Michael Clayton ist der Troubleshooter für eine große New Yorker Kanzlei. Als einer ihrer Anwälte ausrastet und damit den Prozess gegen das multinationale Chemieunternehmen U/North gefährdet, ist Clayton gefordert. Doch dieser steckt gerade selbst in einer Midlife-Crises.
Tony Gilroy, der als Autor der actionhaltigen Jason-Bourne-Trilogie bekannt wurde, hat mit seinem Regiedebüt einen Paranoia-Thriller inszeniert, bei dem die Bedrohung nicht mehr vom Staat sondern von der Wirtschaft ausgeht. Trotzdem haben Action-Fans bei „Michael Clayton“ schlechte Karten. Fans des guten, im positiven Sinn altmodischen Schauspielerkinos haben dagegen gute Karten.
Tony Gilroy war als bester Autor und Regisseur für einen Oscar nominiert, George Clooney als bester Darsteller, Tom Wilkinson als bester Nebendarsteller und Tilda Swinton erhielt einen Oscar einen BAFTA-Awards als beste Nebendarstellerin.
Gilroys Buch erhielt auch den Edgar-Allan-Poe-Preis.
Mit George Clooney, Tom Wilkinson, Tilda Swinton, Sydney Pollack, Michael O’Keefe
Der letzte Scharfschütze (USA 1976, R.: Don Siegel)
Drehbuch: Scott Hale, Miles Hood Swarthout
LV: Glendon Swarthout: The Shootist, 1975 (Der Superschütze)
Revolverheld Books will seine letzten vom Krebs gekennzeichneten Tage in Ruhe verbringen. Aber so einfach ist das nicht.
Einer der besten Spätwestern – und John Waynes letzter Film.
„Don Siegel unterzog in ‚The Shootist – Der Scharfschütze’ den Mythos einer distanzierten Würdigung, die noch einmal dem Western zurückgab, was ihm in den letzten Jahren abhanden gekommen war: Ruhe. Und vielleicht exakt diese Botschaft ist es, die endgültig dem Genre ein friedvolles Ende bescheren hätte können: nämlich, die, dass der Western tot, die Grenze erschlossen, die Gesellschaft korrupt ist und dass man sich darüber nicht besonders aufregen muss.“ (Georg Seesslen: Western)
Die Western Writers of America verliehen Swarthouts Buch den Spur-Award als bester Western-Roman des Jahres 1975. Später nahmen sie „The Shootist“ in die Liste der 21 besten Western, Swarthout in die Liste der besten Western-Autoren und die Verfilmung in die Liste der zehn besten Western des zwanzigsten Jahrhunderts auf.
Mit John Wayne, Lauren Bacall, James Stewart, Ron Howard, Richard Boone, John Carradine
Fast pünktlich zu seinem Geburtstag (4. Januar 1932) zeigt 3sat einen Klassiker von Carlos Saura:
3sat, 22.25 Garten der Lüste (Spanien 1970, R.: Carlos Saura)
Drehbuch: Rafael Azcona, Carlos Saura
Die Familie des nach einem Autounfalls an einer Amnesie leidenden Industriellen versucht alles, um an die Nummer für ein Bankkonto zu kommen. Dafür stellt sie Stationen seines Lebens nach.
Selten gezeigte Farce über die Bourgeoisie während der Franco-Diktatur, inszeniert von einem der Großen des spanischen Kinos.
„einer der besten Filme Sauras“ (Gertrud Koch in „Carlos Saura“, Hanser Reihe Film Band 26, 1981)
mit José Luis López Vázquez, Luchy Soto, Francisco Pierrá, Charo Soriano Hinweise
Wikipedia über Carlos Saura (deutsch, englisch)
Tödliche Versprechen – Eastern Promises (GB/USA/Can 2007, Regie: David Cronenberg)
Drehbuch: Steven Knight
Eine Hebamme gerät zwischen die Fronten der Russenmafia. Denn sie besitzt ein Tagebuch, das einige Verbrecher belastet. Ein Killer soll sie umbringen.
Hartes, in London spielendes, top besetztes Gangsterdrama von David Cronenberg.
Steven Knight schrieb unter anderem das Oscar- und BAFTA-nominierte und mit dem Edgar Allan Poe-Preis ausgezeichnete Drehbuch zum Stephen Frears-Film „Kleine schmutzige Tricks“ (Dirty Pretty Things, GB 2002).
„Eastern Promises“, wurde, oft in den Kategorien, bester Film, beste Regie, beste Hauptrolle und bestes Drehbuch, für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch einige. Knights Drehbuch war für den Edgar nominiert.
Im Moment arbeiten Steven Knight, David Cronenberg und Viggo Mortensen an einer Fortsetzung von „Eastern Promises“.
mit Viggo Mortensen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl, Vincent Cassel
Jesse Stone – Knallhart (USA 2006, R.: Robert Harmon)
Drehbuch: Tom Epperson
LV: Robert B. Parker: Night Passage, 1997 (Das dunkle Paradies)
Der zweite Jesse-Stone-Film erzählt die Vorgeschichte: in ihr tritt Jesse Stone seinen Job in Paradise an und muss zuerst den Kleinstadtsumpf ausmisten. Denn – Überraschung! – Stone hat den Job nur wegen seines Lebenslaufs (und dem Fazit: kaputter Verlierer) bekommen.
Im Buch endet die Ankunft von Jesse Stone in Paradise in einem Western-Showdown. Im Film ist es etwas weniger dramatisch. Aber auch der zweite Jesse-Stone-Film ist gute altmodische Unterhaltung, bei der die Charaktere im Mittelpunkt stehen.
„No fools over at CBS, the net quickly followed one of last year’s best TV movies, „Stone Cold,“ with this equally first-rate prequel.” (Variety)
Mit Tom Selleck, Stephanie March, Stephen Baldwin, Saul Rubinek, Viola Davis, Kohl Sudduth
LV: Dorothy Hughes: In a lonely place, 1947 (Wo kein Zeuge lauscht, Einsamer Ort)
Laurel Gray verschafft ihrem Nachbar, dem Hollywood-Autor Dixon Steele, ein Alibi. Aber dann fragt sie sich, ob der cholerische Steele nicht doch der gesuchte Mörder ist.
Nicholas Rays selten gezeigter düsterer Film wartet mit einer der besten schauspielerischen Leistungen von Bogart auf.
„Eine merkwürdige Verwandlung erfuhr die Filmfassung von Einsamer Ort, die Nicholas Ray 1950 drehte. Ray machte daraus eine Parabel über die McCarthy-Zeit und die damals notorische Kommunistenjagd. Humphrey Bogart gibt den Dix Steele, der als Ex-GI sein Comeback als Drehbuchautor in Hollywood versucht, aber von finsteren Mächten ausgebremst wird. Dabei ist die Romanfassung von Hughes erheblich subversiver.
Abgesehen davon, dass Einsamer Ort ein luftabschnürendes und hochplausibles Psychogramm eines Serial Killers ist (Jahrzehnte vor der populistischen Welle dieses Prototyps), ist das Buch auch ein Angriff auf die American Values: Der so normal und alltäglich agierende Frauenmörder Dix Steele ist ein Kriegsheld, ein strahlender Sieger, der nach Kriegsende einfach weitermordet. Wie weit Hughes damit ihrer Zeit voraus war, kann man erst jetzt einschätzen, nachdem ihr Prototyp zu einer formelhaften Gestalt des Post-Vietnam-Traumas geronnen ist.“ (Nachwort zu „Einsamer Ort“)
LV (Inspiration): Robert Baer: See No Evil: The True Story of a Ground Soldier in the CIA’s War on Terrorism, 2002 (Der Niedergang der CIA)
Ein sich aus einem guten Dutzend verschiedener Storys zusammensetzendes Porträts des weltweiten Kampfes um den Rohstoff Öl.
„Wir leben in einer komplizierten und schwierigen Zeit, und auf diese Komplexität möchte ich in ‚Syriana’ aus dem Bauch heraus reagieren, eine Erzählform dafür finden. Es gibt darin weder Schurken noch Helden, es gibt keine einfachen Lösungen. Die Figuren sind nicht im Sinne des üblichen Spannungsbogens konstruiert, ihre Geschichten münden nicht in nette kleine Lektionen fürs Leben, die bohrenden Fragen werden nicht beantwortet. Vielmehr hoffe ich, dass uns der Film durch sein offenes Ende noch mehr unter die Haut geht, uns länger im Gedächtnis bleibt. Das erschien mir als die ehrlichste Reaktion auf die Welt nach dem 11. September, in der wir alle leben müssen.“ (Stephen Gaghan in den der DVD beiliegenden Filminformationen)
Stephen Gaghan wendet bei „Syriana“ die bereits in seinem oscarprämiertem Drehbuch „Traffic“ erprobten Erzählprinzipien an und liefert einen weiteren komplexen Politthriller für ein denkendes Publikum.
„Syriana“ wurde mit Nominierungen und Preisen überschüttet. Der wichtigste für uns Krimijunkies ist dabei der Edgar-Allan-Poe-Preis, den Gaghan für sein Drehbuch erhielt.
Mit George Clooney, Matt Damon, Jeffrey Wright, Chris Cooper, William Hurt, Mazhar Munier, Tim Blake Nelson, Amanda Peet, Christopher Plummer, Alexander Siddig, Robert Foxworth
3sat präsentiert wieder einmal „Pop around the clock“. Dieses Mal sind die Höhepunkte eher am Anfang. Denn wer braucht schon „Simply Red“ (ab 19.15 Uhr), „Bon Jovi“ (ab 22.00 Uhr) und „Take That“ (ab Mitternacht), wenn er „Frank Zappa“ (ab 06.00 Uhr, das 1981er Konzert im Palladium, New York), „David Byrne“ (ab 07.00 Uhr), „Santana“ (ab 08.45 Uhr), „Peter Gabriel“ (ab 11.00 Uhr), „The Rolling Stones“ (ab 14.45 Uhr, das 1978er Konzert in Fort Worth, Texas) und „Simon & Garfunkel“ (ab 16.45 Uhr, das 1981er Konzert im Central Park, New York) haben kann. Immerhin hört die Nacht mit „R. E. M.“ (ab 03.45 Uhr) und den „Foo Fighters“ (ab 04.45 Uhr) auf.
Der SF-Klassiker – und wie es sich für einen Klassiker gehört: unglaublich teuer, lang, an der Kasse zunächst gefloppt, von Produzenten und Verleihern in verschiedenen gekürzten Versionen herausgebracht und, vor allem optisch, ein großer Einfluss auf eigentlich alle dystopischen SF-Filme (Was wäre “Blade Runner” ohne “Metropolis”?). Dass die Geschichte eher banal und die Botschaft ärgerlich ist – geschenkt.
Obwohl: Nachdem 2008 in Buenos Aires eine Kopie der verschollen geglaubten Premierefassung entdeckt und aufwendig restauriert wurde, kann jetzt sogar die um ein gutes Viertel längere und fast vollständige Version (einige Teile konnten nicht gerettet werden) von “Metropolis” endlich wieder gesehen werden.
mit Alfred Abel, Gustav Fröhlich, Brigitte Helm, Rudolf Klein-Rogge, Fritz Rasp, Heinrich George
Wiederholung: Donnerstag, 12. Januar 2012, 02.05 Uhr (Taggenau!)
State of Play – Der Stand der Dinge (USA/GB 2009, R.: Kevin Macdonald)
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Tony Gilroy, Billy Ray (nach der gleichnamigen TV-Serie von Paul Abbott)
In Washington, D. C., verunglückt die sehr junge Mitarbeiterin eines Kongressabgeordneten tödlich in der U-Bahn. Zur gleichen Zeit wird ein Kleindealer von einem Killer erschossen. „Washington Globe“-Reporter Cal McAffrey beginnt zu recherchieren.
Auf de Insel war der spannende Sechsteiler „State of Play“ von „Cracker“-Autor Paul Abbott, der bei uns eher unter Ausschluss der Öffentlichkeit als „Mord auf Seite 1“ auf Arte lief, ein Riesenerfolg. Natürlich interessierte Hollywood sich für ein Remake. Die guten Politthriller-Autoren Carnahan, Gilroy und Ray machten aus der Vorlage einen hochkarätig besetzten Paranoia-Thriller, der natürlich nie die Komplexität des Originals erreicht und eigentlich perfekte Unterhaltung wäre, wenn Russell Crowe nicht wie der Mann aus den Bergen aussehen würde. Aber anscheinend kann Hollywood sich heute einen investigativen Journalisten nur noch als verspätetes Hippie-Modell aus den Siebzigern vorstellen.
Da waren Robert Redford, Dustin Hoffman, Warren Beatty (okay, die hatten zeitgenössisch ziemlich lange Matten) und John Simm (der Original McAffrey) besser frisiert.
Die Kritiker (vulgo Journalisten) waren von der okayen Kinoversion der BBC-Miniserie begeistert.
mit Russell Crowe, Ben Affleck, Rachel McAdams, Helen Mirren, Robin Wrigth Penn, Jason Bateman, Jeff Daniels, Viola Davis
„Beuterausch“. Fans von Jack Ketchum ahnen schon beim Titel, dass er in seinem neuesten Roman wieder die Welt von „Beutezeit“ (Off Season, 1980) und „Beutegier“ (Offspring, 1991), in der es um einen in der Wildnis von Maine lebenden Kannibalenclan und dessen Begegnungen mit der Zivilisation geht, betritt und dass die Geschichte nichts für zartbesaitete Seelen ist. Immerhin hielt die Zeitschrift „Village Voice“ „Beutezeit“ für „violent pornography“ (das muss ich wohl nicht übersetzen, oder?), der Kultstatus folgte schnell und heute hat der Horrorroman Buch durchaus Klassikerstatus.
„The Woman“ heißt die Verfilmung von „Beuterausch“. Wobei Verfilmung etwas ungenau in. Denn Jack Ketchum schrieb zusammen mit Regisseur Lucky McKee (von dem die grandiose Ketchum-Verfilmung „Red“ ist) das Drehbuch, das zeitgleich mit dem Roman entstand. Belesene Filmfans werden sich jetzt an Graham Greenes „Der dritte Mann“ erinnern, bei dem der Romanautor parallel zu seinem Drehbuch, um seine Charaktere besser kennenzulernen, eine Romanfassung schrieb.
Insofern unterscheidet sich die Geschichte von „Beuterausch“ und „The Woman“ nur in Nuancen. Beide Male wird erzählt, wie der Familienvater und Kleinstadtanwalt Chris Cleek auf einem Jagdausflug eine in der Wildnis lebende Frau entdeckt, sie gefangen nimmt, im Keller seines einsam gelegenen Hauses einsperrt und zivilisieren will. Seine Familie soll ihm dabei helfen. Widerspruch duldet der Hausherr bei seinem Vorhaben nicht.
Dank der Unterschiede zwischen Buch und Film gibt es dann doch einige sehr interessante Verschiebungen.
So erzählt Ketchum die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven; auch aus der Sicht der Gefangenen. In McKees Film muss Pollyanna McIntosh, die die Gefangene spielt, das alles mit ihrer Mimik und, weil sie die meiste Zeit des Films gefesselt in einem Keller ist, mit eingeschränkter Gestik erledigen. Bis auf einige gutturale Geräusche sagt sie nichts. Für den Hausherrn ist sie vor allem die bedrohliche Wilde, die nur an ihrem Überleben interessiert ist, und zivilisiert werden muss. Für die restliche Familie ist sie, wie für uns Zuschauer, in verschiedenen Abstufungen, die edle Wilde, auf die wir unsere Fantasien von einem freien Leben in der Natur projezieren können. Jedenfalls wenn wir die Bücher von Jack Ketchum nicht kennen und daher nicht wissen, dass sie sich auch von Menschenfleisch ernährt.
Im Film ist die Wandlung des Biedermanns und geachteten Anwalts Chris Cleek zum Monster erschreckender. Denn auch wenn er am Anfang vielleicht etwas merkwürdig wirkt, ist er doch der nette Nachbar, der der Wilden helfen will. Immerhin ist doch nichts dagegen einzuwenden, wenn man versucht, jemand zu zivilisieren. Die Lebensgeschichten von Kaspar Hauser und Victor de l’Aveyron (die Francois Truffaut in dem wundervollen Film „Der Wolfsjunge“ verfilmte) sind Beispiele dafür.
Nur dass Cleeks Familie immer etwas zu traurig und zu ängstlich durch das einsam gelegene Haus schleicht, könnte einem in der ersten Hälfte des Films zu Denken geben. Denn bis auf die kleinste Tochter ist kein Funken Lebensfreude in der Familie. Warum versteht man spätestens im Finale, wenn all die schmutzigen Geheimnisse der Cleek-Familie bekannt werden.
Gerade wie sehr die Verhältnisse der einzelnen Charaktere von Gewalt, sexuellem Verlangen und Angst bestimmt sind, wird im Buch von der ersten Seite an noch deutlicher als im Film. Denn in „The Woman“ geht es vor allem um Gewalt. In „Beuterausch“ um Gewalt und Sex in seinen verschiedenen Konnotationen und Formen. Damit wirkt der Roman noch düsterer als der Film.
Wenn am Ende, nachdem die Gefangene sich befreien kann, dann die dünne Schicht der Zivilisation endgültig aufbricht und die aufgestauten Gefühle sich in einem wahren Schlachtfest entladen, spritzt das Blut über die Leinwand, die Gedärme werden auf der Farm großflächig verteilt und die FSK-18-Freigabe wird verständlich. Bei der Premiere während des Sundance Filmfest sollen etliche Zuschauer und Kritiker den Saal verlassen haben bei dieser deftigen und kompromisslosen Zivilisationskritik.
Dabei ist „The Woman“ noch die entschärfte Version des Romans. Denn in einem Roman kann man Dinge schreiben, die man so nicht zeigen kann.
Das Bonusmaterial
Für einen kleinen Film ist das Bonusmaterial erfreulich umfangreich ausgefallen. Im Zentrum stehen dabei das „Making of“ und „Behind the Scenes“, die in einer kurzweiligen, fast halbstündigen Mischung aus Blick hinter die Kulissen der Produktion und informativen Statements der Beteiligten (wozu auch Jack Ketchum gehört) gefällt. Die „Entfallenen Szenen“ wurden wahrscheinlich nur herausgeschnitten, um den Film etwas kürzer zu machen. Denn keine dieser Szenen wäre im Film unangenehm aufgefallen.
Auch im Buch gibt es Bonusmaterial. Nämlich die Kurzgeschichte „Das Vieh“, die erzählt, was nach dem Ende von „The Woman“ geschieht.
Jack Ketchum/Lucky McKee: Beuterausch
(übersetzt von Marcel Häußler)
Heyne, 2012
288 Seiten
8,99 Euro
–
Originalausgabe
The Woman
Dorchester Publishing, New York 2011
–
Verfilmung
The Woman (The Woman, USA 2011)
Regie: Lucky McKee
Drehbuch: Jack Ketchum, Lucky McKee
mit Pollyanna McIntosh, Sean Bridgers, Angela Bettis, Lauren Ashley Carter, Carlee Baker, Alexa Marcigliano, Zach Rand, Shyla Molhusen
–
DVD
Capelight
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Making of, Behind the Scenes, Entfallene Szenen, Kinotrailer, Kurzfilm „Burro Boy“ von Zach Passero (produziert von Lucky McKee), Wendecover
Tote tragen keine Karos (USA 1982, R.: Carl Reiner)
Drehbuch: Carl Reiner, George Gipe, Steve Martin
Herrliche Hommage an die Schwarze Serie: bei seinem neuesten Fall stolpert Detektiv Rigby durch zahlreiche Klassiker der Schwarzen Serie, unter anderem „This Gun for hire“, „Double Indemnity“, „The lost weekend“, „The big sleep“, „In a lonely place“, „Dark passage“, Suspicion“, „Notorious“, „The postman always rings twice“ und „White heat“. Carl Reiner verband neu gedrehte Szenen mit Szenen aus den Filmklassikern zu einer liebevollen Komödie für Filmfans.
Mit Steve Martin, Rachel Ward, Carl Reiner – und zahlreichen Gastauftritten von Stars der Schwarzen Serie
The Game – Das Geschenk seines Lebens (USA 1997, R.: David Fincher)
Drehbuch: John Brancato, Michael Ferris
Conrad schenkt seinem stinkreichen, einsamen Arschloch-Bruder Nicholas Van Orton einen Gutschein für ein Spiel, das sein Leben interessanter gestalten soll. Nachdem Nicholas das Rollenspiel beginnt, beginnt er die Kontrolle über sein Leben zu verlieren.
Düsterer Thriller (jedenfalls bis zum Beginn des dritten Aktes), der Fincher zwischen „Se7en“ und „Fight Club“ in Topform zeigt.
„Das Ganze ist ein intellektuelles Spiel mit Genre-Elementen und den Erwartungen eines an unzähligen Filmminuten geschulten Publikums. (…) Die Besonderheit an The Game ist nun, dass Fincher gerade darauf zielt, seinen Film als Spielmaterial kenntlich zu machen; methodisch tut er dies mit Sigmund Freud als Aushilfsregisseur, stilistisch mit den Mitteln des Verfolgungswahns.“ (Michael Kohler in Frank Schnelle, Hrsg.: David Fincher)
Mit Michael Douglas, Sean Penn, Deborah Kara Unger, James Rebhorn, Peter Donat, Carroll Baker, Armin Mueller-Stahl, Jack Kehoe (sein bislang letzter Auftritt, als Lieutenant Sullivan), Spike Jonze (kleine Nebenrolle), Michael Massee (dito kleine Nebenrolle)
LV: John le Carré: The Russia House, 1989 (Das Rußland-Haus)
Ein russischer Physiker bietet dem britischen Verleger Blair brisantes Material an. Im Auftrag des Rußland-Hauses, einer Abteilung des britischen Geheimdienstes, fährt Blair wieder nach Moskau, verliebt sich und sein Auftrag wird für ihn immer unwichtiger.
Spionagedrama und Liebesfilm, bei dem alles stimmt. „Das Rußland-Haus“ ist ein bittersüßer Abgesang auf den alten Spionagefilm. Die Außenaufnahmen entstanden – erstmals – in Moskau und Leningrad.
mit Sean Connery, Michelle Pfeiffer, Roy Scheider, Klaus Maria Brandauer, James Fox, J. T. Walsh
Bahnbrechendes Action-Kino, das Bruce Willis zum Star machte – im Buch besucht der Held seine Tochter, im Film besucht der Held seine Frau, der Rest (Terroristen besetzten ein Hochhaus, unser Held kämpft gegen sie) ist bekannt. EPD Film meinte „ein durch und durch regressiver Film, der einer infantilen Lust an der Zerstörung Nahrung verschafft.“
Davor, um 20.15 Uhr, und danach, um 00.50 Uhr, läuft „Stirb langsam – Jetzt erst recht“ (der dritte „Die Hard“-Film) und um 02.45 Uhr gibt’s, ebenfalls mit Bruce Willis, „Hostage – Entführt“.
Das Drehbuch von Jeb Stuart und Steven E. De Souza war für den Edgar nominiert.
Mit Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Alexander Godunov, Reginald VelJohnson, William Atherton, Paul Gleason, Hart Bochner
Bei Panini Comics erschien jetzt „Die Hard – Das erste Jahr“ von Autor Howard Chaykin und den Zeichnern Stephen Thompson und Gabriel Andrade jr.. In der offiziellen Vorgeschichte zu den „Stirb langsam“-Filmen (in dem Roman von Roderick Thorp ist die Biographie des Helden etwas anders) muss John McClane am 4. Juli 1976, während der Zweihundertjahrfeier der USA, in New York als junger, unerfahrener Cop Dienst schieben und sich mit Terroristen und Geiselnehmern kloppen. Fast wie einige Jahre späer in den Filmen.
Best of Open Air 2011 – oder 24 Nonstop geile Mucke
Wer mit dem ganzen Weihnachtsgedöns nichts anfangen kann, kriegt hier die volle Ladung Rock’n’Roll.
24 Stunden lang.
Los geht’s um 05.35 Uhr mit Femi Kuti. Danach gibt es mit PJ Harvey (06.50 Uhr), Bad Religion (07.20 Uhr), Kaisers Chiefs (18.50 Uhr), Kasabian (19.50 Uhr), Motörhead (22.00 Uhr), Apocalyptica (22.55 Uhr), Subway to Sally (01.35 Uhr), dEUS (02.40 Uhr) und endet um 04.40 Uhr mit Boys Noize. Die Konzerte wurden in diesem Jahr auf den Rockfestivals Roskilde, MELT!, splash!, Hurricane, Wacken und Berlin Festival aufgenommen und müssten damals auch schon mal gezeigt worden sein.
JAMES BOND: 007 jagt Dr. No (GB 1962, R.: Terence Young)
Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood, Berkely Mather
LV: Ian Fleming: Dr. No, 1958 (007 James Bond jagt Dr. No)
Auf Jamaica soll James Bond herausfinden, wer zwei Mitarbeiter des Secret Service umbrachte. Er stößt schnell auf Dr. No.
Der allererste Bond, mit Sean Connery, Ursula „Bikini“ Andress, Joseph Wiseman – damals noch nah am Buch und ziemlich hart. „Dr. No“ ist nicht nur aus nostalgischen Gründen sehenswert.
Hinweise
Wikipedia über „James Bond: 007 jagt Dr. No“ (deutsch, englisch)
Vor zwei Jahren war Guy Ritchies Sherlock-Holmes-Film mit Robert Downey jr. als Sherlock Holmes und Jude Law als Dr. Watson ein Kassenhit und auch ein toller Sherlock-Holmes-Film, dem der Spagat zwischen Hommage an den Charakter, einem Zurück zu dem von Sir Arthur Conan Doyle erfundenem genialen Privatdetektiv und den Ansprüchen des Blockbuster-Kinos überraschend gut gelang. Denn viele Sherlock-Holmes-Fans hatten vorher schon das Schlimmste befürchtet. Aber Guy Ritchie, der nach einer jahrelangen Durststrecke mit dem okayen „RocknRolla“ wieder an seine frühen Erfolge „Bube, Dame, König, grAS“ und „Snatch – Schweine und Diamanten“ anknüpfte, hatte hier wieder ein glückliches Händchen
Weil der Film an der Kinokasse überaus erfolgreich war, war eine Fortsetzung mit dem bewährten Team eine reine Formsache.
In „Spiel im Schatten“ kämpft Sherlock Holmes gegen Professor Moriarty (Jared Harris), den „Napoleon des Verbrechens“, wie Holmes ihn durchaus bewundernd nennt. Holmes glaubt, dass die in europäischen Städten stattfindenden Anschläge und Morde nicht von verschiedenen radikalen Gruppen durchgeführt wurden, sondern der Professor der Kopf hinter all den Verbrechen ist. Dummerweise hat Holmes keinen Beweis, sein Freund Dr. Watson will gerade jetzt heiraten und Holmes‘ große Liebe (soweit Holmes überhaupt fähig ist, gegenüber dem anderen Geschlecht Gefühle zu Empfinden) Irene Adler (Rachel McAdams) wurde von Moriarty ermordet. Also stürzt Holmes sich, ohne Rücksicht auf Verluste, ins Abenteuer.
Aber während der erste Sherlock-Holmes-Film von Guy Ritchie noch Respekt vor Doyles Charakter hatte, fährt der Zug in „Spiel im Schatten“, auch wenn das Finale über dem Reichenbachfall spielt und sich Holmes und Moriarty kämpfend in die Fluten des Wasserfalls stürzen (wie wir aus der Holmes-Geschichte „The final problem“ [Sein letzter Fall], die sehr lose als Inspiration diente, wissen), eindeutig von der Deduktion in Richtung Comedy, gewürzt mit viel Action und einigen Guy-Ritchie-Manierismen.
Robert Downey jr. wird als Sherlock Holmes mit dandyhaft wallendem Haar und kunstvoll drapierten Schnittverletzungen und blauen Flecken, auch ohne Frauenkleider (die er im Zug trägt) immer tuntiger. Sein Bruder Mycroft (Stephen Fry!!!) hat seine beste Szene, wenn er nackt vor der frisch vermählten Frau Watson steht, dabei von ihren Reizen gänzlich unbeeindruckt ist und dies in wohlfeine Worte kleidet. Und die Beziehung von Holmes und Watson hat in „Spiel im Schatten“ schon keinen homosexuellen Subtext mehr.
Außerdem verkommt der furchtlos-geniale Detektiv immer wieder zur Lachnummer. Am deutlichsten, wenn er nicht auf einem Pferd reiten will, das mit einem Adrian-Monk-würdigem Satz begründet, daher auf einem Esel reitet und zu seinen Mitreisenden blöde Sprüche macht.
In solchen Momenten hätte man sich von den Machern mehr Respekt vor dem literarischen Charakter gewünscht.
So wird „Sherlock Holmes – Spiel im Schatten“ schnell zu zwei Stunden Remmidemmi um die Jahrhundertwende. Das ist sehr kurzweilig und entsprechend unterhaltsam, wenn man akzeptiert, dass dieser Sherlock-Holmes-Film bis auf einige Spurenelemente nichts mehr mit dem literarischen Sherlock Holmes zu tun hat, sondern eine Buddy-Action-Comedy vor historischer Kulisse ist, bei der die rudimentäre Handlung einfach nur den Film zusammenhält.
Immerhin funktioniert „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ so ausgezeichnet als deftige Zwischenmahlzeit und Appetitanreger für die im Januar in England und später auch bei uns laufende zweite Staffel der BBC-Sherlock-Holmes-Filmserie „Sherlock“ mit Benedict Cumberbatch als Sherlock Holmes und Martin Freeman als Dr. John Watsn.
Für seinen nächsten Sherlock-Holmes-Film muss Guy Ritchie sich allerdings überleben, ob er wirklich weiter die doch eher banale Action-Comedy-Schiene bedienen will. Eine Rückkehr zum ernsthafteren und werkgetreueren Stil seines ersten Sherlock-Holmes-Film und damit dem literarischen Sherlock Holmes würde mir allerdings besser gefallen.
Sherlock Holmes: Spiel im Schatten (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Michele Mulroney, Kieran Mulroney
LV: Charakter von Sir Arthur Conan Doyle
mit Robert Downey jr., Jude Law, Jared Harris, Noomi Rapace, Stephen Fry, Eddie Marsan, Rachel McAdams, Kelly Reilly, Geraldine James, Paul Anderson, Thierry Neuvic
Hostage – Entführt (USA 2005, R.: Florent Emilio Siri)
Drehbuch: Doug Richardson
LV: Robert Crais: Hostage, 2001 (Hostage – Entführt)
LAPD-Verhandlungsexperte Jeff Talley schiebt in einer Kleinstadt eine ruhige Kugel. Da nehmen drei Jugendliche einen Mafia-Buchhalter und dessen Kinder als Geisel. Talley muss, nachdem die Mafia seine Frau und Tochter entführt, wieder verhandeln.
Okayer Geiselnahmethriller mit einem irgendwo zwischen Italo-Western und Horrorfilm oszillierendem Look und einigen hübschen Twists, wie der doppelten Geiselnahme und den sich verändernden Loyalitäten. Allerdings ist das Buch gerade bei dem Mafia-Plot glaubwürdiger. Und wer wissen will, wie die Polizei verhandelt, sollte auch zu dem Buch greifen.
Der Film ist nur die bleihaltige Action-Variante davon.
Mit Bruce Willis, Kevin Pollak, Jimmy Bennett, Michelle Horn, Ben Foster, Jonathan Tucker, Marshall Allman, Serena Scott Thomas, Rumer Willis (Tochter von Bruce Willis), Kim Coates, Robert Knepper
Drehbuch „Hostage“ von Robert Crais (29. März 2002, early draft – Crais schrieb nach seinem Roman ein Drehbuch, das später von anderen Autoren umgearbeitet wurde.)