Neu im Kino/Filmkritik: Steve Carrell ist „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ und trifft Keira Knightley

September 20, 2012

Was wäre passiert, wenn die Jungs in „Armageddon“ versagt und der Asteroid seinen Weg zur Erde hätte fortsetzen können?

Lorene Scarfaria versucht darauf in ihrem Debütfilm „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ eine Antwort zu geben. Bei ihr stehen daher nicht die hemdsärmeligen Machern im Weltall, sondern der kleine Mann auf der Erde im Mittelpunkt.

Dodge (Steve Carrell) ist ein Versicherungsvertreter, der noch nie ein Wagnis einging und der am Filmanfang, als sie im Radio hören, dass die Rettungsmission fehlschlug und der Asteroid in drei Wochen die Erde vernichten wird, von seiner Frau verlassen wird. Aber anstatt jetzt das Leben in vollen Zügen zu genießen, zieht er sich in seine Wohnung zurück, trifft die Nachbarin Penny (Keira Knightley) auf der Feuerleiter und, wenn nicht in einigen Tagen die Welt untergehen würde, könnten wir uns den Rest mühelos ausmalen.

Das müssen wir aber nicht. Denn Scafaria folgt in ihrem Film ab da streng dem erprobten Romantic-Comedy-Rezept, nach dem die beiden Hauptpersonen erst am Ende des Films erkennen, dass sie füreinander bestimmt sind. Allerdings lässt sie in „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ die Comedy weg und reichert das ganze mit einigen Road-Movie-Elementen an. Die beiden machen sich nämlich gemeinsam auf den Weg. Nicht um Amerika zu finden. Auch nicht, um zu sich selbst zu finden. Nein, sie will zu ihrer Familie. Er zu seiner Jugendliebe. Und die Prämisse vom nahenden Weltuntergang wird zugunsten eines Selbstfindungstrips quer durch die USA fallen gelassen. Außer wir gehen davon aus, dass außerhalb der Großstadt nur Lutherianer leben, die anstatt einen Apfelbaum pflanzen, noch schnell den Rasen mähen.

Diese Reise mit den vielen, teils bizarren, teils absurden Begegnungen und Ereignissen reiht dann gänzlich spannungs- und konfliktfrei eine Episode an die nächste. Das wird zwar ziemlich schmalzfrei, aber auch sehr vorhersehbar erzählt.

Dummerweise gibt es die Prämisse, nach der demnächst die Welt untergeht, und dieser Weltuntergang steht in einem so groben Missverhältnis zur von Scafaria erzählten Geschichte, dass sie letztendlich den gesamten Film verdirbt. Denn eigentlich hätte es, wie in unzähligen anderen Feel Good Movies, Romantic Comedies oder Selbstfindungsdramen genügt, wenn Dodge von seiner Frau verlassen wird, seinen Job verliert, von einer tödlichen Krankheit erfährt, endlich seine Jugend nachholen will oder von dem Tod eines Familienmitglieds erfährt, um ihn auf die Reise zu schicken.

Dann wäre der gesamte Film, ohne große Änderungen am Drehbuch, glaubwürdiger geworden.

So haben wir nur einen letztendlich nicht funktionierenden, nicht witzigen und mäßig unterhaltsamen Mix aus Katastrophenfilm, Road Movie und Romantic Comedy.

Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt (Seeking a Friend for the End of the World, USA 2012)

Regie: Lorene Scafaria

Drehbuch: Lorene Scafaria

mit Steve Carell, Keira Knightley, Connie Britton, Adam Brody, Rob Corddry, Gillian Jacobs, Derek Luke, Melanie Lynskey, T. J. Miller, Patton Oswald, William Petersen, Martin Sheen

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“

Metacritic über „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“

Rotten Tomatoes über „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“

Wikipedia über „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ (deutsch, englisch)

 


TV-Tipp für den 20. September: Überwacht? Mit Sicherheit!

September 20, 2012

3sat, 20.15

Überwacht? Mit Sicherheit! (D 2012, Regie: Daniela Hoyer, Thomas Hies)

Drehbuch: Daniela Hoyer, Thomas Hies

45-Doku über neue Entwicklungen bei Überwachungstechniken, die unser Leben sicherer machen sollen. Denn die Videokamera soll nicht mehr einfach nur das Geschehen aufzeichnen.

Weitere Informationen zur Doku (und, nach der TV-Ausstrahlung, die Doku) gibt es hier.

 


Neu im Kino/Filmkritik: Michael Haneke denkt über die „Liebe“ nach

September 19, 2012

Georg und Anna sind Musikprofessoren und nicht mehr die Jüngsten. Sie genießen schon seit einigen Jahren ihren Ruhestand und besuchen gelegentlich Konzerte von ehemaligen Zöglingen. Als Anna eines Tages einen Schlaganfall hat, ruft Georg den Notarzt – und es beginnt der alltägliche Horror des Alters. Das langsame Sterben eben.

Denn Anna kommt aus dem Krankenhaus zurück und Georg versucht ihr in ihrer Wohnung zu helfen. So gut er kann. Aber sie kann sich immer weniger alleine bewegen. Das Sprechen wird auch immer schwieriger. Musizieren kann sie schon lange nicht mehr. Sie ist jetzt in einer Lage, in die sie nie kommen wollte.

„Liebe“ erzählt wie einige andere Filme, die in den letzten Jahren im Kino liefen, vom Alt-Werden und den Problemen des Alt-Werdens.

Aber weil es ein Film von Michael Haneke ist, erzählt er nicht von rüstigen Rentnern, die Jungspunden zeigen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören, oder vom wiedererwachten Liebesglück. Er erzählt vom Alltag, in dem einfach nur noch auf das letzte große Ereignis, den Tod, gewartet wird. Und das in der Detailgenauigkeit, Konsequenz und objektiv-beobachtenden Erzählhaltung, wie wir sie aus seinen früheren Werken, wie „Bennys Video“, „Funny Games“ (von dem er sogar ein US-Remake drehte, das bei uns weitgehend ignoriert wurde) und seinem Überraschungserfolg „Das weiße Band“, für den er, unter anderem, in Cannes die Goldene Palme und den Golden Globe als bester fremdsprachiger Film erhielt, kennen. Für „Liebe“ erhielt er vor wenigen Monaten die Goldene Palme. Weitere Preise werden – dafür muss man kein Prophet sein – folgen.

Die Hauptrollen übernahmen Jean-Louis Trintignant (Jahrgang 1930), nach einer mehrjährigen Leinwandabstinenz, und Emmanuelle Riva (Jahrgang 1927), die in „Hiroshima, mon Amour“ von Alain Resnais, „Eva und der Priester“ von Jean-Pierre Melville und „Drei Farben: Blau“ von Krzysztof Kieslowski mitspielte und die bei uns nicht so bekannt ist, und sie spielen das alte Ehepaar beängstigend glaubwürdig; vor allem Emmanuelle Riva, die den körperlichen Verfall von Anna spielt, kann nicht genug gelobt werden.

Und weil es ein Film von Michael Haneke ist, geht es in „Liebe“ auch um Einsamkeit, Verlust, Schuld und Sühne. Denn gerade weil Georg seine Frau liebt, ruft er den Notarzt; gerade weil er sie liebt, pflegt er sie und setzt sich über ihren Wunsch zu Sterben hinweg. Sie will vielleicht nur deshalb sterben, weil sie ihn liebt und ihm keine Belastung sein will. Und die Geschichte steuert ohne Umwege und Atempausen auf ihr tödliches Ende, das bereits in den ersten Bildern gezeigt wird, zu. Diesen Weg schildert Haneke mit einer solchen bitteren Konsequenz, als ob er mit jedem Filmmeter beweisen möchte, dass Alt-Werden nichts für Feiglinge ist und dass es im Alter vielleicht noch Liebe, aber keine Freude mehr gibt.

Weil wir alle Alt-Werden, kann man sich dem formvollendet inszeniertem Film, seinem Thema und seiner Aussage wesentlich schwerer als Hanekes anderen Filmen entziehen. In „Funny Games“ konnte man sich sagen, dass man kein Haus am See habe. „Das weiße Band“ spielt in der Vergangenheit. „Bennys Video“ war ja ein Extrembeispiel von Jugendgewalt und dem schädlichen Einfluss von Videos.

In „Liebe“ haben wir nur den nackten Alltag eines seit Ewigkeiten verheirateten Ehepaares, das in einer großen Mietwohnung lebt und das unregelmäßig von ihrer glücklich verheirateten Tochter (Isabelle Huppert) besucht wird.

Liebe (Amour, Frankreich/Deutschland/Österreich 2012)

Regie: Michael Haneke

Drehbuch: Michael Haneke

mit Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert, Alexandre Tharaud, William Shimell, Ramón Agirre, Rita Blanco

Länge: 125 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Liebe“

Metacritic über „Liebe“

Rotten Tomatoes über „Liebe“

Wikipedia über „Liebe“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Thomas Assheuers Interviewbuch “Nahaufnahme: Michael Haneke” (2010)

Michael Haneke in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 19. September: Lawinen der Erinnerung

September 19, 2012

Arte, 21.55

Lawinen der Erinnerung (D 2012, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Dominik Graf

Spielfilmlange Doku über Oliver Storz, der als Autor und Regisseur neben seriösen Werken auch die „Raumpatrouille Orion“ schrieb.

mit Oliver Storz, Eva Kruijssen

Wiederholung: Montag, 24. September, 11.00 Uhr

Hinweise

Arte über „Lawinen der Erinnerung“

Süddeutsche Zeitung: Matthias Brandt über „Lawinen der Erinnerung“ (16. September 2012)

Wikipedia über Oliver Storz

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte

–

Bonushinweis

Seit Jahren hatte ich meinen Buchhändler mit der Frage, wann es denn endlich ein Buch über Dominik Graf gibt, genervt.

Seit einigen Tagen kann er sagen „Da isses“ und mir und allen Graf-Jüngern ein 356-seitiges, reichhaltig bebildertes Werk in die Hand drücken.

Der Sammelband „Im Angesicht des Fernsehens“ versammelt Aufsätze, die sich mit verschiedene Aspekten seines umfangreichen Werkes oder einzelnen Filmen beschäftigten, es gibt einen kurzen Überblick über sein Schaffen (in der „Einführung“), selbstverständlich eine Filmografie, eine Bibliografie und ein Filmtitelindex (wenn man alles zu einem Film sucht) und ein Interview mit Dominik Graf.

Die ersten Seiten gefallen mir ziemlich gut.

Chris Wahl/Jesko Jockenhövel/Marco Abel/Michael Wedel (Hrsg.): Im Angesicht des Fernsehens – Der Filmemacher Dominik Graf

edition text + kritik, 2012

356 Seiten

26 Euro

 


TV-Tipp für den 18. September: U-Turn – Kein Weg zurück

September 17, 2012

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Tele 5, 23.05

U-Turn – Kein Weg zurück (USA 1997, R.: Oliver Stone)

Drehbuch: John Ridley

LV: John Ridley: Stray Dogs, 1997 (später dann als „U-Turn“ publiziert)

Auf der Flucht vor Gläubigern bleibt Bobby Coopers 64er Mustang mitten in der Wüste liegen. Während in einer Werkstatt sein Auto repariert wird, trifft er die verheiratete Grace und seine wirklichen Probleme beginnen erst jetzt. Denn Grace will ihrem Mann Jake umbringen, Jake will Grace umbringen und beide wollen sich – gegen Bares – von Bobby helfen lassen.

Grandioses Romandebüt für die Noir-Gemeinschaft, fast grandioser Film. Denn Stones „Natural Born Killers“-Stil nervt.

Mit Sean Penn, Jennifer Lopez, Nick Nolte, Joaquin Phoenix, Powers Boothe, Billy Bob Thornton, Jon Voight

Wiederholung: Freitag, 21. September, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „U-Turn“

Wikipedia über „U-Turn“ (deutsch, englisch)

Homepage von John Ridley (wird derzeit wohl überarbeitet)

The Huffington Post: Politik-Blog von John Ridley

Mordlust über John Ridley (mit einem Text von Martin Compart)

Evolver (Martin Compart) über John Ridley

Spike Magazin: Interview mit John Ridley


TV-Tipp für den 17. September: Tödliche Entscheidung

September 17, 2012

Arte, 23.05

Tödliche Entscheidung (USA 2007, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Kelly Masterson

Andy, der für Drogen Geld aus der Firmenkasse nahm, kann seinen Bruder Hank überreden, das elterliche Juweliergeschäft zu überfallen. Der Überfall, auch weil die Mutter gar nicht daran denkt, irgendwelchen hergelaufenen, maskierten Verbrechern die Juwelen zu geben, geht schief – und dann bröckelt die heile Fassade der Familie verdammt schnell ab.

Mit seinem letzten Film drehte Sidney Lumet, nach einigen schwächeren Werken, mit einer Familientragödie noch einmal so richtig voll auf. Er seziert, wieder einmal, die Kehrseite des amerikanischen Traums anhand. Dieses Mal am Beispiel einer ziemlich kaputten, weißen Mittelstandsfamilie.

Der Pitch war vielleicht: „Family Business“, aber ohne Lacher.

„Tödliche Entscheidung“ ist ein feiner Noir und, kein Wunder bei der Besetzung, großes Schauspielerkino. Ein potentieller Klassiker.

mit Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Aleksa Palladino, Michael Shannon, Amy Ryan, Sarah Livingston, Brían F. O’Byrne, Rosemary Harris

Wiederholung: Donnerstag, 20. September, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Wikipedia über „Tödliche Entscheidung“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Tödliche Entscheidung“

Rotten Tomatoes über „Tödliche Entscheidung“

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)


TV-Tipp für den 16. September: Sturm

September 16, 2012

ARD, 23.35
Sturm (Deutschland/Dänemark/Niederland 2009, R.: Hans-Christian Schmid)
Buch: Bernd Lange, Hans-Christian Schmid
Hannah Maynard führt vor dem Tribunal in Den Haag die Anklage gegen den bosnischen Serben und Kriegsverbrecher Duric. Als ihr Hauptzeuge sich in Widersprüche verwickelt, beginnt sie im ehemaligen Kriegsgebiet nach neuen Beweisen zu suchen.
Verdammt guter Politthriller
mit Kerry Fox, Anamaria Marinca, Stephen Dillane, Rolf Lassgård, Alexander Fehling, Tarik Filipovic, Jesper Christensen

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Sturm“

Berlinale: Pressekonferenz zu „Sturm“ (beginnt erst nach über zwölf Minuten)

Meine Besprechung von “Sturm”


TV-Tipp für den 15. September: Der Informant!

September 14, 2012

Pro7, 20.15

Der Informant!(The Informant!, USA 2009)

Regie: Steven Soderbergh

Drehbuch: Scott Z. Burns

LV: Kurt Eichenwald: The Informant, 2000

Biotechniker und Topmanager Mark Whitacre steckt dem FBI, dass sein Arbeitgeber, der Agrarkonzern Archer Daniels Midland, mit den Japanern illegale Preisabsprachen tätigt. Das FBI ist begeistert und lässt Whitacre als Maulwurf arbeiten. Allerdings ist Whitacre nicht so unschuldig-doof, wie er auf den ersten Blick erscheint.

Die Big-Business-Posse basiert auf einem wahren Fall aus den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

New-York-Times-Finanzreporter Kurt Eichenwald schrieb auch die Enron-Geschichte „Conspiracy of Fools“ (Verschwörung der Narren).

mit Matt Damon, Scott Bakula, Joel McHale, Melanie Lynskey, Ludger Pistor, Clancy Brown

Wiederholung: Sonntag, 16. September, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Informant!“

Rotten Tomatoes über „Der Informant!“

Wikipedia über „Der Informant!“ (deutsch, englisch)

New York Times über Kurt Eichenwald

Movie Web: Kurzes Interview mit Drehbuchautor Scott Z. Burns

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire” (Haywire, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Magic Mike“ (Magic Mike, USA 2012)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. September: Auf der Flucht

September 14, 2012

RTL II, 20.15

Auf der Flucht (USA 1993, R.: Andrew Davis)

Drehbuch: Stuart Twohy, Jeb Stuart

LV: TV-Serie von Roy Huggins

Dr. Richard Kimble wird verdächtigt, seine Frau ermordet zu haben. Er flüchtet. US Marshal Sam Gerard verfolgt ihn.

Die Kinoversion der erfolgreichen TV-Serie von Roy Huggins. Dr. Richard Kimble, gespielt von David Jansen, war vier Jahre in 120 Folgen auf der Flucht und die Welt schaute gebannt zu. Harrison Ford beweist in zwei spannenden Kinostunden seine Unschuld.

„Die Inszenierung setzt, perfekt und effizient, auf Thrill und Action. Was sie über gleichartige Produkte hinaushebt, ist ihre gelungene Bemühung um Atmosphäre und Lokalkolorit, der Verzicht auf den üblichen Waffenfetischismus und auf das gewohnte Eskalieren spektakulärer Gewalttätigkeit sowie das gepflegte Handwerk bis hin zu den Kleinigkeiten.“ (Fischer Film Almanach 1994)

Der Film war ein Kassenknüller und erhielt für einen Thriller ungewöhnlich viele Preise und Nominierungen. Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. Tommy Lee Jones erhielt einen Oscar als bester Nebendarsteller.

Fünf Jahre später spielte Tommy Lee Jones in „Auf der Jagd“ (U. S. Marshals) wieder den unerbittlichen Jäger Sam Gerard.

mit Harrison Ford, Tommy Lee Jones, Sela Ward, Joe Pantoliano, Julianne Moore, Jeroen Krabbé

Wiederholung: Samstag, 15. September, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über “The Fugitive” (TV-Serie und die Folgen)

Thrilling Detective über Roy Huggins

Harrison-Ford-Fanseite

Mein Geburtstagsgruß an Harrison Ford (mit weiteren Links)

Harrison Ford in der Kriminalakte


Neu im Kino/FIlmkritik: „Das Bourne-Vermächtnis“, ohne „Jason Bourne“ Matt Damon, dafür mit „Aaron Cross“ Jeremy Renner

September 13, 2012

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Die ersten drei Jason-Bourne-Filme „Die Bourne-Identität“, „Die Bourne-Verschwörung“ und „Das Bourne-Ultimatum“ mit Matt Damon in der Hauptrolle waren tolle Agententhriller, die einige Dinge etablierten, die heute zum Standard jedes Actionfilms gehören und die, weil Jason Bourne ein auf sich allein gestellter Mann auf der Flucht war, angenehm bodenständig waren. Seine Gegner konnten auf alle verfügbare Überwachungstechnik zugreifen. Bourne hatte nur seinen Grips und seine Muskeln. Außerdem ging es im Endeffekt nur um einen Mann, der herausfinden wollte, wer er ist.

Für den vierten Bourne-Film wurde einiges geändert. Matt Damon und der zweifache Bourne-Regisseur Paul Greengrass sind nicht mehr dabei. Aber Drehbuchautor Tony Gilroy blieb an Bord blieb und dieses Mal übernahm er sogar, nach „Michael Clayton“ und „Duplicity“, die Regie.

Mit Jeremy Renner wurde auch ein Hauptdarsteller engagiert, der durchaus als zweiter Jason Bourne durchgeht. Er ist Aaron Cross, ein Agent, der in Outcome ist, einem aus sechs Agenten bestehendem Parallelprogramm zu Treadstone, dem Programm, in dem Jason Bourne war. Als Jason Bourne in London nach Hinweisen auf seine Identität sucht, beschließt Eric Byer (Edward Norton, blass), Direktor der „National Research Assay Group“ (halt einem ultrageheimen Regierungsprogramm), alle Programme, in denen die Geheimdienste mit der Industrie an genetisch verbesserten Soldaten forschen, zu schließen und alle, die ihm gefährlich werden könnten, zu töten. Er benutzt dafür das schöne Bild vom Krebs, der entfernt werden muss.

Auch Cross ist ein Teil des infizierten Gewebes, das entfernt werden soll. Aber er überlebt den Mordanschlag – und dann entspinnt sich eine Geschichte, die durchaus viele Gemeinsamkeiten mit der Geschichte von Jason Bourne aufweist, außer dass Cross nichts vergessen hat und er unbedingt seine Medizin will, die ihm in der Vergangenheit von Dr. Shearing in einem Forschungslabor verabreicht wurde.

Es gibt, wie in den vorherigen Bourne-Filmen, eine wackelige Handkamera, es gibt atemlose Schnitte zwischen den verschiedenen Handlungsorten, es gibt Satelittenüberwachung, es gibt eine Liebesgeschichte zwischen Cross und Dr. Marta Shearing (Rachel Weisz), es gibt einige Kämpfe auf engstem Raum, es gibt, in Manila, eine Verfolgungsjagd über Häuserdächer, die dann auf den engen, überfüllten Straßen mit Autos und Motorrädern fortgesetzt wird – und in diesen Minuten wird Bourne, äh, Cross von einem skrupellosen Killer verfolgt, der, wie der Professor (Clive Owen) in dem ersten Bourne-Film „Die Bourne-Identität“, fast keine Dialogzeile hat. Aber während Owen wirklich bedrohlich war, ist LARX #3 (Louis Ozawa Changchien) einfach nur ein Asiate mit Sonnenbrille, der seiner Beute hinterherhechelt. Weil er auch erst am Ende, so als Überraschungsjoker, ins Spiel gebracht wird, bleibt er ein eindimensional-austauschbarer Gegner.

Davor gibt es zu viele, zu lange, zu umständliche und oft im Nichts endende Erklärungen. Es wird erklärt bis zum Gehtnichtmehr und so gut wie nichts davon ist wirklich interessant oder bringt die Handlung erkennbar voran. So vergeht ungefähr eine halbe Stunde, bis der erste Anschlag auf Cross verübt wird. Davor sehen wir ihn durch den Schnee gehen, dürfen uns mit der Frage beschäftigen, was er in dieser Einöde will, erfahren, was Jason Bourne gerade tut und dürfen uns am Anblick von einigen Schauspielern, die bereits in den vorherigen Bourne-Filmen dabei waren, erfreuen. Dummerweise haben sie nur Kurzauftritte.

Und während die eigentliche Geschichte immer noch nicht beginnt, verheddert sich Gilroy zwischen seinen verschiedenen Subplots.

Deshalb ist der vierte Bourne-Film mit 135 Minuten auch der längste. Die anderen waren zwanzig bis dreißig Minuten kürzer und hatten, gefühlt, mehr Action. Doug Liman und Paul Greengrass bauten die Spannung vor den Actionszenen immer gut auf und es gelang ihnen sogar, eigentlich langweilige Gespräche und Blicke in die Kommandozentrale der CIA hochspannend und wie eine Action-Szene zu inszenieren. Außerdem setzten sie die vielen Schnitte so klug, dass man nie den Überblick verlor. Ihre unzähligen Nachahmer gehen da meistens wesentlich ungeschickter vor.

Wenn es in „Das Bourne-Vermächtnis“ dann endlich zur Action kommt, ist diese oft ziemlich schnell vorbei und meistens so zerschnipselt, dass es wahrlich keine Freude bereitet. Denn es bringt nichts, wenn man als Zuschauer keinen Überblick über das Geschehen mehr hat oder, wie während der Verfolgungsjagd in Manila die exzellente Arbeit der Stuntmänner und Schauspieler, die teilweise die Stunts selbst ausführten, nicht mehr würdigen kann, weil alles so furchtbar hektisch ist und der Blickwinkel sich ständig und eher willkürlich ändert.

Gerade die finale Verfolgungsjagd in Manila über die Dächer und durch die Straßen erinnert an ähnliche, weitaus gelungener inszenierte Szenen aus dem fünften „The Fast and the Furios“-Film. Außerdem ist „Fast & Furious Five“ (Fast Five, USA 2011) ein sehr gutes Beispiel für den gelungenen Neustart einer Filmserie. Es ist sogar der beste Film der Serie.

Dagegen bleibt „Das Bourne-Vermächtnis“ unentschlossen zwischen Neubeginn und Wiederholung der ersten Bourne-Filme stecken. So bleibt das Gefühl, dass man das alles schon einmal, dummerweise besser, gesehen hat – und Manila ist wirklich nicht die große Veränderung zu Europa.

Das Bourne-Vermächtnis (The Bourne Legacy, USA 2012)

Regie: Tony Gilroy

Drehbuch: Tony Gilroy, Dan Gilroy

LV: Charakter von Robert Ludlum

mit Jeremy Renner, Rachel Weisz, Edward Norton, Stacy Keach, Dennis Boutsikaris, Oscar Isaac, Zeljko Ivanek, Louis Ozawa Changchien, Joan Allen, Albert Finney, David Strathairn, Scott Glenn

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das Bourne-Vermächtnis“

Metacritic über „Das Bourne-Vermächtnis“

Rotten Tomatoes über „Das Bourne-Vermächtnis“

Wikipedia über „Das Bourne-Vermächtnis“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Robert Ludlum (deutsch, englisch)

Robert-Ludlum-Fanseite

Kirjasto über Robert Ludlum


Neu im Kino/Filmkritik: Spannende Unterhaltung mit „Das verborgene Gesicht“

September 13, 2012

Zwei Warnungen vorweg:

Lesen Sie nicht die offizielle Zusammenfassung.

Sehen Sie sich nicht den Trailer an.

Beide verraten einen wichtigen Plottwist, der, wenn man ihn nicht kennt, wirklich überraschend kommt.

Denn „Das verborgene Gesicht“ von Andrés Baiz ist ein schöner Psychothriller, der mich an ähnlich gelagerte, hauptsächlich französische Filme aus den siebziger Jahren erinnerte und je weniger Sie über „Das verborgene Gesicht“ wissen, desto überraschender ist beim ersten Sehen, wie in „Die üblichen Verdächtigen“ oder „The sixth Sense“, die Auflösung.

Adrian ist ein junger, gutaussehender Orchesterdirigent in Bogotá, der gerade, vollkommen überraschend und grundlos von seiner Freundin Belén verlassen wurde. Sie hat ihm nur eine dürftige Videobotschaft hinterlassen, in der sie sagt, er solle nicht nach ihr suchen. Der Frauenschwarm ertränkt seinen Kummer im Alkohol und findet in einer Bedienung auch gleich eine neue Freundin, die seiner Verflossenen sehr ähnlich sieht. Fabiana zieht in seine abgelegen liegende Villa, die anscheinend ein Eigenleben führt. Denn sie hört Geräusche, beim Duschen wird sie verbrüht und der deutsche Schäferhund scheint sie als Eindringling wahrzunehmen. Sie fragt sich, ob das Haus verhext ist. Adrian glaubt ihr nicht.

Zur gleichen Zeit suchen zwei Polizisten nach Belén. Denn sie ist spurlos verschwunden – und natürlich ist Adrian der Hauptverdächtige.

Und der jüngere Polizist ist der frühere Liebhaber von Fabiana. Er glaubt, dass sie nur wegen des Geldes mit Adrian zusammen ist.

„Das verborgene Gesicht“ ist ein ruhig erzählter Psychothriller mit wohldosierten Spannungsmomenten, vor allem in der ersten Hälfte des Films, wenn Regisseur Andrés Baiz sehr schön jeden verdächtig macht, indem die Schauspieler immer wieder in Spiegel blicken oder sie immer wieder in die falsche Richtung blicken. Jeder scheint immer noch eine zweite Agenda zu verfolgen. Adrian könnte Belén ermordet haben. Aber auch Fabiana könnte es getan haben. Und während wir noch überlegen, was mit Belén geschehen ist, gibt es in der zweiten Hälfte einen gewagten Plottwist, der einerseits vollkommen überraschend kommt, andererseits in der ersten Stunde mit vielen Hinweisen angedeutet wurde. Diese erste Stunde mit den vielen kleinen Irritationen in dem noblen Anwesen und dem seltsamen Verhalten der Protagonisten steht ganz in der Tradition der Geisterhaushorrorfilme, in denen unklar ist, ob Fabiana sich das alles nur einbildet oder ob es wirklich spukt.

Und es gibt zwei, herrlich nebenbei platzierte Lacher. Der eine hat mit dem Hund zu tun, der andere mit dem Inhalt eines Schrankes.

Die Erklärung ist, rückblickend, etwas unlogisch und der Film endet für meinen Geschmack etwas zu abrupt. Ich hätte mir noch ein, zwei Bilder gewünscht. So bricht der Film, wie ein Musikstück, bei dem die letzte Note fehlt, arg abrupt ab.

Das verborgene Gesicht (La Cara Oculta, Kolumbien/Spanien 2011)

Regie: Andrés Baiz

Drehbuch: Andrés Baiz, Hatem Khraiche Ruiz-Zorrilla

Darsteller: Quim Gutiérrez, Clara Lago, Martina García, Alexandra Stewart

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das verborgene Gesicht“

Rotten Tomatoes über „Das verborgene Gesicht“

Wikipedia über „Das verborgene Gesicht“


TV-Tipp für den 13. September: Lord of War

September 13, 2012

VOX, 20.15

Lord of War – Händler des Todes (USA 2005, R.: Andrew Niccol)

Drehbuch: Andrew Niccol

There are over 550 million firearms in worldwide circulation. That’s one firearm for every twelve people on the planet. The only question is: How do we arm the other 11? (Yuri Orlov)

Einer der wenigen ansehbaren Nicolas-Cage-Filme, die der Schauspieler in diesem Jahrzehnt drehte. Dafür sammelte er in den vergangenen Jahren Razzie-Nominierungen.

In der knalligen Satire „Lord of War – Händler des Todes“ spielt er Yuri Orlov, einen Waffenhändler, der ungefähr jeden Potentaten der Nach-Kalter-Kriegs-Welt mit Waffen beliefert. Der Film erzählt in kurzen Episoden die Geschichte seines märchenhaften Aufstiegs von den Hinterhöfen Little Odessas in die Hinterhöfe der Weltpolitik. Denn mit dem illegalen Waffenhandel kann viel Geld verdient werden.

That was intentional, just to be a little subversive and make almost like a ‘how-to’ film – how to be an arms dealer – and I thought that would be a more interesting way into it than a typical story structure. (Andrew Niccol)

Mit Nicholas Cage, Jared Leto, Bridget Moynahan, Ian Holm, Ethan Hawke

Wiederholung: Freitag, 14. September, 00.45 Uhr (Taggenau! – wegen der FSK-16-Freigabe dürfte dann die Kinoversion laufen)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über “Lord of War”

Drehbuch „Lord of War“ von Andrew Niccol

Moviefreak: Interview mit Andrew Niccol

IGN: Interview mit Andrew Niccol

Spike: Andrew Niccol redet über „Lord of War“

Schnittberichte: Vergleich der “RTL ab 12″-Fassung mit der FSK-16-Fassung


TV-Tipp für den 12. September: Die Truman Show

September 12, 2012

Kabel 1, 20.15

Die Truman Show (USA 1998, R.: Peter Weir)

Drehbuch: Andrew Niccol

Als „Die Truman-Show“ im Kino lief, war es Science-Fiction. Aber das war auch, bevor es die TV-Show „Big Brother“ gab und danach erschien „Die Truman Show“ nicht mehr soo abwegig. Denn der titelgebende Truman Burbank wird ständig von Kameras überwacht. Sein Leben ist eine Reality Show mit einem Millionenpublikum. Dummerweise hat Truman davon keine Ahnung. Als eines Tages ein Scheinwerfer vom Himmel fällt, beginnt der Dreißigjährige Fragen zu stellen.

Die grandiose Mediensatire gewann unter anderem einen Hugo.

„ein modernes Märchen mit existentieller Tiefenschärfe (…) ein Filmereignis“ (Fischer Film Almanach 1999)

Die Musik ist von Philip Glass.

mit Jim Carrey, Laura Linney, Noah Emmerich, Natascha McElhone, Peter Krause, Paul Giamatti

Wiederholung: Donnerstag, 13.September, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Die Truman Show“

Wikipedia über „Die Truman Show“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Truman Show“ von Andrew Niccol

–

P. S.: Der Trailer ist wirklichl gelungen. Er macht neugierig auf den Film, ohne zu viel zu verraten.


TV-Tipp für den 11. September: Ein (un)möglicher Härtefall

September 11, 2012

ZDFneo, 20.15

Ein (un)möglicher Härtefall (USA 2003, R.: Joel Coen, Ethan Coen)

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen, Robert Ramsey, Matthew Stone (nach einer Geschichte von Robert Ramsey, Matthew Stone und John Romano)

Ein skrupelloser und erfolgreicher Scheidungsanwalt verliebt sich in eine Heiratsschwindlerin.

Die Coen-Version einer Screwball-Comedy. Dank Clooney, Zeta-Jones und Thornton durchaus okay, aber nicht ihr bestes Werk. Danach drehten sie ein überflüssiges Remake von „The Ladykillers“.

Mit George Clooney, Chatherine Zeta-Jones, Geoffrey Rush, Cedric the Entertainer, Edward Herrmann, Paul Adelstein, Richard Jenkins, Billy Bob Thornton

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über die Coen-Brüder (deutsch, englisch)

„You know, for Kids“ (Coen-Seite)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte

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Vorschautipp

Wer gestern „Burn after reading“ verpasste, kann die durchgeknallte Agentenkomödie der Coen-Brüder mit Brad Pitt, George Clooney, John Malkovich, Frances McDormand, Tilda Swinton undundund am kommenden Freitag, den 14. September um 20.15 Uhr auf Eins Festival sehen. Die Nachtwiederholung ist um 01.50 Uhr.


TV-Tipp für den 10. September: Nosferatu – Phantom der Nacht/Stroszek

September 10, 2012

Arte, 21.00

Nosferatu – Phantom der Nacht (D/Fr 1979, R.: Werner Herzog)

Drehbuch: Werner Herzog (nach Motiven des Films „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von Friedrich Wilhelm Murnau und des Romans „Dracula“ von Bram Stoker)

LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)

Werner Herzogs Remake von Murnaus Dracula-Version, die damals als langweilige 1-zu-1-Verfilmung des Stummfilm-Klassikers gedisst wurde.

Inzwischen hat sich der Wind gedreht: „Auch wenn er sich an sein großes Vorbild anlehnt, setzt Herzog doch etliche eigene Akzente, besonders in der Szene, in der Wismar von den Ratten überrannt wird oder wenn die heimgesuchte Stadtbevölkerung tanzt, als die Pestleichen durch die Straßen getragen werden. Mit seinem ausgezeichneten Soundtrack (Wagner, Gounod und Popol Vuh), seinen symbolistischen Strandstücken und Gebirgszügen wie von Cspar David Friedrich ist Herzogs Nosferatu weniger eine Kopie von Murnau als ei Rückgriff auf die deutsche romantische Tradition, durch und durch deutsch und (backstein-)gotisch im besten Sinne.“ (James Marriott/Kim Newman: Horror)

mit Klaus Kinski, Isabelle Adjani, Bruno Ganz, Jacques Dufilho, Roland Topor, Walter Ladengast, Clemens Scheitz

Wiederholung: Mittwoch, 12. September, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Nosferatu – Phantom der Nacht“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Nosferatu – Phantom der Nacht“

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Arte, 22.45

Stroszek (D 1977, R.: Werner Herzog)

Drehbuch: Werner Herzog

Straßenmusiker Bruno Stroszek will nach einem Gefängnisaufenthalt ein ehrliches Leben beginnen, nimmt eine Prostituierte bei sich auf und freundet sich mit einem Nachbarn an. Gemeinsam wollen sie in den USA ihr Glück versuchen.

Stroszek ist „eine Lockerungsübung, ein befreiendes Atemholen. In einfachen Bildern, in denen keinerlei Kunstanstrengung den Blick auf Gezeigte verstellt, entfaltet sich eine Ballade vom verlorenen Glück, in der sich Herzogs zu abstrakten Totalisierungen neigender Kulturpessimismus als beobachtende, entwickelnde Kritik sozialer Verhältnisse konkretisiert. Es sollen ganz und gar gegenwärtige, reale Figuren sein, deren bescheidene Sehnsüchte und deren jämmerliches Scheitern hier geschildert werden.“ (Kraft Wetzel, in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte: Werner Herzog, Hanser Reihe Film Band 22, 1979)

mit Bruno S., Eva Mattes, Clemens Scheitz, Wilhelm von Homburg, Burkhard Driest, Pitt Bedewitz

Hinweise

Wikipedia über „Stroszek“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Stroszek“ (100 % Frische und damit noch frischer als „Nosferatu“)

Wikipedia über Werner Herzog

Arte über Werner Herzog

Werner Herzog in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. September: Ein fürsorglicher Sohn (My Son, my Son, what have ye done)

September 9, 2012

Nachdem letzten Sonntag die TV-Premiere deutlich nach Mitternacht (also eigentlich am Montag) war, läuft der Avantgarde-Krimi jetzt, auf einem Nischensender, zur besten Sendezeit und weil mir die Borowski-Tatorte normalerweise nicht gefallen, kann es nur einen Tagestipp geben

Eins Festival, 20.15

Ein fürsorglicher Sohn (USA/D 2009, R.: Werner Herzog)

Drehbuch: Herbert Golder, Werner Herzog

In einem Vorort von San Diego soll ein junger Mann seine Mutter ermordet und Geiseln genommen haben. Zwei Polizisten sollen ihn zur Aufgabe bewegen.

„Werner Herzog durchsetzt den Thriller mit sardonisch-absurden und philosophisch-surrealen Spitzen und löst die Handlung mittels Rückblenden in eine bezugsreiche Bricolage auf.“ (Lexikon des internationalen Films)

Avantgarde-Jazzer Ernst Reijseger schrieb die Musik für den von einem wahren Fall inspirierten Krimi und David Lynch gehört zu den Produzenten.

mit Willem Dafoe, Chloë Sevigny, Michael Shannon, Brad Dourif, Loretta Devine, Udo Kier, Michael Peña, Grace Zabriskie

auch bekannt als „My Son, My Son, What have ye done?“ (Original- und deutscher DVD-Titel)

Wiederholung: Samstag, 15. September, 03.50 Uhr

Hinweise

Film-Zeit über „Ein fürsorglicher Sohn“

Metacritic über „Ein fürsorglicher Sohn“

Rotten Tomatoes über „Ein fürsorglicher Sohn“

Wikipedia über „Ein fürsorglicher Sohn“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Werner Herzog

Arte über Werner Herzog

Werner Herzog in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. September: Das Osterman-Weekend

September 8, 2012

RBB, 23.15

Das Osterman-Weekend (USA 1983, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: Alan Sharp, Ian Masters

LV: Robert Ludlum: The Osterman-Weekend, 1972 (Das Osterman-Wochende)

Der CIA nimmt an, dass die Freunde von Journalist John Tanner KGB-Spione sind. Mit Tanners Hilfe verwanzen sie für ein Wochenende sein ganzes Haus. Ab da geht alles schief. Seine Freunde wollen ihre Geheimnisse schützen, Tanner will die Wahrheit wissen und CIA-Agent Fassett spielt ein ganz eigenes Spiel.

Peckinpahs letzter Film ist ein kühler Spionagethriller, ein Verwirrspiel (deshalb kann der Film immer wieder angesehen werden. Nach einem Jahr haben Sie die konfuse Handlung schon wieder vergessen.) und eine Studie über den Verfall von Freundschaft und Vertrauen. “Das Osterman-Weekend” ist einer der schwachen Peckinpah-Filme mit einer deprimierenden Aussage.

Ulrich von Berg schrieb in “Sam Peckinpah – Ein Outlaw in Hollywood” (1987): “The Osterman Weekend ist von der ersten bis zur letzten Einstellung ein monströses Vexierspiel, in dem jeder jeden täuscht und betrügt. Keine der Figuren ist zur Identifikation tauglich, alle sind nichts als abhängige Marionetten….Die Menschen in diesem Film sind flach und eindimensional, keiner von ihnen macht eine innere Entwicklung durch, ihre Handlungsmotive sind ohne Ausnahme von Eigennutz bestimmt (Macht, Rache, Prestige, materielle Vorteile). Peckinpah interessiert sich für keinen einzigen von ihnen besonders – und das ist gut angesichts des abstrusen Drehbuchs – sondern allein für das alles Vertrauen zerfressende und alle zwischenmenschliche Beziehungen infiltrierende Geflecht aus Intrigen und Gegenintrigen. Die Atmosphäre von Hilflosigkeit und Abhängigkeit ist wichtig, nicht die Plausibilität des Plots…In Peckinpahs letztem Film unterliegen sie (die eigenen vier Wände, AdV) der totalen Kontrolle eines offensichtlich wahnsinnigen CIA-Agenten. Die stoischen Einzelgänger, die sich in allen seinen anderen Filmen gegen Reglementierung und Anpassung zur Wehr setzen, gib es hier nicht mehr. Das Bild, das Peckinpah in The Osterman Weekend von Amerika entwarf, ist die konsequente Weiterentwicklung der düsteren Zukunftsvision seiner Western, das Versprechen einer freien Gesellschaft wird als Lüge entlarvt. Ein Arrangement mit dieser Gesellschaft ist den höchst unterschiedlichen Männern in Peckinpahs zeitgenössischen Filmen unmöglich”.

Mit Rutger Hauer, John Hurt, Craig T. Nelson, Dennis Hopper, Burt Lancaster, Chris Sarandon, Meg Fosters, Helen Shaver

Hinweise

Wikipedia über “Das Osterman-Wochenende” (deutsch, englisch)

Ludlum Books – The Fansite of Robert Ludlum

Meine Besprechung von Mike Siegels „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“

Meine Besprechung von Sam Peckinpahs „Gefährten des Todes“

Meine Besprechung von Sam Peckinpahs “Steiner – Das eiserne Kreuz”

Sam Peckinpah in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 7. September: Das Schweigen der Lämmer

September 7, 2012

Sat.1, 22.35

Das Schweigen der Lämmer (USA 1991, R.: Jonathan Demme)

Drehbuch: Ted Tally

LV: Thomas Harris: The Silence of the Lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)

FBI-Agentin Starling verfolgt einen Serienkiller und verliebt sich in den inhaftierten Hannibal Lecter.

Inzwischen schon ein Klassiker, der – zu Recht – etliche Oscars erhielt (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle). Beim wiederholten Sehen fällt auf, wie wenig von den schockierenden Ereignissen wirklich zu sehen ist – und wie konservativ die Kameraführung ist. Achten sie auf die erste Begegnung von Jodie Foster und Anthony Hopkins. Da ist keine Bewegung überflüssig, kein Schnitt zu viel und es wird sich in jeder Sekunde auf das Drehbuch und die Schauspieler verlassen.

Hitchcock hätte der Film gefallen.

Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine

Hinweise

Metacritic über „The Silence of the Lambs“

Rotten Tomatoes über „The Silence of the Lambs“

Drehbuch „The Silence of the Lambs“ von Ted Tally (2nd draft script, 28. Juli 1989)

Drehbuch „The Silence of the Lambs“ von Ted Tally und Thomas Harris (final draft script)

Drehbuch „The Silence of the Lambs“ von Ted Tally und Thomas Harris (undated, unspecified draft script)

Homepage von Thomas Harris

Krimi-Couch über Thomas Harris

Wikipedia über Thomas Harris (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Lustig ist das Vorstadtleben in „The Watch – Nachbarn der 3. Art“

September 6, 2012

Die Hoffnung einen guten Film zu sehen, stirbt in „The Watch – Nachbarn der 3. Art“ erschreckend schnell. Und sogar mit reduzierten Erwartungen lässt sich wenig Gutes über diese Aliens-landen-in-der-Vorstadt-Variante sagen. Immerhin ist das hundertminütige Desaster, das gefühlt mindestens doppelt so lang ist, kompetent gefilmt und die Besetzung mit Ben Stiller, Vince Vaughn, Jonah Hill, Richard Ayoade und Rosemarie DeWitt namhaft, aber auch vollkommen verschenkt in einem Film, der sich höchst unglücklich zwischen die Genres „Drama“ und „Komödie“ setzt und das Schlechteste von beiden Welten vereinigt. Eine Satire will „The Watch“ eh nicht sein und als Alien-Invasionsfilm mit einem leichten „Super 8“-Touch (Sehbefehl!) überzeugt er nie. Auch nicht in den letzten Filmminuten, wenn die vier Jungs von der Nachbarschaftswache gegen die Invasoren kämpfen.

Doch beginnen wir am Anfang: Ben Stiller spielt Evan, den Manager des lokalen Einkaufzentrum Costco in Glenview, Ohio. Er ist glücklich verheiratet. In seiner Freizeit initiiert er die verschiedensten Nachbarschaftsgruppen. Eines Tages wird sein Nachtwächter bestialisch ermordet. Evan beschließt, die Nachbarschaft vor weiteren Morden zu schützen und den Mörder zu finden. Dafür gründet er eine Bürgerwehr mit Bob (Vince Vaughn), einem Proleten, der seine pubertierende Tochter über alles liebt, Franklin (Jonah Hill), einem bei der Aufnahmeprüfung der Polizei gescheiterten Waffennarr, der noch bei seiner Mutter lebt, und Jamarcus (Richard Ayoade), der als Zugezogener in der Vorstadtgemeinde Anschluss an das gesellschaftliche Leben sucht. Diese drei Männer interessieren sich, wie Pubertierende, in erster Linie für Drogen und Sex.

Ihr selbsternannter Anführer Evan, der personifizierte Biedermann mit einer Mission, die er ohne Rücksicht zu nehmen verfolgt (so wird er uns jedenfalls in den ersten Filmminuten präsentiert), lässt sich schnell von den anderen überzeugen, bei deren infantilen Spielen (vulgo Alkohol, Sex und arg pubertäre Witze) mitzumachen.

Doch dann geschehen unheimliche Dinge und die Vier glauben, dass Aliens eine Invasion vorbereiten. Selbstverständlich sind sie dazu auserwählt, sie zu verhindern – und die tödliche Schwachstelle der Aliens reflektiert treffend den infantil-pubertärem Humor des gesamten Films.

Wer sich also darüber amüsieren kann, wenn Vierzigjährige sich wie grenzdebile Teenager benehmen und wem es vollkommen egal ist, dass die Story wirkt, als ob sie an einem langen Suff-Abend, ohne einen Blick auf Logik und innere Kohärenz zu werfen, mit vielen alten bis uralten Zoten zusammenfantasiert wurde, wird vielleicht irgendetwas in „The Watch“ finden.

Alle anderen werden die vielen verpassten Chancen, einen auch nur minimal intellektuell befriedigenden Film zu machen, bedauern.

The Watch – Nachbarn der 3. Art (The Watch, USA 2012)

Regie: Akiva Schaffer

Drehbuch: Jared Stern, Seth Rogen & Evan Goldberg

mit Ben Stiller, Vince Vaughn, Jonah Hill, Richard Ayoade, Rosemarie DeWitt, Will Forte, Doug Jones, R. Lee Ermey, Nicholas Braun

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (in den USA „Rated R for some strong sexual content including references, pervasive language and violent images“ – und das ist wirklich der beste Witz über dem Film)

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Watch“

Metacritic über „The Watch“

Rotten Tomatoes über „The Watch“

Wikipedia über „The Watch“

 

 


TV-Tipp für den 6. September: Sein Leben in meiner Gewalt

September 6, 2012

BR, 22.30

Sein Leben in meiner Gewalt (GB 1973, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: John Hopkins

LV: John Hopkins: This story of yours, 1968 (Theaterstück)

Der desillusionierte und fanatische Detektiv Johnson hält den Verdächtigen für einen Kinderschänder. Während des Verhörs stirbt der Verdächtige und Johnson wird angeklagt.

Intensiv gespieltes, düsteres Drama. Allerdings wollte damals niemand Connery als einen fanatischen Polizisten sehen. „Sein Leben in meiner Gewalt“ war der erste Film, den Sean Connery mit seiner Produktionsfirma Tantallon Films und United Artists drehte. Ein zweites, geplantes Projekt mit United Artists kam nie zustande. Das sagt einiges über den finanziellen Erfolg von „Sein Leben in meiner Gewalt aus“. Denn es dauerte zehn Jahre, bis der Film seine Kosten eingespielt hatte.

John Huston meinte, für ihn gehöre das letzte Drittel des Films zum Besten, was er jemals auf der Leinwand gesehen habe.

Mit Sean Connery, Trevor Howard, Vivian Merchant, Ian Bannen

Hinweise

Wikipedia über “Sein Leben in meiner Gewalt” (deutsch, englisch)

Romuald Karmakar über “Sein Leben in meiner Gewalt”

Homepage von Sean Connery

Wikipedia über Sean Connery (deutsch, englisch)

Kriminalakte gratuliert Sean Connery zum 80. Geburtstag

Sean Connery in der Kriminalakte

Mein Nachruf auf Sidney Lumet

Sidney Lumet in der Kriminalakte