TV-Tipp für den 25. Oktober: Der Marathon-Mann

Oktober 25, 2010

Arte, 20.15

Der Marathon-Mann (USA 1976, R.: John Schlesinger)

Drehbuch: William Goldman

LV: William Goldman: Marathon Man, 1974 (Der Marathonmann)

Ein Student kommt, durch seinen ermordeten Bruder, einer Nazi-Organisation auf die Spur.

Spannender Thriller mit hochkarätiger Besetzung und einer – immer noch – schrecklichen Zahnarzt-Szene. Ursprünglich sollte sie länger sein, aber Testvorführungen ergaben, dass das zuviel Grauen war.

William Goldmans Drehbuch war für einen Edgar und WGA-Award (für „Die Unbestechlichen“ erhielt er den Preis der Writers Guild of America) nominiert.

Mit Dustin Hoffman, Laurence Olivier, Roy Scheider, Marthe Keller, William Devane, Fritz Weaver

Wiederholung: Donnerstag, 28. Oktober, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über William Goldman (deutsch, englisch)

Charlie Rose: Interview mit William Goldman (7. Januar 1997)

Ain’t it cool: Interview mit William Goldman (3. März 2000)

IGN über William Goldman (18. Februar 2003)

Guardian: Interview mit William Goldman (25. April 2009)


TV-Tipp für den 24. Oktober: In der Hitze der Nacht

Oktober 24, 2010

Arte, 20.15

In der Hitze der Nacht (USA 1967, R.: Norman Jewison)

Drehbuch: Sterling Siliphant

LV: John Ball: In the heat of the night, 1965 (In der Hitze der Nacht)

In einem Südstaatenkaff müssen ein weißer, reaktionärer Sheriff und ein afroamerikanischer Kollege einen Mord aufklären.

John Balls hochgelobter, erfolgreicher Roman war der erste Auftritt eines afroamerikanischen Polizisten als Sympathieträger. Ball wollte damit zur Verständigung zwischen den Rassen beitragen. Außerdem reflektierte er in seinem Krimi die damaligen politischen Kämpfe des Civil Rights Movements in den Südstaaten.

Die enorm erfolgreiche Verfilmung erhielt fünf Oscars, unter anderem als bester Film des Jahres. Aus heutiger Sicht ist „In der Hitze der Nacht“ ein extrem naives und einseitiges Bekenntnis zur Rassenversöhnung (etwas guter Wille und schon geht´s) und ein technisch gut gemachter Whodunit.

Poitier drehte noch zwei schwächere Fortsetzungen. Letztendlich wurde es ein normaler, bestenfalls durchschnittlicher Polizeikrimi.

Mit Sidney Poitier, Rod Steiger, Warren Oates, Lee Grant

Wiederholung: Dienstag, 26. Oktober, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „In der Hitze der Nacht“ (deutsch, englisch)

Nick’s Flick Picks review of „In the Heat of the Night“

Culture Cartel: Tony Pellum über „In the Heat of the Night (1. August 2002)

Slate: Mark Harris über „In the Heat of the Night“ (5. Februar 2008)

Drehbuch „In the Heat of the Night“ (Zweite Fassung vom 28. September 1966) von Stirling Silliphant

The Hollywood Interview befragt Norman Jewison (15. März 2008)


TV-Tipp für den 23. Oktober: Im Jahr des Drachen

Oktober 23, 2010

WDR, 23.15

Im Jahr des Drachen (USA 1985, R.: Michael Cimino)

Drehbuch: Oliver Stone, Michael Cimino

LV: Robert Daley: Year of the dragon, 1981 (Im Jahr des Drachen)

Äußerst gewalttätiger, realistischer Krimi über einen Polizisten, der gegen die Drogenmafia kämpft und, als ehemaliger Vietnam-Veteran, den Vietnam-Krieg in den Straßen von New Yorks Chinatown gewinnen will. Damals gab es Proteste von chinesischen Gemeinden (wegen Rassismus) und Robert Daley (wegen Gewalt); – trotzdem einer der besten Cop-Thriller der Achtziger.

Mit Mickey Rourke, John Lone

Auch bekannt unter den eher nichtssagenden Titeln „Manhattan-Massaker“ und „Chinatown-Mafia“

Hinweise

City on Fire (Ziemlich umfangreiche Fanseite zum Film)

Wikipedia über Robert Daley

Wikipedia über „Im Jahr des Drachen“ (deutsch, englisch)

DVD Times (Mike Sutton) über “Year of the Dragon”


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Oktober 22, 2010

Pünktlich zur gewohnten Zeit sind bei den Alligatorpapieren meine TV-Krimi-Buch-Tipps (auch bekannt als „die Liste, die alle im TV laufenden Krimiverfilmungen enthält“) online:

Der Höhepunkt der kommenden beiden Krimiwochen sind die Jesse-Stone-Verfilmungen „Dünnes Eis“ und „Ohne Reue“, von Robert Harmon mit Tom Selleck in der Hauptrolle.
Wer danach noch nicht genug gute Filme gesehen hat, sollte bei Michael Ciminos Robert-Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Bob Rafelsons James-M.-Cain-Verfilmung „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, Frank Darabonts Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“, Norman Jewisons John-Ball-Verfilmung „In der Hitze der Nacht“ (mit Klassikerbonus), John Schlesingers William-Goldman-Verfilmung „Der Marathon-Mann“ (sogar zu einer publikumsfreundlichen Uhrzeit), Don Siegels J.-Campbell-Bruce-Verfilmung „Flucht von Alcatraz“ (die letzte Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood), Alfred Hitchcocks Victor-Canning-Verfilmung „Familiengrab“ (sein letzter Film) und, als TV-Premiere, bei Urs Eggers Craig-Russell-Verfilmung „Wolfsfährte“ einen Blick riskieren.
Oder ins Kino gehen. Dort laufen ab dem 4. November „Buried“ (ein Mann in einem Sarg. 90 Minuten Hochspannung) und das Biopic „Carlos“ über den Terroristen Carlos (trotz Schwächen lohnt sich der Besuch). Meine Besprechungen erscheinen zum Filmstart in der Kriminalakte.


TV-Tipp für den 22. Oktober: Im Angesicht des Verbrechens (mit ausführlicher Kritik)

Oktober 22, 2010

ARD, 21.45

Im Angesicht des Verbrechens: Berlin ist das Paradies/Wo wir sind, ist vorne (D 2010, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Rolf Basedow

Nach der Premiere von „Im Namen des Verbrechens“ auf der Berlinale schrieben die Kritiker Jubelarien. Das kann allerdings auch einfach daran gelegen haben, dass sie sich beglückwünschten in zwei, jeweils gut fünfstündigen Sitzungen, den TV-Zehnteiler gemeinsam im Kinosaal gesehen zu haben. Ich kann mir vorstellen, dass nach dem letzten Bild im Saal ein ähnliches Gefühl herrschte, wie bei einer Wandergruppe, die den Gipfel erstürmte. Geschafft und stolz auf die eigene Leistung.

Die TV-Premiere im Frühling auf Arte wurde dann auch mit mehr als wohlwollenden Artikeln begleitet und jetzt, zur ARD-Premiere zu einer durchwachsenen Uhrzeit (aufgrund der vielen nackten Haut kann der Film nicht um 20.15 Uhr gezeigt werden und einen späteren Serienslot hat das Erste nicht mehr), gibt es wieder seitenlange Jubelarien.

Dabei ist eines unbestritten: „Im Namen des Verbrechens“ ist das bislang umfangreichste Werk von Regisseur Dominik Graf und Drehbuchautor Rolf Basedow.

Und sehr wahrscheinlich werden Graf und Basedow nie wieder zehn Millionen Euro erhalten und die Tortur eines 500-minütigen Films mit 120 Drehtagen und 140 Sprechrollen und unzähligen Komparsen auf sich nehmen.

Allein dafür gebührt ihnen Respekt und natürlich gibt es in „Im Angesicht des Verbrechens“ viele grandiose Szenen. Aber insgesamt, vor allem wenn man sich den Zehnteiler in einem Rutsch ansieht (und nicht vom Gruppengefühl beeinflusst wird), enttäuscht die Serie.

Denn die Serie wirkt niemals wie ein in einem Stück gedrehtes Werk, sondern wie die von verschiedenen Autoren und Regisseuren gedrehten Folgen für eine Serie, die nach der ersten Folge lange nach der episodenübergreifenden Geschichte sucht.

Da kann man dann auch damit Leben, dass Subplots fallengelassen werden, es Irrwege gibt, die im Nachhinein, weil die Folge bereits gezeigt wurde, nicht mehr korrigiert werden können und einige für das Verständnis der Geschichte wichtige Punkte in jeder Episode wiederholt werden. Das kennt jeder, der sich US-amerikanische Serien, die fast in Echtzeit produziert werden, ansieht. Ich sage nur „24“.

Aber „Im Angesicht des Verbrechens“ wurde geschrieben, gedreht, geschnitten und erst dann der Öffentlichkeit präsentiert. Da müsste der episodenübergreifende Plot viel deutlicher sein und sich in jeder Folge weiterentwickeln.

Außerdem scheint Dominik Graf hier mit jeder Folge einen anderen Stil ausprobieren zu wollen. Da wird plötzlich exzessiv mit Split-Screens gearbeitet. Andere Folgen und Szenen erinnern mal an einen Horrorfilm, mal an einen Polizeifilm, mal an einen kitschigen Heimatfilm und mal an einen Märchenfilm. Außerdem feiern die russischen Gangster ungefähr einmal pro Folge ein rauschendes Fest mit Wein, Weib, Gesang und Tanz. Und ungefähr alle zehn Minuten gibt es eine das Herz des Berliners erfreuende Panoramaaufnahme von seiner Stadt.

Entsprechend verfranst wirkt vieles. So sollen nach dem vor jeder Folge gezeigten Vorspann (es spricht einiges dafür, dass das auch die für die Macher wichtigen Geschichten und Themen sind) der junge Polizist Marek Gorsky (Max Riemelt), seine Liebe zu Jelena (Alina Levshin), die Suche nach dem Mörder seines Bruders Grischa und die enge Beziehung zu seiner Schwester Stella (Marie Bäumer), die einen russischen Gangsterboss Mischa (ungewohnt blass: Misel Maticevic) geheiratet hat, im Mittelpunkt der Serie stehen.

Nur Mareks Wunsch, den Mörder seines vor zehn Jahren ermordeten Bruders zu finden, bezeichnet ein konkretes Ziel. Das ist allerdings über weite Strecken nicht handlungstreibend. Stattdessen jagen Marek und sein Polizistenkumpel Sven Lottner (Ronald Zehrfeld, der als draufgängerischer Polizist viel präsenter als Riemelt ist) russische Gangster, verfolgen einen halbseidenen Spediteur in den Osten und haben viel Spaß bei ihrer Arbeit. Doch auch der Kampf gegen die Russenmafia bleibt episodisches Stückwerk. Hier mal eine Razzia, da mal ein Zugriff auf ein Lagerhaus. Denn es wird nie deutlich, welcher Gangster am Ende der Staffel verhaftet werden soll. Entsprechend abrupt endet dann auch der Zehnteiler mit einer weiteren Razzia im benachbarten Brandenburg.

Die Liebesgeschichte zwischen Marek und Jelena spielt in der ersten Hälfte der Serie keine Rolle, in der zweiten Hälfte wird sie wichtiger. Aber sie erscheint psychologisch unmotiviert (jaja, Liebe macht blind und Wer verliebt ist, reagiert nicht vernünftig) und es ist auch nicht nachvollziehbar, weshalb Marek plötzlich versucht Jelenas Freundin Swetlana aus einem letztklassigem Puff in Weißrussland zu befreien.

Und Mareks Beziehung zu seiner Schwester Stella wird zwar immer wieder angesprochen. Aber es wird nie deutlich, wo denn genau der Konflikt für den superehrlichen, fast schon 150-prozentig korrekten (und entsprechend langweiligen) Polizisten Marek liegt. Denn er hat keine Ahnung, wie sehr Stellas Mann Mischa in die Geschäfte der Russenmafia verwickelt ist. Daher muss Marek sich über viele Folgen nicht zwischen seinem Beruf und seiner Schwester beziehungsweise seiner Familie entscheiden. Dieser Konflikt könnte, vor allem nach den in mehrfacher Hinsicht überraschenden Ereignissen in den letzten beiden Episoden von „Im Angesicht des Verbrechens“, in einer zweiten Staffel von „Im Angesicht des Verbrechens“ wichtig werden.

Aber ob es eine zweite Staffel gibt, werden die Fernsehredakteure erst nach der Ausstrahlung der ersten Staffel entscheiden. Dass die DVD, mal wieder mit einem ausgesucht hässlichem Cover und wenig Bonusmaterial (Herrje, warum darf Dominik Graf nicht mal einen Audiokommentar sprechen? Warum gibt es keine Doku über die Russenmafia?), bereits für den 16. November angekündigt ist, sagt allerdings einiges über die Erwartungen der Macher aus. Denn dann läuft die Serie noch im Ersten.

Trotz aller Kritik spricht für die Serie, dass hier endlich einmal mehr als Dienst nach Vorschrift gemacht wurde, dass versucht wurde ein großes Epos zu drehen und dass sich nicht an die biederen Konventionen des neunzigminütigen TV-Films gehalten wurde.

Die weiteren Folgen von „Im Angesicht des Verbrechens“ werden an den kommenden Freitagen, um 21.45 Uhr, gezeigt. Eins Festival wiederholt die Serie, teilweise zu einer publikumsfreundlicheren Zeit, im ursprünglich geplanten Senderhythmus.

mit Max Riemelt (Marek Gorsky), Marie Bäumer (Stella), Misel Maticevic (Mischa), Ronald Zehrfeld (Sven Lottner), Alina Levshin (Jelena), Katja Nesytowa (Swetlana)

Wiederholungen

Berlin ist das Paradies

Eins Festival, Montag, 25. Oktober, 20.15 Uhr, 23.20 Uhr

Eins Festival, Dienstag, 26. Oktober, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Eins Festival, Montag, 1. November, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Wo wir sind, ist vorne

Eins Festival, Montag, 1. November, 20.15 Uhr, 23.35 Uhr

Eins Festival, Dienstag, 2. November, 02.25 Uhr (Taggenau!)

und in der Mediathek

Hinweise

ARD über „Im Angesicht des Verbrechens“

Berliner Zeitung/Frankfurter Rundschau: Klaudia Wick über „Im Angesicht des Verbrechens“ (21. Oktober 2010)

Tagesspiegel: Markus Ehrenberg über „Im Angesicht des Verbrechens“ (21. Oktober 2010)

Kriminalakte: Links zu Artikeln über die Serie und das Gespräch mit dem Publikum nach der Berlinale-Premiere

 


DVD-Kritik: „Vengeance“ von Johnnie To mit Johnny Hallyday

Oktober 21, 2010

Mit seinen neuesten Film „Vengeance“ zeigt Hongkong-Regisseur Johnnie To wieder einmal, wofür ihn Filmfans seitdem sie vor zehn Jahren seinen stilisierten Gangsterfilm „The Mission“ (Unbedingt ansehen!) sahen, lieben: schnörkelloses Genrekino mit stilvoll eingestreuten Zitaten und gerade in ihrer Reduktion grandiosen Actionszenen. Das ist in seiner Stilisierung pures Kino, das näher bei Jean-Pierre Melville als an der Wirklichkeit ist.

Auch in „Vengeance“ zitiert To öfters Melville. So heißt der von Johnny Hallyday gespielte Vater, der seine Tochter rächen will und die meiste Zeit in einem Trenchcoat und Hut durch den Film geht, Francis Costello. Alain Delon hieß in Melvilles „Der eiskalte Engel“ (der im Original „Le Samourai“ heißt) Jef Costello und ursprünglich sollte Alain Delon, der letzte Überlebende des klassischen französischen Gangsterfilms, auch die Hauptrolle spielen. Er sagte ab und der in Frankreich enorm populäre Musiker und Ab-und-zu-Schauspieler Johnny Hallyday übernahm die Rolle des Killers, der sein Gedächtnis verliert. Immerhin hat er ein rollendienliches Outlaw-Image und er hatte 1989 in der kurzlebigen französischen Krimiserie „David Lansky“ (die ich als ziemlich schlecht in Erinnerung habe) schon einen harten Cop gespielt.

Der von Johnny Hallyday gespielte Costello war früher ein Profikiller und ist heute ein Restaurantbesitzer und Koch (Hm, ist das eine Anspielung auf „Alarmstufe Rot“ oder nur das Bedienen eines Klischees über Frankreich?).

Als in Macau in ihrem Haus seine Tochter schwer verletzt und ihr Mann und ihre beiden Kinder feige und brutal ermordet werden, fliegt Costello zu ihr. Weil die Polizei keine heiße Spur hat und er schon immer die Dinge in die eigenen Hände genommen hat, will er die Killer auf eigene Faust jagen und umbringen. Schnell stellt er fest, dass er als Fremder ohne die Hilfe von Einheimischen nicht weiterkommt. In seinem Hotel trifft er auf eine Gruppe von Killern, die gerade einen Auftrag erledigt haben. Er engagiert sie und die Killer müssen sich schnell zwischen der Loyalität zu ihrem Triadenboss, der den Mord an Costellos Familie veranlasste, und Costello entscheiden.

Diese Geschichte wird von Johnnie To und seinem Drehbuchautor Ka-Fai Wai (Mad Detective, Running on Karma, Fulltime Killer) mit einigen atemberaubenden Shootouts und interessanten Wendungen bis zum letzten Duell zwischen Costello und dem Triadenboss erzählt. In dem Duell erinnert Costello in seiner kalten Entschlossenheit an den „Terminator“. Beide verfolgen stoisch ihr Ziel: der aus der Zukunft kommende Roboter, weil er so programmiert wurde; der an Gedächtnisverlust leidende Vater weil er seine Tochter rächen will und jede Ablenkung ihn von seinem Ziel ablenken kann.

Seinen vollen Reiz entfaltet der Film in der Originalversion. Denn während für die deutsche Version mal wieder gnadenlos eingedeutscht wurde, unterhalten sich im Original die Charaktere, wie es auch in der Realität geschehen würde, untereinander in ihren Muttersprachen und miteinander auf Englisch.

Das zehnminütige Making-of beschränkt sich weitgehend auf das übliche Werbeblabla. Dennoch gibt es einige interessante Einblicke in die Herausforderungen eines internationalen Drehs und der unterschiedlichen Arbeitsweise zwischen europäischen und Hongkong-Filmteams. Denn Johnny Hallyday war bei den Dreharbeiten, wie Costello, der Fremde, der sich in einer fremden Welt und einem eingeschworenem Team und ihrer schnellen Arbeitsweise zurechtfinden musste.

Vengeance (Vengeance/Fuk sau, Frankreich/Hongkong 2009)

Regie: Johnnie To

Drehbuch: Ka-Fai Wai

mit Johnny Hallyday, Sylivie Testud, Anthony Wong, Simon Yam

DVD

Koch-Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch/Kantonesisch/Französisch (beziehungsweise: Englische Originalversion) (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Deutscher Trailer, Zwei Originaltrailer

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Vengeance“

Wikipedia über „Vengeance“


TV-Tipp für den 21. Oktober: Taxi zur Hölle

Oktober 21, 2010

Arte, 20.15

Taxi zur Hölle (D/USA/GB 2007, R.: Alex Gibney)

Drehbuch: Alex Gibney

Der afghanische Taxifahrer Dilawar wird 2002 während einer Taxifahrt mit seinen Fahrgästen vom US-Militär festgenommen und ohne einen Prozess im Gefängnis festgehalten. Fünf Tage später stirbt er in seiner Zelle an den Folgen der Misshandlungen, die ihm die US-Soldaten zugefügt haben. In der gleichen Weise sind seit dem Beginn des „Krieges gegen den Terror“ über hundert US-Gefangene unter mysteriösen Umständen umgekommen. Die mehrfach ausgezeichnete Dokumentation zeigt den Umgang mit Folter als legitimes staatliches Handeln vonseiten der Bush-Regierung und wie sie dadurch gegen die Genfer Konvention verstößt.

Alex Gibney zeigt in seiner eindrücklichen, sachlich argumentieren spielfilmlangen Dokumentation am Schicksal eines Jedermanns, wie die US-amerikanische Regierung ihre Soldaten ermutigte, Folter als Verhörmethode wieder einzusetzen.

Taxi zur Hölle” wurde auf den Filmfestival in Tribeca (New York) und Chicago als beste Dokumentation ausgezeichnet.

Wiederholungen

Dienstag, 2. November, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Dienstag, 9. November, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Arte zum Film

Wikipedia über „Taxi to the dark side“


TV-Tipp für den 20. Oktober: Wilsberg: Todesengel (und Jürgen Kehrer liest)

Oktober 20, 2010

ZDFneo, 21.00

Wilsberg: Todesengel (D 2005, R.: Buddy Giovinazzo)

Drehbuch: Jürgen Kehrer

LV: Jürgen Kehrer: Wilsberg isst vietnamesisch, 2001

Ermordet die gewissenhafte Frau Kentrup Rentner? Wilsberg ermittelt, während Freund Manni den Bau einer Seniorenresidenz überwacht und Kommissarin Springer am liebsten eine ruhige Kugel schieben möchte.

Witzig-ironischer Wilsberg-Krimi mit etlichen gelungenen Szenen und einer nicht sonderlich überraschenden Auflösung.

Störend ist das hölzerne Spiel von Caroline Peters (sie spielt Wilsbergs Auftraggeberin Susanne Diepenbrock).

Vollkommen unverständlich ist, weshalb „Wilsberg isst vietnamesisch“ im Abspann als Vorlage genannt wird. Denn die Story des Buches hat nichts mit dem Film zu tun und auch der Titel des Romans hat keinen Bezug zum Film.

„Todesengel“ ist der letzte Wilsberg-Krimi mit Heinrich Schafmeister als Manni. Sein Nachfolger ist Oliver Korittke. Er spielt einen Steuerprüfer.

Dieser Wilsberg knüpft nahtlos an den äußerst gelungenen vorherigen, etwas besseren Wilsberg „Schuld und Sühne“ an.

Mit Leonard Lansink, Heinrich Schafmeister, Rita Russek, Helmut Zierl, Bela B. Felsenheimer

Hinweise

ZDF über „Wilsberg“

Wikipedia über „Wilsberg“

Homepage von Jürgen Kehrer

Meine Besprechung von Jürgen Kehrers „Wilsberg und die dritte Generation“


TV-Tipp für den 19. Oktober: Neues aus der Anstalt

Oktober 19, 2010

ZDF, 22.15

Neues aus der Anstalt

Ein Bettenwechsel wird vollzogen. Georg Schramm will raus, Erwin Pelzig will rein, Helmut Schleich, Andreas Rebers und Jürgen Becker wollen nur schnell „Hallöchen“ sagen und wir dürfen darauf spekulieren, wer den ersten „Stuttgart 21“-Witz macht.

Hinweise

ZDF über „Neues aus der Anstalt“ (mit der Möglichkeit, in der Mediathek alte Folgen anzusehen)

Meine Besprechung von Georg Schramms „Lassen Sie es mich so sagen“


DVD-Kritik: „Der Ghostwriter“ – Roman Polanski ist zurück

Oktober 18, 2010

Ewan McGregor spielt, nach „Männer, die auf Ziegen starren“, wieder einen Schreiber. Und wieder stolpert er in eine Geschichte hinein, die er die meiste Zeit nur ungläubig staunend erlebt – und bei der Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit beabsichtigt sind. In der Komödie „Männer, die auf Ziegen starren“ war es die wahre Geschichte der us-amerikanischen Psycho-Soldaten und wie deren Ideen im „war on terror“ pervertiert wurden. In „Der Ghostwriter“ geht es ebenfalls um den „war on terror“ und um Tony Blair. Auch wenn Autor Robert Harris und Regisseur Roman Polanski im Bonusmaterial der DVD betonen, dass ihr britischer Premierminister Adam Lang nicht Tony Blair sei. Aber schon optisch erinnert Pierce Brosnan an Tony Blair. Und gute Polit-Thriller, wie „Der Ghostwriter“, verzerren die Wirklichkeit zur Kenntlichkeit, zeigen, was in den Hinterzimmern der Macht geschieht und regen zum Denken an.

Daher ist Roman Polanskis fulimanter Polit-Thriller „Der Ghostwriter“ viel mehr als ein billiges Blair-Bashing. In dem Film wird Adam Lang, wie Tony Blair, vorgeworfen, den Kampf der USA gegen den internationalen Terrorismus nach dem 11. September 2001 zu bedingungslos unterstützt und sich so auch wissentlich an Kriegsverbrechen beteiligt zu haben.

Neben der fast schon tagespolitisch aktuellen Filmgeschichte waren auf der Berlinale auch die persönlichen Probleme von Roman Polanski zwischen dem Dreh und der Premiere auf der diesjährigen Berlinale das Gesprächsthema Nummer 1. Aber schon jetzt interessiert das immer weniger.

(Daher eine kurze Zusammenfassung: Polanski stand in der Schweiz unter Hausarrest. Er sollte an die USA ausgeliefert werden, weil er 1977 eine Dreizehnjährige vergewaltigte. Er gestand damals die Tat und flüchtete nach Europa. Der Internationale Haftbefehl wurde dann sehr überraschend vollstreckt und die alte Geschichte wieder aufgewühlt. Dabei gab es auf der einen Seite von Künstlern viele Solidaritätserklärungen und auf der anderen Seite eine bigotte Aufregung, dass ein Kinderschänder für seine Taten bestraft werden müsse. Diese Aufregung wäre halbwegs nachvollziehbar, wenn Polanski sich in den vergangenen Jahrzehnten vor der Justiz versteckt hätte [tat er nicht] oder sein Privatleben einen wichtigen Bestandteil bei der Rezeption seiner Filme gespielt hätte [tat es nicht] oder er diesen Teil seines Lebens verschwiegen hätte [hatte er nicht; aus meiner Erinnerung erfuhr ich zuerst diese Geschichte und lernte danach seine Filme kennen]. Jedenfalls musst er den Endschnitt aus seinem Hausarrest machen und daher war es auch zunächst unklar, ob der Film fertig gestellt würde und und er zur Berlinale gezeigt werden könne.

Bei vielen Berlinale-Kritiken wurde dann auch ein Vergleich zwischen der Situation von Adam Lang und der von Roman Polanski, die sich in diesem Moment verdächtig glichen, gezogen und vermutet, dass Polanski deshalb „Der Ghostwriter“ drehen wollte. Das ist natürlich Unfug, weil Polanski bei den Vorbereitungen und dem Dreh nicht ahnen konnte, dass der Internationale Haftbefehl gegen ihn vollstreckt würde.

Soviel zur Historie und der Rezeption bei der Premiere.)

Schon mit etwas zeitlichem Abstand fällt auf, was für einen gelungenen Paranoia-Thriller Roman Polanski drehte und wie stark er an seine Meisterwerke, wie „Chinatown“ und „Der Mieter“, anknüpfte. Denn Polanski letzte Filme waren oft nicht unbedingt Filme, die man gesehen haben muss. Aber mit dem kammerspielartigem „Der Ghostwriter“ ist er wieder zurück.

Ewan McGregor spielt den namenlosen Ghostwriter, der nachdem sein Vorgänger im Meer ertrank, innerhalb weniger Wochen die Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang schreiben soll. Der Ghostwriter hat keine Ahnung von Politik, aber viel Ahnung vom Schreiben verkäuflicher Biographien. Deshalb ist er der geeignete Mann, in Langs Haus auf der Insel Martha’s Vineyard zusammen mit Lang die Biographie zu schreiben. Die lange Reise verbringt er größtenteils schlafen (Aber im Gegensatz zu modernen Spielereien, in denen der Film dann den Traum des Helden erzählt, hält Polanski sich strikt an die Filmrealität. Polanski erzählt nämlich die Geschichte des politischen Erwachens des Ghostwriters.).

Auf der Insel darf der Ghostwriter das Manuskript nur in dem am Meer gelegenen Haus lesen. Als Lang als Kriegsverbrecher angeklagt wird, wittert der Ghostwriter einen guten Aufhänger für die Biographie. Außerdem beginnt er sich zu fragen, was sein Vorgänger in Langs Vergangenheit entdeckte, das zu seiner Ermordung führte. Und er fragt sich, ob er als nächster sterben soll.

Gleichzeitig fragt man sich, was für ein Bohei um Langs Memoiren gemacht wird. Das Manuskript darf nur in Langs Villa bearbeitet werden. Es wird immer in eine Schachtel gelegt, die im Schreibtisch eingesperrt wird, und es dürfen keine Kopien gemacht werden. Weil die meisten bekannten Politikermemoiren absolut harmlos sind und die Memoiren sowieso demnächst veröffentlicht werden sollen, ist das ein etwas seltsames Gebaren von Lang und seiner Vertrauten.

Es könnte also auch sein, dass der Ghostwriter nicht auf der Spur einer großen Verschwörung ist, wie J. J. Gittes in „Chinatown“, sondern sich langsam, wie Trelkovsky in „Der Mieter“, in eine ausgewachsene Paranoia und damit verbundene Wahnwelt hineinsteigert.

Diesen Zwiespalt löst Polanski erst in den letzten Minuten auf. Bis dahin liefert er perfektes, vielschichtiges Spannungskino, das von den Schauspielern, den Dialogen, dem gelungenen Spiel mit Andeutungen lebt.

Die DVD

Das Bonusmaterial ist zeitlich nicht so umfangreich, aber dafür sehr informativ und pointiert geschnitten. Laurent Bouzereau, der in den vergangenen Jahren zahlreiche Features für DVDs erstellte, stellte die richtigen Fragen. Dabei gewährt er Robert Harris, der die Vorlage und, zusammen mit Polanski, das Drehbuch schrieb, erfreulich viel Zeit, um über die Hintergründe zum Roman und seiner Zusammenarbeit mit Roman Polanski zu erzählen. Auch Roman Polanski und die Schauspieler liefern interessante Einblicke in den Dreh und die Geschichte des Films.

Allerdings sollte das Bonusmaterial erst nach dem Film angesehen werden. Denn fasst alle Interviewten äußern sich zum Ende des Films.

Der Ghostwriter (The Ghost Writer, Fr/D/GB 2010)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)

mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams (die eigentlich viel zu jung für ihre Rolle ist), Kim Cattrall, Tom Wilkinson, James Belushi, Timothy Hutton, Eli Wallach (die letzten drei haben nur Kleinstrollen)

DVD

Arthaus (Kinowelt)

Bild: 2,35:1 (anamorph)
Sprache: Deutsch, Englisch (5.1 DD), Deutsch (Stereo DD)
Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial „Der Ghostwriter: Die Besetzung“, „Der Ghostwriter: Fiktion oder Realität?“, Interviews mit Ewan McGregor, Olivia Williams, Pierce Brosnan, Robert Harris und Roman Polanski; Fotogalerie; Trailer; Wendecover

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Ghostwriter“

Tagesspiegel: Kurzes Interview mit Robert Harris zum Film (13. Februar 2010)

Die Welt: Interview mit Robert Harris zum Film (12. Februar 2010)

Krimi-Couch über Robert Harris

Wikipedia über Robert Harris (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Ghostwriter“ (aka The Ghost“ von Robert Harris und Roman Polanski (nach dem Roman von Robert Harris)

Die Berlinale-Pressekonferenz zu „Der Ghostwriter“ (12. Februar 2010)


TV-Tipp für den 18. Oktober: Mr. Brooks – Der Mörder in dir

Oktober 17, 2010

ZDF, 22.15

Mr. Brooks – Der Mörder in dir (USA 2007, R.: Bruce A. Evans)

Drehbuch: Bruce A. Evans, Raynold Gideon

Mr. Brooks ist ein geachteter Unternehmer mit einem dunklen Geheimnis: er ist auch ein Serienkiller. Als er bei seiner letzten Tat von Mr. Smith beobachtet wird, erpresst dieser ihn. Er wird schweigen, wenn Mr. Brooks ihn in die Kunst des perfekten Mords einweiht. Und dann ist da noch eine hartnäckige Polizistin.

Köstlich-schwarzhumoriger Krimi, der etwas unter seinen vielen Subplots leidet, aber das Zusammenspiel von Kevin Costner (als Mr. Brooks) und William Hurt (als sein mordgieriges Alter Ego) macht das mehr als wett.

„Raffiniert konstruierter Neo-Noir-Thriller“ (Lexikon des internationalen Films)

Weil der Film „frei ab 18 Jahre“ (Keine Ahnung warum.) ist, dürfte eine gekürzte Fassung laufen.

mit Kevin Costner, Demi Moore, Dane Cook, William Hurt, Marg Helgenberger, Danielle Panabaker, Ruben Santiago-Hudson, Lindsay Crouse, Reiko Aylesworth

Hinweise

Drehbuch „Mr. Brooks“ von Bruce A. Evans und Raynold Gideon

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mr. Brooks“

„Mr. Brooks“ in der Kriminalakte (zum Kinostart)

Nachtrag (22. Oktober 2010): Schnittberichte dokumentiert die vom ZDF gemachten Schnitte (fast 3 Minuten).


TV-Tipp für den 17. Oktober: In der Glut des Südens

Oktober 17, 2010

SWR, 23.35

In der Glut des Südens (USA 1978, R.: Terrence Malick)

Drehbuch: Terrence Malick

USA 1916: Nach einem tödlichen Streit in einer Fabrik fliehen Bill und seine Freundin Abby aus Chicago in den Süden. Dort verliebt sich der reiche, todkranke Farmbesitzer in Abby und Bill wittert das Geschäft seines Lebens.

Selten gezeigtes, beeindruckend gefilmtes Südstaatendrama von Terrence Malick, der bereits mit seinem Debüt „Badlands“ einen Klassiker schuf und nach „In der Glut des Südens“ sich zwanzig Jahre aus Hollywood zurückzog. Mit dem poetischen Kriegsfilm „The Thin Red Line“ (ein starbesetztes Stück Kino, das man entweder liebt oder todsterbenslangweilig findet) kehrte er 1998 zurück.

Kameramann Nestor Almendros erhielt für seine Bilder einen Oscar.

Ennio Morricone schrieb die Musik.

mit Richard Gere, Brooke Adams, Sam Shepard, Linda Manz, Stuart Margolin

Wiederholung: Montag, 18. Oktober, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „In der Glut des Südens“ (deutsch, englisch) und über Terrence Malick (deutsch, englisch)

Slant Magazine: Nick Schager über „Days of Heaven“ („greatest film ever made“, 22. Oktober 2007)


TV-Tipp für den 16. Oktober: James Bond – Moonraker

Oktober 16, 2010

Kabel 1, 20.15

JAMES BOND: Moonraker – Streng geheim (GB 1979, R.: Lewis Gilbert)

Drehbuch: Christopher Wood

LV: Ian Fleming: Moonraker, 1955 (Mondblitz)

Buch zum Film: Christopher Wood: James Bond and Moonraker, 1979 (Moonraker – Streng geheim)

Der stinkreiche Hugo Drax hält wenig von seinen Mitmenschen. Deshalb will er sie umbringen und mit einigen Auserwählten einen neuen Start machen. James Bond macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

Natürlich hat der Film mit dem Buch eigentlich nichts mehr gemeinsam und das Ende – im Orbit – ist – auch heute – reinste Zukunftsmusik. Aber die bekannten Bond-Elemente wurden locker-flockig über den Globus verteilt. Das Ergebnis ist eine vergnügliche Mischung aus Action, leichtbekleideten Frauen, Witzen und einem glänzend aufgelegten Roger Moore. „Moonraker“ ist einer der guten Moore-Bonds.

Mit Roger Moore, Lois Chiles, Michael Lonsdale, Richard Kiel, Corinne Clery

Wiederholung: Sonntag, 17. Oktober, 17.55 Uhr

Hinweis

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)


TV-Tipp für den 15. Oktober: Vom Ende der Eiszeit

Oktober 15, 2010

Arte, 20.15

Vom Ende der Eiszeit (D 2006, R.: Friedemann Fromm)

Drehbuch: Christian Jeltsch

LV: Horst Bieber: Schnee im Dezember, 1990

Nach zwölf Jahren wird die Leiche von Lena Jörnings Schwester gefunden. Zwei Großstadtpolizisten beginnen in der Provinz zu ermitteln.

Schön, dass ein Buch von Horst Bieber verfilmt wird. Nicht schön, dass bereits im Pressematerial steht „nach Motiven von“ und dass in den meisten Ankündigungen Biebers Roman verschwiegen wird.

Aber das ist nach der Inhaltsangabe auch nicht weiter wild. Denn Biebers Buch erzählt eine ganz andere Geschichte. Christian Jeltsch meint im Presseheft dazu: „Die frostige Atmosphäre in dem Roman hatte mich sofort angesprochen. Weniger dagegen die Story, die ich völlig neu gestaltet habe, wie auch den Titel. Und aus einer Nebenfigur bei Bieber habe ich meine Hauptfigur, die Polizistin Lena Jörning, entwickelt.“

Hm, und warum wird dann ein Buch als Vorlage genommen, wenn doch alles verändert wird?

Der Film selbst ist gut, aber halt keine Romanverfilmung.

Mit Veronica Ferres, August Schmölzer, Detlev Buck, Martin Feifel

Hinweise

Pressemappe zu „Vom Ende der Eiszeit“

Meine Besprechung von Horst Biebers „Sein letzter Tresor“

Meine Besprechung von Horst Biebers „Anna verschwindet“


TV-Tipp für den 14. Oktober: Jesse Stone: Alte Wunden

Oktober 14, 2010

ZDF, 00.35

Jesse Stone: Alte Wunden (USA 2007, R.: Robert Harmon)

Drehbuch: Ronni Kern

LV: Robert B. Parker: Sea Change, 2006

Ex-Großstadtcop Jesse Stone langweilt sich in der malerischen Kleinstadt Paradise. Also rollt er einen 15 Jahre alten Mordfall wieder auf.

Vierter Jesse-Stone-TV-Krimi, der das Niveau der vorherigen Stone-Filme hält: gutes altmodisches Schauspielerkino, das vom ZDF (wie die vorherigen Stone-Filme) zu einer indiskutablen Uhrzeit ausgestrahlt wird.

Tom Selleck erhielt für seine Darstellung von Jesse Stone eine Emmy-Nominierung

mit Tom Selleck, Viola Davis, William Devane, Kathy Baker, William Sadler, James Gammon, Saul Rubinek

Wiederholungen

Sonntag, 17. Oktober, ZDFneo, 20.15 Uhr

Montag, 18. Oktober, ZDFneo, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Gegen jeden Zweifel“ ist überraschend gut

Oktober 13, 2010

Aus dem Kino verschwand der Film schneller, als ich „Buh“ sagen konnte.

Bei Rotten Tomatoes kommt der Film auf einen desaströsen Frischegrad von 4 Prozent (von 100 Prozent). Alle anderen Arbeiten von Regisseur Peter Hyams und Schauspieler Michael Douglas erhalten bessere Frischegrade; sind also besser.

Und in fast jeder Kritik stand, dass das Original besser sei. Das Original dürfte allerdings kaum jemand kennen. Denn Fritz Langs Noir „Jenseits allen Zweifels“ (Beyond a reasonable doubt, USA 1956) lief schon seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen und auf DVD wurde der Film auch noch nicht veröffentlicht.

Sollte Peter Hyams, der bei „Gegen jeden Zweifel“ wieder einmal neben der Regie auch den Part des Drehbuchautors und Kameramanns übernahm, dieses Mal so richtig daneben gegriffen haben?

Das wäre schon erstaunlich. Denn bisher hat er fast immer ordentliche Unterhaltung, oft sogar mit einer gesellschaftskritischen Note, abgeliefert. „Unternehmen Capricorn“, „Outland – Planet der Verdammten“, „Ein Richter sieht rot“ (ebenfalls mit Michael Douglas), „2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“ (die Fortsetzung von „2001“), „Diese zwei sind nicht zu fassen“, „Time Cop“, „Sudden Death“, „Das Relikt“ und „End of Days“ gehen auf sein Konto.

 

Ein Noir

 

Dass „Gegen jeden Zweifel“ ein totales Desaster ist, ist daher kaum zu glauben und, sicher auch aufgrund der vielen negativen Besprechungen und der damit verbundenen drastisch reduzierten Erwartungen („4 Prozent“! Sogar das aseptische „Basic Instinct 2“ hat bei Rotten Tomatoes 7 Prozent und das grottige „Catwoman“ hat überragende 10 Prozent erhalten.), unterhält Peter Hyams neuer Film ganz gut. „Gegen jeden Zweifel“ ist nicht ohne Fehler. Die beiden Actionszenen (Peter Hyams hat da in der Vergangenheit immer Gutes geliefert) sind unmotiviert und, vor allem die zweite, ist auch reichlich absurd. Denn da darf die Damsel in Distress in einem leeren Parkhaus minutenlang vor einem Auto weglaufen, ohne auch nur einmal von diesem Auto berührt zu werden. Die wenigen Suspense-Momente, wie das Besorgen der Originaldateien aus der Asservatenkammer der Polizei, sind eher lieblos heruntergekurbelt. Vom Drehort, immerhin wurde vor Ort in Louisiana gedreht, gibt es kaum Außenaufnahmen. Die meisten Szenen spielen in geschlossenen Räumen ohne ein Fenster nach außen – und tragen damit zur klaustrophobischen Atmosphäre, die Hyams allerdings nicht konsequent nutzt, bei. Die Story ist ordentlich verwickelt, aber für Noir-Fans auch erschreckend vorhersehbar (Oder habe ich mich zu gut an die Lektüre einer vor Ewigkeiten gelesenen Inhaltsangabe für den Lang-Film erinnert? Oder habe ich die Hinweise auf die Lösung unbewusst zu gut erkannt?). Jedenfalls dürften Noir-Fans das Ende schon sehr früh (und ich meine sehr früh) ahnen.

Im Mittelpunkt des Films steht der junge, leicht arrogante und karrierebewusste TV-Journalist C. J. Nicholas (Jesse Metcalfe, „John Tucker must die“, „Desperate Housewives“). Er hatte eine tolle investigative TV-Reportage über eine vor der Ausstrahlung verstorbene Obdachlose gemacht und dafür die Stelle bei einem TV-Sender in Louisiana bekommen. Dort will er den Staatsanwalt Mark Hunter (Michael Douglas mit sehr wenig Filmzeit) als Betrüger, der, um Verurteilungen zu erreichen, Beweise manipuliert, entlarven. Hunter ist sogar als künftiger Gouverneur im Gespräch. Für ihn spricht immerhin seine eindrucksvolle Bilanz an Verurteilungen. Zu eindrucksvoll meint Nicholas. Vor allem weil es immer Indizienprozesse waren.

Als er von seinem Chef zurückgepfiffen wird, verfällt er auf einen abenteuerlichen Plan. Er will selbst als Mörder für ein Verbrechen angeklagt werden, das er nicht begangen hat und dann Hunter im Gerichtssaal entlarven.

Ein toller Plan, der nachdem sein Freund Corey Finley (Joel David Moore, „Avatar“, „Bones“) mit den Videoaufnahmen, die seine Unschuld beweisen, bei einem Autounfall stirbt, gnadenlos den Bach hinuntergeht. Nicholas wird zum Tod verurteilt und nur seine Freundin Ella Crystal (Amber Tamblyn, „Die himmlische Joan“), die Assistentin von Hunter, kann ihn vielleicht retten.

„Gegen jeden Zweifel“ ist ein überraschend gelungener Noir, der die vielen Verrisse nicht verdient hat. Die beiden Hauptcharaktere Nicholas und Hunter sind reichlich unsympathische Karrieristen, die die Welt nur als Spielbrett benutzen. Die Story selbst ist mehr an Stimmungen und dem Zeigen der verschiedensten Arten von Verführung, als an Logik und Plausibilität (zwei Dinge, die auch für Noir-Fans nicht an erster Stelle stehen) interessiert. Denn der Plan von Nicholas ist so gewagt wie bescheuert. Vor allem, wenn man sieht, wie einfach Crystal später die Beweise für seine Unschuld findet. Auch dass es keine Kopien der ihn entlastenden Videoaufnahmen gibt, ist heute, im Zeitalter der unendlichen Reproduzierbarkeit, unglaubwürdig. Vor allem weil Nicholas ein investigativer Journalist ist. Aber in diesem Moment verhält er sich eher wie ein Teenager beim Räuber-und-Gendarm-Spiel

Die Bilder liefern oft ein angenehmes Retro-Feeling. Das mag auch daran liegen, dass vor Ort in Louisiana gedreht wurde und Gefängnisse und Polizeistationen nicht im Jahrestakt renoviert werden, sondern oft über viele Jahre einfach nur ausgebessert werden.

 

Das Original und das Remake: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

 

Peter Hyams übernahm vieles von Fritz Langs Film und passte es teils nur geringfügig an die Gegenwart an. Aber er veränderte die Beziehungen der Hauptcharaktere und er ließ die Langs Film beherrschende Diskussion über die Todesstrafe links liegen.

In seinem Film diskutierte Fritz Lang das Für und Wider zur Todesstrafe und, damit verbunden, ob ein Mensch nur aufgrund von Indizien zum Tod verurteilt werden darf. Diese Botschaft steht dabei der Story immer etwas im Weg. Das liegt auch daran, dass „Jenseits allen Zweifels“ reichlich unplausibel ist. So lässt sich der Schwiegersohn in spe von dem Zeitungsherausgeber überreden, sich freiwillig als Verdächtiger ins Gespräch zu bringen. Doch warum sollte ein Unschuldiger das tun? Deren Plan und auch die Lösung hängen essentiell von der schlampigen Arbeit der Polizei ab. Denn der Staatsanwalt ist zwar an Verurteilungen interessiert, aber er bricht dafür – im Gegensatz zum Remake – keine Gesetze. Und die Enttarnung des Mörders erfolgt in Langs Film absolut überraschend, fast schon nach der „Der Gärtner ist der Mörder“-Methode.

Egal wie man es betrachtet, Fritz Langs letzter in den USA gedrehter Film gehört nicht zu seinen besten Werken. Als Spielfilm ist „Jenseits allen Zweifels“ sogar reichlich missraten. Als Folge von „Alfred Hitchcock zeigt“ wäre die Geschichte sicher okay gewesen.

Peter Hyams will dagegen in erster Linie in seinem angenehm altmodischem Film nur unterhalten. Denn abgesehen von den forensischen Teilen (DNA-Analyse und Manipulation von Bildern am Computer), hätte „Gegen jeden Zweifel“ so auch vor dreißig Jahren entstehen können. Hyams thematisiert immer wieder, in jeder Szene, die verschiedene Formen von Verführung, Vertrauen, Macht und Machtmissbrauch. Dabei glauben seine jungen Charaktere, dass sie die Regeln des Spiels bestimmen. Und, weil Nicholas und Hunter für ihre persönlichen Ziele skrupellos die Regeln manipulieren, ist Hyams Remake sogar erheblich düsterer als Langs doch sehr durchschnittliches Original.

 

Die DVD

 

Das Bonusmaterial gehört in die Abteilung „mehr Schein als Sein“. Denn die drei Interviews sind Rohmaterial für das Making-of. Hinter „Behind the Scenes“ verbirgt sich eine Mischung aus B-Roll und Dokumentation der Explosion eines Autos am Ende einer Verfolgungsjagd. Der Hintergrundbericht zur forensischen Arbeit der Polizei ist höchstens für Menschen, die in den vergangenen Jahren nicht eine „CSI“-Folge gesehen haben, von geringfügigem Interesse. Insgesamt ist das Bonusmaterial in weniger als dreißig Minuten angesehen und, weil es reines Werbematerial ist, auch sofort vergessen.

Der Audiokommentar von Peter Hyams und Jesse Metcalfe ist durchwachsen. Metcalfe sagt wenig und auch Peter Hyams gehört nicht zu den Dauerrednern. Aber wenn Hyams etwas sagt, ist es sehr interessant. So erklärt er, warum er bestimmte Szenen so und nicht anders filmte, an welchen Stellen es Hinweise auf die Lösung gibt, welche Funktion bestimmte Szenen haben und er liefert einige Hintergründe zum Stil und den Dreharbeiten. Insgesamt vermisst man aber, gerade weil Hyams als sehr nachdenklicher und uneitler Filmemacher rüberkommt, einen Interviewer, der Hyams die wichtigen Fragen gestellt und zum Reden animiert hätte.

 

Gegen jeden Zweifel (Beyond a reasonable doubt, USA 2009)

Regie: Peter Hyams

Drehbuch: Peter Hyams

Vorlage: Drehbuch „Beyond a reasonalbe doubt“ von Douglas Morrow (1956)

mit Jesse Metcalfe, Amber Tamblyn, Michael Douglas, Joel David Moore, Orlando Jones, Lawrence Beron

DVD

Koch-Media

Bild: 1,85:1 (anamorph/16:9)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1; DTS), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar von Peter Hyams und Jesse Metcalfe, Interviews mit Michael Douglas, Amber Tamblyn und Peter Hyams, Behind the Scenes, Criminal Forensics, Making of, Orginaltrailer, Wendecover

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gegen jeden Zweifel“

Noir of the Week über das Original „Jenseits allen Zweifels“ (es handelt sich um eine kritische Nacherzählung der Geschichte. Wer also die Lösung nicht wissen möchte…)

Bonusfilm

Fritz Langs „Jenseits allen Zweifels“ im englischen Original

 

 


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Oktober 13, 2010

Urlaubsbedingt (hier in Berlin sind Herbstferien) gibt es meine  TV-Krimi-Buch-Tipps bei den Alligatorpapieren etwas später:

Mit einer Orson-Welles-Nacht („Der dritte Mann“ und „Im Zeichen des Bösen“) beginnt die Woche vielversprechend. Weiter geht’s mit Buddy Giovinazzos Wilsberg-Filmen „Schuld und Sühne“ und „Todesengel“, Philip Noyces Charles-Williams-Verfilmung „Todesstille“, Roger Donaldsons Kenneth-Fearing-Verfilmung „No way out- Es gibt kein zurück“, Friedemann Fromms sehr freie Horst-Bieber-Verfilmung „Vom Ende der Eiszeit“, Martin Scorseses John-D.-MacDonald-Verfilmung „Kap der Angst“ und, als TV-Premiere, Robert Harmons Robert-B.-Parker-Verfilmung „Jesse Stone: Alte Wunden“ (nachdem die Erstausstrahlung im ZDF nach Mitternacht ist, zeigt ZDFneo den Film wenige Tage später zu einer vernünftigen Uhrzeit).


TV-Tipp für den 13. Oktober: Im Auftrag des Terrors

Oktober 13, 2010

Arte, 20.15

Im Auftrag des Terrors (Fr 2007, R.: Barbet Schroeder)

Drehbuch: Barbet Schroeder

Spielfilmlange Doku über den französischen Anwalt Jacques Vergès, der als Jugendlicher gegen die Nazis kämpfte, in den 1950ern algerische Freiheitskämpfer (ähem, Terroristen) verteidigte, zu einer Ikone der Linken wurde und später den Terroristen Carlos, Diktatoren, wie Slobodan Milosevic und Saddam Hussein, und bekannte Nazis, wie Klaus Barbie, verteidigte. Schroeder porträtiert in seiner hochgelobten Dokumentation den umstrittenen Anwalt.

Die Doku gewann einen Étoiles d’Or und war für einen César nominiert.

Mit Jacques Vergés, Bassam Abu Sharif

Auch bekannt als „L’avocat de la terreur“

Hinweise

Wikipedia über Jacques Vergès (deutsch, englisch)

Arte über die Doku


TV-Tipp für den 12. Oktober: Mogadischu

Oktober 12, 2010

SWR, 23.00

Mogadischu (D 2008, R.: Roland Suso Richter)

Drehbuch: Maurice Philip Remy

Buch zum Film: Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der Landshut, 2008

Nach Heinrich Breloers hochgelobtem Zweiteiler „Todesspiel“ (auch schon über zehn Jahre alt) über den Deutschen Herbst 1977, diversen Dokumentationen (zum Beispiel letztes Jahr ein Zweiteiler) über die RAF, dem noch im Kino laufendem „Baader Meinhof Komplex“ mutet „Mogadischu“ etwas akademisch an. Denn die Fakten sind bekannt. Am 13. Oktober 1977 entführt ein palästinensisches Kommando die Lufthansa-Maschine Landshut. Nach einem mehrtägigen Irrflug landet das Flugzeug in Mogadischu und die GSG 9 beendet die Geiselnahme.

Neue Erkenntnisse, wie die Beteiligung des KGB an der Entführung und was Lufthansa-Pilot Jürgen Schumann machte, als er nach einer Notlandung in Aden zwanzig Minuten verschwand, ändern nichts an dem großen Bild.

Aber Autor Remy und Regisseur Richter verarbeiteten diese Geschichte jetzt zu einem die damaligen Ereignisse konzentriert nacherzählendem TV-Spielfilm, der auch im Kino überzeugt hätte. Einziger Kritikpunkt ist die derzeit angesagte Wackelkamera

„Es ist ein ernsthafter Versuch der Annäherung (an die Wahrheit, A. d. V.). Wir bemühen uns, mit Verantwortung an ein Thema heranzugehen. Die Menschen, die das erlebt haben, sollen nicht davor sitzen und sagen: Was machen die denn da? Was erzählen die da?“ (Remy in der FAZ)

Das gleichnamige „Begleitbuch zum Film ‚Mogadischu’“ von Timo Kortner nimmt eine seltsame Zwischenstellung zwischen einem traditionellem Buch zum Film, also einer höchstens sparsam erweiterten Romanfassung des Drehbuchs, und einem Sachbuch über die Entführung ein. Denn Kortner führt relativ ausführlich in das gesellschaftliche Klima während der Schleyer-Entführung ein und er fügt immer wieder erklärende Passagen ein. Dabei gibt es im Buch und im Film eine Verschiebung der Perspektive von den Tätern zu den Opfern. Der Tatsachenroman „Mogadischu“ erzählt von Menschen in einer Ausnahmesituation und wie sie versuchen, diese zu überleben. Die Entführer bleiben dagegen, bis auf den durchgeknallten Captain Martyr Mahmud, blass. Und die Ideologie der Terroristen wird höchstens in einem Nebensatz gestreift; – was sie als Bösewichter noch bedrohlicher macht.

Kortners „Mogadischu“ ist ein packendes Drama, das auch eine gehörige Portion historisches Wissen vermittelt. Ein feines Buch.

Mit Nadja Uhl, Thomas Kretschmann, Christian Berkel, Said Tagmaqoui, Herbert Knaup, Simon Verhoeven, Jürgen Tarrach

Hinweise

ARD zum Film

FAZ: Interview mit Maurice Philip Remy über “Mogadischu” (24. November 2008)

FAZ (Michael Hahnfeld), Die Welt (Eckhard Fuhr), Spiegel Online (Christian Buß), Süddeutsche Zeitung (Christopher Keil), taz (René Martens), Die Zeit (Margit Gerste) über den Film „Mogadischu“

Kortner - Mogadischu

Das Buch zum Film

Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der ‚Landshut’

Knaur, 2008

272 Seiten

9,95 Euro


Neu im Kino/Filmkritik: „Im Schatten“

Oktober 12, 2010

Im Schatten (D 2010, R.: Thomas Arslan)

Drehbuch: Thomas Arslan

mit Mišel Matičević, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Rainer Bock, Hanns Zischler, Petr Kurth, David Scheller

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Manchmal sind die Reaktionen der Kritiker erhellender als das besprochene Werk. Auch Thomas Arslans neuer Film „Im Schatten“ wird breit abgefeiert und weil er auf der Berlinale neben Benjamin Heisenbergs „Der Räuber“ und Dominik Grafs zehnteiliger TV-Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ gezeigt wurde, machten einige Kritiker schon eine Wiedergeburt des Genrekinos in Deutschland aus und die Deutsche Kinemathek organisierte die Tagung „Die Lust am Genre“, die vor allem ein Abfeiern von „Im Schatten“ und „Im Namen des Verbrechens“, mit kleinen Seitenschritte zu „Der Räuber“, „Jerichow“ und „KDD – Kriminaldauerdienst“, war.

Da fragte ich mich als Gast der Tagung mehr als einmal, ob hier nicht aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird und vermutete, dass die Kritiker diese Filme auch deshalb so überschwänglich lobten, weil sie selbst in ihrem tiefsten Herzen Genrejunkies sind und sich freuten, neben den unzähligen, oft in mehrfacher Hinsicht quälenden deutschen Filmen endlich einmal einfach nur neunzig Minuten originäres Kino zu erleben.

Denn aus Genreperspektive ist „Im Schatten“ nicht mehr und nicht weniger als ein guter Hardboiled-Gangsterfilm, der eindeutig vom französischen Kriminalfilm (Melville!) und den harten amerikanischen Krimis beeinflusst ist. So ist der Einfluss von Richard Starks Parker und seinen Epigonen Nolan (von Max Allan Collins) und Wyatt (von Garry Disher) unübersehbar.

Denn Arslans Held Trojan ist ein prototypischer Profiverbrecher. Er ist gerade aus dem Knast entlassen worden, will sich seinen Anteil von der Beute aus einem früheren Verbrechen abholen, wird um diesen Anteil betrogen, will sich an einem Überfall auf einen Juwelier beteiligen, lässt diese Sache aber wegen der unzuverlässigen Partner sausen und plant mit einem früheren Kollegen, der sich inzwischen zur Ruhe gesetzt hat, den Überfall auf einen Geldtransporter. Der Tipp kommt von einer Anwältin. Bei den Vorbereitungen werden sie von einem korrupten Polizisten beobachtet und nach dem Überfall geht alles schief.

Für Genrefans ist das eine vertraute Geschichte, die von Arslan bewundernswert ökonomisch, ohne überflüssige Psychologisierungen und Nebengeschichten, erzählt wird. Die Dialoge sind teilweise etwas zu künstlich knapp gehalten. Die Schauspieler überzeugen. Hauptdarsteller Mišel Matičević erinnert an Alain Delon. Und Berlin zeigt sich von seiner tristen Seite, die jeder kennt, aber in Filmen zugunsten von Postkartenansichten ignoriert wird. „Im Schatten“ ist, wie ein Zuschauer auf der Tagung der Deutschen Kinemathek nach dem Film zutreffend meinte, ein erfrischend undeutscher Film.

Wahrscheinlich gefällt er deshalb den Kritikern so gut.

Und Krimifans sollten definitiv einen Blick riskieren. „Im Schatten“ ist einer der raren deutschen Gangsterfilme, der ohne Fremdschäm-Anfälle gesehen werden kann. Wenn wir die im Kleingangstermilieu spielenden Jugenddramen „Kanak Attack“ (2000) und „Knallhart“ (2006) ignorieren, müssen wir bis 1995 zurückgehen. Damals lief Lars Beckers deutlich vom französischen Gangsterfilm beeinflusster, heute trotz der Besetzung (Peter Lohmeyer, Til Schweiger) nahezu unbekannte Krimi „Bunte Hunde“ im Kino.

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Im Schatten“

taz: Interview mit Thomas Arslan über „Im Schatten“ (6. Oktober 2010)

Film-Dienst: Interview mit Thomas Arslan über „Im Schatten“