Regisseurs Solaris will herausfinden, warum Staatsanwalt Traini, der Verbindungen zur Mafia haben soll, in Palermo erschossen wurde.
Selten gezeigter Politthriller von einem der wichtigsten Italo-Politthriller-Regisseure. Damiani war auch für die erfolgreiche TV-Serie „Allein gegen die Mafia“ verantwortlich.
„Damianis intelligente, zynische Spiegelfechterei stellt die Frage nach der Verantwortung des Künstlers/Ermittlers gegenüber der Wahrheit, ihren Trugbildern und Facetten. (…) Darüber hinaus präsentiert Damiani eine in all ihren Schichten heillos verfaulte Welt, der sein Regisseur Solaris wie ein Simplizissimus gegenübertritt. Der Polit-Thriller tendiert bisweilen zur zynischen Farce, was sich auch hier wie bei [Leonardo] Sciascia als konsequent erweist.“ (Horst Schäfer/Wolfgang Schwarzer: Von „Che“ bis „Z“, 1991)
Mit Franco Nero, Françoise Fabian, Pierluigi Aprà, Giancarlo Badessi, Ennio Balbo, Marco Guglielmi
Dark Star – Finsterer Stern (USA 1974, R.: John Carpenter)
Drehbuch: John Carpenter, Dan O’Bannon
Roman zum Film: Alan Dean Foster: Dark Star, 1974 (Reiseziel Ewigkeit, Dark Star)
„Dark Star – Finsterer Stern“ entstand als Abschlussarbeit eins Filmstudiums, wurde zu einem Welterfolg (vor allem gemessen am Budget), einem Kultfilm und dem Grundstein der Karrieren von John Carpenter (sein nächster Film war „Assault – Anschlag bei Nacht“) und Dan’Bannon (Drehbücher für „Alien“, „Das fliegende Auge“ und „Total Recall“).
Die Idee für „Dark Star“ war, eine realistische Version von „2001“ ohne die religiösen Tendenzen zu drehen. Deshalb ist das Raumschiff in „Dark Star“ auch entsprechend versifft und die Raumfahrer sind, nach den vielen Jahren im All, geistig degeneriert. Da bemerkt ein Astronaut, dass sich in einem Bombenschacht eine scharfe Bombe verklemmt hat, die jetzt überzeugt werden muss, nicht zu explodieren.
Der Film war für den Hugo, das Drehbuch für den Nebula Award nominiert.
„Carpenters Film zählt zu den interessantesten Beispielen aktueller amerikanischer Gesellschaftskritik.“ (Fischer Film Almanach 1980; denn der deutsche Kinostart war am 9. Februar 1979)
mit Brian Narelle, Dre Pahich, Cal Kuniholm, Dan O’Bannon, Joe Saunders, Miles Watkins
Lesbian Vampire Killers (GB 2009, Regie: Philip Claydon)
Drehbuch: Stewart Williams, Paul Hupfield
Jimmy und Fletch landen auf ihrem Spaziergang durch das englische Hinterland in dem Dorf Cragwich, in dem Mädchen an ihrem achtzehnten Geburtstag zu lesbischen Vampiren werden. Jimmy und Fletch nehmen den Kampf gegen die lesbischen Vampire auf.
Was kann bei dem Titel noch schiefgehen? Oder anders gefragt: Wenn interessiert bei dem Titel noch der Film?
„‚Lesbian Vampire Killers‘ hat alles, was ein zünftiger britischer Vampirspaß braucht (…) eine frech-blutige Orgie der Körperflüssigkeiten, in der kein Auge trocken und kein Körper…ähem…ungepfählt bleibt.“ (Fantasy Film Festival 2009)
„Freizügige, geschmacklose Horrorfilmparodie, die Vorgaben des Genres auf recht eindeutige, sexistische Weise interpretiert.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Paul McGann, James Gorden, MyAnna Buring, Matthew Horne, James Corden, Silvia Colloca, Vera Filatova
Es hilft nichts. Ich muss endlich mal wieder meinen Schreibtisch aufräumen. Dabei kann ich dann auch einige Werke, die ich teils schon vor Monaten genossen, aber bis jetzt immer noch nicht besprochen habe, endlich, nicht immer in der gebührenden Länge, besprechen.
Die Story von „Shadow und der Fluch des Khan“ ist reinster Pulp und von da kommt der Shadow auch. Er ist Lamont Cranston, der als reicher Müßiggänger im New York der dreißiger Jahre die Nachtclubs unsicher macht und als geheimnisumwitterter Shadow (oder auf deutsch „Schatten“) das Verbrechen bekämpft. Jetzt kommt Shiwan Khan, ein direkter Nachfahre von Dschingis Khan, nach New York. Er will die Weltherrschaft. Dabei möchte er, dass der Shadow auf seiner Seite mitkämpft. Immerhin hat auch der Shadow eine Vergangenheit als Bösewicht.
Die Umsetzung orientiert sich an den Dreißiger-Jahre-Serials und hat damit ein angenehm nostalgisches Flair. Dazu trägt auch der Dreh in den Universal Studios, und dass bei den Außenaufnahmen die Kulisse auch immer als Kulisse erkennbar ist, bei. Hier wurde mit erstaunlicher Liebe zum Detail ein New York erfunden, das es so niemals gegeben hat.
Aber weil „Highlander“-Regisseur Russell Mulcahy Regie führte, bleibt „Shadow und der Fluch des Khan“ nicht, wie Francis Ford Coppolas „Einer mit Herz“, im leblosen Kulissentheater stecken. Bei Mulcahy ist die Inszenierung ziemlich modern geraden und die Tricks sind heute immer noch überzeugend.
Nur die von David Koepp, dem zuverlässigen Autor von gehobenem Hollywood-Popcornkino, erfundene Story schwächelt. Denn neben dem Kampf zwischen dem Shadow und Shiwan Khan muss der Shadow sich auch mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen und er verliebt sich in Margo Lane, die seine Gedanken lesen kann (was dann auch der Anlass für einige Screwball-Comedyhafte Wortgefechte ist). In „Shadow und der Fluch des Khan“ gelingt Koepp noch nicht der richtige Mix zwischen dem Hauptplot und den teilweise zu sehr im Zentrum stehenden Subplots. Außerdem sind die Charaktere alle arg zweidimensional geraten.
Dafür herrscht ein mild ironischer Ton mit kleinen Abstechern ins cartoonhafte. So als ob alle einem zuflüsterten: „Wir wissen, dass die Story Unfug ist, aber lass uns einfach zwei Stunden Spaß haben.“
Doch damals half es nicht. Der 45 Millionen teure Film war bei den Kritikern und an der Kasse ein Flop. Heute, zwischen all den Superheldenfilmen, kann „Shadow und der Fluch des Khan“ erstaunlich gut bestehen und, trotz der Mängel in der Story, gefällt mir dieser unterschätze, naive Film, der den Zauber der alten Serials, B-Pictures (weniger) und Noirs (noch weniger) wiederaufleben lassen will, viel besser als einige der hoch budgetierten, bedeutungsschwangeren Comicverfilmungen (ich sage nur „Batman“), die in den vergangenen Jahren in den Kinos liefen.
Shadow und der Fluch des Khan (The Shadow, USA 1994)
Regie: Russell Mulcahy
Drehbuch: David Koepp
LV: Charakter von Maxwell Grant (Pseudonym von Walter B. Gibson)
mit Alec Baldwin, John Lone, Penelope Ann Miller, Peter Boyle, Ian McKellen, Tim Curry, Jonathan Winters
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DVD
Koch Media
Bild: 1,85:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Booklet, Making of, Interviews mit Russell Mulcahy, David Koepp, Martin Bregman, Alec Baldwin, John Lone, Penelope Ann Miller und Jonathan Winters, Musikvideo (Taylor Dayne), Deutscher und Originaltrailer, TV-Spots, Bildergalerie
In „Slow Burn – Verführerische Falle“ spielt Ray Liotta den für das Bürgermeisteramt kandidierenden Staatsanwalt Ford Cole. Er will unbedingt den geheimnisumwitterten Verbrecher Danny Ludin überführen. Aber niemand weiß, wie er aussieht und wo er sich gerade aufhält. In einer Nacht erschießt seine beste Anklägerin, die Farbige Nora Timmer, in Notwehr einen Mann, der sie vergewaltigen wollte. Ein klarer Fall, wenn da nicht ein Freund des Toten in der Polizeistation auftauchen und eine ganz andere Geschichte erzählen würde. Cole versucht die Wahrheit herauszufinden und dabei glaubt er, dass Ludin seine Finger im Spiel hat.
Na, das klingt doch ganz spannend. Aber letztendlich ist „Slow Burn – Verführerische Falle“ nur eine weitere Variante von „Die üblichen Verdächtigen“, in der man als Zuschauer immer zwei Schritte vor den durchgehend unsympathischen Charakteren ist, die einem – was noch schlimmer ist – auch herzlich egal sind.
So funktionieren die Plotwendungen und Enthüllungen dann vor allem als schnell langweilende Taschenspielertricks.
Die Produzenten waren wohl nicht allzu überzeugt von dem Werk. Immerhin wurde der Film bereits 2003 abgedreht und hatte, nach der IMDB, erst 2007 seine US-Premiere.
Slow Burn – Verführerische Falle (Slow Burn, USA 2005)
Regie: Wayne Beach
Drehbuch: Wayne Beach (nach einer Geschichte von Wayne Beach und Anthony Walton)
mit Ray Liotta, LL Cool J, Mekhi Phifer, Jolene Blalock, Guy Torry, Taye Diggs, Chiwetel Ejiofor, Bruce McGill
Ein Team von Abhörspezialisten der Polizei hört eine Investmentfirma, die verdächtigt wird, illegalen Insiderhandel an der Börse zu betreiben, ab. Irgendwann fragen die Polizisten sich, ob sie nicht ihr erlauschtes Wissen gewinnbringend einsetzen sollen. Immerhin können sie etwas Geld gut gebrauchen und sie tun ja auch niemandem weh, wenn sie an der Börse etwas spekulieren. Trotzdem beginnt mit ihrer ersten kleinen Spekulation der Weg in den Abgrund. Denn ihre Geschäfte fallen ihren Vorgesetzten und den Gangstern auf.
„Abgehört – Trau niemals einem Cop“ ist das neue Werk der „Infernal Affairs“-Macher Felix Chong und Alan Mak und wieder begeben sie sich in moralische Grauzonen und treiben ein perfides Spiel mit den gängigen Zuschreibungen von „Gut“ und „Böse“.
Das ist allerfeinstes Hongkong-Kino, das, wie „Infernal Affairs“, weitgehend auf Action und graphische Gewalt verzichtet und ein absolut blödes Cover, das dem Hongkong-Filmplakat entspricht, hat.
Grégoire Vigneron erzählt in seinem Regiedebüt „Spurlos“ die alte Geschichte von dem anständigen Mann, der zufällig ein Verbrechen begeht und sich immer tiefer in Schuld verstrickt. Dieser Mann, der Yuppie Étienne Meunier, hat auch wirklich etwas zu verlieren. Er ist mit der Tochter seines jetzigen Chefs verheiratet und er soll in wenigen Tagen der Chef des Konzerns werden. Den Grundstein für diese Karriere legte er vor fünfzehn Jahren, als er von François Michelet, der ihnen eine Formel für einen Fleckenentferner zuschickte, die Formel stahl, die jetzt die Grundlage für ein Produkt ist, das den größten Teil des Firmenumsatzes ausmacht. Aber diese Tat nagt immer noch an seinem Gewissen.
Jetzt will er sich, auf den Vorschlag seines alten, lange nicht mehr gesehen Schulfreundes Patrick, bei Michelet entschuldigen. Aber das Gespräch eskaliert und am Ende ist Michelet tot; erschlagen von Patrick, der Étienne bei einem Kampf gegen Michelet half. Anschließend drängt Patrick sich in Étiennes Leben. Und dann ist da noch der freundliche Kommissar, der Étiennes Verhalten, wozu auch seine Hilfsbereitschaft gegenüber Michelets Tochter gehört, verdächtig findet.
„Spurlos“ reiht sich in die aktuelle Serie von guten französischen Krimis, die vertraute Genreformen mit neuen Inhalten und Twists füllen, ein. Hier ist es der eher sanfte Noir und Psycho-Thriller mit einem Hauch Hitchcock. Denn egal, was Étienne auch unternimmt, um seine Schuld zu sühnen, ohne zur Polizei zu gehen, führt dazu, dass sein Leben immer bedrohter und er immer verdächtiger wird. Aber wenn er zur Polizei geht, wäre seine Karriere und seine Ehe kaputt. Was soll er also tun? Vigneron erzählt diese Geschichte straff und kurzweilig. Entstanden ist so ein feiner, im besten Sinn altmodischer Thriller, in dem die inneren Konflikte des Protagonisten im Mittelpunkt stehen.
Spurlos (Sans laisser de traces, Frankreich 2010)
Regie: Grégoire Vigneron
Drehbuch: Grégoire Vigneron, Laurent Tirard
mit Benoît Magimel, François-Xavier Demaison, Julie Gayet, Léa Seydoux, Jean-Marie Winling, Dominique Labourier, André Wilms, Stéphane De Groodt, Yves Jacques, Christelle Cornil, Georges Siatidis, William Miller
LV: Anthony Burgess: A Clockwork Orange, 1962 (Uhrwerk Orange)
Der Halbstarke Alex terrorisiert mit seinen Freunden die Gegend. Nachdem er zu einer langen Haftstrafe verurteilt wird, ist er bereit an einem neuen Rehabilitationsprogramm teilzunehmen. Mit fatalen Folgen.
Als „Uhrwerk Orange“ 1971 in die Kinos kam, war er hochumstritten. Zwar sagte Kubrick, sein Film sei eine Verteidigung des freien Willens, aber Gewalt (wenn auch sehr stilisiert) und Beethoven oder „Singing in the Rain“ in einer Szene und der Verzicht auf eine eindeutige Position des Regisseurs im Film war dann für die meisten Kritiker doch zuviel.
Heute ist der stilisierte Alptraum als Meisterwerk der Filmgeschichte anerkannt – und der Roman schaffte es in die Time-Liste der 100 besten englischsprachigen Romane sein 1923.
Es begann mit der „Suite Noire“, einer seit 2007 in der Éditions La Branche von Jean-Bernard Pouy herausgegebenen Reihe von Kurzromanen (oder längeren Kurzgeschichten oder, lose gebraucht, Novellen), die sich am Noir orientieren und jedes Werk ist vom Titel her eine Hommage an einen oft bekannten Noir- oder Pulp-Roman. Deshalb dürfte Krimi-Fans bei vielen Titeln ein wohliger Schauer des Erkennens über den Rücken laufen.
Acht dieser Noirs wurden 2009 als „Suite Noire“ (Originaltitel) oder „Serie in Schwarz“ (Deutscher Titel) verfilmt und die so entstanden, jeweils einstündigen Filme sind für die Freunde des Schwarzen Humors und des Noirs ein Vergnügen. Denn alle Filme, von verschiedenen Regisseuren inszeniert und teils hochkarätig besetzt (so spielen Niels Arestup, Michel Aumont, Lubna Azabal, Sarah Biasini, Manuel Blanc und Francis Renaud mit), wirken, als ob das Team von „Alfred Hitchcock zeigt“ einen Betriebsausflug nach Frankreich gemacht hat. Außerdem haben die „Suite Noire“-Macher eine große Sympathie für Menschen und Milieus, die im normalen bundesdeutschen Krimi nicht vorkommen.
In „Nächste Ausfahrt Mord“ wird ein Vertreter zum Serienmörder. Der karrieregeile Biedermann muss einfach einen dummen Unfall vertuschen. In „Schießen Sie auf den Weinhändler“ bringt der genusssüchtige Weinhändler seine Frau um (denn beim Essen hört der Spaß auf) und engagiert eine junge Herumstreicherin, die etwas vom Essen versteht, als seine neue Köchin. Dummerweise ist sie überhaupt nicht von seinen Schlägen wegen falsch zubereiteter Mahlzeiten begeistert. In „Papas Musik“ will ein finanziell klammer Plattenproduzent seinem Sohn bei der Musikerkarriere helfen. Aber seinem Schicksal entkommt man nicht so einfach.
Das ist im Noir natürlich eine Binsenweisheit, die auch in „Nur DJs gibt man den Gnadenschuss“ auf die sozial engagierte Radiomoderatorin und ihren neuen, gerade aus dem Knast entlassenen Freund zutrifft. Was sie nicht weiß, ist, dass Manu sich an sie heranmacht, weil er von der Polizei dazu erpresst wird den linken Radiosender auszuspionieren. „Die Königin der Pfeifen“ ist die Transsexuelle Annabelle (Gab’s jemals in einem deutschen TV-Film eine Transe als Protagonistin? Ich glaube nicht.). Sie (ähem, er) will vor ihrer Geschlechtsumwandlung in Thailand noch ein richtig großes Ding durchziehen. Aber der Plan ist das eine, die Realität das andere.
„Das Tamtam der Angst“ ist eine herrlich abgedrehte schwarze Komödie, über einen kleinen Buch-Illustrator, der von allen unterdrückt wird. Als er ein Buch über afrikanische Zaubersprüche illustrieren soll, beschließt er, die Flüche auszuprobieren. Mit durchschlagendem Erfolg. „Schönheit muss sterben“ ist ein in Marseille spielender PI-Krimi, in dem der Detektiv sich unwissentlich mit der High Society der Stadt anlegt. In „Die Stadt beißt“ kämpft eine Illegale, die als Prostituierte arbeitete, um ihr überleben.
Alle acht Filme folgen den Vorlagen ziemlich genau. Die Veränderungen verbessern die Geschichten oder sind dem anderem Medium geschuldet. So gibt es in „Schönheit muss sterben“ kein Voice-Over des Protagonisten, sondern der Vater des Privatdetektivs, ein toter Polizist, gibt seinem Sohn während seines ersten Auftrags gute Ratschläge.
In „Nur DJs gibt man den Gnadenschuss“ wird, zum Glück, aus der Undercover-Arbeit von Manu kein Geheimnis gemacht. In „Das Tamtam der Angst“ wird die Beziehung zwischen dem Zeichner und seiner Frau nachvollziehbar und, gerade weil die Macher immer auch eine rationale Erklärung für das Leid der von den Flüchen Betroffenen anbieten, hält der Film wunderschön die Balance zwischen Rationalismus und Aberglaube. In „Schießen Sie auf den Weinhändler“ ist, immerhin sehen wir die Schauspieler, der Aufbau der Geschichte von Anfang an klar. Der Film ist, wie „Nächste Ausfahrt Mord“, ein Fest für die Freunde des Schwarzen Humors. Und dann ist da noch „Das Tamtam der Angst“.
Als Bonusmaterial gibt es zu jedem Film ein kurzes Making of, in dem meistens der Regisseur einiges zum Film erklärt. Das ist wenig, aber fast immer informativ anzuhören.
Serie in Schwarz (Suite Noire, Frankreich 2009)
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DVD
Edel Motion
Bild: 16:9
Ton: Deutsch, Französische (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Untertitelte Making ofs zu jedem Film
Länge: 540 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 16 Jahre
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enthält
Nächste Ausfahrt Mord (Vitrage à la corde)
Regie: Laurent Bohnik
Drehbuch: Laurent Bouhnik, Bibi Naceri
LV: Colin Thibert: Vitrage à la corde, 2007 (Nächste Ausfahrt Mord)
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Schießen sie auf den Weinhändler (Tirez sur la caviste)
Regie: Emmanuelle Bercot
Drehbuch: Emmanuelle Bercot
LV: Chantal Pelletier: Tirez sur la caviste, 2007 (Schießen Sie auf den Weinhändler)
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Papas Musik (La musique de papa)
Regie: Patrick Grandperret
Drehbuch: Patrick Grandperret, José-Louis Bocquet, Emilie Grandperret
LV: José-Louis Bocquet: La musique de papa, 2007 (Papas Musik)
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Nur DJs gibt man den Gnadenschuss (On achève bien les disc jockeys)
Regie: Orso Miret
Drehbuch: Orso Miret
LV: Didier Daeninckx: On achève bien les disc jockeys, 2007 (Nur DJs gibt man den Gnadenschuss)
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Die Königin der Pfeifen (La reine des connes)
Regie: Guillaume Nicloux
Drehbuch: Nathalie Leuthreau
LV: Laurent Martin: La reine des connes, 2007 (Die Königin der Pfeifen)
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Das Tamtam der Angst (Envoyez la fracture!)
Regie: Claire Devers
Drehbuch: Jean-Louis Benoît, Claire Devers
LV: Romain Slocombe: Envoyez la fracture, 2007 (Das Tamtam der Angst)
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Schönheit muss sterben (Le débarcadère des anges)
Regie: Brigitte Roüan
Drehbuch: Santiago Amigorena, Brigitte Roüan
LV: Patrick Raynal: Le débarcadère des anges, 2007 (Landungsbrücke für Engel)
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Die Stadt beißt (Quand la ville mord)
Regie: Dominique Cabrera
Drehbuch: Dominique Cabrera
LV: Marc Villard: Quand la ville mord, 2007 (Die Stadt beißt)
Batman hält die Welt in Atem (USA 1966, R.: Leslie H. Martinson)
Drehbuch: Lorenzo Semple Jr.
LV: Charakter von Bob Kane
Bevor Comicverfilmungen megamillionenteure Blockbuster wurden, waren sie, nun, so etwas wie „Batman hält die Welt in Atem“: bunt, kindisch, billig produziert und wirklich nichts für das intellektuelle Abendgespräch.
Die Story: Batman und Robin kämpfen gegen vier Supergangster (unter anderem dem Pinguin und das Katzenweib), die die Weltherrschaft mit einer Dehydrationsmaschine anstreben.
Die Kritik zu dem Kassenhit (jedenfalls in seiner Heimat): “Der infantile Film nimmt, nicht ohne Überraschungseffekte und eine Spur gelegentlicher Ironie, das Motiv einer alten TV-Serie wieder auf.“ (Lexikon des internationalen Films)
„Was an dem Film so sympathisch berührt, ist, dass er sich in keiner Phase ernst nimmt. Ein Film für Leute mit Sinn für Unsinn. Wackeren SF-Fanatikern wird er freilich auf die Nerven gehen.“ (Science Fiction Times)
Die Folgen: Heute sind die von 1966 bis 1968 ausgestrahlte „Batman“-TV-Serie mit Adam West und Burt Ward und der daraus entstandene Spielfilm „Batman hält die Welt in Atm“ irgendwie Kult. Aber das wird ja über jeden Trash gesagt, wenn nur genug Jugenderinnerungen dran hängen.
Oh, und Lorenzo Semple Jr. schrieb später auch die Drehbücher für „Papillon“, „Zeuge einer Verschwörung“ (Edgar-nominiert), „Unter Wasser stirbt man nicht“ (nochmal Edgar-nominiert), „Die drei Tage des Condor“ (Edgar-Gewinner), „King Kong“ (Okay, der war nichts.), „Flash Gordon“ und „Sag niemals nie“.
Mit Adam West, Burt Ward, Lee Meriwether, Cesar Romero, Frank Gorshin, Alan Napier, Neil Hamilton
1978 war der von Hark Bohm inszenierte Film „Moritz, lieber Moritz“ der erfolgreichste deutsche Kinofilm. Heute dürfte ihn, auch weil er seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen lief, kaum noch jemand kennen. Dabei ist der Film über einen Fünfzehnjährigen, obwohl er tief in den bundesdeutschen Siebzigern verwurzelt ist und deshalb an vielen Stellen Patina angesetzt hat, auch heute noch sehenswert. Denn die Probleme, die Moritz mit dem Erwachsenwerden hat, sind universell.
Der introvertierte Moritz Stuckmann ist der jüngste Spross einer Elbdynastie. Sein Vater hat allerdings gerade das Vermögen verjubelt und der Gerichtsvollzieher schnappt sich auch die Stereoanlage von Moritz. Seine Mutter versucht noch den Schein aufrecht zu erhalten. Sein Vater hat resigniert. Seine Oma ist in einem Altersheim und, weil seine Mutter sie nie besucht, muss Moritz allein mit dem Sterbewunsch der Großmutter umgehen. In der Schule ist auch nicht alles rosig. Vor allem der Mathelehrer hat ihn auf dem Kicker. Zum Ausgleich flüchtet Moritz sich in blutige Fantasien, in denen er sich auch an dem Mathelehrer rächt.
Und dann ist da noch seine erwachende Sexualität, die er meistens damit auslebt, dass er seine junge Tante durch Schlüssellöcher beobachtet (Zur Erinnerung: Das war die Zeit vor Internet und VHS. Das war die Zeit der Pornokinos.). Zufällig trifft er die gleichaltrige Barbara. Aber will sie wirklich etwas von ihm?
Seinen einzigen Trost findet er bei einer von ihm gezähmten Ratte und in der Musik. Er spielt Saxophon.
Nach dem Erfolg von „Nordsee ist Mordsee“ beschäftigte Hark Bohm sich auch in seinem nächsten Film mit den Ängsten, Sorgen und Wünschen eines Jungen. Und, wie in „Nordsee ist Mordsee“ war auch „Moritz, lieber Moritz“ stark von Bohms Umfeld, wozu vor allem seine Kinder (die in beiden Filmen mitspielten und ihn beim Schreiben des Drehbuchs und den Dreharbeiten berieten) gehören, beeinflusst. Doch während „Nordsee ist Mordsee“ einen quasi-dokumetarischen Look hatte, sind die filmischen Vorbilder und Reminiszenzen in „Moritz, lieber Moritz“ breiter gestreut. Wenn Moritz Barbara durch Hamburg verfolgt und sich ihr nähert, weht ein Hauch Nouvelle Vague durch den Film. Wenn er seine Tante durch das Schlüsselloch beobachtet, fühlt man sich in einem Softporno („Emmanuelle“ und die Schulmädchenreport-Filme waren Kassenhits. „Der letzte Tango in Paris“ und „Im Reich der Sinne“ sorgten auch für heftige Diskussionen in den Feuilletons.). Die Szenen im noblen Familiensitz mit Blick auf die Elbe, vor allem beim gemeinsamen Essen, erinnern an die Demaskierungen des Bürgertums bei Rainer Werner Fassbinder. Die damals schockierenden Traumsequenzen und der Autounfall (den ich wesentlich graphischer in Erinnerung hatte) sorgten, wie schon bei „Nordsee ist Mordsee“, für Ärger mit der FSK über die Altersfreigabe des Films und damit um die Frage, ob auch Jugendliche im Alter des Protagonisten den Film im Kino sehen durften. Anscheinend wurde er letztendlich ab 12 Jahre freigegeben; – was seltsam ist, weil der Film jetzt eine FSK-16 hat.
Diese Traumsequenzen und die Szenen mit Moritz‘ Oma erinnern etwas an das damalige britische Filme. Das Kriegsspiel der Kinder könnte aus einem Nordirland-Drama sein. Die Folterung des Mathelehrers eine Szene aus „Uhrwerk Orange“.
Dieser Mischmasch aus unterschiedlichen Stilen fügt sich am Ende zu einem Spiegelbild von Moritz‘ Psyche und Bohm erzählt den Film auch konsequent aus Moritz‘ Perspektive.
Bohm sagt im Presseheft, dass es in „Moritz, lieber Moritz“ um Konflikte gehe, die die jugendlichen Zuschauer aus eigenem Erleben nachvollziehen könnten. Deshalb wäre ein Remake der Geschichte von Moritz im heutigen Deutschland, das den Protagonisten genauso ernst nimmt, ein spannendes Experiment.
Anmerkung zum Nachdenken: Der Jugendfilm ist freigegeben ab 16 Jahre. FSK-16-Filme dürfen im Fernsehen erst nach 22.00 Uhr gezeigt werden.
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Moritz, lieber Moritz (D 1978)
Regie: Hark Bohm
Drehbuch: Hark Bohm
mit Michael Kebschull, Kerstin Wehlmann, Kyra Mladeck, Walter Klosterfelde, Grete Mosheim Elvira Thom, Uwe Enkelmann, Dschingis Bowakow, Wolf-Dietrich Berg, Uwe Dallmeier, Marquard Bohm
The Game – Das Geschenk seines Lebens (USA 1997, R.: David Fincher)
Drehbuch: John Brancato, Michael Ferris
Conrad schenkt seinem stinkreichen, einsamen Arschloch-Bruder Nicholas Van Orton einen Gutschein für ein Spiel, das sein Leben interessanter gestalten soll. Nachdem Nicholas das Rollenspiel beginnt, beginnt er die Kontrolle über sein Leben zu verlieren.
Düsterer Thriller (jedenfalls bis zum Beginn des dritten Aktes), der Fincher zwischen „Se7en“ und „Fight Club“ in Topform zeigt.
„Das Ganze ist ein intellektuelles Spiel mit Genre-Elementen und den Erwartungen eines an unzähligen Filmminuten geschulten Publikums. (…) Die Besonderheit an The Game ist nun, dass Fincher gerade darauf zielt, seinen Film als Spielmaterial kenntlich zu machen; methodisch tut er dies mit Sigmund Freud als Aushilfsregisseur, stilistisch mit den Mitteln des Verfolgungswahns.“ (Michael Kohler in Frank Schnelle, Hrsg.: David Fincher)
Mit Michael Douglas, Sean Penn, Deborah Kara Unger, James Rebhorn, Peter Donat, Carroll Baker, Armin Mueller-Stahl, Jack Kehoe (sein bislang letzter Auftritt, als Lieutenant Sullivan), Spike Jonze (kleine Nebenrolle), Michael Massee (dito kleine Nebenrolle)
Ex-Cop Matt Scudder versucht sein Leben in den Griff zu kriegen. Die Anonymen Alkoholiker, deren Treffen er regelmäßig besucht, helfen ihm. Nach einem Treffen spricht ihn eine Frau an. Die Prostituierte bittet ihn, mit ihrem Zuhälter zu sprechen. Sie möchte ein neues Leben beginnen und hat Angst vor ihm. Kurz darauf ist sie tot und Scudder will ihren Mörder fangen.
„8 Millionen Wege zu sterben“ erzählt einen klassischen Plot und, wer die Vorlage nicht kennt, dürfte halbwegs zufrieden mit dem Werk sein. Denn als Verfilmung eines Matt-Scudder-Buches ist „8 Millionen Wege zu sterben“ gründlich gescheitert und nur einen Tick besser als die ebenfalls auf einem Roman von Lawrence Block basierende Bernie-Rhodenbarr-Verfilmung „Die diebische Elster“ (Burglar, USA 1986). Das beginnt schon damit, dass die Macher die Geschichte von New York nach Los Angeles verlegten und so innige Beziehung von Scudder und seiner Stadt negierten. Sie rissen Scudder das Herz heraus und für Scudder-Fans ist der Rest, wozu auch die vielen Änderungen in der Geschichte gehören (immerhin wurde die Prämisse übernommen), dann eigentlich egal.
Als PI-Krimi ist der Film, wenn man entweder die Vorlage nicht kennt (was ein schwerer Fehler ist und sofort geändert werden sollte) oder links liegen lässt (immerhin hat auch Alfred Hitchcock bei seinen Romanverfilmungen oft die Geschichte stark verändert), ein höchst zwiespältiges Vergnügen.
New-Hollywood-Regisseur Hal Ashby hatte mit „Harold und Maude“, „Shampoo“, „Sie kehren heim“ und „Willkommen, Mr. Chance“ einige gute Filme gedreht. Das waren beeindruckende Dramen und Satiren, vulgo Charaktergeschichten, in denen der Plot eher zweitrangig ist und auch immer mehr oder weniger viel improvisiert wurde (Oliver Stone war von dieser Bearbeitung seines Drehbuchs nicht begeistert.). Aber für einen gelungenen Detektivfilm ist das nicht unbedingt eine gute Visitenkarte und gerade in den Szenen zwischen Jeff Bridges (der Matt Scudder spielt) und Andy Garcia (der den Bösewicht spielt) wird diese Diskrepanz zwischen Drama und Krimi schmerzhaft deutlich. Sie machen sich minutenlang, wie zwei pubertierende Kinder, an, ohne dass es die Geschichte irgendwie voran bringt. Die wenigen Action-Szenen wurden von Ashby lieblos heruntergedreht. Und, als grotesken Höhepunkt gibt es in einer riesigen, leeren Lagerhalle einen Austausch von Drogen gegen eine Geisel, die eine minutenlange (gefühlt stundenlange) sinnentleerte Kreischorgie ist, die gerade wegen ihrer Absurdität einen gewissen Kultwert hat.
Dazu hat James Newton Howard einen Soundtrack geschrieben, der alle 80er-Jahre-Musikklischees in sich vereinigt und heute absolut unhörbar ist.
Auf der Haben-Seite kann „8 Millionen Wege zu sterben“ die Schauspieler (ein Film mit Jeff Bridges und Andy Garcia, in einer seiner ersten großen Rollen, kann nicht ganz schlecht sein) und die Außenaufnahmen und kleinen Szenen, die einen Eindruck von der Schattenseite Hollywoods, geben, verbuchen. Außerdem dürfte Ashbys Film einer der ersten Krimis gewesen sein, in der der Alkoholismus des Helden und die daraus entstehenden Probleme, wichtig für die Geschichte waren.
Dennoch ist Ashbys letzter Kinofilm, auch ohne die Kenntnis der mit dem Shamus Award ausgezeichneten Vorlage, ein Film der verschenkten Möglichkeiten.
8 Millionen Wege zu sterben (Eight million ways to die, USA 1986)
Regie: Hal Ashby
Drehbuch: Oliver Stone, David Lee Henry, Robert Towne (ungenannt)
LV: Lawrence Block: Eight million ways to die, 1982 (Viele Wege führen zum Mord)
mit Jeff Bridges, Rosanna Arquette, Andy Garcia, Alexandra Paul, Randy Brooks, Lisa Sloan
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DVD
Bild: 1,85:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch, Italienisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Italienisch
Extras: Deutscher Trailer, Bildergalerie, Wendecover
Länge: 111 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Wikipedia über „8 Millionen Wege zu sterben“ (deutsch, englisch)
LV: Sébastien Japrisot: Un long dimanche de fiancailles, 1991 (Die Mimosen von Hosssegor, Mathilde – Eine große Liebe)
Erster Weltkrieg und die ersten Nachkriegsjahre: Mathilde Donnay glaubt nicht, dass ihr Geliebter im Krieg gestorben ist. Obwohl alle ihr davon abraten, sucht sie ihn.
„Mathilde – Eine große Liebe“ ist, wie der Titel verrät, eine Liebesgeschichte, inszeniert von dem Macher von „Die fabelhafte Welt der Amelie“. Aber die Vorlage stammt von einem renommierten Krimiautor.
Der Film, erhielt neben anderen Preisen, zahlreiche Cesars und, für das Drehbuch, den Edgar-Allan-Poe-Preis.
Mit Audrey Tautou, Gaspar Ulliel, Jean-Pierre Becker, Tchéky Karyo, André Dussollier, Denis Lavant, Jodie Foster (Nebenrolle)
Ein Interpol-Agent und eine New Yorker Staatsanwältin wollen eine mächtige Bank, die Krieg und Terror finanziert, zur Strecke bringen. Das ist natürlich nicht so einfach.
Eine Woche nachdem „The International“ 2009 die Berlinale eröffnete und dort auf ein geteiltes Echo stieß, lief Tom Tykwers neuer Film in den Kinos an. Für Berliner ist er wegen des exzessiven Berlin-Shooting natürlich ein Pflichtprogramm. Aber auch andere sollten einen Blick riskieren. Denn „The International“ ist ein grundsolider Politthriller, der weitgehend realistisch unterhält (jaja, die Schießerei im Guggenheim-Museum ist reinstes Kino. Oder glaubt wirklich irgendjemand, dass in der Realität in dem Museum minutenlang herumgeballert werden kann, ohne dass ein Polizist oder ein Sicherheitsbeamter auftaucht? Aber toll anzusehen ist sie trotzdem.).
„Es gibt doch zurzeit nicht gerade haufenweise starke Thriller mit überzeugendem Gegenwartsbezug, die trotzdem dynamisch und intensiv sind, und die nicht angestrengt aufklärerisch oder bieder moralisierend daherkommen. Energische und trotzdem nachdenkliche Filme, deren Actionsequenzen nicht so hysterisch und ermüdend wirken, sondern klug verteilt sind. So einen Film wollte ich machen, auch aus einem gewissen Frust heraus, dass es in den letzten Jahren nur ganz wenige Vorbilder gab, an denen man sich hätte orientieren können. (…) Unser Film ist auch eine Reminiszenz an die klassischen Polit-Thriller aus den Siebzigerjahren, wo die Idee eines geheimen Systems innerhalb der offiziellen Dienste sehr verbreitet war. (…) Dieses Element des Paranoia-Thrillers wollten wir aufnehmen und in die Gegenwart führen.“ (Tom Tykwer, Berliner Zeitung 31. Januar/1. Februar 2009)
Weil der Film FSK-16 ist, dürfte um 20.15 Uhr eine gekürzte Version laufen. Die Nachtwiederholung müsste die Kinofassung sein.
Mit Clive Owen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl, Brian F. O’Byrne
Wiederholung: Montag, 23. Mai, 00.35 Uhr (Taggenau!)
Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski
LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957
Kamera: Chris Menges
Musik: Hans Zimmer
Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.
Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (D 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)
Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart
Das Gesetz bin ich (USA 1974, Regie: Richard Fleischer)
Drehbuch: Elmore Leonard
Buch zum Film: Elmore Leonard: Mr. Majestyk, 1974
Okayer Thriller über die Mafia unter Melonenfarmern, mit Charles Bronson, der zuerst seine Ruhe haben will, später rot sieht.
Von Elmore Leonards Homepage: „Before Joe Kidd was released, Clint Eastwood called Elmore and asked for a Dirty Harry like story of a guy with a big gun. Elmore told Eastwood the story of what was to become Mr. Majestyk. Eastwood said, write it up. But, by the time Elmore finished the outline, Eastwood had acquired High Plains Drifter and bowed out. Swanson then sold Walter Mirisch on the project, who interested Charles Bronson. Mr Majestyk was the story of Vince Majestyk, a Vietnam veteran and now peaceful watermelon farmer whose workers are threatened by the local mob lead by hit man, Frank Renda (Al Lettieri).
But typically in an Elmore story, Bronson represents the workers and incurs the wrath of and delivers vengeance on the mob boys. Bronson nailed his role but Al Lettieri was over the top, playing essential the same role he did in The Getaway. Elmore saw Renda as the majority of his characters, more subtle and laid back. After completing the screenplay, Elmore Leonard novelized Mr. Majestyk. The most well known scene in Mr. Majestyk is of the bad guys shooting up the watermelons. (Shot in eastern Colorado – not Northern California as in the script.) Colorado was the only place in the West the producers could find such a crop, in season. Elmore’s script called for cantaloupes. Quentin Tarantino, Elmore’s great fan, pays homage to Mr. Majestyk in True Romance (1991).”
„Im Stil der Pulp Fiction, der Groschenromane und B-Pictures aus den 30er und 40er Jahren, komprimiert Quentin Tarantino eine Handvoll Typen und Storys zu einem hochtourigen Film noir (…) Ein ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble, eine intelligente Inszenierung und ein gutes Timung durch flotte Schnitte tragen dazu bei, dass Blutorgien mit Slapstick und bitterer Zynismus mit leichter Ironie so raffiniert ineinander übergehen oder aufeinander folgen, dass die Brüche und Übergänge nicht stören.“ (Fischer Film Almanach 1995)
Tarantino erzählt von zwei Profikillern, die zuerst Glück und dann Pech bei ihrer Arbeit haben, einem Boxer, der entgegen der Absprache einen Boxkampf gewinnt und sich dann wegen einer Uhr in Lebensgefahr begibt, einem Gangsterpärchen, das ein Schnellrestaurant überfällt, einem Killer, der die Frau seines Chefs ausführen soll und in Teufels Küche gerät, einer Gangsterbraut, die eine Überdosis nimmt, einem Killer, der zum Christ wird und von einem Tanzwettbewerb.
Kurz: wir haben mit einem Haufen unsympathischer Leute eine verdammt gute Zeit.
Der Kassenknüller erhielt zahlreiche Preise, aber für Krimifans zählt natürlich nur der gewonnene Edgar.
Mit Tim Roth, Harvey Keitel, Uma Thurman, Amanda Plummer, John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Rosanna Arquette, Ving Rhames, Eric Stoltz, Christoper Walken, Quentin Tarantino, Steve Buscemi
Wiederholung: Freitag, 20. Mai, 01.45 Uhr (Taggenau!)
Tatort: Reifezeugnis (D 1977, R.: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Herbert Lichtenfeld
Gymnisiastin Sina hat ein Verhältnis mit ihrem Lehrer Fichte. Als ein Klassenkamerad davon erfährt, erpresst er sie. Sie erschlägt ihn und Kommissar Finke hat einen neuen Fall.
Die Kommissar-Finke-Tatorte von Herbert Lichtenfeld und Wolfgang Petersen erstellten in der ersten Hälfte der Siebziger eine Ethnographie der norddeutschen Provinz. Sie gehören zu den zeitlosen Tatorten, die den legendären Ruf der Reihe begründeten und auch heute noch besser als die meisten aktuellen Tatorte sind. Ihre sechste und letzte Zusammenarbeit (Lichtenfeld schrieb noch einen weiteren Finke-Tatort) ist ein spannender Psychothriller, der sich in erster Linie für die Motive von Tätern und Opfern interessiert.
Der Klassiker „Reifezeugnis“ „stellt die Lüge eines gesicherten, konfliktfreien Lebens einmal nicht durch gesellschaftliche Verhältnisse, sondern durch die Größe einer Emotion in Frage, für die im antiautoritären Lebensentwurf nicht so leicht ein Platz zu finden ist. (…)
Über sieben Jahre hinweg entwickelte die Finke-Reihe, die Lichtenfeld und Petersen als junges Team begonnen hatten, eine erstaunliche inhaltliche, aber auch formale Kontinuität. Einen nicht geringen Anteil daran hat die Musik von Nils Sustrate (…) Vor allem aber natürlich Klaus Schwarzkopf, dessen zurückhaltendes, stilles und äußerst präzises Spiel die Grundlage bietet, auf der sich die Geschichten entfalten können und damit auch die beeindruckende Star-Galerie, die darin agiert.“ (Wolfgang Struck: Kommissar Finke und die Ethnographie der Provinz, in Eike Wenzel, Hrsg.: Tatort, 2000)
Nastassja Kinski wurde mit ihrer ersten Hauptrolle als Mörderin zum Star. Danach drehte sie „Tess“, „Cat People“, „One from the heart“ und „Paris,Texas“.
mit Klaus Schwarzkopf, Rüdiger Kirchstein, Nastassja Kinski, Christian Quadflieg, Judy Winter, Marcus Boysen
„Der politische Bürgertalk“ diskutiert heute „Arme Stadt, teure Wohnungen – Wer kann sich Berlin noch leisten?“ mit Dirk Behrendt, (Bündnis 90/Die Grünen), Ulli Zelle (rbb Moderator), Peer Kusmagk (Schauspieler, Wirt), Hiltrud Sprungala (Geschäftsführerin Landesverband Berlin/Brandenburg des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen) und Wibke Werner (Berliner Mieterverein).
Red Riding: Yorkshire Killer 1974 (GB 2009, R.: Julian Jarrold)
Drehbuch: Tony Grisoni
LV: David Peace: Nineteen Seventy-Four, 1999 (1974)
Yorkshire, 1974: Der ehrgeizige Lokaljournalist Eddie Dunford recherchiert im Fall eines verschwundenen Mädchens. Er entdeckt Parallelen zu ähnlichen Fällen.
Auftakt der grandiosen, aus drei Filmen bestehenden Verfilmung der Red-Riding-Romane von David Peace. Den zweiten Film, „1980“, zeigt der HR in einer Woche um 23.30 Uhr und den Abschluss, „1983“, gibt es in zwei Wochen um 23.30 Uhr.
Mit Andrew Garfield, Eddie Marsan, John Henshaw, Sean Bean
Drehbuch: Harry Julian Fink, Oscar Saul, Sam Peckinpah
Nach dem Bürgerkrieg muss Unions-Major Amos Dundee zusammen mit Konföderiertem-Captain Benjamin Tyreen (mit dem er vor dem Krieg befreundet war) gegen den Apachen-Häuptling Sierra Charriba kämpfen. Denn dieser überfällt immer wieder Siedlungen der Weißen.
Nach dem Western „Sacramento“ drehte Peckinpah „Sierra Charriba“ (Originaltitel war „Major Dundee“) und es gab auch gleich beim Dreh und beim Schnitt mächtig Ärger.
„‚Sierra Charriba‘ ist ein spannender Action-Western und das faszinierende Überbleibsel eines Monumentalfilms, den es nie gegeben hat. Seine Macher konnten sich nie einigen, welche Art von Film sie eigentlich drehen wollten.“ (Glenn Erickson, Booklet zur DVD-Ausgabe)
Arte zeigt die restaurierte bzw. Extended Version, die etwas länger als die ursprüngliche Kinoversion ist, aber natürlich immer noch die Probleme hat, die der Film bereits vor und während des Drehs hatte.
mit Charlton Heston, Richard Harris, Jim Hutton, James Coburn, Michael Anderson jr., Senta Berger, Mario Adorf, Brock Peters, Warren Oates, Ben Johnson, R. G. Armstrong, Slim Pickens, Michael Pate
Invasion vom Mars (USA 1953, R.: William Cameron Menzies)
Drehbuch: Richard Blake
Der kleine David beobachtet eines Nachts die Landung eines UFOs. Kurz darauf bemerkt er, dass sein Vater und die Nachbarstochter sich seltsam verhalten. Und das ist erst der Anfang der Invasion vom Mars.
Kultige SF aus den Fünfzigern, die damals auch als 3D-Film geplant war und der erste Alien-Invasionsfilm in Farbe ist.
„Einer der ungewöhnlichsten Filme der fünfziger Jahre. Menzies (…) lieferte hier seine letzte Arbeit als Regisseur und verleiht dem Film durch unheilschwangere Bilder und die düstere Atmosphäre eine brillante, alptraumhafte Qualität.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science-Fiction-Filmenzyklopädie, 1998)
„Wegweisender SF-Film“ (David Pringle: Das ultimative Science-Fiction-Lexikon, 1997)
mit Helena Carter, Arthur Franz, Jimmy Hunt, Leif Erickson, Hillary Brooke
Wiederholung: Sonntag, 15. Mai, 03.35 Uhr (Taggenau!)