Der Mann, der zuviel wusste (USA 1956, R.: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: John Michael Hayes, Angus McPhail (ungenannt)
Eigentlich wollten die McKennas nur einen schönen Marokko-Urlaub verbringen. Aber dann erfahren sie von einer Verschwörung und ihr Sohn wird entführt.
Hitchcocks Remake von seinem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1934: mit einem größeren Budget, in Farbe und einer erträglichen Doris Day. Höhepunkt ist die zehnminütige Konzertszene in der Royal Albert Hall, deren Höhepunkt – während eines Beckenschlages – ein Schuss auf den Botschafter ist.
Mit James Stewart, Doris Day, Daniel Gélin, Brenda de Banzie, Bernard Miles, Ralph Truman, Reggie Maldar
Fotograf Jeffries liegt mit einem gebrochenen Bein in seinem Hinterhofzimmer und beobachtet gelangweilt seine Nachbarn. Eines Tages glaubt er, Mr. Thorwald habe seine Frau umgebracht. Aber wie kann er es beweisen?
Ein Meisterwerk. Ein perfekter Film über Männer und Frauen, über alle Facetten des Zusammenlebens (eigentlich der Unmöglichkeit des Zusammenlebens zwischen Mann und Frau) und über Voyeure – gedreht in einem einzigen Studio (der gesamte Hinterhof wurde dort „funktionsfähig“ nachgebildet) aus einer einzigen Perspektive (wir sind mit James Stewart in seinem Zimmer gefangen).
Mit James Stewart, Grace Kelly, Thelma Ritter, Raymond Burr
Das ist ein echter Talkie. Denn nachdem die Bösewichter ihre Verfolger abgehängt haben, wollen sie in Quantez ihre Pferde wechseln. Aber die Ansammlung von wenigen Adobehäusern ist verlassen.
Sie beschließen dort die Nacht zu verbringen, die Pferde ausruhen zu lassen und am nächsten Morgen weiterzureiten. In der Nacht, nun, ich sollte wohl sagen, brechen die Konflikte auf, sie versuchen sich gegenseitig zu betrügen und die Beute und die Frau, die auch die Geliebte des Anführers ist und reihum allen schöne Augen macht, zu bekommen. Doch das wäre zu viel der Ehre für die sich weitgehend in einer Taverne abspielenden Geplänkel zwischen dem Bandenboss, dem alten Revolverhelden, dem jungen, arg grünschnäbeligem Möchtegern-Revolverhelden und dem „Halbblut“, die dadurch gefährlicher werden sollen, dass das „Halbblut“, ein Weißer, der von Indianern großgezogen wurde und dessen Herz jetzt für die Indianer schlägt, mit den Indianern über einen Angriff nach Tagesanbruch verhandelt.
Und als die Sonne aufgeht…ist der Film auch schon fast vorbei.
„Quantez, die tote Stadt“ ist ein rechter, im Studio gedrehter Langweiler, der auch damals im Kino nur als Lückenfüller gedacht war. Es gibt alles, was zu einem Western dazugehört: den alten Revolverhelden, den jungen Revolverhelden, den fiesen Bandenboss, das verräterische Halbblut, die schöne Frau, einen feigen Bänkelsänger (okay, es gibt sogar zwei Lieder: ein gewollt gruselig von der Blondine gesungenes, eines von dem Sänger), Schlägereien, Schießereien und Indianer. Nur halt vollkommen spannungsfrei und weitgehend sinnfrei, ohne ein gescheites Drehbuch, aber dafür in Farbe und Cinemascope angerichtet.
Oder in den Worten von Joe Hembus: „Ein Kammerspiel-Western, der bessere Dialoge und bessere Darsteller gebraucht hätte, um seinen Verzicht auf Action wettzumachen.“ (Das Western-Lexikon) Und das Lexikon des internationalen Films sekundiert: „Kleiner, billiger Western.“
Aber als Teil der Koch-Media-Reihe „Western Legenden“ erschien „Quantez, die tote Stadt“ jetzt in der gewohnt schicken Aufmachung, mit gutem Bild und Ton und einer hübschen Bildergalerie.
Und, zum Abschluss, ein Wort zu den Schauspielern: John Gavin spielte kurz darauf Sam Loomis in Alfred Hitchcocks „Psycho“; Dorothy Malone kennen etliche aus Howard Hawks Raymond-Chandler-Verfilmung „Tote schlafen fest“ (sie ist die brillentragende Buchverkäuferin, die mit Humphrey Bogart flirtet), als Constance Mackenzie aus der TV-Serie „Peyton Place“ und, ihre bislang letzte Filmrolle, als Freundin von Sharon Stone in „Basic Instinct“; Fred MacMurray hatte in Billy Wilders James-M.-Cain-Verfilmung „Frau ohne Gewissen“ die Hauptrolle und spielte in Edward Dmytryks „Die Caine war ihr Schicksal“ und Billy Wilders „Das Appartment“ mit; und Sidney Chaplin war ein Sohn von Charles Chaplin und trat auch in einigen seiner Filme auf.
Drehbuchautor R. Wright Campbell wurde später ein hochgelobter Krimiautor und einige seiner Romane erschienen auch in der „Schwarzen Serie“ von Bastei-Lübbe.
Quantez, die tote Stadt (Quantez, USA 1957)
Regie: Harry Keller
Drehbuch: R. Wright Campbell (nach einer Geschichte Ann Edwards und R. Wright Campbell)
mit Fred MacMurray, Dorothy Malone, Sidney Chaplin, John Gavin, John Larch, James Barton, Michael Ansara
LV: Jim Thompson: A Hell of a Woman, 1954 (Höllenweib; Ein Satansweib)
Der unglücklich verheiratete Vertreter Frank Poupart verliebt sich in die blutjunge Mona, die von ihrer Tante zur Prostitution gezwungen wird. Mona stachelt Frank an, ihre Tante wegen des Geldes umzubringen.
„This is among the bleakest visions of urban alienation and imploding social structures in all of French noir.“ (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)
„Ein düsterer, bitterböser Film.“ (Lexikon des internationalen Films)
„Corneaus pointierter Realismus balanciert in jeder Einstellung am Abgrund des Alptraums. Ein Meisterwerk im französischen Kino der ausgehenden 70er Jahre.“ (Fischer Film Almanach 1999)
Der für fünf Césars (unter anderem für das Drehbuch und den Hauptdarsteller) nominierte Noir wurde in Deutschland erstmals am 2. März 1998 von Arte präsentiert und lief seitdem wohl nicht mehr im TV.
Für Jim-Thompson-Fans und die Freunde der französischen Filmkunst ein Pflichttermin.
mit Patrick Dewaere, Myriam Boyer, Marie Trintignant, Bernard Blier, Jeanne Herviale
Dark Star – Finsterer Stern (USA 1974, R.: John Carpenter)
Drehbuch: John Carpenter, Dan O’Bannon
Roman zum Film: Alan Dean Foster: Dark Star, 1974 (Reiseziel Ewigkeit, Dark Star)
„Dark Star – Finsterer Stern“ entstand als Abschlussarbeit eins Filmstudiums, wurde zu einem Welterfolg (vor allem gemessen am Budget), einem Kultfilm und dem Grundstein der Karrieren von John Carpenter (sein nächster Film war „Assault – Anschlag bei Nacht“) und Dan’Bannon (Drehbücher für „Alien“, „Das fliegende Auge“ und „Total Recall“).
Die Idee für „Dark Star“ war, eine realistische Version von „2001“ ohne die religiösen Tendenzen zu drehen. Deshalb ist das Raumschiff in „Dark Star“ auch entsprechend versifft und die Raumfahrer sind, nach den vielen Jahren im All, geistig degeneriert. Da bemerkt ein Astronaut, dass sich in einem Bombenschacht eine scharfe Bombe verklemmt hat, die jetzt überzeugt werden muss, nicht zu explodieren.
Der Film war für den Hugo, das Drehbuch für den Nebula Award nominiert.
„Carpenters Film zählt zu den interessantesten Beispielen aktueller amerikanischer Gesellschaftskritik.“ (Fischer Film Almanach 1980; denn der deutsche Kinostart war am 9. Februar 1979)
mit Brian Narelle, Dre Pahich, Cal Kuniholm, Dan O’Bannon, Joe Saunders, Miles Watkins
Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in ein Komplott, das er nie ganz durchschaut.
Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.
Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young,
Während ich noch an meiner Besprechung von Robert Blochs Thrillern „Psycho“ (einige werden die Verfilmung kennen) und „Psycho II“ (nie verfilmt) sitze, könnt Ihr euch schon einmal sein letzte Geschichte für die TV-Reihe „Thriller“ (er schrieb, nach einer seiner Kurzgeschichten, das Drehbuch) ansehen:
Regie führte John Newland und Boris Karloff (der die Filme präsentierte), Mary Tyler Moore und John Van Dreelen spielen mit. TV-Premiere war am 2. April 1962.
Insominia – Schlaflos (USA 2002, R.: Christoper Nolan)
Drehbuch: Hillary Seitz (nach dem Drehbuch von Nikolaj Frobenius für Erik Skjoldbjaergs „Insomnia“)
L.-A.-Cop Will Dormer soll zusammen mit seinem Kollegen in Alaska einen Mordfall aufklären. Dabei kämpft er gegen eine interne Korruptionsermittlung und Fehler, die er während der Ermittlungen begeht – und die ihn erpressbar machen.
Gelungenes US-Remake des norwegischen Thrillers „Todesschlaf“, das zwar nicht den rauen Charme des Originals, aber mit Al Pacino und Robin Williams zwei tolle Gegenspieler hat. Und Alaska bietet auch etwas für das Auge.
„Das mag niemanden überzeugen, dem Kinothriller zu formelhaft sind – aber wer solche Genrespiele mag, bekommt hier ein intensives Beispiel geboten.“ (Thomas Klingenmaier, Stuttgarter Zeitung, 10. Oktober 2002)
Das Drehbuch war für den Edgar Allan Poe Award nominiert.
mit Al Pacino, Robin Williams, Hilary Swank, Maura Tierney, Martin Donovan
Drehbuch: Alain Delon, Jean Curtelin, Jacques Deray
LV: Gilles Perrault: Le dérapage, 1987 (Doppelmord in der Avenue Victor Hugo)
Nachdem Anwalt Durand einen Freispruch für seinen Mandanten, der seine Eltern bestialisch ermordet haben soll, kommen ihm Zweifel an dessen Unschuld. Während eines nächtlichen Gesprächs will Durand die Wahrheit herausfinden.
Spannendes Psychoduell, das zwar mit einer arg hypothetischen Prämisse (Warum sollte sich der Anwalt darum kümmern, ob sein Mandant schuldig oder unschuldig ist?) beginnt und ein starkes 80er-Jahre Flair hat, aber mit Manuel Blanc eine echte Entdeckung liefert.
Gut, das wird jetzt etwas kompliziert, weil die deutschen Sender, nach einer längeren Pause, erst seit einiger Zeit wieder englische Krimiserien in ihr Programm aufgenommen haben. Denn die Krimiserie „The Body Farm“, die jetzt auf DVD erschien, ist nicht nur von den Machern der Krimiserie „Waking the Dead“, in der von 2000 bis 2011 Polizisten alte Mordfälle wieder aufrollte, sondern auch ein Spin-Off von „Waking the Dead“. Dr. Eve Lockhart (Tara Fitzgerald) war von 2007 bis 2011 die Forensikerin des Teams und sie hat mit „The Body Farm“, betitelt nach der von ihr geleiteten Body Farm (einem großen Waldstück, auf dem sie mit ihren Mitarbeitern erforscht, wie Menschen verwesen), eine eigene TV-Serie bekommen. Weil bei uns die „Waking the Dead“-Fälle mit Eve Lockhart noch nicht ausgestrahlt wurden, begegnen wir ihr zum ersten Mal in der „The Body Farm“-Auftaktfolge „Wut und Schmerz“ (No Peace for the Wicked), die auch in einer spielfilmlangen Version (allerdings nicht synchronisiert und ohne Untertitel) auf der DVD vorliegt. Die anderen Folgen sind jeweils fünfzig Minuten. In „Wut und Schmerz“ beschließt sie, der Polizei auszuhelfen und so das dringend für die Body Farm benötigte Geld zu akquirieren.
Ihr erster Fall „Wut und Schmerz“ ist auch in der spielfilmlangen Fassung ausnehmend vertrackt, kurzweilig, spannend und insgesamt ein sehr gelungener Serienauftakt. In einer Sozialsiedlung wurde in einer leerstehenden Wohnung, schon vor einiger Zeit, anscheinend eine Bombe gezündet und das oder die Opfer an den Wänden verteilt. Schon das Feststellen der Identität des Opfers gestaltet sich schwierig und die Tätersuche führt sie mitten hinein in ein Familiendrama.
Die weiteren fünf Fälle der ersten und auch letzten „The Body Farm“-Staffel sind in jeder Hinsicht konventioneller. Denn auch wenn Dr. Eve Lockhart, ihr dreiköpfiges Team und DI Craig Hale (Keith Allen) an verschiedenen Orten, wie einem Fischerdorf oder einem noblen Anwesen ermitteln, sind die Fälle meist persönlich-private, fast schon alltäglich-banale Dramen, bei denen es teils zufällig zur Tat kam, teils Unfälle oder Pech den Tod verursachten und war es ein Suizid. Es geht um einen ertrunkenen Seemann, eine Hand, die zu einer in einem Gemüsebeet versteckten Leiche führt, einen verbrannten Bürgerrechtsanwalt, einen ermordeten Traveller und eine Inhaftierte in einem offenen Frauengefängnis. Dabei mischen die vier Forensiker sich in bester „Bones“- und „CSI“-Tradition ungefragt und extensiv in die Ermittlungen ein.
In vielen Rückblenden, die oft nichts mit den Erkenntnissen der Ermittler zu diesem Zeitpunkt zu tun haben, erfahren wir viel über das Opfer und sein Umfeld, bis hin zum Täter. Das steigert zwar die Spannung, aber es weist auch immer wieder auf einen Problem bei dem Serienkonzept hin. Denn die Idee, eine Freiberuflerin, deren Spezialgebiet ein kleiner Teil der polizeilichen Ermittlungen ist (nämlich das Feststellen vom Todeszeitpunkt und, eher sekundär, der Todesart) als Protagonistin einer Serie zu wählen, führt immer wieder dazu, dass sie an Orten, an denen sie nichts zu suchen hat, Dinge tut, die sie nicht tun sollte. Und wenn es auch nur die komplette Spurensicherung ist.
Davon abgesehen hat „The Body Farm“ mit einem Übermaß an Forensik-Krimiserien zu kämpfen, die alle mehr oder weniger ähnlich sind und teilweise schon seit Jahren erfolgreich im TV laufen. Die absolut okaye Krimiserie ist knapp gesagt die britische Variante von „Bones“, minus den Humor, aber dafür mit, für uns, weitgehend unverbrauchten Gesichtern und Landschaften, angenehm zurückhaltender Kamera und traditioneller Beleuchtung. Denn in „The Body Farm“ machen die Wissenschaftler das Licht an, bevor sie über einen Tatort stolpern oder an einer Leiche herumschnippeln.
Und das Ermittlerteam ist rundum sympathisch. Aber das war dann doch zu wenig Eigenständig für eine zweite Staffel.
The Body Farm (The Body Farm, GB 2011)
Erfinder: Declan Croghan
mit Tara Fitzgerald (Dr. Eve Lockart), Keith Allen (DI Craig Hale), Mark Bazeley (Dr. Mike Collins), Wummi Mosaku (Dr. Rosa Gilbert), Finlay Robertson (Dr. Oscar ‚Oggy‘ Traynor)
–
DVD
Edel
Bild: Pal 16:9
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Extended Version der ersten Episode (in englischer Originalfassung)
Länge: 311 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
Die Fälle von Dr. Eve Lockhart
Wut und Schmerz (No Peace for the Wicked, Erstausstrahlung 13. September 2011)
Regie: Diarmuid Lawrence
Drehbuch: Declan Croghan
–
Die Macht der Reichen (Wealth pays the Rent, Erstausstrahlung 20. September 2011)
Regie: Diarmuid Lawrence
Drehbuch: Simon Tyrell
–
Tauchgang in den Tod (If you go down to the Sea today, Erstausstrahlung 27. September 2011)
Regie: David Drury
Drehbuch: Declan Croghan
–
Im Zeichen der Liebe (Sexual Intentions, Erstausstrahlung 4. Oktober 2011)
Regie: David Drury
Drehbuch: Graham Mitchell
–
Das Recht der Menschen (You’ve got visitors, Erstausstrahlung 11. Oktober 2011)
Regie: Philippa Langdale
Drehbuch: Simon Tyrell
–
Sitten und Bräuche (Scientific Justice, Erstausstrahlung 18. Oktober 2011)
Pflichtverteidiger Antoine Lahoud (im Roman Christophe Leibowitz) schlägt sich in Paris mit kleinen Fällen durch das Leben. Da erhält er von einem Gangster ein grandios-absurdes Angebot: er soll, für viel Geld, im Gefängnis dessen Rolle einnehmen. Lahoud nimmt das Angebot an.
Hannelore Cayres Roman „Der Lumpenadvokat“, den sie selbst verfilmte, ist eine grandios-schwarzhumorig-sarkastische Abrechnung mit dem französischen Justizapparat. Der Film scheint etwas harmloser geraten zu sein.
mit Roschdy Zem, Jean-Philippe Ecoffey, Mathias Mlekus, Sophie Guillemin
Felicia, mein Engel (Kan/GB 1999, R.: Atom Egoyan)
Drehbuch: Atom Egoyan
LV: William Trevor: Felicia´s journey, 1994 (Felicias Reise)
Mr. Hilditch (Bob Hoskins) hilft der 17-jährigen Felicia bei der Suche nach Johnny. Dabei verfolgt er gleichzeitig seine eigenen Pläne.
Wie immer bei Egoyan: langsam, aber konzentriert erzählt, mit grandiosen Leistungen der Schauspieler und einer exquisiten Kameraarbeit. Halt Kino für denkende Menschen.
„Mit dieser Parabel für die Zerstörung von Unschuld liefert er [Egoyan] eins der düstersten und beklemmendsten Porträts eines Serienmörders, das seit langem in Kino zu sehen war – eine außerordentliche schauspielerische Leistung von Bob Hoskins.“ (Heinrichs, Rheinische Post, 4. 2. 2000)
Bis zum Kinostart von Quentin Tarantinos neuem Film „Django Unchained“ dauert es noch einige Tage (und wir müssen Weihnachten und Silvester heil überstehen), aber der 17. Januar 2013 wird kommen. Jetzt hat Sony Pictures einige Bilder aus dem Western veröffentlicht.
Ach ja, darum geht es in „Django Unchained“:
Angesiedelt in den Südstaaten, zwei Jahre vor dem Bürgerkrieg, erzählt DJANGO UNCHAINED die Geschichte von Django (Oscar®-Preisträger JAMIE FOXX), einem Sklaven, dessen brutale Vergangenheit mit seinen Vorbesitzern dazu führt, dass er dem deutschstämmigen Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (Oscar®-Preisträger CHRISTOPH WALTZ) Auge in Auge gegenübersteht. Schultz verfolgt gerade die Spur der mordenden Brittle-Brüder und nur Django kann ihn ans Ziel führen. Der unorthodoxe Schultz sichert sich daher Djangos Hilfe, indem er ihm verspricht, ihn zu befreien, nachdem er die Brittles gefangen genommen hat – tot oder lebendig. Nach erfolgreicher Tat löst Schultz sein Versprechen ein und setzt Django auf freien Fuß. Dennoch gehen die beiden Männer ab jetzt nicht getrennte Wege. Stattdessen nehmen sie gemeinsam die meistgesuchten Verbrecher des Südens ins Visier. Während Django seine überlebensnotwendigen Jagdkünste weiter verfeinert, verliert er dabei sein größtes Ziel nicht aus den Augen: Er will seine Frau Broomhilda (KERRY WASHINGTON) finden und retten, die er einst vor langer Zeit an einen Sklavenhändler verloren hat. Ihre Suche führt Django und Schultz zu Calvin Candie (der für einen Oscar® nominierte LEONARDO DICAPRIO). Candie ist der Eigentümer von „Candyland“, einer berüchtigten Plantage. Als Django und Schultz das Gelände der Plantage unter Vorgabe falscher Identitäten auskundschaften, wecken sie das Misstrauen von Candies Haussklaven und rechter Hand Stephen (der für einen Oscar® nominierte SAMUEL L. JACKSON). Jede ihrer Bewegungen wird fortan genau überwacht und eine heimtückische Organisation ist ihnen bald dicht auf den Fersen. Wenn Django und Schultz mit Broomhilda entkommen wollen, müssen sie sich zwischen Unabhängigkeit und Solidarität, zwischen Aufopferung und Überleben entscheiden…
Die Teaserplakate (die mir fast noch besser als die Hauptplakate gefallen)
Die Hauptplakate
Das zweite gefällt mir aber ziemlich gut.
Impressionen von den Dreharbeiten
Ein Stuhl, ein Buch, kein Regisseur (Bild: Sony Pictures)
Quentin Tarantino (Bild: Sony Pictures)
Leonardo DiCaprio am Set (Bild: Sony Pictures)
Nach der Arbeit (Bild: Sony Pictures)
Die Charaktere
Jamie Foxx als Django (Bild: Sony Pictures)
Jamie Foxx als Django und ein namenloses Pferd (Bild: Sony Pictures)
Kerry Washington als Broomhilda von Shaft, aka Djangos Frau (Bild: Sony Pictures)
Christoph Waltz als Dr. King Schultz (Bild: Sony Pictures)
Leonardo DiCaprio als Calvin Candie (Bild: Sony Pictures)
Leonardo DiCaprio als Calvin Candie (Bild: Sony Pictures)
Action! – Ohne aussagekräftige Bildunterschriften, aber mit einigen weiteren Charakteren
Christoph Waltz und Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)
Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)
Not quite „Miami Vice“. Don Johnson als Spencer Gordon Bennet (Bild: Sony Pictures)
Leonardo DiCaprio (Bild: Sony Pictures)
Samuel L. Jackson als Stephen und Kerry Washington als Broomhilda von Shaft (Bild: Sony Pictures)
Jamie Foxx und Kerry Washington (Bild: Sony Pictures)
Christoph Waltz und Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)
Leonardo DiCaprio, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson, Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)
Jamie Foxx und noch (?) ein Pferd (Bild: Sony Pictures)
Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)
Christoph Waltz (Bild: Sony Pictures)
Christoph Waltz und Jamie Foxx (Bild: Sony Pictures)
Leonardo DiCaprio (Bild: Sony Pictures)
Jamie Foxx und Leonardo DiCaprio (Bild: Sony Pictures)
Jamie Foxx und „Django“, äh, Franco Nero (Bild: Sony Pictures)
Einen Trailer gibt es auch
Eine frühe Fassung des Drehbuchs ist auch online; – jedenfalls heißt es, dass das das Drehbuch sei, aber genaues wissen wir noch nicht. Aber diskutiert wird schon.
Salamanca, Spanien, großer Antiterrorgipfel: der amerikanische Präsident will auf dem Marktplatz eine Rede halten. Da wird er erschossen und eine Bombe explodiert. Sein Leibwächter Thomas Barnes hat aber etwas gesehen und er nimmt die Spur auf.
„8 Fremde, 8 Sichtweisen, 1 Wahrheit“ lautet der Werbespruch, der ziemlich genau die erzählerische Pointe des Films verrät. Denn das Ereignisse vor, während und nach dem Attentat werden aus acht verschiedenen Sichtweisen erzählt und am Ende gibt es eine atemberaubende Autoverfolgungsjagd. Das unterhält prächtig über die knapp neunzig Minuten und ist filmisch und darstellerisch auch sehr gut gelöst. Denn mit den verschiedenen Blickwinkeln ändert sich auch immer der Blick auf die Ereignisse und die beteiligten Personen.
Dass der ganze Attentatsplan, wenn man genauer darüber nachdenkt, ziemlich konstruiert ist, fällt einem erst nach dem Abspann auf.
mit Dennis Quaid, Matthew Fox, Forest Whitaker, Sigourney Weaver, William Hurt, Edgar Ramirez, Ayelet Zurer, Bruce McGill, Zoe Saldana
No Country for Old Men (USA 2007, R.: Ethan Coen, Joel Coen)
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen
LV: Cormac McCarthy: No Country for Old Men, 2005
Lewellyn Moss findet in der texanischen Wüste die Überreste eines gescheiterten Drogendeals: Leichen, Heroin und zwei Millionen Dollar. Er schnappt sich die Kohle und steht auf der Abschussliste eines gnadenlosen Killers.
Feine McCarthy-Verfilmung der Coen-Brüder, die, neben vielen anderen Preisen, auch den Oscar als bester Film des Jahres gewann und für den Edgar nominiert war (aber das war auch mit dem Gewinner “Michael Clayton”, “Tödliche Versprechen”, “Zodiac – Die Spur des Verbrechers” und “Die Regeln der Gewalt” ein starkes Jahr für Krimifreunde).
Mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald
Rick, Baxter, Woody und Quinn freuen sich auf ein Wochenende bei ihrem alten Freund Alvo in dessen Finca auf Mallorca. Im Gegensatz zu ihnen konnte Alvo sich schon zur Ruhe setzen. Gemeinsam wollen sie in Erinnerungen schwelgen, sich in der Sonne bräunen, viel Alkohol trinken und den Strand- und Discoschönheiten in ihren knappen Bikinis hinterherblicken. Immerhin sind sie schon über Vierzig und teilweise noch verheiratet. Ein richtiger Männerurlaub eben.
Doch schon kurz nach ihrer Begrüßung stochert Alvo genussvoll in ihren alten Wunden und ätzt über die verpfuschten Leben und kleinen Geheimnisse von Rick, Baxter, Woody und Quinn. Denn wirklich gut geht es keinem der vier Freunde. Aber anscheinend ist sein Luxusleben auch nicht so toll. Denn er scheint Probleme zu haben, die er unbedingt vor ihnen verheimlichen will. Als er sie auf ein geklautes Boot von einem Gangster schleppt, sie in einen Drogendeal verwickelt und er, nach 45 Minuten, von einem Zwerg mit Tony-Blair-Maske erschossen wird, wissen Rick, Baxter, Woody und Quinn, dass sie jetzt mitten in der Scheiße stecken. Dabei glauben sie, dass die Polizei mit den Gangstern zusammenarbeitet. Sie verdächtigen dabei vor allem die schöne Polizistin, die behauptet, sie würde ihnen helfen und die verdächtig viel über Alvos Geschäfte weiß.
Aber eigentlich steht dieser eher banale Krimiplot nicht im Mittelpunkt der tiefschwarzen Komödie „Mad Dogs“. Denn dafür bleibt die Bedrohung durch die Gangster viel zu abstrakt und immer wieder ist fraglich, ob die vier Engländer überhaupt bedroht werden, oder sie einfach nur paranoid sind.
Im Zentrum des gut besetzten TV-Vierteilers steht über drei Stunden das konsequente Offenlegen von Lebenslügen. Denn die vier Protagonisten müssen, angesichts der kunstvoll auf dem Esszimmertisch verteilten Leiche von Alvo und der überbordenden Probleme, die ihnen Alvo hinterlassen hat, erkennen, dass sie alle nicht das erreichten, was sie als junge Männer erreichen wollten und dass die von ihnen jetzt wieder vielbeschworene Freundschaft so schon lange nicht mehr existiert. Falls überhaupt jemals.
Autor Chris Cole nimmt sich in den vier Episoden der ersten Staffel der BBC-Serie „Mad Dogs“ diese Lügen gnadenlos vor und Regisseur Adrian Shergold inszenierte es im Stil eines mit einem billigen Camcorder aufgenommenen, oft verwackelten, oft falsch belichteten Urlaubsdokumentation.
Als zutiefst pessimistische, surreal-schwarze Komödie über vier ziemlich unsympathisch-gewöhnliche Männer, die noch nicht einmal versuchen, sich halbwegs anständig aus der Affäre zu ziehen, bereitet „Mad Dogs“ ein durchaus quälendes Vergnügen, das an Roman Polanski erinnert (so sollte man „Mad Dogs“ mal mit „Wenn Katelbach kommt…“ [Cul-De-Sac, GB 1966] vergleichen). Denn auch in „Mad Dogs“ versuchen unsere vier Helden alles, um sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien und am Ende ihrer Bemühungen landen sie doch wieder am Ausgangspunkt.
In England wurde bereits eine zweite „Mad Dogs“-Staffel ausgestrahlt und eine US-Version von „Mad Dogs“ ist geplant.
Mad Dogs – Staffel 1 (Mad Dogs, GB 2011)
Regie: Adrian Shergold
Drehbuch: Cris Cole
mit Max Beesley (Woody), John Simm (Baxter), Marc Warren (Rick), Philip Glenister (Quinn), Ben Chaplin (Alvo), María Botto (Maria), Tim Woodward (Dominic), Tomás Pozzi (Tony), Eloise Joseph (Lottie)
–
DVD
Polyband
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: Making of (25 Minuten), Wendecover
Länge: 180 Minuten (4 Folgen à 45 Minuten, 2 DVDs)
Drehbuch: Geoffrey Homes (Pseudonym von Daniel Mainwaring), James M. Cain (ungenannt), Frank Fenton (ungenannt)
LV: Geoffrey Homes: Build my gallows high, 1946 (Goldenes Gift)
Privatdetektiv Jeff Bailey soll für den Gangster Whit Sterling dessen mit einer Tasche Geld durchgebrannte Freundin suchen. Dummerweise verliebt Jeff sich in das titelgebende „Goldene Gift“.
Jacques Tourneur, dessen bekannteste Werke die Horrorfilmklassiker „Katzenmenschen“ und „Ich folgte einem Zombie“ sind, inszenierte diesen Noir, der inzwischen zu den Klassikern des Genres gehört, nach einem Roman von Geoffrey Homes, der auch das Drehbuch schrieb und geschickt mit der Noir-typischen Rückblendenstruktur und den Noir-Archetypen (die heute sattsam bekannte Klischees sind) spielt. Tourneur zeigte sich wieder einmal als Meister der Licht- und Schattenspiele und Robert Mitchum demonstriert, wieviel Schauspiel in einem Nicht-Schauspiel sein kann.
Mit Robert Mitchum, Jane Greer, Kirk Douglas, Rhonda Fleming, Richard Webb, Steve Brodie, Virginia Huston, Paul Valentine, Dickie Moore
Während Steven Spielberg immer noch einen Kassenknüller nach dem nächsten in die Kinos bringt und auch Martin Scorsese fast im Jahrestakt ein neues Meisterwerk nach dem nächsten heraushaut, hat Francis Ford Coppola sich in den vergangenen zwanzig Jahren als Regisseur fast vollkommen vom Filmgeschäft zurückgezogen. Die siebziger Jahre waren seine große Zeit: „Der Pate“, „Der Dialog“, „Der Pate II“ und „Apocalypse Now“. 1982 landete er mit „One from the heart“ einen so großen Flop, dass er die nächsten Jahre mit „Rumble Fish“, „The Outsider“, „Cotton Club“, „Peggy Sue hat geheiratet“, „Der steinerne Garten“, Tucker“ und „Der Pate III“ Schadensbegrenzung betrieb und versuchte, Geld für sein American-Zoetrope-Studio reinzuholen. Künstlerisch war das Jahrzehnt ziemlich durchwachsen, aber im Rückblick sind die Filme nicht so schlecht, wie sie damals von der Kritik gemacht wurden. In den Neunzigern kamen dann nur noch „Bram Stokers Dracula“, „Jack“ (Hat den jemand gesehen?), die biedere John-Grisham-Verfilmung „Der Regenmacher“ und der Science-Fiction-Film „Supernova“ (auch bekannt als der SF-Film, der eine so vermurkste Produktionsgeschichte hatte, dass das Ergebnis zwar Mist, aber erstaunlich ansehbarer Mist ist; vor allem wenn man darüber rätselt, welcher Regisseur für welchen Teil verantwortlich ist). Seitdem drehte er, weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit, „Jugend ohne Jugend“, „Tetro“ (bislang keine deutsche Veröffentlichung) und jetzt „Twixt“; – und auch „Twixt – Virginias Geheimnis“ würde ohne Coppolas Namen niemand interessieren. Denn der Film ist, optisch durchaus ansprechend inszeniert, kruder, kaum unterhaltsamer Unfug mit einigen bekannten Schauspielern. Es ist wie das verkochte Restemenü in einem Restaurant: da kann der Kellner sich noch so viel Mühe geben, es schmeckt nicht und es macht auch nicht satt. Und dass der Koch früher Mal in einem Sterne-Restaurant der Küchenchef war, mag man gar nicht glauben.
Denn die von Francis Ford Coppola geschriebene Geschichte taugt höchstens für eine ganz schlechte, halbstündige „Twilight Zone“-Episode: der Horrorromanautor Hall Baltimore (Val Kilmer im Straight-to-DVD-Modus) trifft in einer Kleinstadt auf Ortssheriff Bobby LaGrange (Bruce Dern), der ihm von einer geheimnisvollen Mordserie erzählt. Baltimore will zwar zunächst möglichst schnell weg, aber nachdem er einen Blick auf sein Bankkonto geworfen hat, sieht er die Möglichkeit, die Morde, garniert mit einigen Vampiren, als Inspiration für seinen nächsten Roman zu benutzen. Während er enorme Mengen Alkohol konsumiert, fantasiert er sich in seinen Träumen Begegnungen mit dem Geistermädchen V (Elle Fanning), vergangenen Morden und Edgar Allen Poe (Ben Chaplin), der auch mal eine Nacht in dem Kaff verbrachte, zusammen. Nur Vampire erscheinen ihm nicht im Traum.
Und während man während des Ansehens von „Twixt“ noch verzweifelt versucht, einen Sinn und interessante Verbindungen zwischen den verschiedenen Teilen zu finden, muss man am Ende feststellen, dass „Twixt“ hundertprozentig an die Roger-Corman-Schule, abzüglich Sex und Gewalt, anknüpft und damit wäre Francis Ford Coppola wieder bei seinen Anfängen gelandet, als er für Roger Corman für wenig Geld, aber dafür mit Resten aus anderen Filmen, seine ersten Gehversuche im Filmgeschäft machte.
Twixt – Virginias Geheimnis (Twixt, USA 2011)
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: Francis Ford Coppola
mit Val Kilmer, Bruce Dern, Elle Fanning, Ben Chaplin, Joanne Whalley, David Paymer, Tom Waits (Erzähler im Original)
LV: Nicholas Pileggi: Casino: Love and Honor in Las Vegas, 1995 (Casino)
Biopic über die Mafia in Las Vegas in den Siebzigern
Kurz gesagt: ein Meisterwerk und Pflichttermin für Krimifans.
„Die einander ergänzenden Elemente von ‚Casino’, die genaue, materialistische Dokumentation, das Shakespeare-Drama von Macht und Fall, der Genrefilm und die Strindbergsche Seelenpein von Mann und Frau, zwischen denen eine unsichtbare Mauer steht, laufen alle auf die Feststellung hinaus, die Robert De Niro schon am Anfang getroffen hat: dass niemand gegen die Bank gewinnen kann. Das ist nicht nur konkrete Beschreibung einer ökonomisch-kriminellen Situation und soziale Metapher auf das Wesen des Kapitalismus, sondern auch ein philosophisches Gleichnis.“ (Georg Seeßlen: Martin Scorsese)
Mit Robert De Niro, Sharon Stone, Joe Pesci, James Woods, Kevin Pollak, L. Q. Jones
Auch wenn Colin Farrell an erster Stelle genannt wird, gehört der Film „7 Psychos“ Sam Rockwell. Und dann Woody Harrelson und Christopher Walken, der fast alles, außer Tanzen, tut. Tom Waits, mit einem süßen Tier im Arm, und Harry Dean Stanton haben mehr als erinnerungswürdige Auftritte. Und die Frauen bleiben, wie schon in Martin McDonaghs vorherigem Film „Brügge sehen…und sterben?“ (In Bruges, GB 2008) Staffage. Die Story, dieses Mal, auch.
„7 Psychos“ funktioniert vor allem als schwarzhumorige Nummernrevue über Gangster und Hollywood, mit einer lässig eingezogenen Metaebene. Denn Marty Flanaran (Colin Farrell) ist ein erfolgloser, aber irisch-trinkfester, begnadeter Drehbuchautor auf der Suche nach Inspiration. Den Titel für sein neues Werk hat er schon: „7 Psychos“. Und er weiß auch, worum es gehen soll: um sieben Psychopathen. Aber ungewöhnlich. So soll ein Psychopath friedfertig sein. Vielleicht ein Buddhist. Oder ein Quäker. Oder ein Amish. Jedenfalls friedfertig. Und sein Drehbuch soll keine blutrünstige 08/15-Hollywood-Geschichte sein. Sein Freund Billy (Sam Rockwell), ein erfolgloser Schauspieler mit psychopathischen Tendenzen, hilft ihm mit Plotideen und kidnappt nebenbei mit Hans (Christopher Walken) Hunde, die er gegen Belohnung den Besitzern zurückgibt.
Zuletzt kidnappte er Bonny, das Schoßhündchen des an guten Tagen nur cholerischen Gangsters Charlie Castello (Woody Harrelson, mal wieder als fieser Fiesling. Aber er ist in Wirklichkeit sicher ein ganz netter Mensch, der kein Shih-Tzu-Haar krümmen kann.). Denn für seinen Bonny geht Charlie über Leichen.
Das ist der lockere Rahmen für einen an allen Ecken und Enden zerfasernden und zerfransenden Film, der auch in Richtung Nouvelle Vague geht, die halbe Filmgeschichte plündert und einfach alles mitnimmt, was Autor und Regisseur Martin McDonagh gefällt.
Am besten genießt man „7 Psychos“ daher als zeitgemäßes, brutal-blutrünstiges, amoralisch-moralisches, schwarzhumoriges Update von Jean-Luc-Godard-Filmen wie „Die Außenseiterbande“ und „Pierrot le fou – Elf Uhr nachts“. Da fragte auch niemand nach der Geschichte und ob sie logisch war, aber jeder genoss die einzelnen Szenen, die Stimmung, die Sprüche, die Weisheiten und die herrlich absurd-abgedrehten Situationen.
Denn davon gibt es in „7 Psychos“ noch mehr als in „Brügge sehen…und sterben?“. Aber auch, jedenfalls wenn man sich die Originalfassung ansieht, deutlich weniger „Fucks“.
7 Psychos (Seven Psychopaths, UK/USA 2012)
Regie: Martin McDonagh
Drehbuch: Martin McDonagh
mit Colin Farrell, Sam Rockwell, Christopher Walken, Woody Harrelson, Tom Waits, Abbie Cornish, Olga Kurylenko, Harry Dean Stanton, Zeljko Ivanek, Gabourey Sidibe, Linda Bright Clay