Auch wenn „R. I. F. – Ich werde dich finden!“ anders als erwartet ist, reiht sich Franck Mancusos Film nahtlos in die Reihe der guten französischen Kriminalfilme ein, die seit einigen Jahren bei uns vor allem als DVD veröffentlicht werden und im TV meist zu publikumsunfreundlichen Zeiten laufen. In Frankreich sind sie dagegen äußerst beliebt. Auch „R. I. F.“ gelang der Sprung in die Kino-Top-10. Dabei ist der düstere Polizeikrimi nicht gerade das typische Kinohitfutter, das sich normalerweise irgendwo zwischen hirnlosen Blockbustern und anspruchslosen Komödien bewegt.
„R. I. F.“ ist ein realistisch erzähltes Drama über Stéphane Monnerau (Yvan Attal [Die Schlange, Fluchtpunkt Nizza]), einen Pariser Kriminalpolizisten mit Borderline-Tendenzen. Als er mit seiner Frau Valérie und ihrem sechsjährigem Sohn in Urlaub fährt, haben sie eine Autopanne. Er lässt sie für wenige Minuten an einer Tankstelle zurück. Als er wiederkommt, ist Valérie spurlos verschwunden.
Regisseur Franck Mancuso, der selbst viele Jahre Polizist war, die Drehbücher für die grandiosen Polizeithriller „36 – Tödliche Rivalen“ und „Counter Investigation – Kein Mord bleibt ungesühnt“ schrieb und „Counter Investigation“ auch inszenierte, konzentriert sich in „R. I. F.“ auf die realistische Beschreibung der Arbeit der Polizei bei einem Routinefall. Aus dem genauen Beobachten der Ermittlungsroutine der Polizei, kombiniert mit dem Drama eines Vaters, der sich fragt, warum seine Frau verschwunden ist und der, als Polizist, etwas mehr in die Ermittlungen involviert ist als ein Normalbürger, entwickelt Mancuso eine gehörige Spannung. Anfangs, weil wir uns fragen, warum Valérie spurlos verschwunden ist. Später, wenn Stéphane in Verdacht gerät, das spurlose Verschwinden seiner Frau inszeniert zu haben, weil wir uns fragen, ob er ein falsches Spiel spielt und wir alles bisher Gesehene neu betrachten.
„R. I. F.“ ist, gedreht mit einer Handkamera, die immer nah bei den Charakteren ist, in rauen, meist etwas zu dunklen Bildern, ein noirischer Polizeikrimi, wie er in Deutschland höchstens von Dominik Graf gedreht wird und natürlich ist dieser Noir tausendmal besser als das, was uns wöchentlich als „Tatort“ angeboten wird.
Als Bonusmaterial gibt es ein informatives vierzigminütiges „Making of“, das auf dem DVD-Cover nicht erwähnt wird.
R. I. F. – Ich werde dich finden! (R. I. F. [Recherche dans l’Intérêt des Familles], Frankreich 2011)
Regie: Franck Mancuso
Drehbuch: Franck Mancuso, Herve Albertazzi
mit Yvan Attal, Pascal Elbé, Armelle Deutsch, Valentina Cervi, Eric Ruf,
Die letzte Spur: Verantwortung (D 2012, R.:Judith Kennel)
Drehbuch: Ortun Ertener
Gutgut, der Pitch war sicher „die deutsche Version von ‚Without a Trace’“, aber ich freue mich über jede Krimiserie, in der nicht einige tapfere Kommissare (oder deren Sekretärinnen) böse Mörder jagen.
Das ZDF zeigt sechs Folgen. Über eine Fortsetzung entscheidet dann die Einschaltquote.
mit Hans-Werner Meyer, Susanne Bormann, Jasmin Tabatai, Florian Panzner
„My Week with Marilyn“ Monroe liefert einen Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten für die Laurence-Olivier-Marilyn-Monroe-Schmonzette „Der Prinz und die Tänzerin“ (The Prince and the Showgirl, USA 1957) und einen Blick in die Anfänge des Superstartums. Denn obwohl Sir Laurence Olivier damals ein hoch geachteter Schauspieler war, war Marilyn Monroe als Sexbombe der Liebling der Massen und des Boulevards. Egal wo sie auftauchte, schnell wurde sie von Fans und Fotografen belagert. Und das war in den fünfziger Jahren, als es noch keine Paparazzi gab. Jedenfalls nannte erst Frederico Fellini sie in „Das süße Leben“ so.
Sogar heute, fünfzig Jahre nach ihrem Tod am 5. August 1962, ist die am 1. Juni 1926 als Norma Jeane Baker geborene Schauspielerin und Sängerin immer noch allgemein bekannt.
Mitte der Fünfziger versuchte Marilyn Monroe, die damals mit Arthur Miller verheiratet war, endlich als ernsthafte Schauspielerin anerkannt zu werden. Mit ihrer Produktionsfirma (was in „My Week with Marilyn“ nicht thematisiert wird) beteiligte sie sich an der Verfilmung eines Bühnenstücks von Terence Rattigan, die in England im Sommer 1956 mit ihr in der Hauptrolle in den Pinewood Studios entstehen sollte. „Der Prinz und die Tänzerin“ ist eine Schmonzette, die nicht mehr als zwei Stunden anspruchslose Unterhaltung liefern sollte. Laurence Olivier wurde als Hauptdarsteller und Regisseur engagiert.
Schnell prallten die verschiedenen Schauspielerhaltungen aufeinander. Olivier gehörte noch zur alten Schule. Die Lee-Strasberg-Schülerin Monroe versuchte mit der Hilfe von Paula Strasberg als ihrer immer anwesenden Schauspiellehrerin sich in die Rolle hineinzufühlen. Was schon etwas absurd ist, weil sie damit eine Tiefe in einer Rolle suchte, die eben diese Tiefe nicht hatte und sie hätte sich sicher, um als Schauspielerin zu glänzen, eine anspruchsvollere Rolle aussuchen können. Außerdem zweifelte sie an sich, war alkohol- und tablettensüchtig, launenhaft und bei den Dreharbeiten extrem unzuverlässig. Immer wieder mussten alle anderen auf sie warten. Am Ende dauerten die Dreharbeiten sechs Monate.
Colin Clark, der später als Dokumentarfilmer eine beachtliche Karriere hatte, war damals der „Dritte Assistent“, was eine höfliche Umschreibung für „Mädchen für alles“ oder „Laufbursche“ ist. So konnte er die Dreharbeiten beobachteten und überall hingehen. Denn es gehörte zu seinen Aufgaben, überall und nirgends zu sein. Später schrieb er zwei Bücher darüber: „The Prince, the Showgirl and Me“ (1995) über die Dreharbeiten und „Meine Woche mit Marilyn“ (My Week with Marilyn, 2000) über einen mehrtägigen Ausflug aufs Land, den er mit Marilyn Monroe unternahm und er sich auch in sie verliebte.
Für den Film wurde selbstverständlich der publikumsträchtigere Titel gewählt, aber im Film geht es – zum Glück! – vor allem um die Dreharbeiten und dieser Einblick ist bestes britisches Kino. Ein pointiertes Drehbuch von Adrian Hodges („Tom & Viv“, „Metroland“, „Primeval – Rückkehr der Urzeitmonster“, „Survivors“, „Rome“, um nur die auch bei uns bekannten Werke zu nennen), in dem die verschiedenen Charaktere scharfzüngig aufeinanderprallen. Regisseur Simon Curtis, der bereits viele englische TV-Filme und Serien inszenierte, die bei uns nicht gezeigt wurden, inszenierte „My Week with Marilyn“ angenehm altmodisch, indem er auf modischen Schnickschnack verzichtet und alles in den Dienst der Geschichte stellt. Das erstklassige Ensemble hat viele Gelegenheiten für grandiose Auftritte und der genaue Blick für die Details, die einen tiefen Blick in die unterschiedlichen Mentalitäten und die damaligen Arbeitsbedingungen an einem Filmset geben, macht diese Coming-of-Age-Geschichte auch zu einer kleinen Geschichtsstunde.
My Week with Marilyn (My Week with Marilyn, GB/USA 2011)
mit Michelle Williams, Kenneth Branagh, Eddie Redmayne, Dominic Cooper, Philip Jackson, Derek Jacobi, Toby Jones, Michael Kitchen, Julia Ormond, Zoë Wanamaker, Emma Watson, Judi Dench
Als die Actionkomödie „Einmal ist keinmal“ mit Katherine Heigl als Kopfgeldjägerin Stephanie Plum in den US-Kinos startete, wurde sie von den US-Kritikern regelrecht geschlachtet.
Als ich den Film sah, fragte ich mich, woher dieser Hass auf den Film kam. Denn obwohl „Einmal ist keinmal“ wahrlich kein Meisterwerk ist, versucht er auch nicht mehr zu sein, als eine kleine, launige Actionkomödie, die wie ein hoch budgetierter TV-Serienpilot wirkt, der irrtümlich im Kino läuft. Denn Regisseurin Julie Anne Robinson stellt in ihrer Verfilmung des ersten Stephanie-Plum-Krimis, wie auch Janet Evanovich in ihrem Roman, ausführlich Stephanies Familie, die Kautionsagentur ihres Vetters Vinnie samt leicht schrägem Personal und ihren künftigen Freund vor. Dieser ist Polizist, soll eine Frau ermordet haben und ist untergetaucht.
Für Stephanie, die händeringend einen Job sucht und deshalb notgedrungen bei Vinnie anheuert, wäre das Kopfgeld von 50.000 Dollar (im Buch 10.000 Dollar), wenn sie Joe Morelli bei der Polizei abliefert, das Ende ihrer Geldsorgen. Dass Morelli sie vor Jahren betrogen hat, stachelt ihren Jagdeifer zusätzlich an. Ohne einen Plan und ohne irgendetwas über die Arbeit zu wissen, aber mit einem losen Mundwerk, macht sie sich in ihrer Heimatstadt Trenton, New Jersey, auf die Jagd.
Der Film folgt dem vor fast zwanzig Jahren erschienenem Roman erstaunlich genau und ist sogar witziger als der Roman. Denn der ist eine ziemlich dröge Mischung aus Romanze und Krimi, mit einer sich mir nicht erschließenden humoristischen Note.
Dagegen ist die Verfilmung, tief in den achtziger Jahre steckend, ziemlich kurzweilig-nette Unterhaltung für Zwischendurch, die nie behauptet mehr zu sein als eine kleine Actionkomödie mit einem vernachlässigbaren Krimiplot voller Unwahrscheinlichkeiten und viel Romantic.
Einmal ist keinmal (One for the Money, USA 2012)
Regie: Julie Anne Robinson
Drehbuch: Stacy Sherman, Karen Ray, Liz Brixius
LV: Janet Evanovich: One for the Money, 1994 (Einmal ist keinmal)
mit Katherine Heigl, Jason O’Mara, Daniel Sunjata, John Leguizamo, Sherri Shepherd, Debbie Reynolds
Nachtschicht: Tod im Supermarkt (D 2006, R.: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
Dieses Mal sucht das Nachtschicht-Team den Mörder eines Supermarkt-Wachmanns.
Dritter Nachtschicht-Krimi, der auf seiner Plus-Seite zahlreiche ironische Anspielungen und gute Schauspieler, auf der Minus-Seite einen nicht sonderlich logischen Whodunit verbucht. Und dabei waren die ersten beiden Nachtschicht-Filme gerade weil sie die Whodunit-Stereotypen vermieden gut.
Mit Armin Rohde, Katharina Böhm, Ken Duken, Minh-Phai-Thi, Marie Bäumer, Devid Striesow
LV: Ray Bradbury: Fahrenheit 451, 1953 (Fahrenheit 451)
Im Rahmen des heutigen Thementages „Spirit of the Sixties: Die 60er Jahre“ zeigt 3sat heute Truffauts selten gezeigten Anti-Utopie, in der Bücher, weil sie subversive Gedanken enthalten, verboten sind. Feuerwehrmann Montag erfüllt brav seine Pflicht und verbrennt Bücher, bis er Clarissa kennenlernt und zunehmend an seinem Leben und seinem Tun zweifelt.
Der spätere Regisseur Nicholas Roeg war der Kameramann und Alfred-Hitchcock-Komponist Bernard Herrmann komponierte den Soundtrack
mit Julie Christie, Oskar Werner, Cyril Cusack, Anton Diffring, Jeremy Spenser
Bei „The Nines“ will ich nicht viel über die Handlung erzählen, denn es ist gerade ein großer Spaß, selbst herauszufinden, wie die drei Geschichten miteinander zusammenhängen. In dem ersten Teil „Der Gefangene“ geht es um den Star einer dümmlichen TV-Action-Polizeiserie (Ryan Reynolds), der nach einem Unfall (verursacht durch Trennungsschmerz und Drogeneinnahme), in dem Haus eines Drehbuchautoren, der gerade weg ist, unter Hausarrest gestellt wird. Dort langweilt er sich, lernt die sexy Nachbarin (Hope Davis) kennen, hat eine hyperagile, ewig gut gelaunte Aufpasserin (Melissa McCarthy) und glaubt, dass er nicht der einzige Bewohner des Hauses ist.
In dem zweiten Teil „Reality TV“ geht es um einen Drehbuchautor (Ryan Reynolds), der gerade, begleitet von einem TV-Team, als Showrunner in der Produktion für einen TV-Serienpiloten steckt.
Und wir begegnen wieder Melissa McCarthy als seiner Wunsch-Hauptdarstellerin in der TV-Serie und Hope Davis als seiner Ansprechpartnerin beim Sender.
Im dritten Teil „Wissend“ muss ein PC-Spieldesigner (Ryan Reynolds) nach einem Ausflug mit seiner Familie in die Berge feststellen, dass ihr Auto nicht startet. Er lässt seine Frau (Melissa McCarthy) mit ihrer Tochter zurück und trifft auf dem Weg zu einem Telefon eine Wanderin (Hope Davis).
Und immer wieder, wird der Zahl „Neun“ (was wir schon bei dem Titel „Die Neunen“ ahnten) eine besondere Bedeutung beigemessen.
Aber gerade das Herausfinden dieser Zusammenhänge ist, wie zum Beispiel in David Cronenbergs „Existenz“ oder Christopher Nolans „Inception“, ein großer intellektueller Spaß. Denn John August hatte zwar wenig Geld für den Film (so spielt der halbe Film in seiner Wohnung), aber dafür etliche hübsche und intellektuell herausfordernde Ideen und, natürlich, ein gutes Drehbuch. Ein Drehbuch, das viele Fragen stellt, viele beantwortet, zum Nachdenken anregt und, dank der wandlungsfähigen Schauspieler (für die drei Hauptdarsteller ist es eine gute Demonstration ihres Könnens) und der unterschiedlichen Stile in den drei Segmenten, bis zur letzten Minute das Interesse wach hält. Dabei hat „The Nines“ einen zutiefst freundlich-humane Ton, die durchaus an die Stimmung in Tim Burtons „Big Fish“ erinnert. „Big Fish“ war die erste Zusammenarbeit von Tim Burton und John August. Danach arbeiteten sie bei „Charlie und die Schokoladenfabrik“, „Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“, „Dark Shadows“ (Kinostart 10. Mai 2012) und „Frankenweenie“ (geplanter Kinostart 24. Januar 2013) zusammen.
In „The Nines“ fragt John August ziemlich verspielt, teils mit satirischem Unterton, was wirklich ist und wie brüchig die Wirklichkeit ist. Ein großer Spaß.
Das Bonusmaterial ist mit einer Stunde (ohne die vielen Audiokommentare) angenehm umfangreich und sehr informativ. Vor allem John August gibt viele Informationen zur Entstehung des Films, zu den einzelnen Filmsegmenten, wie sie miteinander und mit seinem Kurzfilm „God“, der ebenfalls auf der DVD ist, zusammenhängen.
The Nines – Dein Leben ist nur ein Spiel (The Nines, USA 2007)
Regie: John August
Drehbuch: John August
mit Ryan Reynolds, Melissa McCarthy, Hope Davis, Elle Fanning, David Denman, Octavia Spencer, Ben Falcone, Dahlia Salem, John Gatins
Bonusmaterial: Audiokommentar mit Regisseur John August und Hauptdarsteller Ryan Reynolds, Audiokommentar mit Regisseur John August, Cutter Douglas Crise und Darstellerin Mellisa McCarthy, 9 Deleted Scenes (mit Audiokommentar von Regisseur John August und Editor Douglas Crise), Featurette „Script to Screen“, Featurette „Summing up the Nines“, Interview mit John August, Kurzfilm „God“ (mit Audiokommentar von Regisseur John August, Deutscher Trailer, Origininaltrailer
Edward mit den Scherenhänden (USA 1990, R.: Tim Burton)
Drehbuch: Tim Burton, Caroline Thompson
Zwischen seinen beiden „Batman“-Filmen drehte Tim Burton, der hier erstmals Carte Blanche hatte, dieses dunkle, romantische Märchen über den einsam in einem Schloss auf einem Hügel lebenden „Edward mit den Scherenhänden“. Als eine Kosmetikvertreterin ihn trifft, ist sie fasziniert von ihm und nimmt ihn mit in die typisch amerikanische Vorstadt. Dort ist Edward wegen einer motorischen Fähigkeiten zuerst sehr beliebt.
Ein schöner trauriger Film voller Humor und Skurrilitäten.
„ein Märchen. Und das erzählt er einem Publikum, das schon alle Märchen kennt, an keins mehr glaubt und sich doch danach sehnt. Und er erzählt es mit allen Emotionen, aller Naivität, aller Grausamkeit und auch aller Komik, die das Publikum erwarten darf.“ (Fischer Film Almanach 1992)
mit Johnny Depp, Winona Ryder, Dianne Wiest, Anthony Michael Hall, Kathy Baker, Vincent Price (seine letzte Rolle in einem Spielfilm), Alan Arkin
Lady Vengeance – Leben für die Rache (Sudkorea 2005, Regie: Park Chan-wook)
Drehbuch: Park Chan-wook, Jeong Seo-Gyeong Jeong
Geum-ja saß dreizehn Jahre im Gefängnis für den Mord an einem kleinen Jungen, den sie nicht begangen hat. Jetzt will sie sich an dem wirklichem Täter, einem honorigem Englischlehrer, rächen.
Ein weiteres Meisterwerk des Regisseurs von „Joint Security Area“, „Sympathy for Mr. Vengeance“ und „Oldboy“. Die Kritiker waren vom Abschluß der Rachetrilogie des Südkoreaners begeistert, die zahlenden Zuschauer ebenso – und das Erste zeigte die TV-Premiere, wie erwartet, nach Mitternacht.
Mit Lee Yeong-ae, Choi Min-sik, Oh Dal-su, Kim Shi-hoo, Kim Bu-seon
Der im Ruhestand lebende Gangster Noel nimmt den jungen, heißblütigen Junggangster Mickey bei sich auf. Durch ihn wird er wieder in sein altes Leben zurückgezogen.
Aus heutiger Sicht beendete Alain Corneau mit dem leicht melancholischem Noir „Wahl der Waffen“ die Ära des klassischen französischen Gangsterfilms indem er noch einmal alle Themen bündelte, neu betrachtete und sie endgültig beantwortete. Nach „Wahl der Waffen“ war die Zeit des Nachkriegsgangsters endgültig vorbei.
Einen schöneren Abgesang hätte er nicht bekommen können.
mit Yves Montand, Gérard Depardieu, Catherine Deneuve, Michel Galabru, Gerard Lanvin, Marc Chapiteau
James Bond bei seiner Lieblinsbeschäftigung: Welt retten. Aktuelle Einsatzorte: Bahamas, Südfrankreich und Nordafrika.
Nach einer langen Pause (und bei einer anderen Produktionsfirma) spielte Sean Connery wieder Bond; Klaus Maria Brandauer den Bösewicht, Kim Basinger das ´love interest´ der beiden Männer. Außerdem sind Barbara Carrera, Max von Sydow, Edward Fox, Bernie Casey und Rowan Atkinson dabei.
„Sag niemals nie“ konnte entstehen, weil Ian Fleming zusammen mit Kevin McClory und Jack Whittingham für einen Film die Geschichte „Longitude 78 West“ entwarf. Fleming verarbeitete sie später in dem Bond-Roman „Feuerball“. McClory, der bei „Feuerball“ Co-Produzent war, hatte die Rechte für weitere Verfilmungen dieser Geschichte. Die Auflage war, dass er sich möglichst eng an das gemeinsam entworfene Story-Gerüst halten müsse. Die juristischen Streitigkeiten und der Konkurrenzkampf zwischen dem Ur-Bond Connery und dessen Nachfolger Roger Moore waren ein gefundenes Fressen für die damalige Presse. Denn „Octopussy“ (mit Moore) startete fast zeitgleich in den Kinos. An der Kinokasse war der Moore-Bond etwas erfolgreicher, bei der Kritik war es – zu Recht – umgekehrt.
Hinweise
Wikipedia über „James Bond: Sag niemals nie“ (deutsch, englisch)
Salamanca, Spanien, großer Antiterrorgipfel: der amerikanische Präsident will auf dem Marktplatz eine Rede halten. Da wird er erschossen und eine Bombe explodiert. Sein Leibwächter Thomas Barnes hat aber etwas gesehen und er nimmt die Spur auf.
„8 Fremde, 8 Sichtweisen, 1 Wahrheit“ lautet der Werbespruch, der ziemlich genau die erzählerische Pointe des Films verrät. Denn das Ereignisse vor, während und nach dem Attentat werden aus acht verschiedenen Sichtweisen erzählt und am Ende gibt es eine atemberaubende Autoverfolgungsjagd. Das unterhält prächtig über die knapp neunzig Minuten und ist filmisch und darstellerisch auch sehr gut gelöst. Denn mit den verschiedenen Blickwinkeln ändert sich auch immer der Blick auf die Ereignisse und die beteiligten Personen.
Dass der ganze Attentatsplan, wenn man genauer darüber nachdenkt, ziemlich konstruiert ist, fällt einem erst nach dem Abspann auf.
mit Dennis Quaid, Matthew Fox, Forest Whitaker, Sigourney Weaver, William Hurt, Edgar Ramirez, Ayelet Zurer, Bruce McGill, Zoe Saldana
Wiederholung: Samstag, 14. April, 00.05 Uhr (Taggenau!)
Mit „The Grey – Unter Wölfen“ hat Joe Carnahan nach dem düsteren Polizeithriller „Narc“, der durchgeknallten, schwarzhumorigen Actionkomödie „Smokin‘ Aces“ und der Blockbuster-Actionkomödie „The A-Team“ einen geradlinigen Abenteuerfilm gedreht, der zwar in Alaska spielt, aber nur wenige Kilometer entfernt in Kanada, in der Nähe von Smithers (5500 Einwohner), zwölf Autostunden nördlich von Vancouver, mitten in den verschneiten und entsprechend kalten Ausläufern der Rocky Mountains gedreht wurde.
Dieses Mal erzählt Joe Carnahan die Geschichte einer Gruppe Männer, deren Flugzeug mitten in der Einöde abstürzt und die dann um ihr Überleben kämpft. So weit, so konventionell und die Jack-London-Fans sind wahrscheinlich schon begeistert in das nächste Kino gerannt.
Die Liam-Neeson-Fans dürfen sich anschließen. Immerhin hat Neeson hier die Hauptrolle und er ist brillant als verbitterter, einzelgängerischer Aufpasser John Ottway. Der Biologe hat sich, wie die anderen Arbeiter in der Ölraffinerie, in die menschenfeindliche Einöde zurückgezogen. Sie sind, nun, nicht unbedingt die Männer, mit denen man im Club bei einem Glas Rotwein über abendländische Philosophie diskutiert. Ottways Job ist es, die Arbeiter vor herumstreunenden Tieren, vor allem Wölfe, zu schützen.
Wegen eines Schichtwechsels fliegen Ottway und die aktuelle Crew zurück nach Kanada in die Zivilisation. Während des Flugs stürzt das Flugzeug mitten im Nirgendwo ab. Nur acht Männer überleben den Absturz. Weil Ottway am meisten Ahnung vom Überleben in der Wildnis hat, wird er ihr Anführer. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zur nächsten Siedlung. Dabei werden sie von einem Rudel Wölfe, für die sie nur die nächste Mahlzeit sind, verfolgt.
Dieses archetypische Duell zwischen Mensch und Tier erzählt Joe Carnahan ohne störende Subplots und ausgewalzte Hintergrundgeschichten, in denen wir alles über die Charaktere erfahren. Sogar Ottways Vergangenheit und der Grund für seinen Rückzug in die Einöde bleibt, bis auf einige Bilder, die so kryptisch sind, dass sie eher die Funktion einer Fantasie erfüllt, im Dunkeln. Umso kraftvoller wird der Hauptplot, der gerade in seiner Reduktion, auch als Allegorie mit einer sehr klaren Botschaft gesehen werden kann: Nur wer nicht kämpft, hat schon verloren.
Im Dunkeln bleiben die meiste Zeit auch die Wölfe. Sie attackieren die Überlebenden schnell und rücksichtslos. Oft auch in der Dunkelheit. Sie belauern die Menschen und oft sind nur Details von ihnen sicht- und hörbar. Die Fantasie des Zuschauers, unterstützt von einem genial-furchterregendem Soundtrack, der die gefühlte Temperatur im Kino um einige Grad senkt, übernimmt den Rest. Das erinnert in seinem Schreckenspotential an das Monster in Ridley Scotts „Alien“, der auch einer der „The Grey“-Produzenten ist. Und natürlich weiß Joe Carnahan, dass er nichts zeigen kann, was nicht von der Fantasie des Zuschauers übertroffen wird. Also kann er gleich die Arbeit machen.
Joe Carnahan haucht der altbekannten Überleben-in-der-Wildnis-Story durch die raue Art seines Erzählens so viel neues Leben ein, dass „The Grey“ trotz, oder wegen, der grandiosen Landschaft ein beklemmend-düsterer, alptraumhafter Abenteuerfilm ist.
Die Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films, die die prestigeträchtigen Saturn Awards verleiht, hat „The Grey“ als besten Horrorfilm/Thriller nominiert und bei der Konkurrenz (unter anderem „Contagion“ und „Verblendung“) hat er gute Chancen den Preis bei der Preisverleihung am 20. Juni zu erhalten.
The Grey – Unter Wölfen (The Grey, USA 2012)
Regie: Joe Carnahan
Drehbuch: Joe Carnahan, Ian Mackenzie Jeffers
LV: Ian Mackenzie Jeffers: Ghost Walker (Publikationsdatum und -ort unklar)
mit Liam Neeson, Frank Grillo, Dermot Mulroney, Dallas Roberts, Joe Anderson, Nonso Anozie, James Badge Dale
„Battleship“ ist die Filmversion von „Schiffe versenken“ – und genau das ist der Film: Schiffe versenken. Mit möglichst viel Lärm und möglichst wenig Dialog. Wenn es mehr als fünf zusammenhängende Worte sind, dann ist es schon eine Ansprache.
Weil aber ein profanes Schiffe versenken zwischen zwei Ländern heute ungefähr so spannend wie eine Regierungserklärung ist, haben die Macher sich eine Science-Fiction-Geschichte ausgedacht und die geht so: Während eines Flottenmanövers bei Hawaii tauchen außerirdische Raumschiffe auf und, gemäß der allseits bekannten Doktrin der Militärischen Intelligenz, wird gleich begonnen, sich zu beschießen.
Mehr will ich jetzt von der Handlung nicht verraten. Außer vielleicht, dass es in dem Drehbuch, das anscheinend von einem Schreibcomputer zusammengestückelt wurde, ein, zwei minimale Überraschungen gibt, die den ganzen Mist aber nicht retten. „Battleship“ ist einfach komplett unlogische Militär-Pornographie, in der Wissenschaftler nur als grenzdebile, lebensuntaugliche Deppen und Politiker überhaupt nicht vorkommen. Immerhin stören sie so nicht das Militär bei der Arbeit.
Der Held Alex Hopper (Taylor Kitsch, anfangs mit „John Carter“-Frisur, später militärisch kurz) ist einer dieser in solchen Filmen immer vorkommenden, unangepassten Hallodris, die im Kampf bei sich unerwartete Führungsqualitäten (die wir, auch ohne Kenntnis des Drehbuchs, kannten) entdecken und zum Mann (aus Sicht des Militärs) werden.
Auch die anderen Charaktere sind ähnlich Nulldimensional angelegt. Eindimensional wäre schon eine außerordentliche Steigerung und die Charaktere in „Independence Day“ oder „Armageddon – Das jüngste Gericht“ hatten dagegen schon eine ungeheure Tiefe.
Liam Neeson hat als knurriger Admiral Shane ungefähr eine Handvoll Auftritte, die wegen der Menge über den Cameo-Status hinausgehen. Außerdem hat er hierfür sicher ein hübsches Sümmchen auf sein Konto überwiesen bekommen.
R&B-Sängerin Rihanna hat in „Battleship“ ihre erste Filmrolle und sie fällt als Eye Candy mit Wumme auch nicht unbedingt negativ auf. Nur singen tut sie nicht. Obwohl Musik doch, wie wir seit „Mars Attacks!“ wissen, ein probates Mittel gegen Aliens ist.
Herrje, wenn Regisseur Peter Berg („Operation: Kingdom“, „Hancock“) und die Drehbuchautoren Joe und Erich Hoeber („Whiteout“, „R. E. D.“) nicht schon einige ordentliche bis gute Filme auf ihrem Konto hätten, wäre das ziemlich humorfreie, tatkräftig vom Militär unterstützte „Battleship“ nicht so enttäuschend.
Ein strunzdummer, ohrenbetäubender, das Militär und militärische Tugenden (Ballern! Ballern! Ballern bis der Gegner pulverisiert ist.) hochhaltender Film wäre es trotzdem.
Oder in der Sprache des Film: Treffer! Film versenkt! Mission erfüllt! Kollateralschäden egal!
Aber zum Glück nur in 2D.
Battleship (Battleship, USA 2012)
Regie: Peter Berg
Drehbuch: Joe Hoeber, Erich Hoeber
mit Taylor Kitsch, Alexander Skarsgård, Rihanna, Brooklyn Decker, Tadanobu Asano, Greg Gadson, Liam Neeson, Peter MacNicol, Louis Lombardi (eine Szene als Barkeeper)
Eine ruhige Nacht wird das nicht für Erichsen und sein Team: ein unheilbar an Krebs erkrankter Knacki will seine letzten Tage mit seinem Sohn verbringen. Deshalb entführt er ihn von seinen Adoptiveltern: einem Polizisten, der gerade gegen Erichsen ermittelt. Außerdem macht ein entlaufener Irrer das Revier unsicher.
Nach dem überwältigenden Erfolg des ersten Nachtschicht-Filmes durfte Lars Becker mit den bewährten Schauspielern ein weiteres Mal zuschlagen. Und weil auch der zweite „Nachtschicht“-Film ein voller Erfolg war, folgten seitdem einige weitere sehr gelungene Krimis.
Mit Armin Rohde, Katharina Böhm, Minh-Khai Phan-Thi, Ken Duken, Ercan Durmaz, Axel Prahl
Bevor Mennan Yapo „Lautlos“ (mit Joachim Król) und „Die Vorahnung“ (Premonition, mit Sandra Bullock) drehte, drehte er 1999 den Kurzfilm „Framed“
„Wir hatten ihn weltweit zu Festivals geschickt und er kam wirklich überall gut an. Die Leute kamen aus dem Film mit einem seltsamen, unerklärlichen Gefühl. Ich weiß noch, wie er in Bilbao lief, Seattle oder in Palm Springs. Und in Hof. Als er dort gezeigt wurde, gab es großartige Reaktionen. Da kamen Filmemacher auf mich zu, die ich nicht kannte. Die haben gesagt: ‚Wow, das ist dein erster Film? Respekt, sehr assoziativ.'“
(Mennan Yapo in Marko Kregel: Hollywood – Traum und Wirklichkeit, Schüren 2012)
In Texas wird in der Wüste ein Skelett mit einem Sheriffstern gefunden. Sheriff Sam Deeds (Chris Cooper) versucht den vierzig Jahre alten Mordfall zu klären und schnell fragt er sich, was sein verstorbener Vater, der ungekrönte und immer noch geachtete Herrscher der Stadt, mit dem Mord zu tun hat und ob er sein Andenken beschmutzen soll.
„Sayles ist ein Meisterwerk mehrschichtigen Erzählens gelungen: mit knapp einem Dutzend wichtigen Rollen, mit überlegter Koppelung von Gegenwart und Vergangenheit, lakonisch-doppelsinnigen Dialogen, ausgefeilter Kameraarbeit, Musik, die drei Kulturen einfängt, und atemberaubenden Zeitübergängen.“ (Fischer Film Almanach 1998)
Bei dem Lob vergisst man fast, dass „Lone Star“ auch ein verdammt unterhaltsamer Krimi ist.
Das Drehbuch war für einen Oscar („Fargo“ gewann), einen Golden Globe, den BAFTA, den Independent Spirit Award und den Preis der Writers Guild of America (wieder gewann „Fargo“) nominiert.
mit Chris Cooper, Elisabeth Pena, Kris Kristofferson, Miriam Colon, Matthew McConaughey, Frances McDormand
Wenn man „Film Noir“ als Genre, als Bezeichnung für Filme, die eine bestimmte Weltsicht und formale Charakteristika teilen, begreift, dann kann ein Noir überall entstehen und spielen. Auch in England und „Ausgestoßen“ von „Der dritte Mann“-Regisseur Carol Reed ist ein ausgezeichnetes Beispiel für einen gelungen Noir. Als der Film kurz nach dem zweiten Weltkrieg für Two Cities Production entstand, war es eine Prestigeproduktion, die auch den BAFTA als bester englischer Film gewann. Gerade deshalb erstaunt, wie konsequent die Noir-Weltsicht in ihrer schwärzesten Form gezeichnet wurde.
Dabei beginnt „Ausgestoßen“ fast harmlos. Der aus dem Gefängnis geflüchtete, in der Bevölkerung als Volksheld verehrte Johnny McQueen (James Mason) plant mit seinen Kumpels einen Banküberfall. Der Überfall geht gründlich schief. Er erschießt in einen Handgemenge einen Kassierer. Er wird angeschossen. Bei der Flucht müssen seine Freunde ihn zurücklassen.
Schwerverletzt stolpert Johnny durch ein labyrinthisches Belfast, das von Polizisten, die ihn jagen, besetzt ist. Während er von einem provisorischem Versteck zum nächsten taumelt und dabei versucht, zu seiner Freundin zu gelangen und dann mit ihr aus der Stadt zu flüchten, entfaltet Carol Reed in prägnanten Szenen ein Panorama menschlicher Niedertracht, Gier und Angst. Denn letztendlich will jeder, der Johnny trifft, ihn nur für seine eigenen Interessen benutzen. Kann es ein noch düsteres Bild der Conditio Humana geben?
Für James Mason war seine Darstellung des aufgrund seiner Verletzung weitgehend passiven Johnny die Beste in seiner Karriere und es ist auch sein liebster Carol-Reed-Film.
Auch Roman Polanski ist ein Fan des heute zu Unrecht fast unbekannten Noirs: „Kein Film hat mich glücklicher gemacht.“
Ausgestoßen (Odd Man Out, GB 1947)
Regie: Carol Reed
Drehbuch: F. L. Green, R. C. Sheriff
LV: F. L. Green: Odd Man Out, 1945 (Der Terrorist)
mit James Mason, Robert Newton, Cyril Cusack, Kathleen Ryan, F.J. McCormick, William Hartnell, Fay Compton, Denis O’Dea, W.G. Fay, Maureen Delaney
Rufmord – Jenseits der Moral (USA/GB/D 2000, R.: Rod Lurie)
Drehbuch: Rod Lurie
Als der US-Präsident eine Frau (damals praktisch undenkbar, heute egal) zu seiner Stellvertreterin ernennt, beginnt ein Republikaner eine Schmutzkampagne.
Gut, das Zieren der designierten Stellvertreterin, nichts aus ihrem Privatleben der Öffentlichkeit zu verraten, weil es nichts mit ihrer Arbeit zu tun hat, ist so weltfremd in der Politik, dass es den gesamten Film schwächt. Davon abgesehen bietet „Rufmord“ tolles Schauspielerkino, das auch einen guten Blick hinter die Kulissen der Macht gibt.
Inspiriert wurde „Rufmord“ von der zunehmend unappetitlichen Kampagne der Republikaner gegen Präsident Bill Clinton.
mit Gary Oldman, Joan Allen, Jeff Bridges, Christian Slater, Sam Elliott, William Petersen, Saul Rubinek, Philip Baker Hall