LV: Robert L. Pike (Pseudonym von Robert L. Fish): The mute witness, 1963 (später “Bulitt”)
Lieutenant Bullitt soll einen Mafia-Kronzeugen bewachen. Als dieser umgebracht wird, beginnt Bullitt die Täter zu suchen.
In die Filmgeschichte ging Bullitt wegen seiner zwanzigminütigen Autoverfolgungsjagd durch San Francisco ein (andere Quellen nennen elf oder zwölf Minuten; jedenfalls für damalige Verhältnisse: verdammt lang). An der Kinokasse war der Film besonders wegen der Besetzung erfolgreich: Steve McQueen und Jacqueline Bisset. – Inzwischen hat „Bullitt“ mächtig Patina angesetzt: die Story ist wirklich simpelst, die Kamera von einer unerträglichen Glätte und, seitdem eine Autoverfolgungsjagd zum Inventar eines Polizeifilms (und selbstverständlich eines Action-Films) gehört, ist die „Bullitt“-Verfolgung auch nicht mehr so sensationell.
Das Drehbuch von Alan Trustman und Harry Kleiner erhielt einen Edgar als bestes Spielfilmdrehbuch.
Im Anschluss zeigt Arte um 22.05 Uhr die spielfilmlange Doku „Steve McQueen – Leidenschaftlich cool!“ (USA 2005, Regie: Mimi Freedman).
Mit Steve McQueen, Robert Vaughn, Jacqueline Bisset, Don Gordon, Robert Duvall, Simon Oakland
In den Siebzigern versuchte Dustin Hoffman sich schon einmal als Regisseur. Der damalige Versuch, „Stunde der Bewährung“ (Straight Time, USA 1978, nach einem Roman von Edward Bunker), wurde von ihm schon während der Dreharbeiten abgebrochen. Ulu Grosbard übernahm die Regie und es entstand ein teilweise packendes, noirisches Krimidrama, das kaum jemand kennt. Der nächste Versuch, „Tootsie“ (USA 1982), wurde noch vor dem Beginn der Dreharbeiten abgebrochen. Sidney Pollack übernahm die Regie. Die Dreharbeiten waren wohl sehr anstrengend. Der Film war ein Erfolg und Dustin Hoffman wurde für den Oscar nominiert.
Danach wollte er sich zwar ein weiteres Mal als Regisseur versuchen, aber er hatte, nach diesen Erfahrungen und weil er als Zauderer und Perfektionist bekannt ist, Angst vor einem weiteren Versuch.
Jetzt überzeugten ihn seine Frau Lisa und sein Agent mit sanfter Gewalt, so Hoffman in einem Porträt von Christoph Amend (Zeit Magazin), die Regie bei „Quartett“ zu übernehmen und er besiegte seine Angst mit dieser herzigen Geschichte über ein Altersheim, in dem Musiker ihre letzten Lebenstage verbringen. Sie machen Hausmusik, pflegen ihre Zipperlein und Cedric Livingstone (Michael Gambon) bereitet die alljährliche Gala zu Verdis Geburtstag, die auch die weitere Existenz der Seniorenresidenz „Beecham House“ sichern soll, vor. Unter den vielen Musikern schälen sich schnell Reggie (Tom Courtenay), der immer für einen anzüglichen Spruch bereite Wilf (Billy Connolly) und die hilfsbereite, an Demenz im Anfangsstadium leidende Cissy (Pauline Collins) als zentrale Charaktere der luftigen Geschichte heraus.
Durch die Ankunft der berühmten Sopranistin Jean Horton (Maggie Smith), die nie wieder singen will, wird der Alltagstrott von „Beecham House“ gestört. Die Diva war vor vielen Jahren kurz mit Reggie verheiratet. Seitdem wechselten sie kein Wort mehr miteinander und vermieden es, in der gleichen Stadt zu leben.
In der mondänen Residenz und der beschaulichen englischen Landschaft kommen sie sich allerdings wieder näher und, weil „Beecham House“ kurz vor der Pleite steht, könnte ein gemeinsamer Auftritt von Reggie, Wilf, Cissy und Jean, die vor Jahrzehnten, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, mit einer Aufnahme von Verdis Oper „Rigoletto“, insbesondere dem Quartett „Bella figlia dell‘ amore“, in die Musikgeschichte eingingen, auf der alljährlichen Verdi-Gala für ein volles Haus und einen entsprechenden Geldsegen sorgen. Also versuchen Cissy, Wilf und Reggie Jean von einem gemeinsamen Auftritt zu überzeugen.
Dustin Hoffmans Regiedebüt ist gediegenes Schauspielerkino, das mit pointierten Dialogen und Weisheiten kurzweilig unterhält. Geliefert werden die Pointen von einem hochkarätigen Ensemble, das aus vielen, in jeder Beziehung spielfreudigen Sängern, Musikern und Theaterschauspielern, deren Karrierehöhepunkte im Filmabspann genannt werden, besteht. Sie zeigen, dass Alter vielleicht nichts für Feiglinge und Weicheier ist, aber es ist auch nichts für Meckerfritzen, Spielverderber und Schwarzseher. Denn man kann immer noch etwas Sinnvolles tun.
Und man verlässt nach diesem kurzweiligen und sehr britischem Potpourri das Kino mit einem Lächeln, einem guten Gefühl und dem festen Vorsatz, die Oper zu besuchen. Denn die ist, wie Reggie einer Schulklasse erklärte, gar nicht so steif wie man glaubt und die Sänger drücken ihre Gefühlen, wie HipHopper, mit ihrem Gesang aus.
Quartett (Quartet, UK 2012)
Regie: Dustin Hoffman
Drehbuch: Ronald Harwood
LV: Ronald Harwood: Quartet, 1999 (Theaterstück)
mit Maggie Smith, Tom Courtenay, Billy Connolly, Pauline Collins, Michael Gambon, Gwyneth Jones, Sheridan Smith, Andrew Sachs
Wenn Sie nach dem Trailer jetzt einen packenden Gerichtsthriller, vielleicht mit etwas Medien- und Kapitalismuskritik erwarten, dann werden sie mit „Flight“ wenig anfangen können. Denn Robert Zemeckis (Zurück in die Zukunft, Forrest Gump, Cast Away) erzählt nach einem Drehbuch von John Gatins (Coach Carter, Real Steel) die Geschichte von Whip Whitaker (Denzel Washington), der als Flugzeugkapitän zwar eine fluguntaugliche, vollbesetzte Maschine so landen kann, dass nur sechs der einhundertzwei Passagiere und Crewmitglieder sterben. Er wird zum Held des Tages. Dummerweise hatte er bei dem Flug auch immense Mengen Drogen im Blut. Wie fast immer. Denn Whip ist Alkoholiker – und die Filmgeschichte dreht sich um sein Leben: seine Versuche mit der drogensüchtigen Nicole Maggen (Kelly Reilly), die er nach dem Flugzeugabsturz im Krankenhaus kennen lernt, von seiner Sucht loszukommen, seinen Rückfällen und seiner Selbstgerechtigkeit.
Das wird dann, durchgehend gut gespielt (wobei Denzel Washington etwas zu sehr auf den Oscar schielt), handwerklich sauber, vor allem an Ende ordentlich schmalzig und kein Alkoholikerklischee auslassend (aber immerhin mit einigen Auftritten von John Goodman als Whips lässiger Drogenhändler mit dudehafter Lebowski-Attitüde), nach den bewährten dramaturgischen Regeln auf gut hundertvierzig Minuten ausgewalzt.
Nur hätte man dieses Alkoholikerdrama auch ohne den Flugzeugabsturz erzählen können. Denn über diese spektakuläre Aktion, die im Zentrum der Werbung für den Film steht und von einem ähnlichen Vorfall inspiriert ist, und wie der Absturz danach von den zuständigen Stellen aufgearbeitet wird, wie Whip zu einem Spielball unterschiedlicher Interessen, die im Film weitgehend diffus bleiben, wird, hätte man gerne mehr erfahren. Aber diese Probleme lösen sich, dank des Geschicks von Strafverteidiger Hugh Lang (Don Cheadle, gut wie immer, aber mit zu wenig Filmzeit), schnell in Luft auf und Whip könnte am Ende von der Öffentlichkeit weiterhin als nicht-geläuterter Held gefeiert werden.
Aber eben jenes Gerichtsdrama wird nicht erzählt.
Stattdessen gibt es ein überlanges Alkoholikerdrama, das, um nur einen Film zu nennen, im Schatten von Billy Wilders mit vier Oscars ausgezeichnetem, vierzig Minuten kürzerem Alkoholikerdrama „Das verlorene Wochenende“ (The lost Weekend, USA 1945) steht.
Flight (Flight, USA 2012)
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: John Gatins
mit Denzel Washington, Don Cheadle, Kelly Reilly, John Goodman, Bruce Greenwood, Melissa Leo, Brian Geraghty, Tamara Tunie, James Badge Dale
LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)
Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.
Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.
Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle
Vielleicht gibt es irgendwann eine längere Fassung, die alle Probleme von Steven Spielbergs Biopic „Lincoln“ beseitigt. Vielleicht hilft die Einleitung, die es jetzt außerhalb der USA für den Film geben soll. Oder man wirft vor dem Kinobesuch einen Blick in die einschlägigen Geschichtsbücher oder, wenn es schnell gehen soll, liest bei Wikipedia vor allem die Einträge zu Abraham Lincoln, Bürgerkrieg und dem 13. Verfassungszusatz durch. Dann weiß man schon in groben Zügen, was in dem Biopic über die letzten vier Monate im Leben von Abraham Lincoln, unter besonderer Berücksichtigung des Januar 1865, geschah und hat vielleicht einen anderen Blick auf dieses hochkarätig besetzte und schon jetzt mit Nominierungen überschüttete Werk.
Aber bis dahin kann ich nur über die Version von „Lincoln“ sprechen, die ich – gottseidank – in der deutschen Fassung gesehen haben. Denn sonst wäre ich wahrscheinlich, vollkommen verwirrt von den vielen Politikern, die mir nichts sagten, ihren endlosen Diskussion über verschiedene Parteigrenzen hinweg (Republikaner? Demokraten? Konföderierte? Abolitionisten? Whatthefuck?) über ein anscheinend superwichtiges Gesetz von dem ich noch nie gehört habe, und Abraham Lincolns (Daniel Day-Lewis) problematischer Beziehung zu seiner Frau Mary Todd (Sally Field) und seinem Sohn Robert (Joseph Gordon-Levitt), der unbedingt in den Krieg ziehen möchte, schnell sanft entschlummert. Es dauert jedenfalls sehr lange, bis deutlich wird, dass „Lincoln“ erzählen möchte, wie es in der Endphase des Bürgerkriegs dem US-Präsidenten, auch indem er die Verfassung dehnte und vielleicht sogar überschritt (jedenfalls sagt Lincoln das einmal, aber ob das so ist, kann ich nicht beurteilen), innerhalb eines Monats gelang, während der er auch alle Bemühungen für einen Friedensschluss zwischen den Nord- und Südstaaten blockierte, eine Mehrheit für die Abstimmung im Kongress am 31. Januar 1865 beschaffen zu lassen für jenen 13. Zusatzartikel zur Verfassung, der die Sklaverei abschaffte.
Und einiges von der Hinterzimmerpolitik ist dann auch durchaus interessant. Aber in den über 145 Sprechrollen gehen auch potentiell interessante Charaktere und ihre Probleme unter. So ist Thaddeus Stevens (Tommy Lee Jones), der als mächtiger Abgeordneter für die Abschaffung der Sklaverei streitet, eine interessante Figur, die aber in dem Film zu wenig Raum bekommt. Oder die von Lincolns Außenminister William Henry Seward (David Strathairn) engagierten drei Problemlöser (John Hawkes, James Spader, Tim Blake Nelson), die mit Geld und Posten Wackelkandidaten überzeugen sollen. Selbstverständlich darf es zwischen ihnen und Lincoln keine Verbindung geben. Oder die vielen Abgeordneten, die für die notwendige verfassungsändernde Mehrheit überzeugt werden sollen, entgegen ihrer Überzeugung und der Parteilinie abzustimmen. Das wären echte Konflikte, die einen, wie in „Schindlers Liste“, in die Geschichte involviert hätten.
Aber nein. Für diese Charaktere und ihre Konflikte ist keine Zeit vorhanden, weil Abraham Lincoln als Märchenonkel wieder einmal eine Geschichte erzählen darf und wir verbringen dann viel zu viel Zeit mit der uninteressantesten Figur des gesamten Films. Denn Lincoln will nur die Sklaverei endgültig abschaffen, zweifelt nie daran, lässt andere Leute die Arbeit erledigen und sogar bei der Abstimmung ist er nicht dabei. Er sitzt im Weißen Haus und wartet auf das Ergebnis, während wir zusehen, wie irgendwelche Männer dem Verfassungszusatz zustimmen oder ihn ablehnen.
Das will dramatisch sein, aber gerade im Vergleich mit „Hannah Arendt“ (Sehbefehl!) ist „Lincoln“ nur bieder-staubiges, humorlos-ernsthaftes, kammerspielartiges Schulfernsehen, das an seiner Bedeutungsschwere erstickt und einen ohne historisches Hintergrundwissen gelangweilt-ratlos zurück lässt.
Lincoln (Lincoln, USA 2012)
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Tony Kushner
LV: Doris Kearns Goodwin: Team of Rivals: The political Genius of Abraham Lincoln, 2005
mit Daniel Day-Lewis, Sally Field, David Strathairn, Tommy Lee Jones, Joseph Gordon-Levitt, James Spader, Hal Holbrook, John Hawkes, Jackie Earle Haley, Bruce McGill, Tim Blake Nelson , Jared Harris, Gloria Reuben, Walton Goggins , David Oyelowo, Lukas Haas, Gregory Itzin, S. Epatha Merkerson
Die einfache Story des Neo-Noirs: Ein Polizist will einen Fluchtwagenfahrer schnappen. Dabei scheut er auch nicht vor illegalen Methoden zurück.
„The Driver is the ultimate urban thriller.“ (Philip French, Radio Times)
Hill lässt seine existenzialistische Geschichte hauptsächlich im nächtlichen Los Angeles spielen, die Charaktere haben keine Namen, reden wenig und die Action-Szenen (natürlich vor allem in zu schnell fahrenden Autos) beanspruchen einen großen Teil von Walter Hills zweitem Film. Nach „Driver“, „Die Warriors“, „Long Riders“ und „Die letzten Amerikaner“ wurde er als wichtigster Action-Regisseur der achtziger Jahre gehandelt. Und dann kam „Nur 48 Stunden“.
1984 drehte Tim Burton, als Angestellter bei Disney, den Kurzfilm „Frankenweenie“ mit Schauspielern, wie Shelley Duvall, und Tricksequenzen. Er wollte wohl schon damals einen Spielfilm drehen, bekam aber nur das Geld für einen Kurzfilm, der als Vorfilm von „Pinocchio“ (USA 1940) gezeigt werden sollte und der letztendlich zu düster für das typische, kindliche Disney-Publikum war.
Damit endete seine Karriere bei Disney und nach dem tollen Gesellenstück „Frankenweenie“, das schon alle Zutaten für einen typischen Tim-Burton-Film enthält, drehte er „Pee-Wees irre Abenteuer“, eine kommerziell erfolgreiche Fingerübung, und Filme wie „Beetlejuice“ und „Edward mit den Scherenhänden“, die heute als typische Tim-Burton-Filme bekannt sind und viele Ideen von „Frankenweenie“ in Farbe fortführten.
Jetzt durfte er, mit Geld von Disney, eine spielfilmlange Version von „Frankenweenie“ drehen, die die damalige Geschichte mit mehreren Charakteren und Subplots und detaillierteren Szenen ausführlicher erzählt. Er drehte wieder in Schwarz-Weiß, was aber die Farbigkeit des Films erhöht und die als eine wichtige Inspirationsquelle dienenden Universal-Horrorfilmklassiker aus den dreißiger und vierziger Jahren sind ja auch SW-Filme. Aber dieses Mal inszenierte er „Frankenweenie“ als Stop-Motion-Film, wie „The Nightmare before Christmas“ und „Tim Burton’s Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“ (ebenfalls nach einem Drehbuch von John August), die ja zu seinen besten Filmen gehören, und, er drehte in 3D, was gerade in Verbindung mit Schwarz-Weiß und Stop-Motion, das Filmerlebnis intensiviert und dem Film wirklich eine zusätzliche Dimension verleiht.
Wer den Original-“Frankenweenie“ kennt, kennt die Geschichte des neuen „Frankenweenie“. Und wer James Whales Horrorfilmklassiker „Frankenstein“ (USA 1931) und „Frankensteins Braut“ (Bride of Frankenstein, USA 1935) kennt, wird die Geschichte und über die Hälfte der filmischen Referenzen leicht erkennen. Für die anderen hilft ein Blick auf entsprechende Monsterfilme und in Burtons Werk.
Jedenfalls verliert in beiden „Frankenweenie“-Filmen der junge Victor Frankenstein, ein begeisterter Hobbyfilmer und Bastler, seinen Hund Sparky und, nach einem Tipp von seinem Lehrer, dass mit Elektrizität Tote reanimiert werden können (okay, es ist nur ein durch Stromschläge zuckendes Froschbein, aber die Forscherneugier ist geweckt und, Hey, was erwarten wir von einem Frankenstein?), beginnt Frankenstein auf dem Dachboden mit seinem Experiment. Während eines Gewitters kann er Sparky wiederbeleben und der Trouble beginnt. Denn Sparky, der in jeder Beziehung ausläuft, bleibt nicht auf dem Dachboden, sondern erkundet die Gegend und wird von den Vorstadt-Bewohnern, die ihn für ein Monster halten, gesehen. Und das Ende ist, wie schon in James Whales „Frankenstein“, in einer brennenden Mühle.
Aber weil Tim Burton für sein „Frankenweenie“-Remake über eine Stunde mehr Zeit hat, kann er noch eine Liebesgeschichte zwischen Sparky und der im Nachbarhaus wohnenden Pudeldame Persephone (siehe „Frankensteins Braut“), etliche von Frankensteins Schulkameraden, wie Edgar „E“ Gore, die von seinem Experiment erfahren und ebenfalls tote Tiere zum Leben erwecken wollen (allerdings bei ihnen mit fatalen Folgen), Elsa van Helsing, der nebenan wohnenden Schulkameradin und Herrin von Persephone, und den Bürgermeister von New Holland, der auch passenderweise Mr. Burgemeister heißt und der als Nachbar der Frankensteins peinlich genau auf die Ordnung und Sauberkeit in dieser typisch US-amerikanischen Vorstadt New Holland achtet, einführen. Und über den Lehrer, der Frankenstein zu seinem Experiment mit der Wiederbelebung von Sparky verleitet, erfahren wir mehr. Dieser aus Osteuropa kommendem Wissenschaftslehrer Mr. Rzykruski (im Original von Martin Landau gesprochen und auch deutlich nach ihm modelliert) ist ein von der Naturwissenschaft überzeugter Mann, der seine Schüler zu rationalen, neugierigen und weltoffenen Menschen erziehen will, aber an den kleinbürgerlich-engstirnigen New-Holland-Bewohnern, die alles Neue ablehnen, scheitert.
Das ist ein großer Spaß, bei dem Tim-Burton-Fans viele Reminiszenzen an seine älteren Werke entdecken können, Filmfans in Erinnerungen schwelgen dürfen und Jüngere den Film als Sprungbrett für eigene Filmerkundungen nutzen sollten.
Außerdem gehört „Frankenweenie“, zu Tim Burtons besten Filmen und ist in jeder Sekunde tausendmal lebendiger als sein letzter Film „Dark Shadows“, der wie ein geschlurfter Gang durch ein Wachsfigurenkabinett wirkte.
„Burton kehrt (…) auf wunderbare Weise zu seinen Wurzeln zurück. FRANKENWEENIE sprüht vor witzigen Ideen und raffinierten Anspielungen auf Klassiker des Horrorfilms. Wie immer bei Burton sind die Figuren liebenswerte Außenseiter, die abseits der auf Einheit gebürsteten Gesellschaft stehen, und die der Zuschauer ganz schnell ins Herz schließt. Hochverdient besiegen am Ende doch Mut und Fantasie die konservative und brave Masse, für die Burton immer wieder kleine kreative Seitenhiebe übrig hat. In modernster Stop-Motion-Technik hergestellt, ist die Liebe zum Detail und die mühevolle Handarbeit der Künstler spürbar. Dazu kommt noch die berührende Musik von Burton Haus-Komponist Danny Elfman. Kein Film für ganz junge Zuschauer, doch für die Älteren ein zauberhaftes und unterhaltsames Animationsvergnügen.“ (Begründung der FBW)
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Der Original-„Frankenweenie“ und, als Vorfilm, Tim Burtons „Vincent“, erzählt von Vincent Price:
In der ersten Staffel der italienischen Krimiserie „Romanzo Criminale“ verfolgten wir atemlos den Aufstieg einer Bande Kleinkrimineller zu den Königen von Rom. Am Ende der in den siebziger Jahren spielenden Geschichte wurde der Libanese, so etwas wie ihr unausgesprochener Chef der gleichberechtigten und daher ihre Entscheidungen kollektiv treffenden Bandenmitglieder, am 13. September 1980 auf offener Straße erschossen.
Die zweite und letzte Staffel von „Romanzo Criminale“ schließt sich unmittelbar an die erste an. Freddo (Vinicio Marchioni), Dandi (Alessandro Roja), Scrocchia (Riccardo De Filippis) und Bufalo (Andrea Sartoretti), die überlebenden Köpfe der Bande, wollen herausfinden, wer Libano (Francesco Montanari) erschoss. Außerdem müssen sie die kriminellen Geschäfte weiterführen und ihre internen Konflikte lösen. Es geht also, nachdem in der ersten Staffel über elf packende Stunden eine Geschichte vom Aufstieg erzählt wurde, die sich letztendlich auf einen charismatischen Charakter konzentrierte, um die Verteidigung des Erreichten. Es geht um Stellungskämpfe, Freundschaft, Vertrauen, Misstrauen, Verrat und wechselnde Bündnisse. Insofern fehlt der zweiten, aus zehn etwa fünfzigminütigen Episoden bestehenden, Staffel die rohe Kraft der ersten Staffel. Es fehlt auch das alles einigende Kraftzentrum der ersten Staffel. Stattdessen stehen jetzt mehrere, gleichberechtigte Charaktere und ihre Versuche, ihr Verbrecherimperium zu erhalten und zu konsolidieren, im Mittelpunkt der Geschichte, die zwischen 1980, dem Tod des Libanesen, und 1989, dem Fall der Mauer und dem endgültigen Ende der Bande, nachdem sie bereits vier Jahre vorher in einem Megaprozess teilweise zu langen Haftstrafen verurteilt wurden, spielt.
Dabei zeigen sich nach dem Mord an dem Libanesen in der ursprünglichen Blutsbrüderschaft der aus ärmlichen Verhältnissen kommenden Verbrecher immer mehr Brüche. Bufalo will unbedingt den Libanesen rächen und landet nach einem unbedachten Feuergefecht auf offener Straße im Gefängnis. Er hält Dandi, der ihm bei dem Schusswechsel nicht half, für einen Feigling und Verräter, den er unbedingt töten will. Dandi zögert zwar, Menschen zu töten, aber er zögert nicht, ein Angebot der Mafia anzunehmen. Er versucht sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen, indem er die Prostituierte Patrizia (Daniela Virgilio) heiratet und auch mit dem Vatikan Geschäfte macht.
Und Freddo versucht weiterhin die Bande zusammen zu halten und das Erbe von Libano zu bewahren. Dass er dabei Donatella (Giovanna Di Rauso) immer mehr vertraut und ihr wichtige Aufträge gibt, wird von den anderen Bandenmitgliedern nur widerwillig akzeptiert. Donatella ist dabei eine schillernde Figur mit fabelhaften Verbindungen, aber unklaren Loyalitäten.
Auf der anderen Seite des Gesetzes werden sie immer noch von Commissario Scialoja (Marco Bocci), der sich ebenfalls in Patrizia verliebt hat, verfolgt. In der letzten Episode der grandiosen Serie erhält er ein überraschendes Angebot.
Während die erste Staffel von „Romanzo Criminale“ knapp gesagt „Scarface“ war, ist die zweite Staffel „Es war einmal in Amerika“, mit einer ordentlichen Portion „Der Pate“ – und wenn man am Ende, nachdem die Loyalitäten und Freundschaften der einzelnen Charaktere immer wieder auf die Probe gestellt wurden, erlebt, wie eine Jugendfreundschaft endgültig verraten wird, dann echot das Ende von „Es war einmal in Amerika“ durch den Film.
Nachdem das Ende der ersten Staffel die alte Botschaft „Verbrechen lohnt sich nicht“ verkündete und das Mitleid mit dem Libanesen, der zunehmend herrischer, sprunghafter und drogensüchtig wurde, sich in Grenzen hielt, fragt die zweite Staffel, wie wichtig Freundschaft ist und wie sehr sie sich unter veränderten Bedingungen immer wieder anpassen muss. Weil man mit Freddo, Dandi, Scrocchia, Scialoja, Patrizia und sogar dem schon am Anfang der zweiten Staffel unberechenbarem, später zunehmend verrückt werdendem Bufalo mitfiebert, ist deshalb das Ende der zweiten Staffel von „Romanzo Criminale“, das auch einen Bogen zur allerersten Szene von „Romanzo Criminale – Staffel 1“ schlägt, viel deprimierender und düsterer als das Ende der ersten Staffel.
Und wenn man die ganze grandiose Serie ansieht (was man unbedingt tun sollte), erlebt man eine mitreisende, auf Tatsachen basierende Saga vom Aufstieg und Ende der römischen Magliana-Verbrecherbande, die als Vorbild für die Serie diente, und ihrer Verbindungen zur Mafia, Camorra und dem italienischen Staat, der sich immer wieder schützend vor sie stellte.
Romanzo Criminale – Staffel 2 (Romanzo Criminale, Italien 2010)
Regie: Stefano Sollima
Drehbuch: Daniele Cesarano, Barbara Petronio, Leonardo Valenti, Paolo Marchesini, Giancarlo De Cataldo
LV: Giancarlo De Cataldo: Romanzo Criminale, 2002 (Romanzo Criminale)
mit Vinicio Marchioni, Alessandro Roja, Marco Bocci, Daniela Virgilio, Andrea Sartoretti, Mauro Meconi, Riccardo De Filippis, Lorenzo Renzi, Giovanna Di Rauso, Francesco Montanari (in Rückblenden und als Geist)
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DVD
Edel
Bild: 19:9 (PAL)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Italienisch (Dolby Digital 2.0)
Als Axel (Johnny Depp) aus New York in seine alte Heimat, eine Kleinstadt in Arizona, zurückkehrt, um bei der Hochzeit seines Onkels (Jerry Lewis) Trauzeuge zu sein, lernt er die Flugzeugbastlerin Elaine (Faye Dunaway) und deren Tochter Grace (Lili Taylor) kennen und ein ausgeflippt-schräg-surrealistischer Reigen beginnt.
„‚Arizona Dream‘ ist ein ausgeflippter Film voller hinterlistiger Fallen und origineller Finten.“ (Fischer Film Almanach 1994) – und ein großer, herziger Spaß
mit Johnny Depp, Jerre Lewis, Faye Dunaway, Lili Taylor, Vincent Gallo
Das Osterman-Weekend (USA 1983, R.: Sam Peckinpah)
Drehbuch: Alan Sharp, Ian Masters
LV: Robert Ludlum: The Osterman-Weekend, 1972 (Das Osterman-Wochende)
Der CIA nimmt an, dass die Freunde von Journalist John Tanner KGB-Spione sind. Mit Tanners Hilfe verwanzen sie für ein Wochenende sein ganzes Haus. Ab da geht alles schief. Seine Freunde wollen ihre Geheimnisse schützen, Tanner will die Wahrheit wissen und CIA-Agent Fassett spielt ein ganz eigenes Spiel.
Peckinpahs letzter Film ist ein kühler Spionagethriller, ein Verwirrspiel (deshalb kann der Film immer wieder angesehen werden. Nach einem Jahr haben Sie die konfuse Handlung schon wieder vergessen.) und eine Studie über den Verfall von Freundschaft und Vertrauen. “Das Osterman-Weekend” ist einer der schwachen Peckinpah-Filme mit einer deprimierenden Aussage.
Ulrich von Berg schrieb in “Sam Peckinpah – Ein Outlaw in Hollywood” (1987): “The Osterman Weekend ist von der ersten bis zur letzten Einstellung ein monströses Vexierspiel, in dem jeder jeden täuscht und betrügt. Keine der Figuren ist zur Identifikation tauglich, alle sind nichts als abhängige Marionetten….Die Menschen in diesem Film sind flach und eindimensional, keiner von ihnen macht eine innere Entwicklung durch, ihre Handlungsmotive sind ohne Ausnahme von Eigennutz bestimmt (Macht, Rache, Prestige, materielle Vorteile). Peckinpah interessiert sich für keinen einzigen von ihnen besonders – und das ist gut angesichts des abstrusen Drehbuchs – sondern allein für das alles Vertrauen zerfressende und alle zwischenmenschliche Beziehungen infiltrierende Geflecht aus Intrigen und Gegenintrigen. Die Atmosphäre von Hilflosigkeit und Abhängigkeit ist wichtig, nicht die Plausibilität des Plots…In Peckinpahs letztem Film unterliegen sie (die eigenen vier Wände, AdV) der totalen Kontrolle eines offensichtlich wahnsinnigen CIA-Agenten. Die stoischen Einzelgänger, die sich in allen seinen anderen Filmen gegen Reglementierung und Anpassung zur Wehr setzen, gib es hier nicht mehr. Das Bild, das Peckinpah in The Osterman Weekend von Amerika entwarf, ist die konsequente Weiterentwicklung der düsteren Zukunftsvision seiner Western, das Versprechen einer freien Gesellschaft wird als Lüge entlarvt. Ein Arrangement mit dieser Gesellschaft ist den höchst unterschiedlichen Männern in Peckinpahs zeitgenössischen Filmen unmöglich”.
Mit Rutger Hauer, John Hurt, Craig T. Nelson, Dennis Hopper, Burt Lancaster, Chris Sarandon, Meg Fosters, Helen Shaver
Drehbuch: Larry Marcus, Billy Wilder, Harry Kurnitz
LV: Agatha Christie: The Witness for the Prosecution, 1933 (Kurzgeschichte, ursprünglich erschienen in „The Hound Of Death And Other Stories”, Zeugin der Anklage)
Hat Leonard Vole eine reiche Witwe erschlagen? Für Staranwalt Sir Wilfried hängt alles von der Aussage von Voles Frau Christine ab.
Prototyp aller Gerichtsfilme und immer noch weitaus spannender als die jüngeren Gerichtsthriller (obwohl die Pointe bekannt sein dürfte), mit – in glänzender Spiellaune – Marlene Dietrich, Charles Laughton, Tyrone Power
Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. „Die zwölf Geschworenen“ gewann ihn.
Im Rahmen der „Langen Filmnacht: Alain Delon“ gibt es davor „Rette deine Haut, Killer“ (um 22.15 Uhr) und danach „Der Anwalt“ (um 02.00 Uhr), aber der beste Film der Filmnacht ist
RBB, 23.45
Vier im roten Kreis (F 1970, R.: Jean-Pierre Melville)
Drehbuch: Jean-Pierre Melville
Nach einer Haftstrafe plant Einbrecher Corey (Alain Delon) gleich seinen nächsten Coup. Den Einbruch in ein gut gesichertes Juweliergeschäft. Mit zwei Kumpanen (Gian Maria Volonté, Yves Montand) will er das Ding durchziehen. Ein Kommissar (André Bourvil) jagt sie.
Mehr Story braucht Jean-Pierre Melville in seinem vorletzten Film „Vier im roten Kreis“ nicht, um ein weiteres Meisterwerk zu inszenieren. Der Gangsterfilm ist nur deshalb bei der breiten Masse unbekannter, weil Melvilles „Der eiskalte Engel“ und sein letzter Film „Der Chef“ (beide ebenfalls mit Alain Delon) bekannter sind. Denn „Vier im roten Kreis“ hat alles, was Melville-Fans lieben und auf der großen Leinwand wirkt der Film noch besser.
Legendär und in die Kinogeschichte eingegangen ist der Einbruch in das Juweliergeschäft: eine gute halbe Stunde verfolgen wir atemlos den Einbruch, bei dem keiner der Einbrecher ein Wort sagt. Großes Kino
mit Alain Delon, André Bourvil, Yves Montand, Gian Maria Volontè, Francois Périer, Paul Crauchet
Das könnte fast ein neuer Film sein: Nachdem die Witwe Bunny O’Hare ihr Haus an die Bank verloren hat, beschließt sie, mit einem flüchtigen Ex-Bankräuber die Bank zu überfallen.
Bekannt wurde die sehr, sehr selten gezeigte, fast unbekannte Komödie, weil Hauptdarstellerin Bette Davis gegen die Produzenten klagte, weil sie den Kommentar zur Gesellschaft, der im Drehbuch enthalten war, im Film vermisste. „Das Scharmützel ging aus wie das Hornberger Schießen. Indes fällt schwer, sich vorzustellen, worin die sozialkritische Komponente des Films hätte angelegt sein sollen, überzeugen doch weder Geschichte, Regie noch Darsteller.“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)
„Anspruchslose Verulkung“ (Lexikon des internationalen Films)
Der Deutsche Gerd Oswald inszenierte in Hollywood etliche Episoden für TV-Serien, die Ira-Levin-Verfilmung „Ein Kuss vor dem Tode“ (sein Spielfilmdebüt) und den durchaus gelungenen, fast vollkommen unbekannten deutschen Noir „Am Tag, als der Regen kam“. Sein letzter Spielfilm war 1975 die Johannes-Mario-Simmel-Verfilmung „Bis zur bitteren Neige“.
mit Bette Davis, Ernest Borgnine, Jack Cassidy, Joan Delaney
auch bekannt als „Die ganz verrückte Rentnergang“, „Die Rentnergang“ und „Zwei Rentner außer Rand und Band“
Wenn sich die Surfer-Legende Rick ‚Frosty‘ Hesson (Gerard Butler) und der junge Jay Moriarity 1987 zum ersten Mal begegnen, ist klar, dass sie die Leidenschaft für das Meer teilen und auch wie sich die in Santa Cruz, Kalifornien, spielende, auf dem Leben des echten Jay Moriarity basierende Geschichte weiterentwickelt. Auch wenn wir noch nie etwas von Jay Moriarity (16. Juni 1978 – 15. Juni 2001) gehört haben.
Denn selbstverständlich will ‚Frosty‘ sieben Jahre später den fünfzehnjährigen Jay (Jonny Weston), der jede freie Minute auf dem Surfbrett verbringt, zuerst nicht trainieren. Vor allem nicht für die großen Monsterwellen, die es nur alle Jubeljahre gibt und die sogar für erfahrene Surfer tödlich sind. Aber Jay überzeugt ihn und ‚Frosty‘, der als Vater und Ehemann ein ziemlicher Versager ist, wird für Jay, der von seiner Mutter noch nicht einmal mehr schlecht als recht erzogen wird, zum Vaterersatz und zum Lehrer. Später auch zum Freund.
Diese Geschichte läuft ziemlich nach dem Drehbuchlehrbuch, inclusive der ersten Liebe, ab und funktioniert. Schließlich geht es in erster Linie um das harte Training, das zu der großen Bewährungsprobe führt, die dann auch am Filmende bestanden wird. Jay Moriarity wurde nachdem er erstmals die Wellen an dem inzwischen beliebt-bekannten Surfspot Mavericks geritten hat, zu einem bekannten Surfer, der in der Szene Legendenstatus hat. Eine solche Geschichte funktioniert immer.
Gleichzeitig sind die Charaktere präzise in einem Milieu und einer Szene verortet. Es wurde vor Ort in Santa Cruz, Half Moon Bay und Mavericks mit Einheimischen gedreht. Moriaritys engste Freunde, nämlich ‚Frosty‘ Hesson und Jay Moriaritys Frau Kim (die wir im Film als seine Freundin kennen lernen), waren von Anfang an bei dem Film dabei. Im Film sind Mitglieder der Surfer-Community, Freunde und Fans von Jay Moriarity. Es wird immer wieder der Wert der Freundschaft und die Kameradie in der eingeschworenen Gemeinde der Surfer gezeigt, in die Jay von ‚Frosty‘ aufgenommen wird, nachdem er sich von seinem Talent überzeugt hat. Das wird von Curtis Hanson („L. A. Confidential“, „8 Mile“) und Michael Apted („Halbblut“, „James Bond: Die Welt ist nicht genug“), der die Regie von Hanson, der gesundheitliche Probleme hatte, übernahm, süffig, ohne übermäßig kritisch zu sein, mit einem liebevollen Blick auf die Charaktere erzählt.
Wegen der spektakulären Bilder der Surfer, die die riesigen Wellen reiten, sollte der Film auf einer möglichst großen Leinwand genossen werden. So gewinnt man einen Eindruck von der Gewalt der Wellen, die über einem zusammenkrachen.
Don-Winslow-Fans können „Mavericks“ auch als ideale Ergänzung zu seinen Romanen sehen. Allerdings ohne Mord und Totschlag, Drogenhandel und grenzüberschreitende Kriminalität.
Mavericks (Chasing Mavericks, USA 2012)
Regie: Curtis Hanson, Michael Apted
Drehbuch: Kario Salem (nach einer Geschichte von Jim Meenaghan und Brandon Hooper)
mit Gerard Butler, Jonny Weston, Elizabeth Shue, Abigail Spencer, Leven Rambin, Greg Long, Peter Mel, Zach Wormhoudt, Cooper Timberline (spielt Jay Moriarity im 1987 spielendem Prolog)
Das ist doch eine gute Gelegenheit, wieder einen Blick auf sein Debüt zu werfen:
WDR, 23.15
Reservoir Dogs (USA 1992, R.: Quentin Tarantino)
Drehbuch: Quentin Tarantino
Buch zum Film (Drehbuch): Quentin Tarantino: Reservoir Dogs – Das Buch zum Film/Zweisprachige Ausgabe (rororo 1997)
Einige Gangster überfallen einen Juwelier. Der Überfall geht schief. Sie flüchten in eine Garage. Mr. Orange (sie kennen sich nur unter Farb-Pseudonymen) liegt schwerverletzt auf dem Boden und kämpft um sein Leben. Die anderen Gangster versuchen währenddessen die 100.000-Dollar-Frage „Wer hat uns verraten?“ zu klären.
Der Einfluss von Quentin Tarantinos Kinodebüt auf das Kino der Neunziger Jahre kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich sage nur nicht-chronologisches Erzählen (Bis dahin galt die eiserne Regel: Keine Rückblenden!), lustvoll zelebrierte Gewalt, coole Dialoge und oft ebenso coole Monologe.
Mit Harvey Keitel, Tim Roth, Michael Madsen, Chris Penn, Steve Buscemi, Lawrence Tierney, Edward Bunker, Quentin Tarantino
„Django Unchained“ ist ein typischer Quentin-Tarantino-Film.
Sodele, das wäre die allerkürzeste Fassung meiner „Django Unchained“-Besprechung. Aber es geht auch länger.
Immerhin konnte ich, „Cowboys & Aliens“ war ja ein halber Science-Fiction-Film, als Westernfan wieder einmal einen waschechten Western auf der großen Leinwand sehen. Mit guten Schauspielern und guten Dialogen. Wobei Dr. King Schultz (Christoph Waltz) die besten Sätze sagen darf und letztendlich das dramaturgische und auch emotionale Zentrum des Films ist. Der deutschstämmige Schultz verdient zwei Jahre vor dem Bürgerkrieg in den Südstaaten der USA sein Geld als Kopfgeldjäger, der die Formel „Tod oder Lebendig“ als „Tod oder viele unnötige Probleme, die man mit einer wohlplatzierten Kugel elegant und legal vermeiden kann“ interpretiert und deshalb die gesuchten Verbrecher ohne Diskussion erschießt. Danach kann er den Anwesenden ja immer noch erklären, warum er geschossen hat.
Er befreit in einer Szene, die ähnlich gelungen wie der erste Auftritt von Hans Landa in „Inglourious Basterds“ ist, den Sklaven Django (Jamie Foxx), weil dieser ihn zu den Brittle-Brüdern, auf die ein beträchtliches Kopfgeld ausgesetzt ist, führen kann. Nachdem sie das Kopfgeld kassiert haben, schlägt Schultz Django vor, dass sie gemeinsam Djangos verschwundene Frau Broomhilda von Shaft (Kerry Washington) suchen. Das Paar wurde bei einer Sklavenauktion getrennt und sie ist jetzt auf einer anderen Farm. Nach einer längeren Suche finden sie sie auf der Farm von Calvin Candie (Leonardo DiCaprio), einem reichlich dekadenten Südstaatler, der sich bemüht, das ererbte Vermögen durchzubringen. Immerhin hat er den altgedienten Haussklaven Stephen (Samuel L. Jackson), der als kriecherisches Faktotum letztendlich die Farm führt und der Schultz und Django ziemlich schnell durchschaut.
Bis Django dann endlich mit seiner Frau Broomhilda, einer Afroamerikanerin, die von Deutschen erzogen wurde (was Tarantino die Möglichkeit gibt, Dr. King Schultz zuerst Django die Geschichte von Brunhilde und Siegfried zu erzählen und später, in der Originalfassung, mit ihr Deutsch zu sprechen), zusammen ist, gibt es, Tarantino-typisch, viele Verweise auf andere Filme, dieses Mal vor allem Italo-Western, spitzfindige Dialoge und eine ordentliche Portion Gewalt. Aber nicht so übertrieben und episch wie in „Kill Bill 1“.
Es gibt aber auch eine eher spannungsfreie Dramaturgie, die sich schnell in einem episodischen „Und dann“-Erzählen ergeht. Denn anstatt die Geschichte zu straffen und sie ziemlich konsequent auf das finale Duell zulaufen zu lassen, plätschert sie oft vor sich hin und mit fast drei Stunden Laufzeit ist „Django Unchained“, weil Tarantino, wie auch in seinen anderen Filmen, seine Geschichte einfach an allen Ecken und Enden ausfransen lässt, einfach zu lang geraten.
Wie ein kleines Kind will er sich nicht von einer guten Szene trennen, wenn die Szene für sich gut ist. Zum Beispiel die absurd-komische Diskussion einer Vigilantengruppe, die mit ihren Klu-Klux-Klan-Masken nicht zurechtkommen. Dass sie dann im Gesamtkontext wenig bringt, ist ihm egal. Auch dass dadurch der Erzählfluss teilweise zum Stillstand kommt, so zum Beispiel auf Candyland, ist ihm egal.
Dabei, und das ist bei „Django Unchained“ auffallend, hätte die Geschichte durch einige Umstellungen und Straffungen viel kraftvoller werden können.
So sterben die Brittle-Brüder ziemlich früh. Danach könnten sich die Wege von Schultz und Django trennen, aber aus einem moralischen Verantwortungsgefühl heraus (vulgo dem Willen des Autors), will Schultz Django bei der Suche nach seiner Frau helfen. Spannender wäre gewesen, wenn sie die Brittle-Brüder erst auf Candyland getroffen hätten. Denn Django geht es nicht nur um die Befreiung seiner Frau, sondern auch um Rache.
Und Django ist als Held der Geschichte einfach ein blasser, weitgehend passiver Charakter, der immer im Schatten des charismatischen Dr. King Schultz steht. Dummerweise stirbt er in dem Film, mit einem herrlich selbstironischen letzten Satz, viel zu früh ungefähr zu Beginn des letzten Filmdrittels – und damit stirbt auch das emotionale Zentrum des Films.
Mit dem Original-“Django“ hat „Django Unchained“ allerdings, abgesehen von Spurenresten, nichts zu tun. Eher schon mit den vielen anderen Italo-Western, die nach dem Erfolg von „Django“ alle einen verkaufsträchtigen „Django“ im Titel hatten und die ihre Geschichte auch oft als ekletische, teils barock ausufernde Nummernrevue mit schwarzem Humor, derber Gewalt und offensichtlichem politischen Subtext erzählten.
Wie gesagt: „Django Unchained“ ist ein typischer Quentin-Tarantino-Film, mit vielen bekannten Gesichtern, teilweise in Kleinstrollen, die dieses Mal unter der Maske von Bart und Dreck kaum bis überhaupt nicht erkennbar sind. Als Tarantino- und Western-Fan hat mir die Nummernrevue, bei der Tarantino einfach die vertrauten Pfade in einem anderen Setting abschreitet, durchaus gefallen.
mit Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Samuel L. Jackson, Kerry Washington, Walton Goggins, Dennis Christopher, Don Johnson, Laura Cayouette, James Remar, James Russo, Nichole Galacia, Dana Gourrier, Don Stroud, Bruce Dern, Lee Horsley, Zoe Bell, Michael Bowen, Robert Carradine, Tom Savini, Rex Linn, Ned Bellamy, Michael Parks, Quentin Tarantino, Franco Nero
Gut einstündige Doku, die eindrucksvoll zeigt, wie mit Kinderliedern, Songs (gerne Heavy Metal) und lauten Geräuschen, wie auch im „Krieg gegen den Terror“ gezeigt, gefoltert werden kann und welche weiteren Ideen Militärs und Forscher für eine psychologische Kriegsführung haben.
Gangs of New York (USA/D/I/GB/NL 2002, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: Jay Cocks, Kenneth Lonergan, Steven Zaillian
LV: Herbert Asbury: The Gangs of New York, 1928 (Die Gangs von New York – Eine Geschichte der Unterwelt)
Amsterdam Vallon will den Mörder seines Vaters, den Gangsterboss William Cutting (Bill, the Butcher), töten.
Ausgehend von dieser dürftigen Geschichte entfaltet Martin Scorsese ein atemberaubendes Porträt vom Überlebenskampf, der Verflechtung zwischen Politik und Verbrechen, den Bandenkriegen und den Kämpfen zwischen den verschiedenen Ethnien in Five Points, den Slums von New York, in den Jahren zwischen 1846 bis 1863.
„Gangs of New York ist ein solches Drama der Endzeit einer Herrschaft, in der sich eine gesellschaftliche und familiäre Ordnung durch ihre eigenen Gesetze zerstört, und durch eine Rebellion der Methoden. Eine große Tragödie also, oder eine melancholische Farce; aber wieder projiziert sie Scorsese auf ein eher materialistisch dokumentiertes Stück Zeitgeschichte, mehrere Erzählweisen begegnen einander und werden umso deutlicher, je mehr sie sich zu widersprechen beginnen…Wie die meisten der (auch vom Aufwand her) großen Filme von Martin Scorsese erzählt auch Gangs of New York zunächst eine überaus einfache Geschichte, deren Bedeutung, deren eigentliches Leben sich erst in den Bildern offenbart…Gangs of New York ist auch ein großer Film übers Film-Erzählen.“ (Georg Seeßlen: Martin Scorsese)
Mit Leonardo DiCaprio, Daniel Day-Lewis, Cameron Diaz, Liam Neeson, Brendan Gleeson
Anmerkung
Der Film ist „FSK 16“ und läuft um 20.15 Uhr in einer gekürzten Fassung. Weitere Informationen