DVD-Kritik: „Manchmal sind die Bösen die besseren Guten.“ beweist auch die dritte Staffel von „Leverage“

Januar 14, 2013

Die dritte Staffel der beliebten, witzigen TV-Krimiserie „Leverage“ schließt sich, in jeder Beziehung, unmittelbar an die zweite an. Allerdings scheint den Berufsverbrechern, die der ehemalige Versicherungsagent Nathan Ford (Timothy Hutton) um sich gescharrt hat, ihre neue Arbeit inzwischen so gut zu gefallen, dass sie überhaupt nicht mehr ihrer früheren Arbeit nachgehen wollen.

Denn während die Trickdieben Sophie Deveraux (Gina Bellman), die Einbrecherin Parker (kein Vorname) (Beth Riesgraf), der Schläger Eliot Spencer (Christian Kane) und der Hacker Alec Hardison (Aldis Hodge) früher für ihren eigenen Geldbeutel das Gesetz übertraten, tun sie es jetzt für die gute Sache: nämlich für den machtlosen, grundehrlichen kleinen Mann, der sich gegen die Umtriebe der Bösewichter nicht wehren kann.

So kämpfen sie immer noch gegen skrupellose Bösewichter, die ihre Stellung und Gesetzeslücken ausnutzen, sich auf Kosten von Mitarbeitern und Angestellten bereichern, Menschen um ihr Erspartes bringen und, wenn alle Stricke reißen, sie ihre hochbezahlten Anwälten losschicken, um sie vor einer Bestrafung zu bewahren.

In der Auftaktfolge der dritten „Leverage“-Staffel „Hinter Gittern“ muss das Leverage-Team ihren Kopf Nathan Ford aus dem Gefängnis befreien. Wie er in das Gefängnis kam, wurde im Staffelfinale der zweiten Staffel erzählt. Aber vor seiner Befreiung will Nathan einem anderen Inhaftiertem helfen. Und, es gibt sogar so etwas wie einen folgenübergreifenden Plot. Denn eine mysteriöse Italienerin, erpresst Nathan. Er soll innerhalb eines halben Jahr den mächtigen Gangster Damien Moreau (Goran Visnjic) aus dem Verkehr ziehen. Wenn er es nicht schafft, wird das Leverage-Team vernichtet. Die Jagd nach Moreau spielt allerdings in den meisten Folgen der dritten Staffel keine Rolle. Erst zum Staffelfinale hin bemüht das Leverage-Team sich erkennbar, Moreau zu vernichten.

Davor bewegen die meisten Jobs sich in für das Team (und für uns Zuschauer) bekannt-vergnüglichen Bahnen: während einer Highschool-Reunion versuchen sie einem Software-Unternehmer das Passwort zu entlocken. Sie wollen den verbrecherisch-skrupellos-machtgierigen Bruder eines beliebten afrikanischen Präsidenten ausnehmen, einen betrügerischen Country-Musik-Produzenten und einen ebenso betrügerischen Gebrauchtwagenverkäufer (Ja, es soll auch ehrliche Verkäufer geben.) überführen, einen skrupellosen Minenbesitzer aus dem Verkehr ziehen und den Verkauf eines gefährlichen Medikaments verhindern. Sie geraten an eine Miliz und müssen, immerhin gehört eine Weihnachtsfolge zum guten Serienton, einem geschassten Kaufhaus-Weihnachtsmann helfen.

Es gibt auch, neben der Weihnachtsfolge (die sogar gelungen ist) einige vergnügliche Abweichungen von der bekannten „Leverage“-Formel. So versucht Parker in „Solo für Parker“, zusammen mit ihrem Mentor (Richard Chamberlain), einen Einbruch auf eigene Faust durchzuziehen. Aber es läuft nicht wie geplant. Nathan führt in „Im Namen des Vaters“ sein Team in einen Kampf mit seinem Vater (Tom Skerritt), zu dem er eine sehr problematische Beziehung hat. Und, wir ahnen es bei dem Titel „The Rashomon Job“ (der deutsche Titel „Nachts im Museum“ ist etwas banal), dass Sophie, Alex, Eliot und Parker, als sie sich an einen schon Jahre zurückliegenden Diebstahl erinnern, den sie zufällig gleichzeitig, aber jeweils auf eigene Rechnung durchführten, die Ereignisse und die anderen ganz anders wahrgenommen haben. Und auch Nathan war als Versicherungsdetektiv in diesem Museum.

Insgesamt unterscheidet sich die dritte „Leverage“-Staffel nicht von den beiden vorherigen Staffel an: es ist sehr gut gemachte, kurzweilig-leichtgewichtig-humorvolle Unterhaltung, mit einem ernsten Unterton.

Im Fernsehen zeigt Vox ab Montag, den 21. Januar, um 21.15 Uhr die letzten Folgen der vierten Staffel. In den USA lief am 25. Dezember 2012 „The Long Good-Bye Job“ (Raymond Chandler!), die letzte Folge der fünften Staffel, die auch das Serienfinale ist. Das ist zwar schade, aber man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist.

Das Bonusmaterial der dritten Staffel ist dagegen eher enttäuschend und mit 23 Minuten nicht besonders umfangreich ausgefallen. Denn die meisten Featurettes sind mit zwei bis drei Minuten zu kurz ausgefallen, um wirklich einen tieferen Einblick in das Thema zu geben. Bei „Hinter den Kulissen“ gibt es immerhin einige Informationen zum Dreh des Staffelfinales und die Outtakes, über fünf Minuten, sind sogar größtenteils witzig, weil die Outtakes flott zusammengeschnitten sind und die Schauspieler viel lachen – und Lachen bekanntlich eine ansteckende Wirkung hat.

Leverage - Staffel 3 - DVD-Cover4

Leverage – Staffel 3 (Leverage, USA 2010)

Erfinder: John Rogers, Chris Downey

mit Timothy Hutton (Nathan Ford), Gina Bellman (Sophie Devereaux), Christian Kane (Eliot Spencer), Beth Riesgraf (Parker), Aldis Hodge (Alec Hardison), Jeri Ryan (Tara Cole)

DVD

Edel

Bild: 1,78:1 (16:9 PAL)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Am Set mit Coulton und Aboud: die neuen Autoren von „Leverage“, Hinter den Kulissen mit den Autoren von „Leverage“, Was macht ein Produzent bei „Leverage“, Unveröffentlichte Szenen, Hinter den Kulissen, Outtakes (insgesamt 23 Minuten ohne Untertitel)

Länge: 654 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die Jobs der dritten Staffel

Hinter Gittern (The Jailhouse Job)

Regie: Dean Devlin

Drehbuch: John Rogers

Klassentreffen (The Reunion Job)

Regie: Jonathan Frakes

Drehbuch: Michael Colton, John About

Solo für Parker (The Inside Job)

Regie: John Rogers

Drehbuch: Geoffrey Thorne

Vergeigt (The Scheherazade Job)

Regie: Peter Winther

Drehbuch: Chris Downey

Pharma-Falle (The Double-Blind Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Melissa Glenn, Jessica Rieder

Fremde Federn (The Studio Job)

Regie: Jonathan Frakes

Drehbuch: M. Scott Veach

Finanzmanöver (The Gone-Fishin‘ Job)

Regie: John Harrison

Drehbuch: Rebecca Kirsch

Vollgas (The Boost Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Albert Kim

Im Namen des Vaters (The Three-Card Monte Job)

Regie: Dean Devlin

Drehbuch: Christine Boylan

Unter Tage (The Underground Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Melissa Glenn, Jessica Rieder

Nachts im Museum (The Rashomon Job)

Regie: Arvin Brown

Drehbuch: John Rogers

Adel verpflichtet (The King George Job)

Regie: Millicent Shelton

Drehbuch: Christine Boylan

Böses Erwachen (The Morning After Job)

Regie: Jonathan Frakes

Drehbuch: Chris Downey

Schöne Bescherung (The Ho Ho Ho Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Michale Colton, John Aboud

Bombenalarm (The Big Bang Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: Chris Downey, Geoffrey Thorne

Der Kandidat (The San Lorenzo Job)

Regie: Marc Roskin

Drehbuch: John Rogers, M. Scott Veach

Hinweise

TNT über „Leverage“

Vox über „Leverage“

Serienjunkies über “Leverage”

Wikipedia über „Leverage“ (deutsch, englisch)

„Leverage“-Wiki

Kung Fu Monkey (Blog von Serienerfinder John Rogers)

Meine Besprechung von „Leverage – Staffel 2“

 

 


TV-Tipp für den 14. Januar: Die amerikanische Nacht

Januar 14, 2013

Arte, 20.15

Die amerikanische Nacht (Frankreich/Italienn 1973, R.: Francois Truffaut)

Drehbuch: Francois Truffaut, Jean-Louis Richard, Suzanne Schiffman

Den Film müsst ihr unbedingt aufnehmen. Denn er lief zuletzt vor zehn Jahren im TV (kein wirklich gutes Argument), ist nicht auf DVD erhältlich (auch kein gutes Argument) und ein Klassiker.

Francois Truffauts Spielfilm ist eine Liebeserklärung an das Kino, ein Blick hinter die Kulissen, eine liebevolle Demystifikation und Mystifikation des Filmemachens. Denn er erzählt von den Problemen, die es bei den Dreharbeiten für einen Film gibt.

Die amerikanische Nacht“ war für vier Oscars (unter anderem Beste Regie und Bestes Drehbuch) nominiert, erhielt den Oscar als Bester Ausländischer Film und erhielt – beeindruckende – elf weitere Filmpreise. Denn damals gab es noch nicht so inflationär viele Filmpreise wie heute.

mit Jacqueline Bisset, Valentina Cortese, Alexandra Stewart, Jean-Pierre Aumont, Jean-Pierre Léaud, Francois Truffaut, jean Champion, Nathalie Baye, David Markham, Graham Greene

Wiederholung: Mittwoch, 16. Januar, 13.55 Uhr

Hinweise

Arte über „Die amerikanische Nacht“

Rotten Tomatoes über „Die amerikanische Nacht“

Wikipedia über „Die amerikanische Nacht“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Arte über Francois Truffaut

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Francois Truffaut in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 13. Januar: Der Ghostwriter

Januar 13, 2013

Pro7, 20.15

Der Ghostwriter (Fr/D/GB 2010. R.: Roman Polanski)

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)

Ein Autor soll innerhalb weniger Tage die Biographie des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang ghostwriten. Als Lang wegen Kriegsverbrechen im „Krieg gegen den Terror“ angeklagt wird, beginnt der gänzlich unpolitische Autor auf eigene Faust zu recherchieren.

Glänzend besetzter, grandioser Paranoia-Thriller, der an Polanskis frühere Filme, wie „Chinatown“ und „Der Mieter“, anknüpft. Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams (die eigentlich viel zu jung für ihre Rolle ist), Kim Cattrall, Tom Wilkinson, James Belushi, Timothy Hutton, Eli Wallach (die letzten drei haben nur Kleinstrollen)

Wiederholung: Montag, 14. Januar, 09.50 Uhr

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Ghostwriter“

Metacritic über „Der Ghostwriter“

Rotten Tomatoes über „Der Ghostwriter“

Wikipedia über „Der Ghostwriter“ (deutsch, englisch)

Tagesspiegel: Kurzes Interview mit Robert Harris zum Film (13. Februar 2010)

Die Welt: Interview mit Robert Harris zum Film (12. Februar 2010)

Krimi-Couch über Robert Harris

Wikipedia über Robert Harris (deutsch, englisch)

Drehbuch “The Ghostwriter” (aka The Ghost” von Robert Harris und Roman Polanski (nach dem Roman von Robert Harris)

Die Berlinale-Pressekonferenz zu “Der Ghostwriter” (12. Februar 2010)

Meine Besprechung von Roman Polanskis „Der Ghostwriter“ (The Ghost Writer, Fr/D/GB 2010)


TV-Tipp für den 12. Januar: In der Lüge gefangen (aka „Stone“)

Januar 12, 2013

ARD, 02.25

In der Lüge gefangen (USA 2010, R.: John Curran)

Drehbuch: Angus MacLachlan

Ein Häftling (Edward Norton) will vorzeitig entlassen werden. Dafür muss er einen Gutachter (Robert De Niro) von seiner Läuterung überzeugen.

Stone“ (so der Original- und DVD-Titel) ist wirklich kein Meisterwerk, bei der Besetzung sogar ein ziemlich enttäuschendes Drama, aber einen besseren Termin für die TV-Erstausstrahlung hätten die Programm-Macher sicher finden können.

Während des Abspanns fragt man sich, warum man sich von so einem Film zwei Stunden seines Lebens stehlen ließ. Warum De Niro und Norton, die ihre Rollen desinteressiert-lieblos runterspielen, zusagten, fragte man sich schon während des Films. Warum das zähe Drama bei uns seine Premiere auf DVD erlebte, ist allerdings schon vor dem ersten Zusammentreffen von De Niro und Norton, die in den vergangenen Jahren keine glückliche Hand bei ihrer Rollenauswahl hatten, klar. Der von Robert De Niro gespielte Jack Mabry ist uns egal. – Mehr, auch Interviews mit den Hauptdarstellern, in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Robert De Niro, Edward Norton, Milla Jovovich, Frances Conroy

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Metacritic über „Stone“

Rotten Tomatoes über „Stone“

Wikipedia über „Stone“

Drehbuch „Stone“ von Angus MacLachlan

Meine Besprechung von John Currans „Stone“ (Stone, USA 2010)

Meine Besprechung von Michael Winterbottoms Jim-Thompson-Verfilmung „The Killer inside me“ (The Killer inside me, USA 2010), für die John Curran das Drehbuch schrieb

 


DVD-Kritik: Nichts wirklich neues unter der Sonne: „Swerve“

Januar 11, 2013

Wenn du in der Einöde einen Koffer voller Geld entdeckst, nimm ihn nicht mit. Denn das endet, wie wir aus zahlreichen Noirs wissen, für den Protagonisten immer tödlich.

Wenn du diesen Koffer allerdings, wie es sich für einen gesetzestreuen Bürger gehört, auf der nächsten Polizeistation abgibst, bist du, wie Craig Lahiffs Noir „Swerve – Falscher Ort, falsche Zeit“ beweist, trotzdem nicht auf der sicheren Seite.

Denn Colin (David Lyons), so heißt dieses Mal der Unglücksvogel, entdeckt nach einem Autounfall auf einer einsamen australischen Landstraße in dem einen Auto eine Aktentasche voller Geld und eine männliche Leiche, die vorher bei einem Drogendeal den Drogenkäufer kaltblütig ermordete. In dem anderen Auto sitzt Jina (Emma Booth), eine Schönheit, die gerade die Gegend verlassen wollte und den Unfall verursachte. Colin bringt Jina zurück zu ihrem Haus. Das Geld übergibt er dem örtlichen Sheriff. Frank (Jason Clarke, demnächst „Zero Dark Thirty“) ist zwar nett und hilfsbereit, aber auch etwas merkwürdig und verheiratet mit Jina, die für das Kaff und ihren Mann ein viel zu heißer Feger (Klischee Absicht) ist. Entsprechend schnell baggert sie Colin an (Flirten kann man ihren nächtlichen Annäherungsversuch im Swimmingpool nicht nennen). Wahrscheinlich ist Frank deshalb auch etwas eifersüchtig.

Und dann ist da noch ein blonder Killer, der wortkarg, aber äußerst effektiv seine Arbeit, die Suche nach dem Geld, erledigt. Eigentlich überlebt niemand die Begegnung mit ihm. Dumm nur, dass Frank und Jina, auf getrennten Wegen den Ort verlassen wollen, das Geld als willkommene Starthilfe für ein neues Leben betrachten und der harmlose Colin zwischen die Fronten gerät.

Swerve – Falscher Ort, falsche Zeit“ ist ein Noir by the Numbers, der kaum ein Klischee auslässt und gerade in den ersten beiden Dritteln an Oliver Stones ungleich gelungenere John-Ridley-Verfilmung „U-Turn“ (allerdings ohne die Stonesschen Kameraexzesse) erinnert. Sogar ein merkwürdiger Automechaniker versucht in „Swerve“ Colins Auto zu reparieren. Im letzten Drittel gibt es dann eine Storyvolte, die plötzlich das Geld links liegen und den Film zu einem banalen Eifersuchtsdrama mutieren lässt.

Swerve - DVD-Cover

Swerve – Falscher Ort, falsche Zeit (Swerve, Australien 2011)

Regie: Craig Lahiff

Drehbuch: Craig Lahiff

mit Jason Clarke, Emma Booth, David Lyons, Travis McMahon, Roy Billing, Chris Haywood, Vince Colosimo

DVD

Ascot-Elite

Bild: 1,35:1 (16:9, PAL)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer, Wendecover

Länge: 83 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Rotten Tomatoes über „Swerve“

Wikipedia über „Swerve“ 

Greg King’s Film Reviews unterhält sich mit Craig Lahiff über seinen Film „Swerve“ (7. Juni 2012)


TV-Tipp für den 11. Januar: Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte

Januar 11, 2013

ZDFneo, 20.15

Erin Brockovich – Eine wahre Geschichte (USA 1999, R.: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Susannah Grant

Erin Brockovich ist eine wandelnde Katastrophe: keine Ausbildung, drei Kinder, alleinerziehend, quasi pleite, nicht auf den Mund gefallen und mit Kleidungsvorstellungen, die nicht eine Anwaltskanzlei passen. Dennoch hilft sie in der Kanzlei von Ed Masry aus und stößt zufällig auf einen Umweltskandal, in den sie sich verbeißt. Der Fall wird zu einem der größten Schadenersatzprozesse der USA.

Auf einem wahren Fall beruhende, märchenhafte David-gegen-Goliath-Geschichte, die Soderbergh locker-leicht inszenierte. Er landete damit einen Kassen- und Kritikererfolg.

Soderbergh (…) gibt einem jedenfalls den Glauben an Hollywood wieder. Als ich das Kino verließ, dachte ich: It’s a wonderful life!“ (Hans Schifferle, Schnitt 2/2000)

Julia Roberts erhielt einen Oscar als beste Hauptdarstellerin. Außerdem war der Film in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“ und „Bester Nebendarsteller“ (Albert Finney) nominiert.

Außerdem war Susannah Grants Drehbuch für den Edgar Allan Poe Award und den Preis der Writers Guild of America nominiert.

mit Julia Roberts, Albert Finney, Aaron Eckhart, Marg Helgenberger, Cherry Jones, Peter Coyote, Erin Brockovich (Cameo als Kellnerin)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Erin Brockovich“

Wikipedia über „Erin Brockovich“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs “Magic Mike” (Magic Mike, USA 2012)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte

Hinweis

Girlfriend Experience

Mit vierjähriger Verspätung ist jetzt Steven Soderberghs „Girlfriend Experience – Aus dem Leben eines Luxus-Callgirls“ mit der Porno-Darstellerin Sasha Grey (die damals auch als Musikerin und Denkerin für Furore sorgte) bei Koch Media als deutsche DVD-Premiere erschienen.

Die DVD enthält neben dem Film auch den Alternativen Director’s Cut, einen Audiokommentar von Soderbergh und Grey und einen „Blick hinter die Kulissen“.

 


Neu im Kino/Filmkritik: Wer war „Hannah Arendt“?

Januar 10, 2013

Hannah Arendt.

Große Philosophin.

Hat „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ und „Eichmann in Jerusalem – Ein Bericht über die Banalität des Bösen“ geschrieben.

Und wenn Ihr Wissen über Hannah Arendt ungefähr jetzt erschöpft ist, dürfte es ihnen wie mir gehen.

Aber das ist auch keine schlechte Ausgangsposition, um sich Margarethe von Trottas neuen Film anzusehen, der ganz banal „Hannah Arendt“ heißt und vier Jahre aus ihrem Leben als reife Frau erzählt. Es sind die Jahre, in denen die damals hochgeachtete Philosophin in New York lebte, am Brooklyn College in New York lehrte, einen Kreis teils deutschstämmiger Intellektueller um sich gescharrt hatte (entsprechend flüssig wechseln sie in ihren Gesprächen die Sprachen) und sich normalerweise an ihr Alterswerk gemacht hätte, wenn nicht der Mossad 1960 Adolf Eichmann in Argentinien gefangen genommen hätte und der noch junge Staat Israel ihn vor Gericht stellen wollte. Nur vor welches? Eine internationale Gerichtsbarkeit, wie wir sie heute kennen, gab es noch nicht und Deutschland hatte an so einem Prozess überhaupt kein Interesse. Also wurde Eichmann in Jerusalem vor ein Gericht gestellt und die am 14. Oktober 1906 geborene, 1933 nach kurzer Inhaftierung aus Deutschland geflüchtete Jüdin Hannah Arendt, die bis dahin gut in ihren philosophischen Gedankengebäuden lebte, wollte in Israel den Prozess beobachten und darüber schreiben.

Margarethe von Trotta zeigt in ihrem fantastischen Film die Konfrontation der Denkerin mit dem Bürokraten und welche Folgen das für ihr Denken hatte. Dabei bleibt sie anscheinend immer sehr nahe bei den Fakten und dem damaligen Wissen. Denn neuere Forschungen über Eichmann zeichnen ein anderes Bild von ihm. Jedenfalls wollte Eichmann vor Gericht für sein Handeln keine Verantwortung übernehmen. Er habe schließlich nur Befehle befolgt. Und das sagte der unscheinbar-ungelenkte Bürokrat in ebenso bürokratischen und grammatikalisch haarsträubenden Sätzen. Dieser Unterschied zwischen monströsen Taten und unscheinbarer Person brachte Arendt auf ihren weltberühmten Begriff „die Banalität des Bösen“. In der mit zweijähriger Verspätung erschienenen Artikelserie „Eichmann in Jerusalem“ für den „The New Yorker“ und dem darauf basierendem Buch weigerte sie sich, Eichmann, wie man es von ihr erwartet hatte, zu dämonisieren. Stattdessen beschrieb sie ihn, wie sie ihn während des Prozesses erlebte und griff auch die Rolle der Judenräte an.

Sie erhielt hasserfüllte Briefe, wurde von anderen Juden angegriffen und auch Freunde wanden sich von ihr ab. Von Trottas Film endet mit einer Rechtfertigungsrede von Hannah Arendt in einem überfüllten Hörsaal, die gerade in ihrer Sprödigkeit und intellektuellen Schärfe, wie der gesamte Film, beeindruckt.

Die Regisseurin, die vor allem für ihre Porträts starker Frauen, wie „Rosa Luxemburg“, bekannt ist, zeigt Hannah Arendt (glänzend gespielt von Barbara Sukowa) als kantige, teils harsche, immer scharfsinnige Denkerin, die Spaß am intellektuellen Diskurs hatte, heftig streiten konnte und dabei niemals ihre Freundschaften vergaß. So endet mehr als ein lautstarker Disput mit einem „So, und jetzt ist gut. Lasst uns einen Tee trinken!“ und einem kleinmädchenhaftem Lachen.

Sie stand für ihre Überzeugungen, verteidigte sie, hörte aber auch den anderen zu und war bereit ihre Meinung zu ändern, weil sie verstehen und nicht verurteilen wollte. – Und gerade hier zeigt sich in ihrem Charakter und in ihrer fast ein halbes Jahrhundert zurückliegenden Auseinandersetzung über ihre Texte über Eichmann (zuerst die Zeitungsartikel, später das Buch) die Aktualität des Films, der fragt, ob wir selbst denken wollen, ob wir für unsere Überzeugungen kämpfen wollen und wie wichtig uns Freundschaften sind.

Dabei ist „Hannah Arendt“ kein in blinder Ehrfurcht erstarrendes Heldinnenporträt, sondern ein mitreisendes Stück Kino, das auch einen Einblick in die damalige Ostküsten-Intellektuellenszene und das damalige Denken liefert, mit scharfzüngigen Dialogen, die, aufgrund des Themas und der Charaktere, in Richtung Thesentheater gehen. Denn wenn der „Tribe“, wie der Intellektuellenzirkel, der sich regelmäßig in Hannah Arendts Wohnung traf, miteinander stritt, dann stritten einige der größten Denker des Jahrhunderts miteinander.

Hannah Arendt - Plakat

Hannah Arendt (Deutschland 2012)

Regie: Margarethe von Trotta

Drehbuch: Pamela Katz, Margarethe von Trotta

mit Barbara Sukowa, Axel Milberg, Janet McTeer, Julia Jentsch, Ulrich Noethen, Michael Degen, Victoria Trauttmansdorff, Klaus Pohl, Nicholas Woodeson

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 6 Jahre)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Hannah Arendt“

Rotten Tomatoes über „Hannah Arendt“

Wikipedia über „Hannah Arendt“

Margarethe von Trottas Kinotour zum Film

Donnerstag, 10. Januar 2013

15.00 Uhr NÜRNBERG Cinecitta‘ Multiplexkino (Gewerbemuseumsplatz 3)

20.00 Uhr MÜNCHEN – City Kinos (Sonnenstraße 12)

Freitag, 11. Januar 2013

16.30 Uhr KASSEL Gloria am Ständeplatz (Friedrich-Ebert-Straße 3)

20.00 Uhr BIELEFELD Lichtwerk im Ravensberger Park (Ravensberger Park 7)

Samstag, 12. Januar 2013

16.45 Uhr MÜNSTER Schloßtheater (Melchers-Straße 81)

19.30 Uhr HAMBURG Abaton-Kino (Allende-Platz 3)

Sonntag, 13. Januar 2013

16.30 Uhr FREIBURG Kandelhof-Kino (Kandelstraße 27)

Donnerstag, 17. Januar 2013

15.00 Uhr AACHEN Capitol (Seilgraben 8)

Sonntag, 20. Januar 2013

11.30 Uhr BERLIN Delphi Filmpalast am Zoo (Kantstraße 12a)

13.30Uhr BERLIN International (Karl-Marx-Allee 33)

18.30 Uhr DRESDEN KIF Kino in der Fabrik (Tharandter Straße 33)

Bonusmaterial

Hannah Arendt 1964 im Gespräch mit Günther Gaus


TV-Tipp für den 10. Januar: Der Bauch des Architekten

Januar 10, 2013

MDR, 23.35

Der Bauch des Architekten (GB/I 1987, R.: Peter Greenaway)

Drehbuch: Peter Greenaway

Ein Architekt erlebt während der Vorbereitungen für eine Ausstellung in Rom eine ausgewachsene Sinnkrise.

„Ein schrecklich deprimierender Film – und ein Lehrstück über das Sehen und Bilden, unter anderem, ein Film von ausgesuchter optischer Raffinesse, voller dunkelleuchtender Farben.“ (Fischer Film Almanach 1988)

Aber: „Die Filme funktionieren freilich auch auf der schlichten narrativen Ebene, sind unterhaltsam und komisch.“ (ebenda)

Damals war der Avantgarde-Künstler Peter Greenaway nach seinem Spielfilmdebüt „Der Kontrakt des Zeichners“ (The Draughtsman’s Contract) und dem unbekannteren „Eine Z und zwei Nullen“ (A Zed & two Noughts) und vor „Verschwörung der Frauen“ (Drowning by Numbers), „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ (The Cook, the Thief, his Wife and her Lover) und „Prosperos Bücher“ (Prospero’s Books) auf dem Höhepunkt seiner Bekanntheit als Filmregisseur.

Heute ist eine der seltenen Gelegenheiten den „Bauch des Architekten“ zu bewundern.

mit Brian Dennehy, Chloe Webb, Lambert Wilson, Sergio Fantoni

Hinweise

Wikipedia über Peter Greenaway (deutsch, englisch)

Homepage von Peter Greenaway

Homepage über Peter Greenaway

Noch eine Seite über Peter Greenaway


TV-Tipp für den 9. Januar: Scoop – Der Knüller

Januar 9, 2013

Arte, 20.15

Scoop – Der Knüller (GB/USA 2006, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Auf Wunsch eines frisch verstorbenen Star-Reporters ermitteln ein Magier (Allen gewohnt panisch) und eine junge Journalistin (Johansson ungewohnt tapsig) in einem Mordfall.

Nach dem hochgelobten Krimi „Matchpoint“ gab es mit „Scoop“ wieder einen typischen Allen-Film bei dem die in seiner damaligen Heimat Großbritannien spielende Krimigeschichte nur der Aufhänger für Witze ist. Danach drehte er in England noch den Krimi „Cassandras Traum“ und ging dann nach Spanien.

mit Scarlett Johansson, Woody Allen, Hugh Jackman, Ian McShane, Anthony Head

Wiederholung: Donnerstag, 10. Januar, 13.55 Uhr

Hinweis

Französische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Scoop – Der Knüller“

Metacritic über „Scoop – Der Knüller“

Rotten Tomatoes über „Scoop – Der Knüller“

Wikipedia über „Scoop – Der Knüller“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens „To Rome with Love“ (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Woody Allen in der Kriminalakte


Berlin: Die „Django Unchained“-Pressekonferenz

Januar 8, 2013

Heute, vor einigen Stunden, war in Berlin eine Pressekonferenz zu „Django Unchained“ mit Regisseur und Autor Quentin Tarantino und fast allen Hauptdarstellern des Westerns, nämlich Jamie Foxx, Christoph Waltz, Kerry Washington und Samuel L. Jackson.

Die Bildstrecke mit einigen weiterführenden Links gibt es hier und die Besprechung zu dem guten Film (Oh heiliges Understatement!) gibt es dann zum Filmstart am 17. Januar.


TV-Tipp für den 8. Januar: James Bond: Ein Quantum Trost

Januar 8, 2013

ZDF, 20.15

James Bond 007 – Ein Quantum Trost (GB 2008, R.: Marc Forster)

Drehbuch: Paul Haggis, Neal Purvis, Robert Wade

LV: Ian Fleming: Quantum of Solace, 1960 (Das Minimum an Trost, Ein Minimum an Trost [Kurzgeschichte])

Die Story aka Der Vorwand für ganz viele, ganz doll im schlechten Jason-Bourne-Stil zerschnipselten Verfolgungsjagden und Actionszenen: James Bond will den Tod von seiner Geliebten Vesper Lynd rächen und legt sich mit der geheimnisvollen Organisation Quantum (ist wahrscheinlich ein Nachfolger von Spectre) an.

Auch wenn der zweite Einsatz von Daniel Craig als James Bond nicht der schlechteste Bond aller Zeiten ist, hat er jedenfalls einen Platz in den Top Drei. Denn „Octopussy“ ist auch ziemlich mies und „Der Mann mit dem goldenen Colt“ hat bei mir den Einer-der-ersten-Bond-Filme-die-ich-gesehen-habe-Bonus. Die anderen waren „Diamantenfieber“, „In tödlicher Mission“ und, ich glaube, „Feuerball“ – und immer im Kino; ach, das wissen die Jüngeren wahrscheinlich nicht: bis in die neunziger Jahre liefen auch ältere Filme auch in der Provinz immer wieder in normalen Kinos

Mit Daniel Craig, Olga Kurylenko, Mathieu Amalric, Judi Dench, Giancarlo Giannini, Gemma Arterton, Jeffrey Wright, Jesper Christensen, Rory Kinnear

Wiederholung: Mittwoch, 9. Januar, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „James Bond: Ein Quantum Trost“

Metacritic über „James Bond: Ein Quantum Trost“

Rotten Tomatoes über „James Bond: Ein Quantum Trost“

Wikipedia über „James Bond: Ein Quantum Trost“ (deutsch, englisch)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. Januar: Big Fish

Januar 7, 2013

Arte, 20.15

Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (USA 2003, R.: Tim Burton)

Drehbuch: John August

Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)

Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.

Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet,  ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.

Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)

Wiederholung: Mittwoch, 9. Janaur, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Daniel Wallace

Homepage/Blog von John August (In der Abteilung „Downloads“ gibt es das Drehbuch und weiteres informatives Material zu „Big Fish“.)

Rotten Tomatoes über „Big Fish“

Wikipedia über „Big Fish“ (deutsch, englisch)

Tim Burton bei Film-Zeit

Senses of Cinema-Artikel von Ben Andac über Tim Burton (2003)

Arte über die Tim-Burton-Reihe

Tim Burton in der Kriminalakte

Meine Besprechung von John Augusts „The Nines“ (The Nines, USA 2007)


TV-Tipp für den 6. Januar: R. E. D. – Älter, härter, besser

Januar 6, 2013

RTL, 20.15 (Wiederholung 23.45 Uhr)

R. E. D. – Älter, härter, besser (USA 2010, R.: Robert Schentke)

Drehbuch: Jon Hoeber, Erich Hoeber

LV: Warren Ellis (Autor)/Cully Hamner (Zeichner): Red, 2003 (Red)

Als auf den zurückgezogen lebenden Ex-CIA-Agenten Frank Moses (Bruce Willis) ein Anschlag verübt wird (danach sind die drei Angreifer tot), trommelt er einige alte Kumpels (Morgan Freeman, John Malkovich, Helen Mirren) zusammen und gemeinsam zeigen sie der CIA, zu was die alten Säcke fähig. Den das Kürzel „R. E. D.“ in der CIA-Akte bedeutet „retired, extremely dangerous“.

Köstlich-kurzweilige Actionkomödie, die die schlanke Comicvorlage mit Humor, mehr Story und mehreren Ex-CiA-Agenten aufbrezelt. Aufgrund des großen Erfolgs dürfen die extrem gefährlichen CIA-Ruheständler dieses Jahr wieder zuschlagen.

Wahrscheinlich ist die 20.15-Uhr-Ausstrahlung gekürzt; die Wiederholung müsste ungekürzt sein.

mit Bruce Willis, Helen Mirren, Morgan Freeman, John Malkovich, Mary-Louise Parker, Karl Urban, Ernest Borgnine, Brian Cox, James Remar, Richard Dreyfuss

Hinweise

Homepage von Warren Ellis

Homepage von Cully Hamner

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Red“

Metacritic über „Red“

Rotten Tomatoes über „Red“

Wikipedia über „Red“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Warren Ellis/Cully Hamners „Red“ (Red, 2003)


TV-Tipp für den 5. Januar: Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel

Januar 5, 2013

Pro7, 22.55

Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel (USA 2007, R.: Ben Affleck)

Drehbuch: Ben Affleck, Aaron Stockard

LV: Dennis Lehane: Gone, Baby, Gone, 1998 (Kein Kinderspiel; später, aufgrund des Films „Gone Baby Gone“)

In Boston suchen die Privatdetektive Patrick Kenzie und Angela Gennaro die spurlos verschwundene vierjährige Amanda.

Tolle Verfilmung eines tollen Privatdetektivkrimis. Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Casey Affleck, Michelle Monaghan, Morgan Freeman, Ed Harris, John Ashton, Amy Ryan

Hinweise

Metacritic über „Gone Baby Gone“

Rotten Tomatoes über „Gone Baby Gone“

Wikipedia über “Gone Baby Gone” (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Thrilling Detective über Patrick Kenzie und Angela Gennaro

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung der Dennis-Lehane-Verfilmung „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Meine Besprechung von Christian De Metters Comicversion von Dennis Lehanes „Shutter Island“ (Shutter Island, 2008 [Comic])

Dennis Lehane in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Ben Afflecks „Argo“ (Argo, USA 2012)


TV-Tipp für den 4. Januar: Sin City – Recut & Extended

Januar 4, 2013

Pro7, 23.30

Sin City (USA 2005, R.: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino [special guest director])

Drehbuch: Frank Miller

LV: Frank Miller: Sin City (verfilmte Geschichten: The Hard Goodbye [1991], The Big Fat Kill [1994], That Yellow Bastard [1996], The Customer is Always Right[1994])

Kongeniale Verfilmung einiger Geschichten aus der düsteren „Sin City“-Welt.

Heute läuft nicht die Kinofassung, sondern die etwas längere „Recut & Extended“-Version, mit einer Betonung auf „Recut“.

Mit Jessica Alba, Powers Boothe, Jude Ciccolella, Rosario Dawson, Benicio Del Toro. Josh Hartnett, Rutger Hauer, Jamie King, Michael Madsen, Frank Miller, Brittany Murphy, Clive Owen, Mickey Rourke, Nick Stahl, Bruce Willis, Elijah Wood

Wiederholung: Samstag, 5. Januar, 03.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Sin City“

Metacritic über „Sin City“

Rotten Tomatoes über „Sin City“

Wikipedia über „Sin City“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte vergleicht die Kino- mit der Recut-Version

Meine Besprechung von Frank Miller/Geoff Darrows „Hard Boiled“ (Hard Boiled, 1990/1992)

Meine Besprechung von Frank Miller/Dave Gibbons‘ „Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)“ (Give me liberty, 1990)

Meine Besprechung von Frank Miller/Jim Lee/Scott Williams‘ „All-Star Batman“ (All Star Batman & Robin: The Boy Wonder, 2005 – 2008)

Meine Besprechung von Frank Millers „Holy Terror“ (Holy Terror, 2011)


Neu im Kino/Filmkritik: Gelungener Einstand für „Jack Reacher“

Januar 3, 2013

Die erste Überraschung erleben die Menschen, die bislang noch keinen von Lee Childs Jack-Reacher-Romanen gelesen haben, nach ungefähr zehn Minuten. Denn bis dahin baute Drehbuchautor und Regisseur Christoper McQuarrie in seiner Verfilmung von „Sniper“ (One Shot) die Spannung auf die Ankunft des edlen Retters kontinuierlich auf.

In Pittsburgh, Pennsylvania, erschießt ein Sniper am helllichten Tag fünf Menschen. Detective Emerson (David Oyelowo) sichert die Beweise und schnell hat er einen wasserdichten Fall gegen James Barr (Joseph Sikora). Dieser verlangt nur, dass Jack Reacher geholt werden soll. Aber dieser Reacher ist ein Geist. Er war Militärpolizist, jetzt reist er ohne Gepäck durch die USA und als er in den Nachrichten von der Anklage gegen Barr hört, macht er sich auf den Weg nach Pittsburgh.

Aber er reitet in das Büro des zuständigen Staatsanwalts Rodin (Richard Jenkins) nicht als der große Retter Shane ein, sondern er ist ein Racheengel der nur aus einem Grund nach Pittsburgh gekommen ist: er will sich vergewissern, dass Barr auch wirklich für diese Tat verurteilt wird. Während des Golfkriegs ermordete der Army-Scharfschütze mehrere US-Soldaten aus dem Hinterhalt. Aufgrund höherer politischer Erwägungen und zu Jack Reachers Ärger entging Barr damals seiner Bestrafung.

Das scheint jetzt nicht wieder zu passieren und Reacher will die Stadt wieder verlassen. Aber da bittet Barrs Verteidigerin Helen Rodin (Rosamund Pike) ihn, in dem Ort zu bleiben und sich als ihr Ermittler die Beweise noch einmal anzusehen. Immerhin hat Barr, bevor er ins Koma geprügelt wurde, ausdrücklich darum gebeten, Jack Reacher zu rufen.

Reacher sieht sich die Beweise an und, weil sie zu gut sind, um wahr zu sein, beginnt er nach dem wahren Mörder und den Hintergründen für die Tat zu suchen. Das ist jetzt auch für die Menschen, die noch keinen Jack-Reacher-Roman gelesen haben (es aber unbedingt nach dem Filmbesuch tun sollten) keine Überraschung. Ebenso, dass Jack Reacher eine Menge Ärger bekommt und letztendlich in der Stadt kräftig aufräumt.

Dabei verlässt Jack Reacher sich weniger auf seine Kampfkünste, als auf seinen Verstand und seine Beobachtungsgabe. So scheint er bereits schnell das halbe Komplott durchschaut zu haben.

Drehbuchautor und Regisseur Christopher McQuarry („Die üblichen Verdächtigen“, „Operation Walküre“) bemüht sich kräftig, Jack Reacher in möglichst jeder Szene als den großen mythologischen Helden zu inszenieren und er plündert dabei fast jedes Western-Topoi, das irgendwie in den Film hineinpasst und gibt ihm in jeder Szene mindestens einen Oneliner. Dabei ist „Jack Reacher“, wie Lee Childs grandioser Roman „Sniper“, an den der Film sich weitgehend hält, in erster Linie ein Rätselkrimi, in dem ein smarter Ermittler den Mörder (dessen Identität uns Zuschauern von Anfang an bekannt ist) und dessen Auftraggeber sucht. Denn er glaubt nicht, dass die Opfer zufällig ausgewählt wurden.

Der Auftraggeber für die Morde, The Zec, ist ein grandioser Besetzungscoup. Denn er wird von Werner Herzog gespielt, der in den Siebzigern einer der wichtigsten Regisseure des Neuen Deutschen Films war, in den Neunzigern bei uns in Vergessenheit geriet, während er in den USA als Regisseur von Spiel- und Dokumentarfilmen bekannt wurde und dort schon fast kultisch verehrt wird; was sicher auch an seinem Humor liegt. Jedenfalls darf er als Zec, mit ausdruckloser Mine und in der Originalfassung seinem wunderschönem Akzent, einige so tiefsinnige, absurde und böse Sätze sagen, dass es einem kalt den Rücken hinunterläuft. Wahrscheinlich haben McQuarrie und Cruise (der den Film auch produzierte) als sie Herzog engagierten, einfach ihrem Fantum nachgegeben. Jedenfalls war das eine kluge Entscheidung.

Jack Reacher“ ist ein guter, wenn auch unspektakulärer Thriller mit einem in jeder Beziehung angenehmen Retro-Touch, bei dem die Schauspieler, die Dialoge und altmodische Erzähltugenden im Vordergrund stehen. Entsprechend unaufgeregt inszenierte McQuarrie den Film und Tom Cruise gibt – nachdem die Fans der Romane Cruise lautstark wegen seiner Körpergröße ablehnten (immerhin ist Reacher in den Romanen fast zwei Meter und Tom Cruise ist nur 1,70 Meter) – einen überzeugenden Jack Reacher. Denn er ist im Film genausowenig zu stoppen wie in den Romanen. Außerdem sind die wenigen Action-Szenen, die angenehm altmodisch ohne Wackelkamera, Schnittgewitter und „Mission Impossible“-Overkill inszeniert wurden, so auch viel glaubwürdiger. Denn welche Bande von Kleinstadtmachos fängt eine Schlägerei mit einem Zwei-Meter-Muskelprotz an? In „Jack Reacher“ versuchen sie es. Kurz darauf sind liegen sie krankenhausreif auf dem Boden.

Und was hätten die Die-Hard-Fans der Romane zu Brad Pitt, Hugh Jackman, Jamie Foxx, Vince Vaughn und Will Smith, die alle vor Tom Cruise für die Rolle im Gespräch waren, gesagt?

Jack Reacher - Plakat4

Jack Reacher (Jack Reacher, USA 2012)

Regie: Christopher McQuarrie

Drehbuch: Christopher McQuarrie

LV: Lee Child: One Shot, 2005 (Sniper)

mit Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Vladimir Sizov, Joseph Sikora , Michael Raymond-James, Alexia Fast, Josh Helman, Robert Duvall, Lee Child (Cameo als Polizist)

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Jack Reacher“

Metacritic über „Jack Reacher“

Rotten Tomatoes über „Jack Reacher“

Wikipedia über „Jack Reacher“ (deutsch, englisch)

Homepage von Lee Child

Wikipedia über Lee Child (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lee Childs „Tödliche Absicht“ (Without fail, 2002)

Meine Besprechung von Lee Childs „Die Abschussliste“ (The Enemy, 2004)

Meine Besprechung von Lee Childs „Sniper“ (One Shot, 2005)

Meine Besprechung von Lee Childs „Outlaw“ (Nothing to Loose, 2008)

Meine Besprechung von Lee Childs (Herausgeber) „Killer Year – Stories to die for…from the hottest new crime writers“ (2008)

Kriminalakte über Lee Child und „Jack Reacher“

 


TV-Tipp für den 3. Januar: Pee-wee’s irre Abenteuer

Januar 3, 2013

Arte, 21.45

Pee-wee’s irre Abenteuer (USA 1985, R.: Tim Burton)

Drehbuch: Phil Hartman, Paul Reubens, Michael Varhol

Musik: Danny Elfman

Anscheinend lief Tim Burtons Spielfilmdebüt „Pee-wee’s irre Abenteuer“, eine Auftragsarbeit von und für den damals populärem Paul Reubens, schon einmal im Fernsehen: 1995 auf Sat.1. Jetzt zeigt Arte die Komödie im Rahmen seiner Tim-Burton-Reihe und als Vorbereitung für seinen neuen, empfehlenswerten Film „Frankenweenie“ (Kinostart: 24. Januar).

Pee-wee Herman „wandelt wie ein Idiot durch einen idiotischen Film, immer auf der Suche nach seinem geklauten Fahrrad. Er findet es in einem Filmstudio, wo verschiedene – wohlbekannte – Filme in Arbeit sind, in die er hineinstolpert. Sinnfälliger kann man nicht machen, dass das gute alte Hollywood zum Selbstbedienungsladen für erbärmliche Epigonen verkommen ist.“ (Fischer Film Almanach 1987) Ähem.

Burtons zweiter Film „Beetlejuice“ läuft bereits um 20.15 Uhr.

Mit Paul Reubens (aka Pee-wee Herman), Elizabeth Daily, Mark Holton, Diane Salinger, Mark Landis, James Brolin, Morgan Fairchild

Wiederholung: Sonntag, 6. Januar, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über die Tim-Burton-Reihe

Rotten Tomatoes über „Pee-wee’s irre Abenteuer“

Wikipedia über „Pee-wee’s irre Abenteuer“

Tim Burton in der Kriminalakte

 


DVD-Kritik: „ID:A – Identität Anonym“ – Wer zur Hölle bin ich?

Januar 2, 2013

In Frankreich wird eine junge Frau in einem Gebirgsfluss wach. Sie hat, wie wir, keine Ahnung, wie sie dorthin gelangte und, als sie kurz darauf in einem Dorfhotel eincheckt, hat sie auch keine Ahnung, wie sie heißt und wo sie herkommt. Aber sie hat einen Seesack voller 100-Euro-Geldbündel und eine Pistole. In den Nachrichten hört sie Meldungen über die in der Nähe stattgefundenen Morde an einem Politiker und zwei weiteren, noch unbekannten Toten. Hat sie etwas damit zu tun?

Nun, selbstverständlich. Aber bis wir erfahren, was sie mit den Morden zu tun hat, erleben wir hundert spannende Minuten, die man besser nicht zu sehr auf Wahrscheinlichkeit überprüft und die politische Ebene nimmt man besser als MacGuffin; also als Element, das die Handlung in Gang setzt und vorantreibt, ohne das es genauer erklärt wird.

Denn die schöne Unbekannte scheint aus Dänemark zu kommen und ein Musikstück löst bei ihr Erinnerungen aus. Als sie in Kopenhagen ankommt, erfährt sie, dass sie Ida heißt, die Frau des Opernsängers Just Ore ist und er, ihr Bruder und ihre Freunde als Studenten Mitglieder einer radikalen politischen Gruppe waren.

Während sie noch versucht, ihr Gedächtnis wieder zu erlangen, wird sie von von zwei Männern verfolgt, die sie bereits in Frankreich verfolgten. Die beiden Männern kennen sie von früher. Denn sie waren, als sie sie auf einem Überwachungsvideo erkannten, über ihr Auftauchen in Frankreich sehr erstaunt und auch ihr Mann Just Ore scheint etwas mit den seltsamen Ereignissen und ihren Verfolgern zu tun zu haben.

ID:A – Identität Anonym“, ist ein feiner, kleiner Thriller, der seine Geheimnisse, als die Heldin Ida während eines weiteren traumatischen Ereignisses ihr Gedächtnis wiedererlangt, in einer für meinen Geschmack zu langen Rückblende enthüllt.

Davon abgesehen erinnert Christiansens Film an die paranoiden französischen Polit- und Psycho-Thriller der sechziger und siebziger Jahre, in denen eine Gesellschaft gezeichnet wird, in der es mafiöse Verbindungen zwischen Verbrechern und Politikern, oft auch Geheimdienstlern, Polizisten und hochrangigen Beamten, gibt, die einen Staat im Staat bilden. Der Held wird von ihnen und ihrer allumfassenden Macht bedroht und er kann nie seiner Wahrnehmung und seinem Gedächtnis trauen; vor allem, weil alle anderen mehr über ihn wissen und er nie weiß, ob oder wie sehr er belogen wird. In „ID:A – Identität anonym“ lebt diese paranoide Stimmung wieder auf.

P. S.: Für die deutsche Fassung wurde die Tonspur komplett synchronisiert. In der Originalfassung wird in den ersten gut zwanzig Minuten, solange Ida in Frankreich ist, französisch gesprochen.

ID A - DVD-Cover

ID:A – Identität anonym (ID:A, Dänemark 2011)

Regie: Christian E. Christiansen

Autor : Tine Krull Petersen

LV: Anne Chaplin Hansen: På knivens æg, 2000

mit Tuva Novotny, Flemming Enevold, Carsten Bjørnlund, Arnaud Binard, John Buijsman, Rogier Philipoom, Jens Jørn Spottag

DVD

Ascot-Elite

Bild: 2,35:1 (16:9 PAL)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Dänisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Deutscher und Originaltrailer, Wendecover

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „ID:A – Identität anonym“

Wikipedia über „ID:A – Identität anonym“

Litteratursiden über Anne Chaplin Hansen


TV-Tipp für den 2. Januar: Tatort: Berlin – Beste Lage

Januar 2, 2013

WDR, 22.50

Tatort: Berlin – Beste Lage (D 1993, R.: Matti Geschonneck)

Drehbuch: Rainer Berg, Matti Geschonneck

Musik: Ulrich Gumpert

Auf einem Laster, der Schrott nach Polen transportieren soll, wird die Leiche eines Tischlers gefunden, der im Scheunenviertel lebte. Das Wohn- und Gewerbegebiet in Berlin-Mitte soll luxussaniert werden. Deshalb wollen der Besitzer des Hauses und ein Makler die alten Mieter aus dem Wohnblock vertreiben. Kommissar Markowitz glaubt, dass der Tote etwas gegen sie in der Hand hatte.

Dichte Milieustudie, die die Veränderungen im Nachwendeberlin reflektiert. Denn schon damals wurde gnadenlos gentrifiziert.

Zuletzt lief „Berlin – Beste Lage“ vor 22. September 2004 im Fernsehen. Auch die anderen Markowitz-“Tatorte“ werden selten gezeigt.

Die acht Markowitz-“Tatorte“ sind immer noch ein Rätsel. Denn der SFB (heute RBB) produzierte von 1991 bis 1995 eine Reihe hochkarätiger „Tatorte“, die die damaligen Veränderungen in Berlin reflektierten. Und das in einer Qualität, die davor und danach nicht erreicht wurde. Denn davor ermittelte Heinz Drache als Kommissar Bülow (Gähn!), danach Winfried Glatzeder als Kommissar Roiter (Grusel! Zwei Giftschrankfolgen und „Ein Hauch von Hollywood“, der so schlecht war, dass er an einem Montag um 23.00 Uhr versendet wurde).

mit Günther Lamprecht, Hans Nitschke, Claudia Balko, Thomas Schendel, Renate Küster

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Franz Markowitz

Berliner Morgenpost: Interview mit Günther Lamprecht über Kommissar Markowitz


DVD-Kritik: „Priest of Evil – Satans dunkle Wege“ führen auch in das heimische Wohnzimmer und nirgends ist ein gottesfürchtiger Priester, der das schlimmste verhindert

Januar 1, 2013

Es hilft wirklich, vor dem „Genuss“ des Films die offizielle Inhaltsangabe zu lesen. Die verrät zwar fast den gesamten Thriller, aber so ist man beim Sehen von „Priest of Evil – Satans dunkle Wege“ nicht ganz so verloren in dem Chaos verschiedener Handlungsstränge, die sich erst langsam entwirren. Dabei verwechseln die Macher Komplexität und Rätsel einfach nur mit Schlamperei beim Konstruieren der Geschichte.

Denn diese ist letztendlich ziemlich einfach: da gibt es einmal einen durchgeknallten, religiösen Mörder. Als er eines seiner Opfer vor die U-Bahn schubst, beginnt Kommissar Timo Harjunpää zu ermitteln. Er ist – klar – ein Superbulle, der allerdings seit zwei Jahren kaum noch arbeitsfähig ist, weil ein Jugendlicher seine Tochter nach einem Discobesuch ermordete. Als der Täter jetzt entlassen wird, will Harjunpää irgendwie seine Tochter rächen. Der Handlungsstrang endet aber ziemlich schnell im Nirgendwo. Seine Frau hat einen eher milden religiösen Rappel und macht ihn immer noch für den Tod ihrer Tochter verantwortlich. Immerhin ist ihre zweite Tochter normal.

Und – Überraschung! – der U-Bahn-Mörder, der gleichzeitig ein Serienmörder mit einer Mission ist, nähert sich Harjunpääs Frau.

So weit, so konventionell. Aber Drehbuchautor Leo Viirret rückt diese Informationen nur bruchstückhaft heraus und überlässt uns so lange die Denkarbeit, bis wir uns nicht mehr darüber freuen, dass wir einige Sachen herausgefunden haben, ohne dass die Charaktere sie ausgesprochen haben oder sie uns gezeigt werden, sondern dass wir uns darüber ärgern, dass der Autor seine Arbeit, nämlich eine Geschichte zu schreiben, bei der wir mit den Charakteren, weil wir ihre Motive verstehen, mitfiebern, nicht getan hat. Die Charaktere sind uns nämlich alle herzlich egal.

Regisseur Olli Saarela inszenierte das dann zwar optisch ansprechend wie einen überlangen Videoclip, aber ohne Gespür für Dramaturgie an austauschbaren Orten. Sowieso könnte die Geschichte genausogut in irgendeiner anderen Großstadt spielen. Die Schauspieler, vor allem die Polizisten, sehen wie eine Abteilung der Hells Angels aus. Die halbe Zeit benehmen sie sich auch so.

Immerhin ist der vermurkste Film schnell vergessen.

Priest of Evil - DVD-Cover

Priest of Evil – Satans Dunkle Wege (Harjunpää ja pahan pappi, Finnland 2010)

Regie: Olli Saarela

Drehbuch: Leo Viirret

LV: Matti Yrjänä Joensuu: Harjunpää ja pahan pappi, 2003 (Das Taubenritual)

mit Peter Franzén, Irina Björklund, Sampo Sarkola, Rosa Salomaa, Tommi Korpela, Ville Virtanen, Jenni Banerjee, Maria Järvenhelmi

DVD

Ascot-Elite

Bild: 2,35:1 (16:) PAL)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Finnisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer, Wendecover

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Priest of Evil“

Wikipedia über Matti Yrjänä Joensuu (englisch, finnisch) und über „Priest of Evil“

Krimi-Couch über Matti Yrjänä Joensuu