TV-Tipp für den 28. Januar: Nachtschicht: Wir sind die Polizei

Januar 28, 2011

ZDFneo, 21.45

Nachtschicht: Wir sind die Polizei (D 2010, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

In Hamburg geht’s auch in der siebten „Nachtschicht“-Folge rund: die Schicht beginnt mit einem Krokodil. Dann gibt es schlagende Männer, Männer, die in Frauenkleidern einen Juwelierladen überfallen und falsche Polizisten (Kennen wir die nicht schon von der vorherigen Folge?).

Die Folge ist für den diesjährigen Grimme-Preis nominiert.

mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Roeland Wiesnekker, Peter Kremer, Cosma Shiva Hagen, Ralph Herforth, Oliver Stokowski

Wiederholung: Samstag, 29. Januar, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker


DVD-Kritik: „Du und ich“ oder ein vergessenes Meisterwerk von Fritz Lang

Januar 27, 2011

Es wäre Unfug, Fritz Langs hoch budgetiertes Drama „Du und ich“ auf eine Stufe mit seinen Stummfilmmeisterwerken „Der müde Tod“, „Dr. Mabuse, der Spieler“, „Die Nibelungen“, „Metropolis“, „Spione“, „Frau im Mond“, seinem Tonfilmdebüt „M“, seinem letzten deutschen Film vor seiner Flucht, „Das Testament des Dr. Mabuse“ zu stellen. Aber schlechter als seine zahlreichen, immer noch bekannt-beliebten Hollywood-Noirs, wie „Gefährliche Begegnung“, „Gardenia – Eine Frau will vergessen“ und „Heißes Eisen“ (bei denen ihm das geringe Budget deutliche Schranken setzte) ist „Du und ich“ nicht.

Denn „Du und ich“ (ein seltsam austauschbarer und nichtssagender Titel) ist viel besser als seine Bekanntheit, genauer Unbekanntheit, vermuten lässt. In den USA war der am 1. Juni 1938 uraufgeführte Film ein Kassenflop. In Deutschland erlebte er, wie viele von Langs Hollywood-Filmen, erst am 16. Januar 1978 im WDR seine Premiere und auch bei der wurde anscheinend auf eine deutsche Synchronisation verzichtet. Jedenfalls findet sich auf der jetzt in der „Film Noir Collection“ veröffentlichten Fassung keine deutsche Tonspur.

Geplant war von Fritz Lang ein Brechtsches Lehrstück über den Kapitalismus, Verbrechen und Resozialisierung. Dafür spricht auch, dass Kurt Weill die Musik schrieb. Jedenfalls einen Teil, bis er ein besseres Angebot erhielt und Hollywood gegen den Broadway eintauschte. Dennoch gefiel ihm der Rohschnitt des Films: „Es ist ein sehr schöner, teilweise aufregend schöner Film, aber zu lang, (d. h. zu lang und zu Lang), oft sehr schleppend und sehr deutsch, aber im Niveau unvergleichlich besser als alles was sie hier machen.“

Der fertige Film ist allerdings nicht „zu lang“ und auch nicht „zu Lang“. Denn schon der Auftakt, ein Kurt-Weill-Lied über den Kapitalismus, das von Bildern aus dem Kaufhaus und der Warenwelt illustriert und ironisch kommentiert wird, stimmt furios auf die folgenden neunzig Minuten ein. In den ersten Filmminuten werden einige Verkäufer ohne Umschweife als Verbrecher vorgestellt. Dann erklärt der Kaufhausbesitzer Jerome Morris (Harry Carey) seiner Frau, dass er vielen Verbrechern eine zweite Chance gebe und bis jetzt sei noch keiner rückfällig geworden.

Einer von diesen auf Bewährung entlassenen Verbrechern ist Joe Dennis (George Raft). Gerade bei ihm sah der Knastdirektor keine Chance auf eine Rehabilitation. Aber jetzt scheint ihm der Ausstieg aus dem Verbrecherleben zu gelingen. Joe ist in die Verkäuferin Helen Roberts (Sylvia Sidney) verliebt. Weil Joe noch auf Bewährung draußen ist, darf er unter anderem nicht heiraten. Er will, nachdem er seine Bewährungsstrafe erfolgreich hinter sich gebracht hat, nach Kalifornien umziehen und dort ein vollkommen neues Leben als ehrlicher Mann beginnen. Aber Helen fragt ihn nach einem gemeinsam verbrachtem, wundervollem Abend bei dem er das Ende seiner Bewährungsstrafe feierte, ob er sie heiraten will. Joe, der sein Glück kaum fassen kann, ist einverstanden. Er zieht bei ihr ein, wird von Helens Vermietern akzeptiert, erhält seine frühere Arbeit wieder und alles könnte perfekt sein.

Aber da erfährt er zufällig und nicht von Helen, dass sie ebenfalls auf Bewährung draußen ist. Für ihn zerbricht der Traum von einem ehrlichen Leben. Er trifft sich wieder mit seinen alten Kumpels (eine weitere, der zahlreichen erinnerungswürdigen Szenen des Films) und gemeinsam planen die Verbrecher, von denen etliche auch im Kaufhaus arbeiten, einen Einbruch in das Kaufhaus.

Und wenn Helen dann den während des Einbruchs erwischten Einbrechern in der Kinderabteilung den Kapitalismus erklärt gibt es eine kleine Lernstunde in angewandter Ökonomie. Denn sie rechnet den Jungs vor, wie hoch die Beute ist, was daran der Hehler verdient, welche Ausgaben sie haben und was ihnen am Ende bleibt. Es ist erschreckend wenig und untermauert eindrucksvoll die These, dass Verbrechen sich nicht lohne, lange bevor Steven D. Levitt und Stephen J. Dubner mit „Freakonomics“ einen Bestseller landete, in dem sie erklärten, warum Drogenhändler bei ihrer Müttern wohnen.

Damals bemängelten Kritiker, dass Fritz Lang sich nicht für ein Genre entscheide. Gerade dieser elegante Wechsel zwischen den verschiedenen Genres und natürlich die meisterhafte Beherrschung des filmischen Handwerks und einer stringent entwickelten, pointiert erzählten Geschichte verleihen dem über siebzig Jahre altem Film eine auch heute noch ungeahnte Kraft. Auch dass der Film nicht stupide seine Botschaft hinausbrüllt, sondern die verschiedenen Positionen nebeneinander präsentiert und sie immer wieder ironisch bricht, trägt zur Frische des Lehrstücks ohne Botschaft bei.

 

Die DVD

 

Du und ich“ erschien als sechster Film in der „Film Noir Collection“ von Koch Media. Über die Einsortierung von „Du und ich“ als Noir könnte diskutiert werden (ich würde ihn unter Drama und nicht unter Noir einsortieren), aber nicht über die gewohnt liebevolle Ausstattung. Der Film wurde digital restauriert und entsprechend gut ist das Bild. Auch über den Ton des über siebzig Jahre alten Films kann nicht gemeckert werden Es gibt eine umfangreiche Bildergalerie, den Kinotrailer und ein zwölfseitiges Booklet mit einem informativem Text von Thomas Willmann über den Film.

Du und ich (You and Me, USA 1938)

Regie: Fritz Lang

Drehbuch: Virginia Van Upp (nach einer Geschichte von Norman Krasna)

mit Sylvia Sidney, George Raft, Robert Cummings, Barton MacLane, Roscoe Karns, Harry Carey

DVD

Koch Media (Film Noir Collection 6)

Bild: 1,37:1 (4:3)

Ton: Englich (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Bildergalerie, Original Trailer, Booklet

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über Fritz Lang (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

BFI über Fritz Lang

MovieMaker: Interview von 1972 mit Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)

 


TV-Tipp für den 27. Januar: Kap der Angst

Januar 27, 2011

Vox, 23.30

Kap der Angst (USA 1991, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Wesley Strick, James R. Webb

LV: John D. MacDonald: The executioners, 1957 (eine gekürzte deutsche Ausgabe erschien unter „Ein Köder für die Bestie“, ungekürzt – 1992 im Heyne Verlag – unter „Kap der Angst“)

Cady will sich nach 14 Jahren Haft an seinem Pflichtverteidiger Bowden rächen. Dieser unterschlug damals entlastende Beweise.

Das Remake von „Ein Köder für die Bestie“ ist als Scorsese-Film enttäuschend, als – auch brutales – Psycho-Duell zwischen Nick Nolte und Robert de Niro hochspannend. Und wenn Robert de Niro Juliette Lewis im Märchenwald verführt, gefriert einem das Blut.

Mit Nick Nolte, Robert de Niro, Jessica Lange, Juliette Lewis, Joe Don Baker, Martin Balsam, Gregory Peck, Robert Mitchum

Wiederholung: Freitag, 28. Janaur, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über John D. MacDonald (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über John D. MacDonald

Krimi-Couch über John D. MacDonald

Umfangreiche amerikanische John D. MacDonald-Fanseite


TV-Tipp für den 26. Januar: Big Fish

Januar 26, 2011

Sixx, 21.00

Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (USA 2003, R.: Tim Burton)

Drehbuch: John August

Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)

Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.

Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet,  ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.

Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)

Wiederholung

Mittwoch, 27. Januar, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Daniel Wallace

Homepage/Blog von John August (In der Abteilung „Downloads“ gibt es das Drehbuch und weiteres informatives Material zu „Big Fish“.)

Tim Burton bei Film-Zeit

Senses of Cinema-Artikel von Ben Andac über Tim Burton (2003)


TV-Tipp für den 25. Januar: Neues aus der Anstalt

Januar 25, 2011

ZDF, 22.30 (VPS 22.15)

Neues aus der Anstalt

Nachdem der erste „Satire Gipfel“ mit Dieter Nuhr eine rundum enttäuschende und komplett vergeigte Angelegenheit war (wobei Comedy-Fans das vielleicht etwas anders sehen) gibt es heute wieder den legitimen „Scheibenwischer“-Nachfolger „Neues aus der Anstalt“: 45 Minuten Satire und politisches Kabarett vom Feinsten. Dafür bürgen die Gastgeber Urban Priol und Erwin Pelzig und ihre Gäste Johann König, Andreas Rebers (das komplett deplatzierte Highlight im Nuhrschen „Satire Gipfel“, der vielleicht in „Satire Tal“ umbenannt werden sollte) und Sigi Zimmerschmied.

Wer die Sendung verpasst, muss zur ZDF-Mediathek klicken.


Neu im Kino/Kurzkritiken: Black Swan, 72 Stunden – The next three days

Januar 24, 2011

Black Swan (Black Swan, USA 2010)

Regie: Darren Aronofsky

Drehbuch: Mark Heyman, Andres Heinz, John McLaughlin

Eine junge Ballerina, die immer perfekt sein will, erhält die Chance ihres Lebens: sie soll den Weißen und den Schwarzen Schwan in dem Tschaikowski-Ballett „Schwanensee“ spielen. Für die Rolle des Schwarzen Schwans muss sie auch ihre eigene dunkle Seite erforschen und kann dabei immer weniger zwischen Fantasie und Wirklichkeit unterscheiden.

Toller psychologischer Ballett-Horrorthriller, bei dem Spiegel und Spiegelungen in jeder Beziehungen und Szene wichtig sind. Der Einfluss von Roman Polanski ist unübersehbar. Besonders natürlich von seinen beiden Psycho-Horrorfilmen „Ekel“ (mit Catherine Deneuve) und, weniger deutlich, „Der Mieter“ (mit Roman Polanski).

Nachdem „The Wrestler“ ein Achtungserfolg beim Mainstream-Publikum (oder dem breiten Arthouse-Publikum war), könnte Independent-Liebling Darren Aronofsky mit „Black Swan“ jetzt der große Durchbruch gelingen. In den USA sind die Einspielergebnisse bislang sehr erfreulich, das Publikum ist begeistert und der Preisregen für „Black Swan“ scheint, nach dem Golden Globe für Natalie Portman, gerade zu beginnen.

Nach seinem Wereswan-Movie „Black Swan“ ist Aronofsky jedenfalls gut gerüstet für seinen nächsten Film „Wolverine“.

mit Natalie Portman, Vincent Cassel, Mila Kunis, Barbara Hershey, Winona Ryder

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Black Swan“


72 Stunden – The next three days (The next three days, USA 2010)

Regie: Paul Haggis

Drehbuch: Paul Haggis (nach dem Drehbuch von Fred Cavayé und Guillaume Lemans für den Spielfilm „Pour Elle“)

Ein Lehrer will seine unschuldig als Mörderin im Knast sitzende Frau befreien.

Paul Haggis („L. A. Crash“, aber auch „Ein Mountie in Chicago“ und „Walker, Texas Ranger“) braucht 133 Minuten für seine Geschichte. Das Original, der französische Thriller „Pour elle“ (Ohne Schuld) von Fred Cavayé mit Vincent Lindon und Diane Kruger braucht nur 96 Minuten.

Trotzdem ist „72 Stunden“, dank Russell Crowe als verliebter und treusorgender Ehemann und Papa, ein unterhaltsamer Thriller für Zwischendurch. Das ist nicht immer logisch und bis dann endlich die Befreiung (vulgo Action nach der schier endlosen Planung und Vorbereitung) vergeht viel zu viel Zeit, die einen zwar mit herzigen Bildern aus dem Familienleben des Lehrers erfreut, aber auch ein auffälliges Desinteresse an dem Mordfall zeigt. Und die Wandlung von dem leicht tapsigem Lehrer zu dem eiskaltem Planer, der bedenkenlos gegen Gesetze verstößt, geht auch überraschend schnell.

Mit Russell Crowe, Elizabeth Banks, Olivia Wilde, Brian Dennehy, Liam Neeson (nur eine Szene)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „72 Stunden“

Cinema Blend: Interview mit Paul Haggis

Indie London: Interview mit Paul Haggis


TV-Tipp für den 24. Januar: Marnie

Januar 24, 2011

Arte, 20.15

Marnie (USA 1964, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Jay Presson Allan

LV: Winston Graham: Marnie, 1961 (Marnie)

Ein Verleger verknallt sich in eine Kleptomanin.

Marnie“ ist – nach mehreren Klassikern – ein schwacher Hitchcock, der von der damaligen Kritik ziemlich verrissen wurde. Sean Connery bewies allerdings schon zu Bond-Zeiten seine Lust auf ungewöhnliche Rollen: der Geheimagent ihrer Majestät als Weichei.

Marnie ist Hitchcocks Phantasie über das kleine Kind in der Frau und über den Züchtigungswahn der Männer. Auch ein Experiment damit, wie sehr das Freudsche Sozialisierungsmodell taugt für den Rahmen eines Suspense-Thrillers, in dem es anscheinend nur um die Auflösung kindlicher Traumata geht (die zu Verwirrung bei Rot/Weiß-Wahrnehmungen, zu Alpträumen bei nächtlichen Klopfgeräuschen, zu Angstzuständen bei Gewittern führen). Im Grunde aber handelt der Film von den Stadien eines permanenten Schocks auf der einen Seite, die in ständige Transfers in andere Identitäten münden, und von der systematischen Manipulation einer Abhängigen, mal mit Gewalt, mal mit sadistischer Verzögerung zelebriert.“ (Norbert Grob in Lars-Olav Beier/Georg Seeßlen [Hrsg.]: Alfred Hitchcock, 1999)

Mit Sean Connery, Tippi Hedren, Diane Baker, Martin Gabel, Bruce Dern

Wiederholung: Mittwoch, 26. Januar, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Winston Graham and Poldark Literary Society

Telegraph: Nachruf auf Winston Graham

Turner Classic Movies über „Marnie“

Tony Lee Moral: Hitchcock and the Making of „Marnie“, Manchester University Press 2002 (via Google Buchsuche)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. Januar: Stieg Larsson: Verblendung (1)

Januar 23, 2011

ZDF, 22.00

Stieg Larsson: Verblendung (1) (Schweden/Deutschland/Dänemark 2009, Regie: Niels Arden Oplev)

Drehbuch: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg

LV: Stieg Larsson: Män son hatar kvinnor, 2005 (Verblendung)

Journalist Mikael Blomkvist soll im Auftrag des Industriellen Henrik Vanger herausfinden, was im September 1966 mit seiner Lieblingsnichte Harriet geschah. Das beziehungsgestörte Computergenie Lisbeth Salander hilft ihm beim Stochern in der Geschichte der Familie Vanger.

Um eine halbe Stunde längere TV-Version der Verfilmung des ersten Wälzers von Stieg Larsson. Im Kino hat mir der Whodunit gut gefallen.

Der zweite Teil läuft am kommenden Sonntag. „Verdammnis“ und „Vergebung“ werden an den darauffolgenden Sonntagen, ebenfalls in der verlängerten TV-Version, gezeigt. Und natürlich wird das ganze auch auf DVD veröffentlicht. Am 10. Februar.

Anschließend, um 23.30 Uhr, läuft die 45-minütige Doku „Die Stieg-Larsson-Story: Was hinter der Milleniums-Trilogie steckt“.

mit Michael Nyqvist, Noomi Rapace, Lena Endre, Peter Haber, Sven-Bertil Taube, Peter Andersson, Ingvar Hirdwall, Marika Lagercrantz, Björn Granath

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

YouTube-Seite zum Film

Film-Zeit über „Verblendung“

ZDF über „Verblendung“

Schnittberichte: Vergleich der Kinofassung mit der TV-Fassung von “Verblendung”

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verblendung“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Verdammnis“ (Buch und Film)

Meine Besprechung von Stieg Larssons „Vergebung“ (Buch/Film)

Homepage von Stieg Larsson

Heyne über Stieg Larsson

Krimi-Couch über Stieg Larsson

Wikiepedia über Stieg Larsson (deutsch, englisch)

Stieg Larsson in der Kriminalakte



TV-Tipp für den 22. Januar: Der Schrei der Eule/Der Mörder

Januar 22, 2011

ARD, 00.35

Der Schrei der Eule (D/F/GB/Kan 2009, R.: Jamie Thraves)

Drehbuch: Jamie Thraves

LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)

Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Jenny. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Greg. Als Greg nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt.

Bereits Claude Chabrol und Tom Toelle verfilmten 1987 den Krimi. Während beide Verfilmungen sich sehr ähneln und, wenn man die Prämisse akzeptiert, gelungen sind, kann das anscheinend von Jamie Thraves Film nicht behauptet werden.

mit Paddy Considine, Julia Stiles

ARD, 02.15

Der Mörder (I/F 1962, R.: Claude Autant-Lara)

Drehbuch: Jean Aurenche, Pierre Bost

LV: Patricia Highsmith: The Blunderer, 1954 (Der Stümper)

Zwei tote Ehefrauen. Zwei sich gegenseitig des Mordes beschuldigende Ehemänner.

Fast unbekannte Highsmith-Verfilmung. Wahrscheinlich nicht grundlos.

Mit Maurice Ronet, Marina Vlady, Robert Hossein, Gert Fröbe

auch “Im Schatten einer Nacht”

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

 


TV-Tipp für den 21. Januar: Nur die Sonne war Zeuge

Januar 21, 2011

3sat, 22.25

Nur die Sonne war Zeuge (F/I 1960, R.: René Clément)

Drehbuch: René Clément, Paul Gégauff

LV: Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley, 1955 (Nur die Sonne war Zeuge, Der talentierte Mr. Ripley)

Tom Ripley soll im Auftrag von Philippes Vater den Sohn nach Amerika zurückbringen. Aber Tom und Philippe verstehen sich gut und Tom gefällt das müßige Millionärsleben. Warum also nicht einfach Philippe Greenleaf umbringen und dessen Stelle einnehmen?

Grandiose Verfilmung des ersten Ripley-Romanes; obwohl der Film moralisch korrekter endet.

Neben dem ausgefeilten Drehbuch trug besonders Henri Decaes superbe Farbfotografie zum Erfolg des Films bei. Erstmals schuf Farbe jene beklemmende Atmosphäre, die bis dahin nur aus den Schwarzweiß-Filmen der Schwarzen Serie bekannt war.

Patricia Highsmith schrieb danach vier weitere Bücher mit Tom Ripley, dem ersten sympathischen Psychopathen der Kriminalgeschichte.

Mit Alain Delon, Marie Laforet, Maurice Ronet

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )


DVD-Kritik: Das „Gesetz der Straße“ gilt auch für „Brooklyn’s Finest“

Januar 20, 2011

In seinem neuesten Film erzählt „Training Day“-Regisseur Antoine Fuqua vom Leben einiger Polizisten in Brooklyn. Aber während Fuqua in „Training Day“ im Genregewand (ein alter Polizist soll einen Neuling einarbeiten) ganz klassisch die Geschichte eines Mannes und einer Verführung erzählte, ist „Gesetz der Straße“ mit seinen drei, parallel erzählten Geschichten wesentlich fragmentierter. Die Charaktere begegnen sich höchstens zufällig. Gleichzeitig verknüpft Fuqua die Geschichten durch Schnitte, szenenüberlappende Dialoge und die Musik so sehr, dass es kaum auffällt, wie wenige Szenen die hochkarätigen Schauspieler miteinander haben.

Außerdem wird in „Gesetz der Straße“ nicht die Geschichte einer Verführung erzählt. Denn die drei Hauptcharaktere sind bereits auf der dunklen Seite angekommen.

Eddie (Richard Gere) ist ein abgebrannter Streifenpolizist, der nur noch auf seine baldige Pensionierung wartet. Er hält sich aus allem heraus und ist daher auch überhaupt nicht begeistert, als er auf seine letzten Tage noch einen jungen Polizisten einarbeiten soll. Erst nach seiner Pensionierung (die in ihrer Glanzlosigkeit schockierend ist und, so Fuqua in seinem interessantem Audiokommentar, der Realität entspricht) sieht er ein verschwundenes Mädchen, das jetzt anscheinend von ihrem Zuhälter zur Prostitution gezwungen wird, und er verfolgt die beiden.

Tango (Don Cheadle) ist ein Undercover-Cop, der aussteigen will. Er wird von seinen Vorgesetzten (Will Patton, Ellen Barkin [grandios als kaltschnäuziges Luder]) gezwungen als letzten Auftrag Beweise gegen seinen Freund, den Drogenhändler Caz (Wesley Snipes), zu finden.

Sal (Ethan Hawke) gehört zu einem Spezialkommando. Er ist verheiratet, hat zwei Söhne und das dritte Kind ist unterwegs. Er möchte, dass sie aus ihrem zu kleinen und mit Chemikalien verseuchtem Haus in ein besseres Haus umziehen können. Weil dafür sein Lohn als Polizist nicht ausreicht, beschließt er, es sich von den Drogenhändlern, die er jagen soll, zu holen.

Eddie, Tango und Sal (dessen Katholizismus und die damit verbundenen Schuldgefühle in jeder Szene spürbar sind) haben alle Fehler begangen. Sie sind Sünder vor dem Herrn. Sie versuchen alle wieder zur guten Seite zurückzukehren. Und, selbst ohne ein katholische Schuld-Sühne-Verständnis, müssen sie für ihre Sünden bezahlen. Unklar ist nur der Preis. Immerhin kennen wir spätestens seit Martin Scorseses „Hexenkessel“ den Spruch „Du zahlst deine Sünden nicht in der Kirche…du zahlst auf der Straße“ (gerne auch in der knapperen Form „Für deine Sünden zahlst du auf der Straße.“).

Es gibt vieles, was bei „Gesetz der Straße“ beeindruckt: die Schauspieler, die Drehorte (es wurde vor Ort in Brooklyn mit Anwohnern gedreht), der Schnitt und damit die elegante Verknüpfung der drei arg vorhersehbaren Geschichten. Aber so richtig packend ist „Gesetz der Straße“ nie. Denn der getragene Erzählrhythmus, die wenigen Schnitte und langsamen Kamerafahrten verstärken die Distanz zum aus dem Klischeebaukasten des Copfilms zusammengesetzten Geschichten.

Und die Desillusionierung der Charaktere ist zu groß. Während früher die Polizisten die Verbrecher ohne Rücksicht auf Verluste jagten, den Aufstand versuchten und den Kampf gegen das System aufnahmen, auch wenn sie tief in ihrem Innersten ahnten, dass er vergeblich sein würde, haben in „Gesetz der Straße“ alle schon lange resigniert.

In „Gesetz der Straße“ ist nichts mehr zu spüren von der fiebrige Energie von „Training Day“. Und damit ist „Gesetz der Straße“ wahrscheinlich genauso wie „Training Day“ und, wenn wir in die Geschichte des Copfilms gehen, „Prince of the City“, „Serpico“ und „French Connection“ eine Bestandsaufnahme der Gesellschaft.

 

Die DVD

 

Das umfangreiche Bonusmaterial besteht aus einem informativem Making-of, vier ebenso informativen Featurettes und einem hörenswertem Audiokommentar von Antoine Fuqua, der sich vor allem darauf konzentriert, zu erklären, was er mit bestimmten Szenen erreichen wollte. Bei den „Geschnittenen Szenen“ handelt es sich vor allem um Szenenverlängerungen und andere Versionen des Filmendes. Insofern täuscht die große Laufzeit etwas.

Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Michael C. Martin

mit Richard Gere, Don Cheadle, Ethan Hawke, Wesley Snipes, Vincent D’Onofrio, Will Patton, Lili Taylor, Ellen Barkin, Brían F. O’Byrne, Michael K. Williams, Lili Taylor

DVD

Kinowelt

Bild: 2,35:1 (anamorph)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Geschnittene Szenen, Featurettes (Konflikt und Chaos: Das Leben eines New Yorker Cops, Ein Blick fürs Detail, Vom Bahn-Angestellten zum Hollywood-Autor, Die Jungs im realen Viertel), Fotogalerie, Trailer (deutsch, englisch), Audiokommentar von Antoine Fuqua, Presseheft (deutsch)

Länge: 127 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Am 17. März 2011 erscheint der Film bei Kinowelt in der „SteelBook Collection“ von „Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest“.

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gesetz der Straße“

The Root: Interview mit Michael C. Martin über „Brooklyn’s Finest“

Go into the Story: Interview mit Michael C. Martin über „Brooklyn’s Finest“

Variety über Michael C. Martin (10. Juni 2008)


TV-Tipp für den 20. Januar: Stille Wasser

Januar 20, 2011

3sat, 22.25

Stille Wasser (F 1981, R.: Michel Deville)

Drehbuch: Christopher Frank, Michel Deville, Florence Delay

LV: Patricia Highsmith: Deep Water, 1957 (Tiefe Wasser)

Der reiche Erbe Vic lebt mit seiner Gattin Melanie auf der Kanalinsel Jersey. Er toleriert sogar ihre wechselnden Liebhaber, bis Melanie mit dem Pianisten Carlo ins Bett steigt.

Großartige Charakterstudie über ein Ehepaar, das miteinander Katz-und-Maus spielt.

Mit Isabelle Huppert, Jean-Louis Trintignant

Auch „Tiefe Wasser“

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Januar 19, 2011

Selbstverständlich sind meine TV-Krimi-Buch-Tipps schon einige Tage online bei den Alligatorpapieren:

Patrica-Highsmith-Fans dürfen sich auf mehrere Verfilmungen ihrer Werke freuen: nämlich Claude Chabrols „Der Schrei der Eule“, Roger Spottiswoodes „Mr. Ripley und die Kunst des Tötens“, Michel Devilles „Stille Wasser“, René Clements „Nur die Sonne war Zeuge“, Jamie Thraves‘ „Der Schrei der Eule“ (als TV-Premiere) und Claude Autant-Laras „Der Mörder“. Da fehlt nur noch der Fremde im Zug.
Außerdem sehenswert sind Raoul Walshs W.-R.-Burnett-Verfilmung „Vogelfrei“, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmung „GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia“, Jean-Luc Godards „Lemmy Caution gegen Alpha 60“, Alfred Hitchcocks Francis-Iles-Verfilmung „Verdacht“, Lars Beckers „Nachtschicht: Ein Mord zu viel“ (als TV-Premiere) und „Nachtschicht: Wir sind die Polizei“, Michael Whytes Lynda-La-Plante-Verfilmung „Der Preis des Verbrechens: Vorm Abgrund“, Claude Millers John-Wainwright-Verfilmung „Das Verhör“, Jules Dassins Auguste-le-Breton-Verfilmung „Rififi“ und Frank Darabonts Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“.
Und dann gibt es noch, jeweils als TV-Premiere, „Yorkshire Killer 1983“, den grandiosen Abschluss der auf den Romanen von David Peace basierenden Red-Riding-Verfilmungen, und den ersten Teil der TV-Version von Stieg Larssons „Verblendung“.


TV-Tipp für den 19. Januar: Mr. Ripley und die Kunst des Tötens

Januar 19, 2011

3sat, 22.25

Mr. Ripley und die Kunst des Tötens (D/GB 2005, R.: Roger Spottiswoode)

Drehbuch: William Blake Herron, Donald E. Westlake

LV: Patricia Highsmith: Ripley Under Ground, 1970 (Ripley Under Ground)

Der Maler Derwatt ist kurz vor seinem Durchbruch. Da stirbt er bei einem nächtlichen Autounfall. Seine Freunde, wozu Tom Ripley, Derwatts Freundin und der hochverschuldete Galeriebesitzer gehören, beschließen, den Tod von Derwatt einige Tage zu verschweigen und die Derwatt-Bilder gewinnbringend zu verkaufen. Als ein amerikanischer Derwatt-Fan ihnen einen beträchtlichen Scheck für ein neues Derwatt-Bild überreicht, beschließen sie, einige neue Derwatt-Bilder herzustellen. Doch dann will der Derwatt-Fan sich von dem Künstler die Echtheit des Gemäldes bestätigen lassen, den Derwatt-Fälscher packt das schlechte Gewissen und Tom Ripley, der nicht auf seinen gehobenen Lebensstil verzichten will, wird handgreiflich.

Herrlich gemeine, schwarzhumorige Komödie bei der alle (naja, vielleicht bis auf den Derwatt-Fälscher) von einer gehörigen Portion krimineller Energie angetrieben werden und die bürgerlichen Moralvorstellungen durchaus flexibel handhaben. Da erscheint Tom Ripley, für den Skrupel ein Fremdwort sind, fast schon als das anständigste Mitglied im Derwatt-Freundeskreis. Dafür dürfte Drehbuchautor Donald Westlake verantwortlich sein.

RIPLEY UNDER GROUND is a lighthearted black comedy, cloaked in the guise of a murder mystery. (…)RIPLEY UNDER GROUND is well-made, enjoyable fluff, and has enough pleasant twists to make it worth seeking out.” (Peter Martin, twitchfilm.net)

Mit Barry Pepper, Jacinda Barrett, Tom Wilkinson, Willem Dafoe, Alan Cumming, Claire Forlani

Auch bekannt als “Ripley Under Ground” (DVD-Titel)

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake


TV-Tipp für den 18. Januar: Der Schrei der Eule

Januar 18, 2011

So lasset uns die Highsmith-Tage (19. Januar 1921 – 4. Februar 1995) mit einem Schrei beginnen

3sat, 20.15

Der Schrei der Eule (F 1987, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Claude Chabrol, Odile Barski

LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)

Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Juliette. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Patrick. Als er nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt. Aber Patrick ist noch quicklebendig.

Highsmith sezierte in ihren Büchern die Abgründe des Bürgertums. Chabrol in seinen Filmen. „Der Schrei der Eule“ markiert das langerwartete Treffen. Ein feiner Film.

Mit Christophe Malavoy, Mathilda May, Jacques Penot

Hinweise

Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith

Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith

Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)

Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )

Wikipedia über Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Kriminalakte: Nachruf auf Claude Chabrol

Claude Chabrol in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Januar: Das Ende – Assault on Precinct 13

Januar 14, 2011

Pro 7, 22.30

Das Ende – Assault on Precinct 13 (USA/F 2005, R.: Jean-François Richet

Drehbuch: James DeMonaco (nach dem Drehbuch von John Carpenter)

Jahreswende in Detroit: In einem abgelegenem Polizeirevier, das demnächst aufgelöst werden soll, muss wegen eines Schneesturms über die Nacht ein berüchtigter Gangster untergebracht werden. Einige korrupte Polizisten, die verhindern wollen, dass der Gangster redet, wollen ihn umbringen. Sie belagern das Revier. Der Revierleiter nimmt den Kampf auf – und muss dabei auch dem Gefangenen vertrauen.

Fetziges Remake von John Carpenters gleichnamigem Film; wobei John Carpenter die Story auch geklaut hat (und nie ein Geheimnis daraus gemacht hat).

mit Ethan Hawke, Laurence Fishburne, Gabriel Byrne, Maria Bello, John Leguizamo, Brian Dennehy, Kim Coates, Hugh Dillon

Wiederholung: Samstag, 15. Januar, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Das Ende – Assault on Precinct 13“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Morning Glory

Januar 13, 2011

Morning Glory“ hat einen gewaltigen Pluspunkt: Harrison Ford.

Diane Keaton ist auch nicht schlecht.

Und Jeff Goldblum hat auch einige schöne Szenen.

Dafür ist die Heldin, die von Rachel McAdams gespielte ständig aufgekratzte, hyperoptimistische, nicht durch ihren Intellekt überzeugende Becky Fuller, von einer so überirdischen Naivität und Gutgläubigkeit, dass man wirklich nur hoffen kann, dass solche Menschen niemals irgendeinen wichtigen Posten begleiten dürfen.

Aber wir sind in einem Film und da ist vieles möglich.

Jedenfalls soll sie die unglaublich erfolglose TV-Morgensendung „Daybreak“ leiten. Schnell packt sie der Ehrgeiz, die Sendung aus dem Quotenkeller herauszuholen. Als sie erfährt, dass die Show demnächst abgesetzt werden soll, geht es dann auch um die Jobs des Teams. Und in dem herrscht gerade zwischen den beiden Moderatoren dicke Luft. Colleen Peck (Diane Keaton) macht den Job schon seit Ewigkeiten und sie würde alles tun, um weiterhin auf Sendung zu bleiben. Mike Pomeroy (Harrison Ford) ist eine Reporterlegende und sieht die Tätigkeit als Moderator einer Frühstückssendung, die um echte Nachrichten einen weiten Bogen macht, als unter seiner Würde an. Er sieht sowieso fast jede Arbeit die nicht klassischer Enthüllungsjournalismus der Carl-Bernstein/Bob-Woodward-Schule ist, als unter seiner Würde an. Aber er wird von Becky Fuller, die seinen Vertrag genau gelesen hat, zu dieser Arbeit erpresst und er würde alles tun, um aus der Sendung zu fliegen.

Außerdem verliebt sich der von allen Frauen begehrte Nachrichtenproduzent Adam Bennett (Patrick Wilson in der undankbaren Rolle des Heimchens am Herd) in sie.

Das alles wird fernab jeglicher Wirklichkeit geschildert.

Aber „Morning Glory“ diese rosarote Brille auf das Arbeitsleben vorzuwerfen, wäre Unfug. Der Film will in keiner Zehntelsekunde eine auch nur irgendwie realistisch anmutende Beschreibung aus dem Arbeitsleben sein. Der Film ist auch keine Satire, sondern eine im TV-Milieu spielende Romantic Comedy, in der sie nicht die Liebe ihres Lebens findet (ja, gut, in einem Subplot geht’s auch darum), sondern in dem sie aus einem zerstrittenen Haufen ein Team formt und sie alle eine Familie werden. Es ist, wenn man so will, die Liebesgeschichte zwischen Becky Fuller und der Nachrichtenlegende Mike Pomeroy, der sie am Anfang noch nicht einmal als Fußabtreter benutzen würde. Am Ende – nun, einmal dürfen Sie raten.

Bis dahin fragt man sich allerdings mehr als einmal, welche Geschichte Regisseur Roger Michell (Notting Hill) und Drehbuchautorin Aline Brosh McKenna (Laws of Attraction, Der Teufel trägt Prada) eigentlich erzählen wollen. Denn die verschiedenen Plots stehen sich doch öfters im Weg und plätschern vor sich zum erwartbaren Ergebnis hin. Außerdem schwankt Michells Inszenierung etwas unentschlossen zwischen Comedy, Drama und, hm, Musikfilm.

Morning Glory“ ist wie ein Buffet: fast jeder Happen schmeckt, auch wenn die einzelnen Beilagen nicht unbedingt zueinander passen und am Ende ist man nicht satt.

Und damit ist „Morning Glory“ dann doch wie das Frühstücksfernsehen: bunt, unterhaltsam, belanglos.

Morning Glory (Morning Glory, USA 2010)

Regie: Roger Michell

Drehbuch: Aline Brosh MeKenna

mit Rachel McAdams, Harrison Ford, Diane Keaton, Patrick Wilson, Jeff Goldblum, John Pankow, Matt Malloy, Patti D’Arbanville

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Morning Glory“

The Telegraph: Interview mit Harrison Ford zu „Morning Glory“


TV-Tipp für den 13. Januar: 00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter

Januar 13, 2011

Arte, 23.35

00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter (D 1994, R.: Helge Schneider, Christoph Schlingensief [ungenannt])

Drehbuch: Brötchen

TV-Premiere von Helge Schneiders zweiter Regiearbeit: Kommissar 00 Schneider sucht den Mörder eines Clowns. Er hält Nihil Baxter für den Täter.

Tja, wie der Titel schon andeutet: Nach seinem Western „Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem“ nahm er sich den Krimi vor und unterzog ihn einer Radikalkur.

Wie schon bei ‚Texas‘ sträubt sich die Feder auch beim Versuch, zu Helge Schneiders zweitem Nonsens-Film eine Inhaltsangabe niederzuschreiben. Und sie wäre auch völlig überflüssig. (…) ein Reigen genial verpasster Gags.“ (Fischer Film Almanach 1995)

mit Helge Schneider, Andreas Kunze, Helmut Körschgen

Hinweise

Homepage von Helge Schneider

Helge-Schneider-Fanclub (letztes Update: 14. Februar 2008)

Wikipedia über Helge Schneider

Arte über „00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter“

Helge Schneider in der Kriminalakte (ein kleiner Helge-Best-Of)


TV-Tipp für den 12. Januar: Cop Land

Januar 12, 2011

RBB, 23.30

Cop Land (USA 1997, R.: James Mangold)

Drehbuch: James Mangold

Freddy Heflin hat als frühes Gnadenbrot eine Stelle als Sheriff in Garrison, New Jersey bekommen. Die Einwohner sind von ihm bewunderte New Yorker Polizisten. Als eines Tages ein Interner Ermittler aus New York ihn um Hilfe bei Ermittlungen gegen korrupte Polizisten bittet, muss Heflin sich zwischen seinem Job und dem polizeilichen Ehrenkodex entscheiden.

Gutes Schauspielerkino mit einem kräftigen Touch 70-Jahre-Kino und einem genießbaren Stallone, der in diesem Cop-Movie versuchte von seinem Rambo/Rocky-Image wegzukommen. Inzwischen ist er wieder bei „Rocky“ und „Rambo“ angekommen und drehte zuletzt mit einer Action-All-Star-Besetzung im Dschungel „The Expendables“ (über Söldner, die tun, was Söldner tun).

Mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Harvey Keitel, Ray Liotta, Peter Berg, Michael Rapaport, Annabella Sciorra, Robert Patrick, Noah Emmerich

Hinweise

Wikipedia über „Cop Land“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Cop Land“


TV-Tipp für den 11. Januar: Familiengrab

Januar 11, 2011

RBB, 22.45

Familiengrab (USA 1976, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Ernest Lehman

LV: Victor Canning: The rainbird pattern, 1972 (später “Family plot”; „Auf der Spur“)

Mrs. Rainbird verspricht dem Medium Blanche 10.000 Dollar, wenn sie ihren vor Jahrzehnten verstossenen Neffen findet. Dieser finanziert inzwischen seinen Lebensunterhalt mit Entführungen und unterstellt Blanche und ihrem Freund George niedere Motive.

Was für ein Abgang: eine lockere Krimikomödie mit tiefschwarzem Humor.

Ernest Lehman: „Was Hitchcock wirklich an diesem Filmprojekt faszinierte, war die Idee von zwei getrennt ablaufenden unterschiedlichen Geschichten, die langsam zueinander finden und letztlich zu einer Geschichte werden. Ich ließ nicht locker, ihn darauf hinzuweisen, dass das Publikum nicht einen Film aufgrund seiner einzigartigen Struktur sehen will – es sei denn, Hitchcock plane, den Film als eine Art Dozent zu begleiten und ihn den Zuschauern zu erklären.“ – Mmh, da hat er Recht. „Family Plot“ (hübsch doppeldeutiger Titel) ist beim zweiten, dritten Sehen besser als beim Ersten. Und die Rückprojektionen sind schlecht wie immer.

Mit Karen Black, Bruce Dern, Barbara Harris, William Devane, Ed Lauter, Cathleen Nesbitt

Hinweise

Wikipedia über Victor Canning

Kaliber .38 über Victor Canning

Fanseite über Victor Canning

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte