Neu im Kino/Filmkritiken für den große Neustart: „Godzilla vs. Kong“, „Nomadland“, „Percy“, „Der Spion“, „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“, „Ich bin dein Mensch“, „Possessor“, „Nobody“, „Monster Hunter“

Juli 1, 2021

Einmal schnell – mit der selbstgewählten Option über einige Filme, je nach Zeit, mehr zu schreiben: die Filme, die heute starten. Auf der einen Seite der Skala ein Blockbuster für die große Leinwand („Godzilla vs. Kong“). Auf der anderen Seite der diesjährige Oscar-Gewinner („Nomadland“). Dazwischen ein deutscher Science-Fiction-Film („Ich bin dein Mensch“), Dramen und Action. Denn „Nobody“ verlässt den Raum.

Godzilla vs. Kong“ ist ein Spektakel, das für die große Leinwand gemacht ist. Die Story wurde schon vor dem Schreiben des Drehbuchs weggeworfen zugunsten einiger, teils vollkommen abstruser Szenen, die Schauspieler sind noch nicht einmal unterfordert von den anderthalb verlangten Gesichtsausdrücken, aber wenn dann King Kong und Godzilla sich kloppen und dabei Hongkong zerstören, die Boxen im Kino mit großem Wumms dröhnen, dann, ja, dann bleibt nur die Erkenntnis: KINO IST ZURÜCK! ENDLICH.

Ich gebe zu, dass ich den Film im Zoopalast in Berlins größtem Kinosaal sah, Monster auf einer Monsterleinwand überwältigend sind und es einer der ersten Filme war, die ich nach der monatelangen Pause im Kino sehen konnte. Das alles förderte meine Begeisterung.

Davon abgesehen ist „Godzilla vs. Kong“ ein dummer Sommer-Blockbuster, der genau das sein will und dessen Existenzberechtigung im Titel steht. Godzilla, King Kong und, – ähem, das wäre jetzt ein Spoiler.

Godzilla vs. Kong (Godzilla vs. Kong, USA 2021)

Regie: Adam Wingard

Drehbuch: Eric Pearson, Max Borenstein (nach einer Geschichte von Terry Rossio, Michael Dougherty und Zach Shields)

mit Alexander Skarsgård, Millie Bobby Brown, Rebecca Hall, Brian Tyree Henry, Kyle Chandler, Shun Oguri, Eiza González, Julian Dennison, Demián Bichir

Länge: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Godzilla vs. Kong“

Metacritic über „Godzilla vs. Kong“

Rotten Tomatoes über „Godzilla vs. Kong“

Wikipedia über „Godzilla vs. Kong“ (deutsch, englisch)

Nomadland“ ist das Gegenteil. Ein kleines Indie-Drama mit einer gewohnt fantastischen Frances McDormand, die hier die Nomadin Fern spielt.

Nach dem Verlust von Mann, Job und Haus entschloss Fern sich 2011 (also während der Nachwirkungen der Finanzkrise), ihre Sachen zu packen. Seitdem lebt sie in ihrem Wohnwagen, fährt von schlechtbezahltem Job zu schlechbezahltem Job und genießt, wie viele andere Menschen, die Freiheiten des Nomadenlebens.

Chloé Zhao („The Rider“) zeigt quasi-dokumentarisch das Leben dieser Nomaden und ihrer Gemeinschaft. Wieder drehte sie mit Laien, die sich selbst spielen. Und wieder ist da kein falscher Ton zu spüren.

Bei den diesjährigen Oscars wurde ihre Charakterstudie „Nomadland“ als bester Film, für die beste Regie und die beste Hauptrolle ausgezeichnet. Golden Globes gab es als bester Film und für die beste Regie. Um nur die bekanntesten Preise zu nennen. Insgesamt erhielt der Film, laut IMDB, über 230 Preise.

Zhaos karge Charakterstudie ist großes großartiges Kino mit Bildern, die für die große Leinwand komponiert sind. In diesem Fall (und, Ich verspreche!, in den folgenden Zeilen werde ich nicht mehr erwähnen, wo ich die Filme gesehen habe) musste ich den Film am Computer sehen und ich dachte die ganze Zeit nur „ich will den Film im Kino sehen“.

Nomadland (Nomadland, USA 2020)

Regie: Chloé Zhao

Drehbuch: Chloé Zhao

LV: Jessica Bruder: Nomadland: Surviving America in the Twenty-First Century, 2017 (Nomaden der Arbeit, Sachbuch)

mit Frances McDormand, David Strathairn, Linda May, Swankie, Bob Wells

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Nomadland“

Metacritic über „Nomadland“

Rotten Tomatoes über „Nomadland“

Wikipedia über „Nomadland“ (deutsch, englisch)

Percy“ erzählt nah an den Fakten und angenehm altmodisch die Geschichte von Percy Schmeiser. Der Kanadier ist ein Farmer der alten Schule, der die besten Samen der vorherigen Ernte aufbewahrt und nächstes Jahr wieder aussät. Genau so haben Bauern seit Jahrhunderten gearbeitet. Bis Konzerne Firmen wie Monsanto genmanipulierte Saatgut anboten. Diese sind resistent gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel, was für die Bauern natürlich eine Arbeitserleichterung ist. Für Monsanto sind sie ein großes Geschäft. Denn sie haben Patente dafür erworben und die Bauern müssen jedes Jahr bei ihnen neue Samen kaufen. Ein Monokulturen förderndes Riesengeschäft, das von Umwelt- und Dritte-Welt-Bewegungen seit Jahrzehnten kritisiert wird.

Percy hatte damit nichts zu tun, bis Monsanto 1997 auf seinen Feldern Spuren von ihren Samen nachwies und ihn verklagte. Im Gegensatz zu anderen Farmern zog Percy Schmeiser vor Gericht.

Clark Johnson erzählt in seinem Justizdrama „Percy“ jetzt die Geschichte von Percy Schmeiser und seinem Kampf gegen Monsanto nach. Das tut er, indem er sich auf das Drehbuch und die Schauspieler – Christopher Walken als Percy Schmeiser, Zach Braff als sein Anwalt, Christina Ricci als Aktivistin – verlässt. Eine kluge Entscheidung.

Percy (Percy, Kanada 2020)

Regie: Clark Johnson

Drehbuch: Garfield Lindsay Miller, Hilary Pryor

mit Christopher Walken, Christina Ricci, Zach Braff, Luke Kirby, Roberta Maxwell, Adam Beach, Martin Donovan

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

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Metacritic über „Percy“

Rotten Tomatoes über „Percy“

Wikipedia über „Percy

Auch „Der Spion“ beeindruckt nicht durch Spektakel (das hatten wir schon in „Godzilla vs. Kong“), sondern mit seinen Schauspielern. Die Geschichte basiert ebenfalls auf Tatsachen. Jedenfalls soweit man das weiß, wenn es um Geheimagenten und ihre Arbeit geht.

Der britische Geheimdienst MI6 und der amerikanische Geheimdienst CIA engagieren im November 1960 den harmlosen, leicht schmierigen Geschäftsmann Greville Wynne (Benedict Cumberbatch), der immer wieder mit Ostblockstaaten Geschäfte macht. Er soll den Kontakt zu dem hochrangigen Sowjetoffizier Oleg Penkowski (Merab Ninidze) herstellen. Penkowski möchte nämlich den Westmächten geheime Informationen zuspielen.

MI6 und CIA sind sich sicher, dass der KGB keinen Verdacht schöpfen wird, wenn Wynne sich mit Penkowski trifft. Womit sie nicht rechneten, ist, dass die beiden gegensätzlichen Männer sich befreunden. Als Penkowski aufzufliegen droht und der MI6 nichts für ihn unternehmen will, will Wynne seinen Freund retten.

Der Spion“ ist unauffälliges Schauspielerkino mit viel frühsechzigerjahre Patina. Fans des Genres denken bei der Geschichte von Wynne, der über seine Erlebnisse als Spion zwei Bücher mit zweifelhaftem Wahrheitsgehalt schrieb, natürlich sofort an John le Carrés „Das Russland-Haus“ und die grandiose Verfilmung von Fred Schepisi mit Sean Connery.

Das ist nicht schlecht, aber auch nicht unbedingt ein Film, den man sich im Kino ansehen muss.

Der Spion (The Courier, Großbritannien 2020)

Regie: Dominic Cooke

Drehbuch: Tom O’Connor

mit Benedict Cumberbatch, Merab Ninidze, Rachel Brosnahan, Jessie Buckley, Angus Wright, James Schofield, Anton Lesser

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Metacritic über „Der Spion“

Rotten Tomatoes über „Der Spion“

Wikipedia über „Der Spion“ (deutsch, englisch)

Der neueste Film aus dem „Conjuring“-Universum ist, nach Spin-offs und Vorgeschichten, „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“ und damit ein Film aus der Hauptreihe. Wieder wird ein wahrer Fall der Geisterjäger Ed und Lorraine Warren erzählt. Dieses Mal ist es der Brookfield Demon Murder Case.

Am 16. Februar 1981 ermordet der junge Arne Cheyenne Johnson seinen Freund bestialisch. Sein Verteidiger würde auf irgendeine Form von verminderter Zurechnungsfähigkeit plädieren. Aber die Warrens sind schon vor Ort und sie wissen, dass Johnson von einem besonders fiesem Dämonen besessen ist und genau darauf soll die Verteidigung aufbauen. Die nötigen Beweise wollen sie beschaffen.

Der neueste „Conjuring“-Film läuft für meinen Geschmack zu sehr in den Bahnen eines gewöhnlichen Justizkrimis ab, in dem die tapferen Ermittler während der Verhandlung die Beweise für die Unschuld des Angeklagten suchen und in letzter Sekunde finden. Da ist es wirklich einerlei, ob der Angeklagte unschuldig ist, nicht zurechnungsfähig (beispielsweise wegen Opioid-Gebrauch) oder gerade von einem Dämonen besessen war. Das ist eine Frage der Fakten und der Verteidigungsstrategie.

Weil „Conjuring 3“ ein Horrorfilm ist, interessiert sich Regisseur Michael Chaves weniger für rechtstechnische Details und Verteidigungsstrategien, sondern für Geister, Dämonen und Teufelsaustreibungen mit Hilfe der katholischen Kirche.

James Wan, der Regisseur der vorherigen „Conjuring“-Filme ist dieses Mal nur als Autor und Produzent involviert.

Conjuring 3: Im Bann des Teufels (The Conjuring: The Devil made me do it, USA 2021)

Regie: Michael Chaves

Drehbuch: David Leslie Johnson-McGoldrick (nach einer Geschichte von James Wan und David Leslie Johnson-McGoldrick)

mit Patrick Wilson, Vera Farmiga, Ruairi O’Connor, Sarah Catherine Hook, Julian Hilliard

Länge: 112 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Moviepilot über „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“

Metacritic über „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“

Rotten Tomatoes über „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“

Wikipedia über „Conjuring 3: Im Bann des Teufels“ (deutsch, englisch)

Das „Conjuring“-Universum in der Kriminalakte

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring 2″ (The Conjuring 2, USA 2016)

Meine Besprechung von John R. Leonettis „Annabelle“ (Annabelle, USA 2014)

Meine Besprechung von David F. Sandbergs „Annabelle 2″ (Annabelle: Creation, USA 2017)

Meine Besprechung von Corin Hardys „The Nun“ (The Nun, USA 2018)

Meine Besprechung von Michael Chaves‘ „Lloronas Fluch“ (The Curse of La Llorona, USA 2019)

Meine Besprechung von Gary Daubermans „Annabelle comes home“ (Annabelle comes home, USA 2019)

Mit einer anderen Sorte von Nicht-Mensch muss Alma sich in „Ich bin dein Mensch“ auseinandersetzen.

Alma soll für drei Wochen einen menschenähnlichen Roboter testen und danach ein Gutachten schreiben. Es geht um die Frage, ob Ehen zwischen Mensch und Maschine erlaubt werden sollen. Dafür wird ihr Tom zugeteilt. Er wurde extra für sie konfiguriert, nachdem in umfangreichen Test Almas Wünsche und Sehnsüchte erforscht wurden. Der Android ist dann auch das Inbild eines Traummanns: gutaussehend, höflich, umsorgend, perfekt im Haushalt und allwissend. Nur seine Bewegungen, Mimik und, selten, Sprachrhythmus verraten, dass Tom kein Mensch ist.

In ihrem neuen Film „Ich bin dein Mensch“ beschäftigt Maria Schrader („Vor der Morgenröte“) sich mit der Frage, was Androiden von Menschen unterscheidet, was Gefühle sind und damit auch und vor allem, was das Menschsein und die menschliche Gesellschaft ausmacht. Das erzählt sie mit Hilfe eines immer wieder überraschend humorvollen Drehbuchs, guten Schauspielern und einer eleganten Kamera und Bildgestaltung (Benedict Neuenfels).

Ich bin dein Mensch“ ist ein feiner, auf der Berlinale abgefeierter, zum Nachdenken anregender Film und einer der besten deutschen Filme des Jahres.

Maren Eggert erhielt einen Silbernen Bären für ihre schauspielerische Leistung.

Ich bin dein Mensch (Deutschland 2021)

Regie: Maria Schrader

Drehbuch: Jan Schomburg, Maria Schrader

LV: Emma Braslavsky: Ich bin dein Mensch, 2019 (Kurzgeschichte, in „2029 – Geschichten von Morgen“)

mit Maren Eggert, Dan Stevens, Sandra Hüller, Hans Löw, Wolfgang Hübsch, Annika Meier, Falilou Seck, Jürgen Tarrach, Henriette Richter-Röhl, Monika Oschek

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Ich bin dein Mensch“

Moviepilot über „Ich bin dein Mensch“

Rotten Tomatoes über „Ich bin dein Mensch“

Wikipedia über „Ich bin dein Mensch“ (deutsch, englisch)

‚Wie der Vater, so der Sohn‘ ist ein dummer Spruch, der in diesem Fall zutrifft. Denn Brandon Cronenbergs „Possessor“ sieht wie ein Horrorfilm seines Vaters David Cronenberg aus den Siebzigern aus. Auch die Geschichte könnte von David Cronenberg stammen.

Eine geheimnisumwitterte Firma hat eine Technik entwickelt, mit der man in fremde Gehirne eindringen und diese Menschen dann zu bestimmten Handlungen bewegen kann. Die Firma bietet dabei vor allem eine Dienstleistung an: Mord. Und zwar Morde, die sonst nicht durchführbar wären. Jedenfalls nicht so.

Eine ihrer Agentinnen ist Vos. Sie hadert zunehmend mit den Folgen der Aufträge für ihre Psyche. Immer weniger kann sie zwischen ihrer Arbeit in fremden Köpfen und ihrem Privatleben mit ihrer Familie unterscheiden.

Brandon Cronenberg inszenierte seinen Horrorfilm „Possessor“ als Hommage an die frühen Bodyhorrorfilme von David Cronenberg. Die Farbgebung, die Erzählgeschwindigkeit, die Kamerabewegungen, der Ton, die Tricks (bei den Morden wird nach der Methode „zuviel rotes Blut kann es nicht geben“ vorgegangen), die minimalistischen, futuristisch aussehenden Sets und die von der Firma verwandten Technik erinnern alle an David Cronenbergs Frühwerk.

Allerdings fehlt in „Possessor“ die damalige Gesellschaftskritik und das Ende, das sich um eine Antwort auf die wichtigen im Film gestellten Fragen drückt, ist äußerst unbefriedigend.

Possessor“ ist primär L’Art pour l’art, die einen, wegen dem was zu sehen ist und dem was nicht zu sehen ist, mit einem gewaltigen Gefühl des Unwohlseins über das Eindringen in fremde Körper zurücklässt.

Und gerade das macht diesen Horrorfilm sehenswert.

Posessor (Possessor, Kanada/Großbritannien 2020)

Regie: Brandon Cronenberg

Drehbuch: Brandon Cronenberg

mit Andrea Riseborough, Christopher Abbott, Rossif Sutherland, Sean Bean, Jennifer Jason Leigh

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

alternativer Titel: „Possessor: Uncut“

Hinweise

Moviepilot über „Possessor“

Metacritic über „Possessor“

Rotten Tomatoes über „Possessor“

Wikipedia über „Possessor“ (deutsch, englisch)

Hutch Mansell (Bob Odenkirk) ist auf den ersten Blick ein ganz gewöhnlicher Mann, der ein ganz gewöhnliches Leben lebt mit einem langweiligen Job, Frau und Kindern. Er ist ein richtiger Nobody. Als zwei Einbrecher bei ihnen einbrechen, überwältigt er sie, als er die Chance hat, nicht. Stattdessen legt er den Golfschläger zur Seite und lässt sie mit der Beute ziehen. Seine Kinder halten ihn für ein Weichei. Dass der Revolver, den die Einbrecherin in der Hand hielt, nicht geladen war und er deshalb nicht zuschlug, sagt er ihnen nicht.

Als seine Tochter kurz darauf ihr heißgeliebtes Kitty-Cat-Armband vermisst, beginnt Hutch die Einbrecher zu suchen. Das ist der Auftakt für eine ungeahnte Gewaltorgie. Denn Hutch war nicht immer der harmlose Vorstadtdaddy.

Nobody“ ist ein B-Picture-Actionkracher mit viel Gewalt, trockenem Humor und gut(gelaunt)en Schauspielern. Erfunden wurde die Geschichte von Derek Kolstadt (Drehbuch, Produktion) und David Leitch (Produktion), die auch in die „John Wick“-Filme involviert sind und die Geschichte von Hutch Mansell ähnelt der von John Wick. Denn der Unterschied zwischen einem Kinderarmband und einem Hund als Anlass für eine besinnunglose Gewaltorgie ist letztendlich minimal. Auch die Ausbildung von Hutch Mansell und John Wick ähnelt sich. Wobei Hutch Mansell früher für eine andere Institution als John Wick arbeitete und er am Ende mit der Hilfe von seinem Vater und einigen alten Freunden gegen die Bösewichter kämpft.

Das ist ein großer Spaß für kleine Jungs. Eine Fortsetzung ist nicht nötig. Obwohl Derek Kolstadt anscheinend schon an einer arbeitet und sie angesichts des bisherigen Einspiels unvermeindlich erscheint. Ein Crossover mit John Wick ist, weil die Filme von verschiedenen Studios produziert wurden, unwahrscheinlich und für mein Empfinden auch vollkommen unnötig.

Nobody (Nobody, USA 2021)

Regie: Ilya Naishuller

Drehbuch: Derek Kolstad

mit Bob Odenkirk, Connie Nielsen, RZA, Aleksey Serebryakov, Christopher Lloyd, Michael Ironside, Billy MacLellan, Gage Munroe

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Rotten Tomatoes über „Nobody“

Wikipedia über „Nobody“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ilya Naishullers „Hardcore“ (Hardcore Henry, Russland/USA 2016)

Unnötig beschreibt „Monster Hunter“ treffend. Dieses Mal schickt Paul W. S. Anderson seine Frau Milla Jovovich in die Wüste.

Jovovich spielt Captain Artemis. Zusammen mit ihrem Team geraten sie während eines gefährlichen Militäreinsatzes in der Wüste in einen Sandsturm, der sie in ein Paralleluniversum schleudert, in dem es noch mehr Sand und viele, riesige und sehr gefährliche Monster gibt.

Monster Hunter“ ist, wie die ebenfalls von Anderson mit Jovovich inszenierten „Resident Evil“-Filme, eine Computerspielverfilmung. Und es ist keine gute Verfilmung; wobei ich, weil ich das Spiel nicht kenne, genaugenommen sagen müsste: kein guter Film. Die Dialoge wirken wie Restbestände aus einem Trailer eines militaristischen 80er-Jahre-B-Pictures. Die Story folgt der alten Computerspieldramaturgie von Herausforderung, Lösung suchen, Feind vernichten. Und weil Jovovich als Heldin all die Angriffe überlebt, ist auch klar, dass sie immer die richtige Lösung findet.

Ein Langweiler. Ach wie spaßig waren da die „Resident Evil“-Filme.

Monster Hunter (Monster Hunter, Deutschland/Kanada/China/Japan 2020)

Regie: Paul W. S . Anderson

Drehbuch: Paul W. S. Anderson

mit Milla Jovovich, Tony Jaa, Tip ‘T.I.’ Harris, Meagan Good, Diego Boneta, Josh Helman, Jin Au-Yeung, Ron Perlman, Jannik Schümann

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Filmportal über „Monster Hunter“

Moviepilot über „Monster Hunter“

Metacritic über „Monster Hunter“

Rotten Tomatoes über „Monster Hunter“

Wikipedia über „Monster Hunter“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul W. S. Andersons „Resident Evil: The Final Chapter“ (Resident Evil: The Final Chapter, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Jim Jarmusch behauptet „The Dead don’t die“

Juni 13, 2019

Einerseits hat Jim Jarmusch noch keinen Zombiefilm und noch keine Komödie gedreht.

Andererseits ist jeder Jim-Jarmusch-Film eine Komödie und auch ein Zombiefilm. Denn nie sind seine Charaktere hundertprozentig von dieser Welt. In „Only Lovers left alive“ waren alle Hauptfiguren sogar Vampire. Aber auch fast alle anderen von Jim Jarmusch erfundenen Figuren wandeln etwas untot durch diese Welt. Die Dramen „Broken Flowers“ und „Paterson“ können als die Ausnahmen in seinem Werk gelten. Hier entsprachen die von Bill Murray und Adam Driver gespielten Figuren noch am meisten normal-bürgerlichen Personen. Phlegmatisch und von erstaunlichem Langmut sind sie trotzdem.

Einen sehr speziellen, sehr trockenen Humor haben alle seine Filme. Auch „The Dead don’t die“.

Durch Polarfracking verschiebt sich die Erdachse. Die gewohnten Tag- und Nachtzeiten stimmen nicht mehr. In Centerville, einer beschaulichen 738-Seelen-Gemeinde, steigen die Toten aus ihren Gräbern. Als Chief Clifford Robertson (Bill Murray) und Officer Ronald Peterson (Adam Driver), die lakonisch lakonischen Dorfpolizisten, in einem Diner die ersten Leichen sehen, hat Peterson gleich einen Verdacht. Die Bedienungen wurde von einem Zombie ermordet. Robertson hält das sofort für plausibel.

The Dead don’t die“ ist eine Nummernrevue, die mit dem richtigen Publikum ein grandioser Spaß ist. Denn Jim Jarmusch kennt seine Zombiefilme. Es gibt zahlreiche Anspielungen, vor allem natürlich auf das Werk von George A. Romero. Es werden auch alle vertrauten Genretopoi bedient. Aber halt anders, als gewohnt. Vor allem mit einem gnadenlosem Understatement. Nichts bringt unsere Helden aus der Ruhe.

Für seinen Film hat Jarmusch ein mehr als namhaftes Ensemble versammelt: Bill Murray, Adam Driver und Chloë Sevigny als Dorfpolizisten, Tilda Swinton als Bestatterin mit Samurai-Zusatzausbildung (in der deutschen Synchro mit einem Akzent, an den ich mich nie gewöhnen konnte), Tom Waits als Waldschrat (in der deutschen Synchro notgedrungen ohne seine markante Stimme), und Danny Glover, Steve Buscemi, Selena Gomez, Rosie Gomez, Caleb Landry Jones, Iggy Pop (auf der Suche nach Kaffee), Sara Driver, RZA und Carol Kane, um nur einige zu nennen, als Dorfbewohner und Gäste mit mehr oder weniger begrenzter Lebenszeit. Dieses Ensemble ist auch eine kleine Jarmusch-Familienfeier.

The Dead don’t die“ ist nicht Jarmuschs bester Film. Es ist vor allem ein entspannter Feierabendspaß.

Damit ähnelt die phlegmatische Zombiekomödie am meisten seinem Film „Coffee and Cigarettes“. In dieser 2004 zu einem Spielfilm fasste er eine über mehrere Jahre entstandene Reihe von Kurzfilmen zusammen, in denen sich an einem Tisch mit Kaffee und Zigaretten über Gott und die Welt unterhalten wird. Mal tiefsinnig, mal banal, mal abgedreht.

The Dead don’t die (The Dead don’t die, USA 2019)

Regie: Jim Jarmusch

Drehbuch: Jim Jarmusch

mit Bill Murray, Adam Driver, Tom Waits, Chloë Sevigny, Steve Buscemi, Danny Glover, RZA, Rosie Perez, Carol Kane, Tilda Swinton, Sara Driver, Iggy Pop, Selena Gomez, Caleb Landry Jones, Larry Fessenden, Eszter Balint, Sturgill Simpson

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Dead don’t die“

Metacritic über „The Dead don’t die“

Rotten Tomatoes über „The Dead don’t die“

Wikipedia über „The Dead don’t die“ (deutsch, englisch) und über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch

Jim Jarmusch in der Kriminalakte

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs “Only Lovers left alive” (Only Lovers left alive, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Zypern/USA 2013)

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Paterson“ (Paterson, USA 2016) und der DVD

Meine Besprechung von Jim Jarmuschs „Gimme Danger“ (Gimme Danger, USA 2016)


TV-Tipp für den 4. August: American Gangster

August 3, 2018

ZDF, 23.00

American Gangster (American Gangster, USA 2007)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Steven Zaillian

LV: Mark Jacobson: The Return of Superfly (Reportage, New York Magazine, August 2000)

Biopic über den Aufstieg und Fall des Drogenbarons Frank Lucas in Harlem in den frühen Siebzigern.

Das Zeitkolorit ist toll, weniger toll ist, dass Denzel Washington als Drogenhändler Frank Lucas und Russell Crowe als den ihn jagenden Detective Richie Roberts erst am Ende eine gemeinsame Szene haben. Davor bekommen wir zwei Filme präsentiert: einen tollen Gangsterfilm (so als Best-of-Gangsterfilm), einen weniger tollen Polizeifilm und insgesamt einen doch ziemlich durchschnittlichen Film, der sich nie entscheiden kann welche Geschichte er erzählen soll und er deshalb in deutlich über zwei Stunden (Hey, früher gab’s für die Spielzeit auch zwei Filme) beide Geschichten erzählt. Das kommt dabei heraus, wenn man zwei Stars hat, die auf ihrer Filmzeit bestehen. Vielleicht hätte Ridley Scott Val Kilmer für die Rolle des Polizisten anfragen sollen.

mit Denzel Washington, Russell Crowe, Cuba Gooding jr., Josh Brolin, RZA, John Ortiz, Ted Levine, Chiwetel Eliofor, Armand Assante, Carla Gugino

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „American Gangster“

Rotten Tomatoes über „American Gangster“

Wikipedia über „American Gangster“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „American Gangster“ von Steven Zaillian

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Ridley Scott in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 22. Juni: American Gangster

Juni 22, 2017

Vox, 22.40

American Gangster (USA 2007, Regie: Ridley Scott)

Drehbuch: Steven Zaillian

LV: Mark Jacobson: The Return of Superfly (Reportage, New York Magazine, August 2000)

Biopic über den Aufstieg und Fall des Drogenbarons Frank Lucas in Harlem in den frühen Siebzigern.

Das Zeitkolorit ist toll, weniger toll ist, dass Denzel Washington als Drogenhändler Frank Lucas und Russell Crowe als den ihn jagenden Detective Richie Roberts erst am Ende eine gemeinsame Szene haben. Davor bekommen wir zwei Filme präsentiert: einen tollen Gangsterfilm (so als Best-of-Gangsterfilm), einen weniger tollen Polizeifilm und insgesamt einen doch ziemlich durchschnittlichen Film, der sich nie entscheiden kann welche Geschichte er erzählen soll und er deshalb in deutlich über zwei Stunden (Hey, früher gab’s für die Spielzeit auch zwei Filme) beide Geschichten erzählt. Das kommt dabei heraus, wenn man zwei Stars hat, die auf ihrer Filmzeit bestehen. Vielleicht hätte Ridley Scott Val Kilmer für die Rolle des Polizisten anfragen sollen.

mit Denzel Washington, Russell Crowe, Cuba Gooding jr., Josh Brolin, RZA, John Ortiz, Ted Levine, Chiwetel Eliofor, Armand Assante, Carla Gugino

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Film-Zeit über „American Gangster“

Rotten Tomatoes über „American Gangster“

Wikipedia über „American Gangster“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „American Gangster“ von Steven Zaillian

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Ridley Scott in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Oktober: American Gangster

Oktober 9, 2015

Nochmal etwas mit Drogen

ZDFneo, 22.10

American Gangster (USA 2007, Regie: Ridley Scott)

Drehbuch: Steven Zaillian

LV: Mark Jacobson: The Return of Superfly (Reportage, New York Magazine, August 2000)

Biopic über den Aufstieg und Fall des Drogenbarons Frank Lucas in Harlem in den frühen Siebzigern.

Das Zeitkolorit ist toll, weniger toll ist, dass Denzel Washington als Drogenhändler Frank Lucas und Russell Crowe als den ihn jagenden Detective Richie Roberts erst am Ende eine gemeinsame Szene haben. Davor bekommen wir zwei Filme präsentiert: einen tollen Gangsterfilm (so als Best-of-Gangsterfilm), einen weniger tollen Polizeifilm und insgesamt einen doch ziemlich durchschnittlichen Film, der sich nie entscheiden kann welche Geschichte er erzählen soll und er deshalb in deutlich über zwei Stunden (Hey, früher gab’s für die Spielzeit auch zwei Filme) beide Geschichten erzählt. Das kommt dabei heraus, wenn man zwei Stars hat, die auf ihrer Filmzeit bestehen. Vielleicht hätte Ridley Scott Val Kilmer für die Rolle des Polizisten anfragen sollen.

mit Denzel Washington, Russell Crowe, Cuba Gooding jr., Josh Brolin, RZA, John Ortiz, Ted Levine, Chiwetel Eliofor, Armand Assante, Carla Gugino

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Film-Zeit über „American Gangster“

Rotten Tomatoes über „American Gangster“

Wikipedia über „American Gangster“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „American Gangster“ von Steven Zaillian

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Ridley Scott in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 5. Dezember: American Gangster

Dezember 5, 2014

3sat, 22.35

American Gangster (USA 2007, Regie: Ridley Scott)

Drehbuch: Steven Zaillian

LV: Mark Jacobson: The Return of Superfly (Reportage, New York Magazine, August 2000)

Biopic über den Aufstieg und Fall des Drogenbarons Frank Lucas in Harlem in den frühen Siebzigern.

Das Zeitkolorit ist toll, weniger toll ist, dass Denzel Washington als Drogenhändler Frank Lucas und Russell Crowe als den ihn jagenden Detective Richie Roberts erst am Ende eine gemeinsame Szene haben. Davor bekommen wir zwei Filme präsentiert: einen tollen Gangsterfilm (so als Best-of-Gangsterfilm), einen weniger tollen Polizeifilm und insgesamt einen doch ziemlich durchschnittlichen Film, der sich nie entscheiden kann welche Geschichte er erzählen soll und er deshalb in deutlich über zwei Stunden (Hey, früher gab’s für die Spielzeit auch zwei Filme) beide Geschichten erzählt. Das kommt dabei heraus, wenn man zwei Stars hat, die auf ihrer Filmzeit bestehen. Vielleicht hätte Ridley Scott Val Kilmer für die Rolle des Polizisten anfragen sollen.

mit Denzel Washington, Russell Crowe, Cuba Gooding jr., Josh Brolin, RZA, John Ortiz, Ted Levine, Chiwetel Eliofor, Armand Assante, Carla Gugino

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Drehbuch „American Gangster“ von Steven Zaillian

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

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Neu im Kino/Filmkritik: Viel Spaß in „Brick Mansions“

Juni 5, 2014

Wo Luc Besson drauf steht, ist auch Luc Besson drin. Für den von ihm produzierten Action-Thriller „Brick Mansions“ schrieb er sogar das Drehbuch, das auf einem älteren Drehbuch von ihm basiert, das er vor zehn Jahren mit Bibi Naceri schrieb und von Frankreich in die USA verlegte.
Die titelgebendne Brick Mansions sind ein Wohnbezirk in Detroit. Ein von Gangstern beherrschtes Ghetto, in dem hauptsächlich Afroamerikaner leben, das Verbrechen regiert und die Ausfahrten von Polizisten bewacht werden. Im Endeffekt sind die Brick Mansions ein riesiger Knast, in dem keine Sträflinge, sondern normale Menschen und Kriminelle eingesperrt sind.
Der König von Brick Mansions ist Tremaine (RZA). Seine Jungs haben bei einem ihrer nächtlichen Überfälle eine Bombe erbeutet. Er droht, die Rakete in Richtung Innenstadt abzufeuern. Stadtsanierung Gangsta Style.
Also beauftragt der Bürgermeister den Polizisten Damien Collier (Paul Walker), der die Brick Mansions von früher kennt, die Bombe zu entschärfen. Dabei helfen soll ihm Lino (David Belle), ein sympathischer Verbrecher (Hey, immerhin gehört er zu den Guten!), der Polizisten hasst wie die Pest.
Das gegensätzliche Duo macht sich auf den Weg in die Ruinenlandschaft, die einmal ein Wohnprojekt war – und wenn jetzt Actionfans glauben, dass sie diesen Film schon mindestens einmal gesehen haben, dann haben sie irgendwie recht. Denn „Brick Mansions“ ist das Remake von „Ghettogangz – Die Hölle von Paris“ (bzw. „Banlieu 13 – Anschlag auf Paris“), in dem David Belle ebenfalls mitspielte und mit seinen Parkour-Künsten begeisterte. Und „Ghettoganz“ ist natürlich eine ziemlich schamlose Kopie von „Die Klapperschlange“ und, beim bescheuerten Bösewicht, von „The Rock – Fels der Entscheidung“.
Das ist sicher nicht das Rezept für einen künftigen Filmklassiker, aber für einen vergnüglichen Kinoabend könnte es reichen, wenn Luc Besson nicht einfach seine alten Drehbücher mit geringsten Variationen wieder aufkochen, dabei auch die Restlogik über Bord werfen und die Actionszenen durch einen Häcksler jagen würde. Warum wird ein Parkour-Künstler genommen, der seine Stunts auch selbst ausführt, diese – soweit erkennbar – auch wirklich beeindruckend sind, aber sie dank der Zehntelsekundenschnitte meistens absolut nicht mehr erkennbar sind.
Durch die Verlagerung der Geschichte von Paris nach Detroit fällt auch der soziale und politische Hintergrund weg, der im Original noch in kleinen Dosen erkennbar war. Es ist der soziale Sprengstoff, der sich in den Banlieus immer wieder in Gewalt entzündet und schon seit Jahren auch in Büchern, Filmen und Songs thematisiert wird. „Ghettogangz“ reflektierte in einer überzogen-pulpig-trashigen Manier dann auch reale Probleme, die sich ein Jahr später, 2005, in gewalttätigen Jugendprotesten äußerten, die in Paris begannen und sich in anderen Städten fortsetzten. Genau dieser reale Hintergrund geht bei der Verlagerung der Geschichte von Paris in die USA, obwohl es auch dort Ghettos und immer wieder Straßenschlachten gibt, verloren. Insofern spielt „Brick Mansions“, das in der sehr nahen Zukunft spielt, in einer luftleeren Parallelwelt. Es ist einfach eine lärmige Actionfantasie, die wegen ihrem hektischen Schnitt, dem immer wieder vollkommen sinnlosen Slow-Motion-Einsatz, den eindimensionalen Charakteren, den Klischees und plumben Kopien aus besseren Filmen langweilt. „Brick Mansions“ ist im Endeffekt neunzig Minuten Leerlauf, der sich deutlich länger anfühlt.
Wo Luc Besson drauf steht, ist auch Luc Besson drin. Allerdings in immer dünneren Aufgüssen. Die Zeiten von „Nikita“ und „Leon, der Profi“ sind schon lange vorbei. Jetzt ist die Zeit der Drittverwendung von Zweitverwendungen angebrochen.

Brick Mansions - Plakat

Brick Mansions (Brick Mansions, Frankreich/Kanada 2014)
Regie: Camille Delamarre
Drehbuch: Luc Besson
mit Paul Walker, David Bele, RZA, Robert Maillet, Catalina Denis, Ayisha Issa, Gouchy Boy
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Brick Mansions“
Moviepilot über „Brick Mansions“
Metacritic über „Brick Mansions“
Rotten Tomatoes über „Brick Mansions“
Wikipedia über „Brick Mansions“


Neu im Kino/Filmkritik: „G. I. Joe 3D: Die Abrechnung“ ist kein guter Film

März 28, 2013

Action ist Handlung.

Ja. Echt. Action ist Handlung.

Und in „Handlung“ erfahren wir etwas über die Charaktere. Wie sie kämpfen und wem sie helfen, sagt etwas über sie aus. Dabei ist es natürlich hilfreich, wenn wir wissen, wer warum gegen wen kämpft. Dann können wir auch mitfiebern, hoffen und bangen. Wenn wir das nicht wissen, dann sind es nur Menschen, die etwas tun und wir sind emotional in den Kampf ungefähr so involviert, wie wenn wir ein Karten- oder Ballspiel beobachten, dessen Regeln wir nicht kennen. Kurz: wir langweilen uns.

Eigentlich ist das eine Binsenweisheit, aber die Macher von „G. I. Joe 3D: Die Abrechnung“ dachten wohl, es genügt, wenn man die verschiedenen Charaktere genügend bunt anzieht, damit wir sie farblich unterscheiden können und dann sind wir begeistert über die halsbrecherische Action. Zum Beispiel dieser Kampf irgendwo im Himalaya in dem zuerst im Kloster sich die Klingen kreuzen, dann irgendwelche Ninjas einen anderen Ninja entführen und von anderen, im Gegensatz zu ihnen rot angezogenen Ninjas verfolgt werden und sie sich dabei an den Bergen entlangschwingen, abseilen an Seilen zu anderen Bergen gleiten. Wow, das sieht gut aus. Aber warum war der eine Ninja dort? Warum wird er entführt? Und von wem?

Viele Fragen, auf die der Film zunächst keine, später eine höchst rudimentäre Antwort gibt.

Und, nein, der gut gemeinte Hinweis, dass doch die wahren Fans der Hasbro-Spielfiguren die Charaktere in und auswendig kennen und sie deshalb keine Einführung benötigen, hilft nicht. Im Gegenteil. Das ist eine Verachtung des breiten Publikums, das ja erreicht werden soll. „G. I. Joe 3D: Die Abrechnung“ (das „3D“ in dem sperrigen Titel bedeutet, dass der Film in 3D ist) ist ja als Popcorn-Actionkino gedacht und auch wenn er manchmal an den ersten „G. I. Joe“-Film „Geheimauftrag Cobra“ (USA 2009) anknüpft, sollte er erstens als eigenständiger Film genießbar und verständlich sein und zweitens spielt „Die Abrechnung“ in weiten Teilen in einer anderen Welt als der erste Film, in dem die G. I. Joes eine internationale Truppe und alles sehr Science-Fiction war, spielt „Die Abrechnung“ in der Gegenwart und die G. I. Joes sind eine stinknormale US-amerikanische Spezialeinheit mit Hang zu möglichst großen Waffen. Insofern betrachtet man, auch wenn in „Geheimauftrag Cobra“ einige Informationen geliefert werden, die beim Verstehen von „Die Abrechnung“ helfen, „Die Abrechnung“ besser als einen vollständig eigenständigen Film, der nichts mit „Geheimauftrag Cobra“ zu tun hat.

Außerdem wurde fast die gesamte Besetzung ausgetauscht.

Channing Tatum ist zwar wieder als Duke dabei, aber er verabschiedet sich schnell und ziemlich unspektakulär aus dem Film, weil er bei dem nächtlichen Angriff auf die G. I. Joes im Kampfgetümmel zwischen zwei Explosionen stirbt. Wer in dem Moment gerade zwinkert, verpasst seinen Heldentod.

Byung-hun Lee ist wieder Storm Shadow. Ray Park wieder Snake Eyes. Arnold Vosloo als Bösewicht Zartan ist wohl weniger als eine Minute im Film, weil Zartan meistens von Jonathan Pryce gespielt wird, der gleichzeitig der Präsident der USA und der Bösewicht ist.

Die anderen Schauspieler sind neu dabei. Vor allem „The Rock“ Dwayne Johnson und Bruce Willis stehen im Mittelpunkt der Werbung und senden die Botschaft aus, dass ein knackiger Action-Film für ein breites Publikum geboten wird. Ein solcher Film muss die Charaktere und ihre Beziehungen ordentlich einführen. Über Handlung, nicht über eine hastig hingerotzte Titelsequenz, die wahrscheinlich kurz vor dem Filmstart entstand, schnell die wichtigen Informationen vermitteln soll und damit ein exzellentes Beispiel für einem massivem Information-Dump ist, in der in einer Minute mehr Namen auf einen niederprasseln, als man verdauen kann.

Und wenn schon keine Zeit ist, die Charaktere ordentlich einzuführen, ist auch die Handlung reichlich wirr und ziemlich egal. Denn der Plan des Bösewichts ist, soweit erkennbar, noch absurder als die Pläne der Bösewichter in den Austin-Powers-Filmen, die ja liebevolle Parodien der James-Bond-Filme sind. Jedenfalls will der Bösewicht irgendwie die Weltherrschaft, die G. I. Joes könnten das verhindern, also sollen sie unmittelbar nachdem sie den Pakistanis ihre Nuklearwaffen geklaut haben, in der Einöde sterben. Roadblock (Dwayne Johnson), Lady Jaye (Adrianne Palicki) und Flint (D. J. Cotrona) überleben – und sie wollen jetzt den Mann finden, der ihre Vernichtung autorisierte. Das ist der Präsident der USA. Allerdings wird der echte Präsident gefangen gehalten und Zartan ist in die Rolle des Präsidenten geschlüpft. Roadblock, Lady Jaye und Flint tun sich mit Joe Colton (Bruce Willis), dem Gründer der G. I. Joes, zusammen, um für Gerechtigkeit zu sorgen.

Ach ja, und dann mischen die schwertschwingenden Asiaten auch noch mit, aber in dem absolut erinnerungsunwürdigem Chaos ist das auch egal.

Immerhin hat Walton Goggins einen kurzen, aber sehr prägnanten Auftritt als Gefängniswärter Nigel James. Das ultra-geheime Gefängnis steht in einem Parallel-Deutschland, in dem am Tor auf dem Schild statt „Halt“ „Hält“ steht.

Jonathan Pryce (der schon in dem James-Bond-Film „Der Morgen stirbt nie“ die Welt erobern wollte) ist auch gut in seiner Doppelrolle.

Der heftig beworbene Bruce Willis ist für die Katz. Vielleicht wollte er einfach am Wochenende nicht auf seine Kinder aufpassen. Denn er hatte wahrscheinlich weniger Drehtage als Walton Goggins – und er hinterlässt auch einen deutlich schwächeren Eindruck.

Und Channing Tatum stirbt schon, wie gesagt, am Anfang des Films.

Kommen wir noch zur Action: viel, aber auch unglaublich langweilig, weil sie niemals als Teil der Handlung verstanden wird. Da ist dann die Kraxelei auf den Bergen (keine Ahnung, in welchen Bergen das gedreht wurde; der restliche Film entstand in New Orleans, Louisiana) noch das spektakulärste Set-Piece, das allerdings auch alle Probleme des erschreckend humorlosen Films augenfällig zeigt.

Denn mit einem Hauch von Humor, den es ja in „Geheimauftrag Cobra“ noch gab, wäre dieser Langweiler gerade noch erträglich.

Aber so ist „G. I. Joe 3D: Die Abrechnung“ eine Beleidigung der Intelligenz, die durch ihre penetrante Humorlosigkeit noch ärgerlicher ist und „Battleship“ als durchdachtes Werk erscheinen lässt.

Herrje, es kann doch nicht so schwer sein, einen knackigen Actionfilm zu machen.

G.I._JOE_3D_Die_Abrechnung - Plakat

G.I. Joe 3D: Die Abrechnung (G.I. Joe: Retaliation, USA/Kanada 2013)

Regie: Jon M. Chu

Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick

mit Dwayne Johnson, Bruce Willis, Channing Tatum, Adrianne Palicki, D. J. Cotrona, Byung-Hun Lee, Ray Park, Jonathan Pryce, RZA, Ray Stevenson, Elodie Yung, Walton Goggins, Arnold Vosloo

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“

Metacritic über „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“

Rotten Tomatoes über „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“

Wikipedia über „G.I. Joe 3D: Die Abrechnung“

Während das Filmplakat eher langweilig ist, sehen die Charakterplakate ziemlich gut aus

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GI_JOE_Banner_General_Joe_Colton

GI_JOE_Banner_Jinx

GI_JOE_Banner_Storm_Shadow

 

 


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