DVD-Kritik: Die sehr vergnügliche britische Old-School-Krimiserie „Death in Paradise“

September 5, 2012

Ich habe keine Ahnung, ob mir die dritte oder vierte Staffel von „Death in Paradise“ noch gefallen werden, denn die Serie folgt schon in der ersten Staffel ziemlich sklavisch der bekannten Krimiformel, in der ein genialer Ermittler herausfinden muss, wer von den vielen Verdächtigen, die alle ein bombenfestes Alibi haben, den Mord in einem mehr oder weniger geschlossenem Raum verübt hat, und am Ende enthüllt der Ermittler vor den in einem Raum versammelten Verdächtigen, deren Alibis alle falsch waren, wer der Mörder ist.

Dieses Rezept hat sich seit den seligen Tagen von Agatha Christie kaum verändert und geübte Krimiseher werden auch in „Death in Paradise“ ziemlich schnell den Mörder, der immer der Unverdächtigste ist, erraten.

Aber gerade in den ersten acht Fällen, die jetzt als „Death in Paradise – Staffel 1“ erschienen sind, stimmt alles: die Fälle sind gut geplottet, der Humor stimmt, die Schauspieler sind gut und das Setting erfreut das Auge. Denn, wir ahnen es bei dem Titel „Death in Paradise“: die Krimiserie spielt nicht im kalten England, sondern auf der sonnigen Karibik-Insel Saint-Marie und der stocksteife Londoner Detective Inspector Richard Poole, der immer korrekt gekleidet mit Anzug, Schlips und Aktentasche die Wohnung verlässt, muss mit der lässigen südländischen Arbeitsauffassung seiner Untergebenen und den mangelhaften Arbeitsmitteln zurechtkommen. Während in London die Spurensicherung in kürzester Zeit Ergebnisse liefert, dauert hier alles etwas länger und niemand scheint das wirklich zu stören.

Ach, und das Essen ist auch nicht nach seinem Geschmack. Genaugenommen ist es ungenießbar. Immerhin findet er manchmal einen guten Tee – und erstaunlich viele Morde im Paradies, das für ihn die Hölle ist. Er möchte nur, so schnell es geht, zurück in sein heimatlich kühles, nebliges London und in einen urigen Pub.

DI Richard Poole wurde nach Saint-Marie geschickt, weil sein Vorgänger ermordet wurde im verschlossenen Panikraum in der Villa eines wohlhabenden Engländers. Während der Ermittlungen muss Poole sich, wie auch in den folgenden Fällen, weitgehend auf seinen Verstand verlassen. Zum Glück funktionieren seine kleinen grauen Zellen, trotz der tropischen Temperaturen, ähnlich gut wie die von Hercule Poirot.

Am Ende löst er den Fall, bekommt eine neue Kollegin, die Undercover-Polizistin Camille Bordey, und erfährt, dass er länger auf der Insel bleiben muss. Denn der örtliche Polizeichef ist hoch zufrieden mit seiner Arbeit und er wird auf seine sympathisch-bauernschlaue Art alles tun, um einen so guten Ermittler, auch gegen dessen Willen, auf seiner Insel zu halten.

In den nächsten sieben Fällen der ersten „Death in Paradise“-Staffel (keine Panik, eine zweite Staffel wird gedreht) muss Poole mit Bordey, die sich auf der Insel pudelwohl fühlt, und seinen Untergebenen Dwayne Myers, ein altgedienter Streifenpolizist, der Gott und die Welt auf der Insel kennt, und Fidel Best, der Jüngste im Team, weitere Mordfälle lösen, die weitgehend der Locked-Room-Formel folgen. So wird eine Braut an ihrem Hochzeitstag ermordet und ihre Familie ist hochgradig verdächtig.

Eine Einheimische sieht ihren Tod voraus und weil diese Prophezeiung auch eintrifft, wird Poole misstrauisch. Denn er glaubt nicht an übersinnlichen Hokuspokus.

Eine Frau behauptet, dass sie ihren Mann ermordet hat. Allerdings ist seine Leiche verschwunden und Poole glaubt, dass an dem Fall etwas nicht stimmt.

Auf der voll besetzten Fähre zur Insel wird ein Betrüger erstochen und weil der Betrüger an Poole angekettet war, hat er dieses Mal sogar ein persönliches Motiv für die Mörderjagd. Dummerweise hat er dieses Mal, weil der Betrüger die halbe Inselbevölkerung betrog, auch mehr Verdächtige als üblich.

Ein Sänger wird vor dem Reunion-Konzert seiner Band ermordet und seine Leiche wird während des Konzerts in dem Sarg entdeckt, aus dem er eigentlich entsteigen sollte. Verdächtig sind natürlich die Bandmitglieder und seine Entourage. Dummerweise haben alle ein bombenfestes Alibi.

Im letzten Fall der ersten „Death in Paradise“-Staffel wird eine Frau ermordet in ihrem Bett, mit dreißig Münzen im Mund, gefunden. Sie lebte dort unter falschem Namen und ihr echter Name steht auf der Fahndungsliste der Londoner Polizeieinheit für Organisiertes Verbrechen.

Und einen Fall müssen die Streifenpolizisten Myers und Best fast im Alleingang lösen. Denn Bordey ist auf einer Fortbildung und Poole liegt mit Fieber im Bett. Vor den Augen von Myers starb ein Taucher in einer Bucht und selbstverständlich haben die üblichen Verdächtigen ein bombensicheres Alibi. Und mit DS Angela Young erhalten sie eine hoffnungslos überdrehte, zur Hysterie neigende Hilfe, die ihnen überhaupt nicht gefällt.

Auf der DVD ist die internationale Fassung. D. h. die einstündigen Folgen wurden schon vom BBC auf jeweils 50 Minuten gekürzt. Bonusmaterial fehlt auch; aber das kann daran liegen, dass die deutsche DVD-Veröffentlichung vor der englischen DVD-Veröffentlichung war.

Death in Paradise – Staffel 1 (Death in Paradise, GB/Fr 2011)

Idee: George Thorogood

mit Ben Miller (DI Richard Poole), Sara Martins (DS Camille Bordey), Danny John-Jules (Dwayne Myers), Gary Carr (Fidel Best), Don Warrington (Commisioner Selwyn Patterson), Elizabeth Bourgine (Catherine Bordey)

Gaststars: Rupert Graves (Folge1), Colin Salmon (Folge 5), Shirley Henderson (Folge 6), Adrian Dunbar (Folge 7 & 8), David Sterne (Folge 7)

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DVD

Edel

Bild: Dolby, PAL

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 400 Minuten (8 Folgen à 50 Minuten auf 4 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

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Die ersten acht paradiesischen Morde

Willkommen im Paradies

Regie: Charles Palmer

Drehbuch: Robert Thorogood

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Nur die Sonne war Zeuge

Regie: Roger Goldby

Drehbuch: Robert Thorogood

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Der Voodoo-Zauber

Regie: Charles Palmer

Drehbuch: Robert Thorogood

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Beste Freunde

Regie: Roger Goldby

Drehbuch: James Payne

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Mord an Bord

Regie: Alfred Lot

Drehbuch: Harry Holmes

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Tropische Freunde

Regie: Alfred Lot

Drehbuch: Robert Thorogood

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Falsche Töne

Regie: Paul Harrison

Drehbuch: Jack Lothian

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Bellende Hunde

Regie: Paul Harrison

Drehbuch: Robert Thorogood

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Hinweise

BBC über „Death in Paradise“

BBC Germany über „Death in Paradise“

Wikipedia über „Death in Paradise“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 5. September: Ein Abend mit Geburtstagskind Werner Herzog

September 5, 2012

Das ist doch ein rundum gelungenes Geburtstagsprogramm für Werner Herzog, der heute seinen siebzigsten Geburtstag feiert

Arte, 20.15

Aguirre, der Zorn Gottes (D 1972, R.: Werner Herzog)

Drehbuch: Werner Herzog

Peru 1560: Aguirre will im Amazonasgebiet das sagenumwobene El Dorado finden.

Klassiker mit Klaus Kinski und der Beginn einer wundervollen Freundschaft.

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Arte, 21.45

Begegnungen am Ende der Welt (USA 2007, R.: Werner Herzog)

Drehbuch: Werner Herzog

Oscar-nominierte Doku über Wissenschaftler, die am Südpol auf einer US-Forschungsstation arbeiten.

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Arte, 23.15

Zwischenfall am Loch Ness (GB 2003, R.: Zak Penn)

Drehbuch: Werner Herzog, Zak Penn

Fake-Doku, die Werner Herzog während der Arbeit an einer Dokumentation über das Ungeheuer von Loch Ness begleitet.

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Hinweise

Wikipedia über Werner Herzog

Arte über Werner Herzog

Werner Herzog in der Kriminalakte

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Noch mehr Herzog?

Ein Interview

Noch ein Interview, dieses Mal sogar auf Deutsch zur „Höhle der vergessenen Träume“

Und einmal Schuhe essen

 


TV-Tipp für den 4. September: Unter Beschuss

September 3, 2012

ZDFneo, 22.10

Unter Beschuss (F 2008, R.: Claude-Michel Rome)

Drehbuch: Claude-Michel Rome, Olivier Dazat

Elite-Cop Drieu wird in ein kleines Revier bei Marseille, das demnächst geschlossen wird und dessen Polizist vollkommen demotiviert sind, versetzt. Aber Drieu akzeptiert die laxe Arbeitshaltung seiner Kollegen nicht. Außerdem entdeckt er Verbindungen zwischen einigen Verbrechen, die auf den ersten Blick nicht miteinander zu tun haben.

Der Quasi-Western „Unter Beschuss“ (DVD-Titel: Crossfire) reiht sich gelungen in die aktuelle Reihe französischer Kriminalfilme ein, die zeitgemäß aufbereitet, die einheimische Kriminalfilmtradition pflegen und sich an Hollywood-Vorbildern bedienen.

Mehr in meiner Besprechung der DVD.

mit Richard Berry, Pascal Elbé, Zabou Breitman, Aïssa Maïga, Bernard Blancan, Guilaine Londez, Moussa Maaskri, Fred Saurel, Aure Atika

Hinweise

Homepage zum Film (dann Recherche nach “Les Insoumis” machen)

Tout le Cine: Interviews mit den Machern

Wikipedia über „Crossfire“

Meine Besprechung von „Crossfire“ (Les Insoumis, F 2008)


TV-Tipp für den 3. September: Im Tal von Elah

September 3, 2012

ZDF, 22.15

Im Tal von Elah (USA 2007, R.: Paul Haggis)

Drehbuch: Paul Haggis (nach einer Geschichte von Mark Boal und Paul Haggis)

Ex-Militärpolizist und Vietnamveteran Hank Deerfield erfährt, dass sein Sohn Mike sich nach seiner Rückkehr aus dem Irak fahnenflüchtig ist. Kurz darauf wird seine verbrannte Leiche gefunden. Deerfield beginnt mit einer Polizistin Mikes Mörder zu suchen. Dabei werden sie vom Militär behindert.

Haggis benutzt in seinem feinen Thriller das Genre, um auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam zu machen. Denn der auf einem wahren Fall basierende, hochgelobte Thriller beschäftigt sich mit den seelischen Kosten von Kriegseinsätzen für den Einzelnen und die Gesellschaft.

Der Titel spielt auf die David-und-Goliath-Geschichte in der Bibel an. Deren Kampf fand im Valley of Elah, bei uns je nach Bibelübersetzung bekannt als Eichgrund, Elberfelder oder Terebinthental, statt.

Mit Tommy Lee Jones, Charlize Theron, Susan Sarandon, Jason Patric, James Franco, Josh Brolin, Jonathan Tucker

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Im Tal von Elah“

Metacritic über „Im Tal von Elah“

Rotten Tomatoes über „Im Tal von Elah“

Wikipedia über „Im Tal von Elah“ (deutsch, englisch)

Das Drehbuch „In the Valley of Elah“ von Paul Haggis

About com: Interview mit Paul Haggis und Charlize Theron über „Im Tal von Elah“ (mit weiterführenden Links)

Future Movies: Interview mit Paul Haggis über „Im Tal von Elah“

Bayerisches Fernsehen: Interview mit Paul Haggis über „Im Tal von Elah“


TV-Tipp für den 2. September: Natural Born Killers

September 2, 2012

Arte, 23.05

Natural Born Killers (USA 1994, R.: Oliver Stone)

Drehbuch: Oliver Stone, Richard Rutowski, David Veloz (nach einer Idee von Quentin Tarantino)

Mickey und Mallory morden sich als Killerpärchen durch die USA – und Oliver Stone feuert ein beeindruckendes, aber auch betäubendes Schnitt- und Soundgewitter, garniert mit ätzender Medienkritik, ab.

„2540 Schnitte und 75 Soundtrack-Titel in zwei Stunden: keine formale Innovation, sondern Delirium eines vom Thema faszinierten anstatt es beherrschenden Regisseurs, der auch keine echte Satire schafft, weil diese Distanz, Coolness (…) und Treffsicherheit verlangt, wo Stone zum Vollstrecker der Killer-Ideologie mit kinetischen Mitteln wird.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Ein typischer Oliver-Stone-Film mit Botschaft eben.

Quentin Tarantino war von der Verfilmung, die mit seinem Drehbuch fast nichts mehr gemein hat, nicht begeistert.

mit Woody Harrelson, Juliette Lewis, Robert Downey jr., Tommy Lee Jones, Tom Sizemore, Rodney Dangerfield, Pruitt Taylor Vince, Balthazar Getty, Jared Harris

Wiederholung: Dienstag, 4. September, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über „Natural Born Killers“

Rotten Tomatoes über „Natural Born Killers“

Wikipedia über „Natural Born Killers“ (deutsch, englisch)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‘Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

Quentin Tarantino in der Kriminalakte

Oliver Stone in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. September: Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen

September 1, 2012

Dass die ARD „Bad Lieutenant“ und „Ein fürsorglicher Sohn“ (My Son, my Son, what have ye done, USA/D 2009) um 00.30 Uhr und 00.50 Uhr als TV-Premieren zeigt und das ganze halbwegs pompös Festakt für den siebzigsten Geburtstag von Werner Herzog, betitelt, ist wahrscheinlich eine wenig subtile Aussage zur Wertschätzung des Regisseurs in den ARD-Gremien.

Arte macht es – mal wieder – besser und zeigt zu den besten Sendezeiten am Mittwoch, den 5. September, zu Werner Herzogs Geburtstag, „Aguirre, der Zorn Gottes“ um 20.15 Uhr, „Begegnungen am Ende der Welt“ um 21.45 Uhr und die Pseudodoku „Zwischenfall am Loch Ness“ (über die Dreharbeiten zu einer Werner-Herzog-Doku) um 23.15 Uhr und am Montag, den 10. September, „Nosferatu – Phantom der Nacht“ um 21.00 Uhr und „Stroszek“ um 22.45 Uhr. Ist ja auch ein echter Kultursender, während im Ersten wohl „Schlaflos in Schwabing“ und „Mord in bester Gesellschaft“ Kultur ist.

ARD, 00.30

Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen (USA 2009, R.: Werner Herzog)

Drehbuch: William Finkelstein (nach dem Drehbuch von Victor Argo, Paul Calderon, Zoë Lund und Abel Ferrara)

Werner Herzogs Comeback. Jedenfalls in Deutschland. Denn hier verschwand er nach seinen großen Erfolgen in den Siebzigern (Aguirre, der Zorn Gottes; Jeder für sich und Gott gegen alle; Herz aus Glas; Stroszek; Nosferatu; Woyzek) und frühen Achtzigern (Fitzcarraldo; Wo die grünen Ameisen träumen; Cobra Verde [sein Abschied vom Kino]) von der Bildfläche und man hörte nur noch, dass er jetzt vor allem Dokumentarfilme mache. Einige liefen auch auf den üblichen weltabgewandten Plätzen im TV.

Aber in den USA wurde er zu dem Mann. Einem der wenigen Deutschen, die auch in Hollywood anerkannt sind. Neben den vielen Dokus drehte er auch einige Spielfilme, die bei uns – falls überhaupt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit liefen.

Doch 2009, mit dem grandiosen Remake eines Genrefilms, das sich kaum an die Vorlage hält, und mit der Präsidentschaft der Berlinale-Jury kehrte er zurück in die deutschen Kinosäle.

Die Story, für alle die Abel Ferraras grandiosen „Bad Lieutenant“ (mit Harvey Keitel) nicht kennen: Nach dem Hurrikan Katrina muss ein drogensüchtiger Cop den Mord an einer schwarzen Familie aufklären.

Mit Nicholas Cage, Val Kilmer, Eva Mendes, Xzibit, Vondie Curtis Hall, Brad Dourif

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Bad Lieutenant“

Metacritic über „Bad Lieutenant“

Rotten Tomatoes über „Bad Lieutenant“

Wikipedia über „Bad Lieutenant“ (deutsch, englisch)

Die Zeit: Interview mit Werner Herzog (4. Februar 2010)

Berliner Zeitung porträtiert Werner Herzog (11. Februar 2010)

Kriminalakte über “Bad Lieutenant” und über Werner Herzog


TV-Tipp für den 31. August: Familiengrab

August 31, 2012

WDR, 00.45

Familiengrab (USA 1976, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Ernest Lehman

LV: Victor Canning: The rainbird pattern, 1972 (später “Family plot”; „Auf der Spur“)

Mrs. Rainbird verspricht dem Medium Blanche 10.000 Dollar, wenn sie ihren vor Jahrzehnten verstossenen Neffen findet. Dieser finanziert inzwischen seinen Lebensunterhalt mit Entführungen und unterstellt Blanche und ihrem Freund George niedere Motive.

Was für ein Abgang: eine lockere Krimikomödie mit tiefschwarzem Humor.

Ernest Lehman: „Was Hitchcock wirklich an diesem Filmprojekt faszinierte, war die Idee von zwei getrennt ablaufenden unterschiedlichen Geschichten, die langsam zueinander finden und letztlich zu einer Geschichte werden. Ich ließ nicht locker, ihn darauf hinzuweisen, dass das Publikum nicht einen Film aufgrund seiner einzigartigen Struktur sehen will – es sei denn, Hitchcock plane, den Film als eine Art Dozent zu begleiten und ihn den Zuschauern zu erklären.“ – Mmh, da hat er Recht. „Family Plot“ (hübsch doppeldeutiger Titel) ist beim zweiten, dritten Sehen besser als beim Ersten. Und die Rückprojektionen sind schlecht wie immer.

Mit Karen Black, Bruce Dern, Barbara Harris, William Devane, Ed Lauter, Cathleen Nesbitt

Hinweise

Wikipedia über Victor Canning

Kaliber .38 über Victor Canning

Fanseite über Victor Canning

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Woody Allens neueste Postkarte: „To Rome with Love“

August 30, 2012

Seit einigen Jahren hinterlässt Woody Allen seinen Fans filmische Postkarten aus Europas schönsten Gegenden. Er war in England („Match Point“, „Scoop – Der Knüller“, „Cassandras Traum“, „Ich sehe den Mann deiner Träume“), Spanien („Vicky Cristiana Barcelona“), Frankreich („Midnight in Paris“) und ist jetzt in Italien angekommen. „To Rome with Love“ heißt seine starbesetzte Postkarte aus der italienischen Hauptstadt, in der Woody Allen sich gar nicht mehr die Mühe macht, eine Geschichte zu erzählen oder die verschiedenen Geschichten in eine zeitlich logische Reihenfolge zu ordnen. Ihm genügt, dass sie so irgendwie zusammenpassen und wir unseren Spaß an diesem Spiel mit Schein und Sein haben. Während in „Midnight in Paris“ das Paris der Gegenwart und der Vergangenheit noch voneinander getrennt war, aber jeder es als gegeben hinnahm, dass wir durch die Zeit reisen können, drängelt sich in Rom Alec Baldwin, der einen Stararchitekten spielt, der als junger Mann in Rom lebte, als besserwisserischer Geist in das Leben seines jungen Bewunderers Jack (Jesse Eisenberg). Jacks brave Freundin Sally (Greta Gerwig) und deren Freundin Monica (Elle Page), die als Filmschauspielerin alle Register der weiblichen Verführungskunst zieht, reden ebenfalls mit dem Geist. Jedenfalls manchmal. Manchmal scheinen sie ihn auch nicht zu sehen, aber solche kleinen logischen Brüche kümmern Woody Allen nicht mehr.

Denn er will noch einige andere Geschichten erzählen.

Avantgarde-Opernregisseur Jerry (Woody Allen), im Un-Ruhestand, reist mit seiner Frau Phyllis (Judy Davis) nach Rom, um den Zukünftigen ihrer Tochter Hayley (Alison Pill) kennen zu lernen. Michelangelo (Flavio Parenti) ist Anwalt und ein prinzipientreuer Kommunist, was Jerry überhaupt nickt akzeptieren kann. Erst als er bemerkt, dass Michelangelos Vater Giancarlo (Tenor Fabio Armiliato in seinem Filmdebüt) unter der Dusche ein fantastischer Opernsänger ist, hat er eine neue Aufgabe.

Hier ist Woody Allen Woody Allen, seine lebenskluge Frau ist auch Psychiaterin und er kann einige nett-belanglose Witze auf Kosten des Kulturbetriebs machen.

Es gibt die Geschichte eines jungen Ehepaares, das aus der Provinz nach Rom kommt, weil die sittenstrenge Verwandtschaft ihm einen Job angeboten hat. Als Milly (Alessandra Mastronardi in einer sehr Woody-Allenhaften Rolle) sich auf der Suche nach einem Frisör verläuft und, zuerst auf einem Filmset, später in den Armen des von ihr bewunderten Filmstars landet, springt die Prostituierte Anna (Penélope Cruz) in das Bett des herrlich verklemmten Göttergatten Antonio (Alessandro Tiberi; – Yep, neben Jesse Eisenberg ist das natürlich ein weiteres männliches Alter Ego von Woody Allen). Selbstverständlich öffnen die Verwandten, wie es sich für eine Boulevard-Komödie gehört, in der falschen Sekunde die Hotelzimmertür und Antonio muss mit Anna das High-Society-Touristenprogramm mit einem Besuch im Vatikan und einer Party mit Roms einflussreichen Männern in einem prächtigen Garten, inclusive einem kleinen, von Anna erzwungenen Seitensprung ins Gebüsch, absolvieren.

Die vierte und letzte Geschichte ist die von Leopoldo Pisanello (Roberto Benigni), der als einfacher Angestellter plötzlich und ohne irgendeinen ersichtlichen Grund berühmt und von Paparazzi und schönen Frauen verfolgt wird.

Dabei ist Woody Allens Rom immer das Fantasie-Rom eines Touristen, der Rom durch die Augen des Pauschaltouristen, angereichert mit den Erinnerungen an unzählige Filme, die in den vergangenen Jahrzehnten in Rom spielten, sieht und der sich seine Ferien nicht von einem Blick auf die unschöne Realität stören lassen will.

Diesen Blick gab es vor vierzig Jahren in „Fellinis Roma“, der ebenfalls episodischen, wunderschön burlesken, autobiographischen Liebeserklärung von Regisseur Frederico Fellini an seine Heimat, die ein ähnlich überhöhtes, aber auch viel bodenständigeres Bild von Rom bot. Denn wo bei Fellini immer auch der Blick auf die Realität vorhanden war und die Szenen in jeder Beziehung üppig ausgestattet sind, regiert bei Woody Allen in seiner flüchtig hingetupften römischen Pastiche, garniert mit vielen Woody-Allen-Weisheiten, immer das skizzenhafte.

So ist „To Rome with Love“ mit gut zwei Stunden einer von Woody Allens längsten Filmen, der dennoch kurzweilig und nett unterhält. Letztendlich ist „To Rome with Love“ das filmische Äquivalent zu einem Sommersalat.

To Rome with Love (To Rome with Love, USA/Italien 2012)

Regie: Woody Allen

Drehbuch: Woody Allen

mit Woody Allen, Alec Baldwin, Roberto Benigni, Penélope Cruz, Judy Davis, Jesse Eisenberg, Greta Gerwig, Ellen Page, Antonio Albanese, Fabio Armiliato (Filmdebüt des Tenors), Alessandra Mastronardi, Ornella Muti, Alison Pill, Flavio Parenti, Alessando Tiberi, Riccardo Scamarcio

Länge: 110 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „To Rome with Love“

Metacritic über „To Rome with Love“

Rotten Tomatoes über „To Rome with Love“

Wikipedia über „To Rome with Love“ (deutsch, englisch)

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Meine Besprechung von Robert B. Weides „Woody Allen: A Documentary“ (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)

Woody Allen in der Kriminalakte

 

 


TV-Tipp für den 30. August: Broken Flowers

August 30, 2012

3sat, 22.25

Broken Flowers – Blumen für die Ex (USA/Frankreich 2005, R.: Jim Jarmusch)

Drehbuch: Jim Jarmusch (inspiriert von einer Idee von Bill Raden und Sara Driver)

Don Johnston (Stoneface Bill Murray) lungert nur noch in seiner Wohnung herum und träumt von seinen früheren Frauen. Eines Tages erhält er einen anonymen Brief, in dem steht, dass er einen 19-jährigen Sohn habe. Don, der bislang von seinem Vaterglück nichts wusste, macht sich auf den Weg quer durch die USA zu seinen alten Freundinnen, die er seit Ewigkeiten nicht gesehen hat und von denen eine die Mutter sein muss.

Jim Jarmusch erhielt für sein lakonisches Road-Movie über verpasste Chancen den Großen Preis der Jury in Cannes, einige weitere Preise, viel Kritikerlob – und an der Kinokasse lief der Film auch gut.

Mit Bill Murray, Julie Delpy, Jeffrey Wright, Sharon Stone, Frances Conroy, Chloë Sevigny, Jessica Lange, Tilda Swinton

Hinweise

Film-Zeit über „Broken Flowers“

Metacritic über „Broken Flowers“

Rotten Tomatoes über „Broken Flowers“

Wikipedia über „Broken Flowers“ (deutsch, englisch)

Jim Jarmusch in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Der teuerste Mashup aller Zeiten: „The Expendables 2“

August 29, 2012

Beim ersten Mal war es ein Gag; sozusagen ein Fanvideo für den Achtziger-Jahre-Action-Junkie.

Beim zweiten Mal sagten sich die Macher, dass es vollkommen idiotisch wäre, ein bewährtes Rezept zu ändern. Auch wenn jetzt von einem 100-Millionen-Dollar-Budget gesprochen wird. Aber natürlich kann man alles etwas größer machen. Deshalb sind in „The Expendables 2“ nicht nur die alten Knochen Sylvester Stallone, Dolph Lundgren, Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger (beide dieses Mal mit mehr Leinwandzeit), sondern auch Jean-Claude Van Damme und Chuck Norris, der für sein Gastspiel als „Lone Wolf“ seinen siebenjährigen Ruhestand unterbrach, dabei.

Außerdem sind, von der jüngeren Garde der Action-Stars Jason Statham, Jet Li, Randy Couture und Terry Crews wieder dabei. Als Neulinge sind Liam Hemsworth und Yu Nan im „Expendables“-Team dabei.

Die Story, nun, die war schon damals in den Achtzigern nicht so wichtig, und solange es genug Action und One-Liner gab, hat man darüber hinweggesehen. Die One-Liner gibt es auch in „The Expendables 2“. Denn die Stars nehmen sich und ihr Image lustvoll auf die Schippe. Schwarzenegger darf seine ikonischen „Terminator“-Sätze sagen, Willis etwas die harden und Chuck Norris ist der Mann, der alleine arbeitet, niemals nachladen muss (im Gegensatz zu den Expendables, denen ständig die Munition ausgeht) und einige der unglaublichsten Geschichten über ihn – Remember the Chuck-Norris-Facts! – bestätigt.

Und dann gibt es noch die grandiosen und sehr bleihaltigen Action-Szenen, die sich um eine rudimentäre Story reihen: also: Barney Ross (Stallone) und seine „Expendable“-Jungs Lee Christmas (Jason Statham), Yin Yang (Jet Li), Gunnar Jensen (Dolph Lundgren), Toll Road (Randy Couture), Hale Caesar (Terry Crews) und Billy the Kid (Liam Hemsworth) sollen im Auftrag von Mr. Church (Bruce Willis) aus einen supergesicherten Safe („Der Code ändert sich alle 120 Sekunden.“ und bei dem falschen Code macht es BUMM) eine Festplatte herausholen. Der Safe ist in einem in der albanischen Einöde abgestürztem Flugzeug. Kaum haben sie das Teil geborgen, wird es ihnen von Jean Vilain (Jean-Claude Van Damme – Ja, die Namensgebung ist sehr einfallsreich.) geklaut und Vilain macht seinem Namen alle Ehre, indem er kaltblütig vor den Augen der Expendables ihren Neuzugang, den Sniper Billy the Kid, der sowieso das Team verlassen wollte, ersticht.

Klarer Fall, dass die „Expendables“ jetzt auf Rache aus sind. Und dass Vilain mit dem auf der Festplatte enthaltenem Code den Zugang zu fünf Tonnen waffenfähigem Plutonium (oder: zu viel Wumms in den falschen Händen) hat, treibt sie noch etwas mehr an. Oh, und Vilain unterdrückt in Bulgarien einen ganzen Landstrich, indem er die Männer der Dörfer in den unterirdischen Gängen der Sowjetmilitärstation nach dem Plutonium graben lässt.

Okay, ihr habt es gemerkt: einen Pulitzer-Preis wird diese Story nicht erhalten. Aber dafür bietet sie, neben ordentlichen Portionen Sentiment, auch das Gerüst für eine atemberaubende Pre-Title-Sequenz, in der Ross‘ Söldnergruppe in Nepal zwei Geisel befreit, dabei zuerst den Ort in Schutt und Asche legt, durch den Dschungel und über einen Fluss flüchtet und immer wild um sich schießt; einen ausgedehnten Schusswechsel in einem ehemaligen Trainingsgelände der sowjetischen Armee, das vor der Schießerei wie eine US-Kleinstadt aussah (Hm, „Die rote Flut“?); eine Brückensprengung mit anschließender, abenteuerliche Bruchlandung und am Ende des Films treffen sich dann die Guten und die Bösen auf einem Flughafen, der anschließend eine umfassende Renovierung benötigt.

Das ist ziemlich sinnfreies, testerongestärktes, sehr gewalttätiges Action-Entertainment, das sich – zum Glück – nicht sonderlich ernst nimmt, die Genre-Klischees ironisch bestätigt und sich auf grob gestrickte Unterhaltung beschränkt; im Gegensatz zu den reaktionären 80er-Jahre-Actionfilmen, wie die „Missing in Action“-Filme, „Invasion USA“, der zweite und dritte „Rambo“-Film oder „Delta Force“, in denen der Held lässig Hundertschaften böser Kommunisten und andere Feinde der Freiheit tötete. In „The Expendables 2“ sind die Handlanger des Bösewichts nur noch williges Kanonenfutter.

Simon West, der mit „Con Air“ krachend die Filmszene betrat und später „Lara Croft: Tomb Raider“ über den Globus hetzte, setzt auch die Expendables kompetent und optisch sehr ansprechend in Szene. Auch auf dieser Ebene ist „The Expendables 2“ deutlich gelungener als das von Sylvester Stallone höchstselbst inszenierte Macho-Abenteuer „The Expendables“.

Achtziger-Jahre-Action-Fans werden entzückt sein. Die anderen werden sich, wie schon damals, in Grausen abwenden.

The Expendables 2 (The Expendables 2, USA 2012)

Regie: Simon West

Drehbuch: Richard Wenk, Sylvester Stalone (nach einer Geschichte von Ken Kaufman & David Agosto und Richard Wenk, nach den Figuren von David Callaham)

mit Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Chuck Norris, Jean-Claude Van Damme, Bruce Willis, Arnold Schwarzenegger, Terry Crews, Randy Couture, Liam Hemsworth, Scott Adkins, Amanda Ooms, Charisma Carpenter

Länge: 104 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Expendables 2“

Metacritic über „The Expendables 2“

Rotten Tomatoes über „The Expendables 2“

Wikipedia über „The Expendables 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Simon Wests „The Mechanic“ (The Mechanic, USA 2011)

 


TV-Tipp für den 29. August: Der Texaner

August 29, 2012

SWR, 23.00

Der Texaner (USA 1976, R.: Clint Eastwood)

Drehbuch: Phil Kaufman, Sonia Chernus

LV: Forrest Carter: The Rebel Outlaw: Josey Wales, 1973 (Gone to Texas; The Outlaw Josey Wales; Josey Wales

Missouri, während des Bürgerkriegs: Marodierende Nordstaatler bringen die Familie von Farmer Josey Wales um. Er schwört Rache, schließt sich den Südstaatlern an, ergibt sich nicht am Ende des Bürgerkrieges, wird als Outlaw gejagt und will irgendwann nur noch seine Ruhe haben. Aber langsam hat er eine Ersatzfamilie im Schlepptau.

Ein feiner Western

mit Clint Eastwood, Chief Dan George, Sondra Locke, Bill McKinney, John Vernon, Paula Trueman, Sam Bottoms

Hinweise

Wikipedia über “Der Texaner” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Kriminalakte: Glückwünsche zum achtzigsten Geburtstag von Clint Eastwood

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Hereafter – Das Leben danach” (Hereafter, USA 2010)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 28. August: Justified: Schwarzbrenner

August 28, 2012

Kabel 1, 22.10

Justified: Scharzbrenner (USA 2011, R.: Adam Arkin)

Drehbuch: Graham Yost, VJ Boyd

Erfinder: Graham Yost

LV: Elmore Leonard: Fire in the Hole, 2001 (Kurzgeschichte, auch in „When the Women come out to dance“, 2002, veröffentlicht; aber eigentlich ist es der von Elmore Leonard erfundene Charakter)

Das ging schnell: Erst vor wenigen Wochen beendete Kabel 1 die erste Staffel und sagte nichts über die Ausstrahlung der zweiten Staffel. Ehrlich gesagt war ich damals schon froh, dass sie die gesamte erste Staffel, die erstaunlich gut den trockenen Elmore-Leonard-Tonfall trifft, gezeigt hatten. Denn „Justified“ folgt nicht der 08/15-CSI-Krimiformel.

Jetzt zeigen sie die zweite Staffel sogar Dienstags zur fast besten Sendezeit, nach einer Doppelfolge „Blue Bloods“ (New-York-Polizeiserie mit Tom Selleck) und vor einer Folge der hochgelobten Los-Angeles-Polizeiserie „Southland“.

In der ersten Folge der zweiten „Justified“-Staffel jagt US Marshal Raylan Givens einen Sexualstraftäter.

Ach, und der Originaltitel „The Moonshine War“ ist natürlich der Titel von einem frühen Elmore-Leonard-Roman.

mit Timothy Olyphant (Raylan Givens), Nick Searcy (Chief Deputy Art Mullen), Joelle Carter (Ava Crowder), Jacob Pitts (Tim Gutterson), Erica Tazel (Rachel Brooks), Natalie Zea (Winona Hawkins), Walton Goggins (Boyd Crowder)

Wiederholung: Mittwoch, 29. August, 02.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zur Serie

Kabel 1 über “Justified”

Wikipedia über „Justified“ (deutsch, englisch)

Christian Science Monitor: Interview mit Elmore Leonard (18. Januar 2012)

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Dschibuti“ (Djibouti, 2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Djibouti“ (2010)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Road Dogs“ (Road Dogs, 2009)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Ist Christian Slater der „Dawn Rider“?

August 27, 2012

Kaum kehrt der verlorene Sohn, verfolgt von einem skrupellosen Kopfgeldjäger, zurück in die alte Heimat und versöhnt sich wieder mit seinem Vater, wird dieser in der Poststation von einigen Strauchdieben erschossen. John Mason will jetzt die Mörder seines Vaters finden. Dummerweise ist der Bruder seiner wieder entflammten Jugendliebe der Anführer der Banditen und der würde alles tun, um die hochverschuldete, von den Eltern geerbte Ranch zu retten.

Aus dieser zünftigen Ausgangslage machen Regisseur Terry Miles und die Drehbuchautoren Joseph Nasser und Evan Jacobs allerdings nur ein belangloses, von A bis Z vorhersehbares Westernabenteuer, das man sich an einem verregneten Sonntagnachmittag wegen der Hauptdarsteller ansehen kann. Donald Sutherland als Kopfgeldjäger hat einige markante Auftritte, die er allein mit seiner Präsenz trägt. „Crossing Jordan“ Jill Hennessy als schlagkräftige Ranchbesitzerin ist ein Augenschmaus, aber in „Small Town Murder Songs“ überzeugte sie auch als Schauspielerin. Christian Slater als John Mason bleibt dagegen erstaunlich blass und er ist vollkommen deplatziert; was etwas erstaunlich ist, weil er seine Karriere mit „Im Namen der Rose“ und „Robin Hood – König der Diebe“ im Mittelalter begann, sich quer durch die Genres und Jahrhunderte spielte und oft der einzige Grund war, sich den Film anzusehen. In „Dawn Rider“ ist er fast der Grund, sich den Film nicht anzusehen.

Und das wären schon die Gründe, sich diesen mit einem arg überschaubaren Budget inszenierten Western anzusehen, der nie die Weite des Wilden Westens, sondern eher die Ärmlichkeit der Poverty Row atmet.

Ach ja, „Dawn Rider“ ist ein Remake. Die Geschichte wurde erstmals 1931 als „Galloping Thru“ verfilmt. Der Western gilt als verschollen. Die letzte Verfilmung war 1938 als „Western Trails“. Aber die bekannteste Verfilmung ist von 1935. Denn da spielte John Wayne die Hauptrolle. „Dawn Rider“ hieß der für Lone Star Western in fünf Tagen gedrehte Western, in dem die Dialoge nur die Verschnaufpause für die Pferde waren und eine zünftige Schlägerei Freundschaften festigte und beendete. In Deutschland wurde der Film nie gezeigt, aber in der Reihe „Western von Gestern“ wäre er gut aufgehoben gewesen.

Das kann von der 2012er Version der Geschichte nicht gesagt werden. Denn jetzt wird deutlich mehr gesprochen und geküsst, als geschlagen, geritten und geschossen. Obwohl auch in Terry Miles‘ „Dawn Rider“ etliche Männer sterben.

Dawn Rider (Dawn Rider, USA 2012)

Regie: Terry Miles

Drehbuch: Joseph Nasser, Evan Jacobs

mit Christian Slater, Donald Sutherland, Jill Hennessy, Lochlyn Munro, Ben Cotton

–

DVD

Koch Media

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer (deutsch, englisch)

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Dawn Rider“

Vans Cine Blog über „Dawn Rider“

Dust on Movies über „Dawn Rider“

–

Bonusfilm

John Wayne in „Dawn Rider“ (USA 1935, Regie: Robert N. Bradbury) in sehr bescheidener Bild- und Tonqualität

Auch im Internet Archive gibt es das Werk.

 

 

 


TV-Tipp für den 27. August: Der Mann aus dem Westen

August 27, 2012

Arte, 20.15

Der Mann aus dem Westen (USA 1958, R.: Anthony Mann)

Drehbuch: Reginald Rose

LV: Will C. Brown: The Border Jumpers, 1955

1874: Link Jones hat die Verbrecherlaufbahn zugunsten eines bürgerlichen Lebens aufgegeben. Als er während einer eines Zugüberfalls mit zwei Mitreisenden zurückbleibt führt er sie in eine Hütte, in der sie bereits von seinen alten Freunden erwartet werden. Ihr Anführer freut sich, dass das verlorene Schaf wieder zurückgekehrt ist. Aber ist das so?

Als der Film in die Kinos kam, war er bei der Kritik und dem Publikum ein Reinfall. Die französischen Kritiker waren begeistert und heute zählt „Der Mann aus dem Westen“ zu den anerkannten Western-Klassikern.

„’Man of the West’ zählt mit ‚The Naked Spur’ und ‚The Far Country’ zu seinen besten Western und damit zu de Hauptwerken des Genres überhaupt.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)

„Gary Coopers erste und einzige Begegnung mit dem Meisterregisseur Anthony Mann resultierte folgerichtig in dem ersten und einzigen wirklich großen Western seiner langen Karriere.“ (Homer Dickens: Gary Cooper und seine Filme)

„Mit Anthony Mann entdecken wir den Western als Arithmetik, wie in der ersten Mathematikstunde. Was bedeutet, dass ‚Der Mann aus dem Westen’ der intelligenteste aller Filme ist und zugleich der einfachste.“ (Jean-Luc Godard, Cahiers du Cinéma)

Reginald Rose schrieb auch die Drehbücher für „Die zwölf Geschworenen“ (nach seinem Theaterstück), „Ist das nicht mein Leben?“, „Die Wildgänse kommen“, „Die Seewölfe kommen“, „Das Kommando“ und „Wildgänse II – Sie fliegen wieder“.

Mit Gary Cooper, Julie London, Lee J. Cobb, Arthur O’Donnell, Jack Lord

Wiederholung: Mittwoch, 29. August, 14.35 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Der Mann aus dem Westen“

Turner Classic Movies über „Der Mann aus dem Westen“

Rotten Tomatoes über „Der Mann aus dem Westen“

The Western Review über „Der Mann aus dem Westen“

Film School Rejects über „Der Mann aus dem Westen“

–

Bonushinweis

Und wer den Film verpasst, kann sich die DVD besorgen. Koch Media veröffentlichte den Film „remasteres in HD“ (sieht gut aus). Außerdem gibt es eine hübsche Bildergalerie und ein Essay von Jean-Luc Godard zum Film.


TV-Tipp für den 26. August: Miami Vice

August 26, 2012

RTL II, 20.15

Miami Vice (USA 2006, R.: Michael Mann)

Drehbuch: Michael Mann

Die Polizisten Crockett und Tubbs jagen einen mächtigen Drogenhändler.

Optisch überzeugendes, inhaltlich schwaches Remake der erfolgreichen von Michael Mann und Anthony Yerkovich erfundenen bahnbrechenden TV-Serie. Denn in dem Spielfilm zeigt Mann nichts, was er nicht schon besser in der Serie gezeigt hat. Der Film ist nur ein optisch (also Mode, Musik und Technik) auf den aktuellen Stand gebrachtes Best-of der ersten Staffel von „Miami Vice“.

Mit Colin Farrell, Jamie Foxx, Gong Li, Naomie Harris, Ciarán Hinds, Justin Theroux

Wiederholung: Montag, 27. August, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Miami Vice“

Rotten Tomatoes über „Miamic Vice“

Wikipedia über „Miami Vice“ (deutsch, englisch)

Spielfilm.de: Interview mit Michael Mann zum Film

Confessions of a film critic: Interview mit Michael Mann zum Film

Drehbuch “Miami Vice” von Michael Mann (First Draft, 22. September 2004)

Meine Besprechung der ersten Staffel von „Miami Vice“

Michael Mann in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 25. August: Knallhart

August 25, 2012

WDR, 21.45

Knallhart (D 2006, R.: Detlev Buck)

Drehbuch: Zoran Drvenkar, Gregor Tressnow

LV: Gregor Tressnow: Knallhart, 2004

Der fünfzehnjährige Michael muss sich in Neukölln gegen Jugendgangs behaupten. Als einzigen Ausweg gegen die alltäglichen Demütigungen sieht er den Weg in die Kriminalität.

Gut der Abstieg aus der noblen Grunewald-Villa in den schlimmsten Neuköllner Häuserblock geht etwas schnell. Ebenso die Anpassung des Grunewald-Bengels an die für ihn neuen Ghettoregeln.

Aber davon abgesehen ist „Knallhart“ ein verdammt gutes Stück Kino. Der Buck kann’s, wenn er will.

Mit David Kross, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Erhan Emre, Oktay Özdemir, Kida Ramadan, Arnel Taci, Kai Müller, Hans Löw, Jan Henrik Stahlberg

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Knallhart“

Wikipedia über „Knallhart“


TV-Tipp für den 24. August: Sugarland Express

August 24, 2012

ARD, 00.25

Sugarland Express (USA 1974, R.: Steven Spielberg)

Drehbuch: Hal Barwood, Matthew Robbins (nach einer Geschichte von Steven Spielberg, Hal Barwood und Matthew Robbins)

Die junge Mutter Lou Jean befreit ihren Mann aus dem Gefängnis. Gemeinsam wollen sie ihr Baby vor einer Zwangsadoption bewahren. Auf ihrer Fahrt zu den Pflegeeltern werden sie, verfolgt von einer Polizeiarmada, zu Volkshelden.

Steven Spielbergs erster Spielfilm (denn „Duell“ war ein Fernsehfilm, der auch im Kino ausgewertet wurde) ist einer seiner schönsten Filme.

„‚The Sugarland Express‘ ist größtenteils eine ausgelassene, verrückte, kapriolenreiche Verfolgungskomödie – eine lebendige Situationskomödie nach Art der Roadrunner-Zeichentrickfilme, nur in Spielfilmlänge.“ (Variety)

Sein nächster Film war „Der weiße Hai“ und der Rest ist Geschichte.

mit Goldie Hawn, Ben Johnson, Michael Sacks, William Atherton, Gregory Walcott, Harrison Zanuck, Louise Latham

Hinweise

Wikipedia über „Sugarland Express“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Sugarland Express“

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Die Philip-K.-Dick-Verfilmung „Total Recall“, zweiter Versuch

August 23, 2012

Len Wisemans Remake von Paul Verhoevens Science-Fiction-Actionthriller „Total Recall“ ist eine wirklich seltsame Angelegenheit. Denn einerseits bietet der Film unzählige Ansätze für einen Totalverriss, aber andererseits langweilte ich mich beim Ansehen auch niemals. Ich genoss das Remake wie eine Geisterbahnfahrt: ich war mir immer bewusst, dass ich in einem Wagen sitze, während die plötzlich auftauchenden Geister und die schauerlichen Geräusche mich mehr oder weniger gut erschreckten. Gut, eher weniger. Jedenfalls ist eine Geisterbahnfahrt nur eine Abfolge von Schocks, ohne einen tieferen Sinn und eine irgendwie schlüssige Geschichte.

Die Macher von „Total Recall“, die Drehbuchautoren Kurt Wimmer („Equilibrium“, „Ultraviolet“, „Salt“) und Mark Bombach („Stirb langsam 4.0“, „Unstoppable – Außer Kontrolle“) und Regisseur Len Wiseman („Underworld“, „Stirb langsam 4.0“), nahmen einfach die Geschichte des Arnold-Schwarzenegger-Films und folgen ihr, oft sogar bis in die Dialoge, weitgehend ohne Änderungen. Allerdings warfen sie die gesamte Logik des Originals weg und entsorgten dabei auch die einfachen, aber sehr effektiven und glaubwürdigen Motive und Handlungen der Charaktere, bis nur noch ein bunter, aber sinnfreier Actionreigen, teils mit ebenso sinnfreien, aber CGI-intensiven Actionszenen übrig blieb und der geneigte Science-Fiction- und Action-Filmfan eifrig die Vorbilder auf einer beeindruckend langen Liste abhaken kann. Denn die einzige wirklich originelle Idee in dem Remake ist, dass die Welt nach einer Katastrophe, bis auf zwei Zentren, unbewohnbar ist. Das eine Zentrum ist im heutigen London die United Federation of Britain, das andere in Australien, die Kolonie, die auch ganz banal „The Colony“ heißt, und etliche Bewohner der Kolonie (die wie ein vergessenes „Blade Runner“-Set aussieht) fahren täglich mit dem „Fall“, einem Fahrstuhl mit Sitzgelegenheit, in 16 Minuten (Wow, das ist schnell.) von der einen Seite der Erde die 12.700 Kilometer auf die andere Seite der Erde.

Dass dieser Fahrstuhl durch den Erdkern eine vollkommen absurde Idee ist, soll uns nicht weiter kümmern. Denn die Macher versuchen auch nie, ihre in dem Science-Fiction-Spektakel entworfene Welt schlüssig zu erklären. Denn hätten sie das auch nur eine Nanosekunde versucht, hätten sie kein Best-of der SF-Filme der letzten Jahre auf die Leinwand geklatsch.

Unser Held Douglas Quaid (Colin Farrell) lebt mit seiner Frau Lori (Kate Beckinsale) in der Kolonie. In London baut er im Akkord die Synths zusammen. Diese menschenähnlichen Polizeiroboter erinnern an das Kanonenfutter aus den „Krieg der Sterne“-Filme. Er hat auch Alpträume und irgendwann geht er zu „Rekall“, einer Firma, die anscheinend in einer hinteren Ecke des Vergnügungsviertels liegt und wie die Hollywood-Version eines chinesischem Freudenhaus mit Triadenconnection aussieht. „Rekall“ implantiert falsche Erinnerungen. Quaid hätte gerne die Erinnerungen vom gefahrvollen Leben eines Geheimagenten. Als die Ärzte ihm die Erinnerungen implantieren wollen, stellen sie fest, dass Quaid Geheimagent ist – und schon stürmt eine Armada schwerbewaffneter Soldaten in den Raum. Quaid tötet sie und kann flüchten. Zu Hause erfährt er, dass seine Frau eine Agentin ist, die ihn bewachen sollte und jetzt töten will.

Ab da ist „Total Recall“ nur noch einige einzige Jagd, unterbrochen von spartanischen Erklärungen und einer kleinen Etüde auf dem Klavier.

Und man kann sich, auch ohne das Original zu kennen (schwierig) oder es noch szenengenau im Kopf zu haben (schon eher möglich), über den unlogischen Plot nur wundern. Denn es wird niemals klar, wogegen die Rebellen rebellieren, warum der Bösewicht so böse ist und warum Lori ihren Geheimagenten-Göttergatten wie gedopt im allerbesten Terminator-Stil verfolgt. Das ist alles l’art pour l’art.

Es wird auch nie ein schlüssiges Bild der Zukunft gezeichnet. Da geht alles kunterbunt durcheinander und die Logik ist in „Total Recall“ nicht mehr der ärgste Feind des Regisseurs. Denn hier ist nichts logisch.

Die Actionszenen sind zwar zahlreich und auf den ersten Blick auch optisch beeindruckend, wenn es lange Verfolgungsjagden, natürlich immer mit exzessivem Schusswaffengebrauch, in halb fliegenden Autos (weil sie zwar fliegen, aber durch Magneten auf der Fahrbahn gehalten werden) und zwischen sich in rätselhafter Weise kreuz und quer bewegenden Fahrstühlen gibt.

Gute Schauspieler, wie Bill Nighy als Rebellenführer Matthias, werden lieblos mit einer beliebigen Szene abgefertigt. Aber warum sollte es ihm besser gehen als der Frau mit den drei Brüsten. Im Original hatte sie eigene kleine Geschichte und deshalb berührte uns ihr Tod. Im Remake entblößt sie sich am Anfang und zeigt dem an ihren Reizen desinteressierten Quaid den Weg zu „Rekall“. Das hat die Qualität eines Cameos, das die Macher schnell und lieblos hinter sich bringen, um die Zuschauer nicht von der eigentlichen Geschichte abzulenken.

Insofern ist Wisemans Remake ein grandioses Beispiel für ein gescheitertes Remake: denn anstatt die Fehler des Originals auszumerzen oder der bekannten Geschichte neue Aspekte abzugewinnen oder sie für die Gegenwart zu aktualisieren oder, basierend auf der Prämisse der literarischen Quelle eine neue Geschichte zu erzählen, begnügt sich Wiseman mit einem Malen nach Zahlen. Seinem Remake fehlt der schwarze Humor, die Inspiration, der Ideenreichtum, auch im detaillierten Zeichnen einer damals fernen Zukunft mit Bildtelefonen, implantierten GPS-Sonden und zimmergroßen Flachbildschirmen, das vielschichtige Ansprechen von philosophischen Fragen, wie dem Unterschied von Realität und Traum, und die ätzende Kapitalismuskritik des Originals.

Es gibt eigentlich nichts, was wirklich für Len Wisemans Film spricht oder ihn über das Niveau eines 08/15-Actionfilms mit den schon hunderttausendmal gesehenen Standardsituationen hebt, abgesehen natürlich von den guten Schauspielern, den hübschen Tricks und der Philip-K.-Dick-Vorlage, die ungleich witziger, absurder und logischer als diese Verfilmung ist.

Und trotzdem hat mir der Film gefallen. Beim Sehen. Denn die Erinnerung verblasst schnell.

Total Recall (Total Recall, USA 2012)

Regie: Len Wiseman

Drehbuch: Kurt Wimmer, Mark Bomback (nach einer Geschichte von Ronald Shusett & Dann O’Bannon und John Povill und Kurt Wimmer)

LV: Philip K. Dick: We can remember it for you wholesale (Kurzgeschichte, Erstveröffentlichung in „The Magazine of Fantasy & Science Fiction“, April 1966, deutscher Titel „Erinnerungen en gros“, zahlreiche Nachdrucke in beiden Sprachen in verschiedenen Sammelbänden)

mit Colin Farell, Kate Beckinsale, Jessica Biel, Bryan Cranston, John Cho, Bill Nighy, Bokeem Woodbine

Länge: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Total Recall“

Metacritic über „Total Recall“

Rotten Tomatoes über „Total Recall“

Wikipedia über „Total Recall“ (deutsch, englisch)

Homepage von Philip K. Dick

Philip K. Dick in der Kriminalakte

 

 


Neu im Kino/Filmkritik: Meditieren mit „Samsara“

August 23, 2012

Eine „geführte Meditation“ sei ihr Film „Samsara“, sagen Regisseur Ron Fricke und Produzent Mark Magidson. „Samsara“ ist das Sanskrit-Wort für das unaufhörlich drehende Rad des Lebens, den Kreislauf des Entstehens und Vergehens, der in hundert Filmminuten visualisiert wird.

Zu einer Meditation gehören, jedenfalls bei einem Kinofilm, Musik und Bilder. Die Musik ist von Ambient-Musiker Michael Stearns, „Dead Can Dance“-Sängerin Lisa Gerrard und Marcello De Francisci. Die Bilder wurden in den letzten fünf Jahren rund um den Globus aufgenommen und sie sind, auf der großen Leinwand, ziemlich atemberaubend.

Fricke und Magidson waren in 25 Ländern. Indien, Japan, Türkei, China, Myanmar, Äthiopien, Frankreich, USA und Brasilien standen auf ihre Reiseliste und dort besuchten sie auch abgelegene und entsprechend selten bis nie abgefilmte Orte.

Sie beobachteten die Natur. Sie filmten alte, neue und auch zerstörte Gebäude. Sie filmten Menschen, bevorzugt in der Masse, beim Sport und Tanz und Soldaten beim Paradieren. Sie werfen einen Blick in eine Schlachterei und in eine Massentierhaltung. Es gibt die Performance eines Künstlers, der sich mit Lehm beschmiert. Es werden Schusswaffen gezeigt, die sich auch in den Händen von Afrikanern befinden.

Sie zeigen diese Bilder mal in Zeitlupe, öfters aber im Zeitraffer.

Mit der Musik entwickelt sich dann ein eigener Rhythmus, bei dem vor allem die ästhetische Komponente zählt. Letztendlich haben das Elend in Afrika, die Akkordarbeit in Fabriken und die giftigen Dämpfe einer Schwefelmine in Indonesien nur noch eine fotogene Funktion, bei der sich, in ihrer Wirkung, die Bilder von einem Slumviertel nicht mehr von den nächtlichen Bildern einer Metropole unterscheiden.

Denn die Gegenüberstellung vom Leben der buddhistischen Mönche, die im Einklang mit der Natur leben, und dem entseelten Leben im Westen, sich blindwütig-monoton bewegenden Menschenmassen, Akkordarbeitern in Schlachtereien und vom Kapitalismus zerstörten Gegenden ist doch arg plakativ und letztendlich ohne größeren Erkenntnisgewinn.

Allerdings sind diese wortlosen, nicht-narrativen Experimentalfilme – Fricke war auch in „Koyaanisqatsi“, „Chronos“ und „Baraka“ involviert – im Kino nichts für mich. Denn ich sehe sie nicht als Kinofilme, sondern als Musikvideos oder Kunstinstallationen in einem Museum oder auch, ganz respektlos, als Bildteppich in einer Kneipe und auf dieser rein ästhetischen Ebene ist „Samsara“ durchaus gelungen.

Samsara (Samsara, USA 2011)

Regie: Ron Fricke

Drehbuch: Ron Fricke

Länge: 100 Minuten

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Samsara“

Metacritic über „Samsara“

Rotten Tomatoes über „Samsara“

Wikipedia über „Samsara“


TV-Tipp für den 23. August: Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir

August 22, 2012

ZDF Kultur, 22.15

Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir (D 2009, Regie: Christoph Schlingensief)

Drehbuch: Christoph Schlingensief

In seinem für das Theater geschriebenem Fluxus-Oratorium thematisiert Christoph Schlingensief seine Krebserkrankung.

Hinweise

Homepage zu „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“

Nachtkritik über „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“

Homepage von Christoph Schlingensief

Wikipedia über Christoph Schlingensief

ZDF Kultur über Christoph Schlingensief (wenig Infos, aber im Moment noch mit einen 75-minütigem Interviewfilm)