DVD-Kritik: Sympathische East-End-Gauner

März 21, 2010

London, East End, Arbeiterviertel mit hoher Kriminalitätsrate, in der Wirklichkeit gefürchtet und in der Popkultur als Reservoir für Gangstermythen geliebt. Mythen, die ihren Ursprung in den Taten von Jack the Ripper und denen der Kray-Brüder haben. Auch die von Nicola Collins inszenierte Doku „The End – Confessions of a real gangster“ führt diesen Mythos fort und, als Tochter des Verbrechers Les Falco, der auch vor die Kamera tritt, hatte sie einen privilegierten Zugang zu diesem Milieu.

In der vor allem aus sprechenden Köpfen montierten Doku erzählen er und einige seiner Freunde von ihrem Leben als Verbrecher. Aber als „Gangster“ sehen sie sich nicht. So wollen sie nicht genannt werden. Denn Gangster seien böse und ehrlos. Der Gangster werde in der Öffentlichkeit glamourisiert. Das sei nicht die Wirklichkeit.

Sie, so sagen die East-End-Gauner, hatten und haben einen Ehrenkodex und sie haben immer gearbeitet.

Nach diesem Auftakt, der wieder einmal zeigt, dass jeder sich selbst als guten Menschen sieht, blickt der Film genauer in eine archaische Gesellschaft, in der der Zusammenhalt viel und die staatliche Macht wenig zählt. Aufgrund des Alters einiger Interviewpartner entsteht auch eine Chronik des East End von den Nachkriegsjahren bis zur Gegenwart. Einen großen Teil der Erzählungen nimmt dabei das Boxen und die nicht lizensierten Wettkämpfe ein. Die Interviewten erzählen von den Zwillingen Ronnie und Reggie Kray und betonen die guten Seiten der Brüder. Sie erzählen auch von ihren Verbrechen; – jedenfalls soweit sie dafür verurteilt wurden. Les Falco meint, dass neun von zehn East Ender wenigstens zeitweise in irgendwelche Gaunereien verstrickt waren.

Gedreht wurden die Interviews in Schwarzweiß. So entsteht zwischen den aktuellen Interviews und historischen Dokumenten, wie Filmschnipsel, Bilder und Zeitungen, kein Bruch. Außerdem verleiht die atmosphärische SW-Fotografie und das Fehlen moderner Gegenstände den Porträts etwas zeitloses.

Störend sind aber die immer wieder bewusst verschmutzen und ruckelige Bilder und auch mal ein Schwarzbild. So soll der Eindruck von einem historischen Dokument, das man nach Jahrzehnten aus einem Archiv gezogen hat, entstehen. Aber meistens nervt es einfach nur und lenkt von den, ohne einen erklärenden Kommentar, pointiert montierten sprechenden Köpfen ab. Collins gelingt es durch ihre Montage die vielen Gemeinsamkeiten und die wenigen Unterschiede in der Lebenseinstellung ihrer Interviewpartner zu zeigen. Dass sie ihr Geld mal als Boxer, mal als Boxpromoter, mal als Verhandler, mal als Geldeintreiber, mal als Dieb und Räuber verdienten ist eher nebensächlich. Man tat eben, was seinen Talenten entsprach und womit man, mehr oder weniger illegal, Geld verdienen konnte.

Ein Nachteil dieser Methode ist, dass man sich die Hintergründe mühsam zusammenreimen muss und die Selbstdarstellung allzu leicht als wahre Sicht der Ereignisse übernimmt.

Denn letztendlich kommen sie als durchaus sympathische alte Knochen rüber. Arbeiterjungs eben.

The End – Confessions of a real gangster (The End, GB 2008)

Regie: Nicola Collins

Drehbuch: Nicola Collins

mit Les Falco, Victor Dark, Mickey Goldtooth, Danny Woollard, Roy Shaw, Jimmy Tibbs, Michael Gonella, Matt Attrell, Bobby Reading, Mickey Taheny, Alan Mortlock, Charlie Magri, Jimmy Murphy

DVD

Sunfilm

Bild: 16:9 (1:1,85)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Laufzeit: 78 Minuten

Extras: Audiokommentar, Trailer

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

BBC: Interview mit Nicola und Teena Collins (30. April 2009)

Besprechung im Guardian (25. April 2009)


TV-Tipp für den 21. März: Volker Pispers und Gäste

März 21, 2010

3sat, 20.15

Volker Pispers und Gäste

Und nochmal Kabarett. Dieses Mal mit Volker Pispers, Ulan & Bator, Matthias Reuter und Michl Müller.

Im Anschluss gibt es „Neues aus der Anstalt“.


TV-Tipp für den 20. März: Gorky Park

März 20, 2010

RBB, 23.45

Gorky Park (USA 1983, R.: Michael Apted)

Drehbuch: Dennis Potter

LV: Martin Cruz Smith: Gorky-Park, 1981 (Gorki Park)

Im Moskauer Gorki Park werden drei verstümmelte Leichen gefunden. Inspektor Renko kommt bei seinen Ermittlungen einer Staatsaffäre auf die Spur.

Martin Cruz Smith schuf mit dem sowjetischen Ermittler Arkadi Renko eine enorm erfolgreiche Serienfigur. Für „Gorky-Park“ erhielt er den Gold Dagger.

Die Verfilmung missfiel der damaligen Filmkritik: „voller naiver Klischees, in der Charakterzeichnung oberflächlich, ohne Stimmung und Atmosphäre. Auch als Genre-Film spröde und spannungslos.“ (Lexikon des internationalen Films). Oder „Nun sind Klischees…nichts schlimmes, wenn nur alles andere stimmt: eine komplexe, nachvollziehbare Story, spannende Atmosphäre, interessante Charaktere und physische Aktion. Das alles aber hat Gorky Park in zu geringem Maße.“ (Fischer Film Almanach 1985).

Wie so oft wurde aus einem guten Buch ein mittelmäßiger Film.

Dennis Potters Drehbuch erhielt den Edgar.

Mit William Hurt, Lee Marvin, Brian Dennehy, Joanna Pacula, Ian Bannen

Hinweis

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Stalins Geist“ (Stalin’s Ghost, 2007)


TV-Tipp für den 19. März: Bruno Jonas: Bis hierher und weiter

März 19, 2010

BR, 22.30

Bruno Jonas: Bis hierher und weiter

Beim durch den „Satire Gipfel“ ersetzen „Scheibenwischer“ ist Bruno Jonas ausgestiegen. Aber auf den Brettern, die die Welt bedeuten, präsentiert er sein neues Soloprogramm „Bis hierher und weiter“. In den Programm spielt er den Unternehmensberater Hubert Unwirsch, der sich dank Wirtschaftskrise und Wunschkoalition vor Aufträgen nicht retten kann. Auch wenn er im Moment ein Problem hat.


TV-Tipp für den 18. März: 3satbuchzeit

März 18, 2010

3sat, 21.00

3satbuchzeit

Eine Stunde lang gibt’s Infos von der Leipziger Buchmesse über die Eröffnung, Preisverleihungen, neue Bücher (ich befürchte mit einem viel zu geringem Krimianteil) und natürliche auch Gespräche mit den Autoren. Außerdem werden alle Gespräche am 3sat-Stand für die Mediathek aufgezeichnet.


Quentin Tarantinos „My Best Friend’s Birthday“

März 17, 2010

Vor allem für die Menschen, die sich wirklich alles von Quentin Tarantino ansehen müssen, ist „My Best Friend’s Birthday“; ein unvollendetes Werk, das er von 1985 bis 1987 mit seinen Kollegen von Video Archives für lau drehte. Als im Labor die letzten beiden Akte zerstört wurden, beerdigte man das Projekt. Tarantino verwandte einige Ideen aus dem Film für seine späteren Drehbücher und Filme.

My Best Friend’s Birthday“, gedreht auf 16mm in Schwarzweiß, sollte eine Screwball-Comedy werden. Die Story: ein Mann verliert einen Tag vor seinem dreißigsten Geburtstag seinen Job und seine Freundin. Sein bester Freund versucht ihn aufzuheitern.

Tarantino plante den Film nicht als Regiedebüt, sondern als schauspielerische Talentprobe. Aber später nannten sie das unvollendete Werk ihre Filmschule.

Tarantinos allererste Regiearbeit „Lovebirds in Bondage“ (USA 1983) existiert nicht mehr. Die wenigen gedrehten Szenen wurden zerstört.

So, und jetzt: Vorhang auf für „My Best Friend’s Birthday“

(via Die fünf Filmfreunde)


TV-Tipp für den 17. März: Verzockt, verloren, verstaatlicht…

März 17, 2010

ZDF, 00.35

Verzockt, verloren, verstaatlicht… – Was kostet die Hypo Real Estate? (D 2010, R.: Karl Hinterleitner, Michael Haselrieder)

Drehbuch: Karl Hinterleitner, Michael Haselrieder

Weit nach Mitternacht gibt’s die Premiere einer halbstündigen Doku über die Pleite der Hypo Real Estate. Erstmals äußern sich auch Mitarbeiter der Bank zu den Ereignissen und den überhörten Warnungen.

Wenn vor der Doku nicht eine weitere Johannes-Mario-Simmel-Verfilmung (Brauchen wir wirklich Updates von gut fünfzig Jahre alten Schmökern?), „Abenteuer Wissen“ über den Kölner Dom (Aktuell?), das „auslandsjournal“ (keine Einwände) und „Markus Lanz“ (kein Kommentar) kämen, würde ich sagen: Gute Anlage der Gebührengelder.

Daher: Morgen in der Mediathek nachsehen, ob der „Tipp“ (ZDF-Homepage) dort jederzeit angesehen werden kann.


TV-Tipp für den 16. März: Sterben für Afghanistan

März 16, 2010

ZDF, 21.00

Sterben für Afghanistan (D 2010, R.: Stefan Aust, Claus Richter)

Drehbuch: Stefan Aust, Claus Richter

45-minütige Doku, die anscheinend weniger die Frage, warum wir Soldaten nach Afghanistan schicken, sondern mehr die Frage, was in Kundus geschah und wer in Berlin wann was wusste, beantwortet.

Dürfte in jedem Fall informativer als die nächste Talkrunde zum Thema sein.

Wiederholung: Mittwoch, 17. März, 03.30 Uhr (VPS 04.05 Uhr, Taggenau!)

Hinweis

ZDF über „Sterben für Afghanistan“


TV-Tipp für den 15. März: Die Wahrheit

März 15, 2010

Arte, 20.15

Die Wahrheit (F/I 1960, R.: Henri-Georges Clouzot)

Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Véra Clouzot, Simone Drieu, Jérôme Géronimi, Michèle Perrein, Christiane Rochefort

Dominique Marceau ist angeklagt ihren Liebhaber, einen Musikstudenten, ermordet zu haben. Der Staatsanwalt will sie vor allem wegen ihres unmoralischen Lebenswandels ins Gefängnis schicken. Ihr Verteidiger versucht dagegen das Bild einer lebenshungrigen jungen Frau zu zeichnen.

Mit diesem selten gezeigten Werk beginnt Arte eine kleine Henri-Georges-Clouzot-Reihe. Seine weitaus bekannteren Krimis „Lohn der Angst“ und „Die Teuflischen“ folgen an den kommenden Montagen.

In „Die Wahrheit“ benutzt Clouzot den Gerichtssaal, um über die damalige Moral zu urteilen. Brigitte Bardot überzeugte hier auch als Schauspielerin. Der Film war für einen Oscar nominiert und erhielt einen Golden Globe (natürlich in der Kategorie „Bester ausländischer Film“). Clouzot erhielt beim Mar del Plata Film Festival den Preis als bester Regisseur.

Ein intensiv gestalteter, schauspielerisch eindrucksvoller Film, der freilich bei der Aufdeckung der psychologisch-geistigen Ursachen für gesellschaftliche und individuelle Verirrungen auf eine eigene Grundhaltung verzichtet.“ (Lexikon des internationalen Films)

Clouzots Film ist eine Anklage gegen ein Justizsystem, in dem der Bourgeoisie entstammende, zumeist ältere Richter über Fälle zu entscheiden hatten, zu deren Umfeld und sozialen Ursprüngen sie keinerlei Bezug hatten. (…) Der Film (…) war ein Riesenerfolg.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

mit Brigitte Bardot, Charles Vanel, Marie-José Nat, Sami Frey, Louis Seigner, Claude Berri

Wiederholungen

Freitag 19. März, 14.45 Uhr

Dienstag 23. März, 14.45 Uhr (und das bei einem Film, der FSK-18 ist)

Hinweise

Arte über die Henri-Georges-Clouzot-Reihe

Wikipedia über Henri-Georges Clouzot (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. März: Columbo: Bluthochzeit

März 14, 2010

SRTL, 22.15

Columbo: Bluthochzeit (USA 1992, R.: Alan J. Levi)

Drehbuch: Robert Van Scoyck

LV: Ed McBain: So Long As You Both Shall Live, 1976 (So lang ihr zwei noch lebt)

Ein persönlicher Fall für Columbo: Ein Irrer hat die Braut seines Neffen gekidnappt.

Ein Columbo, der sich nicht an die Columbo-Formel hält. Aber wer hätte das bei einer Ed McBain-Story erwartet?

Bluthochzeit“ ist einer der besten neuen Columbo-Fälle; jedenfalls wenn man auch einmal auf die Columbo-Formel verzichten kann: ein ungewöhnlicher Fall (kein Mord, sondern ein Kidnapping ohne Lösegeldforderung), bei dem die normale Polizeiarbeit im Vordergrund steht (es wird öfters gezeigt, wie frustrierend langwierig das Beschaffen von Informationen ist), es fast keine Columbo-Maniriesmen gibt (und die verbleibenden sind eher zufällig) und die Geschichte ungewohnt straff erzählt (ein Manko der neuen Columbos ist, dass sie alle altmodischer als die klassischen Columbos wirken) wird. „Bluthochzeit“ ist ein Columbo, der auch Columbo-Hassern gefallen könnte.

Oh, es ist auch einer der ganze wenigen Fälle, in denen Columbo eine Pistole trägt.

Mit Peter Falk, Joanna Going, Daniel Davis, Thomas Calabro, Dan Butler, Doug Savant, Daniel McDonald, Donald Moffat

Hinweise

Mehr über Ed McBains Columbo-Filme

Homepage von Ed McBain

Meine Besprechung des von Ed McBain herausgegebenen Buches „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2006)

Meine Besprechung von Ed McBains “Die Gosse und das Grab” (The Gutter and the Grave, 2005, Erstausgabe: Curt Cannon: I’m Cannon – For Hire, 1958)


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

März 13, 2010

Die Antwort auf die weltbewegende Frage, welche Krimiverfilmungen die kommenden vierzehn Tage im Fernsehen laufen,gibt es, mit vielen schönen Bildern, bei den Alligatorpapieren. Hier, wie gewohnt, nur ein kleiner Überblick:

Wer nicht gerade ein Wallander- oder Fan britischer TV-Krimis ist, wird die kommenden Tage auf Diät gesetzt. Aber Martin Ritts schon länger nicht mehr gezeigte John-le-Carré-Verfilmung „Der Spion, der aus der Kälte kam“, Michael Apteds zweimal gezeigte Martin-Cruz-Smith-Verfilmung „Gorky Park“ (als Einstimmung zur Veröffentlichung seines neuen Romans „Die goldene Meile“), Sidney Lumets Reginald-Rose-Verfilmung „Die zwölf Geschworenen“, Georges Lautners Raf-Vallet-Verfilmung „Der Fall Serrano“, Henri-Georges Clouzots Georges-Arnaud-Verfilmung „Lohn der Angst“ und zweimal Sam Peckinpah („Die Killer-Elite“ und „Sacramento“) trösten darüber hinweg.


TV-Tipp für den 13. März: Der Spion, der aus der Kälte kam

März 13, 2010

BR, 20.15

Der Spion, der aus der Kälte kam (GB 1965, R.: Martin Ritt)

Drehbuch: Paul Dehn, Guy Trosper

LV: John le Carré: The spy who came in from the cold, 1963 (Der Spion, der aus der Kälte kam)

Der britische Geheimdienstler Leamas wechselt zum Schein die Seiten – und gerät in Teufels Küche.

Realistischer, kritischer, kalter Agententhriller über die Suche nach Doppelagenten und Überläufern. Mit le Carrés Buch (ein Welterfolg) und der gelungenen Verfilmung wandelte sich das heroische Bild des Spions zu eines sehr gewöhnlichem. Denn überall sind Spione „eine schmutzige Prozession von hohlen Narren und Verrätern. Ja, auch von Schwulen, Sadisten und Trinkern, von Leuten, die Räuber und Gendarm spielen, im ihrem erbärmlichen Leben etwas Reiz zu geben.“ (John le Carré: Der Spion, der aus der Kälte kam).

Mit Richard Burton, Oskar Werner, Claire Bloom, Peter van Eyck, Rupert Davies, Sam Wanamaker, Cyril Cusack, Bernard Lee

Wiederholung: Sonntag, 14. März, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (deutsch, englisch)

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés „Marionetten“ (A most wanted man, 2008)


Neu im Kino: Auftrag Rache; Jerry Cotton; Ein Prophet

März 12, 2010

Auftrag Rache (Edge of Darkness, USA 2009)

Regie: Martin Campbell

Drehbuch: William Monahan, Andrew Bovell (nach dem Drehbuch von Troy Kennedy Martin)

Vor der Haustür des Polizisten Thomas Craven erschießen unbekannte seine Tochter. Craven glaubt, dass der Anschlag ihm gegolten hat. Er beginnt ihren Mörder zu jagen.

Nachdem er in den vergangenen Jahren vor allem als Regisseur und wegen anderer Dinge von sich reden machte (Hey, wir haben doch alle kopfschüttelnd die Meldungen auf den Bunten Seiten gelesen.), übernahm Mel Gibson für diesen leicht noirischen Politthriller endlich wieder einmal die Hauptrolle und es wurde eine veritable Soloshow.

Auftrag Rache“ ist das Remake der hochgelobten, sechstündigen BBC-Serie „Am Rande der Finsternis“ (Edge of Darkness) von 1985, die ebenfalls von Campbell inszeniert wurde.

Weil die BBC-Serie seit Ewigkeiten nicht mehr im TV lief, könnten die TV-Planer sie doch jetzt mal wieder zeigen. Denn alle, die damals den „Meilenstein der Fernsehgeschichte“ (Martin Compart in „Crime TV“) gesehen haben, schwärmen von ihr. Uh, eine deutschsprachige DVD-Veröffentlichung wäre auch okay.

mit Mel Gibson, Ray Winstone, Danny Huston, Bojana Novakovic, Shawn Roberts, Frank Grillo

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Auftrag Rache“

Drehbuch „Edge of Darkness“ von William Monahan und Andrew Bovell

Jerry Cotton (D 2010)

Regie: Cyrill Boss, Philipp Stennert

Drehbuch: Philipp Stennert, Cyrill Boss, Andreas Gaw (Gag Overwrite), Katrin Fröhlich (Dubbing Dialogue)

FBI-Agent Jerry Cotton und sein neuer Partner Phil Decker wollen herausfinden, wer den Unterweltkönig Sammy Serrano umgebracht hat.

Irgendwann hat sicher jeder Krimifan auch mal ein Jerry-Cotton-Abenteuer gelesen. Immerhin ermittelt der saubere FBI-Agent schon seit 1954 in New York. In den Sechzigern gab es auch acht Jerry-Cotton-Filme, die immer wieder nach Mitternacht im Fernsehen laufen und vor allem Trash-Fans ansprechen.

Der neue Jerry-Cotton-Film protzt dagegen schon im Trailer mit einem deutlich höheren Budget (obwohl er, wie die klassischen Cotton-Filme, in Deutschland gedreht wurde) und einer enormen Stardichte.

Verantwortlich für „Jerry Cotton“ ist Produzent Christian Becker und damit die Clique, die uns bereits die Edgar-Wallace-Parodien „Der Wixxer“ und „Neues vom Wixxer“, die Pro7-Märchenstunde und die Pro7-Funny-Movies bescherte. Das dürfte die Erwartungen doch eindeutig genug definieren.

Einzig ein gutes Drehbuch fehlt.“ (Michael Kohler, Berliner Zeitung, 11. März 2010)

Stil hat das nicht, dafür hätte man das Triviale nämlich ernst nehmen müssen.“ (Lars Penning, tip 6/2010)

Das nächste Projekt von Beckers Rat Pack Filmproduktion ist – Warum sollte an einer Erfolgsformel etwas geändert werden? – eine Wiederbelebung der trashigen „Dr. Mabuse“-Filme aus den Sechzigern, die nichts mit den legendären Fritz-Lang-Filmen und dem von Norbert Jacques erfundenen Charakter zu tun haben.

mit Christian Tramitz, Christian Ulmen, Monica Cruz, Christiane Paul, Heino Ferch, Moritz Bleibreu, Jürgen Tarrach, Herbert Knaupp, Janke Rieke, Günther Kaufmann, Frank Giering, Oliver Kalkofe, Bastian Pastewka, Oliver Welke, Christoph Maria Herbst

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Jerry Cotton“

Ein Prophet (Un Prophète, F/I 2009)

Regie: Jacques Audiard

Drehbuch: Jacques Audiard, Thomas Bidegain

Ein Bildungsroman der anderen Art: der 19-jährige Malik kommt in den Knast und lernt dort alles, was er für das Leben braucht. Dummerweise macht ihn nichts davon zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft.

In Cannes erhielt „Ein Prophet“ den Großen Preis der Jury, bei den Cesars und den Étoiles d’Or (dem Preis der französischen Filmjournalisten) räumte er ab, die Kritiker feiern den Film ab, Knackis (von denen etliche bei der Produktion beteiligt waren) loben die Authenzität des Films, es wurde über den Zustand und die Lebensbedingungen in den Knästen diskutiert und über 1,5 Millionen Franzosen lösten ein Kinoticket.

mit Tahra Rahim, Nils Arestrup, Adel Bencherif, Reda Kateb

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Ein Prophet“


TV-Tipp für den 12. März: Land des Sonnenscheins

März 12, 2010

ZDFneo, 20.15

Land des Sonnenscheins (USA 2002, R.: John Sayles)

Drehbuch: John Sayles

Anhand von drei Familien reflektiert Sayles die Veränderungen in einem Küstenort in Florida und wie die heile Welt von einer Investmentgesellschaft, die aus dem Ort ein Ferienparadies machen will, bedroht wird.

John Sayles ist ein begehrter Script-Doktor in Hollywood und eine der Ikonen des amerikanischen Independent-Cinema. „Matewan“, „City of Hope“, „Passion Fish“, „Lone Star“ und „Limbo“, um nur einige zu nennen, sind vielschichtige Filme, die persönliche Themen, gut besetzt, in Geschichten für ein denkendes Publikum umsetzen. „Sunshine State“ (so der Originaltitel von „Land des Sonnenscheins“) erlebte bei uns seine Premiere auf DVD. Seine anderen in den vergangenen zehn Jahren gedrehten Filme kamen, falls überhaupt, nur noch mit jahrelanger Verspätung und sehr wenigen Kopien in unsere Kinosäle. Schade, denn Sayles erzählt sehr unterhaltsam und kluge Geschichten für ein erwachsenes Publikum.

Land des Sonnenscheins“ Film erhielt mehrere Preise, unter anderem den Golden Orange Award mit der Begründung: „For his witty satire that insightfully examines Florida’s historic past, expanding present and uncertain future.“

Bei Rotten Tomatoes erhält „Land des Sonnenscheins“ einen beachtlichen Frischegrad von achtzig Prozent.

Ein anspielungsreicher, von subtilem Humor und Poesie geprägter Ensemblefilm über äußere Hitze und die Kälte im Innern sowie die Schwierigkeit, den ‚amerikanischen Traum‘ zu leben.“ (Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2004)

Die andere Meinung: „schläfrige Sozialdrama“ (Lothar R. Just: Film-Jahrbuch 2005)

mit Edie Falco, Angela Bassett, Timothy Hutton, Alex Lewis, Mary Steenburgen, Miguel Ferrer, Gordon Clapp, James McDaniel, Ralph Waite, Jane Alexander, Tom Wright

Hinweise

Homepage von John Sayles

Wired for Books: Don Swain unterhält sich mit John Sayles (1. Juni 1991)

Senses of Cinema: Richard Armstrong über John Sayles (Februar 2004)

Homepage zum Film

Wikipedia über „Land des Sonnenscheins“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 11. März: Der Mann ohne Vergangenheit

März 11, 2010

3sat, 22.25

Der Mann ohne Vergangenheit (Fin/D/F 2002, R.: Aki Kaurismäki)

Drehbuch: Aki Kaurismäki

Kaurismäki erzählt in seinem typischen knappen Stil von einem Mann, der sein Gedächtnis verliert und bei den armen, am Hafen von Helsinki lebenden Menschen ein neues Leben beginnt.

Ein feiner Film und mit etwas über neunzig Minuten für Kaurismäki-Verhältnis ein überlanges Epos.

Ich erzähle eine Art Märchen mit Happy End. Das suchen wir doch alle im richtigen Leben – vergebens. Es reicht ja, wenn ich selbst in Hoffnungslosigkeit ersaufe. Dabei träume ich in einem Winkel meines Herzens, dass jeder glücklich sein sollte – eine Illusion.“ (Aki Kaurismäki in einem Interview in der AZ, 14. September 2002)

eine der bewegendsten Kino-Liebesgeschichten der letzten Jahre“, sagt Jan Schulz-Ojala in Eue/Söffkers Sammelband „Aki Kaurismäki“ über den zweiten Teil von Kaurismäkis Verlierer-Trilogie. Teil eins war „Wolken ziehen vorüber“, Teil drei „Lichter der Vorstadt“.

mit Markku Peltola, Kati Outinen, Annikki Tähti, Juhani Niemelä

Hinweise

Wikipedia über „Der Mann ohne Vergangenheit“ (deutsch, englisch)

3sat über „Der Mann ohne Vergangenheit“

Deutsche Homepage von Aki Kaurismäki (Pandora Filmverleih)

Meine Besprechung von Ralph Eue/Linda Söffkers (Hrsg.) „Aki Kaurismäki“ (2006)


TV-Tipp für den 10. März: Die fabelhaften Baker Boys

März 10, 2010

Herzlichen Glückwunsch zum Oscar als bester Hauptdarsteller, Jeff Bridges!

Deshalb gibt es heute eine früheren Auftritt von ihm als Musiker:


RBB, 22.45

Die fabelhaften Baker Boys (USA 1989, R.: Steve Kloves)

Drehbuch: Steve Kloves

Die Brüder Jack und Frank Baker klimpern sich seit Jahrzehnten mit abnehmendem Erfolg durch Amerikas Hotelbars und Clubs. Jetzt wollen sie mit der Sängerin Susie Diamond ihre Auftritte aufregender gestalten. Allerdings wissen sie nicht, wie aufregend es mit ihr wird.

Sentimentales Musikerdrama mit geschmackvollem Jazz (Dave Grusin) und einer dazu passenden Kamera (Michael Ballhaus).

Dem Regiedebütanten Steve Kloves gelang mit seiner atmosphärischen Komödie, romantische Arrangements mit Versatzstücken des Film noir auf eine Weise zu verbinden, die sehr vertraut erscheint und die doch immer wieder neu ist in der Modernität ihrer Inszenierung.“ (Fischer Film Almanach 1991)

Damals dachten alle, dass Steve Kloves jetzt in Hollywood Karriere machen wird, aber in den Neunzigern folgte fast nichts und in den letzten zehn Jahren schrieb er die Drehbücher für die „Harry Potter“-Filme.

mit Jeff Bridges, Beau Bridges, Michelle Pfeiffer, Elli Raab, Xander Berkeley, Gregory Itzin, Jennifer Tilly

Hinweise

Wikipedia über „Die fabelhaften Baker Boys“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Jeff Bridges (deutsch, englisch)

Homepage von Jeff Bridges


TV-Tipp für den 9. März: Quarks & Co.

März 9, 2010

WDR, 21.00

Quarks & Co.

Heute geht’s, wir ahnen es bei den Fragen „Nackt, aber sicher? Wie viel Sicherheit verträgt die Demokratie?“, um den mit dem islamistischen Terrorismus begründeten Abbau von Freiheitsrechten. Ranga Yogeshwar überprüft Sicherheitstechnik, Psychologe Thomas Kliche erklärt wie Angst Handeln bestimmt und der Stadtsoziologe Andreij Holm erzählt, wie er vom Verfassungsschutz zum linksextremistischen Terroristen erklärten wurde.


TV-Tipp für den 8. März: Die sieben Samurai

März 8, 2010

Arte, 20.15

Die sieben Samurai (J 1954, R.: Akira Kurosawa)

Drehbuch: Shinobu Hashimoto, Hideo Oguni, Akira Kurosawa

Japan 1586: Weil Banditen immer wieder ihre Ernte stehlen, beschließen die Bauern eine Gruppe von Samurai zu bezahlen. Die Samurai sollen sie und ihre Ernte vor den Banditen beschützen.

Heute läuft die TV-Premiere der 2006 restaurierten Langfassung von Kurosawas Klassiker. Kurosawa erstellte für den japanischen Markt eine 203-minütige Fassung (das dürfte auch die heute Abend gezeigte Version sein) und für den internationalen Markt eine 160-minütige Version.

Diese internationale Version sah ich vor ungefähr fünfzehn Jahren im Kino und ich war sprachlos. Denn obwohl ich lange Filme nicht mag, verging die Zeit wie im Flug. Nichts wirkte veraltet. Die Kämpfe sind immer noch atemberaubend und unglaublich direkt inszeniert (Er nahm sie mit mehreren Kameras auf.). Die Betrachtungen über das Leben der armen Bauern, der Samurai und ihrem Ethos sind als prägnante Zeichnung unterschiedlicher Kulturen zeitlos. Das Ende ist bitter-ironisch. Die Kameraarbeit erstaunlich zeitgemäß. Immerhin reden wir hier von einem Film, der als ich ihn sah bereits vor über vierzig Jahren entstand.

Die sieben Samurai“ ist ein Klassiker, der kein Patina angesetzt hat und kraftvolles Kino.

‚Shichinin No Samurai‘ ist episches Kino in Vollendung, das heißt: es ist vor allem Erzählung.“ (Karsten Visarius in Akira Kurosawa, Hanser Reihe Film Band 41, 1988)

Doch wie kunstvoll Kurosawa die verschiedenen Bedeutungsebenen verknüpft, wie kongenial er im Vordergrund eine packende, mal tragische, mal komische Geschichte und dazu einen bitteren historisch-geschaftlichen Subtext entwickelt – das macht ‚Shichinin No Samurai‘ zu einem zeitlosen Meisterwerk.“ (Heinz-Jürgen Köhler in Bodo Traber/Hans J. Wulf, Hrsg.: Filmgenres – Abenteuerfilm, 2004)

Es wurden mehrere Remakes und Quasi-Remakes gedreht. Das bekannteste ist „Die glorreichen Sieben“ (The magnificent seven, USA 1960) von John Sturges.

Mit Takashi Shimura, Toshiro Mifune, Yoshio Inaba, Seiji Miyaguchi, Minoru Chiaki, Daisuke Kato, Ko Kimura

Hinweise

Wikipedia über „Die sieben Samurai“ (deutsch, englisch)

Arte über „Die sieben Samurai“


TV-Tipp für den 7. März: Oscar 2010

März 6, 2010

Pro 7, 02.00

Oscar 2010 – Die Academy Awards – live aus L. A.

Bereits ab 1.00 Uhr berichtet Pro 7 vom roten Teppich. Aber erst um 2.00 Uhr geht’s mit Alec Baldwin und Steve Martin richtig los.

Die Gewinner werden natürlich in der IMDB und auf der Oscar-Homepage (dort gibt’s auch viele weitere Informationen und Interviews) gemeldet.

Die „Avatar“-freien Spirit-Awards für unabhängige Filme (Homepage) sind bereits vergeben.

Die Razzies für ungewöhnlich schlechte Filme ebenfalls.


TV-Tipp für den 6. März: Blutrot

März 6, 2010

ARD, 23.45

Blutrot (USA 2008, R.: Lucky McKee, Trgve Allister Diesen)

Drehbuch: Stephen Susco

LV: Jack Ketchum: Red, 1995 (Blutrot)

Drei Jugendliche bringen den Hund von Avery Ludlow um. Ludlow will, dass die Jugendlichen ihr Unrecht einsehen. Dafür legt er sich mit dem neureichen Daddy von zwei der Jugendlichen.

Grandioses Drama, das hemmungslos Western-Topoi plündert, und ernsthaft Fragen über Verantwortung, Gerechtigkeit und Menschlichkeit behandelt.

Oder: der beste Clint-Eastwood-Film des Jahres ohne Clint Eastwood.

Mit Brian Cox, Noel Fisher, Tom Sizemore, Kyle Gallner, Shiloh Fernandez, Kim Dickens, Robert Englund, Amanda Plummer, Delaney Williams

Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Homepage zur Verfilmung

Meine Besprechung von „Red“ (DVD)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Beutegier” (Offspring, 1991)