Drehbuch: J.S. Cardone (nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake und einer Geschichte von Carolyn Starin, Brian Garfield und Donald E. Westlake)
Von der Kritik gehasstes Remake von Joseph Rubens kleinem, Edgar-nominierten Klassikers „Kill, Daddy, Kill“ (The Stepfather, USA 1986), der die wahre Geschichte von John List verarbeitete. In dem Film ist List besessen von seinem Traum von einer glücklichen Familie. Wenn die anderen Familienmitglieder sich seinen Wünschen nicht mehr beugen, bringt er sie um und macht sich auf zur nächsten Traumfamilie. Aber dieses Mal misstraut die Tochter (im Original)/der Sohn (im Remake) dem Stiefvater.
Bei „Rotten Tomatoes“ kommt der Film auf 11 %, bei „Metacritic“ auf ebenfalls ziemlich enttäuschende 33 % und alle sind sich einig, dass das Original besser ist.
Epix veröffentlicht das Original am 8. Januar 2010 als „The Stepfather – Kill, Daddy, Kill“ auf DVD.
mit Dylan Walsh, Sela Ward, Penn Badgley, Amber Heard, Braeden Lemasters
Einen ganzen Tag lang gibt’s mehr oder weniger gute Pop- und Rockmusik. Los geht’s mit Jan Delay. Weiter geht’s mit Fleetwood Mac, Tom Petty, Eric Clapton und Steve Winwood, den Söhnen Mannheims, Peter Fox, Tina Turner (50th Anniversary Concert Tour), Neil Diamond (Hot August Night, Ausgabe 2008), Stevie Wonder, Pink, The Killers, Green Day und Oasis.
Pat Garrett jagt Billy the Kid (USA 1973, R.: Sam Peckinpah)
Drehbuch: Rudolph Wurlitzer
Der Titel verrät die Story – und das Ende kennen wir aus den Geschichtsbüchern.
Grandioser Abgesang auf den Wilden Westen und das Ende der sechziger Jahre. Es wird, wie üblich, die rekonstruierte Langfassung gezeigt (in der leider die grandiose Sterbeszene am Fluss mit Dylans Knockin´ on heavens door fehlt). MGM brachte damals nur eine gekürzte Fassung in die Kinos.
„Der Film hat eine Trägheit und einen elegischen Ton, in denen man versinken kann. Was kommen wird, ist so klar, dass er immer wieder innehalten, abweichen, verzögern kann. Die Szenen müssen nicht ineinander greifen, es gibt abrupte Wechsel, und im Grunde ist es ein Film übers Herumhängen im Grenzgebiet, in runtergekommenen Häusern, provisorischen Quartieren. Es gibt eine ausgeprägte Vorliebe für Abend- und Morgendämmerung, für das Nachmittagslicht im amerikanischen Südwesten, und mittendrin gerät man immer wieder in kurze Sequenzen von einer tranceartigen Schönheit.“ (Peter Körte in Filmgenres: Western, Reclam 2003)
Mit Kris Kristofferson, James Coburn, Bob Dylan (auch Musik), Jason Robarts Jr., Richard Jaeckel, Katy Jurado, Slim Pickens, John Beck, Rita Coolidge, R. G. Armstrong, Jack Elam, L. Q. Jones, Harry Dean Stanton, Rudolph Wurlitzer, Sam Peckinpah (spielt Will, den Sargmacher), Elisha Cook Jr.
Hinweise
Wikipedia über „Pat Garrett jagt Billy the Kid (deutsch, englisch)
LV: Richard Rostand (Robert Hopkins): Monkey in the middle, 1973
Die Freunde Locken und Hansen arbeiten für COMTEG, eine Personenschutzgesellschaft, die an den schmutzigen Fronten des Kalten Krieges kämpft. Nach einem Auftrag verrät Hansen Locken und schießt ihn zum Krüppel. Locken sinnt jetzt auf Rache. Die Gelegenheit kommt, während er einen japanischen Politiker beschützt.
Ein als Agenten-Thriller getarnter harter Thriller über Freundschaft und Verrat.
Der Film „zerfällt in zwei sorgfältig voneinander getrennte Hälften…Bis zum Tod Hansens bleibt alles im Rahmen eines konventionellen Thrillers, die zweite Hälfte des Films wird zum definitiven Beleg der These, dass Peckinpah jeden Stoff mit seinen immergleichen Themen und Obsessionen veredelte. Er konnte keine Nebenwerke und Auftragsarbeiten abliefern, und auch ein Projekt, wie dieses, das er sich nicht selbst ausgesucht hatte, formte er zum Nachweis seiner unverwechselbaren Identität als Autorenregisseur um.“ (Frank Arnold/Ulrich von Berg: Sam Peckinpah). Das heißt: „Unter dem Deckmäntelchen eines Genrefilms von der Stange ist ‚The Killer Elite’ ein ambitioniertes und persönliches Bekenntnis zur Selbstanalyse und zur Lernbereitschaft, auch eine weitere Abhandlung des Themas Rache und ihrer Bezwingung, aber ein ungebrochen optimistischer Film ist er nicht.“ (ebenda)
Mit James Caan, Robert Duvall, Arthur Hill, Bo Hopkins, Mako, Burt Young
Die breite Öffentlichkeit denkt bei Sam Peckinpah immer noch zuerst an Gewalt. In „Straw Dogs“ kämpft ein junges amerikanisches Intellektuellenpaar gegen rückständige englische Dorfbewohner. Der Stein des Anstoßes war, neben dem gewalttätigem Ende, in vielen Ländern die für den Film zentrale Vergewaltigung der Ehefrau. Auch in Deutschland stand der Film deshalb von 1983 bis 2007 auf dem Index. In „Getaway“ schießt ein Gangsterpaar sich den Weg frei und in „The Wild Bunch“ sterben die Verbrecher in einem wahren Blutrausch. Das Ende ist auch heute, auf dem kleinen Bildschirm, immer noch überwältigend. Vor vierzig Jahren muss es für das damalige Publikum ein schockierender Alptraum gewesen sein.
Peckinpahs andere Filme, wie seine sehr persönlichen Filme „The Ballad of Cable Hogue“ und „Junior Bonner“, sind dagegen viel unbekannter und auch die stillen Momente in seinen Spielfilmen (von denen es viele gibt) wurden zunächst kaum beachtet. So ist auch in „The Wild Bunch“ die Gewalt in den ersten und letzten Minuten des Films nur die Klammer für die vielen ruhigen Szenen, in denen wir Pike Bishop und seine Jungs kennen und auch irgendwie lieben lernen. Aus den Desperados werden Menschen, die wissen, dass ihre Zeit vorüber ist. Denn im Gegensatz zu ihrem Verfolger, ihrem alten Gefährten Deke Thornton, wollen sie sich nicht anpassen.
Bishop und seine Gefährten sind typische Peckinpah-Charaktere. Es sind Westerner, deren Werte nicht mehr in die moderne Gesellschaft passen. Sie sind Individualisten, die ihrem eigenen moralischen Kompass folgen. Sie wissen das, aber sie sind auch unfähig Kompromisse einzugehen. Lieber sterben sie.
Oder, wie Sam Peckinpah in „Ride the High Country“ einem Charakter einen Satz seines Vaters in den Mund legte: „All I want is to enter my house justified.“ In der deutschen Synchronisation wurde daraus: „Alles was ich will, ist, dass ich als rechtschaffener Mensch diese Welt wieder verlasse.“
Außerdem behandelt Peckinpah immer wieder den Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen. Oft ist es der alte Wilde Westen gegen die moderne Industriegesellschaft. Deshalb spielen seine Western zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Seltener der Norden (vulgo die USA) gegen den Süden (vulgo Mexiko). Einmal kehrt Peckinpah sein normales Wertesystem um. In „Straw Dogs“ müssen linksliberale Intellektuelle gegen rückständige Dorfbewohner kämpfen und der von Dustin Hoffman gespielte linkische Ehemann verteidigt sich am Ende äußert gewalttätig.
Schon zu Lebzeiten und heute noch immer bewundern ihn viele Kollegen, Kritiker und Kinogänger. Allein schon die zahlreichen, vor allem in den USA, nach seinem Tod erschienenen und nicht ins Deutsche übersetze Bücher, verraten einiges über seinen Einfluss.
Auch Mike Siegel ist ein Peckinpah-Fan. Der Sindelfinger war als Teenager von „Convoy“ und „Steiner“ begeistert, wollte mehr über den Macher wissen und baute in den vergangenen Jahren ein großes Peckinpah-Archiv auf. Er veröffentlichte das reich bebilderte und sehr informative Buch „Passion & Poetry: Sam Peckinpah in Pictures“ (nur noch antiquarisch, aber die Suche lohnt sich). Bereits in dem Buch wies er einige Male auf die von ihm gedrehte Dokumentation „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“ hin. Denn die meisten Interviews waren damals bereits gedreht und er war gerade beim Schneiden. Aber dann verzögerte sich alles. Siegel übernahm verschiedene Aufträge, wie das schon erwähnte Peckinpah-Buch und Featurettes für Peckinpah-DVDs. In den vergangenen Jahren wurde der Film auf mehreren Festivals gezeigt, aber kein TV-Sender wollte ihn kaufen. Auch Arte machte in letzter Minute einen Rückzieher.
Jetzt brachte Mike Siegel den Film, mit etwas Geld von der Filmförderung Baden-Württemberg, auf DVD heraus und das Warten hat sich gelohnt. Denn, wie Siegel in seinen informativen Audiokommentaren sagt, wollte er jetzt einfach möglichst viel von seinem Peckinpah-Material veröffentlichen. Deshalb gibt es neben der zweistündigen Dokumentation „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“ auch die ebenfalls gut zweistündige, dreiteilige Dokumentation „Stories on a Storyteller“, weitere Ausschnitte aus dem Interview mit Ernest Borgnine (der in seinem Redefluss kaum zu bremsen war), ein Featurette über die Hacienda Cienega Del Carmen (dort entstand die legendäre Schlusssequenz von „The Wild Bunch“) und „Mike’s Home Movies“. Das sind einige Impressionen von Ausstellungen über Peckinpah und Präsentationen von „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“ auf verschiedenen Festivals. Bis auf „Mike’s Home Movies“, einer kurzen Mischung aus B-Roll und filmischem Tagebuch, sind die anderen Bonusfilme eine absolut wichtige und sehenswerte Ergänzung zu dem Hauptfilm. Die „Stories on a Storyteller“ ist eine weitere eigenständige Dokumentation über Peckinpah, die auch gut als Hauptfilm hätte fungieren können.
Der Hauptfilm „Passion & Poetry“ folgt dem Leben von Sam Peckinpah: chronologisch werden seine Jugend, seine Zeit beim Militär, die ersten TV-Arbeiten in Hollywood und seine Spielfilme abgehandelt. Die Chronologie wird durch Einschübe über Peckinpahs Frauen und seine Alkohol- und Kokainsucht unterbrochen. Die Geschichte seines Lebens wird erzählt von Peckinpah-Vertrauten, wozu vor allem seine Schwester Fern Lea Peter (die hier erstmals vor der Kamera über Sam sprach), seine Tochter Lupita, langjährigen Mitarbeitern, wie Katy Haber, Chalo González, Gordon Dawson und Dan Melnick, Schauspielern, die teilweise in mehreren seiner Filme auftraten, wie Ernest Borgnine, James Coburn, Kris Kristofferson, Bo Hopkins, R. G. Armstrong, L. Q. Jones, David Warner, Vadim Glowna, Ali MacGraw und Senta Berger, und Peckinpah-Biographen, wie David Weddle, zählen. Ergänzt werden die neuen Interviews von einigen längeren Interviews, die Sam Peckinpah noch zu Lebzeiten gab. Illustriert werden die Geschichten von Fotografien, ganz wenigen Filmausschnitten und Trailern zu seinen Filmen. Wie Siegel in dem Audiokommentar erzählt, musste er auf die Trailer ausweichen, weil er nicht genug Geld hatte, um die Rechte an speziellen Filmausschnitte zu erwerben.
Umrahmt wird Peckinpahs Biographe von Bildern der Hacienda Cienega Del Carmen und längeren Behind-the-Scenes-Aufnahmen von seiner letzten Regiearbeit: einem Musikvideo für Julian Lennon. Sie zeigen einen alten Mann – obwohl Peckinpah damals noch keine Sechzig war. Das Video entstand im Sommer 1984. Am 28. Dezember 1984 starb er.
„Passion & Poetry“ ist kein Peckinpah-kritischer Film oder eine quasi-wissenschaftliche Werkanalyse. Es ist eine sehr informative Biographie, die vor allem eine Liebeserklärung an den Regisseur ist. Sie lebt von den Erinnerungen seiner Freunde und Mike Siegel lässt sie sehr ausführlich zu Wort kommen. Das driftet öfters ins Anekdotische ab, ist aber immer interessant. Denn Mike Siegel gelingt es, ein ganzes Leben in knapp zwei Stunden zu erzählen. Und die Dokus „Passion & Poetry“ und „Stories on a Storyteller“ (denn alles was ich über „Passion & Poetry“ geschrieben habe, gilt auch für „Stories on a Storyteller“) laden zum wiederholten Ansehen der Filme von Sam Peckinpah ein.
Mike Siegel nahm auch einen deutschen und einen englischen Audiokommentar auf, die sich vom Inhalt kaum unterscheiden. In beiden erzählt er, wie er zum Peckinpah-Fan wurde, von den Dreharbeiten und warum es so lange dauerte, bis der Film endlich auch außerhalb von Filmfestivals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt wird. Denn der Hauptdreh war im Winter 2002. Damit sind sie ein interessanter Einblick in die Welt des unabhängigen Filmemachens.
Aber auch nach dieser sehr umfangreichen Doppel-DVD kommt Mike Siegel von Sam Peckinpah nicht los. Als nächstes plant er eine Dokumentation über Peckinpahs Kriegsfilm „Steiner – Das eiserne Kreuz“, die dann als Bonusmaterial auf einer werkgetreuen DVD erscheinen soll.
Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah
(D 2005)
Regie: Mike Siegel
Drehbuch: Mike Siegel
mit Ernest Borgnine, James Coburn, Kris Kristofferson, Ali MacGraw, R. G. Armstrong, L. Q. Jones, Bo Hopkins, David Warner, Senta Berger, Vadim Glowna, Mario Adorf, Gordon T. Dawson, Roger Fritz, Chalo González, Katherine Haber, Martin Lewis, Dan Melnick, Lupita Peckinpah, Fern Lea Peter, Garner Simmons, Isela Vega, David Weddle, Monte Hellman (Erzähler), Sam Peckinpah (Archivaufnahmen)
Bonusmaterial: Audiokommentar (deutsch, englisch), Stories of a Storyteller (3-teilige Dokumentation mit zusätzlichen Interviews: The Westerner [29 Minuten], Art & Success [36 Minuten], Poet on the Loose [38 Minuten]), Mapache Territory (15 Minuten), Ernest Borgnine on The Wild Bunch (15 Minuten), Mike’s Home Movies (15 Minuten), Booklet, Wendecover
FSK: ab 12 Jahre
–
Außerdem
Mike Siegel: Passion & Poetry – Sam Peckinpah in Pictures
Schwarzkopf & Schwarzkopf, 2003
576 Seiten
(nur noch antiquarisch)
–
Die Spielfilme von Sam Peckinpah
Gefährten des Todes (The deadly Companions, USA 1961, Drehbuch: Albert Sidney Fleischman)
Drehbuch: N. B. Stone, Jr. (ungenannt: William S. Roberts, Sam Peckinpah)
Sacramento, um 1900: Drei Männer, von denen zwei ihre besten Jahre bereits hinter sich haben, sollen aus einer in den Bergen gelegenen Goldgräberstadt Gold abholen und ins Tal zur Bank bringen. Bald haben sie mehr Ärger an der Hacke als sie verdauen können.
Bereits bei Peckinpahs zweitem Spielfilm, der den Beginn des Spätwesterns markierte, sind alle seine Themen vorhanden. Und die ständigen Probleme mit dem Studio. „Die MGM sah in ´Ride the High Country´ einen billigen, schnell heruntergedrehten Film, gerade gut genug, im Sommer ein Doppel-Film-Programm voll zu machen. Wenn ich versucht hätte, ihnen zu sagen, um was es in dem Film wirklich geht, nämlich um Einsamkeit und Erlösung, dann hätten sie mich auf der Stelle rausgeschmissen. Sie hassten ohnehin, was ich da drehte, und sie haben mich herausgeworfen, bevor ich mit dem Schneiden, dem Synchronisieren und der Musik fertig wurde.“ (Peckinpah im Playboy-Interview)
Mit Randolph Scott, Joel McCrea, Ronald Starr, Mariette Hartley, R. G. Armstrong, L. Q. Jones, Warren Oates
Auf Wunsch des korrupten Politikers Jack Benyon wird Doc McCoy vorzeitig aus der Haft entlassen. Er soll eine Bank ausrauben. Der Überfall gelingt, aber danach geht alles schief.
Die gelungene und kommerziell sehr erfolgreiche Verfilmung des Krimis, mit Steve McQueen und Ali MacGraw – obwohl das letzte Drittel des Buches fehlt. Und das ist noch nicht alles, wie der französische Regisseur Alain Corneau meint: „Im Gegensatz zu Hammett und Chandler sind die Amerikaner nicht dazu in der Lage, Thompson zu verfilmen. Nehmen wir zum Beispiel Getaway. Die Figuren werden für die Verfilmung um 180 Grad gedreht, das Buch um mindestens ein Drittel gekürzt. Die Personen und das Thema des Romans wurden an die Seite gedrängt. Doc McCoy ist im Buch ein viel düsterer Charakter als Steve McQueen, und die philosophischen Dimensionen gingen völlig verloren.“ – Trotzdem ist „Getaway“ ein kalter, düsterer und amoralischer Film.
Mit Steve McQueen, Ali MacGraw, Ben Johnson, Al Lettieri, Slim Pickens, Bo Hopkins
ARD, 01.35
Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia (USA 1974, R.: Sam Peckinpah)
Drehbuch: Gordon Dawson, Sam Peckinpah (nach einer Story von Frank Kowalski und Sam Peckinpah)
Der mehr als abgehalfterte Barpianist Benjamin wittert seine große Chance. Denn auf den Kopf von Alfredo Garcia ist eine hohe Belohnung ausgesetzt. Und Benjamin weiß, wo Alfredos Kopf ist.
„Wie eine klassische griechische Tragödie rollt das Filmdrama vor dem Zuschauer ab, mit allen Momenten und Zutaten des klassischen Genres. In einem hermetisch geschlossenen Zirkel, aus dem es keinen Ausweg gibt, zeugt Gewalt fortzeugend Gewalt…Dennoch wird man sagen dürfen, dass – sicher im Gegensatz zu unendlich vielen anderen Action-Filmen – hier die Gewalt in einem eindeutig kritischen, und zwar politisch-kritischen Rahmen dargestellt und präsentiert wird. Peckinpah zeigt einen Staat, in dem statt der Gesetze das Recht des Stärkeren regiert, statt des Rechtes die Faust, statt der Pistole die Maschinenpistole.“ (Film-Dienst)
Mit Warren Oates, Isela Vega, Gig Young, Kris Kristofferson
A Scanner Darkly – Der dunkle Schirm (USA 2006, R.: Richard Linklater)
Drehbuch: Richard Linklater
LV: Philip K. Dick: A Scanner Darkly, 1977 (Der dunkle Schirm)
USA, demnächst: Die Regierung führt einen gnadenlosen Krieg gegen Drogen. Polizist Bob Arctor soll in einem Undercover-Einsatz einen wichtigen Drogenhändler schnappen. Dummerweise wird er selbst süchtig und er weiß immer weniger, wer er ist und wem er vertrauen kann. Irgendwann glaubt er sogar, dass er sich selbst jagt.
TV-Premiere einer tollen Dick-Verfilmung, die bei uns ihre Premiere auf DVD erleben musste. Und das trotz der guten Besetzung.
Linklater verwandete für den Film die Rotoscoping-Technik, d. h. zuerst drehte er die Szenen ganz normal, anschließend übermalte er sie am Computer. Jetzt sieht “A Scanner Darkly” wie ein Trickfilm aus und natürlich wird so auch die zunehmende Identitätskrise des Helden und die allumfassende Paranoia visualisiert. Bei Dick war es die Paranoia der Siebziger; bei Linklater ist es die Post-9/11-Paranoia.
“A Scanner Darkly” war für einen Hugo als bester SF-Film des Jahres nominiert.
mit Keanu Reeves, Rory Cochrane, Robert Downey jr., Winona Ryder, Woody Harrelson, Melody Chase
Drehbuch: Julian Mitchell, Stanley Price, Pierre Marton (Pseudonym von Peter Stone)
LV: Alex Gordon (auch Gordon Cotler): The Cipher, 1961
Oxford-Professor Pollock soll eine hethitische Inschrift entziffern. Er weiß nicht, dass er danach umgebracht werden soll.
Schwungvolle Agenten-Komödie in einem verschwenderischen Dekor, z. B. trägt Sophia Loren nur Kleider von Dior. Ist einer der besten nicht von Hitchcock inszenierten Hitchcock-Filme – und eine prall gefüllte Wundertüte an Intrigen und Gegenintrigen.
Gordons Buch war 1962 als bestes Debüt für den Edgar nominiert.
Lichter der Großstadt (USA 1931, R.: Charlie Chaplin)
Drehbuch: Charlie Chaplin, Harry Clive (ungenannt), Harry Crocker (ungenannt)
Tramp Charlie verliebt sich in ein blindes Blumenmädchen. Um ihr eine Augenoperation zu ermöglichen, muss er Geld verdienen. Das ist allerdings nicht so einfach.
Ein weiterer, schon lange nicht mehr gezeigter Charlie-Chaplin-Klassiker.
„Wie alle großen Komödien Chaplins enthält ‚City Lights‘ sowohl slapstickhafte als auch romantische, sentimentale, und melancholische Elemente. Doch kaum ein anderer seiner Filme zerfällt so deutlich in einen burlesken und einen romantischen Handlungsstrang. (…) Was dem Film, abgesehen von den thematischen Berührungspunkten zwischen den beiden Parallelhandlungen, formale Geschlossenheit verleiht, ist die spielerische Leichtigkeit und das exakte Timing der Inszenierung. Chaplin selbst wies darauf hin, dass ‚City Lights‘ mehr als seine anderen Filme den Charakter eines Tanzes oder Balletts besitzt.“ (Lars Heiler in Heinz-B. Heller/Matthias Steinle, Hrsg.): Filmgenres Komödie, 2005)
mit Charlie Chaplin, Virginia Cherrill, Florence Lee, Harry Myers, Allan Garcia
Bahnbrechendes Action-Kino, das Bruce Willis zum Star machte – im Buch besucht der Held seine Tochter, im Film besucht der Held seine Frau, der Rest (Terroristen besetzten ein Hochhaus, unser Held kämpft gegen sie) ist bekannt. EPD Film meinte „ein durch und durch regressiver Film, der einer infantilen Lust an der Zerstörung Nahrung verschafft.“
Und das, mal wieder, als Vorbereitung für den heiligen Abend. Teil 2 und 3 folgen an den kommenden Tagen.
Mit Bruce Willis, Alan Rickman, Bonnie Bedelia, Reginald VelJohnson, Paul Gleason, William Atherton, Robert Davi
Drehbuch: Guillermo Arriaga (nach einer Idee von Guillermo Arriaga und Alejandro González Iñárritu)
In ihrem dritten gemeinsamen Spielfilm (nach „Amores Perros“ und „21 Gramm“) verschränken Iñárritu und Arriaga wieder mehrere Geschichten miteinander. Dieses Mal erzählen sie die Geschichte eines amerikanischen Touristenpärchens in Marokko, deren Haushälterin in San Diego und einer Teenagerin in Tokio. Auch wenn die Verbindung zwischen den Geschichten etwas gewollt ist (ich sage nur Gewehr) und der Film mit 135 Minuten Laufzeit ziemlich lang ist, hat er mir im Kino gut gefallen.
„Babel“ gewann, nach der IMDB, 28 Filmpreise und war für 75 weitere Preise nominiert. Er war, unter anderem, für den Oscar und BAFTA als bester Film des Jahres nominiert und erhielt in dieser Kategorie einen Golden Globe. In Cannes gewann er drei Preise (unter anderem für die Regie) und Arriagas Drehbuch hat es auf ungefähr jede wichtige Preisliste geschafft.
Mit Brad Pitt, Cate Blanchett, Rinko Kikuchi, Elle Fanning, Gael García Bernal, Adriana Barraza
Tramp Charlie muss in einer Fabrik am Fließband arbeiten. Durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle landet er sogar im Gefängnis.
Chaplins Kommentar zur Industriegesellschaft und den Auswirkungen der Wirtschaftskrise ist heute wieder brennend aktuell. Ein Klassiker der Komödie ist der Stummflim „Moderne Zeiten“ sowieso schon lange.
mit Charlie Chaplin, Paulette Goddard, Chester Conklin
Charlie Chaplin starb am 25. Dezember 1977. Für unseren liebsten Kultursender ist das der Anlass für den Themenabend „Charlie, der ewige Tramp“ und die Ausstrahlung einiger, teils lange nicht mehr gezeigter Chaplin-Klassiker.
Arte, 20.15
Der große Diktator (USA 1940, R.: Charlie Chaplin)
Drehbuch: Charlie Chaplin
Grandiose Satire über Adolf Hitler: ein jüdischer Friseur und der Diktator Hynkel sehen sich zum Verwechseln ähnlich.
Wer den Film noch nicht gesehen hat,…
Mit Charlie Chaplin, Paulette Goddard, Jack Oakie,
Wiederholungen
Mittwoch, 23. Dezember, 15.15 Uhr (VPS 15.14)
Donnerstag, 31. Dezember, 15.35 Uhr
Montag, 11. Januar 2010, 14.45 Uhr
–
Arte, 22.25 (VPS 22.20)
Charlie – Leben und Werk von Charles Chaplin (USA 2003, R.: Richard Schickel)
Drehbuch: Richard Schickel
Zweistündige Doku über Charles Chaplin, mit Interviews und exclusivem Material.
Mit Charlie Chaplin, Geraldine Chaplin, Michael Chaplin, Sydney Chaplin, Johnny Depp, Woody Allen, Milos Forman, Claire Bloom, Martin Scorsese, Norman Lloyd, Jeffrey Vance
Wiederholung: Freitag, 1. Januar 2010, 00.25 Uhr (Taggenau! – Abschluss eines Charlie-Chaplin-Tages bei Arte)
Meine letzten TV-Krimi-Buch-Tipps für dieses Jahr sind, wegen der Feiertage, ein ziemlich fettes Teil geworden und Alligator-Alfred hat auch wieder viele schöne Bilder gefunden:
Über 1500 Filme sollen in den nächsten Tagen im TV laufen. Ich habe sie nicht nachgezählt, aber es sind gefühlte 1492 Wiederholungen. Keine Wiederholung ist Richard Linklaters grandiose Philip-K.-Dick-Verfilmung „A Scanner Darkly“.
Außerdem sehenswert sind die vielen Hitchcock-Filme – „Frenzy“, „Die Vögel“, „Vertigo“, „Fenster zum Hof“, „Der Mann, der zuviel wusste“, „Immer Ärger mit Harry“ – und die spielfilmlange Doku „Hitchcock – Der Schatten eines Genies“. Zum 25. Todestag von Sam Peckinpah (28. Dezember 1984) gibt es seine Jim-Thompson-Verfilmung „Getaway“, „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“, „Sacramento“, „Die Killer-Elite“ und „Pat Garrett jagt Billy the Kid“.
Bleiben wir einen Moment im Wilden Westen: George Stevens Jack-Schaefer-Verfilmung „Mein großer Freund Shane“ und Don Siegels Glendon Swarthout-Verfilmung „Der letzte Scharfschütze“ sind immer wieder sehenswert.
Moderner wird’s mit Sam Mendes‘ Max-Allan-Collins-Verfilmung „Road to Perdition“, Francis Ford Coppolas „Cotton Club“, Frank Millers und Robert Rodriguez „Sin City“ (nach Millers Comics), Steven Spielbergs Frank-Abagnale-Verfilmung „Catch me if you can“ und mit Jean-Jacques Annauds Umberto-Eco „Der Name der Rose“ landen wir im Mittelalter.
Humphrey Bogart will einige Male „Haben und Nichthaben“ und erlebt „Die wilden Zwanziger“. Bruce Willis feiert dreimal Weihnachten (jaja, den dritten Heiligabend verlegte er in den Sommer).
LV: Arthur La Bern: Goodbye Piccadilly, Farewell Leicester Square, 1966 (Frenzy)
Ein Frauenmörder versetzt ganz London in Panik. Die Polizei tappt im Dunkeln. Und ein Unschuldiger kennt den richtigen Täter: seinen besten Freund.
Oder in Hitchcocks Worten: „Frenzy ist die Geschichte eines Mannes, der impotent ist und sich deshalb durch Mord ausdrückt.“
Hitchcocks vorletzter Film, seine Rückkehr nach London und seine Rückkehr in die Kritikerherzen, nachdem er seit „Die Vögel“ (1963) nichts wirklich weltbewegendes präsentierte. Zum Beispiel: „wunderbar komisches Drehbuch“ (New York Times), „Der strahlende Beweis, dass jeder, der einen spannenden Film macht, immer noch ein Lehrling dieses Meisters ist“ (Time Magazine), „Frenzy ist das reine Hitchcock-Festival“ (Harris/Lasky) – Ich konnte diese Euphorie nie teilen. Denn alle Beziehungen sind steril oder enden mit Mord. „Frenzy ist bis zum letzten Bild eine hermetische und kalt negative Vision des menschlichen Daseins.“ (Donald Spoto)
Jack the Ripper ist nicht zu fassen (GB 2008, R.: S. J. Clarkson)
Drehbuch: Ben Court, Caroline Ip
Detective Inspektor Chandler glaubt, dass im heutigen Whitechapel ein Mörder die Taten von Jack the Ripper nachahmt.
Dreiteilige britische Serie, die Arte heute komplett ausstrahlt.
Ein großartiges Volk, diese Briten. Da ist die Polizei 1888 zu dusselig einen Mörder zu fangen und ein noch heute viele Menschen ernährender Mythos wird geboren. Auch „Jack the Ripper ist nicht zu fassen“ war so erfolgreich, dass der Nachfolger „Whitechapel II“ bereits Anfang 2010 gedreht werden soll. Dann wird es um die Taten der Kray-Brüder gehen.
mit Rupert Penry-Jones, Philip Davis, Steve Pemberton
Wiederholung: Sonntag, 3. Januar 2011, 00.05 Uhr (Taggenau!)
Johnny Cash at Folsom Prison (USA 2008, R.: Bestor Cram)
Drehbuch: Michael Streissguth
Anfang 1968 war Johnny Cash am Ende. Er hatte gerade einen Entzug hinter sich und niemand wollte ihn hören. Also erklärte er sich bereit, am 13. Januar 1968 vormittags in einem kalifornischem Hochsicherheitsgefängnis aufzutreten. Die beiden Auftritte wurde aufgenommen und als „At Folsom Prison“ (teilweise) veröffentlicht. Die LP wurde ein Bestseller.
Die spielfilmlange Doku zeichnet die Hintergründe und Auswirkungen des Auftritts nach.
Mord an einem chinesischen Buchmacher (USA 1976, R.: John Cassavetes)
Drehbuch: John Cassavetes
LA-Clubbesitzer Cosmo Vitelli hat Geldsorgen. Da sagt ihm die Mafia, er könne sich mit einem Mord an einem Buchmacher seiner Probleme entledigen.
Ein Noir von Cassavetes
„Auch das New-Hollywood-Kino hat geglaubt, innerhalb des Systems unabhängig werden zu können. ‚The Killing of a Chinese Bookie‘ handelt von der Niederlage dieses Glaubens.“ (Christian Petzold in Norbert Grob, Hrsg.: Filmgenres – Film noir, 2008)
Mit angekündigten 130 Minuten Spielzeit wird die 135-minütige Originalfassung gezeigt. Cassavetes selbst erstellte nach vernichtenden Kritiken und Publikumsreaktionen kürzere Versionen und, je nach Angabe, lief auch in den deutschen Kinos eine 112-minütige Version. Die kürzeren Versionen konzentrieren sich stärker auf den Plot.
mit Ben Gazzara, Timothy Agoglia Carey, Seymour Cassel, Robert Phillips,
Hinweise
Wikipedia über „Mord an einem chinesischen Buchmacher“ (deutsch, englisch)
Eine Stadt wird erpresst (D 2006, R.: Dominik Graf)
Drehbuch: Dominik Graf, Rolf Basedow
Eigentlich sagt der Titel schon alles: Unbekannte erpressen Leipzig. Die einzige Spur führt Kommissar Kalinke und sein Team in ein Dorf, das dem Tagebau geopfert werden soll.
Auch die neueste Zusammenarbeit des Teams Basedow/Graf gehört zu den TV-Höhepunkten des Jahres: gute Geschichte, gute Inszenierung und Schauspieler, die endlich zeigen dürfen, dass sie mehr als sprechende Kleiderständer sind.
„Es ist ein guter, alter Polizeifilm, ein Thriller, modern inszeniert. Und wie jeder gute Krimi ist es auch ein Sozialdrama.“ (Björn Wirth,Berliner Zeitung, 23. Februar 2007)
Mit Uwe Kockisch, Misel Maticevic, Julia Blankenburg