Natürlich kann man auf Haiti Bücher lesen. Aber welche? Der TV-Moderator Patrick Poivre d’Arvor besucht die einheimischen Autoren Gary Victor, René Depestre, Lyonel Trouillot und Yanick Lahens und bummelt mit ihnen über die Insel.
Scarface – Toni, das Narbengesicht (USA 1983, R.: Brian de Palma)
Drehbuch: Oliver Stone
LV: Armitage Trail: Scarface, 1930 (Scarface)
Buch zum Film: Paul Monette: Scarface, 1983 (Scarface – Der Mann mit der Narbe)
De Palma aktualisierte „Scarface“, die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Gangsters, und schuf ein packendes Sittengemälde des Verbrechens in Florida in den frühen Achtzigern.
Damals wurde die Sprache („Fuck“) und die Brutalität kritisiert. Heute wäre es die grauenhafte, altmodische Disco-Musik von Giorgio Moroder. Ansonsten ist „Scarface“ in der ungekürzten Fassung inzwischen einer der Klassiker des Gangsterfilms.
Angekündigt ist eine FSK-18-Fassung und eine Laufzeit von knapp 150 Minuten. Daher könnte, Arte-untypisch, eine gekürzte Fassung von „Scarface“ laufen, aber nachdem zuletzt der Film zuletzt öfters ungekürzt oder fast ungekürzt lief, könnte auch die Kinoversion laufen. Und nur auf die Kinoversion bezieht sich der heutige TV-Tipp!
Mit Al Pacino, Michelle Pfeiffer, Mary Elizabeth Mastrantonio, Robert Loggia, F. Murray Abraham
Drehbuch: Claude Miller, Jean Herman, Michel Audiard
LV: John Wainwright: Brainwash, 1979 (Gehirnwäsche)
Neujahrsnacht: ein Polizist nimmt einen Verdächtigen in die Zange. Er glaubt, der Notar habe zwei Mädchen vergewaltigt und ermordet.
In den richtigen Händen genügen zwei Schauspieler und ein gutes Drehbuch für atemlose Hochspannung. – Endlich ist das Original wieder einmal im Fernsehen zu sehen. Das ziemlich in die Hose gegangene Remake „Under Suspicion – Mörderisches Spiel“ wird ja regelmäßig gezeigt.
Mit Lino Ventura, Romy Schneider, Michel Serrault, Guy Marchand
Drehbuch: Jerry Wald, Richard Macaulay, Robert Rossen
LV: Mark Hellinger: The world moves on (Originalstory)
Sie waren Kriegskameraden. Sie wurden Schnapsschmuggler. Sie verdienten viel Geld – und wurden zu Feinden.
Schmissiger Gangsterfilm mit James Cagney, Humphrey Bogart, Priscilla Lane, Gladys George und Jeffrey Lynn.
Als Inspiration dienten, neben einer Originalstory von Mark Hellinger, die Schlagzeilen der Tageszeitungen der zwanziger Jahre. „Die wilden Zwanziger“ ist immer noch wichtig als die umfassende optische Vorlage für zahllose Gangsterkrimis.
„The film that has almost everything – Bogart, Cagney and every plot point, stock character and cliché of the 1930s – it is like a compilation album of the genre’s greatest hits.“ (Lloyd Hughes: The Rough Guide to Gangster Movies)
Der öffentliche Feind (USA 1931, R.: William A. Wellman)
Drehbuch: Harvey Thew
Kleiner Gauner wird zu einem Polizistenmörder.
Einer der unumstrittenen Klassiker des Gangsterfilms. Damals wurde „The public enemy“, ebenso wie der vergleichbare „Little Caesar“, als Glorifizierung des Verbrechens kritisiert.
James Cagney begründete mit dieser Rolle seinen Ruhm; besonders mit dieser Szene: Cagney zerdrückt eine Grapefruit in Mae Clarkes Gesicht.
Wem gehört die Stadt? (USA 1936, R.: William Keighley)
Drehbuch: Seton I. Miller (nach einem Originalstoff von Martin Mooney und Seton I. Miller)
Polizist Johnny Blake schleicht sich in ein Gangsterbande ein. Er will so an die Hintermänner der New Yorker Unterwelt gelangen. Doch der Gangster Bugs Fenner misstraut ihm.
Spannender Gangsterfilm, bei dem der Undercover-Einsatz von Robinson natürlich nur der Vorwand ist, um ausführlich das schändliche Treiben der Gangster zu zeigen. Bogart überzeugte die Kritiker als Gangster und wurde, wie in zahlreichen weiteren Gangsterfilmen, kurz vor Schluss von dem Star des Films umgebracht.
mit Edward G. Robinson, Joan Blondell, Humphrey Bogart
LV: Howard Breslin: Bad Day at Hondo (Kurzgeschichte)
Nevada, 1945: ein einarmiger Fremder taucht in dem Kaff Black Rock auf. Er will einem japanischen Farmer eine Auszeichnung für seinen gefallenen Sohn überbringen. Die Einheimischen wollen ihn sofort wieder loswerden. Aber er bleibt.
Ein Krimi? Ein Western? Jedenfalls ein von vielen geliebter kleiner Film, der zeigt, wie wenig die Tugenden des Wilden Westens in die Moderne passen. “Diese Helden des Westens berufen sich freilich im Grunde ganz zu Recht auf ihre Traditionen. Sie haben sich seit 80 Jahren nicht geändert; es macht keinen Unterschied, ob sie ihre Rollen in Bad Day at Black Rock spielen, oder in The Ox Bow Incident, dessen Autor ja nichts anderes im Sinn hatte, als auf den Faschisten im Mann des modernen Westens hinzuweisen.” (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)
“Stadt in Angst” war, neben anderen Preisen für drei Oscars nominiert: Hauptrolle, Regie und Drehbuch.
mit Spencer Tracy, Robert Ryan, Anne Francis, Dean Jagger, Walter Brennan, Ernest Borgnine, Lee Marvin
Mehr unterhaltsames Roadmovie und Melodrama als Krimi über zwei Brüder, die sich als LKW-Fahrer selbstständig machen wollen und plötzlich eine Mordanklage an der Backe haben.
Als Clips gibt es den Trailer und eine zehnminütige informative Doku von 2003 über den Film.
Mit George Raft, Humphrey Bogart, Ida Lupino, Ann Sheridan
Urlaubsbedingt etwas verspätet, aber dafür natürlich heißersehnt und, wie immer, schön bunt. Vollständig und ungekürzt nur bei den Alligatorpapieren. Die kurze Fassung (und schon einige Hinweise auf demnächst kommende TV-Tipps) gibt es hier:
Fans des guten alten Hollywood-Gangsterfilms werden in den kommenden Tagen gut bedient. Ich sage nur „Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern“, „Nachts unterwegs“, „Wem gehört die Stadt?“, „Der öffentliche Feind“, „Die wilden Zwanziger“, „Asphalt-Dschungel“, „Rififi“ (es capert auch), „Vogelfrei“ (und westernd) und „Maschinenpistolen“. Schwarzweiß geht’s weiter mit Stanley Kubricks Humphrey-Cobb-Verfilmung „Wege zum Ruhm“ (Jim Thompson schrieb das Drehbuch), Herman Schumlins Lillian-Hellman-Verfilmung „Die Wacht am Rhein“ (Dashiell Hammett schrieb das Drebhuch), Robert Aldrichs Mickey-Spillane-Verfilmung „Rattennest“ und Carol Reeds Graham-Greene-Verfilmung „Der dritte Mann“. Farbig wird’s mit einigen Lino-Ventura-Filmen, wie José Giovannis John-Carrick-Verfilmung „Im Dreck verreckt“ und Claude Millers John-Wainwright-Verfilmung „Das Verhör“.
Außerdem sind Sidney Lumets Peter-Maas-Verfilmung „Serpico“, Clint Eastwoods Andrew-Klavan-Verfilmung „Ein wahres Verbrechen“ (Hey, es ist ein Eastwood-Film) und Franklin J. Schaffners Henri-Charrière-Verfilmung „Papillon“ (wer’s zur besten Sendezeit verpasst hat), Brian de Palmas Armitage-Trail-Verfilmung „Scarface“ und natürlich alle Columbo-Filme immer wieder sehenswert.
Absolut nicht sehenswert sind dagegen Mikael Häfströms James-Siegel-Verfilmung „Entgleist“ (wegen der idiotischen Story) und George Pan Cosmatos‘ Paula-Gosling-Verfilmung „Die City-Cobra“ (abgesehen von allen ideologischen Fragen wegen der massiven Kürzungen in den Action-Szenen).
Drehbuch: Leonard Spigelgass, Edwin Gilbert (nach einer Originalgeschichte von Leonard Q. Rosten [Leo Rosten] und Leonard Spigelgass)
„I recognize the face, but I don’t know where to put it.“ (Donahue als er ein Bild von Hitler sieht.)
Gangster Gloves Donahue ist stinkig. Irgendjemand hat seinen Bäcker umgebracht. Auf der Suche nach seinem Mörder findet er eine Bande von Nazis, die die USA erobern wollen.
„All through the night“ erlebte seine deutsche Premiere erst 1989 im TV. Es ist eine Mischung aus Gangsterfilm (mit einem Gangster, der irgendwie unter der Fuchtel seiner Mutter steht), Spionagethriller, lässiger Komödie und Propagandafilm. Dabei ist es nicht ohne Ironie, wenn der Gangster zum Kämpfer für das freie Amerika wird. Ein ziemlich schräger Bogart-Film, der natürlich glänzend unterhält.
Wer etwas über die echte Mondlandung erfahren will, wird derzeit auf allen Kanälen reichlich bedient, aber das hier ist ein wirkliches Schmankerl und wird deshalb auf dem Kultursender unseres Vertrauens präsentiert:
Arte, 23.55
Die Reise zum Mond (F 1902, R.: Georges Méliès)
Drehbuch: Georges Méliès
LV (Inspiration): Jules Verne: De la terre à la lune, 1865 (Von der Erde zum Mond/Die Reise zum Mond); H. G. Wells: The First Men in the Moon, 1901 (Die ersten Menschen im Mond)
Professor Barbenfoullis will den Mond erkunden. Nach dem Okay des Astronomischen Clubs baut er eine Rakete, fliegt zum Mond und erlebt dort einige Abenteuer.
„Das erste Epos der Science-Fiction und das Meisterwerk des Kinos bis zu diesem Zeitpunkt. Schon die epische Länge von 21 Minuten in einer Zeit, da ein Film selten länger als ein oder zwei Minuten dauerte, hätte es zu einem Meisterstück gemacht, selbst dann, wenn man den phantastischen Inhalt nicht berücksichtigen würde.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie, 1998)
„Es ist leicht, über Méliès Tanzhallenschilderung der Weltraumfahrt zu lachen, aber ‚Die Reise zum Mond‘ unterscheidet sich nur wenig von den aufgemotzten Produkten der heutigen SF-Film-Macher.“ (John Baxter: Science Fiction in the Cinema, zitiert nach Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films, 1997)
Aber „Die Reise zum Mond“ ist kürzer als „Transformers: Die Rache“.
Méliès war auch für die Ausstattung zuständig, fertigte Kostüme an und spielte die Hauptrolle. Oh, und vermarktet hat er der enorm produktive Theatermann Méliès seine Werke auch noch selbst.
Der Film kann zwar an verschiedenen Orten im Internet kostenlos angesehen werde, aber bei Arte dürfte die vollständigste und optisch perfekteste Version laufen.
Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern (USA 1938, R.: Michael Curtiz)
Drehbuch: John Wexley, Warren Duff (nach einem Stoff von Rowland Brown)
Zwei Jugendfreunde treffen sich nach Jahren wieder: der eine wurde Priester, der andere Gangster. Und beide versuchen die Jugendlichen für ihre Ziele zu gewinnen. Erst auf dem elektrischen Stuhl entscheidet sich der Kampf.
Ein weiterer der damals beliebten Gangsterfilme. „Das von Regisseur Curtiz temporeich inszenierte Gangster-Melodram wurde sehr aufwendig produziert, was zum damaligen Zeitpunkt bedeutete, dass Bogart nur einen kleinen Part übernehmen durfte.“ (Clifford McCarty: Humphrey Bogart und seine Filme)
Cagney, Curtiz und Brown (für das Drehbuch) waren jeweils für einen Oscar nominiert. Cagney erhielt – als Trost – den Preis des New York Film Critics Circle.
mit James Cagney, Pat O’Brien, Humphrey Bogart, Ann Sheridan, George Bancroft
Drehbuch: Jim Thompson, Stanley Kubrik, Calder Willingham
LV: Humphrey Cobb: Paths of glory, 1935 (Wege zum Ruhm)
Erster Weltkrieg: Colonel Dax muss einen aussichtslosen Sturm auf einen unbedeutenden Hügel durchführen. Nachdem der Angriff scheitert, lässt Dax‘ Vorgesetzter drei Soldaten auswählen und will sie wegen „Feigheit vor dem Feind“ erschießen lassen. Colonel Dax versucht in einer Verhandlung deren Leben zu retten.
Krasser Antikriegsfilm mit Kirk Douglas und Ralph Meeker.
In Frankreich wurde der Film erst 1975 gezeigt. Bis dahin hatte kein Verleiher den Mut gehabt „Wege zum Ruhm“ zu präsentieren.
„Die Intensität von Paths of Glory ist eine spezifische filmische Intensität: Sie resultiert aus dem Umgang mit der Kamera, dem genauen Timing, dem Blick für Details. (…) Paths of Glory ist eine Studie über die Macht. Kubrik zeigt eine Welt, in der die Mächtigen die Untergebenen zu Schachfiguren degradieren, in der aber auch jeder, der in der Hierarchie weiter oben steht, mit dem Wissen leben muss, selbst nur eine Schachfigur zu sein.“ (Christoph Haas in Andreas Kilb, Rainer Rother u. a.: Stanley Kubrik, film: 8, 1999)
Nachdem „Killshot“ lange im Weinstein-Giftschrank eingesperrt war (der Hauptdreh war im Januar 2006 erledigt, dann gab’s Nachdrehs und endlose Umschnitte) und in den USA vor wenigen Wochen nur auf DVD erschien, habe ich mit einem deutschen Kinostart schon nicht mehr gerechnet.
Die Story ist typischer Leonard: Profikiller Armand „Blackbird“ Degas hinterlässt niemals Zeugen. Als er bei einem Verbrechen von einem Ehepaar beobachtet wird, hilft ihnen auch das Zeugenschutzprogramm der Polizei nicht weiter.
Die Kritiken sind durchwachsen, aber noch auf der positiven Seite. Denn irgendwo scheint in der Produktion ein guter Film verloren gegangen zu sein.
I was thrilled to see my story adapted the way it was. John captured my characters and their tone, and I think has a winner in Killshot. Fans of my work will see and hear my book on the screen. (…) The secret to a good adaptation is you start with a good screenwriter, a guy who knows how to write, a guy who respects and understands the work. The combination of screenwriter Hossein Amini, and director John Madden was great, for Killshot because they both got my sound, and that’s what my writing is all about.
Vor wenigen Tagen erschien bei Bertz + Fischer das von Rider Strong gelesene Hörbuch. In knapp acht Stunden liest er den gesamten Roman im Original ohne große Effekthaschereien vor. „Killshot“. Das macht es auch für mich (der kein großer Freund von Hörbüchern ist) zu einem sehr anhörbarem Werk. Denn dass mir die Story, klassischer Leonard, der sich auf wenige Charaktere und einen Western-Showdown konzentriert, gefällt, ist klar.
mit Thomas Jane, Diane Lane, Mickey Rourke, Hal Holbrook, Joseph Gordon-Levitt
Shaft – Liebesgrüße aus Pistolen (USA 1972, R.: Gordon Parks)
Drehbuch: Ernest Tidyman
LV: Ernest Tidyman: Shaft´s Big Score, 1972 (Shaft beim Kongress der Totengräber)
Musik: Isaac Hayes, Gordon Parks
Shaft jagt den Mörder eines Freundes.
Erfolgreiche Fortsetzung von „Shaft“, die an dem Erfolgsrezept nichts Wesentliches änderte: rasante Action, schöne Frauen, gemeine Schurken, zahlreiche Außenaufnahmen, coole Musik.
Aber im Gegensatz zum ersten „Shaft“-Film wurde die Fortsetzung in den vergangenen Jahren im TV kaum gezeigt.
Mit Richard Roundtree, Moses Gunn, Drew Bundini Brown, Joseph Mascolo, Joe Santos
Demmes Musikfilmklassiker über ein Konzert der Talking Heads (zusammengeschnitten aus drei Auftritten) läuft endlich mal im Fernsehen und weil „Stop making sense“ nie so richtig auf DVD veröffentlicht wurde, sollte heute der Recorder angeworfen werden.
Jonathan Demme „hat mit sieben Kameras gearbeitet, mit dem Ziel, den Filmzuschauer das Konzert so erleben zu lassen, als säße er im Publikum und könne von dort die tolle Show miterleben, die mit dem Soloauftritt David Byrnes beginnt und die Entwicklung der Gruppe nachvollzieht, indem nach jedem Song weitere Musiker dazukommen – dadurch auch eine ungewöhnliche musikalische Bandbreite bietend, die Spaß macht und mitreißt.“ (Fischer Film Almanach 1985)
mit David Byrne, Chris Frantz, Jerry Harrison, Tina Weymouth, Ednah Holt, Lynn Mabry, Steve Scales, Alex Weir, Bernie Worrell
Am 14. Juli wäre der 1987 verstorbene (italo-)französische Schauspieler Lino Ventura Neunzig geworden. Deshalb:
Arte, 21.00
Die hundert Tage von Palermo (F/I 1984, R.: Giuseppe Ferrara)
Drehbuch: Giorgio Arlorio, Pier Giovanni Anchisi, Giuseppe Ferrara, Riccardo Iacona, Giuseppe Tornatore (als Peppuccio Tornatore), William Laurent
Einer von Lino Venturas letzten Spielfilmen und nicht sein stärkster Auftritt. Erzählt werden die letzten Tage des wahrscheinlich von der Mafia ermordeten Polizeichefs Carlo Dalla Chiesa.
Das Lexikon des internationalen Films ätzt: „Ein enttäuschender Politthriller auf ‚Tatort‘-Niveau; redselig statt aufklärend.“ Aber es ist die Rede vom „Tatort“ der siebziger und frühen achtziger Jahre und Giuseppe Ferrara ging es in diesem Kinofilm in der Tradition des italienischen Politthriller nur um Aufklärung.
„Ferrara rekonstruierte mit dokumentarischer Akribie die 100 Tage, die dalla Chiesa in Palermo verblieben, um seine Ermittlungen mit dem ihm eigenen Pflichtbewusstsein, in diesem Maße jedoch mit letztendlich unerwünschter Effizienz, zu beginnen.“ (Horst Schäfer/Wolfgang Schwarzer: Von „Che“ bis „Z“ – Polit-Thriller im Kino, 1991)
Später drehte Ferrara die ähnlich dokumentarischen Politthriller „Die Affäre Aldo Moro“ mit Gian Maria Volonté in der Hauptrolle und „Giovanni Falcone“ mit Michele Placido („Allein gegen die Mafia“) in der Hauptrolle.
mit Lino Ventura, Giuliana de Sio, Lino Troisi, Stefano Satta Flores
Nach einer kurzen Pinkelpause geht’s um 22.55 Uhr im MDR mit Lino Ventura und zwei weiteren Stars des französischen Kinos weiter:
Der Clan der Sizilianer (F 1969, R.: Henri Verneuil)
Drehbuch: Henri Verneuil, José Giovanni, Pierre Pelegri
LV: Auguste Le Breton: Le Clan des Siciliens, 1967
Kamera: Henri Decae
Musik: Ennio Morricone
Ein entflohener Sträfling entführt mit einer Gangsterbande ein mit Juwelen beladenes Flugzeug. Während der Planung beginnt er ein Verhältnis mit der Schwiegertochter des Bosses.
Allein schon die Besetzung mit Jean Gabin, Alain Delon und Lino Ventura verspricht einen vergnüglichen Abend und einen Kassenknüller. Bei der Kritik war der Film dagegen ziemlich unbeliebt: „Gut fotografierte und musikalisch intelligent akzentuierte Gaunergeschichte, die jedoch eine psychologische Darstellung und ausreichende Charakterisierung der Personen vermissen lässt.“ (Film-Dienst) oder „larmoyante Opernhandlung um sizilianische Gangsterehre“ (Der Spiegel)
Die frisch geschiedene Meg Altman entdeckt mitten in Manhattan ihr Traumhaus. In ihm ist sogar, letzter Schrei der Sicherheitsindustrie für ängstliche, stinkreiche Großstädter, ein Panic Room. In diesen sicheren Raum kann sich der Hausbesitzer während eines Einbruchs zurückziehen und abwarten bis die Polizei anrückt. Meg hält den Raum für überflüssig, aber als in der Nacht drei Einbrecher auftauchen, flüchtet sie mit ihrer Tochter in den Panic Room. Dummerweise wollen die Einbrecher die in diesem Zimmer versteckten Millionen des Vorbesitzers stehlen.
Das mag jetzt neu klingen, aber im Kern erzählt „Panic Room“ eine uralte, aus jedem zweiten Western bekannte Story. Tauschen Sie einfach den Panic Room gegen ein Fort oder eine Wagenburg; die Einbrecher gegen Indianer aus und Sie wissen genau, in welchem Moment die Kavallerie auftaucht. Oh, und in welchem Zustand das Haus ist.
David Koepp und David Fincher machen daraus einen spannenden Hightechthriller.
Oder sagen wir es mit den Worten von Georg Seeßlen: Panic Room „ist vor allem ein reduzierter, ebenso brillant konstruierter wie fotografierter Thriller, ein Kammerspiel des Terrors, das alle Elemente, die am Anfang eingeführt wurden, beständig transponiert, wendet und variiert. Insofern ist Panic Room ein Stück reiner Film-Komposition, in der Sujets, Objekte und Einstellungen die Rollen von Melodien, Takten und Tönen übernehmen (…). Und wie für eine musikalische Komposition, so gilt auch für Panic Room: Es kommt nicht allein auf die Erfindung einer Melodie an, sondern auch darauf, was ein Interpret mit ihr anzustellen weiß.“ (in Frank Schnelle [Hrsg.]: David Fincher)
Mit Jodie Foster, Kristen Stewart, Forest Whitaker, Dwight Yoakam, Jared Leto, Patrick Bauchau, Andrew Kevin Walker (der „Se7en“-Drehbuchautor spielt den verschlafenen Nachbarn)