DVD-Kritik: „Agent Hamilton 2 – In persönlicher Mission“ unterwegs

April 17, 2013

 

Der erste Einsatz von Mikael Persbrandt als Carl Hamilton, schwedischer Geheimagent mit guten Verbindungen und einem eigenen Kopf, hat mir ausnehmend gut gefallen. „Agent Hamilton 2 – In persönlicher Mission“ schließt ziemlich nahtlos an „Agent Hamilton – Im Interesse der Nation“ an. Während er damals für die Regierung arbeitete, zieht er dieses Mal ohne Auftrag, unterstützt von einigen Verbündeten, los. Ein saudischer Prinz, der sich nach einem missglückten Attentatsversuch an der dafür verantwortlichen SÄPO-Chefin rächen will, hat die Patentochter von Carl Hamilton entführt.

 

Aufgrund ökonomischer Interessen verfolgt die schwedische Regierung die Angelegenheit nur mit gedämpftem Interesse. Also handelt Hamilton, wie so oft, auf eigene Faust.

 

Wie schon in dem ersten „Agent Hamilton“-Film wird die einfache Geschichte mit Subplots angereichert, komplexer und reichhaltiger gemacht. In dem so entstehendem zynischen Bild der internationalen Politik erscheint der US-amerikanische Geheimdienst als wahrer Bad Guy. Bei dem Bösewicht sind die Ähnlichkeiten mit Osama bin Laden und seiner sehr vermögenden Familie sicher nicht zufällig. Sowieso nimmt Drehbuchautor Stefan Thunberg, der auch das Buch für den ersten „Agent Hamilton“-Film schrieb, die Schlagzeilen und entstellt sie bis zur Kenntlichkeit als ein zwar tödliches, aber von der Staatsräson und nachvollziehbaren Interessen geleitetes Spiel.

 

Und Mikael Persbrandt verkörpert den von Jan Guillou erfundenen Geheimagenten als einen eiskalten Killer, der tut, was getan werden muss.

 

Die zahlreichen Action-Szenen sind alle etwas zerfahren im Post-Action-Modus inszeniert und hinterlassen alle den Eindruck, dass mit etwas mehr Geld und Zeit deutlich mehr möglich gewesen. So sieht es eher nach TV als nach Kino aus.

 

Davon abgesehen ist „Agent Hamilton 2 – In persönlicher Mission“ ein angenehm altmodisch-zynischer Polit-Thriller, in dem es nicht um höhere Moral, sondern schnöde Interessen und machtpolitische Spielchen geht, mit einer ordentlichen Portion Action.

 

Agent Hamilton 2 - DVD-Cover

 

Agent Hamilton 2 – In persönlicher Mission (Hamilton: Men inte om det gäller din dotter, Schweden 2012)

 

Regie: Tobias Falk

 

Drehbuch: Stefan Thunberg

 

LV: Charakter von Jan Guillou

 

mit Mikael Persbrandt, Saba Mubarak, Frida Hallgren, Reuben Sallmander, Nadja Christiansson, Lennart Hjulström, Peter Eggers, Steven Waddington, Cal Macaninch, John Light, Nigel Whitmey

 

 

DVD

 

Ascot-Elite

 

Bild: 2.35:1 (16:9 PAL)

 

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Schwedisch (Dolby Digital 5.1)

 

Untertitel: Deutsch

 

Bonusmaterial: Deutscher und Originaltrailer, Wendecover

 

Länge: 86 Minuten

 

FSK: ab 16 Jahre

 

 

Hinweise

 

Wikipedia über „Agent Hamilton – Im Interesse der Nation“

 

Krimi-Couch über Jan Guillou

 

Wikipedia über Jan Guillou (deutsch, englisch, schwedisch)

 

Meine Besprechung von Kathrine Windfelds „Agent Hamilton – Im Interesse der Nation“ (Hamilton – I nationens intresse, Schweden 2012)

 

 


TV-Tipp für den 17. April: Der Mann ohne Vergangenheit

April 17, 2013

Arte, 20.15

Der Mann ohne Vergangenheit (Fin/D/F 2002, R.: Aki Kaurismäki)

Drehbuch: Aki Kaurismäki

Kaurismäki erzählt in seinem typischen knappen Stil von einem Mann, der sein Gedächtnis verliert und bei den armen, am Hafen von Helsinki lebenden Menschen ein neues Leben beginnt.

Ein feiner Film und mit etwas über neunzig Minuten für Kaurismäki-Verhältnis ein überlanges Epos.

Ich erzähle eine Art Märchen mit Happy End. Das suchen wir doch alle im richtigen Leben – vergebens. Es reicht ja, wenn ich selbst in Hoffnungslosigkeit ersaufe. Dabei träume ich in einem Winkel meines Herzens, dass jeder glücklich sein sollte – eine Illusion.“ (Aki Kaurismäki in einem Interview in der AZ, 14. September 2002)

eine der bewegendsten Kino-Liebesgeschichten der letzten Jahre“, sagt Jan Schulz-Ojala in Eue/Söffkers Sammelband „Aki Kaurismäki“ über den zweiten Teil von Kaurismäkis Verlierer-Trilogie. Teil eins war „Wolken ziehen vorüber“, Teil drei „Lichter der Vorstadt“.

mit Markku Peltola, Kati Outinen, Annikki Tähti, Juhani Niemelä

Wiederholung: Samstag, 20. April, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der Mann ohne Vergangenheit“ (deutsch, englisch)

3sat über “Der Mann ohne Vergangenheit”

Deutsche Homepage von Aki Kaurismäki (Pandora Filmverleih)

Meine Besprechung von Ralph Eue/Linda Söffkers (Hrsg.) „Aki Kaurismäki“ (2006)

Meine Besprechung von Aki Kaurismäkis „Le Havre“ (Le Havre, Finnland/Frankreich/Deutschland 2011)


TV-Tipp für den 16. April: Der Student von Prag

April 16, 2013

Arte, 23.40

Der Student von Prag (D 1913, R.: Stellan Rye)

Drehbuch: Stellan Rye, Hanns Heinz Ewers, Paul Wegener

Prag, 1820: Um in der Gesellschaft aufzusteigen verkauft ein Student sein Spiegelbild. Bald bereut er den Handel.

TV-Premiere der 2012/2013 rekonstruierten Fassung des Stummfilm-Klassikers, die eine Laufzeit von gut 85 Minuten hat.

mit Paul Wegener, Grete Berger

Hinweise

Arte über „Der Student von Prag“

AllMovie über „Der Student von Prag“

Filmportal über „Der Student von Prag“

Wikipedia über „Der Student von Prag“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: „…die keine Gnade kennen“ erzählt eine wahre Geschichte

April 15, 2013

Als während der siebziger Jahre reihenweise Flugzeuge entführt wurden, war auch Hollywood nicht weit, um mehr oder weniger dokumentarische Filme über die Entführungen zu machen. Auch „…die keine Gnade kennen“ basiert auf einer wahren Entführung: Am 27. Juni 1976 entführte die Volksfront zur Befreiung Palästinas, angeführt von Wilfried Böse, eine „Air France“-Maschine mit überwiegend israelischen Passagieren nach Uganda. Dort wurden die Passagiere, während der Diktator Idi Amin sich im Rampenlicht der Scheinwerfer sonnte, sukzessive freigelassen bis nur noch die jüdischen Passagiere, die vorher von den Entführern von den anderen Passagieren getrennt wurden, übrig blieben. In der Nacht vom 3. zum 4. Juli 1976 wurden sie von einem israelischen Kommando befreit.

Kurz danach entstanden gleich drei Filme, die sich mit der Befreiungsaktion befassten: der Schnellschuss „Unternehmen Entebbe“ (Victory at Entebbe, USA 1976, Regie: Marvin J. Chomsky, mit Anthony Hopkins, Burt Lancaster, Elizabeth Taylor, Richard Dreyfuss und Kirk Douglas), der mit Unterstützung der israelischen Regierung und des Militärs gedrehten „ Operation Thunderbolt“ (Mivtsa Yonatan, Israel 1977, Regie: Menahan Golan, mit Klaus Kinski und Sybill Danning; Golan drehte 1986 mit dem Chuck-Norris-Action-Vehikel „The Delta Force“ ein Quasi-Remake) und „Raid on Entebbe“, einem am 9. Januar 1977 erstmals gezeigten TV-Film, der in einer auf 124 Minuten gekürzten Fassung am 29. April 1977 bei uns als „…die keine Gnade kennen“ im Kino anlief, in den USA den Golden Globe als bester TV-Film des Jahres und zwei Emmys erhielt und für acht weitere Emmys nominiert war und mit einer ziemlich beeindruckenden Besetzung aus damaligen Stars, Altstars und, nun, aus heutiger Sicht, künftigen Stars aufwarten kann. Peter Finch (in seiner letzten Filmrolle), Martin Balsam, Yaphet Kotto (grandios als Idi Amin), Charles Bronson, Horst Buchholz, John Saxon, Jack Warden, Sylvia Sidney, Robert Loggia. Eddie Constantine und James Woods.

Der Film selbst folgt den historischen Ereignissen, wobei in der ersten Hälfte die Passagiere und ihr Leid, in der zweiten Hälfte die Befreiung im Mittelpunkt stehen und immer wieder Yitzhak Rabin (Peter Finch), sein Gewissenskonflikt und die Diskussionen am Kabinettstisch gezeigt werden; – wobei diese Diskussionen eher Schreiereien sind, die sich in einem länglichen pro und contra des Verhandelns mit Terroristen und ob eine solche Militäraktion am Sabbat durchgeführt werden dürfe, ergehen.

Das ist dann aus heutiger Sicht als historisches Dokument interessant, recht flott erzählt und verschenkt die hochkarätige Besetzung ziemlich. Denn wir erfahren nichts über die Terroristen, wenig über die Passagiere und kaum etwas über die politischen Hintergründe der Täter und den Verhandlungen Israels mit Uganda. Im Gegensatz zur GSG-9-Befreiungsaktion der Lufthansa-Maschine „Landshut“ 1977 in Mogadischu, bei der die somalische Regierung der Befreiungsaktion zustimmte, war die Befreiungsaktion in Entebbe eine militärische Aktion, die sich nicht um das Völkerrecht scherte (wobei gesagt werden muss, dass Diktator Idi Amin die Terroristen unterstützte) und die israelischen Soldaten auch, je nach Quelle, zwischen 25 und 45 ugandische Soldaten erschossen.

Diese Frage wird ignoriert zugunsten einer direkt von den Schlagzeilen und Interviews mit Beteiligten übernommenen Geschichte, die sich auf die menschlichen Probleme konzentriert.  

…die keine Gnade kennen“, kompetent inszeniert von Irvin Kershner (Die Augen der Laura Mars, Das Imperium schlägt zurück, Sag niemals nie), ist ein gutes Dokudrama, das sich auf die Entführung und die Befreiung konzentriert und alle weiteren Hintergründe, die damals bekannt waren, ausblendet. Aber gerade diese Unmittelbarkeit macht auch, aus heutiger Sicht, den Reiz des Films, der in Deutschland jetzt erstmals in der ungekürzten Fassung veröffentlicht wurde, aus.

Die keine Gnade kennen - DVD-Cover

…die keine Gnade kennen (Raid on Entebbe, USA 1977)

Regie: Irvin Kershner

Drehbuch: Barry Beckerman

mit Peter Finch, Martin Balsam, Yaphet Kotto, Charles Bronson, Horst Buchholz, John Saxon, Jack Warden, Sylvia Sidney, Robert Loggia. Eddie Constantine, James Woods

DVD

Ascot-Elite

Bild: 1,33:1 (4:3)

Ton: Deutsch (DTS 2.0 Mono/Dolby Digital 2.0 Mono), Englisch (Dolby Digital 2.0 Mono)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Wendecover

Länge: 139 Minuten (Langfassung, teilweise im Originalton mit deutschen Untertiteln)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „…die keine Gnade kennen“

AllMovie über „…die keine Gnade kennen“


TV-Tipp für den 15. April: Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel

April 15, 2013

RBB, 22.45

 

Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel (D 2005, R.: Dominik Graf)

 

Drehbuch: Günter Schütter

 

Flo Engelhard ruft bei der Polizei an und sagt, sie habe einen Einbrecher erschossen. Die Kommissare Tauber und Obermaier finden allerdings keine Leiche und kurz darauf taucht der Einbrecher quicklebendig wieder auf. Er will sich anscheinend an Flo rächen.

 

Hier arbeitet wieder das bewährte Team Schütter-Graf zusammen. Ihm verdanken wir unter anderem folgende Sternstunden des deutschen Films: „Der Skorpion“, „Tatort: Frau Bu Lacht“, „Die Sieger“, die Fahnder-Folgen „Nachtwache“ und „Baal“ und zuletzt den Spielfilm „Der rote Kakadu“.

 

Der scharlachrote Engel“ ist ein intensiver „Polizeiruf 110“ über Stalking und die Unfähigkeit der Polizei etwas dagegen zu tun. Gegen diesen Polizeithriller wirken viele Kinofilme wie Ramschware.

 

Mit Edgar Selge, Michaela May, Nina Kunzendorf, Claudia Messner, Martin Feifel

 

Hinweise

 

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

 

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

 

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Meine Besprechung von Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.) „Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf“

 

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. April: Don Mariano weiß von nichts

April 14, 2013

RBB, 23.00

Don Mariano weiß von nichts (I/F 1967, R.: Damiano Damiani)

Drehbuch: Ugo Pirro, Damiano Damiani

LV: Leonardo Sciascia: Il giorno della civetta, 1961 (Der Tag der Eule)

In Sizilien wird ein Bauunternehmer ermordet. Hauptmann Bellodi will den Fall aufklären und legt sich mit den Mächtigen der Insel an.

Der Tag der Eule“ ist der erste der sizilianischen Romane von Sciascia, in denen er gegen die Mafia und deren Verflechtungen mit der Politik anschrieb. Seine Bücher waren die Vorlage für einige der besten italienischen Polit-Thriller.

Damianis Verfilmung ist einer der frühen, stilbildenden Polit-Thriller in der Tradition von Costa-Gavras, Petri und Rosi. Damiani begründete unter anderem mit diesem Film seinen Ruhm.

Sciascias extrem knappem Erzählstil entspricht in den Filmen eine vergleichsweise hastige Montage, die ein wenig von jener unerbittlichen Zwangsläufigkeit an sich hat, die sich in rasch und ohne Schnörkel inszenierten Szenenwechsel präsentiert. Sicher, die zynisch-spitzfindigen Dialoge Sciascias sind, verkürzt, doch die Filme gewinnen (…) gegenüber den Romanen an Anschaulichkeit.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)

Mit Franco Nero, Claudia Cardinale, Lee J. Cobb, Serge Reggiani

Auch bekannt als „Der Tag der Eule“

Hinweise

Wikipedia über Leonardo Sciascia (deutsch, englisch, italienisch)

Krimi-Couch über Leonardo Sciascia

Italienwelten über Leonardo Sciascia

Amici di Leonardo Sciascia

Mein Nachruf auf Damiano Damiani (23. Juli 1922 – 7. März 2013)


TV-Tipp für den 13. April: Mein Bruder Kain

April 13, 2013

ZDFneo, 22.30

Mein Bruder Kain (USA 1992, R.: Brian De Palma)

Drehbuch: Brian De Palma

Der angesehene Kinderpsychologe Carter Nix hat Probleme mit seinen verschiedenen Persönlichkeiten. Besonders Kain löst Probleme mit anderen Menschen gerne final.

Unterschätzter De-Palma-Film. Denn: “Raising Cain is (…) one of De Palma’s most challenging, elliptical and darkly comic films. Because of its refusal to ‘make it easy’ for the audience, it is also the least understood and appreciated film from his ‘red phase’.” (Senses of Cinema)

Mit John Lithgow, Lolita Davidovich, Steven Bauer, Frances Sternhagen, Gregg Henry

Hinweise

Wikipedia über „Mein Bruder Kain“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über „Mein Bruder Kain“ (Raising Cain)

Slant Magazine über “Mein Bruder Kain”

Senses of Cinema über Brian De Palma (2003)


DVD-Kritik: Wenn der Horror in die Normalität einbricht: die „Peter Weir Collection“ mit den frühen Filme von Peter Weir

April 12, 2013

 

Während die Hollywood-Filme von Peter Weir, wie „Der einzige Zeuge“, „Mosquito Coast“, „Der Club der toten Dichter“, „Green Card – Schein-Ehe mit Hindernissen“, „Die Truman-Show“ und „Master and Commander“ regelmäßig im Fernsehen gezeigt werden und entsprechend bekannt sind, sind die Frühwerke von Peter Weir, mit denen er sich den Weg nach Hollywood ebnete, unbekannte Klassiker. Filme, von denen man schon einmal gehört hat und die unter Cineasten und Genrefreaks Kultstatus genießen, aber bei uns teils überhaupt nicht im Kino liefen und auch im TV kaum gezeigt werden. Man kennt zwar, die Bilder der „Killerautos von Paris“, man hat von der dräunenden Apokalypse der „letzten Flut“ gehört, man fürchtet sich vor „Wenn der Klempner kommt“ und das „Picknick am Valentinstag“ dürfte der bekannteste Film aus dem Frühwerk von Peter Weir sein, aber man hat sie, mangels Gelegenheit nicht oder vor Ewigkeiten gesehen – und daher ist es gut, dass Koch Media diese vier Filme in einer schicken Box (mit überschaubarem Bonusmaterial) versammelte. Denn so kann man auch die Verbindungen zwischen seinem Kinodebüt „Die Autos, die Paris auffrassen“, seinem internationalen Durchbruch „Picknick am Valentinstag“, dem apokalyptischen Science-Fiction-Film „Die letzte Flut“ und der kleinen, für das TV gedrehten Satire „Wenn der Klempner kommt“ sehen.

Auf den ersten Blick haben diese vier Filme kaum etwas gemeinsam. In „Die Autos, die Paris auffrassen“ wird Arthur Waldo nach einem Autounfall mit sanfter Gewalt in dem Städtchen Paris festgehalten. Dabei entdeckt er, dass in der Nähe von Paris schon vor ihm viele Autofahrer in einer Kurve verunglückten. Gleichzeitig hält eine Gruppe autobegeisterter Jugendlicher die Bewohner im Schach und auch die Autos scheinen ein Eigenleben zu führen. Am Einfachsten kann man den Film als ziellose Satire mit einigen Splatter-Einlagen beschreiben. Denn es wird nie deutlich wogegen sich der Film richtet, die Bedrohung beziehungsweise das Geheimnis von Paris bleibt diffus und die wenigen, blutigen Bilder von Organentnahmen wirken wie aus einem anderen Film geklaut. Wahrscheinlich wollte Peter Weir so das Mitternachtspublikum ansprechen und seinem Film ein weltweites Publikum verschaffen.

Das gelang ihm mit seinem zweiten Film „Picknick am Valentinstag“, der Australien als Filmnation auf die internationale Landkarte hob. Später kamen Filme wie „Mad Max“ und „Razorback“ und „Crocodile Dundee“, um nur die wirklich bekanntesten Filme zu nennen und die Spannbreite des australischen Filmwunders aufzuzeigen, dazu.

Weirs zweiter Spielfilm erzählt von einer Internatsschülerinnengruppe die am Valentinstag 1900 einen Ausflug zum Hanging Rock macht. Drei Schülerinnen verschwinden spurlos. Nach einer langen Suche wird eine Schülerin gefunden. Aber sie schweigt. Das Verschwinden der Mädchen bleibt rätselhaft. Ebenso die zweite Hälfte des Films, die zunehmend zwischen verschiedenen Plots zerfasert.

Aber die erste Hälfte, in der Weir eine geheimnisvolle Spannung aufbaut, der Hanging Rock mystisch überhöht wird zu einer Erkundung in das unerforschte Land der Sexualität – immerhin sind die Schülerinnen alle im Teenager-Alter, die strengen Regeln an der Schule, die sie zu gesellschaftlich wertvollen Menschen erziehen sollen, verbieten jede Gefühlsäußerung und immer wieder gibt es Andeutungen in diese Richtung, auch in Richtung gleichgeschlechtlichem Sex – ist grandios.

In „Die letzte Flut“ gelingt es Peter Weir durchgängig die Stimmung einer geheimnisvollen Bedrohung zu schaffen, auch wenn der Plot dem sattsam bekannten Muster von Geschichten über nahende Apokalypsen folgt in dem zuerst geheimnisvolle Dinge geschehen, der Protagonist erkennt, dass diese Ereignisse mit seinen Visionen etwas zu tun haben und es am Ende – wahlweise – die Apokalypse gibt oder der Protagonist als Auserwählter sie doch irgendwie aufhalten kann.

Aber wie Peter Weir diese Geschichte erzählt, verrät dann eine erzählerische Souveränität, die er so in „Picknick am Valentinstag“ noch nicht hatte. David Burton (Richard Chamberlain) ist ein Anwalt in Sydney, der teils von Visionen einer nahenden Flut gequält wird, teils fassungslos die Wetterkapriolen mit Sturmfluten beobachtet. Als er pro bono die Verteidigung von einigen jungen Aborigines übernimmt, die einen anderen Aborigine im Suff ermordeten, und er glaubt, dass der Hintergrund für die Tat ein Stammesgesetz ist (obwohl es in der Stadt keine Aborigine-Stämme geben soll), werden seine Visionen deutlicher.

Bei dem langsam erzählten Film beeindruckt vor allem die mit geringen Mitteln hergestellte unheimliche Atmosphäre, die zu einem großen Teil durch Manipulation der Bildgeschwindigkeit und des Sounds entsteht. So bewegen sich Menschen oft in Zeitlupe. Bestimmte Geräusche werden hervorgehoben, andere sind nicht zu hören und manchmal gibt es auch überhaupt keine Geräusche. Ebenso unterscheidet Weir nicht zwischen den Träumen und Visionen von Burton und der Realität.

Nach „Die letzte Flut“ kehrte Peter Weir, bevor er mit „Gallipoli“ und „Ein Jahr in der Hölle“, beide mit Mel Gibson, seine letzten australischen Spielfilme vor seinem Sprung nach Hollywood drehte, mit „Wenn der Klempner kommt“ noch einmal zurück zum Fernsehen zurück.

Wenn der Klempner kommt“ ist eine kleine schwarzhumorige Satire über Ängste. Denn Jill fürchtet sich zunehmend vor dem Klempner Max, der in ihrer Wohnung zunächst nur die Wasserleitungen überprüfen will und dann, weil die Rohre schlecht verlegt sind, das Badezimmer zielstrebig in eine Baustelle verwandelt, während er Jill – jedenfalls empfindet sie es so – zunehmend sexuell bedrängt. Aber Max könnte auch einfach nur ein etwas unsensibler, leicht großmäuliger Mann sein, der nur höflich zu der intellektuellen Hausfrau sein will, die in ihrer Wohnung an einer Studie über die Aborigines arbeitet und sich von ihrem Mann, der wegen den Verhandlungen für einen großen Forschungsauftrag gerade mit anderen Dingen beschäftigt ist, vernachlässigt fühlt.

Diese Spannung zwischen Jills Sicht, die den Film dominiert, und den Bildern, die eben immer wieder Jills Perspektive unterlaufen, hält Peter Weir bis zum Schluss seines kurzen Films aufrecht.

So unterschiedlich diese vier Filme, wie auch Peter Weirs späteren Filme, auf den ersten Blick auch sein mögen, schon auf den zweiten Blick fällt auf, dass in ihnen immer das Grauen in den Alltag einbricht und quasi unerklärliche Dinge passieren.

Außerdem thematisiert er, abgesehen von seinem Debüt, auch immer das Verhältnis zwischen den weißen Australiern und den Aborigines, den australischen Ureinwohnern, die lange ähnlich rücksichtsvoll wie die Indianer in den USA behandelt wurden, ohne in einen platten Mystizismus oder platte Verklärung der Ureinwohner abzugleiten.

Die vier Filme, wobei „Wenn der Klempner kommt“ erstmals auf DVD erschien und nur in dieser Box enthalten ist, kommen in einer schicken Box mit einer überschaubaren Menge an Bonusmaterial. Nämlich den Trailern und Bildergalerien.

Von „Picknick am Valentinstag“ ist bei Koch Media auch eine umfangreiche Special Edition auf 3 DVDs und einer Blu-ray mit der Kinofassung, der gut zweistündigen Dokumentation „A Dream within a Dream“, mehreren Featurettes und Interviews erschienen.

Peter Weir Collection

Peter Weir Collection

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0; „Picknick am Valentinstag“ auch Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Originaltrailer, Bildergalerien

FSK: ab 16 Jahre

enthält

The Cars that eat people

Die Autos, die Paris auffrassen (The Cars, that ate Paris, Australien 1974)

Regie: Peter Weir

Drehbuch: Peter Weir (nach einer Geschichte von Peter Weir, Keith Gow und Piers Davies)

mit John Meillon, Terry Camilleri, Kevin Miles, Rick Scully, Max Gillies, Danny Adcock, Bruce Spence

Länge: 84 Minuten

Deutsche Premiere: 1983 (Kino) (möglich, dass bereits 1979 der Atlas-Filmverleih die Originalfassung verlieh)

auch bekannt als „Die Killer-Autos von Paris“ (TV-Titel)

Picknick am Valentstag - DVD-Cover

Picknick am Valentinstag (Picnic at Hanging Rock, Australien 1975)

Regie: Peter Weir

Drehbuch: Cliff Green

LV: Joan Lindsay: Picnic at Hanging Rock, 1967

mit Rachel Roberts, Vivean Gray, Helen Morse, Kirsty Child, Anthony Llewellyn-Jones, Jacki Weaver, Frank Gunnell, Anne Lambert, Karen Robson

Länge: 103 Minuten

Deutsche Premiere: 24. Juli 1977 (ARD)

Die letzte Flut - DVD-Cover

Die letzte Flut (The last Wave, Australien 1977)

Regie: Peter Weir

Drehbuch: Peter Weir, Tony Morphett, Petru Popescu

mit Richard Chamberlain, Olivia Hamnett, Gulpilil, Frederick Parslow, Vivean Gray, Nandjiwarra Amagula, Walter Amagula, Roy Bara

Länge: 101 Minuten

Deutsche Premiere: 15. September 1978 (Kino)

The Plumber

Wenn der Klempner kommt (The Plumber, Australien 1979)

Regie: Peter Weir

Buch: Peter Weir

mit Judy Morris, Ivar Kants, Robert Coleby, Candy Raymond

Länge: 74 Minuten

Deutsche Premiere: 5. Mai 1984 (TV)

Hinweise

Wikipedia über Peter Weir (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Peter Weir

The Peter Weir Cave (eine Fanseite)

Peter Weir in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 12. April: Stranger than Paradise

April 12, 2013

ZDFkultur, 20.15

Stranger than Paradise (USA/D 1984, R.: Jim Jarmusch)

Drehbuch: Jim Jarmusch

Musik: John Lurie

Willie, Eva und Eddie fahren von New York nach Florida.

Das „Kleine Fernsehspiel“ des ZDF als Talentförderer. Das echte Spielfilmdebüt (sein Abschlussfilm „Permanent Vacation“ ist, trotz seiner Länger, wohl doch eher als Talentprobe zu sehen.) von Jim Jarmusch gewann unter anderem den Special Jury Price in Sundance und die Goldene Kamera in Cannes und er war der Liebling der Filmkritiker und der Jugendlichen (jedenfalls wenn ihnen Punk, No Wave und die damalige New-Yorker-Kunstszene imponierten). Danach drehte Jarmusch „Down by Law“ (mit Tom Waits, John Lurie und Roberto Benigni), „Mystery Train“, „Dead Man“ und „Ghost Dog“.

„Damals, Mitte der 80er, haben wir das Öde, Strenge, Hermetische gemocht. ‘Stranger than Paradise’ war ein Film, der als cool galt, ein Film, an dem man sich gegenseitig erkennen konnte. Wer ihn bloß langweilig fand, hatte nichts verstanden. Wir mochten ihn, weil er von etwas erzählte, genauer: etwas der Erzählung voraussetzte, das wir kannten: einen diffusen Hunger nach Erfahrung, gepaart mit dem Misstrauen, vielleicht der Unfähigkeit, daraus Worte zu machen. Wir (das waren wohl vor allem Jungs) waren fasziniert von der Reduktion, von der Weigerung, eine Geschichte auf eine elaborierte Art zu erzählen, von der Coolness der Figuren.“ (Stefan Reinecke: Stranger than Paradise, in Rolf Aurich/Stefan Reinecke, Hrsg.: Jim Jarmusch, 2001)

mit John Lurie, Eszter Balint, Richard Edson, Cecillia Stark Danny Rosen, Rammellzee, Tom DiCillo

Hinweise

Wikipedia über Jim Jarmusch (deutsch, englisch)

The Jim Jarmusch Resource Page

Senses of Cinema über Jim Jarmusch


Neu im Kino/Filmkritik: „Oblivion“ oder So macht Science-Fiction Spaß

April 11, 2013

Im Gegensatz zu den normalen Alien-Invasions-Science-Fiction-Filmen à la „Independence Day“ in denen der Kampf der tapferen Erdbewohner gegen gesichts- und körperlose außerirdische Invasoren, die irgendetwas mit der Erde anstellen wollen, im Mittelpunkt steht, ist in Joseph Kosinskis „Oblivion“ die Schlacht bereits vorbei.

Die Menschen, die die Aliens vor sechs Jahrzehnten besiegten, müssen 2077 noch einige Rohstoffe aus der nach der Schlacht verwüsteten Erde bergen, ehe sie zu neuen Welten aufbrechen.

Jack Harper (Tom Cruise) kurvt in einem Hubschrauber-ähnlichem Gerät, dem Bubbleship, über die zerstörte Erde und repariert Drohnen, die Scavenger jagen. So werden die wenigen überlebenden Aliens genannt, die auch noch getötet werden sollen. Damit Harper den Aliens, wenn er von ihnen gefangen genommen wird, nichts über seine Mitmenschen verraten kann, wurde ihm – wir ahnen es bei dem Titel „Oblivion“, der mit „Vergessen“, „Vergesslichkeit“ oder „in Vergessenheit geraten“ übersetzt werden kann – vor dem Einsatz sein Gedächtnis gelöscht. Trotzdem hat er Flashback-artige Erinnerungen. Er denkt über seine Mission nach und hat sich an einem abgelegenen Bergsee ein kleines Paradies mit Basketball-Korb, Plattenspieler, einigen gut abgehangenen LPs und Büchern, die er in zerstörten Bibliotheken gefunden hat, aufgebaut.

Eines Tages senden die Scavenger ein Signal in den Weltraum. In der kurz darauf abstürzenden Kapsel, die anscheinend schon einige Jahrzehnte alt ist, findet er mehrere, sich im Tiefschlaf befindende Astronauten. Bevor die Drohnen diese Raumfahrer töten, kann Harper eine Astronautin retten.

Sie erinnert ihn an jemand – und dann werden die Beiden von unter der Erde lebenden Menschen, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte, gefangen genommen.

Mehr will ich jetzt nicht über die Geschichte von „Oblivion“ verraten. Denn sie hat, wie eine „Twilight Zone“-Episode, noch einige Überraschungen, die vor acht Jahren, als „Tron: Legacy“-Regisseur Joseph Kosinski das erste Treatment schrieb, weitaus überraschender waren, als sie es heute sind und einige Wendungen könnte man, wie bei „Moon“ und „Looper“, endlos kritisieren oder einfach als Teil der Science-Fiction-Geschichte akzeptieren. Das gilt natürlich vor allem für die Prämisse, die Jack Harper zum letzten Mann auf der Erde macht.

Aber dann ist „Oblivion“ eine klassische, gut erzählte Science-Fiction-Geschichte, in der nicht die Action (wenig), die Special-Effects (eher wenig), sondern letztendlich die Charaktere im Mittelpunkt stehen. Und natürlich einige philosophische Fragen, wie die Frage, was einen Menschen ausmacht.

Gleichzeitig reflektiert „Oblivion“ im Gewand eines Science-Fiction-Films auch die Gegenwart. Eine Diskussion darüber würde einige überraschende Wendungen des Plots vorwegnehmen und dann stünde ich als Spielverderber da.

Aber spätestens bei der DVD-Veröffentlichung dieses guten Science-Fiction-Films können wir das ja vielleicht nachholen.

 

Eine Bemerkung zu den Super-Duper-Bildern: Gedreht wurde der Film mit einer hochauflösenden Sony F65-Kamera, deren Bilder in einer 4K-Auflösung problemlos in einem IMAX gezeigt werden können. Die Bilder sind zwar beeindruckend, aber mir und den Kollegen, mit denen ich mich nach dem Film vor dem IMAX unterhielt, erschloss sich der visuelle Gewinn gegenüber einer normalen Kinovorführung nicht. Einige sahen sich den Film sogar mit einer 3D-Brille an, weil ihnen die Bilder zu hell waren.

Das sollte man vielleicht wissen, bevor man in den Film geht.

Oblivion - Teaser Tom Cruise

Oblivion (Oblivion, USA 2013)

Regie: Joseph Kosinski

Drehbuch: Karl Gajdusek, Michael deBruyn (basierend auf der Graphic-Novel-Originalstory von Joseph Kosinski)

mit Tom Cruise, Morgan Freeman, Olga Kurylenko, Andrea Riseborough, Nikolaj Coster-Waldau, Melissa Leo

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Oblivion“

Metacritic über „Oblivion“

Rotten Tomatoes über „Oblivion“

Wikipedia über „Oblivion“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (30. Dezember 2012)

Collider: Interview mit Joseph Kosinski über „Oblivion“ (2. April 2013)

Meine Besprechung des Tom-Cruise-Films „Mission: Impossible – Phantom Protokoll (Mission: Impossible – Ghost Protocol, USA 2011)

Meine Besprechung des Tom-Cruise-Films „Jack Reacher“ (Jack Reacher, USA 2012)

Tom Cruise in der Kriminalakte

 

 


TV-Tipp für den 11. April: Yella

April 11, 2013

ZDF Kultur, 20.15

Yella (D 2007, R.: Christian Petzold)

Drehbuch: Christian Petzold

Die Ostdeutsche Yella will aus ihrem tristen Leben fliehen. In Hannover lernt sie einen Finanzmanager kennen und wird seine Geliebte und Partnerin.

Wie gewohnt bei Christian Petzold: toller, angenehm undeutscher Film.

„Mit viel Gespür für Rhythmus und innere Beziehungen, präzisen Darstellern und einer suggestiven Raumdramaturgie inszeniert Christian Petzold den dritten Teil seiner ‘Gespenster’-Trilogie als Mischung aus kühl-moralischem Blick auf Mechanismen des Geldmarktes und surrealem Märchen.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Nina Hoss, Devid Striesow, Hinnerk Schönemann, Burghart Klaußner, Barbara Auer, Christian Redl

Wiederholung: Freitag, 12. April, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Yella“

Rotten Tomatoes über “Yella”

Wikipedia über „Yella“


TV-Tipp für den 10. April: Heat

April 10, 2013

Kabel 1, 22.10

Heat (USA 1995, R.: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

Die Story ist einfach und altbekannt: ein Polizist jagt einen ihm geistesverwandten Dieb.

Der Film ist sogar ein Remake. Michael Mann nahm einfach sein altes Drehbuch für „Showdown in L. A.“ (L. A. Takedown, 1989) und machte aus einem anderthalbstündigem TV-Piloten einen dreistündigen Kinofilm. Dank des größeren Budgets und guter Schauspieler (eine aus heutiger Sicht sehr beeindruckende Liste von Mann-Vertrauten, Stars und damals noch unbekannteren Namen) entstand ein Klassiker.

Berater bei dem Film waren Chuck Adamson (vor seinem Tod: Polizist und Autor für „Miami Vice“ und „Crime Story“), Dennis Farina (heute: Ex-Polizist und Schauspieler) und Andy McNab (heute: Ex-SAS und Schriftsteller).

mit Al Pacino, Robert De Niro, Val Kilmer, Jon Voight, Tom Sizemore, Amy Brenneman, Ashley Judd, Mykelti Williamson, Wes Studi, Diane Venora, Ted Levine, Dennis Haysbert, William Fichtner, Natalie Portman, Tom Noonan, Danny Trejo, Henry Rollins, Jeremy Piven, Xander Berkeley, Marty Ferrero, Rick Avery, Bud Curt (ungenannt, als Restaurantmanager Solenko)

Wiederholung: Donnerstag, 11. April, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Heat“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Heat“ von Michael Mann (Fassung vom 3. März 1994)

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. April: Der Boss

April 9, 2013

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Jean-Paul Belmondo!

ARD, 00.50

Der Boß (F/Can 1985, R.: Alexandre Arcady)

Drehbuch: Francis Veber, Daniel Saint-Harmont, Alexandre Arcady

LV: Jay Cronley: Quick Change, 1981

Für Grimm und sein Team beginnen die wahren Probleme erst nach dem Banküberfall auf dem Weg zum Flughafen.

„Der Boß“ ist der angenehmste Film der Achtziger von Jean-Paul Belmondo: eine lockere Krimikomödie mit Action-Einlagen. Während des Banküberfalls kann Belmondo in einem Clownskostüm dem Affen Zucker geben.

Mit Jean-Paul Belmondo, Guy Marchand, Kim Cattrall

Hinweise

Wikipedia über Jay Cronley und „Der Boss“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards “Außer Atem” (F 1959 – dem Durchburch von Jean-Paul Belmondo)

Kriminalakte über  Jean-Paul Belmondo

Und diese schon fünf Jahre alten Geburtstagsartikel sind sicher alle noch weitgehend aktuell:

Kölner Stadt-Anzeiger: Daniel Kothenschulte zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo

Stuttgarter Zeitung: Sabine Glaubitz zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo

Tagesschau: Angela Ulrich zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo

Deutsche Welle: 4-minütiger Film zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo


TV-Tipp für den 8. April: James Bond: Der MORGEN stirbt nie

April 7, 2013

ZDF, 22.15

James Bond: Der MORGEN stirbt nie (GB/USA 1997, R.: Roger Spottiswoode)

Drehbuch: Bruce Feirstein

LV: Charakter von Ian Fleming

Buch zum Film: Raymond Benson: Tomorrow never dies, 1997 (Der MORGEN stirbt nie)

Die Zeiten ändern sich: Bonds Gegner ist ein Pressezar, der für eine Schlagzeile einen Weltkrieg riskiert.

Brosnans zweiter Einsatz war an der Kinokasse selbstverständlich ein Erfolg. Der Rest war auch wie gewohnt; – auch die zahlreichen Drehbuchentwürfe und Veränderungen während der Dreharbeiten. Da arbeitete ein Team von vier Autoren in einem Londoner Hotel an neuen Ideen und den Wünschen von Spottiswoode. Entsprechend zerfällt der Film immer wieder in Einzelteile. Es gibt dazu einen bissigen Artikel von Feirstein.

Mit Pierce Brosnan, Michelle Yeoh, Jonathan Pryce, Götz Otto, Teri Hatcher, Judi Dench, Samantha Bond (nicht verwandt mit James Bond), Desmond Llewelyn

Hinweise

Rotten Tomatoes über „James Bond: Der MORGEN stirbt nie“

Wikipedia über „Der MORGEN stirbt nie“ (deutsch, englisch)

Drehbuch von Bruce Feirstein

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung des James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. April: GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia

April 7, 2013

Arte, 21.45 (VPS 20.15)

GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (USA 1990, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Martin Scorsese, Nicholas Pileggi

LV: Nicholas Pileggi: Wiseguy, 1985 (Der Mob von innen)

Preisgekrönter und mitreisender Gangsterfilm über das Leben des Mafia-Aussteigers Henry Hill zwischen 1955 und 1980 in New York.

Bei Scorsese sind Gangster die Kehrseite des amerikanischen Traums und die Mafia keine ehrenwerte Gesellschaft, sondern eine Ansammlung von Killern, Schlägern und Betrügern.

mit Robert De Niro, Joe Pesci (Oscar als bester Nebendarsteller), Ray Liotta, Lorraine Bracco, Paul Sorvino

Wiederholung: Freitag, 12. April, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über “GoodFellas” (deutsch, englisch)

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Beprechung von Martin Scorseses “Hugo Cabret” (Hugo, USA 2011)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. April: Der Mann aus Marseille

April 6, 2013

Als Vorbereitung für den 80. Geburtstag von Jean Paul Belmond0 (am 9. April) zeigt der Bayerische Rundfunk heute „Das Superhirn“ (20.15 Uhr; gut), „Der Mann aus Marseille“ (22.15 Uhr, Tagestipp), „Der Profi 2“ (23.55 Uhr, Ähem) und „Der Außenseiter“ (01.25 Uhr, das war wohl mein erster Kino-Belmondo und ist daher über jede Kritik erhaben). Die nächsten Tage gibt es noch einige weitere Filme mit Bebel.

Bis dahin

BR, 22.15

Der Mann aus Marseille (F/I 1972, R.: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

LV: José Giovanni: L´excommunié/La scoumoune, 1958 (Der Gangsterboss)

Ballade über die Freundschaft zwischen zwei Gangstern, die nach dem Zweiten Weltkrieg sich wieder einen Platz in der Pariser Unterwelt sichern wollen.

Mit Jean-Paul Belmondo, Michel Constantin, Claudia Cardinale, Andréa Ferréol, Gérard Depardieu

Wiederholungen

NDR, Montag, 8. April, 00.00 Uhr (Taggenau!)

RBB, Sonntag, 14. April, 00.00 Uhr (Taggenau! – Im Rahmen einer Bebel-Filmnacht mit „Der Windhund“ um 22.15 Uhr und dem Godard-Kult „Eine Frau ist eine Frau“ um 01.40 Uhr)

Hinweise

Homepage von/über José Giovanni

Wikipedia über José Giovanni (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über José Giovanni

Meine Besprechung von Robert Enricos José-Giovanni-Verfilmung  „Die Abenteurer“ (Les Aventuriers, Frankreich 1967)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (F 1959 – dem Durchburch von Jean-Paul Belmondo)

Kriminalakte über José Giovanni und Jean-Paul Belmondo

Und diese schon fünf Jahre alten Geburtstagsartikel sind sicher alle noch weitgehend aktuell:

Kölner Stadt-Anzeiger: Daniel Kothenschulte zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo

Stuttgarter Zeitung: Sabine Glaubitz zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo

Tagesschau: Angela Ulrich zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo

Deutsche Welle: 4-minütiger Film zum 75. Geburtstag von Jean-Paul Belmondo


TV-Tipp für den 5. April: Back Fire – Eine Mutter sieht rot

April 5, 2013

ARD, 03.15

Back Fire – Eine Mutter sieht rot (F 1984, R.: Alain Bonnot)

Drehbuch: André G. Brunelin, Marie-Thérèse Cuny, Alain Bonnot

LV: Gérald Moreau: Nathalie ou la Punition, 1979

Annie Girardot sieht rot – und die Polizei sieht schweigend zu.

Schnörkelloser französischer Selbstjustiz-Thriller, der –  wie üblich – im Nachtprogramm versteckt wird.

Hinweise

AlloCine über „Back Fire“

Wikipedia über „Back Fire“


Neu im Kino/Filmkritik: Geh nicht in „Zimmer 205“! Da geschehen schlimme Dinge.

April 4, 2013

Studieren ist die Hölle. Da bekommt man als Erstsemester nur in einem Studentenwohnheim, das die Bausünden der siebziger Jahre unter einem anderen Licht erscheinen lässt und schon von außen Depressionsschübe auslöst, ein Zimmer, das trister als ein Mehrbettzimmer in einem seit anno dunnemals nicht mehr renoviertem Schullandheim mit Gemeinschaftsküche ist. Die anderen Studenten schneiden einen. Blicken sogar gehässig auf den Neuling und alle deuten an, dass in Zimmer 205 etwas schlimmes geschah. Dass das Zimmer, das man gerade bezogen hat, verflucht ist.

Nicht schön, vor allem wenn man, wie die neunzehnjährige Katrin (Jennifer Ulrich) noch einen Psychoknacks hat, deshalb Medikamente nehmen muss und entsprechend fürsorglich von ihrem alleinerziehenden Vater umsorgt wird. Trotzdem versucht Katrin sich das Zimmer schönzureden und dann lernt sie auch noch einen netten Kommilitonen kennen.

Damit könnten sich die Eingewöhnungsprobleme erledigen, wenn nicht die Geschichte mit ihrer Vormieterin wäre. Die verschwand nämlich spurlos. Katrin findet einige Aufzeichnungen von ihr im Zimmer (da hat der Hausmeister beim Aufräumen aber kräftig geschlampt) und entdeckt ihr Videotagebuch, in dem sie berichtet, wie sie zunehmend von einer Studentengruppe, die auch sie schlecht behandelt, bedroht wird und sie glaubt, dass die Clique sie töten will.

Katrin glaubt nun, dass mit ihr etwas ähnliches geschieht. Vor allem weil mehrere Menschen in ihrem Umfeld mysteriöse Unfälle haben oder ermordet werden. Außerdem stoßen ihr mehr mysteriöse Dinge zu als dem Protagonisten eines Sebastian-Fitzek-Romans.

Ihr ahnt es: „Zimmer 205 – Traust du dich rein?“ ist ein Psychothriller mit einer satten Portion Horror.

Leider kein guter. Denn die Macher von „Zimmer 205“ bieten immer mindestens zwei, sich widersprechende Erklärungen an: nach der einen ist das Zimmer verflucht und der Geist ihrer Vormieterin will sich an ihren Mördern rächen, nach der anderen ist Katrin die zunehmend verrückt werdende Mörderin. Aber es könnte auch ganz anders sein. Diese Ungewissheit könnte bis zur Auflösung spannungsfördernd sein, wenn nicht viele Szenen so vorhersehbar wären. Wenn das erste Mal aus einem Abfluss eine dunkle Masse blubbert, wissen wir, was einige Minuten später geschehen wird – und es geschieht. Wenn eine Frau allein auf einen Dachboden geht und die durchsichtigen Plastikplanen sich stylisch im Wind bewegen, wissen wir, was geschehen wird – und es geschieht. Wenn ein Mann – Na, ich glaube, ihr habt das Prinzip verstanden, das während des Sehens für eifriges Miträtseln sorgen soll; am Ende, wenn die Macher versuchen, das ganze irgendwie logisch und sinnvoll aufzulösen, aber nicht aufgeht.

Vor allem wenn einem die Damsel in Distress, die bedrohte, sich Genre-konform blöde benehmende Jungfrau, herzlich egal ist.

Da hilft es auch nicht, dass Regisseur Rainer Matsutani und Drehbuchautor Eckhard Vollmar in ihrem Remake des bei uns nicht veröffentlichten dänischen Horrorfilms „Kollegiet“ von Martin Barnewitz die Geschichte in jeder Szene mit einem mysteriösem Rätsel aufluden und sie in ausgesucht abschreckendem Siebziger-Jahre-Gebäuden inszenierten. Vor allem bei den Inneneinrichtungen und den Gebäuden, – es wurde unter anderem in einer ehemaligen SED-Parteischule, auf einem Berliner Campus und einem Fabrikgelände, auf dem auch Quentin Tarantino einige Szenen für „Inglourious Basterds“ drehte, gedreht -, inszenierten sie lustvoll eine dicke Patina vergangener Zeiten, die schon auf den ersten Blick ordentliche Ekelgefühle auslöst.

Am Ende ist „Zimmer 205“ doch nur ein formelhafter, unlogischer Horrorfilm mit einem entsprechend unbefriedigendem Ende.

Zimmer 205 - Plakat

Zimmer 205 – Traust du dich rein? (D 2011)

Regie: Rainer Matsutani

Drehbuch: Eckhard Vollmar (nach einer Vorlage von Jannik Tai Mosholt)

mit Jennifer Ulrich, Julia Dietze, Inze Björg David, Marleen Lohse, Florian Jahr, Tino Mewes, Daniel Roesner, Hans Uwe Bauer, André Hennicke, Gitta Schweighöfer, Dennis Gansel

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Zimmer 205“

Wikipedia über „Zimmer 205“

Unnützes Wissen

Gedreht wurde „Zimmer 205“ zwischen dem 27. Januar und dem 19. März 2010.

Die FSK prüfte den Film als „205 – Zimmer der Angst“ bereits im Oktober 2011.

Rainer Matsutani und Eckhard Vollmar arbeiteten bereits bei „Feuerläufer – Der Fluch des Vulkans“ und „Einladung zum Mord“ zusammen.

Eine Zwerg mit einem roten Umhang kennen wir aus „Wenn die Gondeln Trauer tragen“.


TV-Tipp für den 4. April: Real Humans – Echte Menschen

April 4, 2013

Arte, 21.00

Real Humans – Echte Menschen: Folge 1/2 (Schweden 2012)

Regie: Harald Hamrell

Drehbuch/Erfinder: Lars Lundström

Keine Ahnung, ob die TV-Serie gut ist, aber als ich die Inhaltsangabe las, fragte ich mich sofort, warum so eine Serie nicht auch vom deutschen Fernsehen gemacht wird. Denn in der Science-Fiction-Serie geht es um humanoide Roboter, die im Haushalt nützliche Arbeiten vollbringen und sich mit ihrem Schicksal nicht mehr zufrieden geben wollen. Viele Menschen betrachten die immer dienstbaren Roboter nicht mehr nur als technische Hilfsmittel – und es können viele philosophische Fragen in spannenden Geschichten behandelt werden.

In Schweden war der Zehnteiler so erfolgreich, dass jetzt über eine Fortsetzung nachgedacht wird.

Arte zeigt die Serie in Doppelfolgen.

Lars Lundström schrieb mehrere Drehbücher für „Mankells Wallander“.

Mit Andreas Wilson, Lisette Pagler, Pia Halvorsen, Johan Paulsen, Natalie Minnevik, Kåre Hedebrant

Hinweise

Arte über „Real Humans“

STV über „Real Humans“

Wikipedia über „Real Humans“ (englisch, schwedisch)

 


TV-Tipp für den 3. April: Whatever Works

April 3, 2013

Arte, 20.15

Whatever Works (USA 2009, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Dass Woody Allen das Skript für „Whatever Works“ bereits in den frühen Siebzigern schrieb, merkt man an einigen Stellen und oft wirkt „Whatever Works“ wie ein abgefilmtes Theaterstück, aber whatever, it works. Denn der schlechtgelaunte Misanthrop Boris Yellnikoff, der fast den Physik-Nobelpreis bekommen hätte und jetzt in Manhattan versucht, geistigen Tieffliegern (also eigentlich alle, die nicht Boris Yellnikoff heißen) Schach beizubringen, lässt seinen Welthass an der gesamten Nachbarschaft und auch den Zuschauern, die er direkt anspricht, aus. Bis er Melody kennen lernt, die wahrlich keine Intelligenzbestie ist.

Spaßige Unterhaltung

mit Larry David, Evan Rachel Wood, Patricia Clarkson, Adam Brooks, Henry Cavill, Ed Begley jr.

Wiederholung: Donnerstag, 4. April, 13.55 Uhr

Hinweise

Film-Zeit über „Whatever Works“

Metacritic über „Whatever Works“

Rotten Tomatoes über „Whatever Works“

Wikipedia über „Whatever Works“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Meine Besprechung von Woody Allens „To Rome with Love“ (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Woody Allen in der Kriminalakte