Neu im Kino/Filmkritik: „Harodim – Nichts als die Wahrheit?“ oder Nur eine weitere Lüge?

November 8, 2012

Lazarus Fell, totgeglaubter Navy Seal und Spezialist für verdeckte Operationen, ist am Ziel seiner jahrelangen Suche: vor ihm sitzt in einem Raum unterhalb der Wiener U-Bahn der Terrorist, der für den Tod seines Vaters, den hochrangigen Geheimdienst-Mitarbeiter Solomon Fell, während des Anschlags auf das World Trade Center verantwortlich ist. Bevor Lazarus Fell ihn umbringt, will er ein Geständnis von ihm. Und der Terrorist (der im Film zwar keinen Namen hat, aber verdächtig an Osama Bin Laden mit besserer Frisur erinnert) beginnt zu erzählen. Danach waren die amerikanischen Geheimdienste in den Anschlag involviert.

Lazarus fragt sich, ob er nur eine erfundene Geschichte hört oder ob der Terrorist (sehr einnehmend von Michael Desante gespielt) ihm die Wahrheit sagt.

Regisseur Paul Finelli unterlegt das Verhör und vor allem die Enthüllungen des Terroristen mit Nachrichtenbildern und Fotografien, die dem gesagten eine zusätzliche Dimension verleihen. So muss der Terrorist, wenn man die Zeichen deuten kann, keine Namen nennen, um seine bis weit in die Vergangenheit zurückreichende Verschwörungstheorie zu belegen.

Aber seine Erzählung, die später von einem Kronzeugen („Easy Rider“ Peter Fonda) um ein, zwei Drehungen ergänzt wird, läuft von der ersten Sekunde an auf die altbekannte Verschwörungstheorie hinaus, dass sowieso alles von geheimen Mächten im Hintergrund (den, wie ein Blick auf einen Dollar-Schein verrät, Illuminaten) gesteuert wird und hier wird das neunzigminütige Kammerspiel mit drei Personen schnell langweilig. Denn als der Terrorist mit seinem Geständnis beginnt, ist die Pointe unangenehm offensichtlich und Regisseur Paul Finelli bemüht sich über den gesamten Film, dies möglichst oft zu sagen.

Harodim – Nichts als die Wahrheit? (Österreich 2012)

Regie: Paul Finelli

Drehbuch: Paul Finelli

mit Travis Fimmel, Michael Desante, Peter Fonda

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

harodim-derfilm.polyband.de

Film-Zeit über „Harodim“


TV-Tipp für den 8. November: Following

November 8, 2012

Arte, 21.55

Following (GB 1998, R.: Christopher Nolan)

Drehbuch: Christopher Nolan

In London verfolgt der Schriftsteller Bill Passanten. Einer von ihnen ist der Einbrecher Cobb, der ihn entdeckt und zum Komplizen macht.

Überzeugendes, für sehr wenig Geld gedrehtes Neo-Noir-Regiedebüt von Nolan, der danach „Memonto“, „Insomnia“, „Prestige“, „Inception“ und die letzten drei Batman-Filme drehte.

„In den Thriller-Elementen etwas überzogen, kündigt sich in dem Debütfilm eindrucksvoll das Talent des Regisseurs zu komplexen Verwirrspielen an.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Jeremy Theobald, Alex Haw, Lucy Russell, John Nolan

Wiederholung: Mittwoch, 14. November, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Following“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Following“

Rotten Tomatoes über „Following“

Christopher-Nolan-Fanseite

Drehbuch “Following” von Christopher Nolan


DVD-Kritik: Gina Gershon ist „Breathless“

November 7, 2012

Lorna (Gina Gershon) glaubt, dass ihr Mann Dale (Val Kilmer) eine Bank ausgeraubt hat. Er beteuert zwar seine Unschuld, aber das tut der notorische Lügner sowieso immer. Mitten im Wortgefecht löst sich ein Schuss (Val Kilmers Auftritt ist nach wenigen Minuten beendet) und Lorna will zusammen mit ihrer besten Freundin Tiny (Kelli Giddish) die Leiche in der Wüste zu vergraben und mit der Beute Texas verlassen. Doch dann klopft Sheriff Cooley (Ray Liotta), der ebenfalls Dale als Bankräuber verdächtigt, an die Tür des riesigen Trailers, der in einem einsamen Tal zu einem Wohnhaus umfunktioniert wurde. Lorna kann ihn abwimmeln, aber jetzt müssen die beiden Südstaaten-Schönheiten Dales Leiche in der Wohnung zerstückeln.

Währenddessen beobachtet Cooley von einem Hügel aus Dales Haus.

Breathless – Immer Ärger mit Dale“ ist eine Schwarze Komödie, die in der Tradition der Coen-Brüder und Quentin Tarantinos stehen will, aber „Breathless“ ist, trotz einiger gelungener Momente, einfach nicht witzig. Die Geschichte ist weniger schwarzhumorig, als geschmacklos-abgeschmackt. Die unsympathisch-dummen Charaktere sind uns herzlich egal. Dafür ist die Geschichte einfach zu unlogisch (Herrje, es hätte ein kleiner, guter schwarzhumoriger Noir werden können, aber in „Breathless“ gibt es einfach zu viele Zufälle und Twists, die sich im Nachhinein als Bullshit herausstellen.) und die Charaktere sind zu sprunghaft. Besonders die beiden Hauptdarstellerinnen Gina Gershon und Kelli Giddish nerven mit ihrem exaltiertem Gehabe. So muss Gina Gershon, die hier endlich mal wieder eine Hauptrolle hat und sich überzeugend in eine dieser aufgetakelten Südstaaten-Schönheiten verwandelte, von Szene zu Szene ihren Charakter vollkommen anders anlegen. Fast so, als habe man zwei, drei Filme von ihr zusammengeschnitten.

Kelli Giddish hinterlässt als hysterische Blondine, die dann aber doch Dale mit einem elektrischem Küchenmesser zerstückelt, keinen tieferen Eindruck.

Wayne Duvall hat einen kurzen, herrlich grotesken Auftritt, der aber auch eine „geschnittene Szene“ aus dem Debütfilm „Blood Simple“ der Coen-Brüder sein könnte.

Also: besser noch einmal „Blood Simple“ oder „Bound“ (mit Gina Gershon und Jennifer Tilly) ansehen und auf den nächsten Gina-Gershon-Film warten.

Breathless – Immer Ärger mit Dale (Breahtless, USA 2012)

Regie: Jesse Baget

Drehbuch: Jesse Baget, Stefania Moscato

mit Gina Gershon, Kelli Giddish, Wayne Duvall, Val Kilmer, Ray Liotta

DVD

Ascot Elite

Bild: 2.35:1/16:9

Ton: Deutsch (DTS 5.1/Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Originaltrailer, Wendecover

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Facebook-Seite zum Film

Rotten Tomatoes über „Breathless“

Examiner: Interview mit Jesse Baget und Kelli Giddish über „Breathless“ (13. August 2012)

The Movie Pool: Interview mit Jesse Baget über „Breathless“  (28. September 2012)

 


TV-Tipp für den 7. November: About Schmidt

November 7, 2012

Kabel 1, 20.15

About Schmidt (USA 2002, R.: Alexander Payne)

Drehbuch: Alexander Payne, Tim Taylor

LV: Louis Begley: About Schmidt, 1997 (Schmidt)

Warren Schmidt ist ein verwitweter Pensionär, der sich jetzt in seinem Wohnmobil, quer durch die USA, auf den Weg zu seiner Tochter und ihrer Hochzeit macht. Denn ihm gefällt ihr Künftiger nicht.

Schönes, melancholisches Roadmovie, das natürlich ein Jack-Nicholson-Starvehikel ist, der hier einen absoluten Biedermann (Angestellter einer Versicherungsgesellschaft!) spielt.

mit Jack Nicholson, Kathy Bates, Hope Davis, Dermot Mulroney

Hinweise

Metacritic über „About Schmidt“

Rotten Tomatoes über „About Schmidt“

Wikipedia über „About Schmidt“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alexander Paynes „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ (The Descendants, USA 2011, mit George Clooney)

Alexander Payne in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 6. November: Sons of Anarchy

November 6, 2012

Kabel 1, 22.30

Sons of Anarchy: Sam Crow/Krematorium (USA 2008, R.: Allen Coulter, Michael Dinner [Episode 1], Charles Haid [Episode 2])

Drehbuch/Erfinder: Kurt Sutter

Es hat verdammt lange gedauert, bis die in den USA überraschend erfolgreiche TV-Serie „Sons of Anarchy“ ihren Weg ins deutsche TV gefunden hat. Dass in den vergangenen Monaten bei MyVideo eine Million User die erste Staffel ansahen und damit die Serie zu einem Hit auf der Plattform machten, half sicher auch. Denn für die deutschen Zuschauer dürfte „Sons of Anarchy“ irgendwo zwischen den „Sopranos“, „Breaking Bad“, „Justified“, „24“, „The Shield“, „Blue Bloods“ und „True Blood“ liegen: also im Bermuda-Dreieck der hochgelobten Serien, die hier nicht ihr Publikum finden. Denn während diese Serien in den USA erfolgreich und entsprechend langlebig sind, wird bei uns teilweise schon nach wenigen Folgen (zuletzt „Blue Bloods“) die Ausstrahlung eingestellt oder die Serie wandert auf einen extrem publikumsunfreundlichen Sendeplatz.

Auch „Sons of Anarchy“ könnte es, obwohl Kabel 1 jetzt die erste Staffel in Doppelfolgen ausstrahlt, so ergehen.

In den USA läuft schon die fünfte Staffel der von Kurt Sutter („The Shield“) erfundenen Serie über die Outlaw-Bikergang „Sons of Anarchy“, die die kalifornische Kleinstadt Charming beherrschen. Während Clarence ‚Clay‘ Morrow und Gemma Teller Morrow (ein wahres Muttertier) die Bikergang mit eiserner Hand steuern, fragt ihr Sohn Jackson ‚Jax‘ Teller sich, ob die „Sons of Anarchy“ noch dem Ethos des Gründers folgen.

Und wir erhalten einen ziemlich tiefen Einblick in die Welt der Outlaw Biker.

mit Charlie Hunnam (Jackson ‚Jax‘ Teller), Ron Perlman (Clarence ‚Clay‘ Morrow), Katey Sagal (Gemma Teller Morrow), Mark Boone Junior (Robert Munson), Kim Coates (Alex ‚Tig‘ Trager), Tommy Flanagan (Filip ‚Chibs‘ Telford), Maggie Siff (Tara Knowles), Theo Rossi (Juan Carlos ‚Juice‘ Ortiz), Dayton Callie (Chief Wayne Unser), Ryan Hurst (Harry ‚Opie‘ Winston), William Lucking (Piermont ‚Piney‘ Winston)

Wiederholung: Mittwoch, 7. November, 01.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

FX über „Sons of Anarchy“

Wikipedia über „Sons of Anarchy“ (deutsch, englisch)

Tagesspiegel über „Sons of Anarchy“


DVD-Kritik: Die grandiose italienische Krimiserie „Romanzo Criminale – Staffel 1“

November 5, 2012

Ich würde diese Besprechung gerne mit dem Satz „’Romanzo Criminale‘ ist die beste italienische Serie seit…“ beginnen, aber die einzige italienische Serie, die mir jetzt einfällt, ist „Allein gegen die Mafia“ und meine Erinnerung daran ist sehr schwammig.

Wobei der Vergleich mit „Allein gegen die Mafia“ gar nicht so schlecht ist. Denn in „Romanzo Criminale“ geht es um die drei römischen Kleingangster Pietro, der „Libanese“ (Francesco Montanari), Freddo (Vinicio Marchioni) und Dandi (Alessandro Roja), die 1977 beschließen, zusammen zu arbeiten. Damals gab es in Rom viele kleine Gangsterbanden, die sich mit kleinen Coups über Wasser hielten. Die Mafia und andere OK-Gruppen ließen Rom links liegen.

Der Libanese, so etwas wie der Kopf der entstehenden Bande, kann die anderen Verbrecher überzeugen, bei der Entführung eines Barons zusammen zu arbeiten. Die Kooperation zwischen den auf ihrer Autonomie bedachten Bandenmitgliedern, gestaltet sich schwierig. Aber als sie das Lösegeld vor sich haben, sind sie begeistert. So viel Geld haben sie noch nie gesehen. Der Libanese schlägt ihnen vor, die Beute nicht auszugeben, sondern in künftige gemeinsame Coups zu investieren. Sie stimmen zu und in den nächsten Folgen der brutalen TV-Serie „Romanzo Criminale“ erleben wir ihren Aufstieg und auch die ersten Zerfallserscheinungen.

Kommissar Scialoja (Marco Bocci) ist ihnen dabei von Anfang an auf der Spur. Denn zufällig sah er bei einer Observation, dass die eigentlich verfeindeten Bandenführer Pietro und Freddo anscheinend gemeinsam einen Coup durchziehen. Scialoja glaubt, dass er den Beginn einer neuen Form von Gangstertum für Rom sieht. Er verfolgt sie so unerbittlich, wie es ihm innerhalb einer korrupten Polizei und eines Staates, der auch mit Verbrechern zusammen arbeitet, möglich ist. Denn seine Vorgesetzten glauben ihm zunächst nicht.

Das ist großes Kino, das das Herz des Genrejunkies erfreut und, wie schon die Hollywood-Gangsterfilme aus den dreißiger Jahren und die italienischen Polit-Thriller der siebziger Jahre basiert die Geschichte von „Romanzo Criminale“ auf Tatsachen. Im Pressetext steht dazu:

„Romanzo Criminale“ rekapituliert den Aufstieg und Fall einer römischen Verbrecherbande namens „Banda Della Magliana“. Die Gang existierte tatsächlich und war vor allem zwischen 1977 und 1983 aktiv. Sie zeichnete sich verantwortlich für zahlreiche Banküberfälle, Überfälle auf Geldtransporter, Drogen- und Waffenhandel, Glücksspiel und Prostitution, später auch Entführungen, Bombenanschläge. Operationsgebiet war zunächst Rom, dann das gesamte italienische Territorium. Aus den Anfängen einer Bande von Kleinkriminellen entwickelte sich mit der Zeit eine der einflussreichsten und gefährlichsten Gruppierungen Organisierter Kriminalität Italiens, mit Querverbindungen zur Mafia, zur Camorra, aber auch zum italienischen Geheimdienst und diversen Geheimlogen.

Den Sprung von Kleinkriminellen zu Gangstern großen Kalibers leistete die „Banda“ mit der Entführung eines Grafen Ende der 70er-Jahre – gleichzeitig auch der Beginn einer Reihe lukrativer Entführungsfälle für die Verbrecherbande. Anfang der 80er-Jahre war die „Banda“ auch in politisch motivierten, kriminellen Taten verwickelt und erhielt damit eine neue Dimension. Zu den spektakulärsten Aktionen gehörte die versuchte Erpressung der Bank des Vatikans!

Der Niedergang der „Banda Della Magliana“ wurde eingeleitet mit den ersten Geständnissen eines Bandenmitgliedes 1983. In der Folge kam es zu Rachefeldzügen innerhalb der Gang, die Mitglieder bekämpften sich gegenseitig. Der letzte Boss der Bande wurde 1992 im südamerikanischen Caracas festgenommen. Dank seiner Geständnisse konnten die „Banda Della Magliana“ schließlich endgültig bekämpft und insgesamt 55 Bandenmitglieder hinter Gitter gebracht werden.

Romanzo Criminale“ basiert auf dem gleichnamigem Roman von Giancarlo De Cataldo, der bereits 2005 von Michele Placido („Allein gegen die Mafia“) verfilmt wurde. Drei Jahre später folgte die deutliche längere TV-Version und die erste „Romanzo Criminale“-Staffel (von zwei) zeichnet über elf Stunden ein reichhaltiges und stimmiges Bild der damaligen Zeit und der damaligen Probleme der italienischen Gesellschaft und des Staates, wie der auch in der Serie angesprochenen Entführung von Aldo Moro, und der Verflechtungen zwischen Staat, Geheimdiensten und Verbrechern, die sich fröhlich und ohne erkennbare Skrupel gegen linke Bewegungen und linke Terroristen vereinigten. So wird die Verbrecherbande vom Geheimdienst um Hilfe bei der Suche nach Aldo Moro gebeten. Für sie wird ihre Hilfe auch das Ticket zum Schutz des Staates vor polizeilichen Ermittlungen, die ihre Geschäfte stören könnten. Das ist so zynisch, wie wahr.

Auch in der Ausstattung, der Kleidung, den Frisuren, den Autos, der Bildgestaltung und den Farben werden die siebziger Jahre und der Stil der damaligen Filme heraufbeschworen. Allerdings – und das fällt immer dann auf, wenn man sich wieder einen der damaligen Filme ansieht – ist die Kameraarbeit mit dem derzeit trendigen Dokumentarfilmstil, die oft gewählten Bildausschnitte und, vor allem die Schnittfrequenz up to date.

Romanzo Criminale“ ist das, was „Im Angesicht des Verbrechens“ gerne gewesen wäre.

Am Ende der ersten Staffel, die mit dem Tod von einem der Verbrecher endet, ist die Neugier auf die zweite und auch letzte Staffel von „Romanzo Criminale“ geweckt. Sie erscheint Anfang Dezember.

Romanzo Criminale (Romanzo Criminale, Italien 2008)

Regie: Stefano Sollima

Drehbuch: Daniele Cesarano, Barbara Petronio, Leonardo Vaelnti, Paolo Marchesini

LV: Giancarlo De Cataldo: Romanzo Criminale, 2002 (Romanzo Criminale)

mit Francesco Montanari, Vinicio Marchioni, Alessandro Roja, Marco Bocci, Daniela Virgilio, Andrea Sartoretti, Mauro Meconi, Riccardo De Filippis, Lorenzo Renzi

DVD

Edel

Bild: 19:9 (PAL)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0 & 5.1), Italienisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 661 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Romanzo Criminale“ und über Giancarlo De Cataldo

Krimi-Couch über Giancarlo De Cataldo

 

 


TV-Tipp für den 5. November: Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit

November 5, 2012

Kabel 1, 20.15

Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit (USA 2003, R.: Carl Franklin)

Drehbuch: David Collard

Matt Whitlock schiebt als Polizeichef von Banyan Key eine ruhige Kugel in dem Sunshine State Florida. Seine verheiratete Geliebte Ann verzuckert seinen Alltag. Als sie unheilbar an Krebs erkrankt und ihn als Begünstigten in ihre Lebensversicherung einsetzt, will er ihr helfen. Er gibt ihr die seinem Polizeisafe gebunkerte halbe Million Dollar Drogengeld. Wenige Stunden später sind sie und ihr Mann tot. Sie wurden ermordet und anschließend verbrannt. Whitlocks Ex Alex leitet die Ermittlungen. Alle Beweise deuten auf den unbekannten Geliebten als Mörder. Matt Whitlock muss daher das Komplott aufdecken, bevor er als Mörder verhaftet wird.

Für Genre-Junkies ist der wunderschön entspannte Florida-Noir-Thriller „Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit“ ein Festschmaus.

Collard schrieb ein wendungsreiches, kunstvoll die Balance zwischen Tradition und Innovation haltendes, Drehbuch. Franklin setzte es punktgenau um. Das Ensemble, angeführt von dem immer guten Denzel Washington, spielte genussvoll auf. Gerade die vielen Nebendarsteller, wie der Pathologe (als Sidekick des Helden ist er natürlich sehr wichtig), die Untergebenen von Alex und Matt, die DEA-Agenten, der Hotelchef und die ältere Zeugin, hatten prächtige Auftritte. Die Stuntmen durften vor allem bei einem Kampf auf Leben und Tod an einem Balkongitter im siebten Stock eines Hotels ihr Können zeigen. Die Aufnahmen Florida, besonders der Sonnenuntergängen, sind traumhaft und die Musik von Graeme Revell gibt allem einen entspannt-südamerikanischen Touch.

Mit Denzel Washington, Eva Mendes, Salma Latham, Dean Cain, John Billingsley

Wiederholung: Dienstag, 6. November, 00.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Out of Time“

Wikipedia über „Out of Time“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 4. November: Es war einmal in Amerika

November 4, 2012

Arte, 20.15

Es war einmal in Amerika (USA/I 1984, R.: Sergio Leone)

Drehbuch: Leonardo Benvenuti, Piero De Bernardi, Enrico Medioli, Franco Arcalli, Franco Ferrini, Sergio Leone, Stuart Kaminsky (zusätzliche Dialoge), Ernesto Gastaldi (ungenannt)

LV: Harry Grey: The Hoods, 1952

Buch zum Film: Lee Hays: Once Upon a Time in America, 1984 (Es war einmal in Amerika)

Kamera: Tonino Delli Colli

Musik: Ennio Morricone

Ein grandioses Gangsterdrama: die Geschichte von Freundschaft und Verrat – erzählt in wunderschönen Bildern und in einer komplexen Struktur, die lose auf dem autobiographischen Buch von Harry Grey basiert. Leone meinte, im Drehbuch seien nur zehn bis zwanzig Prozent des Buches geblieben.

Mit Robert de Niro, James Woods, Joe Pesci, Treat Williams, Burt Young, Elizabeth McGovern

Wiederholung: Dienstag, 6. November, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Antiquarischer Buchtipp: Zum Filmstart erschien im Bastei-Lübbe-Verlag das Buch zum Film mit Hays’ Roman, vielen Filmbildern (SW und Farbe), einem Sergio-Leone-Porträt von Andreas Kern und einem Text von Leone über den Film. So machen „Bücher zum Film“ Spaß.

Hinweise

Wikipedia über “Es war einmal in Amerika” (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über “Once upon a time in America”

Fanseite zum Film

Sternstunde der Filmgeschichte über “Es war einmal in Amerika”

 


TV-Tipp für den 3. November: Hostage – Entführt

November 3, 2012

Sat.1, 22.45

Hostage – Entführt (USA 2005, R.: Florent Emilio Siri)

Drehbuch: Doug Richardson

LV: Robert Crais: Hostage, 2001 (Hostage – Entführt)

LAPD-Verhandlungsexperte Jeff Talley schiebt in einer Kleinstadt eine ruhige Kugel. Da nehmen drei Jugendliche einen Mafia-Buchhalter und dessen Kinder als Geisel. Talley muss, nachdem die Mafia seine Frau und Tochter entführt, wieder verhandeln.

Okayer Geiselnahmethriller mit einem irgendwo zwischen Italo-Western und Horrorfilm oszillierendem Look und einigen hübschen Twists, wie der doppelten Geiselnahme und den sich verändernden Loyalitäten. Allerdings ist das Buch gerade bei dem Mafia-Plot glaubwürdiger. Und wer wissen will, wie die Polizei verhandelt, sollte auch zu dem Buch greifen.

Der Film ist nur die bleihaltige Action-Variante davon.

Mit Bruce Willis, Kevin Pollak, Jimmy Bennett, Michelle Horn, Ben Foster, Jonathan Tucker, Marshall Allman, Serena Scott Thomas, Rumer Willis (Tochter von Bruce Willis), Kim Coates, Robert Knepper

Wiederholung: Sonntag, 4. November, 03.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Robert Crais

Wikipedia über Robert Crais

Drehbuch „Hostage“ von Robert Crais (29. März 2002, early draft – Crais schrieb nach seinem Roman ein Drehbuch, das später von anderen Autoren umgearbeitet wurde.)

Meine Besprechung von „Set Up“ (Setup, USA 2011, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von „The cold Light of the Day“ (The cold Light of the Day, USA 2011, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von „Lady Vegas“ (Lay the Favorite, USA/GB 2012, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von „The Expendables“ (The Expendables, USA 2012, mit Bruce Willis)

Meine Besprechung von „Looper“ (Looper, USA 2012, mit Bruce Willis)

Bruce Willis in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. November: Banks – Der Solist

November 2, 2012

Arte, 20.15

Banks – Der Solist (GB 2010, R.: James Hawes)

Drehbuch: Robert Murphy

LV: Peter Robinson: Aftermath, 2001 (Wenn die Dunkelheit fällt)

East Yorkshire: Bei einem Routineeinsatz stirbt ein Polizist, ein Mann wird ins Koma geprügelt und seine schwerverletzte Frau landet im Krankenhaus. Im Keller des Einfamilienhauses entdecken die Polizisten vier Mädchenleichen – und DCI Alan Banks will von dem im Koma liegendem Mann (einem Lehrer) erfahren, wo ein fünftes verschwundenes Mädchen und wer sein Helfer ist.

In „Aftermath“ (so der Originaltitel) hat der von Peter Robinson erfundene DCI Banks seinen ersten Filmauftritt. Inzwischen ist „DCI Banks“ (so der Serientitel) in England in Serie gegangen. Ob diese Folgen, die alle auf Romanen von Peter Robinson basieren, auch bei gezeigt werden, ist noch unklar.

Der erste Fall, der bei uns unter dem dümmlichen Titel „Banks – Der Solist“ läuft, ist ein spannend-düsterer Polizeithriller, der Genrejunkies gefallen wird: komplexe Charaktere, gute Wendungen und ein zwiespältiges Ende. Die Lösung ist allerdings ziemlich vorhersehbar und im zweiten Teil wird es, wegen der vielen Plotlinien, etwas hektisch. „DCI Banks: Aftermath“ hat nicht die Qualität von „Luther“ (die sich von Folge zu Folge steigerte) oder „Sherlock“ (von der ersten Sekunde an grandios), aber besser als unsere handelsüblichen „Tatorte“ ist „DCI Banks“ allemal.

mit Stephen Tompkinson, Andrea Lowe, Charlotte Riley, Sian Breckin, Monica Dolan, Lorraine Bourroughs, Colin Tierney

Hinweise

Arte über „Banks – Der Solist“

Crime Time Preview über „DCI Banks“

Homepage von Peter Robinson

Krimi-Couch über Peter Robinson

Wikipedia über Peter Robinson (deutsch, englisch) und „DCI Banks“

Und nun ein Wort vom Autor Peter Robinson über DCI Alan Banks


TV-Tipp für den 1. November: Topas (als Teil des Thementages „Undercover“)

November 1, 2012

Als Teil des heutigen 3 Sat-Thementages „Undercover“ (gezeigt werden in einem bunten Mix aus Dokumentationen und Spielfilmen unter anderem „Spion zwischen zwei Fronten“, „Der gefährlichste Mann der Welt“ und „Gladio – Geheimarmee in Europa“)

3 Sat, 20.15

Topas (GB 1969, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Samuel Taylor

LV: Leon Uris: Topaz, 1967 (Topas)

Kalter Krieg, Kuba, Castro, CIA, KGB und die Frage: Wer ist der Verräter?

Schwacher Agententhriller von Hitchcock.

Mit Frederick Stafford, Karin Dor, Michel Piccoli, Philippe Noiret

Wiederholung: Freitag, 2. November, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Topas“ (deutsch, englisch)

Cinematic: Plakate und Aushangfotos zu “Topas”

Parallax View: Richard T. Jameson über “Topas”


Neu im Kino/Filmkritik: Daniel Craig, James Bond, „Skyfall“ und M

Oktober 31, 2012

Skyfall“, der neue James-Bond-Film mit Daniel Craig als Geheimagent ihrer Majestät, ist nach dem Desaster „Ein Quantum Trost“ (A Quantum Solace) nicht nur eine Rückkehr zur alten Stärke, sondern „Skyfall“ ist auch der beste Craig-Bond und er steht definitiv im oberen Drittel der James-Bond-Filme.

Allerdings ist er mit 143 Minuten etwas zu lang geraten. Neben „Casino Royale“ (144 Minuten) und „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (On her Majesty’s Secret Service, 142 Minuten) gehört er zu den längsten Bond-Filmen.

Und, was für Bond-Fans schlimmer ist: es gibt letztendlich keine Bondine. Es gibt zwar zwei junge, gutaussehende Frauen, aber deren Rollen sind arg kurz geraten und zur Handlung tragen sie auch wenig bei; – wobei Eve (Naomi Harris), eine MI6-Kollegin von James Bond, ihren großen Auftritt am Filmanfang hat, wenn sie Bond erschießt. Es war zwar ein bedauerlicher Fehler, aber M (Judi Dench) muss in London betrübt den Nachruf auf ihren besten Agenten schreiben und um ihren Job als Geheimdienstchefin kämpfen.

Denn in Istanbul sollten Bond und Eve verhindern, dass eine Datei mit den Namen aller Undercover-Agenten, die in Terrororganisationen sind, in die falschen Hände fällt. Sie versagen – und wir können einen grandiosen zwölfminütigen Actionauftakt, der mit dem Tod von James Bond endet, erleben.

Danach wird es ruhiger, bis Terroristen die Computer von MI6 infiltrieren und in Ms Büro eine Bombe zünden.

Als Bond davon hört, meldet er sich zurück zum Dienst und er hat auch gleich eine heiße Spur zu einem der Killer, der ihn in Istanbul mit einer speziellen Munition angeschossen hat. Der eiskalter Killer hat in Shanghai einen neuen Auftrag – und mehr soll hier von der Handlung nicht verraten werden.

Jedenfalls gibt es wieder prächtige Schauplätze, auch wenn sich nicht alle als Urlaubsort eignen, angenehm altmodisch gefilmte Action und mit Javier Bardem einen herrlich exaltierten Bösewicht, der wirklich ‚larger than life‘ ist und als ehemaliger MI6-Agent eine persönliche Rechnung mit M begleichen will. Es gibt einige Diskussionen über das Wesen und die Zukunft der Geheimdienste und eine bislang ungeahnte psychologische, fast schon psychopathologische Grundierung der Geschichte. Denn vor allem James Bond nennt seine Vorgesetzte fast immer „Ma’am“ und es hört sich, in der Originalversion, durchaus gewollt, wie „Mutter“ an. Regisseur Sam Mendes („American Beauty“, „Road to Perdition“) ist der richtige Mann, um dem Charakter James Bond eine bislang nicht vermisste Tiefe zu verleihen und trotzdem der Action genug Raum zu geben.

Es gibt einen Schlusskampf im malerischen Schottland, der wirklich so auch schon zu Sean Connerys Zeiten hätte stattfinden können und ein Filmende, das ein Ende der psychologischen Phase andeutet. Denn bei aller Liebe zu psychologischen Vertiefungen ist der Film-James-Bond doch immer ein jetsettender Playboy, der das Leben genießt und der während seiner Arbeit eine eskapistische Spur der Verwüstung hinterlässt. Vor allem, wenn in den letzten Filmminuten die riesige Zentrale des größenwahnsinnigen Bösewichts zerstört wird.

Der nächste James-Bond-Film könnte wirklich wieder ein altmodischer Kampf gegen einen Superschurken sein. Mir würde das jedenfalls gefallen.

Skyfall (Skyfall, GB/USA 2012)

Regie: Sam Mendes

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade, John Logan

LV: Charakter von Ian Fleming

mit Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Ralph Fiennes, Naomie Harris, Bérénce Marlohe, Ben Whishaw, Albert Finney,Rory Kinnear, Ola Rapace

Länge: 143 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Skyfall“

Metacritic über „Skyfall“

Rotten Tomatoes über „Skyfall“

Wikipedia über „Skyfall“ (deutsch, englisch – Vorsicht: es werden wichtige Teile der Handlung verraten!)

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 31. Oktober: Frankenweenie

Oktober 31, 2012

Arte, 14.25

Frankenweenie (USA 1984, R.: Tim Burton)

Drehbuch: Lenny Ripps (nach einer Idee von Tim Burton)

Der Junge Victor Frankenstein (der Name verpflichtet!) will seinen toten Hund Sparky wieder ins Leben zurückholen.

Es dauert zwar noch einige Tage, bis Tim Burtons grandioser Spielfilm „Frankenweenie“ am 24. Januar 2013 in unseren Kinos anläuft, aber bis dahin können wir den Original-“Frankenweenie“, einen halbstündigen Kurzfilm, den er vor seinen Spielfilmen inszenierte, ansehen.

Frankenweenie“ ist eine Liebeserklärung an die klassischen SW-Horrorfilme.

Ende Dezember/Anfang Januar zeigt Arte noch einige weitere Filme von Tim Burton.

mit Shelly Duvall, Daniel Stern, Barret Oliver, Joseph Maher, Paul Bartel

Hinweise

Arte über „Frankenweenie“

Wikipedia über „Frankenweenie“ (deutsch, englisch)

Tim Burton in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 30. Oktober: Goldeneye – Der Mann, der James Bond war

Oktober 30, 2012

3sat, 20.15

Goldeneye – Der Mann, der James Bond war (GB 1989, R.: Don Boyd)

Drehbuch: Reg Gadney

LV: John Pearson: The Life of Ian Fleming, 1966

TV-Biopic über Ian Fleming, den Erfinder von James Bond und dessen abenteuerliches Leben.

Im Anschluss gibt es um 22.00 Uhr die halbstündige Doku „Der Mann, der 007 war“.

mit Charles Dance, Phyllis Logan, Lynsey Baxter, Patrick Ryecart

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Goldeneye – Der Mann, der James Bond war“

Homepage von Ian Fleming

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen „Casino Royale“, „Leben und sterben lassen“ und „Moonraker“

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 29. Oktober: Der Manchurian Kandidat

Oktober 29, 2012

Kabel 1, 20.15

Der Manchurian Kandidat (USA 2004, R.: Jonathan Demme)

Drehbuch: Daniel Pyne, Dean Georgaris

LV: Richard Condon: The Manchurian Candidate, 1959 (Botschafter der Angst, Der Manchurian Kandidat)

Der weltumspannende Konzern “Manchurian Global” hat einer Golfkrieg-I-Einheit falsche Erinnerungen implantiert. So wollen sie den vielversprechenden Politiker Raymond Shaw ins Weiße Haus bringen. Doch Shaws ehemaliger Vorgesetzter Ben Marco zweifelt an seinen Erinnerungen und will die Wahrheit herausfinden.

Gut besetztes Remake des Kalter Krieg-Klassikers „Botschafter der Angst“. Etliche der Nebendarsteller sind aus anderen Zusammenhängen oder aus verschiedenen hochkarätigen TV-Serien und Filmen bekannt. Der Film selbst ist gut – obwohl für mich die Prämisse heute schlechter funktioniert als vor über vierzig Jahren, als Frank Sinatra die Rolle von Denzel Washington spielte. Davon abgesehen gibt es zahlreiche grandiose Szenen (ich sage nur Meryl Streep), eine beeindruckende Vision des zu viels an Informationen, überraschende Verknüpfungen von Szenen und eine träumerische Stimmung. Fast immer könnte es sein, dass Ben Marco aus einem Alptraum aufwacht.

Insgesamt ist der Polit-Thriller „Der Manchurian Kandidat“ ein gelungenes, eigenständiges Remake, das besonders beim porträtieren der Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft ein gespenstisches Bild der USA entwirft.

Mit Denzel Washington, Meryl Streep, Liev Schreiber, Jon Voight, Kimberly Elise, Jeffrey Wright, Bruno Ganz, Vera Farmiga, Robyn Hitchcock (eigentlich Musiker), Al Franken (als TV-Interviewer fast als er selbst), Paul Lazar, Roger Corman, Zeljko Ivanek, Walter Mosley (eigentlich Krimiautor), Charles Napier, Jude Ciccolella, Dean Stockwell, Ted Levine, Miguel Ferrer, Sidney Lumet

Hinweise

Film-Zeit über „Der Manchurian Kandidat“

Drehbuch „The Manchurian Candidate“ von Daniel Pyne und Dean Georgaris

Wikipedia über Richard Condon (deutsch, englisch)

Kirjasto über Richard Condon

Wired for Books: Don Swain redet mit Richard Condon (1982, 1986, 1990 – jeweils eine knappe halbe Stunde)


DVD-Kritik: Hercule Poirot hat ein „Rendezvous mit einer Leiche“

Oktober 28, 2012

Zum dritten Mal schrieb Anthony Shaffer (der auch die Drehbücher für „Frenzy“ und „Mord mit kleinen Fehlern“ [Sleuth] schrieb) für eine Agatha-Christie-Verfilmung das Drehbuch und zum dritten Mal spielte Peter Ustinov Hercule Poirot in einem Kinofilm. Nach den ersten beiden Shaffer-Christie-Kinofilmen spielte Peter Ustinov den belgischen Detektiv auch in drei TV-Spielfilmen, aber am bekanntesten sind immer noch die mit mit ihm und einem Staraufgebot vor prächtiger Kulisse prunkenden Verfilmungen „Tod auf dem Nil“ (Death on the Nile, GB 1977) und „Das Böse unter der Sonne“ (Evil Under the Sun, GB 1981).

Für „Rendezvous mit einer Leiche“ wurde dieses Erfolgsrezept einfach wieder aufgekocht und mit Lauren Bacall, Carrie Fisher, John Gielgud, Piper Laurie und David Soul waren auch einige bekannte Namen an Bord. Die Kulisse, zuerst etwas Kreuzfahrtschiff, später das Heilige Land und, hauptsächlich, das Tote Meer (Oh, und in Venedig wurde auch gefilmt), ist prächtig und man hat sich auch wirklich um stimmiges Zeitkolorit bemüht. Denn die Geschichte spielt 1937.

Die Amerikanerin Emily Boynton, ein wahrer Hausdrache, der früher als Gefängniswärterin arbeitete und ihre erwachsenen Kinder entsprechend herumkommandiert, unternimmt mit ihnen nach dem Tod ihres vermögenden Mannes eine Europa- und Levante-Urlaubsreise. Das Klima in der Familie ist noch angespannter als normalerweise, weil sie vor kurzem vom Familienanwalt das Testament ihres Mannes, das ihre Kinder reich gemacht hätte, vernichten ließ; eine Tochter hat eine außereheliche Affäre mit dem Anwalt und ihr Sohn verliebt sich auf der Reise.

Als sie die Ausgrabungen bei Qumran am Toten Meer besuchen, wird sie, während ihre Kinder einen von ihr genehmigten Ausflug in die nahegelegenen Berge unternehmen, ermordet.

Hercule Poirot, der sie bereits während der Reise interessiert beobachtete (und dabei auch einen missglückten Mordanschlag von ihr auf den Anwalt entdeckte), meint, das große Rätsel sei, warum sie nicht schon früher ermordet wurde. Dennoch macht er sich auf die Mördersuche.

Rendezvos mit einer Leiche“ ist die unbekannteste Shaffer/Ustinov-Christie-Verfilmung. Obwohl man sich, auf den ersten Blick, an das bewährte Rezept hielt. Allerdings ist Michael Winner kein Regisseur für einen so betulich-altmodischen Krimi. Er ist der Mann für Genrefilme wie „Ein Mann sieht rot“ und etliche weitere Charles-Bronson-Vehikel, die oft auch ein provozierender Kommentar zur gesellschaftlichen Realität waren. Gerne mit einer satten Portion Action und Sex.

Bei dem „Rendezvous mit einer Leiche“ läuft alles sehr gemütlich nach der vertrauten Rätselkrimiformel ab. Erst in der Filmmitte gibt es den unblutigen Mord, danach befragt Hercule Poirot die Verdächtigen nach ihrem Alibi und am Ende versammelt er alle an einem Ort und enthüllt, nachdem er der Reihe nach fast jedem der Anwesenden ein gutes Motiv und eine gute Gelegenheit für den Mord nachweist, die Identität und das Motiv des Mörders. Wobei in „Rendezvous mit einer Leiche“ eben diese große Überführungsszene an zwei Orten spielt (einmal nachmittags auf einer Terrasse, einmal beim Abendessen in einem Restaurant) und der Täter mittels Suizid die Geschichte beendet.

Das entspricht alles den Erwartungen, die wir an eine gediegene Agatha-Christie-Verfilmung haben, die uns weder mit Sex, noch Gewalt, noch rasanter Action belästigt. Auch die Weltpolitik (immerhin spielt die Geschichte 1937) kommt nicht vor.

Allerdings stört der ständige Unernst der Schauspieler, die niemals den richtigen Ton treffen, und sich daher in einem gelangweilten Überspielen ergehen, und der sehr schwache Rätselplot. Der Mörder ist zwar nicht der Gärtner (weil kein Gärtner dabei ist), aber seine Identität ist arg offensichtlich. Jedenfalls nachdem der Mord geschehen ist.

In meiner Erinnerung waren da der „Tod auf dem Nil“ und „Das Böse unter der Sonne“, für die Anthony Shaffer alleine das Drehbuch schrieb, besser.

Rendezvous mit einer Leiche (Appointment with Death, USA 1988)

Regie: Michael Winner

Drehbuch: Anthony Shaffer, Peter Buckman, Michael Winner

LV: Agatha Christie: Appointment with Death, 1938 (Der Tod wartet; Rendezvous mit einer Leiche)

mit Peter Ustinov, Lauren Bacall, Carrie Fisher, John Gielgud, Piper Laurie, Hayley Mills, Jenny Seagrove, David Soul, Nicholas Guest

DVD

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Trailer, Bildergalerie

FSK: ab 12 Jahre

Länge: 98 Minuten

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Rendezvous mit einer Leiche“

Wikipedia über „Rendezvous mit einer Leiche“ (deutsch, englisch)

Homepage von Agatha Christie

Kirjasto über Agatha Christie

Wikipedia über Agatha Christie (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Agatha Christie


TV-Tipp für den 28. Oktober: The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz

Oktober 28, 2012

SWR, 22.45

The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz (USA 2008, R.: Darren Aronofsky)

Drehbuch: Robert Siegel

Platz 220 in der Top-250-Liste der IMDB, über dreißig Filmpreise erhalten (unter anderem der Goldene Löwe in Venedig), für über dreißig weitere nominiert, Kritikerliebling, und die gloriose Rückkehr von Mickey Rourke als Schauspieler. Er erhielt für seine Rolle unter anderem den Golden Globe und den BAFTA Award und war für den Oscar nominiert.

Die Story: Im semidokumentarischem Stil eines Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Films verfolgt Aronofsky den abgewrackten Wrestler Randy ‘The Ram’ Robinson, dessen Leben nur aus Wrestling besteht. Nach einem Infarkt soll er das Wrestling aufgeben, er versucht einen Neuanfang, will sich mit seiner Tochter aussöhnen und kann doch vom Wrestling nicht lassen.

Großartiges Schauspielerkino, mit einem deutlichen Blick auf das Mainstream-Publikum.

Als nächsten Film drehte Aronofsky den Ballettfilm „Black Swan“, der in vielen Punkten die spiegelbildiche Ergänzung zu „The Wrestler“ ist.

mit Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Wrestler“

Wikipedia über „The Wrestler“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Darren Aronofskys „Black Swan“ (Black Swan, 2010)


TV-Tipp für den 27. Oktober: Asphaltrennen

Oktober 27, 2012

ZDFkultur, 22.15

Asphaltrennen (USA 1971, R.: Monte Hellman)

Drehbuch: Rudolph Wurlitzer, Will Corry, Floyd Mutrux (ungenannt)

Extrem selten gezeigter Kultfilm über einen „Fahrer“ (James Taylor), der mit seinem 55er Chevy über die Highways düst und sich mit „G. T. O.“ (Warren Oates) ein Endlosrennen liefert.

Monte Hellmans „Two-Lane Blacktop“ steht in der Tradition von „Easy Rider“ und „Fluchtpunkt San Francisco“; ist allerdings, weil es lange Zeit Probleme mit Musikrechten gab, wesentlich unbekannter.

Hellmann drehte auch „Ride in the Whirlwind“, „The Shooting“ (beide mit Jack Nicholson) und „Cockfighter“ (nach dem Roman von Charles Willeford, der auch das Drehbuch schrieb).

mit James Taylor, Warren Oates, Laurie Bird, Dennis Wilson, Rudolph Wurlitzer, Jaclyn Hellman, Harry Dean Stanton

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Asphaltrennen“

Turner Classic Movies über „Asphaltrennen“

Wikipedia über „Asphaltrennen“ (deutsch, englisch)

 


„Casino Royale“ – die Version mit Barry Nelson als James Bond

Oktober 26, 2012

Ihr habt ja alle die Jubelfeiern zum fünfzigsten Geburtstag von James Bond mitbekommen. Dabei wurde dann galant ignoriert, dass die Romane von Ian Fleming schon etwas älter sind und dass James Bond bereits 1954 sein Filmdebüt hatte.

Das Filmdebüt hatte allerdings, im Gegensatz zu dem ersten James-Bond-Spielfilm „James Bond – 007 jagt Dr. No“ (Dr. No, GB 1962) von Terence Young mit Sean Connery als Geheimagent ihrer Majestät, keine großen Auswirkungen. Es galt sogar lange Zeit als verschollen, bis der Filmsammler Jim Shoenberger 1981 in Chicago eine Kopie des Films entdeckte. Es handelt sich dabei um ein „Kinesope“, eine mit einer Filmkamera vom Bildschirm abgefilmte Fassung.

Barry Nelson spielte James Bond in dem fünfzigminütigem CBS-TV-Film „Casino Royale“, der am 21. Oktober 1954 als vierter Film des „Climax Mystery Theatre“ ausgestrahlt wurde. In dem Film soll James Bond, wie in dem Roman, in einem Casino den russischen Agenten Le Chiffre (Peter Lorre) am Spieltisch ruinieren.

Der Film spielt eigentlich nur im Casino und Bonds Hotelzimmer – und weil es sich um eine US-Produktion handelt, wurde aus James Bond Jimmy Bond und aus Felix Leiter Clarence Leiter.

Regie führte William H. Brown. Das Drehbuch ist von Antony Ellis und Charles Bennet.

An dem Film gibt es, außer dass es sich um den ersten Filmauftritt von James Bond handelt, nichts bemerkenswertes. Es ist ein typischer Live-TV-Film mit dem Charme eines abgefilmten Theaterstücks.

Für James-Bond-Fans lohnt sich gerade deshalb ein Blick. Die Bildqualität des Films ist bescheiden und wird am Ende noch bescheidener.

Vorhang auf:

P. S.: „Skyfall“, der neue James-Bond-Film, ist ziemlich grandios. Besprechung demnächst.

 


TV-Tipp für den 26. Oktober: Auto Focus

Oktober 26, 2012

Schade, dass die TV-Premiere von diesem Film zu einer so Videorecorderfreundlichen Zeit kommt

Pro7, 03.50

Auto Focus (USA 2002, R.: Paul Schrader)

Drehbuch: Michael Gerbosi, Paul Schrader (ungenannt)

LV: Robert Graysmith: The Murder of Bob Crane, 1993

Tolles Biopic über Bob Crane, der in den Sechzigern als Hauptdarsteller in der erfolgreichen TV-Serie „Hogan’s Heroes“ (Ein Käfig voller Helden) bekannt wurde, sexsüchtig war und 1978 ermordet wurde.

Meisterliche Milieu- und Zeitstudie“ (Lexikon des internationalen Films)

Auto Focus“ ist einer seiner wenigen Filme, zu denen Paul Schrader („Taxi Driver“, „American Gigolo“) nicht auch das Drehbuch schrieb. Wobei das so genau nicht stimmt, wie Schrader in einem Interview sagte: „Ich habe das Ganze auseinander genommen und neu zusammengesetzt. Es gibt eine Bestimmung der Autorengewerkschaft, dass 60 Prozent eines Drehbuchs neu geschrieben sein müssen, wenn man in den Credits aufgelistet werden will. Ich würde sagen, dass mehr als 60 Prozent von mir stammen. Die Gewerkschaft sah es anders. Aber glauben Sie mir: Das Drehbuch, der Film – die stammen von mir.“ (Blickpunkt Film 39/2002)

mit Greg Kinnear, Willem Dafoe, Rita Wilson, Ron Leibman, Maria Bello

Hinweise

Metacritic über „Auto Focus“

Rotten Tomatoes über „Auto Focus“

Wikipedia über „Auto Focus“ (deutsch, englisch)