Kommissar Flemmings Zwillingsbruder, ein Anwalt, der jetzt Spitzenkandidat einer konservativen Partei ist, gerät in Mordverdacht. Denn in seinem Auto wurde im Wahlkampf eine von ihm geschwaägere Studentin erschossen.
Letzter Flemming-Tatort, mit Flemming-Darsteller Martin Lüttge in einer Doppelrolle. – Bestenfalls, wie alle Flemming-Tatorte, solala. Da hilft auch Brenners Drehbuch nicht viel.
Mit Martin Lüttge, Roswitha Schreiner, Ulrich Gebauer, Diana Körner, Hans-Christoph Blumenberg
Ich hab’s noch nicht gelesen, aber Wolgang Brenner hat mich noch nie enttäuscht und ich halte ihn für einen der total unterschätzen deutschen Krimiautoren; vielleicht weil er ständig die Verlage wechselt und in erster Linie einfach nur eine gute Geschichte erzählen will. Jedenfalls ist „Alleingang“ sein Debüt bei Gmeiner (270 Seien, 9,90 Euro) und die Story klingt vielversprechend:
Ein Bundeswehrsoldat stirbt bei einem Selbstmordanschlag in Kundus. Seine Frau darf die Leiche nicht sehen, sie erhält ein Video, das kurz vor dem Tod ihres Mannes aufgenommen wurde und dann ruft ihr Mann sie an.
Christian Limmer ist jetzt unter die Kriminalromanautoren gegangen. „Unter aller Sau“ heißt sein erster Krimi. Das 320-seitige Werk ist jetzt bei Droemer erschienen und kostet 14,99 Euro.
45-minütige Doku, die sich mit Parteifreunden (der Steigerung von Feind) und ihrer Rolle beim Absägen von Politikern aus der eigenen Partei (vulgo Konkurrenten) beschäftigt. Lamby hat für die Doku unter anderem mit Kurt Beck (SPD), Andrea Fischer (Bündnis 90/Die Grünen), Erwin Huber (CSU), Wolfgang Kubicki (FDP) und Katina Schubert (Die Linke) gesprochen.
Polizist Coleman jagt den Nachtclubbesitzer Simon, mit dem er befreundet ist und der Überfälle begeht. Zwischen den beiden Männern steht Simons Freund Cathy.
Nach „Der eiskalte Engel“ und „Vier im roten Kreis“ war „Der Chef“ die dritte Zusammenarbeit von Alain Delon und Jean-Pierre Melville und zum ersten Mal spielte Delon einen Polizisten. Aber weil es Melville in „Der Chef“ auch um die Austauschbarkeit von Gangstern und Polizisten ging, unterschied Delons Rolle sich kaum von seinen vorherigen Rollen als Gangster. Denn Melville räumt Coleman und Simon etwa gleich viel Leinwandzeit ein.
„Melvilles letzter Film (…) ist ein würdiger Abschluss im Werk eines seines Metiers und seiner Liebe zum Kino sicheren Ultra-Professionellen, der die düstersten und unheimlichsten, aber auch ästhetisch vollkommendsten und menschlichsten Filme schuf, die in Frankreich je gedreht worden sind.“ (Hans Gerhold: Un Flic in „Jean-Pierre Melville, Hanser Reihe Film 27, 1982)
„‘Un Flic’ ist vermutlich der kälteste Film Melvilles, und Alain Delon gelingt als Chef-Fahnder Edouard Coleman der Pariser Kriminalpolizei eine brillante Charakterstudie über die Einsamkeit und Isolation des professionellen Menschenjägers.“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm, 1989)
Mit Alain Delon, Catherine Deneuve, Richard Crenna, Riccardo Cucciolla, Michel Conrad
Im Auftrag des Drachen (USA 1975, R.: Clint Eastwood)
Drehbuch: Hal Dresner, Warren Murphy (als Warren B. Murphy), Rod Whitaker
LV: Trevanian (Pseudonym von Rod Whitaker): The Eiger Sanction, 1972 (Im Auftrag des Drachen)
Jonathan Hemlock soll im Auftrag einer Geheimorganisation zwei Killer töten. Von einem ist nur bekannt, dass er an einer Besteigung der Eiger-Nordwand teilnimmt. Hemlock schließt sich den Bergsteigern an.
Thriller, bei dem die Landschaftsaufnahmen (Monument Valley, Schweizer Alpen) mehr beeindrucken als die Story. Was auch Clint Eastwood zugibt. Trevanians Debüt mit dem Superspion Hemlock war ein weltweiter Bestseller.
Mit Clint Eastwood, George Kennedy, Heidi Brühl, Reiner Schöne
Catch me if you can (USA 2002, R.: Steven Spielberg)
Drehbuch: Jeff Nathanson
LV: Frank Abagnale (mit Stan Redding): Catch me if you can: The Amazing True Story of the Youngest and Most Daring Con Man in the History of Fun and Profit, 1980 (Mein Leben auf der Flucht, Catch me if you can)
Spielberg erzählt die wahre Geschichte des Hochstaplers Frank Abagnale. Der Film „ist eine swingende, schwerelose Krimikomödie, die durch Tempo, Charme und Verspieltheit überzeugt.“ (Berliner Zeitung, 30. Januar 2003)
Mit Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, Martin Sheen, Nathalie Baye, James Brolin, Jennifer Garner
Chris Farraday (Mark Wahlberg) ist glücklich verheiratet mit Kate (Kate Beckinsale, nicht in Lack und Leder), hat zwei Söhne und ein kleines Sicherheitsunternehmen in New Orleans. Er ist ein richtiger Biedermann, der mit seiner Vergangenheit abgeschlossen hat. Denn früher war er ein Schmuggler. Nicht irgendeiner, sondern der beste Schmuggler. Auch sein Vater, der im Knast sitzt, war einer.
Als sein Schwager Andy (Caleb Landry Jones) sich entgegen seiner gutgemeinten Ratschläge auf einen Drogenschmuggel einlässt und ihn prompt vermasselt, fordert der Gangsterboss Tim Briggs (Giovanni Ribisi, kaum erkennbar), dass Andy die ins Wasser geworfenen Drogen komplett bezahlt.
Chris weiß, dass Andy das niemals gelingen wird. Also entschließt er sich, zusammen mit seinem Freund Sebastian Abney (Ben Foster) und einigen alten Schmuggel-Kumpanen, die Schulden zu bezahlen, indem er mehrere Millionen Dollar Falschgeld von Panama nach New Orleans schmuggeln.
Selbstverständlich gibt es einige Probleme bei dem Schmuggel und „101 Reykjavik“-Regisseur Baltasar Kormákur erzählt diese Geschichte in seinem US-Debüt (wobei „A little Trip to Heaven“ sein Quasi-US-Debüt war) straff, mit einigen hübschen Wendungen und ziemlich realistisch. Jedenfalls soviel Realismus, wie ein Hollywood-Action-Thriller verträgt. Denn in Panama schießt die Polizei zwar eine gefühlte Million Kugeln in die Richtung der Schmuggler, die dann, wie in „Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Fracht“, doch ohne einen Kratzer den Ort des Gefechts verlassen können. Der Bösewicht Tim Briggs ist in den ersten Minuten zu sehr ein übertriebener Comic-Bösewicht. Aber wenn wir später erfahren, warum er so sehr darauf besteht, dass Chris die gesamte Summe bezahlt, verstehen wir das; – wie in Reykjavik – Rotterdam“.
Und Chris Farraday ist einfach viel zu smart für die anderen Gangster. Im Original war er dagegen eher ein Pechvogel, der auf Bewährung draußen war und als Nachtwächter mühsam über die Runden kam.
Denn „Contraband“ ist das Remake von dem fast unbekannten Thriller „Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Fracht“ (Island/Deutschland 2008), das dem Original im Plot und seinen Wendungen, mit einem höheren Budget, genau folgt. Insofern ist „Contraband“ die Orchesteraufnahme, während „Reykjavik – Rotterdam“ das Streicherquartett war.
Das Remake hat insgesamt mehr Wucht und lässt sich mehr Zeit für die Charaktere. Gut, der Film ist auch etwas länger. Die Suspense-Szenen sind spannender und das Ende wird während des Films besser und sehr ökonomisch vorbereitet. Denn in den letzten Minuten zeigt sich, wie Chris den Schmuggel plante und es gelingt ihm, auch durch einige kunstvolle Ablenkungsmanöver, die Bösewichter ohne Gewalt ihrer gerechten Strafe zuführen und mit der Beute zu entkommen. Kormákur, der beim Original als Produzent und Hauptdarsteller dabei war, und Drehbuchautor Aaron Guzikowski haben hier wirklich am Skript gefeilt.
Mit „Contraband“ hat Kormákur seine Chance genutzt und einen feinen, bodenständigen, vor Ort gedrehten, ökonomisch erzählten Gangsterthriller abgeliefert. Halt genau die Art Film, die mir gefällt.
Contraband (Contraband, USA 2012)
Regie: Baltasar Kormákur
Drehbuch: Aaron Guzikowski (nach dem Drehbuch zu „Reykjavik – Rotterdam“ von Arnaldur Indridason und Óskar Jónasson)
mit Mark Wahlberg, Kate Beckinsale, Ben Foster, Giovanni Ribisi, Lukas Haas, Caleb Landry Jones, Diego Luna, J.K. Simmons, Robert Wahlberg, William Lucking („Sons of Anarchy“; wer die Serie kennt)
Achtung: Diese Besprechung kann Spoiler enthalten.
Als ich im Kino die Jo-Nesbø-Verfilmung „Headhunters“ sah, dachte ich, dass der Film dem Buch zu genau folge und es, auch wegen des Voice-Overs, wahrscheinlich eine Ich-Erzählung ist. Denn wir folgen immer unserem Protagonisten Roger Brown (Aksel Hennie), einem Top-Headhunter, verheiratet mit einer schönen Galeristin (Synnøve Macody Lund) und Kunstdieb. Wir sehen ihn in den ersten Filmminuten bei der Arbeit: bei einem Einbruch und bei einem Einstellungsgespräch, bei dem er als Headhunter den möglichen Kandidaten für einen Top-Posten eiskalt taxiert. Dabei ist, selbstverständlich, der Einbruch spannender als das Prüfen eines Bewerbers im lockeren Gespräch in einem austauschbarem Büro. Vor allem, wenn der Bewerber wohl für die weitere Geschichte nicht weiter wichtig ist.
Auf einer Vernissage in der Galerie seiner Frau lernt Brown Clas Greve (Nikolaj Costr-Waldau) kennen; einen früheren Top-Manager, der jetzt in aller Ruhe eine ererbte Wohnung renovieren will. Als Brown erfährt, dass in dieser Wohnung ein wertvolles Gemälde ist, will er es klauen. Gleichzeitig möchte er Greve an ein in der Sicherheitsbranche tätiges Unternehmen vermitteln. Greve ist, nach einer kurzen Schamfrist, an dem gut bezahltem Job interessiert.
Während des Diebstahls entdeckt Brown, dass seine Frau ihn mit Greve betrügt. Doch es kommt noch schlimmer: Greve beginnt ihn plötzlich wie ein wildes Tier zu jagen.
Brown beginnt, während sich um ihn herum grotesk viele Leichen stapeln und er niemandem mehr vertrauen kann, um sein Leben zu kämpfen. Denn als Einbrecher und mutmaßlicher Mörder kann er nicht zur Polizei gehen.
Nach der Lektüre von „Headhunter“ wusste ich, dass der Film zwar sehr genau dem Buch folgt (was die Lektüre auch entsprechend zäh gestaltete), aber gerade die wenigen, von den Drehbuchautoren Ulf Ryberg und Lars Gudmestad und Regisseur Morten Tyldum vorgenommenen Änderungen schwächten die Geschichte.
Im Film ist bis zum Ende vollkommen unklar, warum Greve plötzlich wie ein Gedopter Brown jagt. Denn Greve scheint kein Interesse an dem ihm geklauten Bild zu haben. Schließlich lässt er es in einer schlecht gesicherten Wohnung herumliegen. Und dass dieser Liebhaber sich einfach so entschließt, den Mann seiner Geliebten umzubringen, scheint, auch weil Greve anscheinend kein Interesse an Diana hat, unglaubwürdig.
Weil Brown in den ersten Filmminuten vor allem als Einbrecher vorgestellt wird, könnte Greve auch für eine Verbrecherbande, eine Versicherung oder die Polizei arbeiten. Aber auch dann stellt sich die Frage, wie seine Verfolger so locker an die modernsten Überwachungstechniken kommen. Denn Brown ist letztendlich nur ein kleiner Gemäldedieb, der Bilder aus Privatwohnungen klaut.
Im Buch werden dagegen von Anfang an deutliche Spuren in Richtung Ökonomie gelegt, und bereits Mitten in der Geschichte erfährt Brown („Headhunter“ ist eine Ich-Erzählung), dass er eine Spielfigur in einer Übernahmeschlacht ist: Er soll Greve einer Firma als Manager empfehlen, damit dieser sie dann ausspionieren kann. Als Brown Greve nicht mehr als Top-Kandidat empfehlen will und damit Greves Plan gefährdet, ergreift Greve Maßnahmen, um den Plan zu retten.
Weil das im Film allerdings erst ganz am Ende enthüllt wird, hat man zwar eine nette Pointe (die Kapitalisten sind viel schlimmer als die Gauner), aber auch einen ziemlich zähen Film, bei dem unklar ist, warum wir auf der Seite von Brown, einem an Minderwertigkeitskomplexen leidendem, arroganten, erzneoliberalem Wirtschaftsgewinnler, stehen sollen.
So liefert „Headhunters“ nur den banalen Thrill einer Jagd, garniert mit einigen Schocks, bei der wir für den Gejagten kaum mehr Sympathie als für ein gejagtes Karnickel empfinden.
Zodiac – Die Spur des Killers (USA 2007, R.: David Fincher)
Drehbuch: James Vanderbilt
LV: Robert Graysmith: Zodiac, 1976 (Zodiac – Auf der Spur eines Serienkillers)
Finchers epische, detailversessene Verfilmung über die Jagd nach dem Zodiac-Killer, der auch als Inspiration für den Killer in dem ersten „Dirty Harry“-Film diente. Der Zodiac-Killer versetzte in den späten Sechzigern die Bevölkerung in und um San Francisco in Angst und Schrecken. Dazu trugen neben seinen Taten und dem ausbleibenden Fahndungserfolg der Polizei auch seine verschlüsselten Briefe an die Öffentlichkeit bei. Bis heute ist seine Identität unklar.
Das Drehbuch war für den Edgar den Preis der Writers Guild of America nominiert.
Mit Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Anthony Edwards, Robert Downey jr., Brian Cox, Cloe Sevigny, Elias Koteas, Dermot Mulroney
Während bei uns die TV-Macher schon eine Frau als Kommissariatsleiterin als große Innovation für den Freitagskrimi feiern, sind die Briten bei ihrem Freitagskrimi (die BBC strahlte „Luther“ freitags aus) schon einige Schritte weiter.
In der ersten Staffel der Krimiserie „Luther“ hat der hochintelligente DCI John Luther (Idris Elba, grandios!) eine taffe Vorgesetzte, Probleme mit einem hartnäckigem internen Ermittler, eine gescheiterte Ehe, einen psychologischen Knacks (es ging um die Verhaftung eines Serienmörders) und eine Freundin, die er in der Auftaktepisode kennenlernt.
Das klingt jetzt noch nach einem dieser düsteren Cop-Dramen, wie es schon Dutzende gibt.
Aber die Freundin von Luther ist Alice Morgan (Ruth Wilson, zuerst nervig, später grandios). Er weiß, dass sie ihre Eltern umgebracht hat, keine Reue empfindet und weiter morden wird. Dummerweise hat er keine Beweise gegen sie und sie beginnt ihn zu verfolgen. Mit der Zeit entwickeln sie eine richtige Hassliebe. Ein ungewöhnlicheres Paar hatten wir wohl noch nie in einer Krimiserie und allein dafür kann „Luther“-Erfinder Neil Cross nicht genug gelobt werden.
Dennoch ist die erste Folge ein ziemlich rumpeliger Start, der wenig von dem Potential der Serie verrät. Zu konventionell sind hier noch der Ermittler John Luther, seine intuitiven Ermittlungsmethoden, die auch Sherlock Holmes erstaunen würden, die Mischung aus dem Fall der Woche und dem Privatleben die Helden und die Dialoge sind teilweise arg platt. Aber die schiere Präsenz von Idris Elba trägt darüber hinweg.
Gut ist allerdings schon in der ersten Folge, dass in „Luther“ endlich wieder auf das altbekannte „Columbo“-Prinzip zurückgegriffen wird und der Täter von Anfang an bekannt ist. So können die Macher sich von Anfang an auf die Konfrontation zwischen Luther und dem Bösewicht zu konzentrieren und sie haben eine gute Entschuldigung, die Polizeiarbeit nur bruchstückhaft zu benutzen.
Ab dem zweiten Fall, in dem ein Ex-Soldat kaltblütig Polizisten ermordet und der nur von seinem im Gefängnis sitzendem Vater, der sich zu Unrecht verurteilt sieht, gestoppt werden kann, findet „Luther“ langsam seinen Ton. Denn noch ist Alice Morgan, die sich in Luthers Leben drängt, vor allem nervig und ihre Beziehung ist nach den Krimikonventionen nicht möglich. Doch das ändert sich in den nächsten Folgen. Luther verdächtigt einen Okkultismusautor, der vor zehn Jahren seine Frau ermordete, eine junge Mutter entführt zu haben. Dann sucht er einen Mann, der wahllos Frauen ermordet, die ihm, weil er sich als Taxifahrer tarnt, vertrauen.
Das zweiteilige Staffelfinale beginnt mit der Entführung der Frau eines Kunsthändlers. Die Entführer wollen innerhalb weniger Stunden das Lösegeld, eine größere Menge Diamanten, haben. Während ihrer Ermittlungen entpuppt sich ein Kollege von Luther als korrupt und die erste Staffel von „Luther“ steuert auf ein atemberaubendes Finale zu, das die vorherigen Erzählstränge gelungen miteinander verknüpft, die Beziehungen der verschiedenen Charaktere zueinander auf eine echte Probe stellt und auch das Verhältnis von Luther zu Alice Morgan vollkommen verändert.
Spätestens in dem Moment will man mehr von „Luther“ sehen. Weil die zweite Staffel von „Luther“ bereits am 30. März auf DVD erscheint und in England weitere „Luther“-Folgen gedreht werden, ist für Nachschub gesorgt.
Die DVD
Auf der DVD ist die internationale, vom BBC erstellte Fassung enthalten, die die einstündigen Episoden jeweils um ungefähr zehn Minuten kürzte. Außerdem nahm Polyband die ZDF-Ausstrahlung, die immer zwei Episoden hintereinander ausstrahlte, als Grundlage für die Veröffentlichung. Das ist, weil die erste „Luther“-Staffel aus sechs einstündigen Episoden mit, bis auf das zweiteilige Finale, eigenständigen Hauptfällen besteht, gewöhnungsbedürftig.
Als Bonusmaterial gibt es die knapp halbstündige Doku „Luther – The World of a true Maverick“, die sich weitgehend im Werbeblabla erschöpft. Denn selbstverständlich halten die Macher und die Schauspieler „Luther“ für eine grandiose Serie, die ganz anders als alle anderen englischen Krimiserien ist. Immerhin erzählt Autor Neil Cross etwas zu den Hintergründen von „Luther“.
Trivia: Die erste Episode erhielt den Edgar Award, die vierte war für einen Edgar nominiert.
Luther – Staffel 1 (Luther, GB 2010)
Regie: Brian Kirk (Episode 1 & 2), Sam Miller (Episode 3 & 4), Stefan Schwartz (Episode 5 & 6)
Erfinder/Drehbuchautor: Neil Cross
mit Idris Elba (DCI John Luther), Warren Brown (DS Justin Ripley), Paul McGann (Mark North), Dermot Crowley (DCI Martin Schenk), Ruth Wilson (Alice Morgan), Michael Smiley (Benny Silver), Steven Mackintosh (DCI Ian Reed), Indira Varma (Zoe Luther), Saskia Reeves (DSU Rose Teller)
–
DVD
Polyband
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Luther – The World of a true Maverick (Interviews mit Cast & Crew)
Neil Cross erzählt in „Luther – Die Drohung“ (Luther: The Calling, 2011) die Vorgeschichte zur Serie. In dem Buch sucht Luther den Mörder eines Ehepaares und deren entführtes Kind. Die Übersetzung ist jetzt bei Dumont erschienen.
Ebenfalls bei Dumont erschien bereits letztes Jahr „Vergraben“ (Burial, 2009), ein Thriller über zwei Freunde, die ein schreckliches Geheimnis teilen. Jetzt erpresst der eine den anderen.
Red Riding: Yorkshire Killer 1974 (GB 2009, R.: Julian Jarrold)
Drehbuch: Tony Grisoni
LV: David Peace: Nineteen Seventy-Four, 1999 (1974)
Yorkshire, 1974: Der ehrgeizige Lokaljournalist Eddie Dunford recherchiert im Fall eines verschwundenen Mädchens. Er entdeckt Parallelen zu ähnlichen Fällen.
Auftakt der grandiosen, aus drei Filmen bestehenden Verfilmung der Red-Riding-Romane von David Peace. Den zweiten Film, “1980″, zeigt der SWR in einer Woche um 23.00 Uhr und den Abschluss, “1983″, gibt es in zwei Wochen.
Mit Andrew Garfield, Eddie Marsan, John Henshaw, Sean Bean
Nicht der Plot (eigentlich ein 08/15-Liebedrama: Leonard lebt, nach mehreren Selbstmordversuchen, wieder in seinem Jugendzimmer. Seine Eltern wollen ihn mit Sandra verkuppeln. Aber er ist in Michelle verliebt.), sondern die Machart ist entscheidend. Und die stimmt bei „Two Lovers“.
Denn „Two Lovers“ ist wie Grays vorherige Filme „Little Odessa“, The Yards – Im Hinterhof der Macht“ und „Helden der Nacht“ hochkarätig besetztes Schauspielerkino ohne einen falschen Ton. Weder im Spiel, noch in der Kameraführung, dem Schnitt, der Ausstattung oder der Musikauswahl. Und keines dieser Elemente drängt in den Vordergrund. Sie alle dienen der Geschichte. Wieder einmal ist Grays Blick für die Details bemerkenswert. Teilweise fallen sie beim ersten Sehen nicht auf, aber alle zusammen machen die Geschichte glaubwürdig. Es sind Kleinigkeiten, wie die Fotowand in der Wohnung der Kraditors, Leonards Jugendzimmer, die kleinen Gesten und Blicke, die in Sekundenbruchteilen alles erklären und Entscheidungen, wie Joaquin Phoenix während eines Geständnisses mit dem Rücken zur Kamera spielen zu lassen, auf einen Schnitt zu verzichten, das Licht in einer besonderen Art zu setzen und eine – teilweise unsichtbare – Zeitlupe einzusetzen.
mit Joaquin Phoenix, Gwyneth Paltrow, Vinessa Shaw, Moni Moshonov, Isabella Rossellini, Elias Koteas
Ein Interpol-Agent und eine New Yorker Staatsanwältin wollen eine mächtige Bank, die Krieg und Terror finanziert, zur Strecke bringen. Das ist natürlich nicht so einfach.
Eine Woche nachdem „The International“ 2009 die Berlinale eröffnete und dort auf ein geteiltes Echo stieß, lief Tom Tykwers neuer Film in den Kinos an. Für Berliner ist er wegen des exzessiven Berlin-Shooting natürlich ein Pflichtprogramm. Aber auch andere sollten einen Blick riskieren. Denn „The International“ ist ein grundsolider Politthriller, der weitgehend realistisch unterhält (jaja, die Schießerei im Guggenheim-Museum ist reinstes Kino. Oder glaubt wirklich irgendjemand, dass in der Realität in dem Museum minutenlang herumgeballert werden kann, ohne dass ein Polizist oder ein Sicherheitsbeamter auftaucht? Aber toll anzusehen ist sie trotzdem.).
„Es gibt doch zurzeit nicht gerade haufenweise starke Thriller mit überzeugendem Gegenwartsbezug, die trotzdem dynamisch und intensiv sind, und die nicht angestrengt aufklärerisch oder bieder moralisierend daherkommen. Energische und trotzdem nachdenkliche Filme, deren Actionsequenzen nicht so hysterisch und ermüdend wirken, sondern klug verteilt sind. So einen Film wollte ich machen, auch aus einem gewissen Frust heraus, dass es in den letzten Jahren nur ganz wenige Vorbilder gab, an denen man sich hätte orientieren können. (…) Unser Film ist auch eine Reminiszenz an die klassischen Polit-Thriller aus den Siebzigerjahren, wo die Idee eines geheimen Systems innerhalb der offiziellen Dienste sehr verbreitet war. (…) Dieses Element des Paranoia-Thrillers wollten wir aufnehmen und in die Gegenwart führen.“ (Tom Tykwer, Berliner Zeitung 31. Januar/1. Februar 2009)
Mit Clive Owen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl, Brian F. O’Byrne
Columbo: Etude in Schwarz (USA 1972, R.: Nicholas Colasanto, Peter Falk [ungenannt], John Cassavetes [ungenannt])
Drehbuch: Steven Bochco
Erfinder: Richard Levinson , William Link
Dirigent Alex Benedict will nicht auf die unverschämten Forderungen seiner Geliebten eingehen. Also bringt er sie um und tarnt es als Selbstmord. Aber Lt. Columbo mag Selbstmorde, vor allem Selbstmorde von jungen Frauen nicht, und sucht ihren Mörder.
Bochcos Drehbuch war für einen Emmy nominiert.
Und die Besetzung ist auch nicht schlecht.
mit Peter Falk, John Cassavetes, Blythe Danner, James Olson, Myrna Loy, Pat Morita
Justified: Brand im Stollen(USA 2010, R.: Michael Dinner)
Drehbuch: Graham Yost
Erfinder: Graham Yost
LV: Elmore Leonard: Fire in the Hole, 2001 (Kurzgeschichte, auch in „When the Women come out to dance“, 2002, veröffentlicht; aber eigentlich ist es der von Elmore Leonard erfundene Charakter)
US Marshal Raylan Givens wird nach einem Schusswechsel in Miami wieder in sein altes Heimatkaff in Kentucky strafversetzt und begegnet dort auch seinen alten Freunden, die jetzt teilweise auf der anderen Seite des Gesetzes stehen. Ein gefundenes Fressen für Givens, der Probleme gerne in bewährter Wild-West-Manier löst.
In den USA war die auf einem Charakter von Elmore Leonard basierende Serie ein Erfolg beim Publikum. Die Krimifans waren auch begeistert und sogar Elmore Leonard, der meist und zu Recht die Verfilmungen seiner Werke kritisiert, ist auch begeistert. Inzwischen läuft dort die dritte Staffel und die Vierte ist schon bestellt.
Bei uns wird jetzt zu einer sehr ungünstigen Uhrzeit mit der Ausstrahlung begonnen und ich bin nach den „Sopranos“ und „The Shield“ (um nur zwei zu nennen) schon gespannt, wie lange die Serie bei uns im TV ausgestrahlt wird.
Graham Yost schrieb auch die Drehbücher für „Speed“, „Operation: Broken Arrow“ und „Mission to Mars“, bevor er sich – erfolgreich – dem Fernsehen zuwandte.
mit Timothy Olyphant (Raylan Givens), Nick Searcy (Chief Deputy Art Mullen), Joelle Carter (Ava Crowder), Jacob Pitts (Tim Gutterson), Erica Tazel (Rachel Brooks), Natalie Zea (Winona Hawkins), Walton Goggins (Boyd Crowder)
Ufos, Sex und Monster – Das wilde Kino des Roger Corman (USA 2011, R.: Alex Stapleton)
Drehbuch: Alex Stapleton, Gregory Locklear
Spielfilmlange Doku über den Produzenten und Regisseur Roger Corman, der vor allem mit billig produzierten Horror- (vor allem seine Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen), Science-Fiction-, Biker und Exploitationfilmen Geld machte und vielen jungen Regisseuren und heutigen Stars (wie Jack Nicholson, Robert De Niro und Sylvester Stallone) die ersten Schritte ermöglichte. Zu den noch heute bekannten Regisseuren gehören Francis Ford Coppola, Martin Scorsese, Monte Hellman, Jonathan Demme, Curtis Hanson, James Cameron, Peter Bogdanovich, John Sayles, Joe Dante, George Lucas, Ron Howard, Robert Zemeckis und Sylvester Stallone.
Es gab normalerweise nur zwei Auflagen bei seinen Filmen. Sie mussten billig sein und einige Szenen enthalten, die die Leute ins Kino bringen. Mit diesem Rezept schuf er einige Klassiker und verdiente viel Geld.
Gleichzeitig verlieh er in den USA Filme, die öfters den Oscar für den besten ausländischen Film erhielten, von Ingmar Bergman, François Truffaut, Federico Fellini und Akira Kurosawa.
Wahrhaft ein schillernder und einflussreicher Charakter.
Mit Roger Corman, Martin Scorsese, Robert De Niro, Quentin Tarantino, Jack Nicholson, Ron Howard, William Shatner, Eli Roth, David Carradine, Brett Ratner, Traci Lords, Paul W.S. Anderson, Eric Balfour, Clint Howard, Pam Grier, Peter Fonda, Timur Bekmambetov, Bruce Dern, Jonathan Demme, Peter Bogdanovich, James Wan, Joe Dante, Irvin Kershner, John Sayles, Nancy Sinatra, Darren Lynn Bousman, Gale Anne Hurd, Lloyd Kaufman, Richard Matheson, Jim Wynorski, Paul Bartel, Monte Hellman, David Crosby, Allan Arkush
Die Story ist ein luftiges Nichts: Gang-Boss Raven Shaddock entführt während eines Konzertes die Sängerin Ellen Aim. Ihr Ex Tom Cody kommt zurück, rettet sie aus dem Club des Bösen, bringt sie zurück und trifft sich mit Raven zum abschließenden Kampf.
„Straßen in Flammen“ ist ein typischer 80er-Jahre Actionfilm, der bemerkenswert gut gealtert ist. Damals war er als überlanger Videoclip seiner Zeit weit voraus. Heute ist der Genrehybrid immer noch gut genießbar. Damals war Walter Hill einer der heißesten und besten Regisseure von intelligenten Actionfilmen. Heute liegt sein letzter guter Spielfilm auch schon fünfzehn Jahre zurück.
Mit Michael Paré, Diane Lane, Rick Moranis, Amy Madigan, Willem Dafoe, Deborah Van Valkenburgh, Richard Lawson, Rick Rossovich, Bill Paxton
„John Carter zwischen zwei Welten“ ist eine positive Überraschung. Immerhin war der Film jahrelang und immer wieder in Hollywood „in Entwicklung“ und niemand hat wirklich auf die Verfilmung eines Buches von Edgar Rice Burroughs, dem Erfinder von Tarzan, gewartet. Denn, Nostalgie hin, Nostalgie her, eine Geschichte über einen Bürgerkriegsveteranen (ich rede vom Sezessionskrieg 1861 – 1865), der mit einem Amulett auf den Mars gelangt, dort in die Kämpfe der Marsianer verwickelt und sich in eine Prinzessin verliebt, ist wirklich nichts, auf das zeitgenössische Kinozuschauer sehnsüchtig warten.
Dann veröffentlichte Disney einige Trailer, die nach einer grottigen „Krieg der Sterne“-Kopie (der, nach der George-Lucas-Zählung, Teile eins bis drei) aussahen, die eigentlich nur ein längliches Desaster, das ungefähr so amüsant wie der Genuss des „Musikantenstadels“ ist, erwarten ließen. Jeder offizielle Trailer brüllt: „Sieh mich nicht an!“.
Mit entsprechend niedrigen Erwartungen setzte ich im Kino die 3D-Brille (jau, selbstverständlich wurde der Film auf 3D hochgepimpt) auf und war positiv überrascht.
Es beginnt angenehm altmodisch und ruhig mit dem 18-jährigen Edgar Rice Burroughs, der reichlich überrascht um die Jahrhundertwende das Erbe seines Onkels, des überraschend verstorbenen, vermögenden Südstaatlers John Carter antritt. Er vertieft sich an einem Abend in dessen Aufzeichnungen, in denen der Ex-Soldat erzählt, wie er nach dem Krieg im Wilden Westen als Goldsucher lebte und in einer Höhle ein Amulett entdeckte, das ihn auf den Mars (der von den Bewohnern Barsoom genannt wird) transportierte. Dort gerät er dann in einen Krieg zwischen mehreren, mehr oder weniger menschlich aussehenden Völkern, er muss kämpfen, er verliebt sich und das alles geschieht vor einer fantastischen Kulisse, die all die Insignien einer einstmals prächtigen und sich jetzt im Niedergang befindenden Kultur hat.
Die rudimentäre und eher hanebüchene Story, die auch gerade in der Mitte, wenn die verschiedenen Stämme gegeneinander kämpfen und konspirieren, ihre Längen hat, erinnert mehr als einmal an „Flash Gordon“, die ersten, echten, originalen „Krieg der Sterne“-Filme, die zahlreichen Sandalenfilme, „Stargate“ und, immerhin hat James Cameron selbst darauf hingewiesen, „Avatar“. Dabei, und hier sind wir in einer amüsanten Zeitschleife, haben diese Filme sich eifrig bei John Carter und der dortigen Mythologie bedient. Denn ohne John Carter hätte es keinen „Flash Gordon“ gegeben und wenn jetzt „John Carter“ wie eine „Flash Gordon“-Kopie wirkt, dann sieht man, wie viel „Flash Gordon“ dem von Edgar Rice Burroughs erschaffenem Charakter und Barsoom verdankt.
Dass „John Carter“ so gut ist, liegt nicht nur an den Schauspielern. Mark Strong, Willem Dafoe, Thomas Haden Church, Ciáran Hinds und Bryan Cranston bürgen inzwischen für eine gewisse Qualität. Viel wichtiger sind der Regisseur und die Autoren, die die von Edgar Rice Burroughs erschaffene Welt ernst nehmen.
Regisseur und Drehbuchautor Andrew Stanton inszenierte vorher die Animationsfilme „Finding Nemo“ und „Wall-E“ und er war bei zahlreichen Pixar-Filmen beteiligt. Auch der zweite Drehbuchautor und Second-Unit-Regisseur Mark Andrews kommt aus dem Pixar-Stall. Der dritte Drehbuchautor ist Michael Chabon, der vor allem als Romanautor bekannt ist. „Wonder Boys“, „Das letzte Rätsel“ und die mit dem Hugo- und Nebula-Preis ausgezeichnete „Die Vereinigung jiddischer Polizisten“ sind von ihm, Bei dem zweiten „Spider-Man“-Film schrieb er am Drehbuch mit.
Und so ist „John Carter“ nicht nur deutlich besser als erwartet, sondern ziemlich gutes Fantasy-Kino, das sich erfolgreich bemüht, die damalige Zeit wiederauferstehen zu lassen. Denn der Mars, auf dem John Carter kämpfen muss, wirkt immer wie eine Parallelwelt, die man sich vor etwa hundert Jahren mit dem damaligen Wissen über Technik und fremde Welten ausdachte. Heute würde man so etwas Steampunk (wobei wir da mit unserem heutigen Wissen eine alternative viktorianische Welt entwerfen) nennen. Aber Edgar Rice Burroughs schrieb die Geschichten John-Carter-Geschichten bereits vor hundert Jahren und sie waren „rasanter, actionreicher Nonsens und sogar für damalige Verhältnisse oft absurd“, aber sie waren nicht frei von moralischen und philosophischen Aspekten, die „eine für damals überraschende Sensibilität an den Tag legt“ (David Pringle: Das ultimative Science-Fiction-Lexikon, 1997).
Als Zwölfjähriger wäre ich von „John Carter zwischen zwei Welten“ (welch dämlicher Titel!) sicher so begeistert wie damals von den „Krieg der Sterne“-Filmen (den echten!). Denn „John Carter“ ist ein ziemlich gelungener Fantasy-Film, der erfolgreich den Geist der Vergangenheit heraufbeschwört und einfach nur niveauvoll unterhalten will.
Der 3D-Effekt stört zwar nicht, aber er fällt auch nicht weiter auf.
Nachdem ich den Film gesehen hatte, entdeckte ich diesen Fan-Trailer, der einen guten Eindruck vom Film vermittelt und der wirklich neugierig auf „John Carter“ macht:
John Carter zwischen zwei Welten (John Carter, USA 2012)
Regie: Andrew Stanton
Drehbuch: Andrew Stanton, Mark Andrews, Michael Chabon,
LV: Edgar Rice Burroughs: A Princess of Mars, 1912 (als Fortsetzungsgeschichte in „All-Story“)/1917 (als Buch) (Die Prinzessin vom Mars)
mit Taylor Kitsch, Lynn Collins, Willem Dafoe, Mark Strong, Samantha Morton, Ciarán Hinds, Dominic West, Thomas Haden Church, Daryl Sabara, Polly Walker, Bryan Cranston, David Schwimmer, Jon Favreau
Die Story von Steven Soderberghs neuem Film „Haywire“ ist ein luftiges Nichts. Eher eine Entschuldigung, um eine Reihe toller Action-Szenen aneinanderzureihen, als ein ausgefuchster Plot mit Twists und erinnerungswürdigen Dialogen.
Mallory Kane (Gina Carano) ist eine Special-Ops-Agentin auf der Flucht. Ihr Chef, der als internationaler Kontraktor seine Dienste meistbietend den verschiedenen Geheimdiensten anbietet, will sie umbringen. Sie versucht herausfinden, warum sie sterben soll und reist dabei um die halbe Welt.
Mehr Story brauchen Drehbuchautor Lem Dobbs und Regisseur Steven Soderbergh, die bereits bei „Kafka“ und „The Limey“ zusammen arbeiteten, nicht, um Gina Carano in ihrem Filmdebüt gut in Szene zu setzen. Die erfolgreiche Mixed-Martial-Arts-Kämpferin erledigt ihren Job, auch dank des für sie sehr dialogarmen Drehbuchs, gut. Sie muss vor allem kämpfen, klettern, über Dächer springen und kämpfen, kämpfen, kämpfen und das kann sie.
Im Gegensatz zu den derzeit üblichen Schnittgewittern bei Action-Szenen, schnitt Soderbergh die Action-Szenen so angenehm altmodisch, dass man die Kämpfe wirklich verfolgen und die Leistungen der Schauspieler und Stuntmen bewundern kann. Das hat dann wieder die Faszination älterer Filme, in denen die Action noch ohne Computerhilfe erledigt wurde. Soderbergh nennt als einen der Einflüsse für die Mischung aus Story und Action in „Haywire“ den James-Bond-Film „Liebesgrüße aus Moskau“. Ein anderer, ebenso unübersehbarer Einfluss ist Alfred Hitchcock. So sollte das Haus in dem Mallorys Vater wohnt, an das Haus des Bösewichts in „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest) erinnern.
Neben Carano spielen, was bei Soderbergh nicht ungewöhnlich ist, viele Stars mit. Michael Fassbender, Ewan McGregor, Michael Douglas, Antonio Banderas, Bill Paxton und Channing Tatum verleihen dem Film damit eine besondere Klasse und sie helfen, Carano wie eine bessere Schauspielerin aussehen zu lassen.
„Haywire“ ist ein angenehm altmodischer, im Agentenmilieu spielender Action-Thriller, der durch die leicht unchronologische Erzählweise, der hypnotischen Musik von David Holmes (der mit Soderbergh bereits bei „Out of Sight“ und den „Ocean’s“-Filmen zusammenarbeitete), die Kürze (nach knackigen neunzig Minuten ist der Spaß vorbei) und den zynischen Spitzen der Geheimdienstler (gespielt mit spürbarer Lust von Ewan McGregor, Antonio Banderas und Michael Douglas) richtig Spaß macht und dank der Intelligenz der Macher deutlich besser als die gängigen B-Movies der 80-Jahre-Action-Stars (also der Kämpfer Chuck Norris, Jean-Claude van Damme und Steven Seagal) ist und seine teilweise überbudgetierten Nachfolger locker auf die Ersatzbank verweist.
Für traditionsbewusste Genrejunkies ist „Haywire“ ein Pflichttermin.
Haywire (Haywire, USA 2011)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Lem Dobbs
mit Gina Carano, Michael Fassbender, Ewan McGregor, Bill Paxton, Channing Tatum, Antonio Banderas, Michael Douglas, Michael Angarano, Mathieu Kassovitz, Anthony Wong
LV: John Reese: The Looters, 1968 (später wegen des Films “Charley Varrick”)
Zufällig klaut Charley Varrick bei einem Überfall auf eine Provinzbank eine dreiviertel Million Dollar. Dummerweise gehört das Geld der Mafia – und die versteht keinen Spaß.
Herrlich amoralischer Gangsterfilm, bei dem ein Einzelner einen scheinbar hoffnungslosen Kampf gegen eine große, skrupellose Organisation aufnimmt.
„In diesem besten von Siegels späten Filmen wird nicht nur mit dem Genre gespielt, bis ein Westernmuster in einem Mafiafilm aufscheint, sondern sein Drehbuch ist auch derart ausgefeilt, dass es seine Wahrheit erst im letzten Moment offenbart.“ (Kevin Gough-Yates, in Frank Arnold/Michael Esser [Hrsg.]: Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme)
John Reese schrieb in erster Linie Western.
Mit Walter Matthau, Joe Don Baker, John Vernon, Felicia Farr, Don Siegel (als Tischtennisspieler)