DVD-Kritik: The Texas Chainsaw Massacre – 35th Anniversary Edition

September 2, 2010

The Texas Chainsaw Massacre“ ist ein Low-Budget-Horror aus den Siebzigern, der den Machern den Weg nach Hollywood ebnen sollte. Da bot sich ein Genrefilm, bevorzugt Horror oder Krimi, an, weil sie billig zu drehen sind und es immer ein Publikum für sie gibt. Dass er dann so erfolgreich wurde, überraschte alle Beteiligten. Dass er Eingang in die Popkultur finden würde, dass es ein ausgewachsenes Fantum geben würde und dass er stilbildend für viele weitere Horrorfilme werden würde, hätten die Macher sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorgestellt.

Auch nicht, dass „The Texas Chainsaw Massacre“, im Gegensatz zu anderen Horrorfilm-Blockbustern, wie „Der Exorzist“ und „Das Omen“, die damals ebenfalls für Kontroversen sorgten, auch über 35 Jahre nach der Premiere nichts von seiner schockierenden Wirkung verloren hat.

Denn, wie George A. Romero in dem ebenfalls systemkritischen „Die Nacht der lebenden Toten“, inszenierte Tobe Hooper einen Alptraum, in den die jungen Protagonisten hineingeworfen werden und aus dem es kein Entkommen gibt. Sie sind plötzlich fremden Mächten ausgeliefert, die nicht mit ihnen reden wollen, sondern mit nackter Brutalität agieren. Damals war das auch ein sehr deutlicher Kommentar zum Vietnamkrieg, Watergate und dem brutalen Agieren des Staates gegen die Hippie-Bewegung und deren friedliche Antikriegsproteste.

In Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Massacre“ fahren fünf Jugendlichen, zwei Pärchen und der im Rollstuhl sitzenden Franklin, nach Texas um das Grab des Großvaters zu besuchen. Sie nehmen einen verrückten Anhalter mit, fahren an einem Schlachthof vorbei (was Franklin die Gelegenheit gibt, zu erzählen wie früher und heute Rinder getötet werden) und verirren sich in der texanischen Einöde. Sie erkunden ein leerstehendes Haus und entdecken ein weiteres Haus, in dem der geistig zurückgebliebene „Leatherface“ und seine Familie leben. Sie sind Kannibalen und das Haus ist ein bizarrer Schlachthof. „Leatherface“, der von dem plötzlichen Auftauchen der vielen Besucher überfordert ist, behandelt sie wie Schlachtvieh. Denn Tiere töten kann er. Am liebsten tötet er seine Opfer mit einem gezielten Hammerschlag auf den Kopf, aber auch die titelgebende Kettensäge erweist ihm gute Dienste. Pam hängt er an einem Fleischerhaken auf.

Der Höhepunkt des Schreckens ist für Sally, die einzige Überlebende der fünf Freunde, ein Abendessen mit der Kannibalenfamilie.

Diese Geschichte folgt den heute sehr ausgetretenen und oft auf Schocks reduzierten Pfaden der Urbanoia-Geschichten, in denen nette, harmlose, weiße Anfang Zwanzigjährige bei einem Ausflug ins platte Land auf eine Sippe degenerierter, gewaltlüsterner Hinterwäldler stoßen. Außerdem ließen die Drehbuchautor Kim Henkel und Tobe Hooper sich etwas von dem wahren Serienmörder Ed Gein inspirieren, der in den Fünfzigern in Wisconsin lebte. Aber im Gegensatz zu neueren Filmen, in denen die Leinwand in Blut getaucht wird und man alles sehen kann, werden in „The Texas Chainsaw Massacre“ die Morde nur angedeutet. So geschieht Leatherfaces erster Mord fast nebenbei, indem er Kirk mit einem gezielten Schlag auf den Kopf wie ein Tier tötet. Auch die anderen Morde spielen sich vor allem im Kopf des Zuschauers ab – und sind so viel wirkungsvoller.

Dafür nimmt Hooper sich viel Zeit, eine beängstigende Atmosphäre zu schaffen. Das beginnt schon in den ersten Minuten mit der Einleitung, in der betont wird, dass es sich um ein wahres Ereignis handelt (was natürlich Quatsch ist, denn die Ereignisse in dem Film finden nach dem Ende der Dreharbeiten statt) und den folgenden Schnappschüssen von teilweise mumifizierten und verwesten Menschenteilen, den Bildern von den beiden verwesten Leichen, die auf einem texanischen Friedhof in der Gluthitze zur Schau gestellt wurden, und den Sonneneruption. Ein Radiosprecher berichtet von unerklärlichen Gewalttaten. Die unüblichen Aufnahmewinkel, meistens aus der Untersicht, und die minimalistische Musik, die eher eine experimentelle Klangcollage ist, verstärken die bedrohliche Atmosphäre.

Es ist klar, dass im Staate Texas etwas nicht stimmt.

Der verrückte Anhalter, der sich in die Hand schneidet, und eine zurückgebliebene Putzkraft an einer Tankstelle, die kein Benzin mehr hat, verstärken dieses Gefühl einer diffusen Bedrohung, das erst im Haus der Familie greifbar wird. Da lebt „Leatherface“, der immer mit einer Ledermaske herumläuft und nur unartikulierte Töne ausstößt. Die Möbel sind aus Knochen gefertigt, auf dem Boden liegen Hühnerfedern und Knochen, an den Fenstern und den Decken baumeln Mobiles aus Knochen und ein Huhn ist in einen viel zu kleinem Vogelkäfig eingesperrt.

Und bis dahin haben wir den Rest der Familie und Großvater noch nicht kennen gelernt.

Aus dem kurzen Ausflug an einem sonnigen Sommertag wird ein von Tobe Hooper beeindruckend konsequent inszenierter Alptraum, aus dem es für die Jugendlichen kein entkommen gibt.

Und weil Hooper nicht die Schocks, sondern Suspense, gepaart mit einer ordentlichen Portion Paranoia, ins Zentrum stellte, ist „The Texas Chainsaw Massacre“ ein auch heute noch zutiefst beunruhigender Film, der einerseits als Fabel auf die damalige Zeit, aber auch sehr einfach auf die Gegenwart bezogen werden kann.

Außerdem, das wird heute, nach dem Genuss der abertausend Epigonen gern vergessen, begründete „The Texas Chainsaw Massacre“ ein Subgenre.

The Texas Chainsaw Massacre“ als Lehrstunde des deutschen Rechts

Fast überall hatte „The Texas Chainsaw Massacre“ Probleme mit der Zensur. Teilweise war er sogar verboten. Aber in den vergangenen Jahren erfuhr Hoopers Film fast überall eine Neubewertung und Erwachsene, oft auch Jugendliche, dürfen sich den Horrorfilm-Klassiker ansehen.

In Deutschland hatte der Film wegen dem Titel und der Handlung bereits vor der Kinoauswertung 1978 einige Probleme mit der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK). Am 25. August 1978 startete „Blutgericht in Texas“, erleichtert um einige Handlungsszenen, in den deutschen Kinos und war auch hier ein Hit.

In den Achtzigern eroberten Videorekorder die heimischen Wohnzimmer und zu den beliebtesten Filmen gehörten Myriaden billiger Sex-, Gewalt- und Horrorfilme. Gleichzeitig gab es zum Schutz der gefährdeten Jugendlichen eine Welle von Beschlagnahmungen und Indizierungen. Genrefans erinnern sich vor allem an den seit 1983 mehrfach beschlagnahmten „Tanz der Teufel“ (von „Spider-Man“-Regisseur Sam Raimi) oder an Lucio Fulcis „Ein Zombie hing am Glockenseil“ (allein der Titel versetzte die Sittenwächter in höchste Erregung).

Auch „The Texas Chainsaw Massacre“ wurde damals zuerst indiziert (also: nur noch unter der Ladentheke erhältlich) und dann verboten (also: gar nicht mehr erhältlich). Der Beschlagnahmebeschluss vom 23. Dezember 1985 vom Münchner Landgericht 1 wegen Gewaltverherrlichung ist wegen seiner Argumentation („keine Kunst“) und Beobachtungsgabe (es wird der Film beschrieben, der sich im Kopf des Zuschauers abspielt, aber nicht die zu sehenden Bilder) legendär:

Der Film ‚Ketten-Sägen-Massaker‘ ist sicher kein Werk der Kunst, so dass bereits aus diesem Grunde auf die Bedeutung des Kunstvorbehalts des Art. 5 Abs. 3 GG nicht eingegangen zu werden braucht. Nach alledem stellt der Film weder eine Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte dar (§ 131 Abs. 2 StGB) noch zielt er auf das kritische Bewusstsein des Betrachters ab. Er liefert auch keinen Denkanstoß hinsichtlich der Problematik der Ursachen von grausamer Gewalt, sondern er versteht sich als Horrorfilm, der von brutalen und geschmacklosen Szenenfolgen lebt.“

Seitdem gab es den Film in Deutschland nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr ungekürzt. Einige Bootlegs (die dann auch verboten wurden) und eine höchstens für Sammler von Absurditäten interessante Ab-16-Version, in der wirklich jede bekannte Szene aus dem Film gekürzt wurde, gab es zu kaufen.

Weil der Film inzwischen allgemein als Horrofilmklassiker und auch als Filmklassiker anerkannt ist und ein runder Geburtstag eine gute Gelegenheit ist, eine umfassende Geburtstagsedition auf den Markt zu werfen, erwarb Turbine Medien 2008 die Heimvideorechte. Sie ließen einige Gutachten erstellen, die dem Film die strafrechtliche Unbedenklichkeit bescheinigten und als sie der Bundesprüfstelle den Film zeigten, wurde ihr Anliegen wohlwollend aufgenommen. Turbine Medien befürchtete sogar eine Freigabe ab 16 Jahren.

Aber dann sagte ihnen der Vorsitzende der Bundesprüfstelle, dass sie den Film nicht prüfen könnten, weil er verboten sei. Eine Neuprüfung und damit eine mögliche Listenstreichung sei nur möglich, wenn eine Gesetzesänderung stattfände, eine nachfolgende rechtskräftige Gerichtsentscheidung die strafrechtliche Relevanz verneine, die Auslegung des Straftatbestandes sich zwischenzeitlich durch bundesgerichtliche oder obergerichtliche Rechtssprechung ändere oder die ursprüngliche gerichtliche Entscheidung aufgehoben werde.

In der Kurzfassung heißt das: Wenn in Deutschland ein Kunstwerk einmal verboten ist, ist es für immer verboten.

Denn es wird sich nur selten ein Filmanbieter finden, der ein teures Gerichtsverfahren mit einem sehr ungewissen Ausgang riskiert. Wobei es natürlich zuerst einen Staatsanwalt geben muss, der ein entsprechendes Verfahren initiiert.

Auch Turbine Medien vertreibt die „The Texas Chainsaw Massacre“-Geburtstags-Edition derzeit nur in Österreich. In Deutschland versuchen Turbine Medien und ihre Anwälte immer noch eine Freigabe des Films zu erreichen, damit wenigstens Erwachsene den Film in Deutschland kaufen dürfen. Denn derzeit ist „The Texas Chainsaw Massacre“ zu gefährlich für Erwachsene.

The Texas Chainsaw Massacre“ – die „35th Anniversary Edition“

Die von Turbine Medien erstellte Geburtstagsedition ist das Rundum-glücklich-Paket für den Fan. Es gibt den Film, digital remastered, mit einer vollständigen deutschen Synchronisation und der alten deutschen Synchronisation, auf Blu-Ray und DVD. Das Bild ist atemberaubend gut. Die beiden Audiokommentare sind informativ, aber wer vorher die Dokumentationen auf der Bonus-DVD gesehen hat, erfährt wenig neues.

Auf der dritten DVD gibt es gut drei Stunden sehr informatives Bonusmaterial. Besonders die siebzigminütige Dokumentation „The Shocking Truth“ ist sehr gelungen. Die ebenfalls siebzigminütige Doku „Flesh Wounds“ wirkt dagegen etwas wie eine Zusammenstellung von aus „The Shocking Truth“ geschnittenen Szenen. Denn in „Flesh Wounds“ kommen, neben einigen am Film „The Texas Chainsaw Massacre“ beteiligte Personen, mehrere Fans und Organisatoren von Horrorfilm-Veranstaltungen zu Wort. In dem achtminütigem „Das TCM-Haus“ führt „Leatherface“ Gunnar Hansen (dessen Darstellung von Leatherface gar nicht genug gelobt werden kann) durch das Haus, in dem sie 1973 den Film drehten und das heute ein Familienrestaurant ist.

Weil in dem gesamten Bonusmaterial durchgängig die Fan-Perspektive eingenommen wird, wären für eine zweite Auflage ein dritter Audiokommentar von einem Filmwissenschaftler und eine Dokumentation über die Zensurgeschichte von „The Texas Chainsaw Massacre“ (besonders natürlich der deutschen Zensurgeschichte) wünschenswert.

Bis dahin ist die „35th Anniversary Edition“ von Turbine Medien die definitive Veröffentlichung des Films.

The Texas Chainsaw Massacre (The Texas Chainsaw Massacre, USA 1974)

Regie: Tobe Hooper

Drehbuch: Kim Henkel, Tobe Hooper

mit Marilyn Burns, Allen Danziger, Paul A. Partain, William Vail, Teri Mcminn, Edwin Neal, Jim Siedow, Gunnar Hansen

auch bekannt als „Blutgericht in Texas“

DVD/Blu-Ray

35th Anniversary Edition (Film auf Blu Ray und DVD, Bonusmaterial auf Extra-DVD, digitally remastered, mit durchgängig deutscher Synchronisation)

Turbine Medien

Bild: 1080p24 Full HD (1,78:1) (Blu-Ray), 16:9 anamorph (1,78:1) (DVD)

Ton: Englisch (Dolby Digital 5.1, Surround, 2.0 Stereo), Deutsch (Dolby Digital 5.1 Surrond, 2.0 Mono)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Deutsch, Englisch

Bonusmaterial (circa 160 Minuten): Multi-Angle Introtext in Englisch und Deutsch, Audiokommentar mit Regisseur Tobe Hooper, Kameramann Daniel Pearl, und Gunnar Hansen (Leatherface), Audiokommentar mit den Darstellern Marilyn Burns, Paul A. Partain, Allen Danzinger und Art Director Robert A. Burns, „The Shocking Truth“ (Dokumentation), „Flesh Wounds“ (Dokumentation), „Off the Hook“ (Dokumentation), Eine Führung durch das TCM-Haus mit Gunnar Hansen, Entfernte Szenen, Outtakes, Bloopers, Kino-Trailer (USA, D), US-TV- und Radio-Spots, „The Shocking Truth“-Outtakes

Länge: 84 Minuten

FSK: – (in Deutschland verboten, Verkauf in Österreich legal)

Präsentation der DVD, mit anschließender Diskussion

Am Samstag, den 4. September 2010, präsentieren das Filmkunst 66, die Humanistische Union, One World Berlin/realeyz.tv und Turbine Medien um 22.30 Uhr im Berliner Kino Filmkunst 66 Tobe Hoopers Debütfilm „The Texas Chainsaw Massacre“ nach vielen Jahren wieder auf der großen Leinwand.

Nach der Filmvorführung diskutieren wir mit

Dr. Stefan Höltgen (Medienwissenschaftler, F.LM – Texte zum Film)

und

René Bahns (wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität, Promotion zum Thema „Indizierung von Filmen“)

über die filmhistorische und gesellschaftliche Bedeutung von „The Texas Chainsaw Massacre“ und die bundesdeutsche Verbotspolitik bei Kunstwerken.

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „The Texas Chainsaw Massacre“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich FSK-16 – ungeprüft; Vergleich VPS Tape – L. P. (mit einigen historischen Texten und Covers); Vergleich SPIO/JK VHS – Österreichische DVD (ebenfalls mit vielen Covers und Plakaten)

Photobucket: umfangreiche Bildersammlung zu „The Texas Chainsaw Massacre“

Heise: Stefan Höltgen: Schwere Erwachsenengefährung (zum Verbot von TCM in Deutschland, 3. Juli 2010)

Berliner Zeitung: Thomas Klein über den verstaubten Umgang der deutschen Zensur mit Gewaltdarstellungen im Film (13. März 2004)

Kriminalakte über „The Texas Chainsaw Massacre“ (umfangreiche Veranstaltungsankündigung)


TV-Tipp für den 2. September: Die Axt

September 2, 2010

Arte, 21.00

Die Axt (F/B/E 2005, R.: Constantin Costa-Gavras)

Drehbuch: Constantin Costa-Gavras, Jean-Claude Grumberg

LV: Donald E. Westlake: The Ax, 1997 (Der Freisteller)

Der nicht mehr ganz junge Chemiker Bruno hat nach zwei Jahren erfolgloser Jobsuche die Faxen dicke. Er gibt eine Stellenanzeige auf und bringt seine Jobkonkurrenten um.

Bitterböse Satire auf den Kapitalismus, die von Jobsuchenden hoffentlich nicht als Vorbild genommen wird.

Stellvertretend für die vielen positiven Besprechungen: „Im Zeichen von Massenarbeitslosigkeit, Chancenlosigkeit und Globalisierungsdruck drehte Costa-Gavras … eine rabenschwarze Farce, die die Gegenwart nicht gerade in freundliches Licht taucht, und bei der das Lachen mehr als einmal ihm Halse stecken bleibt. Erschreckend an dieser Moritat auf der Folie einer durch und durch sexistisch aufgeladenen Gesellschaft ist vor allem, dass hier ein wohlsituierter Kleinbürger unter dem Druck der Umstände nicht nur zum Verbrecher und Mörder wird, sondern unter dem scheinbaren Zwang, seine Familie schützen zu müssen, ohne weiteres faschistoides Gedankengut produziert.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit José Garcia, Karin Viard, Geordy Monfils, Christa Theret, Ulrich Tukur, – in Nebenrollen einige Autoren und Regisseure – Jean-Claude Grumberg, John Landis, Julie Gavras (Tochter von Constantin Costa-Gavras), Donald E. Westlake (Cameo als alter Mann im Arbeitsamt)

Auch bekannt als “Jobkiller – Eine mörderische Karriere”

Wiederholung: Dienstag, 7. September, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake


TV-Tipp für den 1. September: Das Öl-Zeitalter

September 1, 2010

Arte, 20.15

Das Öl-Zeitalter (F 2009, R.: Patrick Barbéris)

Insgesamt knapp zweistündige Doku (genaugenommen ist „Das Öl-Zeitalter“ ein Zweiteiler, der in einem Rutsch gezeigt wird) über den Zusammenhang von Öl, Politik und Wirtschaft.

Weitere Infos gibt es auf der umfangreichen Arte-Seite zur Doku.

Wiederholung

Dienstag, 7. September, 10.25 Uhr (außerdem, jederzeit, sieben Tage in der Arte-Mediathek)


TV-Tipp für den 31. August: Wenn der Postmann zweimal klingelt

August 31, 2010

HR, 23.30

Wenn der Postmann zweimal klingelt (USA 1981, R.: Bob Rafelson)

Drehbuch: David Mamet

LV: James M. Cain: The postman always rings twice, 1934 (Wenn der Postmann zweimal klingelt, Die Rechnung ohne den Wirt)

Frank Chambers verliebt sich in Cora, die gelangweilte Frau des Tankstellenbesitzers Nick. Gemeinsam planen sie seinen Tod.

Düsteres Drama mit Jack Nicholson und Jessica Lange. – Das schmale Buch von Cain wurde fünfmal verfilmt und mindestens drei Verfilmungen sind Klassiker: „Ossione“ (I 1942, R.: Lucino Visconti), „Die Rechnung ohne den Wirt“ (USA 1946, R.: Tay Garnett) und „Wenn der Postmann zweimal klingelt“.

Hinweise

Wikipedia über James M. Cain (deutsch, englisch)

Kirjasto über James M. Cain

Krimi-Couch über James M. Cain

Mordlust über James M. Cain

Meine Besprechung von David Mamets “Bambi vs. Godzilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness” (Bambi vs. Godzilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)

David Mamet in der Kriminalakte


„The Road“ – der deutsche Trailer

August 30, 2010

Am 7. Oktober startet John Hillcoats tolle Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ (Die Straße, Rowohlt) endlich auch in Deutschland. Joe Penhall schrieb das Drehbuch, die Musik ist von Nick Cave und Warren Ellis und Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Charlize Theron, Robert Duvall, Guy Pearce und Molly Parker spielen mit. Trotz der Besetzung ist „The Road“ im wesentlichen ein Zwei-Personen-Stück.

Zum Filmstart gibt es meine Jubelrezension (Yep: Film gesehen, begeistert). Bis dahin gibt es den Trailer:


TV-Tipp für den 30. August: Der Elefantenmensch

August 30, 2010

MDR, 22.50

Der Elefantenmensch (GB 1980, R.: David Lynch)

Drehbuch: Christopher de Vore, Eric Bergren, David Lynch

LV: Frederick Treves: The Elephant Man and Other Reminiscences (1923); Ashley Montagu: The Elephant Man: A Study in Dignity (1942)

Im viktorianischem England entdeckt der Arzt Frederick Treves auf einem Jahrmarkt den durch das Proteus-Syndrom und multiple Neurofibromatose grauenhaft entstellten John Merrick, der dort als „Elefantenmensch“ der sensationsgeilen Masse präsentiert wird. Treves nimmt ihn als neues Forschungsobjekt zu sich.

Atmosphärische SW-Verfilmung eines wahren Falles. Der von Mel Brooks produzierte Film war ein gewaltiger Erfolg und David Lynchs Karte nach Hollywood. Sein nächster Film war „Dune – Der Wüstenplanet“.

mit Anthony Hopkins, John Hurt, Anne Bancroft, John Gielgud, Wendy Hiller, Freddie Jones

Hinweise

Wikipedia über „Der Elefantenmensch“ (deutsch, englisch)

Time Out: Tom Huddeston interviewt David Lynch über „Der Elefantenmensch“

Homepage von David Lynch

Deutsche David-Lynch-Seite

Wikipedia über David Lynch


TV-Tipp für den 29. August: 8 Blickwinkel

August 29, 2010

Pro7, 20.15

8 Blickwinkel (USA 2008, R.: Pete Travis)

Drehbuch: Barry L. Levy

Salamanca, Spanien, großer Antiterrorgipfel: der amerikanische Präsident will auf dem Marktplatz eine Rede halten. Da wird er erschossen und eine Bombe explodiert. Sein Leibwächter Thomas Barnes hat aber etwas gesehen und er nimmt die Spur auf.

8 Fremde, 8 Sichtweisen, 1 Wahrheit“ lautet der Werbespruch, der ziemlich genau die erzählerische Pointe des Films verrät. Denn das Ereignisse vor, während und nach dem Attentat werden aus acht verschiedenen Sichtweisen erzählt und am Ende gibt es eine atemberaubende Autoverfolgungsjagd. Das unterhält prächtig über die knapp neunzig Minuten und ist filmisch und darstellerisch auch sehr gut gelöst. Denn mit den verschiedenen Blickwinkeln ändert sich auch immer der Blick auf die Ereignisse und die beteiligten Personen.

Dass der ganze Attentatsplan, wenn man genauer darüber nachdenkt, ziemlich konstruiert ist, fällt einem erst nach dem Abspann auf.

mit Dennis Quaid, Matthew Fox, Forest Whitaker, Sigourney Weaver, William Hurt, Edgar Ramirez, Ayelet Zurer, Bruce McGill, Zoe Saldana

Wiederholung: Montag, 30. August, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „8 Blickwinkel“

Los Angeles Times über Barry Levy


TV-Tipp für den 28. August: Bei Anruf Mord

August 28, 2010

Auch in 3-D spannend

Arte, 20.15

Bei Anruf Mord (USA 1954, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Frederick Knott

LV: Frederick Knott: Dial M for Murder, 1952 (Theaterstück)

Der ehemalige Tennisprofi Tony Wendice plant den perfekten Mord an seiner untreuen Ehefrau Margot. Als sie den Killer umbringt, wird es Zeit für Plan B.

Für Hitchcock war die Verfilmung des Broadway-Stückes eine Verlegenheitsarbeit, bei dem er damals modische 3-D-Effekte einbauen musste. Er tat dies nur in einer Szene: als Margot den Killer mit einer Schere ersticht. Der Rest ist gut abgefilmtes Theater.

Mit Grace Kelly, Ray Milland, Robert Cummings, John Williams, Anthony Dawson

Hinweise

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

August 28, 2010

Bei den Alligatorpapieren sind meine neuen, wunderschön bebilderten TV-Krimi-Buch-Tipps online:

In den kommenden Tagen läuft für den geneigten Krimifan Alfred Hitchcocks Frederick-Knott-Verfilmung „Bei Anruf Mord“, Bob Rafelsons James-M.Cain-Verfilmung „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, Francis Ford Coppolas „Cotton Club“ (William Kennedy und Mario Puzo waren am Drehbuch beteiligt), Philip Noyces Charles-Williams-Verfilmung „Todesstille“, Constantin Costa-Gavras geniale Donald-E.-Westlake-Verfilmung „Die Axt“, Billy Wilders Agatha-Christie-Verfilmung „Zeugin der Anklage“, Ridley Scotts Philip-K-Dick-Verfilmung „Blade Runner“ (im Final Cut), Henri Verneuils John-Trinian-verfilmung „Lautlos wie die Nacht“, Claude Sautets Claude-Néron-Verfilmung „Das Mädchen und der Kommissar“, Robert Harmons Robert-B.-Parker-Verfilmung „Jesse Stone – Knallhart“ und James Bond (aka Pierce Brosnan) rettet zweimal die Welt.


TV-Tipp für den 27. August: New Orleans – Nach dem Wirbelsturm

August 27, 2010

Arte, 23.25

New Orleans – Nach dem Wirbelsturm (USA 2010, R.: Luisa Dantas)

Drehbuch: Luisa Dantas

Spielfilmlange Doku über das heutige New Orleans

Die amerikanische Filmemacherin Luisa Dantas ist im Jahr 2005 gekommen, als die Reporter längst wieder zur nächsten Katastrophe weitergezogen sind. Sie drehte bis zum Frühjahr 2010 und sammelte 1500 Stunden Filmmaterial. (…) Dank der kontinuierlichen Begleitung wird der mühsame Prozess des Wiederaufbaus sichtbar: Eine intensive Nahaufnahme statt des punktuellen Vorher-Nachher-Bilds, das Korrespondenten liefern, die zu Jahrestagen an den Ort der Katastrophe zurückkehren.“ (Thomas Gehringer, Tagesspiegel, 26. August 2010)

Wiederholungen

Dienstag, 31. August, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Donnerstag, 16. September, 10.40 Uhr

Hinweis

Arte über die Doku


Neu im Kino: The Expendables

August 26, 2010

The Expendables (The Expendables, USA 2010)

Regie: Sylvester Stallone

Drehbuch: Sylvester Stallone, Dave Callaham

Eine Gruppe von Söldnern soll in Südamerika einen Militärdiktator und einen CIA-Mann ausschalten. Exzessiver Waffengebrauch erlaubt.

Der feuchte Traum jedes 80er-Jahre-Actionkinofans

mit Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Eric Roberts, Randy Couture, Steve Austin, David Zayas, Gary Daniels, Mickey Rourke, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Expendables“

My pdf-Scripts: Wizdoc bespricht das Drehbuch (dort gibt es auch demnächst das Drehbuch)


TV-Tipp für den 26. August: Sein Leben in meiner Gewalt

August 26, 2010

ARD, 00.25

Sein Leben in meiner Gewalt (GB 1973, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: John Hopkins

LV: John Hopkins: This story of yours, 1968 (Theaterstück)

Der desillusionierte und fanatische Detektiv Johnson hält den Verdächtigen für einen Kinderschänder. Während des Verhörs stirbt der Verdächtige und Johnson wird angeklagt.

Intensiv gespieltes, düsteres Drama. Allerdings wollte damals niemand Connery als einen fanatischen Polizisten sehen. „Sein Leben in meiner Gewalt“ war der erste Film, den Sean Connery mit seiner Produktionsfirma Tantallon Films und United Artists drehte. Ein zweites, geplantes Projekt mit United Artists kam nie zustande. Das sagt einiges über den finanziellen Erfolg von „Sein Leben in meiner Gewalt aus“. Denn es dauerte zehn Jahre, bis der Film seine Kosten eingespielt hatte.

John Huston meinte, für ihn gehöre das letzte Drittel des Films zum Besten, was er jemals auf der Leinwand gesehen habe.

Mit Sean Connery, Trevor Howard, Vivian Merchant, Ian Bannen

Hinweise

Wikipedia über „Sein Leben in meiner Gewalt“ (deutsch, englisch)

Romuald Karmakar über „Sein Leben in meiner Gewalt“

Homepage von Sean Connery

Wikipedia über Sean Connery (deutsch, englisch)

Kriminalakte gratuliert Sean Connery zum 80. Geburtstag

Sean Connery in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 25. August: Suhrkamp – Ein Verlag im Umbruch

August 25, 2010

RBB, 22.45

Suhrkamp – Ein Verlag im Umbruch (D 2010, R.: Thomas Grimm)

Drehbuch: Thomas Grimm

45-minütige Doku über den Umzug des Suhrkamp-Verlages von Frankfurt nach Berlin und den damit verbundenen Veränderungen im Verlag.

Hinweis

RBB über die Doku


TV-Tipp für den 24. August: Explosion in Cuba

August 24, 2010

BR, 21.45

Explosion in Cuba (USA 1979, R.: Richard Lester)

Drehbuch: Charles Wood

Cuba, 1959: Wenige Tage vor dem Sturz der Batista-Diktatur soll ein britischer Ex-Offizier die Regierung bei der Bekämpfung der Rebellen beraten. Da trifft er eine frühere Freundin und wir befinden uns tief im Graham-Greene-Land.

Damals ein weiterer Flop für den am 25. August 1930 geborenen Sean Connery. Als der Politthriller 1986 seine deutsche Premiere im TV erlebte, gefiel er mir ziemlich gut. „Heute ist dieses Politdrama teilweise rehabilitiert. Es hatte sein Thema bemerkenswert differenziert und ohne Klischees gestaltet und inzwischen nostalgische Patina angesetzt.“ (Adolf Heinzlmeier: Sean Connery, 2001)

Heute sieht man den Film mit anderen Augen; und wie das oft der Fall ist, wenn kein Druck mehr besteht, die Produktionskosten einzuspielen, und wenn die Stimmen der Kritiker verhallt sind, scheint er eigentlich ganz annehmbar. Trotz der Schwierigkeiten ist Connery gut, und während die historischen Ereignisse verblassen wird ‚Explosion in Cuba‘ als Film seltsamerweise sehenswerter.“ (John Parker: Sean Connery, 1995)

Regisseur Lester, der von der bizarren Komik seiner frühen Jahre immer mehr Abstand gewinnt, erreicht hier eine dennoch witzig-sarkastische und bis ins Detail genaue Bestandsaufnahme einer ausbeuterischen Gesellschaftsschicht, die mühsam ihre Augen vor dem herannahenden Untergang verschlossen hält.“ (Fischer Film Almanach 1987)

„That’s a fascinating movie. Flawed, but really the things that people disliked about it when it came out are what makes it interesting now, it’s refusal to sort of play to the idea of a war-torn romance. An absolute refusal to be sentimental or easy about anything. Brooke Adams‘ character was really fascinating. Here’s a woman who says ‚Look, I don’t know what little fantasy you’ve got in your head, but don’t play it out on me, because I’m not that.‘ And this guy (Sean Connery) who’s wrestling with the fact that the kind of guy he is, is obsolete now…It’s a really interesting movie.“ (Steven Soderbergh, in einem Interview mit Alex Simon, 1998)

Charles Wood und Richard Lester arbeiteten bereits bei „Der gewisse Kniff“, „Help“, „Wie ich den Krieg gewann“ und „Danach“ zusammen.

mit Sean Connery, Brooke Adams, Louisa Moritz, Jack Weston, Martin Balsam, Chris Sarandon, Hector Elizondo

Wiederholung: RBB, Mittwoch, 25. August, 23.30 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Explosion in Cuba“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Richard Lester

Sean Connery in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 23. August: Ein Abend in San Fernando

August 23, 2010

HR, 23.30

Der Mann aus San Fernando (USA 1978, R.: James Fargo)

Drehbuch: Jeremy Joe Kronsberg

Trucker Philo verdient mit Schlägereien Geld, hat den Orang-Utan Clyde als Kumpel und verknallt sich in eine Countrysängerin Lynn. Als sie mit einem anderen Mann abhaut, verfolgt er sie quer durch die USA.

Eastwoods erste Komödie war ein gigantischer Kassenerfolg. Genaugenommen lag er an der Kasse direkt hinter „Superman“. „Der Mann aus San Fernando“ ist trotzdem eine sehr durchwachsene Komödie, deren Mischung aus Kloppereien, Schmalz, Witzen, einem Affen (Merke: Tiere sind immer gut) und Country-Songs damals im Trend lag, heute veraltet ist und auch der nostalgische Blick zurück lässt den Film nicht wirklich in einem milderen Licht erscheinen.

mit Clint Eastwood, Sondra Locke, Geoffrey Lewis, Beverly D’Angelo, Ruth Gordon

Hinweis

Wikipedia über „Der Mann aus San Fernando“

HR; 01.15

Mit Vollgas nach San Fernando (USA 1980, R.: Buddy Van Horn)

Drehbuch: Stanford Sherman

Philo, Clyde und Lynn sind zurück. Denn Philo muss wieder die Fäuste ballen.

Die wenigstens kommerziell erfolgreiche Fortsetzung von „Der Mann aus San Fernando“ änderte an dem bewährten Rezept nichts. Außer: „die Handlung [ist] diesmal etwas kohärenter als im ersten Film.“ (Richard Schickel: Clint Eastwood)

mit Clint Eastwood, Sondra Locke, Geoffrey Lewis, William Smith, Harry Guardino, Ruth Gordon

Wiederholung: RBB, Samstag, 28. August, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Mit Vollgas nach San Fernando“

Clint Eastwood in de Kriminalakte


TV-Tipp für den 22. August: The Flock – Dunkle Triebe

August 22, 2010

Pro7, 22.40

The Flock – Dunkle Triebe (USA 2007, R.: Andrew Lau, Niels Mueller (ungenannt, Reshoots))

Drehbuch: Hans Bauer, Craig Mitchell

Der desillusioniert-fanatische Bewährungshelfer von Sexualstraftätern Erroll Babbage hat keine drei Wochen die naive Allison Lowry auf den Job vorzubereiten. Als ein Mädchen verschwindet, ist Babbage überzeugt, dass der Täter einer seiner Kunden ist.

Die erste US-Arbeit von „Infernal Affairs“-Macher Andrew Lau enttäuscht: die Story ist okay, die Besetzung gut, aber die Kameraarbeit ist nervig. In einem Wust von falsch belichteten Bildern, Jumcuts, Sekundenbildern, falsch gewählten Ausschnitten ist man die meiste Zeit damit beschäftigt, zu enträtseln, was gerade zu sehen ist und kann sich kaum auf die Schauspieler und die 08/15-Story konzentrieren.

mit Richard Gere, Claire Danes, Kadee Strickland, Ray Wise, Avril Lavigne

Wiederholung: Montag, 23. August, 04.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „The Flock – Dunkle Triebe“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 21. August: Inside the Actors Studio: Robert Redford

August 21, 2010

3sat, 19.20

Box Office extra

Wenige Tage nach seinem Geburtstag (18. August) zeigt 3sat in der Interview-Reihe „Inside the Actors Studio“ das Gespräch von James Lipton mit Robert Redford.

Hinweise

BravoTV über „Inside the Actor’s Studio“

Wikipedia über „Inside the Actor’s Studio“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Robert Redford (deutsch, englisch)


Neu im Kino: Das letzte Schweigen, Salt

August 21, 2010

Das letzte Schweigen (D 2010)

Regie: Baran bo Odar

Drehbuch: Baran bo Odar

LV: Jan Costin Wagner: Das Schweigen, 2007

Werkgetreue, gut besetzte, gut fotografierte, aber letztendlich langweilige Verfilmung von Wagners Roman.

Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung (mit Bildern, Links und dem Trailer)

mit Ulrich Thomsen, Wotan Wilke Möhring, Burghart Klaußner, Katrin Sass, Sebastian Blomberg, Karoline Eichhorn, Roeland Wiesnekker, Claudia Michelsen, Oliver Stokowski, Jule Böwe

Hinweise

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Das letzte Schweigen“

Homepage von Baran bo Odar

Homepage von Jan Costin Wagner

Meine Besprechung von Jan Costin Wagners „Sandmann träumt“

Salt (Salt, USA 2010)

Regie: Philip Noyce

Drehbuch: Kurt Wimmer

Ist Top-CIA-Agentin Evelyn Salt eine sowjetische Schläferin, die heute den amerikanischen Präsidenten umbringen soll? Während sie versucht, ihre Unschuld zu beweisen, wird sie von ihren CIA-Freunden als Verräterin gejagt.

Viel Action

mit Angelina Jolie, Liev Schreiber, Chiwetel Ejiofor, Daniel Olbrychski, August Diehl

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Salt“

Drehbuch „Salt“ von Kurt Wimmer (Fassung vom 2. März 2007; damals war der Titel „Edwin A. Salt“ weil der Held ein Mann war. Dann sagte Angelina Jolie zu.)

Drehbuch „Salt“ von Kurt Wimmer (Fassung vom 16. Januar 2009


TV-Tipp für den 20. August: Agenten sterben einsam

August 20, 2010

WDR, 23.15

Agenten sterben einsam (GB 1969, R.: Brian G. Hutton)

Drehbuch: Alistair McLean

LV: Alistair McLean: Where Eagles Dare, 1967

Winter 1944: Einige alliierte Soldaten sollen einen von den Nazis in einer unzugänglichen Alpenfestung festgehaltenen US-General befreien. Ein Himmelfahrtskommando.

Wendungsreiches, etwas langatmiges Spionageabenteuer mit dem Krieg als Abenteuerspielplatz für echte Männer.

Es geht um Krieg, Helden, Verrat und Gegenverrat…Es ist weniger eine Handlung als vielmehr ein Vorwand für ziemlich viel Gewalt und meist bedeutungslose Action“ (Richard Schickel: Clint Eastwood – Eine Biographie)

Mit Richard Burton, Clint Eastwood

Hinweise

Wikipedia über Alistair MacLean (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Alistair MacLean

Kirjasto über Alistair MacLean

Deutsche Fanpage über Alistair MacLean

Englische Fanpage über Alistair MacLean


Filmkritik: Die Jan-Costin-Wagner-Verfilmung „Das letzte Schweigen“

August 18, 2010

Am 8. Juli 1986 verschwindet irgendwo in der westdeutschen Provinz ein Mädchen. Ihre Leiche wird später gefunden. Der Mörder wird nie gefasst.

23 Jahre später verschwindet am gleichen Ort wieder ein Mädchen. Die Polizei sucht das Mädchen – und befürchtet, dass es bereits tot ist.

Aber Autor und Regisseur Baran bo Odar interessiert sich, wie die Vorlage, nicht für die Ermittlungsarbeiten der Polizei. Er will das Bild eines Zustandes zeichnen. Schon Jan Costin Wagners Buch hieß bedeutungsschwanger „Das Schweigen“. Für den Film wurde der Titel dann in „Das letzte Schweigen“ verschärft und die These noch deutlicher herausgearbeitet.

Denn alle Charaktere haben ihr Päckchen Leid und Schuld zu tragen und, anstatt darüber zu reden, schweigen sie über ihre Gefühle. Die Mutter (Katrin Sass) trauert immer noch über ihre vor 23 Jahren ermordete Tochter. Der damals ermittelnde, inzwischen pensionierte Kommissar Christian Mittich (Burghart Klaußner) sucht immer noch den Mörder. Kommisar David Jahn (Sebastian Blomberg) trauert vor allem um seine kürzlich verstorbene Frau. Die Eltern der jetzt verschwundenen Sinikka Weghamm, Ruth (Karoline Eichhorn) und Karl (Roeland Wiesnekker) werfen sich vor, dass sie ihre Tochter nach einem Streit alleine wegfahren ließen und, wir ahnen es, schweigen sich an. Timo Friedrich (Wotan Wilke Möhring), der 1986 dabei war, ist inzwischen ein glücklich verheirateter Architekt mit zwei Kindern und er schweigt immer noch über den damaligen Mord und seine pädophile Neigung. Und der damalige Mörder, Hausmeister Peer Sommer (Ulrich Thomsen), arbeitet immer noch im gleichen Wohnblock als der allseits beliebte, allein lebende Hausmeister.

Das war jetzt kein Spoiler. Denn diese Tat wird in den ersten Minuten gezeigt und in Rückblenden werden einige weitere Hintergründe präsentiert. Denn man sieht sich dieses Kuriositätenkabinett sich anschweigender Menschen eher gelangweilt wie eine artifizielle Präsentation an. Schöne Bilder. Schöne Musik. Schöne Menschen. Schön langweilig. Denn der Wille zur Kunst ist größer als der Wunsch eine emotional packende Geschichte zu erzählen. Dafür sind die einzelnen Handlungsstränge in schlechter „Short Cuts“-Manier viel zu wenig miteinander verknüpft. Dafür verhalten sich die einzelnen Charaktere alle zu seltsam, ohne jemals auch nur ansatzweise die durchgeknallte Qualität eines David-Lynch-Charakters zu erhalten. Das Verhältnis zwischen den einzelnen Plots bleibt unklar und damit auch, welcher Charakter die Identifikationsfigur (die es auch in einem Ensemblefilm gibt) für den Zuschauer sein soll.

Kommissar Jahn, der sich als ermittelnder Kommissar anböte und in Jan Costin Wagners Kriminalromanen als Kommisar Kimmo Joentaa der Seriencharakter ist, sieht meistens wie ein Penner, der in erster Linie seiner Frau hinterhertrauert, aus. Sein erratisches Verhalten qualifiziert ihn für einen langen Erholungsurlaub, den er sich als trauernder Witwer redlich verdient hat, und eine ausgedehnte psychiatrische Behandlung, aber nicht für den Polizeidienst.

Mittich mischt sich als Pensionär ungefragt und rabiat in die Ermittlungen ein. Er ist von Anfang an überzeugt, dass der gleiche Täter wieder zugeschlagen hat und ignoriert die Frage, warum ein Mörder nach fast 25 Jahren eine Eins-zu-Eins-Kopie seiner Tat machen sollte.

Friedrich ist nach dem Verschwinden von Sinikka über irgendetwas sehr beunruhigt. Er macht sich auf den Weg zu den Orten seiner Vergangenheit und besucht auch Hausmeister Sommer. Warum er dies tut und warum er sich so und nicht anders verhält, darf sich der geneigte Zuschauer, wie schon vorher der Leser von Jan Costin Wagners Buch, selbst ausdenken.

Sowieso darf der geneigte Zuschauer sich viel denken. Denn Baran bo Odar präsentiert, hübsch ausgeleuchtet, meistens schweigende Menschen, die allein, regungslos in Autos, sparsam möblierten Wohnungen und Hotelzimmern sitzen. Es gibt schöne Bilder von sich im Wind bewegenden Baumgruppen und Kornfeldern („Twin Peaks“ lässt grüßen). Garniert von der hypnotischen Musik von Pas de Deux erzeugt er eine träumerische Stimmung. Aber während David Lynch in „Twin Peaks“ seine Ansammlung schräger Charaktere mit schwarzem Humor, zahlreichen Anspielungen und einem Spiel auf vielen verschiedenen Ebenen garnierte, bleibt in „Das letzte Schweigen“ alles monochrom düster und nur in wenigen Szenen (wenn ein Charakter sich wirklich zu unangemessen verhält) blitzt unfreiwilliger Humor auf.

Das ist aber bereits in Jan Costin Wagners mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichneten Roman so. Baran bo Odar hält sich, bis auf das Ende und der damit verbundenen Erklärung für Sinikkas Verschwinden, bis hin zu einzelnen Dialogen an die Vorlage. Das mag die Freunde der Werktreue, die auf der Leinwand nur die bebilderte Version des Romans sehen wollen, erfreuen. Es steht aber einem eigenständigen Zugriff auf das Material im Weg. Denn in dem Film finden sich so auch alle Probleme des Romans, wie die maue, oft unglaubwürdige, sich eher zufällig entwickelnde Geschichte, die mangelhafte psychologische Motivation des Täters (in Buch und Film verschieden und jede Lösung hat ihre Probleme), die schnell langweilende Parallelführung von sich nie berührenden Handlungssträngen und, was das Schlimmste ist, die mangelhafte Differenzierung zwischen den einzelnen Charakteren und ihren Gefühlen. Letztendlich müssen sie alle mit Verlusten, Misserfolgen und charakterlichen Defiziten umgehen und sie haben alle darauf die gleiche Antwort: sie fressen die Erfahrung in sich hinein. Sie sind in sich gekehrt, schweigsam und – Hey, immerhin spielt Wagners Roman in Finnland. – depressiv. Nur der pädophile Kindermörder erscheint als allseits beliebter, freundlicher und in sich ruhender Hausmeister der einzig normale Charakter zu sein. Im Gegensatz zu allen anderen ist er mit sich im Reinen.

Was sagt uns das über den Film und unsere Gesellschaft?

Das letzte Schweigen (D 2010)

Regie: Baran bo Odar

Drehbuch: Baran bo Odar

LV: Jan Costin Wagner: Das Schweigen, 2007

mit Ulrich Thomsen, Wotan Wilke Möhring, Burghart Klaußner, Katrin Sass, Sebastian Blomberg, Karoline Eichhorn, Roeland Wiesnekker, Claudia Michelsen, Oliver Stokowski, Jule Böwe

Vorlage

Jan Costin Wagner: Das Schweigen

Eichborn, 2007 (Hardcover)

Goldmann, 2009 (Taschenbuch)

288 Seiten

7,95 Euro

Hinweise

Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Das letzte Schweigen“

Homepage von Baran bo Odar

Homepage von Jan Costin Wagner

Wikipedia über Jan Costin Wagner

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Jan Costin Wagner

Krimi-Couch über Jan Costin Wagner

Alligatorpapiere: Befragung von Jan Costin Wagner (21. Juni 2005)

Meine Besprechung von Jan Costin Wagners „Sandmann träumt“