Neu im Kino: Transsiberian

Dezember 11, 2008

Transsiberian (Transsiberian, GB/D/E 2007)

Regie: Brad Anderson

Drehbuch: Will Conroy, Brad Anderson

Ein amerikanisches Ehepaar will mit der Transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau fahren. Auf ihrer Fahrt geraten sie zwischen die Fronten eines Kampfes zwischen Drogenschmugglern und einem skrupellosen Drogenfahnder.

Wer in den vergangenen Jahren nur einen Ben-Kingsley-Film gesehen hat, kann sich denken, auf welcher Seite Kingsley mitspielt. Und unser Mann in Hollywood (neinnein, der andere) ist auch dabei. Ansonsten: nach vielen Jahren wieder ein Eisenbahnthriller, der sogar in der Gegenwart spielt. Die internationale Kritik feierte das neue Werk des „The Machinist“-Regisseurs ab.

Der Film hat eigentlich alle Anlagen zum B-Movie. Indem Anderson aber die inneren Konflikte seiner Figuren in den Mittelpunkt stellt, wird aus einem potenziellen Actionthriller ein durchaus überzeugendes Drama.“ (Andreas Busche, epd Film 12/2008)

mit Woody Harrelson, Emily Mortimer, Ben Kingsley, Kate Mara, Eduardo Noriega, Thomas Kretschmann

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Transsiberian“

Arizona Daily Star: Phil Villarreal porträtiert Will Conroy (26. Juli 2007)

Cinematical: Interview mit Brad Anderson über „Transsiberian“ (25. Juni 2008)

Dark Horizons: Interview mit Brad Anderson über „Transsiberian“ (2. Juli 2008)

Shock till you drop: Interview mit Brad Anderson über „Transsiberian (14. Juli 2008)

IFC: Interview mit Brad Anderson über „Transsiberian“ (17. Juli 2008)

Chud: Interview mit Brad Anderson über „Transsiberian“ (19. Juli 2008)

Bullz-Eye: Interview mit Brad Anderson (25. Juli 2008)


TV-Tipp für den 11. Dezember: Die Ehe der Maria Braun

Dezember 11, 2008

Wer vor einigen Tagen die Ausstrahlung der „Ehe der Maria Braun“ während der Michael-Ballhaus-Nacht verpasst hat, kann den Film heute genießen. Der Anlass ist der 65. Geburtstag von Hauptdarstellerin Hanna Schygulla am 25. Dezember. Morgen zeigt 3sat „Lili Marleen“.

3sat, 22.25

Die Ehe der Maria Braun (D 1978, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Peter Märtesheimer, Pea Fröhlich (nach einer Idee von Rainer Werner Fassbinder)

Fassbinder-Klassiker über das Leben einer Frau von den Kriegsjahren bis zum 4. Juli 1954.

Mit Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch, Ivan Desny, Gottfried John, Gisela Uhlen, Günter Lamprecht, Elisabeth Trissenar, Volker Spengler, Karl-Heinz von Hassel, Michael Ballhaus, Hark Bohm, Günther Kaufmann, Bruce Low, Rainer Werner Fassbinder, Claus Holm

Hinweise

Wikipedia über „Die Ehe der Maria Braun“

Deutsches Filmhaus über „Die Ehe der Maria Braun“

Filmzentrale: Besprechungen von Ulrich Behrens, Janis El-Bira und Dieter Wenk über „Die Ehe der Maria Braun“


TV-Tipp für den 10. Dezember: Frequenz Mord

Dezember 10, 2008

SWR, 23.00

Frequenz Mord (F 1988, R.: Elisabeth Rappenau)

Drehbuch: Elisabeth Rappenau, Jacques Audiard

LV: Stuart M. Kaminsky: When the dark man calls, 1983

Die erfolgreiche Radiomoderatorin Jeanne Quester wird von einem anonymen Anrufer bedroht. Anscheinend ist er der kürzlich entlassene Mörder ihrer Eltern. Inspector Lieberman versucht ihr zu helfen.

Unterhaltsamer, konventioneller und durchaus spannender Psychothriller, dessen Lösung letztendlich ziemlich nahe liegend ist.

Stuart Kaminsky widmete Lieberman später eine eigene Serie. Einige Bände erschienen bei Ullstein.

Mit Catherine Deneuve, André Dussollier, Martin Lamotte

auch bekannt als „Tödliche Frequenz“

Hinweise

Homepage von Stuart M. Kaminsky

Meine Besprechung von Stuart M. Kaminskys „CSI: NY – Der Tote ohne Gesicht“ (CSI:NY – Dead of Winter)“ und „CSI:NY – Blutige Spur“ (CSI: NY – Blood on the sun)

Meine Besprechung von Stuart M. Kaminskys „CSI: NY – Sintflut“ (CSI: NY – Deluge, 2007)


TV-Tipp für den 9. Dezember: Die Akte Odessa

Dezember 9, 2008

Das Vierte, 20.15

Die Akte Odessa (GB/D 1974, R.: Ronald Neame)

Drehbuch: Kenneth Ross, George Markstein

LV: Frederick Forsyth: The O. D. E. S. S. A. File, 1972 (Die Akte Odessa)

Ein Reporter will einem Nazi-Geheimbund auf die Spur kommen.

Durchaus spannender Polit-Thriller, der niemals die Regeln des Genres sprengt, einen Hang zur Kolportage hat und aus heutiger Sicht mit viel Lokalkolorit aufwarten kann (Deutschland vor dreißig Jahren).

Mit Jon Voight, Maximilian Schell, Maria Schell, Klaus Löwitsch, Towje Kleiner

Hinweise

Wikipedia über Frederick Forsyth

Krimi-Couch über Frederick Forsyth

Wired for Books: Interview mit Frederick Forsyth (1984)

NZZ Folio: Frederick-Forsyth-Porträt (11/1992)

FAZ: Frederick Forsyth zum Siebzigsten (25. August 2008)

Focus: Frederick Forsyth zum Siebzigsten (25. August 2008)

Frederick-Forsyth-Fanseite

Der zehnmimütige YouTube-Clip zeigt Ausschnitte aus dem Film – mit grandiosen deutschen Akzenten.



TV-Tipp für den 8. Dezember: Die großen Kriminalfälle

Dezember 8, 2008

ARD, 21.00

Die großen Mordfälle: Der Ripper von Magdeburg (D 2008, R.: Hans-Dieter Rutsch)

Drehbuch: Hans-Dieter Rutsch

Heute beschäftigt sich die gute Dokureihe mit einem jungen Mann, der 1973 in der DDR als Dreifachmörder zum Tode verurteilt wurde. Später wurde er aus politischen Gründen begnadigt (Die Todesstrafe war schlecht für’s Image.), 1991 dank der Einheit aus dem Gefängnis entlassen, 1995 wegen eines weiteren Mordes wieder verurteilt und vor kurzem wurde Jürgen S. (eigentlich Peter A.) entlassen. Rutsch zeichnet das Leben des „Ripper von Magdeburg“ zwischen DDR und BRD nach.

Wiederholung: Dienstag, 9. Dezember, 03.25 Uhr (Taggenau! – und vielleicht in der ARD-Mediathek)

Hinweise

ARD über die Doku

Volksstimme über die Doku und die Hintergründe


TV-Tipp für den 7. Dezember: Der blaue Engel

Dezember 7, 2008

Arte, 22.55

Der blaue Engel (D 1930, R.: Josef von Sternberg)

Drehbuch: Robert Liebmann, Carl Zuckmayer, Karl Vollmöller

LV: Heinrich Mann: Professor Unrat, 1905

Lehrer Rath verliebt sich in die Nachtclubsängerin Lola Lola. Schnell darauf beginnt sein gesellschaftlicher Abstieg.

Ein UFA-Klassiker aus der Zeit, als Babelsberg das Zentrum des deutschen Films war. „Der blaue Engel“ war ein Kassenschlager und gilt heute als einer der Klassiker des Films. Marlene Dietrich setzte danach ihrer Karriere in Hollywood fort.

„Der von [Produzent Erich] Pommer lancierte Film entstand übrigens sozusagen hinter dem Rücken der UFA-Gewaltigen, für die Heinrich Mann natürlich ein suspekter Autor war. Dieser fand nach einer ersten Voraufführung den Film durchaus akzeptabel. ‚Gerade ein wirklicher Roman ist nicht ohne weiteres verfilmbar. Er hat viele Seiten, und nur eine ist dem Film zugewendet. Er muss richtig gedreht werden. Das ist hier meines Erachtens auch geschehen’, schrieb er 1930 an K. Lemke.“ (Barbara Rogall, Film-Blätter 1974)

Die Musik ist von Friedrich Holländer. „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ wurde ein Gassenhauer; „Nimm dich in acht vor blonden Frauen“, „Ich bin die fesche Lola“ und „Kinder, heut abend, such ich mir was aus“ sind nicht so bekannt.

Und die Vorlage, Heinrich Manns grandiose Satire auf den Wilhelminismus und die spießbürgerliche Doppelmoral, ist ein Klassiker der deutschen Literatur. Die Geschichte ist heute (im Gegensatz zu „Der Untertan“) etwas veraltet, aber dank der Sprache fesselt sie heute immer noch. Hier sind die ersten Zeilen des lesenswerten Romans:

„Da er Raat hieß, nannte die ganze Schule ihn Unrat. Nichts konnte einfacher und natürlicher sein. Der und jener Professor wechselten zuweilen ihr Pseudonym. Ein neuer Schub Schüler gelangte in die Klasse, legte mordgierig eine vom vorigen Jahrgang noch nicht genug gewürdigte Komik an dem Lehrer bloß und nannte sie schonungslos beim Namen. Unrat aber trug den seinigen seit vielen Generationen, der ganzen Stadt war er geläufig, seine Kollegen benutzten ihn außerhalb des Gymnasiums und auch drinnen, sobald er den Rücken drehte.“

Mit Emil Jannings, Marlene Dietrich, Kurt Gerron, Rosa Valetti, Hans Albers

Wiederholungen

Mittwoch, 24. Dezember, 23.50 Uhr

Freitag, 26. Dezember, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der blaue Engel“

Die Zeit: Volker Schlöndorff über „Der blaue Engel“

Deutsche Marlene-Dietrich-Seite über „Der blaue Engel“

Englische Marlene-Dietrich-Seite über „Der blaue Engel“

Filmstarts über „Der blaue Engel“

Kindlers Neues Literaturlexikon über Heinrich Manns „Professor Unrat“


TV-Tipp für den 6. Dezember: Das Schweigen der Lämmer

Dezember 6, 2008

Pro 7, 22.10

Das Schweigen der Lämmer (USA 1991, R.: Jonathan Demme)

Drehbuch: Ted Tally

LV: Thomas Harris: The silence of the lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)

FBI-Agentin Starling verfolgt einen Serienkiller und verliebt sich in den inhaftierten Hannibal Lecter.

Inzwischen schon ein Klassiker, der – zu Recht – etliche Oscars erhielt (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle). Beim wiederholten Sehen fällt auf, wie wenig von den schockierenden Ereignissen wirklich zu sehen ist – und wie konservativ die Kameraführung ist. Achten Sie auf die erste Begegnung von Jodie Foster und Anthony Hopkins. Da ist keine Bewegung überflüssig, kein Schnitt zuviel und es wird sich in jeder Sekunde auf das Drehbuch und die Schauspieler verlassen.

Hitchcock hätte der Film gefallen.

Ted Tally erhielt für sein Drehbuch auch einen Edgar.

Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine, Anthony Heald, Diane Baker, Roger Corman, Charles Napier, Chris Isaak (SWAT-Commander), George A. Romero (FBI-Agent in Memphis, ungenannt)

Hinweis

Homepage von Thomas Harris


TV-Tipp für den 5. Dezember: Der letzte Scharfschütze

Dezember 5, 2008

ARD, 01.20

Der letzte Scharfschütze (USA 1976, R.: Don Siegel)

Drehbuch: Scott Hale, Miles Hood Swarthout

LV: Glendon Swarthout: The Shootist, 1975 (Der Superschütze)

Revolverheld Books will seine letzten vom Krebs gekennzeichneten Tage in Ruhe verbringen. Aber so einfach ist das nicht.

Einer der besten Spätwestern – und John Waynes letzter Film.

Don Siegel unterzog in ‚The Shootist – Der Scharfschütze’ den Mythos einer distanzierten Würdigung, die noch einmal dem Western zurückgab, was ihm in den letzten Jahren abhanden gekommen war: Ruhe. Und vielleicht exakt diese Botschaft ist es, die endgültig dem Genre ein friedvolles Ende bescheren hätte können: nämlich, die, dass der Western tot, die Grenze erschlossen, die Gesellschaft korrupt ist und dass man sich darüber nicht besonders aufregen muss.“ (Georg Seesslen: Western)

Die Western Writers of America verliehen Swarthouts Buch den Spur-Award als bester Western-Roman des Jahres 1975. Später nahmen sie „The Shootist“ in die Liste der 21 besten Western, Swarthout in die Liste der besten Western-Autoren und die Verfilmung in die Liste der zehn besten Western des zwanzigsten Jahrhunderts auf.

Mit John Wayne, Lauren Bacall, James Stewart, Ron Howard, Richard Boone, John Carradine

Auch “The Shootist – Der Scharfschütze”

Hinweis

Homepage von Glendon Swarthout


TV-Tipp für den 4. Dezember: Outland – Planet der Verdammten

Dezember 4, 2008

Tele 5, 20.15

Outland .- Planet der Verdammten (GB 1981, R.: Peter Hyams)

Drehbuch: Peter Hyams

Buch zum Film: Alan Dean Foster: Outland (Outland, 1981)

Auf einem Jupitermond betreibt ein Konzern eine ertragreiche Mine. Als der dort stationierte Polizist O’Niel herausfindet, dass die Arbeiter unter Drogen gesetzt werden und deshalb vor dem Ablauf ihres Vertrages sterben, stellt er sich gegen den Leiter der Mine. Und der versteht keinen Spaß.

Der Weltraumwestern „Outland“ wurde schnell auf die prägnante Formel „High Noon im Weltraum“ gebracht. Dabei ist die Atmosphäre in der Weltraumstation beklemmender als in einem Western, es gibt etwas Kapitalismuskritik und Sean Connery als Einzelner gegen die Bösen ist immer eine gute Wahl.

Intelligente Unterhaltung und bestimmt einer der besten Thriller des Jahres“ (Sunday Telegraph)

It’s also a movie of unexpected pleasures, including some uncommonly handsome science-fiction sets, a straightforward narrative that recalls “High Noon“ without that film’s holy seriousness, some wonderfully effective chases through the darkest interiors of this huge, hermetically sealed moon camp, plus two staunch, robust performances by Mr. Connery and Miss Sternhagen. “Outland“ is what most people mean when they talk about good escapist entertainment.“ (Vincent Canby, New York Times, 22. Mai 1981)

Der Film wurde für einen Hugo nominiert. „Jäger des verlorenen Schatzes“ erhielt die Trophäe.

mit Sean Connery, Peter Boyle, Frances Sternhagen, James B. Sikking, Steven Berkoff

Wiederholung: Freitag, 5. Dezember, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Outland“

And you call yourself a Scientist! über Outland (nicht so begeistert)

Classic Science Fiction über Outland (begeistert)


TV-Tipp für den 3. Dezember: Lichter der Vorstadt

Dezember 3, 2008

Arte, 22.45

Lichter der Vorstadt (Fin/D/F 2006, R.: Aki Kaurismäki)

Drehbuch: Aki Kaurismäki

Willkommen in Kaurismäki-Land. Dieses Mal erzählt er, als Abschluss seiner Verlierer-Trilogie, die Geschichte des Wachmanns Koistinen, der sich in eine Blondine verliebt. Diese will – wir ahnen es – von ihm nur einen Zugangscode für ein Juweliergeschäft haben.

Nach dem grandiosen „Der Mann ohne Vergangenheit“ ist „Lichter der Vorstadt“ ein enttäuschendes Werk. Denn in „Lichter der Vorstadt“ ist alles zu stilisiert und zu verknappt, um noch ernst genommen zu werden. Aber in Zeiten, in denen anscheinend kein Film unter 120 Minuten mehr im Kino gezeigt wird, ist Kaurismäki das probate Gegenmittel gegen den Exzess. Denn mit 75 Minuten hat „Lichter der Vorstadt“ die gewohnt-kurze Kaurismäki-Länge.

Eine Einsamkeitszeremonie. Das selbstauferlegte Martyrium eines Nachtwächters. Und von Liebe – fast – keine Spur. Eilig verständigte sich die Kaurismäki-Gemeinschaft auf ein Minimalziel, auf die Freude an sublimem Rhythmus und Kadrage, an Tangos und Garagenrock, an pointiert gesetztem Licht und klaren Farben, an unübertroffen sparsamen und wirkungsvollen Dialogen: Immerhin, wo Kaurismäki draufsteht, war auch diesmal wieder Kaurismäki drin.“ (Jan Schulz-Ojala in Eue/Söffker: Aki Kaurismäki)

mit Janne Hyytiäinen, Maria Järvenhelmi, Maria Heiskanen, Ilkka Koivula

Wiederholungen

Montag, 15. Dezember, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Mittwoch, 24. Dezember, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lichter der Vorstadt“

Meine Besprechung des von Ralph Eue und Linda Söffker herausgegebenen Filmbuchs „Aki Kaurismäki“


TV-Tipp für den 2. Dezember: Die fünf Geächteten

Dezember 2, 2008

Tele 5, 21.55

Die fünf Geächteten (USA 1967, R.: John Sturges)

Drehbuch: Edward Anhalt

Was geschah nach der Schießerei am O. K. Corral? Dieser Film erzählt die weitere Geschichte von Wyatt Earp, Doc Holliday und den Clantons.

„Der Film ist (…) weniger in seinen Fakten authentisch (in Wirklichkeit wurde Clanten von einem Deputy-Marshal in Arizona erschossen), als in der Zeichnung von Milieu, Umständen und Charakteren. Er ist überhaupt nicht langweilig für Freunde einer kühlen, nüchternen, intelligenten Beschreibung einer Entwicklung“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon) über diesen Sturges-Film, der immer noch im Schatten von seinem zehn Jahre früher gedrehtem Klassiker „Zwei rechnen ab“ (Gunfight at the O. K. Corral) steht. „Die fünf Geächteten“ ist für Western-Fans ein sehr angenehmer, gut gealterter Zeitvertreib.

Mit James Garner, Jason Robarts, Robert Ryan, Albert Salmi, Monte Markham, Jon Voight, Edward Anhalt (Doktor in Denver, ungenannt)

Wiederholung: Mittwoch, 3. Dezember, 08.50 Uhr

Hinweise

Riding the High Country über „Hour of the Gun“

DVD Verdict über „Hour of the Gun“

TCM über „Hour of the Gun“



TV-Tipp für den 1. Dezember: King Kong und die weiße Frau

Dezember 1, 2008

MDR, 22.55

King Kong und die weiße Frau (USA 1933, R.: Ernest B. Schoedsack, Merian C. Cooper)

Drehbuch: James Ashmore Creelman, Ruth Rose

Story/Originalentwurf: Edgar Wallace, Merian C. Cooper

Auf einer Südseeinsel entdeckt eine Filmcrew einen riesigen Affen und bringt ihn nach New York.

Auch heute noch beeindruckender Klassiker des Monsterfilms.

Im Anschluss läuft „Graf Zaroff – Genie des Bösen“. Ein weiterer Klassiker, der von Schoedsack und Irving Pichel in den Kulissen von „King Kong und die weiße Frau“ gedreht wurde.

Mit Fay Wray, Robert Armstrong, Bruce Cabot, Frank Reicher, Sam Hardy

Hinweise

Filmsite über „King Kong“

The Stop Button über „King Kong“

Senses of Cinema über „King Kong“


TV-Tipp für den 30. November: Mogadischu

November 30, 2008

kortner-mogadischu

ARD, 20.15

Mogadischu (D 2008, R.: Roland Suso Richter)

Drehbuch: Maurice Philip Remy

Buch zum Film: Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der Landshut, 2008

Nach Heinrich Breloers hochgelobtem Zweiteiler „Todesspiel“ (auch schon über zehn Jahre alt) über den Deutschen Herbst 1977, diversen Dokumentationen (zum Beispiel letztes Jahr ein Zweiteiler) über die RAF, dem noch im Kino laufendem „Baader Meinhof Komplex“ mutet „Mogadischu“ etwas akademisch an. Denn die Fakten sind bekannt. Am 13. Oktober 1977 entführt ein palästinensisches Kommando die Lufthansa-Maschine Landshut. Nach einem mehrtätigen Irrflug landet das Flugzeug in Mogadischu und die GSG 9 beendet die Geiselnahme.

Neue Erkenntnisse, wie die Beteiligung des KGB an der Entführung und was Lufthansa-Pilot Jürgen Schumann machte, als er nach einer Notlandung in Aden zwanzig Minuten verschwand, ändern nichts an dem großen Bild.

Aber Autor Remy und Regisseur Richter verarbeiteten diese Geschichte, nach den bisherigen euphorischen Kritiken, jetzt zu einem die damaligen Ereignisse konzentriert nacherzählendem TV-Spielfilm, der auch im Kino überzeugt hätte.

„Es ist ein ernsthafter Versuch der Annäherung (an die Wahrheit, A. d. V.). Wir bemühen uns, mit Verantwortung an ein Thema heranzugehen. Die Menschen, die das erlebt haben, sollen nicht davor sitzen und sagen: Was machen die denn da? Was erzählen die da?“ (Remy in der FAZ)

Das gleichnamige „Begleitbuch zum Film ‚Mogadischu’“ von Timo Kortner nimmt eine seltsame Zwischenstellung zwischen einem traditionellem Buch zum Film, also einer höchstens sparsam erweiterten Romanfassung des Drehbuchs, und einem Sachbuch über die Entführung ein. Denn Kortner führt relativ ausführlich in das gesellschaftliche Klima während der Schleyer-Entführung ein und er fügt immer wieder erklärende Passagen ein. Dabei gibt es im Buch und im Film eine Verschiebung der Perspektive von den Tätern zu den Opfern. Der Tatsachenroman „Mogadischu“ erzählt von Menschen in einer Ausnahmesituation und wie sie versuchen, diese zu überleben. Die Entführer bleiben dagegen, bis auf den durchgeknallten Captain Martyr Mahmud, blass. Und die Ideologie der Terroristen wird höchstens in einem Nebensatz gestreift; – was sie als Bösewichter noch bedrohlicher macht.

Kortners „Mogadischu“ ist ein packendes Drama, das auch eine gehörige Portion historisches Wissen vermittelt. Ein feines Buch.

Nach dem Film wird bei „Anne Will“ mit Zeitzeugen über die Entführung gesprochen und um 22.45 Uhr gibt es „Mogadischu – Die Dokumentation“ von Maurice Philip Remy.

Mit Nadja Uhl, Thomas Kretschmann, Christian Berkel, Said Tagmaqoui, Herbert Knaup, Simon Verhoeven, Jürgen Tarrach

Hinweise

ARD zum Film

FAZ: Interview mit Maurice Philip Remy über “Mogadischu” (24. November 2008)

FAZ (Michael Hahnfeld), Die Welt (Eckhard Fuhr), Spiegel Online (Christian Buß), Süddeutsche Zeitung (Christopher Keil), taz (René Martens), Die Zeit (Margit Gerste) über den Film „Mogadischu“


Das Buch zum Film

Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der ‚Landshut’

Knaur, 2008

272 Seiten

9,95 Euro

Nachtrag: Ich kann den Zeitungskritiken zustimmen: Der Film ist absolut sehenswert. Für meinen Geschmack hätte die Wackelkamera etwas dezenter sein können. Die Diskussion bei „Anne Will“ war gewohnt ziellos. Die Dokumentation war dann wieder gut. Weil sie wie der Film von teamWorx produziert wurde, dürfte sie auf der demnächst erscheinenden DVD sein.


TV-Tipp für den 29. November: Der lange Michael-Ballhaus-Abend

November 29, 2008

„Das Adventsfest der Volksmusik“, „Das Supertalent – Das große Finale“, „Die große TV total Stock Car Crash Challenge“, „Gala-Konzert zugunsten der Deutschen AIDS-Stiftung“ – kommt den wirklich nichts Gescheites um 20.15 Uhr? Oh, hier:

BR, 20.15

Die Ehe der Maria Braun (D 1978, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Peter Märtesheimer, Pea Fröhlich (nach einer Idee von Rainer Werner Fassbinder)

Fassbinder-Klassiker über das Leben einer Frau von den Kriegsjahren bis zum 4. Juli 1954.

Mit Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch, Ivan Desny, Gottfried John, Gisela Uhlen, Günter Lamprecht, Elisabeth Trissenar, Volker Spengler, Karl-Heinz von Hassel, Michael Ballhaus, Hark Bohm, Günther Kaufmann, Bruce Low, Rainer Werner Fassbinder, Claus Holm

BR, 22.15

Michael Ballhaus – Eine Reise durch mein Leben (D 2008, R.: Vera Tschechowa)

Drehbuch: Vera Tschechowa

Doku über den deutschen Kameramann, der auch in Hollywood sehr begehrt ist. Der Bayerische Rundfunk widmete dem 73-jährigen diesen Abend mit einer feinen Filmauswahl aus seinem Werk.

BR, 23.15

Die fabelhaften Baker Boys (USA 1989, R.: Steve Kloves)

Drehbuch: Steve Kloves

Ähem, das ist der Film mit Michelle Pfeiffer, singend, auf dem Piano. Jazzpianist Dave Grusin schrieb die Musik.

Mit Jeff Bridges, Beau Bridges, Michelle Pfeiffer, Jennifer Tilly, Xander Berkely, Gregory Itzin, Albert Hall

BR, 01.00

Die bitteren Tränen der Petra von Kant (D 1972, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder (nach seinem Theaterstück)

Und noch ein Fassbinder-Klassiker

Mit Hanna Schygulla, Margit Carstensen, Irm Hermann, Eva Mattes

Hinweise

BR zum Abend (erster Film, Doku, zweiter Film, dritter Film – und ein aktuelles Interview)

Vierundzwanzig: Interview mit Michael Ballhaus (November 2008 – vor allem über „Martha“)

Michael Ballhaus: Das ist mein Amerika (Tagesspiegel, 2. November 2008)

Cinemascope: Porträt/Interview mit Michael Ballhaus (26. April 2008)

Planet Interview: Interview mit Michael Ballhaus (Februar 2007)

Wikipedia über Michael Ballhaus (deutsch)


TV-Tipp für den 28. November: Phoenix – Blutige Stadt

November 28, 2008

3sat, 23.10

Phoenix – Blutige Stadt (USA 1997, R.: Danny Cannon)

Drehbuch: Eddie Richey

In Phönix, Arizona, hat der spielsüchtiger Cop Harry Collins eine Pechsträhne. Zusammen mit seinen korrupten Kollegen will er einen Kredithai ausrauben. Natürlich geht die Sache in diesem noirischen Cop-Drama schief.

Ein feines Genrestück: gut gespielt, schick fotografiert, mit teilweise etwas durchhängender Story – und hier nur lieblos als DVD auf den Markt geworfen.

Graeme Revell schrieb die Musik.

Mit Ray Liotta, Anthony LaPaglia, Anjelica Huston, Daniel Baldwin, Jeremy Piven, Tom Noonan, Xander Berkeley, Giancarlo Esposito, Brittany Murphy, Giovanni Ribisi

Wiederholung: Samstag, 29. November, 03.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

3sat über „Phoenix – Blutige Stadt“

Wikipedia über “Phoenix”


Neu im Kino: Death Race

November 27, 2008

Death Race (Death Race, USA 2008)

Regie: Paul W. S. Anderson

Drehbuch: Paul W. S. Anderson

Weniger ein Film für die Freunde des gesitteten Kriminalfilms, sondern ein Film für die Freunde röhrender Motoren: 2012 findet in einem Knast ein Autorennen auf Leben (für wenige) und Tod (für den Rest) statt.

Uh, und für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Andersons Film ist ein sehr, sehr freies Remake von dem inzwischen zum Kult avanciertem „Death Race 2000“ (USA 1975, Frankensteins Todesrennen, Herrscher der Straße) von Paul Bartel mit David Carradine und Sylvester Stallone. Roger Corman produzierte den Film und die deutsche Kritik war entzückt: „entartet er zum widerwärtigen Nervenkitzel“ (Filmdienst) oder „Action-Orgie der Gehirnzwerge von Übermorgen“ (Münchner Abendzeitung).

Mit Jason Statham, Tyrese Gibson, Ian McShane, Joan Allen, Natalie Martinez, Max Ryan, Ed O’Neill (ungenannter Auftritt als Fabrikarbeiter)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Death Race“

Rotten Tomatoes: Jason Statham über seine Lieblingsfilme und „Transporter 3“


TV-Tipp für den 27. November: Killer stellen sich nicht vor

November 27, 2008

ARD, 01.05

Killer stellen sich nicht vor (F 1980, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jacques Deray, Christopher Frank

LV: Jean-Patrick Manchette: Trois hommes à abattre, 1976 (Killer stellen sich nicht vor/Westküstenblues)

Monsieur Emmerich läßt einige seiner Angestellten, die mit seiner Geschäftspolitik nicht einverstanden sind, aus dem Weg räumen. Spieler Gerfaut bringt einen von ihnen schwer verletzt in ein Krankenhaus und sich selbst – ohne sein Wissen – auf Emmerichs Todesliste. Gerfaut nimmt den Kampf auf.

Der Film mit hat nichts mit dem Buch zu tun. Naja, bis auf den Autounfall am Anfang.

Davon abgesehen: französischer Politthriller, der die Genreerwartungen gut bedient.

Mit Alain Delon, Dalila Di Lazzaro, Michel Auclair

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette

Manchette-Seite des Distel-Literaturverlages

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Europolar: Elfriede Müller über Jean-Patrick Manchette

James Sallis über Jean-Patrick Manchette



TV-Tipp für den 26. November: Der zerrissene Vorhang

November 26, 2008

SWR, 23.00

Der zerrissene Vorhang (USA 1966, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Brian Moore, Keith Waterhouse (ungenannt), Willis Hall (ungenannt)

Ein Physiker läuft in den Osten über. Allerdings nicht, um sein Land zu verraten, sondern um von einem Ost-Kollegen wichtige Informationen zu erhalten.

In den Sechzigern drehte Hitchcock zwei Spionagefilme. Doch „Der zerrissene Vorhang“ und „Topas“ zählen zu seinen schwächsten Werken: zu viele Charaktere, zu lahme Geschichte, einfach zu wenig Hitchcock und zu viel von einem starbesetzten Spionagefilm, für Menschen, die Filme gerne mit einer Flipchart ansehen.

Aus heutiger Sicht bietet „Der zerrissene Vorhang“ immerhin einige bekannte deutsche Schauspieler in einem Hitchcock-Film und einen hübschen Mord. Das ist für zwei Stunden aber zu wenig.

Brian Moore schrieb später unter anderem „Hetzjagd“, „Die Farbe des Blutes“ und „Es gibt kein anderes Leben“.

Mit Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling, Günther Strack

Hinweise

Wikipedia über Brian Moore

Alfred Hitchcock redet mit Francois Truffaut über „Der zerrissene Vorhang“

Senses of Cinema über Alfred Hitchcock

Kriminalakte über Paul Newman


TV-Tipp für den 25. November: Rette Deine Haut!

November 25, 2008

3sat, 04.35

Rette Deine Haut! (D 2001, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Einige befreundete Polizsten verschaffen ihren Frauen mit illegalen Einnahmen ein gutes Leben. Als sie eine Zeugin umbringen sollen, eskaliert die Situation.

Grandioser deutscher Cop-Thriller, der zuletzt 2003 gezeigt wurde. Also: Aufzeichnen!

Mit Gregor Törzs, Henriette Heinze, Jan Gregor Kremp, Katharina Böhm, Ken Duken

Hinweise

Wikipedia über „Rette Deine Haut!“

Die Welt: Rainer Tittelbach zur Erstauststrahlung von „Rette Deine Haut!“ (1. Oktober 2001)

Die Welt: Sascha Westphal über die Bedeutung von „Rette Deine Haut!“ auf „Nachtschicht“ und „KDD – Kriminaldauerdienst“ (18. Juni 2007)


TV-Tipp für den 24. November: Todsünde

November 24, 2008

ZDF, 20.15

Todsünde (D 2008, R.: Matti Geschonneck)

Drehbuch: Hannah Hollinger

LV: Friedrich Ani: Idylle der Hyänen, 2006

Kommissar Polonius Fischer und sein Team, die Sieben Apostel, suchen einen Frauenmörder.

Matti Geschonneck ist eigentlich ein Guter. Hanns Zischler dito. Also könnte die Ani-Verfilmung durchaus gelungen sein. Bei dem Buch hat mich der religiöse Schwurbel (ein Ex-Mönch, der Psalme rezitiert, über das Böse sinniert und bei der Polizei ist; ein Team, das sich die Sieben Apostel nennt) und die Ankündigung, dass Fischer sich nicht um die normalen Ermittlungsmethoden kümmere, abgestoßen.

Mit Hanns Zischler, Lisa Maria Potthoff, Matthias Brandt, Christoph Waltz, Sissy Höfferer

Hinweise

ZDF über „Todsünde“

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)