatraz“, die den Kampf des Individuums gegen ein unterdrückerisches System feiern.
Marius Holst erzählt in nüchternen, ruhigen Bildern, die sich den offensichtlichen Dramatisierungen verschließen, von den Bastøy-Jugendlichen. Durch eben diese distanzierte Erzählweise, die auch die meisten Klischees des Gefängnisfilms meidet, ist man allerdings auch immer ein eher objektiver Beobachter des Geschehens. Die in den Bildern liegende Anklage gegen das damalige Bastøy-Regime kann man intellektuell gut nachvollziehen.
Emotional bleibt man allerdings eher unbeteiligt und weil die Geschichte auch keine großen Überraschungen hat, wird „King of Devil’s Island“ auch etwas zäh.
–
King of Devil’s Island (Kongen av Bastøy, Norwegen 2010)
Regie: Marius Holst
Drehbuch: Dennis Magnusson, Eric Schmid (nach einer Geschichte von Mette M. Bølstad und Lars Saabye Christensen)
mit Stellan Skarsgård, Benjamin Helstad, Kristoffer Joner, Trond Nilssen, Morten Løvstad, Daniel Berg, Odin Gineson Brøderud, Magnar Botten, Magnus Langlete
Für „Rampart“ hat Oren Moverman, der Regisseur des allgemein abgefeierten Dramas „The Messenger – Die letzte Nachricht“ (unter anderem der Silberner Bär für das Drehbuch auf der Berlinale, eine Golden-Globe- und zwei Oscar-Nominierungen), neben den „The Messenger“-Hauptdarstellern Woody Harrelson und Ben Foster, eine beeindruckende Schauspielerriege versammelt: Sigourney Weaver, Robin Wright, Anne Heche, Cynthia Nixon (ähem „Sex & the City“), Steve Buscemi (leider nur in einer Szene), Ice Cube, Ned Beatty (zuletzt „In the electric Mist“ und „The Killer inside me“) und, eher unbekannter, Jon Bernthal („The Walking Dead“) und sie heben mit ihrem Spiel das Drama über einen selbstgerechten Streifenpolizisten als Charakterstudie eines Mannes am Abgrund auf ein sehr hohes Level.
Die 1999 in Los Angeles, kurz nach dem titelgebenden Rampart-Skandal, bei dem polizeiinterne Korruption und andere Verbrechen von Polizisten bekannt und anschließend kräftig im Los Angeles Police Department aufgeräumt wurde, spielende, kaum vorhandene Geschichte zerflettert dagegen in unzähligen Subplots aus dem Leben des Streifenpolizisten Dave Brown (Woody Harrelson), in denen es um einen gewalttätigen, auf Video dokumentierten Einsatz von ihm, seine seltsame Beziehung zu seinen beiden Ex-Frauen, die auch Schwestern sind, und zu seinen Kindern, sein unermüdlicher Sextrieb, sein überbordender Drogenkonsum, den Mord an einem Dieb, seine Freundschaft zu seinem mit allen Wassern gewaschenen Mentor und die Ermittlungen eines internen Ermittlers gegen ihn geht. Nach gut zwei Stunden endet der Film so offen, dass er wie eine Skizze über einen Mann, der sich immer mehr in Schuld und Paranoia verstrickt, wirkt.
Woody Harrelson hält diesen Film zusammen und als erstklassig besetzte Charakterstudie überzeugt „Rampart“, der eindeutig vom US-amerikanischen New Hollywood der siebziger Jahre, als der „Taxi Driver“ und „Der Pate“ das Publikum mit komplexen und wenig vorbildlichen Charakteren konfrontierte, und dem europäischen Kino inspiriert ist.
Weil Moverman in seinem Film die Geschichte eines selbstverschuldeten Abstiegs erzählt, der von Harrelson gespielte Officer Dave Brown keinen eindeutigen Antagonisten hat (eher schon eine Handvoll Antagonisten, die sich gegenseitig neutralisieren und teilweise auch keine klassischen Antagonisten sind) und Polizeikorruption und Polizeigewalt nur nebenbei gestreift werden, ist dieses Cop-Drama auch ungleich schwächer als die Cop-Thriller „Dark Blue“ und „Street Kings“, die letztendlich auch vor dem Hintergrund des Rampart-Skandals spielten, bei denen James Ellroy als Ideenlieferant und Drehbuchautor involviert war und in denen im Film (vor allem wenn man die Vorgeschichte in der Entwicklungshölle kennt) erstaunlich viel von Ellroys Themen und Obsessionen enthalten ist. In „Rampart“ ist dagegen eher wenig James Ellroy enthalten, was auch daran liegen kann, dass während der Dreharbeiten der Fokus stärker auf Officer Dave Brown gelegt wurde, während Ellroys ursprüngliches Skript einen stärkeren Fokus auf den Rampart-Skandal hatte.
Als Bonusmaterial gibt es ein „Making of“, in dem James Ellroy sich dennoch sehr zufrieden mit der Verfilmung zeigt, es gibt Interviewschnipsel mit Woody Harrelson, Ben Foster, Robin Wright, Brie Larson und Oren Moverman und einen kleinen Zusammenschnitt der besten Sprüche des von Woody Harrelson gespielten Officer Dave Brown. Das ist ein informativ unauffälliges Paket, in dem immer wieder Hauptdarsteller Woody Harrelson, das Drehbuch von James Ellroy und Oren Moverman und Regisseur Oren Moverman, der seinen Schauspielern viel Raum für Improvisationen gibt, gelobt wird.
Rampart – Cop außer Kontrolle (Rampart, USA 2011)
Regie: Oren Moverman
Drehbuch: James Ellroy, Oren Moverman
mit Woody Harrelson, Robin Wright, Anne Heche, Cynthia Nixon, Steve Buscemi, Ice Cube, Sigourney Weaver, Ben Foster, Ned Beatty, Jon Bernthal, Brie Larson
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DVD
Ascot Elite
Bild: 1:,35 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Sh*t Dave Brown says, Interviews mit Cast und Crew, Originaltrailer, Deutscher Trailer, Wendecover
„Sherlock“, die grandiose BBC-Neuinterpretation der von Sir Arthur Conan Doyle geschaffenen Figur Sherlock Holmes, ist zurück und die drei Folgen der zweiten Staffel sind keinen Deut schlechter als die Fälle der ersten Staffel, in denen Sherlock Holmes und sein Kosmos von den „Sherlock“-Erfindern Mark Gatiss und Steven Moffat in die Gegenwart verlegt wurden. Für die zweite Staffel haben sie sich drei Sherlock-Holmes-Geschichten (es dürften die bekanntesten Holmes-Geschichten sein) genommen, sie neu interpretiert und mit zahlreichen Querverweisen zu anderen Holmes-Geschichten und -Filmen vollgestopft.
In „Ein Skandal in Belgravia“, basierend auf der Kurzgeschichte „Ein Skandal in Böhmen“, trifft Sherlock Holmes auf Irene Adler, die auch im heutigen London den Männern den Kopf verdreht und mehr will ich jetzt wirklich nicht verraten.
„Die Hunde von Baskerville“ ist die Neuinterpretation von „Der Hund der Baskervilles“ und Autor Mark Gatiss stand vor dem Problem, dass gerade diese Geschichte aus vielen Verfilmungen sehr gut bekannt ist und die Erklärung von Sir Arthur Conan Doyle für den Familienfluch der Baskervilles für einen in der Gegenwart spielenden Film nicht mehr überzeugend ist. Weil aber Verschwörungsgeschichten, so Gatiss, die Geistergeschichten der Gegenwart sind, gibt es in der Nähe des Moores eine Forschungseinrichtung des Militärs und Sherlock Holmes ist, im Gegensatz zum Roman, von Anfang an vor Ort.
In „Der Reichenbachfall“ kommt es dann, wie in der Kurzgeschichte „Das letzte Problem“, zur finalen Konfrontation von Sherlock Holmes und Professor Moriarty, die Holmes nicht überlebt; – wobei Holmes natürlich doch überlebt. Immerhin musste Sir Arthur Conan Doyle Sherlock Holmes auf Wunsch seiner Leser wieder auferstehen lassen. In Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ endet die im viktorianischen England spielende Remmidemmi-Sherlock-Holmes-Version ebenfalls mit dem Sturz von Holmes und Moriarty in den Reichenbachfall und der anschließenden Wiederauferstehung von Holmes.
In dem BBC-Film stürzt Holmes sich von einem Hochhausdach – und wir werden erst mit dem Beginn der dritten Staffel, die bereits bestellt ist, erfahren, wie Holmes dem Tod entging.
Doch vor dem Fall gibt es einen atemberaubenden Thriller, in dem Professor Moriarty behauptet, dass Sherlock Holmes ein Blender, ein Schwindler, sei und er kann es auch beweisen. Holmes muss in „Der Reichenbachfall“ um seine Identität kämpfen.
Auch in den beiden anderen „Sherlock“-Filmen wird Sherlock Holmes‘ Selbstbild auf die Probe stellen. In „Ein Skandal in Belgravia“ muss er sich mit seinem Verhältnis zum anderen Geschlecht und zur Sexualität beschäftigen. Immerhin hat Holmes sich bislang als asexuelle Denkmaschine gesehen, die allen anderen Menschen deshalb überleben ist. In „Die Hunde von Baskerville“ fragt er sich, ob er noch seinem Verstand trauen kann. Denn auch er selbst beginnt an den Hound zu glauben, obwohl es ein solches Wesen nicht geben kann.
Dass die Filme vor Anspielungen auf den gesamten Sherlock-Holmes-Kosmos nur so strotzen, dass die Plots verschachtelt und immer wieder überraschend sind, dass die Filme enorm schnell erzählt sind, dass die Schauspieler hochkarätig sind und dass das Vergnügen viel zu schnell vorbei ist, muss ich wohl nicht extra betonen. Das habe ich ja schon zu den ersten drei spielfilmlangen „Sherlock“-Filmen gesagt.
Und dass die dritte Staffel, natürlich mit dem bewährtem Team, erst 2013 gezeigt wird, muss man wohl als höhere Gewalt akzeptieren. Immerhin sind alle an der Serie Beteiligten gut beschäftigt und auch die nächsten Ermittlungen von Sherlock Holmes und Dr. John Watson sollen ja die Qualität der bisherigen Fälle halten.
Das Bonusmaterial
Als Bonusmaterial gibt es das zwanzigminütige Making-of „Sherlock uncovered“ und zwei hörenswerte Audiokommentare. Für den Audiokommentar zu „Ein Skandal in Belgravia“ versammelten sich Produzentin Sue Vertue, die beiden „Sherlock“-Erfinder Mark Gatiss und Steven Moffat, Sherlock-Holmes-Darsteller Benedict Cumberbatch und Lara Pulver, die Irene Adler spielen durfte, vor dem Mikrofon. Bei dem „Die Hunde von Baskerville“-Audiokommentar sind wieder Sue Vertue, Steven Moffat und Mark Gatiss dabei und Russel Tovey, der Schauspieler von Henry Knight, dem von Wahnvorstellungen geplagten Klienten von Sherlock Holmes, gesellte sich zu ihnen. Dieser Audiokommentar ist für die Holmesianer etwas interessanter, weil Tovey den beiden „Sherlock“-Erfindern viele Fragen zu den Hintergründen der Serie stellt und die beiden Sherlock-Holmes-Fans Gatiss und Moffat viel aus dem Nähkästchen plaudern.
Das ist insgesamt eine unspektakuläre, aber ordentliche Portion an Hintergrundinformationen.
Sherlock – Staffel 2 (Großbritannien 2012)
Erfinder: Steven Moffat, Mark Gatiss
LV: Charakter von Sir Arthur Conan Doyle
mit Benedict Cumberbatch (Sherlock Holmes), Martin Freeman (Dr. John Watson), Una Stubbs (Mrs. Hudson), Rupert Graves (Detective Inspector Lestrade), Mark Gatiss (Mycroft Holmes), Andrew Scott (Moriarty), Lara Pulver (Irene Adler)
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Blu-ray
Polyband
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Audiokommentar zu „Ein Skandal in Belgravia“ und „Die Hunde von Baskerville“, Making of „Sherlock uncovered“, 16-seitiges Booklet
Länge: 270 Minuten (3 x 90 Minuten) (2 Blu-rays)
FSK: ab 12 Jahre
(DVD identisch)
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Die Fälle der zweiten „Sherlock“-Staffel
Ein Skandal in Belgravia (A Scandal in Belgravia)
Regie: Paul McGuigan
Drehbuch: Steven Moffat
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Die Hunde von Baskerville (The Hounds of Baskerville)
Martin David (Willem Dafoe) soll für einen Konzern den sagenumwobenen Tasmanischen Tiger jagen und von ihm genetische Proben entnehmen.
Ein einfacher Auftrag, wenn nicht der letzte bekannte Tasmanische Tiger bereits 1936 im Hobart Zoo gestorben wäre. Seitdem behaupten zwar immer wieder Menschen, dass sie in Tasmanien, einer Insel südlich von Australien, die ungefähr die Größe von Bayern, aber nur eine halbe Million Einwohner hat, einen Tasmanischen Tiger gesehen haben. Keine dieser Sichtungen ist verbürgt.
David macht sich auf den Weg in die Wildnis – und wir dürfen einen angenehm altmodischen Abenteuerfilm genießen. Denn selbstverständlich wurde die Geschichte von einem Mann, der ein seltenes Tier jagt, schon oft erzählt und selbstverständlich sieht man sich so einen Film vor allem wegen der Landschaftsaufnahmen an.
Diese sind gelungen.
Auch die Geschichte der Menschwerdung von Martin David, grandios minimalistisch von Willem Dafoe gespielt, ist gelungen. Für seinen Auftrag wird er bei einer Familie einquartiert. Widerwillig übernimmt er für die beiden Kinder die Rolle des abwesenden Vaters. Am Ende beeinflusst dann das Wohl der Familie die Art, wie er, als er dem Tasmanischen Tiger begegnet, seinen Auftrag erfüllt.
Und er gerät zwischen die Fronten von Umweltschützern, die den Wald bewahren, und Arbeitern, die den Wald abholzen sollen. Aber dieser Konflikt wird nur angedeutet.
Der vernachlässigbare Schwachpunkt von „The Hunter“ ist das Agieren seines Auftraggebers, dessen Interessen niemals wirklich klar werden. Letztendlich sind sie nur der MacGuffin für einen altmodischen Abenteuerfilm, bei dem seine Fehler (so verbringt der Film zu viel Zeit bei der Familie und zu wenig in der Wildnis; David findet den Tasmanischen Tiger ziemlich mühelos; die Geschichte ist absolut vorhersehbar) auch wieder seine Vorzüge sind. Denn, fast wie in einem der guten alten Western à la „Mein großer Freund Shane“, mit dem „The Hunter“ überraschend viele Gemeinsamkeiten hat, wird hier einfach eine gute Geschichte erzählt.
Und, wie die meisten Western, müssen wir den „Hunter“ auf der kleinen Leinwand genießen, obwohl sie eigentlich für die große Leinwand gedacht sind.
Das Bonusmaterial besteht vor allem aus einem vierteiligem „Making of“, in dem auf die Geschichte, die Charaktere, die Dreharbeiten in Tasmanien und den Tasmanischen Tiger eingegangen wird. Es liefert einige interessante Hintergrundinformationen und einige Bilder von geschnittenen Szenen, meistens mit Sam Neill, die es leider nicht auf die DVD schafften.
The Hunter (The Hunter, Australien 2011)
Regie: Daniel Nettheim
Drehbuch: Alice Addison, Wain Fimeri (Original Adaptation)
LV: Julia Leigh: The Hunter, 1999 (Der Jäger)
mit Willem Dafoe, Sam Neill, Frances O’Connor, Sullivan Stapleton, Callan Mulvey, Morgana Davies, Jacek Koman, Dan Wyllie
Ein Thriller nach einem Drehbuch von Hubert Selby jr.. Muss ich noch mehr über die Qualitäten von „Fear X“ sagen? Vielleicht noch, dass Nicolas Winding Refn, der Regisseur der „Pusher“-Trilogie und der James-Sallis-Verfilmung „Drive“, Regie führte.
Hubert Selby jr., für alle, die sich jetzt gerade fragen, woher sie den Namen kennen, schrieb unter anderem das Kultbuch „Letzte Ausfahrt Brooklyn“ (Last Exit to Brooklyn, 1964) und, zusammen mit Darren Aronofsky, das Drehbuch für dessen Film „Requiem for a dream“ und er wird zu den Größen der US-amerikanischen Literatur gezählt. Das alles empfiehlt ihn nicht gerade als Autor für einen Thriller.
Aber Nicolas Winding Refn wollte auch keinen 08/15-Thriller inszenieren. Sein chronologisch gedrehtes US-Debüt (obwohl es genaugenommen hauptsächlich in Kanada gedreht wurde) erzählt die Geschichte von Harry Caine (John Turturro), der als Sicherheitsbeamter in einer Shopping Mall in Wisconsin arbeitet. Vor Monaten wurde seine Frau Claire in der dortigen Tiefgarage erschossen. Er sucht noch immer ihren Mörder. Dafür studiert er abends die unscharfen SW-Videoaufzeichnungen der Mall und notiert sich verdächtige Personen. Wie David Hemmings in Michelangelo Antonionis „Blow Up“ (GB 1966) in seine Fotos oder John Travolta in Brian De Palmas „Blow Out“ (USA 1981) in eine Tonbandaufnahme, zoomt Harry sich immer weiter in die Bilder hinein. Für ihn ist alles eine Spur, ein Hinweis, hat eine Bedeutung für den Mord.
Als er im gegenüberliegenden Haus einige Negative findet, entdeckt er in den Bildern eine Hinweis auf Morriston, Montana. Er glaubt, dass der Mörder von dort kommt. Außerdem verbrachte er dort mit seiner Frau einige glückliche Tage – und es ist unklar, ob er mehr von dem Wunsch nach Rache an dem Mörder oder von dem Wunsch nach einer Rückkehr in die glückliche Vergangenheit getrieben wird, als er nach Morriston fährt.
Aber, Oh Wunder!, dort trifft er auf den Mörder. Einen Polizisten – und während wir Zuschauer die Hintergründe für die Tat erfahren, erfährt Harry sie nicht.
Sowieso driftet der Film spätestens wenn Harry seinen Wohnort verlässt, vollkommen ins Surreale ab.
Aber gerade diese Vermischung von Realität und Traum, von Wahn und Wirklichkeit, macht „Fear X“ zu einem ungewöhnlichen Thriller. Die beiden Hauptdarsteller John Turturro und James Remar, der als Mörder in der zweiten Hälfte des Films mit seiner Tat kämpft (Ihn ereilt ein wenig das Tim-Roth-Schicksal, über den es immer heißt, er sei der Mann, der in „Reservoir Dogs“ blutend auf dem Lagerhausboden liegt und dabei gibt es eine lange Rückblende, in der Tim Roth sein ganzes Talent zeigt) überzeugen mit ihrem introvertiertem Spiel in diesem meditativen Thriller.
Die Musik schrieb Brian Eno. Die Kamera bediente „Shining“-Kameramann Larry Smith.
Als Bonusmaterial gibt es ein gut halbstündiges, informatives „Making of“ und einen sehr interessanten, nicht untertitelten Audiokommentar von Nicolas Winding Refn, der die kluge Entscheidung getroffen hat, sich den britischen Journalisten Alan Jones zu schnappen, der ihm die richtigen Fragen stellte, während im Hintergrund der Film läuft.
Anmerkung: Beim Ansehen fiel mir auf, wie sehr sich in den vergangenen Jahren die Überwachungstechnik veränderte und auch verbesserte. Denn Harry sieht sich noch die Augen an grieseligen Videoaufzeichnungen wund und er muss in mühevoller Kleinarbeit Personen vom Bildschirm abfotografieren (was, wie Fotografen wissen, gar nicht so einfach ist). Heute würde er an einem Computer sitzen und mit einem Klick einen Screenshot machen.
Fear X – Im Angesicht der Angst (Fear X, USA 2003)
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Hubert Selby jr.
mit John Turturro, Deborah Kara Unger, James Remar, Stephen McIntyre
–
DVD
Sunfilm
Bild: 2.35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar, Making of, Trailer (deutsch, englisch)
Über „Texas Killing Fields – Schreiendes Land“ muss ich wirklich nicht viel sagen. Ami Canaan Manns Cop-Thriller sieht wie ein bislang unverfilmtes James-Lee-Burke-Buch, bei dem man auf die von Burke so beliebten Geister verzichtet hat, aus.
Denn der Krimiplot, in dem zwei Polizisten einen Frauenserienmörder jagen, ist in „Texas Killing Fields“ fast schon eine gut gepflegte Nebensache. Im Mittelpunkt stehen die beiden Polizisten Brian Heigh (Jeffrey Dean Morgan), der von New York City nach Texas City, in die Provinz, versetzt wurde, gläubig ist und seinen Job als halber Sozialarbeiter versteht, und Mike Souder (Sam Worthington), sein jüngerer, aus der Gegend kommender, weniger sozialarbeiterisch veranlagter Kollege, ihre vertrauensvolle, aber nicht konfliktfreie Arbeitsbeziehung zueinander, zu Souders Ex-Frau Pam Stall (Jessica Chastain), die im benachbarten Clark County Polizistin ist, und zu den Menschen, mit denen sie es während ihrer alltäglichen Arbeit zu tun haben und die zur Unterschicht von Texas City und dem angrenzenden Clark County, wo in der Vergangenheit in den Sümpfen mehrere Frauenleichen gefunden wurden, gehören. Dorthin führt die Polizisten auch eine vielversprechende Spur.
Ami Canaan Mann, die Tochter von Michael Mann, präsentiert diese Geschichte mit einem für so einen kleinen Genrefilm inzwischen überraschend hochkarätigem Cast. Jessica Chastain ist nach „The Tree of Life“, „Eine offene Rechnung“ (mit Sam Worthington) und „The Help“ die Entdeckung des letzten Kinojahres, Chloë Grace Moretz kennen wir aus „Kick-Ass“ und „Hugo Cabret“ und Sam Worthington darf seit „Avatar“ in fast jedem Big-Budget-Film mitspielen.
Ihr Kameramann Stuart Dryburgh, Oscar-nominiert für „Das Piano“, außerdem „Lone Star“, „Reine Nervensache“ und „Der Einsatz“, setzte die düstere Geschichte in adäquaten Bildern, die immer einen Hauch von Geheimnis bewahren und deren Südstaaten-Schwüle, wenn es nicht gerade aus Kübeln regnet, aus jedem Bild tropft, um.
Und wenn Souder und Heigh am Ende die Mörder (jedenfalls von einigen der Morde) überführen, die Verhaftung misslingt dann schon auf eine grotesk-fatale Weise, gibt es wenig Hoffnung, dass sich die Verhältnisse in den Südstaaten ändern. Nur für eine der Frauen gibt es einen Hoffnungsschimmer auf ein besseres Leben.
„Texas Killing Fields“ ist eben ein waschechter, wenn auch etwas unspektakulärer Südstaaten-Noir, der eher der Logik eines Fiebertraums gehorcht.
Texas Killing Fields – Schreiendes Land (Texas Killing Fields, USA 2011)
Regie: Ami Canaan Mann
Drehbuch: Donald F. Ferrarone
mit Sam Worthington, Jeffrey Dean Morgan, Jessica Chastain, Chloë Grace Moretz, Sheryl Lee, Tony Bentley, Stephen Graham, Jason Clarke
Die Assistenten von DCI Tom Barnaby wechseln. Aber die Grundpfeiler der britischen Krimiserie „Inspector Barnaby“, die im Original, nach dem Handlungsort, „Midsomer Murders“ heißt und von 1997 bis 2011 von ITV ausgestrahlt wurde, bleiben gleich.
Tom Barnaby ist glücklich verheiratet mit Joyce und ihre Tochter Cully wird zwar älter, aber sie bereitet den Eltern keine Probleme. Sogar ihre gut erzogenen Freunde sind unter den strengen Augen des Vaters akzeptabel. Die Barnabys sind das Vorbild für eine glückliche Mittelstandsfamilie.
Auch die Grafschaft Midsomer, in der sie leben, erfüllt jedes Klischees des ländlichen Englands, in dem die Welt noch heil ist. Es gibt keine Drogen. Außer Alkohol. Aber keine Alkoholiker. In Midsomer gibt es nur Genusstrinker. Es gibt keine Hippies oder Punks. Sogar die Jugendlichen freuen sich über einen schönen, altmodischen Bauerntanz. Es gibt auch keine Ausländer oder Neger. Auch Lesben und Homosexuelle scheinen diesen englischen Landstrich zu meiden. All diese Schrecknisse der Moderne und der Großstadt sind in Midsomer bislang nicht angekommen.
Eigentlich ist Midsomer sogar so friedlich, dass die Einwohner ihre Fahrräder und Wohnungen nicht abschließen. Es gibt nur eine Mordrate, die sogar für eine Großstadt beeindruckend ist. Und vielleicht gerade deswegen kriegen die Bewohner der Grafschaft Midsomer keine Schrei- und Panikattacken, wenn sie mal wieder eine Leiche entdecken. Immerhin werden in den 81 Folgen der Krimiserie zweihundert Menschen ermordet.
Auch bei den Barnabys wird sich über Tom Barnabys neuesten Mordfall beim Frühstück unterhalten, als ob es um die gemeinsame Abendplanung ginge. Und wenn die Familie Barnaby mal gemeinsam, wie in „Nass und Tod“ (Dead in the Water, GB 2004), zu einer Regatta geht, packt Joyce anschließend schulterzuckend den Picknickkorb zusammen. Es war ja klar, dass ihr Mann auch hier in einen Mordfall stolpert. So ist das Leben in der Grafschaft Midsomer.
Die zuletzt erschienenen DVD-Boxen „Volume 14“ und „Volume 15“ mit jeweils vier „Inspector Barnaby“-Fällen bieten einen Querschnitt durch die Fälle. Denn, wie auch in den vorherigen „Inspector Barnaby“-Boxen, sind die Fälle bunt aus verschiedenen Jahren und mit verschiedenen Assistenten zusammengewürfelt. Nur an den wechselnden Assistenten, an Cullys Alter und den im Polizeirevier stehenden Computern kann erahnt werden, wann der Krimi entstand.
Dabei sind die besseren Fälle von „Inspector Barnaby“ präzise Milieustudien der englischen Upper-Class, der Lords und der Neureichen, die sich teilweise seit Jahrzehnten, manchmal auch nur seit einigen Jahren, auf das innigste hassen und bekämpfen. Es gibt auch den verarmten Adel. Neid und Missgunst sind daher probate Mordmotive.
In den schlechteren Fällen (die sich eher auf „Volume 14“ befinden) wird dieser Kampf zwischen Reich und Arm dann zu einem possenhaftem Bauerntheater, das überdeutlich auf die Absurdität der Grundkonstellation der Serie hinweist.
Aber diese Cozy-Grundkonstellation bietet auch einen höchst beunruhigenden Blick in die menschliche Psyche. Denn auch wenn der Mord als eine schöne Kunst betrachtet wird, bei dem die Lösung vor allem ein intellektuelles Ratespiel ist und wenn der Mörder überführt wird, die Welt wieder in Ordnung ist, kann die absurd hohe Midsomer-Mordrate und der britische unterkühlte Umgang mit den Toten nicht darüber hinwegtäuschen, dass in jeder Folge, in der es normalerweise mehrere Morde gibt, auch immer gesagt wird: „Wir brauchen keine Ausländer und keine renitenten Jugendliche, um uns gegenseitig umzubringen. Ein gut gepflegter Nachbarschafts- oder Familienstreit tut es auch. Und wenn man mit einem Mord seine Probleme lösen kann, dann tu es ruhig. Wissen Sie, das Böse ist schon lange ein akzeptierter Teil unserer Gemeinschaft.“
So gesehen sind die „Midsomer Murders“ viel beunruhigender als sich in schrecklichen Bildern und nihilistischen Tiraden badende, sich realistisch und düster nennende Krimis, in denen die Welt anscheinend aus, teils geistig minderbemittelten, Berufsverbrechern besteht und man sich immer sagen kann, dass das einen nicht betrifft, weil man ja ein ehrlicher, gesetztestreuer Bürger ist. Wie die Bewohner der Grafschaft Midsomer, die keine Probleme haben einen Malkurs oder eine Blumenschau mit einem Mord zu verbinden.
Manchmal, wie in „Die Blumen des Bösen“ (Orchis Fatalis), sind die Motive für die Mordserie sogar für die Bewohner von Midsomer ziemlich abstrus. In dem Fall wird sogar eine Frage nicht geklärt: Wie kommt ein China-Restaurant nach Midsomer?
Postskriptum: Nachdem John Nettles als Inspector Tom Barnaby 2011 den Dienst in Midsomer quittierte, haben die Macher sich entschlossen, die Serie von „Midsomer Murders“ in „Barnaby“ umzubenennen (die internationalen Verkäufe könnten eine Rolle gespielt haben) und mit Barnabys jüngerem Cousin John Barnaby (gespielt von Neil Dugeon) fortzuführen. Seinen ersten eigenen Fall „Death in the slow lane“ löste er am 23. März 2011.
Also ändert sich sogar der Ermittler, aber ‚Merry Old England‘ bleibt ‚Merry Old England‘.
mit John Nettles (DCI Tom Barnaby), , Daniel Casey (Sergeant Gavin Troy, 1997 – 2003), John Hopkins (Sergeant Dan Scott, 2004 – 2005), Jason Hughes (DS Ben Jones, 2005 – 2011), Jane Wymark (Joyce Barnaby), Barry Jackson (Dr Bullard), Laura Howard (Cully Barnaby)
Inspector Barnaby – Vol. 14
Edel
Bild: 16:9 (PAL)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 389 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre (wegen der Hochzeitsepisode „Bloody Wedding“)
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Die bunt-gemischten Ermittlungen
Ganz in Rot (Blood Weeding, GB 2008, Staffel 11, Folge 2)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: David Lawrence
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Mord mit Rendite (Market for Murder, GB 2002, Staffel 5, Folge 1)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: Andrew Payne
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Der Tod und die Lady (A Talent for Life, GB 2003, Staffel 6, Folge 1)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: David Hoskins
mit Honor Blackman
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Der Tod malt mit (Painted in Blood,GB 2003 Staffel 6, Folge 3)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: Andrew Payne
Inspector Barnaby – Vol. 15
Edel
Bild: 16:9 (PAL)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 384 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
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Die etwas weniger bunt gemischten Ermittlungen
Unglücksvögel (Birds of Prey, GB 2003, Staffel 6, Folge 5)
Regie: Jeremy Silberston
Drehbuch: Michael Russell
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Immer wenn der Scherenschleifer… (Bad Tidings, GB 2004, Staffel 7, Folge 2)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: Peter J. Hammond
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Grab des Grauens (The Fisher King, GB 2004, Staffel 7, Folge 3)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Isabelle Grey
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Die Blumen des Bösen (Orchis Fatalis, GB 2005, Staffel 8, Folge 3)
Einige nichtsnutzige Jugendliche, die in einem heruntergekommenen Gemeinschaftszentrum (Gibt es auch andere?) ihre Sozialstunden ableisten müssen, werden während eines Gewitters von einem Blitz getroffen und entwickeln Superkräfte.
Klingt doch gut?
Aber nach der ersten Folge der BBC-Serie „Misfits“ wollte ich mir die restlichen fünf Folgen der ersten Staffel nicht mehr ansehen. Denn die deutsche Synchronisation, so ein pseudo-hipper Pseudo-Nord-Neukölln-Assi-Slang, vergällte mir jede Lust.
Dann sah ich mir die zweite Folge im Original an und es war besser. Jedenfalls klang der Slang natürlicher und es entwickelt sich auch der Beginn einer folgenübergreifenden Geschichte. Denn nicht nur die fünf Straftäter, sondern auch andere Menschen hatten neue Kräfte bekommen.
Aber gerade dieser Strang wird von Autor Howard Overmann, der die Serie erfand und alle Drehbücher schrieb, nicht weiterverfolgt. Die Superkräfte, – die da wären: eine kann Gedanken lesen, eine kann durch Berührung Männer in sie begehrende Sexbestien verwandeln, einer kann in die Zukunft sehen und sie verändern, einer kann sich unsichtbar machen und das Plappermaul der Gruppe weiß bis zum Ende der ersten Staffel nicht, was für eine Superkraft er hat -, spielen in den meisten Folgen keine oder nur eine marginale Rolle. Ein Gimmick eben.
Stattdessen entwickelt sich ein halbgarer Krimi. Denn in der ersten Folge wird der Bewährungshelfer der Jugendlichen durch das Gewitter zu einer von einem Wut-Virus infizierten Bestie, die die Jugendlichen umbringen will. Sie sind schneller und vergraben die Leiche unter einer Autobrücke. In der zweiten Folge taucht die Freundin des Toten als ihre neue Betreuerin auf. Sie will herausfinden, was mit ihrem Freund geschah und sie glaubt, dass die Jugendlichen etwas damit zu tun haben.
Neben dem Krimiplot erfahren wir in den einzelnen Folgen etwas über die Wünsche und Sehnsüchte unserer jugendlichen Outcasts. Aber das alles könnte auch gut, wahrscheinlich sogar besser, ohne das Superkräfte-Gedöns gezeigt werden. Denn meistens spielen ihre neuen Kräfte keine entscheidende Rolle für die Geschichte. Auch die potentiellen Konflikten zwischen den Wünschen der Jugendlichen, die nur ihr Vergnügen wollen, und dem allseits bekanntem Superheldenethos, der aufgrund seiner Kräfte die Welt zu einem besseren Ort machen muss (Spider-Man!), werden höchstens gestreift. Es gibt daher auch keine Kämpfe gegen andere Superhelden. Sogar in der letzten Episode, in der eine Sekte Jugendliche zu einem tugendhaftem Leben verführt (naja, genaugenommen manipuliert deren Anführerin mit ihrer gedankenverhexenden Superkraft die Menschen dazu), könnte locker ohne die Superkräfte der „Misfits“ auskommen.
Insofern war ich, trotz einiger Lacher, schwer enttäuscht von den „Misfits“.
P. S.: Die Freigabe der FSK „ab 18 Jahre“ bezieht sich nur auf die zweite Folge. In der hat einer der Jugendlichen Sex mit einer Frau, deren Superkraft ist, dass sie sich wieder in eine junge Schönheit verwandeln kann. Das führt beim Sex zu einem für den Jungen schockierendem Erlebnis. Aber ob wirklich etwas nackte Haut der Grund für die FSK-18 war, weiß ich nicht.
Jedenfalls wurde so eine Serie für Jugendliche zu einer Serie gemacht, die von Jugendlichen nicht gesehen werden kann, und im Fernsehen erst nach 22.00 Uhr (die FSK-18-Folge noch später) gezeigt werden kann.
Misfits – Staffel 1 (Misfits, GB 2009)
Regie: Tom Green (Episode 1, 2,4), Tom Harper (Episode 3, 5, 6)
Drehbuch: Howard Overman
Erfinder: Howard Overman
mit Antonia Thomas (Alisha Bailey), Robert Sheehan (Nathan Young), Lauren Socha (Kelly Bailey), Iwan Rheon (Simon Bellamy), Nathan Stewart-Jarrett (Curtis Donovan), Alex Reid (Sally)
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DVD
Polyband
Bild:16:9
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Behind the Scenes, Simon’s Films, The Making of Misfits, Wendecover
Der deutsche Titel „Die Folterkammer des Hexenjägers“ für „The haunted palace“ ist höchst kreativer Unfug. „Das Spukschloss“ hätte es besser getroffen, aber in den Sechzigern waren die deutschen Verleiher (naja, die anderen auch) immer wieder sehr kreativ bei ihrer Titelsuche.
Der Horrorfilm mit Vincent Price in einer Doppelrolle gehört zu den neun Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen von Roger Corman, die schon damals – immerhin hat Corman schon immer darauf geachtet, dass am Ende in der Buchführung eine schwarze Null stand – durch ihre Sets (Studio zwar, Zweitverwertung sowieso, aber WOW), die bekannten Schauspieler (die damals nicht auf dem Höhepunkt ihrer Karriere standen), die atmosphärische Kameraarbeit und die guten Drehbücher beeindruckten. Unter anderem schrieben Richard Matheson, Robert Wright Campbell, die auch als Romanautoren Erfolg hatten, und Robert Towne die Bücher, die eher wenig von Poes Geschichten, aber viel von deren Schaueratmosphäre übernahmen,
Auch „Die Folterkammer des Hexenjägers“ hat all das, aber keinen Hexenjäger und über die Folterkammer könnte man streiten. Es ist eher eine riesige Halle in dem riesigen, über der Neu-England-Gemeinde Arkham thronendem Schloss.
In diesem Schloss verschwanden 1765 die Töchter der Stadt. Die Gemeinde, angeführt von Weeden (Leo Gordon), verbrennt den Schlossherrn Joseph Curven (Vincent Price) auf einem Scheiterhaufen. Mit seinem letzten Atemzug verflucht er Arkham.
Hundertzehn Jahre später taucht Curvens Nachfahre Charles Dexter Ward (ebenfalls Vincent Price) mit seiner jungen Frau Ann (Debra Paget [ihr letzter Spielfilm]) in Arkham auf. Er bezieht das verlassene Schloss – und bald versucht der gar nicht so tote Geist von Joseph Curven von ihm Besitz zu ergreifen. Denn Curven will seine vor hundertzehn Jahren begonnenen Geisterbeschwörungen fortsetzen. Sein damaliger Helfer Simon Orne (Lon Chaney jr.), der als blässlicher Hausverwalter immer wieder wie ein Geist auftaucht, ist schon da. Als Lehrbuch für seine Rituale hat Curven/Ward das Necronomicon.
Genaugenommen ist „Die Folterkammer des Hexenjägers“ keine Edgar-Allan-Poe-Verfilmung (gut, als Originaltitel wurde ein Gedichttitel von Poe genommen), sondern eine, nein, die erste H.-P.-Lovecraft-Verfilmung. Charles Beaumont folgte ziemlich genau Lovecrafts posthum veröffentlichem Roman und Roger Corman verfilmte es mit den Insignien seiner Poe-Verfilmungen. Jedenfalls optisch und mit Vincent Price als Hauptdarsteller in einer Doppelrolle, Lon Chaney jr. (Der Wolfsmensch [The Wolf Man, 1941]) als Faktotum, dem als Nebendarsteller in vielen Filmen der Schwarzen Serie immer zuverlässigen Elisha Cook jr. und vielen aus anderen Corman-Produktionen bekannten Gesichtern auch gut besetzt.
Dazu kommt noch eine Dorfgemeinschaft, die ihre missgestalteten Kinder vor der Öffentlichkeit verbirgt. Curvens erste Begegnung, nachts auf offener Straße, wenn die blinden und missgestalteten Kinder sich ihm und seiner Frau im Nebel langsam nähern und einkreisen, schockiert als Urängste aufgreifendes Bild immer noch – und erinnert an ähnliche Szenen aus später gedrehten Zombiefilmen.
Auch die anderen Kinder, von denen oft wenig zu sehen ist, sind ziemlich erschreckend, während Cthulhu als grünes, sich in einer Flüssigkeit befindendes Wesen, gar nicht so furchterregend ist.
„Die Folterkammer des Hexenjägers“ ist für die Freunde des altmodischen Gruselns ein großer Spaß.
Einige andere Stimmen
„ein faszinierendes Gemeinschaftsprodukt von den beiden Horror-Meistern Amerikas“ meinen James Marriott und Kim Newman in „Horror – Meisterwerke des Grauens von Alien bis Zombie“ (2007)
Sogar Ronald M. Hahn und Volker Jansen fanden in ihrem „Lexikon des Horrorfilms“ (das mit solchen Filmen eher ungnädig umgeht) lobende Worte: „einer der wenigen B-Pictures, die man sich ansehen kann, ohne Bauchschmerzen zu bekommen.“
William K. Everson, ein erklärter Fan der klassischen Horrorfilme (also der Hollywood-Horrorfilme der dreißiger und vierziger Jahre), meinte zu diesem Film immerhin „einer der besseren Roger-Corman-Horrorfilme der sechziger Jahre, als Poe-Verfilmung ausgegeben, tatsächlich eher von Lovecraft inspiriert.“ (Klassiker des Horrorfilms, 1979)
Das „Lexikon des internationalen Films“ meint: „Formal zwar über dem Durchschnitt des Genres, gleichzeitig aber geschmäcklerisch und drastisch; oberflächlich in dem Versuch, die Grenzen vom Sinnlich-Begrifflichen zum Übersinnlichen zu überschreiten.“
Der deutsche Kinostart war am 24. Oktober 1969.
Die Folterkammer des Hexenjägers (The haunted palace, USA 1963)
Regie: Roger Corman
Drehbuch: Charles Beaumont
LV: Edgar Allan Poe: The haunted palace, 1839/H. P. Lovecraft: The Case of Charles Dexter Ward, 1941 (Der Fall des Charles Dexter Ward)
mit Vincent Price, Debra Paget, Lon Chaney jr., Frank Maxwell, Leo Gordon, Elisha Cook jr.
–
DVD
Black Hill
Bild: 2.35:1 (16:8)
Ton: Deutsch, Englisch (DD 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Originaltrailer
Länge: 84 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Filme
Die Verfluchten (The house of Usher, 1960)
Das Pendel des Todes (Pit and the pendulum, 1961)
Lebendig begraben (The premature burial, 1962)
Der grauenvolle Mr. X (Tales of terror, 1962)
Der Rabe – Duell der Zauberer (The raven, 1963)
Die Folterkammer des Hexenjägers (The haunted palace, 1963 – obwohl genaugenommen eine Lovecraft-Verfilmung)
The Terror – Schloss des Schreckens (The terror, 1963 – obwohl der Film auf keiner Poe-Geschichte beruht, wird er manchmal zu Cormans Poe-Filmen gezählt)
Satanas – Das Schloss der blutigen Begierde (The masque of the Red Death, 1964)
Für die zweite Staffel von „Luther“, der genialen Serie um den Londoner Kriminalpolizisten John Luther (grandios gespielt von Idris Elba), ließen die Macher keinen Stein auf dem anderen. Die Sets wurden verändert. So lebt John Luther inzwischen in einem Apartment, das eine Mischung aus Ruine und Müllkippe ist, die eine Hausdurchsuchung zu eine Ordnung schaffenden Maßnahme macht. Die halbe Besetzung wurde ausgetauscht; was sich auch aus dem genialem Ende der ersten Staffel erklärt. Damit erhielt die BBC-Serie eine Frischzellenkur, die in dem Moment gar nicht nötig gewesen wäre. Aber Autor Neil Cross ergriff nach dem Erfolg der ersten Staffel, die aus sechs einstündigen Episoden bestand, jetzt, anstatt einfach nur die bekannte und bewährte Formel der ersten „Luther“-Folgen fortzuführen. beherzt die Chance, etwas zu schaffen, das die Serie auf ein neues Level hob,
Die zweite Staffel besteht aus zwei spielfilmlangen Fällen. Im ersten Fall jagt er einen Serienmörder, der mit einer Harlekinmaske mordet und, so nimmt Luther an, von Märchen und Mythologien, die er als Inspiration für seine Taten benutzt, besessen ist. Im zweiten Fall jagt Luther einen Täter, der vor seinen Taten seine nächsten Schritte mit einem Würfel bestimmt. Luther fragt sich, wie er einen Täter fangen kann, der seine nächsten Taten noch nicht kennt und welches Spiel der Täter in London spielt.
In dem ersten Fall räumt Neil Cross auch mit allen losen Fäden aus der ersten Staffel auf. Deshalb verabschiedet sich auch seine psychopathische Freundin Alice Morgan (Ruth Wilson), die ich inzwischen wirklich mag. Das ermöglicht John Luther die Chance auf einen Neustart, der erwartungsvoll auf die dritte „Luther“-Staffel blicken lässt. Die ist – gottseidank – auch schon in Planung.
Die netten Damen von Polyband haben mir eine DVD der zweiten „Luther“-Staffel zur Verlosung gegeben. Die Teilnahmebedingungen sind:
Schickt eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung“ und einer deutschen Postadresse an info@axelbussmer.de
Einsendeschluss ist Mittwoch, der 11. Juli, um Mitternacht.
Seit Jahren stand „Die Seven-Ups“, der einzige Film von „Bullitt“- und „The French Connection“-Produzent Philip D’Antoni, mit Roy Scheider in der Hauptrolle, auf meiner Wunschliste. Aber im Fernsehen lief der Film nie und auch auf DVD machte er sich rar.
Sollte also, abgesehen von der legendären zehnminütigen Autoverfolgungsjagd, der Film einfach schlecht sein?
Nun, sagen wir es mal so: ein vergessenes Meisterwerk ist „Die Seven-Ups“ nicht. Dafür liefert der Film dann doch zu sehr die heute sattsam bekannten Polizeifilmklischees ab. Dabei hätte der Film, mit einem besseren Drehbuch, durchaus ein Klassiker werden können.
Denn die Geschichte, die heute wahrscheinlich in einer TV-Folge erzählt würde, ist nicht uninteressant. Buddy Manucci (Roy Scheider) ist der Chef der Spezialeinheit „Seven-Ups“, die, im Gegensatz zu normalen Polizisten, bei ihrer Arbeit große Freiheiten genießen. Immerhin erwarten die von den „Seven-Ups“ gejagten Verbrecher mindestens sieben Jahre Gefängnis. Wohin diese Freiheiten, die damals auch in der Realität einige Polizeieinheiten hatten, führten, kann man in „Prince of the City“ (das Sachbuch und die Verfilmung erzählen, was nach „The French Connection“ geschah) sehen.
Viele Tipps erhält Buddy von dem seinem Jugendfreund, dem Gangster Victo Lucia (Tony Lo Bianco), der in der Mafia-Hierarchie schon ziemlich mächtig ist. Lucia hat jetzt auch eine Methode gefunden, nebenher viel Geld zu machen: er lässt Gangsterbosse von falschen Polizisten entführen und lässt sie gegen ein erkleckliches Lösegeld wieder frei.
Die Gangster glauben, dass die falschen Polizisten echte Polizisten sind und auch in der Polizei werden die „Seven-Ups“ für die Drahtzieher gehalten. Als die Verbrecher einen von Buddys Kollegen deswegen umbringen, jagen die restlichen „Seven-Ups“ gnadenlos die Gangster.
Allerdings vertieft D’Antoni den zwischen Buddy und Lucia liegenden Konflikt zwischen Loyalität und Freundschaft nicht weiter. Er fragt auch nicht nach der Legitimität der Methoden. Effizienz genügt Buddys Vorgesetzten.
Damit gehört „Die Seven-Ups“ zu den damals erfolgreichen Thrillern, die nach der Legitimität des staatlichen Gewaltmonopols fragten und Großstädte als Dschungel begriffen, in dem die letzten Stellungskämpfe gegen ein überbordendes Verbrechen geführt wurden. Georg Seeßlen spricht in „Copland“ von „Polizisten im kontrollierten Bürgerkrieg“. Die „Dirty Harry“-Filme mit Clint Eastwood und „Ein Mann sieht rot“ mit Charles Bronson (der als Liberaler, während die Polizei wegsieht, zur Waffe greift) sind die auch heute noch bekannten Genrevertreter.
Auch stilistisch ist „Die Seven-Ups“ ein Kind der siebziger Jahre. Die vielen Außenaufnahmen von New York, Lagerhallen und Industriebrachen, die langen Einstellungen, die Ruhe, mit der die Kamera den Charakteren folgt, die wenigen Dialoge und die nur sparsam eingesetzte Musik von Jazzer und „The French Connection“-Komponist Don Ellis. Sogar, oder gerade, bei der zehnminütigen Autoverfolgungsjagd gibt es keine Musik, sondern nur die Fahrgeräusche der Autos und schreiend weglaufende Kinder. Diese Szene ist zwar nicht so spektakulär wie in „French Connection“ , aber immer noch mitreisend.
Und, auch das spricht für den Film, wir erfahren außerhalb ihrer Arbeit nichts von den Charakteren. Es gibt keine langen, gefühligen Familienszenen, keine privaten Subplots und auch keine Liebesgeschichte. „Die Seven-Ups“ ist ein reiner Männerfilm.
Roy Scheider, damals ein aufstrebender Star nach seinem „The French Connection“- und vor seinem „Der weiße Hai“-Ruhm, spielt Buddy Manucci, den Chef der Seven-Ups, als einen kühlen, äußerlich immer beherrschten Chef. Er würde niemals, wie Popeye Doyle in „The French Connection“, ausrasten. Stattdessen erinnert Buddy Manucci an Buddy Russo, Doyles, ebenfalls von Scheider gespielten, Partner in „The French Connection“ und dieser basiert auf dem echten Sonny Grosso, der in beide Filme involviert war.
Auch die anderen Schauspieler gefallen sich im Unterspielen – und verkörpern damit den Geist der Professionalität. Sie sind, egal ob Gangster oder Polizisten – und auf den ersten Blick ist auch nicht zu erkennen, auf welcher Seite die unauffällig gekleideten Männer stehen -, Profis, die ihr Handwerk beherrschen und ihre Moralkodex folgen. Probleme gibt es letztendlich nur durch die im falschen Moment unbesonnen reagierenden Entführer. Dass sie Probleme verursachen werden, verrät schon ihre, nach dem Standard des Films, viel zu auffällige Kleidung.
„Die Seven-Ups“ ist für Fans von Siebziger-Jahre-Filmen und düsteren Copthrillern ein Pflichttermin.
Denn, wenn ich es recht überlege, spricht gegen den Film nur das Drehbuch, das halt nur okay ist. Immerhin gab es seit „Die Seven-Ups“ unter anderem „Leben und Sterben in L. A.“ (noch düsterer und mit einer wiederum Maßstäbe setzenden Autoverfolgungsjagd), die TV-Serie „The Shield“ (die Macher haben definitiv „The Seven-Ups“ gesehen), „Training Day“, „Dark Blue“ und „Street Kings“ (eine quasi Los-Angeles-Polizeitrilogie von David Ayer, mit heftigem James-Ellroy-Einfluss) . Wobei diese Polizeigeschichten, bis auf „Leben und Sterben in L. A.“, keine Autoverfolgungsjagd haben.
Die Seven-Ups (The Seven-Ups, USA 1973)
Regie: Philip D’Antoni
Drehbuch: Albert Ruben, Alexander Jacobs (nach einer Geschichte von Sonny Grosso)
mit Roy Scheider, Victor Arnold, Jerry Leon, Ken Kercheval, Tony Lo Bianco, Larry Haines, Richard Lynch
Wer die Strecke der Autoverfolgungsjagd, natürlich unter strikter Beachtung der Geschwindigkeitsbegrenzungen, nachfahren will, sollte sich dieses Video ansehen
Für „Bullitt“ gibt es eine ähnliche Analyse, die ich im Moment nicht finde.
Wenn zwei junge Menschen in die Einöde fahren und irgendwann ihr Auto liegen bleibt, dann muss man kein Genrejunkie sein, um sich auszurechnen, was passieren wird. Denn in der Einöde gibt es immer mindestens einen Einsiedler, der die Eindringlinge als Beute betrachtet und sie vor der rituellen Verspeisung noch ordentlich quälen will.
Allerdings hat Wolfgang Weigl in seinem Spielfilmdebüt gar keinen Survival-Horrorthriller, sondern einen Liebesfilm gedreht. Das Spiel mit den Thriller-Erwartungen sollte die Zuschauer nur auf eine falsche Fährte locken.
Das ist ihm gelungen.
Allerdings stehen sich in dem optisch beeindruckendem „Blindlings“ der Liebesfilm und der Horrorfilm im Weg. Die Horrorfilm-Elemente sind letztendlich nur falsche Fährten, der Liebesfilm plätschert vor sich hin, weil das frühere Liebespaar Max und Eva meistens getrennt durch den winterlichen Wald stolpert. Immerhin taucht sie, knapp bekleidet, in seinen Fantasien auf und redet mit ihm.
So ist „Blindlings“, das eine Metapher über vereiste Gefühle, Sprachlosigkeit und Irrtümer sein will, eine zähe Liebesgeschichte über das Ende einer Liebe, in der Max, Eva und der Einsiedler sich möglichst bescheuert benehmen. Der Einsiedler huscht durch den Wald und, vor allem nachdem deutlich wird, dass er sie nicht zum Abendessen verspeisen will, ist sein Verhalten nur noch seltsam. Max und Eva stolpern die meiste Zeit getrennt durch den Wald und rufen den Namen des anderen. Warum sie nicht gemeinsam loslaufen, warum sie nicht am Auto aufeinander warten und Hupsignale geben, warum sie stattdessen den Namen des anderen in den Wald rufen, bleibt nebulös. Das Ende des Films funktioniert sogar nur, weil er, gegen jede Vernunft, nichts sagt.
Das Bonusmaterial ist definitiv einen Blick wert und auch der Audiokommentar von Wolfgang Weigl ist sehr informativ.
Blindlings (D 2009)
Regie: Wolfgang Weigl
Drehbuch: Wolfgang Böhm, Florian Puchert, Wolfgang Weigl
mit Mirkus Hahn, Barbara Romaner, Klaus Stiglmeier
Mit knapp achtzig Minuten (ohne Abspann) ist „Point Blank – Aus kurzer Distanz“ das filmische Äquivalent zu einem Punk-Song. Und vielleicht gibt es, wie bei Fred Cavayés erstem Film „Ohne Schuld“ (Pour elle, Fr 2008), wieder ein Hollywood-Remake, das dann gute vierzig Minuten mehr Zeit zum Erzählen der Geschichte braucht. Denn das „Ohne Schuld“-Remake „72 Stunden – The next three Days“ (USA 2010) über einen Lehrer, der seine unschuldig im Gefängnis sitzende Frau befreit, dauert über 130 Minuten, ohne dem Original irgendetwas wesentliches beizufügen.
Auch in „Point Blank“ muss ein Normalo eine Entscheidung treffen, die sein gesamtes Leben beeinflusst. Wobei; – die Bösewichter für ihn die Entscheidung getroffen haben, nachdem der Krankenpfleger Samuel Pierret (Gilles Lellouche) während der Nachtwache einen Besucher, der den schwerverletzten Hugo Sartet (Roschdy Zem) umbringen wollte, verscheucht.
Als Pierret von der Nachtschicht nach Hause kommt, haben die Verbrecher seine hochschwangere Frau als Geisel genommen. Sie wollen, dass er Sartet aus dem Krankenhaus schmuggelt.
In letzter Sekunde patzt er und die Beiden befinden sich auf der Flucht. Dabei muss Pierret, dessen größtes Verbrechen bisher wahrscheinlich ein Bei-rot-über-die-Ampel-gehen war, feststellen, dass der Einbrecher Sartet von korrupten Polizisten, die über Leichen gehen, gejagt wird. Diese Zögern auch nicht, Pierret im Fernsehen als kaltblütigen Polizistenkiller hinzustellen.
„Point Blank – Aus kurzer Distanz“ beeindruckt mit knackigen, altmodisch-realistischen Actionszenen, überraschenden Wendungen und einer hinterfotzigen Geschichte mit einem ordentlichem Schuss Hitchcock.
Als Bonusmaterial gibt es ein fünfzigminütiges „Making of“, das als Drehbericht einige interessante Einblick in den Film und die Dreharbeiten vermittelt. Aber im Vergleich zum Film ist dieser Blick hinter die Kulissen eindeutig zu lang geraten ist.
Point Blank – Aus kurzer Distanz (À bout portant, Frankreich 2010)
Regie: Fred Cavayé
Drehbuch: Fred Cavayé, Guillaume Lemans
mit Gilles Lellouche, Roschdy Zem, Elena Anaya, Gérard Lanvin, Mireille Perrier, Claire Pérot, Moussa Maaskri, Pierre Benoist, Valérie Dashwood