Der stille Amerikaner (USA 2002, R.: Phillip Noyce)
Drehbuch: Christopher Hampton, Robert Schenkkan
LV: Graham Greene: The quiet American, 1955 (Der stille Amerikaner)
Saigon, 1952: Der britische Reporter Thomas Fowler führt, zwischen gelegentlichen Reportagen, Opium rauchen und Sex, ein ruhiges Leben. Der stille, idealistische Amerikaner Alden Pyle will dagegen etwas bewegen. Schnell sind beide in politische Intrigen verwickelt, die sie nicht überblicken.
„Der stille Amerikaner“ ist eine gelungene Greene-Verfilmung und ein im besten Sinn angenehm altmodischer Film, der zwar 1952 spielt, aber auch die heutige Außenpolitik der Ersten Welt präzise beschreibt.
Mit Michael Caine, Brendan Fraser, Do Thi Hai Yen, Rade Sherbedgia
Columbo: Tödliche Trennung (USA 1971, R.: Steven Spielberg)
Drehbuch: Steven Bochco
Erfinder: Richard Levinson , William Link
Ken Franklin und Jim Ferris sind ein erfolgreiches Krimiautorenduo. Als Ferris alleine schreiben will, bringt sein untalentierter Partner ihn um. Sein Alibi ist so gut, dass Lieutenant Columbo ermitteln muss.
Spielberg drehte nachher einige Filme, die sich fest in der Top-10 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten behaupten.
Bochco erfand einige bahnbrechende TV-Serien, wie „Polizeirevier Hill Street“, „L. A. Law“, „Murder One“ und „NYPD Blue“. Sein erstes Columbo-Drehbuch wurde für den Emmy und den Edgar nominiert.
Ihre Zusammenarbeit markiert den offiziellen Start der erfolgreichen Columbo-Reihe innerhalb der Reihe „NBC Mystery Movie“. „Tödliche Trennung“ ist ein guter TV-Krimi (Gut, das ist jetzt Understatement.) mit einigen ungewöhnlichen Kameraeinstellung und all den Elementen, die Columbo so erfolgreich beim Publikum macht(e).
Mit Peter Falk, Jack Cassidy, Rosemary Forsyth, Martin Milner, Barbara Colby
Das Haus der Lady Alquist (USA 1944, R.: George Cukor)
Drehbuch: John Van Druten, Walter Reisch, John L. Balderston
LV: Patrick Hamilton: Gaslight, 1938 (Theaterstück)
Nach dem Umzug leidet Paula Alquist an Wahnvorstellungen. Oder will sie jemand in den Wahnsinn treiben?
Über den bekannt-beliebten Romantikthriller schreibt das Lexikon des internationalen Films zutreffend: „Ein ungebrochen spannender Psychokrimi, angesiedelt im viktorianischen Zeitalter, hervorragend inszeniert und gespielt. Reizvoll vor allem durch die außergewöhnliche Kameraführung.“
Ingrid Bergman erhielt für ihre Leistung den Oscar und den Golden Globe. Für die Ausstattung gab es einen weiteren Oscar. Außerdem war „Das Haus der Lady Alquist“ in allen wichtigen Oscar-Kategorien nominiert: Bester Film, Drehbuch, Kamera, Haupt- und Nebenrolle. Der große Abräumer war in diesem Jahr aber das Musical „Going my way“ (Der Weg zum Glück, R.: Leo McCarey). Erinnert sich noch jemand an diesen Film?
Hamilton schrieb auch die Vorlage zum Hitchcock-Film “Rope – Cocktail für eine Leiche”.
Mit Charles Boyer, Ingrid Bergman, Joseph Cotton, Angela Lansbury (Debüt), Barbara Everest
Auch Vögel können töten (USA 1970, R.: Robert Altman)
Drehbuch: Doran William Cannon, Brian McKay (ungenannt)
Brewster McCloud (so auch der Originaltitel) bastelt seit Ewigkeiten in den Katakomben des Houstoner Sportstadions Astrodome an einem Flugapparat. Denn er hält sich für einen Vogel. Da wird er in einen Reihe von Morden verwickelt und er verliebt sich.
Direkt nach „M. A. S. H.“ drehte Robert Altman diese liebenswerte Spinnerkomödie mit satirischen Anklängen und einem betonten Desinteresse an filmischen Konventionen. In Deutschland wurde der Film erst 1992 von Tele 5 als „Nur fliegen ist schöner“ gezeigt.
„Bewusst verwirrende, surrealistische Satire, formal eher den Cartoons und der französischen ‚Nouvelle Vague‘ als gängigen Filmkonventionen verpflichtet. (…) Frühe, bizarre Regiearbeit von Robert Altman.“ (Lexikon des internationalen Films)
„‚Brewster McCloud‘ ist der Gegenfilm, der die meisten Gegnerschaften in sich vereint, ein Chaos von einem Film, und von vorneherein anarchisch in der Erzählstruktur. (…) Selten hat dieser Filmemacher mehr Ideen und Einfälle gehabt, selten hat er so unbekümmert Erzählhaltungen variiert, von der satirischen Groteske zur fast feierlich vorgetragenen Allegorie, von Metaphern zu konkreten Details. (…) Ein Grundproblem für das Verständnis des Films ergibt sich aus dem Verzicht, die Figuren als Charaktere zu entwickeln; sie werden unmittelbar vom Wechsel der Erzählhaltungen betroffen und erscheinen, ständig in einer Art Metamorphose begriffen, mitunter als Symbol, dann als Allegorie, dann wieder nur als simple Prototypen ihrer Gesellschaft und letztlich als Protagonisten der amorphen Imagination des Regisseurs.“ (Hans Günther Pflaum in Robert Altman, Hanser Reihe Film Band 25, 1981)
mit Bud Cort, Sally Kellerman, William Windom, Shelly Duvall, René Auberjonois, Stacy Keach
In fünf Worten ist „Hustle“ die britische Version von „Ocean’s Eleven“. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Mickey Stone und seine Gang sind auch leidenschaftliche Trickbetrüger und in jeder Folge der BBC-Serie legen sie – mit wechselndem Erfolg – einen arroganten Geldsack herein. Die Serie ist auch sehr stylish. Die Macher spielten bereits vor über sechs Jahren souverän auf der gesamten Klaviatur des Films von überraschenden Plottwists (gerne gekoppelt an Rückblenden) über gelungenen Anspielungen auf andere Filme und einer sehr stilisiert-poppigen Filmsprache hin zu Experimenten, wie eingefrorenen Bildern, in denen die Verbrecher den Betrug erklären. Das unterscheidet sich dann kaum von einem Kinofilm.
Aber „Ocean’s Eleven“ war letztendlich, vor allem im zweiten und dritten Teil, nur noch mäßig amüsantes Starkino der Marke „George Clooney und seine Freund haben Spaß“.
Dagegen wird „Hustle“ von Folge zu Folge besser und die Serie ist realistischer als „Ocean’s Eleven“. Denn die Charaktere der von Kudos produzierten Serie (unter anderem „Life on Mars“ und „Spooks – Im Visier des MI5“) sind keine Cartoon-Figuren. Die Opfer sind reich, aber keine milliardenschweren Casinobesitzer.
Und natürlich, das wichtigste Elemente bei einer Serie, Trickbetrüger Mickey Stone und seine Gang sind ein Ensemble dem man gerne zusieht.
Im „Making of“ erzählt Autor Tony Jordan, dass er die Verbrecherbande wie eine Familie mit Großvater, Vater, Sohn, Onkel und Mutter (die hier auch gleichzeitig die Geliebte ist) aufgebaut habe.
Mickey Stone ist der charismatische Anführer. Jordan erzählt, dass die Rolle zuerst für einen anderen Schauspielertyp vorgesehen war, aber als Adrian Lester den Raum betrat, wussten sie, dass sie ihren Mickey Stone gefunden hatten. Er hat die Lässigkeit eines Mannes, dem die Welt gehört – auch wenn alles nur Schein ist. Er flößt Vertrauen ein – auch wenn er gerade einen Betrug durchzieht. Und, als guter Familienvater, schützt er seine Familie. Er nimmt auch, leicht widerwillig, die Rolle als Lehrer für den Neuzugang Danny Blue an.
Albert Stroller ist die Legende, die Stone alles beibrachte und auch im Rentenalter nicht vom verbrecherischen Leben lassen kann. Er ist der Großvater. Dass Stroller von Robert Vaughn gespielt wird, ist eine der glücklichen Fügungen, die gerade wegen Vaughns Filmographie (Ich sage nur „Solo für O. N. K. E. L.“, „Bullit“ und „Die glorreichen Sieben“.) grandios passt. Er ist nicht nur im Film für die Jüngeren ein Vorbild. Er beherrscht alle Tricks und hat schon mit allen Größen im Geschäft zusammengearbeitet hat. In der Serie natürlich Verbrechergrößen; im Filmgeschäft Stars wie Paul Newmann, Steve McQueen, Jacqueline Bisset, Faye Dunaway, Robert Duvall, Walter Matthau, Peter Falk, Charles Bronson, James Coburn, Yul Brynner, Eli Wallach und Boris Karloff.
Danny Blue ist der Jungspund, der zum Meisterverbrecher werden will, aber noch viele jugendliche Flausen im Kopf hat. Für ihn ist das Verbrecherleben, auch wenn er gerade nach einem missglückten Betrug verprügelt wurde, ein einziger großer Spaß und die Gelegenheit, jeden Tag ein neues Abenteuer zu erleben.
Ash Morgan ist der gute Onkel, der Butler und der Handwerker. Er kann anscheinend auf die altmodische Art jedes System hereinlegen und die richtigen Geräte basteln. Er ist immer da, zuverlässig, gesegnet mit dem Humor und dem Duft des Arbeiters. In der ersten Staffel (von inzwischen insgesamt sechs) ist er der unauffälligste Charakter im Team.
Und Stacie Monroe ist die Mutter der Kompanie. Allerdings ist sie sehr sexy und Danny Blue möchte gerne mit ihr ins Bett steigen. Dummerweise ist sie auch klug und als Danny sie einmal zu einer Partie Strip-Poker überredet, hat sie wundersamerweise immer das bessere Blatt in der Hand.
In der ersten Staffel von „Hustle – Unehrlich währt am längsten“ zeigen sie in sechs kurzweiligen Episoden ihr Können. In der ersten Folge ist ihr Opfer der gierige Geschäftsmann Peter Williams, der regelmäßig auf der Liste der 500 reichsten Engländer steht. Mickey Stone erzählt ihm, getarnt als vertrauenswürdiger Banker, dass sein Unternehmen mit einem Computerprogramm gigantische Gewinne machen könne. Demnächst gebe es wieder die Möglichkeit und gegen eine stattliche Geldsumme könne er mitmachen. Williams ist einverstanden. Dass sie bei dem Coup von der Polizei beobachtet werden, stachelt Stone nur noch mehr an.
In „Der Hollywood-Schwindler“ ködern sie einem brutalen Hotel- und Kasinobesitzer, der ein Fan von klassischen Hollywood-SW-Filmen ist, mit einer Investition an einen sich an eben diesen Filmen orientierendem Filmprojekt.
Sie versuchen einer fanatischen Kunstsammlerin einen gefälschten Mondrian zu verkaufen. Dabei haben sie ihren Plan ohne den Fälscher (Köstlich!) und eine ehrgeizige Journalistin gemacht.
Sie werden von einem kurz vor der Pensionierung stehendem Polizisten, der bis jetzt jeden Trickdieb schnappte (wie Albert Stroller aus eigener leidvoller Erfahrung weiß), zur Mitarbeit erpresst. Denn der Polizist will einen Bankräuber, der bis jetzt bei keinem seiner verwegenen Einbrüche geschnappt wurde, verhaften. Mickey Stone versucht den Polizisten hereinzulegen. Aber wird ihm das gelingen? Und: Kann er, vor den Augen der Polizei, die Bank ausrauben?
Sie wollen von einem Scheidungskrieg profitieren, indem sie die hasserfüllte Ehefrau und ihren Gatten mit einem falschen Bauprojekt hereinlegen.
Und, in der letzten Episode der ersten Staffel, „Die letzte Wette“ spielen sie ihre Version von „Der Clou“ (The Sting) durch, indem sie ihrem Opfer erzählen, dass sie wissen, welches Pferd bei einem Pferderennen gewinnt. Dabei müssen Mickey Stone und seine Gang auch damit kämpfen, dass heute Informationen in Echtzeit verfügbar sind.
Als Bonusmaterial gibt es ein zweiteiliges „Making of“. Im ersten, sehr interessanten Teil erzählen die Macher, wie die Serie entstand und die Schauspieler ausgewählt wurden. Im zweiten Teil gibt es dann die üblichen Lobhuddeleien der Schauspieler.
Die grandiose Serie läuft freitags ungefähr um 22.00 Uhr (halt nach dem Spielfilm) auf ZDFneo. Gezeigt werden, wie auch auf der DVD, die vom BBC erstellte kürzere internationale Fassung.
Hustle – Unehrlich währt am längsten (GB 2004)
Erfinder: Tony Jordan (nach einer Idee von Bharat Nalluri)
mit Adrian Lester (Mickey Stone), Marc Warren (Danny Blue), Robert Glenister (Ash Morgan), Jaime Murray (Stacie Monroe), Robert Vaughn (Albert Stroller)
Die Thomas Crown Affäre (USA 1999, R.: John McTiernan)
Drehbuch: Leslie Dixon, Kurt Wimmer (nach dem Drehbuch von Alan R. Trustman)
Millionär Thomas Crown hat auf den ersten Blick alles. Aber weil ihn sein Leben als reicher Müßiggänger langweilt, organisiert er komplizierte Diebstähle. Die Versicherungsagentin Catherine Banning will ihn überführen. Crown nimmt die Herausforderung an und plant, während er mit ihr tändelt, seinen nächsten Coup.
Das Remake des gleichnamigen Semi-Klassikers mit Steve McQueen und Faye Dunaway ist locker-flockiges, eskapistisches Starkino.
„John McTiernans Version des Steve-McQueen-Klassikers ist der seltene Glücksfall eines Remakes, welches das Original mit kraftvolleren, präziseren Strichen übermalt.“ (Gerhard Midding, tip 19/99)
mit Pierce Brosnan, Rene Russo, Denis Leary, Faye Dunaway, Ben Gazzara, Fritz Weaver
Dexter: Verflucht/Einfach loslassen (USA 2007, R.: Tony Goldwyn, Marcos Siega)
Drehbuch: Daniel Cerone, Clyde Phillips
Erfinder: James Manos Jr.
LV: Jeff Lindsay: Darkly Dreaming Dexter, 2004 (Des Todes dunkler Bruder; – für die zweite Staffel dann eher Charakter von Dexter)
Ehrlich gesagt, damit habe ich schon nicht mehr gerechnet: nachdem die erste „Dexter“-Staffel quotenmäßig ein Flop war, hätte ich keine fünf Cent auf weitere „Dexter“-Episoden im frei empfangbaren deutschen TV gewettet. Aber die Jungs von RTL II wagen einen zweiten Versuch, zu einer Uhrzeit die stark nach Resterampe aussieht. Denn die zwölf Episoden der zweiten Staffel werden nach dem Spielfilm versendet und das kann dann schon etwas später werden. Nächsten Sonntag mordet Dexter von 22.55 Uhr bis 01.00 Uhr.
In der zweiten Staffel muss Dexter Morgan (Forensiker bei der Polizei von Miami und Serienkiller mit okayer Opferauswahl) herausfinden, warum an den Stränden von Miami Leichensäcke mit seinen Opfern liegen.
Inspiriert wurde die in den USA sehr erfolgreiche Serie von Jeff Lindays schwarzhumorigen Romanen. „Des Todes dunkler Bruder“ (Darkly Dreaming Dexter, 2004), „Dunkler Dämon“ (Dearly Devoted Dexter, 2005) und „Komm zurück, mein dunkler Bruder“ (Dexter in the Dark, 2007) erschienen bei Knaur und sind natürlich lesenswert. „Dexter by Design“ (2008) ist noch nicht übersetzt.
Mit Michael C. Hall (Dexter Morgan), Julie Benz (Rita Bennett), Jennifer Carpenter (Debra Morgan), David Zayas (Angelo Batista), Lauren Vélez (Lt. Maria LaGuerta), James Remar (Harry Morgan), Erik King (Sgt. James Doakes), C. S. Lee (Vince Masuka), Jaime Murray (Lila Tourney)
Drehbuch: Larry Marcus, Billy Wilder, Harry Kurnitz
LV: Agatha Christie: The Witness for the Prosecution, 1933 (Kurzgeschichte, ursprünglich erschienen in „The Hound Of Death And Other Stories”, Zeugin der Anklage)
Hat Leonard Vole eine reiche Witwe erschlagen? Für Staranwalt Sir Wilfried hängt alles von der Aussage von Voles Frau Christine ab.
Prototyp aller Gerichtsfilme und immer noch weitaus spannender als die jüngeren Gerichtsthriller (obwohl die Pointe bekannt sein dürfte), mit – in glänzender Spiellaune – Marlene Dietrich, Charles Laughton, Tyrone Power.
Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. „Die zwölf Geschworenen“ gewann ihn.
Bei den Alligatorpapieren sind die, wie immer von Alligator-Alfred wunderschön bebilderten, TV-Krimi-Buch-Tipps online. Ansehen!
Und was gibt’s die nächsten Tage im TV?
Also,
der Auftakt zwischen einem „Tod auf dem Nil“ und dem „Lawinenexpress“ lässt uns alle Wetterextreme von der heimischen Couch miterleben. Danach gibt’s Billy Wilders Agatha-Christie-Verfilmung „Zeugin der Anklage“ (in einem wohltemperiertem Gerichtssaal), Jacques Derays Derek-Raymond-Verfilmung „Mörderischer Engel“, Jean Renoirs Emile-Zola-Verfilmung „Bestie Mensch“, Claude Pinoteaus Francis-Ryk-Verfilmung „Ich – Die Nummer eins“, Lynda La Plantes „Heißer Verdacht“ und „Der Preis des Verbrechens“, Jean-Luc Godards „Peter Cheney“-Verfilmung „Alphaville“ (in der ungekürzten Fassung), Phillip Noyces Graham-Greene-Verfilmung „Der stille Amerikaner“, Alfred Hitchcocks Francis-Iles-Verfilmung „Verdacht“ und seine Ethal-Lina-White-Verfilmung „Eine Dame verschwindet“ und, als TV-Premiere, die Jack-Ketchum-Verfilmung „Blutrot“.
Manhattan Murder Mystery (USA 1992, R.: Woody Allen)
Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman
Als eine Nachbarin in ihrem noblen New Yorker Mietshaus überraschend stirbt, glaubt Carol Lipton (Diane Keaton), dass sie ermordet wurde und sie beginnt, mit einem befreundeten Krimiautor, den Mörder zu suchen. Ihr Mann Larry (Woody Allen) ist davon überhaupt nicht begeistert.
Eine Krimikomödie von Woody Allen, bei der sich für die die Wortgefechte vom „Dünnen Mann“ inspirieren ließ und auch sonst lustvoll im Fundes des klassischen Hollywood-Krimis wühlte. Cineasten können also einiges entdecken.
„So unverhohlen publikumsfreundlich war Woody Allen lange nicht mehr.“ (Fischer Film Almanach 1995)
Sein nächster Film war „Bullets over Broadway“.
mit Woody Allen, Diane Keaton, Anjelica Huston, Alan Alda, Jerry Adler, Ron Rifkin, Zach Braff (sein erster Spielfilm), Frank Pellegrino (dito, später war er bei den „Sopranos“)
Bad Lieutenant (Bad Lieutenant: Port of Call – New Orleans, USA 2009)
Regie: Werner Herzog
Drehbuch: William Finkelstein (nach dem Drehbuch von Victor Argo, Paul Calderon, Zoë Lund und Abel Ferrara)
Werner Herzogs Comeback. Jedenfalls in Deutschland. Denn hier verschwand er nach seinen großen Erfolgen in den Siebzigern (Aguirre, der Zorn Gottes; Jeder für sich und Gott gegen alle; Herz aus Glas; Stroszek; Nosferatu; Woyzek) und frühen Achtzigern (Fitzcarraldo; Wo die grünen Ameisen träumen; Cobra Verde [sein Abschied vom Kino]) von der Bildfläche und man hörte nur noch, dass er jetzt vor allem Dokumentarfilme mache. Einige liefen auch auf den üblichen weltabgewandten Plätzen im TV.
Aber in den USA wurde er zu dem Mann. Einem der wenigen Deutschen, die auch in Hollywood anerkannt sind und er wurde sogar in die Parodie „If Filmmakers directed the Super Bowl“ aufgenommen. Neben den Dokus drehte er auch einige Spielfilme, die bei uns – falls überhaupt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit liefen.
Doch jetzt, mit dem Remake eines Genrefilms und mit der Präsidentschaft der Berlinale-Jury (was auch zu vielen Interviews führte [es half sicher, dass die Interviews auf Deutsch geführt werden konnten und er auch seinen neuen Film irgendwie promotete]) kehrt er zurück in die deutschen Kinosäle.
Die Story, für alle die Abel Ferraras grandiosen „Bad Lieutenant“ (mit Harvey Keitel) nicht kennen: Nach dem Hurrikan Katrina muss ein drogensüchtiger Cop den Mord an einer schwarzen Familie aufklären.
Mit Nicholas Cage, Val Kilmer, Eva Mendes, Xzibit, Vondie Curtis Hall, Brad Dourif
LV: Dennis Lehane: Shutter Island, 2003 (Shutter Island)
Shutter Island, 1954: U. S. Marshall Teddy Daniels und sein neuer Partner Chuck Aule sollen auf Shutter Island herausfinden, wie die Mehrfachmörderin und Patientin Rachel Solando aus dem streng abgesicherten Hospital entkommen konnte. Schnell ist Daniels einer größeren Verschwörung auf der Spur. Aber kann er seinen Sinnen noch trauen?
Und was kann bei dem Team Scorsese/DiCaprio schon schief gehen? Vor allem wenn sie als Spielmaterial einen spannenden Thriller von Dennis Lehane haben.
Mit Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Mark Ruffalo, Max von Sydow, Michelle Williams, Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Jackie Earle Haley, Ted Levine, John Carroll Lynch, Elias Koteas
Es hat einige Tage gedauert, aber weil ich zu den altmodischen Menschen gehöre, die ihre Jahrescharts nicht als Verkaufsempfehlung für das Weihnachtsgeschäft im Oktober/November erstellen, sondern erst nach dem Weihnachtstrubel und Alfred mal wieder einen verdammt guten Job bei der Suche nach den richtigen Bildern gemacht hat, sind meine „Tops und Flops 2009“ erst jetzt in der Spurensuche.
Dafür kann ich jetzt sagen, dass ich einige potentielle Preisträger dabei habe.
Die Liste taugt natürlich auch als Einkaufsliste für Ostern.
The Minus Man – Der nette Mörder von nebenan (USA 1999, R.: Hampton Fancher)
Drehbuch: Hampton Fancher
LV: Lew McCreary: The Minus Man, 1991 (Der Schrecken des letzten Lächelns; The Minus Man)
Der neue Nachbar Vann hat ein Geheimnis. Er ist ein Serienkiller. Als er sich in Ferrin verliebt, hat er die Chance auf ein neues Leben – oder sein nächstes Opfer.
Langsam erzähltes Regiedebüt von Blade-Runner-Drehbuchautor Hampton Fancher mit einem überraschendem Ende.
„Aus dem Widerspruch zwischen Kleinstadtidylle und dem leisen Grauen zieht der Film seine Spannung. Der Serienkiller ist nun auch im letzten heimeligen Ort angekommen.“ (Martin Schwarz, Zitty 20/2000)
Mit Owen Wilson, Brian Cox, Mercedes Ruehl, Janeane Garofalo, Dwight Yoakam, Dennis Haysbert, Sheryl Crow, Lew McCreary (Cameo als Mann Wendy’s Place Diner)
Urban Priol und Georg Schramm begrüßen in der heutigen Ausgabe ihrer Satiresendung Josef Hader, Jochen Malmsheimer und Volker Pispers. Es dürfte also ziemlich schwarzhumorig werden.
Die Tage ist die Taschenbuch-Ausgabe von Georg Schramms „Lassen Sie es mich so sagen… – Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit“ (Heyne, 8,95 Euro) erschienen. Eine höchst vergnügliche, vom Meister selbst liebevoll kommentierte Sammlung seiner schönsten Auftritte von den Anfängen (zum Beispiel als katholischer Hassprediger auf dem Ostermarsch) bis zur Gegenwart.
JAMES BOND: Moonraker – Streng geheim (GB 1979, R.: Lewis Gilbert)
Drehbuch: Christopher Wood
LV: Ian Fleming: Moonraker, 1955 (Mondblitz)
Buch zum Film: Christopher Wood: James Bond and Moonraker, 1979 (Moonraker – Streng geheim)
Der stinkreiche Hugo Drax hält wenig von seinen Mitmenschen. Deshalb will er sie umbringen und mit einigen Auserwählten einen neuen Start machen. James Bond macht ihm einen Strich durch die Rechnung.
Natürlich hat der Film mit dem Buch eigentlich nichts mehr gemeinsam und das Ende – im Orbit – ist – auch heute – reinste Zukunftsmusik. Aber die bekannten Bond-Elemente wurden locker-flockig über den Globus verteilt. Das Ergebnis ist eine vergnügliche Mischung aus Action, leichtbekleideten Frauen, Witzen und einem glänzend aufgelegten Roger Moore. „Moonraker“ ist einer der guten Moore-Bonds.
Mit Roger Moore, Lois Chiles, Michael Lonsdale, Richard Kiel, Corinne Clery
Kalter Krieg, Kuba, Castro, CIA, KGB und die Frage: Wer ist der Verräter?
Schwacher Agententhriller von Hitchcock.
Im Anschluss läuft, im Rahmen des Arte-Themenabends „Spione im Kalten Krieg“, die Doku „War Games“ (P/F 2009, R.: Dariusz Jablonski) über den polnischen Armeeoberst und Überläufer Ryszard Kuklinksi, der die Welt vor einem Atomkrieg bewahrt haben soll.
Mit Frederick Stafford, Karin Dor, Michel Piccoli, Philippe Noiret
Los Angeles, 1937: Evelyn Mulwray beauftragt Privatdetektiv Jake Gittes, das Verschwinden ihres Mannes, dem Chef der Wasserwerke, aufzuklären. Schnell gerät der kleine Detektiv in ein Komplott, das er nie ganz durchschaut.
Sozusagen die Essenz der Schwarzen Serie. Georg Seeßlen hält „Chinatown“ für den definitiven private eye-Film der siebziger Jahre.
Mit Jack Nicholson, Faye Dunaway, John Huston, Perry Lopez, John Hillerman, Diane Ladd, Roman Polanski, Bruce Glover, James Hong, Burt Young,
LV: Charles Willeford: Miami Blues, 1984 (Miami Blues)
Als erstes bringt Junior in Miami einen bettelnden Krishna um. Dann beginnt er mit seinem Brotjob: Überfälle. Als ihm Sgt. Hoke Moseley zu nahe kommt, raubt er ihn aus (Dienstpistole, Ausweis, Gebiss). Und das nimmt Moseley wirklich persönlich.
Willefords Hoke-Moseley-Krimis sind eine bitterböse, urkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Traum. Armitages Adaption bebildert in weiten Teilen nur Willefords Buch. Trotzdem: „Hervorragend gespielte Kriminalgroteske, die sich nach und nach als böse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum entpuppt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Mit Fred Ward, Alec Baldwin, Jennifer Jason Leigh, Charles Napier
LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)
Ein finanziell klammer Autor (Gibt es andere?) soll die Biographie eines Politikers schreiben. Allerdings hat der Politiker Dreck am Stecken und der Autor will die Wahrheit aufschreiben.
Politthriller, der auf der Berlinale seine Premiere erlebte, weitgehend positiv aufgenommen wurde und jetzt im Kino startet.
mit Ewan McGregor, Piere Brosnan, Kim Cattrall, James Belushi, Olivia Williams, Timothy Hutton, Tom Wilkinson, Eli Wallach