Agustin (Viggo Mortensen) ist Kinderarzt in Buenos Aires, glücklich mit Claudia verheiratet – und ziemlich tief drin in einer ausgewachsenen Sinnkrise. Das von ihr gewünschte Adoptivkind will er nicht und auch sonst zieht er sich immer mehr, alle Gespräche verweigernd, zurück.
Da wird er überraschend von seinem Bruder Pedro (Viggo Mortensen), den er seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen hat, besucht. Pedro lebt als Bienenzüchter im Tigre Delta auf einer Insel, auf der sie gemeinsam aufwuchsen und man nicht viele Fragen stellt. Er hat Krebs im Endstadium und will nur noch möglichst schnell sterben.
Agustin lehnt seinen Sterbewunsch zunächst ab, tötet ihn dann doch und fährt ins Tigre Delta. Agustin hofft dort als Pedro ein neues Leben beginnen zu können. Dummerweise ist Pedro in kriminelle Geschäfte und einen Mord verwickelt.
Die erste Stunde des Noirs „Jeder hat einen Plan“, in der die Charaktere und die Konflikte ruhig und bravourös eingeführt werden, ist grandios. Aber in der zweiten Stunde, nachdem Agustin die Identität seines Bruders annimmt und in die alte Heimat zurückkehrt, kommt die Geschichte immer mehr zum Stillstand und wird – auch nach den Noir-Standards, die sich nicht unbedingt um Logik scheren – immer unwahrscheinlicher. Denn obwohl Agustin und Pedro ihre Jugend in der Gegend verbrachten, auch in kriminelle Geschäfte verwickelt waren, und damit viele Menschen wissen dürften, dass sie Zwillinge sind, scheint keinem aufzufallen, dass Pedro nicht mehr Pedro ist. Nur Agustins Frau, die nichts von Pedro weiß, bemerkt es, während eines Besuchs im Gefängnis, nach wenigen Sekunden – und verabschiedet sich aus der Geschichte. Rosa, die Freundin von Pedro, bemerkt ebenfalls ziemlich schnell, dass Pedro ein anderer Mann ist – und nimmt es schulterzuckend zur Kenntnis. Das ist dann doch arg unglaubwürdig.
Auch dass beide Brüder in verschiedene Mordfälle verwickelt sind, wird nicht so konsequent erzählt, wie es möglich wäre. Stattdessen wird Agustin am Ende in eine Entführung verwickelt, die zwar den Film zu einem Ende bringt, aber sich kaum um die vorherigen Ereignisse kümmert.
Hätte Autorin und Regisseurin Ana Piterbarg, nach mehreren TV-Arbeiten, bei ihrem Spielfilmdebüt in der zweiten Hälfte nur nicht der Mut verlassen, dann wäre „Jeder hat einen Plan“ ein wirklich großartiger Noir geworden.
So wurde es nur ein Noir mit spannenden Ansätzen, einer grandiosen ersten und einer sehr schwachen zweiten Hälfte, die ihr Potential, wozu auch der ungewöhnliche Handlungsort gehört, vollkommen verschenkt. Da hilft auch ein gewohnt großartiger Viggo Mortensen nicht mehr, der mit kleinen Veränderungen in Gestik und Mimik die beiden sehr ähnlichen Brüder spielt. Diese Ähnlichkeit wird vor allem in den wenigen, spannungsgeladenen Szenen, in denen sie, hm, gemeinsam in Agustins Mietwohnung sind, deutlich.
Jeder hat einen Plan (Todos tenemos un plan, Argentinien/Spanien 2012)
Regie: Ana Piterbarg
Drehbuch: Ana Piterbarg, Ana Cohan (Mitarbeit)
mit Viggo Mortensen, Soledad Villamil, Daniel Fanego, Javier Godino, Sofia Gala Castaglione
Wann endlich die fünfte und – leider – auch letzte „Leverage“-Staffel im TV gezeigt wird, ist noch unklar, aber in jedem Fall bleibt genug Zeit, um die jetzt auf DVD erschienene vierte Staffel der gelungenen Crime-Comedy-Serie zu genießen. Am bewährten Rezept wurde nichts geändert: Nathan Ford (Timothy Hutton) und sein aus den ehemaligen Verbrechern Sophie Deveraux, Trickdiebin (Gina Bellman), Parker, Einbrecherin (Beth Riesgraf), Eliot Spencer, Schläger (Christian Kane) und Alec Hardison, Computerspezialist (Aldis Hodge) bestehendes „Leverage“-Team, das fast auf Zuruf unmögliche Aufträge übernimmt, kämpft immer noch gewitzt und weitgehend gewaltfrei gegen reiche Bösewichter, die ihre Macht ausnutzen, um den kleinen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Mit mehr oder weniger legalen Methoden, aber immer ohne Skrupel und gegen die guten Sitten.
So will in „Heiße Kartoffeln“ eine Firma mit einer genetisch verbesserten Kartoffelsorte, die sie einer Wissenschaftlerin stahl, viel Geld verdienen und die Entdeckerin noch nicht einmal mit einer Kartoffelschale abspeisen. Das „Leverage“-Team hilft der Frau.
In „Lebendig begraben“ wollen sie eine Betrügerin, die mit ihren beiden Söhnen Hinterbliebene abzockt und das Beerdigungsinstitut als Tarnung für einen schwunghaften Handel mit gestohlenen Identitäten betreibt, überführen. Allerdings sind die Betrüger besonders skrupellos und kurz darauf liegt Hardison lebendig begraben in einem Sarg unter der Erde.
In „Der Ehe-Ring“ (schön doppeldeutiger Titel) sollen Ford und sein Team zuerst, im Auftrag eines reichen Klienten, seine verschwundene Geliebte und künftige Frau suchen. Als sie sich näher mit ihr beschäftigen stoßen sie in den Hamptons auf mehrere junge Frauen, die reiche Männer nur wegen ihres Geldes heiraten. Aber wer ist die Anführerin des Ehe-Rings?
Für Krimifans ist „Mord ist sein Hobby“, wie der Originaltitel „The 10 Li’l Grifters Job“ verrät, die „Leverage“-Variante eines Whodunits ein Spaß: denn während eines Mörderwochenendes in einem abgelegenen Hotel geschieht wirklich ein Mord – und Nate Ford ist der Hauptverdächtige.
In „Die Schoko-Falle“ kämpfen sie gegen einen Trickdieb, der jeden Betrug kennt – und damit auch immun gegen die Tricksereien des „Leverage“-Teams ist. Dieser Wettstreit der Trickdiebe ist natürlich äußerst amüsant. Für uns. Für das „Leverage“-Team nicht unbedingt.
In „Schatzsuche“ darf Alec Hardison die Führung bei der Überführung von einigen korrupten Goldhändlern, die mit ihrer Geld-für-Gold-Werbung massenhaft kleine Leute ausnehmen, übernehmen. Er will alles wirklich perfekt machen und entwirft einen elaborierten Plan, der deshalb auch sehr anfällig für Fehler ist.
Im Staffelfinale „Gemeinsame Sache“ bitten Nate Ford und sein Team etliche alte Bekannte und teilweise auch Feinde (was zu einem Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern führt) um Hilfe. Nur so können sie gegen Latimer und Dubenich, zwei Gegner, die ihnen schon seit längerer Zeit ans Leder wollen und die die Arbeitsweise des „Leverage“-Teams in- und auswendig kennen, bestehen. Hoffen sie jedenfalls.
In „Umzingelt“ trifft Nathan Ford wieder seinen Vater Jimmy Ford (Tom Skerritt), der einen ziemlich unmöglichen Einbruch im amerikanischen Patentamt durchziehen will, der eigentlich von Jimmys Auftraggeber Latimer als Falle für Nathan gedacht ist. Tom Skerritt erhielt für diesen Auftritt den Saturn Award der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films als bester Gastschauspieler. Die Serie selbst war immer in der Kategorie Best Syndicated/Cable Television Series für den Saturn Award (gegen Serien wie „Breaking Bad“ und „Dexter“) und die Hauptdarsteller, vor allem Timothy Hutton und Beth Riesgraf, als beste Darsteller nominiert.
In dieser Staffel gibt es auch mehrere Episoden, die radikal und sehr vergnüglich mit der vertrauten „Leverage“-Formel spielen und so, wenn da nicht auch die anderen Jobs wären, zu den Höhepunkten der vierten Staffel gehören. In „Unter Beobachtung“ wird die Folge wie eine „The Office“-Reality-TV-Folge inszeniert. Und selbstverständlich ist es witzig, wenn die Teammitglieder, die sich sichtlich unwohl dabei fühlen, dem Regisseur ihre Pläne und Befindlichkeiten schildern müssen und alles im wackeligen Pseudo-Doku-Stil aufgenommen wird. Außerdem spielt Peter Stormare den russischen Dokumentarfilmer, der sehr russisch ist.
In „Blind Date“ und „Heilige Maria!“ wird einmal ein Frauenabend, einmal ein Männerabend geschildert. Denn an diesem Abend wollen die Frauen und die Männer, getrennt, einen ruhigen Abend verbringen. Dann müssen sie allerdings ganz schnell jemandem helfen und selbstverständlich fragen sie die anderen nicht um Hilfe.
Die achtzehn abwechslungsreichen Jobs der vierten „Leverage“-Staffel halten das Niveau der vorherigen Staffeln, die Schauspieler dürfen, weil sie immer wieder in verschiedene Rollen schlüpfen müssen, ihr Können zeigen, die Geschichten sind witzig und, auch ohne Mord und Totschlag, spannend.
Das Bonusmaterial ist vor allem witzig (wie die „Office Job Parody“ oder der Einblick in den Writers‘ Room), aber auch arg kurz geraten und nicht sonderlich informativ. Es ist einfach rätselhaft, warum sich die Macher nicht einmal hinsetzen, um einige Audiokommentare aufzunehmen oder ein ausführliches Hintergrund-Feature machen.
Vollkommen überflüssiger Hinweis: In den USA erschienen bis jetzt drei „Leverage“-Romane, die natürlich ins Deutsche übersetzt werden sollten. Die Autoren Keith R. A. DeCandido, Greg Cox und Matt Forbeck haben in der Vergangenheit schon einige gute Romane, vor allem für das „Star Trek“-Universum, geschrieben. Außerdem freue ich mich über jeden Kriminalroman, der nicht der (Serien-)Mörder-such-Formel folgt.
Leverage – Staffel IV (Leverage, USA 2011/2012)
Erfinder: John Rogers, Chris Downey
mit Timothy Hutton (Nathan Ford), Gina Bellman (Sophie Devereaux), Christian Kane (Eliot Spencer), Beth Riesgraf (Parker), Aldis Hodge (Alec Hardison)
Gaststars: Tom Skerritt, Peter Stormare, Richard Chamberlain, Saul Rubinek, Jeri Ryan, Leon Rippy, Michael Paré, Thom Bray, David Rees Snell, Eric Stoltz
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DVD
Edel
Bild: 1,78:1 (16:9 PAL)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Hinter den Kulissen, Unveröffentlichte Szenen, Autoren: Der ganz normale Wahnsinn (The Writers‘ Room Job), Unter Beobachtung – Eine Parodie (The Office Job Parody), Outtakes (insgesamt 25 Minuten)
Länge: 730 Minuten (5 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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Die Jobs der vierten Staffel
Gipfelstürmer (The Long Way Down Job)
Regie: Dean Devlin
Drehbuch: Joe Hortua, John Rogers
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Mord ist sein Hobby (The 10 Li’l Grifters Job)
Regie: Arvin Brown
Drehbuch: Geoffrey Thorne
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Schweigegeld (The 15 Minutes Job)
Regie: Marc Roskin
Drehbuch: Josh Schaer
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Kunstraub (The Van Gogh Job)
Regie: John Rogers
Drehbuch: Chris Downey
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Heiße Kartoffeln (The Hot Potato Job)
Regie: John Harrison
Drehbuch: Jenn Kao
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Spieglein, Spieglein (The Carnival Job)
Regie: Frank Oz
Drehbuch: M. Scott Veach, Paul Guyot
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Lebendig begraben (The Grave Danger Job)
Regie: John Harrison
Drehbuch: Rebecca Kirsch
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Die Schoko-Falle (The Boiler Room Job)
Regie: Arvin Brown
Drehbuch: Paul Guyot
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Kaltes Herz (The Cross My Heart Job)
Regie: P. J. Pesce
Drehbuch: Jeremy Bernstein (nach einer Geschichte von Ben Fast und Scott Wolman)
Ein Mann überfährt ein Kind. Ein dummer Unfall. Seine Mutter will ihm helfen. Sie redet mit der Polizei. Lässt ihre Beziehungen spielen. So weit, so normal und allgemeingültig. Aber Calin Peter Netzer zeichnet, eher im Hintergrund, ein Bild der rumänischen Gesellschaft und einer problematischen Mutter-Sohn-Beziehung. Denn die Mutter Cornelia ist eine angesehene Architektin für die Oberschicht Bukarests, geschieden, gerade sechzig geworden und enttäuscht darüber, dass ihr Sohn sich seit zwei Monaten nicht mehr bei ihr gemeldet hat. Seine Freundin gefällt ihr auch nicht. Sie kann einfach nicht akzeptieren, dass ihr inzwischen 35-jähriger Sohn Barbu ein eigenes Leben führen will. Ungefragt und sehr dominant mischt sie sich in die polizeiliche Aufarbeitung des Unfalls und versucht alles, um ein Verfahren gegen ihren selbstverständlich unschuldigen Sohnes abzuwenden. Dafür lässt sie, noch bevor sie mit ihm über den Unfall redet, ihre Beziehungen und Bakschisch spielen.
Viel erschreckender als die alltägliche Korruption, wenn sie um ihr Ziel zu erreichen, zum Beispiel, den ermittelnden Polizisten zusichert, sich um die Probleme bei einer Baugenehmigung zu kümmern oder sie sich mit einem Zeugen trifft und ohne mit der Wimper zu zucken, auf dessen finanziellen Forderungen eingeht, ist die Beziehung der Mutter zu ihrem Sohn, dem sie, mit den allerbesten Absichten, jede Möglichkeit, sich irgendwie selbst zu entfalten, nimmt. Diesen schmalen Grad zwischen normaler mütterlicher Fürsorge (und Sorge der Eltern um ihre Kinder) und übertriebener Fürsorge zeichnet Netzer bis zum Ende ambivalent. Meistens sind ihre Handlungen sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung interpretierbar. Selten wird er dabei so deutlich, wie in der Szene, in der sie ihrem Sohn den verspannten Rücken einreibt und es schnell wie eine Vergewaltigung wirkt. Eine Vergewaltigung, bei der das Opfer nichts sagt und die vieles über die Beziehung zwischen der Mutter und ihrem Sohn verrät. Denn sie steht im Zentrum des Films. Er ist als Täter nur eine weitgehend passive Nebenfigur.
Gedreht wurde der Film, in langen, oft ungeschnittenen Szenen, mit einer pseudokumentarischen Handkamera, die spontan wirken soll, aber doch hochgradig inszeniert ist. Wie die Dialoge, die sich wie alltägliche Gespräche anhören sollen, aber in ihrer Zuspitzung immer auf das ausgefeilte Drehbuch verweisen. Denn auch hier bieten Netzer und sein Co-Autor Razvan Radulescu immer mindestens zwei sich widersprechende Interpretationsmöglichkeiten an, immer werden Machtverhältnisse und Abhängigkeiten thematisiert und jede Handlung, vor allem von der Mutter, aber auch von fast allen anderen Charakteren, erscheint letztendlich egoistisch.
Dieser schonungslose Blick auf seine Charaktere ähnelt dem ähnlich kalt-analytischem Blick von Michael Haneke, der allerdings zugunsten einer ausgefeilten Bilddramaturgie auf die nervig-trendige Handkamera verzichtet. Und wie Hanekes Filme einen nach dem Kinobesuch noch weiter beschäftigen, lädt auch Netzers Film – je nach Alter – zum Nachdenken über die eigene Beziehung zu seinen Eltern und Kindern an.
„Mutter & Sohn“, der den diesjährigen Goldenen Bär auf der Berlinale gewann, ist kein schöner Blick auf die Conditio Humana und ein illusionsloser Blick in die korrupte rumänische Gesellschaft. Denn „Mutter und Sohn“ kann auch als eine kaum verhüllte Metapher für Rumänien und den ehemaligen Ostblock gesehen werden.
Mutter & Sohn (Pozitia Copilului/Child’s Pose, Rumänien 2013)
Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß (I 1961, R.: Pier Paolo Pasolini)
Drehbuch: Pier Paolo Pasolini, Sergio Citti (Dialogmitarbeit)
Vittorio, genannt Accattone (Bettler, Schmarotzer), lebt als Zuhälter in einer Trabantenstadt in Rom. Als seine Hure verhaftet wird, will er sich ändern.
Als Pier Paolo Pasolini (5. März 1922 – 2. November 1975) damals vor Ort und mit Laien sein Regiedebüt über das Leben des Subproletariats in den verslumten Vorstädten drehte, war er bereits ein bekannter und umstrittener Lyriker. Diesem Ruf blieb er bis zu seinem gewaltsamen Tod im November 1975 treu.
Ein Klassiker
mit Franco Citti, Franca Pasut, Paola Guidi, Silvana Corsini, Adriana Asti
JAMES BOND: Moonraker – Streng geheim (GB 1979, R.: Lewis Gilbert)
Drehbuch: Christopher Wood
LV: Ian Fleming: Moonraker, 1955 (Mondblitz)
Buch zum Film: Christopher Wood: James Bond and Moonraker, 1979 (Moonraker – Streng geheim)
Der stinkreiche Hugo Drax hält wenig von seinen Mitmenschen. Deshalb will er sie umbringen und mit einigen Auserwählten einen neuen Start machen. James Bond macht ihm einen Strich durch die Rechnung.
Natürlich hat der Film mit dem Buch eigentlich nichts mehr gemeinsam und das Ende – im Orbit – ist – auch heute – reinste Zukunftsmusik. Aber die bekannten Bond-Elemente wurden locker-flockig über den Globus verteilt. Das Ergebnis ist eine vergnügliche Mischung aus Action, leichtbekleideten Frauen, Witzen und einem glänzend aufgelegten Roger Moore. „Moonraker“ ist einer der guten Moore-Bonds.
Mit Roger Moore, Lois Chiles, Michael Lonsdale, Richard Kiel, Corinne Clery
Wiederholung: ZDFneo, Sonntag, 26. Mai, 23.15 Uhr
Hinweise
Wikipedia über „James Bond: Moonraker – Streng geheim“ (deutsch, englisch)
Nachdem Sherry Hormann mit „3096 Tage“ über die jahrelange Entführung von Natascha Kampusch nur langweilig-biederes Konsenskino ablieferte, macht Stefan Schaller in seinem Debütspielfilm, der gleichzeitig sein Abschlussfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg ist, alles richtig. Dabei hat der von ihm ausgesuchte Fall von Freiheitsberaubung viel mehr reale und potentielle Fallstricke für eine filmische Bearbeitung als der vergleichsweise einfache Kampusch-Fall, in dem Gut (das Opfer) und Böse (der Enführer) fein säuberlich getrennt sind. In „5 Jahre Leben“ schildert Schaller die Haft von Murat Kurnaz, der von 2001 bis 2006 inhaftiert war, die meiste Zeit davon in Guantanamo. Zuerst als islamistischer Terrorist, später als Person, die nicht zurück nach Deutschland durfte, weil der deutsche Staat die Aufenthaltsgenehmigung des 1982 in Bremen geborenen Jungen nicht verlängerte. Dieses mehr als schäbige Spiel des Staates mit einem seiner Bürger wird in dem Film nicht angesprochen. Aber natürlich geht es um den „Kampf gegen den Terror“ in all seinen Facetten, Soldaten, die Gutes tun wollen, die Missachtung der Menschenrechte und des Rechts durch Staaten und einen jungen Mann, der ein islamistischer Terrorist sein soll. Da kann bei einer filmischen Bearbeitung leicht vieles – auch, oder gerade wenn man nur die besten Absichten hat – schief gehen.
Schaller konzentriert sich in seinem Film auf Murat Kurnaz (Sascha Alexander Gersak) und dessen ersten Jahre in der Haft. Nur selten verlässt er ihn: für einige, kurze Rückblenden in sein früheres Leben oder um die Arbeit des Verhörspezialisten Gail Holford (Ben Miles), der ein Geständnis benötigt, aus einer anderen Perspektive zu beleuchten. Denn in den Verhören weigert Kurnaz sich, ein falsches Geständnis zu unterschreiben und so seine Haft zu legitimieren.
Stattdessen versucht der Hauptschüler das System Guantanamo zu verstehen, seine Würde zu bewahren und nicht sein Mitgefühl zu verlieren. Er füttert einen Leguan mit Brotkrumen, obwohl es verboten ist und auch zu entsprechenden Konsequenzen führt. Holford zwingt ihn, sich zwischen dem Leguan und seinem eigenen Leben zu entscheiden.
All das schildert Schaller in ruhigen Bildern, die die zunehmende Einsamkeit von Kurnaz reflektieren und den Schauspielern viel Raum geben. Vor allem die beiden Hauptdarsteller Sascha Alexander Gersak („Im Angesicht des Verbrechens“) und Ben Miles („Zen“, „V wie Vendetta“) können ihre Charaktere in dem Psychoduell in all ihren Facetten zeigen. Gersak als Gefangener, der versucht, seine Würde zu bewahren und, weil Kurnaz während der Gefangenschaft in einen längeren Hungerstreik trat, er während des Drehs zwanzig Kilo abnehmen musste. Miles als höflicher Befrager, der letztendlich keine Skrupel kennt. Immerhin hat er ja einen gefährlichen Terroristen vor sich.
Schaller legt ihnen keine Meinung in den Mund, er predigt nicht. Er zeigt, ohne zu moralisieren, ein menschenverachtendes System, das nicht an der Wahrheit, sondern nur an bestimmten Ergebnissen interessiert ist. Während Kathryn Bigelow vor einigen Monaten in „Zero Dark Thirty“ sich noch mit einer Rechtfertigung von Folter versuchte, zeigt Schaller, was Folter für die Betroffenen bedeutet und warum das gesamte System Guantanamo ein Irrweg ist.
Obwohl noch etliche gute Filme ins Kino kommen, ist das zum Nachdenken und Diskutieren anregende Kammerspiel „5 Jahre Leben“ schon jetzt ein ganz heißer Anwärter auf einen der vorderen Plätze meiner Jahresbestenliste.
5 Jahre Leben (Deutschland 2013)
Regie: Stefan Schaller
Drehbuch: Stefan Schaller, David Finck
mit Sascha Alexander Gersak, Ben Miles, Trystan Pütter, John Keogh, Timur Isik, Kerem Can, Siir Eloglu, Tayfun Bademsoy
Der Fahrer (Dwayne Johnson) ist stinkig: zuerst wird ein Coup verraten, dann sein Bruder ermordet und er für zehn Jahre in den Knast eingesperrt. Als er entlassen wird, will er sich rächen. Nach dem ersten Mord wird er von einem Polizisten (Billy Bob Thornton) und einem Killer (Oliver Jackson-Cohen) verfolgt.
„Faster“ orientiert sich ziemlich gelungen an den Gangsterthrillern der siebziger Jahre (und älter), die schnörkellos eine amoralische Geschichte erzählten. Nur die Schnittfrequenz (da wäre weniger mehr gewesen) und die Brutalität haben zugenommen.
Wer Filme wie „Point Blank“ oder „Driver“ liebt, sollte unbedingt dieses traditionsbewusste Werk einschalten.
Die Gayton-Brüder haben zuletzt die AMC-Westernserie „Hell on Wheels“ auf die Beine gestellt.
Mit Dwayne Johnson, Billy Bob Thornton, Oliver Jackson-Cohen, Carla Gugino, Maggie Grace, Moon Bloodgood, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Xander Berkeley, Tom Berenger
Wiederholung: Sonntag, 26. Mai, 00.15 Uhr (Taggenau!)
Schon vor dem offiziellen Kinostart jubelt Universal Pictures. Am Pfingstmontag, dem ersten Previewtag von „Fast & Furious 6“, sahen 230.000 Menschen den Film und für das „Fast & Furious“-Franchise und Universal Pictures bedeutet das: „Bester Starttag des Franchise“, „Bestes Tagesergebnis des Franchise“, „Bestes Previewergebnis an einem Tag in 2013“, „Bester Starttag in 2013“ (und dabei ist der Film noch gar nicht gestartet) und „Umsatzstärkster Universal-Starttag aller Zeiten“.
Aber Zahlen sagen nichts über die Qualität eines Films aus. Sie verraten höchstens einiges über die Erwartungen. Immerhin war „Fast & Furious Five“ der bislang beste Teil der Serie, der als Heist-Movie auch eine vollkommen neue Richtung einschlug. Nämlich weg von den Straßenrennfilmen mit Krimibeigabe hin zu einem Action-Thriller, mit einem Pflicht-Straßenrennen und viel grandioser Action, deren Höhepunkt der Diebstahl eines Safes war.
Am Ende des Films konnten Dominic Toretto (Vin Diesel) und seine Gang sich mit einer Millionenbeute zur Ruhe setzten.
„Fast & Furios 6“ beginnt wenige Monate später: Doms Freund Brian O’Conner (Paul Walker), der ihn im ersten „The Fast & The Furious“-Film als Polizist verfolgte, ist inzwischen glücklicher Vater. Die anderen genießen das sorglose Luxusleben und Dom erhält Besuch von Luke Hobbs (Dwayne Johnson). Der Polizist verfolgt über die halbe Welt eine von Owen Shaw (Luke Evans) angeführte skrupellose Gangsterbande, die die Teile für eine Superwaffe zusammenklaut. Zu der Bande gehört auch Letty Ortiz (Michelle Rodriguez), Doms große Liebe, die eigentlich tot sein sollte.
Dom beschließt die Familie wieder zusammen zu führen. Dafür ruft er die alte Gang wieder zusammen und es geht, mit Hobbs‘ Zusicherung, dass, wenn sie erfolgreich sind, ihr Strafregister gereinigt wird, nach London, wo Shaws nächster Coup stattfinden soll.
Nach dem grandiosen „Fast & Furious Five“ ist „Fast & Furious 6“ eine leichte Enttäuschung, weil die Geschichte der Familienzusammenführung sich zwischen vorhersehbaren Witzen, fast schon normaler Ermittlerarbeit bei der Suche nach dem Versteck des Bösewichts und dem Ort seines nächsten Coups und ziemlich grandiosen Actionszenen eher schleppend entwickelt. So sind die Macher einerseits stolz darauf, die meisten Action-Szenen fast vollständig „real“ gedreht zu haben, andererseits werden sie oft so zerschnitten, dass sie kaum nachvollziehbar sind. Außerdem spielen sie ziemlich oft Nachts. So ist von der ersten Begegnung der beiden Gangs, einer langen und ziemlich spektakulären Autoverfolgungsjagd durch London, kaum etwas zu sehen. Auch der Höhepunkt, wenn Doms Gang ein Flugzeug am Starten hindern will, spielt mitten in der Nacht. Immerhin verfolgen sie den Panzer, in dem die Bösewichter mit einem wichtigen Teil entkommen wollen, tagsüber und gerade in dem Moment, als ich mich fragte, ob denn keine Menschen in den Autos sitzen, die von dem Panzer auf der Autobahn zerquetscht werden, lässt Regisseur Justin Lin viele Menschen panisch aus ihren Autos flüchten. Dennoch ist gerade diese Szene so gaga und vom Set-Up so unlogisch, dass sie kaum noch Spaß macht.
Die von Chris Morgan erfundene Geschichte, der auch für die vorherigen „Fast & Furious“-Filme die Bücher schrieb, koppelt den Kampf zwischen Dom und Shaw, ziemlich plakativ, zurück an widerstreitende Prinzipien von heimeliger Familie (vulgo Emotion) und eiskaltem Zweck-Egoismus (vulgo Rationalität). Denn Shaw hat, wie es sich für einen richtigen Bösewicht gehört, ein rein instrumentelles Verhältnis zu seinen Leuten und der ehemalige SAS-Soldat ordnet alles dem Erfolg der Mission unter. Dummerweise ist diese hier nur ein austauschbarer MacGuffin, der als Entschuldigung für Action dient. Und Dom will ja auch vor allem Letty wieder zurück in die Familie holen.
Der sechste Teil der Serie liefert letztendlich ziemlich genau das, was man von einem „Fast & Furious“-Film, die nie mit tiefsinnigen Geschichte beeindruckten, erwartet: eher altmodische Action, vor allem mit hochgetunten Autos, Faustkämpfe, knapp bekleidete Frauen, Männerfreundschaft, Testeron, einige Witze – und inzwischen auch einige sehr schlagkräftige Frauen.
Am Ende, wenn unsere Helden dann ihr Feierabendbier genießen, gibt es einen Hinweis auf den Gegner des siebten „Fast & Furious“-Films, der schon in Arbeit ist, und das Thema des Films (nämlich Rache). Das könnte wieder spannender als die Familienzusammenführung werden.
Fast & Furious 6 (Fast & Furious 6, USA 2013)
Regie: Justin Lin
Drehbuch: Chris Morgan
mit Vin Diesel, Dwayne Johnson, Paul Walker, Luke Evans, Tyrese Gibson, Chris ‚Ludacris‘ Bridges, Michelle Rodriguez, Sung Kang, Gina Carano, Gal Gadot, Jordana Brewster, John Ortiz
Wenn mich meine beschränkten mathematischen Fähigkeiten nicht täuschen, dann dürften langsam alle Fälle von Detective Chief Inspector Tom Barnaby, der in der malerischen, aber auch sehr tödlichen Grafschaft Midsomer ermittelt, auf Deutsch veröffentlicht sein. Immer in DVD-Boxen mit jeweils vier Folgen, die sich – wie die Ausstrahlung im ZDF – nicht um die eh kaum vorhandene Chronologie kümmert. Denn die „Inspector Barnaby“-Filme können problemlos in jeder beliebigen Reihenfolge genossen werden.
Dennoch sind in „Inspector Barnaby – Volume 17“ vor allem spätere Fälle des sympathischen und angenehm normalen Ermittlers, der von 1997 bis 2011 in 81 Episoden von John Nettles mit angenehm zurückhaltender Ironie gespielt wurde, versammelt. Er ist glücklich verheiratet, seine Frau (Jane Wymark) kümmert sich liebevoll um ihn und frönt diverse Hobbys, die oft mit den Mordfällen in Verbindung stehen, seine erwachsene Tochter glänzt in diesen Fällen durch Abwesenheit und Detective Sergeant Ben Jones (Jason Hughes) ist ihm dreimal, DS Dan Scott (John Hopkins) einmal, eine verlässliche Stütze bei den Ermittlungen, die ihn in eine Marmeladenfabrik, auf einen Golfplatz und in viele typische englische Häuser führen.
In „Die Leiche ist heiß“ wird in der Desinfektionsanlage der Plummer-Marmeladenfabrik, seit Generationen im Familienbesitz (Ärger!) und in finanziellen Schwierigkeiten (Noch mehr Ärger!), eine nackte Männerleiche gefunden. Ermordet wurde er, wie Barnaby und Scott herausfinden, von mehreren Lagen feinster Plummer-Konfitüre. Was für ein Tod.
Dagegen ist ein Tod durch einen Golfschläger, wie in „Mord – Nur für Mitglieder“, fast schon profan. Denn der cholerische Golfspieler Alistair Kingslake wurde auf dem Golfplatz erschlagen und Barnaby soll mit dem nötigen Taktgefühl in dem piekfeinen Golfclub White Oaks ermitteln.
In „Pikante Geheimnisse“ streitet sich das Dorf Elverton-cum-Latterly heftig über die Ansiedlung eines Goodfare-Supermarktes. Eines Nachts entdecken zwei Teenager in einem Schuppen die Leiche eines Goodfare-Mitarbeiters – und Barnaby entdeckt bei seinen Ermittlungen, dass einige in den Fall verwickelte Frauen ein einträgliches Nebengeschäft haben.
In „Morden ist auch eine Kunst“ dreht sich alles um den schon im 19. Jahrhundert verstorbenen Landschaftsmaler William Hogson. Kurz nachdem ein erst vor kurzem wiederaufgetauchtes Bild von ihm für eine Rekordsumme versteigert wurde, wird die Finderin des Gemäldes ermordet und bei einem Sammler wird ein Hogson gestohlen.
Diese vier Barnaby-Fälle gehören zu den schwächeren Fällen der Serie. Sie stützen sich weitgehend auf einen austauschbaren Whodunit-Plot, bei dem am Ende, fast schon hastig, irgendein Täter, samt vernachlässigbarem Motiv, präsentiert wird. Davor versuchen sich die Schauspieler so gut es, zu amüsieren. Gerade in „Pikante Geheimnisse“ und „Mord – Nur für Mitglieder“ scheinen alle nach der Methode „Wir wissen, dass wir ein schwaches Skript haben, also lass uns einfach unseren Spaß haben.“ gearbeitet zu haben. In „Pikante Geheimnisse“ und „Morden ist auch eine Kunst“ ist die Reaktion der Ermittler auf nackte Frauen erschreckend bigott-altbacken. Gerade DS Jones starrt in „Morden ist auch eine Kunst“ wie ein Pennäler, der noch nie eine Frau gesehen hat, auf eine in einem Atelier im Eva-Kostüm posierende holde Weiblichkeit und in „Pikante Geheimnisse“ starren Jones und Barnaby schockiert auf ein Sexvideo. Als ob sie in ihrem Polizistenleben nicht schon einige ungewöhnliche Dinge gesehen hätten.
Das geht dann doch zu sehr in Richtung verschwiemeltem Altmännerhumor, gegossen in einen banalen Whodunit, dem eben die skurrilen Bewohner von Midsomer County fehlen.
mit John Nettles (DCI Tom Barnaby), Daniel Casey (Sergeant Gavin Troy, 1997 – 2003), John Hopkins (Sergeant Dan Scott, 2004 – 2005), Jason Hughes (DS Ben Jones, 2005 – 2011), Jane Wymark (Joyce Barnaby), Barry Jackson (Dr Bullard), Laura Howard (Cully Barnaby)
–
Inspector Barnaby – Volume 17
Edel
Bild: 16:9 PAL
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 373 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
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Inspector Barnabys Fälle in „Volume 17“
Die Leiche ist heiß (Sauce for the Goose, GB 2005, Staffel 8, Episode 7, Erstausstrahlung: 3. April 2005)
Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada(USA/F 2005, R.: Tommy Lee Jones)
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Ein junger Grenzpolizist erschießt irrtümlich den Rancharbeiter Melquiades Estrada. Sein bester Freund, der Vorarbeiter Pete Perkins, will Estradas letzten Wunsch, eine Beerdigung in seiner Heimat Mexiko, erfüllen. Weil die Polizei sich nicht für den Tod eines Illegalen interessiert und Perkins altmodische Vorstellung von Moral und Ehre hat, entführt er den Todesschützen und begibt sich mit ihm und der Leiche auf den Weg zu Estradas Heimatdorf.
Toller noirischer Neo-Western, der leider nie richtig in unseren Kinos lief. In Cannes erhielten Tommy Lee Jones und Guillermo Arriaga die Preise für beste Regie und bestes Drehbuch. Außerdem erhielt „Die drei Begräbnisse des Melquides Estrada“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Kinofilm.
Der Film ist Tommy Lee Jones’ bislang einziger Kinofilm.
mit Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio César Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Guillermo Arriaga
Norman Bates meldet sich bei einem Radiosender und erzählt der Moderatorin von seinem Leben.
Die Fortsetzungen von „Psycho“, die sich teilweise in der Chronologie widersprechen, stehen alle im Schatten von Alfred Hitchcocks Meisterwerk. Dabei sind sie gar nicht so schlecht. „Psycho IV“ zum Beispiel erzählt, durchaus spannend, die Vorgeschichte von „Psycho“ (als würden wir das wirklich wissen wollen).
Joseph Stefano, der auch das Drehbuch für „Psycho“ schrieb, schrieb das Drehbuch. Anthony Perkins spielt zum vierten und letzten Mal Norman Bates. Henry Thomas schlägt sich als junger Norman Bates wacker und Olivia Hussey ist eine ziemlich unangenehme Mutter.
mit Anthony Perkins, Henry Thomas, Olivia Hussey, CCH Pounder, Warren Frost, John Landis
Was geschah wirklich mit Baby Jane? (USA 1962, R.: Robert Aldrich)
Drehbuch: Lukas Heller
LV: Henry Farrell: What ever happened to Baby Jane?, 1960 (Was geschah wirklich mit Baby Jane?)
Bette Davis und Joan Crawford machen sich das Leben zur Hölle und bescheren uns Zuschauern zwei enorm spannende Kinostunden. Ein Klassiker unter den Kammerspielen.
Eine der zahlreichen euphorischen Stimmen: „Der beste Schocker seit Psycho“ (Variety). Der Roman von Henry Farrell ist auch nicht schlecht.
Mit Bette Davis, Joan Crawford, Victor Buono, Wesley Addy
LV: Martin Cruz Smith: Gorky-Park, 1981 (Gorki Park)
Im Moskauer Gorki Park werden drei verstümmelte Leichen gefunden. Inspektor Renko kommt bei seinen Ermittlungen einer Staatsaffäre auf die Spur.
Martin Cruz Smith schuf mit dem sowjetischen Ermittler Arkadi Renko eine enorm erfolgreiche Serienfigur. Für „Gorky-Park“ erhielt er den Gold Dagger.
Die Verfilmung missfiel der damaligen Filmkritik: „voller naiver Klischees, in der Charakterzeichnung oberflächlich, ohne Stimmung und Atmosphäre. Auch als Genre-Film spröde und spannungslos.“ (Lexikon des internationalen Films). Oder „Nun sind Klischees…nichts schlimmes, wenn nur alles andere stimmt: eine komplexe, nachvollziehbare Story, spannende Atmosphäre, interessante Charaktere und physische Aktion. Das alles aber hat Gorky Park in zu geringem Maße.“ (Fischer Film Almanach 1985).
Wie so oft wurde aus einem guten Buch ein mittelmäßiger Film.
Dennis Potters Drehbuch erhielt den Edgar.
Mit William Hurt, Lee Marvin, Brian Dennehy, Joanna Pacula, Ian Bannen
JAMES BOND: Der Spion, der mich liebte (GB 1977, R.: Lewis Gilbert)
Drehbuch: Richard Maibaum, Christopher Wood
LV: Ian Fleming: The spy who loved me, 1962 (Der Spion, der mich liebte)
Buch zum Film: Christopher Wood: The spy who loved me, 1977 (James Bond und sein größter Fall)
Mitten im Kalten Krieg muss Bond mit den Russen (nun, mit einer verdammt gut aussehenden Agentin) zusammenarbeiten. Denn Milliardär Stromberg will die Welt vernichten.
Der Film hat mit dem Buch nur eine Gemeinsamkeit: den Titel. Kein Wunder, denn in dem Buch erzählt Fleming aus der Perspektive einer jungen Frau, die einen Job als Hauswärterin eines einsam gelegenen Motels annimmt, wie sie von zwei Verbrechern als Geisel genommen und von James Bond befreit wird. Fleming hielt das stark kritisierte Buch für „offensichtlich schiefgegangen“ und sprach sich – erfolglos – gegen weitere Auflagen aus. Er bestand beim Verkauf der Filmrechte an Eon Productions darauf, dass für einen Film eine andere Geschichte gefunden werde.
Und das taten sie! Der Film glänzt mit Pyramiden, einem unter Wasser fahrendem Auto, Beißer (der bei Moonraker seinen zweiten Auftritt hatte) und einer grandiosen Schlussschlacht in dem Bauch eines Schiffes. Für diesen Kampf wurde in den Pinewood-Studios die größte Filmhalle der Welt, die „007-Stage“, gebaut. Roger Moore spielt Bond, Curd Jürgens den Bösewicht, Barbara Bach eine Russin.
Wiederholung: ZDFneo, Sonntag, 19. Mai, 22.05 Uhr
Hinweise
Wikipedia über „James Bond: Der Spion, der mich liebte“ (deutsch,englisch)
Als der Thriller „Das Kommando“ vor über dreißig Jahren gedreht wurde, war Lewis Collins dank der heute immer noch bekannt-beliebten Serie „Die Profis“ (The Professionals), die bei uns nur selten, in England fast ständig läuft, ein bekannter TV-Star, der von einer großen Kinokarriere träumte. Auch als James Bond war er im Gespräch – und er wäre, nach dem witzigen Roger Moore sicher wieder ein Schritt zurück zu dem Sean-Connery-James-Bond gewesen.
Ian Sharps Kinodebüt sollte, nachdem er bereits einige Folgen für „Die Profis“ drehte, für Collins der erste Schritt in diese Richtung sein und wenn man sich heute „Das Kommando“ ansieht, sieht es wie eine überlange Folge von „Die Profis“ aus, ohne Doyle (sein von Martin Shaw gespielter Partner, der danach eine beachtliche Karriere hatte und heute George Gentley ist), aber mit Frau und Baby. Denn der von Lewis Collins gespielte SAS-Agent Peter Skellen wird in einem Undercover-Einsatz in eine Gruppe Terroristen eingeschleust, die in der Öffentlichkeit als Pazifisten auftreten und von der jungen Frankie Leith (Judy Davis), die Dank ihrer Erbschaft keine Geldsorgen hat und sich als Künstlerin selbst verwirklicht, angeführt. Sie erinnerte mich spontan an Patty Hearst, die 1974 von Terroristen entführte Millionärstochter, die selbst zur Terroristin wurde. Skellen erschleicht schnell und mühelos ihr Vertrauen. Ihre Freunde bleiben misstrauisch und haben auch einige Beweise.
Dennoch nimmt die verliebte Terroristin ihn mit zu ihrem großen Coup: der Geiselnahme des US-amerikanischen Außenministers Arthur Currie (Richard Widmark in einem seiner letzten Filmauftritte) und seiner hochrangigen Diner-Gäste. Skellen will natürlich das Schlimmste verhindern und wir können einen der ersten Filme sehen, in denen die Arbeit der SAS und der damals in anderen Ländern gegründeten Spezialeinheiten, wie der GSG 9 in Deutschland, realistisch, aber auch glorifizierend gezeigt wird.
Denn die Inspiration für den Film war für Produzent Euan Lloyd („Die Wildgänse kommen“, „Die Seewölfe kommen“) die Geiselnahme in der iranischen Botschaft am 30. April 1980 in London und die erfolgreiche Geiselbefreiung durch die SAS am 5. Mai. Die SAS, die damals noch verschwiegener als heute war, half bei „Das Kommando“ auch hinter den Kulissen. Einige der Actionszenen bei der Geiselbefreiung, vor allem das Herabseilen der SAS-Männern aus den Hubschraubern, wurden von SAS-Männern gespielt.
Damals wurde der Thriller – der noch vor den vielen reaktionären 80er-Jahre-Actionfilme, ungefähr parallel zu dem ziemlich langweiligem Sylvester-Stallone-Terroristenthriller „Nachtfalken“ (Nighthawks, USA 1981) entstand – von Kritikern vor allem wegen seiner konservativen Botschaft verrissen. Zwei Beispiele:
„Unterhaltungskino als Träger reaktionärer, rechter politischer Inhalte. Es ist schon beängstigend, dass und wie ungute Traditionen wieder zum Leben erweckt werden.“ (Fischer Film Almanach 1983)
„Ein zynischer Film, der nur durch seine Menschenverachtung auffällt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Und, heute absolut rätselhaft, in Deutschland landete die Videocassette des Films auf dem Index.
In den USA war der damalige Präsident der USA, Ronald Reagan, von dem Film begeistert, sein Lob wurde für die Werbung benutzt – und, so Euan Lloyd im Audiokommentar, damit wurde der Film zu einem Flop in den USA, weil die Filmkritiker ihn verrissen und er, als „The Final Option“, nur einen kleinen US-Start erhielt. Es gab vor Kinos Proteste gegen den Film. In England protestierte vor allem die People for Nuclar Disarmament (PND), die sich zu Unrecht als Terroristen porträtiert sah. Dabei, so Lloyd im Audiokommentar, hätten sie doch immer deutlich zwischen den Protestlern und den Terroristen, die Anarchisten seien und die ahnungslosen Atomwaffengegner unterwandert hätten, unterschieden.
Hm.
Denn selbstverständlich ist „Das Kommando“ eine bei der SAS und SAS-Fans sehr beliebte Glorifizierung der SAS, die hier alles richtig macht (Nordirland kommt nicht vor) und die hehren Werte der Demokratie gegen Atomwaffengegner und Friedensbewegung, die alle Naivlinge sind, mit der MP verteidigt. So ist der Disput zwischen Frankie und dem Außenminister über ihre Ziele und Methoden schon schmerzhaft dümmlich; – was auch an dem Plan der Terroristen liegt: sie wollen, dass eine Atombombe über einem bewohnten Gebiet gezündet wird, um vor den Gefahren und Folgen eines Atomkriegs zu warnen.
Dennoch gelingt Ian Sharp bei seinem ersten Spielfilm durchaus ein Sittenbild der damaligen Zeit: die Befehlshaber, die anscheinend noch den zweiten Weltkrieg erlebten; die Soldaten, die trainieren, trainieren und im Einsatz eiskalt ihre Mission erfüllen, manchmal auch mit etwas Undercover-Arbeit; die alternative Szene, die ein buntes Gemisch aus Linksintellektuellen, Geistlichen, Protestlern und, auch, Terroristen ist, die hier im Hintergrund von mächtigen Männern unklarer Herkunft (sagen wir mal: Araber, Banker und hochrangige Politiker), die eine bestimmte Stimmung erzeugen wollen, „gelenkt“ werden. Das ist dann schon ziemlich zynisch, gepaart mit einem Schuss Verschwörungstheorie.
Hier zeigt sich die britische TV-Schule, die immer wieder spektakuläre Serien hervorbrachte. Allerdings ist die vor einem ähnlichen Hintergrund spielende BBC-Serie „Am Rande der Finsternis“ (Edge of Darkness), geschrieben von Troy Kennedy-Martin, in ihrer Durchleuchtung von Machtstrukturen um Längen besser – und sie hat auch eine vollkommen konträre Botschaft.
Insofern ist „Das Kommando“, das natürlich entlang einer spannenden Geschichte mit eindeutigen Zuschreibungen von Gut und Böse und einigen Unwahrscheinlichkeiten (wie dass sich die Terroristin sofort in den SAS-Agenten verliebt) geplottet wurde, teilweise gar nicht so reaktionär, wie er damals von der Kritik wahrgenommen wurde und für einen altmodisch-spannenden Thrillerabend mit etwas Action, der mehr in den Siebzigern als in den Achtzigern verwurzelt ist, taugt er allemal.
Und Lewis Collins? Er drehte danach noch drei Söldner-Filme, die damals ein sehr populäres Subgenre waren, und verschwand von der Bildfläche.
Als Bonusmaterial gibt es den schon mehrfach angesprochenen, 2010 aufgenommenen Audiokommentar mit Produzent Euan Lloyd und Regisseur Ian Sharp, der einen wirklich guten Einblick in die gesamte Entstehungsgeschichte des Films, die Dreharbeiten und die Reaktionen liefert. Dort erfahren wir auch, dass auch Stanley Kubrick und Steven Spielberg sich lobend über den Thriller äußerten.
Das Kommando – Die endgültige Entscheidung (Who dares win, Großbritannien 1982)
Regie: Ian Sharp
Drehbuch: Reginald Rose
„LV“/Original Story: George Markstein: The Tiptoe Boys
Musik: Roy Budd
mit Lewis Collins, Judy Davis, Richard Widmark, Edward Woodward, Robert Webber, Tony Doyle, Ingrid Pitt, Albert Fortell
–
DVD
Ascot-Elite
Bild: 1.78:1/16:9
Ton: Deutsch (DTS 2.0, Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Audiokommentar von Euan Lloyd und Ian Sharp, Originaltrailer, Wendecover
Nachdem der erste Clip mittendrin abbricht, auch beim zweiten Clip die Bildqualität historisch ist und beim dritten Clip besser wird, wird es jetzt noch besser
Der Kuß vor dem Tode (USA 1991, R.: James Dearden)
Drehbuch: James Dearden
LV: Ira Levin: A kiss before dying, 1953 (Kuss vor dem Tode)
Student Jonathan hat wenig Geld, aber den unbedingten Willen zu Macht und Reichtum. Dafür geht er über Leichen. Nur die schöne Zwillingsschwester Ellen ahnt etwas.
Nettes Remake.
Mit Matt Dillon, Sean Young, Max von Sydow, James Russo
Angst über der Stadt (F/I 1974, R.: Henri Verneuil)
Drehbuch: Jean Laborde, Henri Verneuil, Francis Veber
Actionhaltiger, harter Polizeithriller in dem ein Pariser Kommissar, Typ „Dirty Harry“, einen Serienmörder jagt.
Nach dem Genuss von „Matrix“ und „Spider-Man“ wirken die Action-Szenen in „Angst über der Stadt“ zwar bedächtlich, aber Jean-Paul Belmondo ließ sich bei den zahlreichen Verfolgungsjagden, dem Abseilen von einem Hubschrauber und der Kletterei über die Dächer von Paris nicht doubeln. Bei den Schlägereien natürlich auch nicht. Die Story folgt den bekannten Genrekonventionen und Belmondo hatte in seiner ersten Polizistenrolle einen Kassenschlager.
„Angst über der Stadt“ ist „die mythische Dokumentation seiner Konversion von der Seite der Rebellen auf die Seite der Gesetz- und Ordnungsvertreter.“ (Georg Seesslen: Copland)