„Inspector Barnaby“ und das gar nicht so beschauliche Landleben

Juli 23, 2012

Die Assistenten von DCI Tom Barnaby wechseln. Aber die Grundpfeiler der britischen Krimiserie „Inspector Barnaby“, die im Original, nach dem Handlungsort, „Midsomer Murders“ heißt und von 1997 bis 2011 von ITV ausgestrahlt wurde, bleiben gleich.

Tom Barnaby ist glücklich verheiratet mit Joyce und ihre Tochter Cully wird zwar älter, aber sie bereitet den Eltern keine Probleme. Sogar ihre gut erzogenen Freunde sind unter den strengen Augen des Vaters akzeptabel. Die Barnabys sind das Vorbild für eine glückliche Mittelstandsfamilie.

Auch die Grafschaft Midsomer, in der sie leben, erfüllt jedes Klischees des ländlichen Englands, in dem die Welt noch heil ist. Es gibt keine Drogen. Außer Alkohol. Aber keine Alkoholiker. In Midsomer gibt es nur Genusstrinker. Es gibt keine Hippies oder Punks. Sogar die Jugendlichen freuen sich über einen schönen, altmodischen Bauerntanz. Es gibt auch keine Ausländer oder Neger. Auch Lesben und Homosexuelle scheinen diesen englischen Landstrich zu meiden. All diese Schrecknisse der Moderne und der Großstadt sind in Midsomer bislang nicht angekommen.

Eigentlich ist Midsomer sogar so friedlich, dass die Einwohner ihre Fahrräder und Wohnungen nicht abschließen. Es gibt nur eine Mordrate, die sogar für eine Großstadt beeindruckend ist. Und vielleicht gerade deswegen kriegen die Bewohner der Grafschaft Midsomer keine Schrei- und Panikattacken, wenn sie mal wieder eine Leiche entdecken. Immerhin werden in den 81 Folgen der Krimiserie zweihundert Menschen ermordet.

Auch bei den Barnabys wird sich über Tom Barnabys neuesten Mordfall beim Frühstück unterhalten, als ob es um die gemeinsame Abendplanung ginge. Und wenn die Familie Barnaby mal gemeinsam, wie in „Nass und Tod“ (Dead in the Water, GB 2004), zu einer Regatta geht, packt Joyce anschließend schulterzuckend den Picknickkorb zusammen. Es war ja klar, dass ihr Mann auch hier in einen Mordfall stolpert. So ist das Leben in der Grafschaft Midsomer.

Die zuletzt erschienenen DVD-Boxen „Volume 14“ und „Volume 15“ mit jeweils vier „Inspector Barnaby“-Fällen bieten einen Querschnitt durch die Fälle. Denn, wie auch in den vorherigen „Inspector Barnaby“-Boxen, sind die Fälle bunt aus verschiedenen Jahren und mit verschiedenen Assistenten zusammengewürfelt. Nur an den wechselnden Assistenten, an Cullys Alter und den im Polizeirevier stehenden Computern kann erahnt werden, wann der Krimi entstand.

Dabei sind die besseren Fälle von „Inspector Barnaby“ präzise Milieustudien der englischen Upper-Class, der Lords und der Neureichen, die sich teilweise seit Jahrzehnten, manchmal auch nur seit einigen Jahren, auf das innigste hassen und bekämpfen. Es gibt auch den verarmten Adel. Neid und Missgunst sind daher probate Mordmotive.

In den schlechteren Fällen (die sich eher auf „Volume 14“ befinden) wird dieser Kampf zwischen Reich und Arm dann zu einem possenhaftem Bauerntheater, das überdeutlich auf die Absurdität der Grundkonstellation der Serie hinweist.

Aber diese Cozy-Grundkonstellation bietet auch einen höchst beunruhigenden Blick in die menschliche Psyche. Denn auch wenn der Mord als eine schöne Kunst betrachtet wird, bei dem die Lösung vor allem ein intellektuelles Ratespiel ist und wenn der Mörder überführt wird, die Welt wieder in Ordnung ist, kann die absurd hohe Midsomer-Mordrate und der britische unterkühlte Umgang mit den Toten nicht darüber hinwegtäuschen, dass in jeder Folge, in der es normalerweise mehrere Morde gibt, auch immer gesagt wird: „Wir brauchen keine Ausländer und keine renitenten Jugendliche, um uns gegenseitig umzubringen. Ein gut gepflegter Nachbarschafts- oder Familienstreit tut es auch. Und wenn man mit einem Mord seine Probleme lösen kann, dann tu es ruhig. Wissen Sie, das Böse ist schon lange ein akzeptierter Teil unserer Gemeinschaft.“

So gesehen sind die „Midsomer Murders“ viel beunruhigender als sich in schrecklichen Bildern und nihilistischen Tiraden badende, sich realistisch und düster nennende Krimis, in denen die Welt anscheinend aus, teils geistig minderbemittelten, Berufsverbrechern besteht und man sich immer sagen kann, dass das einen nicht betrifft, weil man ja ein ehrlicher, gesetztestreuer Bürger ist. Wie die Bewohner der Grafschaft Midsomer, die keine Probleme haben einen Malkurs oder eine Blumenschau mit einem Mord zu verbinden.

Manchmal, wie in „Die Blumen des Bösen“ (Orchis Fatalis), sind die Motive für die Mordserie sogar für die Bewohner von Midsomer ziemlich abstrus. In dem Fall wird sogar eine Frage nicht geklärt: Wie kommt ein China-Restaurant nach Midsomer?

Postskriptum: Nachdem John Nettles als Inspector Tom Barnaby 2011 den Dienst in Midsomer quittierte, haben die Macher sich entschlossen, die Serie von „Midsomer Murders“ in „Barnaby“ umzubenennen (die internationalen Verkäufe könnten eine Rolle gespielt haben) und mit Barnabys jüngerem Cousin John Barnaby (gespielt von Neil Dugeon) fortzuführen. Seinen ersten eigenen Fall „Death in the slow lane“ löste er am 23. März 2011.

Also ändert sich sogar der Ermittler, aber ‚Merry Old England‘ bleibt ‚Merry Old England‘.

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Inspector Barnaby (Midsomer Murders, GB 1997 – 2011)

LV: Charaktere von Caroline Graham

mit John Nettles (DCI Tom Barnaby), , Daniel Casey (Sergeant Gavin Troy, 1997 – 2003), John Hopkins (Sergeant Dan Scott, 2004 – 2005), Jason Hughes (DS Ben Jones, 2005 – 2011), Jane Wymark (Joyce Barnaby), Barry Jackson (Dr Bullard), Laura Howard (Cully Barnaby)

Inspector Barnaby – Vol. 14

Edel

Bild: 16:9 (PAL)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 389 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre (wegen der Hochzeitsepisode „Bloody Wedding“)

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Die bunt-gemischten Ermittlungen

Ganz in Rot (Blood Weeding, GB 2008, Staffel 11, Folge 2)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: David Lawrence

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Mord mit Rendite (Market for Murder, GB 2002, Staffel 5, Folge 1)

Regie: Sarah Hellings

Drehbuch: Andrew Payne

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Der Tod und die Lady (A Talent for Life, GB 2003, Staffel 6, Folge 1)

Regie: Sarah Hellings

Drehbuch: David Hoskins

mit Honor Blackman

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Der Tod malt mit (Painted in Blood,GB 2003 Staffel 6, Folge 3)

Regie: Sarah Hellings

Drehbuch: Andrew Payne

 

Inspector Barnaby – Vol. 15

Edel

Bild: 16:9 (PAL)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 384 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

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Die etwas weniger bunt gemischten Ermittlungen

Unglücksvögel (Birds of Prey, GB 2003, Staffel 6, Folge 5)

Regie: Jeremy Silberston

Drehbuch: Michael Russell

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Immer wenn der Scherenschleifer… (Bad Tidings, GB 2004, Staffel 7, Folge 2)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: Peter J. Hammond

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Grab des Grauens (The Fisher King, GB 2004, Staffel 7, Folge 3)

Regie: Richard Holthouse

Drehbuch: Isabelle Grey

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Die Blumen des Bösen (Orchis Fatalis, GB 2005, Staffel 8, Folge 3)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: Terry Hodgkinson

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Hinweise

ITV über Inspector Barnaby

ZDF über „Inspector Barnaby“

Wikipedia über „Inspector Barnaby“ (deutsch, englisch)

FAZ: Nina Belz trifft John Nettles (6. März 2011)

Krimi-Couch über Caroline Graham

Kaliber.38 über Caroline Graham

 Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 12“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 13“


TV-Tipp für den 23. Juli: Delta Force

Juli 23, 2012

Kabel 1, 22.40

Delta Force (USA 1986, R.: Menahem Golan)

Drehbuch: James Bruner, Menahem Golan

Musik: Alan Silvestri

Terroristen entführen ein US-Passagierflugzeug. Die Delta Force rückt aus, um den Entführern Manieren beizubringen.

Obwohl „Delta Force“ auf der Entführung des TWA Flug 847 am 14. Juni 1985 basiert, ist Menahem Golans Werk „ein weiteres Monument der Ramb-Ideologie“ (Fischer Film Almanach 1987) und wäre nicht besonders bemerkenswert, wenn die Produzenten Menahem Golan und Yoram Globus, die Cannon-Chefs, die damals als B-Actionfilmschmiede das Bild das Actionkinos bestimmte („Missing in Action“, „Invasion U. S. A.“, „Die City-Cobra“ und viele mehr), nicht so viele Stars für ihren Film verpflichtet hätten. Der Film selbst zerfällt in zwei Hälften: in der ersten wird ziemlich realistisch die Entführung und die Reaktionen der Passagiere gezeigt; in der zweiten entwickelt sich eine abstruse Befreiungsorgie, die komplett auf jegliche Logik verzichtet. Immerhin lernen wir die Chuck-Norris-Methode des effizienten Umbringen des Bösewichts kennen.

Der Rest sind Hurra-Patriotismus für die USA (typisch für Golan/Globus-Filme) und Israel (sehr untypisch), arabische Klischee-Bösewichter und viel Action.

Der Film war bis Juli 2011 indiziert. Nachdem er vom Index genommen und neu geprüft wurde, erhielt er eine „FSK ab 16 Jahre“-Freigabe. Deshalb müsste er heute ungeschnitten im TV laufen.

„Delta Force“ ist auch der letzte Film von Lee Marvin.

mit Chuck Norris, Lee Marvin, Martin Balsam, Joey Bishop, Hanna Schygulla, Robert Forter, Lainie Kazan, George Kennedy, Susan Strasberg, Bo Svenson, Robert Vaughn, Shelley Winters, Kim Delaney, Liam Neeson (ungenannt, als Delta-Force-Mitglied)

Wiederholung: Dienstag, 24. Juli, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Delta Force“ (deutsch, englisch)

Film Monthly über „Delta Force“ (28. Juni 2012)

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Etwas Fortbildung

 


TV-Tipp für den 22. Juli: Kein Koks für Sherlock Holmes

Juli 22, 2012

RBB, 22.00

Kein Koks für Sherlock Holmes (USA/GB 1976, R.: Herbert Ross)

Drehbuch: Nicholas Meyer

LV: Nicholas Meyer: The Seven-per-cent Solution, 1975

Dr. Watson bugsiert Sherlock Holmes nach Wien zu einer Therapie bei Dr. Sigmund Freud. Als sie in einen mysteriösen Kriminalfall stolpern erwachen die kleinen grauen Zellen des Meisterdetektivs.

Vergnügliche Liebeserklärung an Holmes und Watson und eine vergangene Zeit.

Mit Alan Arkin, Nicol Williamson. Robert Duvall, Laurence Olivier, Vanessa Redgrave, Samantha Eggar, Charles Gray

Hinweise

Wikipedia über „Kein Koks für Sherlock Holmes“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Kein Koks für Sherlock Holmes“

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitzs „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Skandal in Belgravia“ (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 21. Juli: Mein Bruder Kain

Juli 21, 2012

ZDFneo, 22.30

Mein Bruder Kain (USA 1992, R.: Brian De Palma)

Drehbuch: Brian De Palma

Der angesehene Kinderpsychologe Carter Nix hat Probleme mit seinen verschiedenen Persönlichkeiten. Besonders Kain löst Probleme mit anderen Menschen gerne final.

Unterschätzter De-Palma-Film. Denn: “Raising Cain is (…) one of De Palma’s most challenging, elliptical and darkly comic films. Because of its refusal to ‘make it easy’ for the audience, it is also the least understood and appreciated film from his ‘red phase’.” (Senses of Cinema)

Mit John Lithgow, Lolita Davidovich, Steven Bauer, Frances Sternhagen, Gregg Henry

Hinweise

Senses of Cinema über „Mein Bruder Kain“ (Raising Cain)

Slant Magazine über “Mein Bruder Kain”

Senses of Cinema über Brian De Palma (2003)


DVD-Kritik: Die „Misfits“ wollen nur ihren Spaß haben

Juli 20, 2012

Einige nichtsnutzige Jugendliche, die in einem heruntergekommenen Gemeinschaftszentrum (Gibt es auch andere?) ihre Sozialstunden ableisten müssen, werden während eines Gewitters von einem Blitz getroffen und entwickeln Superkräfte.

Klingt doch gut?

Aber nach der ersten Folge der BBC-Serie „Misfits“ wollte ich mir die restlichen fünf Folgen der ersten Staffel nicht mehr ansehen. Denn die deutsche Synchronisation, so ein pseudo-hipper Pseudo-Nord-Neukölln-Assi-Slang, vergällte mir jede Lust.

Dann sah ich mir die zweite Folge im Original an und es war besser. Jedenfalls klang der Slang natürlicher und es entwickelt sich auch der Beginn einer folgenübergreifenden Geschichte. Denn nicht nur die fünf Straftäter, sondern auch andere Menschen hatten neue Kräfte bekommen.

Aber gerade dieser Strang wird von Autor Howard Overmann, der die Serie erfand und alle Drehbücher schrieb, nicht weiterverfolgt. Die Superkräfte, – die da wären: eine kann Gedanken lesen, eine kann durch Berührung Männer in sie begehrende Sexbestien verwandeln, einer kann in die Zukunft sehen und sie verändern, einer kann sich unsichtbar machen und das Plappermaul der Gruppe weiß bis zum Ende der ersten Staffel nicht, was für eine Superkraft er hat -, spielen in den meisten Folgen keine oder nur eine marginale Rolle. Ein Gimmick eben.

Stattdessen entwickelt sich ein halbgarer Krimi. Denn in der ersten Folge wird der Bewährungshelfer der Jugendlichen durch das Gewitter zu einer von einem Wut-Virus infizierten Bestie, die die Jugendlichen umbringen will. Sie sind schneller und vergraben die Leiche unter einer Autobrücke. In der zweiten Folge taucht die Freundin des Toten als ihre neue Betreuerin auf. Sie will herausfinden, was mit ihrem Freund geschah und sie glaubt, dass die Jugendlichen etwas damit zu tun haben.

Neben dem Krimiplot erfahren wir in den einzelnen Folgen etwas über die Wünsche und Sehnsüchte unserer jugendlichen Outcasts. Aber das alles könnte auch gut, wahrscheinlich sogar besser, ohne das Superkräfte-Gedöns gezeigt werden. Denn meistens spielen ihre neuen Kräfte keine entscheidende Rolle für die Geschichte. Auch die potentiellen Konflikten zwischen den Wünschen der Jugendlichen, die nur ihr Vergnügen wollen, und dem allseits bekanntem Superheldenethos, der aufgrund seiner Kräfte die Welt zu einem besseren Ort machen muss (Spider-Man!), werden höchstens gestreift. Es gibt daher auch keine Kämpfe gegen andere Superhelden. Sogar in der letzten Episode, in der eine Sekte Jugendliche zu einem tugendhaftem Leben verführt (naja, genaugenommen manipuliert deren Anführerin mit ihrer gedankenverhexenden Superkraft die Menschen dazu), könnte locker ohne die Superkräfte der „Misfits“ auskommen.

Insofern war ich, trotz einiger Lacher, schwer enttäuscht von den „Misfits“.

P. S.: Die Freigabe der FSK „ab 18 Jahre“ bezieht sich nur auf die zweite Folge. In der hat einer der Jugendlichen Sex mit einer Frau, deren Superkraft ist, dass sie sich wieder in eine junge Schönheit verwandeln kann. Das führt beim Sex zu einem für den Jungen schockierendem Erlebnis. Aber ob wirklich etwas nackte Haut der Grund für die FSK-18 war, weiß ich nicht.

Jedenfalls wurde so eine Serie für Jugendliche zu einer Serie gemacht, die von Jugendlichen nicht gesehen werden kann, und im Fernsehen erst nach 22.00 Uhr (die FSK-18-Folge noch später) gezeigt werden kann.

Misfits – Staffel 1 (Misfits, GB 2009)

Regie: Tom Green (Episode 1, 2,4), Tom Harper (Episode 3, 5, 6)

Drehbuch: Howard Overman

Erfinder: Howard Overman

mit Antonia Thomas (Alisha Bailey), Robert Sheehan (Nathan Young), Lauren Socha (Kelly Bailey), Iwan Rheon (Simon Bellamy), Nathan Stewart-Jarrett (Curtis Donovan), Alex Reid (Sally)

–

DVD

Polyband

Bild:16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Behind the Scenes, Simon’s Films, The Making of Misfits, Wendecover

Länge: 270 Minuten (6 x 45 Minuten) (2 DVDs)

FSK: ab 18 Jahre

–

Hinweise

BBC/E4 über „Misfits“

BBC Germany über „Misfits“

Wikipedia über „Misfits“ (deutsch, englisch)

Film ABC: Unterrichtsmaterialien zur Serie

 


TV-Tipp für den 20. Juli: Firewall

Juli 20, 2012

RBB, 00.00

Firewall (USA 2006, R.: Richard Loncraine)

Drehbuch: Joe Forte

Bankräuber Bill Cox nimmt die Familie von Jack Stanfield, Sicherheitschef bei einer Bank, gefangen. Er verlangt von Stanfield, dass dieser ihm bei dem Bankraub hilft. Stanfield versucht den Bankraub zu verhindern und seine Familie zu retten.

Gut, die Story ist mit etwas Hightech-Voodoo aufgebretzelte Dutzendware, aber die Riege der altbekannten Gesichter und die Schlägerei am Ende (sie war auch für den World Stunt Award/Taurus-Award als bester Kampf) entschädigt dafür.

„Firewall“ ist ein B-Picture mit Starpower.

mit Harrison Ford, Virginia Madsen, Paul Bettany, Carly Schroeder, Jimmy Bennett, Mary Lynn Rajskub, Robert Forster, Robert Patrick, Alan Arkin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Firewall“

Wikipedia über „Firewall“ (deutsch, englisch)

The Writing Studio: Interview mit Joe Forte über „Firewall“

Mein Geburtstagsgruß an Harrison Ford (mit weiteren Links)


Neu im Kino/Filmkritik: „Lady Vegas“ verzockt sich

Juli 19, 2012

„Lady Vegas“ basiert auf der ‚Biographie‘ „Lay the Favorite: A Memoir of Gamblin“ von Beth Raymer und die Geschichte hat auch etwas: da macht sich eine Kleinstadtstripperin (Rebecca Hall) aus Florida auf nach Las Vegas, um dort als Kellnerin in einer Cocktailbar ihr Glück zu versuchen. Von dem Job hat sie keine Ahnung; was auch egal ist, weil diese Jobs in Las Vegas nur an Gewerkschaftsmitglieder vergeben werden und sie daher keine Chance hat. Über eine Empfehlung stolpert sie in das Büro von Dink Heimowitz (Bruce Willis) und er ist begeistert von ihrem Talent für Zahlen. Denn Dink verdient mit Wetten sein Geld.

Beth wird, unter den fürsorglichen Händen der Zockerlegende, zu, so der Werbetext, „einer der besten Buchmacherinnen der Wettbranche“.

Das ist doch ein gut abgehangener Plot, der in einem faszinierendem Milieu vor einer prächtigen Kulisse erzählt wird.

Was kann da schief gehen?

Nun, schon während der ersten Begegnung von Beth (Rebecca Hall) und Dink (Bruce Willis), sagt Dink, dass er zufrieden sei, wenn er mehr gewinne als verliere. Damit ist das hier betriebene professionelle Glücksspiel ein Job, der zwar mit großen Emotionen (wenn sie in Dinks Büro ein im Fernsehen laufendes Pferd anfeuern als ginge es um das Abwenden des Weltuntergangs) einhergeht, aber auch nicht sonderlich riskant ist. Immerhin gewinnt Dink auf lange Sicht genug, um sich, seinen beiden Mitarbeitern (die er ungefähr im Wochentakt feuert und wieder einstellt) und seiner Frau Tulip (Catherine Zeta-Jones, die als Hausdrache eifersüchtig über Dink wacht) ein luxuriöses Leben zu sichern.

Es geht also um nichts. Es gibt keine existentielle Bedrohung für die Charaktere. Sie lassen sich alle von der einen Wette zur nächsten treiben. Sie ergreifen eine Chance, wenn sie sich bietet und sie dafür kein allzu großes Risiko, hm, ein überschaubares Risiko, ach, eigentlich überhaupt kein Risiko, eingehen müssen.

Und auch wenn Beth gegen Ende in New York bei Rosie (Vince Vaughn), dem sehr großmäuligem und aus dramaturgischen Gründen von Drehbuchautor D. V. DeVincentis (auch Autor des Frears-Films „High Fidelity“) erfundenem Gegenstück zu Dink, ihr Glück versucht und in einen ziemlichen Schlamassel gerät, aus dem sie dann doch arg einfach und mit der bereitwillig und selbstlos gewährten Hilfe von Dink, seiner Frau und seinen Angestellten (also Beths neuer Familie) herauskommt, dient der Lärm, die fast immer hoffnungslos übertriebenen Emotionen der Schauspieler, nur dazu, die Leere des Drehbuchs zu übertünchen. Aber das gelingt nicht.

Vor allem die ständige Überdrehtheit von Rebecca Hall nervt. Sie kreischt und quieckt sich durch den Film, als würde sie nach Lautstärke bezahlt werden. Mich nervte dieses Gehabe schon nach fünf Minuten und in einem Lokal würde ich möglichst schnell vor so einer Person flüchten.

Dass „Lady Vegas“ sich dann auch nie entscheiden kann, ob es ein Drama, eine Komödie oder eine Milieustudie sein will, führt dazu, dass die Genres und Stile sich gegenseitig im Weg stehen und so eine undramatisch-unwitzige vor sich hin plätschernde Dramedy entstand, die definitiv nicht zu Stephen Frears besten Arbeiten, wie „Mein wunderbarer Waschsalon“, „Gefährliche Liebschaften“, „The Grifters“ (nach einem Roman von Jim Thompson und einem Drehbuch von Donald E. Westlake) und „Die Queen“, gehört.

Lady Vegas (Lay the Favorite, USA/GB 2012)

Regie: Stephen Frears

Drehbuch: D. V. DeVincentis

LV: Beth Raymer: Lay the Favorite: A Memoir of Gambling, 2010

mit Rebecca Hall, Bruce Willis, Catherine Zeta-Jones, Vince Vaughn, Joshua Jackson, Laura Prepon, Frank Grillo, Wayne Pére, John Carroll Lynch, Corbin Bernsen

Länge: 94 Minuten

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lady Vegas“

Rotten Tomatoes über „Lady Vegas“

Wikipedia über „Lady Vegas“

 


TV-Tipp für den 19. Juli: Die Verachtung

Juli 19, 2012

3sat, 22.25

Die Verachtung (Frankreich/Italien 1963, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard

LV: Alberto Morovia: Il Desprezzo, 1954 (Die Verachtung)

Drehbuchautor Paul soll das Drehbuch für einen Film über die Abenteuer von Odysseus auf der Insel Capri schreiben. Dort sind, neben ihm, seine Frau, der Produzent, der ein Auge auf Pauls Frau Camille geworfen hat, und der Regisseur. Camille, die an Pauls Liebe zweifelt, beginnt ihn zunehmend zu verachten.

Godards anspielungs- und zitatenreiche Satire auf das Filmbusiness, gedreht mit viel Geld, Brigitte Bardot und Fritz Lang als Regisseur.

mit Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang, Georgia Moll, Jean-Luc Godard, Raoul Coutard

Hinweise

Wikipedia über „Die Verachtung“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards „Außer Atem“

Jean-Luc Godard und Fritz Lang in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 18. Juli: Belle de jour

Juli 18, 2012

3sat, 23.10

Belle de jour – Schöne des Tages (F/I 1967, R.: Luis Buñuel)

Drehbuch: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière

LV: Joseph Kessel: Belle de jour, 1928 (Belladonna; La belle de jour- Die Schöne des Tages)

Arztgattin Séverine langweilt sich. Als Lebemann Husson sie mit Madame Anais und ihrem Etablissement für erotische Wünsche und Fantasien bekannt macht, beginnt Séverine ein Doppelleben.

Einer von Buñuels zugänglichsten Filmen über die Doppelmoral des Großbürgertums. Er erhielt den Goldenen Löwen in Venedig und war bei Kritik und Zuschauern ein Erfolg. Deneuve war danach auf die Rolle der kühlen Blondine festgelegt.

Mit Catherine Deneuve, Jean Sorel, Michel Piccoli, Geneviève Page

Hinweise

Wikipedia über “Belle de jour”

3sat über “Belle de jour”


TV-Tipp für den 17. Juli: Quartett im Bett

Juli 17, 2012

RBB, 22.45

Quartett im Bett (D 1968, R.: Ulrich Schamoni)

Drehbuch: Ulrich Schamoni

Die Jacob Sisters und Insterburg & Co. machen Kreuzberg unsicher.

Extrem selten gezeigter Szeneklamauk des Berliners Ulrich Schamoni (9. November 1939 – 9. März 1998), der auch „Es“, einen der Klassiker des Neuen Deutschen Films, drehte.

„Schamoni zeigt das Berlin unserer Tage und beschwört dabei das Bild einer heimeligen friedlichen Stadt. Politischer Zündstoff wird mühelos in dieses Bild integriert. Das gelingt Schamoni, indem er gesellschaftliche Tatbestände ihrer Zusammenhänge beraubt, sie zu bloßen Phänomenen reduziert.“ (Klaus Bädekerl, Filmkritik, 1969)

„Eine peinliche Aneinanderreihung flauer, kabarettistisch gemeinter Gags mit der damals populären Band ‚Insterburg & Co.‘ – einer Komiker-Truppe, die aus de rebellischen 68er-Stimmung kräftig Kapital schlug und als Trittbrettfahrer bei der Studentenbewegung mitfuhr.“ (Lexikon des internationalen Films)

Der Film erhielt den Ernst-Lubitsch-Preis – und Karl Dall machte später jeden Scheiß mit.

mit Ingo Insterburg, Karl Dall, Jürgen Barz, Peter Ehlebracht, Johanna Jacob, Eva Jacob, Hannelore Jacob, Rosi Jacob, Rainer Basedow

Hinweise

RBB über „Quartett im Bett“

Filmportal über „Quartett im Bett“

Schamoni Film und Medien GmbH über „Quartett im Bett“

Wikipedia über Ulrich Schamoni

Insterburg und Co. (Fanseite) über „Quartett im Bett“ (viele Filmbilder)


TV-Tipp für den 16. Juli: Der Tod kennt keine Wiederkehr

Juli 15, 2012

Arte, 20.15

Der Tod kennt keine Wiederkehr (USA 1973, R.: Robert Altman)

Drehbuch: Leigh Brackett

LV: Raymond Chandler: The long goodbye, 1953 (Der lange Abschied)

Philip Marlowe hilft seinen Freund Terry Lennox aus der Klemme. Er soll seine Frau umgebracht haben.

Bitterböse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum und einem Marlowe (Elliot Gould), der als Relikt durch die Story gestossen wird. – Eine der besten Chandler-Verfilmungen!

Leigh Brackett (1915 – 1978, Schriftstellerin, außerdem schrieb sie die Drehbücher zu „Tote schlafen fest“, „Rio Bravo“, „El Dorado“, „Krieg der Sterne: Das Imperium schlägt zurück“) sagte zu ihrer und Altmans Vorstellung von der Figur Marlowe: „Ich sehe Marlowe so, wie Chandler ihn sah, als Verlierer. Aber ein wirklicher Verlierer, nicht der falsche Gewinner, den Chandler aus ihm machte. Ein Verlierer auf der ganzen Linie….Goulds Marlowe ist ein Mann von simpler Redlichkeit, Ehrlichkeit, Vertrauen und vollständiger Integrität. Alles, was wir machten, war, ihn von den Attributen eines falschen Helden zu befreien. Chandler Marlowe wusste immer mehr als die Polizei. Er konnte zu Brei geschlagen werden, aber er kam immer irgendwie ungeschoren davon. Nur aufgrund bloßer Kraft der Persönlichkeit, professioneller Sachkenntnis und Frechheit war er im Vorteil. Wir meinten ´Solch ein Mann besitzt keinen Vorteil. Er wird rumgestoßen. Die Leute nehmen ihn nicht ernst. Sie wissen nicht, was mit ihm los ist, und es kümmert sie auch nicht´. Also wurde aus dem harten Typ Marlowe ein Gefoppter.“ (Take One)

Pflaum dazu: „Altmann hat Marlowe so gründlich demystifiziert, dass dem Zuschauer in jedem Moment bewußt ist: dieser Mann übernimmt sich, und es ist allein eine Frage der Zeit, bis sich das rächt. Der Held Raymond Chandlers ist nie gefährdeter, nie sterblicher gewesen als in The long goodbye; Altman hat dem Roman auf seine Weise die realistische Dimension zurückgegeben, die er, unter anderen Vorzeichen, einmal hatte“ (Hans Günther Pflaum in Robert Altmann, Hanser Reihe Film 25)

Mit Elliott Gould, Nina van Pallandt, Sterling Hayden, Mark Rydell, Henry Gibson, David Carradine (Cameo), Arnold Schwarzenegger (eigentlich auch ein Cameo-Auftritt)

Wiederholung: Freitag, 27. Juli, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Thrilling Detective über Raymond Chandler und Philip Marlowe

Wikipedia über Raymond Chandler (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 15. Juli: Familiengrab

Juli 15, 2012

RBB, 22.00

Familiengrab (USA 1976, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Ernest Lehman

LV: Victor Canning: The rainbird pattern, 1972 (später “Family plot”; „Auf der Spur“)

Mrs. Rainbird verspricht dem Medium Blanche 10.000 Dollar, wenn sie ihren vor Jahrzehnten verstossenen Neffen findet. Dieser finanziert inzwischen seinen Lebensunterhalt mit Entführungen und unterstellt Blanche und ihrem Freund George niedere Motive.

Was für ein Abgang: eine lockere Krimikomödie mit tiefschwarzem Humor.

Ernest Lehman: „Was Hitchcock wirklich an diesem Filmprojekt faszinierte, war die Idee von zwei getrennt ablaufenden unterschiedlichen Geschichten, die langsam zueinander finden und letztlich zu einer Geschichte werden. Ich ließ nicht locker, ihn darauf hinzuweisen, dass das Publikum nicht einen Film aufgrund seiner einzigartigen Struktur sehen will – es sei denn, Hitchcock plane, den Film als eine Art Dozent zu begleiten und ihn den Zuschauern zu erklären.“ – Mmh, da hat er Recht. „Family Plot“ (hübsch doppeldeutiger Titel) ist beim zweiten, dritten Sehen besser als beim Ersten. Und die Rückprojektionen sind schlecht wie immer.

Mit Karen Black, Bruce Dern, Barbara Harris, William Devane, Ed Lauter, Cathleen Nesbitt

Hinweise

Wikipedia über Victor Canning

Kaliber .38 über Victor Canning

Fanseite über Victor Canning

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Juli: Der Texaner

Juli 14, 2012

ARD, 22.30

Der Texaner (USA 1976, R.: Clint Eastwood)

Drehbuch: Phil Kaufman, Sonia Chernus

LV: Forrest Carter: The Rebel Outlaw: Josey Wales, 1973 (Gone to Texas; The Outlaw Josey Wales; Josey Wales

Missouri, während des Bürgerkriegs: Marodierende Nordstaatler bringen die Familie von Farmer Josey Wales um. Er schwört Rache, schließt sich den Südstaatlern an, ergibt sich nicht am Ende des Bürgerkrieges, wird als Outlaw gejagt und will irgendwann nur noch seine Ruhe haben. Aber langsam hat er eine Ersatzfamilie im Schlepptau.

Ein feiner Western

mit Clint Eastwood, Chief Dan George, Sondra Locke, Bill McKinney, John Vernon, Paula Trueman, Sam Bottoms

Hinweise

Wikipedia über “Der Texaner” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Kriminalakte: Glückwünsche zum achtzigsten Geburtstag von Clint Eastwood

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Hereafter – Das Leben danach” (Hereafter, USA 2010)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. Juli: Im Dreck verreckt

Juli 12, 2012

RBB, 00.00

Im Dreck verreckt (F/Mex/I 1968, R.: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

LV: John D. Carrick: The Vulture, 1966 (Der Geier)

Lino Ventura spielt einen Profikiller, der in Südamerika den Landespräsidenten umbringen soll.

Spannender, in Mexico gedrehter, Abgesang auf den Homme Solitaire.

Auch bekannt als „Fremder, wohin gehst du?“

Hinweise

Homepage von/über José Giovanni

Wikipedia über José Giovanni (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über José Giovanni

Meine Besprechung des Films “Die Abenteurer” (nach einem Buch von José Giovanni, mit Lino Ventura)

Kriminalakte über José Giovanni und Lino Ventura


Neu im Kino/Filmkritik: Noomi Rapace hat Angst vor dem „Babycall“

Juli 12, 2012

Noomi Rapace haben wir in den letzten Jahren als Lisbeth Salander in den Stieg-Larsson-Verfilmungen „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ und als ebenfalls schlagkräftige Zigeuner-Wahrsagerin in Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ kennen gelernt – und in Ridley Scotts Irgendwie-„Alien“-Prequel „Prometheus“ scheint sie wieder kein verhuschtes Mäuschen zu spielen.

Aber genau das spielt sie in Pål Sletaunes neuem Film „Babycall“ und allein schon dieser Besetzungscoup verschafft dem Psychothriller die nötige Aufmerksamkeit. Dabei ist die Story, die sich auf die von Noomi Rapace grandios gespielte Anna konzentriert, auch gut.

Anna ist die sehr verängstigte und überfürsorgliche Mutter des achtjährigen Anders. Sie hat auch allen Grund dazu. Ihr gewalttätiger Mann hatte Anders während eines Streits aus dem Fenster eines höheren Stockwerks gehalten. Danach bekamen Anna und Anders vom Sozialamt eine neue Identität und eine neue Wohnung in einer anonymen Mietskaserne. Hier könne, versichern ihr ihre beiden Sozialarbeiter beim Einzug, ihr Mann sie niemals finden.

Die zutiefst traumatisierte und verängstigte Anna will die ihr gebotene Chance auf ein neues Leben ergreifen. Gleichzeitig lässt sie, aus lauter Angst um das Leben von Anders, ihren Sohn nur neben sich im Bett schlafen. Sogar in der Schule würde sie am liebsten während des Unterrichts neben ihm sitzen.

Erst als die sie betreuenden Sozialarbeiter, ihr sagen, dass sie, wenn Anders nicht in seinem Zimmer schlafen dürfe, das Sorgerecht verliere, lässt sie ihn nachts alleine schlafen. Davor hat sie allerdings ein Babyphon gekauft. So hört sie immer, dass mit ihrem Sohn alles in Ordnung ist.

In der Nacht wird sie wach. Durch das Babyphon hört sie einen Streit. Aber Anders schläft friedlich in seinem Bett.

Etwas später erzählt ihr Anders, dass sein Vater ihn in der Schule besucht habe.

Und wir fragen uns, ob sie wirklich hört, wie eine andere Frau geschlagen wird, ober ob sie von ihrem Mann in den Wahnsinn getrieben werden soll oder ob sie das alles zusammenfantasiert. Immerhin hört sie die Stimmen nur, wenn sie allein ist. Und der See, zu dem sie mit Anders gehen will, ist plötzlich nicht mehr da.

Autor und Regisseur Pål Sletaune (Next Door, Wenn der Postmann gar nicht klingelt) legt in dem Psychothriller, in dem er Anna konsequent von Männern umgibt, die falschen Fährten kunstvoll und reichlich aus und so bleibt bis zum Schluss unklar, was in Annas Leben Wahn und Wirklichkeit ist.

Kameramann John Andreas Andersen (zuletzt „Jo Nesbø’s Headhunters“ und „King of Devil’s Island“) findet dazu die richtigen Bilder, die mit ihrem kühl-distanziertem Blick eine Objektivität vortäuschen, die sich am Ende als falscher Schein entpuppt. Jedenfalls irgendwie.

Babycall (Babycall, Norwegen 2011)

Regie: Pål Sletaune

Drehbuch: Pål Sletaune

mit Noomi Rapace, Kristoffer Joner, Vetle Qvenild Werring, Stig R. Amdam, Maria Bock

Länge: 95 Minuten

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Babycall“

Rotten Tomatoes über „Baby Call“

Wikipedia über „Baby Call“


TV-Tipp für den 12. Juli: Freiheit fürs Internet

Juli 12, 2012

3sat, 20.15

Freiheit fürs Internet

45-minütige Doku die zeigt, welches Potential in einem freien und unzensiertem Internet steckt – und warum Regierungen das nicht gut finden.

Ab 21.00 Uhr beschäftigt sich „scobel“ eine Stunde mit dem Thema.

Einige Infos zur Doku, inclusive dem Zugang zur Mediathek, gibt es hier.

 


TV-Tipp für den 11. Juli: Der Swimmingpool

Juli 10, 2012

HR, 00.15

Der Swimmingpool (F/I 1968, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jean-Emmanuel Conil (Pseudonym von Alain Page), Jean-Claude Carrière (Adaption und Dialoge), Jacques Deray (Adaption und Dialoge)

Viel Story hat „Der Swimmingpool“ nicht, aber darum ging es auch nicht. Denn das High Concept hieß: Das ehemalige Liebespaar „Alain Delon und Romy Schneider am Swimmingpool. Und Jane Birkin ist auch dabei.“

Denn der Filmplot ist eine (wenn man mehr als Delon und Schneider leicht bekleidet am Swimmingpool sehen will) arg zähe Dreiecksgeschichte mit Sex und Mord unter der südfranzösischen Sonne.

mit Alain Delon, Romy Schneider, Maurice Ronet, Jane Birkin

Hinweise

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Wikipedia über „Der Swimmingpool“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von „Der Leopard“ (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von „Die Abenteurer“ (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon


TV-Tipp für den 10. Juli: Allah in Ehrenfeld

Juli 10, 2012

ARD, 22.45

Allah in Ehrenfeld (D 2012, R.: Birgit Schulz, Gerhard Schick)

Drehbuch: Birgit Schulz, Gerhard Schick

Super! Da bringt das Erste eine spielfilmlange Dokumentation über den Bau der Zentralmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld und den Streit, der den Moscheebau seit der Vorstellung der Pläne, über den Baubeginn bis zum Bauende begleitet – und versteckt sie mitten in der Nacht. „Der Dicke“ und „In aller Freundschaft“ sind halt wichtiger. Außerdem kann man sich – hoffe ich – die Doku ja in der Mediathek ansehen. Damit ist der Bildungsauftrag dann erfüllt.

Hinweise

ARD über die Doku

Bildersturm-Film über „Allah in Ehrenfeld“


TV-Tipp für den 9. Juli: Cruising

Juli 9, 2012

Arte, 22.10

Cruising (USA 1980, R.: William Friedkin)

Drehbuch: William Friedkin

LV: Gerald Walker: Cruising, 1970

Polizist Steve Burns soll undercover in der New Yorker schwulen SM-Subkultur einen Mörder suchen.

Als William Friedkin den Film drehte, protestierte die schwule Gemeinschaft gegen den Film und die Kritik ging damals auch eher ungnädig mit dem Film um. Z. B. „auf Kosten dieses Milieus haut Regisseur William Friedkin kräftig auf die Pauke. Tabuisierte Minderheiten werden vor die Kamera gezerrt, doch nicht, um Wirklichkeit zu zeigen, sondern um Effekte mit der Kamera zu erhaschen.“ (Fischer Film Almanach 1981)

Es gab auch drei Razzie-Nominierungen: für das Drehbuch, die Regie und den Film.

Aus heutiger Sicht ist „Cruising“ ein faszinierender, quasi-dokumentarischer Einblick in die homosexuelle Lederszene vor Aids und erstaunlich vorurteilsfrei, was sich vor allem an den Polizisten zeigt, die, bis auf zwei Streifenpolizisten (Hinweis: merken Sie sich die Gesichter der beiden Polizisten!), keine Vorurteile gegen Homosexuelle haben und sich nach Kräften bemühen, den Täter zu fangen. Man könnte „Cruising“ sogar fast schon als schwulenfreundlich bezeichnen.

Für Friedkin war „Cruising“ immer eine Kriminalgeschichte in einem faszinierendem Milieu (deshalb ergriff er auch nicht für oder gegen die porträtierte Szene Partei), die mehr Fragen stellte, als Antworten lieferte. Das beginnt schon damit, dass am Ende zwar ein Mörder verhaftet wird, aber es unklar bleibt, welche Morde er begangen hat. Es werden auch Fragen nach der Identität und dem Selbstverständnis gestellt. Und das Ende ist ein ziemlicher Schocker, das viele neue Fragen stellt. Heute würde ein solcher Film wohl nicht mehr gedreht werden.

Für den Film ließ sich Friedkin von echten Mordfällen inspirieren, er recherchierte ausführlich in dem Milieu, unterhielt sich mit Polizisten, die teilweise auch im Film mitspielten, darüber und er drehte vor Ort, mit Männern aus der Szene.

Die Initialzündung für „Cruising“ war für Friedkin ein Gespräch mit Randy Jurgensen, der, wie der Filmheld Steve Burns, undercover im SM-Milieu einen Serienmörder jagte und selbst etliche der Probleme hatte, die Burns in dem Film hat. Jurgensen spielte in „Cruising“ Det. Lefransky.

Mit dem schon 1970 erschienenem Roman von Gerald Walker hat sein Film, so Friedkin, nichts zu tun.

„Cruising“ ist kein perfekter Film (und ich würde schon gerne wissen, was in den vierzig Minuten, die vor dem Kinostart aus dem Film herausgeschnitten wurden und verschwunden sind, erzählt wurde), aber „Cruising“ ist ein faszinierender Einblick in eine fremde Welt und ein zutiefst beunruhigender Film. Immer noch.

mit Al Pacino, Paul Sorvino, Karen Allen, Richard Cox, Don Scardino, Joe Spinell, Randy Jurgensen (Polizist, Berater und Inspiration für „Cruising“), Barton Heyman, Gene Davis, Arnaldo Santana, Larry Atlas, Allan Miller, Sonny Grosso (noch ein Polizist, der schon bei „The French Connection“ dabei war), Ed O’Neill (Debüt, später hatte er eine schrecklich nette Familie), James Remar (fast sein Filmdebüt), Leo Burmester (Debüt), Powers Boothe (fast sein Filmdebüt)

Wiederholung: Freitag, 27. Juli, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Cruising“

Wikipedia über „Cruising“ (deutsch, englisch)

Bright Lights Film über „Cruising“ (April 1996)

Rouge: Bill Krohn über „Cruising“ (2004)

Fipresci: Adrian Martin über „Cruising“ (2008)

The Hollywood Interview: William Friedkin über „Cruising“ (2007)

 


TV-Tipp für den 8. Juli: Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt

Juli 8, 2012

ZDFneo, 23.05

Wag the dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt (USA 1997, R.: Barry Levinson)

Drehbuch: Hilary Henkin, David Mamet

LV: Larry Beinhart: American Hero, 1991 (American Hero)

Ein Medienberater rät dem Stab des Präsidenten, einen Krieg in Albanien zu inszenieren, um von einer Sexaffäre des Präsidenten abzulenken. Nach einem überzeugenden Anfang gerät das Ablenkungsmanöver außer Kontrolle.

Köstliche Medien- und Politsatire, die von Beinharts langatmigem Buch nur die Idee („Wir fälschen einen Krieg. Merkt doch keiner.“) übernimmt und durch die damaligen politischen Ereignisse (Clinton-Lewinsky-Affäre, Jugoslawien) eine nicht geplante tagespolitische Brisanz erhielt.

Mit einer bestens aufgelegten Riege von Schauspielern: Dustin Hoffman, Robert De Niro, Anne Heche, Denis Leary, Willie Nelson, Kirsten Dunst, William H. Macy, Woody Harrelson

Hinweise

Drehbuch „Wag the Dog“ von David Mamet

Homepage von Larry Beinhart

Huffington Post: Kolumne von Larry Beinhart

Meine Besprechung von Larry Beinharts „Crime – Kriminalromane und Thriller schreiben“