Der Wolf hetzt die Meute (USA 1984, R.: Richard Tuggle)
Drehbuch: Richard Tuggle
New-Orleans-Cop Wes Block jagt einen Prostituiertenmörder. Als eine Prostituierte, bei der er kurz vorher war, ermordet wird, vermutet er eine Beziehung zwischen ihm und dem Mörder. Er hält es sogar nicht für ausgeschlossen, selbst der Täter zu sein.
Als Zuschauer wissen wir in dem Regiedebüt des Drehbuchautors von „Flucht von Alcatraz“ (obwohl Eastwood im Hintergrund dann doch Regie führte) schon früh, dass sich Block in diesem Punkt irrt. Dennoch ist „Der Wolf hetzt die Meute“ (doofer deutscher Titel des wesentlich treffenderen Originaltitels „Tightrope“) ein spannender Psycho-Thriller, der die dunkle Seite von Dirty Harry erkundet, bei den Kritikern ziemlich gut ankam und an der Kasse erfolgreich war.
Im Rückblick ist „Der Wolf hetzt die Meute“ einer von Eastwoods besten Filmen aus den achtziger Jahren.
mit Clint Eastwood, Genevieve Bujold, Dan Hedaya, Alison Eastwood, Jennifer Beck
Paulina Garcia gewann auf der diesjährigen Berlinale den silbernen Bären für ihre Darstellung einer geschiedenen, berufstätigen Endfünfzigerin und Mutter, die sich noch jung fühlt und in Santiago de Chile auf Single-Partys nach dem Mann für die nächsten Jahre sucht. Als sie den sieben Jahre älteren Rudolfo trifft, glaubt sie, das große Los gezogen zu haben. Aber Rudolfo hängt noch an seiner Ex-Frau und will Gloria seinen Kindern nicht vorstellen – und wir dürfen verfolgen, wie sie mit dem Problem umgeht.
„Das Projekt ‚Gloria‘ ergab sich aus Überlegungen darüber, ob es wohl möglich wäre, einen Film über die Frauen aus der Generation meiner Mutter zu drehen, und – falls ja – wie ein solcher Film denn dann aussehen könnte. (…) Ich hatte einfach Lust, den mir vorerst noch fremden Planeten dieser Generation zu erforschen und zu sehen, was mir dort wohl begegnen würde“, sagt Autor und Regisseur Sebastián Lelio über seinen Film „Gloria“ und seine Protagonistin Gloria.
Diese hat seltsam wenige stabile soziale Kontakte. Immerhin scheint sie schon ihr ganzes Leben in Santiago de Chile zu leben, aber trotz Familie (die Eltern sind wohl schon gestorben), Kindern, die nicht weggezogen sind und einer anscheinend verantwortungsvollen Tätigkeit in einem Büro kennt sie niemand für ein freundschaftliches Gespräch und sie hat auch keine Hobbys, die ihrem Leben irgendeinen Sinn verleihen. Ihr einziges Lebensziel ist es, den richtigen Mann fürs Leben, naja, für die noch verbleibenden Jahre, zu finden – und das scheint für Gloria die einzige Möglichkeit zu sein, ein vollwertiges Leben zu führen. Das mag für chilenische Sechzigjährige, die einem stark katholisch geprägtem Land ihr Leben verbrachten, zutreffend sein, aber wir reden hier auch von einer Frau, die ungefähr 1955 geboren wurde.
Außerdem plätschert Sebastián Lelios Charakterstudie, der im wesentlichen chronologisch einige Monate im Leben von Gloria erzählt, ziemlich schnell, nachdem sie ihren Traummann trifft, eher ereignislos vor sich hin. Denn die Beziehung zwischen ihr und Rudolfo entwickelt sich nicht weiter. Es ist ein zähes und ermüdendes hin und her zwischen Zusammensein und Trennung, das immer wieder den gleichen Konflikt, mit fast den gleichen Worten thematisiert. Denn es ist wirklich egal, ob Rudolfo Gloria seinen Kindern nicht vorstellen will, weil er noch an seiner Ex-Frau hängt, oder er ein Treffen mit Gloria wegen eines nichtigen familiären Problems absagt. Es ist schon beim ersten Mal klar, dass er Gloria nicht das geben kann, was sie will und irgendwann erkennt sie das.
Am Ende des daher eher langatmigen Films steht Gloria wieder da, wo sie am Anfang war, ohne klüger zu sein. Dazwischen gibt es etliche, in dieser Ausführlichkeit vollkommen überflüssige Sex- und Nacktszenen, die vor allem zeigen, dass auch Über-Fünfzigjährige noch Sex haben können.
Da ist mir „Frances Ha“, die einfach ihr Leben genießen will und gar nicht nach Mr. Right sucht, viel lieber. Auch ohne Nacktszenen.
Gloria (Gloria, Spanien/Chile 2012)
Regie: Sebastián Lelio
Drehbuch: Sebastián Lelio
mit Paulina García, Sergio Hernández, Diego Fontecilla, Fabiola Zamora, Coca Guazzini, Hugo Moraga
Lohn der Giganten (Frankreich 1977, R.: Alain Corneau)
Drehbuch: Alain Corneau, Daniel Boulanger
In der Nähe von Bordeaux leitet Henri Savin das Transportunternehmen seiner Geliebten Dominique. Als er sich mit der jüngeren Julie absetzen will, bringt Dominique sich um. Die Polizei glaubt an Mord und verhaftet Julie. Henri versucht den Verdacht auf sich zu lenken.
Seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigter französischer Krimiklassiker mit Top-Besetzung.
„Clever konstruiert und perfekt in Szene gesetzt, ist ‚Lohn der Giganten‘ ein spannender und ungemein unterhaltsamer Thriller, der zudem mit zwei denkwürdigen, in Zeitlupe gefilmten Action-Sequenzen aufwartet: Savin lässt einen Tanklastzug führerlos in eine Schlucht rasen und explodieren; Savin wird mit seinem kleinen Volkswagen unbarmherzig von riesigen Trucks gejagt.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)
Das Lexikon des internationalen Films mäkelte: „Der brillant inszenierte Film reflektiert allerdings nicht Fragen nach Selbstjustiz und Wahrheitsmanipulation.“
„Lohn der Giganten“ war nach „Police Python 375“ die zweite Zusammenarbeit von Alain Corneau und Yves Montand. Die dritte war „Wahl der Waffen“.
Arte zeigt die Originalfassung. Im deutschen Kino lief eine 88-minütige Fassung.
Die Musik ist von Jazzer Gerry Mulligan.
mit Yves Montand, Carole Laure, Marie Dubois, Jean-Francois Balmer
Einerseits ist „42“ ein Sportlerbiopic, das ungefähr so kritisch wie Hofberichterstattung ist.
Andererseits ist „42“ politisches Kino, das einen ungeschönten Blick in eine rassistische Gesellschaft wirft: nämlich die Vereinigten Staaten von Amerika nach dem zweiten Weltkrieg, als Branch Rickey, der Geschäftsführer der Brooklyn Dodgers, Jackie Robinson als Spieler verpflichtete und damit gegen die Regeln der Major League Baseball verstieß. Denn Robinson war Afroamerikaner und in einer zutiefst rassistischen Gesellschaft hatten Afroamerikaner nichts in der Profiliga zu suchen. Aber Rickey, der damals Mitte Sechzig war, wollte die Brooklyn Dodgers zum Sieg führen und Robinson war dafür, aufgrund seiner Leistungen, der beste Mann.
Harrison Ford, der Branch Rickey schön grummelig spielt und unter der Maske kaum zu erkennen ist, aber so dem echten Rickey erstaunlich ähnelt, sagt über ihn: „Rickey ist ein Geschäftsmann, der begreift, dass Dollars nicht schwarz oder weiß, sondern grün sind. Aber er ist auch Moralist und Patriot, der es für unvertretbar hält, dass in den USA begabten Leuten aufgrund ihrer Hautfarbe Chancen verweigert werden. Es geht um Fairness – auch und gerade in einem Spiel, das untrennbar mit dem amerikanischen Geist verwoben ist.“
Deshalb verlangt er von Jackie Robinson (Chadwick Boseman), dass er gut spielt und den Mut und die Kraft hat, nicht auf die zahlreichen Beleidigungen, die er erleiden muss, zu reagieren. Er glaubt, dass Robinson durch sein Spiel die Fans überzeugen kann.
Aber Robinson muss auch seine Mannschaftskameraden überzeugen.
Brian Helgeland („L. A. Confidential“, „Payback – Zahltag“, „Blood Work“, „Mystic River“, „Green Zone“) konzentrierte sich in seinem sehr faktentreuem Biopic auf zwei Jahre in Robinsons Leben, nämlich die Jahre von 1945 bis 1947, die für die Geschichte des Baseball entscheidend waren und die Robinson an dem Punkt zeigen, an dem sich sein weiteres Leben entschied. Später war er auch einer der Unterstützer der Bürgerrechtsbewegung.
Heute hat Jackie Robinson in Baseball-Kreisen eine für uns kaum vorstellbare Bedeutung. Denn seine Nummer, die 42, wird seit 1997 als einzige Spielernummer nicht mehr vergeben. Nur am 15. April, dem Jackie Robinson Day, wird sie seit 2005 von allen Baseballspielern getragen. Am 15. April 1947 hatte Robinson sein erstes Spiel als Brooklyn Dodger.
Drehbuchautor und Regisseur Helgeland sagt zur Botschaft des Films: „Ich glaube fest an die grundsätzliche Gesinnung in unserem Land, die die herrschenden Zustände ständig verbessern möchte. Und Jackie Robinsons Aufnahme ins Team der Dodgers war 1947 eine Art Brückenkopf in diesem Kampf und in der Bürgerrechtsbewegung. Die Tatsache, dass er die Rassentrennung im Baseball aufhob, heißt ja nicht, dass das Problem damit gelöst war. Aber dieser Moment war ein Fundament, von dem aus die Schlacht siegreich entschieden werden kann. Dank Jackie und jenen, die nach ihm kamen, sind wir gewaltige Schritte vorangekommen. Aber gewonnen ist diese Schlacht noch nicht.“
„42“ erzählt, ohne modernen Schnickschnack, im Stil klassischer Hollywoodfilme eine Heldengeschichte, in dem ein Mann die Welt verändern kann. Er hatte aber auch Hilfe von seiner Frau Rachel (Nicole Beharie), die ihm immer zur Seite stand, nach seinem Tod die Jackie Robinson Foundation gründete und die Filmemacher beriet, den schon erwähnten Branch Rickey und Wendell Smith (Andre Holland), dem ersten afroamerikanischem Reporter der in die Baseball Writers Association aufgenommen wurde (wobei dieser Punkt derzeit auf Wikipedia, aber ohne Nachweis, bestritten wird und ich ihn jetzt, auf die Schnelle nicht klären kann). In dem Film sitzt Smith mit seiner klobigen Schreibmaschine auf der Zuschauertribüne, weil er nicht in den Pressebereich darf.
Pee Wee Reese, der Shortstop der Dodgers, sagte: „Es gibt viele Gründe, einen Menschen zu hassen. Aber die Hautfarbe gehört nicht dazu.“
„42“ unterstreicht das – und deshalb ist das erzählerisch konservative, oft kitschige, aber immer kraftvolle Biopic auch bei uns sehenswert. Auch wenn wir von Baseball nicht mehr verstehen, als dass erwachsene Männer auf irgendwelche Bälle schlagen und herumlaufen.
Ach ja: Clint Eastwood erzählte in „Invictus“ eine ähnliche Geschichte, die Jahrzehnte später, nach dem Ende der Apartheid, in Südafrika spielt. Aber er erzählte sie aus der Perspektive eines Weißen.
Helgeland erzählt sie aus der Perspektive eines Afroamerikaners und das macht einen entscheidenden Unterschied.
P. S.: Der Trailer die Stimmung des Films ziemlich falsch wieder und wirkt eher als Anti-Werbung.
42 – Die wahre Geschichte einer Sportlegende (42, USA 2013)
Regie: Brian Helgeland
Drehbuch: Brian Helgeland
mit Chadwick Boseman, Harrison Ford, Nicole Beharie, Andre Holland, Lucas Black, Hamisch Linklater, Ryan Merriman, Christopher Meloni, John C. McGinley
Dass Danny Boyle ein einmal gefundenes Erfolgsrezept immer wieder wiederholt, kannman ihm wahrlich nicht vorwerfen. Nach „Trainspotting“ verließ er die Welt der drogengeschwängerten Arbeiterklassepubs, nach „28 Tage später“ drehte er keinen weiteren Horrorfilm und nach „Slumdog Millionaire“, für den er den Regie-Oscar erhielt, gab es kein weiteres romantisches Melodrama. Letztendlich ist die einzige Konstante in Danny Boyles Werk der Wechsel zwischen den verschiedenen Genres. Und so ist sein neuester Spielfilm „Trance – Gefährliche Erinnerung“ das Gegenteil zu seinem vorherigen Spielfilm „127 Hours“ und, während er die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in London konzipierte und inszenierte, seine Entspannungsübung. Denn Boyle drehte den Film vor der Olympiade und schnitt ihn erst danach.
„Trance“ ist ein verzwickter Noir mit einer Eröffnung, die, wie Danny Boyles Eröffnungssequenz von „Trainspotting“, gut als eigenständiger Kurzfilm funktioniert. Aber in „Trance“ ist diese Eröffnungssequenz, ein Musterbeispiel für ökonomisches Erzählen, nur die Eröffnung zu einem komplexen Spiel mit vielen Überraschungen und unvorhersehbaren Wendungen. Die erste ist, dass Boyle danach den Tonfall wechselt und eine ganz andere Geschichte erzählt.
In den ersten Minuten erzählt Kunstauktionator Simon (James McAvoy), wie schwer es ist, ein Gemälde zu stehlen, warum die meisten Diebstähle schiefgehen und was für einen grandiosen Plan er sich ausgedacht hat. Der Plan, während einer Auktion das surreale Ölgemälde „Flug der Hexen“ von Francisco de Goya zu stehlen, funktioniert auch. Jedenfalls bis er von dem gemeinsamen Plan mit Franck (Vincent Cassel), dem smarten und skrupellosen Boss einer kleinen Gangsterbande, abweicht und durch einem heftigen Schlag auf seinen Kopf sein Gedächtnis verliert.
Während Simon von seinen Arbeitgebern als großer Held gefeiert wird, will Franck unbedingt das wertvolle Gemälde haben. Dummerweise kann Simon sich nicht mehr, auch nicht als er gefoltert wird, an das Versteck erinnern. Also schickt Franck ihn zu einer Hypnotiseurin. Simon sucht sich zufällig Elizabeth (Rosario Dawson) aus. Er verliebt sich sofort in die Schönheit, die etwas seltsam auf ihn reagiert. Das kann aber, obwohl er sich mit falschem Namen und einer offensichtlich erfundenen Geschichte bei ihr vorstellt, auch an seiner Medienprominenz liegen. Verdächtig schnell erklärt sie sich, gegen einen Teil der Beute, bereit, den Gangstern bei der Suche nach dem Gemälde zu helfen.
Und spätestens ab diesem Moment sind wir in einem zunehmend unüberschaubarem Spiegelkabinett, in dem nicht nur jeder jeden betrügt und auf seinen eigenen Vorteil schaut, sondern auch noch jeder mehrere verborgene Absichten und Hintergedanken hat und sie sich gegenseitig nach bestem Wissen und Gewissen manipulieren.
Die Drehbuchautoren Joe Ahearne, der bereits die erste Version von „Trance“ schrieb und 2001 als TV-Film verfilmte, und John Hodge, der bereits mehrmals mit Danny Boyle zusammenarbeitete, und Regisseur Danny Boyle entwerfen hier in eleganten Bildern und pointierten Schnitten ein vielschichtiges Vexierspiel, bei dem man sich auf nichts verlassen kann – bis es dann im dritten Akt viel zu viele Wendungen und Überraschungen gibt.
Denn wenn innerhalb weniger Minuten zum – gefühlt – fünften Mal enthüllt wird, dass doch alles ganz anders ist und die Protagonisten dabei wechselweise in Hypnose oder gerade nicht in Hypnose waren, und damit die letzte Szene dann doch ein Traum war oder vielleicht doch nicht, verliert man auch das Interesse an den Charakteren und der Geschichte. In diesen Minuten war es Machern anscheinend wichtiger, das Publikum im Minutentakt mit vollkommen überraschenden Enthüllungen zu überraschen, anstatt es emotional mitzunehmen oder wirklich auf die Schlüssigkeit der Geschichte zu achten. Das ist dann die Welt der kalten Versuchsanordnungen, in denen Forscher beliebig Dinge und Spielregeln verändern, und nicht die des Noirs, in der der Held zunehmend den Kontakt zu seinem bisherigen Leben verliert und sich immer mehr in Schuld verstrickt.
Trance – Gefährliche Erinnerung (Trance, GB 2013)
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: Joe Ahearne, John Hodge
mit James McAvoy, Vincent Cassel, Rosario Dawson, Danny Sapani, Matt Cross, Wahab Sheikh, Mark Poltimore
American Buffalo – Das Glück liegt auf der Straße (USA 1996, R.: Michael Corrente)
LV: David Mamet (nach seinem Theaterstück)
Der New Yorker Trödler Don (Dennis Franz) glaubt, eine „American Buffalo“-Münze unter Wert verkauft zu haben und will sie mit einem Einbruch wiederbeschaffen. Sein Kumpel Teach (Dustin Hoffman) will ihm helfen.
„Vorzüglich gespieltes Kammerstück für drei Personen (…) und Parabel über Integrität, Moral und Selbstgerechtigkeit in Zeiten postmoderner Unberechenbarkeiten. (…) der Film selbst wirkt wie die (notwendige) Konservierung einer Off-Broadway-Inszenierung.“ (Fischer Film Almanach 1997)
David Mamet schrieb das Theaterstück bereits 1975.
Dennis Franz setzte sich nach dem Ende der erfolgreichen Cop-Show „NYPD Blue“, in der er mit wechselnden Partnern Detective Andy Sipowicz spielte, 2005 zur Ruhe.
Über Detective Chief Inspector Tom Barnaby (John Nettles), den von Caroline Graham erfundenen Kriminalpolizisten mit dem glücklichen Familienleben und seinem entspannten Verhältnis zu Mord und Totschlag, muss wohl nicht mehr viel gesagt werden. Immerhin laufen die spielfilmlangen Fälle, nachdem sich jahrelang kein deutscher Sender an die erfolgreiche ITV-Serie wagte, bis dann 2005 das ZDF zugriff und die voneinander unabhängigen Folgen ohne Rücksicht auf die ursprüngliche Reihenfolge ausstrahlte, inzwischen auch erfolgreich im deutschen TV.
Barnaby arbeitet in der malerischen Grafschaft Midsomer, die britischer als ein Lord-Peter-Wimsey-Roman ist und jedes Mal mehr Morde als ein Agatha-Christie-Roman hat. Genaugenommen wird in Midsomer mehr als ein einer Großstadt gemordet, aber ohne die sozialen Probleme einer Großstadt (wie Armut, schlechte Bildung, Rassenkonflikte, Ghettos, unkontrollierter Drogenkonsum und, uh, Kriminalität) und mit mehr skurrilen Charakteren als bei der „Leiche zum Dessert“.
Das ist dann doch ziemlich eskapistisch und, weil in Midsomer Mord ein adäquates Mittel zum Lösen von Problemen ist und niemand Schreiattacken beim Anblick einer Leiche bekommt (sind ja so viele und dann gibt es noch die Teestunde), ist „Inspector Barnaby“ unterschwellig ziemlich düster. Da hilft es auch nichts, dass am Ende der Mörder verhaftet wird. Denn der nächste Mehrfachmörder lauert schon im Gebüsch – und Inspector Barnaby wird ihn, mit britischem Understatement, jagen.
In der dritten, jetzt erschienen „Collector’s Box“ von „Inspector Barnaby“ sind die bereits als Volume 11, Volume 12,Volume 13, Volume 14 und Volume 15 veröffentlichten Barnaby-Fälle enthalten:
Mit Gift und Guillotine (They seek him here, GB 2008, Staffel 10, Folge 7, Episode 58)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: Barry Purchese
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Ein missratener Sohn (Days of Misrule, GB 2008, Staffel 11, Folge 6, Episode 65)
Regie: Renny Rye
Drehbuch: Elizabeth-Anne Wheal
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Die Untoten von Barton Woods (Talking to the Dead, GB 2008, Staffel 11, Folge 7, Episode 66)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: David Lawrence
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Kind des Todes (Left for dead, GB 2008, Staffel 11, Folge 3, Episode 62)
Regie: Renny Rye
Drehbuch: Michael Crompton
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Leben und Morden in Midsomer (Midsomer Life, GB 2008; Staffel 11, Folge 4; Episode 63)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: David Hoskins
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Geliebt, gejagt, getötet (Death in a Chocolate Box, GB 2007; Staffel 10, Folge 8; Episode 59)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Tony Etchells
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Der Wald der lebenden Toten (The Magician’s Nephew, GB 2008; Staffel 11, Folge 5; Episode 64)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Michael Russell
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Mord auf der Durchreise (Blood will out, GB 1999; Staffel 2, Folge 2; Episode 7)
Regie: Moira Armstrong
Drehbuch: Douglas Watkinson
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Wenn der Morgen graut (Shot at Dawn, GB 2008; Staffel 11, Folge 2, Episode 61)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Michael Aitkens
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Die Frucht des Bösen (Tainted Fruit, GB 2001, Staffel 5, Folge 1, Episode 19)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: David Hoskins
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Nass und tot (Dead in the Water, GB 2004, Staffel 8, Folge 2, Episode 37)
Regie: Renny Rye
Drehbuch: Douglas Watkinson
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Denn du bist Staub (Death and Dust, GB 2007, Staffel 10, Folge 5, Episode 56)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: Douglas Watkinson
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Ganz in Rot (Blood Weeding, GB 2008, Staffel 11, Folge 1, Episode 60)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: David Lawrence
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Mord mit Rendite (Market for Murder, GB 2002, Staffel 5, Folge 3, Episode 21)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: Andrew Payne
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Der Tod und die Lady (A Talent for Life, GB 2003, Staffel 6, Folge 1, Episode 24)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: David Hoskins
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Der Tod malt mit (Painted in Blood,GB 2003 Staffel 6, Folge 3, Episode 26)
Regie: Sarah Hellings
Drehbuch: Andrew Payne
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Unglücksvögel (Birds of Prey, GB 2003, Staffel 6, Folge 5, Episode 28)
Regie: Jeremy Silberston
Drehbuch: Michael Russell
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Immer wenn der Scherenschleifer… (Bad Tidings, GB 2004, Staffel 7, Folge 2, Episode 30)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: Peter J. Hammond
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Grab des Grauens (The Fisher King, GB 2004, Staffel 7, Folge 3, Episode 31)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Isabelle Grey
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Die Blumen des Bösen (Orchis Fatalis, GB 2005, Staffel 8, Folge 3, Episode 38)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: Terry Hodgkinson
–
Auch die „Collector’s Box“ unterscheidet sich in der Ausstattung der DVDs nicht von den vorherigen Einzelveröffentlichungen, aber die DVDs sind in schicken Pappverpackungen in einer platzsparenden Pappbox (jaja, da bricht der alte Vinyl-Junkie durch) untergebracht. Dass die Folgen absolut unchronologisch präsentiert werden, liegt an dem sehr experimentellen Ausstrahlungsgebaren vom ZDF.
mit John Nettles (DCI Tom Barnaby), Daniel Casey (DS Gavin Troy, 1997 – 2003), John Hopkins (DS Dan Scott, 2004 – 2005), Jason Hughes (DS Ben Jones, 2005 – 2011), Jane Wymark (Joyce Barnaby), Barry Jackson (Dr. Bullard), Laura Howard (Cully Barnaby)
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Inspector Barnaby – Collector’s Box 3
Edel
Bild: PAL 4:3/PAL 16:9
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Interviews mit den Schauspielern, Fotogalerie, „Inspector Barnaby – Die Musik zur Serie“ (Bonus-CD, bislang nur als Einzel-CD „Inspector Barnaby – Soundtrack“ erhältlich)
Die Unbestechlichen – The Untouchables (USA 1987, R.: Brian De Palma)
Drehbuch: David Mamet
Grandioser Gangsterfilm über den Kampf von Eliot Ness und seiner unbestechlichen Mitstreiter gegen Al Capone.
„Mit der ihm eigenen formalen Brillanz hat Brian De Palma diesen authentischen Fall inszeniert. Seine Liebe zum Detail, ausgeklügelte Kamerafahrten und Einstellungen, Ennio Morricones emotionaler Soundtrack und die lakonisch-präzise Charakterisierung der Personen machen den Film zu einem Augen- und Ohrenschmaus.“ (Fischer Film Almanach 1988)
Sean Connery gewann den Oscar als bester Nebendarsteller.
Mit Kevin Costner, Robert de Niro, Sean Connery, Charles Martin Smith, Andy Garcia, Jack Kehoe
Ein Verhaltensforscher und dessen haarige Freundin wollen einen Affenmenschen zivilisieren. Das ist leichter gesagt, als getan.
Damals, nach dem grandios abgedrehtem „Being John Malkovich“, war Charlie Kaufman Hollywoods Lieblingsautor für schräge Drehbücher und mit „Vergiss mein nicht“ (ebenfalls von Gondry verfilmt), „Adaption“ und „Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind“ festigte er seinen Ruf. Auch das etwas schwächere „Human Nature“ passt vorzüglich in diese Reihe.
mit Tim Robbins, Patricia Arquette, Rhys Ifan, Miranda Otto, Rosie Perez, Robert Forster
Michel Gondrys neuer Film, die Boris-Vian-Verfilmung „Der Schaum der Tage“, startet am 3. Oktober und der Trailer verspricht einen grandios-abgedrehten Film
LV: Ernest Tidyman: Shaft, 1970 (Shaft, Shaft und das Drogenkartell)
Musik: Isaac Hayes
Privatdetektiv Shaft sorgt in seinem Revier für Gerechtigkeit – und erfreut nebenbei mit seinen Körpersäften die Herzen der Frauen.
Damals war der Film ein Kassenknüller, heute ist er Kult. Dazu trug nicht unerheblich Isaac Hayes’ cooler Soundtrack bei, der Shaft bei seinen Streifzügen durch das urbane New York begleitete. Politisch ist er nicht. Gordon Parks sagt: „Es ist ein Filmvergnügen für den Samstagabend, das Leute besuchen, die den schwarzen Helden gewinnen sehen wollen.“
Die Mannschaft eines Geldtransporters will einen Überfall fingieren und mit der Beute (42 Millionen Dollar) verschwinden. Selbstverständlich geht der Plan schief und die Jungs gehen sich gegenseitig an die Gurgel.
Geradliniges B-Movie, das ohne Überraschungen sein Programm abspult und seinen hochkarätigen Cast vollkommen verschenkt. Sogar für die Die-Hard-Heist-Movie-Fans eine enttäuschende Angelegenheit, weil die Diskrepanz zwischen Besetzung, Anspruch und Wirklichkeit zu groß ist.
mit Matt Dillon, Jean Reno, Fred Ward, Columbus Short, Skeet Ulrich, Laurence Fishburne, Amaury Nolasco, Milo Ventimiglia
Frances – oder sollte ich Greta Gerwig sagen? Denn selten verschwimmt ein Schauspieler so mit ihrem Charakter (oder wir wünschen es uns), wie Greta Gerwig mit Frances in „Frances Ha“. Woody Allen fällt einem ein. Auch bei ihm ist ja unklar, wie sehr er er selbst oder der Charakter „Woody Allen“ ist.
Sie ist eine 27-jährige, in New York lebende Tänzerin, die gerne eine feste Anstellung in einer Tanzcompanie hätte und weiter mit ihrer besten Freundin Sophie (Stng-Tochter Mickey Sumner) zusammen wohnen würde. Und sie ist ein angenehm verpeilter Sonnenschein, der wenig Geld, aber viel Gottvertrauen und eine positive Weltsicht hat und nicht erwachsen werden möchte. Denn eigentlich ist ihr Leben und die vielen Umzüge, die dem Film auf den ersten Blick eine notdürftige Struktur verschaffen, okay. Sie ist zwar „undateable“, aber sie ist auch nicht wirklich auf der Suche nach dem Traummann. Gleich am Anfang verlässt sie ihren Freund, weil sie lieber weiter mit Sophie zusammen wohnt.
„Greenberg“-Regisseur Noah Baumbach, der auch die Drehbücher für die Wes-Anderson-Filme „Die Tiefseetaucher“ und „Der fantastische Mr. Fox“ mitschrieb, verfolgt Frances in seiner episodischen, in Schwarz-Weiß gedrehten New-York-Komödie ein gutes Jahr, das sie meistens in New York in verschiedenen Wohnungen verbringt, weil Sophie ihren Mann fürs Leben gefunden hat, ausgezogen ist und Frances sich die Wohnung nicht mehr leisten kann.
Sie besucht, in einer etwas kurz geratenen Episode, über die Weihnachtstage ihre Eltern, die von Gerwigs Eltern gespielt werden, in ihrem Geburtsort Sacramento. Und sie fliegt für ein Wochenende nach Paris, das hier nicht die Stadt der Liebe, sondern der Einsamkeit ist. Dieser Kurztrip ist etwas ziellos und auch dramaturgisch unnötig.
Es gibt eine kurze, viel zu plötzlich kommende Depri-Phase, die etwas außerhalb des restlichen Tons des Films steht und zu sehr außerhalb ihres Charakters ist, was sie am Ende eines Monologs auch selbst sagt.
Der Ausflug zu ihrer alten Universität in Poughkeepsie ist dagegen gelungen, auch um die Fäden für ihre Rückkehr nach New York zusammenzubinden, und das Ende in New York versöhnt.
Baumbachs Feelgood-Movie erinnert an die Nouvelle Vague, an Woody Allens Filme, vor allem natürlich an sein SW-Meisterwerk „Manhattan“ und die Filme von Charlie Chaplin, bei dem auch unklar war, wie sehr er der von ihm gespielte Tramp war und der wahrscheinlich ein besserer Tänzer als Frances war. Doch der Tonfall, die Stimmungswechsel, die Improvisationsfreude (wobei das alles schon in Baumbach und Gerwigs Drehbuch stehen soll) und die weitgehend unbekannten Schauspieler erinnern dagegen an die Nouvelle Vague, an Filme von Francois Truffaut, Eric Rohmer und Jean-Luc Godard, die keine Stars engagierte, sondern Filmstars machten.
Es gibt witzige Dialoge, passend eingesetzte Musik und ein Gefühl überschäumender Lebensfreude, auch wenn die Umstände nicht so rosig sind. Das alles fügt sich so locker zusammen, dass kaum auffällt, wie genau durchstrukturiert der Film ist und wie viel zusammenhängende, aufeinander aufbauende Geschichte sich in den einzelnen Episoden, die wie zufällig aneinandergereihte Beobachtungen wirken, verbirgt.
Aber eigentlich ist die Story egal, weil man einfach gerne mit Frances und ihren männlichen und weiblichen Freunden zusammen ist. Es ist wie ein Besuch in einer netten WG.
Frances Ha (Frances Ha, USA 2012)
Regie: Noah Baumbach
Drehbuch: Greta Gerwig, Noah Baumbach
mit Greta Gerwig, Mickey Sumner, Michael Esper, Adam Driver, Michael Zegen, Charlotte d’Amboise, Crace Gummer, Justine Lupe, Patrick Heusinger, Christine Gerwig, Gordon Gerwig
Töte zuerst! – Der israelische Geheimdienst Schin Bet (Israel/Frankreich/Deutschland/Belgien 2012, R.: Dror Moreh)
Regie: Dror Moreh
Drehbuch: Dror Moreh
Oscar-nominierte Doku über den israelischen Inlandsgeheimdienst, für den Dror Moreh alle noch lebenden Exchefs des Dienstes vor die Kamera bekam. In „The Gatekeepers“ (Originaltitel) reden sie erstaunlich offen und kritisch über ihre Arbeit.
Morehs spielfilmlange, von der Kritik abgefeierte Doku gewann bereits die Preise der Los Angeles Film Critics Association Awards, dem National Board of Review, USA und der National Society of Film Critics Awards, USA.
mit Ami Ayalon, Avi Dichter, Yuval Diskin, Carmi Gillon, Yaakov Peri, Avraham Shalom
Er war „OSS 117 – Der Spion, der sich liebte“. Er war, Oscar-prämiert, George Valentin, „The Artist“. Jetzt ist Jean Dujardin Grégory Lioubov in Éric Rochants ziemlich gelungenem, romantischen Polit-Thriller „Die Möbius-Affäre“.
Der russische Top-Spion Lioubov soll in Monaco mit seinem undercover operierendem Team den Oligarchen Ivan Rostovski (Tim Roth) überführen. Dieser hat sein Vermögen wohl irgendwie mit krummen Geschäften erzielt und ist immer noch in mehr oder weniger illegale Geschäfte verwickelt. So genau wird das in dem Film nie erklärt.
Lioubov will über die US-amerikanische Finanzexpertin Alice Redmond (Cécile de France) an Rostovski herankommen. Er weiß allerdings nicht, dass Alice auch vom US-amerikanischen Geheimdienst erpresst wird, weil dieser ebenfalls an Rostovski heran will. Und, als ob das nicht schon kompliziert genug wäre, spielt sie ihr eigenes Spiel, Rostovski lässt sie sein Wohlwollen spüren und Lioubov verliebt sich in sie und sie in ihn, den sie unter falscher Identität kennen lernt.
„Die Möbius-Affäre“ ist ein eleganter, vor prächtiger Kulisse spielender Agententhriller, in dem alle Charaktere immer auch eine zweite Agenda verfolgen, es daher immer unklar ist, wie echt ihre Gefühle sind und ob sie zu den Guten oder zu den Bösen gehören. Es ist auch ein Liebesfilm. Regisseur und Drehbuchautor Rochant nennt Alfred Hitchcocks „Berüchtigt“/“Weißes Gift“ (Notorious, 1946) als Vorbild. Das ist nachvollziehbar und, auch wenn „Berüchtigt“ ein Hitchcock-Klassiker ist, hat er mir nie so richtig gefallen. Die Geschichte entwickelte sich zu langsam und die Liebesgeschichte verdrängte die verbrecherischen Geschäfte des Bösewichts, was man auch daran sieht, dass Claude Rains im Original einen Nazi, der andere Nazis in Brasilien versteckt, und in der ursprünglichen deutschen Synchronfassung (die als „Weißes Gift“ in die Kinos kam) einen Drogenhändler spielte. In dieser Fassung wurden auch alle Anspielungen auf Deutschland und die bösen Nazis entfernt.
Außerdem ist „Die Möbius-Affäre“ auch ein Finanzthriller. Oder will es sein. Denn genau wie in dem romantischen Thriller „Berüchtigt“ bleiben die verbrecherischen Geschäfte des Bösewichts im Ungefähren. Es hat irgendwie etwas mit Geld zu tun. Über Geldwäsche, spekulative Investitionen und den internationalen Finanzmarkt erfahren wir nichts, was nicht über einen MacGuffin hinausgeht. Das kann funktionieren, wenn die restliche Geschichte sich flott entwickelt. Es genug Action gibt, die von lästigen Fragen ablenkt. Und die Charaktere farbig und der Bösewicht hübsch dämonisch gezeichnet wurden. Hitchcock hat das verstanden und deshalb waren uns die mehr oder weniger elaborierten Geheimdienstplots egal, weil sie, wie in „39 Stufen“, „Der Mann, der zuviel wusste“ oder „Der unsichtbare Dritte“ nur dazu dienten, die Handlung in Gang zu setzen.
Doch gerade an Tempo mangelt es Rochants Film und die Geheimdienstintrigen werden, wie bei John le Carré, immer komplizierter und es wird immer deutlicher, dass die sich im Hintergrund befindenden Spieler, vulgo die Geheimdienstchefs in den USA und Russland, alle anderen, wie Spielfiguren, über ihr Schachbrett bewegen. Aber die alten Gewissheiten des Kalten Krieges sind vorbei und in „Die Möbius-Affäre“ befinden sich alle Charaktere in moralischen Graubereichen, in denen unklar ist, wer die Guten und wer die Bösen sind.
Das hat einen durchaus intellektuellen Reiz, aber ich hatte bei dem Film auch immer das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre. Denn im Gegensatz zur guten alten Zeit des Spionagefilms, in der man mit dem einfachen Hinweis, dass der Bösewicht ein Kommunist sei, alles erklärte, muss jetzt doch etwas mehr Energie in die Etablierung des Bösewichts gesteckt werden und wenn es um schmutzige Finanzgeschäfte geht, sollten die auch etwas genauer erklärt werden.
Aber so bleibt nur ein altmodischer, elegant erzählter Spionagethriller übrig, der, wie ein Finanzderivat, etwas zu sehr im luftleeren Raum hängt.
Die Möbius-Affäre (Möbius, Frankreich 2013)
Regie: Éric Rochant
Drehbuch: Éric Rochant
mit Jean Dujardin, Cécile de France, Tim Roth, Émilie Dequenne, Wendell Pierce, Aleksey Gorbunov
Auf den ersten Blick klingt die Story von „Conjuring – Die Heimsuchung“ nicht besonders aufregend: zwei Geisterjäger jagen in den siebziger Jahren in einem Haus einen Geist. Das gab es ja wirklich oft genug.
Aber am Startwochenende setzte sich der Film in den USA souverän auf den ersten Platz. In der zweiten Woche wurde „Conjuring – Die Heimsuchung“ zwar von „Wolverine – Weg des Kriegers“ vom ersten Platz verdrängt, aber mit einem Einspielergebnis von über 22 Millionen US-Dollar hielt er sich gut und mühelos auf dem zweiten Platz und und wenn man die Kosten mit dem Einspiel vergleicht, dann hat der 20 Millionen US-Dollar teure Gruselfilm in diesem Sommer schon jetzt viel besser als einige Blockbuster, wie „Pacific Rim“, „The Lone Ranger“ oder „White House Down“, die alle jeweils mindestens 150 Millionen US-Dollar gekostet haben, abgeschnitten.
Auf den zweiten Blick ist dieser Erfolg verständlich. Denn James Wan, der Regisseur von „Saw“, „Dead Silence“, „Death Sentence“ und „Insidious“, stürzte sich vorbehaltslos und vollständig in die siebziger Jahre, orientierte sich auch stilistisch am damaligen Filmstil, würzte die Geschichte mit einer ordentlichen Portion schwarzen Humor (der auch dadurch entsteht, dass wir uns freudig auf das Spiel mit unseren Erwartungen einlassen) und stellte die Geschichte, die er ohne postmodern-ironische Brechungen, überbordende Gewalt und Trickgewitter erzählt, in den Mittelpunkt. Dass sie auf Tatsachen basiert, wenn man an Geister und übernatürliche Erscheinungen glaubt, trägt zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei. Ed und Lorraine Warren, zwei in den USA bekannten Geisterjägern, die auch die mehrfach verfilmte Geschichte das Amityville-Hauses bekannt machten, erzählten die Geschichte des verfluchten Hauses und ihrer Reinigung. Lorraine Warren beriet die Filmemacher und sie ist mit dem Film auch zufrieden. Er entspräche den wahren Ereignissen.
Wenn nicht an den übersinnlichen Hokuspokus glaubt, bleibt immer noch ein zweistündiger Gruselfilm in der bekannten „Poltergeist“-Tradition übrig. Mit einer ordentlichen Portion „Der Exorzist“ (aber, trotz Exorzismus, nicht so katholisch), der konsequent alternative Erklärungen ausschließt und sich auf seine Geschichte und die guten Schauspieler verlassen kann..
Die Warrens (gespielt von Vera Farmiga und Patrick Wilson) werden 1971 von den Perrons, einer netten, grundanständigen All-American-Familie mit fünf Kindern gebeten, sich ihr gerade erworbenes, einsam gelegenes Haus auf Rhode Island anzusehen. Denn in dem Haus geschehen seltsame Dinge. Die Geisterjäger sehen sich um, entdecken Hinweise auf den bösen, die Perrons terrorisierenden Dämon und Lorraine Warren, die besonders empfänglich für übernatürliche Schwingungen ist, sieht, dass der hasserfüllte Geist einer früheren Bewohnerin Besitz von Carolyn Perron (Lili Taylor) ergreifen will.
Nach einigen anderen, kürzlich im Kino gelaufenen Gruselfilmen, wie „Intruders“ und „Mama“ mit ihren unbefriedigenden Auflösungen, beide mit einer ordentlichen und eher störenden Portion CGI, ist „Conjuring – Die Heimsuchung“ ein rundum gelungener Old-School-Geisterfilm mit einer stimmigen Auflösung – und davor einer stimmigen 70er-Jahre-Atmosphäre.
Conjuring – Die Heimsuchung (The Conjuring, USA 2013)
Regie: James Wan
Drehbuch: Chad Hayes, Carey W. Hayes
mit Vera Farmiga, Patrick Wilson, Ron Livingston, Lili Taylor, Joey King, Shanley Caswell, Hayley McFarland, Mackenzie Foy, Kyla Deaver, Sterling Jerins
Hochgelobter Debütfilm über eine Nazibraut in Ostdeutschland, der definitiv einen Blick wert ist.
Ich war ja nicht so begeistert: nur ein das Fremde hervorhebender Einblick in eine Sauf- und Proll-Jugendkultur, garniert mit einigen Nazi-Symbolen und etwas mehr Gewalt als es in einem handelsüblichen deutschen Problemfilm üblich ist.
Denn mehr ist „Kriegerin“ nicht: ein typisch deutsches Sozialdrama, das beim Zuschauer einfach nur eine sedativ wirkendes Unwohlsein hervorruft. So wie der „Tatort“, der uns am Sonntag einen esoterischen Blick in die Hartz-IV-Haushalte gibt, damit wir am Montag beruhigt zur Arbeit gehen können.
mit Alina Levshin, Jella Haase, Sayed Ahmad Wasil Mrowat, Gerdy Zint, Lukas Steltner, Uwe Preuß, Winnie Böwe, Rosa Enskat, Haymon Maria Buttinger, Klaus Manchen
Am 22. August läuft David Wnendts zweiter Spielfilm an: „Feuchtgebiete“, nach dem Roman von Charlotte Roche. Hier schon einmal der Trailer. Besprechung zum Filmstart.