TV-Tipp für den 14. August: Das Gelübde

August 14, 2011

Arte, 22.40

Das Gelübde (D 2007, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Markus Busch, Dominik Graf

LV: Kai Meyer: Das Gelübde, 1998

Dülmen, 1818: der frisch bekehrte Clemens Brentano protokolliert die Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick und fragt sich, ob es den Teufel wirklich gibt.

Ein Historiendrama, das unter den Händen von Dominik Graf durchaus gelungen ist; – wenn man keine Probleme mit dem Thema hat.

Mit Misel Maticevic, Tanja Schleiff, Anke Sevenich, Maren Eggert, Johann von Bülow

 

Hinweise

Homepage von Kai Meyer

Meine Besprechung von Dominik Grafs „Schläft ein Lied in allen Dingen“

Meine Besprechung von der von Dominig Graf inszenierten TV-Serie  „Im Angesicht des Verbrechens“

Meine Besprechung von Johannes F. Sieverts Interviewbuch „Dominik Graf – Im Angesicht des Verbrechens: Fernseharbeit am Beispiel einer Serie“

Dominik Graf in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Sherlock“ Holmes und Dr. John Watson haben im heutigen London ihren Spaß

August 13, 2011

Der „Sherlock Holmes“-Film mit Robert Downey jr. und Jude Law hat mir verdammt gut gefallen. Aber gegen den neuen BBC-Sherlock-Holmes ist Guy Ritchies Film ein laues Lüftchen, Und dabei spielt der BBC-Holmes in der Gegenwart. Das war zwar bei den Holmes-Verfilmungen bis in die fünfziger Jahre öfters so. Am bekanntesten dürften, dank zahlreicher Wiederholungen die Universal-Studios-Filme (wobei die ersten beiden Filme von 20th Century Fox waren) mit Basil Rathbone (als Sherlock Holmes) und Nigel Bruce (als Dr. Watson) sein. Die ersten spielten auch im viktorianischen England, aber danach wollte man Geld sparen und über einen Umweg mit Fällen in einsam gelegenen Dörfern (aka der allseits bekannten Horrorfilm-Dekoration) wurden dann die Fälle konsequent in der Gegenwart angesiedelt und Sherlock Holmes und Dr. Watson kämpften auch gegen Nazis. Das fiel, weil die Fortschritte in der Forensik nicht so groß waren, nicht so sehr auf.

Aber in den vergangenen Jahren veränderte sich die Forensik entscheidend und, wie jeder, der auch nur eine Folge „C. S. I.“ gesehen hat, weiß, können heute die Wissenschaftler unsichtbare Spuren lesen und am Ende mit einem DNA-Test die Sache klären. Wo soll in dieser Welt noch der Platz für einen Detektiv wie Sherlock Holmes sein?

Nun, die Erfinder der neuen Serie, Mark Gatiss und Steven Moffat, zeigen bereits mit dem ersten Auftritt von ihrem Sherlock Holmes, dass dieser Charakter auch in der Gegenwart gegenüber den gewöhnlichen Ermittlern gut bestehen kann. Denn obwohl die Polizei heute mehr Informationen als früher hat, obwohl die Forensiker an einem Tatort mehr verwertbare Spuren als früher finden (und man sich schon manchmal fragt, wie die Polizei früher überhaupt Fälle lösen konnte), kommt es am Ende doch auf die richtige Verbindung der verschiedenen Spuren an. Und Sherlock Holmes ist, damals wie heute, ein Meister der Deduktion.

So erklärt Sherlock Holmes dem verblüfften, nach seinem Afghanistan-Einsatz am Stock gehendem Doktor John Watson, bereits bei ihrer ersten Begegnung, was er alles über ihn weiß (und was Gatiss und Moffat fast wortwörtlich aus Doyles „Eine Studie in Scharlachrot“ übernommen haben). Nur in einem kleinen Punkt irrt sich der „Consulting Detective“, wie Holmes sich auch auf seiner Homepage nennt. Diese Szene ist aus dem ersten „Sherlock“-Film „Ein Fall von Pink“ (A study in pink).

In London haben sich mehrere Menschen anscheinend freiwillig vergiftet. Sherlock Holmes glaubt allerdings, dass sie ermordet wurden – und er nimmt John Watson als Mitbewohner bei sich auf.

In „Der blinde Banker“ (The blind banker) sollen Holmes und Watson in einer Bank herausfinden, wer ein Zeichen an die Wand gemalt hat. Fast zur gleichen Zeit werden ein Bankangestellter und ein Journalist ermordet. Holmes findet heraus, dass es ein Code ist und er etwas mit den Chinabesuchen des Bankers und des Journalisten zu tun hat.

In „Das große Spiel“ (The great game) wird Holmes von einem Unbekannten erpresst, innerhalb weniger Stunden mehrere Fälle zu lösen. Sonst wird jemand anderes sterben. Am Ende der Folge begegnen Sherlock Holmes und John Watson Dr. Moriarty, dem großen Gegner von Holmes.

Der Schlüssel für einen guten Film ist ein gutes Drehbuch. Aber wenn man dann die falschen Schauspieler und den falschen Regisseur hat, kann es immer noch schiefgehen. Auch Kamera, Ausstattung und Musik sind wichtig. Bei „Sherlock“ stimmt alles.

Die Drehbücher von Mark Gatiss, Steven Moffat und Steve Thompson (für „Der blinde Banker“) sind gespickt mit Querverweisen und Referenzen auf die Sherlock-Holmes-Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle. Gatiss und Moffat als Erfinder der Serie haben auch dafür gesorgt, dass der Charakter Sherlock Holmes und sein Umfeld vom viktorianischen England in die Gegenwart verlegt wurden. Dabei ließen sie das Beziehungsgeflecht der Charaktere zueinander intakt und Sherlock Holmes war schon immer ein hochgradig künstlicher Charakter, der außer dem Aufklären von Verbrechen keine anderen Interessen hatte.

Die Fälle der ersten Staffel basieren zwar nicht auf originalen Holmes-Geschichten, aber die Autoren haben viele Handlungsdetails, Motive und Elemente aus den Geschichten von Doyle übernommen und neue Fälle erfunden, die den Geist von Doyles Geschichten atmen und gelungen fast schon irrwitzige Deduktionen von Holmes mit einer ordentlichen Portion Action und pointierten Dialogen mischen. Das ist beim Ansehen höchst kurzweilig und wird auch, dank der guten Besetzung, entsprechend kurzweilig präsentiert.

Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen dabei natürlich Benedict Cumberbatch und Martin Freeman. Mit Benedict Cumberbatch, der die erste Wahl der beiden Serienerfinder war und der auch schnell zusagte, hatten sie ihren perfekten Sherlock Holmes, der ein wenig wie ein aus dem vorletzten Jahrhundert gefallener Dandy wirkt, gefunden. Martin Freeman (den einige vielleicht in „Per Anhalter durch die Galaxis“ als Arthur Dent gesehen haben) war dann, nach Proben mit verschiedenen Darstellern, die ideale Ergänzung und der richtige Gegenpart zu Sherlock Holmes gefunden. Denn Dr. Watson ist nicht der Trottel, der bewundernd hinter Sherlock Holmes herläuft, sondern ein intelligenter, selbstbewusster Mann mit Kriegserfahrung.

Die Regie von Paul McGuigan (Gangster No. 1, Lucky # Slevin, Push), der den ersten und dritten Fall inszenierte, und von Euros Lyn (George Gently, Torchwood, Dr. Who), der den zweiten Fall inszenierte, ist absolut zeitgemäß und sprüht vor überraschenden Ideen. Das zeigt sich auch an McGuigans Idee, die Textnachrichten und Gedanken von Sherlock Holmes einfach, fast wie in einem Comic, im Bild einzublenden. Diese verblüffend einfache und effektive Idee, Deduktionen verständlich zu visualisieren und sich den lästigen Schnitt auf ein Smartphone zu sparen, verleiht der Serie einen weiteren besonderen Touch. Gleichzeitig erlaubt sie es den Machern, das Erzähltempo noch etwas zu beschleunigen.

Nach „Sherlock“ ist der zweite Sherlock-Holmes-Kinofilm mit Robert Downey jr. für mich nur noch eine Pflichtübung, um die Zeit bis zu den neuen „Sherlock“-Filmen mit Benedict Cumberbatch zu überbrücken.

Denn die ARD hat sich die Ausstrahlungsrechte für die neuen „Sherlock“-Filme, die demnächst in England ihre TV-Premiere erleben, gesichert. Es ist also für Nachschub gesorgt.

 

Die DVD

 

Mit zwei Audiokommentaren, einem Making-of, dem nicht ausgestrahlten Pilotfilm und einem Booklet wurde für die Fans der Serie ein umfangreiches Paket zusammengestellt. Besonders der Audiokommentar zu „Ein Fall von Pink“ mit den Autoren Mark Gatiss und Steven Moffat und der Produzentin Sue Vertue ist hörenswert. Gatiss und Moffat erzählen ohne Pausen von der Produktion, den verschiedenen Drehbüchern, wie sie Sherlock Holmes fit für das 21. Jahrhundert machten, was sie aus welchen Geschichten übernahmen, warum sie bestimmte Dinge änderten – und Sue Vertue spielt bestenfalls die Stichwortgeberin. Der zweite Audiokommentar von Mark Gatiss mit den Hauptdarstellern Benedict Cumberbatch und Martin Freeman zeigt dann vor allem, dass sie sich gut verstehen. Das halbstündige Making-of „Unlocking Sherlock“, das hauptsächlich von den Menschen hinter der Kamera bestritten wird, ist, wie der Audiokommentar zu „Ein Fall von Pink“, ein sehr informativer und kurzweiliger Einblick in die Produktion und die Hintergründe der Serie.

Der einstündige Pilotfilm „Sherlock – A Study in Pink“ ist für Komplettisten und am Handwerk interessierte Filmfans eine tolle Beigabe. Denn die BBC bestellte zuerst eine Serie von einstündigen Filmen und der Pilotfilm sollte zeigen, dass die Idee funktioniert. Nun, sie funktionierte so gut, dass die BBC danach drei spielfilmlange Filme bei der Produktionsfirma Hartswood Film bestellte und sie „A Study in Pink“ mit einem größeren Budget neu drehen konnte. Dafür wurde einiges ergänzt, einiges geändert und vieles, wie große Teile der Besetzung, blieb gleich. Wobei einige Dialoge an anderen Orten gesprochen wurden. Außerdem kann man sehen, wie Gatiss und Moffat ihre ursprüngliche Geschichte weiterentwickelten.

Und dann gibt es noch ein 16-seitiges Booklet mit vielen Hintergrundinformationen zu Sherlock Holmes, der Serie, den Machern und den einzelnen Folgen. Hier verraten Michael Ross und Oliver Bayan auch, welche Details der Filme aus welchen Sherlock-Holmes-Geschichten übernommen wurde.

Bei der Menge an Informationen ist es schon etwas ärgerlich, dass, bis auf das Making-of, auf deutsche Untertitel verzichtet wurde. Denn nicht jeder kann Englisch.

Sherlock – Staffel 1 (GB 2010)

Erfinder: Mark Gatiss, Steven Moffat

mit Benedict Cumberbatch (Sherlock Holmes), Martin Freeman (Dr. John Watson), Una Stubbs (Mrs. Hudson), Rupert Graves (Detective InspectorI Lestrade), Mark Gatiss (Mycroft Holmes), Louise Brealey (Molly Hooper)

DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Audiokommentar zu „Ein Fall von Pink“ von Mark Gatiss, Steven Moffat und Sue Vertue, Audiokommentar zu „Das große Spiel“ von Benedict Cumberbatch, Martin Freeman und Mark Gatiss, „Sherlock – A Study in Pink“ (der nicht gezeigte einstündig Pilotfilm), Making-Of „Unlocking Sherlock“ (mit deutschen Untertiteln), Booklet

Länge: 270 Minuten (2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Die ersten drei Fälle von Sherlock Holmes und Dr. John Watson

Ein Fall von Pink (A Study in Pink, GB 2010)

Regie: Paul McGuigan

Drehbuch: Steven Moffat

Der blinde Banker (The Blind Banker, GB 2010)

Regie: Euros Lyn

Drehbuch: Steve Thompson

Das große Spiel (The Great Game, GB 2010)

Regie: Paul McGuigan

Drehbuch: Mark Gatiss

Hinweise

The Science of Deduction (Homepage von Sherlock Holmes)

John Watson’s Blog

Molly Hooper’s Diary

BBC über „Sherlock“

BBC Germany über „Sherlock“

ARD über „Sherlock“

Hartswood Film über „Sherlock“

 

YouTube-Kanal „Sherlock“

Wikipedia über „Sherlock“ (deutsch, englisch)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. August: Sherlock Holmes: Die Stimme des Terrors/Das Haus des Schreckens/Verhängnisvolle Reise

August 13, 2011

 

3sat, 02.15

Sherlock Holmes: Die Stimme des Terrors (USA 1942, R.: John Rawlings)

Drehbuch: Lynn Riggs, Robert D. Andrews, John Bright

LV: Arthur Conan Doyle: His last bow, 1917

Nachdem die Serie in die Gegenwart verlegt wurde, durfte Holmes auch Nazis bekämpfen; – obwohl hier noch auf eine Geschichte von Doyle Bezug genommen wird.

Mit Basil Rathbone, Nigel Bruce

3sat, 03.20

Sherlock Holmes: Das Haus des Schreckens (USA 1945, R.: Roy William Neill)

Drehbuch: Roy Chanslor

LV: Sir Arthur Conan Doyle: The Adventure of the five Orange Pips (erschienen in Adventures of Sherlock Holmes, 1891)

Die Mitglieder eines Londoner Clubs werden umgebracht. Sherlock Holmes sucht den Täter.

Siebter Krimi der Holmes-Filme des Universal Studios mit Basil Rathbone und Nigel Bruce

3sat, 04.25

Sherlock Holmes: Verhängnisvolle Reise (USA 1943, R.: Roy William Neill)

Drehbuch: Bertram Millhauser, Lynn Riggs

LV: Figur von Sir Arthur Conan Doyle

Holmes bekämpft in Washington Nazi-Spione, die einen Mikrofilm in ihre Hände bekommen wollen. – Jedenfalls im Original. Die erste deutsche Synchronisation machte aus den Nazis normale Gangster, die an eine Arznei ran wollen.

Im Kino lief 1959 ein gekürzter Zusammenschnitt von „Verhängnisvolle Reise“ und „Die Geheimwaffe“ als „Sherlock Holmes in geheimer Mission“.

Unterhaltsamer Universal-Oldie mit Basil Rathbone und Nigel Bruce

Hinweise

Wikipedia über „Sherlock“ (deutsch, englisch)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte

Bonus – oder noch mehr Sherlock Holmes

 

 


TV-Tipp für den 12. August: Hellboy

August 12, 2011

Pro 7, 20.15

Hellboy (USA 2004, Guillermo del Toro)

Drehbuch: Guillermo del Toro (nach einer Geschichte von Guillermo del Toro und Peter Briggs

LV: Mike Mignola: Hellboy

Hellboy, ein zum Guten erzogener Dämon, verkloppt im Auftrag einer geheimen FBI-Einheit Dämonen. Jetzt kämpft er gegen den untoten Mönch Rasputin und den SS-Mann Kroenen, die ihr vor sechzig Jahren unterbrochenes Werk vollenden wollen.

Guillermo del Toro könnte ein Bruder von Robert Rodriguez sein. Auch seine Filme sehen teurer aus als sie sind und auch er liebt die Popkultur.

„Hellboy“ ist eine der wenigen gelungenen Comicverfilmungen. Kein Wunder. Schließlich hat hier ein Fan einen Film für andere Fans (alle mit einem kindischen Gemüt) gemacht.

Mit Ron Perlman, John Hurt, Selma Blair, Rupert Evans

Wiederholung: Sonntag, 14. August, 22.25 Uhr

Hinweise:

Hellboy-Comic-Seite (oder Mike Mignolas Hellboy-Seite)

Amerikanische Hellboy-Film-Seite

Deutsche Hellboy-Film-Seite

Wikipedia über „Hellboy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Tödliches Terrain (Band 7)“ (BPRD: Killing Ground, 2008)

Meine Besprechung von Mike Mignola (Autor)/John Arcudi (Autor)/Guy Davis (Zeichner) „B. U. A. P.: Die Warnung (Band 8)“ (BPRD: The Warning, 2009/2010)


DVD-Kritik: Tom Thorne und „Der Kuss des Sandmanns“

August 11, 2011

 

Wow. Die Briten haben es wieder einmal geschafft. Während bei uns Ende Juli ein „Polizeiruf 110“ zum Schutz der Jugend vor der Ausstrahlung gerade vom ursprünglich geplanten 20.15-Uhr-Termin auf eine spätere Uhrzeit verschoben wird, weil er zu spannend sei, es keine klaren Grenzen zwischen Gut und Böse gebe und der Staat komplett versage, nehmen die Briten einen schon ziemlich düsteren Roman von Mark Billingham und verschärfen ihn. Denn zwischen dem Ermittler, D. I. Tom Thorne, und dem Serienmörder besteht im Film eine besondere Verbindung, die weit über die künstliche Verbindung der Beiden in Billinghams Roman hinausgeht. Sowieso haben die beiden Drehbuchautoren Dudi Appleton und Jim Keeble die Vorlage kräftig geändert. Sie haben die Stärken, wie die Prämisse, übernommen, die Schwächen, wozu vor allem die schlechte Konstruktion des Romans gehört, ignoriert und die 2000 spielende Geschichte in die Gegenwart verlegt.

Im Buch und im Film hat ein Unbekannter in London mehrere Frauen ermordet. Alison Willets (Sara Lloyd-Gregory) überlebt und liegt fortan im Krankenhaus. Sie kann nur noch ihre Augen bewegen. Erschreckt muss Tom Thorne (David Morrissey), nach einem Brief des Mörders an ihn, feststellen, dass Alison Willetts das erste Opfer war, bei dem er seinen Plan in die Tat umsetzen konnte. Nicht Willetts, sondern die Toten sind seine Fehlschläge.

Im Buch konzentriert sich Tom Thorne schnell auf den Arzt Jeremy Bishop (Stephen Campbell Moore), der Willetts als erster im Krankenhaus behandelte. Er hält ihn für den Täter. Die Indizien sind zwar dünn und Thorne beginnt auch eine Affäre mit Anne Coburn (Natasha McElhone), die Willets behandelt und mit Bishop seit Ewigkeiten gut befreundet ist. Weil Thorne in Billinghams Debütroman „Der Kuss des Sandmanns“ die meiste Zeit einfach nur diese eine Spur verfolgt, ohne dass er dabei einen Schritt weiter kommt, und es auch keine anderen Verdächtigen gibt, zieht sich der Roman in der Mitte wie Kaugummi und Thorne wird immer mehr zum langweilenden, den Leser verärgernden Dummkopf. Denn selbstverständlich ist jemand, der vom Autor so deutlich als Täter aufgebaut wird, nach den Regeln des Whodunits (und formal folgt Billingham der Struktur des Rätselkrimis) am Ende nicht der Täter.

Im Film gibt es dagegen mehrere Verdächtige. Die Polizei, und damit auch Tom Thorne, verfolgt mehrere Spuren und, nachdem der Täter ein Ereignis aus Thornes Vergangenheit erwähnt, weiß Thorne, dass der Täter sein großes Geheimnis kennt.

Gleichzeitig versucht Thornes Kollege Kevin Tugham (Eddie Marsan) den ihm verhassten Kollegen als Mörder zu überführen und der mit Thorne gut befreundete Gerichtsmediziner Phil Hendricks (Aidan Gillen) wird im Lauf der Ermittlungen auch als Mörder verdächtigt.

Das ist viel Stoff für zwei Stunden, aber den Autoren Dudi Appleton und Jim Keeble (die auch Bücher für „Silent Witness“ und „Der Preis des Verbrechens“ schrieben) und Regisseur Stephen Hopkins („Predator 2“, „Mörderisches Spiel“, „24“ und „Californication“) gelang es, das alles sehr pointiert zu erzählen und Stephen Hopkins, der den Film in der Umgebung des neuen Olympiastadiums und im East End drehte, hat auch einige ungewöhnliche und noch nicht totgefilmte Stadtansichten eingefangen. Aber am ungewöhnlichsten und, obwohl Billingham im Roman auch mehrere Szenen aus Alison Willetts Perspektive geschrieben hat, sind die aus Willets Perspektive inszenierten Szenen, in denen wir ihre Gedanken hören können. Sie gehören zum Schlimmste, was es seit langem im Fernsehen zu sehen gab. Denn bewegungslos und fast kommunikationsunfähig im eigenen Körper eingesperrt zu sein, kann man sich nur allzu leicht vorstellen. In dem von Alfred Hitchcock inszeniertem Kurzfilm „Breakdown“ befand Joseph Cotten sich in einer ähnlichen Lage.

Mit einigen Interviewschnipseln ist das Bonusmaterial enttäuschend ausgefallen.

Der zweite Tom-Thorne-Film „Die Tränen des Mörders“ (Scaredy Cat) ist ab jetzt im Verleih und ab dem 15. September im Handel.

Der Kuss des Sandmanns – Tom Thorne ermittelt (Thorne: Sleepyhead, GB 2010)

Regie: Stephen Hopkins

Drehbuch: Dudi Appleton, Jim Keeble

LV: Mark Billingham: Sleepyhead, 2001 (Der Kuss des Sandmanns)

mit David Morrissey, Natasha McElhone, Eddie Marsan, O. T. Fagbenle, Aidan Gillen, Lorraine Ashbourne, Stephen Campbell Moore, Joshua Close

DVD

EuroVideo

Bild: 1.78:1

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Interviews mit David Morrissey, Jim Keeble und Dudi Appleton, Natasha McElhone, Eddie Marson, Aidan Gille, O. T. Fagbenle, Stephen Campbell Moore, Joshua Close (insgesamt 10:20 Minuten), Deutscher Trailer (2:20 Minuten)

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Der Roman „Der Kuss des Sandmanns“ (Goldmann, später Portobello) ist derzeit nur antiquarisch erhältlich.

Einige neuere Thorne-Romane sind bei Goldmann erhältlich.

Hinweise

Ski 1 über Tom Thorne

Homepage von Mark Billingham

Meine Besprechung von Mark Billinghams „In der Stunde des Todes (Lifeless, 2005)

Mark Billingham in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 11. August: Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra

August 11, 2011

ARD, 22.45

Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra (I 2008, R.: Matteo Garrone)

Drehbuch: Maurizio Braucci, Ugo Chiti, Gianni Di Gregorio, Matteo Garrone, Massimo Gaudioso, Roberto Saviano

LV: Robert Saviano: Gomorra, 2006 (Gomorrha)

Hochgelobte Verfilmung von Savianos auf Tatsachen basierendem gleichnamigem Roman. Garrone zeichnet in fünf unabhängigen Handlungssträngen ein unglamouröses Bild der Camorro in Neapel.

Der Film erhielt in Cannes den Großen Preis der Jury.

Mit Salvatore Abruzzese, Maria Nazionale, Toni Servillo

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Italienische Homepage zum Film

Film-Zeit über “Gomorrha”

FAZ: Andreas Kilb interviewt Roberto Saviano (2007)


TV-Tipp für den 10. August: Ein Amen für die Mafia

August 10, 2011

ARD, 00.00

Ein Amen für die Mafia: Paten, Priester und der Vatikan (D 2011, R.: Christian Gramstadt)

Drehbuch: Christian Gramstadt

45-minütige Doku über das Verhältnis der katholischer Kirche zur Mafia in Italien. Könnte interessant sein und ist nach der Ausstrahlung bestimmt in der Mediathek zu finden. Denn Mitternachtskino muss nicht sein; vor allem wenn es wegen dem Fußballspiel Deutschland – Brasilien sicher etwas später wird.

Hinweis

ARD über die Doku


TV-Tipp für den 9. August: James Bond: Feuerball

August 9, 2011

BR, 22.00

JAMES BOND: Feuerball (GB 1965, R.: Terence Young)

Drehbuch: Richard Maibaum, John Hopkins, Jack Whittingham

LV: Ian Fleming: Thunderball, 1961 (Feuerball)

Largo erpresst die britische Regierung mit der Drohung zwei Atomraketen auf westliche Großstädte abzufeuern. Anstatt zu bezahlen schickt die Regierung James Bond los – die Welt zu retten.

Bond auf den Bahamas und mit gaaaanz vielen Tauchern. Die Story zu „Feuerball“ basierte auf einem zusammen mit Kevin McClory entworfenem Filmtreatment. Nach einem Rechtsstreit durfte McClory ein Remake machen. Es hieß „Sag niemals nie“ (ebenfalls mit Connery und am Ende wieder mit gaaaanz vielen Taucher, – wegen des Copyrights)

Mit Sean Connery, Adolfo Celi, Claudine Auger

Wiederholung: Donnerstag, 11. August, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Feurball“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

James Bond in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 8. August: Letztes Jahr in Marienbad

August 7, 2011

 

Arte, 20.15

Letztes Jahr in Marienbad (F/I 1960, R.: Alain Resnais)

Drehbuch: Alain Robbe-Grillet

Als ich den Film vor Ewigkeiten als Teenager im TV sah, war ich begeistert. Denn das war wirklich etwas anderes. Und damals, lange bevor es Nischensender wie Arte gab, die auch zur Hauptsendezeit Anspruchsvolles zeigen, wurde der Film in einem dritten Programm um eine ähnliche Uhrzeit gesendet. Das waren die Zeiten, als der Öffentlich-rechtliche Rundfunk seinen Bildungsauftrag noch ernst nahm. Aber damals liefen Sonntags zur besten Frühschoppenzeit auch Stummfilme; – und das war nicht die schlechteste Filmbildung.

Doch jetzt zum Gegenstand der Freude: In einem Barockschloss (gedreht wurde im Münchner Schloss Nymphenburg) trifft ein Mann eine verheiratete Frau. Er behauptet, dass sie ineinander verliebt waren. Sie kann sich nicht daran erinnern. Er versucht sie zu überzeugen – und wir Zuschauer fragen uns, was Wahrheit und was Traum ist.

Letztes Jahr in Marienbad“ erhielt bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen, war für den Science-Fiction-Preis „Hugo“ nominiert und war ein Kultfilm der sechziger Jahre.

Und für alle, die immer noch nicht interessiert sind: Christopher Nolan beschrieb seinen Film „Inception“ als „’Letztes Jahr in Marienbad‘ mit Pistolen“. Ähem,…

Im Anschluss läuft um 21.45 Uhr „Erinnerungen an Marienbad“ (F 2009), ein quasi Making-of, bei dem der damalige Regieassistent Volker Schlöndorff („Die Blechtrommel“) während der Dreharbeiten entstandene Super-8-Aufnahmen von Nebendarstellerin Francoise Spira kommentiert.

Mit Delphine Seyrig, Giorgio Albertazzi, Sergio Pitoeff, Francoise Berlin

Wiederholung: Mittwoch, 10. Augst, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Letztes Jahr in Marienbad“ (deutsch, englisch, französisch)

Arte über „Letztes Jahr in Marienbad“

Senses of Cinema über „Letztes Jahr in Marienbad“

Critic über „Letztes Jahr in Marienbad“

Filmzentrale über „Letztes Jahr in Marienbad“

The other side of film über „Letztes Jahr in Marienbad“

 


TV-Tipp für den 7. August: Fahrenheit 451

August 7, 2011

3sat, 23.50

Fahrenheit 451 (GB 1966, R.: Francois Truffaut)

Drehbuch: Francois Truffaut, Jean-Louis Richard

LV: Ray Bradbury: Fahrenheit 451, 1953 (Fahrenheit 451)

Im Rahmen des heutigen Thementages „Spirit of the Sixties: Die 60er Jahre“ zeigt 3sat heute Truffauts selten gezeigten Anti-Utopie, in der Bücher, weil sie subversive Gedanken enthalten, verboten sind. Feuerwehrmann Montag erfüllt brav seine Pflicht und verbrennt Bücher, bis er Clarissa kennenlernt und zunehmend an seinem Leben und seinem Tun zweifelt.

Der spätere Regisseur Nicholas Roeg war der Kameramann und Alfred-Hitchcock-Komponist Bernard Herrmann komponierte den Soundtrack

mit Julie Christie, Oskar Werner, Cyril Cusack, Anton Diffring, Jeremy Spenser

Hinweise

Wikipedia über Ray Bradbury (deutsch, englisch), „Fahrenheit 451“ (deutsch, englisch) und Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Ray Bradbury

Tagesspiegel: Denis Scheck interviewt Ray Bradbury (20. August 2008)

 


TV-Tipp für den 6. August: Wacken 2011

August 6, 2011

ZDFkultur, 20.00

Wacken 2011

Gut, für Feingeister ist das Programm nichts, aber Metal-Fans, die keine Karte bekommen haben, dürfen sich auf Avantasia (20.00 Uhr), Blind Guardian (20.55 Uhr), Apocalyptica (21.45 Uhr), Airbourne (22.45) und Motörhead (23.45 Uhr) freuen.

Die nachfolgende Sendung, die Wacken-Doku „Full Metal Village“ (D 2007, Regie: Sung Hyung Cho), kann etwas später beginnen.

Hinweise

ZDFkultur über die Sendung

Homepage Wacken Open-Air

 


TV-Tipp für den 5. August: Shadow und der Fluch des Khan

August 5, 2011

RBB, 23.00

Shadow und der Fluch des Khan (USA 1994, R.: Russell Mulcahy)

Drehbuch: David Koepp

LV: Charakter von Maxwell Grant (Pseudonym von Walter B. Gibson)

New York, dreißiger Jahre: Der Shadow bekämpft die Bösewichter. Sein neuester Gegner ist Shiwan Khan, ein Nachfahre von Dschingis Khan, der die ganze Welt unterwerfen will und der den Shadow von früher kennt.

Der 45 Millionen teure Film war bei den Kritikern und an der Kasse ein Flop. Heute, zwischen all den Superheldenfilmen, kann „Shadow und der Fluch des Khan“ erstaunlich gut bestehen und, trotz der Mängel in der Story, gefällt mir dieser unterschätze, naive Film, der den Zauber der alten Serials, B-Pictures (weniger) und Noirs (noch weniger) wiederaufleben lassen will, viel besser als einige der hoch budgetierten, bedeutungsschwangeren Comicverfilmungen (ich sage nur „Batman“), die in den vergangenen Jahren in den Kinos liefen.

mit Alec Baldwin, John Lone, Penelope Ann Miller, Peter Boyle, Ian McKellen, Tim Curry, Jonathan Winters

Hinweise

Wikipedia über „Shadow und der Fluch des Khan“ (deutsch, englisch)

Comic Book Movie über „The Shadow“ (mit vielen Bildern und Ausschnitten)

Meine ausführliche Besprechung von „Shadow und der Fluch des Khan“


TV-Tipp für den 4. August: Jerichow

August 4, 2011

ARD, 22.45

Jerichow (D 2008, R.: Christian Petzold)

Drehbuch: Christian Petzold

Der unehrenhaft entlassene Soldat Thomas hilft nach einem Unfall Ali Özkan, dem Besitzer einer Imbisskette. Ali stellt ihn als Fahrer ein und bald macht er sich an Alis Frau Laura ran.

Petzolds Variante von James M. Cains „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ (The Postman always rings twice, 1934).

mit Benno Fürmann, Hilmi Sözer, Nina Hoss, André Hennicke, Claudia Geisler

Hinweise

Homepage zum Film

Arte über „Jerichow“

Film-Zeit über „Jerichow“

Wikipedia über „Jerichow“


Neu im Kino/Filmkritik: Zurück in die Siebziger mit „Super 8“

August 3, 2011

Dass J. J. Abrams etwas von Vermarktung versteht, ist spätestens seit dem von ihm produziertem Alien-Invasionsfilm „Cloverfield“ bekannt und auch für seinen neuesten Film „Super 8“ schraubte er die Erwartungen mit kryptischen Ankündigungen und sich widersprechenden Gerüchten hoch. Dabei erzählt er in „Super 8“, wie in „Cloverfield“, eine altbekannte Geschichte. Aber während bei „Cloverfield“ vor allem die Machart (es wurde alles mit einer Handkamera gedreht) beeindruckte, ist J. J. Abrams in seinem neuesten, von Steven Spielberg produziertem Film in jeder Beziehung altmodisch: die Geschichte spielt 1979 und die Inszenierung passt sich auch dem damaligem Inszenierungstempo und -stil, bis auf den Zugunfall am Anfang, an.

Im Mittelpunkt von „Super 8“ steht eine Gruppe Jugendlicher, die in Ohio einen Zombie-Film drehen wollen (Wer denkt hier nicht an die Anfänge von Steven Spielberg und J. J. Abrams?). Damals war das Filmmaterial teuer. Nur das weit verbreitete Super-8-Format war auch für Jugendliche erschwinglich. Das fehlende Geld wird mit Enthusiasmus und Einfallsreichtum ausgeglichen. So machen die sechs Freunde sich eines Nachts auf den Weg zu einer einsam gelegenen Bahnstation. Sie wollen den vorbeifahrenden Zug als Requisite für eine herzzerreißende Abschiedsszene verwenden. Doch nachdem ihr Biologielehrer mit seinem Auto die Gleise blockiert, entgleist der riesige Güterzug in einer grandios-ohrenbetäubenden und vollkommen unrealistischen Szene. Denn dass ein Auto einen Zug zum Entgleisen bringt und der Fahrer des PKWS, am Steuer sitzend, den Unfall überlebt, kann nur mit der emotionalen Logik (nach der Dinge möglich sind, die nach der rationalen Logik unmöglich sind) erklärt werden. Trotzdem hatte ich danach ein kleines Problem mit dem Film.

Als am nächsten Tag das Militär den Unfallort unter der Leitung von Air Force Colonel Nelec (von Noah Emmerich hübsch furchteinflößend gespielt) weiträumig absperrt, ist das Interesse der Jugendlichen geweckt. Sie wollen herausfinden, was in dem Zug war, und sie benutzen das Militär als kostenlose und unwissende Statisten für ihren Super-8-Film, der auch am Ende von „Super 8“ gezeigt wird und von den Schauspielern während des Drehs improvisiert wurde.

Gleichzeitig verschwinden Menschen und Dinge spurlos aus der Kleinstadt und selbstverständlich hat das etwas mit dem in dem Zug befördertem Wesen aus einer anderen Welt zu tun hat.

Neben der Mystery-Geschichte und der Besetzung der Stadt durch das Militär, das einen entlaufenen Alien sucht, erzählt J. J. Abrams auch die Geschichte der ersten Liebe zwischen Joe Lamb (Debütant Joel Cortney), der in dem Super-8-Film für die Spezialeffekte und die Maske zuständig ist, und Alice Dainard (Elle Fanning), der Hauptdarstellerin in dem Super-8-Film, in die er verliebt ist. Ihre Väter sind allerdings miteinander verfeindet. Denn Joes Vater, Deputy Sheriff Jackson Lamb (Kyle Chandler), glaubt, dass Alices Vater, der alleinerziehende, jähzornige Trinker Louis Dainard (Ron Eldard) für den Tod seiner Frau verantwortlich ist.

Formal ist „Super 8“ zwar ein J.-J.-Abrams-Film, aber der Einfluss von Steven Spielberg ist in jeder Minute spür- und sichtbar; ebenso die Ähnlichkeiten zu Steven Spielbergs „E. T. – Der Außerirdische“: der eine Film spielt 1979, der andere 1982; beide spielen in einer All-American-Kleinstadt; die Kinder sind gut; die Erwachsenen sind Randfiguren; der alleinerziehende Vater des Helden ist hilfsbereit und gutwillig, aber auch überfordert (in „E. T.“ war’s die Mutter); das Militär ist böse, der Außerirdische gut und er will nur nach Hause. Das sind alles vertraute Elemente aus der Spielberg-Factory. Ebenso die für Erwachsene manchmal arg platte Moral.

Auch die Liebe zum Detail in der Ausstattung, die Komposition der Farben und Bilder, der Schnitt und die Musik scheinen aus den späten Siebzigern/frühen Achtzigern gefallen zu sein und erinnern damit an Spielbergs Filme „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ und „E. T.“. Falls man „Super 8“ nicht gerade für einen 1980 verschollenen Steven-Spielberg-Film hält

Auch J. J. Abrams, der aus seiner Bewunderung für Spielberg keinen Hehl macht, bestätigt diesen Eindruck: „Ich konnte gar nicht fassen, wie viel Arbeit Steven in diesen Film investierte, denn er hat derart viel zu tun, dass er eigentlich doch gar keine Zeit dafür hatte. Dennoch hat er stundenlang mit der Überarbeitung des Skripts und später im Schneideraum verbracht. Ich erlebte das als ganz surreal. Denn ich empfand es nicht nur als Auszeichnung, mit ihm arbeiten zu dürfen – zusätzlich geht es auch noch um einen Film über eine Zeit, die für unsere beiden Biographien von entscheidender Bedeutung war.“

Mir hat das zeitgemäße Update von „E. T.“ gefallen. Aber ich hatte auch den Eindruck, dass er sich eigentlich an ein jugendliches Publikum richtet und wenn Zwölfjährige sich diesen Sommer „Super 8“ statt „Green Lantern“ ansehen, sehen sie den viel besseren Film. Vielleicht wird er für sie auch so prägend, wie „E. T.“ es für 1982 Zwölfjährige war.

Nach „Mission Impossible III“ und „Star Trek“ ist „Super 8“ J. J. Abrams bislang bester Film. Bei seinem nächsten Film werden wir dann – einige dürften sich noch an Tobe Hoopers „Poltergeist“ und Spielbergs starken Einfluss auf den parallel zu „E. T.“ entstandenen Horrorfilm erinnern – wissen, wie viel Spielberg in „Super 8“ steckt.

Super 8 (Super 8, USA 2011)

Regie: J. J. Abrams

Drehbuch: J. J. Abrams

mit Kyle Chandler, Elle Fanning, Joel Courtney, Gabriel Basso, Noah Emmerich, Ron Eldard, Riley Griffiths, Ryan Lee, Zach Mills

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film und noch eine Seite zum Film

Film-Zeit über „Super 8“

Wikipedia über „Super 8“ (deutsch, englisch)

Time: Interview mit J. J. Abrams über „Super 8“ (6. Juni 2011)

Go into the Story: Emotionale und rationale Logik am Beispiel von „Super 8“


TV-Tipp für den 3. August: Mein liebster Feind

August 3, 2011

ZDFkultur, 20.15

Mein liebster Feind (D 1999, R.: Werner Herzog)

Drehbuch: Werner Herzog

Grandiose spielfilmlange Doku, in der Werner Herzog seine Zusammenarbeit mit Klaus Kinski reflektiert. Sie verband über fünf Filme eine innige und sehr produktive Hassliebe. Denn „Aguirre, der Zorn Gottes“, „Nosferatu“, „Woyzeck“, „Fitzcarraldo“ und „Cobra Verde“ sind Klassiker des Neuen Deutschen Films (auch wenn sie nicht unbedingt in Deutschland entstanden) und in jedem Fall gehören sie zu ihren besten Arbeiten.

Mit Werner Herzog, Klaus Kinski, Claudia Cardinale, Mick Jagger, Eva Mattes, Thomas Mauch, Maximilian Schell

Wiederholung: Donnerstag, 4. August, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Werner Herzog

Wikipedia über Werner Herzog (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 2. August: James Bond: Goldfinger

August 2, 2011

BR, 22.00

JAMES BOND: Goldfinger (GB 1964, R.: Guy Hamilton)

Drehbuch: Richard Maibaum, Paul Dehn

LV: Ian Fleming: Goldfinger, 1959

Goldfinger (Gert Fröbe) will Fort Knox ausräumen. James Bond (Sean Connery) hat etwas dagegen.

Mit „Goldfinger“ hatte sich James Bond endgültig im Kino etabliert und der Presserummel bei „Feuerball“ und „Man lebt nur zweimal“ war gigantisch. Ebenso die Zahl der mehr oder weniger missglückten Kopien in Buch und Film. Da scheint der heutige Rummel um „Harry Potter“/“Herr der Ringe“/“Krieg der Sterne“/“Matrix“ ein Klacks zu sein.

Mit Sean Connery, Gert Fröbe, Honor Blackman, Shirley Eaton, Harold Sakata, Bernard Lee, Lois Maxwell

Hinweise

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

James Bond in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. August: Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft

August 1, 2011

HR, 23.30 (VPS 23.29)

Monty Python‘ wunderbare Welt der Schwerkraft (GB 1971, R.: Ian MacNaughto, Terry Gilliam)

Drehbuch: Monty Python

Eine Nummernrevue von Monty Python, die erst 1983 in die deutschen Kinos kam.

mit Graham Chapman, John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle, Terry Jones, Michael Palin

Hinweise

Homepage von Monty Python

YouTube-Kanal von Monty Python (und wer mit dem Englischen Probleme hat, muss einfach seine Wunschsprache eingeben)

Monty Python’s Completely Useless Web Site (und auch nicht autorisiert)

Wikipedia über Monty Python (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 31. Juli: The Grifters

Juli 31, 2011

NDR, 23.45

The Grifters (USA 1990, Regie: Stephen Frears)

Drehbuch: Donald Westlake

LV: Jim Thompson: The Grifters, 1963 (Muttersöhnchen, Die Abzocker)

Roy Dillon schlägt sich als kleiner Trickbetrüger mehr schlecht als Recht durch. Als er an eine größere Menge Geld kommt, haben seine Freundin Mary und seine Mutter Lilly plötzlich Interesse an ihm; besonders an dem Geld.

Der potentielle Klassiker basiert auf einem der besten und düstersten Bücher von Thompson. Westlake schrieb ein grandioses Drehbuch, und das gesamte Team (es wäre wirklich unfair, eine einzelne Person herauszuheben) gab ihr bestes. „The Grifters ist ein starkes Stück Kino, ein Krimi, der seinen Alptraum formvollendet präsentiert.“ (Fischer Film Almanach)

Mit Anjelica Huston, John Cusack, Annette Bening, Pat Hingle, Charles Napier, J. T. Walsh, Xander Berkeley

Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Drehbuch „The Grifters“ von Donald E. Westlake (Second Draft, März 1989)

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake


TV-Tipp für den 30. Juli: Der nackte Kuss

Juli 30, 2011

ZDFkultur, 22.30

Der nackte Kuss (USA 1964, R.: Sam Fuller)

Drehbuch: Sam Fuller

Die Prostituierte Kelly will ein einer All-American-Kleinstadt ein neues Leben beginnen. Aber diese heile Welt ist gar nicht so heil.

Ein kleiner Noir-Klassiker der etwas anderen Art. Denn ein guter Film ist „Der nackte Kuss“ nicht. Ein bizarrer, ein irritierender, ein teils langweilender, teils beunruhigender und polarisierender Film ist „Der nackte Kuss“ schon; – mehr dazu in meiner ausführlichen Besprechung des „nackten Kusses“.

mit Constance Towers, Anthony Eisley, Michael Dante, Virginia Grey, Patsy Kelly, Marie Devereux

Wiederholung: Sonntag, 31. Juli, 04.20 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Der nackte Kuss“

Der Film Noir über „Der nackte Kuss“

Film-Rezensionen über „Der nackte Kuss“

Turner Classic Movies: Sean Axmaker über „Der nackte Kuss“

The Last Drive In: Monstergirl über „Der nackte Kuss“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3)

Criterion: Michael Dare über „Der nackte Kuss“

You Tube: der gesamte Film in bescheidener Bildqualität

Meine Besprechung von „Der nackte Kuss“


DVD-Kritik: John Frankenheimers Evan-Hunter-Verfilmung „Die jungen Wilden“

Juli 29, 2011

Als John Frankenheimer 1960 „Die jungen Wilden“ drehte, wollte er vor allem zeigen, dass er als Live-Television-Director auch einen Spielfilm drehen konnte. Und zwar, wie auch die anderen Live-Television-Regisseure, die damals in Hollywood ihre zweite Karriere begannen (unter anderem Arthur Penn, Sidney Lumet, Norman Jewison und George Roy Hill), mit einem Film, der auch etwas zu sagen hatte. Also kein Musical, keine launige Komödie, sondern ein Drama, das etwas über die Gesellschaft aussagt und dies mit einer liberalen Position verknüpft. Da bot sich ein Film über die Jugendkriminalität und die Bandenkriminalität an.

In „Die jungen Wilden“ erstechen in Spanish Harlem drei italienische Jugendliche (sie sind 15, 16 und 17 Jahre alt) tagsüber auf offener Straße einen blinden puerto-ricanischen, fünfzehnjährigen Jungen. Staatsanwalt Hank Bell (Burt Lancaster), der aus dem gleichen Viertel wie die Mörder kommt, will ein Exempel statuieren. Er war früher sogar mit der Mutter von dem jüngsten Täter liiert. Ihm gelang dann der Weg aus dem Ghetto. Er glaubt, dass die Menschen sich für ihre Taten verantworten müssen und er weiß, dass diese Jugendlichen und ihre Bewunderer nur eine Sprache verstehen. Auch wenn es bedeutet, dass sie dafür auf den elektrischen Stuhl müssen.

Sein Vorgesetzter, District Attorney Daniel Cole, der für das Amt des Gouverneurs kandidiert, unterstützt ihn bei dieser harten Linie.

Aber als Bell sich mit den Hintergründen der Tat beschäftigt, entdeckt er, dass das Opfer nicht so harmlos war, wie man auf den ersten Blick vermutet, und die Täter nicht die blutgierigen Bestien sind, als die sie anfangs erschienen.

Frankenheimer drehte den Film hauptsächlich vor Ort. Wegen der hohen Kosten für zwei Crews war ein gesamter Dreh in New York nicht möglich, aber die Innenausstattung wurde detailgetreu in Hollywood nachgebaut und so fühlt sich der Film von der ersten bis zur letzten Minute authentisch, in vielen Momenten fast schon wie ein Dokumentarfilm an.

Der Mord bietet Frankenheimer die Gelegenheit, sich mit den damals entstehenden Straßengangs, die sich an den unterschiedlichen Ethnien orientierten, dem alltäglichem Rassismus, der Politik, der zwiespältigen Rolle der Presse und den sozialen und psychologischen Hintergründen der Tat und was sie für die von ihr Betroffenen bedeutet, zu beschäftigen und so auch ein Sittenbild der damaligen Gesellschaft zu zeigen. Dabei gibt es etliche Szenen, die für das damalige Publikum sicher verstörend waren: die drastisch gezeigte Gewalt, die Herrschaft der Straßengangs über das Viertel, die Rede der Mutter gegenüber Cole und Bell während der Beerdigung und das Geständnis eines Mädchens vor Gericht,, dass sie als Prostituierte das Geld für die Familie verdient. Filmisch gibt es auch immer wieder beeindruckende Szenen: wenn Frankenheimer in den ersten Filmminuten die drei Jugendlichen zu ihrer Tat verfolgt, die Tat teilweise in einer Sonnenbrille gezeigt wird (was auch eine Hommage an Alfred Hitchcocks „Der Fremde im Zug“ ist), die immer wieder in extremer Untersicht aufgenommenen Schauspieler und natürlich deren überzeugendes Spiel. Nicht nur bei den Profis, sondern auch bei den jungen Schauspielern und den Laien. Das alles zeigt, dass John Frankenheimer bei seinem zweiten Spielfilm genau wusste, was er tat.

Die jungen Wilden“ war ein bei den Kritikern und in dem städtischen Publikum, das in dem Film, der auf einem wahren Fall basierte, ihnen vertraute Probleme erkannte, ein Erfolg. Mit Burt Lancaster, der damals ein großer Star war und auch einen Regisseur feuern konnte, drehte John Frankenheimer direkt danach „Der Gefangene von Alcatraz“ (Birdman of Alcatraz) und später „Sieben Tage im Mai“ (Seven Days in May), „Der Zug“ (The Train) und „Die den Hals riskieren“ (The Gypsy Moths).

Frankenheimers Karriere in den folgenden über vierzig Jahren war wechselhaft. So drehte er Flops, wie das gruselige „D. N. A. – Experiment des Wahnsinns“ (The Island of Dr. Moreau), bei dem er die Regie von Richard Stanley übernahm. Aber auch etliche Klassiker, wie „Botschafter der Angst“ (The Manchurian Candidate), „Grand Prix“, „French Connection II“, „Schwarzer Sonntag“ (Black Sunday), „52 Pick-Up“ und „Ronin“.

Auch „Die jungen Wilden“ gehört in diese Reihe.

 

Andere Meinungen

 

In der Milieuzeichnung glaubhaft und kompromisslos, in der Charakterisierung der Figuren jedoch zu vordergründig.“ (Lexikon des internationalen Films)

 

It is a tribute to his skill that this narrative, so overcrowded on paper, never seems, on film contrived and complacent in its social concerns. It is not easy to keep all the threads running evenly throughout this broad tapestry of poverty, violence and despair, but the director has managed this so skilfully, and not at all episodically, that events and characters seem consistently believable.“ (Gerald Pratley: The Films of Frankenheimer, 1998)

 

Ein exzellentes Drama um Jugendkriminalität.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon, 2006)

Die jungen Wilden (The Young Savages, USA 1960)

Regie: John Frankenheimer

Drehbuch: Edward Anhalt, J. P. Miller

LV: Evan Hunter: A matter of conviction, 1959 (später auch “The Young Savages”, deutscher Titel “Harlem Fieber”)

Mit Burt Lancaster, Dina Merrill, Shelley Winters, Edward Andrews, Vivian Nathan, Larry Gates, Telly Savalas (in seinem Spielfilmdebüt und dann, lange vor “Kojak”, schon gleich als Kriminalpolizist)

DVD

Euro Video

Bild: 16:9 (1.77:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über “Die jungen Wilden”

Turner Classic Movies: Jeff Stafford über “The Young Savages”

Cahiers de Cinema über „The Young Savages“

Rays Kinofilmklassiker über „Die jungen Wilden“

The Museum of Broadcast Communications über John Frankenheimer

Homepage von Ed McBain

Meine Besprechung des von Ed McBain herausgegebenen Buches „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2006)

Meine Besprechung von Ed McBains “Die Gosse und das Grab” (The Gutter and the Grave, 2005, Erstausgabe: Curt Cannon: I’m Cannon – For Hire, 1958)