Eine Farm in Montana (USA 1978, R.: Alan J. Pakula)
Drehbuch: Dennis Lynton Clark
Nach dem zweiten Weltkrieg kehrt Frank Athearn nach Montana zurück. Er will dort eine Farm betreiben, gerät in einen Konflikt mit einem Viehbaron, der das Land aufkaufen will, verbündet sich mit einer Rancherin, die ebenfalls um ihr Land kämpft, und eine Ölfirma will Öl fördern.
Schöner, melancholischer Spätwestern, der damals nicht gut aufgenommen wurde. Denn: „Sie erwarteten von Pakula neue Impulse für das Western-Genre. Doch viele der Überzeugungen, die die Figur von Jane Fonda auszeichnen und die Jane Fonda selbst damals vertrat, gehören zur Grundausstattung des Westerns: die Schlechtigkeit der Großgrundbesitzer, die Liebe zur Natur und die Nähe der Ölmanager zum Gaunertum. In einem Film der fest in der Jetztzeit angesiedelt ist, wären diese Motive revolutionär, aber im Western klingen sie abgedroschen.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)
Das Drehbuch erhielt 1979 den Spur Award der Western Writers of America.
mit James Caan, Jane Fonda, Jason Robards, George Grizzard, Richard Farnsworth, Jim Davis, Mark Harmon, James Keach
Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski
LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957
Kamera: Chris Menges
Musik: Hans Zimmer
Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.
Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (D 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)
Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart
Das freche Mädchen (Frankreich 1985, R.: Claude Miller)
Drehbuch: Claude Miller, Annie Miller, Luc Béraud, Bernard Stora
Die 13-jährige Charlotte erlebt den letzten Sommer ihrer Kindheit: ihre alte Welt wird ihr zu eng, sie lernt eine gleichaltrige Starpianistin kennen und verliebt sich in einen jungen Mann.
„Millers fünfter Film zeigt in exakt inszenierten Schlüsselszenen die Verunsicherung und den zeitweisen Realitätsverlust der Heranwachsenden und vermittelt einen Einblick in ihre Verletzlichkeit.“ (Fischer Film Almanach 1987)
mit Charlotte Gainsbourg, Bernadette Lafont, Julie Glenn, Clothilde Baudon, Jean-Claude Brialy
Vier Stunden Live-Musik vom Heavy-Metal-Festival in Wacken. Danach ist, die richtige Lautstärke vorausgesetzt, jede Ohrverstopfung weggepustet.
Heute spielen unter anderem mit Amon Amarth (20.00 Uhr), Saxon (22.25 Uhr), den Scorpions (22.50 Uhr) und Machine Head (23.15 Uhr).
An den beiden kommenden Samstagen, dem 11. und 18. August, gibt es dann, jeweils ab 14.00 Uhr weitere Wacken-Konzerte. Unter anderem Sepultura, Dimmu Borgir,Testament, Ministry und In Extremo. Den ZDFkultur-Lärmplan gibt es hier, die Wacken-Homepage hier.
Martin David (Willem Dafoe) soll für einen Konzern den sagenumwobenen Tasmanischen Tiger jagen und von ihm genetische Proben entnehmen.
Ein einfacher Auftrag, wenn nicht der letzte bekannte Tasmanische Tiger bereits 1936 im Hobart Zoo gestorben wäre. Seitdem behaupten zwar immer wieder Menschen, dass sie in Tasmanien, einer Insel südlich von Australien, die ungefähr die Größe von Bayern, aber nur eine halbe Million Einwohner hat, einen Tasmanischen Tiger gesehen haben. Keine dieser Sichtungen ist verbürgt.
David macht sich auf den Weg in die Wildnis – und wir dürfen einen angenehm altmodischen Abenteuerfilm genießen. Denn selbstverständlich wurde die Geschichte von einem Mann, der ein seltenes Tier jagt, schon oft erzählt und selbstverständlich sieht man sich so einen Film vor allem wegen der Landschaftsaufnahmen an.
Diese sind gelungen.
Auch die Geschichte der Menschwerdung von Martin David, grandios minimalistisch von Willem Dafoe gespielt, ist gelungen. Für seinen Auftrag wird er bei einer Familie einquartiert. Widerwillig übernimmt er für die beiden Kinder die Rolle des abwesenden Vaters. Am Ende beeinflusst dann das Wohl der Familie die Art, wie er, als er dem Tasmanischen Tiger begegnet, seinen Auftrag erfüllt.
Und er gerät zwischen die Fronten von Umweltschützern, die den Wald bewahren, und Arbeitern, die den Wald abholzen sollen. Aber dieser Konflikt wird nur angedeutet.
Der vernachlässigbare Schwachpunkt von „The Hunter“ ist das Agieren seines Auftraggebers, dessen Interessen niemals wirklich klar werden. Letztendlich sind sie nur der MacGuffin für einen altmodischen Abenteuerfilm, bei dem seine Fehler (so verbringt der Film zu viel Zeit bei der Familie und zu wenig in der Wildnis; David findet den Tasmanischen Tiger ziemlich mühelos; die Geschichte ist absolut vorhersehbar) auch wieder seine Vorzüge sind. Denn, fast wie in einem der guten alten Western à la „Mein großer Freund Shane“, mit dem „The Hunter“ überraschend viele Gemeinsamkeiten hat, wird hier einfach eine gute Geschichte erzählt.
Und, wie die meisten Western, müssen wir den „Hunter“ auf der kleinen Leinwand genießen, obwohl sie eigentlich für die große Leinwand gedacht sind.
Das Bonusmaterial besteht vor allem aus einem vierteiligem „Making of“, in dem auf die Geschichte, die Charaktere, die Dreharbeiten in Tasmanien und den Tasmanischen Tiger eingegangen wird. Es liefert einige interessante Hintergrundinformationen und einige Bilder von geschnittenen Szenen, meistens mit Sam Neill, die es leider nicht auf die DVD schafften.
The Hunter (The Hunter, Australien 2011)
Regie: Daniel Nettheim
Drehbuch: Alice Addison, Wain Fimeri (Original Adaptation)
LV: Julia Leigh: The Hunter, 1999 (Der Jäger)
mit Willem Dafoe, Sam Neill, Frances O’Connor, Sullivan Stapleton, Callan Mulvey, Morgana Davies, Jacek Koman, Dan Wyllie
Nachtschicht: Das tote Mädchen (D 2010, R.: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Ein russisches Callgirl wird ermordet und in der Elbe versenkt. Das Nachtschicht-Team sucht den Mörder und landet schnell bei einem Privatbankier, der behauptet die Tote nicht zu kennen.
Nix neues von der “Nachtschicht”: Dutzende bekannter Gesichter, die endlich (?) mal wieder (?) zeigen, was sie können, gutes Buch, gute Regie, gute Unterhaltung.
mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Pierre Semmler, Dietmar Bär, Kai Wiesinger, Jürgen Prochnow, Lisa Maia Potthoff
Grenzen, auch wenn sie nötig sind, haben immer etwas irrationales und wenn sich in einem Grenzgebiet zwei Gruppen treffen, die seit Jahrzehnten spinnefeind sind und ihre Feindschaft mit ihrer jahrhundertealten Tradition begründen, dann ist das Leben dort, zwischen verschiedenen Befindlichkeiten, ausgesprochenen und unausgesprochenen Regeln, ziemlich anstrengend und das Potential für eine Komödie ist definitiv vorhanden. Sylvain Estibal hat mit „Das Schwein von Gaza“ eine solche Komödie gedreht.
Im Mittelpunkt seiner Geschichte steht Jafaar (Sasson Gabay), ein herzensguter, aber vom Pech verfolgter Fischer. Er lebt mit seiner Frau Fatima (Baya Belal) in einem Haus, das von israelischen Soldaten zum Wachposten erklärt wurde und damit ein dankbares Ziel für Gespött und Anschläge ist. Immerhin versuchen Jafaar und Fatima möglichst viel Abstand zu wahren und die ungebetenen Gäste nach Kräften zu ignorieren, was natürlich schwer fällt, wenn die Soldaten das Bad benutzen dürfen und die gleichen Telenovelas ansehen.
Sein Kutter ist ein kaum noch seetüchtiger, verrosteter Kahn und sein Fang so bescheiden, dass er von dem Fischkäufer nur mit einem mitleidigem Lächeln bedacht wird.
Jafaar ist schon ziemlich weit unten, als er den Fang seines Lebens macht: er angelt ein lebendes Schwein aus dem Meer. Als gläubiger Moslem darf er das Schwein nicht töten. Sowieso sind für ihn alle Kontakte zu einem so unreinen Geschöpf verboten. Aber die schlauen Juden, so hört er, würden seinen Fang kaufen.
Jafaar will es an die jüdische Gemeinde verkaufen, was gar nicht so einfach ist. Denn auch nach dem jüdischen Glauben sind Schweine keine besonders erwünschten Tiere.
Und so nimmt, weil niemand etwas von Jafaars Fang erfahren darf, das Verhängnis seinen Lauf.
In seinem gelungenem Debütfilm formuliert Sylvain Estibal einen herzergreifenden Aufruf zur Toleranz, der dank seiner schnörkellos-unpathetischen Erzählweise und dem trockenen Humor glänzend unterhält. Denn Jafaar steht ziemlich hilflos zwischen den Israelis und den Palästinensern. Er versucht sich bauernschlau aus seiner Malaise herauszuschlawinern und richtet, eher unschuldig (Er hätte das Schwein ja gleich wieder ins Meer werfen können. Das wäre, im Vergleich zu seinen späteren Sünden eine kleine Sünde gewesen.) einen ziemlichen Schlamassel an. Dabei hat Estibal einen feinen Blick für die Absurditäten des israel-palästinenischen Alltags.
Das ziemlich plötzlich, aus heiterem Himmel, kommende, märchenhafte, aber auch ziemlich offene Ende gibt dann keine Antwort auf die Frage, wie die miteinander verfeindeten Völker friedlich miteinander leben können. Aber das ist vielleicht auch zu viel verlangt von einem Film. Immerhin haben die Israelis und Palästinenser es in den vergangenen Jahrzehnten auch nicht geschafft.
Aber der vom Schicksal geknechtete Fischer Jafaar hat am Ende wirklich etwas Glück verdient. Und ein Schwein als Glücksbringer ist ja auch nicht so schlecht.
Das Schwein von Gaza (Le Cochon de Gaza, Frankreich/Deutschland/Belgien 2011)
Der Sohn des britischen Geheimagenten Tarrant wird entführt. Tarrants Vorgesetzten scheinen kein Interesse an einer Befreiung zu haben. Also kämpft Tarrant allein um das Leben seines Sohnes.
Ein Spätwerk von Don Siegel: ein harter, eiskalter Agententhriller, der seine Story konzentriert und ohne Mätzchen geradlinig erzählt.
„‘The black Windmill’ ist kein bedeutendes Werk in Siegel Karriere, aber etwas, das es heute kaum noch gibt: ein mit Konzentration und Originalität erzählter Genrefilm.“ (Marcus Stiglegger in Frank Arnold/Michael Esser, Hrsg.: Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme, 2003)
Mit Michael Caine, Donald Pleasence, John Vernon, Delphine Seyrig
ZDF, 01.15 Rächer der Unterwelt (USA 1946, R.: Robert Siodmak)
Drehbuch: Anthony Veiller
LV: Ernest Hemingway: The Killers, 1927 (Kurzgeschichte)
Ex-Boxer Pete, genannt „Der Schwede“ (bzw. Swede) wartet tatenlos in einem schäbigen Zimmer auf zwei Auftragskiller, die ihn umbringen sollen. Nach seinem Tod fragt sich ein Versicherungsdetektiv, warum sich jemand einfach so erschießen lässt. Er beginnt zu recherchieren.
„Eine Figur des Film noir, die noch resignierter ist als sonst bereits üblich: Swede weiß, dass die Vergangenheit ihn einholen wird, wenn nicht heute, dann morgen – wozu also davonlaufen? Der Versicherungsagent Riordan, der (in ausgefuchsten Rückblenden) der Vergangenheit Swedes nachforscht, erhält auch keine befriedigende Antwort, und seine Jagd auf die Killer scheint absurd und purer Selbstzweck.“ (Paul Werner: Film noir, 1985, mehrere erweiterte Neuauflagen)
„Noch heute ist dieser Film (…) der radikalste Anschlag auf den Mythos des Hollywood Helden.“ (Norbert Grob, Die Zeit, 6. Juli 1990)
John Huston, der die erste Drehbuchversion schrieb, übernahm von Ernest Hemingway nur die Grundidee und am Ende entstand ein Noir-Klassiker, der auch einen Edgar erhielt und für vier Oscars nominiert war.
1964 ging Don Siegel mit der Kurzgeschichte ähnlich rabiat um und er erzählte eine ganz andere Geschichte.
mit Edmond O’Brien, Ava Gardner, Albert Dekker, Sam Levene, Burt Lancaster, William Conrad
auch bekannt als „Die Killer“
– Hinweise
Wikipedia über „The Killers“ (deutsch, englisch)
Juliens Frau Lisa wird, obwohl unschuldig, zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Der Biedermann, Lehrer und Vater Julien entwickelt, um sie aus dem Gefängnis zu befreien, überraschende kriminelle Energien.
Spannender Thriller, dessen hochkarätig besetztes US-Remake „72 Stunden -The next three days“ über eine halbe Stunde länger braucht, um die Story zu erzählen, – ohne ihr etwas wesentliches hinzuzufügen. Da bleibt man doch besser bei dem französischen Original.
mit Vincent Lindon, Diane Kruger, Lancelot Roch, Olivier Marchal
Nicht der Plot (eigentlich ein 08/15-Liebedrama: Leonard lebt, nach mehreren Selbstmordversuchen, wieder in seinem Jugendzimmer. Seine Eltern wollen ihn mit Sandra verkuppeln. Aber er ist in Michelle verliebt.), sondern die Machart ist entscheidend. Und die stimmt bei „Two Lovers“.
Denn „Two Lovers“ ist wie Grays vorherige Filme „Little Odessa“, The Yards – Im Hinterhof der Macht“ und „Helden der Nacht“ hochkarätig besetztes Schauspielerkino ohne einen falschen Ton. Weder im Spiel, noch in der Kameraführung, dem Schnitt, der Ausstattung oder der Musikauswahl. Und keines dieser Elemente drängt in den Vordergrund. Sie alle dienen der Geschichte. Wieder einmal ist Grays Blick für die Details bemerkenswert. Teilweise fallen sie beim ersten Sehen nicht auf, aber alle zusammen machen die Geschichte glaubwürdig. Es sind Kleinigkeiten, wie die Fotowand in der Wohnung der Kraditors, Leonards Jugendzimmer, die kleinen Gesten und Blicke, die in Sekundenbruchteilen alles erklären und Entscheidungen, wie Joaquin Phoenix während eines Geständnisses mit dem Rücken zur Kamera spielen zu lassen, auf einen Schnitt zu verzichten, das Licht in einer besonderen Art zu setzen und eine – teilweise unsichtbare – Zeitlupe einzusetzen.
mit Joaquin Phoenix, Gwyneth Paltrow, Vinessa Shaw, Moni Moshonov, Isabella Rossellini, Elias Koteas
Eine Gruppe von Bikern besucht eine kalifornische Kleinstadt. Das gibt natürlich Ärger mit den gesetzestreuen Einheimischen, die ganz andere Vorstellungen vom guten Benehmen haben.
Heute wirkt „Der Wilde“ schon etwas harmlos und ungewollt witzig, aber das ändert nichts daran, dass Benedeks Film der Vater aller Motorradfilme ist. Ein Klassiker eben, der damals für Kontroversen sorgte.
mit Marlon Brando, Mary Murphy, Robert Keith, Lee Marvin, Jay C. Flippen
LV: Mark Millar/John S. Romita, jr.: Kick-Ass, 2008 – 2010 (Comic)
Dave, ein Junge ohne besondere Fähigkeiten, will zu einem Superhelden werden. Seine ersten Taten sorgen auf YouTube für grandiose Klickzahlen und noch mehr Gelächter. Da trifft er Hit Girl und Big Daddy – und er ist in einem veritablen Kampf zwischen Gut und Böse verwickelt.
Köstliche, ziemlich brutale und vollkommen respektlose Parodie auf das Superheldentum in Comics und Filmen.
mit Aaron Johnson, Chloe Moretz, Christopher Mintz-Plasse, Mark Strong, Nicholas Cage
Ein Thriller nach einem Drehbuch von Hubert Selby jr.. Muss ich noch mehr über die Qualitäten von „Fear X“ sagen? Vielleicht noch, dass Nicolas Winding Refn, der Regisseur der „Pusher“-Trilogie und der James-Sallis-Verfilmung „Drive“, Regie führte.
Hubert Selby jr., für alle, die sich jetzt gerade fragen, woher sie den Namen kennen, schrieb unter anderem das Kultbuch „Letzte Ausfahrt Brooklyn“ (Last Exit to Brooklyn, 1964) und, zusammen mit Darren Aronofsky, das Drehbuch für dessen Film „Requiem for a dream“ und er wird zu den Größen der US-amerikanischen Literatur gezählt. Das alles empfiehlt ihn nicht gerade als Autor für einen Thriller.
Aber Nicolas Winding Refn wollte auch keinen 08/15-Thriller inszenieren. Sein chronologisch gedrehtes US-Debüt (obwohl es genaugenommen hauptsächlich in Kanada gedreht wurde) erzählt die Geschichte von Harry Caine (John Turturro), der als Sicherheitsbeamter in einer Shopping Mall in Wisconsin arbeitet. Vor Monaten wurde seine Frau Claire in der dortigen Tiefgarage erschossen. Er sucht noch immer ihren Mörder. Dafür studiert er abends die unscharfen SW-Videoaufzeichnungen der Mall und notiert sich verdächtige Personen. Wie David Hemmings in Michelangelo Antonionis „Blow Up“ (GB 1966) in seine Fotos oder John Travolta in Brian De Palmas „Blow Out“ (USA 1981) in eine Tonbandaufnahme, zoomt Harry sich immer weiter in die Bilder hinein. Für ihn ist alles eine Spur, ein Hinweis, hat eine Bedeutung für den Mord.
Als er im gegenüberliegenden Haus einige Negative findet, entdeckt er in den Bildern eine Hinweis auf Morriston, Montana. Er glaubt, dass der Mörder von dort kommt. Außerdem verbrachte er dort mit seiner Frau einige glückliche Tage – und es ist unklar, ob er mehr von dem Wunsch nach Rache an dem Mörder oder von dem Wunsch nach einer Rückkehr in die glückliche Vergangenheit getrieben wird, als er nach Morriston fährt.
Aber, Oh Wunder!, dort trifft er auf den Mörder. Einen Polizisten – und während wir Zuschauer die Hintergründe für die Tat erfahren, erfährt Harry sie nicht.
Sowieso driftet der Film spätestens wenn Harry seinen Wohnort verlässt, vollkommen ins Surreale ab.
Aber gerade diese Vermischung von Realität und Traum, von Wahn und Wirklichkeit, macht „Fear X“ zu einem ungewöhnlichen Thriller. Die beiden Hauptdarsteller John Turturro und James Remar, der als Mörder in der zweiten Hälfte des Films mit seiner Tat kämpft (Ihn ereilt ein wenig das Tim-Roth-Schicksal, über den es immer heißt, er sei der Mann, der in „Reservoir Dogs“ blutend auf dem Lagerhausboden liegt und dabei gibt es eine lange Rückblende, in der Tim Roth sein ganzes Talent zeigt) überzeugen mit ihrem introvertiertem Spiel in diesem meditativen Thriller.
Die Musik schrieb Brian Eno. Die Kamera bediente „Shining“-Kameramann Larry Smith.
Als Bonusmaterial gibt es ein gut halbstündiges, informatives „Making of“ und einen sehr interessanten, nicht untertitelten Audiokommentar von Nicolas Winding Refn, der die kluge Entscheidung getroffen hat, sich den britischen Journalisten Alan Jones zu schnappen, der ihm die richtigen Fragen stellte, während im Hintergrund der Film läuft.
Anmerkung: Beim Ansehen fiel mir auf, wie sehr sich in den vergangenen Jahren die Überwachungstechnik veränderte und auch verbesserte. Denn Harry sieht sich noch die Augen an grieseligen Videoaufzeichnungen wund und er muss in mühevoller Kleinarbeit Personen vom Bildschirm abfotografieren (was, wie Fotografen wissen, gar nicht so einfach ist). Heute würde er an einem Computer sitzen und mit einem Klick einen Screenshot machen.
Fear X – Im Angesicht der Angst (Fear X, USA 2003)
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Nicolas Winding Refn, Hubert Selby jr.
mit John Turturro, Deborah Kara Unger, James Remar, Stephen McIntyre
–
DVD
Sunfilm
Bild: 2.35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (DTS, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar, Making of, Trailer (deutsch, englisch)
Wer die Olympia-Eröffnung (obwohl die, dank Danny Boyle [Trainspotting], wohl ziemlich abgefahren ist) überstanden hat:
ZDF, 01.35
Im Zeichen des Bösen (USA 1958, R.: Orson Welles)
Drehbuch: Orson Welles
LV: Whit Masterson: Badge of Evil, 1956 (Unfehlbarkeit kann tödlich sein)
In einer schäbigen Grenzstadt versuchen ein korrupter US-Polizist und ein mexikanischer Drogenfahnder (in den Flitterwochen) einen Mord aufzuklären.
Noir-Klassiker, bei dem sich eine deutsche DVD-Ausgabe mit den verschiedenen Fassungen, einem Making-of und einem guten Audiokommentar lohnen würde. In den USA erschien am 8. Oktober 2008 eine entsprechende Edition.
„Einer der schönsten und intelligentesten Polizeifilme der Kinogeschichte.“ (Seesslen: Copland)
Mit Charlton Heston, Janet Leigh, Orson Welles, Akim Tamiroff, Marlene Dietrich, Joseph Cotten, Zsa Zsa Gabor, Dennis Weaver
Mr. Brooks – Der Mörder in dir (USA 2007, R.: Bruce A. Evans)
Drehbuch: Bruce A. Evans, Raynold Gideon
Mr. Brooks ist ein geachteter Unternehmer mit einem dunklen Geheimnis: er ist auch ein Serienkiller. Als er bei seiner letzten Tat von Mr. Smith beobachtet wird, erpresst dieser ihn. Er wird schweigen, wenn Mr. Brooks ihn in die Kunst des perfekten Mords einweiht. Und dann ist da noch eine hartnäckige Polizistin.
Köstlich-schwarzhumoriger Krimi, der etwas unter seinen vielen Subplots leidet, aber das Zusammenspiel von Kevin Costner (als Mr. Brooks) und William Hurt (als sein mordgieriges Alter Ego) macht das mehr als wett.
„Raffiniert konstruierter Neo-Noir-Thriller“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Kevin Costner, Demi Moore, Dane Cook, William Hurt, Marg Helgenberger, Danielle Panabaker, Ruben Santiago-Hudson, Lindsay Crouse, Reiko Aylesworth
Über „Texas Killing Fields – Schreiendes Land“ muss ich wirklich nicht viel sagen. Ami Canaan Manns Cop-Thriller sieht wie ein bislang unverfilmtes James-Lee-Burke-Buch, bei dem man auf die von Burke so beliebten Geister verzichtet hat, aus.
Denn der Krimiplot, in dem zwei Polizisten einen Frauenserienmörder jagen, ist in „Texas Killing Fields“ fast schon eine gut gepflegte Nebensache. Im Mittelpunkt stehen die beiden Polizisten Brian Heigh (Jeffrey Dean Morgan), der von New York City nach Texas City, in die Provinz, versetzt wurde, gläubig ist und seinen Job als halber Sozialarbeiter versteht, und Mike Souder (Sam Worthington), sein jüngerer, aus der Gegend kommender, weniger sozialarbeiterisch veranlagter Kollege, ihre vertrauensvolle, aber nicht konfliktfreie Arbeitsbeziehung zueinander, zu Souders Ex-Frau Pam Stall (Jessica Chastain), die im benachbarten Clark County Polizistin ist, und zu den Menschen, mit denen sie es während ihrer alltäglichen Arbeit zu tun haben und die zur Unterschicht von Texas City und dem angrenzenden Clark County, wo in der Vergangenheit in den Sümpfen mehrere Frauenleichen gefunden wurden, gehören. Dorthin führt die Polizisten auch eine vielversprechende Spur.
Ami Canaan Mann, die Tochter von Michael Mann, präsentiert diese Geschichte mit einem für so einen kleinen Genrefilm inzwischen überraschend hochkarätigem Cast. Jessica Chastain ist nach „The Tree of Life“, „Eine offene Rechnung“ (mit Sam Worthington) und „The Help“ die Entdeckung des letzten Kinojahres, Chloë Grace Moretz kennen wir aus „Kick-Ass“ und „Hugo Cabret“ und Sam Worthington darf seit „Avatar“ in fast jedem Big-Budget-Film mitspielen.
Ihr Kameramann Stuart Dryburgh, Oscar-nominiert für „Das Piano“, außerdem „Lone Star“, „Reine Nervensache“ und „Der Einsatz“, setzte die düstere Geschichte in adäquaten Bildern, die immer einen Hauch von Geheimnis bewahren und deren Südstaaten-Schwüle, wenn es nicht gerade aus Kübeln regnet, aus jedem Bild tropft, um.
Und wenn Souder und Heigh am Ende die Mörder (jedenfalls von einigen der Morde) überführen, die Verhaftung misslingt dann schon auf eine grotesk-fatale Weise, gibt es wenig Hoffnung, dass sich die Verhältnisse in den Südstaaten ändern. Nur für eine der Frauen gibt es einen Hoffnungsschimmer auf ein besseres Leben.
„Texas Killing Fields“ ist eben ein waschechter, wenn auch etwas unspektakulärer Südstaaten-Noir, der eher der Logik eines Fiebertraums gehorcht.
Texas Killing Fields – Schreiendes Land (Texas Killing Fields, USA 2011)
Regie: Ami Canaan Mann
Drehbuch: Donald F. Ferrarone
mit Sam Worthington, Jeffrey Dean Morgan, Jessica Chastain, Chloë Grace Moretz, Sheryl Lee, Tony Bentley, Stephen Graham, Jason Clarke
Kommissarin Lucas: German Angst (D 2007, R.: Thomas Berger)
Drehbuch: Thomas Berger
LV: Friedrich Ani: German Angst, 2000
Nazis entführen die deutsche Frau eines Nigerianers. Sie fordern die Abschiebung seiner Tochter. Kommissarin Lucas ermittelt und gerät zwischen dabei zwischen die politischen Fronten.
Klingt ziemlich konstruiert-didaktisch. Aber die „Südthüringer Zeitung“ sieht es anders: „Ein starker, ein relevanter Film also, der seine Schwächen allenfalls gegen Ende hat, als der Entführungsfall zu einem ebenso überstürzten wie überzogenen Ende geführt wird. Dennoch ist “German Angst” ein beachtenswerter Krimi, der auf mutige Weise den Unterhaltungsanspruch mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag eint.“
Mit Ulrike Kriener, Thure Riefenstahl, Michale Roll, Monica Bleibtreu, Tilo Prückner, Anke Engelke
München 1972 – 8 Regisseure sehen die Olympischen Spiele (USA/D 1972, R.: Juri Oserow [Frankreich], Mai Zetterling [Schweden], Arthur Penn [USA], Michael Pfleghar [Deutschland], Kon Ichikawa [Japan], Milos Forman [Tscheslowakei], Claude Lelouch [Frankreich], John Schlesinger [Großbritannien])
Drehbuch: Deliara Ozerowa, David Hughes, Arthur Penn, Michael Pfleghar, Shuntara Tanikawa, John Schlesinger
Doku, die 1974 den Golden Globe als bester Dokumentarfilm erhielt, und die vor allem wegen der Regisseure bemerkenswert ist. Denn sie inszenierten nicht die normale 08/15-Sportreportage, sondern Kurzfilme, die sich um einen bestimmten Aspekt der Spiele drehen. Nämlich: The Beginning, The Strongest, The Highest, The Women, The Fastest, The Decathlon, The Losers, The Longest; – so die Titel der einzelnen Filme, von höchst unterschiedlicher Qualität.
„‚Visions of Eight‘ (Originaltitel) hingegen hinterlässt eher ein Gefühl der Ratlosigkeit, denn er befriedigt mit Ausnahme weniger Episoden weder die Bedürfnisse der Sportinteressierten noch die des Cinephilen.“ (Klaus-Peter Koch: Visions of Eight, in Lars-Olav Beier/Robert Müller, Hrsg.: Arthur Penn, 1998)
Koch empfiehlt vor allem die Filme von Milos Forman und John Schlesinger.
Die Musik ist von Henry Mancini.
Laut Wikipeida (und der erste YouTube-Clip bestärkt das) lief die Doku zuletzt vor zehn Jahren auf Arte. Für „TV Spielfilm“ ist sie sogar eine TV-Premiere.
auch bekannt als „München 1972 – Acht berühmte Regisseure sehen die Spiele der XX. Olympiade“
Wiederholungen
BR, Donnerstag, 26. Juli, 01.15 Uhr (Taggenau!)
RBB, Donnerstag, 2. August, 23.00 Uhr
NDR, Mittwoch, 8. August, 00.00 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Wikipedia über „München 1972 – 8 Regisseure sehen die Olympischen Spiele“ (deutsch,englisch)