Immer Ärger mit Harry (USA 1955, R.: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: John Michael Hayes
LV: Jack Trevor Story: The trouble with Harry, 1949
Einige anständige Menschen im beschaulichen, herbstlichen Vermont fühlen sich für Harrys Tod verantwortlich und wollen seine Leiche verschwinden lassen. Aber Harry taucht immer wieder auf, – besonders in den unpassendsten Momenten.
Hitchcocks Lieblingsfilm hält sich eng an das Buch; eine brillante satirische Untersuchung menschlichen Verhaltens. Entsprechend schwarz ist der Humor. Das Understatement des Films wird auch durch Bernard Herrmans Musik (seine erste Zusammenarbeit mit Hitchcock) unterstützt
Mit Shirley MacLaine, John Forsythe, Edmund Gwenn, Mildred Natwick, Jerry Mathers
Mit „White House Down“ und „Olympus has fallen“ starteten innerhalb weniger Wochen zwei Spielfilme, die von bekannten Regisseuren mit einem hochkarätigem Ensemble inszeniert wurden und letztendlich, mit minimalen Variationen die gleiche Geschichte erzählen. Denn beide Male wird das Weiße Haus von Terroristen besetzt und ein Mann erledigt die Terroristen im Alleingang. Das ist „Stirb langsam“ im Weißen Haus. Nur unwahrscheinlicher. Beide Male, wenn man die Prämisse akzeptiert, unterhaltsam und welche Version einem besser gefällt, ist eine Frage der persönlichen Vorlieben. Also welche Schauspieler einem besser gefallen, ob man es lieber etwas kürzer und blutig („Olympus has fallen“) oder etwas länger und jugendfrei hat („White House Down“).
Wobei dies ein Problem von Roland Emmerichs Film ist. Denn obwohl in „White House Down“ wild um sich geschossen wird und das Mobiliar fotogen zerstört wird, treffen die Bösewichter nur die Couch, aber nicht den sich dahinter versteckenden Mann und Blut fließt bei diesem Massaker auch nicht.
Channing Tatum spielt in „White House Down“ John Cale (nicht zu verwechseln mit dem Musiker, eher schon mit John McClane), der unbedingt Leibwächter des US-Präsidenten James Sawyer (Jamie Foxx als James Stewart meets Tom Sawyer) werden möchte. Dummerweise entspricht sein Lebenslauf nicht den Anforderungen des Secret Service, wie ihm Carol Finnerty (Maggie Gyllenhaal) im Vorstellungsgespräch unmissverständlich sagt. Sie ist auch eine Ex-Freundin von ihm – und hier zeigt sich, dass Cale sich wohl arg schlampig auf das Gespräch vorbereitet hat.
Während der geschiedene Vater Cale anschließend mit seiner naseweisen Tochter Emily (Joey King), ein wahrer Polit-Junkie, eine Führung durch das Weiße Haus mitmacht, wird das Gebäude von Terroristen besetzt. Angeführt werden sie von Emil Stenz (Jason Clarke) und Secret-Service-Chef Martin Walker (James Woods), der seinen letzten Arbeitstag denkwürdig gestalten will.
Cale versucht jetzt, streng nach „Stirb langsam“-Drehbuch, aber ohne Schimpfworte, die Geisel, seine Tochter und den Präsidenten zu retten.
Als erstes fällt bei James Vanderbilts Drehbuch, der Mann schrieb immerhin das Buch für David Finchers „Zodiac“, auf, dass mit den länglichen, formelhaften und dialoglastigen Einführungen der Charaktere viel zu viel Zeit vergeht, bis die Terroristen nach einer halben Stunde das Weiße Haus besetzten. Da hätte man ruhig einiges kürzen können.
Während der Geiselnahme fällt immer wieder auf, dass Vanderbilt fast schon ängstlich wirkliche Konflikte vermeidet. Cale trifft zwar immer wieder auf die Bösewichter. Es gibt Kämpfe. Es gibt Action. Es gibt Spannung. Aber es ist immer nur die oberflächliche Spannung von Guten, die gegen die Bösen mit Fäusten und Schusswaffen kämpfen. Als in einer Szene der Anführer der Terroristen die Tochter von Cale erschießen will, wenn Cale ihm nicht den Präsidenten übergibt, ergibt dieser sich sofort freiwillig – und Cale muss sich nicht entscheiden, ob ihm seine Tochter oder der Präsident wichtiger ist. Er muss keine Idee haben, um die Situation zu entschärfen. Hier wurde ohne Not eine potentiell grandiose Szene verschenkt, in der sich sein Charakter hätte zeigen können.
Der Grund für die Besetzung des Weißen Hauses und der damit kolportierte politische Hintergrund (es geht um irgendwelche multilateralen Friedensverhandlungen und einen im Auslandseinsatz gefallenen Sohn) ist nicht mehr als ein MacGuffin, der noch nicht einmal besonders originell ist. Denn während die „White House Macher“ teilweise fast schon stolz darauf hinweisen, dass bei ihnen die Bösewichter keine Asiaten oder Islamisten, sondern weiße Amerikaner sind, die nicht mit der Politik des Präsidenten einverstanden sind, ist das für Fans der TV-Serie „24“ ein verdächtig vertrauter Topoi, inclusive der Verbindung mit dem Militärisch-Industriellen Komplex. Und spätestens seit „The Sentinel – Wem kannst du trauen?“ (USA 2006, R.: Clark Johnson, nach dem Roman von Gerald Petievich) wissen wir auch, dass man den Leibwächtern des Präsidenten nicht immer trauen kann.
Auch afroamerikanische Präsidenten sind spätestens seit „24“ kein Aufreger mehr. Dennis Haysbert war, neben Morgan Freeman, der in „Olympus has fallen“ den Ersatzpräsidenten spielt, eine überzeugende Verkörperung eines Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Das waren – dank der Drehbuchautoren – kluge Männer.
In „White House Down“ tritt Jamie Foxx in ihre Fußstapfen und sie sind zu groß für ihn. Denn hier wird der Präsident zu einer Lachnummer mit verquältem Buddy-Humor.
Einen solchen Buddy-Humor hätte sich „Olympus has fallen“-Präsident Aaron Eckhart verbeten.
Auch Maggie Gyllenhaal und Richard Jenkins, der in der Krisensituation das Amt des Präsidenten übernehmen muss, sind blasser als ihre „Olympus has fallen“-Verkörperungen. Jenkins hat einfach das schlechtere Drehbuchmaterial als Morgan Freeman. Und Maggie Gyllenhaal hat dann doch nicht die Statur von Angela Bassett als Chef des Secret Service.
Die Tricks bei der Zerstörung des Weißen Hauses und umliegender Gebäude sind in „White House Down“ nicht besser als in „Olympus has fallen“. Dabei hat Emmerichs Film das deutlich größere Budget.
Patriotisch sind beide Filme. Aber das kommt jetzt nicht wirklich überraschend.
Trotzdem habe ich mich auch bei „White House Down“ nicht gelangweilt. „Olympus has fallen“ hat mir etwas besser gefallen, weil die Schauspieler präsenter sind, es keinen falschen Buddy-Humor gibt und er etwas kraftvoller ist. Aber „White House Down“ ist ordentliches Blockbuster-Kino mit Action, Humor, einer, nach Blockbuster-Standard, schlüssigen Geschichte und Jason Clarke und James Woods als Bösewichter. Das ist viel mehr als einige andere Blockbuster in diesem Sommer hatten.
White House Down (White House Down, USA 2013)
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: James Vanderbilt
mit Channing Tatum, Jamie Foxx, Maggie Gyllenhaal, Jason Clarke, Richard Jenkins, James Woods, Joey King
The Game – Das Geschenk seines Lebens (USA 1997, R.: David Fincher)
Drehbuch: John Brancato, Michael Ferris
Conrad schenkt seinem stinkreichen, einsamen Arschloch-Bruder Nicholas Van Orton einen Gutschein für ein Spiel, das sein Leben interessanter gestalten soll. Nachdem Nicholas das Rollenspiel beginnt, beginnt er die Kontrolle über sein Leben zu verlieren.
Düsterer Thriller (jedenfalls bis zum Beginn des dritten Aktes), der Fincher zwischen „Se7en“ und „Fight Club“ in Topform zeigt.
„Das Ganze ist ein intellektuelles Spiel mit Genre-Elementen und den Erwartungen eines an unzähligen Filmminuten geschulten Publikums. (…) Die Besonderheit an The Game ist nun, dass Fincher gerade darauf zielt, seinen Film als Spielmaterial kenntlich zu machen; methodisch tut er dies mit Sigmund Freud als Aushilfsregisseur, stilistisch mit den Mitteln des Verfolgungswahns.“ (Michael Kohler in Frank Schnelle, Hrsg.: David Fincher)
Mit Michael Douglas, Sean Penn, Deborah Kara Unger, James Rebhorn, Peter Donat, Carroll Baker, Armin Mueller-Stahl, Jack Kehoe (sein bislang letzter Auftritt, als Lieutenant Sullivan), Spike Jonze (kleine Nebenrolle), Michael Massee (dito kleine Nebenrolle)
Auf dem Fantasy-Filmfest hat „Wrong“ einige Kinoaufführungen, bevor er am 7. November auf DVD erscheint. Es ist der neue Film von Quentin Dupieux, der schon mit dem Fantasy-Filmfest-Liebling „Rubber“ (das war der Film mit dem Autoreifen) sein Gespür für schräge Geschichten bewies.
Im Mittelpunkt steht dieses Mal allerdings kein Reifen, sondern Dolph Springer (Jack Plotnick), ein auf den ersten Blick normal-biederer Angestellter, dessen Wecker um 7:60 (kein Tippfehler) klingelt. Eines Tages ist sein Hund spurlos verschwunden. Nachdem er keinen Erfolg bei seiner Suche hat, erhält er eine Nachricht von Master Chang (William Fichtner), der ihm erzählt, dass man erst durch das Verlieren von etwas merkt, wie viel einem die verlorene Sache bedeute. Deshalb habe er Paul entführt.
Dieser Handlungsfaden dient allerdings nur dazu, eine vollkommen verdrehte Welt zu zeigen. Eine Welt in der alles falsch ist – und dieses stimmungsvolle Bild schon alles verrät:
In dieser Welt geht dann auch ein Mann zur Arbeit, obwohl er schon vor Wochen entlassen wurde, eine Palme verwandelt sich über Nacht in eine Tanne und eine Frau hält zwei sehr verschiedene Männer für einen Mann. Es geht aber noch absurder: In dem Büro regnet es. Aber die Angestellten gehen stoisch ihrer Arbeit nach. Dupieux hat noch viele solch absurder Ideen. Auch seine Dialoge sind herrlich absurd und schräg.
Eigentlich ist „Wrong“ ein grundsympathischer Film: die Prämisse der falschen Welt gefällt, die daraus entstehenden Ideen und Situationen sind oft komisch, aber insgesamt agieren alle Schauspieler zu unterkühlt, die Regie präsentiert alles gleich stoisch, das Erzähltempo ist eher langsam und mit der Zeit wird es dann doch etwas monoton.
Wrong (Wrong, Frankreich/USA 2012)
Regie: Quentin Dupieux
Drehbuch: Quentin Dupieux
mit Jack Plotnick, William Fichtner, Eric Judor, Alexis Dziena, Steve Little, Regan Burns, Mark Burnham, Arden Myrin
Staatsfeinde – Mord auf höchster Ebene (Frankreich 2009, R.: Eric Valette)
Drehbuch: Alexandre Charlot, Franck Magnier, Eric Valette
Nachdem illegale Waffendeals auffliegen könnten, startet ein Vertrauter des Präsidenten eine Vertuschungsaktion. Dummerweise spielt eine Polizistin nicht mit.
„Spannender Politthriller, der die hintergründige Geschichte mit Eleganz und Plausibel gezeichneten Charakteren erzählt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Was soll ich da noch sagen? Außer dass der Franco-Thriller seine deutsche Premiere selbstverständlich auf DVD erlebte.
mit André Dussollier, Thierry Frémont, Rachida Brakni, Christine Boisson, Gérald Laroche
Und noch ein Found-Footage-Film. Aber dieses Mal von Barry Levinson („Rain Man“, „Sphere“, „Wag the dog“) und definitiv nicht im wackeligen, betont amateurhaften „The Blair Witch Project“-Stil, sondern als professionell aufbereitete Dokumentation, die verschiedene Quellen, wie TV-Aufnahmen, Amateurvideos, Überwachungskameras und Smartphone-Aufnahmen, zu einer Reportage zusammenstellt, die von Donna Thompson kommentiert wird. Die junge TV-Reporterin war am 4. Juli 2009 in Claridge, Maryland. An diesem Tag kam es zu einem seltsamen bakteriellem Ausbruch, der aus den Feierlichkeiten für den Unabhängigkeitstag ein Massensterben machte. Die Regierung vertuschte es und jetzt ist im Internet diese Zusammenstellung von damals gefilmtem Material erschienen.
Soweit die wirklich wahre Geschichte, die – Überraschung! – natürlich vollkommen erfunden ist, bis auf die realen Hintergründe. Denn die Chesapeake Bay hat gewaltige ökologische Probleme. Levinson versucht in seinem Horrorfilm darauf aufmerksam zu machen und widmet diesem Thema in einem Spielfilm, der vor allem auf der Horror-Ebene funktionieren soll, ungewöhnlich viel Raum und vieles basiert, wie er in seinem Audiokommentar sagt, auf Tatsachen.
Außerdem wollte Levinson etwas für ihn neues ausprobieren, indem er den Film im Found-Footage-Stil inszenierte. Besonders im Audiokommentar erzählt er dann von den Dreharbeiten und den spezifischen Herausforderungen des Found-Footage-Stils, wie die Auswahl der Schauspieler (sie sollten erfahren, aber unbekannt sein), dem Kamerastil (so mussten die erfahrenen Kameramänner bewusst amateurhaft arbeiten), dem Mischen von verschiedenen Bildquellen und der Gestaltung bestimmter Szenen. So musste es immer einen nachvollziehbaren Grund geben, weshalb in dem Moment eine Kamera läuft. Bei Überwachungskameras bestimmte die Position der Kamera auch den Bildausschnitt. Es war fast nie ein traditioneller Gegenschnitt, in dem die Reaktion eines Schauspielers auf das Geschehen gezeigt wird, möglich. Außerdem wurde während dem Dreh mehr improvisiert, als bei einem normalen Film. Teils weil Amateure filmten und deren Aufnahmen immer wieder darauf überprüft wurden, ob sie auch das zeigten, was Levinson sich ungefähr vorstellte. Teils weil viele Szenen, vor allem die Massenszenen, weitgehend improvisiert wurden.
Von diesen Herausforderungen, die vor allem auf der technischen Ebene liegen, abgesehen, macht die Geschichte, vor allem die nachträgliche Aufräumaktion der Regierung, wenig Sinn. Denn im Film sehen wir, wie am Unabhängigkeitstag fast eine gesamte Kleinstadt und viele Besucher innerhalb weniger Stunden sterben. Wir sollen jetzt glauben, dass niemand nach den Toten fragte, keiner der wenigen Überlebenden redete und das Leben in der Bucht danach normal weitergeht.
Außerdem zerfällt der Film in zahlreiche Erzählstränge und Episoden, die durch die nachträgliche Erzählung von Donna zusammengehalten werden. Das ist dann mehr eine Dokumentation über ein Ereignisses, als ein auch nur halbwegs traditioneller Horrorfilm. Entsprechend distanziert folgt man den Charakteren.
Auch als Öko-Horrorfilm kann „The Bay“ nie leugnen, dass er gedreht wurde, um vor der Umweltverschmutzung an der Flussmündung zu warnen und er diese aufklärerische Warnung in eine rudimentäre Geschichte kleidet, die die Horrorelemente nur benutzt, um eben vor der Umweltverschmutzung zu warnen.
Gleichzeitig zeigt er auch, wo die Grenzen eines Found-Footage-Films liegen. Denn in einem normalen Horrorfilm oder einem Thriller hätte man auch gezeigt, wer warum die Aufräumaktion befiehlt. Vielleicht hätte man auch einen Polit-Thriller gedreht, in dem ein tapferer Journalist herausfinden will, was damals in Claridge passierte.
Aber wegen des ernsthaften Umgangs mit den selbst gesetzten Grenzen ist Barry Levinsons Film eben wegen dem erzählerisch-technischem Aspekt durchaus sehenswert. Und es gibt auch ein wenig Aufklärung über die Umweltverschmutzung in der Chesapeake Bay.
The Bay – Nach Angst kommt Panik (The Bay, USA 2012)
Regie: Barry Levinson
Drehbuch: Michael Wallach (nach einer Geschichte von Barry Levinson und Michael Wallach)
mit Kristen Connolly, Christopher Denham, Michael Beasley
Kabel 1, 20.15 (wahrscheinlich gekürzt, weil FSK 16)
Panic Room (USA 2002, R.: David Fincher)
Drehbuch: David Koepp
Die frisch geschiedene Meg Altman entdeckt mitten in Manhattan ihr Traumhaus. In ihm ist sogar, letzter Schrei der Sicherheitsindustrie für ängstliche, stinkreiche Großstädter, ein Panic Room. In diesen sicheren Raum kann sich der Hausbesitzer während eines Einbruchs zurückziehen und abwarten bis die Polizei anrückt. Meg hält den Raum für überflüssig, aber als in der Nacht drei Einbrecher auftauchen, flüchtet sie mit ihrer Tochter in den Panic Room. Dummerweise wollen die Einbrecher die in diesem Zimmer versteckten Millionen des Vorbesitzers stehlen.
Das mag jetzt neu klingen, aber im Kern erzählt „Panic Room“ eine uralte, aus jedem zweiten Western bekannte Story. Tauschen Sie einfach den Panic Room gegen ein Fort oder eine Wagenburg; die Einbrecher gegen Indianer aus und Sie wissen genau, in welchem Moment die Kavallerie auftaucht. Oh, und in welchem Zustand das Haus ist.
David Koepp und David Fincher machen daraus einen spannenden Hightechthriller.
Oder sagen wir es mit den Worten von Georg Seeßlen: Panic Room „ist vor allem ein reduzierter, ebenso brillant konstruierter wie fotografierter Thriller, ein Kammerspiel des Terrors, das alle Elemente, die am Anfang eingeführt wurden, beständig transponiert, wendet und variiert. Insofern ist Panic Room ein Stück reiner Film-Komposition, in der Sujets, Objekte und Einstellungen die Rollen von Melodien, Takten und Tönen übernehmen (…). Und wie für eine musikalische Komposition, so gilt auch für Panic Room: Es kommt nicht allein auf die Erfindung einer Melodie an, sondern auch darauf, was ein Interpret mit ihr anzustellen weiß.“ (in Frank Schnelle [Hrsg.]: David Fincher)
Mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto, Patrick Bauchau, Andrew Kevin Walker (der „Se7en“-Drehbuchautor spielt den verschlafenen Nachbarn)
Der Schneider von Panama (USA/Irl./GB 2001, R.: John Boorman)
Drehbuch: John le Carré, John Boorman, Andrew Davis
LV: John le Carré: The Tailor of Panama, 1996 (Der Schneider von Panama)
Für den britischen Geheimagenten Osnard ist Panama die Endstation, bis er den Nobelschneider Pendel kennen lernt und von ihm – gegen Geld – brisante Regierungsgeheimnisse (die vollkommen erfunden sind) anvertraut bekommt.
Köstliche und sehr britische Demontage der Spionagewelt. Mit Sicherheit viel näher an der Realität, als die Bond-Abenteuer. Brosnan zieht hier als Geheimagent sein Image durch den Kakao.
Mit Pierce Brosnan, Geoffrey Rush, Jamie Lee Curtis, Harold Pinter
„Heute stirbt niemand“ ist das Motto von Sergeant Greg Parker und der von ihm in Toronto geleiteten Strategic Response Unit (SRU), dem kanadischen Äquivalent zu einem US-amerikanischem SWAT-Team oder einer deutschen SEK-Einheit. Es ist eine Gruppe von gut trainierten und ausgebildeten Polizisten, die als Team funktionieren und gerufen werden, wenn schnell reagiert werden muss. Meistens werden sie daher bei Geiselnahmen, bei Amokläufen oder auch Attentaten gerufen. Manchmal müssen sie Kollegen bei einer Razzia oder einer Überwachung unterstützen, einen Gefangenen begleiten, eine Veranstaltung oder eine wichtige Person beschützen.
Schon seit, in der deutschen Zählung, fünf Staffeln erzählt die von Mark Ellis und Stephanie Morgenstern erfundene, vielfach ausgezeichnete kanadische Polizeiserie „Flashpoint – Das Spezialkommando“ von der Arbeit des Teams um Greg Parker und Ed Lane. Dabei boten die einzelnen Folgen immer einen guten Einblick in die Polizeiarbeit. Die Fälle waren realistisch und am Ende versteht man den Täter oft viel zu gut. Denn die Polizisten versuchen immer, die Situation friedlich zu lösen. Dafür müssen sie in Verhandlungen mit ihm und Gesprächen mit Betroffenen herausfinden, warum es zu der Geiselnahme gekommen ist und einen emotionale Verbindung zu ihm knüpfen. Entsprechend unblutig enden die meisten der 75 „Flashpoint“-Episoden und, verglichen mit anderen Serien, in denen Beerdigungsinstitute Überstunden schieben müssen, ist das angenehm anders.
Auch dass bis zur letzten Folge der Polizeiserie das Team, die Arbeit und damit der aktuelle Einsatz im Mittelpunkt stehen, unterscheidet die Serie von anderen Krimi-Serien, in denen das Privatleben der Ermittler einen immer breiteren Raum einnimmt oder sie mehr Probleme mit sich herumtragen, als man einem einzelnen Menschen zumuten möchte. Trotzdem gibt es, vor allem bei den späteren Episoden, immer wieder Episoden, in denen wir mehr über einzelne Teammitglieder erfahren.
Die kürzlich erschienene sechste Staffel unterscheidet sich kaum von den vorherigen Staffeln. Aber in der jetzt erschienenen siebten und letzten Staffel der Serie kommt nie das bekannte „Flashpoint“-Feeling auf, das einem von der ersten Sekunde an vermittelt, dass man in den Händen von Profis ist, die wissen, was sie tun und die brenzlige Situation friedlich entschärfen können. Die Auftaktepisode „Zerstörter Frieden“ endet mit einem Schock: Ed Lane muss die Tochter eines Geiselnehmers, der sie und ihre Mutter stalkte, erschießen. Nur so konnte er verhindern, dass sie ihren Vater erschoss. Nach den Regeln eine eindeutige Situation, die allerdings im Konflikt mit dem normalen moralischen Empfinden steht und Ed Lane belastet. Immerhin musste er dieses Mal einen Teenager erschießen.
Von dieser Episode, die eher holprig auf ihr Ende zusteuert, erholte sich die Serie nicht mehr und in fast allen Episoden, bis zum zweiteiligen Staffelfinale, in dem mehrere Bomben in Toronto gezündet werden, wirkt die SRU immer von den Ereignissen getrieben. Meistens hetzt sie, wie bei einer Schnitzeljagd, atemlos dem Täter von einem Ort zum nächsten hinterher. Nie hat sie das Heft des Handelns in der Hand. Anstatt zu agieren und das Geschehen zu bestimmen, reagieren sie immer nur. Das ist dann, auch weil jetzt öfter geschossen wird und damit die Folgen mit einem oder mehreren Toten enden, enttäuschend. Auch werden die Fälle auf dem Papier spektakulärer. Eine einfach Geiselnahme reicht nicht mehr. Damit wird „Flashpoint“ auch unrealistischer; auch weil in den späteren Fällen der Serie öfter auf normaler Thrillerspannung gebaut wird. Dann taucht hinter dem ursprünglichen Täter noch ein Hintermann oder sogar ein zweiter Hintermann auf, der den ursprünglichen Täter zu seinen Verbrechen erpresste. Das kennen wir aber aus zahlreichen anderen Krimiserien, mal mit mehr Action, mal mit mehr Humor und auch mal mit viel Forensik-Zauber.
Davon abgesehen ist „Flashpoint – Das Spezialkommando“ über die gesamte Strecke von 75 Episoden eine sehenswerte Serie, die – abgesehen von der schwachen letzten Staffel – auf konstant hohem Niveau unterhält.
Die Staffeln…
Zum Abschluss noch ein Wort zur Staffelnummerierung: „Flashpoint“ lief zuerst erfolgreich im kanadischen TV, danach in den USA. Ebenfalls erfolgreich. Allein schon die Liste von 20 gewonnenen Preisen und 57 Nominierungen, laut IMDB, ist beeindruckend und verrät einiges über die Qualität der Serie. In den USA wurden die Folgen zwar auch chronologisch gezeigt, aber die Staffeln hatten eine andere Länge. Koch Media folgt bei der deutschen Veröffentlichung der kanadischen Staffeleinteilung, vergibt aber für jede DVD-Box eine eigene Nummer. Danach sieht die Einteilung so aus:
Deutsche Staffel 1 entspricht der ersten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 1 bis 13.
Deutsche Staffel 2 entspricht der ersten Hälfte der zweiten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 14 bis 22.
Deutsche Staffel 3 entspricht der zweiten Hälfte der zweiten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 23 bis 31.
Deutsche Staffel 4 entspricht der dritten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 32 bis 44.
Deutsche Staffel 5 entspricht der ersten Hälfte der vierten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 45 bis 54, aber ohne Folge 52 (Tödliche Zwischenlandung).
Deutsche Staffel 6 entspricht der zweiten Hälfte der vierten kanadischen Staffel und enthält die Episoden 55 bis 62, inclusive der fehlenden Episode 52.
Deutsche Staffel 7 entspricht der fünften kanadischen Staffel und enthält die letzten dreizehn Episoden, also die Episoden 63 bis 75.
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Flashpoint – Das Spezialkommando (Kanada, 2011/2012)
Erfinder: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern
mit Hugh Dillon (Ed Lane), Enrico Colantoni (Sgt. Gregory Parker), Amy Jo Johnson (Julianna ‘Jules’ Callaghan), David Paetkau (Sam Braddock), Sergio Di Zio (Mike Scarlatti), Michael Cram (Kevin ‘Wordy’ Wordsworth), Mark Taylor (Lewis Young), Olunike Adeliyi (Leah Kerns) Clé Bennett (Rafik “Raf” Rousseau)
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Flashpoint – Das Spezialkommando – Staffel 6
Koch Media
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: –
Länge: 361 Minuten (9 Episoden auf 3 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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Die Einsätze des Spezialkommandos in der sechsten Staffel
Alles auf eine Karte (Wild Card)
Regie: Brett Sullivan
Drehbuch: Karen Walton
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Ein neues Leben (A new life)
Regie: Kelly Makin
Drehbuch: Adam Barken
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Tödliche Zwischenlandung (Grounded)
Regie: David Frazee
Drehbuch: Karen Walton
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China Town (A call to Arms)
Regie: Erik Canuel
Drehbuch: Alex Levine
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Teamplayer (Team Player)
Regie: Kelly Makin
Drehbuch: Michael MacLennan
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Tag der Abrechnung (Day Game)
Regie: Kelly Makin
Drehbuch: Aubrey Nealon
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Ein Profi im Netz (Blue on Blue)
Regie: Stefan Pleszczynski
Drehbuch: Adam Barken
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Tödlicher Impfstoff (Priority of Life)
Regie: David Frazee
Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern, Alex Levine
R. I. F. – Ich werde dich finden! (Frankreich 2011, R.: Franck Mancuso)
Drehbuch: Franck Mancuso, Herve Albertazzi
Während ihrer Fahrt in den Urlaub verschwindet die Frau des Polizisten Stéphane Monnerau spurlos. Er sucht sie – und gerät auch in Verdacht, sie ermordet zu haben.
Tina, eine verhuschte Mittdreißigerin, die immer noch bei ihrer herrischen Mutter lebt, will jetzt endlich einmal eine Woche für sich haben. Mit ihrem Freund Chris, den ihre Mutter abgrundtief hasst, obwohl er wie ein gemütlicher Brummbär wirkt, will sie mit einem Wohnwagen eine Woche durch die nordenglische Landschaft fahren und die auf der Route liegenden Sehenswürdigkeiten besuchen. Geplant wurde die Fahrt bis ins letzte Detail von Chris nach seinen Interessen.
So weit, so undramatisch, bis dann im Straßenbahnmuseum ein Mann die Verpackung von seinem Eis fallen lässt, sie nicht aufhebt und Chris den Mittelfinger zeigt. Die Quittung für dieses frevelhafte Benehmen: Auf dem Parkplatz überfährt Chris ihn beim Ausparken vollkommen zufällig.
Aber schon bei dem nächsten Toten, einem schnöseligen Upper-Class-Reiseschriftsteller, ist kein Zweifel mehr möglich. Working-Class-Camper und Möchtegernschriftsteller Chris stößt ihn von einem Felsvorsprung und nimmt dessen Fotoapparat mit. Der niedliche Hund des Schriftstellers wird auch gleich adoptiert – und Tina eifert dem von ihr hemmungslos bewunderten Chris nach.
Auch sie beginnt Menschen umzubringen, die es aus ihrer Sicht verdient haben zu sterben oder dummerweise beim Ranfahren an den Straßenrand im Weg stehen. Dummerweise hat sie bei ihren Morden eine Punk-Attitüde, während er der umsichtige Planer ist und seine Morde immer wie Unfälle aussehen lässt.
Tina und Chris, erfunden von den Komikern Alice Lowe und Steve Oram, zuerst für einen Bühnensketch, später für eine nie realisierte TV-Serie und jetzt für den Film „Sightseers“ sind zwei auf den ersten Blick harmlos-nette Psychopathen, die man auch aus den Eckkneipen kennt. Nur dass sie es in der schwarzen Komödie nicht beim Reden, Blockwartgehabe und, manchmal auch, Zuschlagen lassen, sondern die Störenfriede, Nervsägen und Umweltverschmutzer gleich umbringen. Lowe und Oram verkörpern diese dumpfen Charaktere grandios und machen sie sogar, in einem gewissen Rahmen, sympathisch.
„Sighseers“ ist ein schwarzes Roadmovie, eine Liebes- und eine Erweckungsgeschichte mit tödlichem Ausgang. Für einige. Und es zeigt uns ein schrecklich normales England zwischen seltsamen Museen, wie einem Bleistiftmuseum, und der majestätischen, menschenleeren nordenglischen Landschaft, die auch eine Metapher für das Innenleben von Tina und Chris ist.
Ben Wheatleys etwas zu lang geratene, episodische Charakterstudie ist very britsh und very funny.
Das Bonusmaterial besteht aus Interviews mit Regisseur Ben Wheatley und den beiden Hauptdarsteller Alice Lowe und Steve Oram, die interessante Hintergründe zu den Charakteren, der Entstehung, der Geschichte und dem Dreh verraten. Die Interviews mit Anke Engelke und „Tatortreiniger“ Bjarne Mädel, den Synchronstimmen der Protagonisten, sind banal, die Synchro-B-Roll zeigt, wie synchronisiert wird. Nicht uninteressant, wenn man es sich einmal ansieht.
Sightseers (Sightseers, Großbritannien 2012)
Regie: Ben Wheatley
Drehbuch: Alice Lowe, Steve Oram
mit Alice Lowe, Steve Oram, Eileen Davis, Monica Dolan, Jonathan Aris, Kenneth Hadley, Stephanie Jacob, Richard Glover
Drehbuch: Bruno Tardon, Patrick Dewolf, Patrice Leconte, Michel Blanc
Zwei flüchtige Verbrecher wollen ein Kasino ausrauben.
Damals gefiel mir im Kino der französische Kassenhit, der auch in Deuschland im Kino von fast 350.000 Leuten gesehen wurde (Platz 48 der 1985er Besucherstatistik).
Heute immer noch? Ich denke schon, denn: „Ein originelles Drehbuch, flotte Regie und gute Darsteller heben diesen Film über das Mittelmaß der meisten Actionstreifen hinaus.“ (Fischer Film Almanach 1986)
Leconte drehte später die Georges-Simenon-Verfilmung „Die Verlobung des Monsieur Hire“, „Der Mann der Friseuse“, „Die Frau auf der Brücke“ und „Die Witwe von Saint-Pierre“.
mit Bernard Giradeau, Gérard Lanvin, Christiane Jean, Maurice Barrier, Bertie Cortez
Ein Köder für die Bestie (USA 1962, R.: J. Lee Thompson)
Drehbuch: James R. Webb
LV: John D. MacDonald: The executioners, 1957 (eine gekürzte deutsche Ausgabe erschien unter „Ein Köder für die Bestie“, ungekürzt – 1992 im Heyne Verlag – unter „Kap der Angst“)
Nach seinem Knastaufenthalt beginnt Max Cady Sam Bowden und dessen Familie zu terrorisieren. Immerhin brachte dessen Aussage ihn ins Gefängnis.
Spannender Psychoschocker
Mit Gregory Peck, Robert Mitchum, Martin Balsam, Telly Savalas
Es dauerte weit über zwanzig Jahre, bis mit „Aftermath“ ein Roman von Peter Robinson verfilmt wurde. Dabei gehören die in Yorkshire spielenden, vielfach nominierten und ausgezeichneten Polizeiromane mit DCI Alan Banks schon lange zu den bei Krimilesern beliebten Serien. Inzwischen hat Robinson 21 Banks-Romane veröffentlicht und damit haben die Macher der TV-Serie „Inspector Banks – Mord in Yorkshire“ (DCI Banks) theoretisch mehr als genug Vorlagen für die kommenden Jahre. Denn „Aftermath“, in England als Zweiteiler ausgestrahlt (mit Werbung wurden aus dem Neunzigminüter zwei einstündige Sendungen), war überraschend erfolgreich und der TV-Sender ITV produzierte mit Left Bank Pictures weitere „Inspector Banks“-Filme. In England wurden bis jetzt sieben Filme ausgestrahlt; in Deutschland, hauptsächlich im ZDF, die vier, die es jetzt auf der DVD „Inspector Banks – Mord in Yorkshire: Die komplette erste Staffel“ gibt. Weitere drei Filme, die wieder als Zweiteiler gezeigt werden sollen, werden derzeit gedreht und sollen Anfang 2014 in England ausgestrahlt werden. Für Nachschub ist also gesorgt.
Weil die Romane teilweise schon älter sind – der erste Banks-Roman „Falle für Peeping Tom“/“Augen im Dunkeln“ (Gallows View) erschien 1987 – und die Polizeiarbeit sich seitdem rapide änderte, wurden die Geschichten an die Gegenwart angepasst und, weil die TV-Macher sich nicht an die Chronologie der Romane halten, wurden bei den vernachlässigbaren privaten Subplots ebenfalls die nötigen Anpassungen vorgenommen.
Doch das dürfte höchstens Fans der Romane, die eine buchstabengetreue Umsetzung wollen, stören. Denn im Mittelpunkt der „Inspector Banks“-Filme steht der Fall.
In „Aftermath“ werden im Keller eines Wohnhauses vier Mädchenleichen entdeckt. Dabei stirbt ein Polizist und der mutmaßliche Täter landet im Koma. Außerdem ist ein weiteres Mädchen verschwunden. Lucy Payne,die Frau des Mörders, zu der Banks eine besondere Beziehung aufbaut, schweigt und Banks muss sich mit DI Annie Cabbot, einer neuen, überaus ambitionierten Kollegin, herumschlagen.
Nach der spektakulären Pilotfolge steuern die nächsten drei „Inspector Banks“-Filme ruhigere Gewässer an. Banks und Cabbot arbeiten gut zusammen. Obwohl ihre Ambitionen und der damit einhergehende immer wieder fehlenden Teamgeist bei Banks auf wenig Gegenliebe stoßen und die Fälle immer schwierige moralische und emotionale Prüfungen für Banks und Cabbot enthalten.
In „Kein Rauch ohne Feuer“ sterben bei einem Schiffsbrand zwei Menschen. Ihre erste Spur führt in das Milieu von Kunstfälschern. Aber auch die Familie des zweiten Opfers hat etwas zu verbergen.
In „Wenn die Dämmerung naht“ wird auf einem Kliff eine schwer behinderte Frau ermordet. Es war Lucy Payne, die wir aus „Aftermath“ kennen. Während bei den Verfilmungen der Abstand von nur einem Jahr zwischen den beiden Fällen unglaubwürdig kurz geraten ist, erschienen die gleichnamigen Romane 2001 und 2007, in denen Payne verurteilt, schwer verletzt wurde und eine neue Identität erhielt.
Während Cabbot Paynes Mörder sucht, sucht Banks den Mörder des Teenagers Hayley Daniels, die nach einem feuchtfröhlichem Abend in einer Gasse der Altstadt ermordet wurde. Letztendlich haben beide Fälle dann doch etwas miteinander zu tun und die Mörderin von Payne ist, im Gegensatz zum Roman, von Anfang an bekannt. Weil sie im Film eine prominentere Rolle hat, wird aus einer banalen Tätersuche ein Psychoduell, in dem es um die Frage geht, wie Täter bestraft werden sollen.
In „Kalt wie das Grab“ ermitteln Banks und Cabbot wieder in zwei verschiedenen Fällen, die dann doch miteinander verknüpft sind. Nach einem missglückten Raubüberfall wird ein Täter in seinem Wohnwagen erschlagen. Cabbot sucht den Mörder, während Banks von seinem Vorgesetzten gebeten wird, in London seine von zu Hause abgehauene Tochter zu suchen.
Die vier jeweils neunzigminütigen Fälle sind gute britische Polizeikrimis, in denen immer wieder gezeigt wird, dass Polizeiarbeit Teamarbeit ist und dass an einem Fall viele Polizisten arbeiten. Das ist traditionsbewusste Krimikost, die sich auf das gute Erzählen ihrer Geschichten konzentriert. Dabei stehen die Fälle im Mittelpunkt. Über das Privatleben von Banks und Cabbot erfahren wir fast nichts und das ist gut so.
„Inspector Banks“ ist zwar nicht so innovativ wie „Sherlock“ oder „Luther“, aber flott erzählte Krimiunterhaltung mit einem düsteren Unterton ist es allemal.
Inspector Banks – Mord in Yorkshire: Die komplette erste Staffel (DCI Banks, GB 2010/2011)
LV: Romane von Peter Robinson
mit Stephen Tompkinson (DCI Alan Banks),Andrea Lowe (DS Annie Cabbot), Lorraine Burroughs (DS Winsome Jackman), Jack Deam (DC Ken Blackstone), Colin Tierney (Chief Supt Gerry Rydell)
Lili Marleen (D 1980, R.: Rainer Werner Fassbinder)
Drehbuch: Manfred Purzer, Rainer Werner Fassbinder, Joshua Sinclair (Mitarbeit)
LV: Lale Andersen: Der Himmel hat viele Farben
Fassbinders Version von Lale Andersens Leben. Gedreht im UFA-Look, aber mit genug Haken und Ösen, um jede blinde Identifikation zu verhindern.
Mit Hanna Schygulla, Giancarlo Giannini, Mel Ferrer, Karl-Heinz von Hassel, Christine Kaufmann, Hark Bohm, Karin Baal, Udo Kier, Erik Schumann, Gottfried John, Elisabeth Volkmann, Barbara Valentin, Adrian Hoven, Willy Harlander, Franz Buchrieser, Rainer Werner Fassbinder, Brigitte Mira, Irm Hermann, Harry Baer, Milan Boor, Volker Spengler
Unsere Großeltern besuchten Kuba, bevor Fidel Castro Máximo Líder wurde, wegen des sonnigen Klimas und der Casinos. Die Mafia soll da auch ihre Hände drin gehabt haben. Aber das ist eine andere Geschichte.
Unsere Eltern besuchten Kuba, um Fidel Castro beim Aufbau der kommunistischen Gesellschaft und als Bollwerk gegen die imperialistischen USA zu helfen. In den Sommerferien war, für die gute Sache, Schwitzen in der Sonne angesagt. Wer hat gesagt, dass Revolution einfach sei?
Wir müssen Kuba überhaupt nicht mehr besuchen, weil wir ja die wunderschönen CDs des Buena Vista Social Clubs haben und uns Wim Wenders‘ Film über die alten Musiker ansehen können.
Aber wer dieses Jahr seine Kuba-Dosis ohne den Buena Vista Social Club haben will, sollte sich „¡Hasta La Vista, Sister!“ ansehen. Denn das von John Roberts (Regie) und Eirene Housten (Drehbuch) im Film präsentierte Kuba erfüllt alle Wünsche des Kuba-Pauschaltouristen mit Musik, Herzschmerz und ansehnlichen Kubanern. Kubanerinnen gibt es nicht, weil die Protagonisten des Films zwei Frauen sind: die schottischen Schwestern Ailie und Rosa. Sie sind, streng nach Drehbuchschule, sehr gegensätzlich. Ailie ist ein strammer Modejunkie, die in jeder Situation auf ihr gepflegtes Äußeres achtet. Rosa, benannt nach Rosa Luxemburg, macht ihrem Namen als politische Aktivistin alle Ehre.
Als ihr Vater Roddy stirbt und seine zweite Ehefrau aus Roddys Asche, weil Golf sein Leben war, eine Golf-Trophäe anfertigen will, klaut Rosa die Asche. Sie will sie nach Kuba bringen. Dort hatte er mit ihrer Mutter, die er während eines revolutionären Arbeitsaufenthaltes kennenlernte und die dort beerdigt ist, seine beste Zeit gehabt und dort soll er deshalb auch beerdigt werden.
Gegen ihren Willen wird Rosa von Ailie, die standesgemäß viele Koffer dabei hat und für Kuba im schicken Fünfziger-Jahre-Retro-Stil, der sich für den Strand- und Casinobesuch gleichermaßen eignet, gekleidet ist, und Conway, ihrem von ihr angeschwärmten Genossen und Freund, der stolz seinen Schottenrock trägt, begleitet.
Auf Kuba – nun, wenn ich jetzt sage, dass dort fast jedes Kuba-Klischee bedient wird, inclusive einem heißen Abend in einem kubanischen Club und den freundlichen, überaus hilfsbereiten und unverschämt gutaussehenden kubanischen Männern (Hach, welche Revolutionärin vergisst da nicht mal kurz die Revolution? Welche Fashionista vergisst da nicht mal kurz den Kleiderwechsel?) und auch die Konflikte zwischen den Schwestern in den erwartbaren Bahnen in Richtung Harmonie verlaufen und sie einiges über den Kuba-Aufenthalt ihres Vaters erfahren, das er ihnen nicht erzählte, verrate ich schon fast zu viel.
„¡Hasta La Vista, Sister!“ ist halt klassisches Feelgood-Kino mit einer humoristischen Note, das kein Kuba-Klischee auslässt und nicht besonders tiefgründig ist. Es ist letztendlich britisches Qualitätskino, das man allerdings auch schnell wieder vergisst, weil alles doch zu harmlos und zu konventionell ist.
Das vor kurzem gestartete Roadmovie „Jackie – Wer braucht schon eine Mutter“ machte mehr aus einer ähnlichen Schwesternkonstellation. Denn Americana-Klischees, inclusive der Landschaft, sind doch etwas rauer. Die biestige Mutter Jackie taugt wahrlich nicht zur Verklärung und sie war auch nur die Samenspenderin für den Kinderwunsch schwuler Vorzeigeeltern. Das ist dann doch eine viel unkonventionellere Ausgangslage.
¡Hasta La Vista, Sister! (Day of the Flowers, Großbritannien 2012)
Regie: John Roberts
Drehbuch: Eirene Housten
mit Eva Birthistle, Charity Wakefield, Carlos Acosta, Bryan Dick, Christopher Simpson
Die Prinzessin von Montpensier (Frankreich 2010, R.: Bertrand Tavernier)
Drehbuch: Jean Cosmos, Francois-Olivier Rousseau, Bertrand Tavernier
LV: Madame de la Fayette: La Princesse de Montpensier,1662
Während des Glaubenskriegs in Frankreich zwischen Katholiken und Hugenotten wird Marie aus politischen Gründen mit dem Prinzen von Montpensier verheiratet. Aber sie liebt ihren Cousin.
Prächtiger Historienfilm von Bertrand Tavernier, der zu einer unwürdig späten Uhrzeit seine TV-Premiere hat.
Eine schwüle Sommernacht in Brooklyn – und alle Treffen sich in Sal’s Pizzeria.
Spike Lees dritter Spielfilm und inzwischen ein Klassiker.
„Lee macht im Grunde etwas sehr Mutiges. Er hält seinen eigenen Leuten ihren eigenen Rassismus vor. Erst wenn sie dies erkennen, sind sie in der Lage, anders mit dem Rassismus der Weißen umzugehen, als es das Ende des Films zeigt.“ (Fischer Film Almanach 1990)
„Das Richtige getan hat Lee, indem er einen Film gedreht hat, der seine Dringlichkeit in keinem Augenblick vermeint, ohne deshalb Lösungen mit auf den Weg geben zu wollen. Statt die eine richtige Position zu behaupten, orchestriert Lee virtuos eine Vielzahl von Positionen.“ (Cristina Nord, in Gunnar Landsgesell/Andreas Ungerböck, Hrsg.: Spike Lee, 2006)
mit Danny Aiello, Ossie Davis, Ruby Dee, Richard Edson, Spike Lee, Giancarlo Esposito, Bill Nunn, John Turturro, John Savage, Samuel L. Jackson, Rosie Perez, Martin Lawrence
Zehn Jahre nach dem grandiosen „Bubba Ho-Tep“, in denen Regisseur Don Coscarelli nur einen TV-Film inszenierte, ist er mit „John dies at the End“ zurück und die Horrorkomödie ist eine geschmacksicher geschmacklose Angelegenheit, die sich deshalb natürlich primär an ein Horrorfilmpublikum richtet, das schon Coscarellis frühere Flme, wie „Das Böse“ und die drei Fortsetzungen, goutierte.
Dieses Mal geht es, mit viel Schwarzem Humor, um zwei College-Abbrecher, John und Dave, die außer ihrem TV- und Drogenkonsum wenig auf die Reihe bekommen und auch gar nicht mehr auf die Reihe bekommen wollen, denn bedröhnt vor der Glotze abhängen ist doch okay. Aber sie sind quasi auserwählt gegen eine die Menschheit bedrohende Droge zu kämpfen, die ihren Verstand angreift, an der Realität zweifeln lässt und zu irrationalen Taten animiert. Manchmal mit tödlichen Folgen. Der Straßenname dieser gefährlichen Droge ist „Sojasauce“.
Dass „John dies at the End“ (so ein richtiger Spoiler ist der Titel nicht) nicht bierernst genommen werden sollte, dürfte allein schon der Name der Droge verraten.
Dass Don Coscarelli das drogeninduzierte Driften durch Raum und Zeit und das Verwischen der verschiedenen Welten und Wahrnehmungsebenen (so sind die Menschen nicht immer das, was sie zu sein scheinen) und die Rahmenhandlung in der Dave in einem Diner einem Journalisten seine Geschichte erzählt, als Entschuldigung nimmt, um – aus Sicht der klassischen Hollywood-Dramaturgie – ziemliches chaotisch mehr oder weniger gelungene Witze aneinanderreiht, ist nachvollziehbar. Aber gleichzeitig fehlt im so jeder erzählerische Stringenz, die den Film außerhalb des Hardcore-Fankreises von nicht jugendfreien Horrorkomödien und Trashperlen goutierbar machen würde.
Das ändert nichts daran, dass die handgemachten Tricks, wie das Monster aus gefrorenen Fleischstücken, in Zeiten von überbordenden CGI-Exzessen, Spaß machen und der Film in einem Midnight-Screening oder, mit einer ordentlichen Portion Alkohol und einigen guten Kumpels, auf der heimischen Couch ziemlich genial ist. Vor allem bei dem zweiten oder dritten Ansehen. Mit oder ohne Sojasauce.
John dies at the End (John dies at the End, USA 2012)
Regie: Don Coscarelli
Drehbuch: Don Coscarelli
LV: David Wong: John dies at the End, 2001 (als Webserial; danach verschiedene Printausgaben mit mehr oder weniger vielen Ergänzungen)
mit Chase Williamson, Rob Mayes, Paul Giamatti, Clancy Brown, Glynn Turman, Doug Jones
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DVD
Pandastorm
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Wendecover
Länge: 96 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Der Film ist auch als Mediabook mit Bonusmaterial erhältlich.
Drehbuch: Walter Hill, William Fairchild (ungenannt)
LV: Desmond Bagley: The freedom trap, 1971 (Lebenslänglich mit Rückfahrkarte)
Geheimagent Rearden soll sich im Knast mit einem Sowjetagenten anfreunden. Sie werden von Freunden des Sowjetagenten befreit. Auf ihrer Flucht dämmert Rearden, dass er nur eine Marionette in einem viel größeren Spiel ist.
Spannender Agententhriller (wobei die Agenten-Sache eher nebensächlich ist)
mit Paul Newman, James Mason, Dominique Sanda, Ian Bannen