Gut, das ist jetzt wirklich für die Nachteulen, aber nach fast vier Stunden „Gandhi“
Tele 5, 00.05
Lohn der Angst (F/I 1953, R.: Henri-Georges Clouzot)
Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Jérôme Géronimi
LV: Georges Arnaud: Le salaire de peur, 1952 (Lohn der Angst)
Vier Männer fahren mit einer Ladung Nitro durch den lateinamerikanischen Dschungel.
Klingt langweilig? Ist aber ein Klassiker, der Anfangs das Leben gestrandeter Abenteuerer in den Kolonien extrem genau zeigt, später extrem spannend ist und einen tiefen, illusionslosen Einblick in die menschliche Seele bietet. Eine existentialistische Parabel im Gewand eines Action-Films. – Seine volle Wirkung entfaltet „Lohn der Angst“ allerdings nur auf der großen Leinwand.
Hellmuth Karasek in „Mein Kino – Die 100 schönsten Filme“: „Clouzots Meisterwerk, wahrscheinlich der vollkommenste und geradlinigste Thriller der Filmgeschichte…Clouzot hat hier (gemeint ist der Filmanfang, A. d. V.) als erster gnadenlose Bilder aus der Dritten Welt, ihren kolonialen Strukturen, der vorherrschenden Desperado-Mentalität, der latent homoerotischen Männerbünde, deren letzter Stolz die Frauen- und Eingeborenen-Verachtung ist, eingefangen – lange vor Taverniers Saustall.“
Gezeigt wird eine zweistündige Version des 150-minütigen Films.
ZDFkultur, 22.30 Lost Highway (USA 1997, R.: David Lynch)
Drehbuch: David Lynch, Barry Gifford
Feiner Film von David Lynch, den ich erst kürzlich ausführlich besprochen habe.
mit Bill Pullman, Patricia Arquette, Robert Blake, Balthazar Getty, Robert Loggia, Gary Busey, Michael Massee, Lucy Butler Wiederholung: Sonntag, 29. Januar, 02.20 Uhr (Taggenau!)
Jetzt wurde Alexander Paynes neuer Film „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ für den Oscar in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes adaptiertes Drehbuch“ , „Bester Hauptdarsteller“ und „Bester Schnitt“ nominiert. Außerdem wurde er, so der aktuelle Stand, für 62 weitere Preise nominiert und 34 hat er schon erhalten. Irgendetwas muss Alexander Payne bei seinem neuesten Film richtig gemacht haben.
Dabei erzählt er eine auf den ersten Blick sehr alltägliche Geschichte mit George Clooney in der Hauptrolle als Familienvater und Anwalt Matt King, der für seine große Familie auch ein Stück unberührtes Land verwaltet.
Als eines Tages seine Frau bei einem Bootsunfall verletzt wird und im Krankenhaus im Koma liegt, gerät auch das Leben von Matt aus den gewohnten Bahnen. Denn er muss sich um seine beiden Töchter kümmern. Die siebzehnjährige Alexandra (Shailene Woodley) erlebt gerade ihre erste große Liebe und Matt hält ihren Freund (Nick Krause), wahrscheinlich wie alle Väter, für einen ziemlichen Taugenichts, der sich auch nicht gut benehmen kann. Bei ihrer ersten Begegnung schlägt ihm Matts Schwiegervater (Robert Foster) dem jungen Schnösel daher gleich mit der Faust ins Gesicht.
Matts zweite Tochter Scottie (Amara Miller) ist erst zehn Jahre und, dank ihres Benehmens, lernt er die Eltern ihrer Klassenkameraden auf der Scottie-wird-es-nie-wieder-tun-Entschuldigungstour kennen.
Jetzt muss er für sie beide der Vater sein, der er nie war.
Und dann verrät ihm Alexandra, dass seine Frau ihn betrog. Selbstverständlich will Matt, der bislang an die perfekte Ehe geglaubt hat, wissen, wer der Nebenbuhler ist und er will ihn zur Rede stellen.
Außerdem steht jetzt der Verkauf des seit Generationen vererbten Landes an. Matt und viele Hawaiianer wollen das Grundstück an einen Einheimischen verkaufen. Matts Familie will vor allem einen möglichst hohen Preis erzielen.
Dass diese Familiengeschichte auf Hawaii spielt, verleiht ihr natürlich ein besonders Flair. Denn abgesehen von einigen, oft langlebigen Krimiserien („Hawaii Fünf-Null“, „Magnum“ und die grottige Neuauflage von „Hawaii Five-0“), ist Hawaii weitgehend unerforschtes Land und gerade das interessierte Alexander Payne, wie er mir in einem Gespräch sagte, an „The Descendants“: „Ich wollte eine alte Geschichte an einem neuen Ort erzählen. Denn bis jetzt hat auf Hawaii noch keine Gesellschaftskomödie gespielt.“
Gleichzeitig, weil er vor Ort drehte, intensiv mit der Autorin der Vorlage, Kaui Hart Hemmings, zusammenarbeitete, sich bis in die Details von ihr beraten ließ, die Nebendarsteller und Komparsen mit Einheimischen besetzte und die Musik klug auswählte, entsteht ein Gefühl für das normale Leben der Upper Class im Paradies.
Payne mischt auch schön das Komische mit dem Tragischen, die verschiedenen Plots ergänzen sich gut und trotzdem ist „The Descendants“ ein Film der mich letztendlich eher kalt lässt. Zu klein erscheinen mir die Konflikte. Zu fern sind mir Matt King, seine Familie und ihre Probleme. Und am Ende stellt sich auch ein leichtes Gefühl von „Wozu die ganze Aufregung?“ ein.
Aber natürlich ist so auch das normale Leben. „Banal Patina“ nannte Payne es und das ist wohl, genau wie bei „About Schmidt“, der Grund, warum ich etwas enttäuscht bin. Denn alles ist etwas zu banal, zu wenig absurd (wobei Payne das Absurde in jeder Situation sucht), zu wenig zugespitzt und George Clooney ist, wie Jack Nicholson in „About Schmidt“, letztendlich nur ein Buchhalter. Aber in Flip-Flops, Shorts und Hawaii-Hemd, was eben die dortige Kleidung für Geschäftsleute ist. P. S.: „Descendant“ heißt „Nachkomme“ und eigentlich hätte der Verleih den Film „Die Nachkommen“ nennen können, aber vor einigen Jahren haben einige schlaue Leute in Hollywood gemeint, dass es besser sei, wenn ein Hollywood-Film überall den gleichen Titel hat, auch wenn ihn außerhalb der englischsprachigen Länder niemand versteht. Denn nur so kann verhindert werden, dass sinnentstellende Titel gewählt werden.
The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten (The Descendants, USA 2011)
Regie: Alexander Payne
Drehbuch: Alexander Payne, Nat Faxon, Jim Rash
LV: Kaui Hart Hemmings: The Descendants , 2009 (Mit deinen Augen, Neuveröffentlichung unter „The Descendants“)
mit George Clooney, Shailene Woodley, Beau Bridges, Robert Forster, Judy Greer, Matthew Lillard, Nick Krause, Amara Miller, Mary Birdsong, Rob Huebel, Patricia Hastie
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
– Hinweise
Sein oder Nichtsein (USA 1942, R.: Ernst Lubitsch)
Drehbuch: Edwin Justus Mayer (nach einer Geschichte von Ernst Lubitsch und Melchior Lengyel)
Polen 1939: eine drittklassige Theatergruppe voller engagiert sich nach dem Einmarsch Hitlers mehr schlecht als recht gegen die Nazis.
In den USA war der Film ein Flop und auch den Kritikern gefiel er nicht. In Deutschland war zum Kinostart 1960 das Echo wesentlich positiver und heute ist „Sein oder Nichtsein“ ein Klassiker.
„Eine der größten und kühnsten Satiren der Filmgeschichte überhaupt, weil sie die furchtbarsten Schergen des 20. Jahrhunderts in der ganzen Lächerlichkeit ihres Apparats und ihrer Selbstdarstellung bloßstellt, ohne ihre Schrecken zu leugnen.“ (Susanne Weingarten in Alfred Holighaus, Hrsg.: Der Filmkanon)
Der You-Tube-Clip zeigt die ersten Minuten des Films in der deutschen Version.
Mit Carole Lombard, Jack Benny, Robert Stack, Felix Bressart, Lionel Atwill, Stanley Ridges
Auf die Frage, worauf er bei „The Artist“ am meisten stolz sei, sagt Regisseur und Autor Michel Hazanavicius: „Dass es den Film überhaupt gibt! Und dass er der Vision ähnelt, die ich ursprünglich hatte.“
Das kann jeder Regisseur bei jedem Film sagen, aber bei „The Artist“ stimmt es wirklich. Denn auf dem Papier klingt „The Artist“ wie das reinste Kassengift: Schwarz-Weiß und dann auch noch ohne Dialoge. Ein Stummfilm eben, der vom Ende des Stummfilms und dem Beginn des Tonfilms anhand der Liebe zwischen einem Stummfilmstar und einem Starlet, das zu einem der ersten Tonfilmstars wird, erzählt. Wen soll so etwas interessieren?
Wenn man aber die ersten Minuten von „The Artist“ sieht, ist man sofort gefangen in dieser Welt, in der alles wichtige durch das Spiel der Schauspieler und die Musik von Ludovic Bource gesagt wird.
Hazanavicius, der vorher mit „The Artist“-Hauptdarsteller Jean Dujardin die in Frankreich sehr erfolgreichen, bei uns nur auf DVD erschienenen „OSS 117“-Sixties-Agentenkomödien inszenierte, erzählt die herzige Liebesgeschichte mit viel Liebe zum Detail in einer beschwingten Mischung aus Sentiment und Realismus. Denn auch wenn er, historisch nicht ganz akkurat, vom durch eine neue Technik bedingtem Auf- und Abstieg der Stars in Hollywood erzählt, ist es auch in jeder Sekunde eine Liebeserklärung an die Traumfabrik und das Kino.
Dabei trägt er, wie Martin Scorsese in seinem ähnlich gelagerten „Hugo Cabret“ (Sehbefehl! Kinostart am 9. Februar), zur Selbstvergewisserung der Filmemacher und zum Dialog über das, was uns im Kino und bei Filmen wichtig ist, bei.
Denn „The Artist“ ist einer der Filme, die zeigt, was man im Kino immer mehr vermisst. Es sind nicht die tollen Spezialeffekte, 3D-Spielereien, Wackelkamera und Schnittgewitter, sondern ergreifende Geschichten von Charakteren, deren Schicksal uns interessiert. Und dafür braucht man keine knalligen Farben oder Dialoge.
Insofern hat „The Artist“ einfach alles, was zu einem guten Film gehört.
Er ist sogar so gut, dass er auf zahlreichen Jahresbestenlisten auftauchte (hab ihn auch schon mal für meine Jahresbestenliste notiert), für zwölf BAFTA-Awards, sechs Golden Globes (drei erhielt das Melodram) und jetzt für zehn Oscars nominiert wurde. Und dabei ist „The Artist“ ein französischer Film…
The Artist (The Artist, Frankreich 2011)
Regie: Michel Hazanavicius Drehbuch: Michel Hazanavicius
mit Jean Dujardin, Bérénce Bejo, John Goodman, James Cromwell, Penelope Ann Miller, Missi Pyle, Malcolm McDowell, Uggy (Palm Dog Award Cannes 2011 als bester Hundedarsteller)
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 0 Jahre
Es hat lange gedauert, bis „Drive“ verfilmt wurde. Denn Hollywood hatte die Filmrechte an dem Noir von James Sallis bereits nach seinem Erscheinen 2005 gekauft.
In dem 160-seitigem Buch erzählt James Sallis schnörkellos die Geschichte eines namenlosen Fluchtwagenfahrer, der nach einem Überfall in eine Gangsterfehde verstrickt wird und, mit sehr ungewissen Überlebenschancen, um sein Leben kämpfen muss. „Drive“ ist auch sein zugänglichstes Buch und mit diesem Roman wurde Sallis, nachdem seine vorherigen Krimis bereits für entsprechende Krimipreise nominiert waren, auch für ein breiteres Publikum ein bekannter Name.
Hollywood dachte wohl, dass das mit Lob überhäufte Buch einfach zu verfilmen sei. Eine einfach Gangstergeschichte. Ein schmales Buch. Kurze Kapitel. Viele Dialoge. Das müsste doch ganz einfach gehen. Aber es dauerte dann doch sechs Jahre, in denen man immer wieder etwas von einer geplanten Sallis-Verfilmung hörte, bis der Film fertig war.
Eine lange Zeit.
Aber das Warten hat sich gelohnt.
Denn Regisseur Nicolas Winding Refn („Pusher“, „Bronson“) zaubert mit Hauptdarsteller Ryan Gosling (zuletzt „The Ides of March“) einen schnörkellosen Oldschool-Gangsterfilm mit guten Schauspielern, schönen Bildern, atmosphärischer Musik und extrem wenigen Dialogen, der, wie schon die im Gegensatz zum Film nicht chronologisch erzählte Vorlage, weniger an Innovationen, die oft ja nur Pseudo-Innovationen sind, und überraschenden Wendungen, sondern am Erzählen einer bekannten Geschichte mit einem neuen Touch und einem Spiel mit den Konventionen des Genres und den Erwartungen des genrekundigen Zuschauers, der natürlich die Vorbilder und Inspirationen identifizieren kann, interessiert ist.
Denn der titelgebende, namenlose Driver ist ein Profi, der vor allem deshalb bis jetzt überlebt hat, weil er der Beste ist und sich bislang keine Emotionen leistete, wozu auch ein Leben in selbstgewählter Einsamkeit zwischen seinen Jobs als Automechaniker, Stuntman und Fluchtwagenfahrer zählt. Dass er einen bösen Fehler begeht, als er seiner neuen Nachbarin, der alleinerziehenden Irene (Carey Mulligan), hilft, ist von der ersten Zehntelsekunde an offensichtlich. Zuerst hilft er ihr nur bei ihrem Auto, dann wird er zum Ersatzvater für ihr Kind und am Ende will er ihrem gerade aus dem Knast entlassenem Mann Standard (Oscar Isaac), der bei einigen Gangstern Schulden hat, die er mit einem Überfall begleichen kann, helfen.
Der Driver hilft bei dem Überfall, der mit dem Tod von Standard endet und er hat plötzlich eine Tasche voller Geld, das er gar nicht will, und einen Haufen Gangster, die ihn nur umbringen wollen, an der Backe.
Dass er nur seine Ruhe haben will, verstehen die Gangster nicht und Genrefans können sich an einer spiegelbildlichen Variation der Richard-Stark-Verfilmungen „Point Blank“ und „Payback“ erfreuen.
Daneben erinnert „Drive“ natürlich, um nur einige der offenkundigen Referenzen, die Refn geschickt verarbeitet, zu nennen, an Walter Hills „Driver“ über das archetypische Duell zwischen einem Fluchtwagenfahrer und einem Polizisten, William Friedkins Gerald-Petievich-Verfilmung „Leben und Sterben in L. A.“ oder die Filme von Michael Mann. Vor allem natürlich „Heat“ und „Collateral“.
Nicolas Winding Refn erzählt diese altbekannte Geschichte, nach einem Drehbuch von Hossein Amini („Die Flügel der Taube“, „Killshot“ und gerade an einer Adaption von John le Carrés „Verräter wie wir“), in kühl stilisierten Bilder von Los Angeles, in denen er eine Geographie der Stadt, vor allem der Vororte und Industrieviertel, in die kein Tourist sich freiwillig verirrt, zeichnet. Das ergibt das Bild einer Stadt, die sich, wie das Leben des Drivers, nur an ihrer Funktionalität orientiert, bis man eine Sekunde zögert.
Dazu gibt es Retro-Klänge von Cliff Martinez, lange Autofahrten, einige schockierende Gewaltausbrüche und einige, wenige, knappe Dialoge. Neben dem grandiosen Stummfilm „The Artist“ dürfte „Drive“ in diesem Kinojahr der dialogärmste Film sein.
„Drive“ ist ein feiner Film, der in den vergangenen Monaten überall so abgefeiert wurde, dass es fast schon ein Wunder ist, dass er nicht gegenüber den hohen Erwartungen enttäuscht. Drive (Drive, USA 2011)
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Hossein Amini
LV: James Sallis: Drive, 2005 (Driver, später wegen des Films „Drive“)
mit Ryan Gosling, Carey Mulligan, Bryan Cranston, Albert Brooks, Oscar Isaac, Christina Hendricks, Ron Perlman, Kaden Leos
Länge: 101 Minuten:
FSK: ab 18 Jahre
– Vorlage
James Sallis: Drive
Poisoned Pen Press, Scottsdale/Arizona 2005
– Deutsche Erstausgabe
Driver
(übersetzt von Jürgen Bürger)
Liebeskind, 2007
160 Seiten
–
Taschenbuchausgabe bei Heyne unter dem Originaltitel und jetzt auch mit einem neuen Cover
Heyne, 2012
160 Seiten
7,99 Euro
– Hinweise
Drehbuch: Marco Ferreri, Rafael Azcona, Francis Blanche (Dialoge)
Vier in der Midlife-Crisis steckende, zum Bürgertum gehörende Männer treffen sich in einer Villa. Sie wollen dort ihren Trieben, nämlich Sex und Essen, bis zum Tod nachgehen.
3sat meint „eine groteske schwarze Komödie“. Im „Großen Filmlexikon“ von TV Spielfilm steht „zügellose schwarze Satire“. Nur das „Lexikon des internationalen Films“ ist nicht amüsiert: „Die Allegorie auf eine nur am Konsum orientierten Gesellschaft geht in der vordergründigen Inszenierung unter.“
Mit Philippe Noiret, Marcello Mastroianni, Ugo Tognazzi, Michel Piccoli, Andrea Ferréol
Eigentlich könnte der Film auch Mal vor Mitternacht laufen
ARD, 00.20
Monsieur Klein (F/I 1976, R.: Joseph Losey)
Drehbuch: Franco Solinas, Fernando Morandi, Joseph Losey
Paris 1942: Robert Klein verdient als Kunsthändler gut an der Not der Juden. Eines Tages liegt vor seiner Haustür ein an ihn adressiertes Exemplar der „Les informations juives“. Klein will herausfinden, warum er die Zeitung zugeschickt bekommen hat. Er erfährt von einem gleichnamigen Juden, der sich anscheinend seiner Identität bemächtigen will.
Kafkaesker Alptraum ohne die Hoffnung auf ein Happy End, von Losey karg und sehr stilbewusst inszeniert. Delons zurückhaltendes Spiel passt perfekt zur Rolle des emotionslosen Mitläufers, der nur an sich denkt und dabei zielsicher ins Verderben läuft.
Delon war für einen Cesar als bester Schauspieler nominiert, Losey erhielt einen für die Regie und der Film gewann den Cesar für bester Film.
mit Alain Delon, Jeanne Moreau, Michel Lonsdale, Juliet Bertot, Suzanne Flon, Jean Bouise
ein ziemlich hemmungsloses Abfeiern von Buddy Giovinazzos neuem Noir „Piss in den Wind“ (Pulp Master) über einen College-Dozenten, der glaubt seine Freundin umgebracht zu haben und seine Probleme mit einem Geist (weiblich, gutaussehend, intelligent, willig und ziemlich tot) verarbeiten will.
Arte, 20.15 Die Killer (USA 1946, R.: Robert Siodmak)
Drehbuch: Anthony Veiller
LV: Ernest Hemingway: The Killers, 1927 (Kurzgeschichte)
Ex-Boxer Pete, genannt „Der Schwede“ (bzw. Swede) wartet tatenlos in einem schäbigen Zimmer auf zwei Auftragskiller, die ihn umbringen sollen. Nach seinem Tod fragt sich ein Versicherungsdetektiv, warum sich jemand einfach so erschießen lässt. Er beginnt zu recherchieren.
„Eine Figur des Film noir, die noch resignierter ist als sonst bereits üblich: Swede weiß, dass die Vergangenheit ihn einholen wird, wenn nicht heute, dann morgen – wozu also davonlaufen? Der Versicherungsagent Riordan, der (in ausgefuchsten Rückblenden) der Vergangenheit Swedes nachforscht, erhält auch keine befriedigende Antwort, und seine Jagd auf die Killer scheint absurd und purer Selbstzweck.“ (Paul Werner: Film noir, 1985, mehrere erweiterte Neuauflagen)
„Noch heute ist dieser Film (…) der radikalste Anschlag auf den Mythos des Hollywood Helden.“ (Norbert Grob, Die Zeit, 6. Juli 1990)
John Huston, der die erste Drehbuchversion schrieb, übernahm von Ernest Hemingway nur die Grundidee und am Ende entstand ein Noir-Klassiker, der auch einen Edgar erhielt und für vier Oscars nominiert war.
1964 ging Don Siegel mit der Kurzgeschichte ähnlich rabiat um und er erzählte eine ganz andere Geschichte.
mit Edmond O’Brien, Ava Gardner, Albert Dekker, Sam Levene, Burt Lancaster, William Conrad
auch bekannt als „Rächer der Unterwelt“ Wiederholung: Dienstag, 24. Januar, 14.40 Uhr
– Hinweise
Wikipedia über „The Killers“ (deutsch, englisch)
Arte, 21.55 Hammett (USA 1982, R.: Wim Wenders)
Drehbuch: Ross Thomas, Dennis O´Flaherty, Thomas Pope
LV: Joe Gores: Hammett, 1975 (Dashiell Hammetts letzter Fall, Hammett)
Ex-Privatdetektiv Dashiell Hammett, der inzwischen Pulp-Autor ist, wird von einem alten Freund gebeten um einen Gefallen gebeten – und der Rest ist eine Geschichte, die Dashiell Hammett erfunden haben könnte, wenn es nicht Hammett-Kenner Joe Gores einige Jahrzehnte später gemacht hätte. Ein feiner Film, einer von Wenders‘ besten Filmen, aber auch sein unpersönlichster Film, der aber gleichzeitig viele seiner bekannten Themen bearbeitet und rückblickend immer besser wird. Denn jetzt muss „Hammett“ nicht mehr mit den damaligen Kinohits konkurrieren.
Mit Frederic Forrest, Peter Boyle, Marilu Henner, Roy Kinnear, Elisha Cook, R. G. Armstrong, Samuel Fuller, Silvia Sydney, Jack Nance, Ross Thomas (einer der Männer im Sitzungszimmer) Wiederholung: Samstag, 28. Januar, 01.50 Uhr (Taggenau!)
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Arte, 20.15 Der Pate – Teil III (USA 1990, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
1979: Michael Corleone kriegt Ärger mit der katholischen Kirche.
Im Vergleich zu den ersten beiden Paten-Filmen ist der dritte eine langatmige Enttäuschung.
Mit Al Pacino, Diane Keaton, Talia Shire, Andy Garcia, Joe Mantegna, Sofia Coppola, Bridget Fonda, Eli Wallach, George Hamilton, Helmut Berger, John Savage Wiederholung: Dienstag, 24. Januar, 01.50 Uhr (Taggenau!)
RTL II, 21.55 Flashpoint – Das Spezialkommando: Skorpion/Warteliste (Kanada 2008, R.: Regie: David Frazee
Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern
Tolle kanadische Polizeiserie über eine Sondereinheit, die in Krisensituationen, vor allem Geiselnahmen, gerufen wird und versucht, die Situation zu entschärfen. Dabei erfahren wir auch immer viel über die Gründe der Übeltäter, die dann doch nicht so schuldig sind, wie es auf den ersten Blick aussieht.
In Kanada und den USA ist die Serie sehr erfolgreich. Nur bei uns wird sie vom Publikum sträflich ignoriert. Auf DVD ist gerade die vierte Staffel erschienen und RTL II startet, mit der Wiederholung der ersten Staffel in Doppelfolgen, einen neuen Versuch.
mit Hugh Dillon, Enrico Colantoni, Amy Jo Johnson, David Paetkau, Sergio Di Zio, Michael Cram, Mark Taylor, Ruth Marshall
Das Ende – Assault on Precinct 13 (USA/F 2005, R.: Jean-François Richet
Drehbuch: James DeMonaco (nach dem Drehbuch von John Carpenter)
Jahreswende in Detroit: In einem abgelegenem Polizeirevier, das demnächst aufgelöst werden soll, muss wegen eines Schneesturms über die Nacht ein berüchtigter Gangster untergebracht werden. Einige korrupte Polizisten, die verhindern wollen, dass der Gangster redet, wollen ihn umbringen. Sie belagern das Revier. Der Revierleiter nimmt den Kampf auf – und muss dabei auch dem Gefangenen vertrauen.
Fetziges Remake von John Carpenters gleichnamigem Film; wobei John Carpenter die Story auch geklaut hat (und nie ein Geheimnis daraus gemacht hat).
mit Ethan Hawke, Laurence Fishburne, Gabriel Byrne, Maria Bello, John Leguizamo, Brian Dennehy, Kim Coates, Hugh Dillon
Spoilerwarnung: Diese Besprechung enthält Spoiler und, weil sich meine Kritik hauptsächlich auf das Ende bezieht, wird das natürlich auch verraten; – wobei: wenn man das Ende kennt, kann man sich vielleicht genauer auf die Konstruktion einlassen, die Zeichen deuten und so einen besseren Film, freilich ohne die große Überraschung am Ende, genießen.
Na, egal, wie auch immer, nach dem Trailer geht’s mit der Besprechung los.
Als der Film zu Ende war, war ich tief enttäuscht. Denn das Ende ruinierte den atmosphärischen Gruselfilm.
Jetzt, mit etwas Abstand und intensiverem Nachdenken über den Film und das Ende, ist „Intruders“ von Juan Carlos Fresnadillo („Intacto“, „28 Weeks Later“) gar nicht so schlecht, aber auch nicht wirklich gut.
In England findet Mia (Ella Purnell) in einem schwer erreichbaren Loch in einem Baum ein Kästchen, in dem alte Aufzeichnungen sind. Sie beginnt sie fasziniert zu lesen und ein Dämon, das Schattengesicht, tritt in ihr Leben. Er will von ihr Besitz ergreifen und sie vielleicht sogar töten. Jedenfalls hat sie eine höllische Angst vor der dunklen, unheimlichen Bedrohung, die sich in den dunklen Ecken ihres Zimmers versteckt. Ihr Vater John Farrow (Clive Owen), der sehr verständnisvoll auf ihre Ängste eingeht, will ihr helfen. Denn niemand außer ihr sieht Schattengesicht und auch als sie eine Überwachungskamera in ihrem Zimmer installieren, sieht niemand den Eindringling, sondern nur John mit sich selbst kämpfen.
In Spanien sieht der kleine Juan (Izán Corchero) ebenfalls Schattengesicht. Seine Mutter Luisa (Pilar López de Ayala) versucht ihm zu helfen. Aber er hat weiterhin Angst. Sie wenden sich an einen jungen katholischen Priester Antonio (Daniel Brühl), der ihnen helfen will. Er erwägt sogar einen Exorzismus.
Fresnadillo erzählt parallel, und damit etwas redundant, diese beiden Geschichten und hemmt damit immer wieder den Erzählfluss. Denn bis zum Ende ist unklar, wie sie miteinander zusammenhängen und wie der Vater und die Mutter in ihrem Land die Eindringlinge (immerhin heißt der Film „Intruders“ und nicht „Intruder“) besiegen könnten.
Dennoch funktioniert der Film über weite Strecken als sanfter Horrorfilm, in dem es um die Versuche von Eltern geht, ihre Kinder zu schützen und bei den Kindern um die Faszination, aber auch Angst, vor dem Unbekannten.
In den letzten Minuten wird allerdings plötzlich deutlich, dass die Ereignisse in Spanien und England nicht gleichzeitig spielen. Der spanische Junge ist John (Clive Owen) und weil seine Mutter Schattengesicht nicht besiegen konnte, flüchten sie nach England. Dort belegt der Junge Schattengesicht mit einem Fluch, der dazu führt, dass der Geist ihn nicht mehr bedrohen kann, und er versteckt seine Aufzeichnungen und den Bannfluch in einem Baum.
Hmpf.
Aber damit hört die Erklärung der Drehbuchautoren nicht auf. Schattengesicht ist nämlich kein übernatürlicher Dämon, sondern er war der aus dem Gefängnis entlassene Mann von Luisa. Als er in einer Regennacht über das Baugerüst bei ihnen einbrach, flüchtete Juan vor ihm, es kam zu einem Kampf und der Eindringling stürzte in den Tod.
Dass der Junge dieses Ereignis verdrängt und es mit einem Geist erklärt, ist noch halbwegs verständlich, obwohl die Mutter sich dann doch etwas seltsam verhält. Immerhin weiß sie, vor was ihr Kind Angst hat.
Doch damit hören die Autoren und der Regisseur in ihrem Erklärungs- und Rationalisierungswahn nicht auf. Denn die besonders starke Liebe zwischen dem Vater John und seiner Tochter führt dazu, dass sie die Ängste ihres Vaters (der nicht weiß, dass sie seine Schatulle entdeckt hat) auf sich überträgt. Das ist nur noch gaga.
So wird aus zwei durchaus vielversprechenden Geschichten, die jede für sich als „Twilight Zone“-Geschichte funktionieren würde, am Ende eine herbe Enttäuschung.
Außerdem führt der Titel auf die falsche Fährte. Denn es gibt nur einen Eindringling. Intruders (Intruders, USA/England/Spanien 2011)
Regie: Juan Carlos Fresnadillo
Drehbuch: Nicolás Casariego, Jaime Marques
mit Clive Owen, Carice van Houten, Daniel Brühl, Kerry Fox, Ella Purnell, Izán Corchero, Pilar López de Ayala, Lolita Chakrabarti, Mark Wingett
– Hinweise Deutsche Hompeage zum Film Film-Zeit über „Intruders“ Rotten Tomatoes über „Intruders“ Wikipedia über „Intruders“
Jesse Stone: Alte Wunden (USA 2007, R.: Robert Harmon)
Drehbuch: Ronni Kern
LV: Robert B. Parker: Sea Change, 2006
Ex-Großstadtcop Jesse Stone langweilt sich in der malerischen Kleinstadt Paradise. Also rollt er einen 15 Jahre alten Mordfall wieder auf.
Vierter Jesse-Stone-TV-Krimi, der das Niveau der vorherigen Stone-Filme hält: gutes altmodisches Schauspielerkino, das vom ZDF (wie die vorherigen Stone-Filme) zu einer indiskutablen Uhrzeit ausgestrahlt wird.
Tom Selleck erhielt für seine Darstellung von Jesse Stone eine Emmy-Nominierung
mit Tom Selleck, Viola Davis, William Devane, Kathy Baker, William Sadler, James Gammon, Saul Rubinek
Dass Jean-Luc Godards Debütfilm „Außer Atem“ ein Klassiker ist, dürfte wohl kaum jemand bestreiten; ein Film der in jedem ernst zu nehmendem Filmkanon auftaucht und es auch in den inzwischen wohl weitgehend vergessenen Filmkanon der Bundeszentrale für politische Bildung von 2003 schaffte.
Dass „Außer Atem“ viele Regisseure beeinflusste, dürfte auch bekannt sein. In der Doku „Godard: Made in USA“ erzählen Robert Benton, Arthur Penn, William Friedkin, Peter Bogdanovich, Paul Schrader, Brian de Palma und James Gray, wie Godard sie beeinflusste.
Dass Jean-Paul Belmondo mit „Außer Atem“ seine Karriere begann, in der er, neben Alain Delon, einer der großen Stars des französischen Kinos der sechziger und siebziger Jahre wurde, ist ebenfalls bekannt. Auch dass das Spätwerk von Belmondo und Delon nicht mit ihrem Frühwerk mithalten kann.
Aber ist ein über fünfzig Jahre alter Film, der die Nouvelle Vague mitbegründete und der Nukleos für verschiedene Entwicklungen war, heute immer noch sehenswert? Ist das, was damals als Neuerung erkannt und bejubelt wurde, heute nicht hoffnungslos veraltet, naiv und anachronistisch?
Nun, „Außer Atem“ ist nichts davon. Der Film hat eine heute immer noch mitreisende Energie, die von der Experimentierfreude der Beteiligten, von den Kürzungen, die Godard machen musste, und den Darstellern, vor allem Jean-Paul Belmondo als Michel Poiccard und Jean Seberg als Patricia Franchini, kommt.
Michel ist ein Kleingangster, der ungefähr jedem zweiten Rock hinterhersteigt. Aber in die Amerikanerin Patricia hat er sich verliebt. Er weiß auch nicht warum. Aber er will unbedingt bei ihr bleiben. Die Sorbonne-Studentin, die auch als Journalistin arbeitet und die New York Herald Tribune verkauft, findet ihn wohl eher „interessant“.
Als er ein geklautes Auto von Marseille nach Paris fährt, wird er von einem Polizisten erwischt, tötet ihn (obwohl wir die Tat nie sehen) und taucht in Paris bei ihr unter. Während er auf das Geld von einem Freund wartet, verbringt er die Tage mit ihr. In einem kleinen Hotelzimmer und ständig miteinander redend. Sie geht zu einem Interview mit dem bekannten Autor Parvulesco (gespielt von Jean-Pierre Melville), erfährt, dass ihr Liebhaber von der Polizei gesucht wird, verrät ihn und Michel wird auf der Flucht erschossen.
Das ist nicht viel Story. Das meiste ist improvisiert. Was hier bedeutet, dass Godard die Texte erst kurz vor dem Dreh schrieb und den Schauspielern teils während des Drehs zuflüsterte. Die Vorbilder aus den USA sind deutlich zu erkennen. „Außer Atem“ ist die französische Variante eines Hollywood-Gangsterfilms, eines Noirs, die Geschichte einer unglücklichen Liebe von einem Mann zu einer Femme Fatale.
Es ist aber auch der Aufbruch zu einem neuen Kino, das bereits viele Merkmale von Jean-Luc Godards späteren Filmen hat, wie die endlos-ziellosen Dialoge, die zwischen Tiefsinn und Dadaismus pendeln, die regelbrechende Kamera und dem Verweigern von bekannten Genrekonventionen.
Gleichzeitig, in einer Mischung aus Improvisation beim Drehen, langen, ungeschnittenen Szenen, in denen die Kamera sich teils schwerelos durch den Raum bewegt, einem Vernachlässigen der Continuity (die ja darauf aufpasst, dass die Anschlüsse stimmen und Gläser nicht mal leer, mal voll sind) und einem kräftigen Kürzen der ersten Schnittfassung entstand dann diese nervöse Energie, die einfach über Anschlussfehler und damals in der Filmsprache verbotenen Jump Cuts hinwegsah.
Damals brachte „Außer Atem“, wie auch die anderen Filme der Nouvelle Vague, frischen Wind in das verstaubte Kino der Väter.
Heute; nun, heute wirkt „Außer Atem“ immer noch wie eine frische Brise, die zeigt, was möglich ist.
Das Bonusmaterial
Das reichhaltige Bonusmaterial der Blu-Cinemathek-Ausgabe ist exzellent. Es gibt eine knapp fünfminütige Einführung von Colin McCabe zum Film, die gut achtzigminütige SW-Dokumentation „Zimmer 12: Hotel de Suède“ (Frankreich, 1993) von Claude Ventura und Xavier Villetard, die kurz vor dem Abriss des Hotels, in dem die langen Gespräche zwischen Belmondo und Seberg stattfanden, sich leicht prätentiös auf Spurensuche begaben und viele Interviews mit damals am Film Beteiligten machten, die fünfzigminütige, filmhistorisch sehr spannende Doku „Godard: Made in USA“ (Frankreich, 2009) von Luc Lagier über Godards Besuche und Arbeit in den USA und, mit zahlreichen Interviews mit US-Regisseuren, über seinen Einfluss auf ihre Arbeit, und die knapp achtminütige leicht experimentelle Annäherung „Luc und wie er Jean-Luc sieht“ von Godard-Freund und -Kenner Luc Moullet für Arte Kurzschluss.
Dazu gibt es noch eine umfangreiche Bildergalerie, einige Filmplakate (Nostalgia rules!) und den Trailer, der auch ein kleines Kunstwerk und „sehr Godard“ ist. Außer Atem (À bout de souffle, Frankreich 1960)
Regie: Jean-Luc Godard
Drehbuch: Jean-Luc Godard (nach einer Geschichte von Francois Truffaut)
Buch zum Film: Claude Francolin: À bout de souffle, 1960 (Außer Atem)
mit Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Daniel Boulanger, Jean-Pierre Melville, Henri-Jacques Huet, Van Dode, Jean-Luc Godard, Roger Hanin
– DVD
Studio Canal/Arthaus – Blu Cinemathek
Bild: 1,33:1 (1080/24p Full HD)
Ton: Deutsch, Französisch, Spanisch (Mono DTS-HD Master Audio)
Untertitel: – (obwohl „Deutsch, Englisch, Holländisch, Japanisch, Portugiesisch, Spanisch, Türkisch“ angekündigt sind)
Bonusmaterial: Filmpräsentation von Colin McCabe, Godard: Made in USA, Zimmer 12: Hotel de Suède, Luc und wie er Jean-Luc sieht, Fotogalerie, Trailer, Filmplakate
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
SWR, 20.15 Tatort: Oskar (D 2002, R.: Niki Stein)
Drehbuch: Niki Stein
Erster Fall für die Frankfurter Kommissare Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) und Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki): sie suchen eine Mutter, die ihr Kind getötet hat und stolpern dabei durch triste Mietskasernen.
Nachdem Kommissar Brinkmann (Karl-Heinz von Hassel oder „der Mann mit der Fliege“) vorher in Frankfurt am Main mit meist höchst langweilig-absurden Fällen die Geduld des gutwilligen Zuschauers strapazierte, hatte ich von dem neuen Team aus der Finanzmetropole nichts erwartet und war positiv überrascht. Denn hier stimmte alles.
Nach acht Jahren und 18 Fällen beendete das Team Dellwo/Sänger 2010 seine Ermittlungsarbeit mit deutlich mehr guten als schlechten Fällen.
mit Andrea Sawatzki, Jörg Schüttauf, Peter Lerchbaumer, Christiane Schulz, Oliver Bootz, Edda Leesch Hinweise Tatort-Fundus über das Team Dellwo/Sänger Meine Besprechung des Tatort-Romans „Bevor es dunkel wird“ von Uli Aechtner mit Dellwo/Sänger
Noir-Fans lassen die Sektkorken knallen: nach fünf Jahren gibt’s endlich wieder „Die Lady von Shanghai“ und die „Frau ohne Gewissen“
Arte, 20.15 Die Lady von Shanghai (USA 1948, R.: Orson Welles)
Drehbuch: Orson Welles
LV: Sherwood King: If I die before I wake, 1938
Michael O’Hara heuert als Matrose und Mädchen für alles auf der Jacht der Bannisters an. Schnell erliebt er sich in Elsa Bannister und wird von ihr in ein Mordkomplott hineingezogen.
Heute zählt „Die Lady von Shanghai“ zu den zeitlosen Noir-Klassiker. Die grandiose Schlusssequenz im Spiegelkabinett gehört zu den Glanzstücken der Filmgeschichte: die Kontrahenten stehen sich gegenüber, ihr Bild wird in unzähligen Spiegeln gespiegelt und erst als bei der Schießerei die Spiegel zerschossen werden, können wir langsam erkennen, wer ein Mensch und was sein Abbild ist.
Aber während der Produktion sah es ganz anders aus: Orson Welles machte aus einem einfachen Krimi ein verschachteltes Vexierspiel, schrieb ständig Szenen um, das Studio mischte sich ein, es gab Probleme mit dem Geld und Insekten betrachteten die Filmcrew als Jagdrevier. Und, als sei das alles nicht genug, machte Welles aus dem Sexsymbol und Columbia-Star Hayworth eine kalte und berechnende Mörderin. Alle Zeichen waren für einen Flop gesetzt und das Studio schloss den Film, nachdem auch mit Umschneiden nichts mehr zu retten war, erst einmal in seinen Giftschrank.
Mit Orson Welles, Rita Hayworth, Everett Sloane Wiederholung: Donnerstag, 19. Januar, 14.50 Uhr Hinweise
Wikipedia über „Die Lady von Shanghai“ (deutsch, englisch)
Arte, 21.45 Frau ohne Gewissen (USA 1944, R.: Billy Wilder)
Drehbuch: Raymond Chandler, Billy Wilder
LV: James M. Cain: Double Indemnity, 1936 (Doppelte Abfindung)
Ein Versicherungsagent verliebt sich mit tödlichen Konsequenzen in die falsche Frau.
„Der Prototyp des Film noir über die Frau als Femme fatale, einer der besten Filme Wilders und der Vorlage Cains weit überlegen.“ (Paul Werner: Film noir und Neo-Noir)
Mti Fred MacMurray, Barbara Stanwyck, Edward G. Robinson Wiederholung: Montag, 23. Januar, 14.25 Uhr Hinweise
Wikipedia über „Frau ohne Gewissen“ (deutsch,englisch)
Arte, 20.15 Der Pate II (USA 1974, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
Sozusagen Pre- und Sequel zu „Der Pate“: Michael Corleone, jetzt das Familienoberhaupt, plant einen Casino-Deal auf Kuba. Und dazwischen wird der Aufstieg von Vito Corleone erzählt.
Die Fortsetzung von „Der Pate“ ist länger und mindestens genauso gut wie der erste Film. Für viele ist der zweite Pate-Film sogar noch besser (ich bin da unentschlossen). Außerdem wird „Der Pate II“ immer als Beispiel herangezogen für die These, Fortsetzungen seien besser als die Originale.
„Der Pate II“ erhielt mehrere Oscars: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Nebendarsteller (Robert de Niro), Beste Filmmusik (Nino Rota, Carmine Coppola), beste Ausstattung.
Mit Al Pacino, Robert De Niro, Robert Duvall, Diane Keaton, Lee Strasberg (ja, der Schauspiellehrer), John Cazale, Talia Shire, James Caan, Harry Dean Stanton, Danny Aiello