Profigangster Trojan, gerade aus dem Knast entlassen, plant gleich seinen nächsten Coup: einen Überfall auf einen Geldtransporter.
Ein guter Hardboiled-Gangsterfilm, der eindeutig vom französischen Kriminalfilm (Melville!) und den harten amerikanischen Krimis beeinflusst ist. So ist der Einfluss von Richard Starks Parker und seinen Epigonen Nolan (von Max Allan Collins) und Wyatt (von Garry Disher) unübersehbar.
Ein erfrischend undeutscher Kriminalfilm, den sich auch Genrejunkies ohne Fremdschäm-Anfälle ansehen können.
mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, Hanns Zischler, Peter Kurth, David Scheller
Der Plot von „Paperboy“ klingt gut und hat sich schon in zahlreichen Büchern und Filmen bewährt: ein Fremder kommt in die Stadt und räumt auf. In Pete Dexters Roman kommen zwei Reporter in den sechziger Jahren in eine US-Kleinstadt, um den Mörder des Sheriffs zu finden. Denn sie glauben nicht, dass der zum Tode verurteilte Hillary Van Wetter der Mörder ist.
Auch die ersten Zeilen von Peter Dexters „Paperboy“ sind gut. In ihnen führt er pointiert seine Charaktere und die Konflikte ein. Thurmond Call, der ermordete Sheriff von Moat County, einem Flecken Land in den Sümpfen von Florida, war ein Mann, „der in Ausübung seines Amtes eine selbst für die Verhältnisse von Moat County unangemessen hohe Anzahl von Schwarzen umgebracht hatte“. Nachdem er einen Weißen zu Tode trampelte, wird er bestialisch ermordet und Hillary Van Wetter, ein Verwandter des Toten, einer seit Ewigkeiten in den Sümpfen lebenden Hinterwäldlersippe, wird zum Tode verurteilt.
Während er im Gefängnis sitzt, verliebt sich Charlotte Bless in ihn und will ihn freibekommen. Zwei Reporter der Miami Times, Ward James und Yardley Acheman, sollen mit ihrer Hilfe eine Reportage über ihn schreiben, die den damaligen Fall wieder aufrollt. Ward ist der eine Sohn des Herausgebers der örtlichen Tageszeitung. Jack ist sein zweiter Sohn und der Erzähler von „Paperboy“. Der Junge verdient, nachdem er kurz nach Studienbeginn wegen Vandalismus von der University of Florida exmatrikuliert wurde, sein Geld als Zeitungsausfahrer und dann als Fahrer von seinem Bruder und Yardley. Außerdem verliebt er sich in die Mittvierzigerin Charlotte, der Inbegriff eines „Heißen Fegers“, einer Frau, die Männer reihenweise den Kopf verdreht und immer den falschen Mann auswählt.
Sie beginnen den Fall aufzurollen und stoßen schnell auf einige Ungereimtheiten. Van Wetter scheint unschuldig im Gefängnis zu sitzen.
Aber der Krimiplot und das Aufdecken der kleinstädtischen Bigotterie steht nicht wirklich im Mittelpunkt von Pete Dexters mit dem Literary Award des PEN Center USA ausgezeichneten Romans.
Stattdessen geht es auch um das sexuelle Erwachen von Jack, der sich in Charlotte verliebt, die Beziehung zwischen den beiden Brüdern und zu ihrem Vater William Ward James und verschiedene kleinere Erlebnisse von Jack, die die Haupthandlung nicht voranbringen. Jedenfalls wenn man die Recherchen von Ward und Yardley als die Haupthandlung betrachtet und nicht das Leben von Ward (immerhin beginnt Dexter seinen Roman mit dem Satz „Mein Bruder Ward war einmal berühmt.“) oder die Entwicklungsgeschichte des Ich-Erzählers oder die Geschichte der Familie James. Sowieso ist der Ich-Erzähler eher ein passiver Beobachter der Recherchen als ein aktiver Teil. Wichtige Erkenntnisse erfährt er, und damit auch wir, sogar nur vom Hörensagen.
Und nach zwei Dritteln ist der Krimiplot ziemlich abgehandelt. Denn nachdem auf Seite 205 die beiden Journalisten ihre Recherche-Ergebnisse veröffentlichen, kommt Van Wetter frei – und anstatt jetzt im letzten Drittel des Romans den Krimiplot, den Dexter auch auf den vorherigen Seiten eher mitschleppte als energisch zu entwickeln, weiter voranzutreiben, lässt er ihn links liegen und erzählt zunehmend langatmig vor sich hin plätschernd von dem weiteren Leben der Hauptcharaktere. Dabei wird die Geschichte von Wards Berühmtheit durch den Artikel über Van Wetter, für den er sogar den Pulitzer-Preis erhielt, zunehmend beliebiger und langweiliger. Denn plötzlich geht es nur noch über gefühlt tausende von Seiten um die Befindlichkeiten von Jack, Ward und Yardley, aber es ist auch vollkommen unklar, welches Ende Pete Dexter ansteuert; also was er erzählen will.
Auch die Verfilmung von „Paperboy“ ist eine überraschend große Enttäuschung. Pete Dexter schrieb eine frühere Fassung des Drehbuchs. Regisseur Lee Daniels („Precious“) überarbeitete sie, so erzählt er im Bonusmaterial der DVD, und wahrscheinlich stammt die starke Betonung der Rassenkonflikte, die so im Buch nicht vorhanden ist, von ihm. Obwohl dieses Thema auch in Dexters Werk wichtig ist und dem Film eine durchaus interessante Dimension beifügt.
Indem sich stärker auf den Krimiplot konzentriert wird, unterscheidet die Filmgeschichte, die von der afroamerikanischen Haushälterin der Jansens erzählt wird, sich – zu ihrem Vorteil – kräftig vom Roman. Ebenso wird Jacks Verliebtheit in Charlotte Bless und sein damit verbundenes Coming-of-Age-Drama klarer herausgearbeitet. Es geht auch deutlicher um die damaligen Umbrüche, vulgo Rassenkonflikte, Alltagsrassismus, Homosexualität und Homophobie.
Die Besetzung, unter anderem Matthew McConaughey, Nicole Kidman, John Cusack, Scott Glenn und Ned Bellamy, ist hochkarätig und spielfreudig. Die unbekannteren Schauspieler Zac Efron und David Oyelowo, die als Jack Warden und Yardley Acheman wichtige Rollen spielen, sind ebenfalls gut. Aber sie alle werden von Nicole Kidman als Charlotte Bless und John Cusack als Hillary Van Wetter in den Schatten gestellt. Beide sind konträr zu ihrem Typ besetzt und sie werfen sich lustvoll in ihre Rollen. Sie spielen unsympathische Charaktere, die auch unsympathisch bleiben. So ist Hillary Van Wetter ein Arschloch vor dem Herrn, das sich in seiner Rolle gefällt und überhaupt nicht sympathisch sein will. Er ist einfach nur ein notgeiler, dummer, bauernschlauer Hinterwädler und ziemlich böse.
Die Locations, vor allem die Bilder aus den Sümpfen, gefallen und verleihen dem Film eine fiebrige Atmosphäre.
Aber all die Teile bleiben Splitter, die sich nie zu einem kohärentem Ganzen zusammenfügen. „Pete Dexters The Paperboy“ wird somit schnell zu einem zähen Drama irgendwo zwischen Coming-of-Age-Drama und Film Noir, das sich nie wirklich entscheiden kann, wessen Geschichte erzählt wird, weil Lee Daniels irgendwie alles erzählen will.
Letztendlich ist die Verfilmung – wie das Buch – eine große Enttäuschung. Nicht weil sie so schlecht ist, sondern weil sie so viel besser hätte sein können. Aber als Camp funktioniert der hysterisch-schwüle „The Paperboy“, mit etlichen abgedrehten Szenen (meistens mit Kidman und Cusack) prächtig.
Pete Dexter: Paperboy
(übersetzt von Bernhard Robben)
Liebeskind, 2013
320 Seiten
19,80 Euro
–
Originalausgabe
The Paperboy
Random House, 1995
–
Verfilmung
Pete Dexters The Paperboy (The Paperboy, USA 2012)
Regie: Lee Daniels
Drehbuch: Pete Dexter, Lee Daniels
mit Zac Efron, Matthew McConaughey, Nicole Kidman, John Cusack, Macy Gray, David Oyelowo, Scott Glenn, Ned Bellamy
–
DVD
Studiocanal
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making Of, Hinter den Kulissen, Interviews mit Cast und Crew, Trailer, Wendecover
Nachdem sie ihren Job verliert, beginnt der unaufhaltsame Abstieg der Mittdreißigerin Sue. „Dennoch ist der Film nicht deprimierend, der ganz von der großartigen Anna Thomson bestimmt wird, die erwachsene Sexualität, gepaart mit Verletzlichkeit, spontaner Wärme und Mutterwitz (…), als faszinierende Charakterstudie einer Manhattanite präsentiert.“ (Fischer Film Almanach 1999)
Damals, im Kino, sah ich es genauso.
Auf der Berlinale erhielt „Sue“ den FIPRESCI Preis und den Preis der ökumenischen Jury.
Die einzige Spielfilmmusik von Jazzmusiker Chico Freeman.
mit Anna Thomson, Matthew Powers, Tahnee Welch, Tracee Ellis Ross
Sie haben noch nie etwas von David Schmoellers „Crawlspace – Killerhaus“ gehört? Dabei hat der Horrorfilm als einer der letzten Filmauftritte von Klaus Kinski (1926 – 1991) durchaus eine gewisse Bedeutung für seine Fans. Immerhin spielte er laut IMDB in 135 Filmen mit und wir kennen ihn alle als irren Killer aus den Edgar-Wallace-Filmen. Nach „Crawlspace“ spielte Kinski noch in fünf Filmen mit, unter anderem Werner Herzogs „Cobra Verde“.
Und diese Stellung als einer seiner letzten Filme ist dann auch das einzig bemerkenswerte an diesem billig in Italien gedrehtem Horrorfilm. Kinski spielt Dr. Karl Gunther, der die Zimmer in seinem großen, leicht altertümlichem Apartmenthaus nur an schöne, junge Frauen vermietet. Mit dem Hintergedanken, sie durch die Lüftungsschächte zu beobachten.
Außerdem hat er auf dem Dachboden ein Labor eingerichtet. Dort experimentiert er im Geiste seines Vaters, eines Nazi-Arztes, fröhlich vor sich hin an Tieren und hält in einem kleinen Käfig einen abgehungerten Menschen gefangen. Ebenfalls irgendwie zu Studienzwecken. Zur Entspannung sieht er sich Filme aus der guten alten Nazi-Zeit an.
Außerdem spielt er Russisch Roulette und bringt in unregelmäßigen Abständen die Mieterinnen um. Vor allem, wenn sie auf dem Dachboden herumschnüffeln.
Das könnte ewig so weitergehen, wenn nicht die Studentin Lori (Talia Balsam) sich unerwartet heftig gegen ihn wehren würde – und wir uns einige ungewöhnliche Mordmethoden und fotogen dekorierte Leichen ansehen könnten. Denn Dr. Gunther will anscheinend dieses Mal alle seine Wohnungen auf einen Schlag neu vermieten.
„Crawlspace“ ist ein ziemlich lahmer Budenzauber ohne eine richtige Geschichte, einigen spekulativen Szenen und Klaus Kinski, der dieses Mal ziemlich introvertiert (man könnte auch sagen gelangweilt über den logikfreien Mist) vor sich hinspielt.
Wesentlich ausdruckstärker ist er im Bonusmaterial. Denn das 45-minütige „Making of“ ist der fast ungekürzte Mitschnitt eines Interviews, das Klaus Kinski während der Dreharbeiten Jay Miracle gab, der es mit einer vor Kinskis Augen verborgenen Kamera filmen musste, während der Star über das Drehgelände marschiert und einen einzigen langen, wild vor sich hin assoziierten Monolog auf Gott, die Welt und die eigene Genialität loslässt. Für Kinski-Fans ist das pures Gold.
Dann gibt es noch den selbstironischen Kurzfilm „Please Kill Mister Kinski“ von David Schmoeller, in dem er über die Dreharbeiten und seine Gefühle gegenüber Klaus Kinski, der seinem Ruf, schwierig zu sein, alle Ehre machte, erzählt. Die Bildqualität ist, wie bei dem Kinski-Interview, lausig. Die Tonqualität besser.
Dieses obskure Objekt der Begierde (Frankreich/Spanien, R.: Luis Buñuel)
Drehbuch: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière
LV: Pierre Louÿs: La femme et le pantin, 1898 (Das Weib und der Hampelmann; Dieses obskure Objekt der Begierde)
Luis Buñuels letzter Spielfilm: Ein vermögender, verwitweter, älterer Geschäftsmann verliebt sich in sein 18-jähriges Hausmädchen. Dummerweise weist sie seine plumpen Annäherungsversuche standhaft zurück.
Das Objekt der Begierde wird von Carole Bouquet (die kühle Intellektuelle) und Ángela Molina (die sinnliche Verführerin) gespielt. Durch die Aufspaltung der Rolle auf zwei Schauspielerinnen konnte Luis Buñuel auch optisch ihre verschiedenen Charakterzüge zeigen.
Ein würdiger letzter Film
mit Fernando Rey, Carole Bouquet, Ángela Molina, Julien Bertheau, André Weber
Der Sohn des britischen Geheimagenten Tarrant wird entführt. Tarrants Vorgesetzten scheinen kein Interesse an einer Befreiung zu haben. Also kämpft Tarrant allein um das Leben seines Sohnes.
Ein Spätwerk von Don Siegel: ein harter, eiskalter Agententhriller, der seine Story konzentriert und ohne Mätzchen geradlinig erzählt.
„‘The black Windmill’ ist kein bedeutendes Werk in Siegel Karriere, aber etwas, das es heute kaum noch gibt: ein mit Konzentration und Originalität erzählter Genrefilm.“ (Marcus Stiglegger in Frank Arnold/Michael Esser, Hrsg.: Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme, 2003)
Mit Michael Caine, Donald Pleasence, John Vernon, Delphine Seyrig
JAMES BOND: Liebesgrüße aus Moskau (GB 1963, R.: Terence Young)
Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood
LV: Ian Fleming: From Russia with love, 1957 (Liebesgrüße aus Moskau)
James Bond soll ein Dechiffriergerät und eine in ihn verliebte Sekretärin aus der Sowjetunion schmuggeln. Aber er hat seine Rechnung ohne die bösen Russen gemacht.
Zweiter Auftritt von James Bond in einer harten, ziemlich realistischen Agenten-Story (im Verhältnis zu seinen späteren Auftritten).
mit Sean Connery, Lotte Lenya (Frau von Kurt Weill und hochgelobte Brecht-Interpretin), Robert Shaw (ein Autor und Shakespeare-Darsteller, der später den Weißen Hai jagen durfte), Daniela Bianchi (die, nun ja, auf Neudeutsch das Love-Interest von Bond war), Pedro Armendariz, Bernhard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn
Die Geschichte von Wikileaks und Julian Assange kennen wir doch. Immerhin haben in den vergangenen Jahren genug Medien darüber berichtet und viele Menschen haben ihre Meinung über das Veröffentlichen von Staatsgeheimnissen geäußert.
Bradley Manning ist dagegen vergessen worden. Der Gefreite gab Wikileaks hunderttausende Geheimdokumente, unter anderem auch das bekannte 17-minütige Video „Collateral Murder“ über einen Militäreinsatz 2007 in Bagdad, bei dem auch zwei Reuters-Journalisten erschossen wurden. Er wurde Ende Mai 2010 verhaftet, verbrachte die folgenden Jahre teilweise in Isolationshaft und als Alex Gibney seine Dokumentation „We steal Secrets: Die Wikileaks-Geschichte“ im März 2013 beendete, wartete Manning immer noch auf seinen Prozess. Der begann am 3. Juni 2013 vor einem Kriegsgericht, aber die deutsche Presse berichtete kaum darüber.
Dass Gibney in seiner Dokumentation nicht nur dem vergessenen Whistleblower viel Zeit widmet, ist nicht die einzige Überraschung. Die andere ist, – falls man noch keinen Film von Gibney, wie die Oscar-nominierte Doku „Enron: The smartest Guys in the Room“ (2005) und die Oscar-prämierte Doku „Taxi zur Hölle“ (Taxi to the Dark Side, USA 2007), gesehen hat -, wie viele neue oder wenig bekannte Informationen er zusammengetragen hat, wen er alles interviewen konnte (Julian Assange verlangte für ein Interview eine Unsumme und Einfluss auf den Schnitt. Gibney lehnte dankend ab.) und wie er die Informationen strukturiert. Weitgehend folgt er dabei der Chronologie vom rasanten Aufstieg von Wikileaks, dem großen Erfolg mit der Veröffentlichung von US-Geheimdokumenten, der Diskussion über Transparenz und Staatsgeheimnisse und, nachdem die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Julian Assange bekannt wurden, dem Abstieg der Plattform. Gleichzeitig erzählt er die Geschichte von Bradley Manning, der die Informationen für den großen medialen Erfolg von Wikileaks beschaffte und als Landesverräter wahrscheinlich einer langen Haftstrafe entgegenblickt. Es ist die Geschichte von zwei gegensätzlichen Charaktere und einer Idee.
Der Anfang der mit über zwei Stunden etwas lang geratenen Dokumentation liefert interessante Einblicke in das Leben und die Psyche von Julian Assange, dem paranoid-egomanischen Kopf von Wikileaks, und die Arbeitsweise und den Ethos von Wikileaks. In der Mitte erfahren wir viel über Bradley Manning, den jungen, homosexuellen Geheimdienst-Analytiker, der sein Geschlecht wechseln wollte und in der Militärbasis bei Bagdad ein mit sich selbst hadernder Außenseiter war, der nur im Internet einen Gesprächspartner fand, der ihn später an die Regierung verriet.
Am Ende beleuchtet Gibney dann die Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange und hier wird die Dokumentation zu einem länglichen er-sagte/sie-sagte, dem eben der dramaturgische Fokus, den der Film vorher hatte, fehlt. Denn dass Julian Assange die Vorwürfe als von den USA lancierte Sexfalle umstandslos in sein paranoides Weltbild einfügte und weltweit seine Anhänger für seine Interessen mobilisierte, wird schnell deutlich. Ebenso, dass Assange die Situation einfach hätte entschärfen können.
Er tat es nicht und sitzt seit Juni 2012 als Flüchtling in London in der Botschaft von Ecuador.
Das Gerichtsverfahren gegen Bradley Manning, den Whistleblower, dem eine lebenslange Gefängnisstrafe droht, läuft derzeit quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Die von Alex Gibney in seinem informativen und sehenswerten Film angesprochenen Fragen, wie Regierungen mit dem Verrat von Staatsgeheimnissen umgehen, wie viel Transparenz nötig ist und welchen Wert die Bürgerrechte künftig haben werden, werden uns noch weiter beschäftigen. Im Moment anhand der von Edward Snowden veröffentlichten Dokumente über die Überwachung des Internets durch amerikanische und britische Geheimdienste, von der die Bundesregierung nicht gewusst haben will.
We steal Secrets: Die Wikileaks-Geschichte (We steal Secrets: The Story of Wikileaks, USA 2013)
Regie: Alex Gibney
Drehbuch: Alex Gibney
mit Julian Assange, Adrian Lamo, Bradley Manning, James Ball, Michael Hayden, Timothy Douglas Webster, Smári McCarthy, Daniel Domscheit-Berg, Jihrleah Showman, Nick Davies, Mark Davis, James Ball
Brad Anderson, der vor allem als Regisseur für TV-Serien wie „Fringe“, „The Killing“ (die US-Version von „Kommissarin Lund“), „Boardwalk Empire“, „Treme“, „The Wire“, „Person of Interest“ und „The Shield“ sein Geld verdient, hat auch einige beachtliche Kinofilme inszeniert, wie „Transsiberian“ (Edgar-nominiert), „Der Maschinist“ und „Session 9“ (Regiepreis in Sitges), die als astreine Thriller immer auch einen Tick besser als der Rest waren. Auch sein neuester Film „The Call – Leg nicht auf!“ ist ein Thriller, der die Genrekonventionen bedient und mit einigen gelungenen Überraschungen spannend unterhält. Früher nannte man so etwas B-Picture. Denn Genrejunkies können sich schon nach der Entführung der Schülerin Casey (Abigail Breslin) tagsüber in einem Parkhaus ausrechnen, wie die Geschichte in groben Zügen weiter- und ausgeht. Aber das hat uns bei einem Western auch nie gestört.
Casey gelingt es mit dem Prepaid-Telefon ihrer Freundin, das sich aufgrund der fehlenden GPS-Funktion nicht genau orten lässt, aus dem Kofferraum des Entführerautos den Notruf zu wählen. In der Notrufzentrale übernimmt Jordan Turner (Halle Berry) den Anruf. Sie versucht die panische Casey zu beruhigen, versucht herauszufinden, in was für einem Auto Casey liegt, zeigt ihr Möglichkeiten auf, wie sie auf sich aufmerksam machen kann, indem sie das Rücklicht zerstört, winkt und Farbe auf die Straße kippt, und koordiniert anhand von Caseys spartanischen Hinweisen auf die Beschaffenheit der Straße, Gebäude und Bäume die Polizei, die auf den Straßen von Los Angeles das Auto sucht.
Anderson zieht aus dieser Situation eine beträchtliche Spannung. Auch weil Caseys Entführer Casey, wie Jordan herausfindet, ein Serienmörder ist und damit Caseys Überlebensaussichten gegen Null tendieren. Dass dann Caseys Flucht- und die Rettungsversuche der Polizei und von anderen Personen alle schief gehen, gehört zu den Genrekonventionen. Ebenso dass am Ende Jordan dem Entführer gegenübersteht in einer Konfrontation, die eher in einen Horrorfilm (mit der Deko aus einem Torture-Porn-Film) als in einen Thriller gehört. Erfreulich und auch bemerkenswert für einen US-Thriller ist dabei, auch wenn der Bösewicht während Caseys Entführung mehrere Menschen ermordet, der Verzicht auf Schusswaffen. Er nimmt einfach das, was gerade zur Hand ist. Ärgerlich, weil überflüssig und auch nicht aus dem Charakter von Casey und Jordan erklärbar, ist die allerletzte Wendung in der letzten Minute des Films die nur auf einen billigen Überraschungseffekt zielt.
Davon abgesehen ist „The Call“ ein guter, sich in den Genrekonventionen bewegender, hochenergetisch erzählter Thriller mit einer starken Heldin.
The Call – Leg nicht auf! (The Call, USA 2013)
Regie: Brad Anderson
Drehbuch: Richard D’Ovidio (nach einer Geschichte von Richard D’Ovidio, Nicole D’Ovidio und Jon Bokenkamp)
mit Halle Berry, Abigail Breslin, Michael Eklund, Morris Chestnut, David Otunga, Michael Imperioli
Leonard Kastles einziger Spielfilm. Dabei wurde beim Kinostart der auf dem „Lonely Hearts Killers“-Fall basierende Film des Opernkomponisten und Musikprofessors von der Kritik gelobt. Regisseur Francois Truffaut nannte ihn seinen liebsten US-Film. Inzwischen ist die schwarze Satire auf den American Way of Life ein Kultfilm, der nichts von seiner subversiven Kraft verloren hat. Das liegt auch an dem Liebespaar, das im Mittelpunkt des Films steht: die dicke, eifersüchtige Krankenschwester Martha Beck (Shirley Stoler, Filmdebüt) verliebt sich in den Gigolo und Heiratsschwindler Ray Fernandez (Tony Lo Bianco) – und er in sie. Gemeinsam suchen sie per Anzeige reiche, alleinstehende Frauen und ermorden sie.
1949 wurden sie zum Tode verurteilt und 1951 wurde die Todesstrafe vollzogen.
mit Shirley Stoler, Tony Lo Bianco, Mary Jane Higby, Doris Roberts, Kip McArdle, Marilyn Chris, Dortha Duckworth
Zwischen all den lauten und extrem teuren Sommerblockbustern ist „Die Unfassbaren – Now you see me“ von Louis Leterrier eine willkommene Abwechslung, die in den USA auch überraschend erfolgreich war. Das lag sicher zu einem guten Teil an der Besetzung. Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Isla Fisher und Dave Franco spielen das Zauberer-Quartett „The Four Horsemen“, die mit ihren Tricks in ihren pompösen Shows die Massen verzücken. Dabei waren sie vor einem Jahr noch vier Individualisten, die sich mehr schlecht als recht mit ihren Shows, billigen Tricks und Taschendiebstählen durchschlugen, bis sie eine geheimnisvolle Einladung erhielten und von einem bis zum Schluss im Dunklen bleibendem Mastermind eingeladen wurden, gemeinsam bei einer großen Sache mitzumachen.
Ihr erster gemeinsamer Auftritt im Film ist in Las Vegas im MGM Grand vor 5000 Zuschauern. Sie wählen zufällig einen Mann aus, der Bankdirektor in Paris ist, und rauben mit seiner Hilfe in Paris die Bank aus, während sie in Las Vegas auf der Bühne stehen und die Beute vom Bankraub in den Saal regnen lassen.
Dieser unmögliche Bankraub, der aber dennoch stattgefunden hat, ist nur der Auftakt für weitere Zaubershows in New Orleans und New York. Finanziert werden sie dabei einem Milliardär (Michael Caine), der sich ein großes Geschäft mit den „Four Horsemen“ verspricht. Verfolgt werden sie von einem FBI-Agenten (Mark Ruffalo), einer französischen Polizisten (Mélanie Laurent) und einem Ex-Zauberer, der die Tricks von Zauberer enthüllt (Morgan Freeman).
Allein schon diese Besetzung, und dann noch in einer niveauvollen Heist-Komödie, ist die halbe Miete.
Die andere Hälfte ist das Drehbuch von Ed Solomon, Boaz Yakin und Edward Ricourt, das kunstvoll die falschen Fährten auslegt und dabei, wie eine Zaubershow, die Zuschauer immer wieder von der richtigen Fährte ablenkt, aber auch immer wieder Tricks enthüllt und so auch immer wieder Hinweise auf die weitere Handlung, den Hintermann und die Ablenkungen, die von etwas anderem ablenken sollen, gibt. Das ist ziemlich clever gemacht, aber wenn man das Prinzip der Tricks und Ablenkungen durchschaut hat, wirkt „Die Unfassbaren“ auch etwas vorhersehbar und, nach dem spektakulären Paris-Las-Vegas-Bankraub, sind die weiteren großen Zauberkunststücke der Zauberer weniger spektakulär. Dass die Charaktere, die Guten wie die Bösen (wobei während des Films unklar ist, wer am Ende die Guten und wer die Bösen sind), alle nur Figuren in einem Spiel sind, reflektiert dann wieder den Charakter des Films, der, wie eine Zaubershow, nur vergnügliche Abendunterhaltung sein will. Nicht mehr, aber auch nicht weniger und als intelligente Unterhaltung im Stil von „Ocean’s Eleven“ oder „Topkapi“ (wenn die „Four Horsemen“ Bösewichter sind) oder von „Ihr Auftritt, Al Mundy“ (It takes a Thief) oder „Leverage“ (wenn die „Four Horsemen“ moderne Robin Hoods sind) ist „Die Unfassbaren“ ein kurzweiliger Spaß.
Die Unfassbaren – Now you see me (Now you see me, USA 2013)
Regie: Louis Leterrier
Drehbuch: Ed Solomon, Boaz Yakin, Edward Ricourt
mit Jesse Eisenberg, Isla Fisher, Woody Harrelson, Dave Franco, Mark Ruffalo, Mélanie Laurent, Morgan Freeman, Michael Caine, Common, Michael J. Kelly
LV: Mark Millar/John S. Romita Jr.: Kick-Ass, 2008 – 2010 (Comic)
Dave, ein Junge ohne besondere Fähigkeiten, will zu einem Superhelden werden. Seine ersten Taten sorgen auf YouTube für grandiose Klickzahlen und noch mehr Gelächter. Da trifft er Hit Girl und Big Daddy – und er ist in einem veritablen Kampf zwischen Gut und Böse verwickelt.
Köstliche, ziemlich brutale und vollkommen respektlose Parodie auf das Superheldentum in Comics und Filmen.
mit Aaron Johnson, Chloe Moretz, Christopher Mintz-Plasse, Mark Strong, Nicholas Cage
Als William Lustigs erster Spielfilm unter seinem Namen (davor drehte er zwei Pornos) 1980 in die Kinos kam, waren die Kritiken für „Maniac“, wie man in der „Gallery of Outrage“ im Bonusmaterial der jetzt veröffentlichten DVD nachlesen kann, ziemlich negativ. Denn auf den irgendwie gearteten guten Geschmack nahm er keine Rücksicht. Es war ein billig gedrehter Exploitation-Film reinsten Wasser. Ein Film, der New York als Vorhölle zeigte, die die paranoiden Visionen von „Ein Mann sieht rot“ und „Taxi Driver“ als lauschige Nachmittagsunterhaltung erscheinen ließ. Lustig erzählte seinen Film aus der Sicht eines wahnsinnigen Täters, der grundlos Frauen bestialisch ermordet, und so verfügt „Maniac“ über keinen moralischen Kompass, der das Tun seines Protagonisten irgendwie rechtfertigen oder in eine moralisch einwandfreie Perspektive rücken könnte. Hauptdarsteller Joe Spinell in der Rolle seines Lebens, erfand diesen Killer und spielte ihn beeindruckend als von inneren Stimmen, sexuellen Trieben und Hass getriebenen Frauenmörder, der in seiner abgeranzten Wohnung von Schaufensterpuppen umgeben ist, denen er die Haare der von ihm skalpierten Frauen auf den Kopf heftet. Spinell gelingt es, dass wir mit dem von ihm gespielten Frank Zito mitfühlen. Ihn nicht nur als Bestie, sondern auch als getriebenen Menschen sehen.
Die Filmgeschichte erschöpft sich dann weitgehend in einer Aneinanderreihung von Suspense-Momenten, in denen Zito Frauen beobachtet, verfolgt und tötet. Das ist natürlich spannend, aber auch immer auf den schnellen Dollar im nächsten Autokino (vulgo Bahnhofskino) angelegt und kommerziell war der sehr billig, teils ohne Drehgenehmigung in New York gedrehte Film ein Erfolg.
Später wurde „Maniac“ ein kleiner Kultfilm für die Horrorfilmgemeinde, der – natürlich – in Deutschland beschlagnahmt wurde. 1983 vom Landgericht München, wegen eines Verstoßes gegen § 131 StGB (Gewaltdarstellung). Damit war Lustigs Film, wie auch einige andere, inzwischen teilweise zu Klassikern gewordenen Horrorfilme, faktisch vom deutschen Markt verschwunden.
Es wurde später eine FSK-16-Version erstellt, die den 88-minütigen Film um sechs Minuten kürzte. Letztendlich wurden die Morde bis zur Unkenntlichkeit gekürzt, aber die nihilistische Atmosphäre der nackten Angst bleibt erhalten.
„Maniac“ ist kein guter Film, aber als Einblick in das Leben eines Wahnsinnigen und als Vorbild für künftige Slasher-Filme, die immer brutaler wurden, ist er ein wichtiger Film. Außerdem sorgt er heute immer noch für Unwohlsein. Nicht wegen der Morde, die aus heutiger Sicht ziemlich zahm inszeniert sind, sondern wegen seiner schwarzen Vision der Gesellschaft.
2012 produzierte Horrorfilmregisseur Alexandre Aja („Mirrors“, „The Hills have Eyes“ [Remake]) ein Remake, das bei uns ungekürzt als „Alexandre Ajas Maniac“ in die Kinos kam. Für die DVD-Auswertung wurde der Film für die FSK-ab-18-Jahre-Version um über zwei Minuten gekürzt.
Regisseur Franck Khalfoun verlegte die Geschichte von der Ost- an die die Westküste, ließ Frank andere Morde begehen, behielt aber Lustig und Spinells Vision bei und mit Elijah Wood (Frodo in „Der Herr der Ringe“, Kevin in „Sin City“) konnte er sogar einen bekannten Hauptdarsteller engagieren, den man allerdings die meiste Zeit nicht sieht, weil Khalfoun den Film, bis auf zwei, drei kurze Szenen, aus Franks Perspektive inszenierte. Diese subjektive Sicht, die das filmische Äquivalent zur Ich-Perspektive in einem Roman sein soll, wird alle Jubeljahre für einen ganzen Film ausprobiert und jedes mal wird deutlich, dass sie im Film dann nicht funktioniert. Denn wir sehen zwar, was der Protagonist sieht, aber wir sehen nicht seine Reaktionen darauf. Wir wissen nicht, wie er sich fühlt und deshalb langweilt auch in „Alexandre Ajas Maniac“ dieses Stilmittel ziemlich schnell. Da helfen auch nicht die stimmungsvollen Nachtaufnahmen und die unappetitlichen Mordszenen. Denn unser Ekel muss ja nicht unbedingt Franks Ekel sein.
Lustigs „Maniac“ ist in diesen Momenten einfach einige Klassen besser und hat, mit vielen Bildern von New York in den ausgehenden Siebzigern, den Klassikerbonus. Aber wirklich ansehen muss man sich keinen der beiden Filme. Denn „Maniac“ ist ein waschechter Exploitation-Film mit den damit verbundenen Problemen (geringes Budget, schlechte Schauspieler, schlechte Dialoge). „Alexandre Ajas Maniac“ ist vor allem langweilig.
Zu den „FSK ab 18“-DVDs
Das Beste, was über die jetzt erschienenen DVD-Ausgaben von William Lustigs „Maniac“ und Franck Khalfouns Remake gesagt werden kann, ist, dass sie einen ersten Eindruck von dem Film vermitteln. Denn auch in der „ab 18 Jahre“-Version mussten sie für den bundesdeutschen Markt (Österreich und Schweiz sind etwas anderes) geschnitten werden. Bei William Lustigs Film wurde, nach einem Blick in den Schnittbericht, wohl fast die „ab 16 Jahre“-Fassung genommen. Aber vielleicht sieht man ja bei der ein oder anderen Mordszene etwas mehr. Insofern sind sie für filmhistorisch Interessierte und Horrorfilmfans belanglos.
Maniac (Maniac, USA 1980)
Regie: William Lustig
Drehbuch: C. A. Rosenberg, Joe Spinell
mit Joe Spinell, Caroline Munro, Gail Lawrence, Kelly Piper, Sharon Mitchell, Tom Savini (der sich hier den Kopf wegschießt; – jedenfalls in der ungekürzten Version)
–
DVD
Ascot-Elite
Bild: 1,85:1 (16:9)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0, 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Grindhouse Q & A, TV Spots, Gallery of Outrage, Originaltrailer, Wendecover
Länge: 79 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
–
Alexandre Ajas Maniac (Maniac, Frankreich/USA 2012)
Regie: Franck Khalfoun
Drehbuch: Alexandre Aja, Grégory Levasseur
mit Elijah Wood, Nora Arnezeder, Liane Balaban, America Olivio
–
DVD
Ascot-Elite
Bild: 2.40:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Interviews, Originaltrailer, Wendecover
Die Spitzenklöpplerin (Schweiz/Frankreich/Deutschland 1977, R.: Claude Goretta)
Drehbuch: Claude Goretta, Pascal Lainé
LV: Pascal Lainé: La Dentellière, 1974
Die scheue Pomme, ein einfaches Landmädchen, verliebt sich in den Studenten Francois, zieht sogar nach Paris. Als er versucht, aus ihr etwas Besseres zu machen, wird die Beziehung auf eine Probe gestellt.
Selten gezeigter Klassiker des französischen Films.
„Eine hervorragend fotografierte, außergewöhnlich eindringliche und subtile Parteinahme für all jene, die ihre Gefühle sprachlich nicht auszudrücken vermögen.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Isabelle Huppert, Yves Beneyton, Florence Giorgetti, Annemarie Düringer, Michel de Ré
Das letzte Schweigen (D 2010, Regie: Baran bo Odar)
Drehbuch: Baran bo Odar
LV: Jan Costin Wagner: Das Schweigen, 2007
Wurde die 13-jährige Sinikka ermordet? Denn am gleichen Ort wurde vor 23 Jahren ein Mädchen ermordet. Der Täter wurde nie gefunden. Kommissar Jahn ermittelt.
Werkgetreue, gut besetzte, gut fotografierte, aber letztendlich langweilige Verfilmung von Wagners Roman.
Belle de jour – Schöne des Tages (F/I 1967, R.: Luis Buñuel)
Drehbuch: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière
LV: Joseph Kessel: Belle de jour, 1928 (Belladonna; La belle de jour- Die Schöne des Tages)
Arztgattin Séverine langweilt sich. Als Lebemann Husson sie mit Madame Anais und ihrem Etablissement für erotische Wünsche und Fantasien bekannt macht, beginnt Séverine ein Doppelleben.
Einer von Buñuels zugänglichsten Filmen über die Doppelmoral des Großbürgertums. Er erhielt den Goldenen Löwen in Venedig und war bei Kritik und Zuschauern ein Erfolg. Deneuve war danach auf die Rolle der kühlen Blondine festgelegt.
Mit Catherine Deneuve, Jean Sorel, Michel Piccoli, Geneviève Page
Die junge Tristana begibt sich auf den Wunsch ihrer Mutter in die Obhut des vierzig Jahre älteren Don Lope, der auch ihr Liebhaber sein möchte. Sie flüchtet zu einem jungen Maler und kehrt, als sie schwer erkrankt, zu Don Lope zurück.
Zehn Jahre nach „Viridiana“ drehte Buñuel wieder in Spanien und selbstverständlich nimmt er sich auch in diesem, in Toledo gedrehtem Drama über den Verlust von Unschuld, Abhängigkeiten und Macht die spanische bürgerliche Gesellschaft und die katholische Kirche mit ihrer Doppelmoral vor.
Das dürfte der einzige Film sein, in dem die Blondine Catherine Deneuve braune Haare hat.
mit Catherine Deneuve, Fernando Rey, Franco Nero, Lola Gaos
Auch wer sich nur auf die bei uns veröffentlichten Filme des Japaners Takashi Miike konzentriert, dürfte kaum den Überblick behalten. Denn der 1960 geborene Regisseur inszenierte seit seinem Debüt 1991, laut IMDB, fast neunzig Spielfilme und ob diese Liste wirklich vollständig ist, weiß wahrscheinlich noch nicht einmal Miike. Er springt dabei wild zwischen den Genres und liefert eigentlich immer gute Arbeit ab. Bekannt wurde er bei uns mit ziemlich bizarren Kriminalfilmen und ungewöhnlichen Horrorfilmen. Zuletzt drehte er, unter anderem, das grandiose Samurai-Epos „13 Assassins“ und die jetzt bei uns auf DVD und Blu-ray veröffentlichte Computerspielverfilmung „Phoenix Wright – Ace Attorney“, die keine stumpf-stupide Ballerorgie, sondern eine vertrackte Mördersuche ist, die sich hauptsächlich in einem Gerichtssaal abspielt.
Miles Edgeworth ist angeklagt, am Heiligabend am Kürbissee Robert Hammond umgebracht zu haben. Phoenix Wright, ein noch junger und sehr unerfahrener Verteidiger, verteidigt den Angeklagten, einen alten Schulfreund, der als grandioser Ankläger mit wasserdichten Verurteilungen eine glänzende Karriere hinlegte. Deshalb will keiner der hochkarätigen Kollegen von Phoenix Wright den Angeklagten verteidigen.
Außerdem ist Manfred von Karma der Vertreter der Anklage. Der legendäre Ankläger hatte in vierzig Jahren nur einen freien Tag und gewann alle seine Fälle. Schlechter könnten die Chancen für die Verteidigung (auch wenn Phoenix etwas übernatürliche Unterstützung und einige gute Freunde hat) nicht stehen.
Und dann gibt es noch eine Verbindung mit dem fünfzehn Jahre altem DL6-Fall.
„Phoenix Wright – Ace Attorney“ spielt in einer gegenwärtigen Steampunk-Welt, in der die Gerichtsverhandlungen zu einem höchstens dreitägigem Duell zwischen Anklage und Verteidigung wurden, in dem über plötzlich auftauchende Bildschirme und Hologramme Beweise und Gegenbeweise geführt werden und wichtiger als die Vorbereitung von Ankläger und Verteidiger ist im Gerichtssaal die schnelle Reaktion auf die neuen Beweise. Ein solches Gerichtsverfahren spottet zwar jedem rechtstaatlichem Verfahren, aber in einem Film funktioniert es prächtig. In dem Computerspiel, auf dem der Film basiert, ist es sicher ähnlich.
Miikes Film ist unterhaltsam in seinen comichaften Übertreibungen, aber vor allem für ein jüngeres Publikum, denen das extrovertierte Verhalten der Charaktere nicht zu kindisch ist und die bei der doch ziemlich durchschaubaren Whodunit-Handlung miträtseln können. Denn mit über zwei Stunden ist „Phoenix Wright – Ace Attorney“ doch etwas lang geraten. Und man sollte die „ab 12 Jahre“-Freigabe als „geeignet für 12-jährige“ interpretieren.
Als Bonusmaterial gibt es ein halbstündiges „Making of“ und über zwanzig Minuten Bilder von verschiedenen Screenings des Films.
Phoenix Wright – Ace Attorney (Gyakuten saiban, Japan 2012)
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Takeshi Iida, Sachiko Ôguchi
mit Hiroki Narimiya, Takumi Saitô, Mirei Kiritani, Akiyoshi Nakao, Shunsuke Daitô, Rei Dan, Akira Emoto, Ryo Ishibashi
Unstoppable – Außer Kontrolle ( USA 2010, R.: Tony Scott)
Drehbuch: Mark Bomback
Zugfahren mit „Last Boy Scout“ Tony Scott: nach „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“ lässt Tony Scott in seinem letzten Spielfilm den feuchten Traum jedes Trassenküssers wahr werden: ein Zug mit sehr gefährlicher Ladung donnert im Affentempo auf sein Ziel zu. Nur zwei Männer wissen, wie man die Superduperkatastrophe verhindern kann. Sie besteigen den fahrenden Zug.
„Unstoppable“ basiert auf wahren Ereignissen. Aber die Macher haben sich einige spannungsfördernde Freiheiten genommen.
Im Anschluss, um 22.25 Uhr, läuft „Machete“ (USA 2010), mit Danny Trejo als Mexikaner, der einigen Rednecks zeigt, wo es langeht, und dann, um 00.15 Uhr, läuft „Black Snake Moan“ (USA 2007), mit Samuel L. Jackson, der Christina Ricci mit ungewöhnlichen Methoden erziehen will, und dann, um 02.25 Uhr, gibt es wieder „Machete“. Dann wahrscheinlich in der ungekürzten Version.
Der Samariter – Tödliches Finale (Kanada 2012, R.: David Weaver)
Drehbuch: Elan Mastai, David Weaver
Trickbetrüger Foley will nach dem Knastaufenthalt ein ehrliches Leben führen, Aber der Sohn seines alten Partners will mit ihm einen großen Betrug durchziehen.