Fast Food Nation (GB/USA 2006, R.: Richard Linklater)
Drehbuch: Eric Schlosser, Richard Linklater
LV: Eric Schlosser: Fast Food Nation: The Dark Side of the All-American Meal, 2001 (Fast Food Gesellschaft)
Als Marketingexperte Henderson erfährt, dass in einem von Mickey’s Burgern Kuhmist war, macht er sich auf nach Colorado, um dort die Schlachtfabrik zu inspizieren. Anschließend sind die anderen Abteilungen des Fast-Food-Konzerns an der Reihe.
Basierend auf Eric Schlossers Sachbuch liefert Linklater, mit vielen Gaststars, einen Rundumschlag gegen die amerikanische Esskultur.
„Weichgespülter Protest im Gewand eines publikumsnahen Mainstream-Films.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Greg Kinnear, Patricia Arquette. Luis Guzman, Kris Kristofferson, Bruce Willis, Ethan Hawke, Avril Lavigne
In angloamerikanischen Raum zerbrechen sich die Fans schon seit einigen Tagen den Kopf über den Mindfuck von Christopher Nolan, der in den vergangenen Jahren ja schon einige Blockbuster drehte, bei denen man sein Gehirn nicht an der Kasse abgeben musste.
Die Story? Hm, DiCaprio spielt ein Spion, der sich in die Gehirne von anderen Menschen einloggt. Jetzt soll er allerdings nicht etwas ausspionieren, sondern eine schädliche Idee in das Gehirn seines Opfers implantieren.
Die Kritiker sind begeistert. Die Zuschauer ebenso (In der IMDB ist „Inception“ der drittbeste Film aller Zeiten. Das verrät einiges über die IMDB-Benutzer). Die Kinobetreiber zählen strahlend die verkauften Eintrittskarten
mit Leonardo DiCaprio, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Ken Watanabe, Cillian Murphy, Tom Berenger, Marion Cotillard, Pete Postlethwaite, Michael Caine, Lukas Haas
Nolan Fans (umfangreiche Homepage, auch mit den Drehbüchern. „Inception“ soll demnächst online sein)
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Knight and Day (Knight and Day, USA 2010)
Regie: James Mangold
Drehbuch: Patrick O’Neill
Die diesjährige Variante von „Ein Vogel auf dem Drahtseil“ (Bird on a wire, USA 1990) Ist schon letzte Woche gestartet. Damals gab’s reichlich Action und Comedy mit Mel Gibson (damals ein richtig großer Star, heute…) und Goldie Hawn. Heute wird das gleiche Programm mit einer anderen Story mit Tom Cruise (supercooler Agent) und Cameron Diaz (superdumme Blondine) präsentiert. Natürlich ist die Action vier Nummern größer geraten und die Story spielt nicht mehr nur in Amerika.
mit Tom Cruise, Cameron Diaz, Maggie Grace, Peter Sarsgaard
Tödliche Entscheidung (USA 2007, R.: Sidney Lumet)
Drehbuch: Kelly Masterson
Andy, der für Drogen Geld aus der Firmenkasse nahm, kann seinen Bruder Hank überreden, das elterliche Juweliergeschäft zu überfallen. Der Überfall, auch weil die Mutter gar nicht daran denkt, irgendwelchen hergelaufenen, maskierten Verbrechern die Juwelen zu geben, geht schief – und dann bröckelt die heile Fassade der Familie verdammt schnell ab.
Mit seinem bislang letztem Film drehte Sidney Lumet, nach einigen schwächeren Werken, mit einer Familientragödie noch einmal so richtig voll auf. Er seziert, wieder einmal, die Kehrseite des amerikanischen Traums anhand. Dieses Mal am Beispiel einer ziemlich kaputten, weißen Mittelstandsfamilie.
Der Pitch war vielleicht: „Family Business“, aber ohne Lacher.
„Tödliche Entscheidung“ ist ein feiner Noir und, kein Wunder bei der Besetzung, großes Schauspielerkino.
mit Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Aleksa Palladino, Michael Shannon, Amy Ryan, Sarah Livingston, Brían F. O’Byrne, Rosemary Harris
Wiederholungen
Eins Festival, Samstag, 31. Juli, 22.00 Uhr
Eins Festival, Sonntag, 1. August, 01.25 Uhr (Taggenau!)
„The Stepfather“ ist ein kleiner, hundsgemeiner Thriller, der in den Achtzigern, als Ronald Reagan Präsident war, der Patriotismus fröhliche Urstände feierte und konservative Familienwerte mal wieder hochgehalten wurde, die Vorstellung von der heilen Familie gründlich entzaubert.
Die pubertierende Stephanie (Jill Schoelen) hat Probleme mit ihrem neuen Stiefvater. Irgendetwas, glaubt sie, stimmt nicht bei ihm. Dabei wird Jerry Blake (Terry O’Quinn, „Millenium“, „Lost“) von allen anderen geliebt und geachtet. Er ist neu in dem kleinen Ort in der Nähe von Seattle, hat aber als Makler innerhalb eines Jahres bereits einen großen Freundeskreis aufgebaut. Ihre Mutter Susan (Shelley Hack, „Drei Engel für Charlie“) liebt den fürsorglich-verständnisvollen Mann. Sie glaubt, dass ihre Tochter nur einige Zeit braucht, um über den Verlust ihres vor einem Jahr gestorbenen Vaters hinwegzukommen und den neuen Mann als ihren neuen Vater zu akzeptieren. Stephanie hat halt die normale Teenage Paranoia, die sich mit der Zeit erledigt. Und, zum Glück, ist Jerry Blake sooo verständnisvoll.
Drehbuchautor Donald E. Westlake verarbeitete in „The Stepfather“ Probleme und Gespräche, die er damals mit seiner Stieftochter hatte. Denn auch sie lehnte ihn, egal was er tat, ab.
Aber wir Zuschauer wissen bereits von der ersten Minute, dass Stephanie sich nicht irrt. Denn Jerry Blake hat seine vorherige Familie umgebracht.
Diese fünfminütige Einführung, die ohne einen einzigen Satz alles verrät, ist, wenn man die Geschichte nicht kennt, genial – und wenn man sie kennt, ist sie immer noch ein tolles, gern zitiertes Beispiel für effektives Geschichtenerzählen: Die Kamera bewegt sich langsam durch eine normale Vorortstraße auf ein zweistöckiges Haus zu. Jerry Blake steht im Badezimmer vor einem Spiegel. Er hat einige rote Spritzer auf seinem Holzfällerhemd und in seinem Gesicht. Wahrscheinlich Farbe von einer Renovierung. Er zieht sich aus, duscht sich, rasiert sich den Bart ab und zieht sich anschließend einen Anzug an. Man könnte meinen, er ist ein Handelsvertreter oder ein Banker, der sich nach einer langen Hausrenovierung, in dem er zum ‚Mann aus den Bergen‘ wurde, wieder auf seine Arbeit vorbereitet.
Er geht durch den Flur, hebt ein Plastikschiff auf und legt, ganz der liebevoll-ordentliche Vater, das Schiff im Kinderzimmer in eine mit Spielzeug randvoll gefüllte Truhe.
Er geht die Treppe hinunter. An der Wand sind einige Blutspritzer. Alles ist, bis auf die Filmmusik, ruhig.
Er geht durch den Eingangsbereich. Im Hintergrund ist das Esszimmer des traditionell geschnittenen Hauses zu sehen und überall liegen verstümmelte Leichen.
Hier hat ein Massaker stattgefunden und er ist der Täter, der jetzt den Tatort verlässt.
Er schließt die Haustür ab und geht eine ganz gewöhnliche Straße einer ganz gewöhnlichen US-amerikanischen Vorstadt hinunter, auf dem Weg zu seiner nächsten Traumfamilie.
In den folgenden knapp neunzig Minuten wird dann der Traum von der heilen Familie gründlich demontiert. Denn die Wirklichkeit kollidiert immer wieder mit Blakes Fantasie. Die Kinder achten den Vater nicht genug. Sie wollen einen Freund und, was noch schlimmer ist, wahrscheinlich vorehelichen Sex haben. Sie sind renitent und widerspenstig. Sie schnüffeln sogar in seiner Vergangenheit herum.
Zusätzliche Spannung erhält der Film durch die kluge Konstruktion, die sicher auch ein Hommage an Alfred Hitchcock und seinen Kleinstadt-Krimi „Im Schatten des Zweifels“ (Shadow of a Doubt, 1943) ist. Beide Filme sind verdächtig ähnlich aufgebaut. In beiden Filmen kommt das Böse von außen und beide Male muss eine junge Frau sich gegen den von allen geachteten Fremden (bei Hitchcock Joseph Cotten, der einen Frauenmörder spielt, bei Ruben Terry O’Quinn, der einen Familienmörder spielt) wehren. Und beide Male, was keine große Überraschung ist, muss sie am Ende den Bösewicht besiegen.
Aber bei Hitchcock wird Charlotte ‚Charlie‘ Newton (Teresa Wright) von ihrem Lieblingsonkel Charlie Oakley enttäuscht. Sie muss erkennen, dass ihr Bild von ihrem Onkel nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt.
Bei Westlake (denn Ruben hat als Regisseur doch ein eher unsortiertes Sortiment mit einem Hang zu Krimis) wird dagegen ein amerikanischer Mythos lustvoll zerstört. Gleichzeitig drehen die Macher in ihrem Drei-Personen-Stück „The Stepfather“ von der ersten Minute an unerbittlich an der Suspense-Schraube.
Zum Gelingen des Films trägt auch der Verzicht auf eine psychologische Erklärung für Jerry Blakes Taten, die auf dem wahren Fall von John List basieren, bei. Er ist, was er ist – und, wenn wir nicht von Anfang an wüssten, dass er ein Mörder ist, wäre er uns ganz sympathisch. Nur sein absolut nachvollziehbares Ziel, der unerfüllbare Traum von der perfekten Familie und seine ewige Suche danach (denn er hat in der Vergangenheit schon mehrere Familien ermordet), ist wichtig. Warum ihm das so wichtig ist, ist egal. Dadurch wirkt er noch dämonischer. Terry O’Quinn spielte ihn hübsch doppelbödig. Für sein Spiel war für den Saturn Award (der Academy of Science-Fiction, Fantasy and Horror Films) und den Independent Spirit Award als bester Darsteller nominiert.
Donald Westlakes Buch für den gut erhaltenen 80er-Jahre-Thriller, dessen Thema inzwischen wieder aktuell ist, war für einen Edgar nominiert.
2009 wurde ein Remake gedreht, das sich bis auf eine kleine, entscheidende Änderung an das Original hielt: aus Stephanie wurde ein Junge. Ein Soldat. Bei Rotten Tomatoes erhält das gleichnamige Remake von den Kritikern einen deprimierenden Frischegrad von elf Prozent. Mehr muss zu dem Remake wohl nicht gesagt werden. Vor allem wenn das wesentlich frischere Original erhältlich ist.
The Stepfather (The Stepfather, USA 1986)
Regie: Joseph Ruben
Drehbuch: Donald E. Westlake (nach einer Geschichte von Carolyn Lefcourt, Brian Garfield und Donald E. Westlake)
mit Terry O’Quinn, Shelly Hack, Jill Schoelen
auch bekannt als „Kill, Daddy, kill“ (Kinotitel) und „Spur in den Tod II“
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DVD
Epix
Bild: 1,78:1 (anamorph/16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Deutscher und Originaltrailer, Wendecover
Länge: 86 Minuten
FSK: ab 18 Jahre (Hm, eigentlich zu hoch. „Ab 16“ wäre angemessen)
Doku-Filmer Erroll Morris (The Thin Blue Line) interviewt Robert McNamara, Ex-US-Verteidigungsminister, Präsident der Weltbank und Lieblingsfeind der Linken.
Die Doku gewann unter einem einen Oscar als bester Dokumentarfilm.
„Ich komme aus der Studentenbewegung der 60er Jahre, und McNamara galt als unser absolutes Feindbild, als Architekt des Vietnamkrieges und Chefideologe. (…) Ich versuche ihn zu verstehen. Meine Ansicht über den Vietnamkrieg hat sich nicht geändert, aber meine Ansicht über McNamara.“ (Erroll Morris, AZ, 30. Juni 2004)
Let’s Make Money – machen wir Geld (Österreich 2008, R.: Erwin Wagenhofer)
Drehbuch: Erwin Wagenhofer
Spielfilmlange Doku über globale Finanzströme und was unsere Rente mit der Ausbeutung in Ghana und Indien und millionenteuren sinnlosen Hotels und Wohnsiedlungen in Spanien zu tun hat. Einige Aussagen von Investoren und Fondsmanagern sind schön entlarvend, aber letztendlich bestätigt „Let’s Make Money“ nur, hübsch bebildert, eigene Vorurteile gegen die Globalisierung.
Denn bei seiner Hatz um den halben Globus kratzt Wagenhofer (We feed the world) immer nur an der Oberfläche.
„Ein aufwändig recherchierter, über weite Strecken erhellender Film, der sich nahtlos in die Reihe der dokumentarischen Globalisierungskritik der letzten Jahre fügt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Ein Vater steht vor der Frage, wie er damit umgeht, dass sein Sohn ein Mörder ist. Das ist die Geschichte von „Der Uhrmacher von St. Paul“, die der über Dreißigjährige Bertrand Tavernier in den frühen Siebzigern in seinem in seinem Geburtsort spielendem Debütfilm erzählte. Dafür nahm er einen bereits 1954 erschienenen Roman von Maigret-Erfinder Georges Simenon und passte ihn seinen Bedürfnissen an. So verlegte er die Geschichte in die Gegenwart und nach Lyon.
Dort ist Michel Descombes (Philippe Noiret) ein geachteter Uhrmacher, der sich regelmäßig mit seinen bourgeoisen Freunden in einer Gaststätte trifft, allein lebt und allein einen Sohn großgezogen hat. Er glaubt, dass sie sich gut verstehen und Bernard keine Geheimnisse vor ihm hat. Umso schockierter ist er, als die Polizei ihm sagt, Bernard habe einen Mord begangen und sei mit seiner Freundin auf der Flucht.
Descombes fragt sich, warum Bernard zum Mörder wurde und warum er nichts von seiner Freundin wusste. In den Medien wird der Mord schnell und entsprechend dem Zeitgeist zu einer politischen Tat gegen einen Ausbeuter umgedeutet.
Dieser politische Hintergrund ist in „Der Uhrmacher von St. Paul“ immer, ohne sich jemals in den Vordergrund zu drängen, präsent. Auch die 68er kämpften gegen ihre Eltern, fragten sie nach ihrer Verantwortung für Hitler und die Kollaboration (das dunkle Kapitel in Frankreichs Geschichte), kämpften für eine antikapitalistische Gesellschaft, wollten alles anders machen als ihre Eltern und stellten sie als Mitläufer an den Pranger. Dieser Generationenkonflikt, der in den Sechzigern auf den Pariser Straßen ausgetragen wurde, ist auch in der Provinz angekommen. Eine Versöhnung schien 1973, als der Film gedreht wurde, immer noch unmöglich.
Dieser teils politisch, teils familiär ausgetragene Konflikt zwischen den Vätern und ihren Söhnen steht im Zentrum des Films. Dabei nimmt der 1941 geborene Tavernier die Perspektive der Eltern ein. Er fragt sich, wie Eltern mit den Taten ihrer Kinder umgehen sollen.
Und er wählte eine zutiefst ironische Struktur. Am Anfang wohnt Bernard noch bei seinem Vater, sie verstehen sich gut und haben keine Geheimnisse voreinander. Descombes legt sich auch, nachdem er von der Tat erfahren hat, in das Bett seines Sohnes. Sie sind, wie das Bild sagt, zwar körperlich voneinander getrennt, aber seelisch zusammen. Jedenfalls glaubt Descombes das und er beginnt das ihm unbekannte Leben seines Sohnes zu erforschen. Er erfährt, dass er und sein Sohn zwar zusammenlebten, aber er nichts von seinem Sohn wusste.
Nach über einer Stunde, vor dem ersten Auftritt von Bernard, wird von dem ermittelndem, immer betont freundlichem Inspektor Guilboud (Jean Rochefort) gegenüber Descombes die zentrale Frage für den Film und die damalige Zeit gestellt: „Da man seine eigenen Kinder nicht versteht, wofür Sie ein Beispiel sind, versucht man wenigstens die der anderen zu verstehen. Es ist mein Beruf Mördern und Gangstern nachzujagen, aber deren Motive sind mir egal. Die Geschichte ihres Sohnes ist viel wichtiger. Sie ist symptomatisch für unsere Zeit. Ich frage mich, was wir den jungen Leuten getan haben.“
Descombes weiß darauf keine Antwort und auch der Film verweigert die Antwort.
Das Ende wird mit der Gerichtsverhandlung vorbereitet, die nur aus einem Satz besteht. Descombes, leicht von unten aufgenommen erinnert an einen Priester ohne Talar, sagt: „Ich erkläre mich hiermit völlig solidarisch mit meinem Sohn.“
Damit gibt Tavernier eine damals sicher utopische, heute fast schon selbstverständliche Antwort auf den tobenden Generationenkonflikt: die Eltern müssen sich auf die Seite ihrer Kinder stellen. Auch wenn sie vielleicht nicht alle Beweggründe verstehen. Auch wenn die Kinder nicht mit ihnen reden wollen.
Im Gefängnis besucht Descombes seinen zu zwanzig Jahren Haft verurteilten Sohn. Jetzt sind sie zwar physisch voneinander getrennt. Sie können sich durch die Gitter und den sie trennenden Gang noch nicht einmal berühren, aber dafür sind sie psychisch wieder vereinigt.
Das ist das Ende einer ruhigen Charakterstudie über einen introvertierten Menschen und eines beeindruckenden Debütfilms, der auch aufgrund seines langsamen Erzähltempos keine leichte Kost ist. Außerdem ist „Der Uhrmacher von St. Paul“ eine Liebeserklärung an Taverniers Geburtsort.
In den folgenden Jahrzehnten drehte Tavernier wahrscheinlich in jedem Genre spannende Filme und er verfilmte immer wieder Krimis. 1981, wieder mit Noiret in der Hauptrolle, Jim Thompsons „Pop. 1280“ (1280 schwarze Seelen) als „Der Saustall“. 2009 James Lee Burkes „In the electric mist with confederate dead“ (Im Schatten der Mangroven) als „In the electric mist“.
Der Uhrmacher von St. Paul (L’horloger de Saint-Paul, Frankreich 1974)
Regie: Bertrand Tavernier
Drehbuch: Bertrand Tavernier, Jean Aurenche, Pierre Bost
LV: Georges Simenon: L’horloger d’Everton, 1954 (Der Uhrmacher von Everton)
mit Philippe Noiret, Jean Rochefort, Jacques Denis, Sylvain Rougerie, Christine Pascal
Detektiv No. 326 wird auf den gelähmten Bankier Haghi angesetzt. Dieser soll auch der Kopf eines internationalen Spionagerings sein. Haghi setzt eine Agentin auf No. 326 an – und los geht die muntere Hatz, die heute gerne mit den Bond-Filmen verglichen wird. Immerhin ist Haghi der Prototyp eines Meisterspions und Meisterverbrechers.
Lang nannte „Spione“ „einen kleinen Film mit viel Action“.
Nach „Metropolis“, der damals ein gigantischer Kassenflop war, inszenierte Fritz Lang den heute eher unbekannten Agententhriller „Spione“ . Danach drehte er „Frau im Mond“ (sein letzter Stummfilm), den Klassiker „M – Mörder unter uns“ (sein erster Tonfilm) und „Das Testament des Dr. Mabuse“ (sein letzter Film vor der Flucht aus Deutschland).
„Spionage ist hier kein Mittel fremder Mächte, sie ist selbst die fremde Macht. ‚Spione‘ steht darin ‚M‘ und den späteren Mabusefilmen näher als den frühen.“ (Enno Patalas in Fritz Lang, Hanser Reihe Film Band 7)
Arte zeigt die 2003 und 2004 von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung restaurierte 144-minütige Fassung.
mit Rudolf Klein-Rogge, Gerda Maurus, Lien Deyers, Louis Ralph, Willy Fritsch, Paul Hörbiger, Fritz Rasp
Drehbuch: Luc Besson, Pierre Jolivet, Alain Le Henry, Marc Perrier, Sophie Schmit
Fred flüchtet mit geklauten Papieren in die Metro. Dort lernt er eine fremde Welt kennen und vereinbart ein Treffen mit der schönen Helena. Für eine Nacht mit ihr will er ihr die Papiere zurückgeben.
Die Story ist bestenfalls ein luftiges Nichts, aber das Zusammenspiel von Bild, Musik und Schauspielern in einer künstlich-realen Welt ist pures Kino.
„Regie, Drehbuch, Kamera und die hervorragend geführten Darsteller lassen den Zuschauer tief in jene phantastische ‚falsche’ Realität eintauchen, die jenseits der ‚richtigen’ Wirklichkeit originäres Kino bildet, wie man es leider viel zu selten geboten bekommt.“ (Fischer Film Almanach 1987)
„Der Stil ist die Story. Besson nutzt das Cinemascope-Format voll aus und kombiniert geschickt reale Schauplätze des Pariser Metro-Systems mit den von Alexander Tanner nachgebauten Sets (César-prämiert)…In Frankreich avancierte Subway zum Kassenschlager.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)
Mit Isabelle Adjani, Christopher Lambert, Richard Bohringer, Michel Galabru, Jean-Hugues Anglade, Jean Reno
Nummer 6: Die Ankunft/Die Glocken von Big Ben/A, B und C (GB 1967, R.: Don Chaffey, Pat Jackson)
Drehbuch: George Markstein, David Tomblin, Vincent Tilsley, Anthony Skene
Der ehemalige Geheimagent John Drake wird an einem geheimnisvollen Ort entführt. Dort wird er „Nummer 6“. Er versucht, immer wieder, erfolglos zu flüchten.
Britische Kultserie, von der bei uns als „Nummer Sechs“ anno dunnemals einige Folgen gezeigt wurden. Arte zeigt jetzt, immer drei Folgen hintereinander, heute und an den kommenden Samstagen alle 17 Folgen.
Die Idee von Serienerfinder und Hauptdarsteller Patrick McGoohan, Drehbuchautor, -berater und Krimiautor George Markstein und Produzent David Tomblin war wohl, den Surrealismus von „Mit Schirm, Charme und Melone“ (The Avengers) noch zu steigern.
„Anspruchsvoller als in The Prisoner wurde SF weder davor noch danach jemals im Fernsehen präsentiert, wenngleich Puristen ein rückhaltloses Bekenntnis zur Science-Fiction vermissen mögen.“ (David Pringle: Das ultimative Science-Fiction-Lexikon)
„Nummer 6 hat die Fernsehserie zur eigenständigen Kunstform erhoben, auf einem Niveau, das seitdem nie mehr erreicht wurde. (…) Keine andere Serie hat so konsequent philosophische, psychologische oder soziologische Theorien in Spielhandlung umgesetzt.“ (Martin Compart: Crime TV)
Mit Patrick McGoohan, Guy Doleman, George Baker, Leo McKern, Colin Gordon
Wiederholung
Die Ankunft: Montag, 9. August, 18.10 Uhr
Die Glocken von Big Ben: Dienstag, 10. August, 18.10 Uhr
Der 1981 entstandene Noir „Wahl der Waffen“ von Alain Corneau mit Yves Montand, Catherine Deneuve und Gérard Depardieu ist ein Film aus einer anderen Zeit. Und das liegt nicht daran, dass Montand vor fast zwanzig Jahren gestorben ist.
Der Film war schon damals ein großer Abgesang auf den französischen Gangsterfilm und seine Regisseure, wie Jacques Becker, José Giovanni, Robert Enrico, Claude Sautet, Jean Herman und, selbstverständlich, den großen Stilisten Jean-Pierre Melville (der Montand in „Vier im roten Kreis“ eine Hauptrolle gab und Deneuve in „Der Chef“ ähnlich besetzte). Noch einmal trafen die alten Verbrecher, die in den fünfziger und sechziger Jahren von Jean Gabin, Lino Ventura, Alain Delon, Jean-Paul Belmondo, Jean Servais und Michel Constantin (um nur einige bekannte Namen zu nennen) verkörpert wurden, auf einen jungen Verbrecher.
Aber jetzt – auch wenn Yves Montand den Kampf gewinnt – zeigt Alain Corneau in jeder Szene, dass ihre Zeit vorbei ist.
Noel Durieux (Yves Montand) setzte nach dem Zweiten Weltkrieg seine im Krieg erworbenen Fähigkeiten als Gangster ein und ist inzwischen mit seiner Frau Nicole (Catherine Deneuve) auf einem riesigen Landgut Pferdezüchter. Das beschauliche Leben wird von dem aus dem Gefängnis geflüchteten Mickey (Gérard Depardieu) gefährdet. Mickey erschoss auf der Flucht einen Polizisten und in der Kategorie „Ärger verursachen“ ist er ein Meister.
Zwischen diesen beiden Männern – immerhin sind Gangsterfilme Männerfilme – hat Catherine Deneuve nur eine kleine Nebenrolle, die auf den ersten Blick einfach gestrichen oder von jemand anderem gespielt werden könnte. Denn außer ihrem Tod trägt sie wenig zur Handlung bei – und gerade dieser Tod, der nach einem Star und dem damit verbundenen kollektiven Rollengedächtnis verlangt (hier Bunuels „Belle de Jour“ und Melvilles „Der Chef“), macht sie für Film unverzichtbar.
Im Zentrum von „Wahl der Waffen“ stehen die beiden von Yves Montand und Gérard Depardieu gespielten antagonistischen Verbrecher. Sie gehören verschiedenen Generationen an. Sie haben ein anderes Verhältnis zum Leben, zu ihren Freunden und zu ihrem Beruf.
Noel ist ein Verbrecher der alten Schule, der sich unauffällig seiner Umgebung anpasst, sich immer beherrscht und auf ein festes Netz von Freunden, von denen viele nicht mehr Leben, vertraut. Corneau zeichnet mit wenigen Bildern und Sätzen dieses Bild. Yves Montands trauriger und oft versteinerter Blick (und das kollektive Bildergedächtnis) erledigt den Rest. Schon als er zum ersten Mal Mickey begegnet, weiß er, dass Mickey ein unbeherrschter Störenfried ist und nicht alt wird.
Denn während Noel zuerst denkt und dann handelt, ist es bei dem Gefühlsmenschen Mickey umgekehrt. Mickey sieht eine Bank und beschließt spontan, sie zu überfallen. Er freut sich wie ein kleines Kind über die frei herumlaufenden Pferde und die Wellen des Ozeans.
Noel erforscht, bevor er Mickey aus dem Weg schaffen will, geduldig Mickeys Leben als Kleingangster in den seelenlosen und schon damals ziemlich heruntergekommenen Banlieu-Wohnblöcken. In diesen Momenten wird „Wahl der Waffen“ zu einer fast dokumentarischen Studie des Lebens des unteren Drittels der Gesellschaft, die ihr Leben irgendwo zwischen Kleinkriminalität, Arbeitslosigkeit und schlecht bezahlten Jobs fristen.
Bei Corneau wird die einfache Geschichte eines Kampfes zwischen zwei Generationen zu einem komplexem, präzise komponiertem Vixierspiel, das aus der Geschichte des französischen Gangsterfilms, der sozialen Realität und innerfilmischen Bezügen gewoben ist und dessen fein auskomponierten Breitwandbilder nach der großen Leinwand rufen. Auch der epische Gestus beim Erzählen verlangt nach einem dunklen Kinosaal, in dem die Zuschauer für über zwei Stunden in eine fremde Welt entführt werden. Corneaus Charaktere sind mythisch überhöhte Verbrecher in einer Fantasiewelt, die dennoch präzise in einer Zeit und an einem realen Ort verwurzelt sind. Das klingt widersprüchlich, aber beim Sehen, wird dies sofort, wie bei einem Melville-Film, deutlich. Auch die wortkargen Dialoge sind eine Hommage an Melville. So ausdrucksstark wird im Kino selten geschwiegen.
Umso beredter ist die Musik. Philippe Sarde, einem der damals angesagtesten französischen Komponisten, schrieb sie und die beiden Jazzbassisten Ron Carter und Buster Williams spielten mit.
Im Rückblick beendete Alain Corneau mit dem leicht melancholischem „Wahl der Waffen“ die Ära des klassischen französischen Gangsterfilms indem er noch einmal alle Themen bündelte, neu betrachtete und sie endgültig beantwortete. Nach „Wahl der Waffen“ war die Zeit des Nachkriegsgangsters endgültig vorbei.
Die Videoclip-Stilisten und die Straßenköter übernahmen die Macht. „Diva“, „Der Mond in der Gosse“, „La Balance – Der Verrat“, „Der Bulle von Paris“ (wieder mit Depardieu) und „Waffenbrüder“ hießen die Filme und es mischten sich immer mehr Einwanderergesichter in die Reihen der Polizisten und der Verbrecher.
Wahl der Waffen (Le choix des armes, Frankreich 1981)
Regie: Alain Corneau
Drehbuch: Alain Corneau, Michel Grisola
mit Yves Montand, Gérard Depardieu, Catherine Deneuve, Michel Galabru, Gerard Lanvin, Marc Chapiteau
Das hätten die Typen von den ÖR-Sendern nicht geschafft: ein hochkarätig besetzter Politthriller feiert zu einer normalen Uhrzeit seine TV-Premiere:
Pro 7, 20.15
Machtlos (USA 2007, R.: Gavin Hood)
Drehbuch: Kelley Sane
Der arabischstämmige, in den USA lebender, glücklich verheiratete Ingenieur Anwar El-Ibrahimi verschwindet auf einem Flug spurlos. Seine schwangere Frau sucht ihn. Er wird währenddessen in einem nordafrikanischem Land, unter der Aufsicht eines jungen Geheimdienstlers, gefoltert. Denn die Amis glauben, dass er Kontakt zu einem gefährlichen Terroristen hat.
Die Besetzung ist hochkarätig. Das Anliegen, auf die menschenrechtsverachtende Praxis der Extraordinary Renditions und die damit verbundene Folterpraxis aufmerksam zu machen, ist ehrenwert.
Aber dennoch enttäuscht „Machtlos“. Denn Hood verirrt sich in diversen Subplots, nie wird das Verhältnis zwischen den einzelnen Plots geklärt (Was ist Hauptplot? Was ist Subplot?) und das Ende ist lächerlich. Jedenfalls das Ende für den Gefolterten. Die „geniale Konstruktion“ (jedenfalls dachten die Macher das, als sie uns die Auflösung der Geschichte des jungen Liebespaares präsentieren) ist eine ziemliche Verarschung des Zuschauer.
Auf der Habenseite kann „Machtlos“ letztendlich nur das Ensemble und die Bilder verbuchen. Oh, die Musik ist auch nicht schlecht.
Ansonsten, wenn man keine Doku sehen will, sollte man sich besser noch einmal einen der legendären Politthriller von Constantin Costa-Gavras ansehen. Zum Beispiel „Das Geständnis“ mit Yves Montand in der Hauptrolle.
Oder einen der neuen und wesentlich gelungeneren Politthriller wie „Sturm“, „Green Zone“, „Operation Kingdom“ und „Syriana“. Bei denen ist Folter allerdings, falls überhaupt, nur ein Randthema.
Wahrscheinlich läuft um 20.15 Uhr eine heftig gekürzte Version des FSK-16-Streifens.
mit Jake Gyllenhaal, Reese Witherspoon, Peter Sarsgaard, Omar Metwally, Yigal Naor, Alan Arkin, Meryl Streep, J. K. Simmons
Nachtrag (27. Juli 2010): Das Bonusmaterial der DVD ist allerdings sehr gelungen. Es gibt einen Audiokommentar von Regisseur Gavin Hood, in dem er auf die realen Hintergründe für den Film und etliche Überlegungen bei der Gestaltung des Films und bestimmter Szenen eingeht. Dazu gehören die Farbpalette, die Aufnahmen in Washington, die Entscheidung die Schauspieler in ihrer Muttersprache spielen zu lassen und wie es ihnen gelang, ein gutes halbes Dutzend Geschichten (Hood spricht mehrmals von „vier bis fünf kurzen Filmen“) in einem knapp zweistündigem Film unterzubringen.
Es gibt die gut halbstündige Dokumentation „Geächtet“ über die wahren Fälle, die „Machtlos“ inspirierten (unter anderem der Deutsche Khaled El-Masri), das ebenfalls halbstündige Making-of, das sich ausführlich mit dem Dreh des Bombenattentat auf dem Marktplatz, beschäftigt und einige geschnittene Szenen (insgesamt über eine Viertelstunde). Auch hier ist der Audiokommentar von Gavin Hood, in dem er erklärt, warum zwei Subplots gestrichen und das Ende anders geschnitten wurde, hörenswert.
Wehrlos – Die Tochter des Generals (USA 1999, R.: Simon West)
Drehbuch: Christopher Bertolini, William Goldman, Scott Rosenberg (ungenannt)
LV: Nelson De
Mille: The General´s Daughter, 1992 (Wehrlos – Die Tochter des Generals)
Auf dem Militärstützpunkt Fort MacCallum wird eine nackte Frauenleiche gefunden. Sie ist eine junge Offizierin und die Tochter des Basiskommandanten Campbell. Den Militärermittlern Brenner und Sunhill bleiben nur 36 Stunden, bis das FBI den Fall übernimmt.
Die deutsche Kritik war von diesem optisch überzeugendem 08/15-Whodunit nicht begeistert: „Politisch korrekter Schund über die Not der Frau in der Männerdomäne Armee, effekthascherisch inszeniert und von John Travolta und James Woods (zu) gut gespielt.“ (Film 11/99) oder „Einer jener Filme, die Unbehagen hinterlassen: ehrlich in Handwerk und Gesinnung, indifferent für den Zuschauer.“ (AZ, 18. 11. 1999)
Auf der Haben-Seite sind neben der Optik die Schauspieler, die teilweise wirklich gute Szenen haben. Aber die Story erreicht kaum das Niveau einer „Criminal Intent“-Folge.
Der deutsche Titel „Wehrlos“ ist, im Gegensatz zum Originaltitel, mal wieder vollkommener Quatsch. Denn „Wehrlos“ ist in „The General’s Daughter“ niemand.
Der Film ist FSK-16 und aufgrund der Uhrzeit müsste heute die ungekürzte Version gezeigt werden. Für die 20.15-Uhr-Ausstrahlung wird normalerweise auf eine sinnentstellend beschnittene Version (im Wesentlichen wurde das Motiv herausgeschnitten) zurückgegriffen.
Und was sagt der Autor zur Verfilmung? „In the case of The General’s Daughter, the final drafts stayed true and close to the substance and intent of my novel. (…) What I can say is that the essence of my novel was captured and conveyed on the screen through excellent acting, sharp and funny dialoge, and through the use of visual settings that even the best novelist can’t convey on paper.”
Mit John Travolta, Madeleine Stowe, Timothy Hutton, James Woods, James Cromwell, Clarence Williams III
Nach der ersten Staffel gab es bei der lockeren, in San Diego spielenden Privatdetektivserie „Simon & Simon“ einige einschneidende Änderungen. So sind die Brüder umgezogen. Sie residieren jetzt im ersten Stockwerk eines kleineren Bürohauses an der Strandpromenade. Aber meistens erledigen sie ihre Arbeit in A. J.s an einem Kanal liegendem Haus. Denn inzwischen ist er bei seiner Mutter ausgezogen. Neben dem Haus hat A. J.s älterer Bruder Rick sein Schiff „Hole in the Water“ abgestellt. Ihre Mutter hat nur noch wenige Auftritte. Ihr alter Konkurrent Myron Fowler hat seine Detektei aufgegeben. Er genießt das Leben als Rentier und erledigt immer wieder Aufträge für Rick und A. J.. Von der durchaus herzlichen Feindschaft aus der ersten Staffel ist nichts mehr zu spüren. Myrons Tochter Janet ist inzwischen Assistentin des Staatsanwalts und damit die unerschöpfliche Verbindung der Simon-Brüder zu allen staatlichen Datenbanken.
Einige dieser Änderungen, besonders das Verhältnis von Rick und A. J. zu Myron, stehen im direkten Widerspruch zum Konzept in der ersten Staffel. Auch dass der Chef von San Diegos ehemals größter Detektei jetzt für die Simon-Brüder kleine Überwachungsjobs übernimmt und anscheinend ständig klamm ist, wird nicht erklärt.
Kaum geändert wurde dagegen die Mischung aus Crime und Comedy, wobei sich in der zweiten Staffel das Augenmerk der Macher noch stärker auf leichtgewichtiges und weitgehend zeitloses Entertainment richtete. Sie fanden jetzt die Formel, die „Simon & Simon“ ein langes Leben im Fernsehen bescherte. Die wenigen ernsteren Folgen fallen dagegen umso deutlicher auf.
Gleichzeitig wurde sich noch deutlicher als in der ersten Staffel in die Tradition der PI-Krimis gestellt. So ist die Doppelfolge „Mord im Paradies“, in der viele Szenen aus dem niemals ausgestrahten Pilotfilm „Pirate’s Key“ verwandt wurden, deutlich von John D. MacDonalds Bergungsexperten Travis McGee inspiriert. Wenn Rick Simon für einen Auftrag eine Provision verlangt, ist das direkt von den McGee-Krimis übernommen und wahrscheinlich waren es letztendlich nur finanzielle Gründe, warum die Serie von Florida, wo sie ursprünglich spielen sollte, nach San Diego verlegt wurde.
Die Vorlage für „Wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt“ ist Howard Brownes „In Luft aufgelöst“ (Thin air, 1954).
Wenn in „Mord mit spitzer Feder“ ein Krimibestsellerautor lange vor „Basic Instinct“ glaubt, dass ein Mörder seine Morde kopiert, dann dürfen Krimifans zum ersten Mal bei dem Namen des Autoren, Rockwell Stark, kundig mit dem Kopf nicken. Von Rockwell Stark ist der Weg zu Richard Stark (einem Pseudonym von Donald E. Westlake) nicht weit. Der Plot scheint dagegen eher einem Bestseller von; – nun aus heutiger Sicht müsste man sagen Jeffery Deaver oder James Patterson entsprungen zu sein. In jedem Fall liefert „Mord mit spitzer Feder“ eine zünftige Serienmörderjagd. Und das lange vor dem „Schweigen der Lämmer“.
Einen Blick in das Filmgeschäft liefert „Reit weiter wilder Reiter“. Schon der Originaltitel „Rough Rider rides again“ erinnert an die alten Westernserials und, wenn der Rough Rider zum ersten Mal auftaucht, an den in den USA legendären Lone Ranger. In der Folge verdient Buck Yancy (gespielt von Stuart Whitman), der früher im Kino den Rough Rider, spielte, jetzt seine Brötchen mit Rough-Rider-Auftritten in Kaufhäusern. Als der damalige Produzent einen Kinofilm mit einem anderen Darsteller drehen will, gibt es Tode und Yancy sitzt als Mordverdächtiger im Knast. Die Simon-Brüder wollen ihrem Jugendidol helfen und erfahren einiges über den Umgang von Hollywood mit seinen Stars.
Inszeniert wurde der bittersüße Abgesang von Western-Regisseur Burt Kennedy, der, wenn Rick und A. J. über den Walk of Fame laufen, länger auf dem Stern von James Garner verweilt. Kennedy drehte mit Garner die erfolgreichen Westernkomödien „Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe“ (Support your local sheriff!, 1969) und „Latigo“ (Support your local gunfighter, 1971) und James Garner ist – das sei der Vollständigkeit halber erwähnt – als Detektiv Jim Rockford einer der legendären Privatdetektive.
Für die damaligen Zuschauer in den USA war die Liste der Gaststar in dieser Folge sicher erstaunlich. Mit Stuart Whitman (The Cimmeron Strip), Alan Hale Jr. (Casey Jones), Pat Buttram (The Gene Autry Show), Jock Mahoney (The Range Rider), John Russell (The Lawman) und Hal Needham (Have Gun, Will Travel; der später als Stuntman und Regisseur [Smokey and the Bandit, The Cannonball Run] noch bekannter wurde) spielten etliche Stars von Westernserien aus den fünfziger und sechziger Jahren, den Jugendjahren von Rick und A. J. Simon, mit. Die meisten treffen sie in Hollywood in einem Western-Saloon, in dem sich die Altstars an früher erinnern und schnell eine zünftige Kneipenschlägerei inszenieren.
Und auf einem Türschild steht als Name eines Mieters „Siegel, D.“, was ein deutlicher Hinweis auf den Regisseur von „Dirty Harry“ ist. Weniger deutlich ist der Hinweis auf den bei Krimifans bekannten, von Ross Macdonald erfundene Privatdetektiv Lew Archer als „Archer, J.“.
In „Diamanten fallen nicht vom Himmel“ gibt es eine deutliche Hommage an „Der unsichtbare Dritte“. Bei Hitchcock wurde Gary Grant mitten im Nirgendwo von einem Flugzeug gejagt. In der Krimiserie versucht der Pilot die Brüder mit Handgranaten zu töten. Der Anfang der Szene, wenn kurz vor der Attacke des Flugzeugs ein Mann aus einem Bus aussteigt und von einigen Freunden abgeholt wird, ist direkt von Hitchcock geklaut.
In den anderen Folgen gibt es teilweise weniger deutliche Anspielungen, aber immer einen vergnüglichen Fall.
Es geht um Diebstähle von Gemälden, Diamanten, brandneuen Modekollektionen, die Entführung eines Delphins, um einen verfluchten Fetisch (in der neunzigminütigen Crossover-Folge zu „Magnum“), um eine Frau, die Morde vorhersieht, um eine verschwundene Zwillingsschwester, einen verschwundenen Ehemann und eine aus einem verfluchten Zimmer verschwundene Frau, einen totgeglaubten Mann, der behauptet in Schwierigkeiten zu stecken, Spielmanipulationen im American Football, Leistungsdenken an der Universität, Industriespionage, eine geheimnisvolle Frau, die verdächtigt wird, den vielgehassten Herausgeber einer Zeitschrift (der eine Liste mit den zehn aufregendsten Frauen von San Diego veröffentlichen wollte) ermordet zu haben, Sabotage in einem Vergnügungspark, die Überführung eines Oldtimers und in „The club murder vacation“ (ein weiterer liebevoller Titel, der lieblos in „Wenn einer eine Reise tut…“ übersetzt wurde) will A. J. den neuen Bestseller von James A. Michener lesen, nimmt, weil sein Bruder ihn ständig stört, das Angebot von seiner Mutter auf ein Wochenende in einem Hotel an und beobachtet natürlich sofort einen Mord. Allerdings glaubt ihm der Sheriff kein Wort.
Die Liste der Gaststars hält, neben den bereits Erwähnten, einige Überraschungen bereit. Morgan Fairchild, Joe Mantegna, Don Stroud, Broderick Crawford, Lisa Eilbacher, June Allyson, Ray Walston, Monte Markham, Henry Gibson (ich sage nur „Blues Brothers“ und „Boston Legal“), Eddie Albert, Robert Ginty (einige Episoden als Gerichtsmediziner Jerry Reiner), Ed Lauter, Robert Englund und Richard Kiel traten auf.
In Deutschland wurden die Folgen kunterbunt durcheinander gezeigt. Einige Folgen wurden nie gezeigt. Sie sind in den Halbstaffelboxen im Original mit optionalen Untertiteln enthalten. Bei „What’s in a gnome?“ mag das am Thema gelegen haben. Denn der Täter ist ein psychisch kranker Vietnam-Veteran. Bei „Psyched out“ kann es an der Darstellung von Experimenten und dem daraus entstehendem Übermenschen-Denken der Studenten gelegen haben. Bei „The Skeleton who came out of the closet“ waren es wahrscheinlich irgendwelche senderinternen Gründe. Denn mit dem zweimaligen James-Bond-Bösewicht Richard Kiel hat die Folge sogar einen weltweit bekannten Gaststar.
Auch die zweite Staffel von „Simon & Simon“ bietet kurzweilige Unterhaltung, die heute von Serien wie „Castle“, „The Mentalist“, „Monk“, „Psych“ (die alle als Berater für die Polizei arbeiten und damit keine richtigen Privatdetektive sind) und „Burn Notice“ (der die Arbeit ohne Lizenz erledigt), unter leicht geänderten Vorzeichen, fortgeführt wird.
Dennoch wird beim Wiedersehen von „Simon & Simon“, neben den Achtziger-Jahre-Serien „Magnum“, „Das Modell und der Schnüffler“ und „Remington Steele“ (Wann erscheint die Serie bei uns auf DVD?), der Wunsch nach einer neuen guten Privatdetektivserie wach. Denn immer nur Polizisten und freiberufliche Berater der Polizei sind auf lange Sicht einfach langweilig.
Simon & Simon – Staffel 2 (USA 1982/1983)
Erfinder: Philip DeGuere
mit Gerald McRaney (Rick Simon), Jameson Parker ( Andrew Jackson ‚A.J.‘ Simon), Jeannie Wilson (Janet Fowler), Eddie Barth (Myron Fowler), Mary Carver (Cecilia Simon)
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DVD
Simon & Simon – Staffel 2.1
Koch-Media
Bild: 1.33:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch (nur bei den nicht synchronisierten Folgen, optional)
Bonusmaterial: 16-seitiges Booklet, „Magnum“-Crossover-Episode „Die Rache des Sonnengottes“ (in verschiedenen Schnittfassungen und Synchronisationen)
Länge: 567 Minuten (12 Episoden auf 4 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
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Simon & Simon – Staffel 2.2
Koch-Media
Bild:1.33:1 (4:3)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet
Länge: 518 Minuten (12 Episoden auf 3 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
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Die Fälle der zweiten Staffel
Die Smaragdenmieze (Emeralds are not a girl’s best friend)
Regie: Lawrence Doheny
Drehbuch: Richard Chapman
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Liebe unter Wasser (Mike & Pat)
Regie: Sigmund Neufeld Jr.
Drehbuch: Richard Chapman
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Rot macht tot (Guessing game)
Regie: Vincent McEveety
Drehbuch: James Crocker
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Eine Hirschkuh kommt selten allein (Art for Arthur’s sake)
Regie: Vincent McEveety
Drehbuch: Bob Shayne
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Diamanten fallen nicht vom Himmel (The ten thousand dollar deductible)
Regie: Bernard McEveety
Drehbuch: Bill Dial
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Reit weiter wilder Reiter (Rough rider rides again)
Regie: Burt Kennedy
Drehbuch: Michael Piller
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Meine Schwester bin ich (Sometimes dreams come true)
Regie: Bernard McEveety
Drehbuch: James Crocker
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Guten Tag, ich bin dein Mann (The last time I saw Michael)
Regie: Vincent McEveety
Drehbuch: James Crocker
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Ein Huhn spielt falsch (Fowl play)
Regie: Burt Kennedy
Drehbuch: Donald R. Boyle
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Wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt (Thin air)
Regie: Bernard McEveety
Drehbuch: Bob Shayne, Philip DeGuere
LV: Howard Browne: Thin air, 1954 (In Luft aufgelöst)
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Mord mit spitzer Feder (Murder between the lines)
Regie: Sigmund Neufeld Jr.
Drehbuch: Mike Lloyd Ross
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Psyched out
Regie: Sigmund Neufeld Jr.
Drehbuch: Paul A. Magistretti
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Mord im Paradies (Pirate’s Key)
Regie: Corey Allen
Drehbuch: Philip deGuerre
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Wenn einer eine Reise tut… (The club murder vacation)
Regie: Burt Kennedy
Drehbuch: Bill Dial
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Ein Mensch stirbt nicht vom Chip allein (It’s only a game)
Regie: Vincent McEveety
Drehbuch: Richard Chapman
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Modemachers Meuchelmord (Design for killing)
Regie: Bernard McEveety
Drehbuch: James Crocker
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Die Schönen und die Toten (The list)
Regie: Burt Kennedy
Drehbuch: Michael Piller
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What’s in a gnome?
Regie: Sigmund Neufeld Jr.
Drehbuch: Paul A. Magistretti
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Zum Glück geht’s Stück für Stück (The secret of the chrome eagle)
TATORT: Tote brauchen keine Wohnung (D 1973, R.: Wolfgang Staudte)
Drehbuch: Michael Molsner
LV/Buch zum Film: Michael Molsner: Tote brauchen keine Wohnung, 1980
Eine harte Nuss für Veigl: Während er nach dem Mörder einer vergifteten Rentnerin und eines erschlagenen Ex-Häftlings sucht, gerät er zwischen die Fronten. Denn der Ex-Häftling arbeitete zuletzt für einen Immobilienhai und die Bewohner wollten nicht aus dem Haus ausziehen.
Packende Milieustudie, die sich mit Immobilienspekulationen und den Folgen für die Gesellschaft beschäftigt. Wegen des Themas und der damit verbundenen politischen Brisanz wurde „Tote brauchen keine Wohnung“ fast zwanzig Jahre nicht gezeigt. Inzwischen läuft diese frühe Tatort-Perle öfters im Heimkino.
Mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Arthur Brauss, Walter Sedlmayer, Hans Häckermann (als Gastkommissar Böck)
LV: Ernest Haycox: Stage to Lordsburg, 1937 (Postkutsche nach Lordsburg, Erzählung)
1880: Einige Menschen, unter anderem eine Schwangere, eine Prostituierte, ein betrügerischer Banker, ein Spieler, ein Säufer, ein ängstlicher Whiskyvertreter und der Sheriff müssen die durch das Apachengebiet fahrende Postkutsche nach Lordsburg nehmen. Unterwegs nehmen sie als weiteren Passagier den aus dem Knast geflüchteten John Ringo auf. Dieser will in Lordsburg eine Rechnung mit den Plummer-Brüdern begleichen.
Weil die Apachen auf dem Kriegspfad sind und die Reisenden untereinander zerstritten sind, ist ungewiss, ob sie überhaupt ihr Ziel erreichen.
„Stagecoach“ ist ein zeitloser Western-Klassiker, der damals John Wayne zum Star machte, den Western nach einer jahrelangen Dürrezeit rundum erneuerte und zahllose Western beeinflusste.
Auch heute (ich konnte ihn vor einigen Jahren in einem Studentenkino sehen) wirkt er immer noch frisch: wenn John Wayne das erste Mal auftaucht, die Konflikte in der Reisegruppe, der Kampf gegen die Indianer am Ende des Films, die präzise komponierten Bilder und das pointierte Drehbuch mit so gemeinen Sätzen: „Was für die Banken gut ist, ist auch für die Nation gut!“
mit John Wayne, Claire Trevor, John Carradine, Thomas Mitchell, Andy Devine, Donald Meek, George Bancroft
auch bekannt als „Höllenfahrt nach Santa Fe“ (Yep, hat mit dem Film nichts zu tun.)
Drehbuch: Peter Fonda, Dennis Hopper, Terry Southern
Vor dem Drehstart sollte es nur ein weiterer billiger Biker-Film werden. Doch als „Easy Rider“ in die Kinos kam, wurde er zu einem Kultfilm für eine Generation und der Initialzündung für das New Hollywood. Oder, wie ein älterer Mann während der Berlinale-Aufführung 2004 zu seinem Nachbarn sagte:
„Ich habe den Film noch nie gesehen.“
„Wirklich?“
„Nüchtern.“
Die Story des Roadmovies ist denkbar einfach: zwei junge Männer fahren mit ihren Motorrädern von Los Angeles nach New Orleans zum Mardi Gras. Ihre Reise wird zu einem Porträt Amerikas.
Die Musik von Steppenwolf, The Byrds, The Band, Roger McGuinn und Jimi Hendrix trug sicher auch ihren Teil zum Erfolg bei.
„Easy Rider (war) der richtige Film zur richtigen Zeit. Sein Kassenerfolg gab der Filmindustrie, die in den sechziger Jahren mit superteuren, starbestückten Ausstattungsfilmen ihr Publikum nicht mehr gefunden hatte, eine neue Richtung vor: Filme für ein junges Publikum, gedreht außerhalb der Studios on location.
Wahrscheinlich war Easy Rider auch deshalb ein solcher Erfolg, weil er eben nicht den vollkommenen Bruch mit der Tradition vollzog (…), sondern vielmehr anknüpfte an amerikanische Mythen – und sie zugleich hinterfragte. Aus dem Gegensatz von klassischer narrativer Struktur im Motiv der Reise und visuellem Bruch mit den Gewohnheiten erwächst die Stärke von Easy Rider, der seine Kraft ebenso den Kinoerinnerungen an die Landschaftsbilder des Westens verdankt wie der präzisen Auswahl von zeitgenössischen Rocksongs.“ (Frank Arnold in Hans Helmut Prinzler/Gabriele Jatho: New Hollywood 1967 – 1976: Trouble in Wonderland)
mit Peter Fonda, Dennis Hopper, Jack Nicholson, Karen Black, Phil Spector, Bridget Fonda (ungenanntes Debüt; Kind in der Kommune)
Bei den Alligatorpapieren sind meine neuen TV-Krimi-Buch-Tipps online. Krimifans dürfen sich in den kommenden Tagen unter anderem auf diese Verfilmungen von Kriminalromanen freuen:
Neben den üblichen Verdächtigen gibt es auch einige eher selten gezeigte Filme wie William Friedkins Robin-Moore-Verfilmung „French Connection“ und John Frankenheimers Fortsetzung „French Connection II“, William Friedkins Georges-Arnaud-Verfilmung „Atemlos vor Angst“ und seine Gerald-Petievich-Verfilmung „Leben und Sterben in L. A.“, Alfred Hitchcocks Ethal-Lina-White-Verfilmung „Eine Dame verschwindet“, Sidney Lumets Robert-Daley-Verfilmung „Nacht über Manhattan“, Lucky McKee und Trgve Allister Diesens Jack-Ketchum-Verfilmung „Blutrot“, Wolfgang Staudtes Michael-Molsner-Verfilmung „Tote brauchen keine Wohnung“, Richard Fleischers Erlmore-Leonard-Verfilmung „Das Gesetz bin ich“, James Wans Brian-Garfield-Verfilmung „Death Sentence – Todesurteil“ und, für Komplettisten, Paul Bogarts Raymond-Chandler-Verfilmung „Die Dritte im Hinterhalt“.
Der Wolf hetzt die Meute (USA 1984, R.: Richard Tuggle)
Drehbuch: Richard Tuggle
New-Orleans-Cop Wes Block jagt einen Prostituiertenmörder. Als eine Prostituierte, bei der er kurz vorher war, ermordet wird, vermutet er eine Beziehung zwischen ihm und dem Mörder. Er hält es sogar nicht für ausgeschlossen, selbst der Täter zu sein.
Als Zuschauer wissen wir in dem Regiedebüt des Drehbuchautors von „Flucht von Alcatraz“ (obwohl Eastwood im Hintergrund dann doch Regie führte) schon früh, dass sich Block in diesem Punkt irrt. Dennoch ist „Der Wolf hetzt die Meute“ (doofer deutscher Titel des wesentlich treffenderen Originaltitels „Tightrope“) ein spannender Psycho-Thriller, der die dunkle Seite von Dirty Harry erkundet, bei den Kritikern ziemlich gut ankam und an der Kasse erfolgreich war.
Im Rückblick ist „Der Wolf hetzt die Meute“ einer von Eastwoods besten Filmen aus den achtziger Jahren.
mit Clint Eastwood, Genevieve Bujold, Dan Hedaya, Alison Eastwood, Jennifer Beck