Zehn Jahre nach dem grandiosen „Bubba Ho-Tep“, in denen Regisseur Don Coscarelli nur einen TV-Film inszenierte, ist er mit „John dies at the End“ zurück und die Horrorkomödie ist eine geschmacksicher geschmacklose Angelegenheit, die sich deshalb natürlich primär an ein Horrorfilmpublikum richtet, das schon Coscarellis frühere Flme, wie „Das Böse“ und die drei Fortsetzungen, goutierte.
Dieses Mal geht es, mit viel Schwarzem Humor, um zwei College-Abbrecher, John und Dave, die außer ihrem TV- und Drogenkonsum wenig auf die Reihe bekommen und auch gar nicht mehr auf die Reihe bekommen wollen, denn bedröhnt vor der Glotze abhängen ist doch okay. Aber sie sind quasi auserwählt gegen eine die Menschheit bedrohende Droge zu kämpfen, die ihren Verstand angreift, an der Realität zweifeln lässt und zu irrationalen Taten animiert. Manchmal mit tödlichen Folgen. Der Straßenname dieser gefährlichen Droge ist „Sojasauce“.
Dass „John dies at the End“ (so ein richtiger Spoiler ist der Titel nicht) nicht bierernst genommen werden sollte, dürfte allein schon der Name der Droge verraten.
Dass Don Coscarelli das drogeninduzierte Driften durch Raum und Zeit und das Verwischen der verschiedenen Welten und Wahrnehmungsebenen (so sind die Menschen nicht immer das, was sie zu sein scheinen) und die Rahmenhandlung in der Dave in einem Diner einem Journalisten seine Geschichte erzählt, als Entschuldigung nimmt, um – aus Sicht der klassischen Hollywood-Dramaturgie – ziemliches chaotisch mehr oder weniger gelungene Witze aneinanderreiht, ist nachvollziehbar. Aber gleichzeitig fehlt im so jeder erzählerische Stringenz, die den Film außerhalb des Hardcore-Fankreises von nicht jugendfreien Horrorkomödien und Trashperlen goutierbar machen würde.
Das ändert nichts daran, dass die handgemachten Tricks, wie das Monster aus gefrorenen Fleischstücken, in Zeiten von überbordenden CGI-Exzessen, Spaß machen und der Film in einem Midnight-Screening oder, mit einer ordentlichen Portion Alkohol und einigen guten Kumpels, auf der heimischen Couch ziemlich genial ist. Vor allem bei dem zweiten oder dritten Ansehen. Mit oder ohne Sojasauce.
John dies at the End (John dies at the End, USA 2012)
Regie: Don Coscarelli
Drehbuch: Don Coscarelli
LV: David Wong: John dies at the End, 2001 (als Webserial; danach verschiedene Printausgaben mit mehr oder weniger vielen Ergänzungen)
mit Chase Williamson, Rob Mayes, Paul Giamatti, Clancy Brown, Glynn Turman, Doug Jones
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DVD
Pandastorm
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Wendecover
Länge: 96 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Der Film ist auch als Mediabook mit Bonusmaterial erhältlich.
Drehbuch: Walter Hill, William Fairchild (ungenannt)
LV: Desmond Bagley: The freedom trap, 1971 (Lebenslänglich mit Rückfahrkarte)
Geheimagent Rearden soll sich im Knast mit einem Sowjetagenten anfreunden. Sie werden von Freunden des Sowjetagenten befreit. Auf ihrer Flucht dämmert Rearden, dass er nur eine Marionette in einem viel größeren Spiel ist.
Spannender Agententhriller (wobei die Agenten-Sache eher nebensächlich ist)
mit Paul Newman, James Mason, Dominique Sanda, Ian Bannen
LV: F. Scott Fitzgerald: The last Tycoon, 1941 (Manuskript, posthum veröffentlicht)
Biopic über Monroe Stahr, eine mächtigen Hollywood-Studiochef in den dreißiger Jahren, seine Arbeit und sein Leben.
Das Vorbild für Monroe Stahr war Irving Thalberg, der mit 20 Jahren MGM-Studiomanager wurde, Filme wie „Meuterei auf der Bounty“ (das Original von 1935) produzierte und 1936 mit 37 Jahren starb.
Elia Kazans letzter Spielfilm war ein Kassenflop und wurde zuletzt vor einer halben Ewigkeit im Fernsehen gezeigt.
„Trotz sehr guter Besetzung, aufwendiger Ausstattung und handwerklichem Können fehlt der letzte Biss, und der Film bleibt in einer Aneinanderreihung von Episoden stecken.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Robert De Niro, Tony Curtis, Robert Mitchum, Jeanne Moreau, Jack Nicholson, Donald Pleasence, Ray Milland, Dana Andrews, Ingrid Boulting, Peter Strauss, Theresa Russell, John Carradine, Jeff Corey, Seymour Cassel, Angelica Huston
Letzter Film einer fünfteiligen Miniserie (so heißt das ja heute) über ein unabhängiges Forschungsinstitut. In „Der Gigant“ geht es um die Entwicklung eines neuen Werkstoffs, für den ein Konzern sich interessiert. Aber der Leiter des Instituts weist nachdrücklich auf die mit der Herstellung verbundenen Umweltschäden hin.
Auch in den anderen „Das blaue Palais“-Filmen geht es immer, im Rahmen von spannenden Geschichten, um wissenschaftliche Entdeckungen und den damit verbundenen philosophischen Fragen .
mit Dieter Laser, Jean-Pierre Zola, Ben Zeller, Helga Anders, Eva Renzi, Peter Fricke
Ohio, 1979: Als eine filmverrückte Gruppe Jugendlicher nachts auf einer Bahnstation eine Filmszene für ihren Zombiefilm drehen wollen, beobachten sie ein Zugunglück. Am nächsten Tag besetzt das Militär die Stadt.
Spannender Science-Fiction-Film, der durchaus als zeitgemäßes Update von „E. T.“ gesehen werden kann.
„Rainer who?“ werden jetzt die Jüngeren fragen. Denn der letzte Film von Rainer Erler, „Die Kaltenbach-Papiere“, ist von 1991.
Davor, vor allem in den siebziger und achtziger Jahren, war er in Deutschland der Regisseur für spannende, teils prophetische Filme, die gesellschaftlich wichtige Fragen aufgriffen. Er drehte – für das Fernsehen! – Science-Fiction-Filme, die sich nicht vor Hollywood-Produktionen verstecken mussten und müssen, weil sie zum Nachdenken anregen. Denn das Behandeln philosophischer Fragen ist in einem Science-Fiction-Film letztendlich wichtiger als epische Weltraumschlachten.
Normalerweise schrieb er auch das Drehbuch und von etlichen seiner Filme schrieb er auch Romanfassungen.
Gezeigt werden:
Samstag, 24. August
ZDF, 01.30 Uhr (Taggenau!; also eigentlich irgendwie noch heute )
Während ihrer Flitterwochen in den USA gerät ein deutsche Ehepaar in die Hände von Organhändlern.
Salopp gesagt: die deutsche Version von „Coma“ – und fast zeitgleich mit dem Hollywood-Film entstanden. Der Film wurde nach seiner TV-Premiere sogar im Kino gezeigt.
Mit Jutta Speidel, Herbert Herrmann, Wolf Roth, Charlotte Kerr
Letzter Film einer fünfteiligen Miniserie (so heißt das ja heute) über ein unabhängiges Forschungsinstitut. In „Der Gigant“ geht es um die Entwicklung eines neuen Werkstoffs, für den ein Konzern sich interessiert. Aber der Leiter des Instituts weist nachdrücklich auf die mit der Herstellung verbundenen Umweltschäden hin.
Auch in den anderen „Das blaue Palais“-Filmen geht es immer, im Rahmen von spannenden Geschichten, um wissenschaftliche Entdeckungen und den damit verbundenen philosophischen Fragen .
mit Dieter Laser, Jean-Pierre Zola, Ben Zeller, Helga Anders, Eva Renzi, Peter Fricke
Bum und Axel sind Freunde, bis Bum seine Seele verkauft, Geld und Erfolg, aber eben keine Seele mehr hat – und das ist nach dem Tod eine verdammt dumme Sache.
Mit dem Ernst-Lubitsch-Preis ausgezeichnete Parabel über die Wirtschaftswunderzeit, die später ein Programmkinohit wurde.
mit Hanns Lothar, Wolfgang Reichmann, Karin Schlemmer, Robert Meyn
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Der Grund? Nun, ganz einfach: Der 1933 in München geborene Regisseur feiert am 26. August einen runden Geburtstag.
Dr. Richard Kimble wird verdächtigt, seine Frau ermordet zu haben. Er flüchtet. US Marshal Sam Gerard verfolgt ihn.
Die Kinoversion der erfolgreichen TV-Serie von Roy Huggins. Dr. Richard Kimble, gespielt von David Jansen, war vier Jahre in 120 Folgen auf der Flucht und die Welt schaute gebannt zu. Harrison Ford beweist in zwei spannenden Kinostunden seine Unschuld.
„Die Inszenierung setzt, perfekt und effizient, auf Thrill und Action. Was sie über gleichartige Produkte hinaushebt, ist ihre gelungene Bemühung um Atmosphäre und Lokalkolorit, der Verzicht auf den üblichen Waffenfetischismus und auf das gewohnte Eskalieren spektakulärer Gewalttätigkeit sowie das gepflegte Handwerk bis hin zu den Kleinigkeiten.“ (Fischer Film Almanach 1994)
Der Film war ein Kassenknüller und erhielt für einen Thriller ungewöhnlich viele Preise und Nominierungen. Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. Tommy Lee Jones erhielt einen Oscar als bester Nebendarsteller.
Fünf Jahre später spielte Tommy Lee Jones in „Auf der Jagd“ (U. S. Marshals) wieder den unerbittlichen Jäger Sam Gerard.
mit Harrison Ford, Tommy Lee Jones, Sela Ward, Joe Pantoliano, Julianne Moore, Jeroen Krabbé
Du kannst alles erreichen, wenn du es willst. Auch Daniel Lugo (Mark Wahlberg) glaubt an das Versprechen des amerikanischen Traums und der Personal Trainer in dem Fitness-Studio „Sun Gym“ in Miami tut alles dafür. Er arbeitet hart. Er bildet sich fort. Er ist allerdings auch nicht besonders intelligent. Also beschließt er mit seinem Arbeitskollegen Adrian Doorbal (Anthony Mackie) und dem Ex-Knacki Paul Doyle (Dwayne Johnson), der im Gefängnis zum Christentum konvertierte und ehrlich bleiben will, einen seiner Kunden, den großkotzigen Selbstmade-Millionär Victor Kershaw (Tony Shalhoub), der während des Trainings mit seinem illegalen Vermögen und seiner Intelligenz prahlt, zu entführen.
Schon die Entführung gestaltet sich schwieriger als erwartet. Danach ist das Opfer widerspenstiger als erwartet. Aber nach einer wochenlangen Folter überschreibt er sein Vermögen. Die Ermordung ist dann wieder schwieriger als erwartet – und als die drei Trottel das geklaute Geld mit vollen Händen ausgeben, liegt Kershaw hasserfüllt im Krankenhaus und engagiert den Privatdetektiv Ed Du Bois (Ed Harris).
Das klingt doch nach einer zünftigen Gangstergeschichte aus dem Sunshine State in der Tradition von Elmore Leonard und Carl Hiaasen, um nur zwei bekannte Florida-Krimiautoren zu nennen, und der auf wahren Ereignisse aus den neunziger Jahren basierende Film „Pain & Gain“ hat in seinen besten Momenten auch ein gewisses Elmore-Leonard-Feeling.
Aber der Regisseur heißt Michael Bay und, auch wenn seine ersten Filme „Bad Boys“ und „The Rock“ knackige Action-Thriller waren (wobei „The Rock“ eine erschreckend hirnrissige Story hat), ist er inzwischen vor allem für seine drei „Transformers“-Filme bekannt. Der vierte „Transformes“-Film soll in Deutschland am 17. Juli 2014 starten.
Dazwischen drehte er „Bad Boys II“, eine geschmacklose, laute, lärmige, zu lang geratene Actionplotte mit tiefergelegtem Buddy-Humor – und „Pain & Gain“ ist dann auch mehr „Bad Boys II“ als „Bad Boys“, mit einer ordentlichen Portion Tony Scott in seiner „Man on Fire“/“Domino“-Phase, in der er seine Filme so zerschnitt, dass sie zuverlässig Kopfschmerzen verursachten. Auch in „Pain & Gain“ nervt die aufdringliche Kamera und der ebenso aufdringliche Schnitt immer wieder.
Darüber könnte man hinwegsehen, wenn Michael Bay sich entscheiden könnte, ob er die drei Verbrecher als etwas glücklose Jäger des amerikanischen Traums verherrlichen oder als gefährlich-skrupellose Trottel, deren viel Ego größer als ihre beeindruckenden Muskelpakete ist, demaskieren will. Er versucht beides, oft gleichzeitig, und so ergibt sich ein seltsamer Mix, bei dem die Inszenierung immer wieder die Geschichte und die Leistungen der Schauspieler sabotiert.
Denn die Drehbuchautoren Christopher Markus und Stephen McFeely, die bereits das Buch für den grandiosen Gangsterfilm „You kill me“ schrieben, haben eine kleine Gangstergeschichte geschrieben, die in den richtigen Händen zu einem lakonischen kleinen Noir und einer brillanten Abrechnung mit dem Amerikanischen Traum hätte werden können.
Auch die Leistungen der Schauspieler sind tadellos. Herausragend ist Tony Shalhoub, der in den vergangenen Jahren so sehr mit seiner Rolle als neurotischer Detektiv Adrian Monk in der TV-Serie „Monk“ verschmolz, dass man ihn sich kaum in einer anderen Rolle vorstellen kann. In „Pain & Gain“ spielt er so glaubhaft einen vollkommen gegensätzlichen Charakter, dass schon bei seinem ersten Auftritt (falls man ihn sofort erkennt) jede Erinnerung an Monk verblasst. Oder Dwayne Johnson, der unkaputtbare Action-Star, der hier überzeugend einen geistig minderbemittelten, leicht beeinflussbaren Gangster spielt. Ed Harris, der bereits in „The Rock“ mit Michael Bay zusammenarbeitete, ist als lakonischer Privatdetektiv gewohnt überzeugend. Mark Wahlberg gefällt als muskelbepackter, glückloser Jäger des amerikanischen Traums, der sich in Motivationskursen und Filmen das nötige Wissen für seine kriminellen Aktionen aneignet.
Doch gegen einen Michael Bay im „Bad Boys II“-Modus, der schwarzen Humor und Groteske immer wieder mit Geschmacklosigkeit und Maßlosigkeit verwechselt, hilft es nicht. Aus einer Satire wird ein Testosteron-Spektakel.
mit Mark Wahlberg, Dwayne Johnson, Ed Harris, Anthony Mackie, Tony Shalhoub, Bar Paly, Rebel Wilson, Ken Jeong, Rob Corddry, Peter Stormare (ein erweitertes Cameo)
Als „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche vor fünf Jahren erschien, sich wie geschnitten Brot verkaufte und im Feuilleton eifrig diskutiert wurde, interessierte es mich weniger als der sprichwörtlich in China umfallende Sack Reis. Ein Skandalbuch über eine junge Frau, Masturbation und ihrem Verhältnis zu Flüssigkeiten und Ausscheidungen, garniert mit Spekulationen darüber, wie sehr die Ich-Erzählerin im Roman identisch mit der Autorin ist.
Gähn!
2,5 Millionen im deutschsprachigen Raum verkaufte Exemplare später ist jetzt die Verfilmung dieses Frauenbuches im Kino und beim Studieren der Credits fällt die starke männliche Beteiligung auf. Scheint also auch etwas für Männer zu sein. Peter Rommel produzierte. Er produzierte auch „Wolke 9“, „Sommer vorm Balkon“ und „Nachtgestalten“. Gute Filme. Claus Falkenberg und David Wnendt schrieben das Drehbuch. David Wnendt übernahm auch die Regie und, wie schon in seinem überschätzten Debüt „Kriegerin“, steht wieder eine Frau im Mittelpunkt. Vom Buch wurde das grobe Handlungsgerüst übernommen, etliche Szenen wurden stark erweitert oder innerhalb der Geschichte verschoben und es gibt auch viele neue Szenen. Weil in Roches Roman die Erzählerin, die 18-jährige Helen, nach einer missglückten Intimrasur im Krankenhaus liegt und sich wild durch ihr Leben fantasiert und ihre banalen Ansichten über Gott, die Welt, ihre Hämorrhoiden und ihre Muschi assoziativ ausbreitet, ist das nicht schlimm und das Buch und der Film haben ihre Stärken und Schwächen.
Wobei die Schwächen beide Male eindeutig überwiegen. So ist „Feuchtgebiete“ bestenfalls funktional in einem lockeren Plauderton irgendwo zwischen naseweis und nervig geschrieben. Erotisch oder lustvoll ist da nichts. Skandalös auch nicht. Tabubrechend – naja. Und warum dieses langweilige Buch – außer der Banalbegründung „Sex sells“ – ein Bestseller wurde, ist mir schleierhaft.
Aber immerhin ist eine Story – Scheidungskind Helen möchte, dass ihre Eltern wieder zusammenkommen und versucht das mit einem möglichst langen Krankenhausaufenthalt zu erreichen – erkennbar und wenn sie dann am Ende, ziemlich überraschend, mit ihrem Krankenpfleger Robin zusammen zieht, kann sogar ein Entwicklungsroman erkannt werden. Immerhin emanzipierte Helen sich im Krankenhaus, als sie über ihr bisheriges Leben nachdachte, von ihren Eltern. Aber das ist vielleicht auch eine Überinterpretation und Helen will einfach nur etwas Sex haben.
Im Film wird dagegen explizit mit dem Skandal gespielt. David Wnendt geht dabei – der Film ist freigegeben ab 16 Jahre – immer an die Grenzen des auch noch für Jugendliche zeigbaren und er bleibt immer geschmackvoll. Und David Wnendt hat viele Szenen dazu erfunden oder erweitert, die im Buch nur einige Zeilen lang sind. Wir erfahren, unter anderem, mehr über ihre Eltern, die beide vollkommen unfähig sind, Kinder zu erziehen, es gibt einen langen Drogentrip von Helen und ihrer Freundin Corinna, nachdem ihr Dealer eine Dose mit Drogen bei ihnen vergisst, es gibt die längere Version von Helens vulgärer Pizzageschichte und, ganz am Anfang als „Trainspotting“-Hommage, einen Besuch von Helen auf Berlins schmutzigster Toilette.
Aber die Episoden bleiben eine Ansammlung von Szenen, bei denen meistens unklar ist, ob sie wahr oder erfunden oder von Helen in ihrer Fantasie überspitzt wurden. Das schon in der Vorlage rudimentäre Handlungsgerüst wurde noch weiter entkernt. Die Versuche, ihre Eltern zusammenzuführen sind kaum vorhanden und dass sie das unbedingt will, wird im Film nicht erkennbar. Sowieso: warum wollen Scheidungskinder unbedingt, dass ihre Eltern wieder zusammen sind und, obwohl sie sich nicht mehr lieben, auf heile Familie machen? Die Liebesgeschichte zwischen Helen und ihrem Pfleger ist höchstens als Schwärmerei eines Teenagers erahnbar, aber meistens geht es einfach um Helen, die ihren Spaß haben will und daher auch Robin ab und zu etwas neckt. Er scheint sowieso der einzige Pfleger auf dieser ziemlich menschenleeren Station zu sein. So kommt dann das gemeinsame Ende mit ihm vollkommen überraschend. Aber vielleicht fährt er sie, als er sie allein vor dem Krankenhaus im Regen stehen sieht, nur zur nächsten U-Bahn-Station.
Sogar die große Enthüllung am Ende des Films (sie hat als Achtjährige gesehen, wie ihre Mutter sich und ihren jüngeren Bruder vergasen wollte), die in einem konventionell erzähltem Film dazu dienen würde, ihre ach so verkorkste Psyche zu erklären und sie geläutert in eine bessere Zukunft entlassen würde, bleibt folgenlos. Im Buch wird dieses große Familiengeheimnis bereits auf Seite 61 (also am Anfang des zweiten Romanviertels) nebenbei enthüllt.
Zusammengehalten werden diese Episoden von der Erzählerin Helen, die fast während des gesamten Films erzählt, was wir gerade sehen oder auch nicht sehen können, weil sie gerade über – Na, Sie wissen schon – sinniert.
Aber die Szenen und das Voice-Over fügen sich nicht zu einem kohärentem Ganzen zusammen. Im Gegenteil. Sie widersprechen sich ständig gegenseitig. So sollen wir, zum Beispiel, glauben, dass Helen freiwillig bei ihrer Mutter bleibt, die sie sadistisch quält (so lässt sie sie auf den Betonboden fallen oder schneidet ihr im Schlaf die Wimpern ab), von einem Guru zum nächsten läuft und anscheinend als hygieneversessene Hausfrau und zweifache Mutter ziemlich sorgenfrei lebt. Helens Vater, der einerseits ein durchaus liebevoller, vermögender Vater mit unklarem Beruf, aber viel Freizeit und wechselnden Freundinnen ist, ist andererseits grotesk geistesabwesend. So schlägt er die Kofferraumtür seines Autos zu, klemmt dabei Helens Hand ein und reagiert überhaupt nicht auf ihre Schreie. Oder er cremt sie am Strand so nachlässig ein, dass sie danach den Sonnenbrand ihres Lebens hat. Sandburgbauen ist halt wichtiger. Billige Lacher ebenso.
Karikaturen sind diese Eltern, wie eigentlich alle Charaktere in „Feuchtgebiete“, sowieso, wobei man sich darüber unterhalten kann, ob sie Karikaturen aus Helens Sicht oder der Filmemacher sind und so kommen wir zu einem großen Problem des Films, der die Vorlage nicht blind-bieder bebildert: er hat keine erkennbare Haltung zur Geschichte. Er ordnet sein Material beliebig an und weil die einzelnen Erlebnisse und Fantasien von Helen folgenlos bleiben, könnten sie auch in irgendeiner anderen Reihenfolge als assoziativer Bilderbogen erzählt werden.
Das ist dann für einen zweistündigen Film, trotz großartiger Schauspieler und guter Inszenierung, zu wenig.
Feuchtgebiete (Deutschland 2013)
Regie: David Wnendt
Drehbuch: Claus Falkenberg, David Wnendt
LV: Charlotte Roche: Feuchtgebiete, 2008
mit Carla Juri, Christoph Letkowski, Meret Becker, Axel Milberg, Marlen Kruse, Peri Baumeister, Edgar Selge, Harry Baer
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Die Vorlage (in der schönen Filmausgabe mit 27 Bildern und einem 22-seitigen Interview mit Charlotte Roche, David Wnendt und Peter Rommel)
Die Bourne-Verschwörung (USA/D 2004, R.: Paul Greengrass)
Drehbuch: Tony Gilroy
LV: Robert Ludlum: The Bourne Supremacy, 1986 (Die Borowski-Herrschaft, Das Bourne Imperium)
Jason Bourne ist in Goa untergetaucht. Als ein Anschlag auf ihn verübt wird und er in Berlin ein Attentat verübt haben soll, beginnt Bourne den wirklichen Täter zu jagen.
Überaus erfolgreiche und auch bei der Kritik beliebte Fortsetzung von “Die Bourne-Identität”. Wieder, bis auf die Regie, mit dem bewährten Team und einigen halsbrecherischen Autoverfolungsjagden. Die Story ist ein Aufguss von „Die Bourne Identität“ (Am Anfang kämpft Bourne mit seiner Amnesie. In der Mitte erinnert er sich an seine Vergangenheit. Am Ende kämpft er gegen einen anderen Profikiller. Oh, und etliche Autos werden geschrottet.). Die vielen Berlin-Bilder sind dagegen für Berlin-Freunde ein Fest.
Gilroys Drehbuch war für den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.
Im Anschluss, um 22.20 Uhr (Wiederholung um 02.35 Uhr), läuft der Thriller „Green Zone“, ebenfalls von Paul Greengrass, wieder mit Matt Damon und selbstverständlich sehenswert
Mit Matt Damon, Franka Potente, Brian Cox, Julia Stiles, Karl Urban, Joan Allen, Michelle Monaghan
Nach dem nächsten Weltkrieg verbietet ein Diktator, der sich „Vater“ nennt, die Ursache für alles Übel: Gefühle. Als einer seiner Vollstrecker, der gnadenlos gegen Menschen, die doch Gefühle entwickeln (und damit so etwas wie einen freien Willen haben), jagt, dann doch Gefühle entwickelt…
Kleiner Kultfilm, der ganz hübsch „Fahrenheit 451“ (und ähnliche Dystopien, in denen die Regierung alles ausmerzt, was ihnen nicht in den Kram passt und eine Schöne Neue Welt errichtet) mit „Matrix“-artigen Kämpfen verbindet und das alles mit vielen Aufnahmen aus Berlin (einerseits weil in Babelsberg gedreht wurde, andererseits weil die Architektur zwischen Faschismus und Moderne einfach toll aussieht), etwas „Metropolis“-Style und Faschismus-Look garniert. Die meisten Kritiker mochten den Film nicht (der Rotten-Tomatoes-Frischegrad ist 37 Prozent), die wenigen Zuschauer (in Deutschland war’s eine DVD-Premiere) mochten den durchaus geschickt bekannte Versatzstücke miteinander verbindenden Film und die Phoenix Film Critics Society nominierte den Film in der Kategorie „Übersehener Film des Jahres“.
Kurt Wimmer verspielte seinen Credit in der SF-Szene mit dem komplett misslungenen SF-Film „Ultraviolet“, rehabilitierte sich etwas mit seinem „Total Recall“-Drehbuch und Christian Bale wurde Batman.
mit Christian Bale, Emily Watson, Taye Diggs, William Fichtner, Sean Bean, Dominic Purcell, Angus MacFadyen, Mehmet Kurtulus, David Hemmings
Mean Streets – Hexenkessel (USA 1973, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: Martin Scorsese, Mardik Martin
New York, Lower East Side: Charlie versucht sich um seinen leicht durchgeknallten Kumpel Johnny Boy zu kümmern. Denn dieser verärgert mit seinen Eskapaden auch die Mafia.
Grandioses Frühwerk von Martin Scorsese und der Start von mehreren großen Karrieren.
„Mean Streets besteht vor allem aus einem Mosaik von Momentaufnahmen und Anekdoten; an Stelle einer kontinuierlichen Entwicklung herrscht die Kontinuität des Stillstands. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum Mean Streets so irritierend authentisch wirkt.“ (Hans Günther Pflaum in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte [Hrsg.]: Martin Scorsese – Hanser Reihe Film 37, 1986)
Die größte Ironie bei dem Film ist, dass „Mean Streets“ untrennbar mit New York verbunden ist, obwohl, wegen des Geldes, die meisten Szenen nicht an Originalschauplätzen sondern in Los Angeles gedreht wurden
Mit Robert De Niro, Harvey Keitel, David Proval, Amy Robinson, Robert Carradine, David Carradine, Martin Scorsese (als Shorty, der Killer im Auto)
In Texas wird in der Wüste ein Skelett mit einem Sheriffstern gefunden. Sheriff Sam Deeds (Chris Cooper) versucht den vierzig Jahre alten Mordfall zu klären und schnell fragt er sich, was sein verstorbener Vater, der ungekrönte und immer noch geachtete Herrscher der Stadt, mit dem Mord zu tun hat und ob er sein Andenken beschmutzen soll.
„Sayles ist ein Meisterwerk mehrschichtigen Erzählens gelungen: mit knapp einem Dutzend wichtigen Rollen, mit überlegter Koppelung von Gegenwart und Vergangenheit, lakonisch-doppelsinnigen Dialogen, ausgefeilter Kameraarbeit, Musik, die drei Kulturen einfängt, und atemberaubenden Zeitübergängen.“ (Fischer Film Almanach 1998)
Bei dem Lob vergisst man fast, dass „Lone Star“ auch ein verdammt unterhaltsamer Krimi ist.
Das Drehbuch war für einen Oscar („Fargo“ gewann), einen Golden Globe, den BAFTA, den Independent Spirit Award und den Preis der Writers Guild of America (wieder gewann „Fargo“) nominiert.
mit Chris Cooper, Elisabeth Pena, Kris Kristofferson, Miriam Colon, Matthew McConaughey, Frances McDormand
Unglaublich, aber wahr: fünf Teenager rauben in Hollywood Promis aus und deren Häuser sind schlechter gesichert als meine Bude. So liegt der Haustürschlüssel für das Anwesen von Paris Hilton unter der Fußmatte.
Das war der erste Einbruch des Bling Ring, der zwischen Oktober 2008 und August 2009 in die Häuser von Paris Hilton (mehrmals), Lindsay Lohan, Orlando Bloom, Brian Austin Green, wegen seiner Freundin Megan Fox, und einigen anderen, bei uns eher unbekannten Prominenten einbrachen und Schmuck und Kleider im Wert von 3 Millionen Dollar stahlen. Dabei ging es ihnen nicht um das Geld, sondern darum, in der Nähe der Prominenten zu sein. Einen guten Teil ihrer Freizeit verbrachten sie in den angesagten Clubs von Los Angeles, die auch von ihren Opfern frequentiert wurden.
Nancy Jo Sales schrieb über sie eine „Variety“-Reportage und „Lost in Translation“-Regisseurin Sofia Coppola verfilmte jetzt diese Geschichte als „The Bling Ring“. Sie erzählt die Geschichte der einbrechenden Teenager, die kein Unrechtsbewusstsein haben, semidokumentarisch, ohne über ihre Protagonisten zu urteilen, mit einer zurückhaltend beobachtenden Handkamera, leicht achronologisch im bewährten Steven-Soderbergh-Stil und mit unbekannten Darstellern. Auch Emma Watson ist eher nicht zu erkennen. Sie haben auch kaum individuelle Kennzeichen, Als oberflächliche Personen verwechseln sie Kleidung mit Persönlichkeit und Accessoires mit Individualität. Sie sind promiverrückte, ziemlich gut situierte Jugendliche, die in einer Welt leben, in der Leute berühmt sein können, weil sie berühmt sind.
Es geht ihnen daher nicht um den monetären, sondern den ideellen Wert der gestohlenen Gegenstände. Sie wollen den Berühmtheiten nahe sein, sich als Teil ihres Lebens fühlen und mit den Einbrüchen gelingt es ihnen. Sie wollen auch teilweise vor ihren Freunden damit angeben. In der Schule erzählen sie von ihren Diebstählen, nehmen weitere Schulfreunde mit auf ihren nächtlichen Streifzüge und auf Facebook posten sie Bilder von sich in den gestohlenen Kleidern in angesagten Clubs.
Außerdem genießen sie auch etwas die mit den Einbrüchen verbundene Gefahr.
Gerade wenn man in dem Film glaubt, dass Sofia Coppola jetzt übertreibt und satirisch zuspitzt, zeigt ein Blick auf die Fakten, dass gerade die unglaublichsten Begebenheiten, wie offenstehende Türen, eine ahnungslose Polizei und ein TV-Sender, der eine Reality-Show mit einem Mitglied des Bling Rings macht (okay, die Show war ursprünglich als natürlich inszenierte Reportage aus dem Leben eines Modells geplant und wurde dann zu etwas größerem), wahr sind.
Coppola konzentriert sich in „The Bling Ring“ auf die Teenager und verfolgt sie weitgehend ohne eine offenkundig moralische Position einzunehmen oder zu psychologisieren. Alle Erklärungen kommen von den Mitgliedern des Bling Rings und, eben weil sie außer dem Promikult und der Suche nach der richtigen Kleidung keine Interessen haben, haben die Charaktere auch nicht mehr psychologische Tiefe als eine Barbie-Puppe – und langweilen entsprechend schnell.
Die wenigen Wertungen der Filmemacherin, wie die Wahl des reuigen Sünders Mark als zentrale Figur und die Darstellung des hohlen Lebens der ziemlich hohlen Protagonisten, sind so implizit, dass sie kaum auffallen und wahrscheinlich nur von denen erkannt werden, die eben diese Meinung teilen.
Auch die Medienkritik – auch wenn das ein anderer Film wäre – fällt zahm aus. Gerade die zeitgleich mit der Verhaftung von Alexis Neiers (im Film Nicki) gedrehte E!-Reality-Show „Pretty Wild“, in der sie die Hauptrolle hatte, böte viel Stoff für eine zünftige Mediensatire. So wurde ihr während der Dreharbeiten immer wieder gesagt, was sie spontan sagen solle. Dieses Detail der „scripted reality“, in der sich die Mitglieder des Bling Rings bewegten, wird im Film nicht gezeigt.
Ebenso unglaublich wie die Geschichte der jugendlichen Einbrecher ist das Anwesen von Paris Hilton, in der Sofia Coppola drehen durfte. Das muss man gesehen haben. Sonst glaubt man es nicht.
Drehbuch: Walter Hill (nach dem Drehbuch „Yojimbo“ von Ryuzo Kikushima und Akira Kurosawa)
USA, 1931: In dem texanischen Grenzkaff Jericho kämpfen zwei Schnapsbrennerbanden um die Vorherrschaft. Da taucht ein wortkarger Fremder, der sich gut mit Schusswaffen auskennt, auf. Beide Banden hätten ihn gerne als Handlanger und er lässt sich von beiden bezahlen.
Walter Hills Version von Akira Kurosawas „Yojimbo“ (und damit auch von Sergio Leones „Yojimbo“-Remake „Für eine Handvoll Dollar“). Und Kurosawa ließ sich für seinen Samurai-Film von Dashiell Hammetts „Red Harvest“ (Bluternte, Rote Ernte) inspirieren.
mit Bruce Willis, Bruce Dern, William Sanderson, Christopher Walken, David Patrick Kelly, Karina Lombard, Ned Eisenberg
Wer mit „Kick-Ass“, der grandiosen und sehr respektlosen Liebeserklärung an die Superhelden, nichts anfangen konnte, sollte um „Kick-Ass 2“ einen großen Bogen machen. Denn der Film und der ihm zugrunde liegende Comic „Kick-Ass 2“ von Autor Mark Millar und Zeichner John S. Romita, Jr., ergänzt um etliche Szenen aus „Hit-Girl“ (die im Comic eine Elfjährige, im Film eine Fünfzehnjährige, ist) ist brutal, oft vulgär, zynisch, schwarzhumorig und nie wirklich jugendfrei. Deshalb ist „Kick-Ass 2“ auch „frei ab 18 Jahre“ und er hat sich diese Freigabe ehrlich verdient.
Nach dem Ende von „Kick-Ass“ ist Frank D’Amico (Mark Strong) tot. Kick-Ass (Aaron Taylor-Johnson), ein Möchtegern-Superheld mit dem Talent, sich verprügeln zu lassen, und Hit-Girl (Chloë Grace Moretz), ein Mädchen, das lässig ganze Legionen böser Jungs verprügelt und tötet, töteten den Mafia-Boss D’Amico und seine Männer. Dabei starb Hit-Girls Vater Big Daddy (Nicholas Cage in einem seiner besten Leinwandauftritte der vergangenen Jahre).
Hit-Girl Mindy McCready lebt jetzt bei Detective Marcus Williams (Morris Chestnut), der mit ihrem Vater befreundet war, und besucht die Schule. Eine für sie fremde Welt. Denn anstatt ihrer Bestimmung folgend, Verbrecher zu vermöbeln, muss sie jetzt Soap-Operas gucken und sich für Justin Bieber begeistern.
Aber die meiste Zeit schwänzt sie die Schule (Keine Panik. Sie hat den Schulcomputer gehackt und ist deshalb auf dem Papier immer anwesend.) und bildet Kick-Ass Dave Lizewski aus. Denn Daves Ambitionen sind größer als seine kämpferischen Fähigkeiten.
Als Marcus herausbekommt, dass Mindy nicht zur Schule geht, muss sie ihm versprechen, zur Schule zu gehen. Weil Big-Daddy sie erzogen hat, gegebene Versprechen zu halten, hält sie sich auch daran.
Dave, der schon immer davon träumte, zu einem Team von Superhelden zu gehören, schließt sich Colonel Stars and Stripes (Jim Carrey) an. Der zum Gläubigen konvertierte Gangster hat die Gruppe „Justice Forever“ gegründet. Gemeinsam gehen sie mit ziemlich drastischen Methoden gegen Gangster vor. Meistens patrouillieren sie allerdings, wie eine Bürgerwehr in kindischen Verkleidungen, durch die Straßen, geben Autogramme und helfen in der Suppenküche aus.
Währenddessen will Chris D’Amico (Christopher Mintz-Plasse), der Sohn von Frank D’Amico und der in „Kick-Ass“ Red Mist war, seinen Vater rächen. Nach dem Tod seiner Mutter entdeckt er eine Ledermontur in ihrem Nachlass, zieht sie an und nennt sich jetzt „The Motherfucker“. Weil seine verbrecherischen Fähigkeiten proportional zu seinen Ambitionen sind, kauft er sich eine Bande von Schlägern ein, die ihm bei seiner Mission helfen sollen. Seine beste Waffe ist „Mother Russia“, wie er eine muskelbepackte Ex-KGB-Agentin nennt und deren Spitznamen man nicht mit „Mütterchen Russland“ übersetzen sollte. Sie ist die böse Schwester, die Ivan Drago (Dolph Lundgren) vor dem Frühstück vermöbelt und dann – vielleicht – verspeist.
Der große Spaß an „Kick-Ass 2“, in dem er auch um das Erwachsen-Werden geht, ist, dass Mark Millar, John Romita, Jr. und Jeff Wadlow jedes Superhelden-Klischee nehmen und es vom Kopf auf die Füße stellen, einem Realitätscheck unterziehen, die Superheldenmythologie kräftig entstauben und dann doch wieder – irgendwie – bestätigen. Aber halt auf eine zynisch-schwarzhumorige, pathosfreie Art.
Zur Vorlage oder Die gezeichneten Abenteuer von Kick-Ass und Hit-Girl
Der Film folgt ziemlich genau, bis auf das Finale, der Comicvorlage „Kick-Ass 2“, ergänzt um große Teile aus „Hit-Girl“, wobei im Film Hit-Girl älter als in den Vorlagen ist, weil die Hauptdarstellerin älter wurde. Die Namen einiger Charaktere wurden geändert. So wurde aus Chris Genovese Chris D’Amico. Naja, eine alte Hollywood-Weisheit sagt: „You can always change the name.“
Und der gesamte Film spielt mit Insider-Gags, Zeichen und Insignien, die das Herz des Fans erfreuen, ohne die Geschichte zu stören oder allzu besserwisserisch rüberzukommen. So hängt Daves Vater in einer Szene ein Plakat auf, während er ihm etwas von Verantwortung und den Unterschieden zwischen Comics und dem echten Leben erzählt. Auf dem Plakat ist das Cover von Mark Millar/Leinil Yus „Superior“ abgebildet. In diesem Comic möchte der an MS erkrankte Simon gerne ein Superheld sein. Ormon erfüllt ihm diesen Wunsch. Aber nach einer Woche hätte er gerne seine Seele, sonst wird Superior wieder der kranke Junge. Millar erzählt seine Version von der Verführbarkeit des Einzelnen in seinem typischen Stil – und gleichzeitig liefert er eine Liebeserklärung an Superman, der Simon für Superior als Vorbild diente.
Mark Millar und Leinil Yu widmeten „Superior“ Christopher Reeve und Richard Donner.
Die Comics sind genauso lesenswert wie „Kick-Ass 2“ sehenswert ist. Jedenfalls wenn man auf diese Art von Humor steht.
Kick-Ass 2 (Kick-Ass 2, USA 2013
Regie: Jeff Wadlow
Drehbuch: Jeff Wadlow
LV: Mark Millar/John S. Romita Jr.: Kick-Ass 2, 2010/2012 (Kick-Ass 2)
mit Aaron Taylor-Johnson, Chloë Grace Moretz, Morris Chestnut, Christopher Mintz-Plasse, Jim Carrey, Yancy Butler, John Leguizamo, Clark Duke, Augustus Prew, Lyndsy Fonseca, Donald Faison, Lindy Booth, Robert Emms, Monica Dolan, Steven Mackintosh, Olga Kurkulina, Daniel Kaluuya, Tom Wu, Andy Nyman, Iain Glen
Länge: 103 Minuten
FSK: ab 18 Jahre
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Die direkte Vorlage für den Film und damit zusammenhängende Werke von Mark Millar
Mark Millar/John Romita, Jr.: Kick-Ass 2 (Band 1)
(übersetzt von Bernd Kronsbein)
Panini, 2012
108 Seiten
12,95 Euro
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Originalausgabe
Kick-Ass 2 – Issue 1 – 4
Icon Comics, Dezember 2010 – November 2011
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Mark Millar/John Romita, Jr.: Kick-Ass 2 (Band 2)
(übersetzt von Bernd Kronsbein)
Panini, 2012
100 Seiten
12,95 Euro
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Originalausgabe
Kick-Ass 2 – Issue 5 – 7
Icon Comics, Januar – Mai 2012
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Die beiden „Kick-Ass 2“-Einzelbände erschienen auch Sammelband.
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Mark Millar/John Romita, Jr.: Hit-Girl – Kick-Ass 2: Die Vorgeschichte
Beginnen wir mit den für einen echten Krimifan interessanten und wichtigen Punkten bei „Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen“:
Percy Jackson wurde von Rick Riordan erfunden. Riordan erfand auch Privatdetektiv Tres Navarre und seine sieben Bücher mit ihm wurden für den Edgar-, Anthony- und Shamus-Award nominiert. Also ein echter Krimiautor, dessen Krimis nie ins Deutsche übersetzt wurden und der „Rowling umgekehrt“ machte. Denn er wurde vom Krimiautor zum Fantasy- und Jugendbuchautor. Einem sehr erfolgreichen. Immerhin sollen über zwanzig Millionen Exemplare seiner Percy-Jackson-Bücher weltweit verkauft worden sein. In den USA haben die Abenteuer von Percy Jackson viele Fans und die fünf Romane gehören zu den sich am besten verkauften Kinder- und Jugendbüchern, die sich vor allem an Zwölfjährige richten.
Richard Castle spielt mit. Also nicht der Krimi-Bestsellerautor, sondern Nathan Fillion, der Schauspieler, der den Bestsellerautor in der wöchentlichen TV-Krimiserie „Castle“ spielen darf. Aber während der echte Richard Castle das Licht der Öffentlichkeit meidet (Mr. Fillion macht das ja für ihn), muss ein Schauspieler halt auch Geld verdienen – und wenn es als griechischer Gott Hermes ist, der in der Gegenwart ein beeindruckendes Lagerhaus hat. Für uns Menschen sieht Hermes allerdings wie ein stinknormaler UPS-Zweigstellenleiter einer wirklich kleinen, leicht renovierungsbedürftigen Zweigstelle in Washington, D. C., aus.
Und da wären wir auch bei Rick Riordans Kniff: in seinen Percy-Jackson-Büchern versetzt er die griechische Götterwelt in die Gegenwart. In die USA. Und lässt Menschen (die die Götter nicht erkennen), Halbgötter und Götter gegeneinander kämpfen, lieben und leiden. Halt wie damals im alten Griechenland, aber mit Autos, Computern und Smartphones.
In dem zweiten „Percy Jackson“-Abenteuer müssen Percy Jackson, der halb menschliche Sohn von Poseidon, und seine Freunde, die im Wald in einem lauschigen Lager für Halbgötter, dem Camp Half-Blood, leben, nach einem Angriff von einem mechanischen Monster, das ihr unsichtbares Schutzschild durchbrach, aufbrechen und das Goldene Vlies, das sie retten kann, suchen. Die Spur führt zum Bermuda-Dreieck, dem Meer der Monster, und die Zeit drängt.
Denn Luke, der Sohn von Hermes, will ebenfalls das Goldene Vlies haben. Allerdings will er nicht das Lager der Halbgötter beschützen, sondern vernichten.
Das könnte ein vergnügliches Fantasy-Abenteuer sein, bei dem Kinder sich an den farbenprächtigen Abenteuern und Ältere an dem Spiel mit der griechischen Mythologie erfreuen. Aber es ist ein Film für ADHS-geschädigte Zehnjährige, die von einem Film einfach nur in kurzen Abständen Action, beeindruckende Sets und einige Witzeleien wollen. Dummerweise ist der Film-Percy vier Jahre älter als der Buch-Percy und deshalb gibt es auch etwas Liebesgeplänkel, was Zehnjährige nicht sonderlich interessiert.
Für andere ist der Film ein erzählerisches Desaster, das wieder einmal alle meine Vorurteile gegenüber Fantasy-Geschichten bestätigte. Denn während in normalen Geschichten (wozu auch Science-Fiction und Horror gehören) die Autoren an die Realität und die Regeln der von ihnen geschaffenen Welt gebunden sind, kann in einer Fantasy-Geschichte alles mit einem Zauberspruch, einem aus dem Nichts auftauchendem Monster oder einem mit einem Pfiff herbeigerufenem Seemonster, wenn man es gerade benötigt, alles gelöst werden.
Und wenn das alles nicht hilft, gibt es noch das Goldene Vlies, das enorme heilende Kräfte hat – und damit Tote wieder lebendig machen kann.
Damit schrumpfen dann die Probleme und Gefahren für die Protagonisten zunächst auf den richtigen Gebrauch von Zaubersprüchen und, weil alles möglich ist und nichts wirklich folgenreich für die Charaktere und die Welt ist, verflüchtigen sich die Probleme und Gefahren ins Nichts.
Außerdem nimmt sich der Film nie Zeit, an einem Ort zu bleiben. Nur in dem Lager der Halbgötter, das mit seinen Holzhütten wie ein Ferienlager wirkt, verbringen wir am Filmanfang etwas mehr Zeit. Aber danach geht es Hopplahopp von einem Ort zum Nächsten.
Und wahrscheinlich alle Kämpfe wurden vor einem Green Screen getrickst. Jedenfalls sind die zahlreichen Monster nie bedrohlich und die Schauspieler wirken immer so, als ob sie gegen einen nicht vorhandenen Gegner kämpfen müssen. Sowieso wirken die meisten CGI-Effekte erstaunlich billig.
„Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen“ ist eine ziemlich langweilige Angelegenheit – für alle, die keine zehn Jahre mehr sind.
Percy Jackson – Im Bann des Zyklopen (Percy Jackson: Sea of Monsters, USA 2013)
Regie: Thor Freudenthal
Drehbuch: Marc Guggenheim
LV: Rick Riordan: Percy Jackson and the Olympians: The Sea of Monsters, 2006 (Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen)
mit Logan Lerman, Alexandra Daddario, Douglas Smith, Leven Rambin, Brandon T. Jackson, Jake Abel, Anthony Head, Stanley Tucci, Connor Dunn, Nathan Fillion, Robert Knepper, Ron Perlman (im Original die Stimme von Polyphemus)
Beginnen wir mit dem Positiven: ich war während des gesamten Films amüsiert, weil die meisten Szenen in sich gelungen waren und die Schauspieler allesamt sympathisch sind.
Dummerweise ergibt das keinen Film, sondern eine Ansammlung von Szenen und, mit zunehmender Laufzeit, einem Gefühl von großer, fast schon unendlicher Leere. Denn in „GrossStadtKlein“ kämpfen Menschen bestenfalls mit Scheinkonflikten und ausgedachten Problemchen in einem ortlosen Nirgendwo. Dabei brauchen wir für eine kraftvolle Geschichte echte, nachvollziehbare, schwer lösbare Konflikte (also genau das, was wir in unserem normalen Leben nicht mögen) und wir brauchen einen Protagonisten, der ein für ihn schwer zu erreichendes Ziel unbedingt erreichen möchte und es auf dem Weg dorthin große Hindernisse, zahlreiche Konflikte und schwierige Entscheidungen gibt.
Aber in „GrossStadtKlein“ gibt es nur nette Menschen und die heile Welt. In der Kleinstadt und in der Großstadt, die einerseits als gegensätzliche Lebenswelten dargestellt werden könnten, aber schon im Titel in einem Wortspiel zusammengefügt werden.
Unser Held Ole lebt im nordöstlichsten Zipfel von Mecklenburg-Vorpommern und er ist glücklich. Keine Ahnung, was er macht; außer mit seinem Moped und seinen beiden Kumpels durch die Wälder an der Ostsee zu düsen und alles super zu finden. Er versteht sich prächtig mit seinen Eltern und den Großeltern, mit denen er zusammen wohnt. Das ist auch schon das einzig ungewöhnliche an dem Film: Der Dorfjunge will das Dorf nicht verlassen. Er will nicht in die Großstadt, keine Frau fürs Leben finden und, gut das hatten wir zuletzt öfters, nicht erwachsen werden.
Natürlich muss er dann doch in die gefährliche Großstadt. Es ist Berlin, könnte aber genausogut jede andere Großstadt oder größere Stadt sein; also alles, was mehr als eine Haupt- und eine Nebenstraße hat. Dort hat er ein von seinem todkranken Großvater organisiertes Praktikum bei einem Kalenderverlag bekommen. Seine Skizzen, Zeichnungen von rammelnden Wildtieren, die in einem Kalender erscheinen sollen, werden wohlwollend von dem Chef und seinem schwulen Sohn (also SCHWUL in der verklemmten bürgerlich-konservativen Variante. Nicht die lässig liebenswerte Almodovar-Variante) aufgenommen.
Ebenfalls freundlich wird Ole von seinem Cousin Rokko, bei dem er übernachten soll und den er seit Kindesbeinen nicht mehr gesehen hat, aufgenommen. Dabei soll Rokko eigentlich ziemlich böse sein; vor allem weil ihre Väter seit Ewigkeiten miteinander zerstritten sind und das dann natürlich auch für deren Kinder gelten muss. Aber er ist ziemlich nett, lässig und hat immer ein Lächeln im Gesicht. Nett und auch sehr unverklemmt ist Fritzi, die sich ohne Scham vor Ole anzieht. Für Rokko ist sie mehr die kleine Schwester und, weil er sie kennt, empfiehlt er Ole, sich nicht mit ihr einzulassen.
Selbstverständlich verliebt Ole sich sofort in sie. Und er stürzt sich in das Großstadtleben mit Hinterhofabrissbudentechnodisco (weil szenig und Berlin), etwas Gesetzesübertretung (Fritzi, ganz das schamlose Stadtluder, will ihn gleich am ersten Abend in einem Auto, das sie aufbricht, vögeln) und Berlin-Postkartenbildern, damit wir nie vergessen, dass der Film in Berlin spielt.
Aber dann stirbt Oles Opa und Fritzi, Rokko und sein Vater machen sich auf den Weg zur Trauerfeier – und wir erfahren mehr von dem so komplizierten Familienstreit, als wir jemals erfahren wollten. Letztendlich geht es einfach um zwei Dickköpfe, die nicht miteinander reden wollen.
„GrossStadtKlein“ spielt, wie so viele deutsche Filme, in einer künstlichen Patchwork-Welt, in der nichts zusammenpasst, strotzt vor Stereotypen und Klischees (einmal dürft ihr raten, wo die Jungs zur Problembewältigung hingehen), er vermeidet Konflikte wie der Teufel das Weihwasser und ertränkt alles in biederer Harmonie. Das ist einfach langweilig und, wenn man überlegt, was man mit einem besseren Drehbuch hätte machen könne, auch ärgerlich.
GrossStadtKlein (Deutschland 2013)
Regie: Tobias Wiemann
Drehbuch: Tobias Wiemann
mit Jacob Matschenz, Jytte-Merle Böhrnsen, Klaas Heufer-Umlauf, Kostja Ullman, Pit Bukowski, Tobias Moretti, Ulrike Krumbiegel