Ein Polizist erkundet undercover eine Bande von Rauschgifthändlern.
Dies ist wahrscheinlich Decoins bester Film: ein halbdokumentarischer, eher unbekannter, trotzdem wichtiger film policier, der ein genaues Bild des Drogenhandels in Paris in den Fünfzigern liefert. Außerdem verschwimmen, wie später bei Melville, die Grenzen zwischen Gut und Böse.
Das Wochenende beginnt mit der „Anatomie eines Mordes“, einem „Köder für die Bestie“ und dem „Tod im Spiegel“ (Wolfgang Petersens schon seit Ewigkeiten nicht mehr gezeigte Richard-Neely-Verfilmung). Weiter geht’s mit Henri Decoins ebenfalls lange nicht mehr gezeigter Auguste-le-Breton-Verfilmung „Razzia in Paris“ (mit Jean Gabin und Lino Ventura), Delmer Daves‘ David-Goodis-Verfilmung „Das unbekannte Gesicht“, Lars Beckers neuestem und seinem ersten „Nachtschicht“-Film („Wir sind die Polizei“ und „Amok!“), Sydney Pollacks James-Grady-Verfilmung „Die drei Tage des Condor“, David Mackenzies Alexander-Trocchi-Verfilmung „Young Adam – Dunkle Leidenschaft“ und seiner Peter-Jinks-Verfilmung „Hallam Foe – Aus dem Leben eines Außenseiters“, Norman-Jewisons John-Ball-Verfilmung „In der Hitze der Nacht“, Steven Soderberghs lange nicht mehr gezeigtem zweiten Film „Kafka“ und als TV-Premiere gibt es den Zweiteiler „Ken Folletts Eisfieber“.
Weil der Film schon seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen lief und er deshalb wahrscheinlich sein unbekanntester Film ist. Danach drehte er „In the Line of Fire“.
ARD, 00.55
Tod im Spiegel (USA 1991, R.: Wolfgang Petersen)
Drehbuch: Wolfgang Petersen
LV: Richard Neely: The plastic nightmare, 1969 (später auch „Shattered“, Tod im Spiegel)
Dan verliert bei einem Autounfall sein Gedächtnis. Jetzt will er herausbekommen, was er vergessen hat.
Petersens Hollywood-Debüt ist ein solider, niemals wirklich berührender Psychothriller mit Noir-Touch.
Zuletzt lief „Tod im Spiegel“ vor sieben Jahren im TV.
mit Tom Berenger, Bob Hoskins, Greta Scacchi, Joanne Whalley-Kilmer
Dieter Wedel hat wieder zugeschlagen. Mit dem Dreiteiler „Einmal im Leben – Geschichte eines Eigenheims“ (1972) begründete er seinen Ruf. Später folgten einige Folgen für die Wirtschaftskrimiserie „Schwarz Rot Gold“, „Der große Bellheim“ (1993), „Der Schattenmann“ (1996), „Der König von St. Pauli“ (1998), „Die Affäre Semmeling“ (2002) und jetzt der Zweiteiler „Gier“. Wieder einmal beschäftigt Wedel sich mit der Wirtschaft. Dieses Mal am Beispiel eines Finanzjongleurs, der seine Anleger hemmungslos betrügt. Aber irgendwie ist dieses Mal alles schief gegangen. Denn genau wie der Hochstapler Dieter Glanz seinen Anlegern nur leere Versprechungen gibt, verspricht Wedel seinen Zuschauern – Tja, was eigentlich? Für eine Gesellschaftssatire ist „Gier“ zu harmlos. Für eine Aufklärung über Hochstapler und ihre Methoden zu unkonkret und als spannendes Stück Unterhaltung bietet es außer einer beeindruckenden Liste bekannter Schauspieler und schöner Bilder aus Südafrika (wegen der Drehbedingungen) nichts.
Denn der dreistündige Zweiteiler hat grundsätzliche Storyprobleme. Das beginnt schon mit der Frage, wer der Protagonist und wer der Antagonist ist. Mit dem Ziel des Protagonisten soll ich als Zuschauer mich identifizieren. Der Antagonist versucht alles, damit der Protagonist sein Ziel nicht erreicht. Es gibt einen Konflikt um etwas, das beide unbedingt haben wollen. Das gilt für einen Krimi, wenn der Kommissar (Protagonist) den Mörder (Antagonist) jagt. Das gilt für einen Liebesfilm, wenn zwei Männer sich um die gleiche Frau streiten. Dabei verkörpern die beiden Männer verschiedene Lebensprinzipien: der abenteuerlustige Naturbursche gegen den braven Familienvater. Je nachdem, was der Autor aussagen will, ist der Naturbursche entweder der richtige oder der falsche Mann. Und natürlich muss dieser Konflikt eskalieren. Es muss für den Protagonisten immer schwieriger werden, sein Ziel zu erreichen (Erinnern Sie sich an die Szene in dem Liebesfilm, in der die Braut fünf Minuten vor Filmende den falschen Mann heiraten will?).
Aber davon gibt es in „Gier“ nichts.
Es gibt keinen dynamischen Konflikt zwischen Glanz und seinen Anlegern. Während des gesamten Films geschieht nichts, außer dass Schroth und die anderen Anleger sich immer wieder mit hohlen Phrasen abspeisen lassen. Spätestens nach der zweiten Wiederholung langweilt sich auch der dümmste Zuschauer dabei. Denn dieser Konflikt zwischen Glanz, der bald eine Auszahlung verspricht, der Euphorie der Anleger, der Verzögerung der Auszahlung und, oft, dem Nachschieben Geld mit der Aussicht auf größere Gewinne, ist statisch.
Außerdem sind uns die Anleger egal. Denn es ist ziemlich egal, ob ein reicher Mann eine oder zwei Millionen von seinem Spielgeld investiert und es ist egal, ob er dafür fünf, zehn, oder fünfzehn Millionen erhalten soll. Bei Schroth ist das zwar etwas anders, aber auch er lässt sich immer wieder viel zu einfach vertrösten. Er ist viel zu naiv, um als Immobilienmakler glaubhaft zu sein. Er ist uns egal, weil wir seine Motive nicht verstehen und wir als Zuschauer vielleicht Mitleid mit einem Trottel haben, aber ihm nicht die Daumen drücken. Vor allem wenn dieser Trottel nur Geld will und er, außer sein Geld abwartend in fremde Hände zu legen, nichts tut, um sein Ziel zu erreichen.
Dieser abwesende Konflikt zwischen den beiden Hauptcharakteren setzt sich bei den blassen Nebencharakteren fort. Das ist vor allem die Clique der Großanleger, die alle bei Dieter Glanz ihr Geld angelegt haben, um ihr (wahrscheinliches) Millionenvermögen um einige Millionen zu vergrößern und sich von Glanz auf Partys verwöhnen lassen.
Wer vor dem Filmstart nicht das Presseheft oder das Buch zum Film gelesen hat, wird aber über weite Strecken nicht verstehen, warum Glanz‘ Anleger sich so und nicht anders verhalten. So erfährt der Zuschauer nicht, dass Leon Grünlich (ein kaum wiederzuerkennender Uwe Ochsenkneckt als zweitklassiger Lude mit einem unglaublichen Akzent) in eine Unternehmerfamilie einheiratete, das Geld für seine Investition bei Glanz aus der Firmenkasse entwendete und mit dem ersehnten Gewinn endlich auf eigenen Füßen stehen will. Aber gerade das erklärt sein Verhalten. Mit einer halben Drehbuchseite hätte das erklärt werden können und, gerade weil Grünlich im zweiten Teil eine die Geschichte (soweit davon gesprochen werden kann) antreibende Kraft ist, hätte das sehr früh erklärt werden müssen. So ist Grünlich nur ein geldgieriges, skrupelloses Arschloch.
Bei den anderen Charakteren ist es ähnlich. Sie sind einfach nur eine tumbe, um Swimming-Pools herumtanzende Masse. Auch hier fragt man sich, warum Wedel sich nicht zwei Minuten Zeit nimmt und die Großinvestoren uns Zuschauern vorstellt. Das hätte sogar in einer vollkommen banalen Dialogszene, in der Dieter Glanz dem Junginvestor Andy Schroth die Großinvestoren vorstellt, geschehen können.
Auch später in Südafrika führt Wedel neue Charaktere auf die denkbar ungeschickteste Art ein. So trällert die Gastwirtin Barbara Ewert (Anouschka Renzi) mehrere banale Schlager, aber Wedel versäumt es, uns zu verraten, dass sie früher ein Schlagerstar war und jetzt bei Glanz ihr gesamtes Vermögen investiert. Das erfahren wir erst, als sie auf der Straße sitzt.
Vor dem Dreh hätte Wedel diese Probleme seines Drehbuchs beheben müssen. Er hätte klären müssen, wer der Protagonist ist, wer der Antagonist ist, was der Konflikt zwischen ihnen ist, wie dieser Konflikt sich entwickelt und was der Protagonist am Ende gelernt hat. Er hätte das auch für seine Nebencharaktere tun müssen und das ins Drehbuch schreiben müssen. Dann hätten die Schauspieler auch wirklich spielen können. Jetzt bleibt es beim meist beim Overacting. Und die Charaktere wären uns nicht so herzlich egal.
Dafür gäbe es vielleicht weniger redundante Landschafts- und Partybilder. Aber das wäre ein verschmerzbarer Verlust.
Jörg Mehrwald glättet in seinem Roman zum Film einige der Drehbuchprobleme, indem er etwas über die Motive der verschiedenen Charaktere verrät. Aber auch bei ihm bleiben die Charaktere vollkommen austauschbar, die Geschichte entwickelt sich sprunghaft fort und über die Methoden von Wirtschaftsverbrechern erfahren wir auch in dem Buch nichts.
Die einzige Gier, die Wedel mit seiner Geschichte erfolgreich befriedigt, ist die Gier unsere Zeit zu stehlen.
mit Ulrich Tukur, Jeanette Hain, Devid Striesow, Katharina Wackernagel, Heinz Hoenig, Cordula Trantow, Uwe Ochsenknecht, Marion Mitterhammer, Sibel Kekilli, Harald Krassnitzer, Isa Haller, Kai Wiesinger, Regina Fritsch, Sabine Orléans, Alexander Held, Mariella Ahrens, Dieter Laser, Bibiana Beglau, Anouschka Renzi
A History of Violence (USA/Can 2005, R.: David Cronenberg)
Drehbuch: Josh Olson
LV: John Wagner/Vince Locke: A History of Violence, 1997 (Graphic Novel)
Tom Stall ist ein gewöhnlicher Schnellrestaurantbesitzer irgendwo in Indiana. Als zwei Killer sein Restaurant ausrauben wollen, tötet er sie im Affekt. Danach ist er der Held des Tages und zwei Mafiosi aus Philadelphia tauchen auf. Sie behaupten, Tom von früher zu kennen. Damals war er ein Mafiakiller und der Philly-Mob habe noch eine Rechnung mit ihm offen.
Ein eiskaltes, klar strukturiertes Drama von Cronenberg, das im TV wahrscheinlich in einer leicht gekürzten Fassung läuft. Immerhin erhielt der Film von der FSK „keine Jugendfreigabe“; – obwohl: nach Mitternacht ist alles möglich. Auch die Ausstrahlung von nicht jugendfreien Filmen.
Cronenberg erzählt eine Genregeschichte und gleichzeitig viel mehr.
Das Drehbuch von Josh Olson war für den Edgar-Allan-Poe-Preis als bestes Drehbuch nominiert. „Syriana“ erhielt die Trophäe.
Mit Viggo Mortensen, Maria Bello, Ed Harris, William Hurt
Tatort: Acht Jahre später (D 1974, R.: Wolfgang Becker)
Drehbuch: Karl-Heinz Willschrei
Nach acht Jahren wird der Einbrecher Brossberg aus der Haft entlassen. Er schwor damals, sich an seiner Ex-Geliebten und an Kommissar Heinz Haferkamp (der seinen Bruder erschoss) zu rächen.
Der feine Einstand von dem beliebtesten „Tatort“-Kommissar der siebziger Jahre und auch ohne Nostalgie-Bonus immer noch besser als die meisten aktuellen „Tatorte“.
Alte und neue Haferkamp-Fans dürfen sich die kommenden Mittwoche fest im Kalender notieren. Denn der WDR zeigt nach !Acht Jahre später“, „Zweikampf“ (20. Januar, WDR, 23.00 Uhr), „Der Mann aus Zimmer 22“ (27. Januar, WDR, 23.00 Uhr), „Wodka Bitter-Lemon“ (3. Februar, WDR, 23.00 Uhr), „Die Abrechnung“ (10. Februar, WDR, 23.00 Uhr), „Treffpunkt Friedhof“ (17. Februar, WDR, 23.00 Uhr) undsoweiter chronologisch bis Ende Mai alle zwanzig Haferkamp-Tatorte.
mit Hansjörg Felmy, Willy Semmelrogge, Karin Eickelbaum, Bernd Schäfer, Christine Ostermayer, Relja Basic, Herbert Bötticher, Klaus Schwarzkopf (als Gastkommissar)
KDD – Kriminaldauerdienst: Chancen (1) (D 2010, R.: Christian Zübert)
Drehbuch: Orkun Ertener
Heute startet die dritte und letzte Staffel von „KDD – Kriminaldauerdienst“, der ziemlich grandiosen, in Berlin spielenden Polizeiserie, die sich nicht vor amerikanischen und englischen Vorbildern verstecken muss. Die Quoten waren nie berauschend, die Optik und die Geschichten gefielen den typischen ZDF-Freitagabendkrimizuschauern nie, aber dafür gab’s gute Kritiken, Preise und in der Szene eine leichte Verwunderung (oder große Erleichterung?), dass das ZDF die Serie zweimal fortsetzte.
Jetzt ist Schluss; mit der dümmlichen Begründung, die Geschichten seien auserzählt. Da fragt man sich, wann die Geschichten der sich inflationär breitmachenden Sokos, dem „Fall für zwei“ und Bergdoktoren auserzählt sind.
Orkun Ertener:Ich habe vor vier, fünf Jahren gedacht: Wir hinken der Höhe der Erzählkunst im Fernsehen hinterher, die woanders ja existiert. Da gibt es genügend Beispiele, die man sich auf DVD ansehen kann, Kaufserien, die mich persönlich interessieren und die wenig im deutschen Fernsehen zu sehen waren und sind. Desillusioniert bin ich insofern, als ich mich mittlerweile frage, ob wir die Höhe dieser Erzählkunst jemals erreichen, ob wir diese Entwicklung überhaupt durchlaufen werden. Ich glaube eher nicht.
Die deutsche Serienzukunft sieht finster aus?
Was für einen deutschen Weg es geben wird in den nächsten drei, vier oder fünf Jahren, das weiß ich nicht. Aber wir sind ja insgesamt, was Serien betrifft, auf einem relativen Tiefpunkt angelangt. Im Privatfernsehen findet Serie im Moment so gut wie gar nicht mehr statt, bei Sat.1 und RTL gibt es kaum neue Formate oder neue Versuche, im Öffentlich-Rechtlichen sind die erfolgreichen Serien diejenigen, über die wir hier nicht sprechen, die mit KDD nichts zu tun haben, die aber prolongiert werden. Insofern ist ästhetisch-künstlerisch eine Talsohle erreicht, und ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht.
Arte zeigt die letzten acht KDD-Folgen an den kommenden Dienstagen zu sehr wechselnden Uhrzeiten (nächste Woche um 21.45 Uhr, übernächste um 23.00 Uhr); ab April dann wieder im ZDF.
Mit Barnaby Metschurat, Billey Demirtas, Bülent Sharif, Götz Schubert, Henny Reents, Johanna Gastdorf, Jördis Triebel, Laura Tonke, Lucas Gregorowicz, Manfred Zapatka, Melika Foroutan, Michael Rotschopf, Nina Kronjäger, Saskia Vester, Uwe Preuss
Polizeimeister Vogt liebt an Amrum die Ruhe. Doch damit ist es vorbei, als er eine Moldawierin vor der Russenmafia beschützen soll.
Erstens ist „Mörder auf Amrum“ der letzte Film von Barbara Rudnik.
Zweitens erhielt der Film beim Hamburger Filmfest den Produzentenpreis mit dieser schönen Begründung: „’Mörder auf Amrum‘ der Beweis ist, dass sich Spannung und Verbrechen und Humor nicht ausschließen. Obwohl in diesem Film sinnlos und zahlreich getötet wird, überwiegt beim Zuschauer das Lebensbejahende.“
Und der Tagesspiegel meint: „ein wunderbar garstiges Kleinod im deutschen Krimifernsehen, komisch und grotesk, voller schräger Figuren und mit Momenten echten Schreckens – man wähnt sich zeitweise in einem Film der Brüder Coen.“
mit Hinnerk Schönemann, Irina Potapenko, Thomas Thieme, Barbara Rudnik, Simon Schwarz
Die drei Tage des Condor (USA 1975, R.: Sydney Pollack)
Drehbuch: Lorenzo Semple jr., David Rayfield
LV: James Grady: Six days of the Condor, 1974
Joe Turner ist ein Büromensch und Angestellter der CIA. Als er nach einem Einkauf in das Büro zurückkommt sind seine Kollegen tot und er wird gejagt. Von den eigenen Leuten, wie Turner schnell herausfindet. Turner kämpft um sein Leben.
Der spannende Thriller entstand unmittelbar nach der Watergate-Affäre und fing – wie einige andere fast zeitgleich entstandene Filme – die damalige Atmosphäre von Mißtrauen und Paranoia gut ein.
Das Drehbuch erhielt den Edgar-Allan-Poe-Preis.
Mit Robert Redford, Faye Dunaway, Cliff Robertson, Max von Sydow, John Houseman
Ein geschasster CIA-Agent will seine Memoiren veröffentlichen. Sie stoßen vor allem in Agentenkreisen auf großes Interesse.
Nette Agentenkomödie, die in Deutschland nur eine Videopremiere erlebte.
„Witzige und größtenteils schwungvolle Agenten-Komödie.“ (Lexikon des internationalen Films)
Der Film war für einen Edgar nominiert, das Drehbuch für den Preis der Writers Guild of America , der Roman erhielt den Edgar als bester Krimi des Jahres und auch Brian Garfield ist mit dieser Verfilmung sehr zufrieden.
mit Walter Matthau, Glenda Jackson, Sam Waterston, Herbert Lom, Ned Beatty, David Matthau, George Baker
Auch bekannt als „Bluff Poker – Ein Schlitzohr packt aus“ (Videotitel)
Für SF- und Thriller-Fans ist die Grundidee von „Gamer“ ein alter Hut: ein Mann beteiligt sich bei einem Spiel, bei dem der Gewinner einen unglaublich großen Preis erhält. Wenn er verliert, ist er tot. Die bekanntesten neueren Versionen sind von Robert Sheckley und Stephen King. Sie mischen den Thrillerplot mit Gesellschaftskritik (denn das Gladiatorenspiel wird vor einem sensationsgierigem Publikum aufgeführt) und wurden mehrmals verfilmt: „Das zehnte Opfer“, „Das Millionenspiel“, „Kopfjagd“, „Running Man“. Die „Crank“-Macher gaben dem alten Plot einen neuen Dreh, indem die Kämpfer Teil eins Computerspiels sind und sie von anderen Menschen gesteuert werden.
Oh, und es gibt etwas mehr knallige Action. Schließlich müssen die Lautsprecher im Multiplex ausgenutzt werden.
mit Gerard Butler, Amber Valletta, Michael C. Hall, Kyra Sedgwick, Logan Lerman, Alison Lohman, Ludacris, Zoe Bell, John Leguizamo, James Roday, Maggie Lawson
Live Flesh – Mit Haut und Haar (E/F 1997, R.: Pedro Almodóvar)
Drehbuch: Pedro Almodóvar, Ray Loriga, Jorge Guerricaechevarria
LV: Ruth Rendell: Live Flesh, 1986 (In blinder Panik)
Sechs Jahre nachdem Victor einen Polizisten zum Krüppel schoss, kreuzen sich wieder ihre Wege.
Halt ein typischer Almodovar-Film. „Almodóvar pendelt in überraschenden Wendungen geschickt zwischen Pathos und Ironie, ohne völlig in den schrillen Erzählton früherer Werke zu kippen.“ (Zoom 8/98)
mit Liberto Rabal, Javier Bardem, Francesca Neri, Angela Molina
Beverly Hills Cop – Ich lös‘ den Fall auf jeden Fall (USA 1984, R.: Martin Brest)
Drehbuch: Daniel Petrie jr. (nach einer Geschichte von Danilo Bach und Daniel Petrie jr.)
Als ein alter Freund von Detroit-Cop Axel Foley ermordet wird, nimmt er Urlaub und beginnt im noblen Beverly Hills den Mörder zu jagen. Dort fällt er nicht nur wegen seiner Hautfarbe, seinen Klamotten, seinem Mundwerk, sondern auch wegen seinen Methoden (die jede geschriebene und ungeschriebene Dienstvorschrift ignorieren) auf.
Die Action-Comedy war damals ein Kassenschlager und zog zwei schwächere Fortsetzungen nach sich. Eine vierte ist immer wieder im Gespräch.
„Meisterwerk des Kommerzes“ (Fischer Film Almanach 1986)
„pures Entertainment“ (Wolfgang Schweiger: Der Polizeifilm)
Tja, das Team Simpson/Bruckheimer wusste schon damals, wie sie an unser Geld kommen. Ihr nächster Film war „Top Gun“.
Das Drehbuch war für einen Oscar und den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert.
mit Eddie Murphy, Judge Reinhold, John Ashton, Lisa Eilbacher, Steven Berkoff, James Russo, Jonathan Banks, Stephen Elliott
The Sentinel – Wem kannst du trauen? (USA 2006, R.: Clark Johnson)
Drehbuch: George Nolfi
LV: Gerald Petievich: The Sentinel, 2003
Aus den Reihen des Secret Service soll ein Attentat auf den Präsidenten geplant werden. Die Ermittlungen führen David Breckinridge zu seinem ehemaligem Freund Pete Garrison. Doch bevor er ihn verhaften kann, flüchtet Garrison. Garrison will auf eigene Faust den Verräter finden; falls er nicht vorher von Breckinridge erwischt wird.
Unterschätzter Thriller
Mit Michael Douglas, Kiefer Sutherland, Eva Longoria, Kim Basinger, Martin Donovan, David Rasche, Gloria Reuben, Clark Johnson
Die kriminalfilmischen Höhepunkte in den ersten Tagen des neuen Jahres sind rar gesät. Sehenswert sind Robert Harmons ruhige Robert-B.-Parker-Verfilmung „Jesse Stone – Knallhart“ (mit Tom Selleck in der zweiten Rolle seines Lebens), Sidney Lumets Edwin-Torres-Verfilmung „Tödliche Fragen“, Clark Johnsons unterschätzte Gerald-Petievich-Verfilmung „The Sentinel – Wem kannst du trauen?“, John Hustons Richard-Condon-Verfilmung „Die Ehre der Prizzis“, seine Dashiell-Hammett-Verfilmung „Die Spur des Falken“, Pedro Almodóvars Ruth-Rendell-Verfilmung „Live Flesh – Mit Haut und Haar“, Spike Lees David-Benioff-Verfilmung „25 Stunden“, Ronald Neames fast unbekannte Brian-Garfield-Verfilmung „Agenten-Poker“, Sydney Pollacks James-Grady-Verfilmung „Die drei Tage des Condor“ und David Cronnenbergs John-Wagner/Vince-Locke-Verfilmung „A History of Violence“. Immerhin wurden einige Filme schon seit längerem nicht mehr gezeigt.
Blow Out – Der Tod löscht alle Spuren (USA 1981, R.: Brian De Palma)
Drehbuch: Brian De Palma, Bill Mesce Jr. (ungenannt)
Jack Terry ist Toningenieur für Horrorfilme. Eines Nachts beobachtet er, während er auf der Jagd nach Geräuschen ist, den tödlichen Autounfall eines Präsidentschaftskandidaten. Als er sich später sein Tonband anhört, hört er einen Schuss. Wurde der Kandidat ermordet?
Spannender Thriller von Brian De Palma, der damals eine Reihe guter Filme hintereinander inszenierte.
Der Titel erinnert an Michelangelo Antonionis auch inhaltlich sehr ähnlichen Klassiker „Blow Up“. Die Kritiker fanden (eines ihrer liebsten Hobbys) zahlreiche Hitchcock-Anleihen, die Polit-Junkies durften über die Ähnlichkeiten zu dem JFK-Attentat, Watergate und Chappaquiddick (während in dem Film der Politiker stirbt, starb in Wirklichkeit die Beifahrerin von Ted Kennedy) nachdenken, die Cineasten über das Kino und den Zusammenhang zwischen Film und Wirklichkeit sinnieren und alle über die Schlusspointe lachen. Das ist doch ziemlich viel für ein Genrewerk, das einfach nur zwei Stunden unterhalten will.
Der Fischer Film Almanach urteilte damals über den Thriller: „einer seiner spannendsten und besten Arbeiten überhaupt.“
DVD Verdict zwanzig Jahre später: „One could make an argument that Blow Out is the most underrated, overlooked film of the entire 1980s.“
Und, jaja, auch Quentin Tarantino gefällt der Film. Ist einer seiner Lieblingsfilme
mit John Travolta, Nancy Allen, John Lithgow, Dennis Franz
No way out – Es gibt kein Zurück (USA 1987, R.: Roger Donaldson)
Drehbuch: Robert Garland
LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1946
Offizier Farrell hat eine Affäre mit der Geliebten des Verteidigungsministers. Als sie stirbt, soll Farrell die Spuren vertuschen und den Augenzeugen für die Tat finden: sich.
Enorm spannender Krimi mit Top-Besetzung und überraschenden Story-Twists bis zur letzten Sekunde.
Mit Kevin Costner, Gene Hackman, Sean Young, Will Patton
Jesse Stone – Knallhart (USA 2006, R.: Robert Harmon)
Drehbuch: Tom Epperson
LV: Robert B. Parker: Night Passage, 1997 (Das dunkle Paradies)
Der zweite Jesse-Stone-Film erzählt die Vorgeschichte: in ihr tritt Jesse Stone seinen Job in Paradise an und muss zuerst den Kleinstadtsumpf ausmisten. Denn – Überraschung! – Stone hat den Job nur wegen seines Lebenslaufs (und dem Fazit: kaputter Verlierer) bekommen.
Im Buch endet die Ankunft von Jesse Stone in Paradise in einem Western-Showdown. Im Film ist es etwas weniger dramatisch. Aber auch der zweite Jesse-Stone-Film ist gute altmodische Unterhaltung, bei der die Charaktere im Mittelpunkt stehen.
„No fools over at CBS, the net quickly followed one of last year’s best TV movies, „Stone Cold,“ with this equally first-rate prequel.” (Variety)
Mit Tom Selleck, Stephanie March, Stephen Baldwin, Saul Rubinek, Viola Davis, Kohl Sudduth
Catch me if you can (USA 2002, R.: Steven Spielberg)
Drehbuch: Jeff Nathanson
LV: Frank Abagnale (mit Stan Redding): Catch me if you can: The Amazing True Story of the Youngest and Most Daring Con Man in the History of Fun and Profit, 1980 (Mein Leben auf der Flucht, Catch me if you can)
Spielberg erzählt die wahre Geschichte des Hochstaplers Frank Abagnale. Der Film „ist eine swingende, schwerelose Krimikomödie, die durch Tempo, Charme und Verspieltheit überzeugt.“ (Berliner Zeitung, 30. Januar 2003)
Mit Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, Martin Sheen, Nathalie Baye, James Brolin, Jennifer Garner