Blu-ray-Kritik: Der als Horrorfilm getarnte Liebesfilm „Blindlings“

Juni 25, 2012

Wenn zwei junge Menschen in die Einöde fahren und irgendwann ihr Auto liegen bleibt, dann muss man kein Genrejunkie sein, um sich auszurechnen, was passieren wird. Denn in der Einöde gibt es immer mindestens einen Einsiedler, der die Eindringlinge als Beute betrachtet und sie vor der rituellen Verspeisung noch ordentlich quälen will.

Allerdings hat Wolfgang Weigl in seinem Spielfilmdebüt gar keinen Survival-Horrorthriller, sondern einen Liebesfilm gedreht. Das Spiel mit den Thriller-Erwartungen sollte die Zuschauer nur auf eine falsche Fährte locken.

Das ist ihm gelungen.

Allerdings stehen sich in dem optisch beeindruckendem „Blindlings“ der Liebesfilm und der Horrorfilm im Weg. Die Horrorfilm-Elemente sind letztendlich nur falsche Fährten, der Liebesfilm plätschert vor sich hin, weil das frühere Liebespaar Max und Eva meistens getrennt durch den winterlichen Wald stolpert. Immerhin taucht sie, knapp bekleidet, in seinen Fantasien auf und redet mit ihm.

So ist „Blindlings“, das eine Metapher über vereiste Gefühle, Sprachlosigkeit und Irrtümer sein will, eine zähe Liebesgeschichte über das Ende einer Liebe, in der Max, Eva und der Einsiedler sich möglichst bescheuert benehmen. Der Einsiedler huscht durch den Wald und, vor allem nachdem deutlich wird, dass er sie nicht zum Abendessen verspeisen will, ist sein Verhalten nur noch seltsam. Max und Eva stolpern die meiste Zeit getrennt durch den Wald und rufen den Namen des anderen. Warum sie nicht gemeinsam loslaufen, warum sie nicht am Auto aufeinander warten und Hupsignale geben, warum sie stattdessen den Namen des anderen in den Wald rufen, bleibt nebulös. Das Ende des Films funktioniert sogar nur, weil er, gegen jede Vernunft, nichts sagt.

Das Bonusmaterial ist definitiv einen Blick wert und auch der Audiokommentar von Wolfgang Weigl ist sehr informativ.

Blindlings (D 2009)

Regie: Wolfgang Weigl

Drehbuch: Wolfgang Böhm, Florian Puchert, Wolfgang Weigl

mit Mirkus Hahn, Barbara Romaner, Klaus Stiglmeier

–

Blu-ray

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS HD Master Audio 5.1)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Making Of, Deleted Scenes, alternative Artworks, Bilder vom Set, Biografien, Interviews mit Darstellern und Regisseur, Regiekommentar

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

(DVD identisch)

–

Hinweis

Homepage zum Film


DVD-Kritik: Der flotte Franco-Actionfilm „Point Blank – Aus kurzer Distanz“

Juni 25, 2012

Dieser Film hat keine Zeit für Umwege.

Dieser Film ist kurz.

Mit knapp achtzig Minuten (ohne Abspann) ist „Point Blank – Aus kurzer Distanz“ das filmische Äquivalent zu einem Punk-Song. Und vielleicht gibt es, wie bei Fred Cavayés erstem Film „Ohne Schuld“ (Pour elle, Fr 2008), wieder ein Hollywood-Remake, das dann gute vierzig Minuten mehr Zeit zum Erzählen der Geschichte braucht. Denn das „Ohne Schuld“-Remake „72 Stunden – The next three Days“ (USA 2010) über einen Lehrer, der seine unschuldig im Gefängnis sitzende Frau befreit, dauert über 130 Minuten, ohne dem Original irgendetwas wesentliches beizufügen.

Auch in „Point Blank“ muss ein Normalo eine Entscheidung treffen, die sein gesamtes Leben beeinflusst. Wobei; – die Bösewichter für ihn die Entscheidung getroffen haben, nachdem der Krankenpfleger Samuel Pierret (Gilles Lellouche) während der Nachtwache einen Besucher, der den schwerverletzten Hugo Sartet (Roschdy Zem) umbringen wollte, verscheucht.

Als Pierret von der Nachtschicht nach Hause kommt, haben die Verbrecher seine hochschwangere Frau als Geisel genommen. Sie wollen, dass er Sartet aus dem Krankenhaus schmuggelt.

In letzter Sekunde patzt er und die Beiden befinden sich auf der Flucht. Dabei muss Pierret, dessen größtes Verbrechen bisher wahrscheinlich ein Bei-rot-über-die-Ampel-gehen war, feststellen, dass der Einbrecher Sartet von korrupten Polizisten, die über Leichen gehen, gejagt wird. Diese Zögern auch nicht, Pierret im Fernsehen als kaltblütigen Polizistenkiller hinzustellen.

„Point Blank – Aus kurzer Distanz“ beeindruckt mit knackigen, altmodisch-realistischen Actionszenen, überraschenden Wendungen und einer hinterfotzigen Geschichte mit einem ordentlichem Schuss Hitchcock.

Als Bonusmaterial gibt es ein fünfzigminütiges „Making of“, das als Drehbericht einige interessante Einblick in den Film und die Dreharbeiten vermittelt. Aber im Vergleich zum Film ist dieser Blick hinter die Kulissen eindeutig zu lang geraten ist.

Point Blank – Aus kurzer Distanz (À bout portant, Frankreich 2010)

Regie: Fred Cavayé

Drehbuch: Fred Cavayé, Guillaume Lemans

mit Gilles Lellouche, Roschdy Zem, Elena Anaya, Gérard Lanvin, Mireille Perrier, Claire Pérot, Moussa Maaskri, Pierre Benoist, Valérie Dashwood

–

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (DTS, Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Blick hinter die Kulissen, Trailer

Länge: 81 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Französische Homepage zum Film

AlloCiné über „Point Blank“

Rotten Tomatoes über „Point Blank“

Wikipedia über „Point Blank“ (englisch, französisch)


TV-Tipp für den 25. Juni: Liebe ist kälter als der Tod

Juni 25, 2012

Gut, davor gibt es um 20.15 Uhr Rainer Werner Fassbinders „Fontane – Effi Briest“ (D 1974) und danach, um 23.55 Uhr, sein Regiedebüt, den Kurzfilm „Der Stadtstreicher“ (D 1965), aber für Krimifans ist natürlich erster Spielfilm „Liebe ist kälter als der Tod“ (D 1969) viel wichtiger.

Arte, 22.30

Liebe ist kälter als der Tod (D 1969, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder

Zuhälter Franz will nicht für das Syndikat (aka die US-Mafia) arbeiten. Zusammen mit dem Killer Bruno und der Hure Joanna plant er einen Bankraub. Aber zwei von den dreien spielen falsch.

Ein Gangsterdrama, das ein anderes Bild vom Verbrechen zeichnet als die Edgar-Wallace- und Stahlnetz-Filme und deutlich seine Vorbilder zitiert.

„Aus all diesen Versatzstücken und Zitaten wurde indes ein persönlicher Film, der sich auch von vergleichbaren Arbeiten anderer junger Regisseure der Zeit unterscheidet, von Lemkes ’48 Stunden bis Acapulco‘ und Thomes ‚Detektive‘: er ist schäbiger, trostloser und noch hollywoodferner als diese beiden anderen Münchner Kriminalfilme.“ (Wilhelm Roth, in Rainer Werner Fassbinder, Reihe Film 2, Carl Hanser Verlag, 1985)

mit Ulli Lommel, Hanna Schygulla, Rainer Werner Fassbinder, Hans Hirschmüller, Ingrid Caven, Irm Hermann, Yaak Karsunke (als Kommissar)

Hinweise

Arte über die Fassbinder-Reihe

Rainer-Werner-Fassbinder-Foundation

Wikipedia über Rainer Werner Fassbinder (deutsch, englisch)

Rainer Werner Fassbinder in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. Juni: Pandorum

Juni 24, 2012

Pro7, 22.00 Uhr

Pandorum (USA/D 2009, R.: Christian Alvart)

Drehbuch: Travis Milloy

Die Astronauten Bower (Ben Foster) und Payton (Dennis Quaid) erwachen auf dem Raumschiff „Elysium“ ziemlich unsanft aus dem Kälteschlaf. Schnell bemerken sie, dass das Raumschiff sich in einem desaströsem Zustand befindet und sie nicht allein an Bord sind.

Optisch beeindruckendes, durchaus kurzweiliges Science-Fiction-B-Picture, bei dem die Story letztendlich eher abstrus als logisch ist. Aber Alvart hatte damals weitere Teile geplant.

Alvart drehte vorher den Thriller „Antikörper“.

mit Dennis Quaid, Ben Foster, Antje Traue, Cam Gigandet, Cung Le, Wotan Wilke Möhring

Wiederholung: Montag, 25. Juni, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Pandorum“

Rotten Tomatoes über „Pandorum“

Wikipedia über „Pandorum“ (deutsch, englisch)

28dayslateranalysis interviewt Drehbuchautor Travis Milloy (3. September 2009)

Meine Besprechung von Marko Kregels „Hollywood – Traum und Wirklichkeit: Deutsche Regisseure im Studiosystem“ (2012) mit einem Interview mit Christian Alvart (das mich dann wirklich neugierig auf „Pandorum“ machte)

 


TV-Tipp für den 23. Juni: Misery

Juni 23, 2012

BR, 22.30

Misery (USA 1990, R.: Rob Reiner)

Drehbuch: William Goldman

LV: Stephen King: Misery, 1987 (Sie)

Des Schriftstellers Alptraum (hilflos ans Bett gefesselt in den Händen eines fanatischen Fans), des Zuschauers Vergnügen. Eine der besten Verfilmungen des Grandmasters der Mystery Writers of America.

Kathy Bates erhielt für ihre furchterregende Darstellung der helfenden Krankenschwester den Oscar, den Chicago Film Critics Association Awards und den Golden Globe als beste Schauspielerin.

Mit James Caan, Kathy Bates, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen

Hinweise

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Meine Besprechung der auf Stephen Kings Novelle „The Colorado Kid“ basierenden TV-Serie „Haven“

Stephen King in der Kriminalakte und in seinem Trailer-Park


Blu-Ray/DVD-Kritik: John Carpenters Klassiker „Assault – Anschlag bei Nacht“

Juni 22, 2012

In seinem Audiokommentar betont John Carpenter immer wieder, dass „Assault – Anschlag bei Nacht“ aus heutiger Sicht zu langsam erzählt sei und es ist beim Wiedersehen mit diesem Klassiker auch auffällig, wie viel Zeit er sich für das Set-Up nimmt. Immerhin dauert es eine halbe Stunde, bis es zu dem legendären Mord am Eiscremewagen kommt und erst nach vierzig Filmminuten beginnt die Belagerung des Polizeireviers von sich im Dunkeln versteckenden und aus dem Hinterhalt schießenden Straßengangmitgliedern.

Carpenters filmisches Vorbild für diese Belagerung, und daraus machte er nie einen Hehl und auch in seinem Audiokommentar betont er es mehrmals, ist Howard Hawks Western „Rio Bravo“, den er in die Gegenwart und nach Los Angeles verlegte, wo er lange nach Orten suchte, die bedrohlich genug für seinen Film aussahen.

Dabei ist diese erste Hälfte nicht langweilig. In ihr werden die einzelnen Charaktere (die sich aus verschiedenen Ethnien zusammensetzenden Gangmitglieder, der afroamerikanische Revierchef für eine Nacht, die junge Sekretärin des Reviers, der psychopathische Häftling, das kleine Mädchen, das am Eiscremewagen kaltblütig erschossen wird und ihr rachedurstiger Vater, der vor den Verbrechern in das Polizeirevier flüchtet) und das eigentlich schon geschlossene und deshalb nicht mehr arbeitsfähige Polizeirevier (das deshalb auch in der Großstadt von der Welt so abgeschnitten ist wie Rio Bravo) vorgestellt. Hier, in seinem ersten echten Spielfilm (immerhin drehte er sein Regiedebüt „Dark Star“ über mehrere Jahre; in „Assault“ hatte er dagegen ein Low-Budget-Budget, einen straffen Drehplan und richtige Schauspieler), zeigt er sich schon als ein Meister der Suspense.

Denn vom ersten Bild an liegt die bedrohliche Stimmung von nahendem Unglück, wie ein herannahendes Gewitter an einem schwülen Sommertag, über dem Film. Dass am Anfang von „Assault“ Polizisten in einen Hinterhalt Mitglieder einer Straßengang kaltblütig erschießen, hilft beim Kreieren dieser Stimmung. Und natürlich der von John Carpenter eingespielte, hypnotische Soundtrack. Als John T. Chance (so hießt John Wayne in „Rio Bravo“) übernahm Carpenter auch den Schnitt.

Das Breitwandbild verschafft dem Film auch optisch eine Western-Atmosphäre. Die Charaktere sind typische Western-Charaktere, die letztendlich ihrem Moralkodex folgen: der Polizist, der ohne zu klagen die Station verteidigt und schon vom ersten Bild an larger than life ist; der Verbrecher, der sich nichts gefallen lässt und dann doch, natürlich auch getrieben vom Überlebenswillen, ohne zu zögern sein Leben für die anderen Geisel einsetzt; die Frau, die auch mit der Waffe umgehen kann und keinen Beschützer braucht.

Und die Gewaltausbrüche sind plötzlich, heftig und auch mit einer Portion Zynismus inszeniert.

Nach „Assault“ inszenierte John Carpenter den unterschätzten und ziemlich unbekannten TV-Thriller „Das unsichtbare Auge“, die Horrorfilmklassiker „Halloween – Die Nacht des Grauens“ (der weitere Nächte, von anderen Regisseuren inszeniert, folgten), „The Fog – Nebel des Grauens“ und die SF-Klassiker „Die Klapperschlange“ und „Das Ding aus einer anderen Welt“, das zunächst an der Kinokasse floppte und inzwischen kultig verehrt wird. In Deutschland war der Film bis August 2009 indiziert.

Mit der Stephen-King-Verfilmung „Christine“, der herzigen „E. T.“-Variante für Erwachsene „Starman“ und der durchgeknallten Action-Comedy „Big Trouble in Little China“ (die inzwischen im allgemein Ansehen gestiegen ist) setzte er seine Serie von bemerkenswerten Filmen fort. Seine späteren Filme „Die Fürsten der Dunkelheit“, „Sie leben!“, „Jagd auf einen Unsichtbaren“, „Die Mächte des Wahnsinns“, „Das Dorf der Verdammten“, sein grottiges „Die Klapperschlange“-Remake „Flucht aus L. A.“, sein indizierter Vampirwestern „Vampire“ (der mir gefiel), sein lärmiger Zombies-auf-dem-Mars-Western „Ghosts of Mars“ und, zuletzt, „The Ward“ konnten dann, trotz interessanter Aspekte, nicht mehr an die Erfolge seines Frühwerks anknüpfen.

„Assault“ war bis zum 31. März 2005 in Deutschland indiziert. Jetzt ist er ab 16 Jahre freigegeben und, auch wenn weniger Blut fließt als in einem neuen Actionfilm, verfehlt er nicht seine Wirkung als spannender, harter Thriller mit zahlreichen filmischen Referenzen. Neben „Rio Bravo“ sind die deutlichsten Referenzen an George A. Romeros Zombie-Klassiker „Die Nacht der lebenden Toten“, in dem Zombies ein abgelegenes Haus über eine Nacht belagern und ein Afroamerikaner der Held ist.

Die Qualitäten des Thrillers wurden, wie auch Carpenter in seinem informativen und selbstkritischen Audiokommentar und dem auf der Blu-ray und DVD enthaltenem Publikumsgespräch sagt, in Europa von den Filmkritikern sofort erkannt. In den USA waren die Kritiken solala und auch an der Kinokasse lief der Film solala. Heute ist er ein Klassiker, der in keiner Liste der besten Actionfilme der siebziger Jahre fehlt und auch in vielen Listen der besten Actionfilme aller Zeiten vertreten ist.

Ein Wiedersehen mit dem Film zeigt auch warum: „Assault – Anschlag bei Nacht“ ist ein ökonomisch erzählter, harter, zynisch-illusionsloser Thriller, der intelligent und überraschend bekannte Western-Muster in die Gegenwart transferiert.

 

Die Limited Collector’s Edition von Capelight

 

Wow! Das beginnt schon mit dem schicken Retro-Cover (Tausendmal besser als das alte, doch ziemlich billig aussehende Cover) und der Verpackung. Drin sind neben einem Booklet der Film auf Blu-Ray (fantastisches Bild!) und DVD und eine weitere DVD mit der gut einstündigen Dokumentation „Do you remember Laurie Zimmer?“, in der Charlotte Szlovak vor zehn Jahren die Hauptdarstellerin von „Assault“ suchte. Denn kurz nach dem Film verschwand Laurie Zimmer aus Hollywood. Szlovak, die damals mit Laurie Zimmer einige Aufnahmen für ein Filmprojekt machte, fragte sich, was mit ihr geschah.

Assault – Anschlag bei Nacht (Assault on Precinct 13, USA 1976)

Regie: John Carpenter

Drehbuch: John Carpenter

mit Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Martin West, Tony Burton, Charles Cyphers, Nancy Loomis, Peter Bruni

auch bekannt als „Das Ende“ und „Anschlag bei Nacht“

–

Blu-Ray/DVD (Limited Collector’s Edition)

Capelight

Bild: 2,35:1 (16:9 anamorph) (DVD), 2,35:1 (1080p/24) (Blu-Ray)

Ton: DD 2.0 (mono, remastered), Deutsch und Englisch & DD 5.1 Deutsch und Englisch (DVD), DTS-HD Master Audio 2.0 (mono, remastered) Deutsch und Englisch & DTS-HD Master Audio 5.1 Deutsch und Englisch (Blu-Ray)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Audiokommentar von John Carpenter (deutsch untertitelt), Interview mit John Carpenter und Austin Stoker, Original Kinotrailer, 2 Radio-Spots, Dokumentation „Do You Remember Laurie Zimmer?“ (deutsch untertitelt), Booklet

Länge: 91 min (DVD) / 95 min (Blu-Ray)

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

John Carpenter auf seiner Homepage über „Assault – Anschlag bei Nacht“

Rotten Tomatoes über „Assault – Anschlag bei Nacht“

Wikipedia über „Assault – Anschlag bei Nacht“ (deutsch, englisch)

Evolver: Thomas Fröhlich gratuliert John Carpenter zum Geburtstag (11. Februar 2008)


TV-Tipp für den 22. Juni: Matrix

Juni 21, 2012

Pro7, 20.15

Matrix (USA 1998, R.: Andy Wachowski, Larry Wachowski)

Drehbuch: Andy Wachowski, Larry Wachowski

Hacker Neo ist der nette Nerd von nebenan, bis er erfährt, dass die Wirklichkeit nicht die Wirklichkeit ist und dass er der Erlöser ist.

Kommerziell unglaublich erfolgreicher, Hugo- und Nebula-nominierter Science-Fiction-Klassiker, in dem es erstmals gelang, die Ideen der Cyberpunk überzeugend in einen Realfilm zu transportieren. Die beiden Fortsetzungen „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ sind dagegen ein Fall für die filmische Mülltonne und auch bei der „Matrix“ kann man sich an einigen groben Logikfehlern und Widersprüchen stoßen. Z. B.: Warum sollten die Maschinen uns Menschen mit einer Computersimulation betäuben? Warum sollten wir Menschen aus der Computersimulation ausbrechen wollen? Vor allem, wenn die Erde ungefähr so bewohnbar wie die dunkle Seite des Mondes ist.

Danach, um 22.45 Uhr, läuft „Matrix Revolutions“.

mit Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie Anne Moss, Hugo Weaving, Gloria Foster, Joe Pantoliano

Wiederholung: Samstag, 23. Juni, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Matrix“ (deutsch, englisch)

Drehbuch “The Matrix” von Andy Wachowski und Larry Wachowski

Meine Besprechung des Keanu-Reeves-Film „Henry & Julie“

 


Neu im Kino/Filmkritik: Ein gruseliger Ausflug ohne Rückfahrt: „Chernobyl Diaries“

Juni 21, 2012

Wenn einige junge Amerikaner eine Rucksacktour durch Europa machen, besuchen sie die üblichen Touristenattraktionen.

Wenn die jungen Amerikaner nach Osteuropa gehen, weichen sie immer noch nicht von ihrem geplanten Touristenprogramm ab.

Aber selbstverständlich lassen sie sich einen Ausflug nach Tschernobyl nicht entgehen. Genaugenommen Pripyat, das einen Steinwurf weit weg von den zerstörten Reaktoren ist. Und zu Hause können sie dann mit einem besonderen „Mein Besuch in der Todeszone“-Erlebnis protzen.

Wenn diese Rucksacktouristen die Protagonisten eines Films sind, dann ist dieser Ausflug keine lauschige Landpartei mit, wenn der Geigerzähler etwas ausschlägt, mildem Gänsehautfaktor.

Nein. Dann ist Tschernobyl keine vor einem viertel Jahrhundert verlassene, menschenleere Gegend, sondern irgendwelche mutierten Tiere und andere Wesen sind immer noch da und die Überlebensaussichten der Touristen tendieren gegen Null.

Das haben wir schon oft gesehen und „Chernobyl Diaries“ hält sich auch brav an die Genrekonventionen. Aber trotzdem ist der von Regiedebütant Brad Parker, nach einer Geschichte von Oren Peli (der auch diesen Film und „Paranormal Activity“ produzierte), Carey van Dyke und Shane van Dyke, inszenierte Film einen Blick wert. Denn sie erzählen die Geschichte fast schon altmodisch gemütlich. Sie lassen sich, bis zum ersten Angriff, viel Zeit. Vieles bleibt im Dunklen – und damit der Fantasie des Zuschauers überlassen, der im Zweifelsfall viel schlimmere Bilder imaginiert, als die Macher zeigen können. Sowieso konzentriert Parker sich mehr auf das Schaffen von Suspensemomenten als auf Schocks und Blut. Die Schauspieler und die improvisierten Dialoge sind okay. Oscar-verdächtige Leistungen erwartet in so einem Film sowieso niemand.

Das größte Plus des in Belgrad und der Umgebung von Budapest gedrehten Film (immerhin ist bei diesem Film verständlich, warum nicht vor Ort gedreht wurde) sind die Locations: die herbstliche Landschaft (gedreht wurde im November) und die verlassene Trabantenstadt, die von den Jugendlichen erkundet wird. Diese Bilder einer von Menschen verlassenen und jetzt verfallenden Stadt beklemmen – und sind der Grund, den 08/15-Horrorfilm anzusehen.

Ach ja, und wer Pripyat besuchen will, kann das ganz legal tun. Denn es gibt inzwischen Touren in das verseuchte Gebiet.

Chernobyl Diaries (Chernobyl Diaries, USA 2012)

Regie: Brad Parker

Drehbuch: Oren Peli, Carey van Dyke, Shane van Dyke (nach einer Geschichte von Oren Peli)

mit Devin Kelley, Jonathan Sadowski, Ingrid Bolsø Berdal, Olivia Taylor Dudley, Jesse McCartney, Nathan Phillips, Dimitri Diatchenko

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Chernobyl Diaries“

Rotten Tomatoes über „Chernobyl Diaries“

Wikipedia über „Chernobyl Diaries“ (deutsch, englisch)

–

Bonusmaterial

einige Filmbilder


TV-Tipp für den 21. Juni: Amigo – Bei Ankunft Tod

Juni 21, 2012

ZDFneo, 21.45

Amigo – Bei Ankunft Tod (D/I 2010, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

LV: Lars Becker: Amigo, 1991

Zwei BKA-Ermittler sollen in Neapel einen vor zwanzig Jahren untergetauchten RAFler verhaften. Die Verhaftung geht schief und der RAFler macht sich auf den Weg nach Hamburg. Dort will er den Mann, der ihn an die Polizei verriet, zur Strecke bringen.

Seltsam, seltsam, dass Lars Becker seinen zwanzig Jahre alten Krimi, bei dem das Zeitkolorit sehr wichtig war, erst 2010 verfilmt. Entsprechend aus der Zeit gefallen und anachronistisch wirkt „Amigo“ dann auch über weite Strecken.

mit Tobias Moretti, Jürgen Prochnow, Florian David Fitz, Luca Ward, August Zirner, Ina Weisse, Uwe Ochsenknecht

Hinweise

Arte über “Amigo – Bei Ankunft Tod”

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 20. Juni: Silentium

Juni 20, 2012

3sat, 22.25

Silentium (Österreich 2004, R.: Wolfgang Murnberger)

Drehbuch: Wolfgang Murnberger, Josef Hader, Wolf Haas

LV: Wolf Haas: Silentium!, 1999

Jetzt ist schon wieder etwas passiert. In Salzburg. Der Schwiegersohn des Festivalpräsidenten ist vom Mönchsberg hinuntergepurzelt. Und vielleicht war es Mord. Jedenfalls hat er vor einigen Tagen Unschönes von seiner Schulzeit im Knabenkonvikt erzählt. Jetzt soll der Brenner die Sache aufklären – und wir haben viel Spaß mit den Ermittlungen des Privatdetektivs und der schonungslosen Abrechnung mit der Salzburger Festival-High-Society und der Kirche.

Erstaunlich, aber nach meinen Unterlagen und einer Internet-Schnellrecherche ist das heute die TV-Premiere von „Silentium“, dem zweiten Brenner-Film der nahtlos und sehr prominent besetzt an die Qualitäten des ersten Brenner-Films „Komm, süßer Tod“ anknüpft.

mit Josef Hader, Simon Schwarz, Joachim Król, Maria Köstlinger, Udo Samel, Jürgen Tarrach, Rosie Alvarez, Georg Friedrich, Anne Bennent, Wolfgang S. Zechmayer, Christoph Schlingensief, Herbert Fux, Wolf Haas

Hinweise

Wikipedia über „Silentium“

Krimi-Couch über Wolf Haas

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Wolf Haas

Planet-Interview redet mit Wolf Haas (2005, zur  Verfilmung von “Silentium”)

Meine Besprechung von Wolf Haas’ “Brenner und der liebe Gott” (2009)


TV-Tipp für den 19. Juni: Komm, süßer Tod

Juni 19, 2012

3Sat, 22.25

Komm, süßer Tod (A 2000, R.: Wolfgang Murnberger)

Drehbuch: Wolfgang Murnberger, Wolf Haas, Josef Hader

LV: Wolf Haas: Komm, süßer Tod, 1998

Ex-Polizist Brenner will bei den „Kreuzrettern“ als Sanitäter nur eine ruhige Kugel schieben. Aber einige mysteriöse Mordfälle verhageln seinen Plan.

„Komm, süßer Tod“ erhielt 1999 den Deutschen Krimipreis und galt als unverfilmbar, bis Josef Hader und Wolfgang Murnberger sich ans Drehbuch setzten und einen Kinohit drehten.

„So viel abgefeimten Wortwitz, makabre Situationskomik und wunderbar verquere Charaktertypen,…, hat man schon lange nicht mehr im Kino erlebt. Fast jede einzelne Szene hat Film-noir-Klasse. Die Krimihandlung ist abstrus, aber clever konstruiert, deren eigenwillige Rasanz ein Lob der Langsamkeit. Wien fährt und läuft Amok, aber immer mit einem guten Schmäh auf den Lippen.“ (Dullinger, AZ, 20. 9. 2001)

2004 (in Deutschland 2005) startete der zweite Brenner-Krimi „Silentium“ im Kino: gleiches Team, gleiche Qualität. Der dritte Brenner-Krimi „Der Knochenmann“, wieder mit dem bewährten Team, folgte 2008.

Morgen zeigt 3Sat um 22.25 Uhr „Silentium“.

Mit Josef Hader, Simon Schwarz, Barbara Rudnik, Nina Proll, Bernd Michael Lade

Hinweise

Krimi-Couch über Wolf Haas

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Wolf Haas

Planet-Interview redet mit Wolf Haas (2005, zur  Verfilmung von “Silentium”)

Meine Besprechung von Wolf Haas‘ „Brenner und der liebe Gott“ (2009)


TV-Tipp für den 18. Juni: Unter Beschuss

Juni 18, 2012

ZDF, 23.15

Unter Beschuss (F 2008, R.: Claude-Michel Rome)

Drehbuch: Claude-Michel Rome, Olivier Dazat

Elite-Cop Drieu wird in ein kleines Revier bei Marseille, das demnächst geschlossen wird und dessen Polizist vollkommen demotiviert sind, versetzt. Aber Drieu akzeptiert die laxe Arbeitshaltung seiner Kollegen nicht. Außerdem entdeckt er Verbindungen zwischen einigen Verbrechen, die auf den ersten Blick nicht miteinander zu tun haben.

Der Quasi-Western „Unter Beschuss“ (DVD-Titel: Crossfire) reiht sich gelungen in die aktuelle Reihe französischer Kriminalfilme ein, die zeitgemäß aufbereitet, die einheimische Kriminalfilmtradition pflegen und sich an Hollywood-Vorbildern bedienen.

Mehr in meiner Besprechung der DVD.

mit Richard Berry, Pascal Elbé, Zabou Breitman, Aïssa Maïga, Bernard Blancan, Guilaine Londez, Moussa Maaskri, Fred Saurel, Aure Atika

Wiederholung: Mittwoch, 20. Juni, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film (dann Recherche nach “Les Insoumis” machen)

Tout le Cine: Interviews mit den Machern

Wikipedia über „Crossfire“

Meine Besprechung von „Crossfire“ (Les Insoumis, F 2008)


TV-Tipp für den 17. Juni: Jesse Stone: Totgeschwiegen

Juni 16, 2012

ZDFneo, 21.30

Jesse Stone – Totgeschwiegen (USA 2006, R.: Robert Harmon)

Drehbuch: J.T. Allen, Tom Selleck, Michael Brandman

LV: Robert B. Parker: Death in Paradise, 2001

Dritter Jesse-Stone-Film nach dem dritten Jesse-Stone-Roman. Dieses Mal muss Kleinstadtcop Jesse Stone den Mord an einer 14-jährigen aufklären. Seine Ermittlungen führen ihn in die besseren Kreise von Boston.

Ein weiterer feiner Polizeifilm.

Mit Tom Selleck, Edward Edwards, Viola Davis, John Diehl, William Devane

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Bitteres Ende“ (The Professional, 2009)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 16. Juni: Freedomland – Das Gesicht der Wahrheit

Juni 16, 2012

Pro 7, 22.00

Freedomland – Das Gesicht der Wahrheit (USA 2006, R.: Joe Roth)

Drehbuch: Richard Price

LV: Richard Price: Freedomland, 1998 (Das Gesicht der Wahrheit)

Brenda Martin sagt, ihr vierjähriger Sohn sei von Schwarzen entführt worden. Eine fieberhafte Suche beginnt. Aber schnell fragt der ermittelnde Polizist Lorenzo Council sich, ob die Mutter die Wahrheit sagt.

Irgendetwas ging da völlig schief. “Freedomland” erlebte, trotz seiner Besetzung und dem Renommee von Price als Roman- und Drehbuchautor (The Wanderers, Clockers, Die Farbe des Geldes, Kiss of death, Kopfgeld, Shaft – und die in den USA erfolgreiche Cop-Serie “The Wire”) seine Deutschlandpremiere als DVD. Die Kritiker und die Zuschauer waren – zu recht – enttäuscht. Stellvertretend:

“Der thematisch wichtige, gut gespielte Film demonstriert, wie aus einem Funken ein Flächenbrand entstehen kann. Dabei bekommt er das Thema des unter der Oberfläche schlummernden Rassismus nur ungenügend in den Griff.” (Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2006)

“For fans of Richard Price’s phenomenal 1998 novel Freedomland, sitting through Joe Roth’s incompetent big-screen translation will feel like you’re watching helplessly as an old friend gets kicked to death by a pack of drooling imbeciles. It’s the kind of literary adaptation that makes you wonder if anyone on the set had even a passing familiarity with the original text. Given that the credited screenwriter turns out to be the novelist himself … well, that’s saying something.” (Sean Burns, Philadelpia Weekly, 22. Februar 2006)

mit Samuel L. Jackson, Julianne Moore, Edie Falco, Ron Eldard, William Forsythe, Philip Bosco

Wiederholung: Sonntag, 17. Juni, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Freedomland“ (deutsch, englisch) und Richard Price (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Freedomland“

–

Bonushinweis

Richard Price spricht über seinen Roman „Lush Life“ (deutscher Titel ist „Cash“) und beantwortet Fragen

 

 


TV-Tipp für den 15. Juni: Der Einsatz

Juni 15, 2012

Pro7, 20.15

Der Einsatz (USA 2003, R.: Roger Donaldson)

Drehbuch: Roger Towne, Kurt Wimmer, Mitch Glazer

Der junge Computerspezialist James Clayton wird vom CIA angeworben. Bereits während seiner Ausbildung soll er einen Maulwurf finden. Ein Test oder Realität?

Hübsch paranoider Agententhriller, bei dem Al Pacino wie auf Autopilot spielt. Naja, Colin Farrell und Bridget Moynahan entschädigen dafür und für die doch etwas formelhafte Geschichte mit ihren ständigen Überraschungen, die irgendwann genau deshalb auch langweilen.

mit Al Pacino, Colin Farrell, Bridget Moynahan, Gabriel Macht, Karl Pruner, Eugene Lipinski

Wiederholung: Samstag, 16. Juni, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der Einsatz“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Der Einsatz“


TV-Tipp für den 14. Juni: Literatur im Foyer

Juni 14, 2012

SWR, 23.45

Literatur im Foyer

Heute unterhält Thea Dorn sich mit Donna Leon, die am 28. September Siebzig wird und den Venedig-Kommissar Guido Brunetti erfunden hat.

Hinweise

SWR über „Literatur im Foyer“

Wikipedia über Donna Leon (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Donna Leon

Diogenes Verlag über Donna Leon


DVD-Kritik: Nicht witzig: „Screwed – Krieg im Knast“

Juni 13, 2012

Der harte britische Knastthriller „Screwed – Krieg im Knast“ basiert auf den Erinnerungen von Ronnie Thompson (ein Pseudonym), der sieben Jahre als Gefängniswärter arbeitete. Das verleiht dem Film im ersten Moment eine große Authentizität und man fragt sich immer wieder, ob es in englischen Gefängnissen wirklich so zu geht – und wie sehr sich das von deutschen Gefängnissen unterscheidet.

Allerdings werden Thompsons sieben Jahre im Film auf eine wesentlich kürzere Phase (ich hatte den Eindruck, dass der Film während einer mehrmonatigen Probezeit spielt) verkürzt und die Parallelgesellschaft des Gefängnisses wirkt dann wie ein Best-of-Knastfilm mit Insassen, die seelenruhig dealen, Wärtern, die schonungslos Gewalt anwenden, – sowieso herrscht hier das Recht das Stärkeren -, unfähigen Vorgesetzten (David Hayman schön fies), Pub- und Sexbar-Abenden der Wärter, die ihr Schlafdefizit mit Drogen ausgleichen und, etwas Story muss ja sein, einem schwunghaftem Drogenhandel, bei dem ein Wärter der Chef der Schmuggler ist. Unser ach so ehrlicher Held will sich nicht anpassen und es geschieht, was geschehen muss.

Dabei ist „Screwed – Krieg im Knast“ kein schlechter Film. Es ist halt nur ein weiterer harter Knastthriller, der trotz aller Übertreibungen und erzählerischen Verdichtungen (anscheinend hat sich der gesamte Abschaum des Universums in dem fiktiven Buch- und Filmknast HMP Romwell versammelt und beschlossen, dem Frischling gleich in den ersten Wochen zu beweisen, dass der wahre Krieg im Gefängnis und nicht im Irak stattfindet), gut und auch kurzweilig unterhält.

Eigentlich war ich sogar positiv überrascht, weil ich eher einen dümmlichen Actionfilm erwartete und ein straff erzähltes Drama sah, das Probleme zeigt, ohne eine Lösung zu haben. Denn auch wenn unser Held Sam am Ende den Job quittiert, wird sich im HMP Romwell nichts ändern. Der Kreislauf der Gewalt in dem geschlossenen System bleibt bestehen.

Screwed – Krieg im Knast (Screwed, GB 2011)

Regie: Reg Traviss

Drehbuch: Colin Butts

LV: Ronnie Thompson: Screwed: The Truth about Life as a Prison Officer, 2008

mit James D’Arcy, Noel Clarke, Frank Harper, Kate Magowan, Jamie Foreman, Doug Allen, Ray Panthaki, Andrew Shim, David Hayman, Joseph Gilgun

DVD

Sunfilm

Bild: 16:9 (1:2,35)

Ton: Deutsch (DTS, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial (angekündigt): Interviews, Trailer

Länge: 106 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

(Blu-ray identisch)

–

Hinweise

Homepage von Ronnie Thompson

Wikipedia über Ronnie Thompsons Buch „Screwed: The Truth about Life as a Prison Officer“

Hey U Guys: Set-Interviews mit Reg Traviss und James D’Arcy (1. Juni 2011)

Matt J. Horn interviewt Reg Traviss (14. Juni 2011)

Lovefilm interviewt Reg Traviss (7. Juni 2011)

 Rotten Tomatoes über „Screwed“


TV-Tipp für den 13. Juni: Der ewige Gärtner

Juni 13, 2012

Kabel 1, 20.15

Der ewige Gärtner (GB/D 2005, R.: Fernando Meirelles)

Drehbuch: Jeffrey Caine

LV: John le Carré: The constant gardener, 2001 (Der ewige Gärtner)

Der in Kenia lebende Diplomat Justin Quayle will herausfinden, wer seine politisch aktive Frau Tessa umbrachte.

Gute le-Carré-Verfilmung, die auch dem Autor gefällt.

Mit Falph Fiennes, Rachel Weisz, Danny Huston, Peter Postlethwaite, Anneke Kim Sarnau

Hinweise

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés “Verräter wie wir” (Our kind of traitor, 2010)

Meine Besprechung der John-le-Carré-Verfilmung „Bube, Dame, König, Spion“ (Tinker, Tailor, Soldier, Spy, Großbritannien/Frankreich/Deutschland 2011)

John le Carré in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. Juni: Solaris

Juni 12, 2012

RTL Nitro, 20.15

Solaris (USA 2002, R.: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Steven Soderbergh

LV: Stanislaw Lem: Solaris, 1961 (Solaris)

Dr. Chris Kelvin soll herausfinden, was auf der abgelegenen Raumstation Prometheus geschah. Die überlebenden Besatzungsmitglieder verhalten sich seltsam und eines Tages wacht Kelvin neben seiner quicklebendigen Frau auf. Dummerweise ist sie seit Jahren tot.

Das US-Remake von Andreij Tarkowskis Science-Fiction-Klassiker „Solaris“, den heute Zwanzigjährige nie gesehen haben. Dreißigjährige mit viel Glück. Denn nach der OFDB (und meinem Gedächtnis) lief der Film zuletzt vor sechs Jahren um Mitternacht auf Arte und die deutschen DVDs sind nicht empfehlenswert (Ton, Bild, Bonusmaterial).

Soderberghs Version ist Science-Fiction für denkende Menschen. Nicht perfekt, aber interessant.

Als Teenager war ich von Lems Roman mächtig begeistert. Tarkowskis Film sah ich erst Jahre später im TV.

mit George Clooney, Natascha McElhone, Jeremy Davies, Viola Davis, Ulrich Tukur

Wiederholung: Mittwoch, 13. Juni, 23.20 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Solaris“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Solaris“

Stanislaw Lem über das Remake

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Contagion“ (Contagion, USA 2011)

Meine Besprechung von Steven Soderberghs „Haywire“ (Haywire, USA 2011)

Steven Soderbergh in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. Juni: Layer Cake

Juni 11, 2012

Kabel 1, 20.15

Layer Cake (GB 2004, R.: Matthew Vaughn)

Drehbuch: J.J. Connolly

LV: J.J. Connolly: Layer Cake, 2000 (Layer Cake: Willkommen im Club)

Ein Drogenhändler der besseren Art will aussteigen. Sein Boss hat vorher noch zwei Aufträge für ihn: er soll eine Junkie-Tochter aufspüren und eine riesige Menge Ecstasy aufkaufen. Das ist beides nicht so einfach.

Allgemein abgefeierter Gangsterthriller, der leider nie in die deutschen Kinos kam. Eine euphorische Stimme: „Aktionsreicher, beinharter Thriller in bester britischer Tradition. Hervorragend gespielt, fotografiert und inszeniert, bis ins kleinste Detail präzise entwickelt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Daniel Craig, Tom Hardy, Jamie Foreman, Sally Hawkins, Burn Gorman, Sienna Miller

Wiederholung: 23.50 Uhr

Hinweise

Homepage zum Film

BBC-Interview mit Matthew Vaughn

Wikipedia über „Layer Cake“ (deutsch, englisch)