Polizeiruf 110: Der scharlachrote Engel (D 2005, R.: Dominik Graf)
Drehbuch: Günter Schütter
Flo Engelhard ruft bei der Polizei an und sagt, sie habe einen Einbrecher erschossen. Die Kommissare Tauber und Obermaier finden allerdings keine Leiche und kurz darauf taucht der Einbrecher quicklebendig wieder auf. Er will sich anscheinend an Flo rächen.
Hier arbeitet wieder das bewährte Team Schütter-Graf zusammen. Ihm verdanken wir unter anderem folgende Sternstunden des deutschen Films: „Der Skorpion“, „Tatort: Frau Bu Lacht“, „Die Sieger“, die Fahnder-Folgen „Nachtwache“ und „Baal“ und zuletzt den Spielfilm „Der rote Kakadu“.
„Der scharlachrote Engel“ ist ein intensiver „Polizeiruf 110“ über Stalking und die Unfähigkeit der Polizei etwas dagegen zu tun. Gegen diesen Polizeithriller wirken viele Kinofilme wie Ramschware.
Mit Edgar Selge, Michaela May, Nina Kunzendorf, Claudia Messner
Nachdem nördlich von Kopenhagen mehrere im Wald vergrabene Leichen entdeckt werden, glaubt die junge, impulsive Leiterin der Mordkommission, Katrine Ries Jensen (Laura Bach), dass sie einen Serienkiller jagt. Fachliche Hilfe erhofft sie sich von dem verheirateten Psychologen Thomas Schaeffer (Jakob Cedergren), der früher schon die Polizei beriet, deshalb bei Katrines Chef schlecht angesehen ist und der jetzt als Uni-Prof Studenten bespaßt. Sie finden schnell zusammen und Thomas Schaeffer darf als ständiger Berater bei den Ermittlungen dabei sein.
Wer jetzt auf eine dänische Variante von „Für alle Fälle Fitz“ (Cracker) hofft, wird mit „Nordlicht – Mörder ohne Reue“ wenig Freude haben. Dafür ist Thomas zu brav und die Polizisten, bis auf Katrine, zu austauschbar-unscheinbar. Entsprechend reibungslos funktioniert die polizeiliche Teamarbeit. Den Fans von „Hautnah – Die Methode Hill“ und selbstverständlich den Fans von US-Krimiserien, in denen der Krimi-Plot und das Erzähltempo hoch, die psychologische Tiefe eher gering ist, dürfte die Serie eher gefallen. Denn wenn in „Nordlicht – Mörder ohne Reue“ das Privatleben von Katrine und Thomas angesprochen wird, wenn sie sich in einen Mann verliebt, dann hat das, wie in „Der Wolf im Schafspelz“, auch etwas mit der Mörderjagd zu tun. Dass dabei die „Wer ist der Täter?“-Frage meistens zugunsten des Thriller-Plots beantwortet wird, tut der Spannung keinen Abbruch. Im Gegenteil. Denn wenn so gekonnt wie in „Nordlicht – Mörder ohne Reue“ an der Spannungsschraube gedreht wird, vergehen die jeweils knapp neunzig Minuten wie im Flug.
In den ersten sechs Fällen jagen Katrine und Thomas zwar normalerweise Serienmörder, aber die ausgelutschtesten Serienkillerklischees werden weitgehend vermieden. In „Das Glück der Familie“ bringt ein Mann seine Traumfamilien um, wenn sie sich gegen ihn stellen. Jetzt hat er eine neue Traumfamilie gefunden. In „Aufstand in Block B“ wird im Gefängnis ein Afrikaner ermordet. Kurz darauf geschieht ein zweiter Mord und wieder wurde das Opfer kunstvoll präpariert. Der einflussreiche Gefangene Hoeg (hübsch dämonisch gespielt von dem auch bei uns bekannten Ulrich Thomsen) bietet Thomas einen Handel an: Informationen über den Täter gegen Informationen über Thomas‘ Vergangenheit.
In „Bandenkrieg“ geht Thomas Undercover – und die Serie „Nordlicht“ wird vom Profiler-Krimi zum Cop-Thriller, in dem es um Loyalitäten und auch die Liebe von Vätern zu ihren Kindern geht. Denn der russische Gangsterboss Jacovski (Kim Bodnia) ist auch ein überaus liebevoller Vater – und Thomas fragt sich, wie wichtig ihm sein eigener Sohn ist.
In der sechsten und bislang letzten Episode „Schatten der Vergangenheit“ wird Thomas mit einem alten Fall konfrontiert: damals hatte er einen Kriegsveteranen psychologisch betreut. Jetzt ist dieser nach sechs Jahren aus der Haft entlassen worden und er setzt seine Gewaltfantasien in die Tat um. Außerdem glaubt er, dass Thomas ihn verraten habe.
Die Folge endet mit einem Knall – und weil „Nordlicht – Mörder ohne Reue“ in Dänemark so unglaublich erfolgreich war, arbeiten die Macher bereits an weiteren Folgen.
Es ist zu hoffen, dass sie dann das Niveau halten. Denn die sechs Folgen sind in erster Linie gutes Spannungshandwerk, das auf den ersten Blick nicht innovativ oder sozialkritisch (was für einen Skandinavien-Krimi allerdings schon eine halbe Sensation ist) ist. Auch die psychologischen Erklärungen für die Taten fallen denkbar knapp aus. Es ist einfach nur spannende, kurzweilige Unterhaltung und damit viel mehr, als die heimischen Sender bieten.
Nordlicht – Mörder ohne Reue (Den som dræber, Dänemark 2011)
Erfinder: Elsebeth Egholm, Stefan Jaworski
mit Laura Bach (Katrine Ries Jensen), Jakob Cedergren (Thomas Schaeffer), Lars Mikkelsen (Magnus Bisgaard), Lærke Winther Andersen (Mia Vogelsang), Frederik Meldal Nørgaard (Stig Molbeck), Iben Dorner (Benedicte Schaeffer)
–
DVD
Edel
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Dänisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: –
Länge: 540 Minuten (sechs spielfilmlange Krimis auf sechs DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
–
Die Fälle von Katrine Ries Jensen und Thomas Schaeffer
Machtspiele (Liget i skoven)
Regie: Birger Larsen
Drehbuch: Rikke De Fine Licht, Siv Rajendram Eliassen, Stefan Jaworski
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Das Glück der Familie (Utopia)
Regie: Niels Nørløv
Drehbuch: Rikke De Fine Licht, Torleif Hoppe, Per Daumiller, Siv Rajendram Eliassen
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Aufstand in Block B (Ondt blod)
Regie: Niels Nørløv
Drehbuch: Rikke De Fine Licht, Siv Rajendram Eliassen
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Bandenkrieg (Øje for øje)
Regie: Kasper Barfoed
Drehbuch: Morten Dragsted, Siv Rajendram, Karina Dam
Max ist ein nett-harmloser Los-Angeles-Taxifahrer, der von einem eigenen Unternehmen träumt, aber seit zwölf Jahren sein Leben als Angestellter fristet. Da steigt Vincent ein und bietet ihm 600 Dollar, wenn er ihn in den kommenden Stunden zu fünf Freunden fährt. Nach dem ersten Stopp, weiß Max, dass Vincent ein Autragkiller ist und er ihn zu den nächsten Opfern bringen soll.
„Collateral“ ist ein kleiner, ökonomisch erzählter Neo-Noir-Thriller über das tödliche Aufeinandertreffen zweier Charaktere ihrer vollkommen gegensätzlichen Lebensauffassungen; ist ein grandios besetzter Schauspielerfilm; ist eine Liebeserklärung an das nächtliche Los Angeles und wahrscheinlich der beste Film von Michael Mann.
Mit Tom Cruise, Jamie Foxx, Jada Pinkett Smith, Mark Ruffalo, Peter Berg (Regisseur von „Hancock“), Bruce McGill, Javier Bardem, Jason Statham (Miniauftritt auf dem Flughafen)
Die sorgsam gestreuten Vorabberichte und Bilder für den vierten „Mission: Impossible“-Film „Phantom Protokoll“ steigerten in den vergangenen Monaten die Erwartungen. In Dubai wird auf dem höchsten Wolkenkratzer der Welt herumgekraxelt. Die mondänen Handlungsorte sind anscheinend alle nach dem Prinzip „Darf es bisschen mehr sein?“ ausgewählt worden und Brad Bird hat mit den Animationsfilmen „Der Gigant aus dem All“, „The Incredibles – Die Unglaublichen“ und „Ratatouille“ bereits einige erfolgreiche Filme inszeniert. Bei seinem ersten Realfilm „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ durfte er aus dem vollen schöpfen und an seiner Regie ist auch nichts auszusetzen: er wurde bezahlt, um Star und Produzent Tom Cruise möglichst gut ins Bild zu setzen und das Franchise für den nächsten „Mission: Impossible“-Film fit zu machen. Wobei sich „fit zu machen“ nur auf das Einspielergebnis und nicht auf die Story bezieht. Denn diese ist löchriger als der berühmte Schweizer Käse, wobei ich befürchte, dass die Autoren sich dachten, sie würden eine besonders eloquente David-Mamet-Imitation abgeben, indem sie bei Bedarf (also immer dann, wenn die Story an einem toten Punkt ankommt), mit neuen Informationen das vorher gesagte und gezeigte in Frage stellen oder sogar verneinen. Doch während Mamet ein Meisters dieses bei ihm gründlich durchdachten Spiels ist, dümpeln André Nemec und Josh Appelbaum auf TV-Serienniveau herum, wo solche Taschenspielertricks manchmal einfach aufgrund der beschränkten Sendezeit nötig sind und die Spannung, wenn sie richtig eingesetzt werden, steigern können. Auch einige peinlich erklärende Dialoge gehören eher in eine TV-Serie, bei der die Macher immer mit dem unaufmerksamen Publikum oder Späteinschaltern (Was glauben Sie, weshalb Jack Bauer in „24“ so oft sagt, dass er ein Bundesagent sei und verrät, was die Terroristen planen?) rechnen müssen. Aber im Kino bleibt man von der ersten bis zur letzten Minute sitzen und, im Gegensatz zu einer Serie, bei der während des Drehs weitere Drehbücher geschrieben werden, wird bei einem Film zuerst das Drehbuch geschrieben, dann mit den Dreharbeiten begonnen und anschließend der gesamte Film geschnitten.
Doch „Misson Impossible: Phantom Protokoll“ wirkt als habe man einfach die besten Szenen aus mehreren Drehbuchversionen genommen, dabei den Plot und die Motive der Charaktere ignoriert und sich, in der Hoffnung, dass bei einem Action-Dauerfeuerwerk niemand mehr auf Plotlöcher achtet, auf die verbleibenden Action-Szenen, die man großzügig über den Globus verteilte, konzentriert – oder ich habe einige wichtige Informationen vollkommen überhört.
Besonders bei dem titelgebenden „Phantom Protokoll“ ist diese Schlampigkeit eklatant. So setzt die US-Regierung ein Phantom Protokoll in Kraft, wonach Ethan Hunt und seine IMF-Kollegen auf sich allein gestellt sind und von allen als Terroristen gejagt werden. Nun, die allseits bekannte „Mission: Impossible“-Prämisse ist, dass die Regierung, wenn die Mission fehlschlägt, leugnet, dass sie etwas davon weiß. Was das „Phantom Protokoll“ für Hunt und sein IMF-Team schlimmer macht, ist vollkommen unklar. Denn dass sie in einem dramatischen, die Geschichte bestimmendem Ausmaß auf Ausrüstung und Logistik verzichten müssten, ist nicht ersichtlich. Auch wird das potentielle Spannungsmoment, wenn alle Geheimdienste der Welt, Hunt jagen, absolut nicht ausgeschöpft.
Damit dient das „Phantom Protokoll“ nur dazu, im Trailer die Erwartungen anzuheizen. Im Film ist es wurscht. Denn außer von einem russischen Polizisten sind keine Verfolger zu erblicken.
Aber auch das restliche, für einen Spielfilm viel zu episodische, nur auf ständige Überraschungen angelegte Drehbuch beeindruckt vor allem als zunehmend monotone Sammlung von Action, Plotlöchern, Infantilitäten und losen Enden, die letztendlich den Charme eines Kindergeburtstages hat.
Zum Beispiel will Ethan Hunt in Dubai aus rätselhaften Gründen die Auftragskillerin Sabine Moreau (Léa Seydoux), die am Filmanfang (dazu später mehr) einen IMF-Agenten ermordete, unbedingt lebend haben. Während eines Kampfs Kampf kickt IMF-Agentin Jane Carter (Paula Patton) sie aus dem Fenster des Hotels. Als Hunt davon erfährt, nimmt er es achselzuckend zur Kenntnis. Und die vor dem Hotel liegende Leiche der Killerin scheint niemanden zu kümmern. Vielleicht hat der Sandsturm sie auch einfach vor eine andere Hütte geweht.
Es ist unklar, warum der in einem russischen Gefängnis inhaftierte Hunt am Filmanfang bei seinem Ausbruch unbedingt einen anderen Inhaftierten mitnehmen muss. Wobei dieser Ausbruch, mit etwas Hilfe von seinen IMF-Kollegen, musikalisch untermalt von Dean Martins „Ain’t that a kick in the head“, als zünftige Massenschlägerei in den Gefängnisfluren, durchaus seinen Charme hat. Dass dieser irgendwie wichtige Mithäftling dann einige Tage später nicht in amerikanischen Geheimdiensthänden, in die er nach dem Ausbruch übergeben wurde, sondern frei ist und in Dubai für Hunt als Kontaktmann zu einem Waffenhändler fungieren kann, wird nicht erklärt. Aber wahrscheinlich wusste Hunt schon bei dem Ausbruch und bevor er seinen neuen unmöglichen Auftrag erhielt, dass er ihn wenige Tage später braucht. Oder so.
Auch der Filmanfang fasziniert im ersten Moment, wenn der IMF-Agent sich rückwärts von einem Gebäude fallen lässt, dabei seine Verfolger erschießt und auf einem Luftkissen landet, als gut geplante Geheimdienstaktion. Später erfahren wir, dass nichts geplant war und können uns in der nächsten Action-Szene fragen, woher der gute, inzwischen tote Agent wusste, dass er weich landen wird.
Auch etliche Dialoge und damit ganze Szenen können einen nur sprachlos zurücklassen. Denn anstatt durch eine gescheite Informationspolitik Erwartungen und damit Spannung aufzubauen, wird immer wieder in einer späteren Szene einfach gesagt, dass man vorher gelogen oder etwas wichtiges verschwiegen habe. So wird es im Film als große Überraschung inszeniert, dass William Brandt (Jeremy Renner) doch kein blasser Analytiker, sondern ein ausgebildeter IMF-Agent ist. Dabei wusste Hunt das schon von Anfang an (was natürlich die gesamte Enttarnung von Brandt als billigen Taschenspielertrick entlarvt) und Brandt hat wegen seinem letzten Auftrag ein schlechtes Gewissen. Damals sollte er die Hunts beschützen (Prust! Ein Aufpasser für unseren Superhelden! Das wäre James Bond nie passiert.) und er konnte die Ermordung von Hunts Frau nicht verhindern.
Diese Szenen verweisen immer wieder auf ein tieferes Problem: die Macher sind sich über die Motivationen ihrer Charaktere unklar. Also ist letztendlich alles möglich und alles wird auch mal irgendwie angesprochen. So soll es etwas Tragik geben, weil Hunts Frau ermordet und er von seinem Land fallengelassen wird. Das kennen wir aus „24“ und dieser Konflikt zwischen Familie und Dienst für das Vaterland wird von Jack Bauer viel besser verkörpert und den „24“-Machern viel besser durchbuchstabiert. In „Mission: Impossible“ ist uns letztendlich wurscht, dass Ethan Hunt irgendwann in der Vergangenheit seine Frau verloren hat.
Dann soll es mal wieder lässig wie in den alten James-Bond-Filmen sein. Aber gerade der selbstironische Bond-Humor geht Ethan Hunt, der eher wie der Klassenstreber wirkt, der noch schnell einen Schauplatz samt Action-Szene abhaken will, vollkommen ab.
Dass Hunt und sein restliches IMF-Team, bestehend aus Jane Carter (Paula Patton), Denji Dunn (Simon Pegg, wie immer zuständig für die Lacher) und William Brandt (Jeremy Renner als potentieller Hunt-Nachfolger, aber im Moment auch als möglicher Jason-Bourne-Nachfolger vor der Kamera), einen durchgeknallten Russen, der mit einem Atomkrieg die Welt befrieden will (Michael Nyqvist, als Anzugträger mit dem Koffer noch blasser als als Mikael Blomkvist in den Stieg-Larsson-Verfilmungen), jagen, erinnert an die guten alten James-Bond-Filme, als das Böse in Russland beheimatet war. In „Mission Imposssible: Phantom Protokoll“ wird uns ein Operettenrussland präsentiert, das eher an das in Studiokulissen gedrehte Russland aus „Ihr Auftritt, Al Mundy“ oder der „Mission: Impossible“-TV-Serie aus den Sechzigern als an das moderne Russland erinnert. Auch der Bösewicht trägt das Patina alter Zeiten.
Dazu tragen auch nach modernen Standards angenehm altmodisch inszenierten zahlreichen Action-Szenen bei. Man kann die Kämpfe wirklich mitverfolgen. Man sieht den Helden wirklich am Hochhaus herumklettern. Aber sie sind auch nie wirklich packend, weil es in ihnen um nichts geht. Sie sind l’Art pour l’Art mit einem so unverletzbarem Helden, dass James Bond dagegen wie ein verletzlicher Chorknabe wirkt. Von Jason Bourne wollen wir jetzt nicht reden.
Der gänzlich humorfreie Film (Simon Pegg als Comic Relief ignoriere ich mal.) wirkt heute komplett anachronistisch. Wie ein Relikt aus dem Kalten Krieg mit aufgepimpter Action und hastigen Schauplatzwechseln.
Da sieht man sich besser noch einmal einen der alten Agentenfilme mit James Bond, Derek Flint oder Harry Palmer (vor allem „Das Milliarden Dollar Gehirn“) an. Da ist die Action vielleicht nicht so bombastisch wie in „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“, aber dafür gibt es ein wunderschönes Sixties-Feeling mit Sean Connery, James Coburn und Michael Caine.
Ein Wort noch zu den vorherigen „Mission: Impossible“-Filmen:
Der erste von Brian de Palma gefiel mir gut. Auch weil de Palma Cruise die meiste Zeit als Volldeppen inszenierte. Und dann die übrige Besetzung: Jon Voight, Emmanuelle Béart, Henry Czerny, Jean Reno, Ving Rhames, Kristin Scott-Thomas und Vanessa Redgrave!
Der zweite von John Woo war hirnlose Action, bei der Stil alles und Story nichts war. Immerhin endet der Langweiler mit einer zünftigen Klopperei am Strand.
Der dritte von J. J. Abrams war kurzweiliges Action-Entertainment. Am besten gefiel mir die Chuzpe, mit der nach dem superschwierigen Einbruch in das Hochhaus in Shangai, aus dem Hunt die ‚Hasenpfote‘ (halt den MacGuffin) stahl, sofort auf die Straße geschnitten wurde, Tom Cruise aus dem Gebäude stürmte und die blechzerfetzende Verfolgungsjagd losging. Was in dem Gebäude geschah, wurde nie geklärt. Oh, und Philip Seymour Hofmann als Bösewicht war, wie immer, gut.
Das gleiche gilt für Ving Rhames, der im vierten Teil nur einen Kurzauftritt hat.
mit Tom Cruise, Jeremy Renner, Simon Pegg, Paula Paton, Michael Nyqvist, Wladimir Maschkow, Josh Holloway, Anil Kapoor, Léa Seydoux, Tom Wilkinson, Ving Rhames
Tatort: Rendezvous mit dem Tod (D 2011, R.: Buddy Giovinazzo)
Drehbuch: Meike Hauck, Clemens M. Schönborn
Kommissarin Saalfeld ermittelt in einem Selbstmord ohne Leiche (ein akuter Fall von “zu viel Zeit”). Ihr Kollege Keppler sucht den Mörders eines in einer Badewanne ertrunkenen, gefesselten Mannes. Und beide zicken sich neunzig Minuten wie debile Kleinstkinder an.
Zehnter Einsatz des Teams Saalfeld/Keppler, das nach einem verheißungsvollem Beginn schnell auf Ehrlicher-Niveau ankam. Auch Buddy Giovinazzo als Regisseur konnte daran nichts ändern.
Bei pulp master ist Buddy Giovinazzos neuester Roman “Piss in den Wind” und eine Wiederveröffentlichung von “Cracktown” in Vorbereitung. Das sind wirklich gute Nachrichten für die Noir-Fans.
mit Simone Thomalla, Martin Wuttke, Franziska Walser, André Hennicke, Nadeshda Brennicke
„So ganz unrecht haben die nicht, die meinen, ‚Hammett‘ sei Wenders‘ bester Film. Er ist aber zugleich, und so war das erste Urteil nicht ganz falsch, auch sein unpersönlichster“, fasste der Fischer Film Almanach damals, nachdem der Film im Mai 1982 in Cannes und im Oktober 1982 in Hof gezeigt und im Januar 1983 im Kino anlief, salomonisch die Diskussion im deutschen Feuilleton zusammen.
In seinem US-Debüt erzählt Wim Wenders eine erfundene Geschichte mit und über Dashiell Hammett. Der Ex-Privatdetektiv Hammett will sein Geld als Schriftsteller verdienen. Da wird er von seinem Ex-Kollegen Jimmy Ryan um Hilfe bei der Suche nach einer chinesischen Prostituierten gebeten. Schnell befindet Hammett sich in einem mörderischen Komplott, bei dem sein Leben keinen Cent mehr wert ist und das sehr an seine Geschichten, die alle von seiner Arbeit als Privatdetektiv beeinflusst waren, erinnert.
Mit „Hammett“ war Wenders in Hollywood angelangt. Nach „Alice in den Städten“, „Falsche Bewegung“, „Im Lauf der Zeit“ und „Der amerikanische Freund“ war er einer der anerkannten und auch beim Publikum beliebten Regisseure des Neuen Deutschen Films. Er hatte auch immer nach Hollywood geschielt. Am deutlichsten in seiner Patricia-Highsmith-Verfilmung „Der amerikanische Freund“ mit Dennis Hopper und den „Hollywood“-Regisseuren Nicholas Ray und Samuel Fuller.
Als dann der Ruf aus Hollywood von Francis Ford Coppola, der sein mit den ersten beiden „Paten“-Filmen und mit „Apocalypse Now“ verdientes Geld in seiner Produktionsfirma und Studio American Zoetrope investierte, kam, konnte Wim Wenders nicht absagen.
Denn Coppola schien ein Geistesverwandter zu sein. American Zoetrope war seine Vision eines Künstlerkollektivs, das auch die neuesten Techniken ausprobiert und die visionären Filme macht, die in den Hollywood-Studios nicht produziert wurden.
Das Wenders‘ angebotene Projekt, die Verfilmung eines hochgelobten Krimis von Joe Gores über Dashiell Hammett, der geschickt Fakten mit Fiktion verwebt, schien für Wenders, der auch ein Fan von Hammett und der Schwarzen Serie ist, ein Traumprojekt zu sein. Obwohl ein Noir eine erzählerische Disziplin erfordert, die Wenders sonst nicht hat.
Die Produktion des Filmes für Francis Ford Coppolas Zoetrope Studios war für Wenders eine ernüchternde Erfahrung. Denn im Gegensatz zu seinem Status als Autorenfilmer, der das Drehbuch schrieb und den Endschnitt hatte, war er in Hollywood Teil einer Maschinerie. Es gab mehrere verschiedene Drehbücher. Joe Gores schrieb die erste Fassung. Krimi-Autor Ross Thomas schrieb die letzte Fassung. Es gab, anderthalb Jahre nach dem Ende der Dreharbeiten einen exzessiven Nachdreh. Der Film wurde nicht, wie Wenders es gerne getan hätte, wie die Filme der Schwarzen Serie, in Schwarzweiß, sondern in Farbe gedreht. Er musste mit einem fremden Team arbeiten. Es gab mit Coppola Auseinandersetzungen über die Konzeption des Films. Während Wenders an „Hammett“ arbeitete, drehte die Dokumentation „Nick’s Film – Lightning Over Water“ und „Der Stand der Dinge“, seine persönliche Verarbeitung der desillusionierenden Dreharbeiten für „Hammett“. Denn Wenders hatte sich seine Ankunft in Hollywood ganz anders vorgestellt.
Als „Hammett“ in Cannes seine Premiere erlebte, waren die deutschen Kritiker, die von den Problemen gehört hatten, enttäuscht. Denn „Hammett“ ist viel näher an den Filmen der Schwarzen Serie, dem „Malteser Falken“ und „Tote schlafen fest“, als an „Falsche Bewegung“ und „Im Lauf der Zeit“. Von dem feinfühligen Seelenforscher, dem Chronisten von an sich zweifelnden Männern war in dieser Hollywood-Produktion, die auch noch in Kulissen gedreht wurde (obwohl Wenders normalerweise vor Ort dreht und auch „Hammett“ vor Ort drehen wollte) nichts zu spüren. Das Roadmovie „Paris, Texas“ war dann sein Amerika-Film, der die Kritiker zu Jubelstürmen hinriss.
Auch heute, fast dreißig Jahre nach der Premiere, ist „Hammett“ immer noch ein Solitär in Wenders‘ Filmographie. Danach drehte er „Paris, Texas“, „Der Himmel über Berlin“, die Fortsetzung „In weiter Ferne, so nah!“, das überlange „Bis ans Ende der Welt“, das zwiespältige „Am Ende der Gewalt“, die überraschend gelungene Post-9/11-USA-Bestandsaufnahme „Land of Plenty“, einige Werke, die ich inzwischen aus meinem Gedächtnis gelöscht habe, und zahlreiche, auch kommerziell überaus erfolgreiche Dokumentarfilme, wie „The Buena Vista Social Club“ und „Pina – ein Tanzfilm in 3D“.
Doch in keinem dieser Filme verschwand der Autorenfilmer Wim Wenders so sehr hinter dem Handwerker, der dann doch wieder einige persönliche Themen in einen Genrefilm schmuggelte.
Denn selbstverständlich ist der Privatdetektiv auch ein Alter ego des Künstlers in einer für ihn undurchschaubaren Welt. Das Verhältnis von Wirklichkeit und Fiktion und die Frage nach der Integrität Hammetts als Detektiv und Autor sind auch Fragen, mit denen Wim Wenders sich in seinen Filmen immer wieder beschäftigte.
In dem Edgar-nominierten „Hammett“ wird diese Geschichte als deutliche, zitatreiche Hommage an die Schwarze Serie, die vor lauter Stilbewusstsein vielleicht etwas museal daherkommt, erzählt. Aber trotzdem ist „Hammett“ heute ein Neo-Noir-Klassiker, dessen Qualitäten im Blick zurück und nicht nach vorne liegen.
Die DVD-Ausgabe ist arg sparsam ausgefallen. Sogar auf den Trailer wurde verzichtet. Dabei hätten Coppola und Wenders bei „Hammett“ sicher einiges erzählen können.
Hammett (Hammett, USA 1982)
Regie: Wim Wenders
Drehbuch: Ross Thomas, Dennis O´Flaherty, Thomas Pope
LV: Joe Gores: Hammett, 1975 (Dashiell Hammetts letzter Fall, Hammett)
Mit Frederic Forrest, Peter Boyle, Marilu Henner, Roy Kinnear, Elisha Cook, R. G. Armstrong, Samuel Fuller, Silvia Sydney, Jack Nance, Ross Thomas (einer der Männer im Sitzungszimmer)
–
DVD
Arthaus/StudioCanal
Bild: 1,85:1 (anamorph)
Ton: Deutsch (Mono DD), Englisch (Stereo DD)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Wendecover
Länge: 94 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
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Vorlage
Joe Gores: Hammett
G. P. Putnam’s Sons, 1975
–
Deutsche Ausgaben
Dashiell Hammetts letzter Fall (Goldmann Verlag, 1978)
Diamond 13 (Fr 2009, R.: Gilles Béat [Pseudonym von Gilles Béhat])
Drehbuch: Gilles Béhat, Olivier Marchal
LV: Hugues Pagan: L’Etage des Morts
Der desillusionierte, extrem trinkfeste, aus der Dirty-Harry-Schule kommende Cop Mat wird von einem alten Kollegen wegen eines todsicheren Coups angesprochen. Mat lehnt ab. Aber schon bald ist er dann doch involviert.
„Diamond 13“ ist ein feines, traditionsbewusstes, noirisches Old-School-Werk, das wegen der unverdienten FSK-18-Freigabe, heute seine TV-Premiere in einer gekürzten Fassung erlebt. Denn in einem Noir spielt die Action eher die dritte als die zweite Geige. An erste Stelle stehen die Charaktere, ihre Nöte, Ängste und moralische Verstrickungen. „Diamond 13“ ist da keine Ausnahme.
Die zweite Meinung: „Hochkarätig besetzter Cop-Thriller mit düsterer Personenzeichnung, der mit dem hohen Niveau anderer französischer Genrefilme Schritt halten kann.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Gérard Depardieu, Olivier Marchal, Asia Argento, Anne Coesens, Aïssa Maïga
Jahresrückblicke sind normalerweise eine die Geduld strapazierende öde Angelegenheit. Aber in der Anstalt wird das, dank den Gastgebern Urban Priol und Erwin Pelzig und ihren Gästen Monika Gruber, Hans Liberg, Jochen Malmsheimer und Max Uthoff zu einem kurzweiligem Vergnügen.
Tatort: Und dahinter liegt New York (D 2001, Friedemann Fromm)
Drehbuch: Friedrich Ani
Wer erschoss den Polizisten Reck? Batic und Leitmayr ermitteln in Münchens nicht so gut gestellten Kreisen.
Toller Krimi mit fesselnder Story, guter Besetzung und authentischer Atmosphäre.
Bei der Erstausstrahlung gab es eine groteske Diskussion über den Titel: Dürfen wir nach dem Anschlag vom 11. September noch die Worte New York im Titel haben? Oder sollen wir sie durch die Welt ersetzten?
Mit Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec, Michael Fitz, Barbara Rudnik
The Limits of Control – Der geheimnisvolle Killer (USA/Spanien 2009, R.: Jim Jarmusch)
Drehbuch: Jim Jarmusch
In Spanien soll ein schweigsamer Mann einen Auftrag ausführen. Auf seiner Reise trifft er mehrere Personen, die ihm weitere Hinweise über seinen Auftrag verraten.
Gut, vielleicht ist „The Limits of Control“ wirklich nicht der beste Film von Jim Jarmusch und definitiv ist er keine Wiederholung von seinem vorherigen Film „Broken Flowers“, aber diesen beschissenen Zeitpunkt für die TV-Premiere hat der Film auch nicht verdient. Aber das zeigt vielleicht auch nur die „Limits of Control“, wenn man einen „Actionfilm ohne Action“ (Jarmusch) dreht.
mit Isaach De Bankolé, Alex Descas, Jean-François Stévenin, Paz de la Huerta, Tilda Swinton, John Hurt, Gael García Bernal, Bill Murray
Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit (USA 2003, R.: Carl Franklin)
Drehbuch: David Collard
Matt Whitlock schiebt als Polizeichef von Banyan Key eine ruhige Kugel in dem Sunshine State Florida. Seine verheiratete Geliebte Ann verzuckert seinen Alltag. Als sie unheilbar an Krebs erkrankt und ihn als Begünstigten in ihre Lebensversicherung einsetzt, will er ihr helfen. Er gibt ihr die seinem Polizeisafe gebunkerte halbe Million Dollar Drogengeld. Wenige Stunden später sind sie und ihr Mann tot. Sie wurden ermordet und anschließend verbrannt. Whitlocks Ex Alex leitet die Ermittlungen. Alle Beweise deuten auf den unbekannten Geliebten als Mörder. Matt Whitlock muss daher das Komplott aufdecken, bevor er als Mörder verhaftet wird.
Für Genre-Junkies ist der wunderschön entspannte Florida-Noir-Thriller „Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit“ ein Festschmaus.
Collard schrieb ein wendungsreiches, kunstvoll die Balance zwischen Tradition und Innovation haltendes, Drehbuch. Franklin setzte es punktgenau um. Das Ensemble, angeführt von dem immer guten Denzel Washington, spielte genussvoll auf. Gerade die vielen Nebendarsteller, wie der Pathologe (als Sidekick des Helden ist er natürlich sehr wichtig), die Untergebenen von Alex und Matt, die DEA-Agenten, der Hotelchef und die ältere Zeugin, hatten prächtige Auftritte. Die Stuntmen durften vor allem bei einem Kampf auf Leben und Tod an einem Balkongitter im siebten Stock eines Hotels ihr Können zeigen. Die Aufnahmen Florida, besonders der Sonnenuntergängen, sind traumhaft und die Musik von Graeme Revell gibt allem einen entspannt-südamerikanischen Touch.
Mit Denzel Washington, Eva Mendes, Salma Latham, Dean Cain, John Billingsley
Eine Geschichte über schwarze Hausmädchen als Überraschungshit der Sommers? Damit hatte niemand gerechnet. Dann belegte „The Help“ in den USA drei Wochen lang den ersten Platz der Kinocharts und ich fragte mich, warum so viele Amerikaner in diesen Film gehen. Nachdem ich die Geschichte von Skeeter gesehen hatte, wusste ich warum.
Die aus einer begüterten Südstaatenfamilie stammende Eugenia ‚Skeeter‘ Phelan (Emma Stone) kommt, nachdem sie vier Jahre an der Universität studierte, zurück nach Jackson, Mississippi. Dort will sie, in den frühen sechziger Jahren, ihre Karriere als Journalistin beginnen. Gleichzeitig hat sie inzwischen einen Blick von außen auf ihre Heimat und das gelangweilte Leben ihrer Schulfreundinnen, einer Gruppe reicher Südstaatlerinnen. Daher fällt ihr auch der Umgang mit den Hausmädchen auf, die in den Häusern der Weißen die Kinder großziehen, keine Rechte haben und noch nicht einmal die Toilette benutzen dürfen.
Sie beschließt für eine New Yorker Zeitschrift, die Geschichte der Hausmädchen zu erzählen.
Gleichzeitig erlebt Skeeter, nach einem missglückten Start, ihre erste Liebe zu Stuart (Chris Lowell), sie sucht wieder ihren Platz im Kreis ihrer alten Freundinnen, die ihre Kinder großziehen lassen, sich reihum zu geselligen Nachmittagen treffen und plötzlich erscheint diese zutiefst bigotte und rassistische Gesellschaft als heimelige gute alte Zeit, irgendwo zwischen „Onkel Toms Hütte“ und „Vom Winde verweht“, mit einem Hauch John-F.-Kennedy-Glorie.
Da hilft es auch nicht, dass das ärmliche Leben der Afroamerikaner, wie sie von den Weißen benutzt und wegen Nichtigkeiten, manchmal auch einem falschen Verdacht, nach jahrelanger treuer Tätigkeit entlassen werden, ziemlich realistisch gezeichnet wird. Denn die Dienstmädchen bleiben nur passive Nebenfiguren, die von der weißen Heldin für ihre Karriere benutzt werden und ihr bei ihrer Emanzipation von ihren Eltern und ihren Freundinnen helfen.
So bleibt in diesem Hollywood-Film dann doch alles im gewohnten Rahmen: es gibt einen verklärenden Blick zurück in die Vergangenheit, eine milde Kritik am Rassismus, die heute niemandem mehr weh tut, schöne Bilder, gute Musik und die Liebesgeschichte einer jungen, emanzipierten Frau, die mit ihrem leicht burschikosen Katherine-Hepburn-Touch schnell zur Sympathieträgerin für das große Publikum wird.
Die afroamerikanischen Haushaltshilfen bleiben dagegen, obwohl der Film nach ihnen benannt wurde, wieder nur Staffage.
Und gerade weil „The Help“ keine Fragen und Verbindungen zur Gegenwart herstellt, sondern alles brav historisiert, kann der Film einfach als gut erzähltes, altmodisches Erzählkino genossen werden.
Genau deshalb sahen sich wohl so viele Menschen in den USA die Bestsellerverfilmung an und auch bei uns dürften die Zuschauerzahlen gut sein, denn für das Mainstream-Publikum stimmen die Zutaten und die Mischung. „The Help“ ist kein schlechter Film, es ist nur ein ziemlich verlogen-kitschiger Film.
mit Emma Stone, Viola Davis, Octavia Spencer, Cicely Tyson, Bryce Dallas Howard, Jessica Chastain, Sissy Spacek, Chris Lowell, Mike Vogel, Aunjanue Ellis, Mary Steenburgen
Ein Fall für zwei: Der Fall Matula (D 2011, R.: Raoul Heimrich)
Drehbuch: Leis Bagdach, Konstanze Knoche
Seit dreißig Jahren beweist Privatdetektiv Matula mit wechselnden Anwälten die Unschuld von, nun, inzwischen wohl immer Mordverdächtigen, die’s dann doch nicht waren. Dieses Mal gerät er selbst ins Visier der Polizei. Denn Matula soll einen Polizisten ermordet haben.
Weil der heutige „Fall für zwei“ der Auftakt einer neuen, aus vier Folgen bestehenden Staffel ist und der fast siebzigjährige Claus Theo Gärtner Mitte 2012, nach 300 Folgen, in Rente gehen will, wird in „Der Fall Matula“ natürlich seine Unschuld bewiesen.
Als die Serie 1981 startete war die Perry-Mason-Kopie eine frische Krimiserie, in der es nicht immer um Mord ging (erfrischend) und die beiden Helden auch nicht immer gewannen (sehr erfrischend). Heute…nun, Martin Compart meinte in „Crime TV“ 2000 „Anfangs eine für deutsche Verhältnisse unkonventionelle und risikofreudige Serie (…) seit 1984 zeigt die Serie Verschleißerscheinungen.“
mit Claus Theo Gärtner, Paul Frielinghaus, André M. Hennicke
Es gibt einiges, das für „Wer ist Hanna?“ spricht. Die Besetzung (Eric Bana, Cate Blanchett, Martin Wuttke), die stilisierten Bilder, die Musik der Chemical Brothers, die oft angenehm altmodisch inszenierten Action-Szenen.
Aber trotzdem funktioniert „Wer ist Hannah?“, der erste Action-Film von Regisseur Joe Wright („Stolz und Vorurteil“, „Abbitte“) nicht. Denn auch wenn der Film immer wieder und überdeutlich als Märchen inszeniert ist, spielt er doch allzu erkennbar in der Gegenwart und in einem, dank geschickter Location-Wahl und kunstvoll hergerichteter Drehorte, arg schmuddeligem Berlin, das wie die schicke Version von John Carpenters „Die Klapperschlange“-Manhattan aussieht.
Und wir sollen glauben, dass ein Mädchen, das fünfzehn Jahre mit ihrem Vater Erik Heller (Eric Bana) in der finnischen Einöde, fernab von allen technischen Errungenschaften der letzten hundert Jahre, aufwuchs und von ihm zu einer Super-Kämpferin ausgebildet wurde, sich irgendwann gegen die böse CIA behaupten kann. Als Bettlektüre gibt es – Vorsicht, Symbolik! – „Grimms Märchen“. Jetzt ist die Sechzehnjährige überzeugt, dass sie alt genug ist, um den Kampf gegen die Mörderin ihrer Mutter, die CIA-Agentin Marissa Wiegler (Cate Blanchett als die böse Hexe mit Betonfrisur und viel Schminke) aufzunehmen.
Mit einem alten Funkgerät sendet sie ein Signal aus und schon holt eine Hundertschaft schwer bewaffneter Männer sie ab und fliegt sie in die geheime, unterirdische US-Hochsicherheitsanlage Camp G in Nordafrika. Sie bringt die CIA-Agentin Wiegler um (dummerweise ist es die Falsche, aber das erfährt Hanna erst viel später) und kann flüchten. Sie macht sich auf den Weg nach Berlin. Dort will sie ihren Vater wieder treffen. Wiegler und ein von ihr beauftragter tuntiger Killer, samt seinen Helfern im Skinhead-Nazi-Look, sind ihr auf den Fersen.
Auf ihrer Reise lernt Hanna, das Mädchen aus der Wildnis, verdammt schnell sich in der Gegenwart und in der lauten Großstadt zu behaupten. Das ist allerdings arg unglaubwürdig und wenn dann irgendwann erklärt wird, warum Wiegler sie umbringen will, glaubt man, dass die Macher einfach die Prämisse der Science-Fiction-TV-Serie „Dark Angel“ geklaut und in die Vergangenheit verlegt haben. Immerhin wurde das supergeheime Projekt, zu dem Hanna gehörte, Mitte der Neunziger Jahre beendet. Aber letztendlich ist das nicht mehr als ein austauschbarer MacGuffin.
Die darum gebaute, bemühte Rachestory erfüllt ihre Funktion als handlungstreibendes Element leidlich, was auch daran liegt, dass sie im Mittelteil des Films weitgehend von einem soapigen Reiseabenteuer, verknüpft mit einigen Coming-of-Age-Episoden, verdrängt wird. Denn Hanna ist bei einer supernetten englischen Familie, samt pubertierender, altkluger Tochter untergekommen.
Dazu gibt es einen leichten Jason-Bourne-Touch, viele Berlin-Bilder (und einem exzessiven Dreh im Spreepark), etwas „Aeon Flux“-Optik (vor allem wenn Hanna aus Camp G ausbricht), eine satte Portion uralter Klischees über Deutschland, tuntige Killer und Skinhead-Nazis als Mordbuben, die von Regisseur Wright bierernst präsentiert werden, und fertig ist ein klischeetriefender Film, der mit seinen zahlreichen holzhammerartigen Anspielungen auf Märchen, der gelackten Optik und den hochkarätigen Schauspielern (Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett in einem Action-Thriller mit Knarre und im Nahkampf. Wow!!) mehr sein will als ein unlogischer, zweitklassiger Action-Film.
Aber genau das ist „Wer ist Hanna?“ letztendlich: ein B-Picture.
Das Bonusmaterial
Das Bonusmaterial ist schlichtweg enttäuschend. Die „Anatomie einer Szene“ und die entfallenen Szenen hat man nach noch nicht einmal zehn Minuten (inclusive einer Pinkelpause) gesehen. Der Audiokommentar von Joe Wright ergeht sich hauptsächlich in einer Aufzählung der Drehorte. Viel mehr erfährt man eigentlich nicht.
Wer ist Hanna? (Hanna, USA/GB/D 2011)
Regie: Joe Wright
Drehbuch: Seth Lochhead, David Farr
Musik: The Chemical Brothers
mit Saoirse Ronan, Eric Bana, Vicky Kreips, Cate Blanchett, Tom Hollander, Olivia Williams, Jason Flemyng, Martin Wuttke
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DVD
Sony Pictures
Bild: 2.40:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (5.1)
Untertitel: Englisch, Deutsch, Türkisch
Bonusmaterial: Audiokommentar von Regisseur Joe Wright (deutsch untertitelt), Alternatives Ende (1,5 Minuten), 3 Entfallene Szenen (3,5 Minuten), Anatomie einer Szene: Die Flucht aus Camp G (3 Minuten)
Drehbuch: Guillermo Arriaga (nach einer Idee von Guillermo Arriaga und Alejandro González Iñárritu)
In ihrem dritten gemeinsamen Spielfilm (nach „Amores Perros“ und „21 Gramm“) verschränken Iñárritu und Arriaga wieder mehrere Geschichten miteinander. Dieses Mal erzählen sie die Geschichte eines amerikanischen Touristenpärchens in Marokko, deren Haushälterin in San Diego und einer Teenagerin in Tokio. Auch wenn die Verbindung zwischen den Geschichten etwas gewollt ist (ich sage nur Gewehr) und der Film mit 135 Minuten Laufzeit ziemlich lang ist, hat er mir im Kino gut gefallen.
„Babel“ gewann, nach der IMDB, 28 Filmpreise und war für 75 weitere Preise nominiert. Er war, unter anderem, für den Oscar und BAFTA als bester Film des Jahres nominiert und erhielt in dieser Kategorie einen Golden Globe. In Cannes gewann er drei Preise (unter anderem für die Regie) und Arriagas Drehbuch hat es auf ungefähr jede wichtige Preisliste geschafft.
Mit Brad Pitt, Cate Blanchett, Rinko Kikuchi, Elle Fanning, Gael García Bernal, Adriana Barraza
Seit George A. Romeros Klassiker „Die Nacht der lebenden Toten“ wissen wir, was Zombies sind und wie sie sich bewegen.
Irgendwann in den Achtzigern verschwanden sie von der Bildfläche und kehrten erst in den vergangenen Jahren zurück in die Popkultur. In Filmen. In Büchern. Und auch in Comics. Eine der erfolgreichsten Comicserien, die in einer von Zombies bevölkerten Welt spielen, ist Robert Kirkmans „The Walking Dead“. Seit 2003 erzählt er, wie ein Gruppe Überlebender, angeführt von dem Polizisten Rick Grimes, versucht, in dieser neuen Welt zu überleben. Im Gegensatz zu einem Zombiespielfilm, der nach zwei Stunden vorbei ist, geht die Geschichte von „The Walking Dead“ endlos weiter. Damit erinnert sie mehr an eine klassische Westerngeschichte, in der Siedler sich im Wilden Westen auf den Weg zu ihrem Paradies machen und dabei viele Gefahren überstehen müssen. Die Zombies sind das Äquivalent zu den Indianern, die regelmäßig abgeschlachtet werden. Aber die größten Gefahren für den Treck gehen von Konflikten innerhalb der Gruppe und von anderen Menschen aus. In dem Comic war es über viele Hefte der durchgeknallte Gouverneur von Woodbury.
In der Verfilmung ist es in der sechsten Episode, die auch gleichzeitig das furiose Ende der ersten Staffel ist, der Wissenschaftler Dr. Edwin Jenner (Noah Emmerich) im Zentrum für Seuchenkontrolle.
Bis dahin haben die Macher der ersten Zombie-TV-Serie Rick Grimes (Andrew Lincoln) und die anderen Überlebenden bereits durch viele Abenteuer geschickt, die sich, nachdem der Anfang sich kaum von der Vorlage unterscheidet, immer weiter von ihr wegbewegt. Autor Robert Kirkman ermunterte die Macher dazu und schrieb auch das Drehbuch für die vierte Episode. Er wollte, dass die „The Walking Dead“-Fans nicht nur die verfilmte Version der Comics, sondern neue Geschichten mit den vertrauten Charakteren sehen können und sie, wie in den Comics, nicht wissen, was geschieht und wer überlebt.
Trotz der neuen Geschichten bleibt die TV-Serie der Vorlage treu. Sowohl von der Stimmung, den Themen, den moralischen Fragen, als auch von der Härte. Denn wenn in der Serie Zombies getötet werden, wird das für eine TV-Serie überraschend kompromisslos gezeigt. Auch die Zombie-Masken erfreuen das Herz des Genre-Junkies. Das macht die FSK-18-Freigabe plausibel. Obwohl „The Walking Dead“ viel mehr als hirnloses Zombie-Töten ist.
Das Bonusmaterial
Das Herzstück des umfangreichen Bonusmaterials sind das jeweils halbstündige „Making of“ und „Inside ‚The Walking Dead’“, die beide einen guten Einblick in die Produktion der Serie und, besonders in „Inside ‚The Walking Dead’“, vertiefende Informationen zu den einzelnen Episoden geben. Die restlichen vierzig Minuten Bonusmaterial bestehen aus verschieden informativen Clips. Der Zusammenschnitt des Auftrittes der „Walking Dead“-Macher bei der Comic Con ist okay, aber auch ungeschnitten im Netz zu finden. Die „Zombie Make-Up-Tipps“ geben einen kleinen Einblick in die Arbeit der Maskenbildner. Das „Extra Footage“ wurde wohl weitgehend produziert, um vor dem Serienstart den Fans kleine Appetithappen, die auf die Serie neugierig machen, aber nicht zu viel verraten sollen, zu liefern.
In den USA wurde nach der ersten Staffel überraschend Frank Darabont, der kreative Kopf hinter der ersten Staffel gefeuert. Entsprechend skeptisch waren die Fans, als die ersten Folgen der zweiten Staffel gezeigt wurde. Aber Glen Mazzara („The Shield“) scheint die Qualität zu halten.
The Walking Dead – Die komplette erste Staffel (The Walking Dead – Season 1, USA 2010)
Erfinder: Frank Darabont
LV: Comicserie von Robert Kirkman
mit Andrew Lincoln (Rick Grimes), Jon Bernthal (Shane Walsh), Sarah Wayne Callies (Lori Grimes), Laurie Holden (Andrea), Jeffrey DeMunn (Dale Horvath), Steven Yeun (Glenn), Chandler Riggs (Carl Grimes), IronE Singleton (T-Dog), Norman Reedus (Daryl Dixon), Melissa Suzanne McBride (Carol Peletier), Michael Rooker (Merle Dixon)
–
DVD
EntertainmentOne
Bild: 1.78:1 (16:)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial (circa 100 Minuten): The Making of „The Walking Dead“, Inside „The Walking Dead“: Episoden 1 – 6, Sneak Preview mit Robert Kirkman, Behind the Scenes: Zombie Make-Up-Tipps, Diskussionsrunde der Produzenten
Extra Footage: Zombie School, Becycle Girl, Am Set mit Robert Kirkman, Am Set mit Steven Yeun, Einblicke in Dales Campingmobil, Am Set mit Andrew Lincoln
Länge: 282 Minuten (2 DVD)
FSK: ab 18 Jahre
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Die erste „The Walking Dead“-Staffel
Gute alte Zeit (Days Gone Bye)
Regie: Frank Darabont
Drehbuch: Frank Darabont
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Gefangene der Toten (Guts)
Regie: Michelle MacLaren
Drehbuch: Frank Darabont
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Tag der Frösche (Tell it to the Frogs)
Regie: Gwyneth Horder-Payton
Drehbuch: Charles H. Eglee, Jack LoGiudice, Frank Darabont (nach einer Geschichte von
Das Schweigen der Lämmer (USA 1991, R.: Jonathan Demme)
Drehbuch: Ted Tally
LV: Thomas Harris: The silence of the lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)
FBI-Agentin Starling verfolgt einen Serienkiller und verliebt sich in den inhaftierten Hannibal Lecter.
Inzwischen schon ein Klassiker, der – zu Recht – etliche Oscars erhielt (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle). Beim wiederholten Sehen fällt auf, wie wenig von den schockierenden Ereignissen wirklich zu sehen ist – und wie konservativ die Kameraführung ist. Achten sie auf die erste Begegnung von Jodie Foster und Anthony Hopkins. Da ist keine Bewegung überflüssig, kein Schnitt zu viel und es wird sich in jeder Sekunde auf das Drehbuch und die Schauspieler verlassen.
Hitchcock hätte der Film gefallen.
Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine
Mahmud Nasir (Omid Djalili) ist Moslem. Kein besonders tiefgläubiger Moslem, sondern eher der in die englische Gesellschaft voll integrierte Feiertagsmoslem, der Fundamentalisten für ziemliche Idioten hält, das auch öffentlich sagt und seine Kontakte mit der Religion auf ein Minimum beschränkt.
Aber sein Sohn Rashid will Uzma heiraten. Sie ist die Tochter des pakistanischen Hasspredigers Arshad Al-Masri. Nasir muss daher wenigstens bei dem Besuch von Al-Masri ein vorbildlicher Moslem sein. Sonst wird Al-Masri niemals die Erlaubnis für die Heirat geben.
Nasir will alles tun, um den Heiratswunsch seines Sohnes zu erfüllen. Aber beim Ausräumen der Wohnung seiner kürzlich verstorbenen Mutter erfährt Nasir, dass er adoptiert wurde. Und es kommt noch schlimmer. Denn auf dem Amt findet er heraus, dass er ein Jude ist. Nasir ist schockiert. Er schlittert gleich in eine veritable Identitätskrise und will seinen im Sterben liegenden Vater kennen lernen. Dummerweise verlangt der Rabbi, glaubhafte Nachweise für Nasirs absolut nicht vorhandenes Judentum.
Nasir bittet seinen Nachbarn, den permanent schlecht gelaunten jüdischen Taxifahrer Lenny Goldberg (Richard Schiff), mit dem er gerade einen Kleinkrieg ausfechtet, um Hilfe. Goldberg führt ihn in das Judentum ein – und Nasir bringt sich, weil er jetzt zwischen zwei Religionen hin und her springt, in immer neue Schwierigkeiten, die den Machern der warmherzigen, zu sehr auf Versöhnung bedachten Culture-Clash-Komödie die Möglichkeit für ein Feuerwerk von Pointen geben. Dabei gibt es in jeder Szene oft mehrere verbale und visuelle Pointen, wenn sich zum Beispiel die Verwaltungsangestellte als querschnittgelähmt entpuppt oder immer wieder Frauen in Burkas durch das Bild laufen.
Das hat Tempo und Witz. Und der auf der Insel als Komiker bekannte Hauptdarsteller Omid Djalili gibt dem Affen ordentlich Zucker: wenn er sich durch sein Viertel flucht, vor dem Spiegel jüdische und muslimische Mimik ausprobiert, er auf einer Pro-Palästina-Demonstration vor den anderen Demonstranten zufällig seine Kippa enthüllt oder er sich mit seinem höchst rudimentärem Wissen über das Judentum auf einer Bar Mizwa integrieren und er auf der Bühne eine Geschichte improvisieren muss. Da wird „Alles koscher!“ immer wieder zu einer Einmannshow, bei der die anderen Schauspieler zu Statisten verblassen.
Und trotzdem wünschte ich mir am Ende mehr satirische Schärfe, eine Optik, die weniger an eine TV-Sitcom (die inzwischen ja auch sehr gut aussehen) erinnert und eine weniger episodische Erzählweise. So bleibt „Alles koscher!“ eine witzige Komödie mit einem konsensfähigem Aufruf zur Toleranz am Ende des Films.
Alles koscher! (The Infidel, GB 2010)
Regie: Josh Appignanesi
Drehbuch: David Baddiel
mit Omid Djalili, Richard Schiff, Archie Panjabi, Mina Anwar, Igal Naor, Amit Shah, Soraya Radford, Matt Lucas
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DVD
Senator Home Entertainment
Bild: 1:1,78 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Interviews mit David Baddiel, Josh Appagnanesi und Omid Djalili (21 Minuten), Videotagebuch mit David Baddiel (22 Minuten), Original Fake Trailer, Trailer
GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (USA 1990, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: Martin Scorsese, Nicholas Pileggi
LV: Nicholas Pileggi: Wiseguy, 1985 (Der Mob von innen)
Preisgekrönter und mitreisender Gangsterfilm über das Leben des Mafia-Aussteigers Henry Hill zwischen 1955 und 1980 in New York.
Bei Scorsese sind Gangster die Kehrseite des amerikanischen Traums und die Mafia keine ehrenwerte Gesellschaft, sondern eine Ansammlung von Killern, Schlägern und Betrügern.
mit Robert De Niro, Joe Pesci (Oscar als bester Nebendarsteller), Ray Liotta, Lorraine Bracco, Paul Sorvino
Wenn in einem deutschen Krimi eine Leiche entdeckt wird, endet die Szene meistens mit einem hysterischen Schrei. Nicht so in Midsomer, einer kleinen englischen Bilderbuchgrafschaft mit einer Mordrate, die sogar den Polizeichef einer amerikanischen Großstadt vor Neid erblassen lassen würde. Wahrscheinlich regt sich deshalb in „Nass und Tod“ niemand sonderlich über die während der Regatta sprichwörtlich auftauchende Leiche des Ehrenvorsitzenden des Ruderclubs auf. Auch Joyce Barnaby und ihre Tochter Cully nehmen den Mordfall, der ihr gemeinsames Picknick, aber nicht den Wettbewerb, unterbricht gelassen hin. Denn, so Joyce, wenn sie mit ihrem Mann einen Ausflug macht, dann ist auch der nächste Mordfall nicht weit.
Ihr Mann ist DCI Tom Barnaby, bei uns bekannt als „Inspector Barnaby“, und John Nettles spielte ihn von 1997 bis Januar 2011 in 81 TV-Filmen, die seit einigen Jahren auch bei uns im TV laufen und anschließend auf DVD erscheinen. Weil das ZDF sich bei der Ausstrahlung absolut nicht um die Chronologie kümmert, sind auch in der dreizehnten „Inspector Barnaby“-DVD-Box vier, zwischen 2001 und 2008 entstandene, Fälle enthalten. Und auch weil die Fälle alle unabhängig voneinander sind, es keine folgenübergreifenden Plots gibt und die Charaktere sich nicht verändern, ist das nicht weiter schlimm. Außerdem unterscheiden sich die altmodisch erzählten, in einer Parallelwelt spielenden Fälle qualitativ kaum.
Nur „Wenn der Morgen graut“ ist ein ziemlich lahmer Fall über den seit dem Ersten Weltkrieg hingebungsvoll gepflegten Streit zwischen zwei Soldaten-Familien, ergänzt um eine Romeo-und-Julia-Liebesgeschichte. Weil aber die Feindschaft zwischen den beiden Familien zu übertrieben dargestellt ist und alle viel zu extrovertiert ihre Abneigung ausspielen, wird „Wenn der Morgen graut“ zu einer Screwball-Comedy ohne Witz. Außerdem ist die Mordrate für einen „Inspector Barnaby“-Krimi erstaunlich niedrig ausgefallen.
Deutlich besser sind die drei anderen in der DVD-Box enthaltenen Barnaby-Fälle.
In „Die Frucht des Bösen“ mordet ein Mörder mit einer Giftspritze scheinbar wahllos seine Opfer. Denn während es für die erste Tote, eine junge Frau, die als Miethai gehasst war und vor ihrem Tod anonyme Drohungen erhielt, genug Verdächtige gibt, fragt sich Inspector Barnaby bei den nächsten Toten, was das Motiv für die Taten ist.
In „Denn du bist Staub“ glaubt DCI Barnaby, dass Dr. James Kirkwood ermordet werden soll. Für den Mord an seinem Praxiskollegen, der in Kirkwoods Auto getötet wurde, gibt es kein Motiv. Für einen Mordanschlag gegen Kirkwood dagegen schon. Denn die erwachsenen Kinder von Kirkwoods Geliebter sind mit dem neuen Freund ihrer Mutter absolut nicht einverstanden. Und dass ihre Mutter sie enterben will, setzt der ganzen Affäre die Krone auf.
Die dreizehnte „Inspector Barnaby“-Box liefert das, was der „Midsomer Murders“-Fan verlangt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Und bei meiner Besprechung von „Volume 14“ mache ich mir Gedanken darüber, was für ein Gesellschaftsbild hinter der Serie steckt. Denn wohl nirgendwo sonst wird so beiläufig mit Mord umgegangen.
Inspector Barnaby – Volume 13 (Midsomer Murders)
LV: Charaktere von Caroline Graham
mit John Nettles (DCI Tom Barnaby), Jason Hughes (DS Ben Jones, Episode 1 und 4), Daniel Casey (Sergeant Gavin Troy, Episode 2), John Hopkins (Sergeant Dan Scott, Episode 3), Jane Wymark (Joyce Barnaby), Barry Jackson (Dr Bullard), Laura Howard (Cully Barnaby)
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DVD
Edel
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Interview mit Jane Wymark (7 Minuten)
Länge: 385 Minuten (4 spielfilmlange Fälle auf 4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre (wegen der Folge „Wenn der Morgen graut“; keine Ahnung was an der so schlimm ist)
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Inspector Barnaby löst diese Mordfälle
Wenn der Morgen graut (Shot at Dawn, GB 2008; Staffel 11, Folge 1)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Michael Aitkens
mit Samantha Bond (die mal Miss Moneypenny in den Pierce-Brosnan-Bond-Filmen spielte), George Cole
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Die Frucht des Bösen (Tainted Fruit, GB 2001, Staffel 4, Episode 6)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: David Hoskins
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Nass und tot (Dead in the Water, GB 2004, Staffel 8, Episode 2)
Regie: Renny Rye
Drehbuch: Douglas Watkinson
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Denn du bist Staub (Death and Dust, GB 2007, Staffel 10, Episode 5)