LV: Charles Willeford: Miami Blues, 1984 (Miami Blues)
Als erstes bringt Junior in Miami einen bettelnden Krishna um. Dann beginnt er mit seinem Brotjob: Überfälle. Als ihm Sgt. Hoke Moseley zu nahe kommt, raubt er ihn aus (Dienstpistole, Ausweis, Gebiss). Und das nimmt Moseley wirklich persönlich.
Willefords Hoke-Moseley-Krimis sind eine bitterböse, urkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Traum. Armitages Adaption bebildert in weiten Teilen nur Willefords Buch. Trotzdem: „Hervorragend gespielte Kriminalgroteske, die sich nach und nach als böse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum entpuppt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Parker war Lee Marvin, Anna Karina, Michel Constantine, Jim Brown, Robert Duvall, Peter Coyote und, zuletzt, Mel Gibson, aber er hieß, obwohl die Filme auf den grandiosen Hardboiled-Gangsterthrillern von Richard Stark basierten, niemals Parker. Richard Stark (also eigentlich Donald E. Westlake) meinte, dass Parker erst dann in einem Film Parker heißen dürfe, wenn die Produzenten mehrere Parker-Filme machen wollten.
Keine Ahnung ob Dortmunder-Erfinder Donald E. Westlake das wirklich so meinte oder er nur witzelte. Jedenfalls darf in einem Film Parker jetzt zum ersten Mal Parker heißen und die Macher freuten sich so sehr darüber, dass sie den Film gleich „Parker“ nannten. Naja, warum auch nicht.
Und mit Jason Statham als Parker wurde eine gute Wahl getroffen. Denn er kann einen so rücksichtslosen Charakter glaubhaft verkörpern.
Dafür wurden dann einige, hm, Details an der Vorlage, dem Roman „Irgendwann gibt jeder auf“ (Flashfire) geändert. Aber die große Story bleibt erhalten: nach einem Diebeszug wird Parker von Melanders Gang um seinen Anteil betrogen. Melander und sein Team benötigen das Geld als Startkapital für einen größeren Coup in Palm Beach. Parker lässt diesen Betrug nicht auf sich sitzen. Er macht sich auf den Weg nach Palm Beach.
Außerdem nahmen die früheren Parker-Verfilmungen sich auch, mit unterschiedlichen Ergebnissen, Freiheiten bei der Geschichte.
Insofern ist „Parker“ eine mit Action aufgepumpte Variante der Vorlage, bei der es sogar einen Fenstersturz aus einem Hotelzimmer gibt (Erinnert ihr euch an „Sie nannten ihn Stick“?). Parker ist, was vor allem am Ende des Films auffällt, etwas weicher als in den Büchern gezeichnet. Und, das wird langjährige Parker-Fans am meisten nerven: Parker betont und rezitiert immer wieder seine Regeln. Das hatte der Buch-Parker nicht nötig. Er tat einfach, was getan werden musste.
Im Film sind Parkers Betonungen seiner Regeln und dass Regeln ein Abgleiten in das Chaos verhindern ein Gegenentwurf zum derzeitigen US-Kapitalismus, den Zockereien von Bankern die zu einer Wirtschaftskrise führten, und, wenn wir den Blick etwas weiten, dem „War on Terror“. Auch dass die US-Flagge öfter im Bild ist und der Film auf der Ohio State Fair, dem größten Jahrmarkt der USA, beginnt, tragen zu dieser kritischen Lesart bei, in der traditionelle amerikanische Werte konträr zur aktuellen Realität positioniert werden. Taylor Hackford, der ja in den Achtzigern mit Filmen wie „Ein Offizier und Gentleman“, „Gegen jede Chance“ und „White Nights“, immer inszeniert in einer gelackten Werbeästhetik, bekannt wurde, drehte seinen neuesten Film vor Ort und er zeigt durchgehend ein ungeschöntes Bild der USA und ihrer Verwerfungen.
Eine solche Allegorie im Gewand des Gangsterfilms wollte vor kurzem auch Andrew Dominik in seiner gründlich missglückten George-V.-Higgins-Verfilmung „Killing them Softly“ zeichnen. Weil Dominik während des gesamten Films einem seine Botschaft aber so penetrant und entsprechend einfältig um die Ohren schlug, langweilt sein Gangsterthriller schnell.
Hackford geht, unterstützt von einem klugen Drehbuch von „Black Swan„- und „Hitchcock“-Autor John McLaughlin, bei seiner Systemkritik viel subtiler vor und bei ihnen treiben die Dialoge die Handlung voran. Denn der gnadenlos effektive, auf sein Ziel fokussierte Profi Parker ist kein Mensch für Small-Talk.
Abgesehen von diesem politischen Hintergrund ist „Parker“ ein angenehm altmodischer, schnörkelloser, hochkarätig besetzter Gangsterthriller mit einer ordentlichen Portion bodenständiger Action. Im Zentrum stehen allerdings die Charaktere, wie sie versuchen, sich gegenseitig übers Ohr zu hauen und die Atmosphäre des amerikanischen Hinterlandes und von Palm Beach.
Taylor Hackfords „Parker“ gehört defintiv zu den gelungenen Parker-Verfilmungen. Er muss sich wahrlich nicht vor „Point Blank“ (mit Lee Marvin) und „Revolte in der Unterwelt“ (The Outfit, mit Robert Duvall) verstecken.
Anke Engelke eröffnet die diesjährige Berlinale, die Stars schlendern über den Teppich und täglich, so ab Mitternacht präsentiert 3sat das „Berlinale-Studio“ und ab so um 02.10 Uhr zeigt RBB die Berlinale-Pressekonferenzen. Die gibt es auch hier.
Biopic über Harvey Milk, der in den siebziger Jahren in San Francisco politisch aktiv und bekannt wurde als erster offen homosexueller Stadtverordneter in den USA. Am 27. November 1978 wurde er in San Francisco von dem Ex-Cop und Ex-Stadtrat Dan White erschossen.
Für das Drehbuch und den Hauptdarsteller gab es einen Oscar. Sowieso erhielt „Milk“ noch etliche weitere Preise, noch mehr Nominierungen – und er läuft heute zum ersten Mal im TV. Auf einem Nischensender.
mit Sean Penn, James Franco, Emile Hirsch, Josh Brolin, Lucas Grabeel, Victor Garber
My Blueberry Nights (China/USA 2007, R.: Wong Kar-wai)
Drehbuch: Wong Kar-wai, Lawrence Block (nach einer Geschichte von Wong Kar-wai)
Elizabeth hat Liebeskummer. In einem kleinen New Yorker Café schüttet sie dem Kellner ihr Herz aus. Der verliebt sich in sie, aber sie macht sich auf eine Reise durch die USA. Auf ihrem Selbstfindungstrip begegnet sie anderen einsamen Seelen.
Lawrence Block war zwar irgendwie am Drehbuch beteiligt, aber letztendlich ist es ein Wong-Kar-wai-Film geworden.
Mit Norah Jones, Jude Law, Rachel Weisz, David Strathairn, Natalie Portman
Vengeance – Killer unter sich (Hongkong/Frankreich 2009, R.: Johnny To)
Drehbuch: Ka-Fai Wai
In Macao wird die Tochter des französischen Restaurantbesitzers Francis Costello in ihrer Wohnung schwer verletzt. Ihre Familie wird ermordet. Costello beschließt, die Täter zu stellen. Dabei helfen dem ehemaligen Profikiller einige Kollegen, die er zufällig im Hotel trifft.
Mit dem Neo-Noir „Vengeance“ zeigt Hongkong-Regisseur Johnnie To wieder einmal, wofür ihn Filmfans seitdem sie vor über zehn Jahren seinen stilisierten Gangsterfilm „The Mission“ (Unbedingt ansehen!) sahen, lieben: schnörkelloses Genrekino mit stilvoll eingestreuten Zitaten und gerade in ihrer Reduktion grandiosen Actionszenen. Das ist in seiner Stilisierung pures Kino, das näher bei Jean-Pierre Melville als an der Wirklichkeit ist.
mit Johnny Hallyday, Sylivie Testud, Anthony Wong, Simon Yam
LV: Philip K. Dick: Do Androids dream of Electric Sheep?; Blade Runner, 1968 (Träumen Roboter von elektrischen Schafen; Blade Runner)
LA, 2019: Rick Deckard soll vier Replikanten finden.
Damals kam er bei der Kritik solala an und im Kino lief er auch nicht so toll. Aber seitdem entwickelte „Blade Runner“ sich zu einem der stilbildenden Science-Fiction-Filme und Lieblingsobjekte von Wissenschaftlern für Interpretationen.
„Der Final Cut“ ist die von Ridley Scott ursprünglich geplante Version, die sich nur in Details von früheren Versionen (Off-Sprecher, Ende, einige Effekte und minimal andere Schnittfolgen) unterscheidet.
Eine zeitgenössische Kritik: „’Blade Runner’ ist ein Film des Dekors (…) Technische Phantasie und die Story, soweit sie erkennbar wird, liegen weit über dem Standard heutiger Science-fiction-Filme. Dennoch ist auch ‘Blade Runner’ ein eher unerfreulicher Film: Er kokettiert nicht nur mit der Gewalt, er schlachtet sie genussvoll aus, menschliche Werte behauptet er nur zu retten, tatsächlich aber versenkt er sie in einem Meer von Zynismus.“ (Fischer Film Almanach 1983)
Ähnlich Ronald M. Hahn/Volker Jansen in „Lexikon des Science Fiction Films“ (1983): „Mehr jedoch als die zum großen Teil unbekannten Schauspieler sind die Trickspezialisten die wahren Stars dieses Films.“
Heute wird’s anders gesehen: „Der Film, der auf der Handlungsebene einem eher einfachen und klar strukturierten Muster folgt (…), eröffnet bei genauerer Betrachtung vielschichtige Bedeutungsebenen, die vor allem zahlreiche Reflexionen über die neuzeitliche Realitätsauffassung und den damit verbundenen Humanitätsbegriff zulassen.“ (Fabienne Will in Thomas Koebner, Hrsg.: Filmgenres Science Fiction, 2003)
„Twenty-five years after its first release Blade Runner is still the benchmark film in tech noir or future noir – a bleak fusion of sci-fi and noir.“ (Alexander Ballinger, Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)
Mit Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, M. Emmet Walsh, Daryl Hannah, Joanna Cassidy
LV: John D. MacDonald: The executioners, 1957 (eine gekürzte deutsche Ausgabe erschien unter „Ein Köder für die Bestie“, ungekürzt – 1992 im Heyne Verlag – unter „Kap der Angst“)
Cady will sich nach 14 Jahren Haft an seinem Pflichtverteidiger Bowden rächen. Dieser unterschlug damals entlastende Beweise.
Das Remake von „Ein Köder für die Bestie“ ist als Scorsese-Film enttäuschend, als – auch brutales – Psycho-Duell zwischen Nick Nolte und Robert de Niro hochspannend. Und wenn Robert de Niro Juliette Lewis im Märchenwald verführt, gefriert einem das Blut.
Mit Nick Nolte, Robert de Niro, Jessica Lange, Juliette Lewis, Joe Don Baker, Martin Balsam, Gregory Peck, Robert Mitchum
Kathryn Bigelow sagt in „Zero Dark Thirty“ nicht, dass Folter zur Ergreifung des Terroristen Osama bin Laden führte. Das war kleinteilige und entsprechend langweilige Geheimdienstarbeit, in der Informationen gesammelt, geprüft und nochmal geprüft werden und am Ende hat man, wie eine Besprechung der Geheimdienstler und hochrangiger Beamter vor der Entscheidung, ob sie ein Navy-SEALS-Team nach Abbottabad schicken sollen, nur eine Gewissheit von sechzig Prozent. Nach all der monatelangen Beobachtung des Hauses hätte man genausogut eine Münze werfen können.
Aber dieser Punkt kann leicht übersehen werden und Bigelow hat die Geschichte der Jagd der CIA nach Osama bin Laden von dem Anschlag auf das World Trade Center bis zu seinem Tod in einer bestimmten Art und Weise angeordnet, die mindestens den Schluss nahelegt, dass Folter ein probates Mittel sei, um an valide Informationen zu kommen und dass Folter deshalb ein unverzichtbarer Teil bei dem erfolgreichen Kampf gegen al Qaida war. Was diese These für künftige Kriege bedeutet, können wir uns denken.
Denn diese Behauptung ist mindestens umstritten. Ich würde sogar sagen Quatsch. In jedem Fall – weil sie die Jagd ausschließlich aus der Binnenperspektive der CIA erzählt – verliert sie kein Wort über die nationale und internationale Diskussion über Folter und zu welchem Ansehensverlust der USA diese Verletzung elementarer Menschenrechte führte. Sie sagt auch nichts über die vielen Unschuldigen, die gefoltert wurden, und die vielen unnützen Informationen, die die Gefolterten den Folterern gaben.
Diese Der-Zweck-heiligt-die-Mittel-Legitimation war ihr, auch wenn sie die Folterungen am Filmanfang quasi dokumentarisch zeigt, sehr wichtig. Immerhin ist „Zero Dark Thirty“ mit gut drei Stunden Laufzeit überlang geraten und man hätte durchaus über Kürzungen nachdenken können.
Ungefähr die erste Stunde der Filmgeschichte, die unmittelbar nach dem 11. September 2011 beginnt, vergeht mit episch gezeigten Folterungen, einem Bombenattentat auf ein Hotel, in dem Westler speisen, und einem Selbstmordattentat in einer US-Militärbasis, bei dem viele US-Soldaten und auch eine CIA-Agentin sterben. Sie war eine ältere Kollegin von Maya Lambert (Jessica Chastain), einer jungen CIA-Agentin, die sich gerade die ersten Sporen verdient und die so etwas wie die Protagonistin des Films ist.
Im zweiten Teil werden dann die kleinteiligen Recherchen von Maya über viele Jahre und ihr zunehmender, nie erklärter Fanatismus bei der Jagd nach bin Laden, gezeigt. Da wird sie fast zu einer Erin Brokovich, die einen aussichtslosen Kampf aufnimmt. Sie hat recht. Aber all die CIA-Männer glauben ihr nicht.
Im dritten Teil, der mit den direkten Vorbereitungen wieder ungefähr eine Stunde dauert, wird dann der Einsatz des Navy SEALS Team Six auf das Anwesen in Abbottabad in der Nacht vom 1. zum 2. Mai 2011 gezeigt. Ungefähr in Echtzeit. Jedenfalls gibt es so um die fünfundvierzig Minuten dunkle, verwackelte Bilder, teilweise auch grünstichige Aufnahmen durch die Nachtsichtgeräte der Soldaten, keine Musik und nur wenige, kaum verständliche Dialoge, meistens über Funk. Maya bleibt bei diesem Einsatz außen vor – und weil die Soldaten, die Terroristen und die Bewohner des Hauses alle austauschbar bleiben, langweilt diese Szene auch zunehmend. Fast so, als ob man sich ein Fußballspiel ansieht, bei dem die Spieler gesichtslos bleiben und das Ergebnis auch schon bekannt ist.
Bigelow erzählt diese Geschichte chronologisch, aber eher fragmentarisch. Fast so, als habe man ausgewählte Tonbandmitschnitte aneinander geklebt. Das soll das Authentische betonen. Allerdings ist davon, im Gegensatz zu einer Reportage, nur wenig überprüfbar. „Zero Dark Thirty“ ist, weil die Macher in Interviews immer wieder das Dokumentarische, die große Faktentreue, die vielen Interviews, die sie mit Insidern führten, betonen und den Film einen „Reportagefilm“ nennen, der vom New Journalism (also Autoren wie Tom Wolfe, Gay Talese, Hunter S. Thompson, Truman Capote und Norman Mailer) beeinflusst sei, nicht das von ihnen behauptete filmische Äquivalent zu einer Reportage, sondern zu einem Kommentar. Sie erzählen nur eine dramatisierte Version der Wirklichkeit.
Nach dem gelungenen „The Hurt Locker“, der ersten Zusammenarbeit von Mark Boal und Kathryn Bigelow, ist „Zero Dark Thirty“ eine ziemlich herbe Enttäuschung, die unter einem unfokussiertem Drehbuch und der Absicht, den Menschen im Schatten, die Osama bin Laden jagten und töteten ein Denkmal zu setzen, leidet. Für ein solches Heldenporträt muss man nicht gleich den gesamten Film ausschließlich und ohne jegliche Distanz aus der Perspektive der CIA-Agenten und Soldaten erzählen.
Zero Dark Thirty (Zero Dark Thirty, USA 2012)
Regie: Kathryn Bigelow
Drehbuch: Mark Boal
mit Jessica Chastain, Jason Clarke, Jennifer Ehle, Fares Fares, James Gandolfini, Kyle Chandler, Harold Perrineau, Reda Kateb, Mark Strong, Edgar Ramirez, Frank Grillo, Mark Valley
Heute startet die fünfte Staffel von „Castle“, die am Morgen nach dem Ende der vierten Staffel (als NYPD-Detective Kate Beckett, die gerade ihren Job quittiert hatte, verzweifelt an die Tür des Thrillerautors Richard Castle anklopfte) beginnt. Kate will immer noch herausfinden, wer ihre Mutter vor Jahren ermordete. Ihre Kollegen und Richard helfen ihr bei der Suche nach den mächtigen Hintermännern des Mordes.
Die Auftaktfolge der neuen Staffel der Crime-Comedy ist, weil ein persönlicher Fall im Mittelpunkt steht, eher enttäuschend. Aber immerhin gibt es ein gewisses Ende von Kates Jagd nach dem Mörder ihrer Mutter und ab nächster Woche wird wieder Dienst nach Vorschrift geleistet.
mit Nathan Fillion, Stana Katic, Susan Sullivan, Jon Huertas , Seamus Dever, Molly Quinn, Penny Johnson Jerald, Jack Coleman, Geoff Pierson, Tahmoh Penikett
„Heat Rises – Kaltgestellt“, der dritte Nikki-Heat-Roman von Richard Castle ist bei Cross Cult erschienen. Kate Beckett ist das Vorbild für Nikki Heat.
Vor zehn Jahren räumte Arnold Schwarzenegger in „Terminator 3“ noch einmal kräftig auf. Danach war Dienst an der Gemeinschaft angesagt. Als Gouverneur von Kalifornien. Seine Freizeit reichte gerade für einige Cameos.
Jetzt ist er wieder zurück und „The Last Stand“ soll vor allem zeigen, dass er mit 65 Jahren noch nicht zum alten Eisen gehört. Dass er noch Action machen kann. Und das gelingt dem Quasi-Western, der durchaus sympathisch an ältere Action-Filme anknüpft, in denen eine Geschichte, die geradlinig auf den finalen Showdown hinausläuft, mit einigen kleinen, präzisen Charakterskizzen und Einzeilern aufgepeppt und unaufgeregt in knapp zwei Stunden erzählt wird. Gleichzeitig gibt es genug neue Ideen, um Genrejunkies gut zu unterhalten.
Als der südamerikanische Drogenbaron Gabriel Cortez (Eduardo Noriega) vom FBI in ein anderes Gefängnis überstellt werden soll, wird er in Las Vegas von seinen Handlangern in einer James-Bond-würdigen Aktion befreit. Mit einer FBI-Polizistin als Geisel rast er in einem gestohlenen Prototyp, einer Corvette ZR1, die über 400 km/h fahren kann und damit schneller als alle Autos und Flugzeuge ist, die das FBI zur Hand hat, in einem Affentempo auf die Grenze nach Mexiko zu.
Währenddessen haben andere Handlanger von Cortez, die von Burrell (Peter Stormare, der mal wieder seine Rolle als Bösewicht genießt) angeführt werden, in der Nähe des kleinen Städtchens Sommerton eine Behelfsbrücke installiert, auf der Cortez die Grenze ohne lästige Grenzkontrolle überqueren soll.
Allerdings haben sie nicht mit dem Ortssheriff gerechnet. Ray Owens (Arnold Schwarzenegger) will dort, nachdem er von den Los-Angeles-Blutbädern genug hatte, nur noch eine ruhige Kugel schieben und den Einheimischen bei ihren banal-alltäglichen Problemen helfen.
Als er erfährt, dass Cortez seine Stadt zum Grenzübertritt benutzen will, nimmt er mit seinen drei Deputies, – ein Jüngling, der sich nach Los Angeles versetzen lassen will (Zach Gilford), einem älteren Mexikaner, der treu, aber auch etwas feige ist (Luis Guzmán, gewohnt zuverlässig) und einer Frau (Jaimie Alexander) -, und zwei ad hoc vereidigten Hilfssheriffs, – einem jungen Kriegsveteranen, der in die Polizistin verliebt ist und, als notorischer Randalierer, mal wieder inhaftiert wurde (Rodrigo Santoro), und einem durchgeknalltem Waffenfanatiker (Johnny Knoxville) -, den Kampf auf.
Regisseur Kim Jee-Woon (A bittersweet Life; The Good, the Bad, the Weird) inszenierte sein US-Debüt mit viel Wucht, Witz und, angenehm unironisch, aber mit dem augenzwinkerndem Einverständnis, dass wir alle wissen, wie die Geschichte ausgeht. Denn in „The Last Stand“ wird eine typische Western-Situation, die natürlich an die alten Howard-Hawks-Western wie „Rio Bravo“ und „El Dorado“, beide mit John Wayne, erinnert, in die Gegenwart verlagert.
Da kann auch verziehen werden, dass gerade bei der sehr bleihaltigen Schlacht in Sommerton, der modernen Variante eines typischen Wild-West-Kaffs mit einer Hauptstraße, zwei Nebenstraßen und einem Saloon, der heute ein Diner ist, das Schlachtfeld etwas unklar gezeichnet wird und die Action-Szenen etwas zu trendy zerschnippelt werden.
„The Last Stand“ macht Spaß als grundsolider, moderner Action-Western.
Daher: Welcome back, Arnie!
The Last Stand (The Last Stand, USA 2013)
Regie: Kim Jee-Woon
Drehbuch: Andrew Knauer, Jeffrey Nachmanoff (Rewrite), George Nolfi (Writing Supervisor) (nach einer Geschichte von Andrew Knauer
mit Arnold Schwarzenegger, Forest Whitaker, Johnny Knoxville, Radrigo Santoro, Jaimie Alexander, Louis Guzmán, Eduardo Nriega, Peter Stormare, Zach Gilford, Genesis Rodriguez, Harry Dean Stanton (kurz, aber gut)
Es ist ein Kreuz mit diesen Filmen, die „auf einer wahren Geschichte“ basieren. Oft werden die wahren Ereignisse genommen und so lange verändert, bis die Ähnlichkeiten zwischen Fakt und Fiktion nur noch zufällig sind. Es geht aber auch, wie der spanische Spielfilm „The Impossible“ zeigt, anders. Drehbuchautor Sergio G. Sanchez und Regisseur Juan Antonio Bayona nahmen ein wahres Schicksal, nämlich die Geschichte der spanischen Familie Belon und erzählten dann eine so universelle Geschichte über eine Familie, die nach dem Tsunami 2004 in Thailand, getrennt wurde und sich wieder fand, dass es vollkommen egal ist, wie genau sich die Filmemacher an die Fakten gehalten haben. Wie der Familie Belon dürfte es damals vielen Familien, die ihren Weihnachtsurlaub im Paradies verbringen wollten, ergangen sein. Vielleicht deshalb haben die Macher der Familie keinen Nachnamen verpasst und die Nationalität der Familie geändert.
Henry (Ewan Mc Gregor), Maria (Naomi Watts – jaja, besonders spanisch sehen sie nicht aus, aber Antonio Banderas, Javier Bardem und Penélope Cruz waren gerade anderweitig beschäftigt) und ihre drei Söhne Lucas (Tom Holland), Simon (Oaklee Pendergast) und Thomas (Samuel Joslin) fliegen nach Thailand. Die englische, in Japan lebende Familie will ihren Weihnachtsurlaub in einem noblen Ferienressort verbringen, als die Flutwelle des Tsunamis alle Urlaubspläne zunichte macht.
Maria und Lucas werden in das Landesinnere gespült. Sie verletzt sich am Bein und hilfsbereite Einheimische bringen sie in ein Lazarett. Dort wartet die Ärztin auf die Operation, die zu einer Amputation ihres Beines führen könnte, während Lucas versucht, sich nützlich zu machen.
Währenddessen sucht Henry mit Simon und Thomas seine Frau und seinen dritten Sohn. Zusammen mit anderen Urlaubern, die ebenfalls ihre Angehörigen suchen, machen sie sich auf den Weg.
Diese Familienzusammenführung wird von Juan Antonio Bayona in zwei großen Blöcken erzählt, die die Trennung der Familie betont. Denn solange wir das Schicksal von Maria und Lucas bis kurz vor der Vereinigung mit ihrem Mann und den beiden anderen Söhnen verfolgen (Okay, das kommt jetzt nicht wirklich überraschend), wissen wir nicht, was mit Henry, Simon und Thomas passiert ist.
Bei dem Melodrama spielt Byjona, dessen erster Spielfilm der erfolgreiche, mit Preisen und Lob überhäufte Horrorfilm „Das Waisenhaus“ war, immer wieder, allerdings eher störend, mit Horrorelementen und dem beliebten, aber hier vollkommen überflüssigen und unpassenden „Die Natur schlägt zurück“-Topos, das auch immer nach einer noch so banalen Erklärung verlangt.
Davon abgesehen liefert er eindrucksvolle Bilder von dem Tsunami, der alles unter sich begrabenden Flutwelle, den anschließenden Zerstörungen, dem Überlebenswillen und der Hilfsbereitschaft der Menschen. Dass dabei die Einheimischen nur als Staffage vorkommen ist der gewählten Geschichte, die den Überlebenswillen, familiäre Bindungen und den Humanismus huldigt, geschuldet.
The Impossible (Lo imposible, USA/Spanien 2012)
Regie: Juan Antonio Bayona
Drehbuch: Sergio G. Sanchez (basierend auf der Geschichte von Maria Belon)
mit Naomi Watts, Ewan McGregor, Tom Holland, Samuel Joslin, Oaklee Pendeergast, Sönke Möhring, Geraldine Chaplin
LV: Isaac Asimov: I, Robot, 1950 (Ich, der Robot, Kurzgeschichtensammlung)
2035: Roboter nehmen uns viele Aufgaben ab. Als der Chefkonstrukteur der Firma US Robotics in den Tod stürzt, glaubt Polizist und Roboterhasser Del Spooner, dass der Konstrukteur von einem Roboter umgebracht wurde. Niemand glaubt ihm.
Unterhaltsamer SF-Actionthriller, der von Asimov vor allem die drei Robotergesetze übernommen hat. Denn Proyas interessiert sich vor allem für Design und Entertainment.
mit Will Smith, Bridget Moynahan, Alan Tudyk, James Cromwell, Bruce Greenwood, Chi McBride, Shia LaBeouf
In den meisten Krimis dürfen die Jungs vom SEK oder dem SWAT-Team nur kurz anrücken und dann weitgehend dumm, aber in voller Montur, in der Landschaft herumstehen, während der tapfere Kommissar mit seinem heroischen Einsatz, abseits jeglicher Dienstvorschriften und Vernunft, den Täter überwältigt. Und, gerade in deutschen Krimis, ist von Teamarbeit zwischen verschiedenen Einheiten und Abteilungen in der Polizei wenig bis nichts zu sehen. Außer natürlich den Gesprächen mit dem Gerichtsmediziner, der auch gleich die gesamte Spurensuche und sonstige lästige, anfallende Arbeiten erledigt. Alle anderen sind mehr oder weniger doofe Trottel, die vor allem deshalb im Bild herumhängen, um die Genialität des Kommissars zu bestätigen.
Nun, in der kanadischen Krimiserie „Flashpoint“ gibt es keine Gerichtsmediziner. Denn in der TV-Serie wird von der Arbeit des dortigen SEKs, der Stratetic Response Unit (SRU) erzählt, die in Toronto bei Geiselnahmen, Amokläufen und sonstigen unklaren, aber gefährlichen Situationen eingreifen müssen. Dabei versuchen sie, die Situation friedlich zu lösen und sie wollen herausfinden, warum der Täter seine Tat begeht. Immerhin haben sie dann die Möglichkeit, ihn zur Aufgabe zu bewegen.
Geleitet wird die Einheit von Sergeant Greg Parker (Enrico Colantoni) und Ed Lane (Hugh Dillon). In dem Team sind Mike Scarlatti (Sergio Di Zio), Kevin ‚Wordy‘ Wordsworth, der die Einheit aufgrund gesundheitlicher Probleme verlässt (Michael Cram), Jules Callaghan (Amy Jo Johnson), Sam Braddock (David Paetkau) und, ab „Ein Tag im Leben“, der Neuzugang Raf Rousseau (Clé Bennett). Und weil die Einheit am besten als Team funktioniert, in dem jeder seine Stärken hat, haben wir in den ersten Folgen auch wenig privates über sie erfahren. Das ändert sich in der vierten und fünften Staffel der Serie, die die Folgen 32 bis 53 enthalten und jetzt auf DVD vorliegen. Ob das an dem Erfolg der kanadischen Serie im US-TV liegt, der immerhin zu einer Partnerschaft mit dem US-Sender CBS führte, oder einfach an der zunehmenden Zahl von Folgen liegt, weiß ich nicht. Jedenfalls erfahren wir jetzt mehr Details aus dem Privatleben der SRU-Mitglieder, sie sind öfter (aber noch nicht in einem störendem Maß) auch persönlich in die Fälle involviert und gegen Ende gibt es oft noch die überraschende Wendung, die wir aus den US-Krimis kennen (also, wenn nach etwa dreißig Minuten die CSIler feststellen, dass der Täter doch nicht der Täter ist, alle Beweise wieder angesehen werden und dann der richtige Täter, den vorher niemand verdächtigte, überführt wird) und die hier oft etwas überflüssig wirkt. Immerhin haben die ersten drei „Flashpoint“-Staffeln gerade wegen des betont unspektakulären Erzählgestusses gefallen.
Aber das ist nur ein kleiner Einwand, gegen eine weiterhin vorzügliche Serie.
Die Staffeln…
Zum Abschluss noch ein Wort zur Staffelnummerierung: „Flashpoint“ lief zuerst erfolgreich im kanadischen TV, danach in den USA. Ebenfalls erfolgreich. Dort wurden die Folgen zwar auch chronologisch gezeigt, aber die Staffeln hatten eine andere Länge. Koch Media folgt bei der deutschen Veröffentlichung der kanadischen Staffeleinteilung, vergibt aber für jede DVD-Box eine eigene Nummer. Danach sieht die Einteilung so aus:
Deutsche Staffel 1 entspricht der ersten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 1 bis 13.
Deutsche Staffel 2 entspricht der ersten Hälfte der zweiten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 14 bis 22.
Deutsche Staffel 3 entspricht der zweiten Hälfte der zweiten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 23 bis 31.
Deutsche Staffel 4 entspricht der dritten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 32 bis 44.
Deutsche Staffel 5 entspricht der ersten Hälfte der vierten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 45 bis 54, aber ohne Folge 52 (Grounded).
Die für den 22. März 2013 angekündigte sechste „Flashpoint“-Staffel enthält dann, dieser Logik folgend, die zweite Hälfte der vierten Staffel.
Und in der irgendwann erscheinenden siebten Staffel wären dann die dreizehn Folgen der finalen Staffel enthalten. Die 75. und letzte Episode wurde am 13. Dezember 2012 ausgestrahlt.
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Flashpoint – Das Spezialkommando (Kanada, 2010/2011)
Erfinder: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern
mit Hugh Dillon (Ed Lane), Enrico Colantoni (Sgt. Gregory Parker), Amy Jo Johnson (Julianna ‘Jules’ Callaghan), David Paetkau (Sam Braddock), Sergio Di Zio (Mike Scarlatti), Michael Cram (Kevin ‘Wordy’ Wordsworth), Mark Taylor (Lewis Young), Olunike Adeliyi (Leah Kerns) Clé Bennett (Rafik „Raf“ Rousseau)
Departed – Unter Feinden (USA 2006, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: William Monahan
Cop Billy Costigan ist Undercover-Agent in der Organisation des Mafiapaten Frank Costello. Gangster Colin Sullivan ist bei der Polizei der Top-Maulwurf für Costello. Beide steigen in den feindlichen Organisationen stetig auf. Da erhalten Costigan und Sullivan von ihrem Boss den Auftrag, den Verräter in den eigenen Reihen zu finden.
„Departed – Unter Feinden“ ist, wie Genre-Junkies wissen, das grandiose US-Remake des ebenso grandiosen Hongkong-Thrillers „Infernal Affairs“ (von Andrew Lau und Alan Mak). Monahan verlegte die Geschichte nach Boston, orientierte sich bei dem Mafiapaten an dem legendären Whitey Bulger und zeichnete ein Porträt der amerikanischen Gesellschaft. Die schwächsten Szenen des Remakes sind die weinigen, direkten Übernahmen von Szenen aus dem Original.
Beide Filme sind stilistisch überzeugende Werke über Freundschaft, Loyalität und Verrat.
Monahans Drehbuch erhielt einen Edgar, einen Oscar, den Preis der Writers Guild of America und war für den Golden Globe nominiert (um nur einige zu nennen). Der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch den Oscar für den besten Film des Jahres
Die nächste Zusammenarbeit von Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio war die allseits abgefeierte Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ (mir gefiel das Buch besser).
Und William Monahans lieferte danach sein gelungenes Regiedebüt, die Ken-Bruen-Verfilmung “London Boulevard” (mit Colin Farrell, David Thewlis, Ray Winstone, Eddie Marsan und, umpf, Keira Knightley) ab.
Mit Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Jack Nicholson, Mark Wahlberg, Martin Sheen, Ray Winstone, Vera Farmiga, Alex Baldwin
75-minütige Doku über das Fracking, die Förderung von Schiefergas mit gepressten Chemikalien und ihren Folgen für die Umwelt in Pennsylvania und Zurawlow, wo sich die polnischen Anwohner dagegen wehrten.
Krimiautor David Rousseau (Jean-Paul Rouve) fährt nach Mouthe, dem kältesten Ort in Frankreich, um eine Erbschaft zu erhalten. Die entpuppt sich als ausgestopfter Hund („weil er ihn immer so liebte“), die schnell im nächsten Mülleimer landet. Doch noch bevor er sich auf den Heimweg machen kann, hört er von einer Toten, die mitten im Niemandsland zwischen Frankreich und der Schweiz gefunden wurde und die uns schon in den ersten Filmminuten von ihrem Tod erzählte.
Rousseau sieht in ihrem Tod, den die Polizei sofort als Suizid deklariert, den Nukleus für seinen nächsten Roman und er beginnt in der Provinz über das Leben der Lokalschönheit Candice Lecoeur, geborene Martine Langevin (Sophie Quinton), zu recherchieren. Dabei bemerkt er schnell die vielen Parallelen zwischen Lecoeurs Leben und dem von Marilyn Monroe, geborene Norma Jeane Mortenson. Nicht nur, dass die beiden Frauen sich ähnlich sahen, sie starben auch im gleichen Alter unter mysteriösen Umständen. Aber während Marilyn Monroe mit dem Baseball-Spieler Joe DiMaggio und dem Dramatiker Arthur Miller verheiratet war und sogar eine Affäre mit John F. und Robert Kennedy hatte, reichte es bei der Lokalberühmheit, die auch das Gesicht für die Werbung einer Käserei ist, nur für entsprechende Affären auf provinzieller Ebene.
Gerade in dieser lässigen Verbindung zwischen den beiden Leben liegt der Reiz von „Poupoupidou“, so der verspielte Originaltitel. Denn Regisseur und Autor Gérald Hustache-Mathieu erzählt einen typisch französischen Krimi, der mit leicht seltsamen Charakteren und einer herrlich abstrus-glaubwürdigen Geschichte kurzweilig unterhält.
„Who killed Marilyn?“ ist so gut, dass es schon ein kleines Rätsel ist, warum Hollywood sich noch nicht die Remakerechte gesichert hat.
Who killed Marilyn? (Poupoupidou, Frankreich, 2011)
Die Abenteurer (Frankreich 1967, R.: Robert Enrico)
Drehbuch: Robert Enrico, José Giovanni, Pierre Pelegri
LV: José Giovanni: Les Aventuriers, 1960
Roland (Lino Ventura) und Manu (Alain Delon) wollen zusammen mit ihrer Freundin Laetitia (Joanna Shimkus) vor der afrikanischen Küste einen Goldschatz heben. Aber sie sind nicht die einzigen Glücksjäger.
Die Besetzung macht neugierig. Wann gab es zuletzt einen Film mit einer solchen Stardichte? Kate Winslet, Hugh Jackman, Uma Thurman, Gerard Butler, Halle Berry, Richard Gere, Emma Stone, Johnny Knoxville, Chloe Moretz, Liev Schreiber, Elizabeth Banks, Kristen Bell, Chris Pratt, Terence Howard sind dabei. Und viele andere.
Allerdings ist „Movie 43“ nicht von einem Regisseur, sondern von 12 Regisseuren inszeniert und solche Episodenfilme sind immer ein gemischtes Vergnügen. Es gibt immer wieder brillante Episoden, aber meistens sind die Kurzfilme nicht weiter interessant und in den Filmographien der Regisseure erhalten sie oft noch nicht einmal den Status eines Nebenwerkes. Die meisten Episodenfilme sind auch schneller vergessen, als sie den Kinosaal verlassen.
Und wenn man weiß, dass der, hm, kreative Kopf hinter „Movie 43“ Peter Farelly ist, der auch mehrere Episoden drehte, dann kann man sich schon denken, in welche Richtung es geht. Immerhin inszenierte Farelly „Dumm und Dümmer“, „Verrückt nach Mary“, „Schwer verliebt“ und zuletzt „Die Stooges – Drei Vollpfosten drehen ab“.
Als Rahmenhandlung dachte Farelly sich die Geschichte von drei Jungs aus, die im Internet nach dem gefährlichen, entsprechend geheimen und schwer auffindbarem Film „Movie 43“ suchen (In der US-Fassung ist diese Rahmenhandlung durch den Pitch eines durchgeknallten Drehbuchautors in einem Hollywoodstudio ersetzt worden). Dabei entdecken die drei vor- und pubertierenden Jungs verschiedene Kurzfilme, die lose aneinandergereiht werden. Einige der Sketche sind gelungener, aber oft ist die Pointe schwach und der Humor zielt zuverlässig unter die Gürtellinie. Letztendlich reiht sich eine Zote an die nächste, man lacht durchaus manchmal über die absurden Einfälle, langweilt sich aber die meiste Zeit. Vor allem weil die guten „Gags“ am Anfang sind: wenn Kate Winslet Hugh Jackman zum Abendessen trifft und feststellen muss, dass er seinen Hodensack unter dem Kinn hat (das ist so absurd, dass es schon wieder witzig ist. Obwohl Loriot nur eine Nudel für eine ähnlich peinliche Situation benötigte) oder wenn Liev Schreiber und Naomi Watts stolz ihren neuen Vorstadtnachbarn erzählen, dass sie ihren Sohn zu Hause erziehen und ihm selbstverständlich keine der Peinlichkeiten des Teenagerlebens ersparen. Beide Sketche haben nach dem gelungenen Set-Up allerdings keine oder nur eine sehr schwache Pointe.
Die weiteren Zoten plätschern dann, abgesehen von der Besetzung, auf dem bekannten witzlosen TV-Comedy-Niveau, das wir aus dem deutschen Privat-TV kennen, vor sich hin.
Movie 43 (Movie 43, USA 2013)
Regie: Steven Brill, Peter Farrelly, Will Graham, Steve Carr, Griffin Dunne, James Duffy, Jonathan Van Tulleken, Elizabeth Banks, Patrik Forsberg, Brett Ratner, Rusty Cundieff, James Gunn
Drehbuch: Will Carlough, Tobias Carlson, Jacob Fleisher, Patrick Forsberg, Will Graham, James Gunn, Claes Kjellström, Jack Kukoda, Bill O’Malley, Matthew Portenoy, Greg Pritikin, Rocky Russo, Olle Sarri, Elizabeth Shapiro, Jeremy Sosenko, Jonathan Van Tulleken, Jonas Wittenmark
Darsteller (ungefähr in der Reihe ihres Auftretens): Kate Winslet, Hugh Jackman, Liev Schreiber, Naomi Watts, Jeremy Allen White, Chris Pratt, Anna Faris, J. B. Smoove, Emma Stone, Kieran Culkin, Jason Sudeikis, Justin Long, Leslie Bibb, Uma Thurman, Kristen Bell, Bobby Cannavale, John Hodgman, Halle Berry, Stephen Merchant, Nicole Polizzi, Gerard Butler, Johnny Knoxville, Seann William Scott, Richard Gere, Kate Bosworth, Jack McBrayer, Aasif Mandvi, Chloe Grace Moretz, Christopher Mintz-Plasse, Patrick Warburton, Jimmy Bennett, Elizabeth Banks, Josh Duhamel, Terrence Howard