Columbo: Etude in Schwarz (USA 1972, R.: Nicholas Colasanto, Peter Falk [ungenannt], John Cassavetes [ungenannt])
Drehbuch: Steven Bochco
Erfinder: Richard Levinson , William Link
Dirigent Alex Benedict will nicht auf die unverschämten Forderungen seiner Geliebten eingehen. Also bringt er sie um und tarnt es als Selbstmord. Aber Lt. Columbo mag Selbstmorde, vor allem Selbstmorde von jungen Frauen nicht, und sucht ihren Mörder.
Bochcos Drehbuch war für einen Emmy nominiert.
Und die Besetzung ist auch nicht schlecht.
mit Peter Falk, John Cassavetes, Blythe Danner, James Olson, Myrna Loy, Pat Morita
Justified: Brand im Stollen(USA 2010, R.: Michael Dinner)
Drehbuch: Graham Yost
Erfinder: Graham Yost
LV: Elmore Leonard: Fire in the Hole, 2001 (Kurzgeschichte, auch in „When the Women come out to dance“, 2002, veröffentlicht; aber eigentlich ist es der von Elmore Leonard erfundene Charakter)
US Marshal Raylan Givens wird nach einem Schusswechsel in Miami wieder in sein altes Heimatkaff in Kentucky strafversetzt und begegnet dort auch seinen alten Freunden, die jetzt teilweise auf der anderen Seite des Gesetzes stehen. Ein gefundenes Fressen für Givens, der Probleme gerne in bewährter Wild-West-Manier löst.
In den USA war die auf einem Charakter von Elmore Leonard basierende Serie ein Erfolg beim Publikum. Die Krimifans waren auch begeistert und sogar Elmore Leonard, der meist und zu Recht die Verfilmungen seiner Werke kritisiert, ist auch begeistert. Inzwischen läuft dort die dritte Staffel und die Vierte ist schon bestellt.
Bei uns wird jetzt zu einer sehr ungünstigen Uhrzeit mit der Ausstrahlung begonnen und ich bin nach den „Sopranos“ und „The Shield“ (um nur zwei zu nennen) schon gespannt, wie lange die Serie bei uns im TV ausgestrahlt wird.
Graham Yost schrieb auch die Drehbücher für „Speed“, „Operation: Broken Arrow“ und „Mission to Mars“, bevor er sich – erfolgreich – dem Fernsehen zuwandte.
mit Timothy Olyphant (Raylan Givens), Nick Searcy (Chief Deputy Art Mullen), Joelle Carter (Ava Crowder), Jacob Pitts (Tim Gutterson), Erica Tazel (Rachel Brooks), Natalie Zea (Winona Hawkins), Walton Goggins (Boyd Crowder)
Ufos, Sex und Monster – Das wilde Kino des Roger Corman (USA 2011, R.: Alex Stapleton)
Drehbuch: Alex Stapleton, Gregory Locklear
Spielfilmlange Doku über den Produzenten und Regisseur Roger Corman, der vor allem mit billig produzierten Horror- (vor allem seine Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen), Science-Fiction-, Biker und Exploitationfilmen Geld machte und vielen jungen Regisseuren und heutigen Stars (wie Jack Nicholson, Robert De Niro und Sylvester Stallone) die ersten Schritte ermöglichte. Zu den noch heute bekannten Regisseuren gehören Francis Ford Coppola, Martin Scorsese, Monte Hellman, Jonathan Demme, Curtis Hanson, James Cameron, Peter Bogdanovich, John Sayles, Joe Dante, George Lucas, Ron Howard, Robert Zemeckis und Sylvester Stallone.
Es gab normalerweise nur zwei Auflagen bei seinen Filmen. Sie mussten billig sein und einige Szenen enthalten, die die Leute ins Kino bringen. Mit diesem Rezept schuf er einige Klassiker und verdiente viel Geld.
Gleichzeitig verlieh er in den USA Filme, die öfters den Oscar für den besten ausländischen Film erhielten, von Ingmar Bergman, François Truffaut, Federico Fellini und Akira Kurosawa.
Wahrhaft ein schillernder und einflussreicher Charakter.
Mit Roger Corman, Martin Scorsese, Robert De Niro, Quentin Tarantino, Jack Nicholson, Ron Howard, William Shatner, Eli Roth, David Carradine, Brett Ratner, Traci Lords, Paul W.S. Anderson, Eric Balfour, Clint Howard, Pam Grier, Peter Fonda, Timur Bekmambetov, Bruce Dern, Jonathan Demme, Peter Bogdanovich, James Wan, Joe Dante, Irvin Kershner, John Sayles, Nancy Sinatra, Darren Lynn Bousman, Gale Anne Hurd, Lloyd Kaufman, Richard Matheson, Jim Wynorski, Paul Bartel, Monte Hellman, David Crosby, Allan Arkush
Die Story ist ein luftiges Nichts: Gang-Boss Raven Shaddock entführt während eines Konzertes die Sängerin Ellen Aim. Ihr Ex Tom Cody kommt zurück, rettet sie aus dem Club des Bösen, bringt sie zurück und trifft sich mit Raven zum abschließenden Kampf.
„Straßen in Flammen“ ist ein typischer 80er-Jahre Actionfilm, der bemerkenswert gut gealtert ist. Damals war er als überlanger Videoclip seiner Zeit weit voraus. Heute ist der Genrehybrid immer noch gut genießbar. Damals war Walter Hill einer der heißesten und besten Regisseure von intelligenten Actionfilmen. Heute liegt sein letzter guter Spielfilm auch schon fünfzehn Jahre zurück.
Mit Michael Paré, Diane Lane, Rick Moranis, Amy Madigan, Willem Dafoe, Deborah Van Valkenburgh, Richard Lawson, Rick Rossovich, Bill Paxton
„John Carter zwischen zwei Welten“ ist eine positive Überraschung. Immerhin war der Film jahrelang und immer wieder in Hollywood „in Entwicklung“ und niemand hat wirklich auf die Verfilmung eines Buches von Edgar Rice Burroughs, dem Erfinder von Tarzan, gewartet. Denn, Nostalgie hin, Nostalgie her, eine Geschichte über einen Bürgerkriegsveteranen (ich rede vom Sezessionskrieg 1861 – 1865), der mit einem Amulett auf den Mars gelangt, dort in die Kämpfe der Marsianer verwickelt und sich in eine Prinzessin verliebt, ist wirklich nichts, auf das zeitgenössische Kinozuschauer sehnsüchtig warten.
Dann veröffentlichte Disney einige Trailer, die nach einer grottigen „Krieg der Sterne“-Kopie (der, nach der George-Lucas-Zählung, Teile eins bis drei) aussahen, die eigentlich nur ein längliches Desaster, das ungefähr so amüsant wie der Genuss des „Musikantenstadels“ ist, erwarten ließen. Jeder offizielle Trailer brüllt: „Sieh mich nicht an!“.
Mit entsprechend niedrigen Erwartungen setzte ich im Kino die 3D-Brille (jau, selbstverständlich wurde der Film auf 3D hochgepimpt) auf und war positiv überrascht.
Es beginnt angenehm altmodisch und ruhig mit dem 18-jährigen Edgar Rice Burroughs, der reichlich überrascht um die Jahrhundertwende das Erbe seines Onkels, des überraschend verstorbenen, vermögenden Südstaatlers John Carter antritt. Er vertieft sich an einem Abend in dessen Aufzeichnungen, in denen der Ex-Soldat erzählt, wie er nach dem Krieg im Wilden Westen als Goldsucher lebte und in einer Höhle ein Amulett entdeckte, das ihn auf den Mars (der von den Bewohnern Barsoom genannt wird) transportierte. Dort gerät er dann in einen Krieg zwischen mehreren, mehr oder weniger menschlich aussehenden Völkern, er muss kämpfen, er verliebt sich und das alles geschieht vor einer fantastischen Kulisse, die all die Insignien einer einstmals prächtigen und sich jetzt im Niedergang befindenden Kultur hat.
Die rudimentäre und eher hanebüchene Story, die auch gerade in der Mitte, wenn die verschiedenen Stämme gegeneinander kämpfen und konspirieren, ihre Längen hat, erinnert mehr als einmal an „Flash Gordon“, die ersten, echten, originalen „Krieg der Sterne“-Filme, die zahlreichen Sandalenfilme, „Stargate“ und, immerhin hat James Cameron selbst darauf hingewiesen, „Avatar“. Dabei, und hier sind wir in einer amüsanten Zeitschleife, haben diese Filme sich eifrig bei John Carter und der dortigen Mythologie bedient. Denn ohne John Carter hätte es keinen „Flash Gordon“ gegeben und wenn jetzt „John Carter“ wie eine „Flash Gordon“-Kopie wirkt, dann sieht man, wie viel „Flash Gordon“ dem von Edgar Rice Burroughs erschaffenem Charakter und Barsoom verdankt.
Dass „John Carter“ so gut ist, liegt nicht nur an den Schauspielern. Mark Strong, Willem Dafoe, Thomas Haden Church, Ciáran Hinds und Bryan Cranston bürgen inzwischen für eine gewisse Qualität. Viel wichtiger sind der Regisseur und die Autoren, die die von Edgar Rice Burroughs erschaffene Welt ernst nehmen.
Regisseur und Drehbuchautor Andrew Stanton inszenierte vorher die Animationsfilme „Finding Nemo“ und „Wall-E“ und er war bei zahlreichen Pixar-Filmen beteiligt. Auch der zweite Drehbuchautor und Second-Unit-Regisseur Mark Andrews kommt aus dem Pixar-Stall. Der dritte Drehbuchautor ist Michael Chabon, der vor allem als Romanautor bekannt ist. „Wonder Boys“, „Das letzte Rätsel“ und die mit dem Hugo- und Nebula-Preis ausgezeichnete „Die Vereinigung jiddischer Polizisten“ sind von ihm, Bei dem zweiten „Spider-Man“-Film schrieb er am Drehbuch mit.
Und so ist „John Carter“ nicht nur deutlich besser als erwartet, sondern ziemlich gutes Fantasy-Kino, das sich erfolgreich bemüht, die damalige Zeit wiederauferstehen zu lassen. Denn der Mars, auf dem John Carter kämpfen muss, wirkt immer wie eine Parallelwelt, die man sich vor etwa hundert Jahren mit dem damaligen Wissen über Technik und fremde Welten ausdachte. Heute würde man so etwas Steampunk (wobei wir da mit unserem heutigen Wissen eine alternative viktorianische Welt entwerfen) nennen. Aber Edgar Rice Burroughs schrieb die Geschichten John-Carter-Geschichten bereits vor hundert Jahren und sie waren „rasanter, actionreicher Nonsens und sogar für damalige Verhältnisse oft absurd“, aber sie waren nicht frei von moralischen und philosophischen Aspekten, die „eine für damals überraschende Sensibilität an den Tag legt“ (David Pringle: Das ultimative Science-Fiction-Lexikon, 1997).
Als Zwölfjähriger wäre ich von „John Carter zwischen zwei Welten“ (welch dämlicher Titel!) sicher so begeistert wie damals von den „Krieg der Sterne“-Filmen (den echten!). Denn „John Carter“ ist ein ziemlich gelungener Fantasy-Film, der erfolgreich den Geist der Vergangenheit heraufbeschwört und einfach nur niveauvoll unterhalten will.
Der 3D-Effekt stört zwar nicht, aber er fällt auch nicht weiter auf.
Nachdem ich den Film gesehen hatte, entdeckte ich diesen Fan-Trailer, der einen guten Eindruck vom Film vermittelt und der wirklich neugierig auf „John Carter“ macht:
John Carter zwischen zwei Welten (John Carter, USA 2012)
Regie: Andrew Stanton
Drehbuch: Andrew Stanton, Mark Andrews, Michael Chabon,
LV: Edgar Rice Burroughs: A Princess of Mars, 1912 (als Fortsetzungsgeschichte in „All-Story“)/1917 (als Buch) (Die Prinzessin vom Mars)
mit Taylor Kitsch, Lynn Collins, Willem Dafoe, Mark Strong, Samantha Morton, Ciarán Hinds, Dominic West, Thomas Haden Church, Daryl Sabara, Polly Walker, Bryan Cranston, David Schwimmer, Jon Favreau
Die Story von Steven Soderberghs neuem Film „Haywire“ ist ein luftiges Nichts. Eher eine Entschuldigung, um eine Reihe toller Action-Szenen aneinanderzureihen, als ein ausgefuchster Plot mit Twists und erinnerungswürdigen Dialogen.
Mallory Kane (Gina Carano) ist eine Special-Ops-Agentin auf der Flucht. Ihr Chef, der als internationaler Kontraktor seine Dienste meistbietend den verschiedenen Geheimdiensten anbietet, will sie umbringen. Sie versucht herausfinden, warum sie sterben soll und reist dabei um die halbe Welt.
Mehr Story brauchen Drehbuchautor Lem Dobbs und Regisseur Steven Soderbergh, die bereits bei „Kafka“ und „The Limey“ zusammen arbeiteten, nicht, um Gina Carano in ihrem Filmdebüt gut in Szene zu setzen. Die erfolgreiche Mixed-Martial-Arts-Kämpferin erledigt ihren Job, auch dank des für sie sehr dialogarmen Drehbuchs, gut. Sie muss vor allem kämpfen, klettern, über Dächer springen und kämpfen, kämpfen, kämpfen und das kann sie.
Im Gegensatz zu den derzeit üblichen Schnittgewittern bei Action-Szenen, schnitt Soderbergh die Action-Szenen so angenehm altmodisch, dass man die Kämpfe wirklich verfolgen und die Leistungen der Schauspieler und Stuntmen bewundern kann. Das hat dann wieder die Faszination älterer Filme, in denen die Action noch ohne Computerhilfe erledigt wurde. Soderbergh nennt als einen der Einflüsse für die Mischung aus Story und Action in „Haywire“ den James-Bond-Film „Liebesgrüße aus Moskau“. Ein anderer, ebenso unübersehbarer Einfluss ist Alfred Hitchcock. So sollte das Haus in dem Mallorys Vater wohnt, an das Haus des Bösewichts in „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest) erinnern.
Neben Carano spielen, was bei Soderbergh nicht ungewöhnlich ist, viele Stars mit. Michael Fassbender, Ewan McGregor, Michael Douglas, Antonio Banderas, Bill Paxton und Channing Tatum verleihen dem Film damit eine besondere Klasse und sie helfen, Carano wie eine bessere Schauspielerin aussehen zu lassen.
„Haywire“ ist ein angenehm altmodischer, im Agentenmilieu spielender Action-Thriller, der durch die leicht unchronologische Erzählweise, der hypnotischen Musik von David Holmes (der mit Soderbergh bereits bei „Out of Sight“ und den „Ocean’s“-Filmen zusammenarbeitete), die Kürze (nach knackigen neunzig Minuten ist der Spaß vorbei) und den zynischen Spitzen der Geheimdienstler (gespielt mit spürbarer Lust von Ewan McGregor, Antonio Banderas und Michael Douglas) richtig Spaß macht und dank der Intelligenz der Macher deutlich besser als die gängigen B-Movies der 80-Jahre-Action-Stars (also der Kämpfer Chuck Norris, Jean-Claude van Damme und Steven Seagal) ist und seine teilweise überbudgetierten Nachfolger locker auf die Ersatzbank verweist.
Für traditionsbewusste Genrejunkies ist „Haywire“ ein Pflichttermin.
Haywire (Haywire, USA 2011)
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Lem Dobbs
mit Gina Carano, Michael Fassbender, Ewan McGregor, Bill Paxton, Channing Tatum, Antonio Banderas, Michael Douglas, Michael Angarano, Mathieu Kassovitz, Anthony Wong
LV: John Reese: The Looters, 1968 (später wegen des Films “Charley Varrick”)
Zufällig klaut Charley Varrick bei einem Überfall auf eine Provinzbank eine dreiviertel Million Dollar. Dummerweise gehört das Geld der Mafia – und die versteht keinen Spaß.
Herrlich amoralischer Gangsterfilm, bei dem ein Einzelner einen scheinbar hoffnungslosen Kampf gegen eine große, skrupellose Organisation aufnimmt.
„In diesem besten von Siegels späten Filmen wird nicht nur mit dem Genre gespielt, bis ein Westernmuster in einem Mafiafilm aufscheint, sondern sein Drehbuch ist auch derart ausgefeilt, dass es seine Wahrheit erst im letzten Moment offenbart.“ (Kevin Gough-Yates, in Frank Arnold/Michael Esser [Hrsg.]: Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme)
John Reese schrieb in erster Linie Western.
Mit Walter Matthau, Joe Don Baker, John Vernon, Felicia Farr, Don Siegel (als Tischtennisspieler)
LV: Ross MacDonald: The moving target, 1949 (Reiche sterben auch nicht anders, Das wandernde Ziel)
Privatdetektiv Lew Harper soll den verschwundenen Mann der reichen Mrs. Sampson finden.
Wenn wir von einflussreichen Privatdetektivromanautoren sprechen, darf ein Name nicht fehlen: Ross MacDonald.
Hier die kommerziell erfolgreiche Verfilmung des ersten Archer-Romans. Lew Archer heißt im Film Lew Harper. Der Grund dafür war, so Goldman im Audiokommentar zur DVD, dass MacDonald die Rechte am Namen nicht abgeben wollte. „Ein Werk nur mittlerer Qualität“ (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)
Drehbuchautor William Goldman schreibt im lesenswerten „Das Hollywood-Geschäft“ (Adventures in the Sreen Trade, 1984) über „Ein Fall für Harper“ und die Qualität seines Drehbuchs: „Der daraus entstandene Film war übrigens aus einer Vielzahl von Gründen sehr erfolgreich, von denen ich keinen für mich verbuchen kann.“
Mit Paul Newman, Lauren Bacall, Julie Harris, Janet Leigh, Arthur Hill, Robert Wagner, Robert Webber, Shelley Winters, Strother Martin
Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß (I 1961, R.: Pier Paolo Pasolini)
Drehbuch: Pier Paolo Pasolini, Sergio Citti (Dialogmitarbeit)
Vittorio, genannt Accattone (Bettler, Schmarotzer), lebt als Zuhälter in einer Trabantenstadt in Rom. Als seine Hure verhaftet wird, will er sich ändern.
Als Pier Paolo Pasolini (5. März 1922 – 2. November 1975) damals vor Ort und mit Laien sein Regiedebüt über das Leben des Subproletariats in den verslumten Vorstädten drehte, war er bereits ein bekannter und umstrittener Lyriker. Diesem Ruf blieb er bis zu seinem gewaltsamen Tod im November 1975 treu.
Ein Klassiker
mit Franco Citti, Franca Pasut, Paola Guidi, Silvana Corsini, Adriana Asti
Gut, dass wir vergleichen können. 3sat zeigt um 20.15 eine „Neues aus der Anstalt“-Wiederholung, die ZDF-Satiresendung, und das Erste zeigt um 22.45 Uhr eine neue Folge des „Satire Gipfel“. Als Gäste hat Dieter Nuhr heute Philip Simon, Horst Evers, Annamateur & Außensaiter und Frank Lüdecke eingeladen.
Vier im roten Kreis (F 1970, R.: Jean-Pierre Melville)
Drehbuch: Jean-Pierre Melville
Nach einer Haftstrafe plant Einbrecher Corey (Alain Delon) gleich seinen nächsten Coup. Den Einbruch in ein gut gesichertes Juweliergeschäft. Mit zwei Kumpanen (Gian Maria Volonté, Yves Montand) will er das Ding durchziehen. Ein Kommissar (André Bourvil) jagt sie.
Mehr Story braucht Jean-Pierre Melville in seinem vorletzten Film „Vier im roten Kreis“ nicht, um ein weiteres Meisterwerk zu inszenieren. Der Gangsterfilm ist nur deshalb bei der breiten Masse unbekannter, weil Melvilles „Der eiskalte Engel“ und sein letzter Film „Der Chef“ (beide ebenfalls mit Alain Delon) bekannter sind. Denn „Vier im roten Kreis“ hat alles, was Melville-Fans lieben und auf der großen Leinwand wirkt der Film noch besser.
Legendär und in die Kinogeschichte eingegangen ist der Einbruch in das Juweliergeschäft: eine gute halbe Stunde verfolgen wir atemlos den Einbruch, bei dem keiner der Einbrecher ein Wort sagt. Großes Kino
mit Alain Delon, André Bourvil, Yves Montand, Gian Maria Volontè, Francois Périer, Paul Crauchet
Arthaus/Studiocanal veröffentlichte den Film in seiner Reihe „Französisches Kino“. Als Bonusmaterial gibt es lediglich eine einundzwanzigminütige Einführung von Ginette Vincendeau. Damit reiht sich die DVD in die wenigen bisherigen deutschen Melville-Veröffentlichungen ein, die dem Rang des Regisseurs einfach nicht gerecht werden, indem sie sich weitgehend auf eine Präsentation des Films ohne nennenswertes Bonusmaterial beschränken.
Erwähnt sei, dass es auf der schon vor längerem erschienen Arthaus-Blu-ray mehr Bonusmaterial gibt.
Die mysteriöse Irena glaubt, dass sie sich bereits durch einen Kuss in ein Raubtier verwandeln könnte. Ihr Mann will ihr helfen.
Ein Klassiker des Horrorfilms, bei dem es, wie in vielen Horrorfilmen, um Sex, Verdrängung und die Folgen geht. Damals wollte das Studio den Film zunächst nicht zeigen. Als er dann doch in einigen Kinos gezeigt wurde, entwickelte er sich zum Hit.
„Modernem Publikum mag der Film mehr als Melodram erscheinen, seine innovativen Techniken sind durch Imitationen wohlbekannt und nur eine Handvoll Szenen wirklich gruselig. (…) Trotzdem kennzeichneten die psychologische Tiefe, die hochwertige Tongestaltung und das Bestehen auf der Kraft der Andeutung eine neue einflussreiche Richtung des Horrorkinos.“ (James Marriott, Kim Newman: Horror, 2007)
1981 drehte „Taxi Driver“-Autor Paul Schrader mit Nastassja Kinski und Malcolm McDowell ein gelungenes Remake des 70-mininütigen Films.
mit Kent Smith, Simone Simon, Tom Conway, Alan Napier, Jack Holt
Lassen wir den Roman von Barry Eisler, der als Vorlage für den Film „Rain Fall“ genannt wird, links liegen. Immerhin sagt Eisler selbst zur Verfilmung: „It’s very different from the book. I can’t take any credit or blame for the movie because other than selling the rights to the book, I had no involvement.“
Betrachten wir den Film also als ein vollkommen eigenständiges Werk. Immerhin vergleicht ja auch niemand ernsthaft die James-Bond-Romane von Ian Fleming mit den Filmen (jedenfalls seit ungefähr 1970) oder die Jason-Bourne-Filme mit dem Büchern von Robert Ludlum.
Also: in dem japanischen Thriller „Rain Fall“ befindet der Auftragskiller John Rain sich plötzlich zwischen den Fronten von Geheimdiensten und der Yakuza. Denn sein letztes Opfer, der Regierungsbeamte Kawamura, hatte einen spurlos verschwundenen USB-Stick mit supergeheimen Informationen (früher war der MacGuffin ein Mikrofilm), den jetzt alle wollen.
Rain, der sich fragt, warum seine Auftraggeber und andere Killer ihn umbringen wollen, beginnt nach den Hintergründen für seinen jüngsten Auftrag zu suchen und er versucht in Tokio die Töchter von Kawamura zu retten. Bei der ersten gelingt ihm das nicht. In die zweite, eine Jazz-Pianistin, verliebt er sich.
Und dann ist da noch ein hartnäckiger, leicht desillusionierter, älterer Polizist, der zwischen den letzten Morden von Rain an wichtigen Japanern, die alle wie Unfälle aussahen, eine Verbindung vermutet.
Das könnte ein spannender Thriller werden, aber Drehbuchautor und Regisseur Max Mannix findet nie den richtigen Rhythmus und die gesamte Geschichte wird auch eher chaotisch erzählt. Denn zu lange sind die Fronten und auch die Motivationen von einzelnen Charakteren unklar, und, anstatt gespannt der Geschichte zu folgen, fragt man sich, wer warum gegeneinander kämpft und warum der USB-Stick so wichtig ist.
Wenn man in diesen Minuten wenigstens auf der Seite des Protagonisten John Rain stünde, könnte man ihm immerhin die Daumen drücken. Aber dessen Taten und seine plötzliche Wandlung vom eiskalten Profikiller zum edlen Ritter bleiben die meiste Zeit vollkommen rätselhaft und lassen da, wo der Film sein dramaturgisches Zentrum haben sollte, eine große Lücke, die mit Genrewissen leidlich aufgefüllt wird.
Trotzdem ist „Rain Fall“ kein komplett gescheiterter Film, sondern ein interessanter Hybrid zwischen westlichem (Mannix ist Australier) und japanischem Empfinden mit einem internationalen Cast und, in der Originalfassung, einem japanisch-englischem Sprachgemisch. Denn so sehr Mannix sich auch am Hongkong-Action-Kino und den Jason-Bourne-Filmen (mit einer Portion „Leon, der Profi“, der Mannix auch als visuelle Inspiration diente) orientiert, so störend ist das nur rudimentär entwickelte Drehbuch (Die Motivationen! Die Fronten! Der MacGuffin!) und die über weite Teile vorherrschende Jason-Bourne-Ästhetik mit den Sekundenschnitten, die in „Rain Fall“ gerade wenn zwischen John Rain, der CIA-Zentrale und mehreren Überwachungskameras hin- und hergeschnitten wird, durchaus – auch dank Gary Oldman – ordentlich spannend ist, aber bei den wenigen Action-Szenen in einem halbdunklem Schnittchaos versumpft. Meistens täuschen die Sekundenschnitte allerdings nur eine nicht vorhandene Dynamik vor.
Die Folge ist, dass „Rain Fall“ über weite Teile wie ein im Leerlauf dröhnender Formel-1-Motor wirkt: laut, sehr laut und doch auf der Stelle stehen bleibend.
Bei dem Bonusmaterial geben die Interviews, insgesamt eine viertel Stunde, einen Einblick in die Dreharbeiten und die verschiedenen Befindlichkeiten und Arbeitsmethoden von westlichen und asiatischen Crews.
Rain Fall (Rain Fall, Japan 2009)
Regie: Max Mannix
Drehbuch: Max Mannix
LV: Barry Eisler: Rain Fall, 2002 (Tokio Killer)
mit Kippei Shiina, Gary Oldman, Kyoko Hasegawa, Misa Shimizu, Dirk Hunter, Akira Emoto
Wer ermordete den Freund von Kommissar Glauberg? Und warum schickt das BKA eine Polizistin in die norddeutsche Provinz? Gemeinsam decken Glauberg und die hübsche BKAlerin RAF-, Stasi-, West- und Ost-Ängste auf.
Woelks Roman kam damals bei den Kritikern nicht gut an. Ganz im Gegensatz zu den Fernsehkritikern. Die mochten den Film des immer zuverlässigen Matti Geschonneck. Und beim Hamburger Filmfest 2004 erhielt „Mord am Meer“ den TV-Produzentenpreis.
„Mord am Meer“ ist ein insgesamt gelungener Film, der unter den Beschränkungen des 90-Minuten-TV-Formats (einige Minuten länger wäre besser gewesen), einem zuviel an verschiedenen angesprochenen Themen (hier wäre weniger mehr gewesen) und einer enttäuschenden Lösung leidet. Aber die schönen Berlin-Bilder und die guten Leistungen der Schauspieler, die teilweise nur eine Szene haben, trösten darüber hinweg.
Mit Heino Ferch, Nadja Uhl, Manfred Zapatka, Birge Schade, Ulrike Krumbiegel, Otto Mellies, Ellen Schwiers, Thomas Sarbacher, Markus Boysen
Sophie Scholl – Die letzten Tage (D 2005, R.: Marc Rothemund)
Drehbuch: Fred Breinersdorfer
Das sei Schulfernsehen, sagte Breinersdorfer, als Rothemund ihm vorschlug die letzten Tage der Geschwister Scholl zu verfilmen. Dann vertiefte er sich in die Protokolle der Verhöre und schrieb das Drehbuch zu einem von Kritikern, Kollegen und Publikum hochgelobten Film. Über eine Million sahen „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ in den deutschen Kinos.
Mit Julia Jentsch, Alexander Held, Fabian Hinrichs, Jörg Hube
Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia (USA 1974, R.: Sam Peckinpah)
Drehbuch: Gordon Dawson, Sam Peckinpah (nach einer Story von Frank Kowalski und Sam Peckinpah)
Der mehr als abgehalfterte Barpianist Benjamin wittert seine große Chance. Denn auf den Kopf von Alfredo Garcia ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Und Benjamin weiß, wo Alfredos Kopf ist.
„Wie eine klassische griechische Tragödie rollt das Filmdrama vor dem Zuschauer ab, mit allen Momenten und Zutaten des klassischen Genres. In einem hermetisch geschlossenen Zirkel, aus dem es keinen Ausweg gibt, zeugt Gewalt fortzeugend Gewalt…Dennoch wird man sagen dürfen, dass – sicher im Gegensatz zu unendlich vielen anderen Action-Filmen – hier die Gewalt in einem eindeutig kritischen, und zwar politisch-kritischen Rahmen dargestellt und präsentiert wird. Peckinpah zeigt einen Staat, in dem statt der Gesetze das Recht des Stärkeren regiert, statt des Rechtes die Faust, statt der Pistole die Maschinenpistole.“ (Film-Dienst)
Mit Warren Oates, Isela Vega, Gig Young, Kris Kristofferson
Der amerikanische Freund (D/F 1976, R.: Wim Wenders)
Drehbuch: Wim Wenders
LV: Patricia Highsmith: Ripley´s Game, 1974 (Ripley´s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley´s Game oder Ein amerikanischer Freund)
Restaurator Jonathan hat Leukämie. Ripley bietet ihm einen gut bezahlten Mordauftrag an. Jonathan nimmt an und sein Leben gerät aus den Fugen.
Die freie Verfilmung des dritten Ripley-Romans ist eine der besten Highsmith-Verfilmungen. Wenders zu den Veränderungen: „Ich möchte, dass meine Filme von der Zeit handeln, in der sie entstehen, von den Städten, den Landschaften, den Gegenständen, von allen, die mitarbeiten, von mir. Diesen Spielraum hat mir Ripley´s Game gelassen. Weil er in der Arbeitsweise der Highsmith auch schon enthalten ist. Deshalb glaube ich, dass ich dem Buch doch nahe geblieben bin, so sehr ich mich auch davon entfernt habe. Es gibt nicht ´die Verfilmung´. Es gibt zwei grundverschiedene Sachen: Bücher und Filme. In ihnen kann eine gleiche ´Einstellung´ zu den Dingen vorhanden sein, aber nicht die gleichen Dinge.“
Stellvertretend für die vielen euphorischen Kritiken Hans C. Blumenberg: „Wenders zeigt den urbanen Alptraum, wie man ihn noch nie in einem europäischen Film gesehen hat: halb als uraltes, verkommenes Abbruchviertel, halb als futuristische Schreckenslandschaft…Die große Faszination dieses Films hat direkt mit seiner Vielschichtigkeit zu tun. Man kann ihn als pessimistischen Kommentar zur nachrevolutionären Bewußtseinskrise der späten siebziger Jahre verstehen, aber auch als brillanten Kriminalfilm, man kann ihn als urbanen Alptraum von der Zerstörung der Städte bewundern, aber man kann ihn auch als poetische Ballade einer Freundschaft lieben. Sein Reichtum, der nicht ohne Gefahren ist, erlaubt bei jedem Sehen neue Abenteuer, neue Entdeckungen.“ Außerdem entwarf er eine Gleichung: „Hitchcock + Ray + Scorsese = Wenders“ (die Gültigkeit dieser Gleichung für andere Wenders-Filme darf bezweifelt werden.)
Mit Bruno Ganz, Dennis Hopper, Lisa Kreuzer, Gérard Blain, Nicholas Ray, Samuel Fuller, Peter Lilienthal, Daniel Schmid, Lou Castel
Das Cover deutet eher auf einen dieser unzähligen vergessenswerten Horrorfilme hin, bei denen man mit einem zugkräftigem Titel ahnungslose Käufer fangen will. Doch das ist ein Etikettenschwindel. Denn „Psycho Legacy“ ist eine spielfilmlange Dokumentation über die vier „Psycho“-Filme mit Anthony Perkins in der Rolle seines Lebens.
Auf der DVD-Rückseite geht der Etikettenschwindel weiter. Denn als „Special Features“ werden „Deleted Scenes“, „Interviews“ und eine „Trailershow“ (Bäh, das ist, als ob auf dem Cover eines Taschenbuches stünde: „mit Hinweisen auf weitere Bücher aus dem Verlag“) angekündigt.
„Interviews“ ist zwar nicht ganz falsch, aber damit wird die schiere Menge der Interviews unterschlagen. Denn Regisseur und Produzent Robert V. Galluzzo packte da, neben den fast zwanzig Minuten geschnittener Szenen (unter anderem ein gut fünfminütiges Abwatschen von Gus van Sants „Psycho“-Remake) einfach alles drauf, was er in der Doku „Psycho Legacy“ nicht verwenden konnte und das sind insgesamt über fünf (!) Stunden weitgehend hochinteressantes Material. In den USA erschien die Doku mit Bonusmaterial als Doppel-DVD – und das hätte man auch hier machen sollen. Vor allem, weil das Bonusmaterial auf der deutschen Ausgabe anscheinend noch umfangreicher ausgefallen ist. Denn die Bildqualität lässt manchmal doch arg zu wünschen übrig und der Ton; – nun, die Doku wurde nicht mit High-End-Equipment aufgenommen.
Wer aber über diese technischen Probleme hinwegsieht, wird vor allem über die in den achtziger Jahren gedrehten „Psycho“-Filme viel Neues erfahren. Diese Filme stehen eindeutig im Schatten von Alfred Hitchcocks „Psycho“ (über Norman Bates, der unter dem Einfluss seiner Mutter stehend, vor allem Frauen mordet), einem Klassiker des Kriminal- und Horrorfilms, dessen Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann und über den es auch, im Gegensatz zu den Fortsetzungen, entsprechend viele und umfangreiche Dokumentationen und Bücher gibt.
Als zwanzig Jahre später in „Psycho II“ die Geschichte von Norman Bates, der als geheilt aus der Irrenanstalt entlassen wird, sich kurz darauf wieder mit Morden, die anscheinend von seiner Mutter begangen werden, konfrontiert und als Mörder verdächtigt sieht, weitererzählt wird, waren die skeptischen bis negativen Reaktionen vorhersehbar. Denn natürlich konnte „Psycho II“ nur schlechter als „Psycho“ sein: „nicht ganz ohne Interesse, wenn man sie als Parodie versteht“ (Fischer Film Almanach 1984) „Fortsetzung…grenzt fast an Blasphemie“ und „Kopie des unerreichbaren Vorgängers“ (Meinolf Zurhorst : Lexikon des Kriminalfilms – Völlig überarbeitete Neuausgabe [1993]) und, fast schon überschwänglich positiv „ordentlich inszeniert und gespielt“ (Lexikon des internationalen Films). Begeisterung liest sich anders.
„Psycho II“ war ursprünglich als TV-Film geplant, entsprechend niedrig budgetiert, erhielt dann in den USA doch einen Kinostart und war an der Kasse sehr erfolgreich. In der Doku „Psycho Legacy“ wird „Psycho II“ von den Interviewten immer wieder ein überraschend gutes Sequel genannt.
Auch „Psycho III“ (bei dem Anthony Perkins Regie führte) und „Psycho IV“ kommen gut weg. Denn die als Fanprojekt begonnene Dokumentation war nie als übermäßig kritischer Rückblick auf die Filme geplant. Dafür lieben Regisseur Galluzzo und seine Gesprächspartner, von denen die meisten auch in die „Psycho“-Filme involviert waren, die Filme zu sehr.
Galluzzo sprach unter anderem mit Hilton Green (Assistant Director bei „Psycho“, Produzent bei „Psycho II – IV“), den Drehbuchautoren Tom Holland („Psycho II“) und Charles Edward Pogue („Psycho III“), den Regisseuren Mick Garris („Psycho IV“) und Stuart Gordon (der mit Perkins zusammenarbeitete) und vielen Schauspieler, wie Jeff Fahey, Henry Thomas, Robert Loggia, Lee Garlington, Diana Scarwild, Katt Shea (die später „Carrie 2“ drehte) und Olivia Hussey, die alle in mindestens in einem „Psycho“-Fllm mitspielten. Sie geben gute Einblicke in die Entstehung der Filme und teilen ihr Wissen gerne; – vor allem in den weitgehend ungeschnittenen Interviews im Bonusmaterial. Da reden „Psycho II“-Drehbuchautor Tom Holland fast zehn Minuten, „Psycho III“-Drehbuchautor Charles Edward Pogue fast 25 Minuten und „Psycho IV“-Regisseur Mick Garris eine gute halbe Stunde, ohne zu langweilen, über die Filme.
Es gibt auch Ausschnitte aus einer 42-minütigen Q&A-Panel-Diskussion von 1988 mit Anthony Perkins (der am 12. September 1992 starb) über „Psycho“. Die während der Dreharbeiten entdeckte Diskussion (jaja, Bild und Ton sind lau) ist vollständig im Bonusmaterial der DVD enthalten.
Auch von Richard Franklin, dem Regisseur von „Psycho II“, der kurz vor dem Beginn der Drehbarbeiten für „Psycho Legacy“ starb, ist nur Archivmaterial vorhanden. Er war von Gallazzos Idee, eine Doku über die „Psycho“-Filme zu machen, begeistert und half ihm auch bei den ersten Vorbereitungen.
Diese Interviews, wozu auch mehrere Filmkritiker von Horrorfilm-Zeitschriften und Autoren, wie David J. Schow (ein Hard-Case-Crime-Autor, Horrorschriftsteller und Drehbuchautor) schnitt Galluzo für die Doku „Psycho Legacy“ zu einem kurzweilig-informativem Mix zusammen, in dem aus den Interviews wieder eine eigene Erzählung wird und die vier „Psycho“-Filme mit Anthony Perkins chronologisch, in deutlich getrennten Segmenten, vorgestellt werden.
Wer sich nur für Alfred Hitcoccks „Psycho“ interessiert, dürfte enttäuscht sein. Über „Psycho“ wird nur die ersten zwanzig Minuten gesprochen und auch im Bonusmaterial gibt es eigentlich keine weiteren Informationen zu dem Film.
„Psycho Legacy“ ist ein filmhistorisch sehr interessanter, wertvoller und wichtiger Fanfilm (was sich vor allem im Budget niederschlug), der mit Tonnen an Informationen begeistert – und, obwohl „Psycho II“, „Psycho III“ und „Psycho IV“ nicht gerade die besten Filme sind (sie dürften sicher etwas unterschätzt sein, aber sie sind auch keine Klassiker), macht die Doku Lust darauf, sich die „Psycho“-Filme noch einmal anzusehen.
Psycho Legacy (The Psycho Legacy, USA 2010)
Regie: Robert V. Galluzzo
Drehbuch: Robert V. Galluzzo
mit Hilton A. Green, Tom Holland, Robert Loggia, Kurt Paul, Diana Scarwid, Jeff Fahey, Juliette Cummins, Katt Shea, Charles Edward Pogue, Mick Garris, Henry Thomas, Olivia Hussey, Stuart Gordon, Anthony Perkins (Archivmaterial), Janet Leigh (Archivmaterial), Vera Miles (Archivmaterial), Alfred Hitchcock (Archivmaterial), Richard Franklin (Archivmaterial)
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DVD
Ascot Elite
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Deleted Scenes, Interviews
Länge: 87 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Die „Psycho“-Filme
Psycho (Psycho, USA 1960)
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Joseph Stefano
LV: Robert Bloch: Psycho, 1959 (Psycho)
mit Janet Leigh, Anthony Perkins, Vera Miles, John Gavin, Martin Balsam, John McIntire, Simon Oakland
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Psycho II (Psycho II, USA 1982)
Regie: Richard Franklin
Drehbuch: Tom Holland
mit Anthony Perkins, Vera Miles, Meg Tilly, Robert Loggia, Dennis Franz
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Psycho III (Psycho III, USA 1986)
Regie: Anthony Perkins
Drehbuch: Charles Edward Pogue
mit Anthony Perkins, Diana Scarwild, Jeff Fahey, Roberta Maxwell, Hugh Gillin
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Psycho IV – The Beginning (Psycho IV – The Beginning, USA 1990, TV-Produktion)
Regie: Mick Garris
Drehbuch: Joseph Stefano
mit Anthony Perkins, Henry Thomas, Olivia Hussey, CCH Pounder, Warren Frost, John Landis
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Das missglückte 1-zu-1-Remake (das in der Doku nicht erwähnt wird)
Psycho (Psycho, USA 1998)
Regie: Gus Van Sant
Drehbuch: Joseph Stefano
mit Vince Vaughn, Anne Heche, Julianne Moore, Viggo Mortensen, William H. Macy, Robert Forster, Philip Baker Hall, Anne Haney
Im Schatten des Zweifels (USA 1943, R.: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Thornton Wilder, Alma Reville, Sally Benson (nach einer Story von Gordon McDonnell)
Die junge Charlie ist begeistert: Ihr Lieblingsonkel kommt zu Besuch in die verschlafene Kleinstadt. Aber dann fragt sie sich, ob ihr Onkel ein mehrfacher Frauenmörder ist.
Suspense – und das gelungene Porträt einer US-amerikanischen Kleinstadt. Einer von Hitchcocks Lieblingsfilmen.
mit Joseph Cotten, Teresa Wright, MacDonald Carey, Patricia Collins, Hume Cronyn
Drehbuch: Peter Viertel, Joan Harrison, Dorothy Parker (nach einer Story von Alfred HItchcock)
Mechaniker Barry wird von der Polizei verdächtigt, einen Anschlag auf eine Flugzeugfabrik verübt zu haben.
Eher unbekanntes und daher grundlos unterschätztes Werk des Meisters, mit einem grandiosen Finale auf der Freiheitsstatue. In „Der unsichtbare Dritte“ ließ Hitchcock seine Hauptdarsteller auf einem anderen Nationalheiligtum herumkraxeln.
mit Robert Cummings, Priscilla Lane, Otto Krüger, Alan Baxter, Alma Kruger
Ich kämpfe um dich (USA 1945, R.: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Ben Hecht, Angus MacPhail (Adaption)
LV: Francis Beeding: The house of Dr. Edwardes, 1927 (Pseudonym von John Palmer und Hilary St. George Sanders)
Dr. Edwardes kommt als neuer Direktor in die Psychiatrie. Seine Kollegin Constance Petersen findet heraus, dass der wirkliche Dr. Edwardes ermordet wurde. Der Falsche behauptet, er könne sich an nichts erinnern.
Hitchcock wollte den ersten Film über die Psychoanalyse drehen. Nach eigenen Worten gelang ihm allerdings nur ein Thriller mit einer imposanten, von Salvador Dali gestalteten, Traumsequenz.
Mit Ingrid Bergman, Gregory Peck, Rhonda Fleming, Leo G. Carroll