Neu im Kino: Tödliche Versprechen

Dezember 27, 2007

Tödliche Versprechen – Eastern Promises (GB/USA/Can 2007, Regie: David Cronenberg, Drehbuch: Steven Knight)

Zum Jahresausklang gibt es ein hartes, in London spielendes, top besetztes Gangsterdrama von David Cronenberg. Viggo Mortensen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl und Vincent Cassel übernahmen die Hauptrollen. Steven Knight schrieb unter anderem das Oscar- und BAFTA-nominierte und mit dem Edgar Allan Poe-Preis ausgezeichnete Drehbuch zum Stephen Frears-Film „Kleine schmutzige Tricks“ (Dirty Pretty Things, GB 2002).

Die Story? Eine Hebamme gerät zwischen die Fronten der Russenmafia. Denn sie besitzt ein Tagebuch, das einige Verbrecher belastet. Ein Killer soll sie umbringen.

Weitere Informationen:

Steven Knight: Eastern Promises (Drehbuch)

Englische Homepage zum Film (umfangreich; mit Hintergrundtexten und Filmausschnitten)

Deutsche Homepage zum Film (die Readers Digest-Version; dafür mit einem Cronenberg-Interview)

Film-Zeit über den Film

Die „taz“ redet mit David Cronenberg über „Tödliche Versprechen“


TV-Tipp für den 27. Dezember

Dezember 27, 2007

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SWR, 23.30

TATORT: Der Richter in Weiß (D 1971, R.: Peter Schulze-Rohr)

Drehbuch: Peter Schulze-Rohr, Friedhelm Werremeier

LV: Friedhelm Werremeier: Der Richter in Weiß, 1971

Brigitta Beerenberg erschießt ihren Mann. Trimmel vermutet einen kaltblütigen Mord. Aber ihr Gutachter, Prof. Dr. Kemp, der sich inzwischen in die schöne Patientin verliebt, schirmt sie in seiner Klinik gegen den Kommissar ab.

In seinem vierten Trimmel-Tatort beleuchtet Werremeier beleuchtet die Macht der Gutarchter. Toll, und immer noch aktuell.

Mit Walter Richter, Erika Pluhar, Helmut Käutner, Rolf Bossi

Hinweise:

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Friedhelm Werremeier

Galerie der Detektive über Kommissar Paul Trimmel


TV-Tipps für den 22. – 26. Dezember

Dezember 21, 2007

Aufgrund eines nachvollziehbaren Anlasses gibt es gleich für fünf Tage die TV-Tipps:

22. Dezember

BR, 22.20

Charlie – Leben und Werk von Charles Chaplin (USA 2003, R.: Richard Schickel)

Drehbuch: Richard Schickel

Zweistündige Bio über Charles Chaplin, die anlässlich seines dreißigsten Todestages am 25. Dezember gezeigt wird. Davor gibt’s, um 20.15 Uhr, „Der große Diktator“, und danach, um 00.30 Uhr, „Moderne Zeiten“.

 

23. Dezember

BR, 23.05

Sein oder Nichtsein (USA 1942, R.: Ernst Lubitsch)

Drehbuch: Edwin Justus Mayer (nach einer Geschichte von Melchior Lengyel und Ernst Lubitsch [ungenannt])

Neben „Der große Diktator“ die zweite großartige Satire über die Nazis – und eitle Schauspieler, die die Nazis heldenhaft bekämpfen.

Mit Carole Lombard, Jack Benny, Robert Stack, Felix Bressart, Lionel Atwill

Englische Ernst Lubitsch-Fanseite

 

24. Dezember

3sat, 22.30

Casablanca (USA 1942, R.: Michael Curtiz)

Drehbuch: Julius J. Epstein, Philip G. Epstein, Howard Koch

LV: Murray Burnett, Joan Alison: Everybody comes to Rick’s (Theaterstück)

Gerade hat sich Rick in Casablanca eingerichtet, als seine alte Liebe auf der Flucht vor den Nazis bei ihm auftaucht.

Casablanca ist das Kernstück des Bogart-Kults und ein Pflichttermin für Cineasten.

3sat startet eine kleine Bogart-Filmreihe mit den üblichen Verdächtigen.

Mit Humphrey Bogart, Ingrid Bergman, Paul Henreid, Claude Reins, Conradt Veidt, Sydney Greenstreet, Peter Lorre, Curt Bois

3sat zur Bogart-Filmreihe

 

25. Dezember

3sat, 00.10

Tote schlafen fest (USA 1946, R.: Howard Hawks)

Drehbuch: William Faulkner, Leigh Brackett, Jules Furthman

LV: Raymond Chandler: The big sleep, 1939 (Der große Schlaf)

Unbestritten – neben „Der Malteser Falke“ – der Klassiker unter den Privatdetektiv-Krimis und eines der Meisterwerke des Film Noir.

Mit Humphrey Bogart, Lauren Bacall, Elisha Cook Jr.

 

26. Dezember

Arte, 22.10

Winnetou darf nicht sterben (F/D 2006, R.: Oliver Schwehm)

Drehbuch: Oliver Schwehm

Doku über den einzig wahren Winnetou-Darsteller Pierre Brice. Danach gibt es die Karl May-Verfilmung „Der Schatz im Silbersee“.

Wiederholung: Montag, 7. Januar 2008, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Arte zum Themenabend „Perre Brice, man nannte ihn Winnetou“


TV-Tipp für den 21. Dezember

Dezember 20, 2007

3sat, 20.15

Rangoon – Im Herzen der Hölle (USA 1995, R.: John Boorman)

Drehbuch: Alex Lasker, Bill Rubenstein

Nach der Ermordung von ihrem Mann und ihrem Kind versucht Laura Bowman in Rangoon, Myanmar (Birma), bei ihrer Schwester das Trauma zu verarbeiten. Schnell gerät sie, weil sie in dem totalitären Staat für die Demokratiebewegung ist, in politische Wirren.

Leider immer noch aktuelles, geradliniges Politdrama von John Boorman, der hier nicht an seine besten Werke anknüpfen kann, aber 1995 von der Kritik viel zu schlecht behandelt wurde. Deshalb: ein unterschätzter Film.

Eine der wenigen positiven Stimmen zum Kinostart: „Befreiungskampf und Bewusstwerdung, politische und private Katastrophe in einem gelungenen Abenteuerfilm und Politthriller, wie man ihn von John Boorman erwartet; spannend und mit Bildern, die überzeugen.“ (Fischer Film Almanach 1996)

Mit Patricia Arquette, U Aung Ko, Frances McDormand, Spaulding Grey

3sat über den Film


TV-Tipp für den 20. Dezember

Dezember 20, 2007

Sat.1, 20.15

Deadline – Jede Sekunde zählt: Ultimatum (D 2007, R.: Florian Kern)

Drehbuch: Jonas Winner

Heute muss Kommissar Matthias Berg wieder mit einem Geiselnehmer verhandeln. Max Dressler nimmt seine Ex und ihr Kind als Geisel. Er fordert, dass Berg ihm in einer Stunde den Mörder seiner Freundin übergibt.

Die Meldung zur Serie: Nachdem für Sat.1 die Quotenentwicklung irgendwo zwischen unbefriedigender Stagnation und Abwärtstrend war, wurde das Drama jetzt beendet. „Deadline“ wird nach neun Folgen abgesetzt. Ab dem 17. Januar werden „NCIS“-Doppelfolgen gezeigt. Die noch nicht ausgestrahlten vier Folgen sollen zu einem späteren Zeitpunkt gezeigt werden.

Die Meinung zur Serie: Ich habe von den bis jetzt ausgestrahlten fünf Folgen zwei gesehen (bei einer dritten die ersten Minuten) und war jedes Mal nicht sonderlich begeistert.

Die Pilotfolge krankte an einer lächerlichen Geschichte. Ein Geiselnehmer entführt einen Bus. Bei sich hat er einen ganz gewöhnlichen Benzinkanister, gefüllt mit Benzin. Das SEK sagt, es könne nicht schießen, weil das Benzin explodieren könne In diesem Moment war für mich die Folge gestorben. Sogar wenn die Erklärung stimmen würde (Erinnern sie sich an die vielen in die Luft gehenden Tankstellen bei einem Schusswechsel?), ist sie einfach unglaubwürdig. Dass danach die titelgebende „Deadline“ mehrfach verschoben wird, zeigt, dass die Macher genau dem Kernpunkt des Konzeptes nicht vertrauten und deshalb willkürlich Spielregeln ändern.

In der zweiten von mir gesehenen Folge (da kündigt eine Frau in acht Stunden ihren Selbstmord an) läuft das gesamte Team in einem Luxushotel auf. Die Story entwickelt sich geradlinig nach Schema F: sie ist eine tiefkatholische Provinzpomeranze, die in Berlin schwanger wurde und jetzt zuerst ihren Liebhaber, der nichts von dem Kind wissen will, und dann sich umbringen will. Das ganze hatte einige nette Momente, aber:

– Schon wieder wird Matthias Berg in seiner Freizeit angerufen. Schon wieder muss er seine Tochter sitzen lassen. – Hey, es ist mir egal, was der Kommissar in seiner Freizeit tut. Ich will ihn bei der Arbeit sehen.

– Die Charaktere haben immer Zeit, in Gedanken versunken in die Gegend zu starren oder bedächtig eine Tasse Kaffee zu schlürfen. Die Dynamik dieser Szenen tendiert gegen Null und bringt auch nicht die Geschichte voran.

– Die Charaktere stehen oder, noch öfter, sitzen irgendwo herum und warten, dass etwas passiert. Auch das hat null Dynamik. In Ami-Serien sind die Charaktere dagegen ständig unterwegs. Kein Wunder, sie haben auch keine Zeit. Denn sie sind gerade damit beschäftigt einige Verbrecher zu fangen. – Sie glauben mir nicht? Dann vergleichen Sie die Standfotos von „Deadline“ mit denen von „NCIS“. Nach den Fotos bin ich auf „Deadline“ nicht neugierig, aber „NCIS“ sieht ansprechend aus; – und das sage ich als Nicht-Fan von „NCIS“.

– Etliche Szenen sind nicht in der Story, sondern in dem Wunsch nach einem Effekt begründet (Berg knallt der Empfangsdame seine Kreditkarte auf den Tisch und mietet den Veranstaltungssaal.). Dagegen werden sich aus der Story ergebende Spannungsmomente nicht genutzt (Die Selbstmörderin ist in einem Hotelzimmer. Die Polizei vor einer Tür. Die Tür geht auf und ein Zimmermädchen verlässt das Zimmer.).

– Und damit sind wir beim alles entscheidenden Punkt: dem Drehbuch. Denn „Deadline“ zeigt wie andere deutsche Serien, dass es nicht am Budget (der Look ist okay), nicht an den Schauspielern (seht euch deren Ausbildung an) und nicht am Verhältnis von Innen- zu Außenaufnahmen (auch „CSI“ wird hauptsächlich im Studio gedreht) liegt, sondern am Drehbuch. Wenn das Drehbuch gut ist, dann – das ist meine Überzeugung – funktioniert auch der Rest.

Mit Heio von Stetten (Matthias Berg), Sonsee Neu (Nina Ritter), Oliver Boysen (Birger Neuhaus), Daniel Zillmann (Schmidt), Katharina Thalbach (Franziska Friedmann)

Wiederholung:

Dienstag, 25. Dezember, 04.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Sat.1 zur Serie

DWDL zum Ende von „Deadline“


Neu im Kino: 1 Mord für 2

Dezember 20, 2007

1 Mord für 2 (GB/USA 2007, Regie: Kenneth Branagh, Drehbuch: Harold Pinter)

Der erfolgreiche Krimiautor Andrew Wyke (Michael Caine) lädt den jungen Liebhaber seiner Frau, Milo Tindle (Jude Law), zu einem offenen Gespräch in seine Villa ein. Schnell entspinnt sich zwischen den beiden Männern ein tödliches Spiel.

Im Original heißt der Film „Sleuth“ und ist eine Verfilmung des erfolgreichen Zwei-Personen-Theaterstücks „Revanche“ von Anthony Shaffer, das bereits erfolgreich als „Mord mit kleinen Fehlern“ unter der Regie von Joseph L. Mankiewicz nach einem Drehbuch von Shaffer mit Sir Laurence Olivier und Michael Caine (damals in der Rolle des jungen Liebhabers) verfilmt wurde. Nach übereinstimmender Meinung kann das Remake nicht mit dem wesentlich längeren Original mithalten.

In der „Tageszeitung“ sagte Michael Caine zum Remake:

Als Jude Law mir die Rolle bei einem Abendessen anbot, war ich erst noch skeptisch, aber schon als er anfügte, dass Pinter das Drehbuch geschrieben hatte, war für mich alles klar. Jude wusste, dass Pinter den Film von 1972 nie gesehen hatte. Er kannte nur Shaffers Drama, das er radikal umschrieb. Ich selbst habe den alten „Sleuth“ seit 30 Jahren nicht mehr gesehen. Es gab in unserer Version also keinerlei Verweise auf das Original, es war daher kein Remake, sondern etwas völlig anderes. Die Figur, die ich spiele, ist so weit weg von dem, was Larry Olivier damals gespielt hat.

 (Auch für „1 Mord für 2“ gibt es keine deutsche Filmhomepage.)

 

Weitere Informationen:

Englische Homepage zum Film (mit einem  Aufnahmen von den Dreharbeiten)

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über den Film


TV-Tipp für den 19. Dezember

Dezember 19, 2007

ZDF, 23.30

Die lange Rolf-Schimpf-Nacht (5 „Der Alte“-Folgen)

Am Freitag löst Kommissar Leo Kress seinen zweihunderzweiundzwanzigsten und letzten Fall. Den Ruhestand hat sich „Der Alte“ schon lange verdient. Denn Kress-Darsteller Rolf Schimpf hat mit 83 Jahren die Pensionsgrenze für Polizisten schon lange überschritten. Der Abschied eines Schauspielers bedeutet aber nicht das Ende der Serie. Denn das ZDF hat schon einen neuen „Alten“ gefunden. Walter Kreye, geboren 18. Juli 1942, übernimmt die Rolle mit jugendlichem Elan.

Bis dahin zelebriert das ZDF den Abschied von Leo Kress. Heute gibt es 5 alte „Der Alte“-Folgen:

Sein erster Fall (D 1986, R: Günter Gräwert, B: Tobias Bertram)

Kein gutes Ende (D 1988, R: Eberhard Itzenplitz, B: Volker Vogeler)

Ausgestiegen (D 1989, R: Günter Gräwert, B: Christa-Maria Bandmann)

So gut wie tot (D 1990, R: Alfred Weidenmann, B: Volker Vogeler)

Der Anschlag (D 1991, R: Zbynek Brynych, B: Volker Vogeler)

Am Freitag gibt es nach der Abschiedsvorstellung „Jakob“ ab 00.50 Uhr eine weitere Nacht mit alten „Der Alte“-Fällen:

Liebe und Tod (D 1991, R: Helmuth Ashley, B: Volker Vogeler)

Der dritte Versuch (D 1992, R: Zbynek Brynych, B: Volker Vogeler)

Anstiftung zum Mord (D 1993, R: Helmuth Ashley, B: Volker Vogeler)

Hochzeit mit dem Tod (D 1997, R: Hans-Jürgen Tögel, B: Volker Vogeler)

Danach wissen wir endlich, ob früher wirklich alles besser war oder einfach nur unsere Erinnerung täuscht.

 

Hinweise

ZDF über „Der Alte“

Die Krimihomepage über „Der Alte“

Fernsehserien.de über „Der Alte“

Deutsches Filmhaus über Volker Vogeler (Drehbuchautor der meisten Folgen)


TV-Tipp für den 18. Dezember

Dezember 18, 2007

ZDF, 22.15

Neues aus der Anstalt

Zum Jahresausklang spendiert das ZDF dem Kabarett von Urban Priol (nett-chaotisch) und Georg Schramm (ätzend-zynisch) dreißig Minuten zusätzliche Sendezeit. Gefüllt wird die Zeit mit hochkarätigen Gästen: Dieter Hildebrandt, Jochen Malmsheimer, Cordula Stratmann, Zärtlichkeiten mit Freunden und Florian Schröder.

Wiederholung: Mittwoch, 19. Dezember, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Oder zu jeder Uhrzeit in der ZDF-Mediathek (dort gibt es auch ältere „Neues aus der Anstalt“-Sendungen.

Weitere Informationen zur Sendung


TV-Tipp für den 17. Dezember

Dezember 17, 2007

HR, 00.05

Muxmäuschenstill (D 2004, R.: Marcus Mittermeier)

Drehbuch: Jan Henrik Stahlberg

Mux ist jung. Mux sieht aus wie ein braver Student. Mux hat eine Mission. Er will den Menschen wieder Ideale und Verantwortungsbewusstsein beibringen. Gnadenlos geht er in Berlin gegen Schwarzfahrer, Hundehalter, Graffiti-Sprayer und Schwimmbad-Pinkler vor, bricht Gesetze und wird immer mehr zum Volkshelden.

Die schwarze, mit wenig Geld hergestellte Satire war 2004 mit über 292.000 Besuchern der Überraschungserfolg im Kino.

Der nächste Film des Teams Mittermeier/Stahlberg „Short Cut to Hollywood“ soll 2008 starten.

Mit Jan Henrik Stahlberg, Ritz Roth

Hinweise:

Homepage zum Film „Muxmäuschenstill“

Homepage zum Film „Short Cut to Hollywood“


TV-Tipp für den 16. Dezember

Dezember 16, 2007

SRTL, 22.30

Columbo: Tödliche Trennung (USA 1971, R.: Steven Spielberg)

Drehbuch: Steven Bochco

Ken Franklin und Jim Ferris sind ein erfolgreiches Krimiautorenduo. Als Ferris alleine schreiben will, bringt sein untalentierter Partner ihn um. Sein Alibi ist so gut, dass Lieutenant Columbo ermitteln muss.

Spielberg drehte nachher einige Filme, die sich fest in der Top-10 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten behaupten, und ist gerade mit einem neuen Indiana Jones-Film beschäftigt.

Bochco erfand einige bahnbrechende TV-Serien, wie „Polizeirevier Hill Street“. Sein erstes Columbo-Drehbuch wurde für den Emmy und den Edgar nominiert.

Mit Peter Falk, Jack Cassidy, Rosemary Forsyth, Martin Milner, Barbara Colby


TV-Tipp für den 15. Dezember

Dezember 14, 2007

3sat, 15.30

Buffalo Bill und die Indianer (USA 1976, R.: Robert Altman)

Drehbuch: Alan Rudolph, Robert Altman

LV: Arthur Kopit: Indians, 1969 (Indianer, Theaterstück)

1880: Die Wildwest-Show von Buffalo Bill läuft nicht mehr. Deshalb holt Buffalo Bill den Sioux-Häuptling Sitting Bull ins Boot. Doch der Indianer ist an historischer Wahrheit und nicht an blinder Heldenverehrung für Buffalo Bill interessiert.

Altman demontiert in seinem, im Fernsehen lange nicht mehr gezeigten, Western den Nationalmythos von der heroischen Erschließung des Wilden Westens als eine eitle Lüge.

„Hätte er für ‚Buffalo Bill’ eine andere Form gefunden als die einer überquellenden Fülle von Genrebildern, die zu oft an die historischen Western-Maler erinnert, hätte er auf allzu bequeme Wiederholungen ähnlicher kabarettistischer Einfälle verzichtet und eine so konzentrierte Erzählstruktur entwickelt wie bei ‚Nashville’, so hätte dieser Film sein vielleicht wichtigster überhaupt werden können und weit mehr als ‚nur’ sarkastisch, kluges und krudes Kabarett.“ (Hans Günther Pflaum in „Robert Altman“, Hanser Reihe Film 25)

„Buffalo Bill ist der erste Western, der bei einem A-Festival einen 1. Preis gewann (Goldener Bär der Berlinale 1976). Kommerziell war der Film ein katastrophaler Misserfolg.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon) Schließlich waren die Amis damals gerade mit ihren Zweihundert-Jahr-Feiern beschäftigt.

Mit Paul Newman, Burt Lancaster, Joel Grey, Kevin McCarthy, Harvey Keitel, Geraldine Chaplin, Shelley Duvall, E. L. Doctorow, Arthur Kopit

Hinweise:

3sat zum Film

Don Shewey: Arthur Kopit – A life on Broadway

Harvard University Gazette: Arthur Kopit besucht seine alte Universität

Senses of Cinema: Robert T. Self über Robert Altman (2004)

Cinefile: Doku über Robert Altman (mehrteilig)

Charlie Rose spricht mit Robert Altman

 

Zusätzlicher Altman-Filmtipp:

SRTL, 22.15

Popeye – Der Seemann mit dem harten Schlag (USA 1980, R.: Robert Altman)

Drehbuch: Jules Feiffer

LV: E.C. Segar (Comics)

Noch ein selten gezeigter Altman-Film: die misslungene Auftragsarbeit ist das Kinodebüt von Robin Williams.


TV-Tipp für den 14. Dezember

Dezember 14, 2007

Tele 5, 22.05

Shining (GB 1980, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Diane Johnson

LV: Stephen King: The Shining, 1977 (Shining)

Jack Nicholson läuft axtschwingend durch ein einsames Hotel – und wir können eine der besten Stephen King-Verfilmungen (auch wenn der Grandmaster mit Kubricks Version nicht zufrieden war und ihm eine Jahre später gedrehte, inzwischen vergessene TV-Fassung besser gefiel) genießen.

„Der Horrorfilm schlechthin.“ (Der Spiegel)

Mit Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd, Scatman Crothers, Barry Nelson

Wiederholung:

Sonntag, 16. Dezember, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings sechzigstem Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)


Neu im Kino: Todeszug nach Yuma, Hitman, Rubljovka

Dezember 13, 2007

Todeszug nach Yuma (USA 2007, R: James Mangold, B: Halsted Welles, Michael Brandt, Derek Haas)

Kein Krimi. Aber der, auch hier mehrfach erwähnte, Western „Todeszug nach Yuma“ ist für Krimifans der Film der Woche, weil die Vorlage von Elmore Leonard stammt. 1953 erschien in „Dime Western“ seine Kurzgeschichte „Three-Ten to Yuma“. Vier Jahre später wurde sie von Delmer Daves mit Glenn Ford und Van Heflin als „Zähl bis drei und bete“ erfolgreich verfilmt. Auch das Remake „Todeszug nach Yuma“ von James Mangold mit Russell Crowe und Christian Bale hält sich an die Idee von Leonards Kurzgeschichte: ein normaler Mensch will einen legendären, verhafteten Verbrecher zu einem Zug bringen. Die Freunde des Gangsters wollen das verhindern. Der Normalo steht vor der Frage, ob er als Held sterben oder den Gangster laufen lassen soll.

Während sich die Geschichte von Leonard und „Zähl bis drei und bete“ auf das Psychoduell zwischen Gangster und Normalo (bei Leonard ein Deputy, bei Daves ein Farmer) in dem Hotelzimmer in Contention und dem kurzen Fußweg zum Bahnhof konzentriert, baut Mangold dieses Duell zweier verschiedener Charaktere zu einer mehrtätigen Reise aus, führt auch den Sohn des Farmers in die Geschichte ein und bretzelt sie mit Schießereien auf.

Dennoch sind sich alle einig: ein guter Western zur wieder aktuellen Frage, ob ein Heldentod ein sinnvoller Tod ist.

Leonards Kurzgeschichte „Three-Ten to Yuma“ kann unter anderem in „The Tonto Woman and other Western Stories“ und „The complete Western Stories of Elmore Leonard“ nachgelesen werden. 

Deutsche Homepage zum Film (scheint einfach eine Übersetzung der amerikanischen Homepage zu sein)

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über den Film

Homepage von Elmore Leonard

Elmore Leonard in der Kriminalakte (mit weiterführenden Hinweisen)

 

Hitman – Jeder stirbt alleine (F/USA 2007, R: Xavier Gens, B: Skip Woods)

Timothy Olyphant, der Bösewicht aus „Stirb langsam 4.0“ spielt in „Hitman“ den Guten. Er ist ein Killer, der in ein unüberschaubares Komplott gerät und vor allem bleihaltige Argumente akzeptiert und bevorzugt letale Argumente austeilt. „Hitman“ ist die Verfilmung eines Computerspiels – und hält das vergessenswerte Niveau der anderen Computerspiel-Verfilmungen. Obwohl die zahlenden Besucher – sie bekommen wofür sie zahlen – sogar relativ zufrieden sind. 

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über den Film

 

Rubljovka – Straße der Glückseligkeit (D/Russland 2007, R/B: Irene Langemann)

Doku über die Moskauer Oberschicht und damit die ideale Ergänzung zum neuen Arkadi Renko-Roman „Stalins Geist“ von Martin Cruz Smith. 

Homepage zum Film

Film-Zeit über den Film


TV-Tipp für den 13. Dezember

Dezember 13, 2007

Das Vierte, 20.15

Der Coup (F/I 1971, R.: Henri Verneuil)

Drehbuch: Henry Verneuil, Vahé Katcha

LV: David Goodis: The Burglar, 1953

Azad und seine Gang stehlen eine millionenschwere Smaragdsammlung. Weil ihr Fluchtschiff einen Motorschaden hat, müssen sie einige Tage in Athen verbringen. Kommissar Zacharia nimmt ihre Fährte auf. Er will die Beute für sich selbst haben.

Belmondo-Vehikel, das wahrscheinlich kaum etwas mit dem Roman zu tun hat, aber mit einigen hübschen Szenen (besonders beim Essen), etwas Aktion und Touristen-Aufnahmen von Athen ganz nett unterhält.

Mit Jean-Paul Belmondo, Omar Sharif, Robert Hossein, Renato Salvatori, Dyan Cannon


TV-Tipp für den 12. Dezember

Dezember 12, 2007

ARD, 01.05 (VPS 00.35)

Blueberry und der Fluch der Dämonen (F 2004, R.: Jan Kounen)

Drehbuch: Gerard Brach, Matt Alexander, Jan Kounen

LV: Jean Giraud (Moebius)/Jean-Michel Charlier: Die vergessene Goldmine; Das Gespenst mit den goldenen Kugeln (Comics)

Ein dickes Lob für die Programmplaner. Nachdem wir uns langsam an TV-Premieren von guten Filmen nach Mitternacht in der Nacht von Sonntag auf Montag gewöhnt haben (zum Beispiel nächsten Sonntag „25 Grad im Winter“, einer der Berlinale-Publikumslieblinge), ist die TV-Premiere von „Blueberry und der Fluch der Dämonen“ an einem Wochentag weit nach Mitternacht eine Beleidigung für die berufstätigen Gebührenzahler und auch alle anderen Menschen, die keine ausgesprochenen Nachtmenschen sind.

Bei einem der Privaten würde der Film am Wochenende um 20.15 Uhr laufen. Immerhin spielen neben Vincent Cassel auch Michael Madsen (!), Juliette Lewis (!), Ernest Borgnine, Tchéky Karyo und Val Avery (sein bislang letzter Film) mit.

Die Story des Western ist einfach: Sheriff Blueberry will sich an Wally Blount rächen.

Die Kritik war gespalten. Denn Western und Drogenvision fügen sich nicht richtig zusammen. Aber, stellvertretend für die anderen Kritiken: „Hätten diese Filmvisionen Ende der 60er Jahre das Licht der Leinwand erblickt, wären sie mit der Schlusssequenz von Kubricks ‚2001’ zum ultimativen Acid-Doublefeature verschmolzen.“ (Tobias Kniebe, SZ, 1. Juli 2004) „So bietet diese Neuauflage eines europäischen Second- Hand-Western das unterhaltsame Vergnügen, zu sehen, wie man eine eher fadenscheinige Geschichte visuell zu einem bemerkenswerten Kinoerlebnis aufbläst.“ (Lexikon des internationalen Films)

Zur Vorlage, den Blueberry-Comics muss eigentlich nichts gesagt werden.

Hinweise:

Film-Homepage

„Leutnant Blueberry“ bei Wikipedia


TV-Tipp für den 11. Dezember

Dezember 11, 2007

RBB, 23.05

Der Saustall (F 1981, R.: Bertrand Tavernier)

Drehbuch: Jean Aurenche, Bertrand Tavernier

LV: Jim Thompson: Pop. 1280, 1964 (Zwölfhundertachtzig schwarze Seelen, 1280 schwarze Seelen)

Wirklich gelungene Verfilmung eines der besten Thompson-Bücher: ein Haufen Menschen geht ihren niederen Trieben (Sex, Ehebruch, Mord) nach und fühlt sich dabei von moralischen Gesetzen nicht gebunden.

Tavernier verlegte die Handlung von einem Südstaaten-Kaff nach Französisch-Westafrika, blieb aber der Seele des Buches treu.

Mit Philippe Noiret, Isabelle Huppert, Stéphane Audran, Guy Marchand


TV-Tipp für den 10. Dezember

Dezember 10, 2007

Tele 5, 22.00

Cutter’s Way – Keine Gnade (USA 1981, R.:  Ivan Passer)

Drehbuch: Jeffrey Fiskin

LV: Newton Thornburg: Cutter and Bone, 1976

Der verkrüppelte Vietnam-Veteran Alex Cutter begibt sich auf einen fanatischen Rachefeldzug gegen den Ölmagnaten J. J. Cord. Denn Cutters Freund Richard Bone glaubt, er habe Cord kürzlich beim Verstecken einer Leiche gesehen.

Der an der Kinokasse ziemlich gefloppte Film (die deutsche Premiere war auf Video) ist eine düstere Zustandbeschreibung der USA, in der mehrere amerikanische Genres gegen den Strich gebürstet werden und es keine sympathischen Figuren gibt. Inzwischen gilt „Cutter’s Way“ als kleiner Klassiker; – genau wie Thornburgs Roman.

Fiskins Drehbuch erhielt 1982 den Edgar als bestes Drehbuch.

Mit Jeff Bridges, John Heard, Lisa Eichhorn, Stephen Elliott, Ann Dusenberry

auch: „Cutter & Bone – Bis zum bitteren Ende“ und „Bis zum bitteren Ende“

Wiederholung um 02.20 Uhr

Hinweis:

Bob Cornwell redet mit Newton Thornburg


TV-Tipp für den 9. Dezember

Dezember 9, 2007

Arte, 20.40

Hundstage (USA 1975, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Frank Pierson

LV: P. F. Kluge, Thomas Moore: The Boys in the Bank (Artikel im Life Magazine)

Buch zum Film: Patrick Mann (Pseudonym von Leslie Waller). Dog Day Afternoon, 1974

An einem heißen Sommertag überfällt Sonny mit zwei Freunden eine Bank in Brooklyn. Doch schon von der ersten Sekunde läuft bei den Amateuren nichts nach Plan. Als nach wenigen Minuten die Polizei die Bank umstellt, wird aus dem Überfall ein mehrstündiges Geiseldrama.

Für die Tragikömodie (Ja, das spannende Geiseldrama ist unglaublich witzig.) wurden sich einige Freiheiten genommen (Arte zeigt gleich im Anschluß die Dokumentation „Hundstage, die wahre Geschichte“, NL 2004, R/B: Walter Stockman), aber durch den Dreh vor Ort und mit zahlreichen Anwohnern als Zuschauern entstand eine realistische Atmosphäre. Die Schauspieler spielten grandios. Die, abgesehen von kleinen Rollen, beiden Debütanten Chris Sarandon (als Pacinos Freund) und Lance Henriksen (als Polizist) hatten einen glänzenden Start in ihre bis heute andauernden Filmkarrieren.

Frank Pierson erhielt für sein Drehbuch den Oscar und den Preis der WGA.

Der über dreißig Jahre alte Klassiker hat nichts von seiner Kraft verloren.

Mit Al Pacino, John Cazale, Charles Durning, James Broderick, Sully Boyar, Penny Allen, Chris Sarandon, Lance Henriksen

Wiederholungen:

Donnerstag, 13. Dezember, 14.50 Uhr

Montag, 17. Dezember, 00.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Drehbuch von Frank Pierson:

–          Awesome Movie Scripts: final draft script

–          The Weekly Script: undated, unspecified draft script

Homepage von P. F. Kluge

Al Pacino’s Loft – Dog Day Afternoon (viele Informationen über den Film und dem Kluge-Moore-Artikel)


TV-Tipp für den 8. Dezember

Dezember 8, 2007

Arte, 17.45

Bürgerschreck und Romancier (D 2006, R.: Stefanie Appel)

Drehbuch: Stefanie Appel

Doku mit und über Burkhard Driest, der in den vergangenen Jahren vor allem als Krimiautor in die Öffentlichkeit trat. Davor schrieb er auch Drehbücher, führte Regie und schauspielerte. Oh, und der verurteilte Bankräuber inszenierte sich als Outcast. Hm, und dann gab es noch den Fernsehauftritt mit Romy Schneider.

Wiederholungen:

Samstag, 15. Dezember, 06.45 Uhr (Taggenau!)

Dienstag, 18. Dezember, 04.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweis:

Arte zum Film

Literaturatlas über Burkhard Driest


TV-Tipp für den 7. Dezember

Dezember 7, 2007

3sat, 22.25

Felicia, mein Engel (Kan/GB 1999, R.: Atom Egoyan)

Drehbuch: Atom Egoyan

LV: William Trevor: Felicia´s journey, 1994

Mr. Hilditch (Bob Hoskins) hilft der 17-jährigen Felicia bei der Suche nach Johnny. Dabei verfolgt er gleichzeitig seine eigenen Pläne.

Wie immer bei Egoyan: langsam, aber konzentriert erzählt, mit grandiosen Leistungen der Schauspieler und einer exquisiten Kameraarbeit. Halt Kino für denkende Menschen.

„Mit dieser Parabel für die Zerstörung von Unschuld liefert er [Egoyan] eins der düstersten und beklemmendsten Porträts eines Serienmörders, das seit langem in Kino zu sehen war – eine außerordentliche schauspielerische Leistung von Bob Hoskins.“ (Heinrichs, Rheinische Post, 4. 2. 2000)

Mit Bob Hoskins, Arsinée Khanjian, Elaine Cassidy

Hinweis:

3sat zum Film