Frau Merkel und Herr Steinbrück kommen zwar nicht, aber mit – voraussichtlich – Ursula von der Leyen (CDU), Sigmar Gabriel (SPD), Gerda Hasselfeldt (CSU), Rainer Brüderle (FDP), Katrin Göring-Eckhardt (Bündnis 90/Die Grünen) und Gregor Gysi (DIE LINKE) wird es sicher auch ganz witzig, wenn über gesetzgeberische Details und Zahlen gestritten wird.
Wiederholung: Freitag, 20. September, 00.20 Uhr (Taggenau!) und hier
Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada(USA/F 2005, R.: Tommy Lee Jones)
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Ein junger Grenzpolizist erschießt irrtümlich den Rancharbeiter Melquiades Estrada. Sein bester Freund, der Vorarbeiter Pete Perkins, will Estradas letzten Wunsch, eine Beerdigung in seiner Heimat Mexiko, erfüllen. Weil die Polizei sich nicht für den Tod eines Illegalen interessiert und Perkins altmodische Vorstellung von Moral und Ehre hat, entführt er den Todesschützen und begibt sich mit ihm und der Leiche auf den Weg zu Estradas Heimatdorf.
Toller noirischer Neo-Western, der leider nie richtig in unseren Kinos lief. In Cannes erhielten Tommy Lee Jones und Guillermo Arriaga die Preise für beste Regie und bestes Drehbuch. Außerdem erhielt „Die drei Begräbnisse des Melquides Estrada“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Kinofilm.
Der Film ist Tommy Lee Jones’ bislang einziger Kinofilm.
mit Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio César Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Guillermo Arriaga
Find me guilty – Der Mafiaprozess (USA/Deutschland 2006, R.: Sidney Lumet)
Drehbuch: Sidney Lumet, T.J. Mancini, Robert J. McCrea
Die Staatsanwaltschaft will den Mafiosi Jackie DiNorscio als Kronzeugen gewinnen. Der lehnt ab – und übernimmt im Gerichtssaal in einem zweijährigem Prozess seine Verteidigung. Mit seinen komödiantischen Einlagen gewinnt er die Herzen des Gerichtspublikums.
Auf Tatsachen basierendes Gerichtsdrama, das sogar witzig ist. „Find me guilty“ ist ein feines, gnadenlos unterschätztes Alterswerk von Sidney Lumet (sein vorletzter Film) und ein Film, der Vin Diesel als Charakterdarsteller hätte etablieren können, wenn er nicht gefloppt wäre. Inzwischen beschränkt er sich, kommerziell sehr erfolgreich, auf seine Rollen als Action-Star in „Fast & Furious“, „XXX“ (die Rolle will er wieder übernehmen) und „Riddick“. Der dritte, durchaus gelungene „Riddick“-Film startet am Donnerstag.
mit Vin Diesel, Ron Silver, Annabella Sciorra, Alex Rocco, Peter Dinklage, Frank Pietrangolare, Richard DeDomenico, Jerry Grayson
Während die Deutschen serientechnisch alles zu einem analen Einheitsbrei vermantschen, der höchstens zum Wegschalten einlädt und der Höhepunkt von ungewöhnlichen Konzepten eine Serie über einen Polizist ist, der zwanzig Jahre im Koma lag (obwohl er nach seinem Musik- und Autogeschmack wohl eher dreißig Jahre oder noch länger im Koma lag und dabei dank der guten Pflege in deutschen Hospitälern nicht alterte) und heute als altmodischer Macho Verbrecher jagt, hauen die Briten gefühlt eine geniale Serie nach der nächsten raus und sie scheuen auch nicht vor ziemlich abgedrehten Ideen zurück, bei denen man sich auf dem Papier fragt, wer das Konzept der Serie begreifen soll. So ist in „Ashes to Ashes“ die Protagonistin eine Polizistin, die in der Gegenwart nach einer Schussverletzung ins Koma fällt, in den frühen Achtzigern erwacht und, weil sie von dem Fall ihres Kollegen Sam Tyler gelesen hat (einige kennen ihn aus der grandiosen TV-Serie „Live on Mars“), glaubt Alex Drake, dass diese Realität in ihrem Kopf stattfindet und sie die Puzzleteile zusammenfügen muss, um wieder aus dem Koma zu erwachen. Entsprechend oft kreuzen sich die verschiedenen Wirklichkeitsebenen – und sie lassen den später entstandenen Nolan-Spielfilm „Inception“ wie einen banal-verkopften Kindergarten erscheinen.
Außerdem ist „Ashes to Ashes“, wie schon „Life on Mars“ (ja, die Titel basieren auf David-Bowie-Songs), verdammt witzig. Denn in „Ashes to Ashes“ muss Alex Drake sich mit Gene Hunt, einem Polizisten, der mit seinen Schimpfkanonaden jeden beleidigt und bei der Täterjagd lustvoll auf den Rechten der Verdächtigen herumtrampelt (so meint er einmal auf Alex’s Frage, ob denn die Gewaltanwendung nötig sei: „Nein, aber es macht Spaß.“), seinen etwas doofen, zwischen Arbeitseifer, Arbeitsverweigerung und Macho-Ausflügen schwankenden Kollegen und dem damaligen Stand der Polizeiarbeit herumärgern. Denn 1983, dem Jahr, in dem die dritte und auch letzte „Ashes to Ashes“-Staffel spielt, gab es noch nichts, was heute die Polizeiarbeit erleichtert: keine DNA-Spuren, keine Telefonüberwachung im heutigen Stil, keine Handydaten und keine Computer. Also jedenfalls nicht das, was wir heute unter Computer verstehen. Und Frauen im Polizeidienst waren für die lästigen Tipparbeiten zuständig.
Gerade dieser Zusammenprall zwischen unserem heutigen Wissen über die Ereignisse, die 1983 noch in der Zukunft lagen (wie dem Ende der Apartheid und dass der Terrorist Mandela zum geachteten Staatschef wurde) und dem damaligen Wissen, den heute allgemein akzeptierten Werten und den damaligen gesellschaftlich akzeptierten Ansichten über linke politische Bewegungen, Frauenrechte und erfolgreiche Polizeiarbeit, die von den Machern in jeder Beziehung, garniert mit einer grandiosen Songauswahl und zahlreichen popkulturellen Anspielungen, lustvoll überhöht werden, liegt der große Witz der Serie. Ebenso lustvoll zitieren die Macher damalige Krimiserien, wie „Die Füchse“ (The Sweeney), „Die Profis“ (The Professionals) und „Miami Vice“, und ihre Klischees. So fährt Gene Hunt immer mit überhöhter Geschwindigkeit und quietschenden Reifen zum Ziel, egal ob es ein Tatort oder ein Pubbesuch ist, und seine Schimpfkanonaden und Beleidigungen werden immer exzessiver. Sein Alkoholkonsum ebenso. Drake scheint sich in der dritten „Ashes to Ashes“-Staffel damit arrangiert zu haben. Inzwischen fühlt sie sich in diesem Team ganz wohl und gemeinsam lösen sie den Fall der Woche. Nur wenige Bilder durchbrechen diese liebevoll rekonstruierte 80er-Jahre-Realität und zeigen, dass diese Welt nicht ganz real ist. Aber diese Realität spielt sich nicht nur im Kopf von Alex Drake ab. Ihre Arbeitskollegen haben ähnliche Visionen. Fast jeder Charakter scheint eine doppeldeutige Unterhaltung mit ihr zu führen und verborgene Absichten zu haben.
Und weil die Macher von „Ashes to Ashes“ von Anfang an wussten, dass – ungeachtet des großen Erfolgs – die dritte Staffel auch die letzte sein sollte, in der die offenen Fragen von „Life on Mars“ und „Ashes to Ashes“ beantwortet werden, konnten sie das Finale gut vorbereiten. Das taten sie auch und die episodische Erzählweise, die eigentlich keine Hinweise auf das Ende gibt, wird in der letzten Folge schlüssig erklärt.
„Ashes to Ashes“ ist eine tolle Serie, die sich auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs verabschiedete. Die dritte und finale Staffel setzt die vorherigen beiden Staffeln würdig fort und beendet sie fulminant, indem sie überraschend, aber auch stimmig aufklärt, in welcher Welt Sam Tyler und Alex Drake gelandet sind und ob Gene Hunt Sam Tyler ermordete.
Es gibt nur einen riesengroßen Wermutstropfen: Gene Hunt darf nicht mehr weiter ermitteln. Und wir werden Sätze wie diesen vermissen: „No tea and no fags until you start talking, shitstick!“
Ashes to Ashes – Zurück in die 80er – Staffel 3 (Ashes to Ashes, GB 2010)
Drehbuch: Matthew Graham (Folge 1, 8), Ashley Pharoah (Folge 2, 7), Julie Rutterford (Folge 3), Jack Lothian (Folge 4), Tom Butterworth (Folge 5), Chris Hurford (Folge 5), James Payne (Folge 6)
Idee: Matthew Graham, Ashley Pharoah
mit Keeley Hawes (Alex Drake), Philip Glenister (Gene Hunt), Dean Andrews (Ray Carling), Marshall Lancaster (Chris Skelton), Montserrat Lombard (Shaz Granger), Joseph Long (Luigi), Geff Francis (Viv James), Daniel Mays (Jim Keats)
–
DVD
Polyband
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Dust to Dust: Making of (im englischen Original mit deutschen Untertiteln) (23 Minuten)
Länge: 400 Minuten (8 Episoden à 50 Minuten, 3DVDs)
Drehbuch: Claude Veillot, Yves Boisset, Michel Audiard
LV: George Markstein: Chance awakening, 1978
Fast hätte der französische Geheimagent Grenier, der inzwischen in Zürich als Finanzexperte arbeitet, seine Vergangenheit als Spion vergessen. Aber jetzt aktiviert ihn die Regierung wieder. Oder hat ihn jemand anderes aktiviert? Grenier ist plötzlich in einem Spiel, dessen Regeln und Gegner er nicht kennt.
Selten gezeigter und top besetzter Agententhriller, der halt, wie die meisten, ist: viele Leute mit wechselnden Identitäten, Paranoia, Doppelspiel, Verrat – und am Ende viel Verwirrung beim Zuschauer. Insgesamt eine enttäuschende Angelegenheit.
Mit Lino Ventura, Michel Piccoli, Krystyna Janda, Bruno Cremer, Bernard Fresson, Heinz Bennent
Watchmen – Die Wächter (Watchmen, USA/GB/Can 2009)
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: David Hayter, Alex Tse
LV: Alan Moore/Dave Gibbons: Watchmen, 1986/1987 (Watchmen)
Der „Comedian“, ein Superheld, wird ermordet. Rorschach, ein anderer Superheld, glaubt an eine Verschwörung, die mit dem Tod von allen Superhelden, die sich „Watchmen“ nennen, enden soll. Er alarmiert die restlichen „Watchmen“ und sie müssen wieder gemeinsam in den Kampf ziehen.
Sehr werkgetreue Verfilmung des als unverfilmbar geltenden Comics; – und damit auch eine wegen zu großer Werktreue gescheiterte Verfilmung. Denn beim Sehen hakt man, wenn man den Comic kennt, zunehmend lustlos, die einzelnen Szenen der Reihe nach ab, freut sich über die sehr bildgenaue Umsetzung, rätselt über die wenigen Änderungen und bedauert im ‘Och, das hätte ich gerne auch noch gesehen’-Modus, die fehlenden Szenen. Aber ein eigenständiger Zugriff auf die Geschichte geht anders. Trotzdem ist „Watchmen“ als Übung in Fantum sehenswert.
Mit Jeffrey Dean Morgan, Malin Akerman, Patrick Wilson, Billy Crudup, Jackie Earle Haley, Matthew Goode, Carla Gugino, Matt Frewer, Stephen McHattie
Drehbuch: William Kennedy, Francis Ford Coppola, nach einer Story von William Kennedy, Francis Ford Coppola und Mario Puzo
Coppolas Liebeserklärung an den Cotton Club. Nicht schlecht, wie er hier Gangsterfilm mit Liebesfilm mit Tanzfilm mit einem halben Dutzend weiterer Genres verbindet. Aber auch weit von der Qualität seiner ersten beiden Paten-Filme entfernt.
Während der Dreharbeiten unterhielten die verschiedensten Skandalmeldungen (Drehbuch, Budget, künstlerische Auseinandersetzungen, um nur einige zu nennen) die Öffentlichkeit.
Mit Richard Gere, Gregory Hines, Diane Lane, Bob Hoskins, James Remar, Nicolas Cage, Larry Fishburne, Tom Waits, Joe Dallesandro, Woody Strode
Drogen helfen den fünf Kumpels in „The World’s End“ nur bedingt. Wobei für einen gestandenen Engländer Bier, auch in großen Mengen genossen, keine Droge ist. Trotzdem versagten sie 1990 bei ihrer großen Sauftour durch die zwölf Pubs von Newton Haven zum Schulabschluss kläglich. Sechzig Pints sind ja auch eine Menge. Die andere Angabe, die im Presseheft und der deutschen Synchronisation auch gemacht wird, nämlich dass sie in jedem Pub nur ein Pint trinken müssen, vergessen wir schleunigst. Denn zwölf Pint wären ja eine einfach erreichbare Menge. Außerdem geht es in „The World’s End“ nicht um das Trinken, sondern das Vollenden von begonnenen Dingen.
Gary King (Simon Pegg), für den die Nacht der Höhepunkt seines Lebens war, will die damals begonnene Tour, die legendäre „Goldene Meile“, jetzt beenden. Natürlich mit seinen damaligen Kumpels, die er seitdem nicht mehr gesehen hat und die inzwischen gesetzte Anfangsvierziger sind und anfangs bei dieser blöden Idee nicht mitmachen wollen.
Sie tun es dann doch und die ersten Biere, garniert mit einigen Betrachtungen über das Älterwerden und die sich immer ähnlicher sehenden Pubs, gehen auch locker die Kehle hinunter. Aber in einem Pub entdecken sie, während einer wüsten Schlägerei auf der Toilette, dass die Dorfbewohner keine Menschen, sondern von Außerirdische übernommene, blaublütige Roboter sind. Das Angebot, sich von den Aliens occupyen zu lassen, lehnen sie ab. Die Sauftour wollen sie allerdings beenden in dem titelgebenden Pub „The World’s End“, der zufälligerweise auch die Zentrale der Aliens ist.
„The World’s End“ ist die neueste Komödie der Macher von „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“ und ist eigentlich ein Remake von „Shaun of the Dead“ mit zombiehaft angreifenden Aliens anstatt Zombies. Dazu gibt es etwas Midlife-Crisis-Komödie, die ihre Charaktere wesentlich sanfter als die britische TV-Serie „Mad Dogs“ ihre fünf Mittvierziger, die während eines Mallorca-Urlaubs in eine wüste Gangstergeschichte geraten, behandelt, zahlreiche Anspielungen auf entsprechende Science-Fiction-Filme von der „Invasion der Körperfresser“ bis zu den „Frauen von Stepford“, um nur zwei Filme zu nennen, und auch – ähem – weitere Anspielungen. So heißen unsere ritterlichen Helden Gary King, Andy Knightly (Nick Frost), Peter Page (Eddie Marsan), Steven Prince (Paddy Considine) und Oliver Chamberlain (Martin Freeman). Die Pubnamen sind auch nicht zufällig gewählt.
Das ist alles sehr vergnüglich mit einem starken Déjà-Vu-Gefühl, das auch durch die Bezüge zu den vorherigen Filmen der „Blut- und Eiskrem-Trilogie“ bzw. „Drei Geschmacksrichtungen: Cornetto“-Trilogie (benannt nach dem Eis Cornetto, das in den Filmen auftaucht) verstärkt wird.
„The World’s End“ ist wie ein Pubbesuch mit einigen guten Freunden, plus einer grandiosen Methode, die Aliens zu besiegen, die eindeutig aus der „Dr. Who“-Schule stammt, und einem unpassendem Epilog, der ungefähr so witzig wie der Kater nach der Sauftour ist.
The World’s End (The World’s End, Großbritannien 2013)
Regie: Edgar Wright
Drehbuch: Simon Pegg, Edgar Wright
mit Simon Pegg, Nick Frost, Paddy Considine, Martin Freeman, Eddie Marsan, Rosamund Pike, David Bradley, Pierce Brosnan
Ari Folman, dessen „Waltz with Bashir“ vor fünf Jahren breit abgefeiert wurde, inclusive Golden Globe als bester ausländischer Film und dem Preis der Diretors Guild of America und der Writers Guild of America als bester Dokumentarfilm, hat jetzt Stanislaw Lems Roman „Der futurologische Kongress“ sehr frei als „The Congress“ verfilmt. Dabei habe ich kein Problem damit, dass Folman Lems Roman veränderte oder zwischen Real- und Animationsfilm wechselt. Das Problem ist, dass er anscheinend beim Wechsel in den Trickfilm vollkommen vergisst, was er im ersten Akt erzählte.
In dem ersten Teil, der eine grandiose Abrechnung mit Hollywood ist, muss sich die Schauspielerin Robin Wright (Robin Wright) entscheiden, ob sie weiterhin auf immer kleinere und schlechtere Rollen hofft oder an Miramount Studios für zwanzig Jahre ihr digitales Ebenbild für eine astronomisch hohe Summe verkauft und dafür ihre Karriere als Schauspielerin aufgibt.
Sie tut es und begibt sich zwanzig Jahre später auf einen Futurologischen Kongress, der nach der Einnahme einer Pille in einer Fantasiewelt spielt und plötzlich geht es drunter und drüber. Dass sie während des Kongresses, der anscheinend eine drogengeschwängerte Parallelwelt ist, ein weiteres Angebot von dem Miramount-Studiochef erhält, die Identitäten der Charaktere wechseln und irgendwelche Revolutionäre durch das Bild hüpfen, verwirrt und ist ungefähr so erhellend und stringent wie die polit-philosophische Diskussion mit dem Quartalsirren in der Eckkneipe, der einfach wild vor sich hin assoziiert.
Das Ende des Films, quasi der kurze Epilog, der dann wieder zwanzig Jahre nach dem Futurologischem Kongress spielt und, weil Robin Wright die bewusstseinsverändernden Pillen, die sie für den Besuch des Kongresses einnahm, absetzt, spielt dann wieder in der Realwelt und ist eine Standard-Dystopie, die mit den vorherigen Teilen, vor allem mit dem grandiosen ersten Teil, nichts zu tun hat.
Letztendlich wirkt „The Congress“ wie ein liebloser Zusammenschnitt von drei Filmen, in denen Robin Wright mitspielt.
Ein Desaster. Da helfen auch keine Drogen.
The Congress (The Congress, Deutschland/Irland/Polen/Frankreich/Belgien/Luxemburg 2013)
Vor drei Jahren war „R. E. D. – Älter. Härter. Besser.“ ein kleiner Überraschungserfolg. Eine Bande alter, weitgehend pensionierter Geheimagenten (gespielt von Bruce Willis, John Malkovich, Morgan Freeman und Helen Mirren) zeigt jüngeren Agenten, dass sie noch topfit sind. Als Vorlage für den Film diente der gleichnamige, 2003 erschienene blutig-böse Comic von Warren Ellis (Autor) und Cully Hamner (Zeichner), in dem Paul Moses (im Film Frank Moses, gespielt von Bruce Willis) im Alleingang mindestens die halbe CIA tötete, nachdem er im Auftrag des neuen CIA-Chefs von einer Spezialeinheit umgebracht werden sollte. Dabei war der Auftraggeber gewarnt. Denn der Aktenvermerk „R. E. D.“ steht für „im Ruhestand, extrem gefährlich“.
Für die Film wurde diese schlanke Geschichte dann kräftig erweitert und zu einer kurzweilig-durchgeknallten Action-Comedy. Das machte Spaß.
In der Fortsetzung „R. E. D. 2“ gibt es mehr Explosionen, mehr Action, mehr Witze und weniger Story. Denn die chaotische und ziemlich sinnfreie Geschichte – Frank Moses und seine Freunde sollen getötet werden, weil sie vor vielen Jahren, ohne ihr Wissen, in irgendeine Geheimdienstaktion mit einer Superbombe involviert gewesen sein sollen – ist nur eine leicht veränderte, noch weiter hergeholte Wiederholung des ersten Films, die dieses Mal nur der Aufhänger für eine Weltreise der Ex-Agenten ist; mit massiven Sachbeschädigungen an allen Orten, an denen sie einen Zwischenstopp machen. Die Schauspieler hatten sicher ihren Spaß bei diesem selbstgenügsamen Film, der sich zu sehr auf dem Witz des ersten „R. E. D.“-Films ausruht und außer Helen Mirren mit Wumme wenig zu bieten hat. Aber das kennen wir schon aus „R. E. D.“.
Oh, und die Verkleidungen von John Malkovich sind noch geschmacksfreier und Mary-Louise Parker, die im ersten „R. E. D.“-Film eine verhuschte Buchhalterin war, will jetzt unbedingt bei der Action mitmachen, während ihr Filmehemann Bruce Willis davon überhaupt nicht begeistert ist.
R. E. D. 2 – Noch älter. Härter. Besser. (R. E. D. 2/Red 2, USA 2013)
Regie: Dean Parisot
Drehbuch: Jon Hoeber, Erich Hoeber
mit Bruce Willis, John Malkovich, Mary-Louise Parker, Helen Mirren, Anthony Hopkins, Catherine Zeta-Jones, Byung Hun Lee, Brian Cox, Neil McDonough, David Thewlis
Egal. Die von Heinrich von Kleist in wuchtigen Sätzen aufgeschriebene Geschichte über Michael Kohlhaas dürfte bekannt sein. Der Pferdehändler lässt bei einem Junker für einen erfundenen Passierschein zwei Pferde als Pfand zurück. Er bekommt sie in einem erbärmlichen Zustand wieder und möchte, dass der Junker ihm die Pferde ersetzt. Dieser tut es nicht und Kohlhaas beginnt einen blutigen Feldzug gegen ihn.
Arnaud des Pallières verfilmte diese Geschichte mit Mads Mikkelsen in der Hauptrolle. Dabei nahm er sich, wie auch die Regisseure der anderen Kohlhaas-Verfilmungen, einige Freiheiten. So verlegte er die Geschichte von Brandenburg und Sachsen, wo sie bei Kleist spielt, in die Cévennen, verzichtete auf eine präzise historische Einordnung und lässt das Drama vor einer prächtigen Landschaft in eher dunklen Bildern langsam seinen Lauf nehmen. Dummerweise hat sich des Pallières auch entschlossen, möglichst wenig zu schneiden und die Dialoge beschränkte er auf ein Minimum. So wird sein Michael Kohlhaas zu einem schweigsamen Brüter, der seine Gefühle hinter einer steinernen Mine verbirgt. Auch die anderen Charaktere reden eher wenig reden. Leider.
Denn „Michael Kohlhaas“ ist kein banaler Abenteuerfilm, kein Quasi-Western, sondern eine zeitlose Parabel, in der es um das Verhältnis des Einzelnen zum Staat, um das Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit, dem Unterschied zwischen gerechtfertigtem Widerstand und Selbstjustiz, zwischen Rebellion und Terrorismus, welchen Regeln man folgen soll und wann das Befolgen von Regeln in Fanatismus umschlägt, geht. Bei diesen vielfältigen Anknüpfungspunkten der im 16. Jahrhundert spielenden Geschichte an die Gegenwart, wäre es gut gewesen, wenn Arnaud des Pallières Michael Kohlhaas einen Gefährten zur Seite gestellt hätte, mit dem er sich hätte unterhalten können. So trägt Kohlhaas die Konflikte schweigend mit sich aus. Wir dürfen das maskenhaft-edle Antlitz von Mads Mikkelsen und die archaische Landschaft bewundern und uns fragen, ob man den Film nicht um etliche Minuten hätte kürzen können.
Michael Kohlhaas (Michael Kohlhaas, Frankreich/Deutschland 2013)
Regie: Arnaud des Pallières
Drehbuch: Arnaud des Pallières, Christelle Berthevas
Perry Rhodan – S. O. S. aus dem Weltall (Deutschland/Italien/Spanien 1967, R.: Primo Zeglio)
Drehbuch: Karl-Heinz Vogelmann, Federico d’Urutia
LV: Carl Darlton: Unternehmen Stardust, 1961
Buch zum Film: Carl Darlton: Perry Rhodan – SOS aus dem Weltall, 1967
Bei dem ersten Mondflug stößt Perry Rhodan auf eine außerirdisches Raumschiff mit zwei Passagieren. Die Schönheit Thora und den an Leukämie leidenden Crest. Rhodan kann ihn überzeugen, dass es auf der Erde ein Heilmittel gibt. Aber bevor er ihm helfen kann, muss er sich noch einigen Schurken herumschlagen, die die Technik der Außerirdischen gerne für ihre Zwecke benutzen würden.
Der locker auf den ersten Perry-Rhodan-Roman basierende Film sollte den Erfolg der seit 1961 erscheinenden Heftserie (die später um mehrere Romanreihen erweitert wurde) im Kino wiederholen. Tat er aber nicht. Stattdessen verschwand er ziemlich schnell aus den Kinos, wurde im TV nur selten, zuletzt anscheinend für fast zwanzig Jahren von Sat.1, gezeigt.
Unfreiwillig witziger Science-Fiction-Trash, dessen deutsche Fassung 15 Minuten kürzer als die internationale Fassung ist.
„Das Ergebnis ist ein trivialer Film, der Bond-ähnliche Situationen mit Science-Fiction kombiniert und wiederverwertet (…) Die einzig bemerkenswerte Tatsache am Film ist, dass der unbeständige, aber zuweilen visuell sehr interessante Regisseur Margheriti für die Spezialeffekt verantwortlich war.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science-Fiction-Enzyklopädie)
„Gemessen an seiner Entstehungszeit technisch aufwendiger, ansonsten aber kümmerlicher Science-Fiction-Film.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Lang Jeffries, Essy Persson, Pinkas Braun, Ann Smyrner, Joachim Hansen, Luis Davila
Ein „Cinema Treasure“ ist „Boomer – Überfall auf Hollywood“ wahrlich nicht. Der zerstörungswütige Actionfilm gehört zu den Spätwerken von Sidney J. Furie, der in den sechziger Jahren mit dem Harry-Palmer-Spionagethriller „Ipcress – Streng geheim“ (The Ipcress File, mit Michael Caine) und dem Western „Südwest nach Sonora“ (The Appaloosa, mit Marlon Brando) vielversprechend seine Karriere startete und irgendwann in den achtziger Jahren im Feld von prinzipiell uninteressanten, politisch indiskutablen, teilweise kommerziell erfolgreichen Produktionen wie „Der stählerne Adler“ und den Fortsetzungen landete.
Es ist auch der letzte Film von Ken Wahl, der in den frühen achtziger Jahren ein aufstrebender Star mit Filmen wie „The Wanderers“ und „The Bronx“ war, und der 1992 einen Motorradunfall mit lebensgefährlichen Verletzungen hatte, der seine Filmkarriere (abgesehen von drei weiteren Filmauftritten) beendete. 2004 sagte er in einem Interview, dass die Geschichte mit dem Motorradunfall nicht stimmte, sondern er bei der Freundin von Rodney Dangerfield eine Treppe hinuntergefallen war. An den gesundheitlichen Problemen, die er nach dem Unfall hatte, änderte das nichts.
Das dürften die filmhistorisch wichtigen Punkte bei „Boomer – Überfall auf Hollywood“ sein; einer ziemlich ärmlichen „Stirb langsam“-Variation, die ihr Story-Potential grundlos in einer explosionshaltigen Zerstörungsorgie verschenkt. Denn die Dialoge sind zu einfältig. Die Story ist einfach zu unlogisch. Der Plan der Bösewichter erscheint nicht besonders durchdacht. Und dass Boomer sofort beginnt, gegen die Bösewichter zu kämpfen, ist vor allem dem Drehbuch geschuldet. Es gibt zu viele lose Enden. So verschwindet der Beverly-Hills-Polizeichef aus dem Film, nachdem er sich im Hotel mit einem der Bösewichter, der sich sehr amateurhaft als Polizist ausgab, ein sehr seltsames Gespräch führte, das eigentlich jeden Polizisten in Alarmbereitschaft versetzen sollte.
Also, die Story: In Beverly Hills leben die Schönen und Reichen. Eines Tages beschließen einige ehemalige Polizisten und ein Mastermind im Hintergrund (keine Überraschung: es ist James-Bond-Bösewicht Robert Davi) in einer Nacht den gesamten Ort auszurauben. Dafür inszenieren sie einen Chemieunfall, sperren Beverly Hills ab und evakuieren die Bewohner in ein naheliegendes Hotel. Durch einen dummen Zufall bekommt Football-Spieler und Frauenschwarm Boomer Hayes (Ken Wahl) die Evakuierung nicht mit. Er und ein Polizist (Matt Frewer), der bei dem Überfall mitmachte und plötzlich sein Gewissen entdeckt, versuchen jetzt, weil alle Telefone gekappt sind (und es 1991 noch keine Handys gab), aus Beverly Hills zu flüchten und von draußen Hilfe zu holen. Die Gangster verfolgen sie gnadenlos – und dabei werden jede Menge Gebäude und Luxusautos zerstört. Teils von einem Panzer überrollt, teils fotogen in die Luft gejagt.
Eben diese handgemachten Actionszenen erfreuen dann auch das Herz des Nostalgikers.
Jan Hammer schrieb die Musik.
Zwei zeitgenössische Stimmen
Pyromanen-Inferno (…) Eine der größten Materialschlachten des Action-Kino-Jahres, in der ungefähr jede Minute ein Straßenzug in die Luft geht. (Fischer Film Almanach 1993 – und das trotz „Brennpunkt L. A. 3 – Die Profis sind zurück“ [Lethal Weapon 3] und „Terminator II“)
Spannungsarm, dafür explosionsreich bleibt der Film lediglich für unbedingte unkritische Fans des Actiongenres unterhaltsam. (multimedia)
Boomer – Überfall auf Hollywood (The Taking of Beverly Hills, USA 1991)
Regie: Sidney J. Furie
Drehbuch: Rick Natkin, David Fuller, David J. Burke (nach einer Geschichte von Sidney J. Furie, Rick Natkin und David Fuller)
mit Ken Wahl, Robert Davi, Matt Frewer, Harley Jane Kozak, Lee Ving James, Branscombe Richmond, Lyman Ward
Johnny Cash at Folsom Prison (USA 2008, R.: Bestor Cram)
Drehbuch: Michael Streissguth
Anfang 1968 war Johnny Cash am Ende. Er hatte gerade einen Entzug hinter sich und niemand wollte ihn hören. Also erklärte er sich bereit, am 13. Januar 1968 vormittags in einem kalifornischem Hochsicherheitsgefängnis aufzutreten. Die beiden Auftritte wurde aufgenommen und als „At Folsom Prison“ (teilweise) veröffentlicht. Die LP wurde ein Bestseller.
Die spielfilmlange Doku zeichnet die Hintergründe und Auswirkungen des Auftritts nach.
Während des Bürgerkriegs bot US-Präsident Abraham Lincoln gefangenen Südstaaten-Soldaten an, dass sie ihre Freiheit erlangen könnten, wenn sie den Nordstaatlern im Kampf gegen die Indianer helfen. Colonel Clay Tucker (Joseph Cotten) und seine Männer lassen sich auf das Angebot ein. In Fort Thorn werden sie von Major Henry Kenniston (Jeff Chandler) frostig empfangen. Der Lagerkommandant misstraut den Südstaatlern. Gleichzeitig hat er sich inzwischen zu einem hasserfüllten Mann verwandelt, der Indianer grundlos ermordet und Elena Kenniston (Linda Darnell), die schöne Frau seines gefallenen Bruders, quasi gefangen hält.
Trotz der prominenten Besetzung ist „Vorposten in Weltwest“ heute fast unbekannt. Ein Grund ist sicher, dass der Film nie im Fernsehen läuft. Ein anderer, dass der Western sich eher an ein erwachsenes Publikum richtet. Immerhin geht es vor allem um Fragen von Ehre und Gewissen. Soll man sich an ein gegebenes Wort halten? Welchen Befehlshabern soll man folgen? Und wann soll man sich gegen unfähige Vorgesetzte auflehnen? Fragen, die Robert Wise nicht endgültig beantwortet. Und einige Antworten fallen ziemlich ernüchternd aus. So ist der auf den ersten Blick glänzende Held und kluge Südstaaten-Colonel Tucker doch eher ein biederer, von den Ereignissen getriebener Befehlsempfänger, der aus verschiedenen Gründen Chancen für eine Flucht und den Kampf gegen die verhassten Nordstaatler nicht nutzt. Sein Gegenspieler Kenniston ist ein Lügner und eine Gefahr für alle in dem Fort lebenden Menschen.
Gleichzeitig mäandert, eben weil die Konflikte eher angesprochen als ausgetragen werden, die Geschichte ziemlich planlos in netten Episoden vor sich hin und bis auf den großen Kampf gegen die Indianer am Filmende gibt es kaum Action. Stattdessen wird endlos geredet. Das ist dann nur mäßig unterhaltsam. Der ambitionierte Kavallerie-Western „Vorposten in Wildwest“ gehört sicher nicht zu Robert Wises besten Werken.
Wer war Robert Wise?
Wahrscheinlich hat jeder schon einige Filme von Robert Wise (10. September 1914 – 14. September 2005) gesehen und obwohl er einer der erfolgreichsten Regisseure Hollywoods war, ist er auch, obwohl er selbst zahlreiche prestigeträchtige Preise, unter anderem vier Oscars, erhielt und seine Filme durch mehrere Jahrzehnte hindurch mit Preisen überschüttet wurden, einer der unterschätztesten und unbekanntesten Regisseure. Denn eine Auteurschaft, wie seinen Kollegen Alfred Hitchcock, John Ford oder Howard Hawks, wurde ihm nie zugesprochen.
So schrieb John Russell Taylor: „Robert Wise zählt zu den erstaunlich vielseitigen Handwerkern Hollywoods, die sich jedem Genre mit Erfolg zuwenden können, stets eine sehr achtbare Arbeit abliefern und eine lange Reihe hervorragender Filme aufweisen, ohne in ihnen je ein persönliches Zeichen von sich zu hinterlassen zu haben – vielleicht hat Wise dies auch gar nicht versucht.“
Er schnitt für Orson Welles „Citizen Kane“ (1941) und „Der Glanz des Hauses Amberson“ (The magnificent Ambersons, 1942). Später inszenierte er den Boxfilm-Klassiker „Ring frei für Stoker Thompson“ (The Set-Up, 1949), den Science-Fiction-Klassiker „Der Tag, an dem die Erste stillstand“ (The Day the Earth stood still, 1951), das Boxer-Biopic „Eine Handvoll Dreck/Die Hölle ist in mir“ (Somebody up there likes me, 1956, mit Paul Newman), das Todesstrafe-Drama „Lasst mich leben“ (I want to live, 1958), das grandiose Heist-Movie „Wenig Chancen für morgen“ (Odds against tomorrow, 1959, mit Harry Belafonte), das mit zehn Oscars ausgezeichnete Musical „West Side Story“ (1961, unter anderem gab es einen Oscar für die Regie und den Oscar als bester Film), den Horrorfilmklassiker „Bis das Blut gefriert“ (The Haunting, 1963), den Science-Fiction-Klassiker „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ (The Andromeda Strain, 1971), den Katastrophenfilm „Die Hindenburg“ (The Hindenburg, 1975), den Horrorfilm „Audrey Rose – Das Mädchen aus dem Jenseits“ (Audrey Rose, 1977) und „Star Trek – Der Film“ (Star Trek – The Motion Picture, 1979).
Die zahlreichen Remakes von seinen Filmen sind durchgehend schlechter.
Vorposten in Wildwest (Two Flags West, USA 1950)
Regie: Robert Wise
Drehbuch: Casey Robinson (nach einer Geschichte von Frank S. Nugent und Curtis Kenyon)
mit Joseph Cotten, Jeff Chandler, Linda Darnell, Cornel Wilde, Dale Robertson, Jay C. Flippen, Noah Beery
„Der unbestechliche Blick – Robert Wise und seine Filme“ von Lars-Olav Beier, mit einem Werkstattgespräch und vielen Bildern. Das 1996 bei Bertz (der Vorläufer von „Bertz + Fischer“) erschienene Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich.
Mux ist jung. Mux sieht aus wie ein braver Student. Mux hat eine Mission. Er will den Menschen wieder Ideale und Verantwortungsbewusstsein beibringen. Gnadenlos geht er in Berlin gegen Schwarzfahrer, Hundehalter, Graffiti-Sprayer und Schwimmbad-Pinkler vor, bricht Gesetze und wird immer mehr zum Volkshelden.
Die schwarze, mit wenig Geld hergestellte, grandiose Satire war 2004 mit über 292.000 Besuchern der Überraschungserfolg im Kino.
Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind (USA 2002, R.: George Clooney)
Drehbuch: Charlie Kaufman
LV: Chuck Barris: Confessions of a Dangerous Mind: An Unauthorized Autobiography, 1984
Fulminantes Regiedebüt von George Clooney über Chuck Barris, einen in den USA legendären TV-Produzenten (u. a. The Dating Game/Herzblatt), der in seiner Biographie behauptete, dass er in den Sechzigern und Siebzigern auch ein Auftragskiller für die CIA war.
Ob das stimmt, wissen wir nicht, aber das ist, jedenfalls für diesen angenehm durchgeknallten Film, auch ziemlich egal.
mit Sam Rockwell, Drew Barrymore, George Clooney, Julia Roberts, Rutger Hauer, Maggie Gyllenhaal, Kristen Wilson, Brad Pitt, Matt Damon
Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte von „Vijay & ich“ nicht besonders vielversprechend: nachdem man den Protagonisten für tot hält, geht er verkleidet zu seiner Beerdigung und bringt danach das Leben der Hinterbliebenen durcheinander. Gleichzeitig wird es für ihn immer schwieriger, die Charade aufzudecken.
Das ist uralter Verwechslungskomödienstoff.
Auf den zweiten Blick könnte „Vijay & ich“ durchaus ein sehenswerter Film sein. Denn Sam Garbarski inszenierte den Film nach seinem Drehbuch. Er drehte auch den märchenhaften Berlinale-Liebling „Irina Palm“ mit Marianne Faithfull als ältliche Hausfrau, die in einem Soho-Sex-Club das dringend benötigte Geld für eine lebensrettende Operation ihres Enkels erarbeitet, zum Star des Clubs wird und sich mit den Vorwürfen ihres Sohnes, der mit ihrer Arbeit durchaus nachvollziehbare Probleme hat, auseinandersetzten muss. Garbarski inszenierte damals sehr geschmackvoll Anzügliches und gewann der Geschichte von der Mutter, die für ihre Kinder über sich hinauswächst, einige neue Aspekte ab.
Warum also nicht auch jetzt?
Aber nach der hübsch atmosphärisch animierten Titelsequenz im Stil von Komödien aus den fünfziger und sechziger Jahren gelingt es dem Film dann nie, einen auch nur annähernd zeitgenössischen oder auch nur halbwegs originellen Zugriff auf die Geschichte zu entwickeln.
Moritz Bleibtreu spielt den deutschen Schauspieler Wilhelm ‚Will‘ Wilder, der in New York in einer Kinderfernsehsendung das „Grüne Pechkaninchen“ spielt. An seinem vierzigsten Geburtstag hofft er auf eine große Geburtstagsfeier. Aber niemand gratuliert ihm und beim Dreh wird er von den kryptischen Vorschlägen der Regie zu seinem Spiel weiter gedemütigt. Entnervt verlässt er den TV-Sender, bekommt daher nichts von der pompös geplanten Überraschungsgeburtstagsfeier mit, und an einer Tankstelle wird ihm sein Auto geklaut. Wilder hat das Leben gründlich satt und als er bei seinem Freund Rad (Danny Pudi) übernachtet, erfährt er aus den Nachrichten, dass der Autodieb in seinem Auto tödlich verunglückte und bis zur Unkenntlichkeit verbrannte.
Wilder will sich nun an all denen, die ihm nicht zum Geburtstag gratulierten, rächen. Er klärt den Irrtum nicht auf, sondern verkleidet sich als Vijay Singh, einem angeblichen Freund von Wilder, und geht zu Wilders Beerdigung. Daraus entwickelt sich eine Beziehung zu seiner Frau Julia (Patricia Arquette), die sich natürlich sofort in den geheimnisvollen Inder verliebt.
Dieser hoffnungslos veraltete und klischeetriefende Komödienstoff – Garbarski hat wahrscheinlich kein verzopftes Indien-Klischee ausgelassen – könnte unterhaltsam sein, wenn er die Klischees wenigstens ironisch brechen oder ihnen irgendetwas neues hinzu fügen würde. Aber er tut es nicht. Auch Situationskomik gibt es höchstens in homöopathischen Dosen.
„Vijay und ich“ sieht wie ein Heinz-Erhardt-Film aus den fünfziger Jahren aus. Aber während man diese Filme und ihre Klischees, Vorurteile, Unwahrscheinlichkeiten und schlecht verkleideten Schauspieler inzwischen durch die nostalgische Brille betrachten kann, trifft das auf „Vijay & ich“ nicht zu. Garbarskis Films ist banal-biederes, witzloses Retrokino, dessen Zeit vor einem guten halben Jahrhundert war.
Vijay & ich – Meine Frau geht fremd mit mir (Vijay and I, Deutschland/Belgien/Luxemburg 2012)
Regie: Sam Garbarski
Drehbuch: Philippe Blasband, Matthew Robbins, Sam Garbarski (nach einer Idee von Sam Garbaski)
mit Moritz Bleibtreu, Patricia Arquette, Danny Pudi, Catherine Missal, Michael Imperioli, Jeannie Berlin, Moni Moshonov, Hanna Schygulla, Michael Gwisdek
Drehbuch: Stuart Hazeldine (nach einer Geschichte von Simon Garrity und Stuart Hazeldine)
Acht Bewerber fragen sich bei einem Einstellungstest, welche Frage sie beantworten sollen. Denn auf dem Fragebogen steht keine Frage. Aber ihnen wurde vorher gesagt, dass es nur eine Antwort gibt und dass nur einer den heißbegehrten Job erhält.
Spannendes Kammerspiel, das nicht zur Nachahmung empfohlen wird.
Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 (The Taking of Pelham 123, USA 2009)
Regie: Tony Scott
Drehbuch: Brian Helgeland
LV: John Godey: The Taking of Pelham One Two Three, 1973 (Abfahrt Pelham 1 Uhr 23)
In New York nehmen Gangster die Passagiere einer U-Bahn als Geisel. Sie fordern binnen einer Stunde 10 Millionen Dollar Lösegeld. Ein Fahrdienstleiter beginnt mit den Verhandlungen.
Für das Update des 1973er Thriller-Klassikers „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ von Joseph Sargent, nach einem Drehbuch von Peter Stone, mit Walter Matthau, Robert Shaw und Martin Balsam musste Brian Helgeland nicht viel tun. Denn Romanautor John Godey hat sich eine ebenso einfach, wie spektakuläre Story ausgedacht. Da musste Brian Helgeland nur der Story folgen und aus den vielen im Buch auftretenden Charakteren (die so auch ein Bild der US-amerikanischen Gesellschaft in den frühen Siebzigern entstehen lassen) die für einen Film wichtigen auswählen. Tony Scott bebilderte dann das ganze mit einer für seine Verhältnisse angenehm zurückhaltenden Regie.
Aber während die 1973er-Version immer noch thrillt, bedient Scott einfach nur ziemlich glatt und damit auch vorhersehbar-langweilig die Spannungsmachinerie. Es ist nicht wirklich Falsches in „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“, aber auch nichts, was zum wiederholten Ansehen reizt.
mit Denzel Washington, John Travolta, Luis Guzmán, John Turturro, James Gandolfini