Gangs of New York (USA/D/I/GB/NL 2002, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: Jay Cocks, Kenneth Lonergan, Steven Zaillian
LV: Herbert Asbury: The Gangs of New York, 1928 (Die Gangs von New York – Eine Geschichte der Unterwelt)
Amsterdam Vallon will den Mörder seines Vaters, den Gangsterboss William Cutting (Bill, the Butcher), töten.
Ausgehend von dieser dürftigen Geschichte entfaltet Martin Scorsese ein atemberaubendes Porträt vom Überlebenskampf, der Verflechtung zwischen Politik und Verbrechen, den Bandenkriegen und den Kämpfen zwischen den verschiedenen Ethnien in Five Points, den Slums von New York, in den Jahren zwischen 1846 bis 1863.
„Gangs of New York ist ein solches Drama der Endzeit einer Herrschaft, in der sich eine gesellschaftliche und familiäre Ordnung durch ihre eigenen Gesetze zerstört, und durch eine Rebellion der Methoden. Eine große Tragödie also, oder eine melancholische Farce; aber wieder projiziert sie Scorsese auf ein eher materialistisch dokumentiertes Stück Zeitgeschichte, mehrere Erzählweisen begegnen einander und werden umso deutlicher, je mehr sie sich zu widersprechen beginnen…Wie die meisten der (auch vom Aufwand her) großen Filme von Martin Scorsese erzählt auch Gangs of New York zunächst eine überaus einfache Geschichte, deren Bedeutung, deren eigentliches Leben sich erst in den Bildern offenbart…Gangs of New York ist auch ein großer Film übers Film-Erzählen.“ (Georg Seeßlen: Martin Scorsese)
Mit Leonardo DiCaprio, Daniel Day-Lewis, Cameron Diaz, Liam Neeson, Brendan Gleeson
Anmerkung
Der Film ist „FSK 16“ und läuft um 20.15 Uhr in einer gekürzten Fassung. Weitere Informationen
Konditor Mauritz wird ermordet. Seine thailändische Katalog-Frau Sita schweigt und die Kommissare Batic und Leitmayr haben einen neuen Fall.
Dieser Tatort ist unbestritten einer der besten Batic/Leitmayr-Tatorte. Und sie hatten in den Neunzigern wirklich eine Reihe wirklich guter Fälle gehabt!
Mit Udo Wachtveitl, Miro Nemec, Michael Fitz, Barbara-Magdalena Ahrens,Ulrich Noethen, Petra Kleinert, Anna Villadolid
Zodiac – Die Spur des Killers (USA 2007, R.: David Fincher)
Drehbuch: James Vanderbilt
LV: Robert Graysmith: Zodiac, 1976 (Zodiac – Auf der Spur eines Serienkillers)
Finchers epische, detailversessene Verfilmung über die Jagd nach dem Zodiac-Killer, der auch als Inspiration für den Killer in dem ersten „Dirty Harry“-Film diente. Der Zodiac-Killer versetzte in den späten Sechzigern die Bevölkerung in und um San Francisco in Angst und Schrecken. Dazu trugen neben seinen Taten und dem ausbleibenden Fahndungserfolg der Polizei auch seine verschlüsselten Briefe an die Öffentlichkeit bei. Bis heute ist seine Identität unklar.
Das Drehbuch war für den Edgar den Preis der Writers Guild of America nominiert.
Mit Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Anthony Edwards, Robert Downey jr., Brian Cox, Cloe Sevigny, Elias Koteas, Dermot Mulroney
Jesse Stone – Totgeschwiegen (USA 2006, R.: Robert Harmon)
Drehbuch: J.T. Allen, Tom Selleck, Michael Brandman
LV: Robert B. Parker: Death in Paradise, 2001
Dritter Jesse-Stone-Film nach dem dritten Jesse-Stone-Roman. Dieses Mal muss Kleinstadtcop Jesse Stone den Mord an einer 14-jährigen aufklären. Seine Ermittlungen führen ihn in die besseren Kreise von Boston.
Der dritte Krimi mit Tom Selleck als Jesse Stone ist ein weiterer feiner Polizeifilm.
Mit Tom Selleck, Edward Edwards, Viola Davis, John Diehl, William Devane
Ein Vorteil der kleinen ÖR-Sender ist, dass dort lange nicht mehr gezeigte Krimis auch zu einer für normal arbeitende Menschen angenehmen Zeit laufen. So zeigt ZDF neo die Tage „Jesse Stone – Totgeschwiegen“, den ersten, seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigten „Der Preis des Verbrechens“-Zweiteiler und eine weitere Elizabeth-George-Verfilmung; der ZDF Theaterkanal einen weiteren „Anwalt Abel“-Film. Außerdem sehenswert sind Barry Sonnenfelds Elmore-Leonard-Verfilmung „Schnappt Shory“, Matti Geschonnecks Friedrich-Ani-Verfilmung „Hinter blinden Fenstern“, David Finschers Robert-Graysmith-Verfilmung „Zodiac“, Martin Scorseses Herbert-Asbury-Verfilmung „Gangs of New York“, Richard Eyres Zoe-Heller-Verfilmung „Tagebuch eines Skandals“, Doug Limans Robert-Ludlum-Verfilmung „Die Bourne Identität“, Billy Wilders Agatha-Christie-Verfilmung „Zeugin der Anklage“, Rob Reiners Stephen-King-Verfilmung „Misery“, Jean-Luc Godards Lemmy-Caution-Film „Alphaville“ und Mickey Spillane steht in einem Columbo-Film vor der Alternative „Schreib oder stirb“. Für die Monsterfans gibt es „King Kong und die weiße Frau“; für die Filmfans „Metropolis“ in der restaurierten Fassung und James Bond rettet einige Male die Welt.
Drehbuch: Guillermo del Toro (nach einer Geschichte von Guillermo del Toro und Peter Briggs
LV: Mike Mignola: Hellboy
Hellboy, ein zum Guten erzogener Dämon, verkloppt im Auftrag einer geheimen FBI-Einheit Dämonen. Jetzt kämpft er gegen den untoten Mönch Rasputin und den SS-Mann Kroenen, die ihr vor sechzig Jahren unterbrochenes Werk vollenden wollen.
Guillermo del Toro könnte ein Bruder von Robert Rodriguez sein. Auch seine Filme sehen teurer aus als sie sind und auch er liebt die Popkultur.
„Hellboy“ ist eine der wenigen gelungenen Comicverfilmungen. Kein Wunder. Schließlich hat hier ein Fan einen Film für andere Fans (alle mit einem kindischen Gemüt) gemacht.
Mit Ron Perlman, John Hurt, Selma Blair, Rupert Evans
Guy Ritchies Version des britischen Meisterdetektivs. Auf den einschlägigen Seiten (wie Crimespree Cinema und The Rap Sheet) sind die Krimifans, die die Holmes-Geschichten gelesen haben, von dieser Version ziemlich begeistert.
Jon Jordan (Crimespree Cinema): I like the movie. I feel it treated the character with respect. The respect came from the screen writers who actually seem to have read some of the Conan Doyle works, Guy Ritchie who seemed to have done the same (…)
One of the factors in my love of this film is the fact that they portray Holmes as a genius. (…) The film also remembers that Holmes can fight, and is capable of action.
Columbo: Mord in Pastell (USA 1971, R.: Hy Averbeck)
Drehbuch: Jackson Gillis
Erfinder: Richard Levinson, William Link
Ein Kunstkritiker erfährt, dass sein Onkel ihn aus dem Testament streichen will. Also bringt er ihn um und legt liebevoll eine falsche Fährte. Aber er hat nicht mit Lt. Columbo gerechnet.
Ein weiterer früher Columbo-Fall, der immer noch (und immer wieder) für einen vergnüglichen Abend sorgt.
SRTL zeigt in den kommenden Tagen weitere Columbo-Fälle: „Wein ist dicker als Blut“ (31. Januar), „Todessymphonie“ (1. Februar), „Zigarren für den Chef“ (2. Februar), „Mord mit der linken Hand“ (3. Februar), „Mord unter sechs Augen“ (4. Februar), „Mord in eigener Regie“ (7. Februar), „Wenn der Eismann kommt“ (8. Februar), „Zwei Leben an einem Faden“ (9. Februar), „Blumen des Bösen“ (10. Februar), „Schreib oder stirb“ (11. Februar).
mit Peter Falk, Ross Martin, Kim Hunter, Don Ameche
Hallam Foe – Aus dem Leben eines Außenseiters (GB 2007, R.: David Mackenzie)
Drehbuch: David Mackenzie, Ed Whitmore
LV: Peter Jinks: Hallam Foe, 2001 (Über roten Dächern)
Der 17-jährige Außenseiter Hallam Foe glaubt, dass seine Stiefmutter seine Mutter ermordet hat. Da trifft er die Hotelpersonalchefin Kate. Sie ist das Ebenbild seiner Mutter.
„Einfach mitreisend ist dieser Abenteuertrip eines jungen Ausreißers, faszinierend mühelos changiert das freche Szenario zwischen Murder Mystery mit Gothic Touch und moderner Lovestory. Ein Film, der ganz tief im Zuschauer seinen Widerhall findet.“ (Programm Fantasy Filmfest 2007)
„A viewing delight.“ (Variety)
Mit Jamie Bell, Sophia Myles, Ciarán Hinds, Claire Forlani
Prag, 20er Jahre: Kafka untersucht den Tod eines Freundes. Dabei gerät er in ein kafkaeses Abenteuer.
Stilbewußte, vor Ort gedrehte Liebeserklärung an Franz Kafka und sein Werk, das hier mit seinem Leben verwoben wird. Am Ende – geht so in Richtung James Bond – lässt der zitatenreiche Film dann nach.
Damals wurde der Film von der Kritik nicht so freundlich aufgenommen. Wahrscheinlich, weil sie alle ein Remake von Soderberghs Erstling „Sex, Lies, and Videotape“ (Sex, Lügen und Video, USA 1989) erwarteten. Eine der positiven: „Ein besonders für Kafka-Kenner und Liebhaber sehr interessante Arbeit, die vor allem auch beweist, dass Soderbergh sich enorm weiterentwickelt hat.“ (Blickpunkt: Film, 20. 3. 1992)
Mit Jeremy Irons, Theresa Russel, Alec Guiness, Ian Holm, Jeroen Krabbé, Armin Müller-Stahl, Brian Glover, David Jansen
Ken Folletts Eisfieber – Teil 1 (D 2010, R.: Peter Keglevic)
Drehbuch: Beatrix Christian, Olaf Kraemer, Federica Pontremoli
LV: Ken Follett: Whiteout, 2005 (Eisfieber)
Edinburgh im Dezember: Aus einem Bio-Labor verschwindet ein supertödlicher Virus. Die Sicherheitsbeauftragte Antonia Gallo glaubt, dass der hochverschuldete Sohn des Laborleiters Stanley Oxenford hinter dem Einbruch steckt – und los geht die Hatz über Stock und Stein in das verschneite Landhaus der Oxenfords.
Den zweiten Teil gibt’s am Mittwoch, den 27. Januar, um 20.15 Uhr.
Erstausstrahlung eines prominent besetzten Zweiteilers. Die ersten Kritiken sagen übereinstimmend, dass der erste Teil eher lahm, aber der zweite ziemlich gut ist. Warum also nicht einfach nur den zweiten Teil ansehen?
Das ZDF plant weitere Follett-Verfilmungen. Im Moment wird für Pro 7/Sat.1 als achtstündiges Epos „Die Säulen der Erde“ (The Pillars of the Earth, 1990) verfilmt.
mit Heiner Lauterbach, Isabella Ferrari, Tom Schilling, Matthias Brandt, Anneke Kim Sarnau, Bülent Sharif, Katharina Wackernagel, Sophie von Kessel
LV: A. J. Quinnell: Man on Fire, 1980 (Der Söldner, Mann unter Feuer)
Ex-CIA-Agent John Creasy ist in Mexiko City der Leibwächter einer siebenjährigen Millionärstochter. Als sie von Gangstern entführt wird, startet er einen blutigen Rachefeldzug.
Scotts formale Brillanz bei der Bild- und Tongestaltung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Mann unter Feuer“ ein viel zu lang geratenes, eindimensionales Rachedrama ist.
Mit Denzel Washington, Dakota Fanning, Christopher Walken, Giancarlo Giannini, Mickey Rourke
Mean Streets – Hexenkessel (USA 1973, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: Martin Scorsese, Mardik Martin
New York, Lower East Side: Charlie versucht sich um seinen leicht durchgeknallten Kumpel Johnny Boy zu kümmern. Denn dieser verärgert mit seinen Eskapaden auch die Mafia.
Grandioses Frühwerk von Martin Scorsese und der Start von mehreren großen Karrieren.
„Mean Streets besteht vor allem aus einem Mosaik von Momentaufnahmen und Anekdoten; an Stelle einer kontinuierlichen Entwicklung herrscht die Kontinuität des Stillstands. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum Mean Streets so irritierend authentisch wirkt.“ (Hans Günther Pflaum in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte [Hrsg.]: Martin Scorsese – Hanser Reihe Film 37, 1986)
Die größte Ironie bei dem Film ist, dass „Mean Streets“ untrennbar mit New York verbunden ist, obwohl, wegen des Geldes, die meisten Szenen nicht an Originalschauplätzen sondern in Los Angeles gedreht wurden
Mit Robert De Niro, Harvey Keitel, David Proval, Amy Robinson, Robert Carradine, David Carradine, Martin Scorsese (als Shorty, der Killer im Auto)
In der Hitze der Nacht (USA 1967, R.: Norman Jewison)
Drehbuch: Sterling Siliphant
LV: John Ball: In the heat of the night, 1965 (In der Hitze der Nacht)
In einem Südstaatenkaff müssen ein weißer, reaktionärer Sheriff und ein afroamerikanischer Kollege einen Mord aufklären.
John Balls hochgelobter, erfolgreicher Roman war der erste Auftritt eines afroamerikanischen Polizisten als Sympathieträger. Ball wollte damit zur Verständigung zwischen den Rassen beitragen. Außerdem reflektierte er in seinem Krimi die damaligen politischen Kämpfe des Civil Rights Movements in den Südstaaten.
Die enorm erfolgreiche Verfilmung erhielt fünf Oscars, unter anderem als bester Film des Jahres. Aus heutiger Sicht ist „In der Hitze der Nacht“ ein extrem naives und einseitiges Bekenntnis zur Rassenversöhnung (etwas guter Wille und schon geht´s) und ein technisch gut gemachter Whodunit.
Poitier drehte noch zwei schwächere Fortsetzungen. Letztendlich wurde es ein normaler, bestenfalls durchschnittlicher Polizeikrimi. Am nächsten Freitag (29. Januar) zeigt der WDR um 23.15 Uhr die erste Fortsetzung „Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs“ (They call me Mister Tibbs!, USA 1970, Regie: Gordon Douglas, Drehbuch: Alan R. Trustman, James R. Webb)
Mit Sidney Poitier, Rod Steiger, Warren Oates, Lee Grant
Matthias Richling, Frank Lüdecke, Christoph Sieber und Axel Pätz (sein erster Auftritt in der Sendung) nehmen sich, live aus der Hauptstadt, die aktuelle Politik und den ganzen Rest vor.
Und wer’s verpasst, kann hier sein Glück versuchen.
Geld für alle! (D 2010, R.: Ulrich Stein, Christian Gramstadt)
Drehbuch: Ulrich Stein, Christian Gramstadt
Gibt es Alternativen zum Kapitalismus? Und wie können die aussehen? Die ARD-Reporter machen sich auf die Suche und entdecken Sterntaler, Grundeinkommen und ethische Geldanlagen.
Als „Sie nannten ihn Stick“ in der ersten Hälfte der achtziger Jahre in die Kinos kam, wurde er von den Kritikern geschlachtet. Auch Elmore Leonard mag diese Verfilmung nicht. Das liegt bei diesem Krimi auch an der gar nicht so unüblichen Hollywood-Produktion. Zuerst wurde Elmore Leonard beauftragt ein Drehbuch zu schreiben. In den Siebzigern hatte er bereits die Drehbücher zu „The Moonshine War“ (Whisky brutal, mit Richard Widmark und Alan Alda), „Joe Kidd“ (Sinola, mit Clint Eastwood), „Mr. Majestik“ (Das Gesetz bin ich, mit Charles Bronson) geschrieben und auch einige seiner Romane (vor allem seine Western) waren verfilmt worden. Am bekanntesten aus dieser Zeit ist wahrscheinlich „Hombre“ (Man nannte ihn Hombre, mit Paul Newman).
Als er sein Drehbuch ablieferte, fehlte den Produzenten die nötige Action. Joseph Stinson schrieb die gewünschten Szenen. Er hatte damals das Drehbuch für den Dirty-Harry-Film „Sudden Impact“ (Dirty Harry kommt zurück) und das Burt-Reynolds/Clint-Eastwood-Vehikel „City Heat“ geschrieben. Die Dreharbeiten liefen anscheinend problemlos. Als der Film dann fertig war, gab es – auch das ist für Hollywood nicht ungewöhnlich – einen Nachdreh. Das Studio wollte noch mehr Action. Oh, und mehr Skorpione.
Das alles wussten die Kritiker beim Filmstart. Außerdem hatte Burt Reynolds für „City Heat“ eine Razzie-Nominierung erhalten und seine vorherigen Filme waren Flops (mal finanziell, mal künstlerisch, mal beides). Da schlugen die Kritiker gerne kräftig zu und auch an der Kasse war der Film kein Hit.
Dagegen hatte Elmore Leonard 1984 für „La Brava“ den Edgar erhalten und er hatte bereits viele loyale Fans.
Aber wenn man „Sie nannten ihn Stick“ heute, über 25 Jahre nach seiner Premiere wiedersieht, entdeckt man einen gar nicht so schlechten kleinen Florida-Unterweltkrimi.
Ernest ‚Stick‘ Stickley (den Leonard-Fans aus „Beute“/“Dies ist ein Überfall“ [Ryan’s Rules/Swag, 1976] kennen) hat gerade einige Jahre im Knast verbracht. Jetzt will er in Miami ein neues Leben beginnen und auch für seine Teenager-Tochter wieder ein Vater sein. Ein alter Kumpel nimmt ihn mit zu einer in den Sümpfen stattfindenden Geldübergabe. Diese geht schief. Ein Albino-Killer erschießt seinen Kumpel. Stick kann flüchten.
Über einen exzentrischen Millionär, der sich gerne mit Verbrechern umgibt, hofft Stick, an den Mörder seines Freundes und die für die Geldübergabe versprochene Bezahlung zu kommen.
Burt Reynolds zeichnete in seiner fünften Regiearbeit (wenn man die TV-Folge für die kurzlebige Krimiserie „Hawk“ mitzählt) ein unsentimentales Bild vom Gangster- und Jet-Set-Leben in Florida in den frühen Achtzigern; mit schönen Landschaftsaufnahmen und ohne den „Miami Vice“-Glamour. Stattdessen konzentriert er sich ungewöhnlich ausführlich auf die einzelnen Charaktere und ihre sich teilweise langsam entwickelnden Beziehungen zueinander. Stick scheint sogar phasenweise seinen Racheplan zu vergessen. Er freundet sich mit dem Diener und der Freundin des Millionärs an. Er trifft sich mit seiner Tochter. Aber dann schlagen die Konventionen des Gangsterfilms wieder zu und Stick muss gegen die Drogenhändler kämpfen. Dennoch ist die Action eher dünn gesät und konzentriert sich vor allem auf den Anfang (die gut gefilmte misslungene Geldübergabe in den Everglades) und das Ende (den legendären Sturz von Stuntman Dar Robinson, der auch den Albino-Killer spielte, und einen Schusswechsel).
Gerade dieses Hollywood-Action-Ende ist ärgerlich. Im Buch endet die Geschichte ziemlich unblutig (Keine Angst: es gibt Blut und Leichen). Im Film ist dieses Ende auch ähnlich enthalten. Dann wird der Wunsch der Produzenten nach „Action“ befriedigt und Stick nimmt zur Beseitigung von einigen Gangstern eine MG in die Hand. Aber der Stick, den wir bis dahin kennen gelernt haben, hätte die Verbrecher cool gegeneinander ausgespielt. Er war zwar im Knast, aber blöde ist er nicht.
Insofern ist Ernest Stickley ein Vorläufer von Jack Foley (gespielt von George Clooney in „Out of Sight“), Chili Palmer (gespielt von John Travolta in „Get Shorty“ und „Be Cool“) oder Jackie Brown (gespielt von Pam Grier in „Jackie Brown“) und damit natürlich ein typischer Leonard-Charakter.
Der Film selbst pendelt dagegen unentschlossen zwischen Gangsterdrama und witzigem (eher witzig gemeintem) Actionfilm. Dennoch, oder gerade wegen seiner Mängel, ist er als früher Vorläufer der heutigen Florida-Krimis, die zwischen Action, Comedy (manchmal auch Klamauk) und Noir pendeln, sehenswert.
Beim Ansehen der Bildergalerie der jetzt erschienenen, spartanisch ausgestatteten DVD-Weltpremiere von „Sie nannten ihn Stick“ sieht man etliche Bilder von Szenen und Schauspieler, die es nicht in den Film geschafft haben. Da wäre ein Director’s Cut – falls es die Szenen überhaupt noch und in einer akzeptablen Qualität gibt – sicher ein interessanter Film.
Sie nannten ihn Stick (Stick, USA 1983)
Regie: Burt Reynolds
Drehbuch: Elmore Leonard, Joseph C. Stinson
mit Burt Reynolds, Candice Bergen, George Segal, Charles Durning, José Perez, Gastulo Guerra
Überaus gelungener Einstand einer Gruppe Hamburger Polizisten, die die Nachtschicht haben und gleichzeitig mehrere Fälle lösen müssen. Der größte Fall ist dabei in einer Bank die Geiselnahme von Ex-Roadie Schlosser.
Becker: „Wir orientieren uns an der Popkultur.“ und der „Tip“ ist wirklich begeistert von diesem hochkarätig besetzten TV-Movie.
Mit Armin Rohde, Uwe Ochsenknecht, Katharina Böhm, Ken Duken, Cosma Shiva Hagen, Minh-Khai Phan-Thi
Nachtschicht: Wir sind die Polizei (D 2010, R.: Lars Becker)
Drehbuch: Lars Becker
In Hamburg geht’s auch in der neuen „Nachtschicht“-Folge rund: die Schicht beginnt mit einem Krokodil. Dann gibt es schlagende Männer, Männer, die in Frauenkleidern einen Juwelierladen überfallen und falsche Polizisten (Kennen wir die nicht schon von der vorherigen Folge?).
mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Roeland Wiesnekker, Peter Kremer, Cosma Shiva Hagen, Ralph Herforth, Oliver Stokowski