DVD-Kritik: Der Science-Fiction-Noir „Looper“ liefert Gehirnfutter

März 4, 2013

Für Science-Fiction-Fans war „Looper“ letztes Jahr eine freudige Überraschung. Ein Science-Fiction-Film der nicht auf sein Budget, sondern auf eine gute Idee, eine gute Geschichte und gute Schauspieler baute. Joseph Gordon-Levitt war gut wie immer. Aber auch Bruce Willis engagierte sich hier spürbar.

Den Film hatte ich ja schon abgefeiert und, anstatt eine neuen Filmkritik zu schreiben, ergänze ich einfach meine alte Besprechung (die ich jetzt, beim Durchlesen, immer noch okay finde) etwas, bevor ich mich dem Bonusmaterial widme:

Gerade wenn man nach einigen enttäuschenden (ich sage nur „Prometheus“ und „Total Recall“) und grottenschlechten Science-Fiction-Filmen (ich sage nur „Battleship“) mal wieder den Glauben an das Genre verliert und sich mit Actionkrachern wie „Lockout“ zufrieden geben will, kann man einen Science-Fiction-Film genießen, der nicht Unsummen für Effekte ausgibt, sondern sich auf ein gutes Drehbuch verlässt.

Looper“ ist so ein Film, der wirklich, wie „Moon“ und „Source Code“ Spaß macht und zum Nachdenken anregt. Nicht unbedingt über Zeitreisen (die Paradoxien bleiben Paradoxien), sondern über den Wert und den Sinn des Lebens.

Joe (Joseph Gordon-Levitt) ist ein Looper. Das heißt, er ist ein Killer, der für ein Verbrechersyndikat Leute umbringt, die aus der Zukunft zu ihm geschickt werden. Eines Tages wird sein dreißig Jahre älteres Ich (Bruce Willis) zurückgeschickt. Der junge Joe versagt und der alte Joe kann flüchten. Jetzt beginnt eine Hetzjagd durch das ländliche Kansas. Denn der alte Joe will den Mann finden, der in der Zukunft für den Tod seiner Frau verantwortlich ist. Er hat einige spärliche Hinweise auf dessen Identität. Der junge Joe sucht dagegen verzweifelt sein älteres Ich. Wenn er es nicht findet, wird er von seinen Looper-Freunden umgebracht – und er würde so um dreißig Lebensjahre gebracht werden.

Rian Johnson, der vorher „Brick“ (2005) und „Brothers Bloom“ (2009) drehte, verknüpft in seinem ziemlich noirischen Science-Fiction-Actionthriller verschiedene Elemente und Ideen aus älteren Science-Fiction-Filmen und Büchern, wie „Terminator“ und der Stephen-King-Verfilmung „Feuerkind“, einer ordentlichen Prise Philip K. Dick, und schafft daraus etwas ganz eigenes, das wirklich Spaß macht bis zum überraschenden Ende.

Da verzeiht man auch, dass „Looper“ in der zweiten Hälfte, wenn der junge Joe bei Sara (Emily Blunt) auf ihrer Farm Unterschlupf findet, sich in sie verliebt und mit ihrem Sohn (der auch auf der Todesliste des alten Joe steht) anfreundet, die Action zugunsten eines Liebesfilms geopfert wird. Beim zweiten Ansehen wirkt die Liebesgeschichte dann allerdings nicht mehr so lang und eine 08/15-Liebesgeschichte der Marke „er sieht sie, er liebt sie, er kriegt sie“ ist es auch nicht. Dafür haben beide schon zu viel gesehen und sie hat sich aus einem sehr guten Grund auf die Farm zurückgezogen.

Als Joes Freunde und der alte Joe auftauchen, wird deutlich, welchen furiosen Showdown Rian Johnson mit den Bildern vom beschaulichen Landleben vorbereitete.

Ein weiteres Pfund sind die beiden Hauptdarsteller. Bruce Willis, der zuletzt in bestenfalls mediokren Filmen, teils in arg kurzen Rollen, oft auf Autopilot, mitspielte, spielt hier endlich wieder einmal. Joseph Gordon-Levitt, der auch einer der Produzenten ist, mausert sich langsam zu einem Schauspieler, dessen Filme unter einem potentiellen Ansehen-Müssen-Verdacht stehen.

Looper“ ist ein spannender Krimi, ein zum Denken anregender Science-Fiction-Film und ein großer intellektueller Spaß, mit einigen gut platzierten Hinweisen auf andere Filme und Bücher.

Und wie ist das Bonusmaterial?

Auf den ersten Blick mit Audiokommentar, zweiteiligem „Making of“ (bestehend aus „Der Anfang“ und „Zeitreisen: Eine Wissenschaft“) und „Looper: Der Score“ und knapp zwanzig Minuten „Entfernte Szenen“ (die auch von Rian Johnson kommentiert werden) ist das Bonusmaterial sehr umfangreich geraten. Insgesamt sind es, ohne die Audiokommentare, über fünfzig Minuten. Der Informationsgehalt ist allerdings durchwachsen.

Das etwas über siebenminütige Film-Making-of „Der Anfang“ vermittelt interessante Einblicke. Das achtminütige Gespräch mit dem Wissenschaftler und Autor des Buches „How to build a time machine“, Brian Clegg, ist befremdlich. Denn er erklärt Zeitreisen so, als seien sie demnächst möglich und, bis auf einige kleine technische Details, auf die man nicht eingehen muss, vollkommen unproblematisch. Das hört sich dann nicht wie der Beitrag eines seriösen Wissenschaftlers, der den Realitätsgehalt eines Films erklärt, an.

In „Looper: Der Score“ erzählt Komponist Nathan Johnson in drei informativen Featurettes, wie er die Musik und die Geräuschkulisse für „Looper“ aus vorhandenen Geräuschen komponierte und so einen ganz eigenen Sound kreierte.

Die „Entfernten Szenen“ vertiefen einige Charaktere mit sieben neuen und erweiterten Szenen. Aber die Erklärungen von Rian Johnson für die Kürzungen sind schlüssig. Meistens führten die Szenen, so Johnson, zu weit vom Hauptplot weg oder das was in ihnen gezeigt wird, wurde schon gesagt oder das Publikum benötigt die Erklärung nicht, um die Geschichte zu verstehen.

Der Audiokommentar von Regisseur und Autor Rian Johnson, Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt und Hauptdarstellerin Emily Blunt, ist gut anhörbar. Die drei haben ihren Spaß und man hört ihnen gerne zu, wenn sie von den Dreharbeiten erzählen. Allerdings hätte ich mir hier mehr Informationen über die Filmgeschichte und die hinter ihr stehenden Themen und Ideen gewünscht. Aber darüber reden sie nicht.

Dafür gibt es, neben dem deutschen und dem Originaltrailer noch den animierten Trailer. Eine hübsche Spielerei.

Looper - DVD-Cover

Looper (Looper, USA 2012)

Regie: Rian Johnson

Drehbuch: Rian Johnson

mit Joseph Gordon-Levitt, Bruce Willis, Emily Blunt, Paul Dano, Noah Segan, Piper Perabo, Jeff Daniels, Summer Qing, Tracie Thoms, Garret Dillahunt

DVD

Concorde

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DD 5.1/ DTS 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Mehrere Featurettes, Entfallene Szenen, Trailer, Audiokommentar von Rian Johnson, Joesph Gordon-Levitt und Emily Blunt, Wendecover

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Looper“

Metacritic über „Looper“

Rotten Tomatoes über „Looper“

Wikipedia über „Looper“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Looper“ (Looper, USA 2012 – mit weiteren Bildern, Links und einem 35-minütigem Interview mit Rian Johnson und Joseph Gordon-Levitt)


TV-Tipp für den 4. März: A Serious Man

März 4, 2013

Eins Festival, 20.15 und 23.45

A Serious Man (USA 2009, R.: Joel Coen, Ethan Coen)

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

USA, Mittlerer Westen, 1967: Über einen biederen, jüdischen Physikprofessor bricht das Unheil herein und er fragt sich „Warum ich?“.

Nachdem die TV-Premiere von „A Serious Man“ vor einigen Wochen zu einer ziemlich unmöglichen Zeit war, läuft der Film jetzt zu einer normalen Zeit. Die Kritik war begeistert von dem Film der Coen-Brüder, den ich etwas zäh fand. Aber bibelfeste Zuschauer können einiges entdecken.

mit Michael Stuhlbarg, Richard Kind, Fred Melamed, Sari Lennick, Aaron Wolf, Jessica McManus

Hinweise

Film-Zeit über “A Serious Man”

Metacritic über “A Serious Man”

Rotten Tomatoes über “A Serious Man”

Wikipedia über die Coen-Brüder (deutsch, englisch)

Drehbuch “Blood Simple” von Joel und Ethan Coen

„You know, for kids!“  – The Movies of the Coen Brothers (eine sehr umfangreiche Seite über die Coen-Brüder)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. März: Black Swan

März 3, 2013

Pro7, 20.15

Black Swan (USA 2010, R.: Darren Aronofsky)

Drehbuch: Mark Heyman, Andres Heinz, John McLaughlin

Eine junge Ballerina, die immer perfekt sein will, erhält die Chance ihres Lebens: sie soll den Weißen und den Schwarzen Schwan in dem Tschaikowski-Ballett „Schwanensee“ spielen. Für die Rolle des Schwarzen Schwans muss sie auch ihre eigene dunkle Seite erforschen und kann dabei immer weniger zwischen Fantasie und Wirklichkeit unterscheiden.

Toller psychologischer Ballett-Horrorthriller, bei dem Spiegel und Spiegelungen in jeder Beziehungen und Szene wichtig sind. Der Einfluss von Roman Polanski ist unübersehbar. Besonders natürlich von seinen beiden Psycho-Horrorfilmen „Ekel“ (mit Catherine Deneuve) und, weniger deutlich, „Der Mieter“ (mit Roman Polanski).

Nachdem „The Wrestler“ ein Achtungserfolg beim Mainstream-Publikum (oder dem breiten Arthouse-Publikum war), gelang Independent-Liebling Darren Aronofsky mit dem Wereswan-Movie „Black Swan“ jetzt der große Durchbruch, wie erfreuliche Einspielergebnisse, ein begeistertes Publikum und ein Preisregen beweisen.

mit Natalie Portman, Vincent Cassel, Mila Kunis, Barbara Hershey, Winona Ryder

Wiederholung: Montag, 4. März, 00.25 Uhr (Taggenau! – und dann, weil der Film FSK-16 ist, auch ungekürzt)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Black Swan“

Metacritic über „Black Swan“

Rotten Tomatoes über „Black Swan“

Wikipedia über „Black Swan“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: Zu den „Arne Dahl“-Verfilmungen

März 2, 2013

Ich kenne zwar die Romane von Arne Dahl (das Pseudonym von Jan Arnald) nicht, aber die Verfilmungen seiner ersten drei Romane mit der „A-Gruppe“, Misterioso“, „Böses Blut“ und „Falsche Opfer“, sind eine zwar unterhaltsame, aber auch zwiespältige Angelegenheit, die mich nicht besonders neugierig auf die Vorlagen macht. Denn in den Filmen steht der Kriminalfall gegenüber den persönlichen Problemen und Geschichten der Ermittler, die einem durchaus ans Herz wachsen, im Hintergrund. Die „A-Gruppe“ (wie sie im Film heißt und daher auch nicht mit dem „A Team“ verwechselt werden kann) wurde von Kriminalrätin Hultin eingerichtet, um besonders spektakuläre Fälle aufzuklären und dafür braucht sie ein besonders schlagkräftiges Team. Nun, bei dem Ansehen des Teams bei der Arbeit zweifelte ich öfters, ob sie wirklich so gut sind, wie behauptet. Denn manchmal stellen sie sich doch ziemlich dumm an, unternehmen gefährlich-dumme Alleingänge und so intellektuell brillant, wie es sich für eine Spezialeinheit gehört, sind sie auch nicht. Eher schon angenehm durchschnittlich. Aber sie lösen die Fälle.

In „Misterioso“, dem ersten verfilmten Fall, aber dem zweiten Roman der elfbändigen „A-Team“- oder Paul-Hjelm-Reihe, müssen sie sich als Team finden und herausfinden wer warum schwedische Finanzgrößen ermordet. Weil der Täter ziemlich eifrig beim Morden ist, haben die Polizisten nur wenig Zeit, um die schwedische Elite zu retten.

In „Böses Blut“ scheint ein Serienkiller, der seit Ewigkeiten in den USA mordet, aus den USA nach Schweden gekommen zu sein. Mit etwas Hilfe aus den USA führen die Ermittlungen der „A-Gruppe“ sie in die Hinterhöfe der Politik, wo die schmutzigen und illegalen Umtriebe der Geheimdienste das Leben bestimmen.

In „Falsche Opfer“ sterben in Holland durch eine Autobombe ein schwedischer Polizist, seine Freundin und deren Tochter. Zuerst glauben Hjelm und seine Kollegen, dass der Anschlag dem Polizisten, der Undercover in einem Nobelrestaurant gegen Drogenhändler ermittelte, gegolten hat. Aber das stimmt nicht – und weil Teamkollege Nyberg gerade gegen einen Pädophilenring ermittelt, ahnen wir, in welche Richtung sich der Fall entwickeln wird.

Im Gegensatz zu den ersten beiden „Arne Dahl“-Verfilmungen dauert „Falsche Opfer“ drei Stunden und ist damit auch deutlich ruhiger erzählt als „Misterioso“ und „Böses Blut“, die hier auf DVD jeweils ungefähr zwei Stunden sind. Es sind die vom ZDF ausgestrahlten und auch vom mitproduzierendem ZDF synchronisierten Fassungen. Diese zweistündigen Fassungen wurden, wie bei den Stieg-Larsson-Verfilmungen „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“, wo es auch eine kürzere Kino- und eine längere TV-Fassung gibt, bereits in Schweden für eine Kinoauswertung erstellt. Dort liefen im Fernsehen dann, immer als Zweiteiler, die dreistündigen Fassungen. Aber während bei den Larsson-Verfilmungen die Kinofassungen gut gekürzt und gut ansehbar sind, sind „Misterioso“ und „Böses Blut“ schlecht gekürzt. Die Handlung und die Beziehungen zwischen den Polizisten entwickeln sich sprunghaft, einige Handlungslücken weisen unangenehm deutlich auf die Kürzungen hin und einige Szenen, die viel zu viel storyfernes Füllmaterial enthalten, konnten wegen der in ihnen enthaltenen Informationen nicht gekürzt werden.

Arne Dahl“, wie die Serie betitelt wurde, ist eine gut ansehbare, aber letztendlich unspektakuläre Polizeiserie, die schon von Anfang an viele seriellen Aspekte hat (wie den intellektuellen Putzmann, der immer nachts im Büro der A-Gruppe putzt) und sich mehr den Ermittlern und ihrem Privatleben als den Fällen widmet.

Arne Dahl - DVD-Cover

Arne Dahl – Volume 1

mit Shanti Roney (Paul Hjelm), Malin Arvidsson (Kerstin Holm), Irene Lindh (Jenny Hultin), Claes Ljungmark (Viggo Norlander), Magnus Samuelsson (Gunnar Nyberg), Matias Varela (Jorge Chavez), Niklas Åkerfelt (Aarto Söderstedt)

DVD

Edel

Bild 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Schwedisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 408 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

Die ersten drei Arne-Dahl-Verfilmungen

Misterioso, Schweden 2011

Regie: Harald Hamrell

Drehbuch: Cecilia Börjlind, Rolf Börjlind

LV: Arne Dahl: Misterioso, 1999 (Misterioso)

Böses Blut (Ont blod, Schweden 2012)

Regie: Mani Maserrat Agah

Drehbuch: Cecilia Börjlind, Rolf Börjlind

LV: Arne Dahl: Ont blod, 1998 (Böses Blut)

Falsche Opfer (Upp till tippen av berget, Schweden 2012)

Regie: Jörgen Bergmark

Drehbuch: Cecilia Börjlind, Rolf Börjlind

LV: Arne Dahl: Upp till tippen av berget, 2000 (Falsche Opfer)

Hinweise

Homepage von Arne Dahl

Krimi-Couch über Arne Dahl

Wikipedia über Arne Dahl

Fernsehserien über „Arne Dahl“

ZDF über „Arne Dahl“


TV-Tipp für den 2. März: Appaloosa

März 2, 2013

ARD, 22.15

Appaloosa (USA 2008, R.: Ed Harris)

Drehbuch: Robert Knott, Ed Harris

LV: Robert B. Parker: Appaloosa, 2005 (Appaloosa)

Die Gesetzeshüter Virgil Cole und Everett Hitch sollen in Appaloosa für Recht und Ordnung sorgen. Denn Farmer Bragg terrorisiert die Einwohner und er hat auch den vorherigen Marshall erschossen.

Gelungene, werkgetreue Verfilmung eines Westerns von Robert B. Parker, dem Autor der Spenser- und Jesse-Stone-Kriminalromane, der seine bekannten Themen von Freundschaft, Loyalität, Recht und Gesetz in einem anderen Setting ausprobiert.

Appaloosa“ erhielt beim Boston Film Festival den Preis für den besten Film und das beste Drehbuch.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung des Romans.

Fast im Anschluss, um 01.05 Uhr, läuft „Spurlos – Die Entführung der Alice Creed“. Ein sehenswerter Thriller mit Gemma Arterton und Eddie Marsan.

mit Ed Harris, Viggo Mortensen, Renée Zellweger, Jeremy Irons, Lance Henriksen

Wiederholung: Sonntag, 3. März, 02.40 Uhr (Taggenau!)

 Der Roman

Parker - Appaloosa - Europa Verlag 2

Robert B. Parker: Appaloosa

(übersetzt von Emanuel Bergmann)

Europa Verlag AG Zürich, 2012

208 Seiten

22 Euro

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Bitteres Ende” (The Professional, 2009)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Wildnis“ (Wilderness, 1979)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Appaloosa“ (Appaloosa, 2005) (Übersetzung)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 1. März: Surrogates – Mein zweites Ich

März 1, 2013

Pro 7, 20.15

Surrogates – Mein zweites Ich (USA 2009, R.: Jonathan Mostow)

Drehbuch: Michael Ferris, John Brancato

LV: Robert Venditti/Brett Weldele: The Surrogates, 2006/2009 (The Surrogates)

In naher Zukunft: Surrogate übernehmen die Drecksarbeit, während sie von Menschen, die nicht mehr ihre Wohnungen verlassen, gesteuert werden. Als bei einem Attentat auch der Mensch, der das Surrogat steuerte, stirbt, beginnt Agent Greer in einer Welt, in der es keine Morde (und auch keine anderen Verbrechen) mehr gibt und man nicht unterscheiden kann, ob man mit einem Menschen oder einem Surrogat redet, mit der Mördersuche.

Unter dem Deckmantel einer actionhaltigen Whodunit-Geschichte behandelt die tolle Graphic Novel „The Surrogates“ von Robert Venditti und Brett Weldele auch philosophische Fragen, wie was das Menschsein ausmacht und welche Realität wir wollen: die geschönte aus der Werbung oder die ungeschönte.

Die mit knapp neunzig Minuten (mit Abspann!) ungewöhnlich kurze Verfilmung (Hach, man möchte schon wissen, was da los war.) ist nur noch die Bruce-Willis-Version der freien Isaac-Asimov-Verfilmung „I, Robot“ aus. Also „Stirb langsam, Roboter“.

Da wäre mehr drin gewesen.

mit Bruce Willis, Radha Mitchell, Rosamund Pike, James Cromwell, Ving Rhames

Wiederholung: Samstag, 2. März, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Surrogates“

Metacritic über „Surrogates“

Rotten Tomatoes über “Surrogates”

Wikipedia über “Surrogates” (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Jonathan Mostow zu “Surrogates”

Meine Besprechung von Robert Venditti/Brett Weldeles „The Surrogates“

Meine Besprechung von “Set Up” (Setup, USA 2011, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von “The cold Light of the Day” (The cold Light of the Day, USA 2011, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von “Lady Vegas” (Lay the Favorite, USA/GB 2012, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von “The Expendables 2” (The Expendables 2, USA 2012, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von “Looper” (Looper, USA 2012, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von „Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben (A good day to die hard, USA 2012, mit Bruce Willis)

Bruce Willis in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: You’re nicked: „The Sweeney“ löst „The Crime“

Februar 28, 2013

Ich verstehe, dass der Verleih den Originaltitel „The Sweeney“ änderte. Immerhin können wir mit „The Sweeney“, dem Titel einer in den siebziger Jahren bahnbrechenden TV-Serie über die Flying Squad der Londoner Polizei, die bei uns vor Ewigkeiten mal als „Die Füchse“ im TV lief, wenig anfangen. In England wird sie immer noch regelmäßig wiederholt und genießt Kultstatus. Aber musste der englische Titel dann durch einen anderen englischen Titel ersetzt werden? Und dann noch durch einen so austauschbaren wie „The Crime“?

Der Titel sollte den Genrefan nicht von einem Kinobesuch abhalten. Denn Nick Love („The Football Factory“, „The Business – Schmutzige Geschäfte“, „Outlaw“, „The Firm“) liefert einen harten Cop-Thriller ab, der auch in einem interessanten Spannungsverhältnis mit und zur Originalserie steht. Einerseits wurde viel geändert und aus den gleichaltrigen Kollegen Jack Regan (John Thaw) und George Carter (Dennis Waterman) wurde ein Vater-Sohn-Paar, mit Ray Winstone als Jack Regan und Ben Drew als George Carter. Das verändert natürlich das gesamte Beziehungsgeflecht der TV-Serie. Andererseits hätte die Filmstory auch damals als TV-Folge erzählt werden können, die sich um Realismus bemühte und die beiden Helden als schürzenjagende, trinkende, fluchende und sich prügelnde Gesetzeshüter porträtierte, die, weil der Zweck die Mittel heiligt und die Aufklärungsquote stimmt, das alles durften. In den Siebzigern traf diese Abkehr von dem freundlichen Bobby den Zeitgeist.

Heute wirkt das Vorgehen schon sehr archaisch und wenn der Interne Ermittler Ivan Lewis (Steven Mackintosh), der von Regisseur Nick Love bewusst negativ gezeichnet wird, Jack Regan vorhält, dass er ein Dinosaurier sei und auch für ihn die Gesetze gelten, will man ihm irgendwann zustimmen. Denn die Sweeney schlägt zuerst zu und stellt danach vielleicht einige Fragen.

Nachdem Jack Regan (Ray Winstone), George Carter (Ben Drew) und ihr Team in den ersten Filmminuten in einer Lagerhalle eine Verbrecherbande schussfreudig und auch sehr handgreiflich mit Fäusten und Baseballschlägern außer Gefecht gesetzt haben, erhalten sie einen Hinweis auf einen geplanten Überfall auf eine private Geschäftsbank am Trafalgar Square. Gleichzeitig wird ein Juwelier überfallen. Dabei wird eine Kundin hingerichtet. Regan erkennt an dem Safe die Handschrift von Francis Allen (Paul Anderson), einem inzwischen vermögendem Safeknacker, der ein wasserdichtes Alibi hat, aber natürlich der Bösewicht ist, der den Überfall auf die Bank von langer Hand plant und auch die Kundin wurde nicht zufällig hingerichtet.

Diesen nicht übermäßig komplexen Plot garnieren Nick Love und John Hodge (die Danny-Boyle-Filme „Kleine Morde unter Freunden“, „Trainspotting“, „Lebe lieber ungewöhnlich“, „The Beach“ und, demnächst „Trance“) mit einer internen Ermittlung wegen Korruption und Brutalität im Dienst gegen die Einheit und besonders gegen Jack Regan, eine Liebesgeschichte zwischen Regan und einer Kollegin, die mit Ivan Lewis verheiratet ist, und polizeiinternen Streitigkeiten. Dazu gibt es eine Reihe beeindruckender Actionszenen, wobei der Banküberfall mit der anschließenden Jagd auf die Verbrecher über den Trafalger Square sich nicht hinter den ähnlich beeindruckenden Schusswechseln von „Heat“ und „The Town“ verstecken muss und wenn man dann noch weiß, dass der Schusswechsel auf dem Trafalger Square an einem Vormittag gedreht werden musste, ist die Szene noch beeindruckender. Denn Michael Mann und Ben Affleck konnten sich bei ihren Ballereien sicher mehr Zeit nehmen.

The Crime“ erfindet zwar das Genre nicht neu, genaugenommen wirkt er immer wie eine leicht upgedatete spielfilmlange Siebzigern-Jahre-“The Sweeney“-Episode, in Breitwand und mit exzessiven Actionszenen (über den Höhepunkt, bei dem während einer Autoverfolgungsjagd eine halbe Fertighaussiedlung zerstört wird, habe ich noch nichts gesagt), aber er hat eine rohe, mitreisende Kraft, die heute nur wenige Filme haben.

Gleichzeitig ist es ein Abgesang auf eine Ära, in der die Polizei Bürgerrechte noch nicht einmal den gesetzestreuen Bürgern zugestehen wollte. Bei aller Verherrlichung der Sweeney zeigt „The Crime“ auch, dass diese Zeit vorbei ist.

The Crime - Plakat

The Crime (The Sweeney, Großbritannien 2012)

Regie: Nick Love

Drehbuch: Nick Love, John Hodge

mit Ray Winstone, Ben Drew, Hayley Atwell, Steven Mackintosh, Paul Anderson, Alan Ford, Damian Lewis

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „The Crime“

Metacritic über „The Crime“

Rotten Tomatoes über „The Crime“

Wikipedia über „The Crime“

Die Pressekonferenz vom 3. September 2012 zum UK-Filmstart

Und einige sehr wahre Worte von Regisseur Nick Love zum Stil von „The Crime“ (The Sweeney, GB 2012)

Er sollte glatt und edel aussehen. Dieser verwackelte Look der Bourne-Film mit Handkameras ist in meinen Augen etwas passé. Da wird einem schwindlig davon.

Außerdem gibt es nichts Besseres als totale Einstellungen, wenn man die Geographie eines Films etablieren will. Ich war sehr verblüfft von Filmen wie dem letzten Bond, den ich gesehen habe – ‚Ein Quantum Trost‘ (2008). Da gab es eine Autoverfolgungsjagd, und alles, was man sah, waren Nahaufnahmen. Ich fühlte mich völlig desorientiert davon. In meinem Film habe ich dagegen auf große Ansichten gesetzt, mit langen Trackingshots. Man darf nicht vergessen, dass es darum geht, eine große Leinwand auszufüllen. Sie ist gemacht für solche Aufnahmen.


Neu im Kino/Filmkritik: „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ jagen Hexen

Februar 28, 2013

Das Märchen von Hänsel und Gretel kennen wir. Aber was geschah, nachdem sie aus dem Hexenhaus entkommen konnten? Wir wissen es nicht und die Antwort, die der Norweger Tommy Wirkola („Kill Buljo: The Movie“, „Dead Snow“) in seinem Hollywood-Debüt gibt, ist vielleicht nicht wirklich überraschend, aber sehr unterhaltsam, kurzweilig (die kurze Laufzeit hilft), herrlich ironisch und auch ziemlich gewalttätig.

Als Erwachsene sind Hänsel (Jeremy Renner) und Gretel (Gemma Arterton) professionelle Hexenjäger. Als in Augsburg ungewöhnlich viele Kinder verschwinden, sollen sie im Auftrag der Dorfoberen bei der Suche helfen. Dorfsheriff Berringer (Peter Stormare) ist davon, vor allem nachdem die erste Begegnung mit Gretel mit einer gebrochenen Nase endete, so begeistert, dass er anstatt die Kindesentführer zu jagen, lieber Hänsel und Gretel bei ihrer Arbeit behindert. Das Geschwisterpaar glaubt schnell, dass die besonders mächtige und grausame Hexe Muriel (Famke Janssen) in wenigen Tagen bei der nur selten stattfindenden Blutmond ein Opferritual plant, das ihre Macht bis in alle Ewigkeit festigen soll.

So weit, so konventionell. Aber Wirkola erzählt seine im Studio Babelsberg, Braunschweig, Bamberg und deutschen Wäldern gedrehte Geschichte als krachig-lärmige Steampunk-Variante mit einem coolen Geschwisterpaar, Sidekicks, einer wirklich bösen, bösen Hexe, witzigen Accessoires und Ideen (wie einem Elektroschocker, der von Hand aufgezogen werden muss; einem Hänsel, der sich nachdem er als Kind zu viel vom Hexenhaus genascht hat, alle paar Stunden Insulin spritzen muss; Schusswaffen, die auch in einem Science-Fiction-Film nicht weiter auffallen würden, hier aber archaischer aussehen), lakonischen Einzeilern und brutalen Kämpfen. Denn die Hexen verfügen über übermenschliche Kräfte. Hänsel und Gretel haben zwar ihren Verstand und ein ordentliches Arsenal an Waffen, die damals noch lange nicht erfunden waren, aber das ändert nichts daran, dass das Töten von Hexen eine ziemlich anstrengende und gefährliche Angelegenheit ist, bei der regelmäßig, frei nach dem Motto „Hänsel und Gretel im Haus ersparen den Zimmermann“, einiges zu Bruch geht.

Der herrlich abgedrehte Film ist ungefähr so tiefsinnig wie ein Kinderkarneval und macht, wenn man sich darauf einlässt, auch genausoviel Spaß. Außerdem gibt es mindestens eine wichtige Lebensweisheit: „Don’t eat the fucking Candy.“

Hänsel und Gretel 3D - Plakat

Hänsel und Gretel: Hexenjäger (Hansel and Gretel: Witch Hunters, USA/D 2012)

Regie: Tommy Wirkola

Drehbuch: Tommy Wirkola

mit Jeremy Renner, Gemma Arterton, Famke Janssen, Peter Stormare, Derek Mears, Pihla Viitala, Thomas Mann, Zoë Bell, Rainer Bock, Kathrin Kühnel

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“

Metacritic über „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“

Rotten Tomatoes über „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“

Wikipedia über „Hänsel und Gretel: Hexenjäger“ (deutsch, englisch)

YouTube: Noch viel mehr „Hänsel und Gretel“

 


Neu im Kino/Filmkritik: „Get the Gringo“ oder Knasturlaub mit Mel Gibson

Februar 28, 2013

Der UK-Titel „How I spent my Summer Vacation“ gibt viel treffender die Stimmung von Adrian Grunbergs Debütfilm wieder, als der doch sehr martialische Titel „Get the Gringo“. Unter diesem Titel wurde der Krimi in den USA und jetzt auch in Deutschland gezeigt und diese Kinorückkehr von „Lethal Weapon“ „Mad Max“ Mel Gibson ist auch wesentlich gelungener als seine vorherigen Filme. Wobei er die letzten zehn Jahre weniger als Schauspieler und Regisseur (ja, „Die Passion Christi“ war ein kommerzieller Erfolg, der auch der katholischen Kirche gefiel und sehr kontrovers diskutiert wurde), sondern vor allem wegen seinem Benehmen, seinen verbalen Ausfällen und seinen sehr konservativen Ansichten im Gespräch war. Doch jetzt produzierte er mit seiner Firma Icon Production, nach einem Drehbuch von ihm, Stacy Perskie (Second Assistant Director bei „Apocalypto“) und Adrian Grunberg, die Action-Krimikomödie „Get the Gringo“. Grunberg war First Assistant Director bei Gibsons „Apocalypto“ und Second-Unit-Regisseur bei „Auftrag Rache“ (Edge of Darkness), einem durchwachsenem Politthriller mit Mel Gibson in der Hauptrolle.

In „Get the Gringo“ spielt Mel Gibson einen namenlosen Fluchtwagenfahrer, der auf der Flucht vor der Polizei mit der Beute nach Mexiko entkommt, dort zwei Meter hinter der Grenze verhaftet und in das Gefängnis „El Pueblito“ gesteckt wird und das von einem wirklichen Gefängnis, das es in Mexiko von 1956 bis 2002 gab, inspiriert ist.

In dem Gefängnis, das sehr an das Gefängnis aus der dritten „Prison Break“-Staffel erinnert, hat der Insasse Javi die Macht. Die inhaftierten Verbrecher haben mit ihren Familien eine funktionierende Stadt, in der die Wärter nichts zu sagen haben, errichtet. Die mexikanische Polizei will ihn in dem Gefängnis verschwinden lassen und seine Millionenbeute behalten.

Sofort beginnt der Fahrer das Gefängnis auszukundschaften und Fluchtpläne, bei denen er auch seine Beute wieder erhält, zu schmieden. Dabei hilft ihm ein zehnjähriger Junge, der unter dem besonderen Schutz des Gefängnispaten steht.

Das B-Picture „Get the Gringo“ ist eine unterhaltsame Krimikomödie mit etwas Action und einem lakonischen Voice-Over des Fahrers, der auch über die Auslassungen und Unwahrscheinlichkeiten der Geschichte hinwegerzählt. Denn wie der gefürchtete Schulaufsatz „Was ich in den Sommerferien erlebt habe“, in dem man nicht alles aufschreibt, erzählt der Fahrer uns sicher nicht alles und baut die Höhepunkte etwas aus. Außerdem will das niedrig budgetierte Starvehikel auch nie mehr als kurzweilig-vergnügliche Hardboiled-Krimiunterhaltung sein, in dem Gibson, dessen Zeit als Kassenmagnet vorbei ist, sich als cooler Pistolero und liebevoller Ersatzdaddy profiliert.

Get the Gringo - Plakat

Get the Gringo (Get the Gringo, USA 2012)

Regie: Adrian Grunberg

Drehbuch: Mel Gibson, Stacy Perskie, Adrian Grunberg

mit Mel Gibson, Kevin Hernandez, Daniel Giménez Cacho, Jesús Ochoa, Dolores Heredia, Peter Gerety, Roberto Sosa Martinez, Peter Stormare, Mario Zaragoza, Gerardo Taracena

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Film-Zeit über „Get the Gringo“

Rotten Tomatoes über „Get the Gringo“

Wikipedia über „Get the Gringo“

 


Neu im Kino/Filmkritik: „3096 Tage“ erzählt die Geschichte von Natascha Kampusch

Februar 28, 2013

Die Geschichte kennen wir aus den Medien: Am 2. März 1998 wird die zehnjährige Natascha Kampusch in Wien auf offener Straße entführt. Am 23. August 2006 gelingt ihr nach 3096 Tagen die Flucht. Ihr Entführer, Wolfgang Priklopil, bringt sich kurz darauf um.

Bernd Eichinger sah in Natascha Kampuschs Schicksal die Geschichte für einen Film und er sicherte sich bei ihr die Rechte für eine Verfilmung. Vor seinem plötzlichen Tod schrieb er ein noch nicht einmal fünfzigseitiges Drehbuchfragment, das von Ruth Toma (Gloomy Sunday; Same Same But Different), ergänzt um Interviews, die teilweise schon Eichinger mit Kampusch geführt hatte, Kampuschs Autobiographie, die Erinnerungen ihrer Mutter und Polizeiberichte, vollendet wurde. Sherry Hormann (Wüstenblume) übernahm die Regie. Ihr Mann Michael Ballhaus die Kamera und auch die Besetzung ist nicht schlecht. Vor allem, weil wir doch eher unverbrauchte Gesichter sehen. Die junge Natascha wird von der Debütantin Amelia Pidgeon, die der echten erstaunlich ähnlich sieht, gespielt. Die Ältere von Antonia Campbell-Hughes (Breakfast on Pluto). Ihr Entführer Wolfgang Priklopil von Thure Lindhardt (Pelle, der Eroberer; Was nützt die Liebe in Gedanken; Illuminati). Ihre Mutter Brigitta Sirny von Trine Dyrholm (Das Fest; In einer besseren Welt; Love is all you need).

Diese sehr internationale Besetzung ist dann das kleinere Problem des deshalb auf englisch gedrehten deutschen Films, der für die deutsche Fassung synchronisiert wurde. Gerade am Anfang, wenn Mutter und Tochter sich streiten, hört es sich wie von einer schlechten Soap-Opera geklaut an. Auch später bleibt der Ton etwas leblos.

Der Grund für die englische Produktion war, so Regisseurin Sherry Hormann im Pressehaft, dass viele deutschsprachige Schauspieler, auch ohne eine Lektüre des Drehbuchs, absagten.

Das größere Problem des Films ist das absolut mutlose Drehbuch und die ebenso mutlose Regie, die sich darin gefallen, einfach brav beobachtend nachzuerzählen, wie Natascha Kampusch im Kellerverlies lebt, sich arrangiert, Freiheiten erkämpft, wie Wolfgang Priklopil sich um sie kümmert, sie anherrscht („Gehorche! Gehorche! Gehorche!…“) und auch quält, vor allem durch Essensentzug. In wenigen Bildern sehen wir dann noch Kampuschs Mutter traurig in ihrer Mietwohnung sitzen.

Für zwei Stunden ist das allerdings zu wenig. Denn es wird keine eigenständige Interpretation der Entführung und des Verhältnisses zwischen Opfer und Täter angeboten. Aber gerade das hätte der Film, der sich vollkommen auf Kampusch und Priklopil konzentriert, leisten müssen. Er hätte eine Erklärung für die Entführung anbieten müssen. Einerlei, ob es ein Fluchtverhalten von einer unterdrückerisch-übervorsorglichen Mutter oder eine verkorkste Kindheit oder unterdrückte Homosexualität oder was auch immer ist. Mit einer solchen Erklärung hätten die Filmemacher das Material dramaturgisch und nicht nur chronologisch strukturieren können. Der Täter hätte ein Motiv für seine Tat gehabt. Ob gut, ob schlecht ist egal. Es hätte dann jedenfalls, wie bei Norman Bates in Alfred Hitchcocks ebenfalls auf einem wahren Fall basierendem „Psycho“, einen Grund für seine Tat gegeben, über den man diskutieren könnte.

Aber weil es keine Erklärung für seine Tat gibt, bleibt auch die Beziehung zu seinem Opfer vollkommen spannungsfrei. Über zwei Stunden sehen wir eine Nicht-Beziehung. Denn gerade eine bei dieser Geschichte auf der Hand liegende tiefere Analyse von Machtverhältnissen, von Macht, Unterdrückung und Gegenwehr, und von dem Wunsch nach einer Flucht aus einer Gefangenschaft fehlt.

Natascha Kampuschs Schicksal hätte auch als Spiegel für die österreichische Mentalität stehen können. Immerhin leiden ja österreichische Dichtern besonders wortgewaltig an ihrem Land.

Das alles wären potentiell interessante Themen gewesen, an denen in einem Zwei-Personen-Stück verschiedene Positionen hätten deutlich werden können. Aber „3096 Tage“ vermeidet jedes Thema, jeden Konflikt, und bleibt so an der Oberfläche. Er erzählt nur das, was wir schon kennen.

3096 Tage“ ist so mutlos bieder geraten, dass der Eindruck entsteht, bei den Filmemachern habe die Angst vor etwaigen Verleumdungsklagen der Porträtierten das Denken bestimmt. Die dürfen jetzt auch alle mit dem Film zufrieden sein. Nur der Zuschauer nicht. Denn er muss erleben, wie aus einem spannenden Stoff biederes Konsenskino wurde, das niemandem wehtut, niemanden verstört, niemanden zum Nachdenken anregt oder aufregt.

3096 Tage - Plakat

3096 Tage (Deutschland 2012)

Regie: Sherry Hormann

Drehbuch: Ruth Toma (basierend auf dem unvollendeten Drehbuch von Bernd Eichinger), Peter Reichard (Mitarbeit)

LV: Natascha Kampusch: 3096 Tage, 2010

mit Antonia Campbell-Hughes, Thure Lindhardt, Amelia Pidgeon, Dearbhla Molloy, Trine Dyrholm, Roeland Wiesnekker, Ellen Schwiers, Ernie Mangold

Länge: 109 Minuten

FSK: ?

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „3096 Tage“

Wikipedia über „3096 Tage“ (deutsch, englisch) und Natascha Kampusch

Das Teaser-Plakat gefällt mir besser:

3096 Tage - Teaserplakat

Was sagt das über mich?


TV-Tipp für den 28. Februar: Hellboy – Die goldene Armee

Februar 28, 2013

Vox, 20.15

Hellboy – Die goldene Arme (USA 2008, R.: Guillermo del Toro)

Drehbuch: Guillermo del Toro

LV: Charakter von Mike Mignola

Zweiter Kinoauftritt von Hellboy. Dieses Mal muss er sich mit dem Elfenprinzen Nuada, der mal eben der gesamten Menschheit den Krieg erklärt hat, kloppen.

Vergnügliche Unterhaltung, die aber nicht so gut wie der erste Hellboy-Film ist.

Ein dritter Film ist geplant.

mit Ron Perlman, Selma Blair, Doug Jones, Luke Goss, John Alexander, Anna Walton, John Hurt

Wiederholung: Freitag, 1. März, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Hellboy-Comic-Seite (oder Mike Mignolas Hellboy-Seite)

Amerikanische Hellboy-Film-Seite

Deutsche Hellboy-Film-Seite

Rotten Tomatoes über “Hellboy”

Wikipedia über „Hellboy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Tödliches Terrain (Band 7)“ (BPRD: Killing Ground, 2008)

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Die Warnung (Band 8)“ (BPRD: The Warning, 2009/2010)

Noch ein Hinweis

Mignola - Hellboy - Medusas Rache2Mignola - Hellboy - Der Sturm2

Ich sollte endlich den von Christopher Golden herausgegebenen und von Mike Mignola illustrierten Kurzgeschichtensammelband “Medusas Rache” (Golkonda Verlag, 300 Seiten, 16,90) und Mike Mignolas “Hellboy”-Comic “Der Sturm” (Cross Cult, 176 Seiten, 22 Euro), das Finale der Mignola-&-Fegredo-Trilogie, lesen.

In “Medusas Rache” sind vierzehn neue “Hellboy”-Geschichten (naja, so ganz neu sind sie nicht mehr, denn der Sammelband ist von 1999, aber erst jetzt auf Deutsch erschienen) von Nancy Holder, Brian Hodge, Poppy Z. Brite, Greg Rucka, Max Allan Collins und Christopher Golden & Mike Mignola.


DVD-Kritik: „Inspector Barnaby – Collector’s Box 2“ spart Platz

Februar 27, 2013

Für die zweite „Inspector Barnaby – Collector’s Box“ wurden die ursprünglich als Volume 6 bis 10 erschienenen DVD-Boxen in einer platzsparenden Box zusammengefasst, die der chaotischen Ausstrahlungsreihenfolge des ZDF folgt. Denn der TV-Sender zeigte die Folgen ziemlich wahllos. Aber weil im Zentrum der Krimis immer der einzelne Fall steht und es keine wirkliche episodenübergreifende Handlung gibt, ist das nicht so schlimm.

In der in der lauschigen Grafschaft Midsomer spielende Krimiserie ermittelt der glücklich verheiratete Tom Barnaby (John Nettles), Vater einer im Lauf der Jahre immer erwachsener werdende Tochter, entspannt, immer mit einem leicht ironischen Unterton und einem sanften Blick auf die Skurrilitäten des typisch britischen Landlebens, das in Midsomer County noch typischer als in einem Agatha-Christie-Roman ist. Dass die Mordmethoden oft ziemlich abstrus sind und nach der Mordrate die Grafschaft schon lange entvölkert sein müsste und nach der Aufklärungsrate von hundert Prozent die Mörder ihr schändliches Treiben doch besser in die benachbarte Grafschaft verlegen sollten, wird in der unkritischen, aber informativen TV-Doku „Super Sleuth“ (enthalten auf der Bonus-DVD der Box) auch von allen Interviewpartnern, wie Barnaby-Erfinderin Caroline Graham, Drehbuchautor Anthony Horowitz (seine „Inspector Barnaby“-Filme sind in der ersten Collector’s Box), Produzent Brian True-May und Barnaby-Darsteller John Nettles, erwähnt. Auch dass in den TV-Filmen ein England gezeichnet wird, das es heute so nicht mehr gibt, wird verraten. Aber vielleicht hat „Inspector Barnaby“ deshalb in England und seit einigen Jahren auch in Deutschland und vielen anderen Ländern eine so große Gefolgschaft. Es ist eine eskapistische Krimiserie, in der Mord als etwas vollkommen Normales betrachtet wird und der Ermittler ein ganz normaler Mensch ist. Das ist, wenn man nach dem Genuss von einigen anderen Krimis und Krimiserien mal wieder an der gesamten Menschheit zweifelt und alle Polizisten für suizidgefährdete, psychopathische, beziehungsgestörte, an ihrer Arbeit verzweifelnde, von Schuldkomplexen geplagte Alkoholiker hält, eine willkommene Entspannung.

In der „Collector’s Box 2“ sind folgende zwanzig spielfilmlangen TV-Filme enthalten:

Nachts, wenn Du Angst hast (Things that go bump in the Night, GB 2004, Staffel 8, Folge 1)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: Peter J. Hammond

Erben oder sterben? (Banting Boy, GB 2005, Staffel 8, Folge 4)

Regie: Sarah Hellings

Drehbuch: Steve Trafford

Melodie des Todes (Midsomer Rhapsody, GB 2005, Staffel 8, Folge 8)

Regie: Richard Holthouse

Drehbuch: Richard Cameron

Fluch über Winyard (The House in the Woods, GB 2005, Staffel 9, Folge 1)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: Barry Simner

Die tote Königin (Dead Letters, GB 2006, Staffel 9, Folge 2)

Regie: Renny Rye

Drehbuch: Peter J. Hammond

Der Krieg der Witwen (Vixen’s run, GB 2006, Staffel 9, Folge 3)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: Michael Aitkens

Die Spur führt ins Meer (Down among the dead Men, GB 2006, Staffel 9, Folge 4)

Regie: Renny Rye

Drehbuch: Douglas Watkinson

Erst Morden, dann heiraten (Four Funerals and a Wedding, GB 2006, Staffel 9, Episode 5)

Regie: Sarah Hellings

Drehbuch: Elizabeth-Anne Wheal

Tote singen nicht (Death in Chorus, GB 2006, Staffel 9, Episode 7)

Regie: Sarah Hellings

Drehbuch: David Harsent

Mörder-Falle (Last Year’s Model, GB 2006, Staffel 9, Episode 8)

Regie: Richard Holthouse

Drehbuch: David Hoskins

Tanz in den Tod (Dance with the Dead, GB 2006, Staffel 10, Episode 1)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: Peter J. Hammond

Mord mit Groove (The Axeman Cometh, GB 2007, Staffel 10, 4)

Regie: Renny Rye

Drehbuch: Michael Aitkens

Kameraschüsse (Pictures of Innocence, GB 2007, Staffel 10, Folge 6)

Regie: Richard Holthouse

Drehhbuach: Andrew Payne

Treu bis in den Tod (Faithful unto Death, GB 1998, Staffel 1, Folge 4)

Regie: Baz Taylor

Drehbuch: Douglas Watkinson

LV: Caroline Graham: Faithful unto Death, 1997 (Treu bis in den Tod)

Ein Toter, den niemand vermisst (Death of a Stranger, GB 1999, Staffel 3, Folge 1)

Regie: Peter Creegen

Drehbuch: Douglas Livingstone

Drei tote alte Damen (Blue Herrings, GB 2000, Staffel 3, Folge 2)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: Hugh Whitemore

Leichen leben länger (Who killed Cock Robin?, GB 2001, Staffel 4, Folge 4)

Regie: David Tucker

Drehbuch: Jeremy Paul

Morden, wenn die Blätter fallen (Dark Autumn, GB 2001, Staffel 4,Folge 5)

Regie: Jeremy Silberston

Drehbuch: Peter J. Hammond

Das Tier in Dir (The Animal within, GB 2007, Staffel 10, Folge 2)

Regie: Renny Rye

Drehbuch: David Hoskins

Ein Sarg aus China (King’s Crystal, GB 2007, Staffel 10, Folge 3)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: Steve Trafford

Außerdem gibt es die sehenswerte 47-minütige Dokumentation „Super Sleuth“ (GB 2006) von Janette Clucas, ein elfminütiges Interview mit John Nettles und eine Landkarte von Midsomer County.

Inspector Barnaby (Midsomer Murders, GB 1997 – 2011)

LV: Charaktere von Caroline Graham

mit John Nettles (DCI Tom Barnaby), , Daniel Casey (Sergeant Gavin Troy, 1997 – 2003), John Hopkins (Sergeant Dan Scott, 2004 – 2005), Jane Wymark (Joyce Barnaby), Barry Jackson (Dr Bullard), Laura Howard (Cully Barnaby)

Inspector Barnaby - Collector s Box 2

Inspector Barnaby – Collector’s Box 2

(Volume 6 – 10)

DVD

Edel

Bild: Pal 4:3/Pal 16:9

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Interview mit John Nettles, TV-Dokumentation „Super Sleuth“, Poster mit Landkarte von Midsomer County

Länge: 1947 Minuten (21 DVDs, also 1 Folge pro DVD, plus eine für die Doku)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

ITV über Inspector Barnaby

ZDF über „Inspector Barnaby“

Wikipedia über „Inspector Barnaby“ (deutsch, englisch)

FAZ: Nina Belz trifft John Nettles (6. März 2011)

Krimi-Couch über Caroline Graham

Kaliber.38 über Caroline Graham

 Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 12“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 13“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 14“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 15“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Collector’s Box 1“


DVD-Krtik: Mit „Aurelio Zen“ zu den dunklen Seiten Italiens

Februar 27, 2013

Meine Erinnerung an die Aurelio-Zen-Kriminalromane von Michael Dibdin ist inzwischen etwas verblasst, aber mir gefielen die Romane vor einigen Jahren verdammt gut. Sein erster Zen-Roman „Entführung auf italienisch“ machte mich nach einigen Seiten zu einem Fan und ich wurde in den Neunzigern nicht müde, die Romane von Michael Dibdin zu empfehlen. Denn sie waren (und sind) viel bessere Romane von einem Nicht-Italiener über Italien als die erfolgreichen Commisario-Brunetti-Bücher von Donna Leon.

Dibdin schickte seinen Ermittler in elf Romanen quer durch Italien und er erzählte von den dunklen Geheimnissen Italiens – und inzwischen ist, wer die deutschen Ausgaben der Zen-Romane haben will, eine Suche quer durch die Antiquariate angesagt.

Jedenfalls freute ich mich auf die Verfilmungen, auch wenn mir klar war, dass die Macher einiges ändern würden. Immerhin erschienen die drei Romane, die die Grundlagen für die drei spielfilmlangen TV-Filme lieferten, vor über zwanzig Jahren. Aber ich hatte mit zwei Problemen zu kämpfen: Rufus Sewell als Aurelio Zen war für mich niemals der Aurelio Zen, den ich aus den Büchern im Gedächtnis hatte, und es wurde viel zu viel Zeit mit Zens Liebesgeschichte mit Tania Moretti (Caterina Murino), einer gerade noch verheirateten Sekretärin bei der Polizei, verbracht.

Im Film ist Aurelio Zen ein schüchterner, fast schon gehemmter Mann, der auf den ersten Blick das Gegenteil eines Latin Lovers ist; was ihn für das andere Geschlecht nur noch attraktiver macht. Er ist außerdem ein guter Polizist, der für seine Ehrlichkeit bekannt und gefürchtet ist. Deshalb bekommt er in „Aurelio Zen“ (so der Titel der TV-Serie) auch immer die harten, politischen Fälle auf den Schreibtisch. Fälle, in denen die eine Seite ihm explizit sagt, dass er den Fall vertuschen soll, und die andere Seite ihm sagt, dass er den wahren Täter finden soll. Dabei haben hochrangige Politiker, vermögende Unternehmer, die Kirche und auch die Mafia (wobei sie hier noch eine Nebenrolle spielt) ihre Finger im Spiel. Und der italienische Staat ist bis in den letzten Winkel korrupt.

Gerade vor diesem Hintergrund entfalten die drei sehr stilvoll inszenierten „Aurelio Zen“-Krimis ihren Reiz. In „Vendetta“ soll Aurelio Zen sich noch einmal die Beweise in einem abgeschlossenen Mordfall ansehen. Der Bauunternehmer Faso wurde in seiner Villa ermordet und es gibt auch einen Täter, der die Tat allerdings hartnäckig leugnet. Als Zen sich auf Sardinien den Tatort ansieht, entdeckt er eine neue Spur. Gleichzeitig will Tito Spadola sich an den Menschen rächen, die ihn aus seiner Sicht unschuldig in den Knast brachten. Einer von ihnen ist Aurelio Zen.

In „Himmelfahrt“ stürzt der Adlige Umberto Ruspanti sich nachts von einer Brücke. Zen soll den Fall schnell als Selbstmord abschließen. Aber er stellt Fragen, stößt auf Ungereimtheiten und hört von einem geheimnisvollen, mächtigen Bund, der sich Cabal nennt.

In „Entführung auf italienisch“ ist in Perugia ein reicher Industrieller entführt worden. Nachdem die erste Geldübergabe scheiterte, soll Aurelio Zen die Kohlen aus dem Feuer hohlen. Dabei ist sein geringstes Problem, dass die Entführer selbstverständlich keine Polizei wollen und dass der italienische Staat niemals ein Lösegeld bezahlen würde. Zen bekommt, wenig überraschend in einem Staat mit einer gut funktionierenden Doppelmoral, sogar das Lösegeld aus einem staatlichen Reptilienfonds.

Diese drei Geschichten werden von den Regisseuren John Alexander, Christopher Menaul und Jon Jones fast schon altmodisch ruhig erzählt. Auch die gewählten Drehorte in Italien (es wurde vor Ort mit vielen einheimischen Schauspielern gedreht) und die Kameraarbeit von Tony Miller (Vendetta, Entführung auf italienisch) und Julian Court (Cabal) tauchen die Geschichten in ein noirisches Licht, bei dem die Braun- und Schwarztöne überwiegen. Und so wirken die Filme oft wie ein aus der Zeit gefallener neorealistischer Film von Michelangelo Antonioni, irgendwo zwischen „Die mit der Liebe spielen“ (L’avventura, 1960), „Die Nacht“ (La notte, 1961) und „Liebe 1962“ (L’eclisse, 1962).

Aurelio Zen“ ist vielleicht nicht der Aurelio Zen aus Michael Dibdins Romanen, aber es sind drei ansehnliche, in Italien spielende Kriminalfilme.

Obwohl die Quoten gut waren, wurde die Serie von der BBC nach diesen Filmen eingestellt, weil der damals neue BBC-One-Controller Danny Cohen die Zahl der männlichen Ermittler reduzieren wollte. Und „Aurelio Zen“ ist doch eher, vor allem im Vergleich zu den sehr packenden BBC-Serien „Sherlock“ und „Luther“, gediegene Kriminunterhaltung mit einem hohen Soap-Anteil.

Als Bonusmaterial gibt es ein informatives halbstündiges „Making of“.

Zen - DVD-Cover 4

Aurelio Zen (Zen, GB 2010)

mit Rufus Sewell (Aurelio Zen), Caterina Murino (Tania Moretti), Stanley Townsend (Moscati), Ben Miles (Amedeo Colonna), Vincent Riotta (Giorgio de Angelis), Catherine Spaak (Mamma), Sargon Yelda (Romizi), Francesco Quinn (Gilberto Nieddu), Ed Stoppard (Vincenzo Fabri), Anthony Higgins (Guerchini), Garry Cooper (Angelo), Cosima Shaw (Nadia Pirlo)

DVD

Polyband

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Making of (31 Minuten, deutsch untertitelt)

Länge: 270 Minuten (3 x 90 Minuten) (2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die drei „Aurelio Zen“-Filme

Vendetta (Vendetta)

Regie: John Alexander

Drehbuch: Simon Burke

LV: Michael Dibdin: Vendetta, 1991 (Vendetta)

Erstausstrahlung: 2. Januar 2011 (BBC)

Deutsche Premiere: 4. Januar 2013 (ZDFneo)

Himmelfahrt (Cabal)

Regie: Christopher Menaul

Drehbuch: Simon Burke

LV: Michael Dibdin: Cabal, 1992 (Himmelfahrt)

Erstausstrahlung: 9. Januar 2011 (BBC)

Deutsche Premiere: 5. Januar 2013 (ZDFneo)

Entführung auf italienisch (Ratking)

Regie: Jon Jones

Drehbuch: Simon Burke, Peter Berry

LV: Michael Dibdin: Ratking, 1988 (Entführung auf italienisch; ausgezeichnet mit dem Gold Dagger)

Erstausstrahlung: 16. Januar 2011 (BBC)

Deutsche Premiere: 6. Januar 2013 (ZDFneo)

Hinweise

BBC über „Aurelio Zen“

BBC Germany über „Aurelio Zen“

Wikipedia über „Aurelio Zen“

Krimi-Couch über Michael Dibdin

Kriminalakte über Michael Dibdin

 

 

 


TV-Tipp für den 27. Februar: Fight Club

Februar 27, 2013

Kabel 1, 22.15

Fight Club (USA 1999, R.: David Fincher)

Drehbuch: Jim Uhls

LV: Chuck Palahniuk: Fight Club, 1996 (Fight Club)

Yuppie Jack findet das Leben unglaublich öde. Kurzzeitige Kicks verschafft er sich mit dem Besuch von x-beliebigen Selbsthilfegruppen. Da trifft er Tyler Durden, der seinem Leben mit der Idee des „Fight Club“ (in dem Männer sich die Fresse polieren) den nötigen Kick verschafft. Bald nimmt der „Fight Club“ größere Dimensionen an.

Inzwischen: Klassiker, der mich schon damals im Kino verdammt gut gefiel. Naja, das Ende fand ich etwas schwach. Aber die zwei Stunden davor: Wow!

In seinem Roman enthüllt Palahniuk die Pointe früher.

„Handwerklich lässt Fincher keine Wünsche offen: Er hält ein rasantes Tempo, setzt virtuos visuelle Effekte ein und schafft so einen atemberaubenden Alptraum der ausklingenden 90er. Gewiss kann über dieses bemerkenswerte Werk trefflich gestritten werden, doch eines muss ihm jeder attestieren: ‘Fight Club’ ist keine lauwarme Kommerzproduktion, sondern einer der mutigsten, irritierendsten, gleichzeitig aber auch interessantesten Filme der letzten Jahre.“ (W. O. P. Kistner, AZ, 11. November 1999)

Die andere Meinung: „Denn im Grunde ist diese manieristisch heruntergefilmte Möchtegern-Satire von Regisseur David Fincher (‘Sieben’) nicht mehr als grober Unfug: eine große, in die Länge gezogene Luftblase.“ (Albert Baer, Rheinische Post, 12. November 1999)

Mit Brad Pitt, Edward Norton, Helen Bonham Carter, Meat Loaf, Jared Leto, George Maguire

Hinweise

Wikipedia über „Fight Club“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Fight Club“ von Jim Uhls (Fassung vom 16. Februar 1998)

Drehbuch „Fight Club“ von Jim Uhls (Fassung vom 18. April 1997)

Senses of Cinema über David Fincher

Homepage von Chuck Palahniuk

Meine Besprechung der Chuck-Palahniuk-Verfilmung „Choke“

Meine Besprechung von David Finchers „Verblendung“ (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)


TV-Tipp für den 26. Februar: Tatort: Das Glockenbachgeheimnis

Februar 26, 2013

BR, 20.15

Tatort: Das Glockenbachgeheimnis (D 1999, R.: Martin Enlen)

Drehbuch: Friedrich Ani

Wer ermordete Hauserbe Martens? Und was ist das Geheimnis des Glockenbaches?

Guter Münchner „Tatort“ mit den Kommissaren Batic (Miroslav Nemec), Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Menzinger (Michael Fitz). Iris Berben spielt eine dubiose Caféhaus-Besitzerin.

Hinweise

Tatort-Fundus über die Kommissare Batic und Leitmayr

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden und das heimliche Leben“ (2012)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „The Butterfly’s Dream – Kelebegin Rüyasi“ ist eine mitreisende Liebeserklärung an das Dichten und das Leben

Februar 25, 2013

Yilmaz Erdogans „The Butterfly’s Dream – Kelebegin Ruyasi“, der das für einen türkischen Film enorme Budget von 15 Millionen US-Dollar hat, läuft bei uns, trotz einer großen Deutschland-Premiere hier in Berlin, nur in der Originalversion mit deutschen Untertiteln, was ja – leider – viele Leute von einem Kinobesuch abhält.

Denn Yilmaz Erdogan erzählt mit einer wundervollen Leichtigkeit von der Freundschaft von Muzaffer Tayyip Uslu und Rüstu Onur, die 1941 in der am Schwarzen Meer gelegenen Stadt Zonguldak Außenseiter sind. Denn sie sehen sich, obwohl noch keines ihrer Werke gedruckt wurde, als Dichter und sie leben nur für das Dichten. Für sie ist das Leben, das Leid, der Schmerz und das Glück, ein Vorwand zum Dichten. Als sie Susan, die Tochter eines reichen Unternehmers, das erste Mal sehen, verlieben sich beide sofort in die Schönheit. Sie beschließen, dass Susan anhand eines von ihnen geschriebenen Gedichts entscheiden soll, wer der Auserwählte sein soll. Schnell wird das Gedicht unwichtig. Die Drei verleben einen lockeren Sommer, in dem sie, wie Jules, Jim und Catherine in Francois Truffauts Meisterwerk „Jules und Jim“ ohne Eifersucht die gemeinsame Zeit, einen Schwebezustand des sich nicht entscheiden Wollens, verbringen. Rüstu probt mit ihnen ein vom ihm geschriebenes in Zonguldak spielendes Theaterstück, das wiederum die Wirklichkeit inspiriert. Sie versuchen weiter, ihre Gedichte veröffentlichen zu lassen, und sie treffen sich mit ihrem Lehrer Behcet Necatigil, dem Erneuerer der türkischen Lyrik und Übersetzer von Heinrich Böll, Wolfgang Borchert und Rainer Maria Rilke, der sie mit väterlicher Milde unterstützt und im Film deutlich älter als seine beiden Schüler ist. Denn Necatigil wurde am 16. April 1916 geboren.

Ein paradiesischer Zustand, wäre da nicht der nahende Weltkrieg und die vom Staat angeordnete Zwangsarbeit in den Bergwerken (wobei beides eher vernachlässigbar im Hintergrund bleibt) und die Tuberkulose, die zuerst Rüstu, später auch Muzaffer befällt. Als Rüstu in einem auf einem Zauberberg gelegenem Sanatorium aufgenommen wird, trennen sich kurzzeitig die Wege der drei Freunde.

Erdogans Film ist eine mit der Leichtigkeit eines Nouvelle-Vague-Films inszenierte Liebeserklärung an die Dichtkunst (und die Schriftstellerei) und das Unbedingte Verfolgen von Träumen (denn, wie gesagt: das Leben ist nur ein Vorwand zum Dichten) mit immer positiv gestimmten Protagonisten, die fast schon wie Paul Newman und Robert Redford in „Butch Cassidy und Sundance Kid“, aber auf der richtigen Seite des Gesetzes, mit einem gewinnendem Lachen und einem klugen Spruch gegen die triste Wirklichkeit ankämpfen. So lassen sie sich nicht von Hustenkrämpfen, Fieberanfällen und Brechanfällen, von Dunkelheit und Papiermangel beirren. Sie sehen immer das Positive und blicken entsprechend hoffnungsvoll in die Zukunft.

Muzaffer und Rüstu werden gewinnend von Kivanc Tatlitug und Mert Firat gespielt. Ihre Phantasiefrau, in die sie sich beim ersten Anblick verlieben und die später ihre bodenständig-emanzipierte Freundin wird, wird ebenso natürlich von Belcim Bilgin gespielt und Regisseur und Autor Yilmaz Erdogan hat für sich die Rolle des ebenso kunstbegeisterten Lehrers und Förderers in die Geschichte hineingeschrieben. Auch die anderen Schauspieler, die in Deutschland alle unbekannt sind, überzeugen.

Allerdings ist der Film mit über 140 Minuten etwas zu lang geraten und das Ende – der durch die Krankheit verursachte frühen Tod von Muzaffer und Rüstu – ist vielleicht folgerichtig und nötig, wenn man so etwas wie eine Biographie erzählen will, aber mir hätte ein positives Ende, vielleicht nachdem ihre ersten Gedichte veröffentlicht wurden, gefallen.

Aber auch „Jules und Jim“ endet tragisch.

The Butterfly's Dream - Plakat

The Butterfly’s Dream – Kelebegin Rüyasi (Kelebegin Rüyasi, Türkei 2012)

Regie: Yilmaz Erdogan

Drehbuch: Yilmaz Erdogan

mit Kivanç Tatlitug, Belçim Bilgin, Mert Firat, Farah Zeynep Abdullah, Yilmaz Erdogan

Länge: 144 Minuten (läuft nur als Original mit Untertitel, aber vielleicht wird noch eine Synchronisation erstellt)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Butterfly’s Dream“

Rotten Tomatoes über „The Butterfly’s Dream“

The Butterfly's Dream - Teaser

 


TV-Tipp für den 25. Februar: No Way Out – Es gibt kein Zurück

Februar 25, 2013

Arte, 20.15

No Way Out – Es gibt kein Zurück (USA 1987, R.: Roger Donaldson)

Drehbuch: Robert Garland

LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1946

Offizier Farrell hat eine Affäre mit der Geliebten des Verteidigungsministers. Als sie stirbt, soll Farrell die Spuren vertuschen und den Augenzeugen für die Tat finden: sich.

Enorm spannender Krimi mit Top-Besetzung und überraschenden Story-Twists bis zur letzten Sekunde.

Mit Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton

Wiederholung: Donnerstag, 28. Februar, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „No Way Out“

Wikipedia über „No Way Out“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung der früheren Verfilmung „Spiel mit dem Tode“ (The Big Clock, USA 1947)


TV-Tipp für den 24. Februar: True Grit

Februar 24, 2013

Pro 7, 20.15

True Grit (USA 2010, Regie: Joel Coen, Ethan Coen)

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

LV: Charles Portis: True Grit, 1968 (Die mutige Mattie; True Grit)

Die vierzehnjährige Mattie Ross will den Mörder ihres Vaters, den Feigling Tom Chaney, finden. Für die Jagd engagiert sie den versoffenen, aber furchtlosen Marschall Rooster Cogburn.

Ein zukünftiger Western-Klassiker

mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper

Hinweise

Wikipedia über Charles Portis (deutsch, englisch) und „True Grit

New York Times über Charles Portis (19. Dezember 2010)

Amerikanische Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Deutsche Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Film-Zeit über „True Grit“ (Coen-Version)

Metacritic über „True Grit“

Rotten Tomatoes über „True Grit“

Drehbuch „True Grit“ von Joel und Ethan Coen

Meine Besprechung von Charles Portis‘ Roman „True Grit/Die mutige Mattie“ (True Grit, 1968)


DVD-Kritik: Nonstop-Action und Gut: „The Raid“

Februar 23, 2013

Stirb langsam – Ein guter Tag zum Sterben“ zeigt, dass ein Nonstop-Actionfeuerwerk sehr schnell sehr langweilig werden kann.

The Raid“ zeigt, dass ein Nonstop-Actionfeuerwerk auch mitreisendes, spannendes Kino sein kann. Regisseur Gareth Evans hält sich in seinem Film nicht lange mit dem Vorspiel auf. Eine Spezialeinheit soll in einem Hochhaus einen Drogenboss verhaften. Der kontrolliert das gesamte Gebäude und auch die Bewohner des Gebäudes. Nachdem die Polizisten entdeckt werden, beginnt das Schlachtfest, bei dem die Polizisten ihre Waffen und, reihenweise, ihr Leben verlieren. Auch die Gangster sterben wie die Fliegen. In den Kämpfen kristallisieren sich bei den Polizisten ein Protagonist und bei den Verbrechern neben dem Gangsterboss zwei wichtige Handlanger heraus.

Und dann gibt es die Kämpfe. Zuerst ein episches Feuergefecht im Treppenhaus und in zwei übereinander liegenden Wohnungen, das mit einem explodierendem Kühlschrank endet. Danach mehrere Faustkämpfe, in denen verschiedene Kampfstile und alle Gegenstände, die gerade im Weg liegen, verwandt werden, in den Gängen und Zimmern des Hochhauses und dem Drogenlabor. Der mehrere Minuten lange Schlusskampf zwischen den beiden Handlangern des Gangsterbosses und dem Polizisten in einem fensterlosem Lagerraum toppt dann noch einmal die vorherigen Kämpfe.

Die geradlinige Geschichte, die zufälligerweise an „Dredd“ erinnert (beide Filme wurden etwa zeitgleich gedreht), hat zwei kleinere Überraschungen, die ihr mehr Tiefe verleihen. Aber vor allem charakterisieren die Kämpfe die Polizisten und die Verbrecher als erkennbare Individuen. Wir fühlen mit den Kämpfenden. Wir verstehen, um was gekämpft wird und was auf dem Spiel steht. Die brutalen Kämpfe sind, wie es sein soll, Handlung und nicht höchstens als Spektakel faszinierende l’art pour l’art.

Deshalb ist „The Raid“ der bessere „Stirb langsam“-Film.

Als Bonusmaterial bei der Single-DVD gibt es eine witzige Kurzfilmversion von „The Raid“ mit Knetfiguren und einen sehr informativen Audiokommentar von Autor und Regisseur Gareth Evans.

The Raid - DVD-Cover

The Raid (The Raid, Indonesien/USA 2011)

Regie: Gareth Evans

Drehbuch: Gareth Evans

mit Iko Uwais, Ray Sahetapy, Joe Taslim, Donny Alamshya, Yayan Ruhian, Pierre Gruno

DVD

Koch-Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Indonesisch (DTS, Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Claycats The Raid, Trailer, Audiokommentar

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

(es ist auch eine Doppel-DVD mit entsprechend mehr Bonusmaterial erschienen)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Raid“

Metacritic über „The Raid“

Rotten Tomatoes über „The Raid“

Wikipedia über „The Raid“ (deutsch, englisch)

 

 


TV-Tipp für den 23. Februar: Tödliche Entscheidung

Februar 23, 2013

Eins Festival, 22.05

Tödliche Entscheidung (USA 2007, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Kelly Masterson

Andy, der für Drogen Geld aus der Firmenkasse nahm, kann seinen Bruder Hank überreden, das elterliche Juweliergeschäft zu überfallen. Der Überfall, auch weil die Mutter gar nicht daran denkt, irgendwelchen hergelaufenen, maskierten Verbrechern die Juwelen zu geben, geht schief – und dann bröckelt die heile Fassade der Familie verdammt schnell ab.

Mit seinem letzten Film drehte Sidney Lumet, nach einigen schwächeren Werken, mit einer Familientragödie noch einmal so richtig voll auf. Er seziert, wieder einmal, die Kehrseite des amerikanischen Traums anhand. Dieses Mal am Beispiel einer ziemlich kaputten, weißen Mittelstandsfamilie.

Der Pitch war vielleicht: „Family Business“, aber ohne Lacher.

„Tödliche Entscheidung“ ist ein feiner Noir und, kein Wunder bei der Besetzung, großes Schauspielerkino. Ein potentieller Klassiker.

mit Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Aleksa Palladino, Michael Shannon, Amy Ryan, Sarah Livingston, Brían F. O’Byrne, Rosemary Harris

Wiederholung: Sonntag, 24. Februar, 02.05 Uhr Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Wikipedia über „Tödliche Entscheidung“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Tödliche Entscheidung“

Rotten Tomatoes über “Tödliche Entscheidung”

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)