„In the Valley of Elah“ von Paul Haggis online

Dezember 3, 2007

Das ist ein schöner Trend und in den Tagen bis zur Oscar-Verleihung (und hoffentlich auch danach) dürften noch einige Drehbücher zu Oscar-Anwärten von den Produktionsfirmen veröffentlicht werden. Das neueste Drehbuch ist „In the Valley of Elah“ von Paul Haggis (Million Dollar Baby, Crash, Flags of our Fathers, Casino Royale, James Bond 22), der auch Regie führte. Tommy Lee Jones, Charlize Theron, Susan Sarandon, Jason Patric, James Franco, Josh Brolin, Jonathan Tucker spielen mit.

Die Story: Nach seinem Dienst im Irak verschwindet der Sohn eines Offiziers. Zusammen mit einer Polizistin will er die Wahrheit herausfinden.

Der deutsche Kinostart von „In the Valley of Elah“ (Homepage) ist für den 6. März 2008 geplant.


Killer Club von Droemer Knaur eröffnet

Dezember 3, 2007

Droemer Knaur will seine Webpräsenz mit guten Angeboten ausbauen. Der Anfang ist ein der „Killer Club“ im „Krimi Podcast„. Der „Killer Club“ ist – ach, hier ist die Pressemitteilung:

Droemer Knaur launcht den ersten kostenlosen Fortsetzungskrimi im Podcast-Format – geschrieben von hochkarätigen Autoren des Verlags. Unter ihnen der derzeit erfolgreichste deutsche Krimischriftsteller, Andreas Franz („Das Todeskreuz“), der US-Bestsellerautor John Katzenbach („Das Opfer“) und der Berliner Thriller-Shootingstar Sebastian Fitzek („Die Therapie“), von dem auch die Killer-Club-Rahmenhandlung stammt. Gesprochen wird die monatlich fortgesetzte Krimi-Anthologie von Matti Klemm, (Synchron-)Sprecher und Fußball-Stimme der ARD. Ein Jahr lang können die Hörer den Spannungsstücken entweder direkt auf der Seite lauschen oder sie sich kostenlos im MP3-Format herunterladen.

Im Killer Club werden internationale Autoren zu Auftragsmördern und töten um die Wette. Wer das am besten kann, entscheidet zum Schluss die Web-Gemeinde – in einer Online-Abstimmung zur Frankfurter Buchmesse 2008. Nach Kriterien wie Originalität, Kreativität und Finesse.

Der Startschuss ist gefallen: mit dem Prolog des Killer Clubs, entwickelt von Sebastian Fitzek. Hier erfahren die Hörer, um was es geht, sprich: was sich das wahnsinnige Hirn des todkranken Milliardärs Roderick van Larven auf seiner Luxusyacht vor der Küste Madeiras ausgedacht hat. Sein Plan sieht nämlich vor, einen Wettbewerb unter der internationalen Crème de la Crème der Gewaltverbrecher auszuloben.

Im Dezember 2007 geschieht der erste Auftragsmord – und zwar in der Geschichte des Münchner Kulinarik-Killers Michael Böckler („Tödlicher Tartufo“). Alborino und die hohe Kunst der Tat verströmt nicht nur mediterranes Aristokratenflair, sondern auch italienische Mordstimmung.

Die Bleistifte gespitzt und die Messer gewetzt werden derzeit außerdem von der Hamburger Autorin und Krimi-Debütantin Simone Buchholz („Revolverherz“, ET: 3/2008), dem belgischen Thrillerschreiber Luc Deflo („Nackte Seelen“) sowie dem Tatort-Drehbuchautor Markus Stromiedel („Zwillingsspiel“, ET: 5/2008).

Vorher habe ich mir die Eröffnung von Sebastian Fitzek (Die Therapie, Amokspiel) angehört. Nett, aber etwas langatmig. Halt mehr Dan Brown als Richard Stark. Aber weil die folgenden Autoren einfach nur möglichst aufsehenerregend eine bekannte Person umbringen sollen, dürften einige spannende Geschichten folgen.

Jedenfalls werde ich mir die nächsten Morde anhören.


Einige Fundstücke

November 30, 2007

Crime Zine Report hat seine Nominierungslisten für den Spinetingler Preis veröffentlicht.  Schöne Listen mit einigen bekannten Namen (Ken Bruen, James Lee Burke, Ian Rankin, Duane Swierczynski, Charlie Huston, Laura Lippman) und vielen Covers von Hard Case Crime.

Allan Guthrie (dessen Hard Case Crime-Buch „Kiss Her Goodbye“ ich im „Krimijahrbuch 2006“ abfeierte) listete die 200 besten Noir-Romane von 1929 bis 1997 auf. Die letzten zehn Jahre ließ er weg, weil die Liste eh schon lang ist.  Schöne Liste mit vielen bekannten Namen.

Bei IAMTW ist ein Interview mit dem ehemaligen James Bond-Autor Raymond Benson erschienen. Eine umfangreiche, textlastige Homepage hat Benson auch.

Bei It’s a Crime empfehlen Krimiautoren Bücher.  Zuletzt Zoe Sharp, die Bücher von Ken Bruen, Lee Child, Robert P. Parker, Jeffery Deaver und Julia Spencer-Fleming (hm, dabei sollten die Autoren doch immer nur ein Buch empfehlen)  für den weihnachtlichen Gabentisch empfiehlt.

Robert B. Parker schreibt in der New York Times über ein Essen mit Ed Haris, der Parkers Western „Appaloosa“ verfilmt. Wo wir gerade bei Parker-Verfilmungen sind: der fünfte Jesse Stone-Film „Thin Edge“ mit Tom Selleck ist fast fertig und wird wahrscheinlich im Februar im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt (das deutsche Fernsehen könnte ja mal die ersten Stone-Filme bringen). Und seit Ende Oktober gibt es einen neuen Spenser: „Now and Then“.

Ian Rankin (zuletzt „Im Namen der Toten„)  ist ab Montag auf Lesetour:

Montag, 3. Dezember: Berlin: Babylon Berlin (Rosa-Luxemburg-Straße 30), 19.30 Uhr

Dienstag, 4. Dezember: Hamburg: Buchhaus Weiland im Mercado (Ottenser Hauptstraße 10), 20.45 Uhr

Mittwoch, 5. Dezember: Wien: Rabenhof Theater (Rabengasse 3), 20.00 Uhr

Donnerstag, 6. Dezember: Zürich: Kaufleuten (Pelikanplatz), 20.00 Uhr

Udo Wachtveitl liest die deutschen Teile.

Was sagen uns die Anfangszeiten über das Abend- und Nachtleben der Städte?


KrimiWelt-Bestenliste Dezember 2007

November 24, 2007

Am letzten Wochenende eines Monats erscheint die neue KrimiWelt-Bestenliste. Für den Dezember empfehlen die Kritiker:

 

1          (1)       James Sallis: Driver

2          (8)       Oliver Bottini: Im Auftrag der Väter

3          (5)       Ian Rankin: Im Namen der Toten

4          (7)       Arne Dahl: Ungeschoren

5          (-)        Jean-Patrick Manchette/Jean-Pierre Bastid: Lasst die Kadaver bräunen!

6          (3)       Rick DeMarinis: Kaputt in El Paso

7          (-)        John S. Cooper: Das 5. Flugzeug

8          (-)        Marek Krajewski: Gespenster in Breslau

9          (-)        Thomas Weiss: Tod eines Trüffelschweins

10       (-)        Jo Nesbø: Der Erlöser

 

In der Klammer ist die Platzierung des Vormonats.

Mit Sallis, Rankin und DeMarinis sind drei Bücher drin, die mir auch sehr gut gefallen haben. Der Manchette/Bastid ist bei mir noch nicht eingetroffen. Aber die anderen Bücher von Jean-Patrick Manchette haben mir gut gefallen; die Verfilmungen weniger. Bottinis Aufstieg erstaunt mich etwas. Denn die Kritiken, die ich gelesen habe, waren durchwachsen bis negativ.

Auf der Januar-Liste sollten dann Nick Stone, Paul Temple, Thomas C. Cook, Martin Cruz Smith und, vielleicht, Gianrico Carofiglio sein. F. Paul Wilsons neuester Handyman Jack-Roman hat dagegen wahrscheinlich keine Chancen.


VDD unterstützt WGA

November 20, 2007

Das ist eine erfreuliche Meldung: Seit einigen Tagen blogt der VDD, äh, der Verband deutscher Drehbuchautoren. Er unterstützt den Streik der amerikanischen Drehbuchautoren. Deshalb heißt der Blog „VDD supports WGA strike!“

Weitere Infos gibts natürlich bei der WGA und in den Blogs zahlreicher Drehbuchautoren. Zum Beispiel John August, Lisa Klink,   Lee Goldberg (direkt hier, hier und weitersuchen), Ken Levine, Nikki Finke’s Deadline Hollywood, undundund (halt immer den Links folgen).


Happy Birthday, Marty!

November 17, 2007

Ein Blick in den Kalender zeigt’s: Martin Scorsese wurde am 17. November 1942 geboren und im Fernsehen kommt nichts, außer morgen dem durchwachsenen Thriller „Kap der Angst“ (BR 3, 23.15, VPS 23.00).

Dabei hat Martin Scorsese uns in den vergangenen Jahren so viele schöne Stunden beschert und vergangenes Jahr den längst überfälligenOscar für „Deeparted – Unter Feinden“ erhalten. Als nächstes verfilmt er wahrscheinlich „Shutter Island“ von Dennis Lehane.

Filmzeit über Martin Scorsese

Anmerkung aus Hollywoods Gerüchteküche: Einige Zeit war Martin Scorsese als Regisseur der Don Winslow-Verfilmung „The Winter of Frankie Machine“ im Gespräch gewesen. Jetzt ist Michael Mann im Gespräch.


Bill Pronzini neuer Grandmaster der MWA

November 16, 2007

Die Mystery Writers of America (MWA)  haben ihren neuen Grandmaster bekanntgegeben. Es ist, nach Stuart M. Kaminsky und Stephen King, Bill Pronzini. Der produktive Autor ist mit Marcia Muller verheiratet. Zu seinem Opus zählen zahlreiche Anthologien, Einzelwerke und die über dreißigbändige Serie mit einem namenlosen Privatdetektiv (Nameless Detective Serie). In Deutschland blieb ihm bis jetzt der große Durchburch versagt.

Hier gibt’s einige weitere Informationen:

The Rap Sheet über die Nominierung: Ain’t It Grand

Mystery File über Grandmaster Bill Pronzini

Thrilling Detective über Bill Pronzini

Fantastic Fiction über Bill Pronzini 

 Krimi-Couch über Bill Pronzini

Kaliber .38 über den letzten Versuch Bill Pronzini in Deutschland zu etablieren 


Neu im Kino: American Gangster

November 15, 2007

Genrejunkies freuen sich seit Wochen auf „American Gangster“, den neuen Film von Ridley Scott, mit Denzel Washington und Russell Crowe, nach einem Drehbuch von Steven Zaillian. Zaillian schrieb auch die Bücher zu „Schindlers Liste“, „Hannibal“, „Gangs of New York“ und „Die Dolmetscherin“; halt immer Qualitätsarbeit. Die Inspiration für das zweieinhalbstündige Biopic war das Leben von Frank Lucas. Der in Harlem lebende Afroamerikaner importierte in den frühen Siebzigern in die USA mehr und bessere Drogen als die Mafia, weil er den Drogenhandel wie ein normales Geschäft anging. Cop Richie Roberts machte es sich zur Lebensaufgabe, den Gangster zu jagen. Zu seinen schlimmsten Gegnern zählten dabei korrupte Polizisten.

Mark Jacobson schrieb den „New York“-Artikel „The Return of Superfly“, der als Inspiration für den Film diente.

Max Allan Collins  schrieb das Buch zum Film. Bis jetzt ist keine deutsche Übersetzung angekündigt.

Das Drehbuch von Steven Zaillian wird definitiv nicht übersetzt, kann aber hier gelesen werden.

Der englische Wikipedia-Eintrag ist sehr informativ; die deutsche und die amerikanische Homepage zum Film unterscheiden sich nur in akustischer Hinsicht.


Ira Levin gestorben

November 14, 2007

R. i. P.: Ira Levin, 27. August 1929 – 12. November 2007

Zwei Tage nach Norman Mailer starb ein weiterer amerikanischer Autor. Ira Levin schrieb wenig, aber „Der Kuss des Todes“, „Rosemaries Baby“, „Die Frauen von Stepford“, „Die Boys aus Brasilien“ und „Sliver“ waren als Buch und Film erfolgreich. Er schrieb Thriller, die mal mehr Krimi, mal mehr Horror, mal mehr Science Fiction, aber immer spannend waren.

Hier die erste Meldung zu seinem Tod in der New York Times, hier die Spiegel Online-Meldung und hier ein Verzeichnis seiner Werke.


Kurz notiert

November 14, 2007

„Stirb langsam 4.0“ ist jetzt in mehreren Fassungen auf DVD erschienen. Aber die Unrated-Version gibt es in Deutschland noch nicht. Schnittberichte zeigt die Unterschiede zwischen der Kinofassung und der wohl ursprünglich geplanten Fassung (vor allem mehr „Fucks“).

„Deadline“ heißt die neue, am Donnerstag startende Sat.1-Krimiserie. „Deadline“ heißt ein 2005 von Katharina Bachmann veröffentlichter Roman. Jetzt, so Quotenmeter, läßt sie das Schutzrecht für den Titel prüfen; also ob sie den alleinigen Anspruch auf den Titel „Deadline“ hat. Da sollte die Dame aber nicht in der Internet Movie Database recherchieren: eine genaue Übereinstimmung des Titels wird 29 mal gefunden. Wenn jetzt die Produzenten die Autorin verklagen, weil ihre älteren Rechte an dem Titel verletzt wurden…

Aber vielleicht hat Bachmann auch den Titel von Rogelio J. Pineiro  geklaut. Denn sein Buch „De@dline“ erschien bereits 2004 bei Bastei-Lübbe.

Fragen über Fragen.

Während des Nachdenkens können wir auch mal das Drehbuch zu einem deutschen Serienkrimi lesen. Das Ehepaar Eva und Volker A. Zahn haben ihr Drehbuch zur „Soko Leipzig“-Folge „Herrenrunde“ online gestellt.

Das gibt mir die Gelegenheit endlich auch darauf hinzuweisen: Die BBC hat in ihrem writersroom etliche Drehbücher online. Für uns Krimifans sind natürlich die Krimi-Drehbücher interessant. Es sind „Silent Witness: Schism“ von Christian Spurrier,  „Waking the Dead: Shadowplay“ von Ed Whitmore, „Life on Mars, Episode 1“ von Matthew Graham und Doctor Who ist auch an Bord.

Ziemlich blöd versteckt hat „Die Zeit“ den schönen Artikel von Dominik Graf über Samuel Fuller, seinen Kressin-Tatort „Tote Taube in der Beethovenstraße“ und zwei, damals ebenfalls in Deutschland arbeitende, Regiekollegen. Wer die Wochenzeitung nicht kaufen will, kann’s hier lesen.

Nicht so versteckt ist in der heutigen „taz“der Artikel von Andreas Fanizadeh über die Edition Nautilus (mehr) und ihr Zugpferd Andrea Maria Schenkel (weniger).  


One World Berlin – ab Mittwoch mit mir

November 12, 2007

Am Mittwoch beginnt das hier bereits erwähnte One World-Festival. Die Humanistische Union präsentiert mit der Gustav Heinemann-Initiative beim diesjährigen „One World Berlin – Filmfestival für Menschenrechte und Medien“ diese Veranstaltungen:

 

Eröffnungsveranstaltung

Mittwoch, 14. November, 19.30 Uhr, KATO (U-Bahn „Schlesisches Tor“)

Mit:

Bernhard Docke (Anwalt von Murat Kurnaz),

Hans-Christian Ströbele (Mitglied des Bundestages),

 Tamer Yigit (Künstler),

Fredrik Roggan (Humanistische Union)

 

Der diesjährige Festivalschirmherr Bernhard Docke hat den Bremer Guantánamo-Häftling Murat Kurnaz verteidigt. Kurnaz (mit dem Ko-Autor Helmut Kuhn) hat die Erlebnisse während seiner Inhaftierung ohne rechtmäßige Verurteilung in dem Buch Fünf Jahre meines Lebens – Ein Bericht aus Guantánamo niedergeschrieben. Schauspieler/Regisseur/Musiker Tamer Yigit wird von Kurnaz ausgewählte Buchpassagen lesen.

Beschränkte Kartenzahl, daher Voranmeldung unter 030 – 24 31 30 30

 

 

Workshop: Film/Video/Neue Medien und Menschenrechtsvermittlung

Samstag, 17. November, 11.00 – 18.00 Uhr, Haus der Demokratie und Menschenrechte (Greifswalder Str. 4, Tram „Am Friedrichshain“)

Mit:  

Meira Asher (Regisseurin/Sound Artist),

Emanuel Vaughan-Lee (Regisseur),

Claudia Lohrenscheit (Deutsches Institut für Menschenrechte),

Angie Koch (Filmverleiherin, Neuzeit Film)

 

Medienmacher/innen, Filmbusinessleute, NGO-Vertreter/innen, Entwickler/innen von sozialen Kampagnen, Bildungsexpert/innen stellen ihre Arbeit vor und tauschen sich aus. In drei Gesprächsrunden wird über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zwischen Filmemachern und NGOs, der Ansprache bestimmter Zielgruppen am Beispiel von Jugendlichen und dem Erreichen einer breiten Öffentlichkeit informiert und diskutiert.

Der Workshop richtet sich in erster Linie an NGO-VertreterInnen, die in diesem Bereich demnächst etwas tun wollen oder schon einschlägige Erfahrungen gesammelt haben.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Eine Anmeldung ist daher erforderlich unter 030 – 20 45 02 56 oder info@humanistische-union.de

 

 

Film „The Trap: What happened to our dream of freedom“ (GB 2007)

Sonntag, 18. November, 18.00 Uhr, Brotfabrik (Prenzlauer Promenade 3, S-Bahn „Prenzlauer Allee“)

Mit:

Prof. Dr. Bernd Ladwig (FU Berlin)

 

In drei Stunden zeichnet Adam Curtis in seinem beeindruckenden BBC-Dreiteiler „The Trap: What happened to our dream of freedom“ von Adam Curtis. In drei Stunden zeichnet er nach, wie sich während des Kalten Krieges ein reduzierter Begriff von Freiheit und ein ebenso reduziertes ökonomisches Menschenbild (ich sage nur Rational Choice und Public Choice) zuerst in der Wissenschaft und später in der Politik durchsetzte. Er zeigt, wie Ideen die Welt verändern können. Er zeigt, wie das Rational-Choice-Menschenbild und der Glaube, alles messen zu können, die Politik beeinflusst. Denn wenn die Politiker nur noch von selbstinteressierten Menschen ausgehen, werden sie eine bestimmte Politik machen. Eine Politik die bestimmt ist von Misstrauen und Paranoia. Denn eine der Kernpunkte des Rational-Choice-Menschenbildes ist, dass man niemand vertrauen kann. Ein anderer, dass jeder nur noch nach seinem eigenen Glück streben solle. So etwas wie Gemeinschaft, Vertrauen undsoweiter gibt es nicht.

 

 

Film „Taxi to the Dark Side“ (D/USA/GB 2007)

Mittwoch, 21. November, 19.00 Uhr, Acud (Veteranenstraße 21, U-Bahn „Rosenthaler Platz“, S-Bahn „Nordbahnhof“)

Mit:

Andrea Arndt, Behandlungszentrum für Folteropfer

Britta Jenkins, Behandlungszentrum für Folteropfer

Prof. Dr. Rosi Will, Bundesvorsitzende der Humanistischen Union, Professorin an der Humboldt-Universität

 

Der afghanische Taxifahrer Dilawar wird 2002 während einer Taxifahrt mit seinen Fahrgästen vom US-Militär festgenommen und ohne einen Prozess im Gefängnis festgehalten. Fünf Tage später stirbt er in seiner Zelle an den Folgen der Misshandlungen, die ihm die US-Soldaten zugefügt haben. In der gleichen Weise sind seit dem Beginn des „Krieges gegen den Terror“ über hundert US-Gefangene unter mysteriösen Umständen umgekommen. Die mehrfach ausgezeichnete Dokumentation zeigt den Umgang mit Folter als legitimes staatliches Handeln vonseiten der Bush-Regierung und wie sie dadurch gegen die Genfer Konvention verstößt.

Spielfilmlange Doku über den fälschlich als Terrorist beschuldigten afghanischen Taxifahrer Dilawar. Er wird verhaftet, gefoltert und stirbt fünf Tage später. Gibney zeigt in seiner eindrücklichen, sachlich argumentieren Dokumentation am Schicksal eines Jedermanns, wie die US-amerikanische Regierung ihre Soldaten ermutigte, Folter als Verhörmethode wieder einzusetzen.

“Taxi zur Hölle” wurde auf den Filmfestival in Tribeca (New York) und Chicago als beste Dokumentation ausgezeichnet.

 

Weitere Informationen zum One World-Festival

Weitere Informationen zur Humanistischen Union

Weitere Informationen zur Gustav Heinemann-Initiave


Vorratsdatenspeicherung – die Beerdigung eines Grundrechts

November 10, 2007

Während im Bundestag die Regierung die Vorratsdatenspeicherung beschloss, trafen wir von der Humanistischen Union uns bei der feierlichen Beerdigung des davon betroffenen Grundrechts.

Einige Aufnahmen (einige Aufnahmen wurden von mir geschossen) gibt es hier.

Weitere Infos zur Debatte und den Positionen verschiedener Verbände bei ARD (sogar mit Bilder der HU-Aktion), Spiegel Online oder beim Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung. Die beruhigenden Worte der Justizministerin klingen überhaupt nicht beruhigend, wenn just heute bekannt wird, dass Polizisten die Post von vier Berliner Tageszeitungen durchsuchte und Gespräche beim NDR abhörte.


Vorratsdatenspeicherung – nach der Demo

November 7, 2007

Die angekündigte Demo gegen die Vorratsdatenspeicherung ist gelaufen. Heise berichtet mit Text und Bild, Spiegel mit Text und Video – und sicher findet sich auch in der Tageszeitung ihres Vertrauens ein Artikel darüber.


Kleinkram: Cain und Christie, Carnahan und Hollywood

November 6, 2007

Vor einigen Tagen postete ich Elmore Leonards Schreibregeln. Die Tage hat im „Outfit“ Krimiautorin Barbara D’Amato über das gleiche Thema geschrieben. Sie bemerkt, dass „James M. Cain and Agatha Christie“ die gleichen literarischen Techniken benutzen:

In structure and technique James M. Cain and Agatha Christie are very much alike. (…) For example, it is told mostly through dialogue, as are Christie’s novels. Both authors are far more “show, don’t tell” than was most fiction of the period.

The sentences are direct, using nothing that a friend of mine used to call „fancy writin“. (…) Or elaborate scene setting. Like Christie, Cain gives you only as much setting as you need. It has been said about Christie that she never includes a scene just for atmosphere or padding. Every scene advances the plot. Cain too.

Both writers are deceptively plain and forthright. Robert Barnard has said about Christie that her writing seems simple, and yet is very subtle. Both authors are so declarative that the reader takes the information as simply true, a useful deception in Christie’s puzzles.

Christie believed a novel should be capable of being read in one day. Cain’s novels can be gobbled in an evening.“

Ups, das ist ein Unterschied.

Es wird zwar noch verhandelt, aber anscheinend darf Joe Carnahan (so blogt er) zuerst „Killing Pablo“ verfilmen und dann „White Jazz“. (Hier geht’s zu den Drehbüchern.)

Drehbuchautorin Lisa Kling sagt, was sie derzeit in Hollywood tut: Sie geht mit einem Schild auf den Bürgersteig – und trifft alte Kollegen.


Vorratsdatenspeicherung: Dienstag Demo dagegen

November 5, 2007

Kurz bevor der Bundestag über die Vorratsdatenspeicherung (die Speicherung von allen Telefon- und Internetdaten von allen in und aus Deutschland getätigten Verbindungen für ein halbes Jahr, denn es könnte ja für die Strafverfolgung wichtig werden) beschließt, reagiert die Justizministerin dünnhäutig und beschimpft den Bundesbeauftragten für Datenschutz als wenig sachkundig. Ist ja auch nervig, wenn nicht nur die üblichen Verdächtigen stänkern, sondern tausende Bürger auf die Straße gehen und Bürgerrechtsorganisationen, Unternehmen, Journalistenverbände, die evangelische Telefonseelsorge, Psychologen- und Ärztevereinigungen die Vorratsdatenspeicherung ablehnen.

Das Nerven der Politiker geht weiter. Am Dienstag gibt es in zahlreichen Städten Demos dagegen. Die Berliner versammeln sich ab 17. 00 Uhr vor dem Bundestag (naja, fast direkt davor) und lauschen den Worten von

  • Martin Buchholz, Kaberettist
  • Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, MdB FDP
  • Petra Pau, MdB Die Linke
  • Hans-Christian Ströbele, MdB Bündnis90/Die Grünen
  • Prof. Rosemarie Will, Humanistische Union

Kleinkram mit Elmore Leonard – und anderen

November 4, 2007

The Rap Sheet hat die vergangenen Tage das Erscheinen von „Elmore Leonard’s 10 Rules of Writing“ mit mehreren Artikeln und einem Wettbewerb begleitet. Sehr interessant ist das Interview mit Elmore Leonard über das Schreiben.

Eine ältere und kürzere Fassung seiner zehn Schreibregeln kann bei der New York Times gelesen werden. Für das kurze Buch (96 illustrierte Seiten) hat Leonard seine für einen Vortrag schnell hingeschriebenen Regeln noch einmal überarbeitet und erweitert. Wer kein Englisch kann, die Regeln aber trotzdem kennen möchte:

1. Beginne ein Buch niemals mit dem Wetter.

2. Vermeide Prologe.

3. Benutze niemals ein anderes Verb als “sagte” um einen Dialog voranzubringen.

4. Benutze niemals ein Adverb um “sagte” zu verändern.

5. Benutze keine Ausrufezeichen.

6. Benutze niemals die Worte “plötzlich” und “die Hölle brach los”.

7. Benutze Dialekte sparsam.

8. Vermeide genaue Beschreibungen von Personen.

9. Beschreibe Plätze und Gegenstände nicht zu detailliert.

10. Versuche die Teile wegzulassen, die der Leser überlesen wird.

Ohne eine längere Erklärung klingen diese Regeln etwas harsch, aber ich halte sie für zutreffende Regeln. Denn meistens ist ein Buch, das mit einer ausführlichen Beschreibung des Wetters oder einem Prolog beginnt einfach langweilig. Denn das Wetter hat nichts mit der Geschichte zu tun (jedenfalls meistens) und mit einem Prolog sagt uns der Autor, dass er noch nicht mit seiner Geschichte beginnen will (bei „Lolita“ sind die Vorworte allerdings ein Teil der Geschichte). Die meisten anderen Regeln fordern Autoren auf, etwas mit wenigen und einfachen Worten zu sagen. Denn alles andere lenkt von der Geschichte ab. Das gleiche gilt für den Hinweis, möglichst keine Personen, Orte und Gegenstände zu beschreiben. Denn auch diese Teile haben normalerweise nichts mit der Geschichte zu tun und, wenn der Roman in der Gegenwart spielt, weiß der Leser, wie ein Mercedes aussieht.

 

Krimiautor John Rickards macht sich seine Gedanken über das Genre: Our Genre has no clothes.

 

David Geffner schreibt im Hollywood Magazine über Jim Thompson in Hollywood.

 

Regisseur Joe Carnahan ließ es zuletzt mit „Smokin’ Aces“ mächtig krachen. Seine nächsten Projekte „Killing Pablo“ und „White Jazz“ gehen dagegen wieder in Richtung seines Debüts „Narc“, einem düster-realistischen Polizeifilm. Schon vor dem Drehbeginn sind die Drehbücher online. „Killing Pablo“ basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch-Bestseller von Mark Bowden. Er erzählt die Geschichte von Pablo Escobar. „White Jazz“, das er zusammen mit seinem Bruder Matthew Michael Carnahan („Operation: Kingdom“, „Von Löwen und Lämmern“) schrieb, ist die seit langem erwartete James Ellroy-Verfilmung. In seinem Blog sagt Carnahan, dass er mit einem baldigen Drehbeginn rechnet.

 

Die aktuellen Informationen zum WGA-Streik gibt es hier – und hier gibt es einen Artikel von Pat Sierchio über die Anfänge der WGA (hmhm, im kapitalistischen Amerika haben die Autoren eine Gewerkschaft, im sozialdemokratischen Deutschland…)

 

Und mit „Tatort Krimi“ gibt es einen weiteren Blog, der sich der einzig wahren Literatur widmet (neben all den anderen).


Krimiwelt-Bestenliste November 2007

Oktober 27, 2007

Monatsende – Zeit für die neue Krimiwelt-Bestenliste. Für den November empfehlen die Kritiker:

1          (3)       James Sallis: Driver

2          (2)       Heinrich Steinfest: Die feine Nase der Lilli Steinbeck

3          (5)       Rick DeMarinis: Kaputt in El Paso

4          (4)       Deon Meyer: Der Atem des Jägers

5          (-)        Ian Rankin: Im Namen der Toten

6          (-)        Hannelore Cayre: Der Lumpenadvokat

7          (8)       Arne Dahl: Ungeschoren

8          (-)        Oliver Bottini: Im Auftrag der Väter

8          (-)        Ulrich Ritzel: Forellenquintett

9          (1)       Andrea Maria Schenkel: Kalteis

In den Klammern ist die Platzierung vom Vormonat. Schenkel rapider Abstieg liegt an den Regeln. Ansonsten James Sallis, Rick DeMarinis, Ian Rankin (Ich lese es gerade: bis jetzt ist es ein G8-Bericht mit Krimibeigabe. Die Besprechung gibt’s demnächst.): gut.


Zwei Arten, mit Zeichnungen umzugehen

Oktober 26, 2007

Pulp Covers können als Titelbilder bei neuen Büchern dienen:

collins-two-for-the-money.jpg

oder man macht das damit.


Viele neue Drehbücher online

Oktober 26, 2007

Zwei der Filme sind noch nicht in Deutschland gestartet, aber bereits jetzt sind die Drehbücher für einige Kriminalfilme (wie gewohnt lege ich den Begriff großzügig aus) online:

Steven Zaillian: American Gangster (American Gangster; auf Tatsachen beruhender Gangsterfilm von Ridley Scott mit Denzel Washington und Russell Crowe; Kinostart: 15. November 2007)

Tony Gilroy, Scott Z. Burns, George Nolfi: The Bourne Ultimatum (Das Bourne Ultimatum; Abschluss der Bourne-Trilogie von Paul Greengrass mit Matt Damon – läuft bereits)

Adam Mazer, William Rotko,  Billy Ray: Breach (Enttarnt – Verrat auf höchster Ebene; auf Fakten basierender Geheimdienstfilm von Billy Ray mit Chris Cooper und Ryan Phillippe – läuft bereits)

Bruce A. Evans, Raynold Gideon: Mr. Brooks (Mr. Brooks – Der Mörder in Dir; ein psychologischer Thriller von Bruce A. Evans mit Kevin Costner, Demi Moore und Marg Helgenberger; Kinostart: 29. November 2007)

Matthew Micahel Carnahan: The Kingdom (Operation Kingdom; Politthriller von Peter Berg mit Jamie Foxx und Chris Cooper – läuft bereits)

Scott Alexander, Larry Karaszewski: 1408 (Zimmer 1408; Stephen King-Verfilmung von Mikael Hafstöm mit John Cusack und Samuel L. Jackson – läuft bereits)


Sachdienliche Hinweise von Block bis Voss

Oktober 22, 2007

Tobias Gohlis schreibt jetzt nicht mehr in sein Krimitagebuch, sondern in seinen Blog.

Krimiautor Willi Voss ist unter die Blogger gegangen. Außerdem hat er mir (und damit der Krimiwelt gesagt):

Ja, ist wirklich an der Zeit, wieder einmal einen Krimi zu schreiben… ist in Arbeit. Nachdem ich einen dickleibigen Thriller fertig gestellt habe, der noch seinen Verleger sucht, steht das Ende des neuen Kriminalromans in Aussicht. Gute sechs Wochen noch, denke ich. Ob das Comeback gelingt, wird sich zeigen. 

Das hört sich gut an.

Kurz notiert:

The Writing Show interviewt David Simon, den Macher der Krimiserie „The Wire“ (Eine realistische, hochgelobte Serie, für die auch Ed Burns, Richard Price, Dennis Lehane und George Pelecanos schrieben. Über einen deutschen Start ist noch nichts bekannt.)

Mark Coggins interviewt Joe Gores über Dashiell Hammett (In dem Interview verrät Joe Gores auch, dass er Jahrzehnte nach seinem Roman „Hammett“ jetzt ein Prequel zu „Der Malterser-Falke“ schreibt.)

Blockianer aufgepasst! Krimiautor Wallace Stroby schreibt über den Matthew Scudder-Krimi „The Devil knows your’re dead“: „It is, in my mind, the ne plus ultra of the Scudder books and maybe one of the ten best private eye novels ever.

Things I’d rather be doing schreibt, dass die Sammlung von sehr frühen Kurzgeschichten „One Night Stands“ von Lawrence Block 2008 wiederveröffentlicht wird. Die erste Auflage ist schon lange ausverkauft. (Etwas runterscrollen bis „Early Lawrence Block stories coming back to print“)

Außerdem:

Heute ist der Erstverkaufstag von „Im Namen der Toten“ (The Naming of the Dead, 2006), dem neuen John Rebus-Roman von Ian Rankin. Das ist für uns ein viel wichtigeres Ereignis als der neue Harry Potter.  Eine Besprechung von dem fast sechshundertseitigen Werk gibt es demnächst.