Produktiv ist Christian Slater ja. Für dieses Jahr sind bereits sieben Filme in der IMDB gelistet, von denen man sich meisten wahrscheinlich nicht ansehen muss. Letztes Jahr hatte er, neben Sylvester Stallone, eine kleine, aber gute Rolle in Walter Hills sehenswertem „Shoutout – Keine Gnade“. In den vergangenen Jahren war er auch der Hauptdarsteller in mehreren kurzlebigen TV-Serien, die niemals im deutschen TV gezeigt wurden, aber vielversprechende Prämissen hatten; was nicht von seinem neuesten Film „The Ark“ gesagt werden kann.
Denn die Ausgangsidee von „The Ark“ stammt aus der Science-Fiction-Ursuppe. Slater spielt Colonel Gerard Bruchman, den Leiter einer vierköpfigen, einjährigen Mondmission. Während ihres Aufenthalts wird die Station „Ark“ von einem Meteoritenschwarm fast vollständig zerstört, die Funkverbindung funktioniert auch nicht mehr und eine außerirdische Lebensform, die es in die Station schafft, bereitet ihnen Probleme. Denn dieser Alien ist ihnen nicht besonders freundlich gesonnen…
Das klingt vertraut. Auch wenn man den genialen SF-Horrorfilm „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ nicht gesehen hat. Aber Ava Cameron (Amy Matysio), die einzige Frau der „Ark“-Besatzung, wird von den außerirdischen Sporen infiziert, gebärt im Schnellverfahren ein Kind und hat später auch eine besondere Beziehung zu dem Alien, das den Körper des Besatzungsingenieurs (Michael Therriault in einer Doppelrolle) dupliziert.
Und die kleine Mondstation ist dann irgendwie doch verdammt groß. Jedenfalls müssen die vier Astronauten immer unglaublich lange durch dunkle Gänge laufen, um zum Ort des Geschehens zu gelangen. Sowieso halten die Vier, die eigentlich nur die wenigen Tage, bis die Rettung von der Erde naht, überleben müssen, sich bevorzugt alleine in getrennten Räumen auf. Das ist, weil sie dem Alien damit natürlich unzählige Angriffsmöglichkeiten anbieten, nicht besonders intelligent, gehört aber zum Genre.
Außerdem habe ich nie verstanden, wann sie wo mit welchen Sauerstoffgeräten atmen können.
„The Ark“ ist selbstverständlich, nach konventionellen Standards beurteilt, kein guter Film.
Aber als kleiner Invasions-Science-Fiction-Thriller mit halbwegs prominenter Besatzung (neben Slater ist auch der aus „Roswell“ und „CSI Miami“ bekannte Brendan Fehr dabei) unterhält der Film von „Battlefield Earth“-Regisseur Roger Christian (der auch eine Oscar-Nominierung für seine „Alien“-Sets erhielt) kurzweilig, aber auch wenig aufregend und ohne größere Ambitionen. So als Zwischendurchfutter für den Genrejunkie ist Christians durch und durch durchschnittliches, mit überschaubarem Budget gedrehtes, angenehm kurzes B-Picture okay.
The Ark – Wir sind nicht allein (Stranded, Kanada 2012)
Regie: Roger Christian
Drehbuch: Christian Piers Betley, Roger Christian
mit Christian Slater, Brendan Fehr, Amy Matysio, Michael Therriault
Edgar Reitz (Homepage), der in den Achtzigern mit seiner TV-Serie „Heimat“ (einer Chronik des Jahrhunderts, spielend in dem fiktiven Hunsrück-Ort Schabbach) zeigte, was im Fernsehen alles möglich und heute unvorstellbar ist, mit „Die zweite Heimat – Chronik einer Jugend“ (1992) und „Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende“ (2004) würdig fortsetzte, hat jetzt, für das Kino, „Die andere Heimat“ gedreht.
Die Weltpremiere ist auf dem Internationalen Film Festival Venedig. Der deutsche Kinostart ist am 3. Oktober und ich freue mich schon riesig auf den Film
Die offizielle Synopse:
Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts Hungersnöte, Armut und Willkürherrschaft die Menschen niederdrückten, sind Hunderttausende aus Deutschland ins ferne Südamerika ausgewandert. Auch Jakob versucht alle Grenzen hinter sich zu lassen, die einem Bauernjungen in dieser Zeit gesetzt sind. Er liest jedes Buch, dessen er habhaft werden kann, er studiert die Sprachen der Urwaldindianer, er entwirft Pläne für die romantischsten Abenteuer in den Wäldern Brasiliens und beschreibt seinen Aufbruch aus dem Hunsrück in einem erstaunlichen Tagebuch, das nicht nur seine Geschichte und seine Gedanken wiedergibt, sondern das Lebensbild einer ganzen Zeit. In den Strudel von Jakobs Träumen werden alle gesogen, die ihm begegnen: Seine von Mühsal und Arbeit geplagten Eltern, sein streitbarer, älterer Bruder Gustav und vor allem das schöne Jettchen, die Tochter eines verarmten Edelsteinschleifers und ihre beste Freundin Florinchen. Was kann es in dieser kargen Bauernwelt schöneres geben, als Jakobs Erzählungen zu folgen und mit ihm Pläne zu schmieden für ein glücklicheres Leben jenseits des Weltmeeres? Die Sehnsucht der jungen Menschen droht immer wieder zu zerbrechen – an der Unwissenheit der Zeit und an Krankheiten; an Tod und Naturkatastrophen, die über das Land hereinbrechen. Die Rückkehr des Bruders Gustav aus dem preußischen Militärdienst gibt den Anstoß für Ereignisse, die die Liebe zwischen Jakob und Jettchen jäh erschüttern und Jakobs Leben in eine völlig unerwartete Richtung lenken wird.
Edgar Reitz ist mit seinem neuen Film ein Ausnahmewerk, ein filmisches Epos gelungen, das in der heutigen Filmlandschaft kaum einen Vergleich finden wird. Auf Breitwand gedreht, entstanden unter der Kamera von Gernot Roll gewaltige Bilder, die ein Hunsrückdorf aus dem 19. Jahrhundert lebendig werden lassen und den Zuschauer auf eine Zeitreise einladen. Detailversessen in Ausstattung, Szenenbild und Kostüm, unterstützt durch ein junges Schauspieler-Ensemble, allen voran Jan Schneider als Jakob, Maximilian Scheidt als Gustav, Antonia Theresa Bill als Jettchen und Philine Lembeck als Florinchen, sowie Marita Breuer („Heimat“) als Mutter Simon, ist DIE ANDERE HEIMAT – CHRONIK EINER SEHNSUCHT eine bewegende Familien- und Liebesgeschichte voller Emotionalität und Sinnlichkeit.
„Edgar Reitz ist ein großes episches Werk gelungen, das zeitlos in die Filmgeschichte eingehen wird“, beurteilt die Jury der FBW zur Vergabe des Prädikats „besonders wertvoll“.
Darüber hinaus wirft der Film wie selbstverständlich genau die Fragen auf, die aktueller kaum sein könnten: die Frage nach Zugehörigkeit, Freiheit der Gedanken, und was man heute noch als Heimat benennen und wie stark eine Sehnsucht nach einem besseren Leben sein kann.
Die ersten drei Trailer:
Bei den Trailern ist klar, dass „Die andere Heimat“ ein ungewöhnlicher Film sein wird, der in jedem Fall grandios sein wird. Entweder grandios grandios oder grandios gescheitert.
Es gibt den Mitschnitt der Pressekonferenz zum Drehstart:
Jesse Stone – Eiskalt (USA 2005, R.: Robert Harmon)
Drehbuch: John Fasano, Michael Brandman
LV: Robert B. Parker: Stone Cold, 2003
Das Städtchen Paradise hat zwei neue Einwohner: die Lincolns. Sie sind Serienkiller und der Polizeichef von Paradise, Jesse Stone, beginnt sie zu jagen.
Neben der erfolgreichen Spenser-Serie und der unter Fans gehassten Sunny-Randall-Serie schrieb Robert B. Parker auch die Jesse-Stone-Romane. In ihnen ist ein geschiedener L.-A.-Cop mit einem Alkoholproblem, der in der Kleinstadt Paradise bei Boston zur Ruhe kommen will, der Held. Gerade die ersten Romane waren düsterer als von Robert B. Parker gewohnt und sorgfältiger konstruiert als die Spenser-Romane, die von Parker teilweise per Autopilot geschrieben werden.
„Stone Cold“ ist der vierte Jesse-Stone-Roman, aber die erste Jesse-Stone-Verfilmung. Der angenehm altmodische Thriller wurde positiv aufgenommen. Insgesamt wurden acht Jesse-Stone-Filme im US-TV ausgestrahlt.
Mit Tom Selleck, Jane Adams, Reg Rogers, Mimi Rogers
Schnelles Geld und schneller Sex beherrschen das triste und ziemlich verkorkste Leben von Victor. Da verliebt er sich in eine Ärztin…
Flotte, schwarzhumorige Groteske nach einem Roman von Chuck Palahniuk („Fight Club“) mit einem grandiosen Sam Rockwell über Abhängigkeiten und die Sucht danach, anderen Menschen zu gefallen. Denn hier spielt jeder Charakter den anderen etwas vor und alle Beziehungen sind gestört.
The Minus Man – Der nette Mörder von nebenan (USA 1999, R.: Hampton Fancher)
Drehbuch: Hampton Fancher
LV: Lew McCreary: The Minus Man, 1991 (Der Schrecken des letzten Lächelns; The Minus Man)
Der neue Nachbar Vann hat ein Geheimnis. Er ist ein Serienkiller. Als er sich in Ferrin verliebt, hat er die Chance auf ein neues Leben – oder sein nächstes Opfer.
Langsam erzähltes Regiedebüt von Blade-Runner-Drehbuchautor Hampton Fancher mit einem überraschendem Ende.
„Aus dem Widerspruch zwischen Kleinstadtidylle und dem leisen Grauen zieht der Film seine Spannung. Der Serienkiller ist nun auch im letzten heimeligen Ort angekommen.“ (Martin Schwarz, Zitty 20/2000)
Mit Owen Wilson, Brian Cox, Mercedes Ruehl, Janeane Garofalo, Dwight Yoakam, Dennis Haysbert, Sheryl Crow, Lew McCreary (Cameo als Mann Wendy’s Place Diner)
Vengeance – Killer unter sich (Hongkong/Frankreich 2009, R.: Johnny To)
Drehbuch: Ka-Fai Wai
In Macao wird die Tochter des französischen Restaurantbesitzers Francis Costello in ihrer Wohnung schwer verletzt. Ihre Familie wird ermordet. Costello beschließt, die Täter zu stellen. Dabei helfen dem ehemaligen Profikiller einige Kollegen, die er zufällig im Hotel trifft.
Mit dem Neo-Noir „Vengeance“ zeigt Hongkong-Regisseur Johnnie To wieder einmal, wofür ihn Filmfans seitdem sie vor über zehn Jahren seinen stilisierten Gangsterfilm „The Mission“ (Unbedingt ansehen!) sahen, lieben: schnörkelloses Genrekino mit stilvoll eingestreuten Zitaten und gerade in ihrer Reduktion grandiosen Actionszenen. Das ist in seiner Stilisierung pures Kino, das näher bei Jean-Pierre Melville als an der Wirklichkeit ist.
mit Johnny Hallyday, Sylvie Testud, Anthony Wong, Simon Yam
Lord of War – Händler des Todes (USA 2005, R.: Andrew Niccol)
Drehbuch: Andrew Niccol
There are over 550 million firearms in worldwide circulation. That’s one firearm for every twelve people on the planet. The only question is: How do we arm the other 11? (Yuri Orlov)
Einer der wenigen ansehbaren Nicolas-Cage-Filme, die der Schauspieler in diesem Jahrzehnt drehte. Dafür sammelte er in den vergangenen Jahren Razzie-Nominierungen.
In der knalligen Satire „Lord of War – Händler des Todes“ spielt er Yuri Orlov, einen Waffenhändler, der ungefähr jeden Potentaten der Nach-Kalter-Kriegs-Welt mit Waffen beliefert. Der Film erzählt in kurzen Episoden die Geschichte seines märchenhaften Aufstiegs von den Hinterhöfen Little Odessas in die Hinterhöfe der Weltpolitik. Denn mit dem illegalen Waffenhandel kann viel Geld verdient werden.
That was intentional, just to be a little subversive and make almost like a ‘how-to’ film – how to be an arms dealer – and I thought that would be a more interesting way into it than a typical story structure. (Andrew Niccol)
Mit Nicolas Cage, Jared Leto, Bridget Moynahan, Ian Holm, Ethan Hawke
„La grande Bellezza“, der neue Film von „Il Divo – Der Göttliche“- und „Cheyenne – This must be the Place“-Regisseur Paolo Sorrentino beginnt mit einem tödlichen Herzanfall und einer Geburtstagsfeier. Dem Toten werden wir nicht mehr begegnen. Aber dem Geburtstagskind schon. Es ist Jep Gambardella (Toni Servillo, grandios), ein Gesellschaftsreporter, der zu seinem 65. Geburtstag eine riesige Sause mit den Schönen und Reichen von Rom veranstaltet. Und auch wenn er einerseits die Aufmerksamkeit genießt, ist er von seinem Leben gelangweilt und er hält es für verpfuscht. Denn nach seinem hochgelobten Erstling, den er vor vierzig Jahren als junger Mann schrieb, folgte kein weiterer Roman. Nur noch Reportagen – und er stolziert wie ein italienischer Tom Wolfe, durch die Szenerie und erfreut mit seinen lebensweisen Sprüchen sein Publikum. Denn immerhin versucht er gar nicht, eine nicht vorhandene Tiefe vorzutäuschen. Er flüchtet sich, wie seine Freunde, in Banalitäten und Alkohol, der auf seiner Terrasse, mit Blick auf das Kolloseum, reichlich genossen wird.
„La grande Bellezza – Die große Schönheit“ erinnert einerseits an die überbordenden Filme von Frederico Fellini. „Das süße Leben“ (La dolce Vita, 1960) und „Fellinis Roma“ (1972) werden auch von Sorrentino immer wieder als Einfluss genannt und daher in fast jeder Kritik auch erwähnt. Michelangelo Antonioni dagegen nicht. Obwohl Sorrentino gerade von dessen grandioser Trilogie „Die mit der Liebe spielen“ (L’Avventura, 1959), „Die Nacht“ (La Notte, 1960) und „Liebe 1962“ (L’Eclisse, 1962) über gesellschaftliche und erotische Depressionen in punkto Kameraarbeit und Stimmung viel geborgt hat.
Und damit wären wir auch bei dem großen Problem von „La grande Bellezza“. Es ist ein durch und durch musealer Film, der seine filmischen Vorbilder und Bezugspunkte in Filmen hat, die zu einer Zeit spielen, als Jep Gambardella noch in den Kinderschuhen steckte oder in seine Babywindeln machte und Paolo Sorrentino noch nicht geboren war. Sorrentino zeichnet eine römische Künstler- und Dolce-Vita-Schicht, die anscheinend in ihrer Jugend, die vor ungefähr vierzig oder fünfzig Jahren war, stehengeblieben ist und die sich absolut nicht um die aktuelle Politik und die Probleme Italiens kümmert. Und so hat die Kritik an der Kirche – ein Kardinal, der sich nur über Kochrezepte unterhalten will, eine Heilige, die ein afrikanischer Mutter-Teresa-Abklatsch ist (1997 verstorben) – etwas antiquiertes. Gambardellas Beziehung zu einer Erotic-Dancerin ist gar nicht mehr so aufregend, wie vor einem halben Jahrhundert in einem Film die Beziehung eines gebildeten Mannes zu einer Hure mit Herz.
Immer scheint die Zeit in „La grande Bellezza“ ungefähr 1965 stehen geblieben zu sein.
Das ist schade, weil die mit 146 Minuten überlange, episodische und ausufernde Charakter- und Milieustudie viele prächtige Szenen hat und Sorrentino immer wieder treffende Beobachtungen von dem leeren Leben einer nur um sich selbst kreisenden High Society gelingen. Er porträtiert ein Künstlermilieu, das auf den schönen Schein achtet, sich vollkommen von den alltäglichen Problemen in Berlusconis Italien abgekoppelt hat und noch nicht einmal zum Feindbild taugt, weil sie irgendwann aussterben wird.
Die sanft gleitende Kamera strahlt eine majestätische Ruhe aus, die eklektisch ausgewählte Musik pointiert die Bilder und eigentlich spiegelt die Länge, das Kein-Ende-finden-wollen des Films und die sich damit mit der Zeit einstellende Langeweile, auch das Leben der von sich selbst gelangweilten und sich wissentlich selbst betrügenden Protagonisten wieder.
La grande Bellezza – Die große Schönheit (La grande Bellezza, Italien/Frankreich 2013)
Regie: Paolo Sorrentino
Drehbuch: Paolo Sorrentino, Umberto Contarelli
mit Toni Servillo, Carlo Verdone, Sabrina Ferilli, Carlo Buccirosso, Iaia Forte, Pamela Villoresi
Was hat man nicht alles vorher über den neuen Auftritt von Hugh Jackman als Wolverine, der unsterbliche Mutant mit dem Stahlklauen aus dem „X-Men“-Universum, gelesen. In Japan sollte er spielen (Stimmt.), sich an Frank Millers in Japan spielender „Wolverine“-Geschichte orientieren (Stimmt nicht. Er wird in den Credits noch nicht einmal als Inspiration genannt.), sich mehr um den Charakter kümmern (Hmhm.) und ein Neuanfang sein (Stimmt irgendwie schon.). Deshalb ist nach den „X-Men“-Filmen und Jackmans erstem Soloauftritt in „X-Men Origins: Wolverine“ (USA 2009) der Originaltitel „The Wolverine“. So werde deutlich, dass der Charakter im Mittelpunkt stehe und die X-Men, zu denen Wolverine gehört, in diesem Film egal seien. Im Film tauchen sie deshalb nicht auf. Und mit Regisseur James Mangold („Walk the Line“, „Todeszug nach Yuma“) und den Drehbuchautoren Mark Bomback („Stirb langsam 4.0“, „Total Recall“), Scott Frank („Out of sight“, „Minority Report“) und Christopher McQuarrie („Die üblichen Verdächtigen“, „Jack Reacher“), der eine frühere Fassung, die von Darren Aronofsky verfilmt werden sollte, schrieb, wollte man auch den Anspruch eines erwachsenen „Wolverine“-Films betonen.
Nun, der erste „Wolverine“-Film „X-Men Origins: Wolverine“ (USA/Neuseeland/Australien 2009) wurde von Gavin Hood („Tsotsi“, „Machtlos“) nach einem Drehbuch von David Benioff („25 Stunden“, „Game of Thrones“) und Skip Woods („Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ [Kein Kommentar]) gedreht – und schon allein bei den Credits konnte man an dem lauthals postulierten Anspruch von „Wolverine – Weg des Kriegers“ zweifeln. Obwohl „X-Men Origins: Wolverine“ eine ziemlich chaotische Geschichte erzählt, die eine Neuausrichtung durchaus rechtfertigt.
Und die Macher hatten bei „Wolverine – Weg des Kriegers“ auf den ersten Blick den Mut, in einem Superheldenfilm endlich mal etwas neues auszuprobieren. Denn sie erzählen nicht, wie der Superheld zum Superhelden wird, oder wie er in scheinbar endlosen Action-Szenen gegen einen unbesiegbaren, abgrundtief bösen Gegner, der die Welt, das Universum und den ganzen Rest vernichten will, kämpft. Nein, in „Wolverine – Weg des Kriegers“ will der unsterbliche Wolverine sterben – und der reiche, im Sterben liegende Japaner Lord Yashida (Haruhiko Yamanouchi), den er während des Atombombenabwurfs auf Hiroshima 1945 rettete, bietet ihm in der Gegenwart an, diesen Wunsch zu erfüllen.
Aber dann geht irgendetwas vollkommen schief. Drehbuchtechnisch.
Denn kaum ist Logan (so der bürgerliche Name von Wolverine) in Japan angekommen und hat Yashidas Angebot gehört, stirbt dieser und auf seiner Beerdigung wird ein Anschlag auf seine Enkeltochter Mariko (Tao Okamoto), die alles erben soll, verübt. Logan kann den Anschlag der Yakuzas verhindern. Zusammen mit ihr flüchtet er in eine einsam gelegene Hütte. Bei dem Kampf wurde Logan verletzt, aber im Gegensatz zu früheren Kämpfen, in denen seine Wunden sofort verheilten, heilen sie jetzt nicht. Er ist sterblich – und bricht nicht, weil endlich sein sehnlichster Wunsch in Erfüllung geht, in Jubelgesänge aus, sondern er ist extrem stinkig, weil er jetzt Mariko retten und das Komplott gegen sie aufklären will.
Und zwischen all den Yakuzas und Samurais, die mal mit ihm, mal gegen ihn kämpfen, ist auch Viper, die halbseidene, sexy Ärztin von Lord Yashida, die Logan während eines Alptraums mit einem Kuss etwas injizierte, das sein Herz angreift. Gut. Das klingt ziemlich gaga, aber nach Elizabeth Shaws Selbstoperation in Ridley Scotts „Prometheus“ darf jetzt auch Logan sich selbst operieren und ein fremdes „Lebewesen“ aus dem eigenen Körper entfernen.
Die Story selbst ist ziemlich chaotisch, arg länglich und schlecht entwickelt. Denn es dauert gefühlte Ewigkeiten, bis der Hauptplot beginnt, weil wir zuerst erfahren, was 1945 in Japan geschah, wie Logan zurückgezogen in den Bergen lebt und sich mit einigen Hinterwäldlern anlegt, bevor er von Yukio (Rita Fukushima, auch sexy) entdeckt und nach Japan mitgenommen wird. Und dann, nachdem Logan Mariko (ebenfalls sexy; – halt wie alle Frauen in dem Film) auf der Trauerfeier vor ihren Häschern retten konnte, gibt es ein langatmiges Zwischenspiel, in dem Logan etwas über die Freuden der Sterblichkeit sinniert, bevor er, lange vor dem Filmende, doch beschließt, dass er unsterblich bleiben möchte. Das ist zwar nicht wirklich überraschend, aber damit wird die von den Machern groß propagierte Frage, welche Bedeutung Sterblichkeit hat, schnell ad acta gelegt. Es gibt dann noch etwas Gerede über Samurais, Ronins und dass Krieger für einen höheren Zweck kämpfen sollen. Oder so ähnlich.
Der Höhepunkt, der Schlusskampf, ist storytechnisch ein einziges Desaster, bei dem es letztendlich nur noch um ein jeder gegen jeden geht und das anscheinend aus einem anderen Film stammt.
Da hilft es auch nicht, dass James Mangold immer wieder schöne und auch eindrucksvolle Bilder zeigt (zum Beispiel wenn Logan in einem verschneiten Bergdorf von hunderten Pfeilen niedergestreckt wird), stilistisch an Samurai-Filme anknüpft und das ländliche mit dem urbanen Japan verknüpft. Für einen über zweistündigen Film ist das einfach zu wenig und dass Mangold bereits jetzt sagt, dass er einen längeren Director’s Cut plane, klingt da wie eine Drohung. Denn schon jetzt hätte man locker eine gute halbe Stunde kürzen können.
„Wolverine – Weg des Kriegers“ (selbstverständlich in 3D) hat bis auf den Hauptdarsteller eigentlich nichts mit „X-Men Origins: Wolverine“ zu tun und ist auch erwachsener als dieser. Immerhin geht es um Sterblichkeit und den Verlust der großen Liebe; gespielt von Famke Janssen als Jean Grey, Logans one and only love, die er im Schlaf mit seinen Stahlklauen tötete und die ihm jetzt Alpträume beschert. Aber ehe die Macher sich dann zu sehr mit solch tiefsinnigen Fragen über Schuld, Sühne und Unsterblichkeit beschäftigten, gibt es immer wieder mal mehr, mal weniger übertriebene Action.
Auch dieser Wolverine ist kein guter Film.
Wolverine – Weg des Kriegers (The Wolverine, USA 2013)
Regie: James Mangold
Drehbuch: Marc Bomback, Scott Frank, Christopher McQuarrie (ungenannt)
mit Hugh Jackman, Hiroyuki Sanada, Tao Okamoto, Rila Fukushima, Famke Janssen, Will Yun Lee, Svetlana Khodchenkova, Haruhiko Yamanouchi, Brian Tee
Die Brüder Terry und Ian haben Geldprobleme. Da bietet ihnen Onkel Howard einen Weg aus der finanziellen Misere an: sie müssen einen seiner Geschäftspartner umbringen. Das ist leichter geplant, als getan.
Nach „Match Point“ und „Scoop“ drehte Woody Allen mit „Cassandras Traum“ seinen dritten Film in England und wieder ist es eine Kriminalgeschichte, die dem Krimi-Fan gefällt.
Mit Ewan McGregor, Colin Farrell, Tom Wilkinson, Sally Hawkins, Hayley Atwell
Broken Flowers – Blumen für die Ex (USA/Frankreich 2005, R.: Jim Jarmusch)
Drehbuch: Jim Jarmusch (inspiriert von einer Idee von Bill Raden und Sara Driver)
Don Johnston (Stoneface Bill Murray) lungert nur noch in seiner Wohnung herum und träumt von seinen früheren Frauen. Eines Tages erhält er einen anonymen Brief, in dem steht, dass er einen 19-jährigen Sohn habe. Don, der bislang von seinem Vaterglück nichts wusste, macht sich auf den Weg quer durch die USA zu seinen alten Freundinnen, die er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat und von denen eine die Mutter sein muss.
Jim Jarmusch erhielt für sein lakonisches Road-Movie über verpasste Chancen den Großen Preis der Jury in Cannes, einige weitere Preise, viel Kritikerlob – und an der Kinokasse lief der Film auch gut.
Mit Bill Murray, Julie Delpy, Jeffrey Wright, Sharon Stone, Frances Conroy, Chloë Sevigny, Jessica Lange, Tilda Swinton
The Limits of Control – Der geheimnisvolle Killer (USA/Spanien 2009, R.: Jim Jarmusch)
Drehbuch: Jim Jarmusch
In Spanien soll ein schweigsamer Mann einen Auftrag ausführen. Auf seiner Reise trifft er mehrere Personen, die ihm weitere Hinweise über seinen Auftrag verraten.
“The Limits of Control“ ist sicher nicht der beste Film von Jim Jarmusch und definitiv ist er keine Wiederholung von seinem vorherigen Film „Broken Flowers“, aber der “Actionfilm ohne Action” (Jarmusch) ist natürlich sehenswert.
Lady Vengeance – Leben für die Rache (Sudkorea 2005, Regie: Park Chan-wook)
Drehbuch: Park Chan-wook, Jeong Seo-Gyeong
Geum-ja saß dreizehn Jahre im Gefängnis für den Mord an einem kleinen Jungen, den sie nicht begangen hat. Jetzt will sie sich an dem wirklichem Täter, einem honorigem Englischlehrer, rächen.
Ein weiteres Meisterwerk des Regisseurs von „Joint Security Area“, „Sympathy for Mr. Vengeance“ und „Oldboy“. Die Kritiker waren vom Abschluß der Rachetrilogie des Südkoreaners begeistert, die zahlenden Zuschauer ebenso – und das Erste zeigte die TV-Premiere, wie erwartet, nach Mitternacht.
Noch in einigen Kinos läuft sein gelungenes US-Debüt „Stoker“.
Mit Lee Yeong-ae, Choi Min-sik, Oh Dal-su, Kim Shi-hoo, Kim Bu-seon
LV: Philip K. Dick: Adjustment Team, 1954 (Kurzgeschichte)
Politiker David Norris verliebt sich in die Tänzerin Elise. Da tauchen einige seltsame Männer bei ihm auf, die behaupten, von einem Planungsbüro zu kommen und Norris‘ Leben nachzujustieren. Denn nach dem Plan gibt es zwischen David und Elise keine Liebesgeschichte.
Bei Kritik und Publikum ziemlich gut angekommenes Spielfilmdebüt von George Nolfi, dem Drehbuchautor von „Das Bourne Ultimatum“, „The Sentinel – Wem kannst du trauen?“ und „Ocean’s Twelve“, über die Frage, ob wir unser Schicksal selbst in der Hand haben.
mit Matt Damon, Emily Blunt, Anthony Mackie, John Slattery, Michael Kelly, Terence Stamp
LV: Elmore Leonard: Rum Punch, Jackie Brown, 1992 (Jackie Brown)
Stewardess Jackie Brown hat Probleme mit der Polizei und dem Gangster Ordell, der sein Schwarzgeld-Konto mit Jackies Hilfe auflösen will.
Tarantinos sehr werkgetreue Huldigung von Leonard und Pam Grier: cool (Leonards Dialoge!), etwas langatmig (Warum muß jedes Lied ausgespielt werden? Warum bemüht sich Tarantino so krampfhaft, die Antithese zu Pulp Fiction zu drehen? Warum nicht 20 Minuten kürzer?) und mit Starbesetzung (Robert de Niro, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Robert Forster, Michael Keaton, Chris Tucker)
Von Leonards Homepage: „When Quentin Tarantino was a kid, he stole a copy of Elmore Leonard’s The Switch and got caught. Unrepentant, he later went back to the same store and stole the book again. Elmore Leonard was a beacon, lighting the direction that he would soon take in his films. He wrote a movie directed by Tony Scott called True Romance which he said was “an Elmore Leonard novel that he didn’t write.” It certainly was an homage; it even opens in Detroit. After Reservoir Dogs came out, Elmore wrote Rum Punch which reprises the three main characters from Tarantino’s shoplifted book, The Switch. Tarantino read it and wanted to buy it but didn’t have the money. Elmore and his agent, Michael Siegel, offered to hold it for him. When he finally did acquire the book and moved forward on the Rum Punch film project, Tarantino did not contact Elmore Leonard for a long time. When he did, he confessed a reluctance to call sooner. Elmore said, “Why, because you changed the name of my book and cast Pam Grier in the lead?” No worry. Elmore was down with that. He said, “That’s Ok, just make a good movie.” And Quentin did.
Jackie Brown is Elmore Leonard on the screen. Taking nothing away from Get Shorty and Out of Sight, Tarantino’s manic absorption of Elmore’s essence comes through in a way that only he could pull off especially for a long movie. The acting, the direction, the dialog are all great. There are so many great bits, especially with Jackson, De Niro, Chris Tucker and Bridget Fonda; and then there’s Hattie Winston as Simone the Supreme. Jackie Brown is the Elmore Leonard experience.“
Der in London lebende Mahmud ist ein voll integrierter Feiertagsmoslem. Als sein Sohn die Tochter eines Hasspredigers heiraten will, muss er allerdings den tiefgläubigen Moslem spielen. Dummerweise erfährt er jetzt auch, dass er adoptiert wurde und kein Moslem, sondern Jude ist.
Die ersten Trailer von „Pacific Rim“, dem neuen Film von „Hellboy“-Regisseur Guillermo del Toro, ließen einen etwas ratlos zurück, weil sie ziemlich abschreckend nach „Transformers meets Godzilla“ aussahen und es wirklich rätselhaft war, was del Toro an dieser „Riesenroboter verkloppen Riesenechsen“-Geschichte interessieren sollte.
Auch nach dem Film und der Lektüre des Pressematerials kann ich das nicht genauer sagen. Gut. Er sah in seiner Jugend die kultigen „Godzilla“-Filme von Ishiro Honda und er wollte seinen „Godzilla“-Film drehen. Honda und Ray Harryhausen, dem kürzlich verstorbenen Meister der Stop-Motion-Technik, widmete er den Film. Beide zauberten ihre fantastischen Welten mit Tricks, Modellen, viel Geduld und ohne Computer. Heute werden mit Computerhilfe fantastische Welten und Kämpfe entworfen, denen aber auch der Charme der Werke von Honda und Harryhausen fehlt.
Eben dieser Charme fehlt auch „Pacific Rim“. Denn die Kämpfe zwischen den Kaiju (japanisch für Riesenmonster) und den Jaeger (äh, ja, Jäger), wie die Riesenroboter heißen, sind meistens im Dunkeln stattfindende elend lange und auch langweilige Kloppereien zwischen Monstern und Robotern, die zwar gut inszeniert sind, aber auch auf ein Grundproblem der von Guillermo del Toro und Travis Beacham erfundenen und absolut vorhersehbaren Geschichte, die eigentlich ein „Top Gun“-Recycling ist, hinweisen: alle Charaktere sind uns herzlich egal. Es gibt den tapferen Jaeger-Piloten Raleigh (Charlie Hunnam), der sich in die Einöde zurückzieht, nachdem bei einem Einsatz sein Bruder starb.
2025 wird er von seinem ehemaligen Pan-Pacific-Defense-Corp-Kommandanten Stacker Pentecost (Idris Elba) gefunden. Er braucht ihn für das letzte Gefecht gegen die Kaiju. Diese kommen aus einer Spalte im Meer (und von dort über irgendein Wurmloch aus ihrer Welt) und sie sind kurz davor, die Erde endgültig zu übernehmen. Jetzt, wo ich über die Prämisse nachdenke, wird sie immer idiotischer.
Aber die Menschheit hat eine, ähem, interessante Idee: das Jaeger-Programm. Die Jaeger sind 25 Stockwerke hohe Roboter, die von zwei Menschen, die geistig miteinander verbunden sind und im Kampf daher wie ein Gehirn reagieren, gesteuert werden und die reihenweise Kaijus töten. Die Jaeger-Piloten werden wie Rockstars verehrt, aber dann entwickelen die Kaijus sich weiter und die Jaeger-Piloten sehen alt aus. Die Weltregierung will sich jetzt mit einer anderen Methode gegen die Kaiju verteidigen. Das Jaeger-Programm wird eingestellt.
Pentecost will das nicht akzeptieren und er trommelt seine Soldaten und zwei extrem nervige Wissenschaftler zusammen zur letzten Schlacht gegen die Viecher.
Das alles erzählt del Toro in den ersten fünfzehn, zwanzig Minuten. Danach gibt es in der Jaeger-Basis einen länglichen Ausleseprozess. Denn Raleigh braucht einen Partner – und wir wissen schon von der ersten Sekunde an, wer das wird: nämlich Mako (Rinko Kikuchi), die Gehilfin von Pentecost, die unter seinem besonderen Schutz steht (Yeah, genialer Plot-Zug: der Vorgesetzte als stinkiger, überfürsorglicher „Battleship“-Daddy). Es gibt auch, wie in „Top Gun“, einen anderen Jaeger-Piloten, der Raleigh als Konkurrenten von der ersten Sekunde an hasst.
Und den Rest können wir uns denken. Etwas Liebe, zwar ohne Knutschereien und Sex, aber mit dem ultimativen Gehirntrip, weil die Piloten, wenn ihre Gehirne für die Jaeger-Steuerung miteinander verbunden werden, erfahren sie auch gleichzeitig alles über den anderen. Ein Übungskampf. Und dann ab ins Finale mit zwei großen Kampfszenen, von denen der letzte Kampf unter Wasser, an der Spalte, aus der die Kaijus kommen, stattfindet.
Das ist so konventionell, dass eben auch die schwachen bis nicht vorhandenen Charakterisierungen und – wenn ich an „Hellboy“ denke – der mangelnde Humor auffallen. Vor allem Charlie Hunnam, der ja den Helden Raleigh spielt, und Idris Elba, der den Befehlshaber spielt, werden vom Drehbuch sträflich vernachlässigt. „Sons of Anarchy“-Hunnam vergisst man sofort. Und von Idris Elba bleiben nur die schlecht sitzenden Anzüge im Gedächtnis. Und dabei kann Elba, wie die derzeit im BBC laufende dritte, geniale „Luther“-Staffel zeigt, so viel mehr. Aber in „Pacific Rim“ ist er nur ein Kleiderständer. „Hellboy“ Ron Perlman als Kriegsgewinnler und Kaiju-Schwarzmarkthändler ist in seinen schillernden Kleidern eine Augenweide und auch der einzige Charakter, der mit seiner Dreißiger-Jahre-Hollywood-Asiaten-Bösewicht-Rolle so etwas wie Humor in den Film bringt. Die beiden Wissenschaftler Dr. Newton Geiszler (Charlie Day) und Herman Gottlieb (Burn Gorman) entsprechen dem Bild des durchgeknallten Nerd-Wissenschaftlers mit Dachschaden. Das ist witzig gemeint, aber es ist nicht witzig.
„Pacific Rim“ ist nicht so schlecht, wie ich befürchtete. Es ist deutlich besser als „Battleship“, aber auch ein Film der verpassten Chancen. Es ist ein Film, der so viel besser sein könnte und dann doch nur ein Honda-“Godzilla“-Film mit besseren Tricks ist. Aber ohne den dilletantisch-billigen Charme der Originale und ohne einen irgendwie erkennbaren politischen Subtext, der in Hondas Filmen immer erkennbar war.
Guillermo del Toros Film ist nur mäßig spannendes und mäßig unterhaltsame Blockbuster-Kino mit guten Tricks, echt wirkenden Sets, einem gerade so die Geschichte zusammenhaltendem Drehbuch und einer Parade sträflich unterforderter Schauspieler.
Pacific Rim (Pacific Rim, USA 2013)
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Travis Beacham, Guillermo del Toro (nach einer Geschichte von Travis Beacham
mit Charlie Hunnam, Idris Elba, Rinko Kikuchi, Charlie Day, Burn Gorman, Max Martini, Robert Kazinsky, Clifton Collins Jr., Ron Perlman, Diego Klattenhoff
Ein New Yorker Presseagent (Al Pacino) wird Zeuge eines Mordes und gerät in eine Intrige, die sein bisheriges Weltbild und den Glauben an das Gute im Menschen auf den Kopf stellt.
TV-Premiere eines starbesetzten Thrillers, der bei uns nur eine DVD-Premiere erlebte. Dabei sind die Kritiken gar nicht so schlecht: „Der von seinem guten Hauptdarsteller getragene Polit-Thriller erzählt die düstere Geschichte in verhaltenem Tempo und vielen Großaufnahmen, wobei er einem Kino im Stil der 1970er-Jahre verpflichtet ist.“ (Lexikon des internationalen Films)
„Düsteres Drogendrama mit Thrilleransätzen, schwer erträglicher Atmosphäre, aber einem brillanten Pacino.“ (Lothar R. Just: Filmjahrbuch 2005)
„ein angenehm ruhig erzähltes, atmosphärisch dichtes und hervorragend gespieltes Drama“ (Kai Mihm, epd-Film)
Die Musik ist von Jazzmusiker Terence Blanchard.
mit Al Pacino, Kim Basinger, Ryan O’Neal, Téa Leoni, Richard Schiff, Bill Nunn
Das Team der grandiosen James-Sallis-Neo-Noir-Verfilmung „Drive“ – Regisseur Nicolas Winding Refn, Hauptdarsteller Ryan Gosling und Musiker Cliff Martinez – ist wieder zusammen und dieses Mal ist auch Kristin Scott Thomas dabei. Als Blondine und kaum erkennbar.
Kaum erkennbar ist auch die Geschichte. Sie kryptisch zu nennen, ist fast schon eine unverschämte Überhöhung. In Bangkok verdienen die Brüder Julian (Ryan Gosling) und Billy (Tom Burke) mit wahrscheinlich schmutzigen Geschäften ihr Geld – und stehen dabei noch unter der Fittiche ihrer Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas als Cartoon-Sexy-Böse-Mutter), die aber erst zur Beerdigung von ihrem über alles geliebtem Sohn Billy nach Bangkok kommt. Billy hatte eine Prostituierte ermordet. Chang (Vithaya Pansringarm), ein im Film namenloser Polizist, stiftet den Vater und (oder?) Zuhälter der Toten an, Billy zu ermorden.
Danach entspinnt sich ein langatmiger Kampf zwischen Chang, der scheinbar jeden, der ihn stört, ermordet, und Julian, der seinen Bruder auf Befehl seiner Mutter, die ihn ständig herabsetzt, rächen soll.
Die meiste Zeit starren die Charaktere in Nicolas Winding Refns Film, der zu sehr die Antithese zu „Drive“ sein will, in gekonnt ausgeleuchteten Räumen nämlich Luftlöcher. Schnell wird deutlich, dass „Only God Forgives“ ungefähr so faszinierend wie das minutenlange, bewegungslose Anstarren von sich bedeutungsschwer gebenden, schön komponierten und schön anzusehenden Standbildern, unterlegt mit meditativ-einschläfernder Musik, ist.
Der Neunzigminüter ist eine Versuchsanordnung ohne irgendeine Dynamik, aber mit vielen Posen, die besser in einem Bildband oder einer Modefotostrecke zum Ausdruck kommen und „Only God Forgives“ zu einen der großen Enttäuschungen des Kinojahres macht.
Denn so ehrenwert und auf den ersten Blick erfreulich (Das war vor dem Filmgenuss.) es auch ist, dass das Team von „Drive“ nicht einfach die Erfolgsformel, dieses Mal mit etwas fernöstlicher Philosophie und Kampfkunst, wiederholt, so sehr muss man auch konstatieren, dass „Only God Forgives“ nur prätentiöser Quark mit einem Übermaß an Gewalt (die man meistens nicht sieht) ist, der verärgert und schnell tödlich langweilt.
Only God Forgives (Only God Forgives, Frankreich/Dänemark 2013)
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Nicolas Winding Refn
mit Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Vithaya Pansringarm, Tom Burke, Rhatha Phongam, Byron Gibson, Gordon Brown, Sahajak Boonthanakit, Joe Cummings
Sofie und Daan, zwei gegensätzliche, 33-jährige Zwillingsschwestern, könnten eigentlich mit ihren Eltern zufrieden sein. Denn sie haben richtige Traumeltern, die dummerweise homosexuell sind. Zweimal Papa, keinmal Mama. Ihre Mutter haben sie nie gekannt. Sie war damals nur eine Samenspenderin, die aus den USA kam und wieder dorthin verschwand.
Jetzt erhalten die Holländerinnen eine Nachricht aus New Mexico: ihre Mutter liegt in einem Krankenhaus und benötigt ihre Hilfe. Sie hat einen komplizierten Knochenbruch (ihr rechtes Bein ist komplett eingegipst) und sie soll vom Krankenhaus in das Reha-Zentrum am anderen Ende des Staates gebracht werden. Während Sofie das herzlich egal ist, immerhin ist sie der pragmatisch-realistische Teil der Geschwister, die auch erfolgreich im Job ist, ist die leicht spleenig-verträumte Daan begeistert. Endlich kann sie ihre Mutter kennen lernen.
In New Mexico entpuppt sich Jackie als arg schwierige Persönlichkeit. Eigenbrötlerisch, schweigsam, störrisch und, wenigstens bei den ersten Begegnungen eine unausstehliche Nervensäge, die jede Hilfe ablehnt, obwohl sie auf Hilfe angewiesen ist. Und sie weigert sich, in ein Flugzeug zu steigen.
Also lassen die beiden Schwestern sich breitschlagen, ihre Mutter in ihrem alten Trailer von dem einen Ende New Mexicos zum anderen zu fahren – und auf der Fahrt nähern die drei Frauen sich an, lernen voneinander und verändern sich.
Das ist mit vielen herrlich abgedrehten Episoden, wie dem Auftritt der Bikerinnen-Gang in der Wüste, einer ordentlichen Portion Alternative-Country-Musik und einer überflüssigen Pointe am Ende schön erzählt und unterhält als leichtgewichtiges, konventionelles Feelgood-Roadmovie auch kurzweilig.
Es ist auch schön, dass man Holly Hunter („Das Piano“, „Crash“, „Copykill“, „Arizona Junior“, „O Brother, Where Art Thou?“), die zuletzt die Hauptrolle in der TV-Serie „Saving Grace“ (noch nicht im deutschen TV gezeigt) hatte, mal wieder im Kino sieht und dann noch in einer so dankbaren Rolle als eigensinnige, auf ihre Unabhängigkeit bedachte Mutter, die immer ihren Kopf durchsetzen muss.
„Jackie – Wer braucht schon eine Mutter“ ist ein Frauenfilm, der auch Männern gefallen kann, viel Americana hat, in der zweiten Hälfte immer musikalischer wird und im dritten Akt, wenn sie zu Jackies Familie fahren, mit dem Auftritt von Alternative-Country-Musiker Howe Gelb (Giant Sand) auch etwas für den Rockfan bietet.
Jackie – Wer braucht schon eine Mutter (Jackie, Niederlande/USA 2012)
Regie: Antoinette Beumer
Drehbuch: Marnie Blok, Karen van Holst Pellekaan
mit Carice van Houten, Jelka van Houten, Holly Hunter, Mary Woods, Howe Gelb (Yeah, der „Giant Sands“-Musiker), Chad E. Brown