Sein Leben in meiner Gewalt (GB 1973, R.: Sidney Lumet)
Drehbuch: John Hopkins
LV: John Hopkins: This story of yours, 1968 (Theaterstück)
Der desillusionierte und fanatische Detektiv Johnson hält den Verdächtigen für einen Kinderschänder. Während des Verhörs stirbt der Verdächtige und Johnson wird angeklagt.
Intensiv gespieltes, düsteres Drama. Allerdings wollte damals niemand Connery als einen fanatischen Polizisten sehen. „Sein Leben in meiner Gewalt“ war der erste Film, den Sean Connery mit seiner Produktionsfirma Tantallon Films und United Artists drehte. Ein zweites, geplantes Projekt mit United Artists kam nie zustande. Das sagt einiges über den finanziellen Erfolg von „Sein Leben in meiner Gewalt aus“. Denn es dauerte zehn Jahre, bis der Film seine Kosten eingespielt hatte.
John Huston meinte, für ihn gehöre das letzte Drittel des Films zum Besten, was er jemals auf der Leinwand gesehen habe.
Mit Sean Connery, Trevor Howard, Vivian Merchant, Ian Bannen
Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern (USA 1938, R.: Michael Curtiz)
Drehbuch: John Wexley, Warren Duff (nach einem Stoff von Rowland Brown)
Zwei Jugendfreunde treffen sich nach Jahren wieder: der eine wurde Priester, der andere Gangster. Und beide versuchen die Jugendlichen für ihre Ziele zu gewinnen. Erst auf dem elektrischen Stuhl entscheidet sich der Kampf.
Ein weiterer der damals beliebten Gangsterfilme. „Das von Regisseur Curtiz temporeich inszenierte Gangster-Melodram wurde sehr aufwendig produziert, was zum damaligen Zeitpunkt bedeutete, dass Bogart nur einen kleinen Part übernehmen durfte.“ (Clifford McCarty: Humphrey Bogart und seine Filme)
Cagney, Curtiz und Brown (für das Drehbuch) waren jeweils für einen Oscar nominiert. Cagney erhielt – als Trost – den Preis des New York Film Critics Circle.
mit James Cagney, Pat O’Brien, Humphrey Bogart, Ann Sheridan, George Bancroft
Traditionell beschließt 3sat sein Jahr mit Konzertmitschnitten. Dieses Jahr singen und spielen unter anderem die Foo Fighters, Jeff Beck, Van Morrison, Eric Clapton, Sheryl Crow, ZZ Top, Coldplay, Elvis, Frank Sinatra, Queen, Tina Turner, Alanis Morisette und die Sex Pistols.
–
1. Januar
BR, 23.30
Die schwarze Dahlie (USA 2006, R.: Brian de Palma)
Drehbuch: Josh Friedman
LV: James Ellroy: The Black Dahlia, 1987 (Die Schwarze Dahlie)
Hollywood, 1947: Zwei Polizisten versuchen herauszufinden, warum das Starlet Elizabeth Short, die titelgebende schwarze Dahlie, ermordet wurde. Sie stolpern in das typische Ellroy-Gestrüpp aus Mord, Verrat, Sex, Gier, Geld und Gewalt.
Machen wir’s kurz: langatmiges, vollkommen gescheitertes Ausstattungskino. Schade um das Geld.
Mit Josh Hartnett, Aaron, Eckhart, Scarlett Johansson, Hilary Swank, Mia Kirshner, Gregg Henry
Wem gehört die Stadt? (USA 1936, R.: William Keighley)
Drehbuch: Seton I. Miller (nach einem Originalstoff von Martin Mooney und Seton I. Miller)
Polizist Johnny Blake schleicht sich in ein Gangsterbande ein. Er will so an die Hintermänner der New Yorker Unterwelt gelangen. Doch der Gangster Bugs Fenner misstraut ihm.
Spannender Gangsterfilm, bei dem der Undercover-Einsatz von Robinson natürlich nur der Vorwand ist, um ausführlich das schändliche Treiben der Gangster zu zeigen. Bogart überzeugte die Kritiker als Gangster und wurde, wie in zahlreichen weiteren Gangsterfilmen, kurz vor Schluss von dem Star des Films umgebracht.
mit Edward G. Robinson, Joan Blondell, Humphrey Bogart
Entscheidung in der Sierra (USA 1940, R.: Raoul Walsh)
Drehbuch: John Huston, W. R. Burnett
LV: W. R. Burnett: High Sierra, 1940 (High Sierra)
Nach einem missglückten Überfall flüchtet Roy Earle in die Berge. Die Polizei verfolgt ihn.
„High Sierra“ ist ein Abgesang auf die Gangsterfilme mit Cagney/Robinson/Raft. Bogart spielt zum ersten Mal seine klassische Rolle: den wortkargen, einsamen Verlierer; den harten Kerl mit dem weichen Herz. „High Sierra“, ein schnörkelloses Gangsterdrama, ist einer von Bogarts besten Filmen und war damals einer der größten finanziellen Erfolge von Warner Brothers.
Mit Ida Lupino, Humphrey Bogart, Arthur Kennedy
–
BR, 01.35
Stadt an der Grenze (USA 1935, R.: Archie Mayo)
Drehbuch: Laird Doyle, Wallace Smith, Robert Lord (Geschichte)
Ein erfolgloser Anwalt versucht als Teilhaber eines Spielkasinos in einer Grenzstadt sein Glück und er wird von der Frau seine Mitinhaber in eine düstere Affäre hineingezogen.
„Spannendes Melodram, das der Szenerie einer schäbigen Kleinstadt an der amerikanisch-mexikanischen Grenze eine dichte Atmosphäre abgewinnt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Der Gangsterfilmklassiker „White Heat“ führte den psychopathischen Gangster ein: James Cagney als neurotisch-brutaler Gangsterboss am Rockzipfel seiner Mutter. Grandios.
Auch das Ende: Cagney jagt sich und etliche Gas-Tanks in die Luft und brüllt: „Made it, Ma! Top of the world!“
Mit James Cagney, Virginia Mayo, Edmund O’Brien, Margaret Wycherly
Auch bekannt als „Sprung in den Tod“
–
BR, 02.15
Die wilden Zwanziger (USA 1939, R.: Raoul Walsh)
Drehbuch: Jerry Wald, Richard Macaulay, Robert Rossen
LV: Originalstory von Mark Hellinger
Schmissiger Gangsterfilm mit James Cagney und Humphrey Bogart – und, auch ohne ein Buch als Vorlage (als Inspiration dienten, neben einer Originalstory von Mark Hellinger, die Schlagzeilen der Tageszeitungen), wichtig als optische Vorlage für zahllose Gangsterkrimis.
LV: Scott Phillips: The Ice Harvest, 2000 (Alles in einer Nacht)
Heiligabend in Wichita, Kansas: Anwalt Charlie Arglist hat mit seinem Kumpel Vic einen Mafiaboss um zwei Millionen Dollar erleichtert. Bevor er Wichita verlassen kann, muss er noch den Weihnachtsabend überleben. Denn anscheinend wollen die Verwandtschaft, Kleingangster, eine Femme Fatale, ein Killer, sein nicht vertrauenswürdiger Mitverbrecher und der titelgebende Eissturm seinen Plan durchkreuzen.
Hochkarätig besetzte schwarze Komödie, die bei uns leider nur auf DVD veröffentlicht wurde.
Scott Phillips Debütroman war für den Edgar und Hammett Preis nominiert. Das Drehbuch war auch für einen Edgar nominiert.
Mit John Cusack, Billy Bob Thornton, Connie Nielsen, Randy Quaid, Oliver Platt
Drehbuch: Alfonso Cuarón, Timothy J. Sexton, David Arata, Mark Fergus, Hawk Ostby
LV: P. D. James: The Children of Men, 1992 (Im Land der leeren Häuser)
2027: Seit 18 Jahren wurde weltweit kein Kind mehr geboren. Großbritannien ist ein Polizeistaat und eigentlich geht alles vor die Hunde. Da wird der desillusionierte Weltverbesserer Theo von einer Untergrundorganisation entführt. Er soll eine junge, schwangere Frau aus London in eine irgendwo außerhalb Englands liegende sichere Zone bringen. Denn das Baby darf nicht in die Hände der Regierung fallen. Auf ihrer Reise muss Theo schnell feststellen, dass er niemand vertrauen kann.
Verfilmung des S-F-Romans von P. D. James. Für den Film spricht die Darstellerriege, die Kameraarbeit (Cuarón schnitt auch in Action-Szenen extrem selten, teilweise überhaupt nicht). Gegen den Film spricht die 08/15-Story, dass diese Negativutopie ein einziges Patchwork verschiedenster, sich letztendlich wiedersprechender Negativutopien ist und dass „Children of Men“ im Gegensatz zu den großen Negativutopien deshalb eskapistisches Kino ist.
Mit Clive Owen, Julianne Moore, Chiwetel Ejiofor, Michael Caine, Danny Huston
LV: Nicholas Pileggi: Casino: Love and Honor in Las Vegas, 1995 (Casino)
Biopic über die Mafia in Las Vegas in den Siebzigern
Kurz gesagt: ein Meisterwerk und Pflichttermin für Krimifans.
„Die einander ergänzenden Elemente von ‚Casino’, die genaue, materialistische Dokumentation, das Shakespeare-Drama von Macht und Fall, der Genrefilm und die Strindbergsche Seelenpein von Mann und Frau, zwischen denen eine unsichtbare Mauer steht, laufen alle auf die Feststellung hinaus, die Robert De Niro schon am Anfang getroffen hat: dass niemand gegen die Bank gewinnen kann. Das ist nicht nur konkrete Beschreibung einer ökonomisch-kriminellen Situation und soziale Metapher auf das Wesen des Kapitalismus, sondern auch ein philosophisches Gleichnis.“ (Georg Seeßlen: Martin Scorsese)
Mit Robert De Niro, Sharon Stone, Joe Pesci, James Woods, Kevin Pollak, L. Q. Jones
Hollywood Gangster (D 2008, Regie: Eckhart Schmidt)
Drehbuch: Eckhart Schmidt
Einstündige Doku über das Bild des Gangsters in Hollywoodfilmen im Wandel der Zeit. Als Begleitprogramm gibt es um 20.15 Uhr die Gaunerkomödie „Der Clou“ (mit Robert Redford und Paul Newman) und um 23.25 Uhr „Casino“.
Mit Roger Corman, Nicholas Pileggi, Peter Bogdanovich, Martin Bregman, James Caan, Angie Dickinson, Joan Leslie, John Milius, Budd Boetticher
–
Sonntag, 28. Dezember
Gangsterfilm-Double-Feature
BR, 23.00
GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (USA 1990, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: Martin Scorsese, Nicholas Pileggi
LV: Nicholas Pileggi: Wiseguy, 1985 (Der Mob von innen)
Preisgekrönter und mitreisender Gangsterfilm über das Leben des Mafia-Aussteigers Henry Hill zwischen 1955 und 1980 in New York.
Bei Scorsese sind Gangster die Kehrseite des amerikanischen Traums und die Mafia keine ehrenwerte Gesellschaft, sondern eine Ansammlung von Killern, Schlägern und Betrügern.
mit Robert De Niro, Joe Pesci (Oscar als bester Nebendarsteller), Ray Liotta, Lorraine Bracco, Paul Sorvino
–
BR, 01.20
Der öffentliche Feind (USA 1931, R.: William A. Wellman)
Drehbuch: Harvey Thew
Kleiner Gauner wird zu einem Polizistenmörder.
Einer der unumstrittenen Klassiker des Gangsterfilms. Damals wurde „The public enemy“, ebenso wie der vergleichbare „Little Caesar“, als Glorifizierung des Verbrechens kritisiert.
James Cagney begründete mit dieser Rolle seinen Ruhm; besonders mit dieser Szene: Cagney zerdrückt eine Grapefruit in Mae Clarkes Gesicht.
JAMES BOND: Der Hauch des Todes (GB 1987, R.: John Glen)
Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson
LV: Ian Fleming: The living daylights, 1962 (Duell mit doppeltem Einsatz, Kurzgeschichte)
Bond soll einem russischen Agenten zur Flucht verhelfen. Aber dieser treibt ein doppeltes Spiel.
Der erste Bond mit Timothy Dalton ist ein rundum unterhaltsamer Familienfilm: etwas Action (jugendfrei), schöne Frauen (dito), Pferde, Exotik (na, so a la Karl May). Tja, man gab sich Mühe zum 25-jährigen Leinwandjubiläum.
Sogar einige Elemente der Fleming-Story wurden in „Der Hauch des Todes“ verwandt.
Mit Timothy Dalton, Maryam d´Abo, Jeroen Krabbé, Joe Don Baker (hier einer der Bösen)
Tatort: Und dahinter liegt New York (D 2001, Friedemann Fromm)
Drehbuch: Friedrich Ani
Wer erschoss den Polizisten Reck? Batic und Leitmayr ermitteln in Münchens nicht so gut gestellten Kreisen.
Toller Krimi mit fesselnder Story, guter Besetzung und authentischer Atmosphäre.
Bei der Erstausstrahlung gab es eine groteske Diskussion über den Titel: Dürfen wir nach dem Anschlag vom 11. September noch die Worte New York im Titel haben? Oder sollen wir sie durch die Welt ersetzten?
Mit Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec, Michael Fitz, Barbara Rudnik
Das Gasthaus an der Themse (D 1962, R.: Alfred Vohrer)
Drehbuch: Trygve Larsen (Egon Eis), Harald G. Petersen
LV: Edgar Wallace: The india-rubber men, Wolves of the waterfront, The pool, 1929 (Das Gasthaus an der Themse)
Inspektor Wade verfolgt den Hai; einen Mörder, der mit einer Harpu ne zuschlägt und in einem Taucheranzug in die Londoner Kanalisation abtaucht.
Das war das letzte Drehbuch von Egon Eis für einen Wallace-Film (er schrieb u. a. „Der Frosch mit der Maske“, „Der rote Kreis“ und „Die toten Augen von London“) und die erste Wallace-Verfilmungen mit einem anderen Haupttäter im Film als im Buch. Kramp hält „Das Gasthaus an der Themse“ für eine der besten Schwarzweiß-Wallace-Verfilmungen von Vohrer.
Ansonsten: ein Edgar-Wallace-Film ist ein Edgar-Wallace-Film.
Mit Joachim Fuschberger, Brigitte Grothum, Richard Münch, Elisabeth Flickenschildt, Klaus Kinski, Eddi Arent, Siegfried Schürenberg.
Alfred ließ für einige Stunden den Kampf gegen Viren, Bakterien und ärztliche Ratschläge („Bettruhe! Tee trinken! Nicht aufregen! Nicht aufregen!!“) ruhen und stürzte sich in die Alligatorenpapiere-Arbeit. Ein Ergebnis sind die TV-Krimi-Buch-Tipps für die letzten Tage des Jahres. Ansehen! Einen kleinen Vorgeschmack gibt es hier:
Hallo liebe Krimifreunde,
zu den letzten TV-Krimi-Buch-Tipps für dieses Jahr. Traditionell geizen die Sender während der letzten Tage des Jahres nicht mit Filmen. Neben viel Müll lohnt sich bei diesen Filmen das Einschalten (oder programmieren des Rekorders): die sechste Folge von Lynda La Plantes „Heißer Verdacht“, Liliana Cavanis Patricia-Highsmith-Verfilmung „Ripley’s Game“, Frank Capras Joseph-Kesselring-Verfilmung „Arsen und Spitzenhäubchen“, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmungen „Casino“ und „GoodFellas“, José Giovannis „Der Rammbock“, Sam Peckinpahs „Sacramento“, den Alfred-Hitchcock-Filme „Die Vögel“, „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“, „Das Fenster zum Hof“ und „Der Mann, der zuviel wusste“.
Die sehenswerte TV-Premiere ist Harold Ramis Verfilmung von Scott Phillips‘ Debütroman „The Ice Harvest“, die okaye TV-Premiere ist Alfonso Cuaróns P.-D.-James-Verfilmung „Children of Men“ und dann gibt es für die Freunde des Gangster- und Noir-Films gleich eine ganze Reihe guter Filme. Es sind, in der Reihenfolge ihrer Ausstrahlung, „Der kleine Caesar“, „Der öffentliche Feind“, „Goldenes Gift“, „Maschinenpistolen“, „Die wilden Zwanziger“, „Entscheidung in der Sierra“, „Stadt an der Grenze“, „Wem gehört die Stadt?“, „Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern“ und „Gardenia – Eine Frau will vergessen“.
Ripley’s Game(GB/I/USA 2002, R.: Liliana Cavani)
Drehbuch: Liliana Cavani, Charles McKeown
LV: Patricia Highsmith: Ripley’s Game, 1974 (Ripley’s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley’s Game oder Ein amerikanischer Freund)
Ripley schlägt einem todkranken Mann vor, mit einem Auftragsmord seiner Familie ein finanzielles Polster zu verschaffen.
„John Malkovich ist perfekt in der Hauptrolle, die Spannung stimmt, die Inszenierung souverän.“ (Lothar R. Just: Filmjahrbuch 2005)
Hochgelobte, sehenswerte Highsmith-Verfilmung, die in Deutschland nur eine DVD-Premiere erlebte und bevorzugt zu unmöglichen Zeiten ausgestrahlt wird.
Mit John Malkovich, Ray Winstone, Hanns Zischler Wiederholung: Sonntag, 21. Dezember, 04.00 Uhr (Taggenau!)
Ohne den Golden Turkey Award, der Ed Wood posthum zum schlechtesten Regisseur und „Plan 9 from Outer Space“ zum schlechtesten Film aller Zeiten kürte, der harten Konkurrenz anderer Ed-Wood-Filme für den schlechtesten Film aller Zeiten (Sorry, es kann nur einen Gewinner geben.), der detailreichen Biographie von Rudolph Grey und dem grandiosem Tim-Burton-Biopic „Ed Wood“ wäre Ed Wood und sein schmales Werk sicher schon lange vergessen. Die Ed-Wood-Klassiker „Glen or Glenda?“ und „Plan 9 from Outer Space“ sind zwar keine guten Filme, aber in den Fünfzigern sie einfach nur weitere, für sehr wenig Geld gedrehte Werke, die mit Sex und Thrills marktschreierisch um ein jugendliches Publikum warben, das sich in Doppelvorführungen nur ablenken wollte, und kurz darauf größtenteils vergessen wurden.
In seinem in vier Tagen gedrehtem Debütfilm „Glen or Glenda?“ über Transvestiten und ihre Nöte im damaligen Amerika spielte Ed Wood, im Angorapulli, als Daniel Davis die Hauptrolle.
1995 wurde „Glen or Glenda?“ in einigen deutschen Kinos gezeigt. Heute feiert diese Trashperle nach über einem halben Jahrhundert seine TV-Premiere. Und so schlecht, immerhin wurde der Film von dem schlechtesten Regisseur aller Zeiten gedreht, ist „Glen or Glenda?“ (auch bekannt als „I led two lives“ und „I changed my sex“) nicht.
Mit Edward D. Wood jr., Bela Lugosi, Dolores Fuller, Tim Farrell, Lyle Talbot
Rassismus andersrum: ein junges Paar (er: weiß, sie: schwarz) zieht in das noble Lakeview-Terrace-Viertel von Los Angeles. Schnell bekommen sie Ärger mit einem Nachbarn. Er ist Polizist, Rassist – und schwarz.
Dank Samuel L. Jackson als bösem Nachbarn und vielen präzisen Beobachtungen ist „Lakeview Terrace“, auch wenn das Ende zu sehr in Richtung konventioneller Thriller geht, einen Blick wert.
„It’s a challenging journey LaBute takes us on. Some will find it exciting. Some will find it an opportunity for an examination of conscience. Some will leave feeling vaguely uneasy. Some won’t like it and will be absolutely sure why they don’t, but their reasons will not agree. Some will hate elements that others can’t even see. Some will only see a thriller. I find movies like this alive and provoking, and I’m exhilarated to have my thinking challenged at every step of the way.“(Roger Ebert, Chicago Sun-Times)
mit Samuel L. Jackson, Patrick Wilson, Kerry Washington, Ron Glass, Justin Chambers, Robert Pine
Vor dem Drehstart sollte es nur ein weiterer billiger Biker-Film werden. Doch als „Easy Rider“ in die Kinos kam, wurde er zu einem Kultfilm für eine Generation und der Initialzündung für das New Hollywood. Oder, wie ein älterer Mann während der Berlinale-Aufführung 2004 zu seinem Nachbarn sagte:
„Ich habe den Film noch nie gesehen.“
„Wirklich?“
„Nüchtern.“
Die Story des Roadmovies ist denkbar einfach: zwei junge Männer fahren mit ihren Motorrädern von Los Angeles nach New Orleans zum Mardi Gras. Ihre Reise wird zu einem Porträt Amerikas.
Die Musik von Steppenwolf, The Byrds, The Band, Roger McGuinn und Jimi Hendrix trug sicher auch ihren Teil zum Erfolg bei.
„Easy Rider (war) der richtige Film zur richtigen Zeit. Sein Kassenerfolg gab der Filmindustrie, die in den sechziger Jahren mit superteuren, starbestückten Ausstattungsfilmen ihr Publikum nicht mehr gefunden hatte, eine neue Richtung vor: Filme für ein junges Publikum, gedreht außerhalb der Studios on location.
Wahrscheinlich war Easy Rider auch deshalb ein solcher Erfolg, weil er eben nicht den vollkommenen Bruch mit der Tradition vollzog (…), sondern vielmehr anknüpfte an amerikanische Mythen – und sie zugleich hinterfragte. Aus dem Gegensatz von klassischer narrativer Struktur im Motiv der Reise und visuellem Bruch mit den Gewohnheiten erwächst die Stärke von Easy Rider, der seine Kraft ebenso den Kinoerinnerungen an die Landschaftsbilder des Westens verdankt wie der präzisen Auswahl von zeitgenössischen Rocksongs.“ (Frank Arnold in Hans Helmut Prinzler/Gabriele Jatho: New Hollywood 1967 – 1976: Trouble in Wonderland)
Drehbuch: Peter Fonda, Dennis Hopper, Terry Southern
mit Peter Fonda, Dennis Hopper, Jack Nicholson, Karen Black, Phil Spector, Bridget Fonda (ungenanntes Debüt; Kind in der Kommune)
RBB, 21.00 Die 30 besten Berlin-Filme
Unser Hauptstadtsender RBB ließ die Zuschauer die dreißig besten Berlin-Filme (aus einer vorgegebenen Liste) wählen. Heute wird das Ergebnis präsentiert und einige Promis (bevorzugt einheimisch) erzählen etwas dazu. Das klingt jetzt nach einem dieser Listensendungen vom Privatfernsehen, aber erstens fehlt hier die Werbung und zweitens ist die Sendung kürzer.
Und nun zu meiner Ad-hoc-Liste.
Auf den ersten Platz gehört natürlich „M – eine Stadt sucht den Mörder“ (wird’s wahrscheinlich nicht mal in die Top Ten schaffen). Außerdem müssen, ohne eine besondere Ordnung, drin sein: „Berlin: Die Symphonie einer Großstadt“ (das ist der Stummfilm von 1927), „Berlin – Sinfonie einer Großstadt“ (das Remake von 2002), „Der letzte Mann“ (natürlich der Stummfilm), „Good bye Lenin“, „Lola rennt“, „Berlin Alexanderplatz“ (einmal der Film aus den Dreißigern, einmal die Fassbinder-Verfilmung, obwohl sie für’s TV war und, aus der Erinnerung, nicht in Berlin gedreht wurde), „Eins, zwei, drei“, „Sommer vorm Balkon“, „Die Bourne Verschwörung“, „Equilibrium“ (zwei Ami-Produktionen, die in Berlin gedreht wurden), „Emil und die Detektive“ (ich sag mal alle Versionen, weil sie immer in Berlin gedreht wurden), „Linie 1“, eigentlich alles von Rudolf Thome, dito Lothar Lambert (aber der ist Underground), Jörg Buttgereit (dito), einiges von Rosa von Praunheim (hm, nochmal Underground, jedenfalls früher; heute Arthaus), Dani Levy (das meiste), Tom Tykwer (eher das Frühwerk), Fassbinders „Die dritte Generation“, einige Spionagefilme, wie „Der Mann, der aus der Kälte kam“, „Das Quiller-Memorandum“ und „Finale in Berlin“, „Kroko“, „Berlin is in Germany“, die Wenders-Filme „Der Himmel über Berlin“ und „In weiter Ferne, so nah!“, Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, „Sonnenallee“, „Herr Lehmann“, „Cabaret“, „Das Leben ist eine Baustelle“, „Heidi M.“ (X-Filme ist halt eine gute Anlaufstelle für Berlin-Filme) und damit dürfte ich, ohne zu sehr im Stumm-, SW- und Defafilm zu suchen, schon über dreißig Filme haben.
„Der Untergang“ muss nicht sein, dürfte aber dabei sein. Dann schon lieber „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“.
Und die Edgar-Wallace-Filme wurden auch in Berlin gedreht. Aber die zählen wohl nicht.
Urban Priol, Georg Schramm und ihre Gäste Monika Gruber, Rainald Grebe, Jochen Malmsheimer und Dieter Hildebrandt haben heute eine Stunde für ihren satirischen Rundumschlag, der natürlich auch ein Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate ist.
Für Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie bitte die Packungsbeilage.
„Badlands“, „In der Glut der Sonne“, „Der schmale Grad“ und zuletzt „The New World“. Vier Filme in über dreißig Jahren, Das ist nicht gerade viel. Doch Malicks Filme sind für Cineasten immer ein optischer Festschmaus. Auch in seiner Interpretation der Legende von Pocahontas (wer die Geschichte nicht kennt: USA, 1607: John Smith soll für die Siedler mit den Indianern verhandeln. Diese nehmen ihn gefangen. Die Häuptlingstochter Pocahontas rettet ihn. Er verliebt sich in sie. Und jetzt beginnen die wirklichen Probleme.) sind die Bilder grandios, die Besetzung hochkarätig (obwohl in seinem Kriegsfilm „Der schmale Grad“ die Stardichte höher war), der Erzählduktus hypnotisch und fern der gängigen Hollywood-Konventionen.
Wer den Film im Kino verpasste, kann heute die TV-Premiere genießen. Allerdings wird die Meditation von Werbepausen unterbrochen.
mit Colin Farrell, Q’orianka Kilcher, Christopher Plummer, Christian Bale, August Schellenberg, Wes Studi, David Thewlis
Der Stoff, aus dem die Helden sind (USA 1983, R.: Philip Kaufman)
Drehbuch: Philip Kaufman
LV: Tom Wolfe: The Right Stuff, 1979 (Die Helden der Nation)
Das ist einer der Filme, der trotz der zahlreichen Nominierungen und Preise, nie den Ruhm erhalten hat, den er verdient. „Der Stoff, aus dem die Helden sind“ war für den Oscar als bester Film nominiert. „Zeit der Zärtlichkeit“ (Wer erinnert sich noch an den Film?) erhielt die Trophäe. Sam Shepard war für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert. Jack Nicholson erhielt ihn für seine Rolle in „Zeit der Zärtlichkeit“. Als Trost gab es vier Oscars in Nebenkategorien. Beim Directors Guild of America Award und Golden Globe verlor der Film wieder gegen „Zeit der Zärtlichkeit“. Im Rennen um den SF-Preis HUGO ging der Preis für den besten Film wieder nicht an „Der Stoff, aus dem die Helden sind“ sondern an den dritten „Krieg der Sterne“-Film „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“.
Dabei ist das dreistündige Epos über das gefährliche Testpilotenleben zwischen dem Durchbrechen der Schallmauer (Chuck Yeager tat’s 1947) und dem ersten bemannten Flug in den Weltraum „patriotisches Kino ohne Scheuklappen und mit gelegentlichen Anzeichen von Ironie und Selbstkritik“ (Fischer Film Almanach 1985). „Ein sowohl von spöttischer Ironie als auch von ehrlicher Bewunderung für diese ‚Helden der Nation‘ geprägter Film, der dank der mitreisenden Darstellung der extremen Flüge bis zum Schluss spannend bleibt.“ (Lexikon des internationalen Films) Das ist dann auch das Dilemma das Films: für die Rechten nicht patriotisch genug, für die Linken zu patriotisch. Dass Besetzung und Ausstattung erlesen sind, dass die Bilder nach der großen Leinwand rufen, dass die Vergangenheit lebendig wird, das ist dann unerheblich.
Tom Wolfes gewohnt detaillierte und glänzend geschriebene Reportage „The Right Stuff“ war in den USA ein Bestseller . Wenn Sie das Buch irgendwo finden, kaufen Sie es. Es ist eine faszinierende Lektüre, über Männer, die bereit waren, sich in die Spitze einer Rakete zu setzen, in die Luft schießen zu lassen und dabei vielleicht zu sterben (Tom Wolfe entdeckte 1970 einen Artikel, in dem die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Unfalls für einen Navy-Piloten mit 23 Prozent angegeben wurde. Dazu kam noch der Tod im Gefecht. Wahrscheinlich gab es keinen gefährlicheren Beruf.) und ihren Frauen.
mit Sam Shepard, Barbara Hershey, Charles Frank, Ed Harris, Scott Glenn, Dennis Quaid, Lance Henriksen, Fred Ward, Kim Stanley, Veronica Cartwright, Jeff Goldblum, Chuck Yeager (als Bartender Fred)
Heißer Verdacht: Tödliche Verstrickung – Teil 1/Teil 2 (GB 1996, R.: Philip Davis)
Drehbuch: Guy Andrews
LV: Charakter von Lynda la Plante
Detective Jane Tennison wurde nach Manchester versetzt. Ihr erster Fall ist der Mord an einem kleinen Dealer. Selbstverständlich will der Großdealer Street das Problem alleine und auf seine Art lösen. Tennison
Die fünfte „Prime Suspect“-Ausgabe war wieder ein voller Erfolg. Nachdem die vierte aus drei spielfilmlangen Fällen bestand, gibt es dieses Mal wieder eine richtige Doppelfolge, Helen Mirren erhielt einen Satellite Award und die Doppelfolge einen Emmy.
Mit Helen Mirren, John McArdle, Steven Mackintosh
Wiederholung
Teil 1: Sonntag, 14. Dezember, 03.00 Uhr (Taggenau!)
Teil 2: Montag, 15. Dezember, 01.50 Uhr (Taggenau!)
Jahresende – Jahresrückblicke. Doch bei Urban Priol nicht in der stundenlangen Jauch-Kerner-Version, sondern im kabarettistischen Schnelldurchlauf mit einigen Schlägen unter die Gürtellinie und Spitzen gegen die Frau, das Krisenmanagement der Regierung und die Regierungsfähigkeit der Hessen-SPD.