TV-Tipp für den 9. Juni: Martha

Juni 9, 2012

BR, 21.55

Martha (D 1973, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder

LV: Cornell Woolrich: For the Rest of Her Life, 1968 (Kurzgeschichte, ursprünglich erschienen in Ellery Queen’s Mystery Magazine, deutscher Titel „Für den Rest ihres Lebens“)

Unerreichte Studie einer sadomasochistischen Paarbeziehung: Helmut Salomon versucht seine Frau, die etwa dreißigjährige Martha, zu erziehen und isoliert sie dafür zunehmend von der Außenwelt. Martha hat zunehmend Angst um ihr Leben. Aber sie will auch erzogen werden.

Weil Rainer Werner Fassbinder die Rechte an der Geschichte von Cornell Woolrich nicht hatte, durfte der für das Fernsehen gedrehte Film fast zwanzig Jahre nicht gezeigt werden. Er lief nur zweimal, 1974 und 1976, im Fernsehen. Als „Martha“ 1994 in Venedig seine Kinouraufführung hatte und im November 1994 im Kino startete, waren die Kritiker begeistert.

„Martha“ ist ein gut abgehangener Noir. Oder, für die Bildungsbürger: „Martha ist die ‚triviale’ Horror-Variante von Fontane Effi Briest…Von allen Filmen Fassbinders erscheint mir dieser der kompakteste, ein Film ohne Abschweifungen, zielstrebig auf einen Punkt zusteuernd.“ (Wilhelm Roth in Rainer Werner Fassbinder, Reihe Film 2, Hanser Verlag)

Mit Margit Carstensen, Karlheinz Böhm, Adrian Hoven, Barbara Valentin, Ingrid Caven, Günter Lamprecht, Peter Chatel, Salem El Hedi, Kurt Raab (und dem Bodensee, besonders Konstanz, als Kulisse)

Hinweise

Wikipedia über „Martha“ (deutsch, englisch)

Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Wikipedia über Rainer Werner Fassbinder (deutsch, englisch)

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich


TV-Tipp für den 8. Juni: Welt am Draht

Juni 8, 2012

Arte, 20.15

Welt am Draht (D 1973, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Fritz Müller-Scherz, Rainer Werner Fassbinder

LV: Daniel F. Galouye: Simalacron-3, 1964 (Welt am Draht, Simulacron 3, The 13th Floor)

Nach dem mysteriösen Tod von Professor Vollmer übernimmt sein engster Mitarbeiter, Dr. Fred Stiller, die Leitung von „Simulacron 1“, einem Projekt in dem eine künstliche Welt erschaffen wurde, die präzise Vorhersagen über die reale Welt machen kann. Bald fragt Stiller sich, ob er Teil eines anderen Simulacron-Projekts ist und daher in einer künstlichen Welt lebt.

Rainer Werner Fassbinder dreht für das Fernsehen einen Science-Fiction-Zweiteiler und lädt dafür neben seinem Clan auch ungefähr alles, was damals Rang und Namen hatte, ein. Das Ergebnis ist toll und wurde in den vergangenen Jahren, nachdem der Film jahrelang nicht mehr im Fernsehen lief, auch gewürdigt. Neben den „Matrix“-Vergleichen (wonach „Welt am Draht“ ein Vorläufer von „Matrix“ ist und die Brüder Andy und Larry Wachowski etliche Ideen aus Fassbinders Film geklaut haben) hat vor allem die 2010 auf der Berlinale präsentierte restaurierte Fassung, mit anschließender DVD-Auswertung, einen entscheidenden Anteil an der Wiederentdeckung des Klassikers, der fragt, wie real die Wirklichkeit ist. Allerdings ist „Welt am Draht“ aus heutiger Sicht auch arg betulich inszeniert.

Dennoch: so gut konnte das deutsche Fernsehen sein.

Ach ja: Arte zeigt erstmals im TV die restaurierte Fassung.

mit Klaus Löwitsch, Barbara Valentin, Mascha Rabben, Karl-Heinz Vosgerau, Wolfgang Schenck, Günter Lamprecht, Ulli Lommel, Adrian Hoven, Ivan Desny, Joachim Hansen, Kurt Raab, Margit Carstensen, Peter Chatel, Ingrid Caven, Gottfried John, Christine Kaufmann, Rainer Langhans, Bruce Low, Eddie Constantine, Walter Sedlmayr, Elhedi Ben Salem, Peter Kern, Werner Schroeter, Magdalena Montezuma

Hinweise

Wikipedia über „Welt am Draht“ (deutsch, englisch)

Arte über die Fassbinder-Reihe

Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Wikipedia über Rainer Werner Fassbinder (deutsch, englisch)

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 7. Juni: ECHO Jazz 2012

Juni 7, 2012

MDR, 23.35

ECHO Jazz 2012

Wahrscheinlich weil der ECHO-Jazzpreis der Deutschen Phono-Akademie in Dresden verliehen wird, sieht der MDR sich genötigt, über die Preisverleihung zu berichten. Dieter Moor moderiert, es wird Lob- und Dankesreden und, hoffentlich, auch etwas Musik geben.

Die Preisträger sind schon bekannt und auch veröffentlicht.


„Sparks“ – ein Kurzfilm nach einer Geschichte von Elmore Leonard

Juni 6, 2012

„Sparks“ (USA 2009) ist ein von Schauspieler Joseph Gordon-Levitt (Killshot, Inception, 50/50) geschriebener und gedrehter Kurzfilm mit Carla Gugino, Eric Stoltz und Xander Berkeley. Gordon-Levitts Regiedebüt basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Elmore Leonard, die zuerst in dem von Otto Penzler herausgeben Sammelband „Murder and Obsession“ (1999) und später in „When the Women come out to dance“ (2002), einem Sammelband mit neun Elmore-Leonard-Kurzgeschichten in dem auch „Fire in the Hole“, die Geschichte, die die tolle TV-Serie „Justified“ mit Timothy Olyphant als US Marshal Raylan Givens inspirierte, erschien.

Obwohl Gordon-Levitt die Dialoge (so meine Erinnerung, die ich schnell mit einem Blick in die Kurzgeschichte überprüfte) getreulich von Elmore Leonard übernahm, funktioniert der Kurzfilm besser als leicht experimentelles Experiment.


TV-Tipp für den 6. Juni: Auf der anderen Seite

Juni 6, 2012

Arte, 20.15

Auf der anderen Seite (D 2007, R.: Fatih Akin)

Drehbuch: Fatih Akin

In Hamburg nimmt ein türkischer Witwer eine Prostituierte bei sich auf. Nach ihrem Tod fährt sein Sohn nach Istanbul, um ihre Tochter zu suchen.

„Auf der anderen Seite“ steht im Schatten von Fatih Akins großem Erfolg „Gegen die Wand“. Trotzdem erhielt der Ensemblefilm neben euphorischen Kritiken auch etliche Preise; unter anderem in Cannes den Preis für das beste Drehbuch, den Europäischen Filmpreis für das Drehbuch und den Deutschen Filmpreis in den Kategorien bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch und bester Schnitt.

„Sowohl auf der Dialogebene als auch in der gesamten Anlage der Geschichte findet er eine sehr überzeugende Balance aus Künstlichkeit und Realismus.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Baki Davrad, Nursel Köse, Hanna Schygulla, Tancel Kurtiz

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Auf der anderen Seite“

Rotten Tomatoes über „Auf der anderen Seite“

Wikipedia über „Auf der anderen Seite“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 5. Juni: Romeo is bleeding

Juni 5, 2012

Bayern, 23.45

Romeo is bleeding (USA 1993, R.: Peter Medak)

Drehbuch: Hilary Henkin

Der korrupte Cop Grimaldi soll eine Berufskillerin, die sich mit der Mafia angelegt hat, beschützen. Er verliebt sich in sie und, auch weil sie ihr eigenes Spiel spielt, gerät er zwischen alle Fronten.

„Ein Film noir wie aus der Schreibmaschine von Cornell Woolrich“, steht vollkommen zutreffend im Fischer Film Almanach (1995).

mit Gary Oldman, Lena Olin, Annabella Sciorra, Juliette Lewis, Roy Scheider, Will Patton, David Proval, James Cromwell, Ron Perlman, Dennis Farina (Cameo)

Hinweise

Wikipedia über „Romeo is bleeding“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week: Guy Savage über „Romeo is bleeding“


TV-Tipp für den 4. Juni: Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Lieferung

Juni 4, 2012

Arte, 22.50

Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Lieferung (Island 2008, R.: Óskar Jónasson)

Drehbuch: Arnaldur Indridason, Óskar Jónasson

Der Schmuggler und Familienvater Kristófer, auf Bewährung draußen, will, obwohl er finanziell kaum über die Runden kommt, ehrlich bleiben. Aber für seine Familie lässt er sich auf eine letzte Schmuggeltour ein.

„Isländischer Kriminalfilm, der trockenen Humor mit rasanten Actionszenen verbindet.“ (Lexikon des internationalen Films)

Für das gelungene US-Remake „Contraband“ übernahm Hauptdarsteller Baltasar Kormákur die Regie und Mark Wahlberg die Hauptrolle.

Heute hat mein eine der seltenen Gelegenheiten, sich das Original anzusehen – und man kann überrascht feststellen, dass einige der unglaublichsten Szenen schon im deutlich vom US-Gangsterthriller beeinflussten Original, das einen kräftigen Schluck aus der Kaurismäki-Pulle genommen hat, drin waren.

„Reykjavik – Rotterdam: Tödliche Lieferung“ wirkt wie die Skizze für „Contraband“.

mit Baltasar Kormákur, Ingvar Eggert Sigurdsson, Kilja Nótt Thórarinsdóttir

Wiederholung: Sonntag, 10. Juni, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Schwedenkrimi über Arnaldur Indridason

Meine Besprechung des Remakes „Contraband“


TV-Tipp für den 3. Juni: Im Angesicht des Verbrechens – Teil 1/2

Juni 3, 2012

Dann mach ich mal einen Repost von meiner Kritik zur Premiere im Ersten, empfehle einen Blick in die unten stehenden Links und verschweige das traurige Ende der großen TV-Premiere

3sat, 23.10

Im Angesicht des Verbrechens: Berlin ist das Paradies/Wo wir sind, ist vorne (D 2010, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Rolf Basedow

Nach der Premiere von „Im Namen des Verbrechens“ auf der Berlinale schrieben die Kritiker Jubelarien. Das kann allerdings auch einfach daran gelegen haben, dass sie sich beglückwünschten in zwei, jeweils gut fünfstündigen Sitzungen, den TV-Zehnteiler gemeinsam im Kinosaal gesehen zu haben. Ich kann mir vorstellen, dass nach dem letzten Bild im Saal ein ähnliches Gefühl herrschte, wie bei einer Wandergruppe, die den Gipfel erstürmte. Geschafft und stolz auf die eigene Leistung.

Die TV-Premiere im Frühling auf Arte wurde dann auch mit mehr als wohlwollenden Artikeln begleitet und jetzt, zur ARD-Premiere zu einer durchwachsenen Uhrzeit (aufgrund der vielen nackten Haut kann der Film nicht um 20.15 Uhr gezeigt werden und einen späteren Serienslot hat das Erste nicht mehr), gibt es wieder seitenlange Jubelarien.

Dabei ist eines unbestritten: „Im Namen des Verbrechens“ ist das bislang umfangreichste Werk von Regisseur Dominik Graf und Drehbuchautor Rolf Basedow.

Und sehr wahrscheinlich werden Graf und Basedow nie wieder zehn Millionen Euro erhalten und die Tortur eines 500-minütigen Films mit 120 Drehtagen und 140 Sprechrollen und unzähligen Komparsen auf sich nehmen.

Allein dafür gebührt ihnen Respekt und natürlich gibt es in „Im Angesicht des Verbrechens“ viele grandiose Szenen. Aber insgesamt, vor allem wenn man sich den Zehnteiler in einem Rutsch ansieht (und nicht vom Gruppengefühl beeinflusst wird), enttäuscht die Serie.

Denn die Serie wirkt niemals wie ein in einem Stück gedrehtes Werk, sondern wie die von verschiedenen Autoren und Regisseuren gedrehten Folgen für eine Serie, die nach der ersten Folge lange nach der episodenübergreifenden Geschichte sucht.

Da kann man dann auch damit Leben, dass Subplots fallengelassen werden, es Irrwege gibt, die im Nachhinein, weil die Folge bereits gezeigt wurde, nicht mehr korrigiert werden können und einige für das Verständnis der Geschichte wichtige Punkte in jeder Episode wiederholt werden. Das kennt jeder, der sich US-amerikanische Serien, die fast in Echtzeit produziert werden, ansieht. Ich sage nur „24“.

Aber „Im Angesicht des Verbrechens“ wurde geschrieben, gedreht, geschnitten und erst dann der Öffentlichkeit präsentiert. Da müsste der episodenübergreifende Plot viel deutlicher sein und sich in jeder Folge weiterentwickeln.

Außerdem scheint Dominik Graf hier mit jeder Folge einen anderen Stil ausprobieren zu wollen. Da wird plötzlich exzessiv mit Split-Screens gearbeitet. Andere Folgen und Szenen erinnern mal an einen Horrorfilm, mal an einen Polizeifilm, mal an einen kitschigen Heimatfilm und mal an einen Märchenfilm. Außerdem feiern die russischen Gangster ungefähr einmal pro Folge ein rauschendes Fest mit Wein, Weib, Gesang und Tanz. Und ungefähr alle zehn Minuten gibt es eine das Herz des Berliners erfreuende Panoramaaufnahme von seiner Stadt.

Entsprechend verfranst wirkt vieles. So sollen nach dem vor jeder Folge gezeigten Vorspann (es spricht einiges dafür, dass das auch die für die Macher wichtigen Geschichten und Themen sind) der junge Polizist Marek Gorsky (Max Riemelt), seine Liebe zu Jelena (Alina Levshin), die Suche nach dem Mörder seines Bruders Grischa und die enge Beziehung zu seiner Schwester Stella (Marie Bäumer), die einen russischen Gangsterboss Mischa (ungewohnt blass: Misel Maticevic) geheiratet hat, im Mittelpunkt der Serie stehen.

Nur Mareks Wunsch, den Mörder seines vor zehn Jahren ermordeten Bruders zu finden, bezeichnet ein konkretes Ziel. Das ist allerdings über weite Strecken nicht handlungstreibend. Stattdessen jagen Marek und sein Polizistenkumpel Sven Lottner (Ronald Zehrfeld, der als draufgängerischer Polizist viel präsenter als Riemelt ist) russische Gangster, verfolgen einen halbseidenen Spediteur in den Osten und haben viel Spaß bei ihrer Arbeit. Doch auch der Kampf gegen die Russenmafia bleibt episodisches Stückwerk. Hier mal eine Razzia, da mal ein Zugriff auf ein Lagerhaus. Denn es wird nie deutlich, welcher Gangster am Ende der Staffel verhaftet werden soll. Entsprechend abrupt endet dann auch der Zehnteiler mit einer weiteren Razzia im benachbarten Brandenburg.

Die Liebesgeschichte zwischen Marek und Jelena spielt in der ersten Hälfte der Serie keine Rolle, in der zweiten Hälfte wird sie wichtiger. Aber sie erscheint psychologisch unmotiviert (jaja, Liebe macht blind und Wer verliebt ist, reagiert nicht vernünftig) und es ist auch nicht nachvollziehbar, weshalb Marek plötzlich versucht Jelenas Freundin Swetlana aus einem letztklassigem Puff in Weißrussland zu befreien.

Und Mareks Beziehung zu seiner Schwester Stella wird zwar immer wieder angesprochen. Aber es wird nie deutlich, wo denn genau der Konflikt für den superehrlichen, fast schon 150-prozentig korrekten (und entsprechend langweiligen) Polizisten Marek liegt. Denn er hat keine Ahnung, wie sehr Stellas Mann Mischa in die Geschäfte der Russenmafia verwickelt ist. Daher muss Marek sich über viele Folgen nicht zwischen seinem Beruf und seiner Schwester beziehungsweise seiner Familie entscheiden. Dieser Konflikt könnte, vor allem nach den in mehrfacher Hinsicht überraschenden Ereignissen in den letzten beiden Episoden von „Im Angesicht des Verbrechens“, in einer zweiten Staffel von „Im Angesicht des Verbrechens“ wichtig werden.

Aber ob es eine zweite Staffel gibt, werden die Fernsehredakteure erst nach der Ausstrahlung der ersten Staffel entscheiden. Dass die DVD, mal wieder mit einem ausgesucht hässlichem Cover und wenig Bonusmaterial (Herrje, warum darf Dominik Graf nicht mal einen Audiokommentar sprechen? Warum gibt es keine Doku über die Russenmafia?), bereits für den 16. November angekündigt ist, sagt allerdings einiges über die Erwartungen der Macher aus. Denn dann läuft die Serie noch im Ersten.

Trotz aller Kritik spricht für die Serie, dass hier endlich einmal mehr als Dienst nach Vorschrift gemacht wurde, dass versucht wurde ein großes Epos zu drehen und dass sich nicht an die biederen Konventionen des neunzigminütigen TV-Films gehalten wurde.

Die weiteren Folgen von „Im Angesicht des Verbrechens“ werden, immer als Doppelfolgen, am Dienstag um 22.25 Uhr, Mittwoch um 22.25 Uhr, Donnerstag um 22.40 Uhr und Freitag um 22.25 Uhr gezeigt.

mit Max Riemelt (Marek Gorsky), Marie Bäumer (Stella), Misel Maticevic (Mischa), Ronald Zehrfeld (Sven Lottner), Alina Levshin (Jelena), Katja Nesytowa (Swetlana)

–

Hinweise

ARD über „Im Angesicht des Verbrechens“

Berliner Zeitung/Frankfurter Rundschau: Klaudia Wick über “Im Angesicht des Verbrechens” (21. Oktober 2010)

Tagesspiegel: Markus Ehrenberg über “Im Angesicht des Verbrechens” (21. Oktober 2010)

Kriminalakte: Links zu Artikeln über die Serie und das Gespräch mit dem Publikum nach der Berlinale-Premiere

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 2. Juni: Der Swimmingpool

Juni 1, 2012

RBB, 23.45

Der Swimmingpool (F/I 1968, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jean-Emmanuel Conil (Pseudonym von Alain Page), Jean-Claude Carrière (Adaption und Dialoge), Jacques Deray (Adaption und Dialoge)

Viel Story hat „Der Swimmingpool“ nicht, aber darum ging es auch nicht. Denn das High Concept hieß: Das ehemalige Liebespaar „Alain Delon und Romy Schneider am Swimmingpool. Und Jane Birkin ist auch dabei.“

Denn der Filmplot ist eine (wenn man mehr als Delon und Schneider leicht bekleidet am Swimmingpool sehen will) arg zähe Dreiecksgeschichte mit Sex und Mord unter der südfranzösischen Sonne.

mit Alain Delon, Romy Schneider, Maurice Ronet, Jane Birkin

Hinweise

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Wikipedia über „Der Swimmingpool“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von „Der Leopard“ (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von „Die Abenteurer“ (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon


TV-Tipp für den 1. Juni: Rock am Ring

Mai 31, 2012

Eins Plus, 18.00

Rock am Ring

Heute neun Stunden, morgen wieder neun Stunden und übermorgen schlappe sieben Stunden gibt es, immer ab 18.00 Uhr, Konzerte, Interviews und Impressionen vom diesjährigen „Rock am Ring“.

Heute mit, uh, keine Ahnung, welche Konzerte übertragen werden.

Aber am Samstag stehen unter anderem Cypress Hill (18.25 Uhr), Kasabian (21.05 Uhr), Soundgarden (21.30 Uhr) und Machine Head (00.00 Uhr), am Sonntag Peter Doherty (20.20 Uhr), The Stranglers (20.50 Uhr), Billy Talend (21.05 Uhr) und Metallica (23.00 Uhr) auf dem Programm.

Das gesamte TV-Programm gibt es hier, das Catering müsst ihr im Lebensmittelgeschäft eures Vertrauens kaufen. Freunde einladen ist natürlich auch eine Option.

Und dann: MACHT LÄRM


Neu im Kino/Filmkritik: „Snow White and the Huntsman“ oder die US-Action-Variante von Schneewittchen

Mai 31, 2012

Ein Märchenfilm in der Kriminalakte?

Die Erklärung dafür – und ich werde nicht die Ausflucht nehmen, dass in Märchen immer ganz viele Verbrechen begangen werden oder dass ich in die Schauspielerinnen verliebt bin (obwohl Kristen Stewart und Charlize Theron verdammt gut aussehen) – ist ganz einfach. Es sind die Drehbuchautoren.

John Lee Hancock schrieb die Bücher für die Clint-Eastwood-Filme „Perfect World“ und „Mitternacht im Garten von Gut und Böse“, Hossein Amini die Bücher für John Maddens Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ und Nicolas Winding Refns James-Sallis-Verfilmung „Drive“. Jetzt wollte ich wissen, wie sie die Geschichte von Schneewittchen und den sieben Zwergen erzählen. Denn Snow White ist Schneewittchen und, weil Hollywood inzwischen ungern seine Filmtitel in andere Sprachen übersetzen lässt, müssen wir uns an den Namen Snow White (was beim Sehen für Erheiterung sorgt) und einige Änderungen in dem uns seit Kindertagen vertrauten Märchen gewöhnen.

Die böse Königin Ravenna (Charlize Theron), die ihre ewige, jugendliche Schönheit mit dem Blut junger Frauen konserviert, hat ihre Stieftochter, die Königstochter Snow White (Kristen Stewart), seit Jahren in einem Turm eingesperrt. Snow White, die langsam zur Schönsten im Land wird, kann entkommen. Sie flüchtet durch den bedrohlich-gefährlichen finsteren Wald zu ihrem Kinderfreund William und dessen Vater, Herzog Hammond, der mit seinen Männern eine Trutzburg gegen Ravenna aufgebaut hat.

Auf ihrer Flucht begegnet sie den sieben Zwergen (Ian McShane, Bob Hoskins, Ray Winstone, Nick Frost, Toby Jones, Eddie Marsan, Brian Gleeson, Johnny Harris; – acht kaum erkennbare Gründe für den Filmbesuch) und es wird auch für sie immer deutlicher, dass sie die Auserwählte ist.

Die Königin weiß das, dank ihres Spiegels („Spieglein, Spieglein,…“) schon lange und deshalb hat sie ihre Soldaten losgeschickt. Angeführt werden sie von dem Huntsman (Chris Hemsworth, ohne „Thor“-Hammer, aber trotzdem schlagkräftig), der den finsteren Wald in- und auswendig kennt.

Als der Huntsman (Nee, „Jäger“ geht für einen echten Huntsman nicht) bemerkt, dass die Königin ihm niemals die versprochene Belohnung geben wird, hilft er Schneewittchen (Ähem, Snow White) im Kampf gegen die böse Königin.

Das ist als ein in einer mittelalterlichen Landschaft spielender Action-Fantasyfilm durchaus unterhaltsam und kurzweilig. Allerdings setzt sich „Snow White and the Huntsman“ unschön zwischen die Stühle. Denn mir ist vollkommen unklar, wer sich den Film ansehen soll.

Als Märchenfilm ist „Snow White and the Huntsman“ eindeutig ein Film für Kinder. Aber für die ist diese Verfilmung von Grimms Märchen dann doch zu brutal und düster. Besonders die Szenen im dunklen Wald, die Kämpfe und auch einige Verwandlungen der bösen Königin sind ziemlich furchterregend. Deshalb ist der Film in vielen Länder auch erst für Jugendliche freigegeben. In den USA ist er ein PG-13-Film. Bei uns ist er „frei ab 12 Jahre“. Allerdings werden die meisten Jugendlichen den Märchenfilm links liegen lassen und lieber in den nächsten Actionfilm gehen. Dabei ist es einerlei, ob wir an James Bond oder Harry Potter oder einen Superheldenfilm denken. Schließlich ist man als Teenager zu alt für Märchenfilme aus dem Haus der Brüder Grimm.

Die noch Ältere werden sich an den eindimensionalen Charaktere stören. Denn die Königin ist böse, Schneewittchen gut, der Jäger tapfer und die sieben Zwerge sind letztendlich ebenso todesmutig. Da fehlen dann die postmodernen Brechungen und Anspielungen, die „Snow White and the Huntsman“, wie zum Beispiel „Shrek“, zu einem intellektuellen Vergnügen machen könnten.

 

Snow White and the Huntsman (Snow White and the Huntsman, USA 2012)

Regie: Rupert Sanders

Drehbuch: Evan Daugherty, John Lee Hancock, Hossein Amini (nach einer Geschichte von Evan Daugherty)

mit Kristen Stewart, Charlize Theron, Chris Hemsworth, Sam Claflin, Ian McShane, Bob Hoskins, Ray Winstone, Nick Frost, Toby Jones, Eddie Marsan, Brian Gleeson, Johnny Harris, Sam Spruell

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Snow White and the Huntsman“

Rotten Tomatoes über „Snow White and the Huntsman“

Wikipedia über „Snow White and the Huntsman“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Bricht Georg Trakl das „Tabu“?

Mai 31, 2012

Inzest ist immer noch ein Tabu und auch in Deutschland verboten. Das macht die Geschwisterliebe in einem Film zu einem ungleich größerem dramatischem Treibmittel als eine normale Liebesgeschichte über eine zwischen zwei Männern stehende Frau.

Wenn dann der Inzest in der Vergangenheit spielt, als man sogar bis nach der Hochzeit auf den Geschlechtsverkehr verzichtete (jedenfalls mit der Künftigen), wird es noch dramatischer.

Und wenn dann die Liebesgeschichte an die Egos von Künstlern, die ja für ihren laxen Umgang mit bürgerlichen Konventionen bekannt sind, gekoppelt wird und diese auf dem Leben von verstorbenen Künstlern beruht, dann ist es noch interessanter. Immerhin verspricht ein solches Biopic auch einen Blick durch das Schlüsselloch.

In „Tabu“, dem neuesten Kinofilm des „Tatort“- und „Bloch“-Regisseur Christoph Stark, geht es um die Beziehung des expressionistischen Dichters Georg Trakl (1887 – 1914) zu seiner jüngeren Schwester Grete (1891 – 1917), die, am Filmanfang, am Beginn einer Karriere als Pianistin steht. Dass beide sich sehr nahe standen und Trakl sie in seinen Gedichten öfters erwähnte, ist historisch verbürgt. Aber ob sie auch Sex miteinander hatten, ist umstritten, aber eher unwahrscheinlich. In dem Film wird die Frage mit einem eindeutigen „Ja“ beantwortet, mit viel nackter Haut im Stil eines Softpornos auch gezeigt und am Ende mit einer Schwangerschaft belohnt.

Das Problem des Films ist allerdings nicht die nackte Haut oder der exzessive Drogenkonsum der Protagonisten. Georg Trakl nimmt nicht nur verschiedene Drogen, sondern besorgt auch für seine Mutter Laudanum. Es ist auch nicht der laxe Umgang mit der Historie. Schließlich nehmen Spielfilme sich oft mehr oder weniger große Freiheiten von der historischen Wahrheit, die den meisten Zuschauern nicht auffallen und sie, solange die Geschichte gut ist, auch nicht stören.

„Tabu“ krankt an Christoph Starks Entscheidung, den Film absolut zeitgenössisch mit wackelnder Handkamera zu drehen. Da erinnert nichts an die formale Strenge von David Cronenbergs ebenfalls vor dem 1. Weltkrieg spielendem, ungleich gelungerem Drama „Eine dunkle Begierde“, das auch als veritable Geschichtsstunde genossen werden kann.

Auch das Spiel der Schauspieler in „Tabu“ deutet eher auf einen in der Gegenwart spielenden Film hin. Und das ist er unter den historischen Kostümen dann auch: ein typisch deutscher, teils unnötig elliptisch erzählter Problemfilm mit beziehungs- und bindungsunfähigen Charakteren, die nicht über ihre Gefühle reden können und die einen höchstens als Fallstudie einer vollkommen verkorksten Familie interessieren.

Tabu – Es ist die Seele…ein Fremdes auf Erden (Österreich/Deutschland 2011)

Regie: Christoph Stark

Drehbuch: Ursula Mauder

mit Lars Eidinger, Peri Baumeister, Rainer Bock, Rafael Stachowiak, Petra Morzé, Jules Werner

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Tabu“

Wikipedia über Georg Trakl


Neu im Kino/FIlmkritik: Jason Statham geht auf Nummer „Safe“

Mai 31, 2012

Jason Stathams neues Action-Vehikel „Safe“ ist nicht wirklich schlecht. Immerhin schrieb Boaz Yakin das Drehbuch und führte auch Regie. Yakin ist auch verantwortlich für „Fresh“, „The Punisher“, „Rookie – Der Anfänger“ (okay, keine von Clint Eastwoods Sternstunden), „Gegen jede Regel“ und „Prince of Persia: Der Sand der Zeit“ und er war auch im Gespräch für den neuen „Batman“-Film, der jetzt von Christopher Nolan gedreht wurde. Da kann solide Genrekost erwartet werden.

„Safe“ ist aber auch nicht wirklich gut. Denn gerade weil er ein viel besserer Film hätte werden können, enttäuscht „Safe“ als solide, unter ihren Möglichkeiten bleibende Actionkost mit Seventies-Touch dann auch.

Statham spielt den Ex-Cop Luke Wright, der als Obdachloser durch New York irrt. Als er eine kleine Chinesin (Catherine Chan) sieht, die von Gangstern verfolgt wird, besinnt er sich auf seine alten Reflexe. Er rettet das Kind und die atemlose Jagd durch Manhattan beginnt. Denn die zwölfjährige Mei wird von russischen und chinesischen Gangsterbanden und der Polizei verfolgt. Sie hat als Mathematik-Genie die gesamten US-Geschäfte des Triaden-Bosses Han Jiao (James Hong) und einen unglaublich komplizierten Safe-Code, den sie sich für Han Jiao merken sollte, in ihrem Gedächtnis gespeichert.

Das erinnert jetzt etwas an den mauen Bruce-Willis-Actioner „Das Mercury-Puzzle“ (in dem Film beschützte Willis als Cop einen autistischen Jungen, der einen supergeheimen Geheimdienst-Code geknackt hat), aber in Yakins Film ist die zu beschützende Mei, bis auf ihre Mathe-Begabung, ein ganz normales Mädchen und die Gegner und ihre Motive sind zahlreicher und auch, immerhin geht es um einen mit 30 Millionen Dollar gefüllten Safe, glaubwürdiger. Auch dass die Polizei als korrupte Vereinigung, die prächtig mit beiden Gangsterbanden zusammenarbeitet, porträtiert wird, fügt sich schön in den düsteren Kosmos des Films, der die Gesellschaft bis in die höchsten Ränge der Stadtpolitik als vom Verbrechen durchzogen porträtiert.

Aber bis zur ersten Begegnung von Luke Wright und Mei vergeht zu viel Zeit, in der Yakin reichlich umständlich und mit vielen Zeitwechseln die wichtigsten Charaktere einführt. Das hätte man schneller machen können. Aber so bleibt immerhin genug Zeit, sich im Old-School-Feeling der Siebziger-Jahre-Actionfilme zu suhlen. Mit „The Bank Job“ hat Statham ja bereits einen Ausflug in die Siebziger gemacht. Mit „The Mechanist“ gab es dann das mit etwas Action aufgepäppelte Remake des gleichnamigen Charles-Bronson-Thrillers.

In „Safe“ wird allerdings, nachdem Wright Mei begegnet, ein „Transporter“- und „Crank“-verdächtiges Actionfeuerwerk, in dem Statham dann zum unkaputtbaren Jojo-Männchen verkommt, abgebrannt. Das ist dann das, was man von einem Statham-Film erwartet, aber es ist auch nicht mehr.

Und so enttäuscht „Safe“ letztendlich, weil Yakin zu sehr auf Nummer Sicher geht. Mit etwas mehr Wagemut hätte nicht nur solide Genrekost, sondern ein wirklich interessanter Thriller mit einem angenehmen Retro-Touch entstehen können.

Safe – Todsicher (Safe, USA 2012)

Regie: Boaz Yakin

Drehbuch: Boaz Yakin

mit Jason Statham, Catherine Chan, Robert John Burke, Reggie Lee, Anson Mount, James Hong, Chris Sarandon

Länge: 95 Minuten

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Safe – Todsicher“

Rotten Tomatoes über „Safe – Todsicher“

Wikipedia über „Safe – Todsicher“

 

 


TV-Tipp für den 31. Mai: Tatort: Es wird Trauer sein und Schmerz

Mai 31, 2012

WDR, 20.15

Tatort: …es wird Trauer sein und Schmerz (D 2009, R.: Friedemann Fromm)

Drehbuch: Astrid Paprotta

Kommissarin Lindholm jagt einen Heckenschützen, der anscheinend wahllos Menschen tötet und anschließend den Angehörigen einen Brief schickt.

Dass Astrid Paprotta das Drehbuch schrieb, verspricht einen ungewöhnlichen “Tatort”. Dummerweise werden wir auch mit einer Portion Familienglück (die Kommissarin ist mit Sohn und Mitbewohner im Urlaub) bedient und die Lindholm-Tatorte rangieren bei mir unter “muss nicht sein”.

“Mich hat die Geschichte hinter der Krimi-Geschichte gereizt. Während es auf der ersten Ebene um die Jagd auf einen Mörder geht, geht es auf der Meta-Ebene, der zweiten Ebene der Geschichte, um die Bedeutung des Schauens und Beobachtens in unserer heutigen Mediengesellschaft. So wird ein Unglück heute erst dann als richtig real empfunden, wenn Bilder davon existieren und herumgeschickt werden.” (Astrid Paprotta im Presseheft zum “Tatort”)

mit Maria Furtwängler, Ingo Naujoks, Torsten Michaelis, Anne Ratte-Polle

Hinweise

Homepage von Astrid Paprotta

Tatort-Fundus über „…es wird Trauer sein und Schmerz“


TV-Tipp für den 30. Mai: Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada

Mai 30, 2012

Arte, 20.15

Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada (USA/F 2005, R.: Tommy Lee Jones)

Drehbuch: Guillermo Arriaga

Ein junger Grenzpolizist erschießt irrtümlich den Rancharbeiter Melquiades Estrada. Sein bester Freund, der Vorarbeiter Pete Perkins, will Estradas letzten Wunsch, eine Beerdigung in seiner Heimat Mexiko, erfüllen. Weil die Polizei sich nicht für den Tod eines Illegalen interessiert und Perkins altmodische Vorstellung von Moral und Ehre hat, entführt er den Todesschützen und begibt sich mit ihm und der Leiche auf den Weg zu Estradas Heimatdorf.

Toller noirischer Neo-Western, der leider nie richtig in unseren Kinos lief. In Cannes erhielten Tommy Lee Jones und Guillermo Arriaga die Preise für beste Regie und bestes Drehbuch. Außerdem erhielt „Die drei Begräbnisse des Melquides Estrada“ den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Kinofilm.

Der Film ist Tommy Lee Jones’ bislang einziger Kinofilm.

mit Tommy Lee Jones, Barry Pepper, Julio César Cedillo, Dwight Yoakam, January Jones, Melissa Leo, Levon Helm, Guillermo Arriaga

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Wikipedia über „Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada“

Unionsverlag über Guillermo Arriaga


DVD-Kritik: Sean Connery in John Boormans Science-Fiction-Dystopie „Zardoz“

Mai 29, 2012

Nachdem Sean Connery für eine damals unglaublich hohe Summe, die er sofort an den Scottish International Educational Trust spendete, 1971 in „Diamantenfieber“ wieder James Bond spielte, versuchte er einen Imagewandel. Schon in den sechziger Jahren hatte er versucht, sich neben den James-Bond-Filmen als Charakterdarsteller zu profilieren. Aber damals wollte man ihn nur als Geheimagenten sehen.

Jetzt sollte es anders werden und John Boorman schien, neben Sidney Lumet, mit dem Connery mehrmals zusammen arbeitete, der ideale Regisseur zu sein. Boorman hatte sich mit „Point Blank“, „Die Hölle sind wir“ und, zuletzt, „Beim Sterben ist jeder der erste“ einen exzellenten Ruf erarbeitet. „Zardoz“ war sein neuestes Projekt: eine Science-Fiction-Dystopie, die locker auf der Geschichte des Zauberers von Oz (Wizardof Oz – Zardoz) basiert.

In der Zukunft ist die Welt geteilt in das perfekte Utopia Vortex, in dem Unsterbliche leben, und den verarmten Außenländern, in denen Sklaven für die Nahrung der Unsterblichen sorgen und von dem über ihnen schwebendem Gott Zardoz beherrscht werden. Eines Tages gelingt es Zed (Sean Connery) von den Außenländern in das Reich der Unsterblichen einzudringen. Er wird als Kuriosität bewundert, erforscht und löst einige Prozesse unter den Unsterblichen, deren Welt gar nicht so perfekt ist, aus. Denn letztendlich sehnen sich die Unsterblichen nach der Sterblichkeit.

„Zardoz“ ist kein perfekter Film und es ist auch schade, dass Sean Connery gerade in einem der schwächeren Filme von John Boorman (sein nächster Film, „Exorzist II – Der Ketzer“ dürfte dagegen sein schlechtester Film sein) die Hauptrolle spielte. Aber er ist definitiv einen Blick wert. Allein schon wegen Sean Connerys Kostüm.

Auch als Zeitdokument ist „Zardoz“ immer noch faszinierend und, nach „Matrix“, „Minority Report“ und „Inception“ sind war auch daran gewöhnt, dass bildgewaltige Science-Fiction-Filme auch Hirnfutter liefern können.

Denn damals war „Zardoz“ als intellektueller Science-Fiction-Film ein Unikat. Es ist ein nicht immer überzeugender, aber zum Nachdenken inspirierender, bildgewaltiger Mischmasch aus philosophischen Gedanken und literarischen Anspielungen, garniert mit einer Siebziger-Jahre-Filmästhetik und einigen technischen Spielereien, die man eher in aktuellen Filmen erwarten würde. Sowieso beeindrucken die Special Effects, die alle ohne die Hilfe von Computern erledigt wurden. Denn John Boorman und sein Team mussten vor vierzig Jahren alle Tricks von Hand machen.

„‚Zardoz‘ gehört sicher zu den verrücktesten Filmen in Connerys bunter Karriere, prätentiös, exotisch, voll futuristisch-visueller Fantasie. (…) Die Kritik hatte Probleme mit dem schwer zugänglichem Film, der mit ungewöhnlichen Stilmitteln experimentierte: Spiegelungen, schrillen Farben und schrägen Projektionen. (…) Unter den Liebhabern des Genres avancierte ‚Zardoz‘ inzwischen zum Kultfilm.“ (Adolf Heinzlmeier: Sean Connery, 2001)

In seinem durchwachsenen Audiokommentar erzählt John Boorman, wie sie einige der Tricks machten und von den Schwierigkeiten beim Dreh, der in Irland in den Wicklow Mountains in der Nähe seines Hauses stattfand. Das geringe Budget machten sie dabei durch Einfallsreichtum und den Enthusiasmus der Schauspieler wett.

Das Problem bei dem Audiokommentar ist, dass John Boorman viel zu oft und zu lange schweigt. Mit einem Gesprächspartner, der ihn mit den richtigen Fragen zum Reden animiert hätte, wäre der Audiokommentar sicher deutlich besser geworden.

Die Bildergalerie lohnt sich. Die Teaser und Trailer sind, nun, Teaser und Trailer.

Zardoz (Zardoz, USA 1973)

Regie: John Boorman

Buch: John Boorman

mit Sean Connery, Charlotte Rampling, Sara Kestelman, John Alderton, Sally Ann Newton, Niall Buggy

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DVD

Koch Media

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0/5.0)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch

Bonusmaterial: Zwei deutsche und ein englischer Kinotrailer, Radiospots, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Audiokommentar von John Boorman, Wendecover

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Wikipedia über „Zardoz“ (deutsch, englisch)

John Boorman in der Kriminalakte

Sean Connery in der Kriminalakte

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Gelungener Spaß mit „Zardoz“


TV-Tipp für den 29. Mai: Der stille Amerikaner

Mai 29, 2012

BR, 00.10

Der stille Amerikaner (USA 2002, R.: Phillip Noyce)

Drehbuch: Christopher Hampton, Robert Schenkkan

LV: Graham Greene: The quiet American, 1955 (Der stille Amerikaner)

Saigon, 1952: Der britische Reporter Thomas Fowler führt, zwischen gelegentlichen Reportagen, Opium rauchen und Sex, ein ruhiges Leben. Der stille, idealistische Amerikaner Alden Pyle will dagegen etwas bewegen. Schnell sind beide in politische Intrigen verwickelt, die sie nicht überblicken.

„Der stille Amerikaner“ ist eine gelungene Greene-Verfilmung und ein im besten Sinn angenehm altmodischer Film, der zwar 1952 spielt, aber auch die heutige Außenpolitik der Ersten Welt präzise beschreibt.

Mit Michael Caine, Brendan Fraser, Do Thi Hai Yen, Rade Sherbedgia

Hinweise

Wikipedia über Graham Greene (deutsch, englisch)

Kirjasto über Graham Greene

Greeneland – The World of Graham Greene (Fanseite)

Meine Besprechung von Graham Greenes „Am Abgrund des Lebens“ (Brighton Rock, 1938) und den englischen Verfilmungen von 1947 und 2010


TV-Tipp für den 28. Mai: Schwarzweiß hat viele Farben

Mai 28, 2012

Arte-Thementag: Schwarzweiß hat viele Farben

Ab 10.40 Uhr bis 03.15 Uhr zeigt Arte nur Schwarzweiß-Filme: Spielfilme, Kurzfilme, Dokumentarfilme. Klassiker, Bekanntes und Neues. Unter anderem von Walter Ruttmann (der Stummfilm-Klassiker „Berlin, die Sinfonie der Großstadt“ um 10.50 Uhr), Jim Jarmusch (einige der „Coffee and Cigarettes“-Filme um 16.05 Uhr und 17.40 Uhr), Josef von Sternberg („Marokko“ mit Gary Cooper und Marlene Dietrich um 16.10 Uhr), Joel & Ethan Coen („Der unauffällige Mr. Crane“ um 20.15 Uhr), Bruce Weber (die Chet-Baker-Doku „Let’s get lost“ um 22.05 Uhr) undundund.

Herrje, ich sage nur: Großartig!

Alle weiteren sachdienlichen Informationen hier.


TV-Tipp für den 27. Mai: Bringing out the Dead

Mai 27, 2012

ZDFkultur, 23.00

Bringing out the dead – Nächte der Erinnerung (USA 1999, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Paul Schrader

LV: Joe Connelly: Bringing out the dead, 1998 (Bringing out the dead – Nächte der Erinnerung)

Verfilmung des biographischen Romans von Joe Connelly über einen Notarztwagenfahrer, der in Hell’s Kitchen zu Beginn der neunziger Jahre zunehmend an seiner Arbeit und dem Sinn des Lebens zweifelt. Da werden, nicht nur weil das Team Martin Scorsese/Paul Schrader wieder zusammen ist, Erinnerungen an „Taxi Driver“ wach.

Eine feine, etwas unterschätzte Tour de force

mit Nicolas Cage, Patricia Arquette, John Goodman, Ving Rhames, Tom Sizemore, Marc Anthony, Nestor Serrano

Hinweise

Wikipedia über „Bringing out the dead“ (deutsch, englisch)

Drehbuch “Bringing out the dead” von Paul Schrader

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Meine Besprechung von Martin Scorseses „Hugo Cabret“ (Hugo, USA 2011)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. Mai: James Bond: Man lebt nur zweimal

Mai 26, 2012

SWR, 22.50

JAMES BOND: Man lebt nur zweimal (GB 1967, R.: Lewis Gilbert)

Drehbuch: Roald Dahl

LV: Ian Fleming: You only live twice, 1964 (Man lebt nur zweimal)

Blofeld kapert Raumkapseln. James Bond wird losgeschickt dem schändlichen Treiben ein Ende zu bereiten. In Blofelds Zentrale, einem erloschenen Vulkan, treffen beide aufeinander.

Die erste Begegnung zwischen den Herren Bond und Blofeld (im Film – in den Büchern war die Reihenfolge etwas anders). Der Film ist eine ziemlich ermüdende Materialschlacht mit einem als Japaner verkleideten Bond.

„You only live twice“ ist das vorletzte Bond-Buch von Ian Fleming. Für den Film wurde eine vollkommen neue Story entworfen. Nur der Gegner (Blofeld) und der Ort der Handlung (Japan) sind gleich.

Ein interessanten Blick auf den damaligen Presserummel findet sich in Erich Kocians Buch „Die James Bond Filme“ (Heyne Filmbibliothek, Auflage egal). Kocian berichtete damals aus Japan über die Dreharbeiten unter ständiger Belagerung von Reportern und Fans.

Mit Sean Connery, Karin Dor, Donald Pleasence, Akiko Wakabayashi, Bernard Lee, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn, Charles Gray

Hinweise

Wikipedia über „James Bond: Man lebt nur zweimal“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

James Bond in der Kriminalakte