TV-Tipp für den 11. Juli: 16 Uhr 50 ab Paddington

Juli 11, 2009

BR, 20.15

16 Uhr 50 ab Paddington (GB 1961, R.: George Pollock)

Drehbuch: David Pursall, Jack Seddon

LV: Agatha Christie: 4.50 from Paddington, 1957 (16 Uhr 50 ab Paddington)

Miss Marple beobachtet in einem vorüberfahrenden Zug einen Mord. Die Polizei glaubt der schrulligen alten Frau nicht. Deshalb klärt sie den Fall alleine auf.

Erster Miss Marple-Film, der den Plot mit reichlich britischem Humor würzt.

Beginn einer „Miss-Marple-Nacht“, in der alle vier Miss-Marple-Filme mit Margaret Rutherford gezeigt werden.

Mit Margaret Rutherford, Arthur Kennedy, Stringer Davis, Charles Tingwell, Joan Hickson

Hinweise

Homepage von Agatha Christie

Kirjasto über Agatha Christie

Wikipedia über Agatha Christie (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Agatha Christie

Hercule Poirot Central über Miss Jane Marple


TV-Tipp für den 10. Juli: Ragtime

Juli 10, 2009

3sat, 22.25

Ragtime (USA 1981, R.: Milos Forman)

Drehbuch: Michael Weller

LV: E. L. Doctorow: Ragtime, 1975 (Ragtime)

Musik: Randy Newman

Eine Chronik der USA zwischen der Jahrhundertwende und dem ersten Weltkrieg. Im Zentrum stehen ein eifersüchtiger Millionär, der den Liebhaber seiner Frau erschießt und ein schwarzer Klavierspieler, der um Gerechtigkeit kämpft. Gerade diese Geschichte, auch weil er Coalhouse Walker heißt, erinnert an Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“.

Der Kassenflop war für zahlreiche Oscars und Golden Globes nominiert; das Drehbuch auch von der Writers Guild of America.

„Ragtime“ stellt „ein faszinierendes Epochengemälde dar, dem man seine enormen Kosten in jeder Einstellung ansieht. Die Darstellungen sind durchweg exzellent.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

Zwanzig Jahre nach „Eins, zwei, drei“ trat James Cagney wieder in einem Spielfilm auf. „Ragtime“ war sein letzter Kinofilm.

Der Roman war für den Nebula-Preis (ein SF-Preis) nominiert. Joe Haldemans „The forever war“ gewann (Uh, Haldeman ist einer der wirklich lesenswerten SF-Autoren. Im Antiquariat unbedingt zuschlagen.)

mit James Cagney, Brad Dourif, Moses Gunn, Elizabeth McGovern, Kenneth McMillan, James Olson, Pat O’Brien, Debbie Allen, Mary Steenburgen, Robert Joy, Norman Mailer, Jeff Daniels, Fran Drescher, Samuel L. Jackson (Mitglied einer Gang), Jack Nicholson (Pirat am Strand – Da müssen Sie schon genau hinsehen)

Hinweise

Wikipedia über E. L. Doctorow, den Roman und die Verfilmung

New York Magazine: Interview mit E. L. Doctorow über „Ragtime“ (7. April 2008)

Spiegel über E. L. Doctorows „Ragtime (Heft 34/1976)


Neu im Kino: Kommissar Bellamy

Juli 9, 2009

Kommissar Bellamy (Bellamy, Fr 2009)

Regie: Claude Chabrol

Drehbuch: Odile Baski, Claude Chabrol

Kommissar Bellamy (gespielt von Gérard Depardieu) macht Urlaub. Als ihm ein Unbekannter einen Mord gesteht, beginnt er dennoch zu ermitteln und stößt auf einen geplanten Versicherungsbetrug.

Der neue Chabrol – Muss ich noch mehr sagen?

Mit Gérard Depardieu, Clovis Cornilla, Jacques Gamblin, Marie Bunel

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film (Nur der Trailer)

Film-Zeit über „Kommissar Bellamy“


TV-Tipp für den 9. Juli: Little Miss Sunshine

Juli 9, 2009

ARD, 23.30

Little Miss Sunshine (USA 2006, R.: Jonathan Dayton, Valerie Faris)

Drehbuch: Michael Arndt

Olive Hoover will an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen. Also macht sich die Familie (eine sympathische Ansammlung gescheiterter Existenzen) in einem klapprigen VW-Bus auf den Weg quer durch die USA.

„Sehenswert.“ (Lexikon des internationalen Films)

Rotten Tomatoes: Kritiker: 91 % Frische, Gemeinschaft: 92 % Frische

Aber:

Welcher Gehirnamputierte war für diese Planung verantwortlich? Ein Feelgood-Independent-Movie, das unter anderem zwei Oscars erhielt (Drehbuch und beste Nebenrolle, es war auch als bester Film des Jahres nominiert), in den Top-250-Filmen der IMDB ist, sich an der Kasse ordentlich schlug und wirklich für die ganze Familie ist, wird irgendwann in der Nacht versteckt. Davor wird sich zu Bioleks 75. Geburtstag öffentlich-rechtlich selbstbeweihräuchert und weil die Geburtstagsfeier live übertragen wird, wird sich die TV-Premiere von „Little Miss Sunshine“ zu „Little Miss Midnight“ wandeln.

Also: Scheiß auf die Quote und nimm’s auf.

Mit Abigail Breslin, Greg Kinnear, Paul Dano, Alan Arkin, Toni Collette, Steve Carell

Hinweise

Film-Zeit über „Little Miss Sunshine“

Go into the Story: Interview mit Michael Arndt (26. April 2009, aufgenommen wahrscheinlich 2006)


TV-Tipp für den 8. Juli: Gangster, Säufer, Suffragetten

Juli 8, 2009

Arte, 21.00

Gangster, Säufer, Suffragetten – Geschichte(n) der Prohibition (D 2008, R.: ?)

Drehbuch: ?

Spielfilmlange Doku über die Prohibition in den USA, wie es zu dem Gesetz kam und warum der Versuch, den Genuss von Alkohol zu verbieten, scheitern musste.

Immerhin brachte er uns viele gute Gangsterromane und -filme.

Wiederholungen

Samstag, 11. Juli, 14.00 Uhr

Dienstag, 28. Juli, 09.55 Uhr

Hinweise

Arte über die Doku

Wikipedia über die Prohibition

OSU Department of History: Temperance & Prohibition (Uni-Seite mit vielen Bildern)


TV-Tipp für den 7. Juli: Liebling Kreuzberg

Juli 7, 2009

Arte, 18.10

Liebling Kreuzberg: Der neue Mann (D 1986, R.: Heinz Schirk)

Drehbuch: Jurek Becker

Nachdem es sich ausgeschirmt, charmed und melond hat, setzt Arte seine Reihe mit Perlen des Unterhaltungsfernsehen mit „Liebling Kreuzberg“ fort. Angekündigt sind werktäglich die ersten drei Staffeln der Serie (also die bis 1990 ausgestrahlten Episoden), aber vielleicht werden am Ende doch noch die 1994 und 1997/1998 ausgestrahlten Episoden gezeigt. Bei „Mit Schirm, Charme und Melone“ war’s ja ähnlich.

Jurek Becker schrieb seinem Freund Manfred Krug die Rolle des unkonventionellen Rechtsanwalts Robert Liebling, der in Berlin-Kreuzberg eine Kanzlei hat, auf den Leib. Er schrieb auch die meisten Drehbücher und nach seinem Tod wurde die Serie eingestellt. Dank der Entstehungszeit ist „Liebling, Kreuzberg“ auch eine Chronik von Berlin in den Jahren vor und nach der Wende.

Ich fand die ersten Folgen damals, dank Manfred Krug und der Dialoge, sehr unterhaltsam. Es war allerdings auch keine Serie, für die ich mein Abendprogramm umstellte. Jedenfalls kann jetzt überprüft werden, wie sehr die Erinnerung trügt.

Mt Manfred Krug, Michael Kausch, Corinna Genest, Anja Franke, Claudia Amm, Karin Baal, Martina Gedeck (nach der IMDB ihr zweiter Filmauftritt)

Wiederholung: Dienstag, 14. Juli, 13.00 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Jurek Becker

Günter Kaindlstorfer: Interview mit Jurek Becker (u. a. über „Liebling Kreuzberg“, 1993)

Wikipedia über „Liebling Kreuzberg“

Fernsehlexikon über „Liebling Kreuzberg“



TV-Tipp für den 6. Juli: Wahre Lügen

Juli 6, 2009

ZDF, 22.15

Wahre Lügen (Can/GB 2005, R.: Atom Egoyan)

Drehbuch: Atom Egoyan

LV: Rupert Holmes: Where the Truth lies, 2003

1972 will eine junge, ehrgeizige Journalistin herausfinden, was 1957 in einem Hotelzimmer geschah. Damals wurde die Leiche einer Studentin in der Suite der erfolgreichen Entertainer Lanny Morris und Vince Collins gefunden. Die Todesursache wurde nie geklärt, aber die Freundschaft der beiden Entertainer zerbrach.

Eleganter Neo-Noir von Kritikerliebling Atom Egoyan.

„Die retrospektiv erzählte Mischung aus Film noir und 1950er-Jahre-Melodram ist als faszinierendes Spiel mit Chiffren und Symbolen konzipiert, das, inszenatorisch perfekt, auf höchst vergnügliche Weise den Widerspruch zwischen Schein und Sein demonstriert.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Kevin Bacon, Colin Firth, Alison Lohman, Rachel Blancard

Wiederholung: Mittwoch, 8. Juli, 01.05 Uhr (VPS 00.50 Uhr, Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Wahre Lügen“

Homepage von Rupert Holmes


TV-Tipp für den 5. Juli: Mordrezepte der Barbouzes

Juli 5, 2009

SWR, 23.55 (Filmbeginn Saarland: 00.00; Rheinland-Pfalz: 00.35)

Mordrezepte der Barbouzes (F 1964, R.: Georges Lautner)

Drehbuch: Albert Simonin, Michel Audiard

Mehrere Geheimagenten verfeindeter Nationen finden sich auf dem Landhaus eines in einem Bordell verstorbenen Waffenhändlers ein. Jeder will die wertvollen Waffenpatente aus dem Nachlass des Waffenhändlers haben.

Überdrehte Parodie auf Geheimdienste, deren Arbeit und das Genre des Spionage-Thriller. Nette, vollkommen unlogische Unterhaltung für einen verregneten Nachmittag oder eine schlaflose Nacht.

Wolf Donner war nicht amüsiert: „Georges Lautner hat viele schlechte Filme gemacht, diese Kriminalkomödie ist nicht besser…Lautner putzt das [die Handlung, A. d. V.] auf mit intellektuellen Anspielungen auf verschiedene Filme und Genres, auf den autoritären Gabin, auf de Gaulle und den Gaulismus. Klischees werden ironisiert und werden wieder zu Klischees, Ideologiekritik ist bestenfalls aufgesetzt, denn was er zu denunzieren angibt, dem fällt Lautner selbst zum Opfer. Am Ende wird Francis (Ventura) zum Helden stilisiert, der sich aufreibt im Kampf für die Papiere, keine nationale Phrase verschweigt, dafür zwar kein Geld bekommt, aber die Ehre der Franzosen rettet.“ (Die Zeit) – Hm, klingt nach Bond.

Gert Schulte dagegen sehr: „Der Regisseur hat, ohne sich in optische Abenteuer zu stürzen oder irgendeiner Art von ´Neuen Welle´ anzuvertrauen, einen fast unvorstellbaren Wirbel an Turbulenz entfesselt. Wenn die Boxhiebe fallen, fliegen die Getroffenen durch die Türen oder durchs Fenster in den Schloßteich hinunter, um gleich darauf erneut den Gegner zu stellen. Hier wird wahrhaftig mit Entsetzen Scherz getrieben und die Wichtigtuerei der Geheimdienste vergnüglich bloßgestellt. Ein Film,…der intellektuellen wie anspruchslosen Besuchern Spaß machen müsste.“ (film – Eine deutsche Filmzeitschrift, Mai 1965)

Albert Simonin (1905 – 1980) war neben Auguste Le Breton der Begründer des modernen französischen Kriminalromans. Sie verwandten in ihren Romanen die französische Umgangssprache und lieferten präzise Studien des Gangstermilieus. Simonins Grisbi-Romane und die Hotu-Trilogie gehören zu den Klassikern, die dem Polar zu seiner unverwechselbaren Sprache verholfen haben. – In Deutschland sind seine Bücher derzeit nicht erhältlich. Die Verfilmungen seiner Romane (z. B. „Wenn es nacht wird in Paris“, „Die Millionen eines Gehetzten“) und Drehbücher (z. B. „Lautlos wie die Nacht“) werden regelmäßig gezeigt.

Mit Lino Ventura, Mireille Darc, Bernard Blier


TV-Tipp für den 4. Juli: Ein Abend mit Kommissar Veigl

Juli 4, 2009

Heute gibt’s eine langen Abend mit einem der beliebtesten Tatort-Kommissare der Siebziger; – neben den ähnlich beliebten Kommissaren Finke, Haferkamp, Trimmel und Marek (an den Wiener Kommissar dürften sich, dank fehlender Wiederholungen, nur noch die Älteren erinnern) und dem Zollfahnder Kressin. Und was damals gut war, ist heute nicht schlecht:

BR, 20.15

Tatort: Weißblaue Turnschuhe (D 1973, R.: Wolf Dietrich)

Drehbuch: Herbert Rosendorfer

Auf einem Friedhof klaut ein Obdachloser einer alten Dame die Handschuhe. Oberinspektor Melchior Veigl beginnt zu ermitteln und schnell stößt er auf ein lange zurückliegendes, nie aufgeklärtes Kapitalverbrechen.

mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Hans Baur, Franziska Liebing, Günther Stoll, Dieter Eppler (als Gastkommissar Liersdahl)

–

BR, 21.40

Tatort: 3:0 für Veigl (D 1974, R.: Michael Kehlmann)

Drehbuch: Michael Kehlmann, Carl Merz

Kurz vor der Fußball-WM hat Veigl alle Hände voll zu tun. Aber, wie der Titel schon erahnen lässt, löst er letztendlich die Fälle.

mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Achim Benning, Edwin Noell, Klaus Löwitsch, Werner Schumacher (als Gastkommissar Lutz)

–

BR, 23.00

Tatort: Schüsse in der Schonzeit (D 1977, R.: Helmuth Ashley)

Drehbuch: Willy Purucker

In der Jagdhütte von Hannes Mader wird eine junge Frau erschossen. Der Verdacht fällt natürlich auf Mader. Aber Veigl hat Zweifel und in der Familie von Maders Frau, altem bayrischem Geldadel, findet er weitere Tatverdächtige.

Na, das klingt doch nach einem Fall für die Freunde des Rätselkrimis.

mit Gustl Bayrhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Eerhard Peiker, Werner Asam, Martin Semmelrogge, Siegfried Rauch, Veronika Fitz, Jörg Hube

–

BR, 00.30

Tatort: Das zweite Geständnis (D 1975, R.: Wilm ten Haaf)

Drehbuch: Michael Molsner

Buch zum Film: Michael Molsner: Das zweite Geständnis des Leo Koczyk, 1979

Untersuchungshäftling Leo Koczyk gesteht einen Mord, den er bislang immer bestritten hat. Oberinspektor Veigl überprüft das Geständnis.

Mit Gustl Barhammer, Helmut Fischer, Willy Harlander, Hans Baur, William Borell, Lisa Fitz, Siegfried Rauch, Heinz Schimmelpfennig (Gastkommissar Gerber)

Hinweise

BR über die Tatort-Nacht (nur Inhaltsangaben zu den Tatorten)

Tatort-Forum über Kommissar Veigl

Meine Besprechung von Michael Molsners „Rote Messe“


TV-Tipp für den 3. Juli: Bis zum letzten Mann

Juli 3, 2009

WDR, 23.15

Bis zum letzten Mann (USA 1948, R.: John Ford)

Drehbuch: Frank S. Nugent

LV: James Warner Bellah: Massacre (Erzählung)

Der erste Film von John Fords bekannter Kavallerie-Trilogie („Der Teufelshauptmann“ und „Rio Grande“, beide mit John Wayne, folgten) wird heute wieder einmal in der um dreißig Minuten gekürzten deutschen Kinofassung gezeigt. „Bis zum letzten Mann“ ist eine freie Bearbeitung von Custers letzter Schlacht. Die New York Herald Tribune meinte nach der Premiere: „Eine optisch fesselnde Verherrlichung blutiger Taten.“

Nugents Drehbuch war von der WGA in der Kategorie bestes Drehbuch für einen Western nominiert.

mit John Wayne, Henry Fonda, John Agar, Ward Bond, Shirley Temple

Hinweise

Wikipedia über „Fort Apache“

OFDB: Schnittbericht Deutsche Kinoversion – Originalversion (bei Schnittberichte mit Bildern)

New York Times: Besprechung von „Fort Apache“ (25. Juni 1948)


TV-Tipp für den 2. Juli: Tagebuch eines Skandals

Juli 2, 2009

ARD, 23.30

Tagebuch eines Skandals (USA/GB 2006, R.: Richard Eyre)

Drehbuch: Patrick Marber

LV: Zoe Heller: What was she thinking: Notes on a Scandal, 2003 (später auch „Notes on a Scandal“, deutsch: Tagebuch einer Verführung; Tagebuch eines Skandals)

Musik: Philip Glass

Die Ausstrahlung ist eine Frechheit. Denn diese TV-Premiere wurde von der Kritik gelobt, ist prominent besetzt (Judi Dench! Cate Blanchett!!), wurde für zahlreiche renommierte Preise nominiert, erhielt auch einige (Hm, für uns Berliner wichtig: den Teddy Zuschauerpreis bei der Berlinale) und er ist definitiv anspruchsvolle Unterhaltung. Kurz: genau das, was zu einer normalen Zeit laufen sollte.

Stattdessen läuft um 20.15 Uhr „Die große Show der Naturwunder“.

Bei einer solchen Planung müssen die Verantwortlichen sich nicht wundern, wenn immer mehr Zuschauer ins Internet abwandern oder sich die DVDs kaufen. Denn als ich jung war, konnte ich mir ein solides Filmwissen zu normalen Zeiten (und ohne Videorekorder) aneignen (Ja, ich habe „Letztes Jahr in Marienbad“ um 20.00 Uhr gesehen. Heute unmöglich.). Aber welcher Nicht-Volljährige kann den Film sehen, wenn er am nächsten Tag in die Schule muss?

Und diese Scheißplanung wird nicht besser. Nächsten Donnerstag läuft „Little Miss Sunshine“ um 23.30 Uhr. In zwei Wochen „München“ (Yep, der 150-minütige Steven-Spielberg-Film.).

So, und jetzt zum Film: Als an einer Londoner Schule die junge Kunstlehrerin Sheba Hart eine Beziehung mit einem Schüler beginnt, wird sie von einer älteren Kollegin erpresst. Denn diese möchte nur von Sheba geliebt werden.

Und jetzt zu den Nominierungen und Preisen: Der Roman war für den Booker-Preis nominiert. Blanchett und Dench unter anderem für den Oscar, Golden Globe und den Preis der Screen Actors Guild. Das Drehbuch ebenfalls für den Oscar, Golden Globe, BAFTA, British Independent Film Award und, der für uns Krimifans einzige relevante Preis, für den Edgar.

Zum Abschluss die Kritik: bei Rotten Tomatoes sind Kritiker und Zuschauer begeistert.

Mit Cate Blanchett, Judi Dench, Andrew Simpson, Bill Nighy

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Tagebuch eines Skandals“

taz: Interview mit Patrick Marber zum Drehbuch (24. Februar 2007)

Contemporary Writers über Zoe Heller

New York Times: Porträt von Zoe Heller (25. Februar 2009)


TV-Tipp für den 1. Juli: Im Jahr des Drachen

Juli 1, 2009

HR, 23.00 (VPS 22.59)

Im Jahr des Drachen (USA 1985, R.: Michael Cimino)

Drehbuch: Oliver Stone, Michael Cimino

LV: Robert Daley: Year of the dragon, 1981 (Im Jahr des Drachen)

Äußerst gewalttätiger, realistischer Krimi über einen Polizisten, der gegen die Drogenmafia kämpft und, als ehemaliger Vietnam-Veteran, den Vietnam-Krieg in den Straßen von New Yorks Chinatown gewinnen will. Damals gab es Proteste von chinesischen Gemeinden (wegen Rassismus) und Robert Daley (wegen Gewalt); – trotzdem einer der besten Cop-Thriller der Achtziger.

Mit Mickey Rourke, John Lone, Ariane, Leonard Termo, Ray Barry

Auch bekannt unter den eher nichtssagenden Titeln „Manhattan-Massaker“ und „Chinatown-Mafia“

Hinweise

City on Fire (Ziemlich umfangreiche Fanseite zum Film)

Wikipedia über Robert Daley

DVD Times (Mike Sutton) über „Year of the Dragon“


TV-Tipp für den 30. Juni: Zwischen Wahn und Wirklichkeit

Juni 30, 2009

ARD, 22.45

Zwischen Wahn und Wirklichkeit (D 2009, R.: Victor Grandits)

Drehbuch: Victor Grandits

Seit „Einer flog übers Kuckucksnest“ wissen wir, wie es in der Irrenanstalt aussieht. Jedenfalls vor Jahrzehnten.

Die 75-minütige Doku gibt einen Einblick in die aktuelle Arbeit des St.-Hedwig-Krankenhauses. In der Psychiatrischen Universitätsklinik der berliner Charité versuchen die Psychiater und Pfleger eine manisch-depressive Studentin, einen schwer depressiven IT-Spezialisten, einen obdachlosen Drogensüchtigen, der an einer Psychose mit Wahnvorstellungen leidet und eine Transsexuelle, die früher selbst als Krankenpfleger in der Psychiatrie gearbeitet hat, einen Journalisten und Grafikdesigner, der unter Zählzwang leidet und eine 26-jährige, die bereits zum 27. Mal in der Psychiatrie ist, zu heilen.

Hinweis

ARD über die Doku (u. U. auch in der Mediathek)


TV-Tipp für den 29. Juni: Columbo: Etude in Schwarz

Juni 29, 2009

SRTL, 22.05

Columbo: Etude in Schwarz (USA 1972, R.: Nicholas Colasanto, Peter Falk [ungenannt], John Cassavetes [ungenannt])

Drehbuch: Steven Bochco

Erfinder: Richard Levinson , William Link

Dirigent Alex Benedict will nicht auf die unverschämten Forderungen seiner Geliebten eingehen. Also bringt er sie um und tarnt es als Selbstmord. Aber Lt. Columbo mag Selbstmorde, vor allem Selbstmorde von jungen Frauen nicht, und sucht ihren Mörder.

Bochcos Drehbuch war für einen Emmy nominiert.

Und die Besetzung ist auch nicht schlecht.

SRTL zeigt in den kommenden Wochen fast täglich nach 22.00 Uhr eine „Columbo“-Episode. Dabei mischt der Sender bunt alte und neue Fälle. Aber wenn Lt. Columbo am Ende eines Gesprächs sich an der Tür umdreht und sagt „Eine Frage hätte ich noch.“ dann ist die Welt in Ordnung.

mit Peter Falk, John Cassavetes, Blythe Danner, James Olson, Myrna Loy, Pat Morita


TV-Tipp für den 28. Juni: Papillon

Juni 28, 2009

Arte, 20.15

Papillon (USA 1973, R.: Franklin J. Schaffner)

Drehbuch: Dalton Trumbo, Lorenzo Semple jr.

LV: Henri Charrière: Papillon, 1969 (Papillon)

Henri Charrière, genannt Papillon, wird 1931 zu lebenslanger Strafarbeit in der Strafkolonie Bagno auf der Teufelsinsel Cayenne in Französisch-Guayana verurteilt. Er soll einen Zuhälter ermordet haben. Kaum angekommen, denkt Papillon nur an eine scheinbar unmögliche Flucht.

Tolle Verfilmung der beeindruckenden und höchst erfolgreichen Autobiographie von Charrière. Das Nachfolgewerk „Banco“ war dann mehr episodisch.

Anschließend gibt es die spielfilmlange Doku „Steve McQueen – Leidenschaftlich cool!“ (USA 2005)

Mit Steve McQueen, Dustin Hoffmann, Dalton Trumbo (Nebenrolle)

Wiederholung: Dienstag, 7. Juli, 00.05 (VPS 00.10 Uhr, Taggenau!)


TV-Tipp für den 27. Juni: Shaft

Juni 26, 2009

RBB, 23.35

Shaft (USA 1971, R.: Gordon Parks)

Drehbuch: Ernest Tidyman, John D. F. Black

LV: Ernest Tidyman: Shaft, 1970 (Shaft, Shaft und das Drogenkartell)

Musik: Isaac Hayes

Privatdetektiv Shaft sorgt in seinem Revier für Gerechtigkeit – und erfreut nebenbei mit seinen Körpersäften die Herzen der Frauen.

Damals war der Film ein Kassenknüller, heute ist er Kult. Dazu trug nicht unerheblich Isaac Hayes‘ cooler Soundtrack bei, der Shaft bei seinen Streifzügen durch das urbane New York begleitete. Politisch ist er nicht. Gordon Parks sagt: „Es ist ein Filmvergnügen für den Samstagabend, das Leute besuchen, die den schwarzen Helden gewinnen sehen wollen.“

Mit Richard Roundtree, Moses Gunn, Charles Cioffi

Wiederholung

HR: Donnerstag, 9. Juli, 23.50 Uhr

Hinweise

Pendragon: Deutsche Shaft-Seite

Mordlust über Ernest Tidyman

Wikipedia über Shaft (Film)

Thrilling Detective über Shaft (Charakter)

Bonus (in mauer Optik)



TV-Tipp für den 26. Juni: An einem Freitag um halb zwölf

Juni 26, 2009

RBB, 01.00

An einem Freitag um halb zwölf (D 1960, R.: Alvin Rakoff)

Drehbuch: Frank Harvey

LV: James Hadley Chase: The world in my pocket, 1959 (An einem Freitag um halb zwölf)

Der Geldtransporter mit den Lohngeldern ist nicht zu knacken. Also plant Frank Morgan gleich den Diebstahl des Transporters.

Selten gezeigtes, aber sehenswertes Caper-Movie. „Herkömmlich, aber so spannend wie möglich inszenierter Kriminalfilm.“ (Lexikon des internationalen Films)

„While this effective film may ostensibly be a thriller about the robbery of an armored vehicle, considerable black comedy ensnares the action in many places.” (All Movie Guide)

Mit Nadja Tiller, Rod Steiger, Peter van Eyck, Jean Servais, Ian Bannen, Marisa Merlini

Hinweise

Wikipedia über James Hadley Chase

Mordlust über James Hadley Chase

Kirjasto über James Hadley Chase

Crimetime über James Hadley Chase


TV-Tipp für den 25. Juni: Nacht über Manhattan

Juni 25, 2009

3sat, 22.25

Nacht über Manhattan (USA 1997, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Sidney Lumet

LV: Robert Daley: Tainted Evidence, 1993 (Nacht über Manhattan)

Der junge Staatsanwalt Casey möchte seinen Vater verteidigen. Nur ist der Vater nicht so unschuldig, wie sein Sohn annimmt.

Lumet inszenierte eine makellose Mischung aus Polizeifilm, Gerichtsdrama und Thriller.

Der Fischer Film Almanach schrieb zutreffend: „Großes Kino alter Schule: Perfekte Inszenierung, psychologisch ausgefeilte Szenen, die das Ringen der Personen transparent machen, eine adäquat karge Ausstattung, exzellente Darsteller und die Musik von Mark Isham fesseln bis zur letzten Minute.“

Mit Andy Garcia, Richard Dreyfuss, Lena Olin, Ian Holm, Ron Leibman, James Gandolfini

Hinweise

Wikipedia über „Night Falls on Manhattan“

Trailerseite: Deutscher Filmtrailer (bessere Qualität, anders geschnitten)

The Hollywood Interview: Alex Simon interviewt Sidney Lumet über „Night Falls on Manhattan“ (Erstveröffentlichung: Venice Magazine, Mai 1997)


TV-Tipp für den 24. Juni: Amores Perros – Von Hunden und Menschen

Juni 24, 2009

SWR, 23.00

Amores Perros – Von Hunden und Menschen (Mexiko 2000, R.: Alejandro González Iñárritu)

Drehbuch: Guillermo Arriaga

Bereits die erste Zusammenarbeit von Iñárritu und Arriaga ist, wie ihre späteren gemeinsamen Werke (21 Gramm, Babel), ein verschachtelter Episodenfilm, dessen Geschichten nicht chronologisch erzählt werden. In „Amores Perros“ führt ein Autounfall in Mexico City einen Auftragskiller, einen erfolgreichen Verleger, ein Top-Modell und einen Mann, der mit Hundekämpfen sein Geld verdient, zusammen.

Mit Emilio Echevarria, Gael Garcia Bernal, Goya Toledo

Hinweis

Unionsverlag über Guillermo Arriaga


TV-Tipp für den 23. Juni: Citizen Kane

Juni 23, 2009

RBB, 22.50

Citizen Kane (USA 1941, R.: Orson Welles)

Drehbuch: Herman J. Mankiewicz, Orson Welles (Mitarbeit: Joseph Cotten, John Houseman)

Ein Pressezar stirbt. Ein Journalist recherchiert für einen Artikel sein Leben. Aber die letzte Frage, was Rosebud sei, kann er nicht beantworten.

Einer der unumstrittenen Filmklassiker.

Mit Orson Welles, Joseph Cotten

Hinweise

Wikipedia über „Citizen Kane“

RBB über „Citizen Kane“

Classic Movie Favorites über „Citizen Kane“

Drehbuch „Citizen Kane“ von Herman J. Mankiewicz und Orson Welles

Senses of Cinema über Orson Welles