TV-Tipp für den 23. Januar: Die Killer/Hammett

Januar 23, 2012

Die „Film Noir“-Reihe von Arte geht weiter

Arte, 20.15
Die Killer (USA 1946, R.: Robert Siodmak)
Drehbuch: Anthony Veiller
LV: Ernest Hemingway: The Killers, 1927 (Kurzgeschichte)
Ex-Boxer Pete, genannt „Der Schwede“ (bzw. Swede) wartet tatenlos in einem schäbigen Zimmer auf zwei Auftragskiller, die ihn umbringen sollen. Nach seinem Tod fragt sich ein Versicherungsdetektiv, warum sich jemand einfach so erschießen lässt. Er beginnt zu recherchieren.
„Eine Figur des Film noir, die noch resignierter ist als sonst bereits üblich: Swede weiß, dass die Vergangenheit ihn einholen wird, wenn nicht heute, dann morgen – wozu also davonlaufen? Der Versicherungsagent Riordan, der (in ausgefuchsten Rückblenden) der Vergangenheit Swedes nachforscht, erhält auch keine befriedigende Antwort, und seine Jagd auf die Killer scheint absurd und purer Selbstzweck.“ (Paul Werner: Film noir, 1985, mehrere erweiterte Neuauflagen)
„Noch heute ist dieser Film (…) der radikalste Anschlag auf den Mythos des Hollywood Helden.“ (Norbert Grob, Die Zeit, 6. Juli 1990)
John Huston, der die erste Drehbuchversion schrieb, übernahm von Ernest Hemingway nur die Grundidee und am Ende entstand ein Noir-Klassiker, der auch einen Edgar erhielt und für vier Oscars nominiert war.
1964 ging Don Siegel mit der Kurzgeschichte ähnlich rabiat um und er erzählte eine ganz andere Geschichte.
mit Edmond O’Brien, Ava Gardner, Albert Dekker, Sam Levene, Burt Lancaster, William Conrad
auch bekannt als „Rächer der Unterwelt“
Wiederholung: Dienstag, 24. Januar, 14.40 Uhr

Hinweise
Wikipedia über „The Killers“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „The Killers“

Noir of the Week: Bill Hare über „The Killers“

Meine Besprechung von Don Siegels Remake „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964)


Arte, 21.55
Hammett (USA 1982, R.: Wim Wenders)
Drehbuch: Ross Thomas, Dennis O´Flaherty, Thomas Pope
LV: Joe Gores: Hammett, 1975 (Dashiell Hammetts letzter Fall, Hammett)
Ex-Privatdetektiv Dashiell Hammett, der inzwischen Pulp-Autor ist, wird von einem alten Freund gebeten um einen Gefallen gebeten – und der Rest ist eine Geschichte, die Dashiell Hammett erfunden haben könnte, wenn es nicht Hammett-Kenner Joe Gores einige Jahrzehnte später gemacht hätte.
Ein feiner Film, einer von Wenders‘ besten Filmen, aber auch sein unpersönlichster Film, der aber gleichzeitig viele seiner bekannten Themen bearbeitet und rückblickend immer besser wird. Denn jetzt muss „Hammett“ nicht mehr mit den damaligen Kinohits konkurrieren.
Mit Frederic Forrest, Peter Boyle, Marilu Henner, Roy Kinnear, Elisha Cook, R. G. Armstrong, Samuel Fuller, Silvia Sydney, Jack Nance, Ross Thomas (einer der Männer im Sitzungszimmer)
Wiederholung: Samstag, 28. Januar, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Hammett“ (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Wim Wenders in der Kriminalakte

Wikipedia über Joe Gores

Thrilling Detective über Joe Gores

Joe Gores: Why I write Mysteries

Meine Besprechung von Joe Gores’ „Hammett“ (Hammett, 1975)

Mein Nachruf auf Joe Gores

Joe Gores in der Kriminalakte (mit viel Stoff zu und über Dashiell Hammett)

Dashiell Hammett in der Kriminalakte
Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Hammett“ (Hammett, USA 1982)


TV-Tipp für den 22. Januar: Der Pate – Teil III

Januar 22, 2012

Arte, 20.15
Der Pate – Teil III (USA 1990, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
1979: Michael Corleone kriegt Ärger mit der katholischen Kirche.
Im Vergleich zu den ersten beiden Paten-Filmen ist der dritte eine langatmige Enttäuschung.
Mit Al Pacino, Diane Keaton, Talia Shire, Andy Garcia, Joe Mantegna, Sofia Coppola, Bridget Fonda, Eli Wallach, George Hamilton, Helmut Berger, John Savage
Wiederholung: Dienstag, 24. Januar, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“/“Apocalypse Now Redux“ (Apocalypse Now, USA 1979)
Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)


TV-Tipp für den 21. Januar: Flashpoint – Das Spezialkommando: Skorpion/Warteliste

Januar 21, 2012

RTL II, 21.55
Flashpoint – Das Spezialkommando: Skorpion/Warteliste (Kanada 2008, R.: Regie: David Frazee
Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern
Tolle kanadische Polizeiserie über eine Sondereinheit, die in Krisensituationen, vor allem Geiselnahmen, gerufen wird und versucht, die Situation zu entschärfen. Dabei erfahren wir auch immer viel über die Gründe der Übeltäter, die dann doch nicht so schuldig sind, wie es auf den ersten Blick aussieht.
In Kanada und den USA ist die Serie sehr erfolgreich. Nur bei uns wird sie vom Publikum sträflich ignoriert. Auf DVD ist gerade die vierte Staffel erschienen und RTL II startet, mit der Wiederholung der ersten Staffel in Doppelfolgen, einen neuen Versuch.
mit Hugh Dillon, Enrico Colantoni, Amy Jo Johnson, David Paetkau, Sergio Di Zio, Michael Cram, Mark Taylor, Ruth Marshall

Hinweise

CTV über die Serie

CBS über die Serie

RTL II über die Serie

Wikipedia über „Flashpoint“ (deutsch, englisch) und die ETF

Polizei von Toronto über die ETF

Running with my eyes closed: Interview mit Stephanie Morgenstern und Mark Ellis (Oktober 2008, Teil 1, Teil 2)

Complications Ensue: Interview mit Stephanie Morgenstern und Mark Ellis (21. Juli 2009)

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 1“

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 2“

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 3“

Uh, und so sieht das Cover der vierten Staffel aus:


TV-Tipp für den 20. Januar: Das Ende – Assault on Precinct 13

Januar 20, 2012

Pro 7, 22.30

Das Ende – Assault on Precinct 13 (USA/F 2005, R.: Jean-François Richet

Drehbuch: James DeMonaco (nach dem Drehbuch von John Carpenter)

Jahreswende in Detroit: In einem abgelegenem Polizeirevier, das demnächst aufgelöst werden soll, muss wegen eines Schneesturms über die Nacht ein berüchtigter Gangster untergebracht werden. Einige korrupte Polizisten, die verhindern wollen, dass der Gangster redet, wollen ihn umbringen. Sie belagern das Revier. Der Revierleiter nimmt den Kampf auf – und muss dabei auch dem Gefangenen vertrauen.

Fetziges Remake von John Carpenters gleichnamigem Film; wobei John Carpenter die Story auch geklaut hat (und nie ein Geheimnis daraus gemacht hat).

mit Ethan Hawke, Laurence Fishburne, Gabriel Byrne, Maria Bello, John Leguizamo, Brian Dennehy, Kim Coates, Hugh Dillon

Wiederholung: Samstag, 21. Januar, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Das Ende – Assault on Precinct 13“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Juan Carlos Fresnadillo, Clive Owen und die „Intruders“

Januar 19, 2012

Spoilerwarnung: Diese Besprechung enthält Spoiler und, weil sich meine Kritik hauptsächlich auf das Ende bezieht, wird das natürlich auch verraten; – wobei: wenn man das Ende kennt, kann man sich vielleicht genauer auf die Konstruktion einlassen, die Zeichen deuten und so einen besseren Film, freilich ohne die große Überraschung am Ende, genießen.
Na, egal, wie auch immer, nach dem Trailer geht’s mit der Besprechung los.

Als der Film zu Ende war, war ich tief enttäuscht. Denn das Ende ruinierte den atmosphärischen Gruselfilm.
Jetzt, mit etwas Abstand und intensiverem Nachdenken über den Film und das Ende, ist „Intruders“ von Juan Carlos Fresnadillo („Intacto“, „28 Weeks Later“) gar nicht so schlecht, aber auch nicht wirklich gut.
In England findet Mia (Ella Purnell) in einem schwer erreichbaren Loch in einem Baum ein Kästchen, in dem alte Aufzeichnungen sind. Sie beginnt sie fasziniert zu lesen und ein Dämon, das Schattengesicht, tritt in ihr Leben. Er will von ihr Besitz ergreifen und sie vielleicht sogar töten. Jedenfalls hat sie eine höllische Angst vor der dunklen, unheimlichen Bedrohung, die sich in den dunklen Ecken ihres Zimmers versteckt. Ihr Vater John Farrow (Clive Owen), der sehr verständnisvoll auf ihre Ängste eingeht, will ihr helfen. Denn niemand außer ihr sieht Schattengesicht und auch als sie eine Überwachungskamera in ihrem Zimmer installieren, sieht niemand den Eindringling, sondern nur John mit sich selbst kämpfen.
In Spanien sieht der kleine Juan (Izán Corchero) ebenfalls Schattengesicht. Seine Mutter Luisa (Pilar López de Ayala) versucht ihm zu helfen. Aber er hat weiterhin Angst. Sie wenden sich an einen jungen katholischen Priester Antonio (Daniel Brühl), der ihnen helfen will. Er erwägt sogar einen Exorzismus.
Fresnadillo erzählt parallel, und damit etwas redundant, diese beiden Geschichten und hemmt damit immer wieder den Erzählfluss. Denn bis zum Ende ist unklar, wie sie miteinander zusammenhängen und wie der Vater und die Mutter in ihrem Land die Eindringlinge (immerhin heißt der Film „Intruders“ und nicht „Intruder“) besiegen könnten.
Dennoch funktioniert der Film über weite Strecken als sanfter Horrorfilm, in dem es um die Versuche von Eltern geht, ihre Kinder zu schützen und bei den Kindern um die Faszination, aber auch Angst, vor dem Unbekannten.
In den letzten Minuten wird allerdings plötzlich deutlich, dass die Ereignisse in Spanien und England nicht gleichzeitig spielen. Der spanische Junge ist John (Clive Owen) und weil seine Mutter Schattengesicht nicht besiegen konnte, flüchten sie nach England. Dort belegt der Junge Schattengesicht mit einem Fluch, der dazu führt, dass der Geist ihn nicht mehr bedrohen kann, und er versteckt seine Aufzeichnungen und den Bannfluch in einem Baum.
Hmpf.
Aber damit hört die Erklärung der Drehbuchautoren nicht auf. Schattengesicht ist nämlich kein übernatürlicher Dämon, sondern er war der aus dem Gefängnis entlassene Mann von Luisa. Als er in einer Regennacht über das Baugerüst bei ihnen einbrach, flüchtete Juan vor ihm, es kam zu einem Kampf und der Eindringling stürzte in den Tod.
Dass der Junge dieses Ereignis verdrängt und es mit einem Geist erklärt, ist noch halbwegs verständlich, obwohl die Mutter sich dann doch etwas seltsam verhält. Immerhin weiß sie, vor was ihr Kind Angst hat.
Doch damit hören die Autoren und der Regisseur in ihrem Erklärungs- und Rationalisierungswahn nicht auf. Denn die besonders starke Liebe zwischen dem Vater John und seiner Tochter führt dazu, dass sie die Ängste ihres Vaters (der nicht weiß, dass sie seine Schatulle entdeckt hat) auf sich überträgt. Das ist nur noch gaga.
So wird aus zwei durchaus vielversprechenden Geschichten, die jede für sich als „Twilight Zone“-Geschichte funktionieren würde, am Ende eine herbe Enttäuschung.
Außerdem führt der Titel auf die falsche Fährte. Denn es gibt nur einen Eindringling.

Intruders (Intruders, USA/England/Spanien 2011)
Regie: Juan Carlos Fresnadillo
Drehbuch: Nicolás Casariego, Jaime Marques
mit Clive Owen, Carice van Houten, Daniel Brühl, Kerry Fox, Ella Purnell, Izán Corchero, Pilar López de Ayala, Lolita Chakrabarti, Mark Wingett

Hinweise
Deutsche Hompeage zum Film
Film-Zeit über „Intruders“
Rotten Tomatoes über „Intruders“
Wikipedia über „Intruders“


TV-Tipp für den 19. Januar: Jesse Stone: Alte Wunden

Januar 19, 2012

ZDF, 00.45

Jesse Stone: Alte Wunden (USA 2007, R.: Robert Harmon)

Drehbuch: Ronni Kern

LV: Robert B. Parker: Sea Change, 2006

Ex-Großstadtcop Jesse Stone langweilt sich in der malerischen Kleinstadt Paradise. Also rollt er einen 15 Jahre alten Mordfall wieder auf.

Vierter Jesse-Stone-TV-Krimi, der das Niveau der vorherigen Stone-Filme hält: gutes altmodisches Schauspielerkino, das vom ZDF (wie die vorherigen Stone-Filme) zu einer indiskutablen Uhrzeit ausgestrahlt wird.

Tom Selleck erhielt für seine Darstellung von Jesse Stone eine Emmy-Nominierung

mit Tom Selleck, Viola Davis, William Devane, Kathy Baker, William Sadler, James Gammon, Saul Rubinek

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


DVD-Kritik/Blu-ray-Kritik: Der immer noch frische Nouvelle-Vague-Klassiker „Außer Atem“

Januar 18, 2012

Dass Jean-Luc Godards Debütfilm „Außer Atem“ ein Klassiker ist, dürfte wohl kaum jemand bestreiten; ein Film der in jedem ernst zu nehmendem Filmkanon auftaucht und es auch in den inzwischen wohl weitgehend vergessenen Filmkanon der Bundeszentrale für politische Bildung von 2003 schaffte.
Dass „Außer Atem“ viele Regisseure beeinflusste, dürfte auch bekannt sein. In der Doku „Godard: Made in USA“ erzählen Robert Benton, Arthur Penn, William Friedkin, Peter Bogdanovich, Paul Schrader, Brian de Palma und James Gray, wie Godard sie beeinflusste.
Dass Jean-Paul Belmondo mit „Außer Atem“ seine Karriere begann, in der er, neben Alain Delon, einer der großen Stars des französischen Kinos der sechziger und siebziger Jahre wurde, ist ebenfalls bekannt. Auch dass das Spätwerk von Belmondo und Delon nicht mit ihrem Frühwerk mithalten kann.
Aber ist ein über fünfzig Jahre alter Film, der die Nouvelle Vague mitbegründete und der Nukleos für verschiedene Entwicklungen war, heute immer noch sehenswert? Ist das, was damals als Neuerung erkannt und bejubelt wurde, heute nicht hoffnungslos veraltet, naiv und anachronistisch?


Nun, „Außer Atem“ ist nichts davon. Der Film hat eine heute immer noch mitreisende Energie, die von der Experimentierfreude der Beteiligten, von den Kürzungen, die Godard machen musste, und den Darstellern, vor allem Jean-Paul Belmondo als Michel Poiccard und Jean Seberg als Patricia Franchini, kommt.
Michel ist ein Kleingangster, der ungefähr jedem zweiten Rock hinterhersteigt. Aber in die Amerikanerin Patricia hat er sich verliebt. Er weiß auch nicht warum. Aber er will unbedingt bei ihr bleiben. Die Sorbonne-Studentin, die auch als Journalistin arbeitet und die New York Herald Tribune verkauft, findet ihn wohl eher „interessant“.
Als er ein geklautes Auto von Marseille nach Paris fährt, wird er von einem Polizisten erwischt, tötet ihn (obwohl wir die Tat nie sehen) und taucht in Paris bei ihr unter. Während er auf das Geld von einem Freund wartet, verbringt er die Tage mit ihr. In einem kleinen Hotelzimmer und ständig miteinander redend. Sie geht zu einem Interview mit dem bekannten Autor Parvulesco (gespielt von Jean-Pierre Melville), erfährt, dass ihr Liebhaber von der Polizei gesucht wird, verrät ihn und Michel wird auf der Flucht erschossen.
Das ist nicht viel Story. Das meiste ist improvisiert. Was hier bedeutet, dass Godard die Texte erst kurz vor dem Dreh schrieb und den Schauspielern teils während des Drehs zuflüsterte. Die Vorbilder aus den USA sind deutlich zu erkennen. „Außer Atem“ ist die französische Variante eines Hollywood-Gangsterfilms, eines Noirs, die Geschichte einer unglücklichen Liebe von einem Mann zu einer Femme Fatale.
Es ist aber auch der Aufbruch zu einem neuen Kino, das bereits viele Merkmale von Jean-Luc Godards späteren Filmen hat, wie die endlos-ziellosen Dialoge, die zwischen Tiefsinn und Dadaismus pendeln, die regelbrechende Kamera und dem Verweigern von bekannten Genrekonventionen.
Gleichzeitig, in einer Mischung aus Improvisation beim Drehen, langen, ungeschnittenen Szenen, in denen die Kamera sich teils schwerelos durch den Raum bewegt, einem Vernachlässigen der Continuity (die ja darauf aufpasst, dass die Anschlüsse stimmen und Gläser nicht mal leer, mal voll sind) und einem kräftigen Kürzen der ersten Schnittfassung entstand dann diese nervöse Energie, die einfach über Anschlussfehler und damals in der Filmsprache verbotenen Jump Cuts hinwegsah.
Damals brachte „Außer Atem“, wie auch die anderen Filme der Nouvelle Vague, frischen Wind in das verstaubte Kino der Väter.
Heute; nun, heute wirkt „Außer Atem“ immer noch wie eine frische Brise, die zeigt, was möglich ist.

Das Bonusmaterial

Das reichhaltige Bonusmaterial der Blu-Cinemathek-Ausgabe ist exzellent. Es gibt eine knapp fünfminütige Einführung von Colin McCabe zum Film, die gut achtzigminütige SW-Dokumentation „Zimmer 12: Hotel de Suède“ (Frankreich, 1993) von Claude Ventura und Xavier Villetard, die kurz vor dem Abriss des Hotels, in dem die langen Gespräche zwischen Belmondo und Seberg stattfanden, sich leicht prätentiös auf Spurensuche begaben und viele Interviews mit damals am Film Beteiligten machten, die fünfzigminütige, filmhistorisch sehr spannende Doku „Godard: Made in USA“ (Frankreich, 2009) von Luc Lagier über Godards Besuche und Arbeit in den USA und, mit zahlreichen Interviews mit US-Regisseuren, über seinen Einfluss auf ihre Arbeit, und die knapp achtminütige leicht experimentelle Annäherung „Luc und wie er Jean-Luc sieht“ von Godard-Freund und -Kenner Luc Moullet für Arte Kurzschluss.
Dazu gibt es noch eine umfangreiche Bildergalerie, einige Filmplakate (Nostalgia rules!) und den Trailer, der auch ein kleines Kunstwerk und „sehr Godard“ ist.

Außer Atem (À bout de souffle, Frankreich 1960)
Regie: Jean-Luc Godard
Drehbuch: Jean-Luc Godard (nach einer Geschichte von Francois Truffaut)
Buch zum Film: Claude Francolin: À bout de souffle, 1960 (Außer Atem)
mit Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Daniel Boulanger, Jean-Pierre Melville, Henri-Jacques Huet, Van Dode, Jean-Luc Godard, Roger Hanin

DVD
Studio Canal/Arthaus – Blu Cinemathek
Bild: 1,33:1 (1080/24p Full HD)
Ton: Deutsch, Französisch, Spanisch (Mono DTS-HD Master Audio)
Untertitel: – (obwohl „Deutsch, Englisch, Holländisch, Japanisch, Portugiesisch, Spanisch, Türkisch“ angekündigt sind)
Bonusmaterial: Filmpräsentation von Colin McCabe, Godard: Made in USA, Zimmer 12: Hotel de Suède, Luc und wie er Jean-Luc sieht, Fotogalerie, Trailer, Filmplakate
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Arte zum Film (mit einem Interview mit Jean-Luc Godard)

Filmzentrale mit mehreren Besprechungen über „Außer Atem“: Behrens, Kreimeier, Richter

Senses of Cinema über Jean-Luc Godard

Die Zeit (Katja Nicodemus) redet mit Jean-Luc Godard: „Kino heißt streiten“

Jean-Luc Godard in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 18. Januar: Schwarzer Sonntag

Januar 18, 2012

ServusTV, 22.45

Schwarzer Sonntag (USA 1977, R.: John Frankenheimer)

Drehbuch: Ernest Lehman, Kenneth Ross, Ivan Moffat

LV: Thomas Harris: Black Sunday, 1975 (Schwarzer Sonntag)

Palästinensische Terroristen planen einen Anschlag auf ein vom us-amerikanischen Präsidenten besuchtes Footballspiel.

Spannender Thriller, der inzwischen wieder erschreckend aktuell ist.

Mit Robert Shaw, Marthe Keller, Bruce Dern, Fritz Weaver

Hinweise

Homepage von Thomas Harris

Wikipedia über „Schwarzer Sonntag“ (deutsch, englisch)

Filmreference (R. Barton Palmer) über „Black Sunday“

DVD Verdict (Mark van Hook) über „Black Sunday“

DVD Times (Mike Sutton) über „Black Sunday“

Die Zeit (Hans C. Blumenberg) über „Schwarzer Sonntag“ (9. September 1977)

Meine Bepsrechung von John Frankenheimers „Die jungen Wilden“ (The Young Savages, USA 1960)


TV-Tipp für den 17. Januar: Tatort: Oskar

Januar 17, 2012

SWR, 20.15
Tatort: Oskar (D 2002, R.: Niki Stein)
Drehbuch: Niki Stein
Erster Fall für die Frankfurter Kommissare Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) und Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki): sie suchen eine Mutter, die ihr Kind getötet hat und stolpern dabei durch triste Mietskasernen.
Nachdem Kommissar Brinkmann (Karl-Heinz von Hassel oder „der Mann mit der Fliege“) vorher in Frankfurt am Main mit meist höchst langweilig-absurden Fällen die Geduld des gutwilligen Zuschauers strapazierte, hatte ich von dem neuen Team aus der Finanzmetropole nichts erwartet und war positiv überrascht. Denn hier stimmte alles.
Nach acht Jahren und 18 Fällen beendete das Team Dellwo/Sänger 2010 seine Ermittlungsarbeit mit deutlich mehr guten als schlechten Fällen.
mit Andrea Sawatzki, Jörg Schüttauf, Peter Lerchbaumer, Christiane Schulz, Oliver Bootz, Edda Leesch
Hinweise
Tatort-Fundus über das Team Dellwo/Sänger
Meine Besprechung des Tatort-Romans „Bevor es dunkel wird“ von Uli Aechtner mit Dellwo/Sänger


TV-Tpp für den 16. Januar: Die Lady von Shanghai/Frau ohne Gewissen

Januar 16, 2012

Noir-Fans lassen die Sektkorken knallen: nach fünf Jahren gibt’s endlich wieder „Die Lady von Shanghai“ und die „Frau ohne Gewissen“


Arte, 20.15
Die Lady von Shanghai (USA 1948, R.: Orson Welles)
Drehbuch: Orson Welles
LV: Sherwood King: If I die before I wake, 1938
Michael O’Hara heuert als Matrose und Mädchen für alles auf der Jacht der Bannisters an. Schnell erliebt er sich in Elsa Bannister und wird von ihr in ein Mordkomplott hineingezogen.
Heute zählt „Die Lady von Shanghai“ zu den zeitlosen Noir-Klassiker. Die grandiose Schlusssequenz im Spiegelkabinett gehört zu den Glanzstücken der Filmgeschichte: die Kontrahenten stehen sich gegenüber, ihr Bild wird in unzähligen Spiegeln gespiegelt und erst als bei der Schießerei die Spiegel zerschossen werden, können wir langsam erkennen, wer ein Mensch und was sein Abbild ist.
Aber während der Produktion sah es ganz anders aus: Orson Welles machte aus einem einfachen Krimi ein verschachteltes Vexierspiel, schrieb ständig Szenen um, das Studio mischte sich ein, es gab Probleme mit dem Geld und Insekten betrachteten die Filmcrew als Jagdrevier. Und, als sei das alles nicht genug, machte Welles aus dem Sexsymbol und Columbia-Star Hayworth eine kalte und berechnende Mörderin. Alle Zeichen waren für einen Flop gesetzt und das Studio schloss den Film, nachdem auch mit Umschneiden nichts mehr zu retten war, erst einmal in seinen Giftschrank.
Mit Orson Welles, Rita Hayworth, Everett Sloane
Wiederholung: Donnerstag, 19. Januar, 14.50 Uhr
Hinweise
Wikipedia über „Die Lady von Shanghai“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Die Lady von Shanghai“
Noir of the Week über „Die Lady von Shanghai“


Arte, 21.45
Frau ohne Gewissen (USA 1944, R.: Billy Wilder)
Drehbuch: Raymond Chandler, Billy Wilder
LV: James M. Cain: Double Indemnity, 1936 (Doppelte Abfindung)
Ein Versicherungsagent verliebt sich mit tödlichen Konsequenzen in die falsche Frau.
„Der Prototyp des Film noir über die Frau als Femme fatale, einer der besten Filme Wilders und der Vorlage Cains weit überlegen.“ (Paul Werner: Film noir und Neo-Noir)
Mti Fred MacMurray, Barbara Stanwyck, Edward G. Robinson
Wiederholung: Montag, 23. Januar, 14.25 Uhr
Hinweise
Wikipedia über „Frau ohne Gewissen“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Frau ohne Gewissen“
Noir of the Week über „Frau ohne Gewissen“
Arte über seine Noir-Reihe


TV-Tipp für den 15. Januar: Der Pate – Teil II

Januar 15, 2012

Arte, 20.15
Der Pate II (USA 1974, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
Sozusagen Pre- und Sequel zu „Der Pate“: Michael Corleone, jetzt das Familienoberhaupt, plant einen Casino-Deal auf Kuba. Und dazwischen wird der Aufstieg von Vito Corleone erzählt.
Die Fortsetzung von „Der Pate“ ist länger und mindestens genauso gut wie der erste Film. Für viele ist der zweite Pate-Film sogar noch besser (ich bin da unentschlossen). Außerdem wird „Der Pate II“ immer als Beispiel herangezogen für die These, Fortsetzungen seien besser als die Originale.
„Der Pate II“ erhielt mehrere Oscars: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Nebendarsteller (Robert de Niro), Beste Filmmusik (Nino Rota, Carmine Coppola), beste Ausstattung.
Mit Al Pacino, Robert De Niro, Robert Duvall, Diane Keaton, Lee Strasberg (ja, der Schauspiellehrer), John Cazale, Talia Shire, James Caan, Harry Dean Stanton, Danny Aiello

Hinweise

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“/“Apocalypse Now Redux“ (Apocalypse Now, USA 1979)
Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)


TV-Tipp für den 14. Januar: Manhattan Murder Mystery

Januar 14, 2012

ServusTV, 20.15

Manhattan Murder Mystery (USA 1992, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman

Als eine Nachbarin in ihrem noblen New Yorker Mietshaus überraschend stirbt, glaubt Carol Lipton (Diane Keaton), dass sie ermordet wurde und sie beginnt, mit einem befreundeten Krimiautor, den Mörder zu suchen. Ihr Mann Larry (Woody Allen) ist davon überhaupt nicht begeistert.

Eine Krimikomödie von Woody Allen, bei der sich für die die Wortgefechte vom „Dünnen Mann“ inspirieren ließ und auch sonst lustvoll im Fundes des klassischen Hollywood-Krimis wühlte. Cineasten können also einiges entdecken.

„So unverhohlen publikumsfreundlich war Woody Allen lange nicht mehr.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Sein nächster Film war „Bullets over Broadway“.

mit Woody Allen, Diane Keaton, Anjelica Huston, Alan Alda, Jerry Adler, Ron Rifkin, Zach Braff (sein erster Spielfilm), Frank Pellegrino (dito, später war er bei den „Sopranos“)

Hinweise

Wikipedia über „Manhattan Murder Mystery“ (deutsch, englisch)

Mann beißt Film über „Manhattan Murder Mystery“

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Woody Allen in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. Januar: The Prisoner

Januar 13, 2012

ZDFneo, 23.20
The Prisoner (USA 2009, R.: Nick Hurran)
Drehbuch: Bill Gallagher
Sechsteiliges Remake (oder Update) der kultigen englischen Sixties-Serie, die, trotz eher lauwarmer Kritiken, sicher einen Blick wert ist.
Im Mittelpunkt steht ein Mann, der in der Wüste aufwacht, nicht weiß, wie er dorthin gekommen ist, in einer abgelegenen Stadt als Nummer 6 empfangen wird und den Ort möglichst schnell wieder verlassen möchte. Aber das geht nicht.
Die DVD mit viel Bonusmaterial erscheint am 24. Februar.
Mit Ian McKellen, James Caviezel, Ruth Wilson, Jamie Campbell Bower, Hayley Atwell
Hinweise
Wikipedia über „The Prisoner“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/FIlmkritik: Zu David Finchers Version von Stieg Larssons „Verblendung“

Januar 12, 2012

Welche neuen Aspekte kann David Fincher Stieg Larssons Roman „Verblendung“ für das Kino abgewinnen? Immerhin wurde der Krimi bereits vor zwei Jahren von Niels Arden Oplev mit Michael Nyqvist als Mikael Blomkvist und Noomi Rapace als Lisbeth Salander verfilmt. Die Drehbuchautoren Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg hatten die Geschichte für die 152-minütige Kino-Version (es gibt auch eine dreißig Minuten längere TV-Version) sinnvoll entschlackt und sich auf den Rätselplot konzentriert, in dem
Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist im Auftrag von Henrik Vanger herausfinden soll, wer vor vierzig Jahren seine Nichte Harriet Vanger auf einer einsam gelegenen Insel ermordete und ihm seitdem jedes Jahr eine getrocknete Blume schickt.
Blomkvist arbeitet sich tief in die Familiengeschichte der Vangers, einer schwedischen Großindustriellenfamilie, die auch gute Kontakte zu den Nazis hatte, ein. Denn Henrik Vanger vermutet, dass Harriet von einem Familienmitglied ermordet wurde.
Als Blomkvist mit seinen Ermittlungen nicht weiterkommt, nimmt er Kontakt zu Lisbeth Salander, einer begnadeten, aber auch ziemlich verhaltensgestörten jungen Hackerin mit einer problematischen Vergangenheit auf. Gemeinsam entdecken sie eine Mordserie, die anscheinend schon kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges begann.
An dem feinem schwedischen Film war nichts auszusetzen. Jedenfalls für uns Europäer und auch die Larsson-Fans, die im Zweifelsfall eine werkgetreue Umsetzung fordern, waren zufrieden.


Für das US-Remake nahm sich Steve Zaillian (Der Falke und der Schneemann, Schindlers Liste, Gangs of New York, Die Dolmetscherin, American Gangster) den Schmöker vor – und bis auf einige kleine Details, folgte er Larssons Roman und Arcels und Heisterbergs Drehbuch fast schon sklavisch.
So werden im Original die Recherchen von Mikael und Lisbeth ausführlicher gezeigt. Es gibt einige Rückblenden in Lisbeths Jugend, die erklären, warum sie entmündigt wurde. Bei Fincher erzählt Lisbeth das nur. Sowieso erhält Lisbeth, wenn man „Verdammnis“ und „Vergebung“, die nächsten beiden Romane von Stieg Larsson nicht kennt, erstaunlich viel Filmzeit. In „Verblendung“ ist sie ja noch eine Nebenfigur, die aber auch im Roman mit vielen Buchseiten bedacht wird.
Am Ende, wenn Mikael entdeckt, was mit Harriet geschah, änderten Fincher und Zaillian eine Kleinigkeit, die immerhin dazu führte, dass die Macher des Remakes sagen konnten: „Wir haben ein anderes Ende.“ Ja, nur bewegt sich diese Änderung auf dem Niveau von „anstatt des gelben Kleides ziehen wir das Grüne an“.
Und bei Fincher deuten einige Szenen bereits auf einen Director’s Cut hin. Am deutlichsten wird das, wenn Mikaels Tochter ihn bei den Vangers besucht, sie ihm wohl etwas wichtiges sagen will (was dann aber wohl geschnitten wurde) und sie ihm bei der Abfahrt sagt, dass die rätselhaften Buchstaben und Zahlen in Harriets Tagebuch auf Bibelstellen hinweisen. Diesen entscheidenden Hinweis, der in Oplevs Film von Lisbeth kommt, konnte Fincher nicht wegschneiden. Auch die Übernahme von Mikaels Zeitschrift „Millennium“ durch die Vangers und Lisbeths Überwachung von Wennersström (einem bösen Kapitalisten, der Mikael böse reinlegte) werden im Remake als Subplots zuerst groß eingeführt und dann so lieblos fallengelassen, dass ich den Verdacht nicht los wurde, dass Fincher hier für die Kinoauswertung einiges schneiden musste.
Dafür ist das Ende von Finchers Film, nachdem der Serienmörder enttarnt ist und bekannt ist, was mit Harriet geschah, gefühlt noch länger als in der Erstverfilmung und fast so zäh wie in Larssons Roman, der da noch einen halbgaren Wirtschaftskrimi samt enervierend langer Rehabilitation von Mikael auftischt.
Abgesehen von solchen Kleinigkeiten orientiert David Fincher sich fast schon peinlich genau, auch visuell, an dem schwedischen Film, nur mit einem höherem Budget und bekannteren Schauspielern, wie Daniel Craig (der inzwischen als James Bond einfach zu bekannt ist, um einen biederen Reporter zu spielen), Christopher Plummer, Stellan Skarsgård und Robin Wright.
So bleibt als größter Gewinn von Finchers Film gegenüber Oplevs Film, dass „Nine Inch Nails“-Mastermind Trent Reznor und Atticus Ross, die auch die Musik für Finchers „The Social Network“ schrieben, für den grandiosen Sound des Unwohlseins verantwortlich sind.


Insgesamt ist David Finchers „Verblendung“ kein schlechter Film. Die Zeit vergeht bei dem überlangen Film sogar ziemlich schnell, aber er kann nie beantworten, warum das Remake gemacht werden musste; – abgesehen natürlich von den blanken kommerziellen Erwägungen.
Und, für einen US-Film, der sich an ein breites Publikum richtet, gibt es ziemlich viel nackte Haut zu sehen (Daniel Craig und Rooney Mara gemeinsam im Bett) zu sehen, Vulgärsprache („Fuck“) zu hören und gefährliche Substanzen (Alkohol! Zigaretten!) werden in rauen Mengen genossen. Oh, und eine Katze überlebt den Film nicht. Insofern ist das R-Rating „for brutal violent content including rape and torture, strong sexuality, graphic nudity, and language“ wohlverdient und der Film wurde für eine kommerziellere Freigabe nicht verharmlost.
Doch das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Verblendung“ ein Werk ist, auf das Kenner des ersten Films durchaus verzichten können und das einfach nur, wie schon die erste Verfilmung, den Roman mit all seinen Schwächen illustriert.
Wer allerdings die schwedische Verfilmung nicht kennt, dem wird Finchers Version gefallen.

Verblendung (The Girl with the Dragon Tatoo, USA 2011)
Regie: David Fincher
Drehbuch: Steve Zaillian
LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)
mit Daniel Craig, Rooney Mara, Christopher Plummer, Stellan Skarsgård, Steven Berkoff, Robin Wright, Yorick van Wageningen, Joely Richardson, Geraldine James, Goran Visnjic, Julian Sands
Länge: 158 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Zum Film wurde Larssons Roman mit einem neuen Cover veröffentlicht

Stieg Larsson: Verblendung
(übersetzt von Wibke Kuhn)
Heyne, 2011 (Movie-Tie-In)
704 Seiten
9,99 Euro

Originalausgabe
Män son hatar kvinnor
Norsteds Förlag, Stockholm 2005

Deutsche Erstausgabe
Heyne, 2006

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Verblendung“
Rotten Tomatoes über „Verblendung“
Wikipedia über „Verblendung“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte

Meine Besprechung der Stieg-Larsson-Parodie „Verarschung“ (The Girl with the Sturgeon Tattoo, 2011) von Lars Arffssen

Meine Besprechung von Dan Burstein/Arne de Keijzer/John-Henri Holmbergs „Die Welt der Lisbeth Salander“ (The Tattooed Girl, 2011)


TV-Tipp für den 12. Januar: Jesse Stone: Totgeschwiegen

Januar 11, 2012

ZDF, 00.45

Jesse Stone – Totgeschwiegen (USA 2006, R.: Robert Harmon)

Drehbuch: J.T. Allen, Tom Selleck, Michael Brandman

LV: Robert B. Parker: Death in Paradise, 2001

Dritter Jesse-Stone-Film nach dem dritten Jesse-Stone-Roman. Dieses Mal muss Kleinstadtcop Jesse Stone den Mord an einer 14-jährigen aufklären. Seine Ermittlungen führen ihn in die besseren Kreise von Boston.

Ein weiterer feiner Polizeifilm.

Mit Tom Selleck, Edward Edwards, Viola Davis, John Diehl, William Devane

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. Januar: Tatort Hamburg

Januar 11, 2012

ARD, 22.45
Tatort Hamburg (D 2012, R.: Ernst August Zurborn)
Drehbuch: Ernst August Zurborn
75-minütige Doku über die Arbeit einer Mordkommission. Zurborn durfte die Polizisten bei vier Mordfällen begleiten.
Und nach Mitternacht gibt es, als TV-Premiere (!), „Brothers Bloom“ (USA 2009, Regie: Rian Johnson, mit Adrian Brody, Mark Ruffalo und Rachel Weisz). Das Lexikon des internationalen Films meint: „Unterhaltsam zwischen Screwball-Komödie, Gauner- und Abenteuerfilm lavierender Genre-Mix mit exzellenten Darstellern und viel Gespür für komödiantisches Timing.“ Am Dienstag, den 17. Januar, läuft die Gaunerkomödie bereits um 23.15 Uhr im WDR – und wird dann vielleicht der Tagestipp.


TV-Tipp für den 10. Januar: Tatort: Frau Bu lacht

Januar 10, 2012

BR, 21.45 (VPS 21.44)

Tatort: Frau Bu lacht (D 1996, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Günter Schütter

Konditor Mauritz wird ermordet. Seine thailändische Katalog-Frau Sita schweigt und die Kommissare Batic und Leitmayr haben einen neuen Fall.

Dieser Tatort ist unbestritten einer der besten Batic/Leitmayr-Tatorte. Und sie hatten in den Neunzigern wirklich eine Reihe wirklich guter Fälle gehabt!

Mit Udo Wachtveitl, Miro Nemec, Michael Fitz, Barbara-Magdalena Ahrens,Ulrich Noethen, Petra Kleinert, Anna Villadolid

Hinweise

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung der von Dominik Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Trust“ – oder Von der Zerstörung einer normalen Familie

Januar 9, 2012

Nach der Inhaltsangabe und dem Trailer erwartete ich eine Action-haltige „Ein Mann sieht rot“-Variante mit Clive Owen als rot sehendem Papa. Immerhin hat er unter anderem in „Shoot ‚em up“ bewiesen, dass er Action kann und auch in „Duplicity“, „The International“, „Children of Men“, „Inside Man“, „Sin City“ und „Die Bourne Identität“ (vor allem seine Texte!) gefiel er mir.
Aber „Trust – Die Spur führt ins Netz“ ist kein Action-Thriller und für die „Ein Mann sieht rot“-Fraktion hat er auch nichts zu bieten. Es ist ein Drama in dem ein Pädophiler eine ganz gewöhnliche Mittelstandsfamilie, in der die liberalen Eltern eine vertrauensvolle Beziehung zu ihren Kindern haben, zerstört.
Dieser nähert sich der 14-jährigen Annie (Liana Liberato in ihrem Spielfilmdebüt) als Internet-Bekanntschaft. Sie chattet mit ihm. Er gibt ihr gute Hinweise und sie hält ihn für einen klugen Gleichaltrigen. Dann verrät er ihr, dass er bereits mit der Schule fertig ist und studiert. Sie akzeptiert das. Sie verabreden sich. Sie sieht schockiert, dass er auch das Studium schon lange hinter sich hat. Dass er ihr Vater sein könnte. Trotzdem, immerhin kennt sie ihn ja aus dem Netz, gehen sie auf ein Hotelzimmer und er kann sie zum Sex überreden, den er heimlich filmt.
Als ihre Eltern Will (Clive Owen) und Lynn (Catherine Keener) das herausfinden, gehen sie gleich zur Polizei. Ihre Tochter ist damit nicht einverstanden. Denn sie liebt Charlie (Chris Henry Coffey) und kann nichts böses in seinen Taten entdecken.
Ab jetzt zeigt Regisseur David Schwimmer, der vor allem durch seine langjährige Rolle in der TV-Serie „Friends“ bekannt ist, in bedrückenden Szenen und beeindruckend konsequent, wie der Missbrauch von Vertrauen eine Familie zerstört und wie die Eltern, vor allem der Vater, versuchen damit umzugehen, dass sie ihre Tochter nicht beschützen konnten.


Regisseur David Schwimmer, die treibende Kraft hinter dem Projekt, wurde für den Film durch seine jahrelange Arbeit für das Rape Treatment Center in Santa Monica, wo er viele Opfer, Therapeuten und Polizisten kennenlernte, inspiriert. Im Bonusmaterial erwähnt Schwimmer vor allem die ihn sehr beeindruckende Schilderung eines Vaters, dessen Tochter vergewaltigt wurde, und wie er versuchte damit umzugehen.
Clive Owen, selbst Vater von zwei Kindern, die ungefähr in Annies Alter sind, war, wie man im „Making of“ und den Interviews erfährt, sofort begeistert von dem Drehbuch, das ihm eher eine Nebenrolle gibt und, ohne zu predigen, die verschiedenen Facetten einer solchen Tat zeigt. Dazu gehört neben der Arbeit von Polizisten und Therapeuten, auch die Hilflosigkeit der Eltern und des Opfers.
Dank des guten Drehbuchs, der guten Schauspieler und der zurückhaltenden Regie zeigt „Trust – Die Spur führt ins Netz“ eindrucksvoll und nachhaltig, was ein Missbrauch für die Betroffenen bedeutet, wie hilflos sie sind und man hört die „Es war Liebe“-Bekundungen von älteren Männern mit Minderjährigen mit anderen Ohren.
Ich hatte WamBam-Action erwartet und etwas viel besseres bekommen: ein zum Nachdenken anregendes Drama.

Trust – Die Spur führt ins Netz (Trust, USA 2010)
Regie: David Schwimmer
Drehbuch: Andy Bellin, Robert Festinger
mit Clive Owen, Catherine Keener, Liana Liberato, Jason Clarke, Noah Emmerich, Viola Davis

DVD
Koch Media
Bild: 2,35:1 (16:9)
Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1; DTS), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of (17 Minuten), Interviews (13 Minuten), Behind the Scenes (3 Minuten), Outtakes/Geschnittene Szenen (6 Minuten), Deutscher und englischer Trailer, Wendecover
Länge: 101 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Wikipedia über „Trust“ (deutsch, englisch)
Rotten Tomatoes über „Trust“
Collider Interview mit David Schwimmer über „Trust“ (30. März 2011)

BBC: Interview mit David Schwimmer über „Trust“ (8. Juli 2011)


TV-Tipp für den 9. Januar: Chinatown

Januar 9, 2012

Arte, 20.15

Chinatown (USA 1974, R.: Roman Polanski)

Drehbuch: Robert Towne

Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in ein Komplott, das er nie ganz durchschaut.

Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.

Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young,

Wiederholung: Mittwoch, 11. Januar, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Chinatown“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Chinatown“

Old School Reviews (John Nesbit) über „Chinatown“

Noir of the Week: David N. Meyer über „Chinatown“

Thrilling Detective über Jake Gittes

Meine Besprechung von Roman Polanskis „The Ghostwriter“


TV-Tipp für den 8. Januar: Der Pate

Januar 8, 2012

Arte, 20.15
Der Pate (USA 1972, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
LV: Mario Puzo: The godfather, 1969 (Der Pate)
Die Mafia als gepflegter Familienbetrieb. Ein immer wieder gern gesehener Klassiker, der in den vergangenen Jahren fast nur in der von Coppola für das Fernsehen bearbeiteten Fassung im TV lief. Arte zeigt jetzt alle drei „Der Pate“-Filme zu einer angenehmen Uhrzeit.
„Der Pate – Teil II“ läuft am kommenden Sonntag, den 15. Januar, um 20.15 Uhr.
„Der Pate – Teil III“ läuft am Sonntag, den 22. Januar, um 20.15 Uhr und am Dienstag, den 24. Januar um 01.50 Uhr (Taggenau!)
Mit Marlon Brando, Al Pacino, James Caan, John Cazale, Robert Duvall, Diane Keaton, Sterling Hayden, Al Lettieri, Talia Shire

Hinweise

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“/“Apocalypse Now Redux“ (Apocalypse Now, USA 1979)
Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)